Cot'porations-Reform anbeireffe, sagte der Minister, so werde “' diesem Gegenstande seine vollste und redlichske Aufmerksam- keit schenken. (Wir verweisen unsere Leser in Betreff des In- haits der Rede Sir R. Peel's heute einstweilen auf das unten splgende Schreiben aus London und behalten uns eine ausführ- llchere Mittheilung aus derselben vor.) Herr Spring Rice fragte darauf den Premier-Minister; ob das Ministerium die in der vorigen Session ernannte Kommission zur Untersuchung der Ausgaben, welche das in den Englischen Kolonieen befindliche Militair verursache, in ihren Arbeiten wollt fortfahren lassen, was Sir R. Peel bejahte. Auf eine andere Frage dagegen, tpelihe Herr H ume dem Kanzler der Schahkammer vorlegte, näm- lt„ch ob die Minister zu bleiben gedächten, wenn sie auch im Unterhause fortwährend die Majoritätgegrn fich hätten, wollte derselbe nicht ant- worten, indem er sagte, daß dieser Frage eine bloße Voraussez- zung zu Grunde liege; rr berief sich a'uf seine obige Erklärimg, daß er nicht geglaubt habe, fich vor einer so geringen Majomtät, wie die von 7 Stimmen sey, zurückziehen zu müssen, o ne dem Hause vorher die in der Thron-Rede angekündigten Maßregeln vorgelegt zu haben. Eini es Aufsehen erregte es, als Sir Ro- bert Peel darauf den ntrag machte, daß das Haus Herrn Bernal, ein entschiedenes Oppofitions-Mitglied , der bisher den Vorsitz in den Subsidien ; Ausschüffen geführt, wieder zii diesem Posten ernennen möchte, wobei sich der Mim- ßer jedoch gegen jede falsche Auslegung dieses Vorschla- ges verwahrte, indem er versicherte, er mache „densel- ben, bloß , weil er von der strengen Unparteilichkeit des genannten Mitgliedes fest Überzeugt sey. .Der Sprecher trat hierauf unter allgemeinem Applaus seinen Siß an Zerrn Bernal ab, und das Haus genehmigte im Ausschusse ohne ppb- sition den Antrag des Kanzlers der Schuhkammer, Sr. Ma]. dic, nöthigen Subsidien zu bewilliqen. Die Sitzung schloß mit einer Debatte über die Vorfälle zu Rathcormac in Irland. HerrGrattan nahm seinen Antrag auf Ernennung ei- ner Kommisfion zur Untersuchung derselben zurück und trug bloß auf Vorlegung des von Lord Fißroy Somerset im Namen des Lord Hill an Sir H. Vyvyan gerichtete Schreiben an, Wo.- rin das Benehmen der Truppen bei jenen Vorfällen gelobt wurde. Dieser Antrag ging durch, und das Haus vrrtagte sich um 6 Uhr.
L ondon, 3. März. Der König nahm am Sonnabend im Untérhaust die Adresse des Unterhauses entgegen. Der Sprecher [angerum 2 Uhr in BegleitunZ von mehr als 100 Mitgliedern des Un'terhauscs, worunter die ords Sandon und Morpech, der General-Prokurator, Sir „I. Wroctesley, Sir G. Clerk, 1)» Bowring und die Herren Bramston, Bannerman, Warburton,
Muc, Sheil, E. L. Bulwer, Roß, Angersiein, Blackburne und
iibraham, im Palast an. Er verlas die Adresse vor dem Kö.- nige , der aus dem Throne saß, und überreichte sie dann Sr. Majestät. Herr Gouiburn nahm,!ie dem Könige ab, und Se. Mcijeskät eriheilten darauf folgende Antwort:
„ Ach danke Ihnen aufrichtig für die Verscherungen, welche Sie“ ii" in dieser loyalen und pfiichtschuldigen Adresse von Ji)- rer B'rreitwiiligkeit gegeben haben, Mich in der Verbesserung unserer „Kirchen; und Staats-Znstieutionen mit Rücksicht auf de- ren Aixfrechterhaltung zu unterstüßrn. Ich höre mit Bedauern, daß Sie in Betreff der von Mir brfolgten Politik, vermöge wekehér Ich Mick) kürzlich an die Gesinnung Meines Volkrs ge- wandt habe, nicht mit Mir übereinstimmen. Ick habe niemals eine Meiber Prärogativrn in einer anderen Abficht gusgrübt “und werde ste nie 111 einer anderen ausüben, als allein dazy, den großen Zweck, das Gemeinwohl zu befördern, um dessetwcl- len fie Mir anvertraut sind; und Ich hoffe zuversichtlich, daß dms.) die Gelegenheit, welche Ich Meinen getreuen und loyalen Unterthanen gegeben habe, ihre Ansichten durch die freie Wahl ihrer Parlament-s-Repräsentanten auszudrücken, keine für“ das allgemeine Beste fördcrsame Maßregei gefährdet werden wird.“
Die Deputation des Unterhaufes zog sich sodann zurück, und der König gab noch den Ministern Herrn Goulburn, Sir R. Peel, Grafen von Aberdeen, Herzog von Wellington und Sir J. Hardinge Audienz.
ie Oppositions-Blätter sprachen gestern alle von dem Ge- rücht, daß der Herzog von Wellington, der Graf De Grey, der Graf von Aberdeen und noch zwei andere Mitglieder der; Ka- bincts sci) entschlossen hätten, aus demselben auszusche:den imd dcm Lord Stanley, dem Sir James Graham und deren 2111- hange Plaß zu machen. Die mmisteriellen Blätter erklären dies jedoch für ungegründet. Deffenungeachtet _bleibt der Cou- rier dabei, man glaube allgemein, daß wenigstens der “HOYA; von Wellington sich bereit gezeigt habe, seinen Posten im » ?i-
nisterium aufzugeben.
