1876 / 91 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 15 Apr 1876 18:00:01 GMT) scan diff

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_ Bis Ende Februar 1876 find für Rechnung des Deut- schenReichs zur Einziehung gelangt an Landes-Silber- und Kupfermünzen: 14. Landes-Silbermünzen:Thaler- währung 234,410,378 «iz 73 „xz, süddeutsche Guédenwährung 175,179,527 „FH 79 „35, Kronenthaler 7,973,748.F1Z 92 .:Z, Kon- ventionSmünzen des Zwanzigguldenfußes 1,909,810 „ck 88 „„I, Silbermünzen Kurfürstlich oder Königlich sächsischen Gepräges 53,456 «FH 62 H, Silbermünzen schlewig holsteinischen Gepräges 1,617,855 „is 49 .;Z, Silbermünzen hannoverschen Gepräges 1613 «W 45 „Z, mecklenburgische Währung 204,769 (ix 64 ,:3, bamburgische Kurantwährung 1,766,319 «76 07 „33 , lübische Währung 755,281315 94 -.-Z- Gesammtwerth 11. 423872762 «M 53 „Z. 13. Landes - Kupfermünzen: ThaierWährung 1,994,156 «ck 15 „5, süddeutsche Währung 433,654 «F6 92 EZ, mecklenburgische Währung 32,627 «FH 20 ,33, Gesammtwerth 8. 2,460,438 „Bü 27 H. Summe 426333200 „FH 80 ,.).

_ Nachdem von dem Deutschen Reick; mit der Königlick; norwegischen Regierung eine Vereinbarung wegen gcgen- seitiger Anerkennung der nach dem neuen Sch iffs v er nz essu n g 9- Verfahren bewirkten Vermessungen getroffen worden ist, find für die auf Grund der norwegiscbe'n Instruktion für die Schiffs- vermeffung vom 6. November 1875 vermessenen, der normegischen Handelsmarine angehörigen Schiffe die in deren Meßbriefen (MaalebreVe) enthaltenen Angaben iiber den Retto-Raumgehalt (Netto-Draegtighed) in den deutschen Häfen ohne Nachvermeffung als gültig anzuerkennen.

_ Durch Bundesgeseß vom 23. März d. I. ist für die Schweiz die Eiiiführung eines einheitlichen Packetportos nach Maßgabe der beim deutschen ReichSpostweien seit dem 1. Januar 1874 in Anwendung befindlichen Grundsäße geneh- migt worden. Danach wird für Pachete bis 5 Kilo ohne Unter- schied der Entfernung der Saß von 40 Y zur Erhebung kommen; drr Lokalraybn zur halben Taxe umfaßt die Orte bis 25 Kilometer Entfernung. _ In Deutschland iii die Einheitstaxe bekanntlich 50 „43; dagegen ersjrsckt fiel] der Lokalrarwn zur halben Taxe bis auf 75 Kilo- meter. Es wird nunmehr der Einführung des Einheitstarifs fiir Packete im Verkehr zwischen Deutschland und der Schweiz ein Hindernis; nicht mehr im Wege ftehen. Wie wir hören, sind die erforderlichrn Schritte bereits eingeleitet. Für alle Packete zwischen beiden Ländern bis zu 5 Kilo Gewicht und ohne Unterschied der Entfernung ist der einheitliche Saß von 1 Fr. oder 80 ,;5 in Aussicht genommen; für den [okalen Grenzverkehr wird eine Ermäßigung auf die Hälfte beabsichtigt. Es ist unzweifelhaft, daß diese Maßregeln “sine Wesentliche Hebung des Verkehrs im Gefolge haben werden. Zugleich Hat der erfreuliche Vorgang in der Schweiz der dies- seitigen Verwaxc'ung Anlaß gegeben, bei der österreichisch- ungarischen Verwaltung die Schritie zur Erreichimg des gleichen Zieles zu erneuern.

_ Zur Bequemlichkeit des tekegraphirenden Publikums ist die Einrichtung getroffen, daß der ein Tele- gramm überbringende Tslegrapheubote die etwaige telegraphiscbe Anwort gleich zur Telegraphenftation mit zurücknehmen muß, Wflm dieselbe ihm innerhalb höchstens 5 Minuten übergeben und ein Groschen Zuschlaggebiihr bezahlt wird.

_ Der Finder einer Werthsache, deren Befißer ihm be- kannt ist, hat keinen Anspruch auf den geseßlichen Finderlohn, wenn zwischen dem FortfaUen und Auffinden eine nur geringe Enifernung und kurze Zeit verfloffen ist und die Annahme nahe liegt, daß der Verlierer von selbft bald dyn Verlust be- merkt. Erkenntniß des Ober-Tribunals, 111. Sen. vom 10. März 1). I.

_ Das „Verzeichniß der fremden Konsuln im Deutschen Reich 1876 ist nunmehr (als Separatabdruck Nr. 4 des Deutschen Reichs-Anzeigers) erschienen und kann durch die Expedition des Reichs- und Staats-Anzeigers sowie durch Carl Heymanns Verlag hierselbst bezogen werden.

“m_ Der General-Major von Voigts-Rhey, Direktor des Allgemeinen Kriegs-Departements, ist von seiner Inspizirungs- reise nach Pommern hierher zurückgekehrt, ebenso der General- Major von Conrady, Commandeur der 4. Garde-Infanterie- Brigade nach beendigtem Urlaub von Meß.

_ Der Kaiserlich Königlich österreichisch-ungarisck]e Ge- sandte in Kopeiihagen, Graf Kainockyi, traf vorgestern Abend von dort hier ein, und reiste gestern Abend nach Wien weiter.

_ S. M. S. „Victoria“ hat am 3. März er., Morgens, die Rhede von Puerto Cabello verlassen und ankerte Abends in der Gnsenada de St. Juan. Nack; VoÜendung .der Vermessungs- arbeit daselbst, ging das Schiff am 10. deff. Mis, Abends, track) Curayao unter Segel, ankerte am 11. Vormittags im Schottegat, verließ Curaxao wieder am 25. Morgens, ankerte am 27. im Hafen von St. Thomas und ist am 29. März fräi) nach Iacmel in See gegangen, um evenr. in Folge der auf Haitien ausgebrochenen Unruhen den Schuß deutschén Eigen- rhums zu sichern.

