1835 / 61 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Mon, 02 Mar 1835 18:00:01 GMT) scan diff

Bier sich “alle“ die Mitglieder, 1velche vorgestern für den Sprecher stimmten, einigen dürften. Wenn man nicht die gan- en Geschäfte der Session auf die Fabrication von Sprechern Keschränken kann, so müssen sich gleichim ersten Mortar wol)_l „zwanzig Todeswunden“ in dieser Majoritär zeigen. Sie muß in unzählige Stärke zersplittern und als die einzige feste, geschlos- sene ind ausgebreitete Partei im Hause die Koniervativen zu- rüeklasien, die von dem Sprecher nicht repräsentirt werden und kein angemessenes Organ ihrer Gesinnungen auf dem Sprecher- Stuhl haben. Aber der eigentliche *Grund und das wirkliche Band dieser momentanen Verbrüderung, vermittelst welcher Sir C. M. Sutton verworfen wvrden, ist das Bestreben, das Mi- nisterium zu stürzen. Und was dann? Was wollen die radika- len Whigs machen, wenn der König nach einem von ihnen sen- det, um die Verwaltung Eu rekonsticuiren? Geseßt, er sendet nach Lord Melbourne, wird ord Melbourne mit einem Zrländischen Repealer oder mit einem Vertheidiger jährlicher Parlamente in einem und demselben Kabine: filzen wollen? Wird Lord Spen- cer, Wenn er auch duldsamer gegen solches Pack ist,- mi_t demsel- den aus Einer Krippe speisen wollen? „Der O'Cdnnelljche Theil der Sprecherxfabrizirenden Majorität, die Engliichen Destrukti- 11eu mit eingerechnet, überwiegt im jeßigen Parlamente die alte Whig-Partei. Würde also die le tere ihre Gebieter von Dow; ning-Street auszuschließen im “rande nya? Wenn nicht, so "haben wir sogleich ein destruktives Ministerium. Und was soll dann werden ? Wenn die Whigs die Absicht haben, die Destrukciven von der Theilnal)me an der Verwaltung auszuschließen, und es ihnen gelingt, die Minisl'erial-Stellen mit Perxonen ihrer eigenen Coterie zu be- sei;.rn und jeden Anderen zu entfernen, wie viel länger, als eine einzige Woche, würde eine solche Verwaltung fich halten kön- nen? Ihre ganze Armee würde kaum aus 150 Stimmen be- stehen, mit einerentschicdenen und erbitterten Ultra-Radikal-Op- position von ungefähr 170 Stimmen auf der emen, und einer konservativen von etwas mehr als 300 auf der anderen Seite. „Wir stellen es also der Nation anheim, diese ganze- Frage genau zu prüfen, den folgerichtlgen Schluß aus jenen politischen. Prä- missen zu ziehen und uzuiehen, ob es nicht unvermeidlich isi, das?, Wenn Sir R. eel's Verwaltung gestürzt wird , entweder eine aus Whigs und Destruktiven gemischte Verwaltung gebildet werden muß, die zum größeren Theil aus Destruktiven bestehen imd mit deren baldigem Sturz auch_ die Monarchie selbst zu Grunde gehen müßte, oder aus einer ieynsollenden reinen Whig- Verwaltung, die wie ein Kartenhaus vom ersten Hauri) der Opposition umgeweht werden würde.“

Der'bekannte Herr Jeremie ist aus Mauritius wieder hier angekommen; er hatte am 17ten d. eine Unterredung mit dem

Grafen von Aberdeen.

Niederlande.

Aus dem Haag, 24. Febr. Se. Königl. Hoheit der Prinz" von Oranien hat gestern Vormittag zum erßenmale wie- der difentlich Audient, ertheilt. Viele angeieyene Personen beeil- ten fili), bei dieser Gelegenheit dem Prinzen ihre Glüekwünsche zu seiner Wiederherlrellung abzustatten.

Die Nachricht von der Ernennung des Capitain Koopman zum Contre-Admiral (Schom-by-nacht) wird jeßc von Hol- ländischen Blättern als voreilig erklärt.

Belgien.

Brüs s el, 23. Febr. Der Herzog von Orleans wird heut wieder hier erwartet. '

In der Senatj-Sihung vom 19ten d. Warf Herr Vander- straeren die Frage auf, ob die Regierung je?! nicht ihre 5proc. Obligationen, nachdem sie das Pari erreicht ätten, auf 4 pCt. redußiren wollte? Der Finanz-Minister antwortete, daß fiir jetzt der Zeitpunkt noch nicht gekommen seyn dürfte, eine so schww- rige Frage zu erledigen.

Das Haus Rothschild hat, wie hiesige Blätter berich- ten, für 2 Mill. Fr. 5pCtige Tresorscheine, die in einern Jahre" zahlbar find , übernommen. Herr James von Rothichild ist gestern nach Paris zurückgekehrt.

Dänemark.