*Der Standard enthält folgende Erklärung: „Die radi- kairn Whigs ini West-Endr der Hauptstadt haben am Morgrn nach d r Abstimmung über die Adresse 'zu ihrrn Zwecken die Nächri t verbreitit, daß Sir R. Peel ich gleich darauf zum „Könige begeben habe, uin Se. Majestät von_]ene_m Votum in Kenntniß zu sehen, und daß er in dieser „Be iehung eine lange Konferenz mit Sr. Majestät gehabt. .Die rheber und Ver- breiter dieser Gerüchte ziehen daraus für ihre Partei sehr tröst- lich'e, aber leider unbegründete Folgerungen. Sir R. Peel :| ati: Ta : nach jener Abstimmung nicht beim Könige gewesen; die' r*adJLalen Whigs mögen also ihre Hoffnuannur immer fahren *laffe'n." Uebrrdies kann Sir R. Peel das esultgt d_cr Debat- tr'n über die Adresse nur als einen Triumph für sich betrachten; sox„legen es seine Freunde aus, und selbst wenn er dies Resul- tät in anderem Licht ansähe, so besißt rr doch zu viel Murh, Ehrkgefühl und Loyalität, um den Weg einzuschlagen, den seine und des Landes Feinde ihm gerne vorschreiben möchten.“ .
Lord Stanley Und sein Anhang werden wegen ihrer HM! neigiing 11 dem jeßigen Ministerium von den Oppofictons-Zei- tunsrn it bitteren Schmähungen überhäuft. Der Courier meint un'ter Anderem, Lord Stanley scheine in England die Rolle, wie, Herr Dupin in Frankreich, ipieicn und sich zum nothwexz- digen Manne machen zu wollen. Sem Anhgng wird schdn, wre der des Herrn O'Connell , als der Stanleyjche „Schwnf“ be; zeichnet. _ . .
Sir ames Graham hat in seiner am Donnerstag im Um te'rhäü'se ge aitenm Rede "versichert, daß ihm von dem jeße en Ministerium nie irgend x'ne Mittheilung gemacht worden ey, ,daß er aber der ießigen erwalcung, besonders dem Premier- Mwisrer- wenn auch. kein unbedin tes, so doch mehr Vertrauen, als dem, Melbourne'|chen Minister um zu schenken geneigt sei?. “SMR Graf Howick, der Sohn des Grafen Grey,)der zwar f r das Amendemenc stimmte, aber mit der Verwahrung, daß. er darin durchaus keine Anfforderung ur Entlassung des [exigen Ministeriums sehe, spxacv sich am ch1uß seiner Rede. ie c z_u “Gassen Sir R. Preis aus,“ von dessen Staatskiugheic er „die brfkin Erwartungen hegte; nur gegen die drei Staats-Secretaire, den Herzog von Wellington, den Grafen von Aberdeen und
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Hm. Goulburn ließ er sich in eineheftigePolemibein. In der Rede, weiche Herr O'Connell in derselben Suzung hielt, isk besonders aufgesalien, daß er, so sehr er auch im Ganzen gegen, em Tory- Ministerium sprach, doch mit der Ernennung des Str E. Sug- den, den er das Auge der jckzigen Regierung, aber nicht dds „Barbaren-Auge“, nannte, zum Lord-Kanzler von Irland zufrie- den schien, und daß er meinte, die jeßigen Minister müßten nicht alle mit einem Mal, sondern nach und iiach verdrängt werden. Auch erklärte er, daß er die Frage über dieAufhebung der Union für jetzt suSpendiren und sie sogar ganz wolle fgllcn lassen, wenn drei große Maßregeln, die Ausvehnung der Wirkungen der _Re- form-Bill auf Irland, die Reduction der Aygltkamschen Kirche in*- Irland und eine durchgreifende Corp'orgtcons-Neform, aus- geführt würden und sich in ihren Folgen als solche bewährten,
welche die Auflösung der Union nicht nöthig machten.
Am Sonnabend ist der Graf Nelson, Herzog von Bronti, Bruder des berrthten Admirals, im 78|en “ ahre seines Al- ters mit Tode a egangen. *
Graf Grey tgvird erst gegen Ende dieser Woche in London erwartet, da er eine Einladung des Herzogs von Bedford nach Wo- burn vorgenommen hat. ,
Der Globe meldet die Ankunft des Dichters William Wordsworth in London. .
In der vergangenen Nacht um 12 Uhr brach in der großen Stuhi-Fabrik von Taprell und Holland ein Feuer aus, das erst um 4 Uhr Morgens gedämpft wurde. Vier Vorderhärser „sind gänzlich zerstört und von mrhrercn Hintergebäuden ist nichts übrig geblieben, als die Mauern und einige verbrannte Balken. Im Ganzen find zwölf bis siebenzehn Häuser mehr oder weni- ger beschädigt. .
Aus New-York find Zeitungen vom 11. v. M. hier ein- gegangen, aus welchcn hervorgeht, daß das Repräsentanten-Haus sich mit den Ansichten des Präsidenten in Betreff der Französi- schen Angelegenheit mehr in Uebereinstimmung zeigt, als der
Senat.
