1876 / 104 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 02 May 1876 18:00:01 GMT) scan diff

Ihre Königlichen Hoheiten der Landgraf “and die Landgräfin von Hessen. Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prin- zesfin Ludwig von Hessen, die Herzogin von Hamilton mit Tochter, die Fürstin von Leiningen, der Fürst und die Fürstin von Hohenlohe - Langenburg, der Regierungs-Präfident von Wurmb und der Graf ETH Einladungen erhalten hatten.

_ Zum Ehrendienft bci Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland während Allerhöchftdeffen Anwesenheit in Berlin smd befohlen worden: der kommandirende General des 117. Armee-Corps, General der Infanterie v. Blumenthal, der Militärbevoümäcbtigte am Kaiserlich rusfischen H0fe,Genera1- Lieuteiiant v. Werder und der Flügel-Adjutanr Major v. Lindeqnift. Ferner Werden während des Aufenthalts Sr. Majestät hierselbst die Commandeure des Branden- burgischen Kiirasfier-Regiments (Kaiser Nicolaus 1. von Rußland) Nr. 6 und des Ulanen-Regiments Kaiser Wexan- der von Rußiawd (1. Brandenburgisches) Nr. 3, die Obersten v. MöUendorff Und 1). Frankenberg-Lüttwiß in Berlin anwesend sein. Außerdem haben das Kaiser Alexander Garde-Grenadier- Regimemt Nr. 1, das Brandenburgische Kürasfiér-Regiment (Kaiser Nicolaus 1. von Rußland) Nr. 6 und das Ulanen-Re- gimcr-„t Kaiser Alexander von Rußland (1. Brandenburgischeß) Nr. 8 je einen OrdonnanzOffizier zn Sr. Majestät dem Kaiser von RUßland zu kommandiren. .

_ Am rergangenen Sonmabend fand die vom Hof Jagdamt veramftaltete diesjährige Trappenjagd auf den Jeldnmrken von Britz, Buckow, Groß- und Klein-Ziethen, L1chTMWDL und Schönfeld fratt.

Außer Sr.König1ichen Hoheit dem Prinzen Aagust von Würtxemberg hatten 29 Herren der Einladung Folge gegeben. Es wurden 8 Hähne und 1 Henne zur Strecke gebracht, später aber noch 2 Hähne gefunden, io daß das Gcsammtresultat sich auf 11 Truppen beläuft. Der fjärkße Hahn hatte eine Flügel- spannung von 2,1.) Meter und ein Gewicht von 15 Kilogramm.

_ Die Regierrmg der Republik ron San Domingo Hat wiederholt den Wunsch ausgeiprockxn, einen Freund- sck)afts-, Handels- und Schiffahrtsvcrrrag mit Denkschland abznichließcn, der anch ron den an dem Handel mit jeUem Lande Vornehmlich betheiligten freien Haniestädten Bremen Und Hambnrg fiir wünschenswertk) erachtet wird. Der Reichskauzler hat deswalb deri Bundesratl) ersacbt, fick) damit einverstanden zu erklären, das; das Präfidinm wegen eines aß- zuickilieüenden Vertrages mit der Regieremg ron SanDomingo in. Verhandlung trere. BCi deiibeziig1ichen Vertx'agsverhand- lungen würde der zwiichen Deutschland und Costa Rica am 18. Mai r*.J. geschlossene Handcls- 2c.Vertrag im Allgemeinen zum Anhalt ZU nehmen und zngleick) der Inhalt der von Ham- burg Unrer dem 12. Mai 1855 und ron Preußcna..127.J-ebruar 1861 mit San Domingo vereinbarten, indessen wegen der bald danack) auf der Insel eingetretenen politischen Veränderungen nicht znr Ratifikation gelangten Verträge mit zu beriickfich- tigen sein.

_ Der Präsident des Reichskanzler-Amts, Staats-Minister ])r. Delbrück wird während der Dauer seiner am 1. d. M. angetretenen vierwöchentückzen Beurlaubung in Angelegenheiten von Elsaß-Lothringen durch den Wirklichen Geheimen Ober-Re-

ierungs-Rath und Direktor Herzog, in Reichs-Iustiz-Angelegen- Seiten durch den Wirklichen Geheimen Ober-RegierungSMath und Direktor von Amsberg, in allen anderen ReichH-Angelegen- heiten dureh den Wirklichen Geheimen Ober-Regierangö-Ratl) und Direktor Eck vertreten werden,

_ In der heutigen (46) Sißung des Hauses der Abaeordneten, welcher am Ministertisckx Reichskanz er Fürst v. ViEMarck, der Vize-Präfident des Staais-Ministe- rinms Finanz-Minister Camphausen, der HandelS-Minißer 1)r. Achenbach, der Minister für iankwirtYschstlickze ANZE- legenheiten 1'r. Friedenthal und mehrere Regierungskommis- surfen beiwohnten, machte der Präsident zunächst die Mittheilung, daß die Abgg. Lassen und Friße, ersterer ÜUS prinzipiellen Be- denken, [LYNET in Folge seiner Ernemumg zum Reisgerichte- Direktor ihr Mandat niedergelegt haben. Daraaf legten die Abgg. Cremer, 1)1', Perger, 01“. Franz, 1). Czarlinski, v. Moncenski, Virnicl], Lange und Reincke den Eid auf die Verfassung ab. ES foLgte die dritte Berathung des Gesexzcntwurch, betreffend die Uebertragung der Eigenthums- und sonstigen Rechte des Staates an Eisenbahnen auf das Deutsche Reich. ZUnäckyst er- griff das Wort gegen die Vorlage der Abg. Dr. Hänel, welcher bedauerte, daß die Debatte über die Vorlage, statt die wirth- schaftliche Seite der Frage hauptsächlich ins Auge zu fassen, 1edig1ich politische Programmrcden für die nächsten Wahlen her- vorgerufeii habe. Wenn man ein so gefährliches Präzedenz schaffe, daß ein Partikularstaat auf legislativem Wege seine SteUnng im BUndesratkze bestimmen könne, so verche man den Schwcrpnnkt der Reich6regier1Mg von dem Centrum in die Peripherie, man zerreiße Bandesrath Und Reichstag, und mache beide znm Spiegelbild der Partiknlarlandtage. Die Vorlage sei sehr inhaltsschtmr, da alle ferne: ren Konseqrienzen bereits virtuell in derselben lägen. Denn man könne nicht die Reichsverfassung nur in einem Theile des Reickges durchführen, und so einen Gegenbund im Bunde schaffen, sondern man werde troxz dcr Uebernahme der preaßischen Bähnen dUrch das Reich ein jeßt unmöglich erschei- nendes Eisenbahngeseß schaffen müssen. DUL'ck) die Vermischung

