1900 / 108 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 05 May 1900 18:00:01 GMT) scan diff

lenker Vetschau zum Feld-Art- Regt. von“. “dkiekjkkkikikWses-k Nr. 5, zum Ro arzt, Pusch, Unter-Noßarz der'Landwch'„ Gelbkk- Unier-Noßarzt der Res., ju Roßärzten des Beurlaubtenfiandes- "““ ernannt.

Kaiserliche Marine.

Offiziere xc. Ernennungen, Beförderungen und VU"- seßunaen. Berlin, 2. Mai. Credner, Kapitän zur SSL z-Q, dum miliiärischen Lehrer an den Bildrggßanstaltezn der, Marine er- nannt. Uthemann. Kapitänlt. vom Stabe S. N. Kusten-Panzer- schiffes ,Aeair', zum Admiralstahe der Marine versetzt. “Wind- müller, Oberlt. zur See von der 2. Marine-InsV-- zum Stabe S- M. Schulschiffes „Nixe“ übergetreten. Baxt'b (Otto), ObLklk- zur See dom Stabe S. M. Schurfcbiffes „Nixe - tur Verfuaune des “Chefs der, Marine-Station der Nordsee gestellt. ,

Abschiedsbewilligunqen. Berlixt, ?.Mar. „Clemens, Kavitänlt. vom Admiralstabe der Marthe, mlt der gsse lichen Penfion nebst Aussicht auf AnsteÜuna im Zivildtenft und der rlczuhniß zum Tragen der bisherigen Uniform mit den für Verabschiedete vdr- geWxiehenenAhreichen der Yhfckyiedbewckligf. BMU?!- v. dkk MUMM- Böitger, Fähnrickpe zur See, zur Res. der Marine entlassen.

Yichtamtliehez. Deutsches Reick).

Preußen. Berlin, 5. Mai.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten gestern nach dem Empfange Seiner Majestät des Kaisers von Orsterretck), Königs von Ungarn den Vortra des Staatssekretärs. des Auswärtigen Amts, Staats-Mini ters Grafen von Bulom. Um 5 Uhr empfingen Seine Majestät der Kaiser auf, dem Anhalter Bahnhof Seine Königliche Hoheit den KronprmZen von Italien und Abends um 7 Uhr auf dem Bahn of

riedrichstraße Seine Königliche „Hoheit den Herzog von York. m 71/2 Uhr fand bei Ihren Maxestäten in der Bilder-Galerre des Schlosses Galatafei und um 9 Uhr im Lustgarten großer Zapfenstreich statt. Gegen 11 Uhr empfmgen Seine Maxeftät der Kaiser auf dem Bahnhof Friedrxchstraße Seine Katscrltche Fokéeit den Großfürsten Constantin Constantmowrtfch von a [and.

Heute Morgen 73/4 Uhr begaben Sich Seine Majestät der Kaiser und König mit Seiner Majestät dem Kaiser und König FranzIoseph vorn Potsdamer Bahnhof mittrls Sonderzuges nach dem Truppenubungsplaß Jüterbog.

Seine Majestät der Kaiser und König Franz Ioseph stattete im Laufe des gestri en Nachmittags den hier *anwrsenden Mitgliedern der Königli en Familie, sowie Ihren Königlichen „Hoheiten dem Großherzog und der Großherzogin von Baden persönlich Besuch ab und ließ Seine Karte bei dem Reichskaiizler Fürsten u Hohenlohe und dem Staats- sekretär des Auswärtigen mts, Staats - Minister Grafen von Bülow.

Gestern Abend um 71/2 Uhr fand bei Ihren Kaiser: lichen und Königlichen Majestäten in der Bilder-Galerie des Königlichen Schlosses Galatafel statt. Bei derselben führte Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn Ihre Maxestät die Kaiserin und Königin, Seine Ma1estät der Kaiser und König Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin von Baden. An der Tafel saß Seine Ma- jestät der Kaiser rechts von Seiner Maé'cstät drm Kaiser Franz Ioseph, Ihre Ma1estät die Kaijerin [in s von dem Erlauchten Éastc. Nach rechts folgten Ihre Königliche Hoheit die Großherzoqm von Baden, Seine KöniglicY Hoheit der Her- zog von York, Ihre Königliche Hoheit dic rinzeffin Friedrich Lx'opqld von Preußen, Seine Kaiserliche und Königliche Hohen der Kronprinz, Ihre Königliche Loheit die Erb- prinzcsßn von Hohenzollern, Seine Königliche oheit der Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Ihre Durchlaucht die Prinzesfin ? _eodorqzu SchleSwig-Holstein, SeineKöniglicheHoheit der Prinz Ettel:F_r1rdr1ch von Preußen, die Gemahlin des österreichisch- ungarijrhen Bo'tschafters von Szh yÉny-Marich, Seine Königliche Hohett der Prmz Joachim Albrcyht von Preußen, die Gemahlin des Staatssekretärs des AuswärtiTen Amts, Staats-Minifters Grafen vor) Bukow. Nach links fo gien Seine Köni liche Hoheit der Kronprinz von Italien, Ihre Königliche Hoheit dre Prinzessin Zemrich oonPrcußenSeine Könik iiche dheit der Großher og von

aden, IhresDurchlau'cht die rinzesm Aribert von nhalt, Some Jomhltche Hoh'ctt „der rin; Heinrich von Preußen, Zhre Koxzigltche Hohen, dre Prinzesfin Carl von „ohenzollern,

eme Kontgltchc Hohert der Prinz Albrecht von reußen, die Oberhofngernrrm Ihrer Majestät, Gräfin von Brockdorff, Seine Komqlrche Hohen der, Prin Friedrich Heinrich von Pxeyßen, Ihre _Durchiaucht die Fürhin zu Fürstenberg, Seine Kontgltche H'ohethder Herz_og Albrecht von Württemberq. Nach rechts und links solgxen dre ferner hier anwesenden Fürstlich- kettrn und Wgrdentrager. Gegenüber Seiner Majcnät dem Kaiser und Konig Franz Iosrph hatte Seine Durchlaucht der Reichskanzler Furst zu_ Hohenlohe Piaß qenommen, rechts von demselben rer osterrerch1sch-u_ngaris e Minister des Acußern Graf von Goluchorpskt, der ofterrei isch-unqarische Botschafter von Szögyhnszarlch, der Geperal-Oberft Graf von Waldersee, der osterretchiiche Feldzeugmetster reiherr von Beck, links von dem Reichskanzler der italieniche Botschafter (Graf von Lanza, der großbrttannische Botschafter Sir Frank LaSceUes, der Oberstkämmerer Graf zu SolmZ-Baruth, der österreichische General der Kavallerie Graf von Paar.