- - London, 3. März. Am Sonnabend überreichte das Unterhaus dcm Könige seine Adresse mit der von der Mehrheit gegen den Willen der Minister vorgenommenen Veränderung. Es waren nur wenige ministerielle Mitglieder dabei zugegen, jedoch an 200 von der Opposition.. Aber das Merkwürdtgste dabei War, daß, obgleich Se. Majestät die Adresse mit Wohl- wollen und Achtung gegen die Vertreter der Natiozi auf dem Throne empfing, diese, statt wie es schichlich ist und wrist zu ge- schehen pflegte, in eleganten Karossrn und im Hofkletdr zu er- scheinen, des Sprechers Wagen zwei Mann hort) Arn) in Arm nachmarschirten und |ck in Ueberröckcn und m Stiefeln „vor dem Monarchen rinfanden. Die Antwort, welche die Mimüer den König geben ließen, ist mild und würdevoll; es wird darin bedauert, daß das Unterhaus die Auflöjung des Parlaments nicht in demselben Lichte ansähe, wie der König , indessen auch die Verficherung hinzugeseizt, daß der Fortgang der erforderli- chen Reformen dadurch nicht gehindert tverden solle. M“." hqtte erwartet, daß die Minister am Freitag Abend noch eme Abstim- mung über das Amendemenc versuchen würden, aber Sir Ro- bert hielt es für rathsam , solches iiicht zu thun, indem es sich, wir er sagte, nach näherer Erkundigung ergeben habe, daß die Entscheidung des Hanns nichts Zufälliges,_sondern die wohl- überlegte Stimme der Mehrheit sey, wrlche ein anderer Versuch
“ nicht ändern würde. Dessenungeachtet gab er jedoch gestern Abend
den Entschluß des Ministerums kund, darum nicht zu restgniren, weil es jene E11tschcidung zwar nicht als einen Beweis des Zu,- trauens, aber auch nicht als ein Votum des Mißtrauens, yon- dern bloß als einen Unterschied der Ansicht über einen einzigen administrativen Schritt ansehe. Es werde im, Grgentheil fort- fahren, nach einander die Maßregeln zu entwickeln, die es für erforderlich halte, und hoffe dadurch, bald das Vertrauen der Mehrheit zu gewinnen. Auch weit entfernt. die „ausgestreuten Drohungen, das Parlament so oft aufzuld1c11, bis eme T_ory- Mehrheic erlangt sey, veranlaßt zu haben, versicherte er, daß der Gegenstand nie im Minisierium zur Sprache gekommen sey. Was er sonst in Hinsicht auf die zu erwarrenden Rcforinen sagte, mußte alle gemäßigten Männer befriedigen; nur daß er in Hinsicht auf die Kirche von Irland cincn„Grundsah aufge- stellt, den, wie ich fürchte, weder er„ noch irgend eiii anderer Minister wird behaupten können, nämlich, daß das Einkommen der dortigen Kirche zu keinen anderen Zwecke'n verwandt werden sollte, als für diese Kirchr selbst, und er nicht einmal erklären Wollte, ob“ er den Unterricht der Jugend in den _Lehren dieser Kirche mit zu diesen Zwecken zähle. Außerdem veriprach er, die Vorschläge der von der vorigen Regierung eingeseßten Kommis- sion aufs Ernstiichste zu berücksichtigen, so lange solche ]enem Grundsatz nicht widrrstritten. Da nun eben diese Kommission von den Tories in der vorigen Session und von den protestan- tischen Versammlungen in Irland im _letzten Sommer als etwas Ungehemrcs, ja Unchrisilicyes verschrieen wurde, so dürfen die Whigs sick) einigermaßen mit dieser Ehren-Erklärung tröstet), so wie die praktische Anerkennung des Nußens der Corporations- Kommission ein Triumph für sie war. Aber das ist noch nicht Alles: Sir Henry Hardinge, der jeßige Serretair für- Irland, sagte, daß die jetzige Regierung nicht nur das so_ furchterltch vcrschriecne Unterrichts-System, wodurch prdteskanttsche und kii- tholischc Kinder eine und dieselbe Schule be1uch1c11 könnrn, bei- zubehalten, sondern sogar einen größeren ]ährlichen Beierag zu verlangen gedenke, um dasselbe noch auszudehnen. Ebenso sagte der neue Secretair der Kolonieen, daß er, in dem Sinne der vorigen verfahrend, statt, wie die Pflanzer auf Jamaika es ge- wollt, Friedensrichter zur Schlichtung dcr Streitigkeiten zwrscyen Weißen und Negern aus ihrer Mitte zu wählen., eine größere Anzahl Beamten von England aus hin ber geschickt habe. Als les dieses muß echte Tories zu Klagen veraniassen, während die Opposition das alte Lied wiederholt, es sey dies alles nur Spie-
gclfechcerei. B e l g i e n.
Die Hannoversche Zeitung theilt in einem Schreiben von den Ufern der Maas folgende Betrachtungen über den gegenwärtigen Zußand von Belgien mit: „ Gerade das Unwägbare und Unmcßbare in Gegenstand und Richtung der öffentlichen Meinung ist das Gewichtvolisie. In einer genußreichen iind da- her gewinngierigen Zeit, wie die unsrige, und besonders in ei- nem wesentlich dem Erwerbsleiße ergebenen Lande, wie ,das hie- sige, bildet sich die Scale der Zufriedenheit oder Unzufriedenheit in dem Plus oder Minus des Ergebnisses der Iahrjchluß-Rech- nungen; allein so günstig auch (mit geringen Ausnahmen in ei- nigen Lokalitäten unseres Landes) dieses Ergebniß sich eraus- stellt, wie z. B. in der hiesigen Gegend , Dank Dom iguel, Don Carlos, dem Pascha von Aegypxen, und überhaupt der leidigen Kriegs - Besorgniß überall im civilisirten Europa, wodurch der Lütttcher Waffen ; Fabrication in den letzten
Jahren überreiches Lebensöl zufioß uiid immer noch zunceß'k, so wenig kann deffenungeachtet, obgleich, in mancher Gegen'd von Belgien sogar mehr als je, BWM-KUUU' "."d ZUÜUskrie' grünend und blühend fich ausweisen, die öffent1iche Meinun als eine zufriedene bezeichnet werden. 'Wer _diesen Glauben hegen möchte, und ihn_etwa auf die allerdings nicht zu [kugmnds Thatsache stühen wollte, daß das Schreien in den Zeitungen auf- gehört hat, der würde fich in schwerem Irrthume befinden. A1], echt gebildeten, aufgeklärten und déshaib beionnenen Belgier, Wenn zwar sie den Bestand der errungenen nationaien Selbsiständigkm und Unabhängigkeit gefichert sehen, und in dieser Beztehun stch
befriedigt ßnden, - alle diese wahrhaften und alleinigen "ba- 'ii',