zweier Aufgaben, der Reform des Eisenbahnwesens und der Organisation der“ Exekutivgewalt des Reiches, werde der eigen11iche Kernpunkt der Frage , der wirth-

schaftliche GefichtSpu1ikt Verdunkelt. Derhalb werde seine Partei gegen die Vorlage ßimmen. Der Abg. Dr. U, Sybel wies daran hin, daß uns den Reihen der Freunde der Vorlage auch die wirthschaftlickze Seite erschöpfend behandelt sei, und betonte, daß jegliche Polemik gegen die Vorlage fich nicht gegen diese, fendern gegen die Expropriation sämmtlicher Bahnen zu Gunsten des Reiches gewendet habe. Davon stehe in der Vorlage nichts.

Indem wir uns vorbehalten, auf diese Rede morgen näher einzugehen, bemerken wir, daß bis zUm Schlusse des Blattes noch die Abgg. Windthorst (Meppen) und Dr. Loewe das Wort ergriffen hatten.

_ Nach den vorläufigen Aufsteüungcn des statistischen Amts des Deutschen Reichs über den Waarenverkehr des Zollgebiets im 1. Quartal1876 find in dem gedachten Zeitraume cm folgenden zollpflickztigen Waaren zum Ver- brauch eingeführt worden: *

Kaffee 536,529 (465,914) Gtr., Kolonialgewürze 21,695 (20,593) Ctr„ Südfrüchte 131,304 (133,374) Etc., Wein

227,091 (276,276) Cru, Sa1z220,427 (208,655)C1r., Baumöl 44,747 (58,576) Ctr., Baumwollene Garne 108,885 (106,904)

Ern, Leinwand, Segeltuch, Zwillick), DriUick; 78,290 (66,884) Gtr., Zucker aÜer Art 80,015 (105,000) Gtr., Reis 283,054 (307,043) (Ltr., Rohtabak 230,728 (375,794) Gtr., Heringe 147,258 (92,927) Tonnen, Schweine 264,746 (199,103) Stück, Leinöl 163,676 (136,417) Gtr., Wolkene Garne 70,539 (70,995) Gtr., baumonene Gerrebe 11,604 (12,457) Etc., onene Zeug- und Filzwaaren 29,842 (32,705) Gtr., Leder 27,385 (26,163) Ctr.

.Die in Klammern beigefügten Zahlen geben die durch- schnittliche Einfuhr in denselben Quartalen der 3 Vorjahre. Ausführlécheres Zahlenmaterial enthält die heute im amtlichen Theile der Ersten Beilage abgedruckte vorläufige Uebersicht über die Einfuhr der im 1. Quartale 1876 in den freien Verkehr getretenen wichtigeren HandelSartikel.

_ Die Mittheilung der ,Elberf. Ztg.“, daß die preußische Regierung ihre Geneigthcit zu erkennen gegeben habe, das kürz- lich erlassene Einfuhrverbot für niederländisches, bel- gisches und luxemburgisches Rindvieh wieder aufzu- heben, entbehrt, ficherem Vernehmen nach, jeder thatsächlichen Unterlage. Daß dieses Verbot nieht ,voreilig“, sondern auf Grund sehr sorgfäktiger und umfassender Ermittelungen erlassen wurde, ist anderweit u. A. durch die kürzlich veröffentlichten Verhmdlungen der technischen Depufaiion für das Vererinär- Wesen bekarmt geworden.

_ Der Hauswirth macht fich, nach einem Erkenntnis; des Ober-Tribunals vom 31. März d. I., des Hausfrie- densbruches schuldig, wenn er wider den Willen des Miethers in die vermiethete Wohnung eindringt. Dieses Vergehens macht fich der Wirth selbst dann schuldig, wenn er die wohlbegründete Besorgnis; hat, daß der NußtmgSÖ-erechtigte die gemiethete Wok)- mmg mißbraucht. „Die Wohnung“, führt das Erkenntnis; des Oßer-Tribunals aus, „steht unter dem Schulze des Hausfriedens, Art. 6 der Verfassungs-Urkunde. Das Geseß vom 12.Februar 1850 gestattet davon nur wenige AuMahmen. Keine derselben giebt dem Eigenthümer das Recht, wider den Willen des Mie- therS in die vermiethete Wohnung einzudringen, Nach der Natur der miethweisen Einräumung einer Wohnung ist daher der Ver- miether verpflichtet, wo er ein rechtliches Interesse an dem Be- treten derselben hat, bei einer Verweigerung des Miethers die Entscheidung und Hülfe des Richters in Bezug auf seine Be- rechtigung und den Zeitpunkt der Befichtiqung anzurufen.“

Bayern. München, 29. April. Die Anträge, welche die zw e ite Abth eilung bezüglich der hiesigen Wahlen der Kammer zur Annahme vorlegte, lauten vollständig: „Hohe Kammer wolle be- schließen: 1) Die gesammteUrivahlkreiSeintheilung von München;“ [. d. I., und mit dieser die sämmtlichen Wahlmännerwahlen und die Abgeordnetenwahlen Münchens [.d. I. seien zu vernichten. 2) Nachdem dnrch die UrwahlkreiSeintHeilung durch den Ma- gistrat der Stadt München das LandtagSwahlgeseß ver- leßt worden ist, nachdem das Geheimniß der Wahl viel- fach nicht beachtet worden ist und andere Mißbräuche statt- gefunden haben, so sei das Staats-Minifterium des Innern zu er'suelzen, dafür Sorge zu tragen, daß bei einer Neu- wahl der Magiftrat München das Wahlgeseß beffer beachte; insbesondere 1) bei der Bildung der Urwahlbezirke Art. 11 des Wahlgeseßes und Art. 3 Ziff. 1 der VoUzugsinftruktion in Anwendung komme; 2) bei der Wahlhandlung die Befähigung der Wähler nach gleiehen Normen geprüft, Nummern der Wahl- zettek und Narren der Wahlmännerverzeickzniffe nicht bekannt egeben, die Zettel während der Wahl nicht nach Portionen ?ortirt, außer dem Wahlausschuß Niemand Einsicht in die Wählerserzeichniffe und Wahlzettel gestattet odcr ermöglicht, das AUfsteUen von Centraltischen nicht gedu1de1, endlich am Sch1Uffe des Skrutiniums die Wahlzettel unter Siegel gelegt werden.