Kopenhagen, 21. Febr. (Hamb. Korr.) Bei der tie- fen Ruhe, deren die Dänische Monarchie seit so vielen Jahren in ihrem Innern ungestört genossen, bei der allgemeinen Aner- kennung, Welche. den väterlichen Gefinnungen ihres Beherrschers widerfahren, und der Dankbarkeit, mit welcher die im vorigen Jahre ertheilten Institutionen von der Nation aufgenommen worden, hat man sich nicht wenig verwundern dürfen, die hie- sige Presse einen Ton annehmen zu sehen, der jenen von der Masse der BevölkerunÉ empfundenen Gesmnungen nicht immer entsprach, und dessen _chärfe allerdings, dem Wohlwollen und der Humanität gegenüber, welche den Wünschen der Regierten stets zuvorzukommen geftrebt haben, verletzend erscheinen mochte, „In wischen ist von oben herab bisher Nichts Ysehehen, um die em Treiben, welches vielleicht nur durch den eiz der Neu- heit hie und da Eindruck gemacht, Einhalt zu thun , zwei Fälle eitrSgenommen, bei denen man sich veranlaßt gesehen, an dktk Ausspruch der Gerichee zu provociren. Es haben sich mitt- lerweile Gerüchte verbreitet, über deren Begründung sich freilich noch nichts Bestimmtes ausmitteln läßt -- daßes nämlich aller- 11.195 im Werke sey, dem Umfuge der Presse durch eine verän- derte GesehgeSUUg oder durch Einführung der Censur zu steuern; ivcniqsiens wurde versichert, daß eine aus drei der geachtetsten Staätsinännern bestehende Commission zu“ diesem _Behufe nieder- ““Il“??? sey. „Dieses Gerücht, welches hier ziemlich allgemein be- sprochen wurde, soll nun auch den Deputirten der Hauptstadt, die bereits seit der Mitte v. M. provisorische Zusammenkünfte zu halten pflegten , um ihre Ansichten *alzszutauschen uud "slch rider Narioiral-Angelegenheiien zu verständigen, zu mehreren aii- ßcrordentlichen Versammlungen Anlaß gegeben haben. Ueber die Resultate dieser'Berathungen,-die übrigens in keiner Weise einen öffentlichen Charakter haben können, da die Stände-Versqwm; l.«'ng ,noch nicht zusammengetreten, geschweige denn konstituirt 111, theilt man sich verschiedenartige Angaben mit. Einige be- havptrn, die Kopenhagener Ab. eordneten, _denen sich später auch die Stellvertreter und andere itglieder der Roeskilder Stände- Vcrsammlung angeschlossen, hätten die' Absichc'geäußert, für den erwanigeanall der Einführung der Censur, ihrer Mission zu e:;isaqen, indem sie sich darauf berufen, daß die Preß-Angeje; genßeiken in M' Verordnung v. J. in Betreff der Provinzial“- Stände zu deren WirkungSkreise erechnet worden; allein1eden- falls ist nichts Definitives beschloißen worden, indem , wie vori einigeit richtig bemerkt wurde, immer nur erstGerüchte vorlägen,die man“ nieht-als Basis einer Resolution aufstellen könne, wenn m'aii “auch wirklich? Besorgnisse für die Preßfreiheit hegen dürfte. Als einziges Resultat dieser Versammlungeti ist daher bis jeßt wohl mir“ der Umßand anzusehen, daß sämmtliche Abgeordneten und

244 _ Stellvertreter einebereits früher aögefaßte Bittschrift an den König unterzeichneten, die seit dem 17ten d. auch in der Stadt in Umlauf gebracht wurde. Als Verfasser derselben wird Prof. Clausen genannt, Welcher auch unter dem 18ten d., im Verein mit den Prof. Hoyen, Schouw und Sibbern, dem Justizrat!) Hoegh-Guldberg, den Commandeur-Capitains Lückeii und Seidelin, dem EtatSratk) Hvidt und den Grosfirern Meinert und Suhr, in der Kjöbenhavns-Post zur Stiftung eines Vereins gegen den Mißbrauch der Presse aufgefordert hat, um dadurch etwanigen Zwangs-Maßregeln vorzribeugen. Jene Bitt- schrift, die übrigens“ in grziemlicycn Ausdrücken abgefaßc ist, sprichr das (Gesuch aus,“ daß das bisherige Wer:]? der Preßfrei- heit ungeschmälert erhalten werden, und daher die Einführung

der'Ceusur oder die Vorlage eineS'darauf bezi'iglichen Gesetzes“

unterbleiben möge." Dieses Dokament, welches bis gestern etwa 600 Unterschriften erhalten haben fol], Werunter hiesige Profes- soren, Advokaten, Assessoren des Höchstm-Gerichts, viele Kauf- leute :c., und welchem ähnliche aus Roes'kilde und Helsingör heute _gefolgt sind, ilk, dem Vernehmen nach, bereits gestern an Se. Majestät eingesandt worden. Ueber die Aufnahme, die sel- bigen zu Theil geworden, würde es voreilig seyn, eine Meinung zu äußern, so wie auch der Anklang, den jenes Gesuch in der Bevöikeruug gefunden, sebr übertrieben grschildert senn mag; jedenfalls versieht sich die Nation in Ruhe und mit dem innig- sren Vertrauen zu den ivohlwollenden Gefinnungen ihres allge- liebten Königs.

DerisÉ-land.

Schwerin, 27. Febr. Nach dem diesjährigen Staats- Kaleuder beläuft sich die Volkstiienge vou JITrcklenburg-Scdwerin auf 463,362 Seelen (worunter 3110 Juden), also der Zuwachs im verflossenen Jahre nur auf 2883; es kommen nun auf jede unserer 228 geographischen Quadrat-Meilen 2032 Serien, also 12 mehr, als im vorigen Jahre. *

Kassel, 18. Februar. (Allg. Ztg.) Die meörfarizen Ver- wickelungen, die der Streit um die Hessen-RotenburgisM Erb: ichafc besorgen läßt, beschäftigen in diesem AUgenblick die öffent- liche Aufmerksamkeit. Als streitende Theile erscheinen das regie- rende Haus, Welches sich als alleinigen Erben betrachtet, und die Landstände. Für einen Staat wie Kurhessen 111“ es allerdings von Wichtigkeit, ob ein zugefallenes jährliches Einkommen von 60,000 Rthlrn. - so hoch schäßt man die Revenüen von den Domainen der Landgrafschaft Rotenburg » in Zukunft zur Vermehrung der Einnahme der Staatskasse dienen sollen, wo- durch zugleich ein Mittel gegeben wäre, das vorhandene .Deficit im AUSgabe-Budget zu decken, oder ob dasselbe bloß.z11r Ver- größerung des schon so ansehnlichenFideikommiß-Vermdgens des Kurhauses zu gereichen bestimmt werde. Selbst aber wenn die- ser Nechssireit zu Gunsten des Fürstenhauses entschieden wäre, entstände wieder die Frage, ob Se. K. H. der Kurfürst, als zei- tiger und lebens'länglicher Inhaber und Nußuießer drs Fidei- kommiß-Hausvermögens, oder Se. H, der Kurpriri , als derma- liger Staatsregent, naci) Verträgen mit dessen Durchl. acer auf den Genuß der von diesem an ihn abgetretenen, auf ein jährliches Ein- kommen von 302,000 Rthlrn. sich belaufenden Cirilliste, wiewohl unter Stipulation von mancherlei Abzügen, beschränkt und gewis- sermaßen abgefunden, die am meisten rechtlichen Ansprüche auf die Rorenburgische Hinterlassenschaft zu machen habe. Weiter stellen fick) als iireitende Parteien der das Kur-Hcsfische regierende Haus und die durch das Teliament des Landgrafen von Hessen- Roienburg als dessen Allodial-Erben erklärten beiden SÖHNE Vik; tor und KlodWig des Fürsten von Hobenlohe-Schillingsfürsk. Nach den Worten der bestehenden alten Haus-Verträge sollen im Falle des Aussterbens der Seitenlinie die dieser angehörigen Schlösser mit ihrer “ganzen “Ausrüstung an die Hauptlinie wie- der zurüekfallen; es fragt stel) aber, welche Gegenstände als zu der Ausrüstung der landgräflichen Schlösser zu rechnen serien. So sah man hier 3. B. den hinterlassenen Marstall des Land- grafen als zur Ausrüstung von dessen Schlosse zu Rotenburg gehörend an, und macizte nicht nur Anspruch auf die landgräf- lichen Pferde in Rotenburg, sondern auch auf die aus dem Mar- stall zu Rotenburg nach Ratibor in Schlesien mitgenommenen. Der vom verstorbenen Landgrafen bestellte Testaments-C'xekutor, GerichtsxDircktor Duddenhausen aus Höxter, schlug die Anord- nung von Schiedsrichtern zur Entscheidung dieser und ähnlicher Streitfragen und deren gütlicher Beilegung vor; dieser Vor- schlag wurde aber hiesiger Seits abgelehnt. Die vielen bei die- ser Sache fick) darbietenden Fragen werden zu ihrer Zeit die Federn der Publizisten noch gewaltig in Bewegung setzen, und man wird sie nach dem postiven StaatSrechte, dem Hessischen Familien-Rechte, selbst nach dem vormaligen Deutschen Reichs- sraats-Rechte haarscharf untersuchen. Einstweilen wird der mög- licherweise eintretende Fall der Erscheinung eines Posthumus ab,- gewartet, nachdem die verwittwete Landgräfin, vier Wochen nach dem Tode ihres Gemahls, von Schlesien aus die Anzeige ge- macht, daß sie glaube, in gesegneten Leibes-Umständen sich zu befinden, und später die Nachricht in Roienburg eingelaufen ist, daß die Landgräfin im kommenden Monate August ihrer Rieder- kunft entgegensthe. Die Kur-Hessischen Landstände Werden durch die Betrachtung dieses eventuellen Falles, ungeachtet das Finanz- Ministerium bei seiner mitgetheilten Erklärung denselben nicht unberührt gelassen hat, nichc davon abgehalten, schon jetzt keinen Schritt unversucht zu lassen, um die beträchtlichen Domainen des Hauses Rotenburg dem Staate zu vindiziren: aber man sieht nicht, wie der“ Streit am Ende geichlicht1t werden soll, denn die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen über Rechts- streite zwisckzen dem Landes-Fürsten und den Landständen zeigen sich als hier ungenügend.

