- Aus Baden 24. März, ichreibi mcm kw! .Schnx. Mxrkue“: [ Schaxfe„Kritik an, ke: Richtung der Movx'xicbsn Schule ubt eme so, eben er1chieneno Gcscbicbte dcs badmcben Landes zur Zeit der Römer. Der Verfasser, Staaisraih K. 13. Becker, de_r früher eine höhere “'.-"te “ung iu russischem Dienste bekleidete uud seat cini e" Jahren seinen ohnfiß in Karlsruhe genommen. bat,_ i_aßt bas e- iultat sei'aer die umfaffendste Beherrschung der emicblagtgeu Literatur bekundemden Ausführungen und der an _Ort und SteUe _wiederholt angeFHllten Untersuchungaxxin m_ue Tbe1en zusammen,_d1e mit der Mméscbeu Geschichtsaaftaxmng m direktem Geamsaß sieben. Von den Städten in Baden ]äßt Hr. v. Becker uur Constan; und Baden ux'o etwa noch Badenweiler uud Ladenburg als römisch gelten, Deu 'kémiichcn Ursprung der Vuxgcn verwirft er für das Zshntland völlig.
_ Die Akademie rrancxaise hatte am 30. v. M, einen neuen siändiaen Skkrotär an Stelle des verstorbenen Patin zu er- n-xmen. Gcwäbi: wurde Hr, Camille Doucct, cin drama- tischcr Dichter, mit 21 Stimmen. 7 Stimmen entfielen auf seinen Mitbewerber, Hrn. Camiüe Rouffet, den Historiker und Archivar, Verfasser des verdienstvollen Buchs über die „FreiwiUigen von 1792“, und 1 “Stimme auf Sylvestre de Sacy.
Gewerbe und Handel.
Pest, 3, April. (W. T. B.) In der gestern stattgebabteu Generalversammlunn der ungarischen allgemeinen Kreditbank Wurde die 23114133 vorgelegk. Dieselbe WLKst nach be- déutenden Abschreibungen einen Reingewinn von 485,725 Fl, auf. Zur Ergänzung desselben auf 600,000 F1. behufs Deckung der Zmsen
Berlin, den 3. April 1876.
Unter den Landschaften, welche die Ausftellung des Berliner Künftkerpereins während der leyten Wochen yor- sührte, ist an erster Stelle eines großen Bildes von K. F. L "es s ing zu gedenken, das die poetisck) schöpferische_ Kraft bes beru_hmte_n, trois seines hoben Alters noch immer rüstrgen Meisters mchtwm geringften ermattet erscheinen läßt. Das Moiiv der dargeftxllten Scenerie hat der Maler, wie in mancher seiner früheren Lanp- sckmsten, der Eifelaegend eutnommen/ Ueber eine sich weithin dehncnde Gebirgsfläcbe, aus deren seitwärts ansteigendem Ter- rain mächtige kahle Felsvlöcke anfragen, blickt der Bcschamr in eine meisterhaft vertiefte öde, leere Ferne und auf ihre am Horizont sich in blauem Duft vcrlierenden Hügelketten; vom Vordergrund aber windet sich, an einem stillen Wasser vor- beiführcnd, am Fuße der Höhen ein schmaler Pfad zu einem in Flammen stehenden einsamen Städtchen hin, über dessen Dächern fick) die qualmemden Rauchwolken, von der schweren Luft nieder- gedrückt. müvsam zu dem finsteren, von schwärzlich grauen Regen- wolken verhüliten Himmel cmporringcn. Es ift vor aUem der ernste elegische Ton der Schilderung, der ergreifendeZusammen- klang des Menschenschicksals mit der wahr und charaktervoll wiedergegebenen, erhabenen Großartigkeit der Natur, der in dieser Kompofiiion wie in früherer gleicher Art den Beschauer nach- haltig fesselt; abkr au11 in seiner Behandlung, wenngleich sie vielleicßt nicht vöilig auf der Höhe modernster Malerei steht, wirkt das Ganze io frisch und kräftig, wie es tief und gesund empfunden ist.
Eine verwandte Natur schildert Hes s e in einer großen Harzlandschaft, die aber doch durch die außerordentliche Feinheit ihres Tons nicht ganz für eine gewisse Leere des Motivs zu ent- schädigen weiß. Dein) interessanjer erscheint Jacobs „Ansicht von Subiaco“, ein in sattem, warmen Ton mit sicherer Bravour, nur ein wenig zu dekorativ behandeltes, dabei aber höchst originell aufgefaßtes und durch eine buntbewegte Staffage römischer Land- leute sehr glücklich belebtcs Bild des in malerischer Gruppirung mit seinen Häusern und Mausrn an dem steilen Felsenhang emporsteigenden und von dem hochgelegenen Kastell bekrönten Städtchens.
Neben einer kleineren, sorgsamst durchgeführten italienischen Landschaft des verstorbenen Marko ist auch noki] von Lutte- rotl) ein ansprechendes, sonniges Capri-Vild vorhanden. Ein größeres Bild desselben Künstlers, ein gut komponirtes Motiv aus einem Schioßpark mit einer präch1igen, fick) schatten?) am Rande des glixzernden Sees erhebenden Baumgruppe und der Staffage einer Dame mit zwei Kindern in hellster Sommer- kleidung, erstrebt in seiner eleganten, zarten und lichten Färbung, die von früheren Arbeiten des Malers erhebiiäq abWeicht, einen besonders originellen koloristischen Effekt. Obgseick) aber dabei die stille, sonnig heitere Stimmung der Natur keineregs ver- fehlt ist, so steht die gesammte malerische Haltung doch 13th an der Grenze einer süßlickzen Manier, wie fie in dem noch duftiger verblaienen Ton eines Frühlingsbildes bereits entschieden un- angenehm wirkt.
Vici glücklicher ist in eincm Bilde von Hermes, rötblick) blühenden Obstbäumcn und Büschen, die mit ihrcm dichten Gczwcig tief iibcr das ruhig hinflicßends WaffCr herabhangsn, ein ganz ähnliches 'Fkiiblingsmotiv injenem fcincn silbergrauen Ton bcbandelt, durch den auch eine neue hoiländisM Landschaft des Künstlch, cin Gehöft am Rande Lines tici in das Bild fich bineinjclsebenben, zwiickxn flachen Wiesengründen langsam daher- ziebcndeu Kanals, sich ebenso auszeichnet wie durch die meister- lick) in ihr getroffene Warme, leicht vcrschleicrte Luft, die fast schläferige, iommcrliche Ruhe der geschilderten Natur.