Bei der Tafel brachte Seine Majestät der Kaiser und König, dem „W. T. B.“ zufolge, nachstehenden Trink- spruch aus: -

Es wird Mir schwer, Worte zu finden, um Eurer Majestät Meinen Dank und den Meines Volkes darzubringen für Eurer Majestät anädigen erneuten Besuch. Aber wenn Ich auch die schönsten Worte finden und zusammenfügen wollte, so wären sie doch nicht im stande, die Gefühle wiederzugeben, die Uns heute bewegen. Worte müssen verstummen, wo der Pulösthlag eines gesammten Volkes sich fühlbar macht. Dieser Puls- und Herzschlag hat heute Eurer Majestät entgegengeschlagen, wie wohl noch nie.

Der jubelude Empfang der Berliner am heutigen Tage gilt zunächft Eurer Majestät erhabener Person, als dem großen und weisen Herrscher. Aber Mein Volk ficht auch in Eurer Majestät

édie mischäßbare Gabe Eurer questät 'Liebe und Frenndsrhaft'anö " Futrägen, füewabr däs herrlicbfte Kleinod, welches heute unter allen Ge- schenken Meinem Sohne mitgegeben werden kann.

Zugleich aber haben Eure Majestät durch Ihren Besuch der Welt offenbart, wie fest und stehe: der Bund besteht, den Eure Majestät dereinst mit Meinem seligen Herrn Großvater und dem Herrscher des schönen südlichen Landes, Italien, abgeschlossen haben. Wahrlich, dieser Bund ist nicht nur eine Uebereinkunft der Gedanken der Fürsten, sondern je mehr und mehr er bestanden hat, hat er fich tief eingelebt in die Ueberreugung der Völker, und wenn erst die Hrrzen der Völker xusammensrhlagen, dann kann sie nichts mehr aus- einanderreißen. .

Gemeinsame Intereffen, gemeinsame Gefühle, gemeinsam ge- tragenes Freud und Leid verbinden Unsere drei Völker heut über 20 Jahre, und obwohl oft verkannt und mit Hohn und Kritik über- gossen, ist es den drei Völkern gelungen, bisher den Frieden zu be- wahren und als ein Hort des Friedens in aller Welt angesehen zu werden.

So beugt sich denn auch heute Mein Volk drm Weisen und Aelteften dieses Bundes. Unsere Wünsche, die fich am heutigen Tage um Eure Majestät und EurerMajeftät Erlauchtes Haus und Ihre Völker zusammenschaaren, gipfeln in noch einem anderen Punkt. Ich glaube kaum zu weit zu gehen, wenn Ich ausspreche, daß, soweit heute in deutschen Landen ein Vaterherz schlägt, es Eurer Majestät in tiefer Brwegung ' dafür danken wird, daß Eure ijestät Meinem jungen Sohne Ihren Srgen mit auf seinen Lebensweg gehen vaen.

Allm Gefühlen aber, die Mein Volk, Msin Haus und Mich heute erfüllen, geben wir Ausdruck, indem wir rufen:

Seine Majestät der Kaiser und König Franz Joseph hurrah! ** hurrah! - hurrah!

Seine Majestät der Kaiser und König Franz Joseph erwiderte hierauf mit folgenden Worten:

Von den herzlichen Worten Eurer Majestät innig bewegt, danke Ich aus voUem Herzen für den schönen Wiklkomm, dea Eure Majestät Mir bereitet haben, und gedenke mit wärmster Erkenntliéha keit des festlichen Empfangeo seitens Eurer Majestät prächtiger Hauptstadt.

Ich bin glücklich, daß es Mir heute gegönnt ist, in Erfüllung eines lange gehegten Wunsches Eurer Majestät im Kreise der" Ihren die Hand zu drücken.

Die underlxrüchlicbe Freundschaft, die UnS vereinigt, bildet auch ein kostbares Gut Unserer Reiche und Völker. Erweitert durch die trkue Mithilfe Unseres verehrten Freundes und Verbündeten, Seiner Majestät des Königs Von Italien, bedeutet sie für Europa ein Voll- werk des Friedens.

Um die Pflege diefes segenSreichen Werkes, welches Ich mit Ihrem ruhmreichen Großvater zu begründen so glücklich war, haben Sich Eure Majestät als mannhafter Hüter eines für alle Theile gleich kostbaren Erbtheils undergärrgliche Verdienste erworben.

In der frohen Zuversicht auf die Fortdauer Unserer Freundschaft erhebe Ick Mein Glas auf das Wohl Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und der Königlichen Faurilie. Sie leben hoch!