S. M. Schiffe „Hertha“ und „Ariadne“, sowie S. M. Kanonenboot „Cyclop“ sind, tclegraphisoher Nachricht zufoxge, am 14. d. Mts. in Hongkong eingetroffen.

_ S. M. S. „Vineta“, unter dem Kommando des Kapitäns zur See, Graf Monts, [angie wohlbehalten am 9. v. Mis. in Callao an, nachdem es vorher die peruanischen Häfen Iquique und Arica berührt hatte. Dasselbe gedenkt morgen in See zu gehen, und zwar [aui telegraphisckzer Ordre der Kaiserlichen Admiralität direkt nach Hongkong.

Bayern. München, 12. April. In einer gestern ab- gehaltenen Sißung des StaatSraths gelangten die beiden von dxn Kamraern in den leßten Tagen angenommenen Ges eH- entwurfe, die provisorische Steuererhebung im zweiten Quartal d. I. und das Kreisanlehen von Unterfranken betreffend, zur Erledigung. _ Die Konsekration des neuernannten B ischofs WJT Passau, F. I. Weckert, wird durch den Erzbischof von Munchen amv30. d, M. inder Domkirche zu Passau stattfinden. _ Heute Naihmrttags um, 4_Uhr bat auf dem nördlichen Fciedhofe die Beerdigung des einzigen Sohnes des Kommandirenden des ]. Armee-Corps, des Seconde-Lieuienants z. D. Max Frhrn. v. d. Tann-Rai samhausen stattgefunden, _ Der Ma- Fiftrat der Stadt Nurnbxrg hat, die dortige Mitgliedschaft der

eutschen VblkSpartZr als emen politischen Verein erklärt.

_ Der m der nachften_ Woche in München ftattfindende bayerische AnwaltStag Wixd suh- wie schon gemeldet, mit den Beschlüssen der Reichstags-Juftizkommission, die Rechtsanwaltschaft betreffend, beschaftigen. Der Anwalts- rath wird die Abänderung mehrerer Beschlusse der Justiz- kommisfion beantragen. So lairtet der Abiaß des §.,2 in der Fassung der Jußizkommisfion wie folgt: ,.Wer die Fahigkeit zum

Richteramt in einem Bundesßaatc erlangt hat, kann bei jedem Gerichte innerhalb des Deutschen Reichs als Recht6anwalt zugelassen werden.“ Der Anwaltsrath schlägt dagegen folgende Fassung vor: „Wer die Fähigkeit zum Richteramte in einem Bundesstaat erlangt hat, kann bei jedem Gerichte innerhalb des Deutschen Reiches als RechtSanwalt zugelassen werden, wenn er wenigstens zwei Jahre nach dem durch ReichSgeseß zu regelnden praktifchen Schlußexamen in der Praxis eines zugelassenen RechtSanwalts fich beschäftigt hat. Befreit von der Praxis bei einem RechtSanwalte find: wer als Richter, Staatsanwalt oder Rechtsiehrer an einer Univerfität bereits fungirt hat.“

_ 13. April. Die „Allg. Ztg.“ schreibt: „Bis zum Wie- derbeginn der SiZungen der Kammer der Abgeordneten nach dem Osterfe e endet die vcrfaffungsmäßige zweimonatliche Dauer des Landtages, so daß eine Verlängerung derselben bis dahin einzutreten hat. Obwohl anzunshmen sein wird, daß von kommender Woche an die Arbeiten, namentlich im Finanzausschuß und dann in der Kammer selbst, wesentlich rascher werden ge- fördert werden können,. als es in der zu Ende gehenden zweimonat- lichen Dauer des L.:ndtages derFall war, so wird dock; vielfach bezwei- felt, ob der Schluß dexoßkxmmer vor Pfingsten möglich sein werde.“ _ Auch die Wai)! YHnMünchen1. wird, wie die „Südd. Pr.“ meldet, aleicl) nach mit Ferien zur Debatte kommen. Der liberale Korreferent der 11. Abtheilung, Abg. Sing, wird der- selben schon am 19. d. Mis. Nachmittags seinen Bericht unter- breiten und die Kammer sonach wahrscheinlich am 24. d. Mis. ihre Plenardebatie über den Gegenstand abhalten. Kaifiren wollen der Referent Hauck und die übrigen 78 klerikalen Land- tagsabgcordneten die Wahl von München [. iibrigens un- bedingt. „Diese Kassation wird für die Stadt eine neue Eintheilung der Urwahlbczirkc zur Folge haben. Bei dieser aber muß sul) die Frage erheben, ob dieie Eintheilung auf Grund der alten oder der neuen Volks- zählung vorzunehmen sein wird. Die Resultate der [eßteren bekanntlich 1. Dezember abgehaltenen Zählung aber würden die Zahl der Urwablbezirke wie der Wahlmänner und damit wohl auch der von München 1. zu wählenden Landtagsabgcordneien vermehren. An einer abermaligen Vertretung der bayerischen Hauptstadt durck) auSschließlich liberale Nbgeordnet-z unter Wiederwahl der bisherigen Vertreter zweifeln übrigens .die kleri- kalen Kaffatoren in vertraulichen Gesprächen srlbft nichr.“

Sachsen. Dresden, 11. April. (U.S.) Die Régierung bat die Mittheilung an die Ständeversammlung gelangen laffen, dai; demnächst aus Anlaß der Reichsjustizgeseßgebuna eine größereAnzahl von LandeSgeseHen, welche durch die Reichs- juftizgeseße nicht unmittelbar aufgehoben werden, in mehr oder weniger großem Umfang einer Ab änderung zu unterwerfen seien. Die Reichsgeseßgebung gehe jth auf dem Gebiete des Prozeß- rechts und der GerichtSorganisation ihrem Abschluß entgegen, und das wahrscheinlich schon im Jahre 1878 erfolgrnde Inkraft- treten der betreffenden Reicthei'eHe steile für die Zwischenzeit an die Landesgeseßbung sehr umfängliche und schwierige Anforde- rungen, weshalb für die Finanzperiode 1876/77 an eine Erspar- niß bei der Etatsposition für Gesengbung nicht zu denken sei.