Sachsen. Dresden, 30. April. Der Großherzog von Oldenburg ist heute früh nach Weimar abgereist.

_ 1. Mai. (Dresd. Journ.) Die Zweite Kammer begann bente die Berathung derjenigenPofitionen des Einnahme- budgets, welche die direkten Steuern betreffen. Die Finanz- depntation (21th. .A.) hat fiel; in drciTigeile geriieili, deren einer, vertreten durch den Abg. Krause, für die Jahre 1876/77 die Erhebung der Grundfteuer und der GeWerbc- und Personalstruer naeh den bisherigen Säßen, dagegen Nichterhebung der Einkommensteuer und eine radikale Reform des Einkommensteuergeseyes beantragt. Der andere Theil (Referent Abg. Kirbackg) will für die jetzige Jinanzperiode die Grundsteuer in Höhe von 7 ,;5 pro Einheit, die Gewerbe- und Personalfteuer nack] s/W des higherigen Ve- trags, die Einkommensteuer in Höhe von 4 Simplen bewilligen Und dabei den Grundsaß festftellen, daß in künftigen Finanzperiodeu die Grundsteuer vorläufig in Höhe von 5 ,33 erhoben, der RWTH übrig bleibende Theil des Staatsbedarfs aber, Unter Aufhebung der Gewerbe- und Personalstruer, durch die Einkommenstener gedeckt wird. Der Rest der Deputation (Referent: Abg. v. Oehlschlägel) will dem Vorschlage der Regierung gemäß die Grundsteuer und die Ge- werbe: und Personalsteuer mit S,“,0 des bisherigen Betrags nnd die Einkommensteuer in Höhe mm 5 Simplen bewilligen.

Sachsen-Weimar-Eisenach. Weimar, 1.Mai. Gestern Nachmittag kam der Großherzog von Oldenburg zu einem Besuche am Großherzoglichen Hofe hier an.

Anhalt. Dessau, 30. April. Der Herzog, dessen Geburtstag gestern hier durch eine Parade und ein Feftdiner gefeiert wnrde, befindet fick) nach dem „A. St. A.“ zur Zeit in Wien, wohin der Herzog Über Venedig Ulid Triest aus Italien zurückgekehrt ist.

Oesterreieh-Ungarn. Wien, 1. Mai. Nach einer Meldung des „W. T. B." wird fick) der Minifter-Präfident Graf Andrassr) im Laufe der nächsten Woche für einige Tage nach Berlin begeben.

_ (W. T. B.) Nachrichten von bester Seite versichern, daß, nachdem die Beseitigung der bestandenen Schwierigkeiten gelun- gen, morgen der AUSgleichSUertrag des österreichischen und des ungarischen Minifteriums perfekt Werde,

_ Die gestrige „Wiener Zeitung“ veröffentkicht den Aus- weis über den Stand der gesammten Staatsschuld von den im österreichischen Reich5rathe vertretenen Königreichen und Ländern mit Ende Dezember 1875. Danach betrug an diesem Tage die konsolidirte Staatsschuld' 2,679,965,769 Fl., gegen 2,649,484,475 zu Ende Dezember 1874; die schwebende Schuld 95,418,480 Fl. gegen 71,823 813 F1. Die gesammte Staatsschuld stellte fich auf 2,789,691,052 Fl., gegen Z,"7F5,7W,645 zu Ende Dezember 1874, also um 53,982,407 Fl.

0 er.

_ Die „Wien. Abenpost“ reproduzirt folgende Nachricht der „Köln. Z.“: „Der Botschafter Graf Zieht) hat die ernste Er- klärung an die Pforte gerichtet, daß Oefterreich-Ungarn keinen

Grund zu bewaffnetem Vorgehen wider Montenegro sehe, daß es

die VeranYWortung eines solchen Schrittes der Pforte überlassen- und fich die Erwägung vorbehalten müsse, inwiefern es gewisse

Begünstigungen,

' 'die es der Pforte zu il)rer Vertheidigung zu- gestanden, wre beispielsweise die Ausschiffung von Truppen und

KriegSmaterial im Hafen von Klek, auch noch einräumen könne,. Wenn die türkische Regierung die Aufgaben der Defenfton mit_

jenen der Aggresfion vertauschen würde.“

_ Das ,Fremdenblatt“ konstatirt in Betreff der Aus- daß auf beiden Seiten die Hoff:- nung, daß eine Krise vermieden bleiben wird, keineSwegs auf-„

gieichverhandkungen,

gegeben worden sei. Ueber eine Demonstration, welehe unreife Jugend am 28. in der ungarischen Landeshauptstadt in Scene seßte, spreche man in ungarischen Regierungskreisen mit dem Achselzucken des Mitleids. Studenten, zogen mit Fackeln zum Handelftanngebäude, wo sich der Klub der liberalen Partei befindet; dort wurde stürmisch Hanuk gerufen, ohne daß fich einer derAbgeordneten blickenließ. Die Fenster des Klubs blieben verhängt, und als die Demonßranten endlich inne wurden, man sei entschlossen, ße unberücksichtigt zu lassen, zogen fie zum Klub der Rechten, wo fie die gleiche, wohlverdiente Be- haudlung fanden, und zum Klub der äußersten Linken, wo fich

Simomgi eridlicl) zu einer Ansprache herbeiließ. Man könne es

nur billigen, daß Minister-Präfident Tisza nicht darauf einging, die Demonstration zu verbieten.

SrhWeix. Der Korrespondent der „N. Zürich. Ztg.“ schreibt“

aus Bern unter dem 29. April: Das Resultat der Staats- rechnung pro 1875 soll, dem Vernehmen nach, nicht so un- günstig ausfalken, als man gefürchtet und es soUen namentlich beim Militär-Departement mit nicht ganz 11Mi11. NuSJaben so ziemlich bei allen Posten die bemiÜigten Kredite nicht vollständig benüßt worden sein. Das in Ausficht ßehende Gesammtdefizit von ungefähr 800,000 Fr. würde eine Reduktion von über 300,000 Fr. erfahren haben, wenn nicht zur Zeit der Rechnungs- ablage der größere Theil der Kantone noch mit der Einzahlung der dem Bunde zufallenden Hälfte der [cßtjährigen Militär- ersaßfteuern im Rückstande gewesen wären. Genaueres wird die Staatsreckgnung, die nächste Woche dem BundeSrathe vorgelegt wird, selbst bringen.