M ünchen, 22. Febr. Se. Majestät "haben den bisher mit der Königl. Gesandtschaft am K. Württembergischen Hofe verei- nigten Gesandtschastsposten in Karlsruhe vonderselben zu tren- nen, und diesen letztern Posten m_it rinem eigenen Geschäftsnä- ger in der Person Allerhöchstihres ehemaligen Geschäftsträgers am Königl. Griechischen Hofe, Legationsraths und Kollegial- Direktors Karl v. Gasser, beseßt.

Hr, „Baron v. Rothschild, der eine sehr bedeutende Summe (außer den schon früher gezeichneten 3 Millionen Gulden), die auch von den übrigen Aceionairs genehmigt, neuerdings submit- tirt haben soll, wird, nachdem er den Armen verschiedener Con- ,fesfionen ansehnliche Unterstützungen hatte zukommen lassen, die,- ser Tage München verlassen.

Stuttgart, 2-1“. Febr. Se. Majesiät der König haben Ihren Geschäfwträger am Königlich Preußischen Hofe, Lega- “tionsrath von Linden, zum Kammerherrn ernannt.

Frankfurt a. M., 24. Febr. Nach dem so eben im Druck erschienenen neunten Bericht über den Bestand und Fortgang des hier bestehenden „Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen“ im Jahr 1833-1834 ist die Zahl der vom Vereine unterstüßten Individuen in diesem Jahre von 321 auf 354 angewachsen. Von diesen smd 170 aus

dcm Großherzogthum, 58 aus dem Kurfürstenißum Hessen, 29 aus Hessen-Homburg, 46 aus dem Herzogrhum Nassau, 11 aus dem Königreich Bayern und 40 aus hiesiger Stadt gebürtig Nach gehörig vollendeter Lehrzeit wurden im Laufe dieser? Za; res eine Anzahl von 31 Lehrlingen ausgeschrieben.

Oesterreich.

Wien, 21. Feerar. (Schief. Ztg.) Der Landtaq in Siebenbürgen ist nun förmlich aufgelöst und Se. Kaiserl. “Ho, heit der Erzherzog Ferdinand zum einstweiligen Civil; und Mi- l1tair-(Gouverneur dicser Provinz mit sehr aUS'gedrhnlen Voll. machten ernannt worden.

“Gestern gab Se. Durchlaucht der Staatskanzler Fürst von

Metternich dem nach London bestimmten großherrlichen Gesand-

ten, Nuri Efendi, ein Diner, zu welchem neben dem hiesigen Türkischen Gesandten Herrn von Maurojeni und der Suites“ Ersteren, auch der Kaiserl- Russische Botschafter, der König] Großbritanische und der Königl. Preußislhe Gesclzäftsträger ani hiesigen Hofe, eingeladen waren. Heute wird RuriC'fendi dj, Ehre haben, Sr. Majestät dem Kaiser und der Kaiserleamjn, vorgestellt xu werden.

Aus .Bitoglia melden die neueiien Briefe das Ableben des Rumely Wallessy KawanoSoglu. Der Versorbene wird sei- ner siete- bewicsenen Härte wegen Wenig betrauert. Von dm Albaneiischrn Anaelegenheitetr melden diese. Briefe nichts. Em, Sendung alter Türkischer Müuzen, welche ins Ausland wandern sollten, wurde 111 Bitoglia aufgefangen und den Eigenthümern da die Ausfuhr des alien Tiirkischen Geldes verboten iii, nu; gegen 30 pCt. Strafe, in neuen Münzsorren zurückgestellt. Die- ser Vorfall bietet nur in sofern einiges Interesse, als er neben anderen einen Beleg liefert, daß das neue Mauth- und Polizxi. Spsiem sich auch in der Türkei verfeinert. .