Baden. Karlsruhe, 12. April. (Frankf. I.) In der geftrigcn Sihung der Zweiten Kammer interpellirte der ultramontane Abg. Lindau 'von Heidelberg mit dem größten Theik seiner Partei die Regierung wegen der vielbesprochenen Heidel- berger Orgelentführung. Der Minißer Jollr] erklärte nach dem betreffenden richterlichen Urtheil, daß der Marianischen Sodaliiät das Eigenthum unbestritten zustehe, die Orgel aber im VefiH urid Genuß der katholischen Gemeinde und im Gewahrsam dcr Heiliggeist-Kirche zu bleiben Habe; es stehe demnach den Altkatholiken, als einem Theil der katholischen Gemeinde Heidelbergs, ein Antheil zu, welchen die Regierung auf Grund des Altkatholiken-Geseßes zu schüßen habe. Der Minister hofft durch diese Verhandlung in der Mitte der Volksvertreter, daß die Herren über die Sache fortan bescheiden fchweigen wiirden. Nach lebhafter Diskussion kün- digie die Ultramontane Pari-si nach Osirrn einen Antrag auf Revision des Altkatholiken-Geseßes zum Schuße des Privateigen- thums an.

_ In sämmtlichen alikarholischen Gemeinden Badens hat. in den leßten Tagen die Abstimmung über den Antrag des Kirchen-Gemeinderaths zu Pforzheim behufs Vorgehens zur Ab- schaffung des Cölibatszwanges stattgefunden; von den 25 staatlich anerkannten Kirchspielen haben nur 5 und von den Vereinen nur 2 (Mannheim und Baden-Baden) für denselben gestimmt; die übrigen erkennen das jeßige Vorgehen unter An- erkennung der Verwerflichkeit des Cölibatszwanges fiir nicht opportun und steUen die Initiative hierfür dem Bischof und der Synode anheim. Von den 20 badischen altkatholischen Geist- lichen haben nur 6 einem KoÜektibantrag auf Aufhebung zu- gestimmt.

Mecklenburg. Neustreliß, 10. April. Die Groß- herzogin ist in Begleimng des Erbgroßherzogs vorgeßern Mittag nach England abgereist. Nach hier eingetroffenen tele- graphisthen Nachrichten smd Ihre Königlichen Hoheiten nach be- wegter Ueberfabrt von Calais nacb Dover während der Nacht heute früh 7 Uhr in London angelangt.

Schwarzburq - Sondershausen. Sonders hau s en, 11. April. Das Ministerium fordert noch einmal zum Um- tausche der hierländischen Kassenanweisungen auf, da die zum Umtausckze festgeseßte Frist mit dem 30. Juni d. I. abläuft und die Kaffenanweisungen mit dem ]. Jrii ihre Gültigkeit verlieren und eine Berufung au?" die chhtswohlthat der Wieder- einseßung in den vorigen Stand nicht stattfindet.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 13. April. Mit Aus- nahme des galizischen und des nicberösterreichiich€n Landtages, Welchr ihre Beratbungcn nach Ostern anf kiirzc Zeit wieder aufnehmen Werden, babensäntmilicbc Landesvertrktungen der westlichen Reichshäifte ihre diesjährigr Session bereits ge- schlossen. Wem“. man von den Landtagen von Tirol und Dal- matien absieht, Welche kurz nach ihr-em Zusammentritte geschlossen wcrden mußten, daher auch nicht *in der Lage Waren, die [(WM- den Landesangeleézenixiicn ordnungsmäßig zu erledigen, war, sagt das „Prag. ? bdbl.“, der Verlauf der diesjährigen Landtags- sciswn ein befriedigender, und die Ausnahmen, welche hier und da vorkamen, müssen nur als» die [9131811 Nachklänge jéki'es un- Harmonischen Konzertes betrachtet werden, das vor Einfuhrung der direkten Reich§rathswahlcn so oft die innere Ruhe UUiEkLs Staatswesens gkstört hat. '

_ Bezüglich der Bankfrage begegnen wir heute, schreibt die „N. Fr.Pr.“, einigen Vorschlägen zur Lö[ung, welche, ihrer Provenienz nach zu schließen, nicht weit absets voti den_An- scheinungen und Absichten des cisleithaniscben Mmjstéklllms'ltegen durften. Diese Vorschläge gehen der Hauptsache nach dahin, es

möge vor Allem zwischen den beiden Regierungen ein Termin für die Wiederherßeliung der Valuta vereinbart, inzwischen aber ein Provisorium geschaffen werden, innerhalb dessen die National- bgnk die größtmöglichen Konzessionen an die autonomen Be- durfniffe Ungarns machen solle; von der Gründung einer insol- venten ungarischen Bank könne aber keine Rede sein. Gleichzeitig soll ein Plan zur Tilgung der StaatSnotenschuld festgestellt, die Frage der 80-Mi11ionen-Schuld an die Bank aber bis nach Ab- lauf des Provisoriums vertagt werden. Wenn es zu einer solchen Einigung wirklich kommt, dann wäre nur zu wünschen, daß die Dauer des Provisoriums mbglichst abgekürzt werde.

_ Der rumänische Handelsvertrag ift _ nach einer Meldung der „Pest. Korr.“ _ bereiis ratifizirt.

_ 13. April. (W. T. B.) Die „Politische Korrespon- denz“ kann den alarmirenden Vorausseßungen eines Wiener Blattes gegenüber auf das Vestimmteste versichern, daß die Ka- binete von Wien und St. Petersburg in ihren Pazifikations- beirrebungen nach wie vor Hand in Hand geben, und daß bisher weder in den Anschauungen, noch im Vorgehen der beiden Kabinete die geringße Divergenz zu Tage getreten sei.

_ 14. April. (Prag. Abdbl.) Ueber den Verlauf der Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Ministern in Wien dringen nur wenige verläßliche Mittheilungen in die Oeffentlichkeit. _ In der Zollfrage soil prinzipiell eine

. Einigung bereits erzielt fein, dagegen bietet die V e r z e 1) r u n g s-

fteuerfrage große Schwierigkeiten. Die Bankfrage kam im Ministerrathe vorläufig noch nicht zur Diskussion, und werden die bezüglichen Besprechungen vorerst mit den Leitern der Nationalbank gepflogen. Der Kaiser nimmt an der ganzen Ausgleichungsaktion den lebhaftesien Antheil und läßt sich über die einzelnen Phasen derselbcn stets genau unterrichten.