_ 28. April. Wie bereits telegraphiscl) gemeldet, hat der BundeSrath in seiner heutigen Sißung der Errichtung eines Bisthums auf Grund der Beftimmnngcn der Verfassung der christkathokiichen Kirche der Schweiz die Genehmigung er- theilt. Der betreffende Beschluß lantet wörtlich: „In Folge An- suchens des Synodalraths der christkatholisckxn Kirche der Schweiz hat der BundeSrath nach Prüfung der Akten und eines Berichtes des politischen Departements, Woraus sick) ergiebt, daß die von einer Anzahl von Kirckyengemeinden und Ortsvereinen verschiede- ner Kantone zur Begründung einer christkath01iick)en Kirche an- genommene Verfassung vom 14. Juni und 21. September 1874 in den Art. 21-25 die Errichtung eines Bisthums vorsehe, für welche die Genehmigung des Bundesrathes nachgesucht wird; in Erwägnng, daß diese Befrimmungen über die Errich- tung eines Bisthums nichts dem Bunde oder den Rechten der Kantone Zuwiderlaufendes enthalten; daß die Feststellung dieser Thatsachen ausschließlich den Gegenstand und den Inhalt der Bundesgenehmigung bildet; in Anwendung von Art. 50, Lemma 4 der Bundesverfassung („die Errichtung von Bis- thümern auf schweizerischem Gebiete unterliegt der Genehmigung des Bundes“) beschlossen: der Errichtung eines Bisthums auf Grund der Bestimmungen der Verfassung der christka1holischen Kirche der Schweiz wird die Genehmigung ertheilt.“ _ Die nationalräthliehe Kommission für Vorberathung des Fabrik- geseßes hat die erste LesUng desselben beendigt; die zweite wird nächsten Donnerstag beginnen. Der Normal-Arbeitstag ist auf 10 Stunden angenommen.

Belgien. Brüssel, 27, April. Die Kammer der Abgeordneten hat vorgestern ihre durch die Osterferien unter- brochenen Arbeiten wieder aufgenommen. In der geftrigen Sißung beantwortete der Kriegs-Minifter die vor den Ferien vom Brüsseler Abg. Bergé angesagte Interpellation wegen einer Rüge, Welche der Oberst eines in Gent garnisonircnden Kavallerie- Regiments, auf Befehl seines Brigade-Generals, vor dem ver- sammelten Offizier-Corps an zwei Mitglieder desselben erlassen, weil dieselben einem bürgerlichen (cirij), d. h. unkirchlichen, Leichenhegängniß fich angeschlossen hatten. Aus den Erklä- rungen des Ministers geht hervor, daß die Rüge in den Um- stänxcn des besonderen FaUs ihren Grund habe und das Prin- zip der verfaffungsmäßigen Gewiffeanreiheit Unangetastet lasse. Sie sei durch disziplinarisckze Rückfichten geboten „gewesen und habe übrigens von Seiten des Divifions-Generals, wegen der Form, in der fie erlaffen worden, einen Tadelbrief an den General-Major veranlaßt, den der Minister der Kammer vorlas. Der Abg. Bara, der frühere Justiz-Minister, gab fick) mit dieser Rechtfertigung nicht zufrieden, und forderte von dem Minister eine unUmwundene Erklärung darüber, ob es einem Ofßzier unbenommen bleiben solle, fick) an unkirchlichen Leichenheftat- trmgcn zu betheiligen. General Thiebauld sprach fich in Folge deffen dahin aus, daß in dem fraglichen Fall blos eine Oppor- tunitätHfrage obgewaltet habe und die Offiziere in der AUS- übung ihrer Gewiffensfreiheit unbeeinrrächtigt bleiben sollen.

Bara hatte, wie der „Allg. Ztg.,“ geschrieben wird, bei die- sem Anlaß mehrere andere Fälle religiöser Intoleranz in seine Rede hereingezogen, und namentlich in dieser Beziehung die Art und Weise gerügt, wie der Klerus bei der in der vorigen Woche vor- genommenen Ueberführung der Königlichen Särge aus der alten Kirche zu Laeken in die Gruft der neuen, hinsichtlich des Sarges des proteßantischen Königs Leopold1., verfahren habe, indem derselbe, getrennt von den übrigen, durch eine Hinterthür in die Gruft getragen worden s.*i. Die Beiseßung hatte in früher Morgenstunde, in Gegenwart des Königs und dec.“- Grafen von Flandern, umgeben von wenigen Offizieren und Würden- trägern ihres Hauses, denen fich ex 016010 der Iustiz-Minißer und der Bürgermeister von Laeken angeschlossen hatten, statt- gefunden, Und der Klerus hat dabei nicht anders verfahren, als es das in solchen FäUen Übliche Ritual ihm gebot. Der Sarg des Königs wurde von seinen beiden Söhnen ganz mit den- selben Förmliehkeiten und durch dieselbe Thür in die Kirche gebracht wie Kacher der der Königin Luise, des Kron- prinzen und der Prmzesfin, Tochter des Grafen von Flandern; nur mußte dies gesondert geschehen, indem der Klerus, gerade im Namen der Gewissensfreiheit, die vorgeschriebenen Ge- bete nicht über die sämmtlichen Särge sprechen durfte. Das Publikum hatte allerdings erwartet, daß die desinitiveBeiseHimg in der neuen Gruftkirche eine öffentliche Feier werden sollte, aber dies stimmte nichr mit dem Wunsche des Königs überein, der dieselbe als- eine Familienangelegenheit betrachtete, und wie der

Justiz-Minister Lantsheer dem übelberichteten Hrn. Bara ver- stcherte, ist die stilLe Todtenfeier. in allen ihren Einzelheiten durch- aus nach Anordnung des Königs erfolgt, so daß die in belgi-

Etwa 500 Menschen, darunter 100

schen und auSwärtigen Vläjtern geäußerten Klagen wegen einer dem Andenken König Leopolds ]. geschehenen Unbilde jedes Grundes entbehren; derKlerus ist in diesem Fall von In- toleranz freizusprechen.