Wien, 24. Febr. In „Bezug auf den (bereits mehrfach von uns erwähnten) Artikel des Journal de Paris zur Widerle- gung der-von der Allg. Ztg. gemachten Mittheilungen hinsicht- lich der uber die Schweiz zwilchen dem Französischen Kabinet und dem Grafen- v. Appony gepflogenen Verhandlungen, bemerkt der Oesk. Beovachter in seinem heutigen Blaue: „Wir thei- len vollkommen die vom „Journal de Paris aufgesiellte Behaupx tung, daß die in der Allgemeinen Zeitung befindliche Mittheilung Üöer die pom__Franzöfi1chen Kabinet beschlossene Versahrungs; weise in Betreff des: Sch1veizeri1chen Verhältnisse ungenausey, Ein K_adinet kann ichwerlicl) je den Entschluß fassen, kein In. teresse mehr an den Angelegenheiten und den Schicksalen elmi Nachbarlandes nehmen zu wollen. Das Aufgeben aller Thii- nahme sieht jedem Privatmanne zwar unbedenklich frei; das Iii teresse einer Regierung wird ihr aber häufig durch Umstände «. boten, die von ihrem „Willen eben so unabhängig sind, als von ihrer Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit den Ereignissen. Aus diesen Gründen glauben wir nicht, daß die Französische Re- gierung eine Drohung völliger Theilnahmlosigkeit für ei- netigewrssen Fall_auci) nur ausgesproche11 haben könnte, weil die Erfüllung derielben eben 10 außer ihrer Macht, als eine sol. che Drohung selbst außerhalb des Gebrauches in der Diplomatie liegetktiürhde.“ W Z

ie eutige iener eitung publizirt in Lateini er und Deutscher Sprache das nachstehende Königl. Reskripe wseéen Auflösung des Siedenbürgiscben Landtages:

„Franz der Erste :c. :c. Wohlgeborne, Ehrwürdige, E»), :c. :c. Seit deni Antrette Unserer Regierung waren Wir immer darauf bedacht, die altherkdmmltche Verfaffung Unseres Großfüriien- thums Siebenbürgen, wie Wir selbe von Unseren Vorfahren über- nommen„ unversehrt den Nachkommen zu überliefern. Wenn sich nun Einiges ereignet, woraus" sich ergeben könnte, daß auchdie feüeiien menschlichen Versäve, wie Alies, Zuiällen unterworfen iind, haben Wir bei Unserem aufr1chttgen Streben. die Verfassung zu er- halten, Uns nichts so sehr apgelegen seyn lassen, als daß dasselbe, auf die Art, wxlche die Heiligkeit der Gesetze erheischt, auf die rechte Bahn zuruckgefuhrt werde. » Die überaus ernsien Verhilt- nisse, mit denen Wirkund die Unsereni Sceyter gehorchenden Völ- ker anhaltend zu r,:n_en hatten, sind Uns besonders deshalb drr'ickend gewesen, weil éskelbvü in, der neuesten Zeit und inmitten dei Friedens, mehrere Hindernisse etntraten, 1velche die Verwirklichung unsers fesien Vorhabens verzdgertcn, über die Angelegenheiten, wc] 1 vor den Landtag. gehören, mit den getreuen Ständen Unseres Gro?- fürstenthuzns Siebenbürgen, und der denzselben wieder einverleibten Landestbeele zu verhandeln, und sie zu diesem Ende zusammenzube- rufen. 5- So gesrxmt, konnten Wir, obschon die gegenwärtigen Zcit- Verhältniffe von jenen der Vergangenheit wenig oder gar nichtvcr- schicden sind, dennoch nicht länger anstehen, durch die Einberufung dicses Landtages emen unbestreitbaren und einleuchtenden „Beweis zu

ehen, wir Unser Wille fest und besiändlg dahin gerichtet sey, iii

untctval-Rcehte, Gesetze. und beßätlgtcn Gewohnheiten Unseres Großfürstentvums Siebenburgen und der demselben wieder einver- leibtcn Theile upverletzt aufrecht zu erhalten. _ Dies isi aucb vo'n den Furiidtctionen urid Unserem gesammten treuen Volle mit gebührender-ankbarkeit anerkannt worden, welchen Ihr aber weder durch aufrichtJe Ergebenheit, nocl) bereitwilligen Eifer eni- sprochen habt. _ S on am Beginne des Landtages hat sich M11-

"ches ereignet, was siti) weder mit der althergebrachten Verhandlunzi-

weise, noch mit den Anforderungen der Umsicht, Beso'nnenhejtul MäßtÉung vereinen ließ. “»,Durck) lange Erfahrung mit der 111 und . eschaffenhett landsiandtscher §LZerathungen vertraut, glaubten Wir jedoch von Eurer“, an Uns, dre Gesetze, die altherkömmliit Sitte geäußerteii Anhanglichkeit, in der Folge Besseres erwartenii dürfen, da Ihr in Euren ersten Verhandlungen die unterlasseneAk' haltung der Landtage urid die eben deshalb. unterbliebrnen Web!“ zu den Kardinal- und diplomatischen Aemtern, als die Qnellc EU- rer Klagen bezeichnet hattet. Nachdem Wir nun den Landtag br reits'aUSgesclUteben, und Euch auf diese Weise auch zur baldigen Erreichung des anderen Wunsches, der Wahlen nämlich zu den Kar- dinal- und diplomatischen Aemtern, den Wir ohnehin im crsien Punkte Unserer Königl. Provofiteonen aufgenommen hatten, Gelegenbtk dgrboten, mußten Wir Uns als nothwendigc Folge Versprecher, dai die Landtags-Verhandlungen alsobald gehörigen Fortgang nehth würdet). - In dieser Hoffnun , der Wir Uns gerne hinqaben, hai Uns nicht wenig beüarkt, daß xxhr auch inmitten der Aixfwaliunge! 1ener ersten Verhandlungen, selbß anerkannt und allwärts kund 731 geben habt, die Helligkeit der Gesche erfordere, daß Unsere Klingt

ropositloncn vorzquweise verhandelt _würden, daß ohne Unsrrt

enehmizZung kein „andtags-Beschluß irgend einer Art (Heseßeskra erlangen bnne, endlich, daß Ihr, wiewohl erst nach längerer Zbgk' rung, zur Wahl des Stände-Präsidenien- so wie der Protonomirege- sch,r1ttenseyd, und diese UnserrrKdmgl.Besiä1igung vorgelegt habe.- Diese Bestätigung haben Wir ohne Verzug gncidigst erthéilt; denn

kcls vom c"ahre 1791, sondern Zwas die auf dem Landtage 111 dem eben erwä nten Jahresversamme ten Stände dieses“ Unseres Groß“ fürsientdums Siebenburgen, und der wieder einverleivten The“e mtttelsi ihrer gehorsamsten Repräsentation vom 18. Januar mit a" drücklichen Worten erklärten) sogar auch nach der uralten gesch" chen Infiltration, um den Landtag zu bilden, wesentlieh erfordt werde, daß sowohl der Stände-Präfident als auch die Protonotal

mentlich des einzigen Artikels des 121en Titels [*nur 111. der App?" batal-Consiitutionen, nicht minder der Noveaar-Artikel 9 vom Trab 1744, und7vomIahre1751, ohneieneIndividuenwedcreinDi-ita -A