Durch eine glückliche Wiedergabe der anheimelnden land- schaftlichen Stimmung tritt ferner ein Waldinterieur, Motiv aus der Rhön, mit weidendcn Kühen von Koken, das troß des seltsam zerhackten Baumjchlags doch eine trefflich geschlossene und wahre Wirkung erzielt, sowie ein noch feiner getönter sonniger „Mittag im Kieferwalde“ von Dunz hervor, der nur in der Staffage einer ruhenden Rinderheerde eine genauere Durchbildung der Formen vermissen läßt. Ein „Morgen im Dorf“ mit znr Weide aUSziehender Schafheerde von Malchin würde bei der intimen Beobachtung der Natur und der liebe- vollen Durchführung im Detaik einen noch ungleich günßigeren Eindruck machen, wenn der Gesammtwn klarer und frischer wäre. Neben zwei Bildern von Flickcl, einer kleinen „Donau- 1andschaft“ von einfach schlichter und treuer Wahrheit amd einer in Brem dichten Grün etwas schwer und kalt gerathenen bewal- dejen Uferpartie, einem in sehr energischer Beleuchtung kräf- tig Und sicher behandelten „Sonntag in Schleißheim“ von Quag-[io und einem Motiv von der schwedischen Küste von Antonie Viel ist endlich noch eine meisterhafte Marine von Salßmann, ruhig einhermogendes, von fern hinschw-xhen- dm Segeln belebtes Meer, dessen leicht gekräufelte Wellen den zarten röthlickzen Schimmer der am Horizont sinkenden Sonne wiederspiegeln, eine durch reichbewegte Staffage belebte, bei feinem grauen Ton nur allzu fkizzenhaft behandelte „Straße aus dem Iudenviertel von Warschau“ von Feddersen und eine „Straße aus Kairo“ von Ad. Boehm hervorzuheben, der hier in der Schilderung der malerischen Architektur, der dichten, bunten Volksmenge und der von den [ekten Sonnenstrahlen durchglühten heißen Luft eine nicht geringerx Meisterschaft zeigt,
von 5 76 für die Aktien werden 114,275 31. dx!" Reservefouds mk- tommm. Sämmtlicbe Anträge wurdcn gen:!)nugt und der bisherige Verwaltungkraih sowie di: Direktoren wiedergewählt.
Verkehrs-Außalten.
Einer Mittheilung des württembergischeu Finanz - Ministers v. Renner in d_er Kammer der Abgeordnxten infolge haben die württembergiichcn Staatsbahzteu bis 1. Juli 1875396Mi11. Mark Anlagekapiial erfordert, inbegnffep aller Gelder, welche mit Hülfe von Auleben, Grundstock, Restmxttelu, Vorsebüffen bxschafft wurden. An Zinsen mu te die Staatskaffe bis zu jenem Zeitpunkt im Ganzen 154 Mill. ark bezahlen. Dagegen betrug der Ertraq 140 Mill. Die Steuerpflickztiseu uquen „aiso pon 1845-75 14,160,000 .“ aufbringen, wobei auch die auzio1ca ewgerecbnet sind, welche sonst zum Anlazekapétal gerechnet werden. Ohne diese sind die Zinien aus dem Anlageiapétal durch den Ertrag der Bahnen fast nahezu gedeckt. Außerdem aber sind aus den St_euern 19,500„000 .“ an der Eisenbahnstbuld, somit am Anlagekapttal getilgt _worden. Nach Abrechnung dieser Tiigung an der Schuld betragt je t d'er Zährlicbe Zins ker Eiicnbahn'cbuld 11,892,000 „“,-der Ertrag (1 er ist ür 1876 auf 12.605000 .“ berecbnet, somit_1st fur 187%: der Reinertrag dcr Ciienbahnen nicht ganz erforderlich _zu Bezahlung der Zinsen aus der jxßigeu Eisenbabnichuid, Dsr Munster fug_te bmzu, daß fich Württemwerg demnach in einem günstigen Verhaltnis; be- finde _und nach seiner Ansicht ruhig in die Zukunft blicken könne, vor- auögcießt, daß in die jest bestehenden Verhältnisse keine Störung von außen hereintrete.
als in früheren ähnlicher! Bildern, deren Motive der Heimath entlehnt waren.
Den Orient vertreten außer dem eben genannten Maler noch Berninger und Körner, der Erstere mit zwei kleinen Straßenpartien von sehr entschiedener, aber nicht ganz über- zeugender Tonstimmung, der Leßtere mit einem Blick auf Stambul, hinter dessen in feinen grauen Duft gehüllten Häuser- maffen der klare Spiegel des Meeres sichtbar wird, während der ticfgetönte, durch eine Staffage vcrschleierter Frauen belebte, übrigens etwas schtvere Vorgrund mit seinen hohen Baum- gruppen von dem leßtcn warmen Wiederschein der nieder- gegangenen Sonne durchleuchtet ist.
Außer einem prächtigen, in tiefgesättigtem, kraftvollen Toi. mit meifterhafter Breite behandelten großen Stillleben, einer vor- züglichen Arbeit von Hertel, mijffen zum Schluß noch drei plastische Werke Erwähnung finden, eine von Silbernagel mochirte kleine Bronzestamette des Fürsten BiEmarck, die in der ruhig geschioffxnen, charakteristischen Haltung des Darge- ßellten wie in dem scharf beobachteten Ausdruck des Kopfes als eines der gelungensten Porträts des Reichskanzlers erscheint, und die in bronzirtem Zinkguß auögeführten, als Kandelaberträger gedachten Figuren eines Pagen und eines Edelfräuleins von Wiese, der auch hier stine Begabung für derartige dekorative Schöpfungen von neuem be- kundet, in der weitaus gediegeneren der beiden Gestalten, der- jenigen des Pagen in knapp anschließender Tracht der Früh- renaiffance, aber doch eine bedenkliche Neigung zeigt, den indivi- dueUen Reiz de: von der Natur dargebotenen Formen einer äußerlich jch1vungvollen, schematischen Zeichnung zu opfern.
