werden auf die Kreisfvnodalkassen nach'Maßgabe der in den §§„ 72, 73 daselbst aufgestellten Normen repariirt., _ Sowohl der Beschluß über die Bewilligung der Auögabe gls die Matrikel bedarf der Bestatigung durch die Staatöbebörde. Die Be- stätigung ist insbesondere zu versagen, Wenn Bedenken, hinsichtlich der OrdnungSmäßigkeit des Beschlusseéßder Angemessenheit des Verthei- lungSmaßstabes, oder der Leistungsßbmkmt des Bezirks bestrhen. Art. 14 Kirchengefetze, durch welche neue Auggaben zu landes- kirchlichen Zwecken bewilligt werden (§. 14 der_Genual-Synodal- ordnung vom 20. Januar 1876) und _die endguittge Vereinbarung zwischen der Generalsynode' und der K1rchenreg1erung über die Ver- theilung der Umlage auf'die Proviyzcn (§. 14 Absaß 2 daselbsi) be- dürfen zu ihrer Gültigiett der Zustimmung "des Staats Ministeriums. Die Zustimmung ist in der Verkundigungsformel zu
rwä nen. e I)ie Königliche Verordnung über vorläufige eststellunq des Ver- theilungswaßftabes (§. 14, Absaß 2) ist “von dem vtctats-Ministerium
gegenzuzetchnen. ' . '
Für die Untervertbeilung m den Provinzen Preußen, Branden- burg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen kommt Artikel 10 zur Anwendung. Die Untervertheilung in der Provinz Westfalen und der Rheinprovinz erfolgt nach Maßgabe des § 135 der Kirchen- ordnung vom 5. März 1835. Wegen der Bestätigung der Matrikel für die Vertheilung auf die Kreissynoden findet Artikel 10, Absaß 2, und Wegen der Vertheilung der Antheile der Kreissynoden auf die Gemeinden Artikel 3 AUWendung.
Ari.14s.. Dir Grfammtsumme der auf Grund der Art. 9 Nr. 3, und 13 Nr. 2 zu beschließenden Umlagen darf, _ abgesehen von deri Synodalkosten, _ für pro- vinzielle und landeökirchliche Zweike vier Prozent der Gesammisumme der Klassen- und Einkommensteuer der zur evangelischen Landeskirche gehörigen Bevölkerung nicht übersteigen. _ "
Wie viel von den innerhalb dieser Grenzen zuiaj- sigen Umlagen durch die Provinzialsynoden und wre viel durch die Generalsynode außgeschrieben werden kann, wird durcb landeökirchiiches Gesc bestimmt. „
Kirchengeseße, welcbe diefen Prozent als überschrev ten, bedürfen der Betätigung durch ein Staatheseß. Dasselbe gilt, wenn irchengcseße eine Belastung der Gemeinden zu Gemeindczivecken anordnen oder zur
Folge haben. ' Auf die Siadisynode Berlin dürfen keine provin-
ziellen Umlagen außgeschrieben werden.
Art. 3 und 10 wurden ohne Debatte genehmigt.
Nack) den durch gesperrten Saß hervorgehobenen Vorschlä- gen der Kommisfion soil durch Repartition für jede bestimmte Gemeinde ein bestimmter Matrikularbeiirag zur KreiSsynodal- kasse festgesetzt werden, und zwar soll eine bestimmte Grenze feft- gestelit Werden, Welche ohne Zustimmung des Landtags nicht über- schritten werden darf, Der Abg. KloH(Berlin) monte ein Befieue- rungssystem in der Weise durchführeri, daß als Norm ein bestimmter Prozentsaß des in jedem Jahre für die Mitglieder der Kirchen- gemeinde festgestellten Einnahme-Solls der Klassen: und klassi- fizirten Einkommensteuer maßgebend sein sollte. Der Abg. Richter (Sangerhausen) wünschte den Maximalsaß von vier Prozent der Klaffenfteuer in der Weise vertheilt zu sehen, daß durch die Provinzialsynoden für provinzielle Zwecke drei, durch die Generalsynode fiir landeskirchliche Zwecke ein Prozent aurgeschrieben werden könne. Der Abg. v. Benda erklärte, troß mancher Bedenken für die Kommisfionsfaffung stimmen zu wollen. Nachdem der Abg. 1)1'.Techow das Amendcment Richter empfohlen, führte der Abg. Dr. Wehrenpfennig zu Gunsten der Konimisfionsfaffung, welche auch vom Minifteriaidirektor Or. Förster empfohlen Wurde, aus, *daß man der Generalsqnode ohne Besorgnis; vor möglichen Fehlgriffen die rekaiive Selbst- ständigkeit der Ksmmisfionsbesohlüffe