ber der unverfälschten öffentlichen Meinung können bei unbefan, gener Betrachtung der Gegenwart nicht anders als mit schmerzljch, ster Unruhe den Blick auf die Zukunft richten, welcbe, geht;“, les so fort, wir es jetzt vor Angen liegt, zu aliem Andern eher als zur geistig-sittlichen Wohlgestalt _gelangen wn'd. O2 und wi, vielen innern Werth aber, ohne diexe, eine nationale Selbststzn, digkeit dennoch haben könnte, wäre gewiß eine; mäßige Untersu, chung. Einige thatsächlichr Belege, die ich aufzuzeichney beabsichtige, werden genügen, es klar zu machen: daß die Unzufriedenheitauex edlen Belgischen Vaterlandsfreunde keinesweges eme greeßgrämliche ist, oder gar aus grillenkranker und tadeisüchtiger Lanne hervorgeht, - Die Männer der praktischen Staawweisheit habrn_m alien“; vilisirten Ländern den obersten Rang unter den g;:stag-fittliim
Aerzten der Gegenwart und den Geburtshelfern der;;ukunit. Lich ja nichts Geringeres als das Schicksal von Generationen in ihren. Händen! Schlimm ist's, wenn, abgesehen von den Mensch““ mit diesen und jenen guten Eigenschaften, diese Aerzte, als solche,- kein Vertrauen zu erzeugen vermögen; noch schlimmer aber, wem: sie dasselbe zu finden nicht einmal verdienen, sey es aus Wissen- schaftsmangel, sey es aus Neigungen und Gefinnungen, durch die sie sich, so zu sagen, selber im Wege stehen. Nun aber zeig: es fich, daß das reiche Belgien sehr arm ist an wahren Staatz- männern, und dieser traurige Mangel wird täglich fühlbarer. Zu befürchten ist auch, die Zeit sey nicht fern, wo die Geistlichkeit wieder im Besthe großer Reicbthümcr seyn wird, denn alle Mjr- tel find ihr gut genug, um fette Erbschaften zu erschleichen, und ihre Freunde im Ministerium beeilen sich stets zur Gutheißung jeder Annahme solcher Schenkungen. Bei unsern Gerichten in Lüttich ist zur Zeit ein Prozeß anhängig, bei dem es sich um_ 40,000F1„ Revenuen handelt, welche der Bischof von Lüttich reinem Se- minarium vormachen ließ. -- Auch in andern Theilen dcs Ki- nigreichs zeigen stch Symptome der Unzufriedenheit mit diesen Gange der Regierung, selbst in dem alten Heimatslande der Pri" sterherrschafc, im tiefkatholischen Flandern; ganz besonders wii jedoch in hiesiger Gegend, in Welcher das liberale Element noi vorherrscht, der Zusiand des öffentlichen Unterrichts beklagt, dejsm Provisorium nun schon mehr als vier Jahre dauert. Die Erich; tung oder Handhabung der Elementarschulen ist völlig dem Im falle überlassen. Die herrlichen Einrichtungen, welche die vorige Regierung mit so großer Mühe zum Besten des Landes einführte, smd zerfallen. Auch die Kollegien und thhenäen, die auf Staats-xw sien Unterhalten werden, sind verwahrlost. Man denktnicht einmalig ran, den verstorbenen Studien-Direktor Dewe u ersetzen. JnRai, mur, Tournai, Brügge nimmt die Zahl der?, glinge in den hu- manistisch-liberaien Lehr-Ansialten jährlich ab, die Iesuiten-Schuien dagegen gedeihen; die Lehrer in den ersteren sind muthlos, ja man sucht sie auf alle mögliche Weise niederzudrücken, sogar verächtlich zu machen. 'Die erledigten Stellen bleiben meistens unbei-si, Von dem Studium der philologischen oder der mathematischen Wissenschaften ist keine Rede mehr, denn fast ane, welche früher denselben sich widmeten, mußten, um nicht Hungers zu sterben, der Medicin oder der Jurisprudenz [ich zuwenden; so z. B. einige ganz ausgezeichnete Doctoren der Philosophie, dereti einer, Herr Raulez, vor dem Jahre 1830 Heidelberg, Berlin und Göttingen besucht, und dort verdiente Anerkennung gefunden hat. Wenn nicht einige Stadt-Räthe sich angelrgen seyn lie'ßeu gute Gymnasien zu haben und zu erhalten, so bliebe uns n1ch* weiter, als der Mönchs ; Unterricht. Es ist aber zu fürchten, daß, wen nicht bald eine glücklichere Wendung eintritt, auch fie unterlieg werden. - Am Beilagenswcrthesten ist der Zustand der Univ- sitäten. Keine ist in ihrer Integrität _verblieben. Wir hab' für unsere 1000 Studierenden auf denielben nur noch eine p losophische Fakultät, bestehend aus wei ordentlichen Professo
urid cinem außerordentlichezi Profe] or der Philosophie; nämli-
i11 Löwen!! Ueberall wird in das Lehramt hineingepfuscht, und ** dic Staats-Ansialten vollkommen zu vernichten, geben sich, 11! bei anderer Veranlassung, die Liberalen und die Zesuiten-Begü stiger abermals die Hand, in der Errichtung der aus den het rogensken Elementen bestehenden sogenannten freien Un verfirätcn in Brüssel und in Mecheln. Die von 0“ Regierung an den alten Universitäten angestellten Pk fessoren, deren ein Drittbeil in Nicht - Aktivität ist, s'" chen sch, wenn sie können, durch den Verkauf von Diplomen aui an die Unwissendstcn, zu “entschädigen, daher gxrade die Univer- sitäten vorzugsweise besucht smd, wo sich die schwi1chsten Lehr“ befinden. So waren z. B. im vorigen Jahre zu Löwen
als 100 Seudirende in einer Faculté des Sciences, die dort»! nicht «xisiirt, während die treffliche Anstalt dieser Art in LW nicht die Hälfte hatte. Daß man sich, wie es scheint, sositr fürchtet, den Professoren der Universitäten auch nur die minde
Begünstigung zuzuwenden, klingt freilich seltsam, ist aber Wahn [)
heit, so daß einer derselben, Hr, v. Reiffenberg, erst vor kurz in der Emanciparion hervorgehoben hat, wie man in Belgie Weit entfernt, die Univerfitäts-Lehrer in irgend einer Art zue- muntern, vielmehr Alles anwendet, ihnen entgegen zu arbeiten im Gegensatze zu Frankreich, wo den Männern , welche in ** Gebieten der Wissenschaft glänzen, und der geistigen Bild!! des aufblühenden Geschlechts ihr Leben weihen, Ehre, Reich“) mer und jegliche Verdienst-Anerkrnnung zu Theil werden. hat aber König Leopold, ein so hochgebildeeer und geistrei» Fürst, _nicht daran gedacht, seinen Orden einem Gelehrter Lande zu verleihen, und doch smd mehrere derselben, wred Herren Querelet, Warnkönig, von Reiffenberg, im Befihe ein Europäischen Anerkennung ihrer ruhmvoUen Leistungey.