Der Anmeldungstermin für die internationale Aus- stellung für Jugendpflege uud Volksbildung, die, wie wir bereits eingehend berichtet, im Sébloßparke zu Schönbolz bei Berlin in Aussicht genommen, ist bis zum 15. April aussedebnt wvrben, _ eine Maßregei, welche jédock) einc Einwirkung auf die Eröffnung der Ausstellung nicbt babm wird. Die AUJÜTÜUUJ wird in diesem Jahre von Denifcbland, Ocsterreich und der Schweiz 62- schickt. Das regste Interesse für das Unternehmen haben dieHandcls- kammern dieser Länder an dcn Tag gslegt, welche nicht nur “di:: Jn- dustriellen ibrcs Bezirkes zurTbeilnahme direkt aufforderten, sondern auch zum Theil selbst 'die Bildung von Auzstellungécomités in_die Hand nahmen. Zn Oesterreich hat außerdem die Montanindustrie fick) des Unierchmens angenommen. Nächstdem hat der ge- iammte deutsche Buchhandck eine rege Bethciligung an ken Tag ßel-gi. Un Ausstellung81).7,ilcn find elf in Nusficht genommen: Für Beschäfti- gungs- und Unterrichtsmittel alley Erziehungßmethoden, für 3. Lehr- und Lernmittel und 13. Erzeugnive des Buchhandels; fur angestopfie Thiere, lehrreiche Kunstgegenstände und Sammlungen; für pboto graphische und mikroskopische Apparate und Darsteunngcn; für Spiel- maaren und Apparate zur Jugendunterhaltung; für Turm, Fcueriöscb- und gymnastiicbe Apparaie; für Turn: und Touristen-Vekleidungs- stücke und Furzreise-Uienfilien; für Gartengerätbscbafien; für Be- wässernvgs- und Crleuchtungöapparate; für Kraftnahrungsminei; für präparirte Speisen und Getränke zur Mitnahme auf Reisen.
Die Dynamii-Explosion in Bremerbaveu.
In der wxqen der Bremerbavener Dynamit-Explofion vorn 11. Dszcmber1875 eingeleiteten Untersncbung sind seit dem vom unicrzeicbneien Amte am 28. Januar 1876 veröffentlichten Berichte die nachfolgend zusammenaesteliien Thatsachen ermittelt worden:
Bremerhabeu, am 25. März 1876.
HansestadtSBremisches Amt. ul
ß.
Des William King Tbomas richtiger Name ist Alexander Keith. Er ist_ in Halifax (Nova Scotia) geboren, Wo sein Vater John Keith uud 1ein Onkel Sir Alexander Keith als Brauereibefißer lebten. Leßierer, ein fehr angesehener uud vermögender Mann, hatte dem jungen Neffen eine Stelle in seinem Geschäfte gegeben,
Währen? des amerikanischen Secesfionskrieges wurdc Halifax ein Haupirmdezvousvlaß fiir Blockadebrecher,_ namentlich seit 1864, als in Nassau und Bermuda, den früheren Hauptstationen des Blockade- handels. das gelbe Fieber ausbrcxck).
Alexander Keith jau„ von 1einen Freunden gewöhnlich „Sandy Keith“ genannt, zeickmete sich durch Entbasiaömus für die Sache der Südstaaten, durch Unterstützung flüchtiger Südländcr und dnrch tbätigenden Antheil, den er an den Unternehmungen der blockade- brechxnden Schiffe nabm, so sehr aus, daß er von seinen Gesinnungs- genos1§n den Namen00ufec16r31600oaa1 erhielt. .Die Stellung in dem Geschafte seines Onkels gab er auf, um fich ganz dem Blockadebandel zu wiixmen. Jm Halifax Hotel, wo er Wohnung nahm, fpieltexr troß_1eines etw:s vulgärm Benehmens, namentlich seiner großen Unmaßigkeit im Essen und Trinken _ Wegen seines jovialen Wesens und seiner Jreigebigkeit eine bedeutende RoÜe. _- Genaue ;Be- ziehungen zu den Kapitänen der in Frage kommenden Schiffe. namentlich auch des von ibm bei seinen Bremerhavener Ge- ständnisien erwähnten Schiffes „Old Dominion“, und" das unbedingte Vertrauen, welches er sich unter den Anhangeru der Siid aaten und bey flüchtigen Südstaatlem selbst *cr- waxb,„ rü rten seinem Ge1chäfte reiche Geldmittel und erhebliche Anstrage zu. Sein Kredit bei den Banken in Halifax war izn- befchränkt. Gegen Ende des Jahres 1864 verschwand er bloß- licb von Halifax. Nach seinem Weggange stellte es sicb heraus, daß er seine Auftraggeber durcb Unter1chlagung auverttautey Gelder und durch Fälschungen um große Summen (man nahm an, im Gau- zen um 200,000 Dollarö) beschwinde1t batte. Unter den Geldern waren nach der Angabe eines Zeugen 32,000 Dollars Versicherungs- geloer auf eiueu_damals verunglückten Dampfer .Caledonia“. Thomas hatte das Schiff für den Eigeuthümer versichert, zog die Summe
nacb Untergang des Dampferö ein und unterschlug sie._ Andere Sum- mm hatte er dadurch erhalten, Daß er statt der Guter, die er im
- - Die Rentabilität _de'r“ badischen Staatseisen- babnen beziffert fich,eiuer Concwoudeuz der „St. AF. W.“ infolge, für das Jahr 1874 auf 3,86 0/9 (gean 4,24 0/0 im Jahr 1873 und 4,08 0/0 1872), Unter den einzelnen Otreckxvx hat (nach dem Stand von 1873) den höchsten Pro axisav bie Lune Kaarlsrube-Offenburs 12,55 0/9), dann Maanbetm- eidelberg-Karlswbe (11,98 0/9), Offen- urg-Freiburg (8,1: 0/9), die Rheinbalm Mannheim-Karlsrubx (6,21%), Basel-Waldshut (5,82 0/9), Daxlacb-Mäblacker (5,47 0/9). Em Defizit ergiebt sich auf den Linien Königshofen-Mergeutheim, LaudaxWertbeim, Singen-Villiuseu :c. Unter den Privatbahnen steht die Lmie Karls- rube-Maxau immer noch weit obeuan (mit 21,5o 0/9) nn Jahre 1874 gegen 23,03% 1873 und 31,20 0/0 1872). Die Wiesenthalbabn ertrag 1874 5,50 0/0. .
New-York ]. April. (W. T._B.) Der Dampfer des nord- deutscken Lloyd . eckar' ist hier eingetroffen.
Aus dem Wolffschen Telearaphen-Bureau'.
Wiesbaden, 2. April. (W. T. B.) Heute ist m der hiefigen katholischen Pfarrkirche der altkatholische Gottes- dienft durch Bischof Reinkens eröffnet worden. _
Münster, 2. April. (W. T. Der B.) Oberprafident v. Kühlwetter hat gestern Abend das Domkapitel zur Wahl eines Bisthumsverwesers aufgefordert und demselben gleichzeitig mitgetheilt, das; der Regierungörath Häger auf Gxund des §. 6 des Geseßes vom 20. Mai 1875 das Kirchenvermogen verwalten und in Verwahrsam nehmen werde.