Großbritannien und Irland. London, 1. Mai. (W. T. B.) In der heutigm Sißung des Unter- hauses erk1ärte der Unier-Staatssekretär im Departement des Aeußeren, Bourke, auf eine Anfrage Simons, in Folge der bei der spanischen Regierung gemachten Vorstellungen habe [eß- tere die in Haft genommenen Personen des kürzlich in den AntiÜen mit angeblicher Kriegskontrebande weggenommenen Schiffes „Octavia“, welche englische Unterthemen seien, wieder in Freiheit geseyt. Auch sei die Freigabe . des Ka- pitäns und seiner Fami1ie, welche deutscher Nationalität seien, anbefohlen, aber da?; Schiff selbst werde noch immer festgehalten und dauerten die Verhandlungen hierüber noch fort.

Im Oberhause kündigte Lord Selborne an, daß er morgen die Aufmerksamkeit des Hauses auf. die Proklamation, betreffend die Titelbill, lenken und bezüglich derselben weitere Aufklärungen Seitens der Regierung beanxrageu werde.

_ Zu den Erörterungen über die Verfassung von Helgo- land, welche in jüngßer Zeit im Oberhause und in englischen und deutschen Blättern geführt wurden, tritt nun noch das Schreiben eines auf Helgoland wohnenden Preußen cm die „Times“. Daffelbe bezweckt eine Entkrästung der in der „Köl- nischen Zeitung“ gemachten Angaben und eine unparteiisckye Darstellung der wirklichen Zustände auf der Insel. Der Verf. fühlt fick) im Interesse der Wahrheit und der deutschen Preffe, die er nicht gern falsch berichtet sehe, gedrungen, zu konstatiren, daß ihre Rechte und Privilegien von England keineswegs beeinträch- tigt würden _ denn die ihnen genommenen Rechte seien gleich- bedeutend mit Spielbanken- und Strandrecht _ und daß sie nicht gegen ihren WiUen und hart, sondern verhältnißmäßig sehr leicht und von einem aus Helgoländern besjehenden Amt be- steuert würden. „Despotismus und Unzufriedenheit“ sei den Vemohnern der „Nordseeperle“ „mir aus den Zeitungen bekannt.

Frankreich. Paris, Z0.-Npri1. Der bisherige Präfekt der beiden Scévres, Marquis d'Auray, hält seine Yb- seßungdlos für ein Interim und wagt dies dem Mimftcr Ricard in einem offenen Briefe ins Geficht zu sagen.“ „Man habe ihn“, so schreibt er, „für einen zu guteri Katholiken an- gesehen, um ihn für fähig zu halten, einer Polini des Mißtrauens gegen die römische Kirche seine Stöße zu verleihen.“ Er schließt mit folgender Drohung: „Nach einer längeren'und entscheidenderen Erprobung des Regiments, das Sie als einge- richtet und dauerhaft ansehen, wird die Reihe wreder an die Abgeseßten kommen, und diese werden unverändert zurückkehren.“ Bezeichnend ist, daß die ultramontanen Journale, welche über diesen Brief wie über einen Sieg ftohlocken, ebenso wie die bonapartißisckzen Blätter ihre Angriffe gegen die Ausßellung von 1878 forjsetzen. 21112 scheinen einer bestimmten Parole zu gehorchen, denn nicht weniger als sechs derselben, die heut früh eingerroffen, wenden das Wort „Uebermuth“ an, um den Ge- danken der Regierung zu bezeichnen, die Völker zu einem Wett- kampf auf dem friedlichen Gebiet der Künfte und der Indrrstrie zu berufen.

_ Die gestrige Mstimmung des preußiichen Landtags erregt, obgleich sie nicht unerwartet kommt, hier Aufmerk- samkeit. Blätter vrn so ganz verschiedener Gesinnung, wie z. B. die „Républiqne Franßaiie“ und die legitimistische „(Ha- zette de France“, äußern sick) Über den Gegenstand in fast iden- tischer Weise: alle erklären das (Ergebnis; des Votnms tür einen bedeurendcn Erfolg und sprechen den Glauben aus, das; eine Weitere Centralisation der deutschenEisenbahnverwaltung unter der Acgidc ch Weiches nicht zu vermeiden sei.

_ Die „Jndép.“ erklart die unffaUende Erscheinung, daß troH der Aufhebung des Belagerungszustandes noch kein neues Blatt erschienen, daraus, daß das Kapital jede Unter- ßüßung hartnäckig verweigere.

_ Aus A1 gier wird der „Köln. Ztg.“ unterm 30. April tele- graphisck) gemeldet, daß der Aufstand der Bonazidis voüständig bewältigt, der Marabut und die Seheiks gefangen und andere Vornehme des Stammes als Geiseln mitgenommen wor- den seien.

Spanien. Madrid, 2. Mai. (W. T. B.) Der Minißer des Innern, Romero Robledo hat mehreren Deputirten gegenüber erklärt, daß das Ministerium aus der Annahme des vom Jinanz-Mmister Salaverria vorgelegten Budgets eine Kabinetsfrage mache.

_ Wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, hätte Don Carlos, ehe er am 4. April London verließ, ohne zu sagen, Wohin er sich begeben werde, ein Dekret unterzeichnet, durch welches er einen Zwölfer - Ausschuß, Junta 03111513 genannt, mit der Leitung der Partei = Angelegenheiten betraut hätte. Den Vorfixz führe der Graf Valdeipina, Geheimer Rath von Don Carlos. Von den übrigen Mitgliedern wür- den die Gererale Trißany, Argonz, Vinalet, Lizaraga, Alemannr) und Boer, sowie der Oberst Zubiri genannt. Valdespina wäre am 27. April in Bordeaux gewesen und werde in Pau bei Don Carlos' Gemahlin erwartet. Die Weisungen der Junta gingen dahin, die Ereignisse abzuwarten. Dabei rechne die Partei zunächst wieder auf“ die baskischen Pro- vinzen. Da die Madrider Regierung genöthigt sei, die Son- derrechte der Basken der öffentlichen Meinung im übrigen Spanien zu opfern, so seien die Carlisten überzeu_t, daß die Unzufriedenheit, die unter den Basken deshalb entßeZen müßte, bald einen neuen Aufstand hervorrufen werde, wobei denn der Beistand der Geißlichkeit und deren Einfinß auf die Bevölkerung gebührend in Anschlag komme.

Italien. Rom, 29.April. Nach der „Gazzetta“ von Neapel machten der König und die Königin von Griechenland vorgeftern dem Prinzen und der Prinzessin Carl von Preußen ihren Besuch und nach ein paar Stunden die preu- ßischen Herrschaften den griechischen ihren Gegenbesuch.