Uebrigens“ ist die Größe des Verfalls selbsi von der Regie“! zugestanden ,' wie fie durch das Projot (18 101 (16 l'instruch
[1111111qu bewiesen, welches sie bereits“ im Juli v. 3. den Ka " s
mern vorgelegt hat; wenn aber auch dieser Geseßrs-Vorsch
in der That Gutes und Heilsames enthält, so war das Mini! 1 rium doch bisher weit davon entfernt, die öffentlichr Verhandlun u
in den Kammern zu fördern. Die nunmehr in der gegenwärtig Sesfion erwartete Erörterung ist bloß möglich, jedoch kaum wah scheinlich. Das Betreten des Weges, der von dem Zeugen " guten Willens, bis xu dessen Darlegung in That und Wahkh führt, hat für die ü er uns waltende Staats-Weisheit keine Ei und so wird es im Lande nicht einmal Jemand wundern, "" die Berathung des Geseß-Vorschlags über das Sicherstellen un Weiterfdrdern der großen Sache der Menschen; und N“
„“[.Bildung - oc] (3111011633 Zrnrcns hingestellt bleibt. Dafür „ ird indessen, freilich seltsam genug, anderweitig gesorgt, daß man „. Wein des Interesses für dieses hohe National-Bedürfniß auf.
echk erhalte. So ist ck, statt auf die Gesetzes-Erlaffung hinzu-
g *ikken/ kürzlich den Sectionen eingefallen, die plößlicbe Aufhebung
M;- der Universitäten mitten im Schuljahre u verlangen, woge- en die Regierung _sich„- aber doch sträubte. er Rückschritc in m Wjssenschaften :| mdrß schon so Weit gediehen, daß man ck, im Standr ist, die durch den Tod der Professoren Gaede nd Mseaux in Lüttich erledigten Lehrstühle mit befähigten Wera zu besehen; dagegen erlaubt man Abenteurern jeder „ hergelaufenen anlränern unter anderen, [ich selbst an den niverstkäken zu Professoren zu ernennen. - So steht es mit „, Anstalteniür die höhere Geistesbildung in unserm Königreiche. darf man sichldtesemnqch wundern, wenn die öffentliche Mei-
, welche mehr, egoistisch, mirxelst des Ein mal Eins, son- ern patriotisch, m der Erkenn'tmß der bewegenden Kraft des eiiies und ihrer Wirkung - in dem Aussprache: „Belgiens ukunft ist gegen allr Gefahr gesichert,“ nur bittere Ironie ver- jmmt, oder ihn als jämmerliches Schiboleth materieller Rechen- anfticr betrachtet? Wahrlich, die in Selbstsucht versunkene ,gmwart führt uns einer sehr gefahrvollen Zukunft entgegen, nd zwar mu derselben Rothwendi keit, welche, nach dem Zeug- isse aller Gesch1chte, immer und iberall Unheil entsprießen läßt us der Verhöhnung des gesunden Menschenverstandes. Und on wem sonst als von diesem gehen Fragen aus, wie z. B. fol- ende: Welche Beamten hat das Land zu erwarten von den „ck bloß zweijährigem Aufenthalte auf den Universitäten befä- igten Zuriyken? Welche Aerzte von den gleichsam i; in Wpeur reirten Doctoren der Medicin?! Und woher wird man künftig ehrec nehmen, wenn die kommende Generation von einer herein- , (henden Barbarei bedroht ist? Wo abersolcheFragen oder Mah- ngen des geiunden Menschenverstandes überhört werden kön- -en, da isi nachgiebiges mid schweigsames Verhalten _ Selbst- crdammung. - Welch emAbsiand schon jekzc zwischen Belgien nd dem benachbarten Frankreich liegt, entgeht einem unparteii- chen Beobachter. In der Mitte zwischen drei der hochcivilislr- csten, intellectuesl fortschreitenden Länder, bietet Belgien den ...Wer-eines rückwärts schreitenden Staates der heute schon .ieltiefer steht, als im Jahre 1815, zu einer eit, wo die Nach- 'rkung Franzöfiscix-Kaiserlicher Kultur noch sichtbar und fühlbar ar. Was a er, vermöge des Naturgeseßes über die Progres- wn im Sinken, und zwar in immer wachsender Geschwindigkeit, rfolgen muß, versteht sich von selbst. - Nur ein Hoffnungs- ern leuchtet noch dem hellsehenden und Warmfahlen- en Theil der Bewohner Belgiens, in der bis sehr enigstens unerschütterten -- Zuversicht: daß König Leopold die *-u m endlich öffnen, und kraftvoll, nachhaltig und entschieden ochhreiten werde, um seine Königs-Ehre in glänzender Weise ii der Nachwelt zu wahren!“
Schweden und Norwegen.
Stockholm, 24. Febr. Nachdem jetzt der Constitutions- uischuß in der_Differenz zwischen dem Priesterstande und dem orfihenden Erzbischof, der iich geweigert hatte, die Preßfreiheits- ache von neuem,.zur Abstimmung zu bringen, kraft der ihm dem Ausschuß) in solchen Fäuen zustehenden Befugniß, seine ntscheidung dahin abgegeben hat, daß er jene Weigerung gut- oheißen, durch welchen Spruch er denn aufs neue einen gleich- rmigen Beschluß aller vier Stände umgestoßen hat, so bleibt ck, für die Stände der Ausweg, rinen verstärkten Constitutions- busschuß zu ernennen, um zu veriuchen, wie dieser in der Sache theilen werde.
Die neuen Anklage-Anträge des ich vom Constitutions-Ausschuß mit ewiesen worden.
Von der Riksdagscidning, Welche durch Todesfälie ur elt der Cholera eme Zeitlang gäYlich ins Stocken gerathen *r,*'find dieser Tage die letzten ummern erschienen. Ihre bschiedSWorte lauten: „Wir schließen unsere Zeitung mit der ermuchung,daß- es die leßtc Reichstags-Zeitung in Schweden |. „Die Arsbildung der Publicitäe ist schon so weit gediehen, *aß ]edr Zritung, die den Namen einer solchen verdienen wil], lien wichtigen Dingen im Vaterlande folgen muß; und was ßwichtiger, als die Verhandlungen der Repräsentation? Es = uß die Nation freuen, wenn während des Reichstags die Nach- ichten über denselben fast aussthließlich die Zeitungs-Spalten alien; dieses hat man schon in andern Repräsentatio zStaaten elernt. Damit lebe wohl, ehrenwerthes Publikum!“
Deutschland.
annovrr, 5. ' ?ärz. In der Nacht vom Dienstage auf m Word und zu Goslar 8 Häuser mit ihren Nebengebäu- *in abgebrannt.