Auftrage Dritter mit Blockadescbiffsu versenden i_ollte, wxxtblose Güter schickte und die Gelder für sich bebielt. Der großte Theil der Gelder war ihm baar für sein Geschäft anvertrczut, ,
Durch ein Zimmermädchen des Halifax Hotel, welchxs er xmt fich nahm, undwelches, später von ihm verlas en, nach Halifax zuruck- kehrte, erfuhr man, das; Keith sick) nzch _New'Yoxk gequdt habe und dort unter dem auch bei früheren GeschastSreqeu von ihm gebraych- ten Namen Alexander Kin Thompson lebe. Ueber seine bamgirgen New-Yorkec Beziehungen iZ: Nichts e::nittelt; cr scheint dcn großerxn Theil des von ihm aus Haiisax mitgenommenen Gelbes dort m Börsenipekulationeu verloren zu haben; denn als er Anfangs 1865 in Highland (JÜLnois) wieder auftaucht?, hatte_ er nur etwg 80,000 Dollar:“) bei sich, Nach Highland war er, an1cheincnd Will, er sich in New-York nicht m-hr sichex fühlte, auf A::ratixen eines m New - York getroffenen fcübexen Halifaxer Bekannten, gezogen, dym gegeküber er den Wunsch ausiprach, in einem vrn Etienbabnvcrbm- dungen fern liegenden Ort ungestört leben zu können. In Higblaxid lebte er unter dem Namen Alexander King Thompson „in der Weije eines reichen Rentiers, fceigebia, unbekümmert um seme AuGgabcn. Er habe in New-York in Börsenspekulationen erhsblicb' gewvnncn, erzählte er. Eines Tages bewirthete er alle Jusaffen seines Hotels mit Champagner, der für ihn a11ein im Hotei gehalt-m wurde, weil er, wie er 1agte, einen Posten von 20,000 Dollars (1253 New-York be- kommen, den er schon verloren geglaubt hätte. Bet dxesenL Gelage lernte er Cäcilie Pariö- die unébeliche Tochter einer in St. Louis wvhnenden Modistin Madame Paris kennen, die wegen Differenzen mit _ibrcr Mutter deren Haus vsrlaffen batte und" sich der einer deut1cben Familie in Highland aufhielt. Nack) 14tagigcr Bekannt- schaft verbeiratIetm sich beide. Sie hielt sich für krank; stewolle einen reichen Mann bciratbxn und ein paar Jahre vergnügtslcben, börte man fie wiederholt äußern. Gegen Ende 1865 faxd e_m von Ksith in Halifax um 25,000 Doüars beichwindelter Südlandkr, Obxkrst Luther R. Smoot, der den Spuren dés Betrügers_ über New York und St. Louis folgte, den Keith in Highland «_uf,“ ließ ibn verhaften und führt? ihn nach St. Louis, wo er fich Mit ihm abrand. Dem Verlangm deo Keith, iénen Aufenthalt andern Haiifaxer Bekannxen nicht verratben zu onen, erkläxte Smoot uicht uachkbmmxn zu kon- nen. In Folge dessen ical?F sicb Keith gezwungen, Highland zu vx!- lassen, und er und seine rau gingen im Januar 1866, wie dies schon früher mitgetheilt ist, mit dcm_Llcyo-Dampser_,Herman_n“ nach Europa. Nach Rückkehr aus 1eincr Haft erzablte_ Keith in Highland, er sei in Folge von Differenzsn verbaftxb gswesen, die er wegen-Blcckadebrmbs mit der Regierung der Vereimgxen Staaten geLZabr. Die Sache zu ebnen, habe iHm 10 bis 15 Tamend Dollars gc ostet. Unter seinen Bekannten in Highland War em alter deutscher 1Zchxcr, bei dem er zuerst deuischen Unterricht genommen zu haben
eint.
Jm Dezxmbcr 1870 War Thomas vyn Dresden ab in New-York. Er reiste mit dem Hamburger_Dampsxr .TßuringiaF unter dem Namen William King Thompion Cm Mitpassggier, der ihn von Highland ab kannte, wunderte sich über die _Verändkrung der Vornamen, die Keith ihm gegenüber obne Wciiere Bemxr- kungen zugefiaud. Ibm sagte er, daß 1eine Fxgu mit den Km- dern in Dresden lebe, während er im Begriff stehe, in Cali- fornien über ihm gehörige Grundstücke zu verfügen. _Daß er damals nicht nach Californien ging, v_ie_lmehr schon nacb wenige): Wochen von New-York ab zurückfabr, i1t sextgefteÜt. _Dagegen ist Über dem Zchk seiner Reise Nichts konstatirt. Die frubcre Annahme, daß seine Reise mit dem Untergange der „City of Boston“ und der, Hebung betreffender Verfichcrungögelder in Verbindung gestgndep, tft diirch Nichts bestätigt. Jm Gegentheil ist ermittelt, daß die 3 Kiit'en Pelztvetk, die als von Halifax durcb James Thomas vsrschifft im Manifcste des Dampfers „City of Bost_on“ aafgefallen waxen, un- versichert durci) einen noch jest in Halifax lebenden James Thomas bcrübcrgesandt wurden.
In Betreff Miner Unternehmungen aus dsm Jahre 1875 haben die sorgfältigsten New-Yorker Uniersucbungen keinerlei Hinweisungen auf wissentliche Helfsrshelfer des Keith ergebsn. Alls Personen, mit denen Keith bei den schon früher nach Privatbriefen mitge- theilten, jeßt aber durch offizielle Ngebricbtkn vollkommen bestätigten Verhandlungen in Betr-Lff des mit dem „Dampfer „Rheixi“ bin- und zurückgeschafften Sprelxafasjes iu Brrübrung gekommzn ist, sind außer Verdacht der Mitwrffenichaft. Versicherungen icqeud_we1cher' Art auf die von ihm gefährdeten Schiffe hat Thomas in Amerika nicht abgeschlossen, Bei der durch Skidmore vermittelten Aufnahme des Sprengfaffes in das b0l1äéä «731431101159 in New-York ist der Inhalt nur durch Anbobren ies Fasses festgestellt. So erklärt es sich, daß die im Fasse_befindli_che Uhr damals nicht entdeckt wurde.
Ueber sxm-x Rei1e mit dem Dampfer .Celtic“ (14. Oktober 1875) werden Ueußerungen des ScbiffSpersonals uachgetragen, nach denen Keith anscheinend nur bis Queenstown mitreisen woÜte und in Auf- regung gerieth, als „er nach Antritt der Reife vörte, daß der Dampfer, ohne dort, bote geWobnlicb, gnzuleaen, dirckt nacb Ncw-York fahre.