“' verfaßt noch dieÄrtikular-ÉanciioneriangiWerdeukaiiii.- xeßFFiZunfverwdge der positiven Grupdgesehe, und nach dem rtlaut des oben erwähnten 11tcn Artikels vom Jahre 1791 der

:dtag aus dem KbnkFl. Gubrrnium- der Königl- Ta ck den obcr- '

Beamten der Com tate, Distrikte und Szekler-St ble, aus den , außen, und aus den Deputtrten derUngartscYen Comitate „und inikte, der Szekler-Stühle, der Sächsischen Stuhle und Diiirtkte, cht minder der Königl. Freistädte und" der unter dem Namen der

[;(-Orte vorkommenden Märkte, als der Repräsentanten der Tände der drei Nationen des ganzen Großfürstenthums besiebt, die „| der Landtags-Traktate aber von dem gcseßlichen Zusammen- “tt und der Mitwirkung aller Feuer abhängig ist, welche nach

(Hefti; berufen sind, den Landtggs-Körperzu bilden, baden Wer edemselben Neskrivt vom 18. Juli 1834, omat welchcem Wir Euch 1: gnädige Beüätigung des von Euch gewahlten Stande-Präsiden- en und der gleichfalls gewählten Protonotaire kund gaben, Euch [,jch ermahnet, daß ohne Verzug ven Euch zur Wahl der ubri- eig! erledigten Kardinal: und diplomatischen Aexnter nn Sinne des- [ben 11ten Artikels vom-Fahre 1791 geschrttten werde, damit [chexgesia1t die weitere Verhandlung Unserer Königlichen Prypo- tionen und jene der anderen Landtags-Gegenstande in gesetzlicher .,jse aufgenommen werden können; iim so mehr, da Ihr selbst ge- 191, daß der Landtag cines wesentlichen Bestandtheile» wre das 1aterland der, durch die Wahl der Stände und die Königl. Benel-

Wxsg za bcüellenden, höchsien Maglsirats-Personen ermangle, und . sbcol

xdere beigefügt habt, daß nur die gesetzlich, und mithin em inne des mehrerwähnten 11ten Artikels vom Jahr 1791 zusam- ,nberufenen Repräsentanten der_Natioxi Uitseres vollen Vertrauens ürdig seven. Härter Ihr auf die Heiligkeit der Gesetze, das Her- WWW und selbst Eure vorerwahonten eigenqurklärungi-n patcht- -emiß Rücksicht genommen, so wurdetIhr met derselbenSYBefiiffen- „“:, mit der Ihr in Eurer Repräsentation vom 10. „sul: 18:14 ,[vß erkannt hadi, daß vor Allem zur Wahl des zur ge- ,ylichen Organisation des Landtages vorzugsweise und wesent- lcki nothwendigen StändeePräfidenien und der Protonotalre eschritien werden müffe, Emi) beeilt haben, den Präsdew msowohl, als die Protonotmre nack) den hgkdmznlrchen Formeln u beeiren, und um den Landtag aueh in seinen ubrigewBeftand- btilk" zu ergänzen, würdet Ihr dann die Wahl der ubrigen Kar- inal- und diplomatischen Aeinter ohne'Zeetverlust vorgenommen „aden, und dies zwar um so mehr, als die Function deJemsiwcrlt- .mPräsidenten aueidriicklich mir aufden Zeitpunkt der m gesetzli- “Weise erfolgten Wahl und Bestätigung des ordentlichen Stande- ,iräßdcnitn beschränkt und die lelzre bereits erfolgt war.

(Fortsetzung folgt.)

S ck 11» e i z. .

, Bern, „19. Febr. Da Hr. v. Rtimigny von den diploma-

lschen Verhandlungen zwischen Frankreich und Oesterreich keine

enntniß haben wollte, so fing man hier schon an, zu glauben, 1er Artikel der Alia. Ztg., welcher jenen Verkehr zwischen den eiden Höfen zur Oeffentlichkeit brachte, habe'eine Mysiincation 111 die Schweiz enthalten. In dieser Meinung glaubte der rorort einige Beruhigung zu finden. Leider scheint se fich nicbt »esiätigen zu wollen, wie übrigens auch 311 erwarten [land. Es ollen nämlich bei Hrn._v,Rumign11 Botichasten angelangt seyn, eiche gänzlich im Sinne jener Verhandlungen lauteten und hm ein von dem bisherigen abweichendes Benehmen gegen Bern vorschreiben. Damit hätte alioBern, _wenn_ sich diese Rach- lcht bestätigt, woran kaum zu zweifeln ist, „leinen geträumten ückhalt an Frankreich wirklich verloren. Bet den dadurch nur

111 so mehr" gespannten Verhältnissen zu dem Auslande könnte ieErdffnungs-Rede des diestährigeatz Landammatins “m der ersten Eilzlmq am 16, Febr. der zweiten Hälfte der Wmter-Zusammen- kiirfke “des großen Raths auffallen. Sie enthält gelviffermaßen eine Verwahrung gegen den Vorwurf, der Bern gemacht-werde, daß dasselbe einen rücksehreicenden Gang gehe, und seine bisherige Bahn verlassen habe. Diese Antritts- Rede wird wahrscheinlich nicht die beste Wirkung bei den aUSivärtigen Mächten hervorbringen. Im großen Narbe wurde-von dem Kantons-Stallmeisier Elias der Antrag gesiellt, daß künftig in keinem Berner Blatt ano- nyme Artikel erscheinen sollen. Die. Radikalen erklären den Antrag für einen indirekten Angriff auf die Preßfreiheit. We- nigstens wäre eine solche Maßrrgel unzulänglich, und würde den Zweck, vor den Angriffen der Zeitungen zu ichüizen, gar nicht erreichen. Es würden nur desto gereiztere Artikel in die Bisle- ter der andern Kantone kommen, und so .die Gegner der Regie- rung nur auf einem kleinen Umweg ihre Meinungen dem Ver-

ner Publikum zu bringen.

Spanien.