Die festlichen Veranstaltnngen _des gestrigen Tages schlaffen mit einem großen Zapfenstrerch und einer Illumination der Umgebung des Schlosses und des Lustgartens. Um 81/2 Uhr Abends flammten p[ößlick) die Tausende von Glüh- lampen der Säulenhalle des Kaiser Wilhelm-Denkmals auf, während die auf der Schlrßzinne aufgestellten Schein- werfer ihr weißes Licht auf das Standbild selbst und die beiden SiYeSgespanne warfen. Auch der vergoldete Adler auf der äule an der Nordwestecke der Schloßterraffe erstrahlte in glänzender Beleuchtung. Um 9 Uhr verkündeten von_ der Straße Unter den Linden her das Locken der Spielleute und das grünliche Licht der Magnesiumfackeln den Anmarsch der Musikkorps, welcher unter den Klängen des York'schen Marschs unter Führung einer Kompagnie des Kaiser Alexander Garde-Grenadirr-Negimcnts erfolgte. Voran zogetr in [an er Front die Spielleute, dann folgten die Glockensprele der nkanterie und die siebzehn Infanterie- Kapellen, nach den In trumenten rangiert, hierauf die acht Kavallerie-Kaprllen, nach den ReZlimentern geordnet, und endlich die fünf Artillerie-Kapcllen. [S der Zug die Schloß- brücke'errcicht hatte, überfluthete plößlich intensiv rot 86 bengaltsches Licht den ganzen weiten Plak. Prächiig hobsich er sthl 2 _Bau des Domes in seiner flammenden Beleuchtun vom nächtlichen Hintergrundc ab; besonders schön kam die appel zur Geltung, in deren_Laterne gleichfalls bengalische Flammen brannten. Die bengal1sche Beleuchtung der Vorhalle des Alten Museums wurde noch dadurch gehoben, daß man vor derselben Magncstumfackeln entzündet hatte, deren heller Schein die Struktur der Säulen wirkmm zur Geltung brachte. Auch das Zeughaus war über und Über in rotheS Licht qe- taucht, während das Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm []]. im Lustqarten durch Fackeln beleuchtet wurde und die Wasser der beiden Springbrunnen bald in rothem, bald in grünitch weißem Schrin erglänzten.

Inzwischen hatten fick) die Thüren des im zweiten Stock- werk oes Schlosses, über dem auptportal belegenen Balkons ??eqffnet, auf welchen Ihre a estäten der Kaiser und die

axscr'm mit Ihrem Erlauchtew aste, Seiner Majestät dem Kaiser Franz Joseph, hinaustraten, während der Kronprinz, ;nl ?sterreichischer Husaren-Uniform, und andere Fürstlichkeiten o g en.

'Der Aufnxarsch der Musikkorps voll og sich nunmehr in der Weise, daß _sammtliche Kapellen ein aßenes Viereck bildeten, in deÉen Mitte die' rothdrapierte Ejtrade für den Dirigenten, dcn eneral- Mustkinspizienten der Armee, Professor Roßber ktand. Nach Norden zu nahmen die Spielleute Au- tellung. Dre Musrkaufführung begann mit einem Langen Trommelwrrbei; dann wurde der Pariser Ein u Smarsch und, nach einem kurzen Zwischenspiel der Querphet er, der Radeßky-Marsch außgeführt. Hierauf intonierten die Kavallerie- .Kapellen allem, zmt schmetternden Fanfaren, unter üßt von ihren Paukenschlagern, die Paradepoft für Kava eric und unmittelbar daran anschließend den Pappenheimer Marsch. Alsdann folgten als Hauptnummer des Pro ramms die von

den treuen Freund und Bundesgenossen Meines seligen Herrn Groß- paix“, Meineö HLM! Vaters und Meine: selbst.

Kremser komponierten Variationen über das ich vom |?!rinzen Eugen. Mit dem xfenstreich der Kavallerie ?und In anterie-

(1 und dem fich ansTl eßenden Hymnus: „Ich bete an die

JZ“ Uii'shUn sirid-ICure=Mestät &!»an “'Wer vierten Generation»

;;:Maeht derrxLiebe? schloß“ die eigéntliche Musikaufführung,

der ]edocb york) eine beszmdere Hul igung für den Erlauchten

* Gast folgte: während dre Truppen präsentierten, intonierten bie gesammten Kapellen die österreichisYe Nationalhymne. Unter den Klän en des Zapfenstreichmars es zogen dann die Spielleute und ufikkorps wieder ab.

hessrscher Geheirner StaatSrath Krug von Nidda, Für tli schaugiburg-ltpptfcher StaatS-Minister Freiherr von Yeilißs und Senator der Freren und Hansastadt ,Hamburg Dr. ap p en- ber g smd m Berlin angekommen.

Die Bevollmächtigten zum Bundeßrath, Großherzo [iZ

Laut Meldung des „W. T. B.“ sind S. M. SS. „Hertha“, Kommandant: Kapitän zur See von Usedom. mit dem (Geschwader-Chef, Vize-Ndmiral Bendemann an Bord, und „Gefron“, Kommandant: Fregatten-Kapitän N 0 li mann, gestern tncWo'osung angekommen und beabsichtigen„ am 7. Mai nach Nanking m See zu gehen.

S. M. S. „Kaiserin Augusta“, Kommandant: Kapitän zur See Gülrch, ist gestern m Nagasaki eingetroffen.

Sihyllenhrt, 5. Mai. Seine Majestät der König vton Sachsen rst, wie „W. T. B.“ berichtet, heute früh von, htcr nach Berlin abgereist.