_ Braunschweig, 1. März. Der von der Regierung der tände-Versammlung vorgelegte Gescß-Entwurf über die Lan- *ibrand-Verscherungs-Gesellschaft ist von letzterer seit ihrem *kiederzusammentritte berathen, und sind die Verhandlungen arüber in den letzten Sitzungen beendigt worden.
München, 1. März. Der Landrath des Rheinkreises hatte
errn Crusenstospe find ngabe der Gründe ab-
ß? " seinem Protokolle an den König die Bitte aus esprocben, daß
on'der beabsichtigten Ueberweisung dcs Unterri es in den ka- ollschcn weiblichen Volksschulen an die Nonnenklösier abstrahirc *erden möge; dagegen wird nun in dem so eben erschienenen bscbied für jenen Landrath der Wille des Königs erklärt, daß sbezüglich der Uebertragung des Unterrichtes an die Domini- anermnen bei den Koniglichen auf unbestreitbare Regierungs- "hte fich gründenden Verfügungen sein Bewenden habe. Eben o wurde dem Antrag des nämlichen Landraths, wegen Wieder-
N'“ _erlegung des Cassacionshofes von München nach Rhein-Bayern
“nk Folge gegeben. In Bezug auf einen anderen Antrag des anbrathes findet fiel) in jenem Abschied noch folgende Stelle: Wir können Uns nicht bewogen finden, Unsere, bezüglich des .canderns der Landwerksburschen nach der Schweiz, Belgien, rankreich und ngland im Hinblicke auf die bestehenden Ver- ältnisse und aus väterlicher Fürsorge für das Wohl des Landes ttroffenen Verfügungen schon dermal abzuändern, behalten Uns ie[Mehr Weitere Verfühung in der Hoffnung vor, daß eine " den Umsiurz aUes eskehenden offen hervortretende Partei '? That nach auf ihre bisherigen Bestrebungen ver ichren wird, eJugend aller Länder der Ausbildun für ihren k nftigen Be- fzu entrückcn ,und selbe zu einem Werkzeuge verbrecherischer läne zu ersehen.“
Rü Das „Königliche Staais-Ministerium der Finanzen hat, in i ckscht der obwalcenden Verhältnisse, sich bewogen gefunden, ? in der Bekanntmachung vom 17. Juni 1834 angeordnete eschränkung der Annahme auswärtiger Münz-Sorten auf die ncerthaneu der Vereinsstaatcn, in welchen dieselben gese lichen miauf haben, aufzuheben und die Königl. Generai-Zo 1Ad-
275 minifkration zu ermächtigen, von nun an bei Entrichtung der Zoll-Ab aben an sämmtlichen Zoll-Erhebun sskellen die gröbere Münz; orte aller Bereinsftaaten nach der Dalvations-Tabelle, welche der Bekanntmachung vom 17. Juni v. J. beigefügt ist, annehmen zu lassen, ohne Unterschied, ob der Zollpstichtige ein- Inländer odrr ein' Unterthan der übrigen Vereinsstaaten, oder der Angehörige eines Staates sey, welcher dem Zoli-Verein nicht beigetreten isi.
Stuttgart, 2. März. Der Fürst von Hohenlohe-Oerin- gen dürfte in der nächsten Stände-Vrrsammlung schwerlich wie- der die Präsidenten-Stelie in der ersten Kammer bekleiden, in- dem dersrl'be im Begriff ist, mit seiner Familie nach seinen Be- filzungen in Schlesien abzureisen und bereits sein gewöhnliches Hotel hier in der Stadt aufgegeben hat.
Darmstadt, 3. Mär. (O. P. 21.3.) Die gestern be- gonnene Bürgermeister-Wa [erregt diesmal ganz besondere Auf- merksamkeit und Bewegung unter den Bürgern. Herr E. E. Hoffmqnn, der bei den Landsiands-Wahlen so gänzlich durchge- fallen ist, setzt Alles daran, wenigstens unter die drei Kandida- trn zum Bürgermeister-Amt zu kommen, wenn auch voraussichn lich er am allerwenigsten zum Bürgermeister ernannt werden dürfte. Um jenen Zweck zu erreichen„- ließ Herr C". E. Hoff- mann auf eine ihn betreffende kurze Anführung in einem Arti- kel der Allgemeinen Zeitung (der Thatsache nämlich, daß er nicht um Landsiande gewählt worden sey) in jenem Blatte eine sehr ange Erwrederung erscheinen, welche kurz vor dem Beginn der Bürgermeister-Wahl in dem Frankfurter Journal ebenfalls noch erschien. Doch nicht zufrieden damit, erschienen bald lithogra- phirte Schreiben von Herrn E. E. Hoffmann, worin er die Bürger zu [ich einlud in Betreff der Bürgermeister-Wahl; Zet- tel waren beigefügt, auf welchen der bescheidne Mann oben an |and_als Kandidat, unter ihm die Herren Iaup ( pensionirter Geheimer Staatsrath) und Kahlert (Tuchhändler). „Dies brachte denn auch die Gegenpartei, welche das Interesse der Stadt im Auge hat, in Bewegung. Heute erschien eine gedruckte Erwir- derung ge en E. E. Hoffmann, betitelt: „Wohlgemeinte Worte mehrerer ärger an ihre Mitbürger.“ Sie machen darin auf jene Umtriebr und die Bescheidenheit des Herrn E. E. Hoff- mann, der wre gewöhnlich unberufener Weise alle Welt bevor- mmiden wolle, aufmerksam, Sie warnen vor den schlimmen Folgen, welche solche Umtriebe dem Wohle der Stadt bringen könnten *kk'd fordern alie Bürger auf, dieses wohl zu bedenken, nicht mäßig u bleiben, vielmehr ihre Stimmen abzugeben, aber nur solchen .ännern, Welche fie nach freier eigener Ueber- zeuguandes Bürgermeister-Amtes für tüchtig und würdig hal- ten. ie meinen, daß dazu diejenigen am allerwenigsten tau- gen, die, wie Herr E. E. Hoffmann, mic Dreistigkeit sich selbst anbieten. Eben so unklUg und dem Interesse der Stadt schnur- stracks entgegen scheint es ihnen, Männer zu Kandidaten vor 11- schlagen, welche sich als Gegner der Regierung beurkundet a- ben, und denen diese kein Vertrauen schenken könne. -- Man ist auf den „Ausqang dieser Kämpfe sehr gespannt. Md e sie d;; ve'rsiändige Sinn der Bürger klug zum Besten der tadt e en.