Was die curvpaische Ermittelung anlangt, so ist nachtraglich festgestellt, daß daß dem Uhrmacher Fuchs von Keith vorgelegte Uyr- mbdeiidas bon Rind in Wien gefertigte Originalwerk ist, ferner, da[; die Uhr, welche im Dezember 1875 in Bremen von Keith in Reparatur gegeben wurde, zweifeaos die von Fuchs gelieferte Uhr ivax. Die von dem Bremer Uhrmacher nach der Erinnerung auge- fextigie Zeichnung der Uhr ist von Fuchs als die richtige Zeichnung semes Werkes anerkannt. .Die in IlluiirationsWerke übergegangene Fuchssche Zeichnung enthält, wo fie von _der Bremer Zeichnung ab- weicht, Ungenauigkeiten, Spuren von Mrtwissern oder Helfern des Keith find weder in Deutschland noch bis jest in England ermittelt. Dstceh 1 es:;gliscben Unterjuchungea smd indes; noch nicht definitiv ab- ge 0 en. .
Verficherungeu a_uf Schiffe oder Schiffsgüter hat Keith bis 1875 in Europa nicht vermcht.
Redacteur: “?. Prcbm.
Verlag der Expedition (Kei sel). Vier Beilagen
(einicbließlich Börsen-Beilage). „ (347)
Berlin:
Druck: W. ElSaer.
Erste Beilage
zum Deutschen Reichs-Anzeiger nnd Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.
M 81. Zlichtamtliohez.
Deutsches NeiÖ. Elsaß-Lothringen. Straßburg, 30. März. Die
„Straßb. Ztg.“ schreibt: In den Veröffentlichungen der Landes- ,
preffe finden fich wiederholt Angaben, wonack) die Koßen der Verwaltung_ der Zölle und indirekten Steuern in Elsaß-Lothrmgen bis zu 70 Proz. der Brutto-Einnahmen dieser Verwaltiing aUSmachen sollen. Die Unrichtigkeit dieser Angaben ist so augenfällig, daß es fich nécht der Mühe o_erlohnen wurde, sie «u widerlegen, wenn fich nicht doch Leser fanden, m_elcl)e densel en Glauben schenken. So bringt das „Els. 3.“ n) Nr. 76. eine Korrespondenz von einem seiner Leser uber die Wemsteuer, m welcher Folgendes bemerkt iß: „1) Ist voll- !ommen_anerkannt, daß die daherigen Bezugskosten (der Wein- ßeiier) uber 50 Pxoz. des Nettoertrages ansteigen u. s. tv.“ und knupst daran. einige nothwendigerweise unzutreffende Schlußfol- Zerungen. T_te thatsächlichen Verhältnisse sind folgende: Nack) en Eigebmßen des Jahres 1875 betragen:
" Die Brytjto-Einnahmen aus den der Verwaltung der ZoYe und indirekten Steuern in Elsaß-Lothringen untcxftcllten Reichsz und Laudesfteuern 26,513,663 «M,
die Ge'sammtaUSgaben dieser Verwaltung mit Aus- schluß der cmmaligen “außerordenélickzen AuSgaben 4,211,002 «M und ßell-n fick) also die Auggaben im Großen und Ganzen auf 15,89 Proz. der Einnahmen.
Unter den Auggaben smd die Kosten der Grenzon-Ver- waliung und der'GrenzauffiM mit einbegriffen, welche als ein Theil der allgemeinen Vertvaltungskoften des Deutschen Reichs streng geno'mmen dxn Zolleinnahmen bei den elsaß-lothringischen Aemtern nicht unmnteibar gegenübergesteUt werden können.
'Wenn man" von den Einnahmen die Reichssteucrn ein- schließlich der Zolle_ und von den Ausgaben die betreffenden Verwaltunngosten m Abzug bringt, so verbleiben als
Einnahmen an Landessteuern 13,441,570 «FC:, Außgabexi wegen derselben 1,611,002 (46, und betragen mithin bei den Landessteuern die AUSJaben nnr 12 .Prbz, der Einnahmen. ,
Hterrzack) ist es geradezu unverständlich, wie man zu dsr oben erwahnten Annahme gelangen kann, daß die Weinsteuer, welche von denselben Organen, wie der EingangSon, dic Salz-, Tabak-, Branntwein: und Biersteuer, die Lizenzgebühren, ver- waltet und erhoben wird, einen Kostenaufwand von „50 Pxoz. des Nettoertrages“ veranlaffe.
. Frankreich. (Monatsübersicht für Februar). Seit Anfang des Monats war die öffentliche Aufmerksamkeit aixf den 20. Jebruax gerichtet, an welchem die Wahlen für die, Deputjrtcnkammer stattfinden sollten. Die ,Wahl- pertqde“ sollte dem Gesetze zufolge fünf Tage vor dem Wayl- termme gblaufen. Versammlungen reihten 17:11 an Versamm- lyngen, in denen die Wahlmanifeste der Central=AuSschüffe wie die Pxogramme der Kandidaten erörtert wurden. In einer Rede zu Lille erklärte Gambetia, daß er von der neuen Kam- mer «warte, fie werde das Unterricht§geseß beseitigen und der Welt crklären: „Hier bin ich! Ich bin immerdar das'Frankreickz der freien Forschung und der Gedankenfceiheit!“ Gleichwohl hatte um Mitte des Monats die Subskription für die katholische: Univerfität in Lille bereits 1,070,145 Francs ein- gxtragen, und Msgr. Dupanloup, welcher am 4. aus Rom zu- ruckkehite, das „vom Papste gutgeheißene Programm für den katholischen Umverßtätcöunterrickzt mitgebracht. Nachdem Gam- betta am 10. in Marseiüe und dann in Bordeaux gesprochen, hielt er noch gm 14. im 8. und im 20. Arrondissement Reden, in denen er fur die Konftituirung einer maßvollen Republik ein- trat, welche den Uebergriffen des Episkopats gegenüber zu treten habe.
Unter den Wahlschreiben verdieni dasjenige des Sohnes Napoleons 111. Erwähnung, worin derselbe als Erbe der Auto- riiät _seines'Vaters den bonapartistischen Wählern in Axaccto verbietet, für den Prinzen Napoleon Jerome zu stimmen, dagegen dre Kandidatur Rouhers empfahl. Der Riß in der Familie Bozmparxe war damit offizieÜ angekündigt.
Der Vizeprä11bent des Kabinets, Buffet, lief; überall die Kandtdfgten dcs ck)tselhurstcr Bonapartismus unterstützen, und die Blgtter, Weiche behaupten, Feine Stellung sei bedroht, wegen Verbrqrtung fcil1cher Nachrichten verfoigen, so daß selbst der „Momtcur“ kém Bedenken trug, es betriibend zu nennen, das; „em Mann_ in der hohen Stellung des Herrn Buffet die Unduldsaxnkctt und AuZschließlichkeit bis zu dem Punkte treibe, daß er soemje Sache 11111) noch mehr die Sache der Regierung mit derjemgen der argften Feinde der Verfassung und des Marschalls verwechselt.“
Der Polizeipräfekt Renault ersuchte „in Erwägung, daß seine Stellung als KandZdat in Seine-Oise als unverträg- lich mit semeux Amte gefunden werden könnte“, um seine Ent- laffung, zu seinem Nachfolger wurde Bois in ernannt.