Koln, 4.Mai. Ueber die zu Ehren der Offiziere und Mannschaften, der_ Torpedoboots- lottille hier ver: anstaltetcn Festlrchketten brrichtet „W. „V.“, wie folgt:

_ In dem mit ahnen und Wippen reich geschmückten großen Gurzenicbsaale and heute Abend zu Ehren der Offiziere der Torpedoboots-Flottiile ein glänzendes Ban kett statt, an welchem die Svtßen der Behördenx unter ihnen der Ober-Zräfident Nasse, der Gouverneur, Genera; Freiherr von Wilcze , der Ober-Vürger- meister Becker, der Polizei - Präsident, die Offiziere der ermson_ und zrhlreiche Bürger theiinahmen. Der Saal dvar dicht gefullt. Während der Tafel brachte der Ober-Präsident Nasse ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König aus, wobei er ziFleich den Dank und die Freude des Rheinlands aussprach, die ' bordnung, die der Kaiéer den Rhein hinauf- ßesandt habe, be rüßen zu dürfen. Wohl mancher, der die Torpedo-

oote auf der ahrt von Holland hierher, insbesondere im alten heiligen Köln jubelnd begrüßt habe, sei herbeigelockr worden durch den Wunsch, die fremdartigen Schiffe sehen zu können. Der Jubel sei ge- traqen gewesen von dem Bewußtsein, daß die Wohlfahrt und weitere Ent- wickelung des deutschen Vaterlandes abhänge von der Entwickelung unserer

forte. Der Kaiser wiffe, daß die Anwohner des Rheins von diesen

efuhlen und Anschauungen gerragen seien. Des weiteren gedachte der Redner des Tages, an dem der Kaiser zum ersten Male in Köln in demselben Festsaale von jener Zeit gesprochen habe, in welcher der gewaltige Hmvel der Stadt Köln, vereint mit der Hansa, sicb weithin erstreckte, um dem deutschen Gewerb fteiß Absaß zu verschaffen. Die alte Hansa sei dahin, stolz wehe jrßt die Flagge der neuen Hansa aur allen Meeren unter dem Schirm und Schuh von Kaiser und Reich. Wie Kaiser Wilhelm 1. Deutschland eeint und die Armee reorganisiert habe, so sei es das Bestreben

aiser Wilhelm U., unter dem Schaf? einer starken Flotte die deutschen Interessen aUerwäctSzu wahren. „La en Sie uns“, so schloß der Redner, „treu zu unxrem Kaiser stehen und Seiner Führun folgen in guten und bösen agen bis in den Tod. Sein: Maje tät, unser Aller- gnädigster Kaiser und Köniq lebe hoch!“ Dre Anwesenden stimmten begeistert ein, und die Musik intonierte die Nationalhymne, Welche von den Anwesenden stehend angehört wurde.

Die dienftsreien Mannschaften der Flottille besuchten heute Abend im großen Saale des Krystaklpalastes den Marineverein. An dieser Zusammenkunft, welche der Kölner Sängerkreis durch Lieder- vorträge verschönte, nahmen auch einige Mannschaften der Garnison als Vertreter der Kölner Truppkntheile theil. Der Ober-Bürgermeister Becker zog in einer Rede eine Paraüele zwischen den Zeiten der Hansa, in denen das Volk sieh Leine Flotte selbst geschaffen und der Gegenwart und führte aus: ros der vielen Aehnlichkeiten gebe es vor aÜem einen Unterfchied, welcher der sei, daß heute ein mächtiger Kaiser und ein mächtiges Reich die Bestrebungen der deutschen Städte schirmen. Die herzliche und begeisterte Aufnahme, welche der Divifion am Rhein zu theil geworden sei, würde im amen Reiche dieselbe geWesen sein, weil die Erkenntnis; von der oth- wendigkeit einer starken deutschen Flotte mächtig im deutschen Volke Wurzel gefaßt habe. Der Redner schloß mit dem Wunsche, die Deutschen möchten auch auf der See es verstehen, mit Zähigkeit und Energie ihre Intereffen zu vertheidigen, und brachte ein Hoch auf die in Köln anwesende Abtheilung und die ganze Marine aus, welchem stürmischer, lang anhaltender Beifakl folgte. Der Kom- mandant der Torpedoboots - FlottiÜe, Kapitänleutnant Funke sprach zunächst seinen Dank [für die über aÜe Erwartungen herzliche Aufnahme seitens der Rhein änder aus. Es berührten sich wieder einmal die beiden Acme des deutschen Volkes, welche bestimmt seien, zusammen zu arbeiten: der Seehandel und die Seemacht. Köln habe ein' gutcs Anrecht darauf, den Besuch der Vertreter der Seemacbt zu empfangen. Der Rednecschlokß: als Vertreter der Kaiser- lichen Marine rufe er der Stadt Köln ein räftiges „A [aaf Köln“ zu.

Die .KölnischeZeitung' meldet, daß den gesammten Offizieren und Mannschaften der Torp_edovoots-Flottille von der Stadt Köln eine Ehren abe in Gestalt einer silbernen Medaille gewidmet worden sei. ie Medaiüe gebe eine Anficht der Stadt mit ZF iIcfrbZeSzahl 1900. Die Umschrift laute: „Zur Erinnerung an die

e n a rt“.

Die Torpedobootß-Flothille bildet fortdauernd den Gegenstand lebhafter Anziehung fur die Bevölkerung der Stadt und der Umgegend re ts und links des Rheins. Gestern Mor en trafen zahlret e Schulen aus dem Bergischen Lan e, aus Düren und anderen Orten ein. Die Rheinufer

find fortwährend von einem zahlreichen Publikum beseßt.

Bavern.

Gestern ist, wie „W. T. B.“ meldet, in München folgen- des Bal letin uber das Befinden Seiner Majestät des Königs aUSge eben worden:

Seine Majetät der König klagen nicht mehr über Schmerzen und geben auch auf Druck keine Schmerzempfindung zu erkennen, in- deQeri ift das Yasemeinbefinden durch die voraussegangeue Störung fi tlrch beeintrachtr t und der Kräftezusiand weniger befriedigend. '

Schloß Fürsßenried, 4.Mai1900.

Dr. von Ziemssen. Dr. I. Bauer. ])r. Grashey. Seine Königliche „Hoheit der rinz Rupprecht hat das rotektorat, über den bayerischen andesverband des deutschen lottenverems übernommen.

Sachsen,

Ihre MHZestäten die Königin Wilhelmina und die Konigtn- utter der Niederlande smd, nach einer Mieldfrfmg des „W. T. B.“, gestern Abend in Dresden ein- ge ro en.

Professor von Angerer.

Wrem'mr'erg Seine Majestät der König ist gestern von Arolsen wieder in Stuttgart eingetroffen.