_ In der SiYung der Deputirtenkammer vom 26. befragte der Abg. Franceöco Paternoftro den Minister des Innern wegen des Verbotes der Volksversammlung in Mantua. Herr Nicotera erklärte, daß er im A1]- gemeinen dem Grundsaße des Barons Ricasoli huldige, „Volkövcrsammlungen dürfen nichtver_boteri werden, weilliberale Regierungen Represfiv-, aber keine Prayentwmaßregeln gcgen fie anwenden müssen“, daß aber auch"1ibera1e Regierungen von dieser Sache Aussnahmen maehen durfen, wenn fie die Ab- haltung von Volksversammlungen uriter Umständen für gefährlich erachten. Für den gegenwartigen, Fall verlange er eine Indemnilätsbill, weil der angekrindtgten _Versamm- lung, auf welcher die Abschaffung der geseßlich emgefuhrten und unentbehrlichen Mahlfteuer verhandelt werden sollte, ander-

wärÉI beraijs höchst beda'riernStverrbe Unordnnngen vorans- gegangen und die Gcmüther im Aligcmeinen so aufgeregt geroestn wären, daß auch in Mantua Exceffe in Ausfixht gestanden hätten. Die Regierung gedenke dem Parlamente bald Modifikationen des die Mahlsreuer betreffenden Geseßes vorzuschlagen, wodurch die Ausführung deffelben für die Steuerpflickztigen weniger vexatorisck) die Einnahme der Staatska'ffe ab.r nieht vermindert würde. Nachdem Herr Nicotera schließlich die Hoffnung auSge- sprochen hatte, daß das Land die betreffende Vorlage des Fiuanz-Ministers geduldig abwarten Und fich durch Aufreizun- gen von Unruheßiftern, welehe ganz andere Dinge als das

Wohl der Bevölkerungen im Auge hätten, nicht irre machen lassen werde, erklärte sich der Jeiterrogant mxt dem ministeriellen Bescheide zufrieden und bereit, dem

Ministerium die verlangte Indemnitätsbiü zu ootireii. Darauf befragte der Abg. Maffari den Minister des Innern wegen der in Carat.) vorgekommenen Unordnungen und welche Maß- regeln die Regierung ergriffen, um die Schuldigen zu bestrafen

und ährilichen Auftritten vorzubeugen, indem er hinzu- fügte . daß für die in Comm der dortige demokra- tische Verein zur Verantwortung gczogen werden müßte.

Hr. Nicotera erklärte, daß, sobald er von den Unruhen in Cerato in Kennrniß gesetzt worden, energische Befehle zu ihrer Unterdrückung abgegangen wären, daß die Schuldigen verhaftxk seien und der gerechten Strafe nicht entgehen würden. Soklte sich bei der angeordneten Untersuchung herausstcllen, daß der demokratische Verein von Corato die Unordnungen angestiftet habe, so soll er nicht nur aufgelöst, sondern auch die schuldigen Mitglieder deffe1ben bestraft werden. Nachdem der Minister noch die Schlußbemerkung gemacht hatte, daß nicht die Regie- rungstaxen sondern die Kommunalfteuern den Vorwand zu den Unruhen gegeben hätten, erlkärte fick) der Interrogant mit der Untwmr des Herrn Nicotera befriedigt. Nack) Erledigung der Interrogationen trat die Kammer in die Verarhung des Ge- seßentwurfs ein,we1che die Lage der ackerbautreibenden Bevölkerung betrifft.

_ Arn 27. seßte die Kammer die Verhandlungen über den Geießentwurf fort, wonach eine Untersuchung über die Lage der italienischen Landbevölkerung angesteUt Wer- den sol]. Es sprachen die Abgeordneten Alvifi, Correxiti, Tos- canelli, Nervs, Corte. Der Minister entgegnete auf die ihm ge- machten Empfehlungen. Gestern sollte zum Schluß der General- berathung der Berichterstatter BoseUi das Wort ergreifen.

_ Auf der Versammlung der sardiuiseizen Bischöfe und Erzbischöfe in Qristano soU nur über Diöziplinarfragen verhandelt werden. _ Schaaren von französischen Pilgern kommen Über Nizza und Genua, andere Über den Mont Cenis nach Rom, um am 5. Mai, dem Tage Pius )'. vom Papste gesegnet zu werden.

Griechenland. Athen, 2. Mai. (W. T. B.) Der Prozeß gegen das Gesammt-Ministerirrm Brrlgaris wegen Verlesung der Verfassung hat gestern seinen Aniang ge- nommen. Die Angeklagten Bulgaris, Valaffopnlos, Nicolopulos und Grivas er7chienen persönlich anf der Anklagebank, Tringhetta war durch Krankheit entschuldigt.

Türkei. Konstantinopel, 1. Mai. (W. T. B.) Der General-Direktor der Poßen und Telegrapixcn, Yaver Pas cha, wird morgen in Begleitung des General-Sekretärs von hier ab- reisen, um sich behufs Abschlusses von Postkonventi'yne-n nach Wien, Rom Und Paris zu begeben. _ Ter Pforte 171 cm Telegramm aus Ragusa vom gcßrigen Tage zugegangen,tt1ach welchem 600 flüchtig gemordeneFamiiien in die Heimath zurückkehren wollen. Behufs der Rückkehr derselben find ent- sprechende Maßregeln getroffen.

_ Der „Agence Havas“ geht eine aus südslavisckzer Quelle flammende Meldung aus Ragusa vom 1. Mai zn, welehe bestreitet, daß die Verproviantirung von Niksic in der in den tür- kischen Berichten behaupteten Weise stattgefunden habe und hier- über vielmehr Folgendes wiffen wiU: Moukhtar Pascha sei am Freitag in fortwährendem Gefecht mit den Insurgenieix in Presjcka angekommen. In der darauf folgenden Nacht'hatten sich 500 Einwohner aUS Nikfic aufgemacht und die von Mukhtar Pascha bei seinem vorigen mißglücktch ane gegen Nikfic in Presjeka zurückgelassenen Proviantvo:rathe_auf ihren Schultern nach Nikfic hereingeholf. MOUkhMr Pa1cha hätte zwar am Sonnabend die Iliifständischen auf:“- Neue an- gegriffen, auch eine Versckzanzung derselben weggenommenz nach einem den ganzen Tag hindurch dauernden Gefechte set Moukhtar Pascha “Jedoch schließlich genöthigt werden, sich nqck) Nozdrew zurückzuziehen, ivo er sogar von den Insurgenten em- geschloffen sein solle.