_ Ein Teiegramm des W. T. B. aus Wien, vom 15. April, meldet: Den beunruhigenden Aenßerungen hiesiger Blätter, sowie auswärtiger Korrespondenzen gegenüber ist zu konßatiren, daß die Bestrebnixgen Rußlands in keiner Weise fich von der zwischen den Mächten verabredeien Linie entfernen. Rußland wendet wohl den christlichen Un- terthanen der Pforte gleich den anderen christlichen Mächten seine Sympathien zu, ist aber in jeder Weise im Verein mit der diesseitigen Regierung bemüht, dnrch Herbeiführung fak- tischer Reformen in der Türkei die Lage der christlichén Unist- thanen zu verbeffern und mit dieser Verbesserung die Türkei in ihrem Gesammtbesrand zn erhalten. Nirgends sind abweichende An- schauungen mithier hervorgetreten und die Bestrebungen entsprechen- der Einwirkung auf Serbien und Monicnegro sind so ge- meinschaiiliche, zeigen von solcher Uebereinstimmung der Anschau- ungen, daß alle gcgenthciligenZeitungsbehaupiungen auf das Entschiedenste zurückzuweisen sind. Nicht zu verhehlen find hierbei die erheblichen Schwierigkeiten, welche die Verhältnisse in Serbien darbirten, sowie der Um- stand, daß in den [eßisn Tagen die Insurgenten von verschie- denen, Seiten wiederum Zuzug bekommen haben. Wesieliizki's Auftreten als Bevollmächtigter der Jiiiurgenten ist als besondere Schwierigkeit nicht aufofaffcn, vielmehr bekundet dasselbe das Bcstrcbsn Seitens eiiies Theilcs dizi" Insurgenicnck)efs, ercbe ihm die VcÜnmcht iibertragen, zu einer wirklichen Verständigung zu gelangen.

Prag, 12. April.. Die jungczechisciien Abgeordneten wer- den, so melden „Nérrodni Lisir)“, an den Kaiser eine besondere Adresse richte*n, in welcher um Abänderung der bestehenden Landtagsnmhlordnung im verfaffungsmäßigen Wege durch eine Regierur-gsvorlage gebeten werdeii soll.

Pest, 12. April. Die ungarischen Minister Trefort und Perczel smd, der „Pest. Korr.“ zufolge, in Wien eingetroffen, um an dem heurigen Minißerratbe tbeiizunehmen. Die gemein- samen Konferznzen werden fortgeseßi. Die an denselben be- ibeiligien ungarischen Minister reisen, den neuesten Dispositionen zufolge, noch nicht ab. Die Berathungen, Welche neben denZoll- konferenzen Über einz-elne den Delegationen zugehbrende Angelegenheiren und die Militärbeqnartierung gepflogen werden. nehmen dar.!)weg einen ganz glatten Verlauf und wickeln |ck) ohne besondere Schwierigkxiten ab.

_ 1.5. April. In einem Telegramme von Wien mel- det der „Pest. Lloyd“, daß die ungarischen Minister Sonn- abend „rbreisen und Dienstag nach Wien zurückkehren. Das Abgeordnetenhaus wird am 24. April zusammentreten.

Großbritannien und Irland. London, 13. April. Ueber eine Differenz zwischen England und den Vereinigten Staaten, welche in der amerikanischenPreff-x vielfach besprochen wird, meldet dir „E. C.“: Gegenstand der Erörterung ist ein streitiger Ausli-:“erungxchall. Es handeltfici) um den in die Bostoner Fälschungen verwickelten Winslow, und die amerikanischen Be- hörden “verlangen, daß der Genannte engiischerseits den Beamten der Vereinigten Staaten übergeben werde. Nach Art. 1. des Auslieferungsvertrages vom Jahre 1842 ist dieses Verlangen durchaus gerechtfertigt, denn neben Mord, Brandstif- tung, Straßenraub Und anderen Verbrechen ist auch für Fälschung die Auslieferung ßipulirt. * Nach einem vor 6 Jahren zur Annahme gelangten Geseß knüpft sich aber an dieselbe die Bedingung, daß der Angeklagte eben nur wegen der Klage abgeurtheilt werden dürfe, auf Grund deren man ihn angeliefert; die amerikanische Regierung aber will diese Zusage nicht geben. Bei diesem Punkte schwebt einstweilen die Sache und amerikanische Blätter benußen bereits die Gelegen- eit, Um von einer neuen ,Verwicklung“ zu sprechen. Es ist mdeffen, wie die „E. C.“ erklärt, noch keineswegs Grund zu Mißhelligkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und England geboten. Was zunächst den Auslieferungsvertrag von 1842 an- belangt, so sei derselbe in kürzester Frist zu beseitigen. Es be- dürfe nur der Kündigung einer der beiden Partien und nach Art. )(. treten seine Bestimmungen aleald außer Kraft. Da Amerika: und England ein gleiches Interesse dabei haben, daß Verbrecher ihre verdiente Strafe finden, da ferner auf ameri- kanischem Boden selbst die lange kanadische Grenz; den Ver- einigten Staaten alle Veranlassung gebe, einen wirkiamxn Yus- [ikferUngsverirag für unentbehrlich zu halten, so Wurde ubrigens die Kündigung der heutigen Brftimmungen nur den Uebergang zu einsr neuen Vereinbarung bilden, in welchem der MINI)? Auslieferungsgrundsaß voraussichtlich anerkannt werden diirfte.

_ Die „Times“ bespricht das Schreiben des Kardinal- Erzbischofs von Paris, in welchem er es abiehnt, vor dem Ausschuß zur Untersuchung der Wahl fur Pontwy zu e_rschei- nen, und sagt: „Die Höflichkeit m den Warren des Kirchen- fürsten verbirgt nich: die stolze Verachtung. unt welcher er an- deutet, daß er nur für die Wohlfahrt der Kirche sorgt und über der Nothwendigkeit steht, sem Verfahren der Untersuckzung eines parlamentarischen Ausschuffes_unterzieben zu laffen.“

_ Die von Arifang ar) hier Mit Unglauben aufgenommenen Behauptungen Pariser Blatter über eine Unterredung Lord

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Derbq's mit dem Herzog Decazes, bei welcher zwei von den Mitglie- dern des ägyptischen Finanziyndikats zugegen gewesen 1" ein sollten, werden heute vom Pariser Berirhtcrßatter dcs „Daily Telegraph“ bestimmt in Abrede gestclit. Wie dieser Gewährsmann versichert, wäre die Unterredung zwisehen den beiden Staatömännern schon vor einiger Zeit und zwar ohne Beisein von ägyp- tisckzen Kommiffaren abgehalten worden. „Die Vorschläge des Syndikats wurden erst am 11. Abends eingereicht. Sie be- schränken sich auf Konsolidirung der ganzen fundirten und schwebenden Schuld in einer siebenprozentigen Anleihe, die in 65 Jahren abzufragen wäre. Da der Khedioe keine weiteren Sicherheiten ßellrn kann, so wird ihm die Garantie aufrrlegt, das; sämmtlickze Steuern für Zahlung der Zinken und Anlegung eines allgemeinen Tilgungsfonds angewiesen werden.“

_ Das Panzerschiff ,Inflexiblc“ wird am 27. b. zu Porthsmoutl) von Stapel gelassen werden und Prinzessin Louise wird die Taufceremonie vollzieben.