Oesterreich-Ungarn.

Der Prinz Ferdinand von Rumäyien ist, wie „W. T. B.“'meldet, gestern früh von Abbazra nach Berlm ab kreist. '-

g In der gestrigen Sihung des Wiener Gemeinderaths machte der Bürgermeister Dr. Lueger Mittheilung über den qlänzenden Empfang, welchen der Kaiser Franz Joseph in Berlin gefunden. Die Stadtvertretung Wiens begrüße dteses Erci niß außerordentlich freudiq. Die Gemeinderäthe, welche die 5)(.Jskittheilung stehend angehört hatten, ermächt-gten untcr anhaltendem lebhaften Beifal] den Bürgermeister, hiervon der Berliner Stadtveriretunq Kenntnis; zu geben. , . , '

Der böhmische Landtag hat gestern emsttMMtg dre Kommisfionßanträge, betreffend das Verbot des Blanko- Terminhandels an den Produktenbofrsen, angenommen, Die Anträge fordern die Regikrunq au_f, em (Heseß vor „_ulegen, welches drn D1fferenzhandel in Getrerde, untersagt, ,ur un-

ültig und unklagbar erklärt und eine Wirksame sraatltche AUF- cht über die Börse und die Börsengefchäste emfuhrt. -_Dre ungarische Regierung soll „um Vorl'egung ernes gleichen (Hefe es ersucht und mtt den Regterungen anderer Staaten in gleichem Sinne verhandelt werden. _ _

Der galizische Landtag nahm nz feiner geftrrgen Séßung eine Resolution an, in weicher dre Negrerung _auf: gefordert wird, die Weichselregul'rerung zu beschierrmgen und mit der russiWen Regierung emen Vertrag bezuglich der Schiffahrt auf der eichselabzuschließen, ferner in Nadhrzezte einen Winterhafen anzulegen _und für den osterretchtschen Waarencxport ria Nadbrzezie dre Bahntarife zu ermaßigen.

Großbritannien und Irland.

Der König und die Königin von Schweden und Norwegen -ftatteten, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern der Königin in Windsor einen Besuch ab und nahmen m1t Allerhöchstderselben das Frühstück ein.

In der gestrigen Sihung drs Oberhauses brachte Lord PortSrnouih die Veröffentlichung der Depeschen uber dte Kämpfe am Spionskop zur Sprache und tadelte dieselbe in der €Ußchärfsten Weise. Der Staatssekretär des ;.- rregs- amts arquis of Lansdowne erklärte hierguf:'*Wenn diefe Depeschen nicht veröffentlicht worden waren, wurde das eine neue Pflichtvrrgeffenheit qewesen sem._ Es ser allgemein bekannt gewesen, daß am Spionskop Mißgriffe be- gan en worden seien. Wenn die Depeschen zurückgehalten wor en wären, würde den betreffenden (Generalen ein gryßerer Schaden zugefügt worden sein, als dies durch die Veroffent- lichung der Depeschen der Fal] gewesen sei. Er wolie die Verantwortlichkeit nicht ablehnen, aber wenn er dre Depeschen veröffentlicht hätte, ohne den Feldmarschall Lord Roberts um Rath zu fragen, würde er fich eines Mangels_qn Höfkichkeit und Loyalität dem leßteren gegenüber schulmg gemacht haben. Er habe nicht vorgeschlagen, daß zugestußte Dokumente an Stelle der Original-Dokumente geseßt werden sollten, sondern daß die Depesche des Feldmarschalls Lord Roberts einschließlich der anderen Depeschen als vertrgu- liche behandelt werden sollten und daß dem KciegSarnt eme einfache, konzise Beschreibung der Operationen am Spionskop geiiefcrt werden solle, und das sei ein durchaus ehrenhafter und harmloser Vorschlag ewesen. Er sei der Ansicht, daß Lord Roberts' Urthcil 0 er Sir RedverI Buller ein sehr milder Tadel gewesen sei, und Lord Roberts habe in der Folge gezeigt, daß er Sir Redvers Buller sein Vertrauen mehr ent- zogen habe.

Im Unterhause erwiderte dcr Unter-Staatssekretär des Auswärtigen Brodrick auf eine_Anfrage, ob die Regterung von der Befrachtupg des franzöjischen Dampfers' „Gironde“ durch die ranzöfische Bank in Johannesburg mit eurer Viertel- Million fund Sterling nach Paris Kenntnis; habe, daß die Regierung keine amtliche Information darüber habe, aber daH Eigenthum des Feindes, angenommen Kontrebande, ser auf neutralen Schiffen durch die Pariser Deklaration ge- schüßt. Gibson Bowle fragte an, ob die Regierung"er- fahren habe, daß die Burcnregicrung bedeutende Vorrrathe von Lebensmitteln erhalte, die in dcr Delagoa-Bay von fran- zösischen und deutschen Dampfern gelandet und direkt nach Transwaal gesandt würden, und daß der deutsche Dampfer „Herzog“ am 30. April dreitausend Tonnen solcher Vorräthe qeiandet habe. Brodrick erklärte hierauf, daß er von den Mittheilungen über eine solche Landung von Vorräthen gebührend Notiz genommen habe. Wenn nicht Beweise vorlägen, daß die'Vor- räthe für den Verbrauch einer kriegführenden Macht bestimmt seien, könnten sie nicht als Kontrebande betrachtet werden. Dre Ladung drs „Herzo sei in der Delagoa-Bay von portugiesischen (Zoll eamten untersucht worden, deren Aufmerksamkeit esonders auf diesen Dampfer gelenkt worden sei. Es sei kein Bericht eingelaufen, aus welchem hervorgehe, daß der „Herzo Kontrebande gelandet habe. Die britischen Kriegsschiffe ?eien angewiesen worden, Vostdampfer auf bloßen Verdacht hin nicht anzuhaltrn. Bei der Berathung über das Budget des Kriegsamts beantragte Runctman, von dem (Gehalt des KriegSIMinisters 200 Pfund Sterling zu streichen, um auf diese WeiseÉegen die Veröffent- lichimg der Depeschen über die Kämpfe am ptonskop Einspruch

u erheben. Runcrman erklärte, daß, solange es nöthig gewesen Zei, die gerügten Offiziere in Süd:Afrika fzu behalten, die