_ 2. Mai. (W. T. B.) Eine der Regierung aus der Herzegowina zugegangcne Meldimg lautet dezhin, daß Moukhxar Pascha wieder in Gaczko eingetroffen Ut, _nachdem er Nikfic verproviantirt hatte. Ruf dcm R!"1_ckmar1che hat Moukhtar Pascha mehrfache fiegreiche Gefechte 081111110211.

Rumänien. Bukarest,_1. Mai. (WZT. B.) Anf Veranlassung der chiernng crthciltedxc _Deprttirtcnkantmcr in ihrer Heutigen Sißung dem IJTtnUtcriUm cm Vertraue ns = votum.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 29. April. Die „St. Petersb. Wedomosti“ wendeten in diesen Tagen der polnisch=jesuitischen Agitation in Angelegenheiten des Orients ihre Aufmerksamkeit zu; das Blatt sagt, die polnische Propaganda habe fick] mit den Jeiniten vereinigt und Rom zum Zentrum ihrer Thätigkeit gewählt. Es sei der polnischen Propaganda die Idee anfgctaucbt, daß der gegen- wärtige Moment höchst günftig sei, ihre Zwecke zu verfolgen und mit Benutzung der orientalischen Wirren fiel; an die Spiße der Bewegung zu ßellen. Mit der Ankunft des Kardinals Ledochow§fq in Rom habe im Vatikan eine er- höhte Thätigkeit begonnen. Pius 1x, habe Mit dem polnischen „Kardinal fortwährend Beratlyungen. Die Thätigkeit deffelbcn habe sick) aber nieht auf Rom beschränkt, sondern ent- falte fick) über Deutschland und Rußland, Oesterreich und Frank- reich, felbst das protestantische England erfreue fich der Auf- merksamkeit des Kardinals. Daß Graf Ledochoweky und die ihm ergebene Partei eine wichtige Rolle bei den iogenatmten „diplomatischen Enthüüungen“, welche zuerst in dem klerikalen römijc1)enB1att„Roma“ erschienen, gespielt habe, sei keinemeeifel unterworfen. Seit der Ankunft Ledochowsky's im Vatikan seien die polnischen Träumereien wieder anfgelebt, der 'Ton ihrer Organe sei provozirend gewdrden. Besonders zeichne sick) in dieser Beziehung der „thennik Polski“ aus, dessen Konstantinopeler Korrespondent offen die Memang aUSgesprochen habe, daß die Polen die orientalischen Wirren zur Wiederherstel- lung ihrer politischen Selbsiändigkeit bemrxen müßten, wobei er sich direkt an Oesterreich geirendet, welrizes chm den rusfi-

fchen PanslawiSmus die Waffen ergreifen müßte,. der bei den Siidslaven fich bemerkbar mache 11UÖasch12Umge Maß- regeln erfordere, um mit Erfolg „gegen diese Hydra crnzu- kämpfen.“ . , . „Wie bekannt,“ fügt .das Blatt_ hinzu, „giebt es in Europa keine eipzige pelitisckge Verwrckelrrng, welche die Phantafie des Polomsmus mcht benußte, um ihre unrealißrbaren Hoffnungen verwirklickzen zu mo_llen. „Gan'z natürlich, daß die orientalischen Wirren ebenio Wie die Macht des Kardinals Ledockzowskr) Verankaffusng zu mum Träumereien boten. Zum Glück Und Nicht nur die drei Kaiserreichs, sondern ganz Eurora von _den Wohlthaten, welche man von dem slawischen R81ch€, das fick) zwischen dem Baltischen UNd dem Schwarzen Meere ausbreitet, ein Recht zu erwarten hat, überzerrgt, _ Tarek) die [eyte Erklärung der russischen Regieruag zerfa11en die VericUm- dungen der po1nisch:k[erikalen Agitawren in NiMH .....

Schweden und NorWegen. Christiania, 27. April. In der heutigen Sißung des Srvrthinges" wnrde das ordemt- liche Budget des Kriegsdeparxements in der von der Regierung beantragten und von dern Militäraussckyiß befürwor- teten Höhe von 1.400,000 Species einstimmig Und ohne DLOÜÜS augenommen. Nur ein Posten, die Bewiiligung VON 1100 Species zur geistlichen Bedienung des Militärs arif den UebnmgépLäyxn, welchen der Militäraussehuß zu streichen vorgeschlagen hatte, rief eine längere Debatte hervor. Mit 81 gegen 25 Stimmen wurde jedoch schließlich auch dieser Posten bcxilligt.

Amerika. New-York, 1. Mai. (W. T. B.) Die Staatssckyuld der Vereinigten Staatexi hat fiel; im Monat Aprik d. I. um 2,781,000 T011. Uernréiidert. Jm Staatsschaße befanden fick) Ende April 77,605,0CZO 2011. ZU Gold und 5,161,000 Dru. in Papier.

Mexiko, 12. März. Die in verschiedenen Theilen des Landes arngerrocheUen revolurionärcn Erhedrrmgen entbehren dis jeZt jedes gemeinsamen Planes, Und die Regierimg “scheint, soweit fick) dies von Hier aus bcnrtßeilen läßt, die Be- wegung im Allgemeinen zu doinimiren. Ueberhaupt find die vier Jahre des Friedens, die das Land genossen, nichr ohne moralische Wirkimg gebliebeii; das Volk h_at die Wohlthaten geregelter ZustäUde schäßen geierNt und laßt sich schwerer bewegen, wegen Perioneniragcn zu den Waffen zn eilen, als sonst wohl. Nur in dem Sraare Oajaka scheint der AUfstand eine größere Ausdehmmg gcivoxmex'. zu haben, da die Regierung, die Stärke der dortigen Insrxrxenren yntersckzaxerid, mit unzuläiiglichen Kräften zum Angriff schritr Und eme zweimalige Niederlage erlitxen hat. Zur weireren Bekämpfung des Aufstan- des bedarf die Regierung vor Allem Geld. Der Präsident hat deshalb znnäckgft den Vcrsnch gémacht, von einer Versammlung der bedeutendsten Kapitalisten Mexikos ein ireimiliiges Anlehen von 500,000 Pesos zn erlangen. Da aber dieser Versuch ge- sckzeitch, so ist durch Dekret vom 6. d. Mis. iür das ganze Land eine außerordentliche Ko n tridutio nrwn 7Prdz.v0nal1en Kapitalen und Kapiia1werchen vou Über 20,000 Peso?» ansge- schrieben worden. Kapitale von 5_20,000 Pesos. zahlen ': Proz., Industrielle mit weniger als 5000 Pesos Kapital den Betrag einer MonatSmiethe ihrer Gesehäitczlokale TC.