Am 14. Februar fanden die [eßten öffentlichen Wahlver- sammlungen statt, und noch_ am leßten Tage wurden in Paris votfi 21:11:11 genannten neuen Poltzeipräfekten zwci Versammlungen au ge .
' Das Resultax der Wahlen vom 20. Februar, Welche m"11_Ruhe bor s1ch gingen, war ungefähr folgendes: 421 end- gulttg gewahlte _Abgeordnete: 76 Radikale, darunter 13 Intran- ßgenten, welche ihrem Programm gemäß Opposition gegen Gam- betta machen; 149 feste liberale Republikaner von der Farbe der eigentlichen Linken, 70 vom linken Centrum, welche früher stets mit Thiers gxftimmt haben, 37 Orleanisten, 28 Legitimißen und 61 Bonapartnten, welche somit die Hälfte der gesammten antirepublikanischen Opposition bilden. 108 engere Wahlen standen noch aus. Von verschiedenen Gruppen der Linken waren 138 Mitglieder der National-Versammlung als Kandi- daten aufgetreten, 18 fielen durch, gewählt wurden dagegen 40 Radikale, 37 von der Linken und 43 vom linken Centrum, welches auch hier die meisten Wiederwahlen erlangte. Von den verschiedenen Gruppen der alten Rechten hatten fich w:“; 92 Mit- glieder zur Wiederwahl gestellt, aber nur 40 wurden gewählt, darunter Fourtou. Die ultramontanen Kandidaten, diYch des besonderen Wohlwollens des Bize-Präfidenten des inister- Konseils, Buffet, und des Klerus erfreuten, erlitten eine voll- ständige Niederlage.
Berlin, Montag, den 3. April
Der genannte Minißer, wel-her in vier Wahlkreisen als Kandidat aufgetreten war, in keinem aber die Mehrheit erhalten hatte, nahm in Folge dessen seine Entlaffung, mit ihm sein Unter-Staaissekrexär Desjardins. Das amtliche Blatt vom 24. meldete darauf, daß Dufoure zum Vize-Präsidenten des Konseils ernannt worden fei und interimiftisth das PortefeuiUe des Innern übernommen habe, sowie daß der Zlcketbau-Minißer, der seine Entlassung nachgesucht, vorläufig nn Amte bleibe.
Durch den Ausfall der Wahlen vom 29. Februar hat das'Land seinen Spruch dahin abgegeben: Frankreich will den ebrltchxn Versuck; mit der republikanischen Verfassung machen; es W111 nicht die Politik des „KampfeS“ und der „moralischen Ord- nzmg“, “welche Buffet vertrat, es will Ruhe und Ordnung, aber Zncht_ die Freiheit un Geiße des Ultramontaniömus. Frankreich 1st liberal im Sinne des linken Centrums und hat, wenn nicht unvorhergesehene Zwis enfälle eintreten, Aussicht auf eine Periode der Ruhe und friedli er Thätigkeix bis zum Jahre 1880.
, Gegen Ende des Monats begannen die Vorbereitungen für
die Strchwahlen des 5. März, von welchen die republikanische Majorität noch einen bedeutenden Zugang erwarten durfte, zuma! nachdem der Versuch Rouhers, fich zum Führer der ge- sammten monarchischen und klerikalen Fraktionen aufzuwerfen gxsckzeitert war. Die Führer des linken Centrums hielten faft taglich Besprechungen über die künftige Haltung der Majorität und deren Stellung zu dem neuen Kabinet. Gambetta begab fick) wieder auf eine" Rundreise, um im Osten den Sieg der Ge- maßigtcn über die Radikalen durchzuseßen. Am Abend des 28. Februar traf derselbe von Marseille in Lyon ein und hielt dort eine Rede, worin er hervorhob, die Wahlen seien ein Pro'teft gegen die Uebergriffe des Klerikaliömus, der n) der inneren und auswärtigen Politik schwere Gefahren herbeiführen würde, wenn man ihn gewähren (affe; die Republi- iancr aber wollten Frieden mit dem Auslande und Fortschritt im"Innern; ihr Losungswort sei Mäßigung, denn die Republik musse AUM offen stehen, die sich aufrichtig um fie schatten. Er trat damit im Ganzen für das Programm ein, welches Thiers Yon hjeixr in der Nationalversammiung empfohlen und verkoch- en a. _ Die Beendigung des Krieges in Spanien wurde ubera11 mit Jubel begrüßt; nur die Ultramontanen sympathifir- ten mit den Carlisten, verstärkten aber dadurch nar den Eindruck dieser zweiten Niederlage ihrer Partei.
Der Ball, den der deutsche Botschafter am 12. Je- bruar veranstaltete, war besonders glänzend. Der Marschall Mac MgiZon, der l?erzog von Nemours, der Prinz von Ioinville, die Königin Isgbe a, die Minister Buffet und Decazes und das ganze diplomatische Corps erschienen auf demselben.
. In dem Ausweise über die Gesammtziffern der französischen Eni- und Ausfuhren während des Monats Januar erblickte _ber „Confiitutionel“ ein erstes warnendes Anzeichen, daß her m_der leßten Zeit so blüi'zende Handelsverkehr des Lan- des im'Ruckgange begriffen sei. „Dis Gesammtziffer der Ein- fuhren, tm Januar 1876“, sagte das angeführte Blatt, „über- steigt ]ene vom Januar 1875 um 11 Millionen (279 gegen 268'MiU.) Die Differenz ist besomders merklich fiir die ver- arbettetxn Artikel. Im Januar 1875 bezog Frankreich solche verarbeitete Artikel in Höhe von 34 Millionen aus dim Aquande, im Januar 1876 beläuft fick; die Ziffer um 9 Millionen höher, auf 43 Millionen. Das ist aber noch von geringer Bedeutung im Verhältniß zu dem Folgenden. Das sicherste Zeichen für“ das Gedeihen Des Handels und Geiberbcs eines Landes ist unstreitig die Ziffer seiner Aus- fiihren. Im Januar 1875 hatw sick) nun die 5211155in der Ver- grbcitcten Artikel aus Frankreich auf 158 MiUionen belaufen, "", Januar 1876 war sie auf 102 Milkioncn zm'iickgewichen. DW 2111611151“ der natürlichen Erzeugnisse unseres Grund und Boden's hatte im Januar 1875 120, im Januar 1876 nur 86 Millionsn betragen. Im Ganzen ist unisre Ansfui)r von einem Ianufgr zum andern 1111192, nämlich von 290 auf 198 Mil- lionen zurUckgegangcn.“ Diescr rapiden Abnahme der Absätze aii das Ausland mochte übrigens bis in mehreren Nachöar- [andern herrschende Geschäftskrists nicht fremd chcsen sein.