Rügen nicht hätten _veröffentli t werden dür en, da dies den Truppen in Süd-Afrrka zum _S aden gereiche. Die telegraphische Korrespondenz, betreffmd dre Veröffentlichung der erwähnten Depeschen, dre dem Parlament Zest als Drurksache zuge- gangen, sei höchst merkwurdig un zeiY, daß man versuci t habe, von dem General Sir Redvers uller eine Depesche auf Bestellung herauSzubekommen. Leßterer habe sich u etwas derartigem nicht hergeben wollen und dadurJ bewieJen, daß er nicht nur ein ta ferer Soldat, sondern an ein charakter- fester' Mann-sei. er Unter-Staatßfekrekär des Kriegsamts Wyndham erwiderte, er glaube nicht, daß Runciman wirk- lich den Gedanken zum Ausdruck habe bringen wollen, welcher in seinen Worten enthalten sei. Runciman könne vielleicht die Urtheilskraft und die Diskretion des Kriegs-Minifters Marquis of Lansdowne anzweifeln aber die Ehrenhaftigkeit und Geradheit desselben anzrhwei e 11, davon könne keine Rede sein. Es könne kein ;wei el darüber herrschen, daß die Regierung für die Vero-Fentlichung der

Depeschen die Verantwortlichkit tralke. As uith, Mac Neil und Labouchere tade_lten gleichfa : vie erö entlichung der Depeschen über die Kampfe am Spionskop. er Erste Lord des Schaßamts Balfqur vertheidlgte die Handlungsweise der Regierung und wres die gegen den Kriegs - Minister erhobenen Anschuldigungen zurück. Sir Redvers Buller sei nie aufgefordert worden, den Inhalt seiner Depes e ab- uändern, Der ge en die Re icrun gerichtete Angriff erühre rhreEhre. Er gaube uveZichiii , daß die Partei, welche die Ehrenhaftigkett der egierung nicht anzweifele, fick) gegen die vor ebrachten Beschuldigunqen aussprechen werde. Schließlich wurde er Antrag Runciman's mit 215 gegen 116 Stimmen abgelehnt. Rußland.

Der Kais er besuchte, wie dem „WT. B.“ aus Moskau gemeldet wird, gestern in Begleitung des Großfürsten Sergius die chxandrow'sche Kriegsschule, wohnte den Prü: fungen der Zoglmge bei und besuchte das Lazareth sowie die Kirche, wo ein kurzer Gottesdienst abgehalten wurde. Die Kaiserin stattete mit der Großfürstin Sergius der iberischen Gemeinschaft der barmher igen Schwestern einen Bekuch ab. Sodann be aben sick) berde Majestäten unter bc- geiterten Zurufen der enge in das Nikitakioster und von dort in den Studentenkonvikr.

Italien.

Ein aus zwei Schiffen bestehendes russisches (He- schwader unter dem Befehl des Admirals Biriloff ist, wie „W. T. B.“ erfährt, gestern in La Spezia eingetroffen.

Belgien.

Wie der „Köln. Ztg.“ aus Brüssel berichtet wird, hat die Buren-Mission im Augenblick ihrer Abreise nach Amerika eine Erklärung an das amerikanische Volk veröffentlicht, in welcher sie ankündige, nach Amerika zu gehen, um die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten um ihren Beistand zur Wiederhersteüung des riedens in Süd- Afrika zu bitten. Das Volk der Vereinigten taaten habe vor einem Jahrhundert einen gleichen Kampf für die gleichen Ziele, wie “est die Buren, zu bestehen gchabt. Verleumdungen und ügen seien über fie verbreitet worden. Ießt solle die Wahrheit verkündet werden in dem Vertrauen, daß der Appel] der Buren an das freie Volk der großen amerika- nischen Republik nicht vergebens sein werde. Amerika möqe dem Kriege ein Ende machen, welcher in Wirklichkeit ein Bruderkrieg sei,. dessen Ergebnis; niemals mit den auf: 5Zewendeten Opfern im Einklang stehen könne. Eine befriedigende

öfung könne leicht durch einige rechtlich denkende Männer gefunden werden, welche die Streitpunkte sachgemäß erörterten. Amerika werde begreifen, daß Großbritann'xen die Unabhängig- keit der Burenrepuviiken zu vernichten drohe, in gleicher Wrise, wie es dies vor 100 Jahren erfolglos mit N0rd-Amrrika ver-

sucht habe. Bulgarien.

Wie die „Agence Bnlgare“ meldet, hat die Regierung, um der Vauernbewegung ein Ziel zu sehen und ein heilsames Exem el zu statuieren, den kleinen Belaqerungözustand über Fünf Distrrkte, nämlich Tirnowo, Nustschuck, Sistow, Razgrad und Goma Oreschomisa, verhängt.

Amerika.

Die republikanische Konvention dez Indianer- Territoriums hat, wie dem „W. T. '8.“ aus New York berichtet wird, beschlossen, die Vräsidentschafts-Kandidatur McKinlcy's zu unterstüßen. Die demokratische Kon- vention von Iowa hat ihre Delegirten angewiescn, die Aufsteüung Bryan's zu unterstüken, und eine Resolution zu Gunsten der Beitragsleistung ür dcn Burcnfonds an: genommen.

Nach einem gestern veröffentlichten Befehl ist der General Otis von dem Posten des Ober-Kommandeurs auf den Philippinen enthoben und der General Mac Arthur zu seinem Nachfolger ernannt worden.

Afrika.