Frankreich. Paris, 14. April. Das „Journal officiel“ ver- öffentlicht weitere Veränderungen in der Besetzung drr Vräfektenßellungen, wobei im Ganzen 47 Präfekturen in Bciracht kommen. Nach denselben hat ein Präfekt seine De- misfion gegr'ben und find acht zur Dispofition gestel-t, oaruziter der Präfekt Fournés im Departemcnt Savoie; bei den Uebrigen handelt es fich nm Verießungen, Außerdem smd neun Sous: & Präfekten und stehen General-Sekretäre neu ernannt.

_ DieSub-Kommisßon für die allgemeine Uusftellung von 1878 beschäftigt sick) angelegentlich mit der AuSwahl des Platzes für dieselbe. Der geftrige Artikel des „Franyais“ über die zukünf- tige Ausstellung hat in der industriellen Welt viel Mißfalien erregt. Derseibe wird als ein erstes Symptom der Abge- neigtheit der klerikalen Partei gegen dasselbe aufgefaßt.

_ Für die katholische Universität Lille haben die fünf bis jetzt erschienenen Listen wie die „Sem. rel.“ meldet, 3.175,675 Frcs. ergeben. Uebrigens scheinen die Geistlichen iroß der Zurückweisung, welche die Kammer ihrer Einmischung in die W a h l en hat zu Theil werden (affen, dieselbe nicht aufgeben zu wol- len; so empfiehlt wieder der Erzbischof von Bourges in einem Hirtenbriefe den bonapariistisch-klerikalen Kandidaten Grafen dr Saint Sauveur. _ Auch an 'die Organisation der Wallfahrten gehen die Klerikalen, wie der „K Z.“ mitgetbeilt wird, mit erneuter Thätigkeit; sci findet diejenige nach Rom, die s. g. „nationale Wallfahrt Frankreichs“, schon Ende d. M. statt.

Das Austreten des Bischofs Freppcl und die durch ihn verhängte Exkommunikation des Hrn. Failortx wird von dem ,.Sibrle“ scharf kritistrt; derselbe schreibt: „Wenn das Beispiel Msgr. Freppcls befolgt wird, und die Kirche darauf besteht, ihre geistlichen Waffen gegen bürgerliche Beamte zu gebrauchen, so wird der Staat gezwungen sein, a11ch seinerseits Gebrauch von den iwcltlirhen Waffen gegen die_ gerst- 1ichen zu machen; Kirch und Staat werden so die Bahn be- irrten, die zu ihrer Trcimumx führt. Wir find damit zufrieden; ist es „Univers“ aber ami)?“

_ Der „K. 3.“ wird in einer Darstellung des jcßigen Vor- gehens Ronbers u. A. gnschrirbsir: „Rauber arbeitet wie ein Advokat, der eine Uerwkkiik Sache vertritt. . . . Das gestrige bona- partistisckye Manöver in der Depuiirienkammer war eine solide Nie- derlage, die man wohl geftifferiilich herbeigeführt hatte, und Ricard bewies, wis schlagfertig er sein kann, wenn er es an der „Zeit hält. Die Vonapariisten, die genau das Spiel der Ultra- montanen im Dentsckieii Reichstage spielen, Hatten die Majorität so ungsduldig (ZLMKChf, daß die Abfcrtigung, die Ricard ihnen mit auf den Weg in dir Ferien gab, wie eine wahre Luft- reinigur'g und Exquickung wirkte.“

_ Einer offiziellen Dcpxsrhe aus ?! [gier vom12.d. zufolge hat General Cartcret die *.*;iifsrärrdxsci) en in der Stärke von 100 Reitern urzd 2000 Fußsoldairn er::„aexiriffen und ungeachtet ihresiehr hartnäckkgen Widerstandes in die Flucbt geschlagen. Die Aus- ständischen ließen 100 Todte auf dem Kampfplaße zuriick. Die Truppen hatten 11 Verwundete.

_ 15. April. (W. T. B.) Das „Jouri-ial officiel“ bringt eine Auseirianderseßung der Motive, welche zu dem Entschluß drr Vsranftaltung einer allgemeinen Weltausstellung in Paris führten, und bemerkt dazu: Frankreich bekundet,“ hier- durch, daß es Vertrauen in seine Inßitrriionen seßt, cs erklärt seinen WiÜen, bei den Ideen Weiser Maßigung zu beharren, durch welche seine in den leizten fünf Jahren verfolgte Politik beeinflnßt war, Frankreich spricht endlich hierdurch öffentlich aus, „daß es den Frieden wiki.

Spanien. Madrid, 13. April. (W. T. B.) Wie nun- mehr bestimmt verlautet, wird die Regierung den Cortes die Aufhebung der Fueros in den baskischen Vroyinzen vorschlagen, Dieselben. würden demzufolge der Sreuerzahlung und der Konskciptinn wie die anderen Provinzen unterworfen sein, wobei indeß die demokratische Gemeinde-Organisation erhal- ten bleiben soll. Auch die Minorität der Cortes hat. wie in parlamentarischr-n Kreisen versauter, fich bereit erklärt, diesem Vorschlage beizutreten, so daß die Annahme desselben in den Cortes als gesichert betrachtet werden kann.

Griechenland. Arbon, 13. April. (W. T. B.) Die früheren Minister Nikolopulos und Valassopulos sind zur Verbüßung der ihnen zuerkannien («Strafen alsbald in das Gefängniß abgeführt worden. _ Die Regierung hat ein Ver- bot erlaffen, wonach ausländische Silbermünzen, die in Frankenwährung ausgeprägten auSgenommen, vom 1. August c. ab nicht mehr cirkuliren dürfen. _ Der itaiienisckze Ge- sandte, Marquis Migliorati, ist gestern vom König in AbschiedSaudieriz empfangen worden.