Oesterreich.
Prag, 4. Mär. In der ie i en eitun lie : „Die uns vom 24. *bis 26. Felbruasr gzugeézommeneß RTFM- trn übrr die Krankheit unseres Kaiser:! und „Königs lauteten so befriedigend, daß _wtr uns der Hoffnung _»seiner baldigen Wieder- genesung ruhig hingeben konnten. Allein bald darauf zeigte es sich, daß das kostbare Leben des besten Fürsten und Landesvaters mit banger Ahnung nach Stunden gezählt werde. Die geringe Zoffnungj, zu welcher die Nachricht veranlaßte, daß der Zustand
r. Majestät am Abende des 287101 beruhigender war, als am 27|en, wurde durch eine nachträgliche Bekanntmachung des- srlben Tages sehr in Zweifel gestellt, und durch die heute eingetroffene höchst schmerzliche Anzeige änzlich vernichtet. Der geliebte Kaiser, mit dem unsere VZter alt geworden, den_ unsere Kinder mit Liebe und Ehrfurcht nennen, hat sein irdisches Daseyn in der Nacht vom 1. auf den 2. März um 12-2“ Uhr vollendet. Als, der Verewigte vor zwei Jahren durch die festlich geschmückten Gassen Prags einen Triumph-Zug hielt, wie sich deffen nur der wahre Landesvater erfreuen kann, brach die Sonne durch schweres Gewölke, und enthüllte uns ein Schauspiel, dessen rührendes Andenken unsere Kinder bis in die spätesten Tage aufbewahren werden. Am 3. März versin- [kerte sich der Himmel fast zu derselben Zeit, als unsere Hoff- nung schwand. Das treue, liebevolle Herz des gerechtesien, in allen Stürmen der Zeit unerschütterlich biederen Fürsten hat zu schiagen aufgehört. In einem Alter von 67 Jahren seinen treuen Millionen noch immer zu früh entrissen, hat [ich der verewigte Monarch nicht nur in den Thränen der Völker, die er väteriich liebte und lenkte, sondern auch in der Achtung von ganz Europa ein bleibendes Denkmal seines frommen friedlichen Waltens errich- tet. „Dem Glücks seiner Völker und dem Frieden Europas war [ede Stunde seines theuren chens geweiht; unter schwieri- geren Verhältnissen hat noch kein Fürst eincn Thron bestiegen und behauptet, als er; keiner der Fürstenpfiicht so schwer liche Opfer gebracht. Sein ehrwürdiges offenes Antliß entwaznete den Feind und gewann sich alle biederen Herzen. Unseren Schmerz kann nur die Gewißheit lindern, daß das Erbtheil der Habsburger, nämlich Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Milde, von dem Verewigten durch eine dreiundvierzigjährige Regierung ma- kellos erhalten, auf seinen erlauchten Sohn und Nachfolger über; gegangen ist.“,
Italien.
Rom, 21. Febr. (Allg. Ztg.) Dom Miguel lebt ier sehr zurückgezogen; seine Abreise scheint auf unbestimmte eit verschoben. .Die Finanz-Umstände dieses Fürsten folien nicht so _glänzend seyn. als man bei seiner Ankunft glaubte. Sein Minister Marqms Lavradio hat einen Palast gemiethet, welches auf emen längeren Aufent alt deutet, - Der Adjutant des be- kannten P1inzen Canosa, err Bignardi, ist von der Regierung über die Gränze geschickt worden, weil er, wie man sagt, in ei- nem Anfall, von Wahnsinn, einer fich hier aufhaltenden Prin- zessin mit einer Pistole gedroht hat. - Der bisherige Delegat von Ravenna, Graf Codronchi , befindet sich gegenwärtig hier; weder Rr ierung noch Volk sollen mit seiner Verwaltung zufrie- den geween seyn. Seine Functionen sind einstweilen einem Monsignore übertragen. -- Im nächsten Monat dürfte endlich die schon lange aufgeschobene Erhebung von mehreren Prälatrn zu Kardinälen erfolgen. Man nennt schon viele „Kandidaten, worunter der Erxischof von Genua als bestimmt bezeichnet wird. -- Herr . Ellice (im Melbourne'schen Ministerium Staats-Seoretair des Krieges) ist von Neapel hier eingetrof- fen, er seht morgen seine Reise nach London fort.
Griechenland.
Athen, 7. „Februar. Die Ausführung des von Herrn von Klon e revidirten Stadtplanes geht nun ohne Unterbrechung vor ck, und die auf ihm bezeichneten Zauptstraßen smd größ- tentheils abgesteckt. -- Se. Maj. der önig ist nach Nonplta abgereist, um den Tag seiner Ankmxfc in Griechenland an der Stelle zu feiern, wo er den Griechijchen Boden betreten hat.
Das Königreich zählt seht folgende Zeitblätter: 1) Sotir, Griechisch und Französisch, früher offizielles Blatt, dann seit den Zerwürfnissen der Regentschaft Parceiblatt für die Ausge- tretenen, nun im Interesse von Koletti, eigentlicher Redacteur: Skrufio mit Beihülfe einiger St. Simonisken. 2) Athene, ein Oppofirionsblatt, Griechisch, Redacteur: Anthoniades. „Z) Epoche, Oppofitionsblatt, für absolute Moyarchie- Griechisch und Französisch. 4) Ethnike, oder National, Griechlsch und Franzößsch, welcher manchmal offizie“.'le Nachrichten der Regentschaft enthält. Außerdem erscheint 5) eine teologische Zeitschrift: die evangelische Posaune, 6) ein:.“ s k die !"" regelmäßigen Truppen, 7) das Regierungsblatt, (Griechisch WW DkUksck), 8) der Ephoros fürs Militair, als Oppßstwns' blatt gegen die Europäische Heeres-Disciplin.