Madrid, 17. Febr. Ju hiesigen Blättern liest man: „Ihre Majestät die Königin hat, um einen öffentlichen Beweis ZF geben von der hohen Achtung und Freuudschaft für ihren

ruder und Verbündeten, den König der Belgier, demselben, im Namen Ihrer Majestät der Königin Isabella "„ durch ein Dekret vom 10. d. M. den Orden des goldenen Vließes verlie- bm- Zualeich hat Ihre TNaiesiät die Königin-Regentin .der erhabenen "Gemahlin dieses Fürsten die Insignien des Marien- Luisen-Ordens übersandt.“ _ . _ * Don Louis Sorela ist zum Direktor der Liqmdirungs-Koni- Mission der öffentlichen Schuld ernannt, und zugleich die Enrlai- syng des Don J. de Recalde, mit Berücksichtigung seiner Kränk- Uchkeit, angenommen worden.

Der erste Staats-Sccretair hat unter dem 11. Februar dm Spanischen diplomatischen Agenten und Konsuln im Aus- lande nachstehenden Königlichen Befehl übersandt: „Ihre Majestät die Königin-Regentin hat in der Absicht, den Handel Wischen ihren Unterthemen und dem Auslande zu erleichtern, und ngleick) die für die Vertheidigung des“ Königreichs io miei)- tige Einfuhr von Waffen und Munition für die Anhänger des Prätendenten zu verhindern, geruht, den Königlichen Befehl vom 11. Dezember v. I., welcher den Spanischen, aus fremden “Men kommenden Schiffen gestattet, Waaren und andere Dinge ck" die Häfen von Corusia, Gijon, Santander und Bilbao ein- -Usiihren, unter den durch die Sicherheit des Staates in diesern

ligenblick gebotenen Bedingungen auch auf die Schiffe der tmr

Spanien befreundeten und verbündeten Nationen auözudehnen.

Sie sind daher hierdurch ermächtiqt, alle fremde Schine, welche “ck- Wie die Spanischen, den Vorschriften des erwähnten Kö-

fi mglichen Befehls unterwerfen wollen, in die genannten Häfen Walaffen.

Gez.) Martinez de la Rosa.“ In der Sißung dcr Prokuradoren-Kammer vom 12cm

d- M. hat Herr Ferrer um die Erlaubniß, einen imMensa-

. . . es war nns wohl bekannt, daß nicht nur vermdge des men Arik- Zxro unter der Ueberschrift “öffMl'che Fonds erschienenen A"

el vorlesen zu dürfen. Es wurde in diesem Artikel esagt,

daß einige Mitglieder der Kommission für die innere chuld am Abend vorher Fonds von dieser Kategorie gekauft und so 1 [Um Steigen derselben bedeutend beigetragen hätten. Herr Fer- kel“ War der Meinung, daß man die einzelnen Mitglieder einer Kommission nicht-angreifen könne, ohne zugleich die Kommission

selb - . gesehmäßig bestem seyen, so zwar, daßjm Sinne der Gesche, na K | an ugreifen,

daß ein Angriff gegen die Mitglieder einer ommision zugleieh ein Angriff gegen die Kammer selbft sey,

Und daß durch die anticipirte Bekanntmachurrg der Anficht,_welz che die Kommission annehmen könnte oder nicht, ein Einfluß auf

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2-15 _ die Kammer sowohk 1116 ans die öffentliche Meinung ausgeübt “werde". Er ersuchte die Kammer, zu, entscheiden, ob es nicht zweckmäßig sey, eine Kommission zu ernennen, welche die Her- ausgeber des Mensagero auffordern sollte, diejenigen Kommis- fions-Mitglieder u nennen, welche die genannten Operationen gemacht, um aufs diese Weise allen Verdacht von den übrigen Mitgliedern der Kommission und der Kammer abzuwenden, und damit man nicht glaube, die Kommission gehe bei ihrem Bericht an die Kammer varteiisch zu Werke. Er bestand darauf, diese Frage in einer öffentlichen Sitzung zu verhandeln, obgleich dies eigentlich in einer geheimen geschehen sollte. Die Kammer ging darauf zur Tagesordnung über und nahm mehrere Artikel des Budgets des Minisieriums des Innern an, dessen Diskussion in der Sißung der Prokuradoren ; Kammer am 1Zten beendigt wurde. Der 4Z|e Artikel über den Quadragefimal-Jndult nahm einen großen Theil der Diskussion hinweg. Herr Visedo be- trachtete die Päpstlichen Bullen als eine indirekte Abgabe und unterstüßte deshalb den Vorschlag der Kommisüon. Er sprach noch gegen die sogenannten Compofitlons - Bullen; weil sie 1111- moralisch wären, und fügte hinzu, es sey lächerlich, daß die Geistlichen, um eine Prrücke (111111 ("111311111115 51111 51110 1011111111113 tragen zu dürfen, der Erlaubniß des Papstes bedurften, und forderte das “Ministerium auf, fick) bei dem Papsre wegen Auf- hebung dieser Bullen zu verwenden. Die Kammer verwandelte sich hierauf in einen geheimen Ausschuß.

Von denjenigen Personen, Welche der Theilnahme an den Ereignissen am 18. Januar im Kloster Atoclia angeklagt waren, find 31 theils zu verschiedenen Corrections-Strafen, theils zur Verbannung verurtheilt.

-- Der Message r enthält ein Schreiben aus Madrid vom 12ten, worin es heißt: „Die Ereignisse des" 18. Januar sind in ihren Folgen günstig für das Minisierium gemeien und haben den Einfiuß Martinez de la Rosa's und Toreno's noch mehr be- festigt; denn man hält jene Vorfälle für das Resultat der ckck- sehreitenden Politik Llauder"s und daher natürlich für ein Zeug- niß zu Gunsten des liberalen Systems seiner Kollegen. Herr ONoscoso, welcher etwas von der Politik Martinez de la Rosa's abweicht, wird, wie man sagt, aus dem Ministerium ausschei- den, sobald der zum Kriegs-Minisrer ernannte General Valdez ankommt, dessen Ansichten nicht mehr Besorgniß erregen, da man weiß, daß er von'seinem policischen Mentor, dem ehemali- gen Deputirten Infantes, einem gemäßigten Liberalen , begleitet ist. Die Königin-Regentin hat durch jene Vorfälle an Popula- rität verloren, da man sie in Verdacht hat, daß ste den militaix rischen Entwürfen Llauder's nicht ganz abgeneigt gewesen sey.“

Portngal.