_Das „Journal officiei“ vom 10. veröffentlichte einen Bericht des_Handels-Minißcrs de Meaux an den Präsiöenten der Republik, betreffend die Erneuerung der andels- und"Scht'ffahrts'verträge. Die Handels: und chiffahrts- vertrage unt den Niederlanden, England und Belgien laufen dqrnach pom 30. Juni bis zum 10. August 1877 ab, diejenigen mit Italien und Oesterreich find bis zum 1. Juli [. I. und ]. Jannar 1877 verlängert worden; Frankreich hat selbst seinen HandelSvertrag mit der Schweiz gekündigt und auf dieser Seite sind seine Verbindlichkeiten am 20. November 1876 gelöst. Die französischen Handelskammern, die zu Rathe gezogen wurden, haben fich für die Erneuerung der bestehenden Verträge mit Einführung einiger Modifikationen, zu welchen die Ersehung der ZöUe ac] ya10rsm durch die spezifischen Zölle gehören, au6gesprochen, ,Die Unterhandlungen mit den Nachbarstaaten, schließt das Dokument, können beginnen, oder ste haben vielmehr mit Italien schon begonnen, und es ist hohe Zeit, daß fie auch mit den an- deren Staaten eingeleitet werden; es ist hohe Zeit, für die Zu- kunft unseres Handels zu sorgen. Ihre Regierung, Herr Präfi- dent, sieht diesen Berathungeu und Unterhandlungen mit patrio- tischem Vertrauen entgegen; denn fie werden abermals zeigen, Was nach dem Mißgeschicke und den schweren Schlägen, die uns btroffen haben, unser Land von seiner Arbeit erwartet und welche Hoffnungen es in die Aufrechterhaltung der Ordnung und des Friedens seßt.“
Zur Eisenbahnfrage, [
. Unter dem Titel Reichßeisenbahnen, Materialien zur Beur- thetiuug der deutschen Eisenbghnfrase, zusammen eftellt von der Re- daktion res .Berlinex Aktionarl (J. Neumann (ZZreyftabt) ist eine Zusammenstellungder1euigen,Artche1(Per[. des „ erl. Akt.“) erschienen, in we'lchezt die genannte Zettixhert (eit Oktobcx v. J. mit Entschie- denheit fur det) Ertperb womoßlich fam_mtlicher deutscher Eisenbahnen dyxcb das Roetcb eingetreten ist. Erganzt sind diese Artikel durch emtge Materialien, welche den Entwickelungsgang der ganzen Ange- legenheit berauscbaulichxn. Der [eßiere wird in der Einleitung des Buchs, wie folgt, geschildert: .
1Z7_(§.
.Die Verfassung der Deutschen Nationalvericxmmluna, dxr aus dem Dreikönigs-Büudniß beworge angene Entwurf einer Yxrfassuug dcs Deuticken Reiches und die üncb-xncr Uebereiniunit zwiscbm Bayern, Wülilemberq und Sackrsen vm: 29 "Fcbkxmr 18.30, ii? aUe erkennen nicht milxksr an, we ri: Vceéxisau; dis *)irxkdeutschkn Bundes und kes Deutschen Reibcs, kai; (as Eiicniulr-nw-xien ein Gekzeustaad gemeinjamer Fürsorge sein muß. 11:11) chb bcirug_1m Ja)re_1849 'die Länge der Bahnen Deuticvxands und Oesterrcxcbs erst 8309111311211, die Länge des zusammenbänßenden Bahnnkßes “"*"-' 624 Mxx1en, die Länge drr Siaatsbabnen nur 280 Meilen, die? Zähl de_rtsYYivatunternehmer (Akiiengeftllsckyaiten) aber freélich auch ke- re: .
Seiidcm die argenwärtig gültigen Grunbgcicße in Krait gétrcfcn Lind, 1st in dem Reitbstage unausgefetzt au kie Verwirklichung der- clben gemahnt, Schon in der weißen ordentlichen Sexiüon des Reichstags des Norddeutschen Bundes, am 27. April 1868, stsilte der Abg. Harkort Anträge auf Verwirklichung des Artikels 45 der Verfa ung. Sie blikben damals in der Kommission zur Vo:bsrat1)ung dersel cn hängen und wegen des Scblnffeö der Session unerlckigt. Ja der dritten SeÉfion nahm der Abg. Harkort dieselben sofort wieder auf und der ieickzstag pflichtete ihnen am 5. Mai 1869 be:, indem er ihre Ziele auf den ganzen Titel 711, der Verfaffung e_r- streckie. War in disfem Beschluffe noch von „reglementariséven FU- fcßungcn und allgemeinen administrativen Anorbnuugen“ die RSDF, 1o ing der Reichstag des Norddeutschen Bundss in seiner vierten und etzteu Session bereits Mscntlich weiter, indem er auf den Antrag ::5 Abs. Miquel am 21. April 1870 den Bundeskanzler ur Vorngimg eines Gciaßes über das Ciscnbabnwesen im Reiche au, ordcrtc. 117.1) wic dachte man damais, d. b, bereits zur Zeir des Norddeuiicben Bunch, über die Notbwendigkeit einer geiexlicbcn Regelung OSS Eisenbabnwesens von Seiten des Rcicbks? Der Abg. Miquel moti- virte Dixiclbe folgcnkermaßen: „Es wäre Zeitbxrschwcndtxno, weyn ich bie: Weiiläufig cx1twickeln wollte, warum gerade in Ci!enba1_3u)_achxn eine einheitliche deutsche Gesetzgebung ein bringendés Vedücsmszit. Es ist auf keinem xinzigen Gebi-ste des sozialen Lebens daS Bsriiri- nii; ein-r einbeitLicbsn und gleichmäßigen Bxb'ndlunq der ein_7ch1.15_1- gen Fragen Jedermann, selbst dem aUerfcbroffsten Partikulaxixten, 1,0 1chroff CUÉZLJMZTTTTTCU, wie auf dem beiere Der großen erkebrs- xniftel. Wir brau-Écn nur die Knxte dec deutichen Eisenbahnen anza- 1eben, nm ".in-3 klar zu macben, wohin diy Zersplitterung in die em- zelncn Syxxveräiietätsn, bas ausschlicßiicbe Vertreten von Einwi- iuiereffen kleiner Staaten auf dieiem Gebiete geführt bar, zu wcichsr außerordentlich umwxckmäfxigen HßriieÜung der Eiscnbavnlinien, „zu ivelcbsr einseitigen Verfolgung kisiniickxer Interessen, zu wslcix-xr großen Vetschwsnduug VM Nationalvermögen.“ Ter AbZ, GÜnthcr-Sacbßcn seßte17inzu: „Es giebt kaum ein matsrikiles Gebiet, aui M1ch€m gleichmäizise und einb€itiiib€ Einrichtungen ncihwendigcr erscheinen, als auf dxm dss Eisenbahnwssenö“, um daran zu mahnen, „i_nöglichft einstimmig den dringendkn Wunsch au53nfvrechen, dasz das Eiynbabn- wesen von BundeSwegcn io bald als möglich rcguiirt weiden möge._' Schon damals machte man fich jedoch auch bereits die Hiuderniße klar; dir Nbg. Miquei faßte dieselben dabin zusammen: „Gerade im ELfenbahnfaci) ist der Widerstand partikalari'siiicher Neigungen _“Zo stark, daß es bis jetzt der preußischen Staatsregierung, bie, wie :ck glaube, cheigi ist, auf das Geiss rinzu-zeh.on, nichx möglich Jeweikn tft, exwas Wesentliches zu leisten, und gerade deswegen iii 214-391“ An- trag sebr am Maße; er svrichi noch einmxl dcn entsckxiedknen Wilicn dkr Vole'erirciUPJ aus, daß auf kiesem Gebiete die bartituiarinifcbcn Hemmniffe nicht Sieger bleiben 1611811!“ _ _ .