Brasilien,
- - Rio Janeiro, 20. Dez. Am 2. Dez., dem Ge- burtstage des Kaisers, der an diesem Tage sein ehntes Jahr erreichte, wurde unter anderen Festlichkeiten , wel e gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten stattfinden, auch die neue Börse in der Hauptstadt feierlich eröffnet. Man wird sich wundern, daß in einer der größten und besuchtesken Handelsstädte unseres Erd- balls bisher keine Börse bestanden, und doch war es so; frei- lich ward vor 16 Jahren ein sehr schönes und kostspieliges G“ bäude zu ähnlichen Zwecken aufgeführt; dieses aber war zu ""' legen, um je sehr besucht zu seyn, und seit der; darin bei den ersten Volkswahlen im Jahre 1821 verübten Mordihaxen stand es ganz verlassen und ist nun mit den ungeheueren Zou-Gebäu- den vereinigt worden. Dem Mangel einer Börse, die früh?!) zuweilen mitten auf der Straße in der brennendsken Hiho ad"; gehalten wurde, abzuhelfen, räumte die Regierung im Februar die in der Hauptstraße gelegenen unteren Räume des Indischen Lagerhauses ein, und ernannte eine Kommission von ztvei Bra- silianern, einem Deutschen und einem Schweizer (die Herren Carvalho, Moreira, Theremin und Ricdij), um darin durch Beiträge der Kaufleute eine Börse auszubauen. Diese wurde seitdem hergestellt und sollte durch die hohe Gegenwart des Kai- sers eingeweiht werden. Vierzehn Masken mit den Flaggen der verschiedenen Nation schmückten die Außenseite des Gebäudes, zu welchem ein Teppich mit Blumen besäec führte, der bis zu dem Aussteige-Punkte zwischen den Flaggen Brasiliens und Por- tugals reichte. Die Preußischr, hier selten gesehene Flagge ent- faltete [ich am Eckstein des Vorhofes und der schöne Adler brei- tete seine schirmenden Fittiche auch über den fernen Boden Bra- siliens aus. Ein Bataillon der National-Garde gab die Ehren- Wache ab. Um 11 Uhr langten die Staatswagen durch die mit Teppichen behangene, mit Blättern und Blumen bestreute, eine Viertelmeile lange Straße St. Pedro und Rua direita vor dem Gebäude an, wo Se. Majestät in Begleitung der Kaiser- lichen Schwestern mit Jubel empfangen wurden. Die Bau- Kommission und ein Ausschuß der geachtetsken Kaufleute empfin- gen die Kaiserliche Familie, den Vormund und den Hofstaat, und führten die Gäste bis zu einem erhöheten Siß, in dem sehr geräumigen, mit Zimmet- und Nelken-Biättern besäeten Lese- Saal, in welchem sich einige Damen, die Konsuln verschiedener Nationen , die Mitglieder des diplomatischen Corps und der Hofstaat versammelt hatten. Herr Carvalho hielt darauf eine kurze Anrede an den Kaiser, welche unter Anderm folgende Stel- len enthielt: „Senhor! Die einem constitutionnellen Thron ge- widmeten freiwilligen Huldigungen der Unterthemen sind zwei- felSohne dessen schönster Schmuck und die beste Vorbedeutung, wenn nicht gar die Gewißheit seiner zukünftigen Dauer. » Die Kaufmannschaft begrüßt heute, Senhor, mit edler und lie- bevoller Begeisterung, gegründet auf die Gnade Eurer Kaiserl. Majestät, bei der Eröffnung der Börse zu erscheinen, die Wie- derkehr des merkwürdigen Tages, welcher dem Reiche einen Ame- rikanischen Prinzen gab. «- Es lebe der Herr, Dom Pedro 11. !“
Hierauf überreichte die Gattin des Redners den PrinÉsfinnen Blumensträuße, und Herr Theremin, der den inneren au ge- leitet und ausgeführt hatte, den Plan und Aufriß der äußeren „Kolonade, welche dies Gebäude als eine Zierde dieser Haupt- stadt vollenden wird. * Da die Zeit für die vielen Sr. Mai, an diesem Tage obliegenden Ccremonien knapp zugemessen war, so erhoben sich Allerhöchsidieselben, nghmen die Gedächtnißtafeln und sonstige Einrichtungen in Augenichein und verließen alsbald unter dem Vivatrufe der Menge das nun Jedem offenstehende Gebäude. - Der Kaiser begab sich darauf nach der Schloß- Kirche, um dem Tedeum beizuwohnrn, nachher war Gala-Cour. Hier hatten die Waisen der Arsenal ; Arbeiter die Ehre, ihrem jungen Kaiser einige selbsk gefertigte Militair ; Gegenstände zu überreichen. Der Zug dieser Waisen war um so herzergreifen- der, als zwar die Stadt, aber der Kaiser selbst noch nicht wußte, daß auch er eine Waise geWorden; die Nachricht des Ab- lebens von Dom Pedro war mit „Bestimmtheit erst Tages zuvor: hier angelangt. Nachmittags war große Parade und Corps- Aufstellung der sämmtlichen sehr zahlreichen National-Garde. Die Kaiserliche Familie kam nicht wir gewöhnlich ins Theater. - Graf St. Priest, Franzöfischer Botschafter, ist von hier ab- gereist, und ein Herr Laroziixre als Geschäftsträger zurückgeblie- ben. _- Der Englische Admiral lichtete die Anker, nm während der hei- ßen Jahreszeit, die mit einem Male sehr drüchend geworden, auf der See zu kreuzen und seine Leute zu üben. Auch der Französisrhe Admiral 1oll uns aus denselben Gründen bald ver-, lassen. “- Die Russische Jagd-Korvette „Amerika“ ist seit eini-.- gen Tagen hier; die Mannschaft derselben Rickmer fich" durch ihrrtreffliche Haltung aus. Sie geht nach eu-Holland. «» Das Thermometer in meinem Hause zeige eben eine Hiße von 25 Grad Réaumur.
Inland.
Berlin, 8. Mär. Die Sißung der geographischen Ge- sellschaft am 7ten d. „. eröffnete Herr Prof. Zeune mit ei- nem kurßn Nekrologe eiiies verstorbenen Mitgliedes. - Darauf gab r. . 1'. Minding eine Notiz über die Erz-Production imd die erarbeitung desselben_in Schweden im Jahre 1833. *- Hrrr ])1', Mädler trug eiiie Topographie der Mondlandschaft „Aristarch“ vor und vertheilte eine dazu gehörende metaliogra- phische Zeichnung unter die Mitglieder. - 'Herr Legationsi'ath v. Olfers las über die geodätischen Vorarbeiten zu einer Karte der Schweiz und gab als Geschenk Eschers Nekrolog Homers. -- Herr Professor von der Hagen trug eine Abhandlung über
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