Der Feldmarschall Lord Roberts meldet aus Brand- fort vom 2. d. M.: Wir beseßten heute Vrandfort ohne roßen Widerstand und, wie ich hoffe, ohne viele Verluste. I)ie 1. Brigade der berittenen Infanterie-Divifion deckte die linke und-die 11. Brigade der 7. Division die rechte Flanke. Unterstüh'c von der 15. Brigade,rüchte die Division Pole Carew direkt auf Brandfort vor. ,Die Buren unter General Dclaret) zogen fich in nordöstlicher Richtung zurück.

Aus Vrandfort vom gestrigen Tage meidet Lord Roberts: Die berittene Infanterie ist am Vetflus; ein- getroffen, die anderen Truppentheile wcrden morgen nach dem Vetfluß marschieren. Die Eisenbahn ist bis hierher wieder- hergestellt. (Genera! Hunter berichtet, der Uebergang Über den Vaal-Fluß bei Windsorton sei ohne Widerstand aus- geführt worden. .

Dem „Neuter'schen Bureau“ wird aus Thabanchu vom 3.d.M. berichtet, dieBuren hätten Nachts den Thabanchuberg geräumt und zögcn fich vcrmuihlich nach drei Richtungen nord- wärts zurück; sie hätten aber eine Kanone zurückgelassem welche in das Lager der Engländer zeitweilig Geschosse schleudere. Kundschafter berichteten, daß eine Abtheriung des Feindes fich gegen Weppener hin zurückgezogen habe, Der General French habe Thai) anchu, wo der General Nundle komman- diere, verlassen. Der General Brabant werde unverzüglich zu dem General Rundle stoßen.

Das „Echo d'Oran“ veröffentlicht ein Telegramm aus Udja, in welchem mit etheilt wird, daß neuerliche Unruhen an der marokkanischen Grenze aUSgebrochen seien. In Abwesenheit einer großen Zahl Männer des Stqmmes Djad, welche nach dem Süden gegangen seien, um Vieh zu. kaufen, hätten die Mehava diesen Stamm angegriffen und viele An- gehörige desselben getödtet. '

Parlamentarische Nachrichten.

Der Bericht über die gestrige Sißung des Reichs- tages befindet sich in der Ersten Beilage.

Bei der gestern im 7. Wahlbezirk des Regierungs- bezirks Marienwerder (Tuchel, Koniß, Schlochau) vor- genommenen Ersaßwahl um Hause der Abgeordnexen erhielten nach der amtli en Zählung Osiander (natltb.)

266 Stimmen, von Worszregier- (Pole) 19!) Geht! (Zn,) 65, Liebermann von Sonnenberg (Antisemrtß 1 . Stimme. Osiander ist somit gewählt.

Kunst und“ Wissenschaft.

Die Große Berliner Kunstausstellung 1900 ist heute feierlich eröffnet worden. Zu dem festlichen Akt, der im Kup elsaal des Landesaussteilun s'ebäudes m Moabit vor sich ging, hatten ck der Minister der geistßi en :e. Angelegenheiten Or. Studt mit dem Ministerial-Dkrektor, Wirkli en Geheimrn Oher-chierungsratb l). Schwur kopff und den eheimen Oher-Regierungßräthen D!“. Naumann, ever und Müller einJefunden. Ferner waren zugegen der General-Direktor der Königlichen Museen, Wirkliche Geheime Rath 1)r. Schönk, der Präsident der Akademie der Künste, Geheime Regie- rungSrath Ende mit dem Ersten ständigen Sekretar, Professor Ox. von Oettingen, der Direktor der Hochichule für die bildenden Kunst?, Proxeffor Anton von Werner, die Professoren Knaus, Meyerheiur. _Salßmann und andere namhafte Künstler, der braunschwemiickpe Gesandte Freiherr von Cramm- Burgdorf, der Regierungs-Präsident von Moltke, der Dirk ent der Ministerial-Baukommission, Geheime Ober-ReqierunJSrat Kayser, der (General von Strubbera und viele andere hohe Offiziere und Beamte, sowie als Vertreter der Stadt der Stadtverordneten-Vorsteher-Stel]- Vertreter Michelet. Die KapeUe des 4. Garde-Regiments z. F. leitet: die Feier mit einem Chor aus" Händel's Oratorium .Mesfias“ ein. Dann nahm im Namen der Ausstellungskommisfion Froseffor Koner das Wort zur Festansprache. Man schreibe zwar eute, so etwa führte er aus, das Jahr 1900, aber man dürfe nicht erwarten, daß ein neues Iahrhuadert nun auch sogleich eine neue Kunst bringe. Große ErfindUngen zeitisten allerdings plößlicbe Wendungen, die Kunst aber, hehe und senke fich in langgestreckten Epochen. So werde auch die neue AussteUung nur ein wenig ver- ändertes Bild der vielgestaltigen Kunst darbieten. Auch dieSmal sei hier Plaß gewesen für Alle, welche wahretKunst pflegen, ebenso seien aber auch dieSmal die Hallen verfchioffen geblieben alien denen, die sie mit der vomPublikum so beliebten Marktwaare überschütten wollten. Der Redner wies sodann auf die Betheiliguog des Auslandes hin, welche Ge- legenheit gehe, mit der fremdländischen Kunst Vergleickpe an- zusteÜen und selbst zu prüfen, was nachahmrnSwerth sei, ohne die Eigenart aufsugehrn. Redner bat schließlich, die Aussteliung mit Milde aufzunehmen,. und gab der Hoffnung AUSdruck, daß es ihr an Mäcrnen nicht fehlen und daß ihr die Sonne der Gunst scheinen möge. Der Aufforderung des Redners folgend, nahm nunmehr der Staats-Minister 1)r. Studt das Wort, um die Eröffnung der Aus- steÜung zu erklären. Der Minister svrack) dabei zugleich die frohe Zu- versicht aus, daß auch die neue Ausstellung den Ruf ihrer Vorsäüge- rinnen hewahren und daß fie dazu heiérazen Werde, die Berufsfreudig- keit der Künftierscbaft zu stärken und zu neuen, genialen Werken anzuregen, gleichzeitig aber auch das Kunstverständniß im deutschsn Volke zu wecken und zu mehren und ein gemeinsames Band zwischen Künstlerychaft und Volk zu schaffen. welches die geeignetste Grundlaae sei für eine ge- detbliche Fortentwickelung der Kunst. Der Minister schloß, nachdem er noch auf die besondere Bedeutung der Feier dieser Taae hin- gewiesen hatte, mit einem be eistert aufgenommenen Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und önig. Unter den Klängen des Fest- mar1ches aus dem .Tannhäuser“ von Richard Wagner begann dann der Rundgang durch die AussteUungsräume.