Landtags = Angelegenheiten.

Berlin, 2. Mai. Die BudgetkemxxtiiRen des Hauses der Abse- ordneteu beicbäitigte sich gestern mit den Verlagen Über den Ankauf der Eisenbahnstrecke Ha11e=Caxie1 dxirax dn Smax 11:15 _die Zins- garavtie für die Linie Halle-Soran-„Gudcu. TeZerytgedaÖte Entwurf wurde einstimmig, der 51513116 11121 11_Zegen Z Otimmcnxge- nedmigr, nacrdem dem VOrsch1age res Arg 731€"11Je1 gemäß ein_ Zu- iaß beschlossen war, wrnack) die Stalat-Zregichg dxe KTLTJUTMSK ;)pro- zeniigcn Obligationen in 4-2; prezcvnge krnxéerixcen irll. _ '

_ Der Abgeordneter“). KrcußMilrcna-Z'erleim)veröffentlickst 111 der „Köln.Zr;;.“ cine Erkläruyg, daß er in derSiyxng rem 29. v. M. an welcher er Wegen eines ;iuy1eidens ixievr b:?e itxcilxiebmen kr'micn, unbedingt fü-* den (Heseßentwuri, betreficnd dcn Yebergang, der Eigenthums- und sonstige:: Reavxe „des 32.1.1th an Eisenbahnen auf das Tcutsch Reick) giitxmmr 1zibxn Wurde.

Vereinswesen.

Leipzig, 30. Avril. (Leivz. Ztg.) Heure Vcrmitmg dir!! der Reich6verein für Sachsen, we1cker nacb §. 21einer S_Ztatnten ,Die Bekämpfung rxickxsfeinrlicb r Bxstkcbrmgeu Turek) frites Ziiia_rx1men- halten und thaikräiiiges Züsmnmenwiiken AUcr, denen die WCMS, des Reichs, dessen und der Einzelstaaten Trickkirbrrund 'rc_idc:_tliche Ent- wickeiung am Herzen liegt“, bezweckt, i:n Zci).xx;cnl3mwe icine dies-

jährige Landesverfammirmg „ain Ter" erwählte Vrrfißxnde, Prof, Dr. Biedermann, bcr1ckte“c 5u:*.*-(1)st xm Namxn des

Vorstandes Über kcsicn Tbäfißkcit im verflrsietis-n Verein?- jahre und (User den Stand der Vercxnéangclegenhett seit der leisten LandeSversammlung vrm 18, Llrrtl V. I. und schxoß mir der Erklärung, daß der Verein mii dem Ergebnis; 1ciner Wirksamkeit bei den Landtageivablerz Zirxiieden _iein kö11nc._ Die Presse aulanger-k, so habe Der Vorstand '.n kxcker RilÖing dniéizx zu wirken gesucht, dax"; er an 98 Blätter im Limes ngen 50 großere Artikel Verschiedenen Jnßalts, welcbe in der „Dentyckyen LlÜg-smeinxn Zeitung“ erschienen, 111 Ilbklatscben zar Weiteren Verbreitung ge'andt K;:ke. Hinsichtlich des Wadifonxs wäre 11:1 Bcrgieich_ zu den An- strengungen dcr sozialdemvkratwcrcn Parrot c::ie ngxzcre R;:(yyg- keit und Opferwiliigkeit im Zxxterciye dcs Vcrcmsxngkes "ehr wünsäzenöwertl). Nachdem der K.:Ufmarxn Sp.];ig _den K'qiiknhcrzcht erstattet hatte, ging man zu einer Br*rrecbung Urer rie imcbxten Reichstagewavlen und über die dabei vcm Verein den anderen Par- teien gegenüber einzunehmenke SteUnng ürer, «1:19 der mir cerlynt Werden nme, das; im Vorstand feld“? darkikex, ob man Zmcheu Falls zu einem Keuwromiß mit den Konservativen W). der 59r71ch7rxits- partei die Hand bieten solle, im Prinziy eme Einigung_n1cht in er. zielen gewesen ist. Als weitere (Hsgenitande _standcn au] der Tages- ordnung noch Verabredungen mir den _miiye'etich Gc'cbastöiszrxrn des Vereins und sonéiigen Vertrauenfixnanxcrn deer rie Orgnmigxxcn Der Partei in den einzelnen Wxßlkxcilcn, '.md d1e Neuxrzlxl dxs Vor-

standes. _ ck Kunst, Wiffcxsthast und Literatur

Professor Dr, Behn wurde einstinxmig zum Pxäädcntm der Kaiserlich Leopc1dinisch-Carrlinifchcn deutWea Akademie der Naxur- forscher in Dresden wiedergewablt. '

_ Die große goldene Medaille, *.VCLÖC _dem _1)r, Nack)- tigal Von der Pariser gevngVblichen(Hk1ellichastvckinén Werden ifi, hat einen DUTÖMLUX yon 68 Miüimetern_11nd Juen GcldWerth ron nahezu 1000 Francs (800 „M). Auf der e111en_xe11e trägt fie das Reliefdild drr Minerva, an! der ankcrerz eixie WO»!- kronc, um welche herum Und in welcher sich dic Jmcbrist bcn'nket: 8001616 (19 Séi'ßraybje, 701662 5 kuriz 011 1821, an 600th (3. Kneb- tjgeü, pour ZLI roxagcs (18.115 1'31rjc1ne eerrttale 1869-1874.

Rom, 29, April. (ZfK")??s-Jn"_(59rl_e__ona aui der K_nicl Sicilien und auch in Rom wurde g;)tcrn stal) chxri 7 Uhr “Gud-

beken Verspürt. Getverbc und :?:-1an _ Vom Berliner Pianddriei-Jnititut kind 125 Ende NRZ! cr. 25,513,2()(1 „M 4670 und 6,8!4000 «!(. 5. *, ZU'UMWn 32,317,800e16 Pfandbriefe „*.*.ixz-xgcken. (Fs “,"".nd 3175061121, aber