Türkei. Konstantinopel, 5. April. Dem hier bestehen- den iuternationalen GesundbeitSrathe smd nähere Mittheilungen über das bereits vor einiger Zeit gemeldete Auftrxien der Pest- Epidemie in Mesopotamicnwnd Bagdcrd zugegangen. Danach beziffern sich in Hille wahrend der funf Zetzten Tage des März die Erkrankungsfäüe anf 66, die quesfa'lle auf 42, Von Bagdad werden für die Zeit vom 28. Marz bis 1. April 145 Pesterkrankungen mit 75 Todesfällen geweldet. Auch in Nedjef (Meschhed Ali), dem durch seine" Leichendepois ub?!- brüchtigten WallfahrtSorte der Schi'iien, ist die Krankheit bereits aufgetreten. _

Nack] telegraphiichen Nachrichten aus Teheran _bat dre per- sische Regierung Ende März eine Art Gesundheitsratl), zur Hälfte aus Persern, zur Hälfte aus Europäern bestehend, be- rufen, von welchem die Errichtung eines Cordons längs der Persisch-türkischen Grenze beschlossen und für sämmtliche Pro- vemenzen aus Mesopotamien eine Quarantäne von 14 Tagen angeordnet worden “ist.

Geriaue Informationen über den Verlauf der Krankheit werden ubrigens von maßgebender Seite als unmöglich erachtet,

weil die Bevölkerung etwaige Kranke *u verheimkicbcn, sporadische Fälle abzuläugnen beßrebt ist, und Zicrbci von d-cn Lbkalbebör- den unterfiüßtwird. Man glaubtdesbalb aueh, das; die gedachten Maßregeln keine Garantie gegen die Weiterverbreitung der Epidemie bieten.

_ Nack) eingegangenen telegravhischen Nachrichten ist am 13. d. M. ein großer Theil von Serajewo niedergebrannt. Das Feuer war an jenem Tage noch nicht gelöscht.

_ Von der kroatisch - bosnischen Gßrenze, 10.Aprik, wird der „Polit. Korr.“ geschrieben: „Wie auf ein gegebenes LoosungéWort greifen die boSnischen Insiirgenien auf ver: schiedenen Punkten zu den Waffen. Wie versauter, sollen die boSnischen Insurgcnienchefs den Plan gefaßt haben, nicht an der Peripherie dcs Vilajets stehen zu bleiben, vielmehr nach dem Centrum hin vorzudringen. Man fcbäxzt die Gesammtsiärkc der Insurgentcn auf fast 10,000 Mann, während die klei- neren, halbverfallenen Burgen und Festungen sehr kleine, ja winzige Garnisonen haben. Wie die Anführer in einer am 6. d. M. abgehaltenen Konferenz beschlossen haben, soll vor Ailem versucht werden, fick) folgender größerer Orte zu bemächti- gen: Pctrovaß, Kims, Krupa und Bibats. Bereits gestern find Insurgenienkolonnen dahin dirigiri worden. Da man noch keine Kanonen hat, so wird man fich vorläufig mit der Cernirung diescr balbbefcftigicn Orte begnügen. Gelingt dieser CoUp, dann wird Serajcwo selbst bedroht. Indessen vcrlantet, daß nach Bosnien ein ganzes türkisches Armce=Corps dirigirt ist, und zwar aus Anatolien. Trifft diese Truppenmacht rechtzeitig ein, dann könnte 'die Lage eine andere Gestalt bekommm.

Aus Albanien werden vcrdäckziige Symptome gcmcldci. Es beißt, die Miridiien icicn Entschlossen, zu den Waffen zu greifen, um ihr? alte», von drr Pforte vor cinigrn Jahrcn anf- chobcne Autonomie wicder zu rrlangcn. Ein gewisser „Jacob“, dcn man allgsmein „Capiiän Jacob“ icmii, ist brrcits zum Axifiibrcr defignirt Wordcn. Wie veriantct, iammrln sic fick) bereits in ibrcn fast unzugänzlickycn Bergen. Die Türken sammeln uncl) in Albanien br'druiciide Streitkräfte. So viel icixint fieber zu sein, das;, wenn die Kämpfe in dcrHcrzsgowiim rxock) cinigc Zcit andancrn, es nich im albaniscbcn Gebirge [cb- baft bsrgciwn diirfte.“

Aus Serajcwo, 8. April, msidei die „Politische Korre- spondenz“: „Rach mehrstündigkr telegraphiscber Unirrhand- [img ließ der Seraskier in Konstantinopek den General: Gou- verneur wissen, die Pforte werde niirhstens zwci Divisio- nen nach Bosnien schicken, könne aber keine augenblickliche Öüife schaffen. Gieichzeitig [angie der Befehl ein, man soUe alle Mo- hamedaner dcs Vilajets vom 18. bis zum 60. Lebensjahre bewaffncn und organiftren. Ibrahim Pascha seßte fich sogleich in Bewecrung. Nack) alien Richtungen smd Offiziers [Md Unteroffiziere abgrsandt worden, um den Landßurm zuorganifiren. Wird der Befehi cms Stambul gewiffenhafi und rasch vollzogen, dann dürfte der bos- nische Ober-Kommandant bald 70,000 Mann zur Verfiigung haben, denn so viel Waffenfähigr kann die mohamedanisckze Be- völkerung dcs Vilajeis stellen.

Pelagits versendet Manifeste, die selbst in Serajewo einge- schmnggelt Wurden, worin er an erster Sieile die Mohamedaner auffordrrt, mit der: „christlichen Brüdern“ gemeinsame Sache zu machen, eventueü wenigstens eine neurrirle Haltung jener Moba- medaner verlangt, die für „die aÜgemeir-c Freiheir Untrr der neuen Regierung aktiv nicbt austreten wollen odcr kbnnsn.“ Den Feinden droht er aber „mit gänslicher Vernichtimg.“

Brlgrad, 14. April. (W. T. B.) Der hiesige öster- reichische Generalkonsul hat die wegen der am 9. d. vor dem Konsulai begangenen Excise geforderte Genngthuung in voliem Umfange erhalten. Die bezigliche amtliche Kund- gebung hierüber steht bevor.