Land- und Forftwirthschaft.

Für die LTM. Mastvieh-Ausstellunq, welche am 9. und 10. d.:N. auf dem Zentralviehhofe der Stadt Berlin statt- findet und mit einer Ausstelluna von Zuchtböcken und Ebern, (“iner Ausstellung Von Maschinen, Geräthen und Produkte!), für Vieh- zucht, Molkerei, Velen tun , Heizung und füc das Schlachtergewerbe, sowie am 10.d.M. au no mit einer Ausstellung von geschlachtetem Mastgeflz": el verbunden ist, erschien soeben der Katalog (Verlag der Aktiengese schaft .Nationalzeitung“ hierselbst, Mauerstraße 86-88; Preis 50 H). Derselbe enthält die Verzeichnise der Aussteller, der Ausstellung6objekte, der aUSJeseßten Preise und der Preisrichter, die aUgemeinen Bestimmungen und Programme für die verschiedenen Abtheilungen der Ausstellung sowie die für die Preißriehter maß- geberxdrn Bestimmungen. Die Ausstellung wird von 9 Uhr Vor- mittags bis 7 Uhr Nachmittags geöffnet sein und der Eintrittßpreis am 9. Mai Von 9 bis 1 Uhr 3 „14, von 1 his 7 Uhr Nachmitttags 1.6, am 10 Mai 50 H betragen.

Saatenfiand und Getreidehandel in Rußland.

Der Kaiserliche Konsul in Kiew berichtet unter dem 28. v. M. Folgendes; -

Infolge des strengen und langen Winters ist der Stand der Wintersaaten in diesem Amtsbezirk im allgemeinen nicht gut. Namentlich der Weizen hat sehr gelitten, und an vieien Stellen sind 30 0/9 der Aussaat M'Grunde gegangen. Selbst wenn die Witterung drs rühjrhrs günstig sein wird, ist kaum auf eine gute Ernte zu re nen. *

Im Gouvrrnement Kiew stehen die Saaten in den Kreisen Wassilkow, Skwira, Kanjew, Tarafehtfcha und Uman sehr schlecht, sodaß die Felder an manchen Orten neu besäxt werden müffrn.

Im Gouvernement Wolhynien befinden sich die Saaten in den waldreichen Gegenden in einem befriedigenden Zustande. Schlecht stehen sie besonders im südlichen Theile des Goudernements.

Im Gouvernement Podolien ist, abgesehen von dessen südlichzm Theile, der Stand der Saaten ziemlich graf.

In den, Gouvernements Tschernigow und Poltawa sind die Saaten in dreien Gegenden so stark beschädigt, daß nrue Aussaaten ersol kn müssen.

In den Gouvernements Charkow und Orel stehen die Saaten mittelmäßig. ,

Raps und Klee befinden fich im Südwestgehiet in einem un-

ünstigen Zustande, und es werden neue Aquaaten nothwendig sein. lee hat insbesondere durch Mäuse gelitten.

Der Kaiserliche Konsul in Rostow a. D. berichtet unter dem 27. v. M. Folgendes:

Das Wetter ist hier seit Ende März überwiegend rauh und regnerisch ewesen, sodaß erst um Mitre des laufenderz Mynats, nachdem e niqe klare und warme Frühlinzsiage her maßigen Winden die Erdoberfläche etwas abgetrocknet hatien, mr1 der Feld- hestellung für das Sommergetreide begonnen werden konnte. Da schon am 22. d. M. das russische Osterfest folgte und der russische Bauer in der Ofterwoche nicht zu arbeiten pflegt, so dürfte die Beendigung der Frühlingßaussaat kaum vor Mitte Mai zu erwarten sein. Ein un ünftiger Umstand war es ferner, daß in der Nacht zum ersten Osßerfeiertage ein überaus heftiger Weststurm einseßte, der volle 24 Stunden anhielt; es wird vermuthet, daß dersrl'oe an denjenigen Orten, wo die Aussaat bereits stattgefunden hatte. dre ohcreErdfchicht sammt den Körnern fortgeriffen und dadurch eine Neubestellung der betreffenden Felder nothwendig gemacht hat. Der Stand der Winter- saaten wird fortdauernd günstig beurtheilt, wenn auch eine gewisse Hkmmung ihrer Entwickelung durch Ahfrieren der oberen Keimspißen nicht qeleu net werden kann.

Die iedereröffnung der Schiffahrt des Hafens von Rostow hat am 6. d. M. stattgefunden, nachdem die Donmündung schon am Tage zuvor eisfrei geworden war. Indeffen hat sich die regelmäßig damit verbundene Belebung des hiesigen Getteidemarktes unter dem Einfluß des andauernd ungünstigen Verhältnisses der hieß en Preise (nament- lich des Weizens) zu den Preisen des westlichen akoya in Vergleichs- weise en en Grenzen gehalten. Der vielfach erwartete Preisfall ist. wohl in olga der für die Sommeraussaat ungünstiken Witterung, die überdies die Wege unfahrhar machte und eine reich icbere Zufuhr zum hiesigen Markte verhinderte, bis jest nicht eingetreten.