- -- Lissabon, 1. Febr. Der Herzog von Santa Cruz isi eingetroffen, und seine Trauung mit der Königin hat mit den bei solchen Gelegenheiten herkömmlichen Feierlicheiten und Volks-Demonstrationen stattgehabt. Da unsere Zeitungen, die Quelle der Englischen, zur Genüge darüber berichtet haben, so halte ich es für unnöthig, ausfiihrlicher darauf zurückzukommen. Die Hofleute folgerten aus jenen Demonstrationen, daß der Herzog sick) bereits eine ganz besondere Popularität erworben habe. Die unparteiischen Zuschauer erinnern aber daran, daß eine in fünf Tagen erworbene Popularität jedenfalls nur auf flüchtigen Eindrücken beruhen könne, und daß allen Machthabern“, die, seit dem Beginnen der Umwälzungen, im Jahre 1820, in diesem Lande hier auf einander folgten, ähnliche laute Volks; Demonstrationen zu Theil geworden seden.„_ Sie räumen aber auch zugleich ein, daß das erste Auftreten dieses jungen Prinzen im ganzen einen für ihn güneiigen Eindruck bei der herrschenden Partei hervorgebracht zu haben scheine. Die; ser Eindruck wird auch von der Opposition getheilt, die in diesem Augenblicke noch nicht die Hoffnung aufgegeben zu baden scheint, den Herzog einst mehr oder Weniger für fick) zu gewinnen, Leicht wird es übrigens diesem, wie ich früher schon einmal andeutete, nicht werden, eine ganz richtige Stel- lung zwischen den verschiedenen Fractionen der herrschenden Par- tei zu behaupten, und es dürfte ihm daher nicht die Gelegen,- heit mangeln, die „hohen Tugenden und erhabenen Eigenschaf- ten“ zu berhätigen, welche er, nach der Versicherung der jungen Königin in ihrer Antwort auf eine Glückwunsch-Adresse der Mu; nizipal-Kammer von Lissabon, befiizt. Diese Munizipal-Kammer selbsi drückt in ihrer Adresse an den Prinzen bescheiden die Hoff- nung aus, daß Lissabon, unter dem Einslufse des Munizipal-Re- gimes, einst mit den andern Hauptstädten, die der Prinz be- reits gesehen, werde wetteifern können. Die Bestimmung von jährlich drei Contes von seiner Apanage, die der Herzog getroffen hat, um daraus Pensionen für die Wittwer: der unter den Fahnen Dom Pedro's gefallenen P?ilitairs zu stiften , hat einen günstigen Eindruck hervorgebracht. Hätte der Herzog seine ganze Apanage aufgeben können, so würde seine hiesige Stellung noch unendlich besser geworden seyn. Nichts steigert so die bekannte angeborene Eifersucht der Portugiesen gegen jeden Fremden, als Wenn dieser ihr Geld be- zieht. Der bekannte Graf von Bückeburg hatte dieses“ sehr richtig erkannt, indem er jede Besoldung ablehnte, und ist darum unter allen Fremden, die in Portugal hohe Stellungen beklei- deten, vielleicht allein in 'riesem Lande populair geblieben. - Der Finanz-Minister hat das Budget für das laufende Jahr der Deputirten-Kammer vorgelegt. Dasselbe resumirt ilch in ei- nem eingefiandenen Defizit von 4400 Contos. *Die Armee und der Marine-Etat sind zu 13 Millionen Crusados veranschlagt; die auswärtigen Angelegenheiten auf 300 Contos. Diese That- sachen machen Kommentare überflüssig. Die Portugiesischen Fi- nanzen bestehen in diesem Auqenblicke nur durch die Hülfsmit- tel des Kredits, und dieser Kredit hängt wieder ganz von ge- wissen Persönlichkeiten ab, die leicht entireder durch den Tod oder durch irgend eine der in diesem Lande so rastlosen Zntrigue beseitigt werden können. -- Der Antrag der Opposition, die Regierung um Einberufung einer neuen Deputirten ; Kammer zu bitten, ist in le.“;zterer gescheitert. Dagegen dringt die Oppo- sition jeßc lebhaft auf die Ausfüllung der ungefähr zwanzig an der Zahl betragenden Vakanzen, die in der Deputirten-Kammer in Folge doppelter Wahlen vorhanden sind. Dies Verlangen scßr die Regierung in eine um so größere Verlegenheit, als das,- selbe formell durchaus begründet ist, und bei der geringen Ma- jorität der mlnisieriellen Partei und dem höchst zWeifelhaften Ausfalle der Mehrzahl jener Wahlen, seine Gewährung mögli- cherweise den Verlust der Majoritäc für das Ministerium zur Folge haben könnte. Ueber das jetzt beiden Deputirten ernst- lich in Anregung gekommene sogenannteJndemnisations-Geseß behalte ich mir weitere Enrwiekelungen, für einen meiner näch- sten Briefe vor.

Grieckzenland.

Athen 13. Jan. Bekanntlich (| der Beschluß gefaßt die Barz von ,Athen solle künftig nicht mehr als Festung dienen,

idndern allein den Bau-Denkmälern auf ihr, und den Samui» lungen- alter Kunst gewidmet werden. Seit der Abreise dec Zorra v. Klenze, welcher diese Sache in Ordnung brachte, den

ang durch die Propyläen wieder öffnete, und die Restauration des Parthenon begann, hofften wir nun, die Arbeiten zur Säu- berung, Umgrabung und Umgestaltun dieses wichtigen Bezirkes anfangen und ungestört fortsetzen zu seFen; indeß gehen die Dinge nicht so leicht und schnell, wie man denkt und wünscht. Dem Kriegs-Miniskerium scheint es, kamen nachträglich militairische Be- denken über die neue Bestimmung dieser Anhöhe, welche auf jeden Fall die Stadt deherrsche, wie sie ihrerseits allerdings vom Musaion beherrscht wird. Auch war die Moschee "im Parthenon, und was sonst ein Unterkommen dort oben gewährte, fortdauernd mit Soldaten gefüllt. Die Garnison räumte das Feld nicht, und die Archäologie kam durch die Strategie lange Zeit in das Ge- dränge. Endlich kam der Befehl, daß auf jeden Fall und auch noch bei Anwesenheit der Kriegsleute das Werk anzugreifen, und ungeachtet ihrer Gegenwart, die Alc- Venezianischen Bollwerke ab- zubrechen seyen. Das ist denn nun mit Verwendung einer beträchtlichen Zahl Arbeiter be onnen, und zwar bei dem süd- westlichen Vorsprung an der telle, wo der Tempel der un- beflügelcen Niki gestanden hat. Was von alten Bautrümmertr vonMarmor aufgehoben wird, findet sorgfältige Aufbewahrung; aus den gesammelten Trümmern, die von diesem Tempel oder? den Propyläen kamen , hat sich die Palikarische Schutz- wache der alten Denkmäler vorläufig einexHütte zusammenge- legt, und schirmt die ihr anvertrauten Kleinodien gegen die raubsüchtigen Hände der Milordi mit derselben Beharr- lichkeit und Treue, wie früher die Derbennien gegen die Ein- fälle der Türken. Bruchstücke von Reliefen und Inschriften kom- men überall zum Vorschein, hie und da auch ganze; Sachen von größerer Bedeutung erwartet man erst bei Aufhebung der tie- fern acht Trümmerschichten um den Parthenon. Hr. Rost isi darauf bedacht, über Fortgang und Erfolg der Unternehmung ein Journal herauszugeben. Leider fehlt an_ Ort und Stelle, bei der andauernden Versäumniß alles Literarischen, Gelegen- heit und Unterstülzung, und wir hören, daß er sich deshalb nach Deutschland gewendet. Wir seufzen zWar darüber, daß Hel- las für solche Sachen noch nicht vorbereitet und zur Hand ist, wünschen aber, daß sein Unternehmen dort guten Eingang und Fortgang habe.