_ Die „Politische Korrespondenz“ bringt eine genauere Darstellung der am 9. 1). vor dem österreichischen General- konsulate in Belgrad startgehabien Demonstration, welcbe die Omladinisten sckwn seit ctwc'. 14 Tagen Wegen der Internirung Ljubibraiics vorbereitet hatten. Bei der- selben wurde ein Diener des Konsulates durch einen Steinwurf leicht getroffen; ein zweiter Stein wurde gegen das Konsulatsgebäude geschleudert. Der Grneralkonsnl, Fürst Wrede, verlangte in Folge dessen ungesäumt von der ser- bischen Regierung öffentliche Genugthurmg fiir die öffentlich ver- übten Insulte und zwar Abbitte, Garaniie gegen eine Wieder- holung derartiger Vorkommnisse und Beßrafiing der Anstifter und der säumigen Polizeiorgane. Gleichzeitig erkiärte der Fürst, daß, falls er die geforderte Genugthung niclit ungesäumt er- halten würde, er dir Flagge auf dem Konsirlaisgebäude ein- zieizen und Belgrad verlassen wiirde. Wie schon gemeldet, ist dem General-Koniul in alien Punkten die gewiinschte Genug- thuung brreiiwilligft gewährt *und wird die bezügliche vereinbarte Erklärung demnächst im serbischen Amtsblatt Erscheinen.

Rumänien. Bukarest, 14. Yprik. (W. T. V.) Georg Vern-:scu, von der national-[iberalen Partei, ist von dem Fürsten mit der Bildung eines neuen Kabinets beauf- tragt worden.

Ein Weireres Teliegramm vom 15. April, Vormittags, me!- det dagegen: Da der Fürst das von Verne-Zcu gebildete Mini- ßeriurn nicht in allen Theilen acceptirt hat, so ist Vernescu zurückgetreten. Wahrscheinkich wird nun General Floresco mit der Neubildung des Kabinrts beauftragt werden.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 13. April (W. T. B.) Das „Journal de St. Piztsrsbourg“ ift anf Grund amtlicher von Wien erhaltener Mittheikung zu der Erklärung autorifirt, daß die dem Statthalter v. Rodich in Bezug auf Rußland zugeschriebenen Aeußcrungen jeder: thatsäcblichen Unterlage entbehren. _ Der „Go- los“ unterzieht die von den Jnsurgentenfiihrern dem Statthalter v. Rodich gemachten Friedensvorichlage einer eingehenden: Prüfung und spricht fich betreffs der in Anregung gebrachten Einsetzung einer internationalen Exekutiv-Kommission an Ort und Stelle zustimmend aus.

_ In den Verwaltungen der General-Gouverneure soÜrn verschiedene neue Maßregeln iiber dieStellung der Juden in Verathung gezogen werden. Zwischen den Ministerien des Innern und der Rcichsdomänen wird nach dem „R. M.“ eine Korrespondenz bezüglich einer Unterstellung dcr zu den Land- bauern zählendon Juden untsr die allgemeinen für den Ackerbau- ßand bestehenden Gesehe unterhalten.

Asien. Mitielst leßter Poft erhält die „Allg. Ztg.“ fol- gende direkte Nachrichten: „Batavia, 12. Februar. Die lthen Berichte aus Ntschin lauten wieder günßjg- Skit dem 24- Ia- nuar hat General Pel beinahe täglich Vortheile errungen _ nur dann und wann wird den Truppen ein Tag Rast gegönnt, um ihnen Lebrnsmittcl zuzuführen. _ Nachdem Unsere Truppen Bukit Leban, eine andere feste Stellung im 17. Mukim beskßt

Hakim. marschirien fie in zwei Kolonnen nas!) Eins? Ebene, und zwar durrk; den Engpaß von Dam. Ter Matix!) ging zum Tlieil durch den 11". Mnkim, zum Theil durch den 171. nacb dem T1. Mukim. Das Terrain war ein sehr schwieriges und mor-ißigrs. Der Feind leisiete hartnäckigen Widerstand. Das Gebiet des [A. Mnkim ward erobert, und die Ortschaftrn, welche Widerstand geleistet hattcn, wurden verbrannt. Man erhielt die Nachricht: kan Daud sei am 24. Januar in der Moschee zu Pagar Ayer zum Sultan eingeseßt worden. Am 5. rückten unsere Truppkn in Pagar Ayer ein. Das Resultat der Operationen iii, das; das Gebiet der Sagie des )()(1'. Mukim erobert, :. ehrere Campongs des )(.x'll. Mukim verbrannt oder beseßt wurden und die Häupter des ])C. Mukim Schritte zur Unterwerfung gemacht hab?". Eine Anzahl Vorposten find zurückgezogen und andere find im )()(1. Mukim aufgestellt worden. Unsere Verluße find unbedeutend _ aber der Gesundheitözustand der operirenden Truppen ift ein ungünstiger. Am 7. kehrte die operirende Truppe nach Katia Radschak) zurück. Das 12. Batailion ist daselbst ange- kommen. Da General Vel jeßt 12 Vaiaillons befehligt, stehen weitere Operationen in Arréücht. Offenbar finden wir jetzt Untei'iiüizung unter einem Theil der Bevölkerung. Wo die Macht der Waffen gefühlt worden ift, unterwirft sich die Bevölkerung. Der Krieg ist noch nicht zu Ende, aber in Groß-Atschin find wir am Anfang des Endes. Der unermüdliche Eifer des Gene- rals Pel verdient alles Lob.“ _ Um so betrübender lautet die telegraphiscbe Nachricht, welche der hoUän- dische General-Konsul in Singapur am 28. Februar erhielt: „Batavia, 28. Februar. General Vel ist plößsick) gestorben. General Wiggers van Kerchen ist sein Nachfolger. Geht am 3. März ab. Der größte Theil des )(M'il. Mukim ist erobert. Die Truppen befinden fich in der Näk)? Von Qualla Gigben. Dcr Häuptling Tibank und die Häuptlinge des 1)(. Mukim unterwerfen fich. Ebenso Funku Kadlic', dcr sick) in Maraffa befindet.“ _ Aus Katia Radschai) wird geschrieben: „Am Strande, der fich nord- wsstiicki von O1eb-Leh ersiréckt, find Aithrabnngen gemacht worden, um die Uebrrrcste dés Generals Nino Bixio zu finden, der, den von einem Atschinesen gemacbtsn Aussagen zufolge, dort bkgraben worden sein soll; aber bisher ist nichts ge- funden worden. Dcr eiserne Kessel, in welchen die Leiche von unseren Leuten währrnd der zweiten Expedition nach Atschin gelegt worden war, ist anf einrr der Inseln in einem Küsten- dorfe gefunden wordrn. Es ist noch immer Hoffnung vorhan- den, die Gebeine drs Gcnorals aufziifinden. Die italieniiche Regierung hat die unserige inständigst ersncht, die Aufsuchung zU betreiben. Die Bewobner des 71. MUkim scheißen der Strafe fÜr die Eiriwsiswng des Grabes nicht entgangen zu sein, donn jeder von ihnen, der mii der Leiche in Berührung kam, ist an der Cholera gestorben, von welcher Krankheit der italienische Patriot hingerafft wurde.“