Der erste ReichstUg des Dkutsäxn Reicbxs knüpfte m _iemcr Sißnng vom 14, Juni 1871 dirckt an den Beschluß des R-zicbktags des_Norddm1tscbm Bundes vom 21. April 1870 an nnd_wisck€rb0:ie denielben wörtliÖ, iudem der Berichterstaiter, Abg. Dr. »Zum-macher, koristaiirie, „darüber, daß eine einbeitliäie und _rsformir:_11deCi1-::1- bahngeseßgsbung für das Reick) auf dringenden Bckürfnisjxn beruhe, könne nicht be: mindesie Zweifel sein.““
Als nieicbwvhl die Sache nicht rvxiier rückte, ging im Jahre 1873 aus dEr Initiative des Reichstags als Noihgessß das GSW Über die Errichtung des Reicbs-Eifenbabnamtes vom 27._Juni1873 hsrver. Nach Ten Verbandinngen 101110 Das Rcich§-Ei]cn[*ak)11amr _in erstsr Reihe Die Aufgabe Haben, den baldigen Eciaß (inks Reicbs-Ciienbabn- geseßes énergisck) vorzubereiten. Die wuchtigen Reden des Fürsten- Reicbskanzlers bei leegenheit der Berathnng dez Gefeße? am 17; und 28. Mai 1873 sind gewiß sebr baachtenchrtHc Markstsine aas dem langen Wege unserer Eisenbabnreform. _
In der Session von 1873/1874 interpeüirie der Abg. Freiherr v. Y'Zirmigerode unterm 23. Februar über den Séand dsr AnLeleacn- heir. Der Damalige Präsident des ReiÖL-Eisenbabnamtes. Hr. Gchee_le, beantwortete dic JnterpcÜation, indem er das Reichs-Erscnbabngeßß als in der Außarbciimg begriffen bezeichnete uni) 'mit den Wortxn schloß: .So viel steht fest, daß mit der gegenWaxiigcn Geseßgebung der Beb-Zrdc die Mittel nicht gegeben sind, die erforderlich smd, um die Ziele zu erreichen, die der Reichstag im Aug; hat und ohne deren Erfüllung die neue Institution _ das Reichs-Eiienbahnamt _ werth- volle Dienste nicbt leisten kann.“ „
Dérselbe Abg. Frhr. v. Minnigerode wiederholte alsbald nach Eröffnung der *Skssion von 1874 seine Interpellation und erhielt darauf am 9. November 1875 durch den gegenwärtigen Präsidenten des Reichs-Eisenbabuamteö, Hrn. Maybach, eine Antworx von viel- sagendem Inhalt, eine Antwort, die in der Sißung vom 29. Novem- ber 1875 eine Ergänzung erfuhr. Beide RLÖLU dürfen bei Beurthei- lung der deutschen Eisenbahnfrage nicbt Übersehen werden.
An di? Vsschliiffe des Reichstages und die Ecklärungen dcr Reichöregierung schließen sich sodann Resolutionen Hervorragender Kör- perschaften auf dem Gebiete der wiribichaftlichen Interessen: dks Deutschen Handelstagesund des Deutschen LandwirtbscbaftSratbxs, ferner eine Zusammenstellung der Gutachten der Organe des “Handxisstandes und der Industrie über den zweitenEniwms eines Reichs-quubghn- geseßcs, weiter ein Auqug aus dcmGutacbten ieß Vereins Deuijchcr Privat-Eisenbahnverwaltungen über denselben Gcießentxvurf und en]:- lick) die Gutachten der Tarif-Enquete-Kommiision und ihrer einzelnen Mitglieder.“
Die Nr. 27 des .Amtßblatts der Deutschen Reichs- Post" UNd Telegrapben-Verwaltung“ hat folgenden Juhali: Verfügung: vom 31. März 1876. Versendng von Waaren M1t derbBricfpost unter der mißbräuchlichen Bezeichnung als Waaren- pro en.
- Nr. 9 des „Armee-Verordnungsblatts“, bcraußgege- ben vom Kriegs-Minifterium, [)ai folgendetx Inhalt: Generalstabs- Uebungöreiien im laufenden Jahre. _ Bekletdiinq :c. der zu Yazareth: gehülien außzubildenden Mannsckaftcn. _ Eroffnung ,der _Kurse bet den Kriegsschulen, _ Gewährung der Lagxritelien an dre, die Strafe bes gclinden Arrestes verbüßenden Unterofnzixre und Mannschaften. _ Ausffihrung des Gesetzes vom 25. Juni 1873, betreffend Abwck): und Unterdrückung von Viebseuchen in der Provmz Brandenburg. ___An- nahme der in Téalerwäbrung lautenden Bankno_ten der Preußnchea Bank nnd Ab ührung derselben au die .Re1chsbankan_sta1ten. _ Reyort der beiden Garnisonär te von Berlin. _ Ausfuhrung des Ge LIS yom 25. Juni 1875, etre end Abwehr und Unterdrückqu von ieb1euchen in den Hobenzollern chen Landen. _ Raumbedürfmß an Moutiruugskammern fur die Pionicc-Bataillone. _ Reise- :c. Kompetenzen der be: Uebungen und Zusammenziehuugen innerhalb des