Aegypten.

Ueber Triest hat man Briefe aus Alexandrien bis zum 13. Januar, welche die Rückkehr Jbrahims aus Syrien und dessen Ankunft in genannter Hauytstadr anzeigen. Die Pest war daselbst fortwährend im Abnehmen, und die' „Besorg- niffe wegen derselben waren beinahe wieder gänzlich verschwun- den. Hinsichtlich der Verhältnisse Mehmed Ali's zur Pforte war man in Alexandrien vollkommen beruhigt. Die Geldsen- dungen nach Konstantinopel, auf Rechnung des Tributs, dauer- ten regelmäßig fort; kurz vor Abscgelung des Schiffes, welches diese Briefe brachte, waren wieder 2 Millionen Türkische Piastec von Abukir abgegangen. Hinsichtlich des Baumwollen-Handels lauten die Berichte ebenfalls günstig; man hoffte mit großer Zuversicht, daß der Preis keine Steigerun erleiden, sondern daß der Pascha selbigen auf 21 bis 211 Rt lr. pr. Centncr fest.- stellen, und zu diesem Preise den Verkauf ohne alle andere RÜck§ sicht freigeben werde.

Inland.

Berlin, 1. März. Erst jeßt erhalten wir Mittheilung von einer Feier, die bereits vor mehreren Monaten im Sieg- Kreise des Regierungs-Bezirks Köln stattgefunden hat, die wir aber um dieser Verspätung willen unsern Lesern nicht ganz vor- enthalten mögen. Am 22. Oktober V. Z. beging nämlich der Landratl) des gedachten Kreises, Herr Scheven zu'Hennef, sein 50jähriges Dienst-Iubiläum. Das Fest begann mit einer gor- teSdienstlichen Feier in der Pfarr-Kirche, worauf die versammel- ten Militair- und Civil-Beamten, die Geistlichkeit, so wie viele von den übrigen Ortsbewolwern, und an der Spiße des Zuges die von der Königl. Regierung zu Köln abgesandten Regierungs- Räthe sich nach der Wohnung des Jubilars verfügten, um dem selben ihre Glückwünsche darzubringen. Die Theilnehmer an dem Feste vereinigten fich darauf zu einem gemeinschaftlichen Mahle, bei welchem der Jubilar dcn Toast auf das Wohl Sr. I)iajestät des“ Königs ausbrachte, in welchen die ganze Versamm- “lung jubelnd einstimmte. Der zweite Trinkspruch galt dem Zu;- bilar selbst, und wurde von einem der Herren Kreisstände aus- gebracht. Die Feier des Tages" beschloß ein Ball und eine Be: leuchtu11g der umliegenden Dorfschaften, die hierdurch auch il): rerseits ihre freudige Theilnahme an dem Feste bekunden wollten. Auch die Allerhöchste Anerkennung der mannigfachen Verdienste des Jubilars ist nicht auSgebliebrn, indem Se. Maj. der König demselben (wie bereits in der amtlichen Rubrik der Nr. 30 der St. Ztg. gemeldet worden) den Rothen Adler-Orden dritter Klasse zu verleihen geruhc haben.

- Ueber die in der Nr, 53 der Staats-Zeitung ("unter „Wissenschaftliche Nachrichten“) erwähnten, in der Nähe von Hildburghausen aufgefundenen Thierfährten in buntem Sand- steine hat Herr Professor Wiegmann in dem so eben hier (in der Nicola1schen Buchhandlung) erschienenen ersicn Hefte des von ihm herauSgegebenen Archives für Naturiviffenschafc“ ei: nen lesenswerthen Artikel abdrucken lassen. Hiernach, so wie nach dem Urtheile Kaups in Darmstadt, dürfte wohl nicht leicht anzunehmen seyn, daß die entdeckten erhabenen Figuren, bei ih,- rer übereinstimmenden Form und regelmäßigen Stellung, als zu- fällige Bildungen im Sandsteine zu betrachten wären.

-- Das Gymnasium zu Potsdam wird zu Ostern dieses Jahres eine bedeutende Erweiterung erhalten, indem namentlich eine höhere Realschule mit demselben verbunden werden soll.

-- Der Gewerbe-Verein zu Elbing versammelte sick) am 2lsien d. M. in einem der dortigen Gasthöfe unter dem Vor- fitze seines Direktors, des Landraths Abramowski, um den sieben.- ten IahreStag seiner Stiftung zu feiern.

- In der Erziehungs-Anstalt fiir verwahrlosete Knaben zu Benninghausen im Reg. Bez. Münster befanden sich im verflossenen Jahre 39 Zöglinge, und noch 7 andere Kinder aus der Nachbarschaft nahmen in der Schule am Unterricht Theil. Es wurden 13 Zöglinge entlassen und bei Lehrmeistern oder Dienstherrschaften untergebracht und 15 neue wieder aufgenom- men. Der Lehrerc-Betderbecke hat im vorigen Sommer eine dreiwöchentliche Reise gemacht, um die entlassenen Zöglinge an ihren Aufenthalts-Orten zu besuchen, und ist mit erfreulichen Erfahrungen zurückgekehrt. Unter den 27 Zünglingen, die er besuchte, waretz nur em Paar, über deren Betragen die Lehr- meister und Dienstherrschaften noch kein völlig gutes Zeugnis; geben konnten. Im Dezember erhielt die Anstalt von einem un- genannten Menschenfreunde wieder ein Gcld-Geschenk, filr wel-

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