Afrika. Aegypten. Kairo, 13. April. (W. T. B.) Die Delegirten des Comités, welches fich aus Inhabern von Obiigatiomen der ägytischen Staatssthuid und Vertretern der Ottomanischen Bank in Alexandrien gebildet hat, um von dcm thdive Aufklärnngen Über die Finanzlage zu er- bitten, find heute von dem Finanz-Minister iii Audienz empfangen worden. Der Minister erklärte, die ägyptische Regie- rung werde die sckxwebknden finanzielicn Fraxien so schneii als möglich zu einer Lösung führen. Die verschiedenen Konsuln unierftiißen die Forderungen ihrer Landesaiigehbrigen.

Kunß, Wisenfchaft und Literatur.

D*.»r diesjährige: Kongrcß der unter Leitung des Gef). Ober-Medi- zinal-Ratbcs r*. Langenbeck stehenden DeutsÖen Gesellschaft für Chirurgie findet in Berlin vom 19. bis 22. April stats. Für die wisseiiicbaftlicben Sißungen ist wirdrrum die Lluia der Universität bewiliigt worden.

_- Der König Alfonso Von Spanien Hat am 8. d. die Ausstallung der skbönrn Künste in Madrid cröiinrtund bei diesem Anlaß folgendr Rcdc grbalten: „Meine Herrcn! Ich empfinde eine lebhafte Befriedigung darüber, zum ersten Mal seit meiner Thron- basteigung der feierlichen Eröffnung der Nus;ie11ung der schönen Künste vorzusteben. Jck) iebe zu meiner Freude, daß, trotz der trau- rigen und schwicrigen Verbäliniffe-, welche Spanien durchzu- machen Haifa, drr Sigrid der Künste nicbt gesunken ist. Ick) finde mit Virgnügcn ielbst eine Art künstleriséher Wiedergeburt. welchemi-;'-1_ für unsere jungen Künstler die günstigsten Ergebnisse und für unjrr Vaterlarid eine glänzende Zukunft hoffrn läßt, Dank diixsen Wettkämpfen des Geistes, Miche Unter un?» die Bande der Ein- trirrbr enger knüpfen sollrn. Ick gebe mich gern der Hoffnung bin, da?"; "niere Zeit micht minder rubnwoll sein werde als die Mmillo's, Mirbel 'EinZ-xlo's, Vrlasquez', Beruqicctyis und 10 vieler Anderen. welche sich in der 11) srbwierigen Kunst, die wir heute feiern, io hoch er- soben haben. Ick) meinerieiis bin ertscbloffen, die Fortschritte der rZinni)“. mit cchsn Mitteln, die in m_eine'r Macht stehen, zu ermutbigeu, tief überzeugt, daß: dicseibr-n in großim Maße zur Wohlfahrt und zum Rubine Spaniens beitragen Werden.“ *

_ Daß reich iiiuitixirie Praibiw-erk, Welches unter dem Titel „Kunst und Künstlrr des Mittelalters und der Neu- zeit“ bei E. A. Sermann in Leipzig erscheint und von ])r. Rob. Dohme, Bibliothekar des Kaisers, herauékgegeben wird, schreitet rüstig vor, Im Ganzen sind bis jeßi 11 Lief-Irungeu erschienen. Die letzten, fiinf seit Dezember vor. Jahres hcrauSgekommenen Hefte bringen folgende Biographien: Luca Signvrrlii und Soddoma von Dr. Rob. Vischer, dem Sohne des bkkannten Aesthetikers und Kenners der iiaiienifcben Kunst; Einhart, von_ dem HerauSgeber; Tuotilo Von St. G-rÜrn, Brrnwirrd von Hildesheim und die deutschen Dombaumeister des Miiirialters Don Prof.. Dr. Alw. Schultz in Breßlau; Ani. Watteau und Fr. Boucher von de_m Herausgeber; Laras v. Leydén von ])r. Ad. Rosenberg, endlirh Quentin Masiys, eine nach den Hinterlassenrn Papirren Schnaase's von Dr. O. Eisenmann in München bearbeitete Studie.

GeWerbe und Handel.

Wien, 15.211361. (WTB) Die Dividende der Staais- babn ist, wie die ,Preffe“ meldet, vom VerwaltungSratHe nunmßhr arif 32? Frcs. festgestellt worden. _

Paris, 14. April. „(W. T. B.) Die Generalveriammlung der österreichisch-französtichen„Staatsbal)n ist zum 18. Maic. in Wien anberaumt worden., Wie der „Messager de Paris“ meldet, würde die vorgrichliigyne Dividende von Frcs. 32,50, ohne die Re- serven aiizugreifen, aufgebrachi Werden. _ In der leizten Nacht ist hier und in einem großen Thklll“. Frankreichs Frost und Schneefall eingetreten. Einer Drpkfcbe aus Bordeaux zufolge fürckytet man. daß die Weinernte dort grlitten Hai.

_ Ju Florenz wird am 4. k. M._das Jubiläum des Erfin- ders des Pianoforte, Bartblomeo Cbristofori gefeiert.

_ In Süd-Yorkihrrx feiern der „E. C.“ zufolge ge eu 20,000 G rnbenarbetter in Folge von Lohnstreitigkeiien. ie Besitzer der Koblengruben Wollen eine Herabsetzung der Löhne zum Betrage von 15 0/0 verhängen, die Arbeiter aber nur eine Verringerung um 10% sich gefaUen lassen.

VerkebW-Anstalten. Triest, 14. April. (W, T, B.) Der Lloyd;

„Austria“ ist beuie Y:)rwitiag 8 Uhr niit ker osxfndisck, landspost aus Alixandrien hier xinßetryffcn,

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