gewähren könne, da sich augenblicklich die provinziellen und landeskirchlickzen Be- dürfnisse nicht übersehen ließen. Der Abg. Schmidt befürwortete dcn Richterschen Antrag, worin fich ihm im Wesent- lichen der Lll-«g. Miquel anschloß. Der SiaatS-Minister 1)1'.Falk befiritt, daß bei der Zusammenseßung der aus Wahlen hervor- gegangenen Generalsqnode die Befürchtungen der Abgg. Schmidt und Miquel begründet seien. Nach einem Schlußkvort des Referenten wnrden Art. 14 und 14a, mitAuSnahmedes leßen Absatzes von 14ii., in dcr Faffung der Kommisfionsbesckzlüffe angenommen. Der Ministerial-Direktor 1)r. Förster sowie die Abgg. 111“. Wehren- pfennig und Miquel erklärten fick) gegen die von der Kommis- sion vorgeschlagene Privilegirung der Stadt Berlin. Außerdem betheiligten fick) an der Debatte hierüber und zugleich über Art. 8 und 8:1. die Abgg. 1)r.Tech0w und Dr. Virchow. Nack) einigen chcrknngcn dcs Rcicrcntrn wurde dcr Art. 8 mit einer redaktionellen Aenderung, und Art. 8:1. Underändert nacb dchaffung der Kommission angenommen, endlich dcr lcizte Adiaß des Art. 14a. gestrichen. Die Art. 15 bis 19 wurden bis zum Schluß dcs Blattes d[)nc Debatte genehmigt.
_ Nach §. 96 der VormundschaftSordnung kann im Gel- iungsvereicl) “der Depofitalordnung vom 15. September 1783 die AuEzahlunq von Geldern aus dem Depositum auf Grund der dem Vormiind erst durch die Vormundschafts- ordnung übertragenen Rechte vor dem 1. Januar 1878 nicht verlangt Werden. Ta gleichwohl AuSzahlungen aus dem Hinter- legungsfonds cm Vormünker in Widersprnck; mit §.96 a. (1.32). mrhrfgci; angeordnet find, so hat der Iiistiz:Minister in Gemäß- heit cines Wunsckzes des Finanz-Ministers die Vormundschafts- gerichte auf die Unfiatthaftigkeit solcher Anordnungeii mit dem Bemerken hingewiesen, daß der Finanz-Minister nicht abgeneigt sei, einzelnen auf besondere Umstände gegründeten Anträgen der Vornöünder auf Auszahlung des Guthabens der Mündel statt zu ge en.
_ Nach neueren Briefen aus Hayti scheint die in Iacmel auSgebrochene Revolution fich mehr und mehr auch über andere Theile der Insel verbreitet zu haben. Die inzwischen telegraphisch gemeldete Niederlage der Regierung und Flu t des Präsidenten Domingue nach St. Thomas dürfte hierdur ihre indirekte Bestätizung erhalten. Uebrigens [agen mehrere fremde Kriegsschiffe (amerikanische, franzöfisäzc und cngiischeck in den versxhiedcnen Häfen der Republik. Sr. Majestät Kriegssohiff „Victor ia“ (Kapitän Tonner) war am 4,5. April von Kingston nack) Iacmei gegangen.
_ Die „Weser-Z.“ macht in ihrem Leitartikel vom 4. d. M. auf den Widersprirckz aufmerksam, in welchen die Fortschritts- partei des Abgeordnetenhauses dadurch verfallen sei, daß sie jetzt beschlossen habe, "sich mit Beibehaltung des Dreiklassen- Wahlsystems fur die Stadtverordnetenwahlen bedingungs- weise einverstandm zu erklären. Der Abg. Dr. U. Sybel hat fich in der Sißandg dcs Abgeordnetenhauses am 2. d. M. bei Gelegenheit der Eisenbahnstage ebenfalis gegen dieses Wahlsystem, als ,die Waffe des SozialiSMUS" ausZeiprockzen. Dagegen hat auf dem weßfälischet'i Siädtetage zu Hamm der Ober- Bürgermeister WiZh. Becker von Dortmund das Dreiklaffen- wahisyftem gerade aus dem Grunde bekämpft, weil dasselbe den SoziaiiSMus befördere.,
_ Der General-Lieuienant von Berger, von der Armee und Gouverneur von Ulm, ift von dort mit kurzem Urlaub hier eingetroffen.
_ Der öfterreichisch-ungarische Minißer des Aeußern, Graf Audrassy, wird, der auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers an ihn ergangenen Einladung folgend, am 9. Mai in Berlin ein- treffen.
_ Die am 15. d. M. in Kraft tretenden Fahrpläne der Oberschlesischen . und der Nassauischen Eisenbahn liegen der heutigen Nummer d. Bl. bei.
Bayern. München, 3. Mai. (Allg. Ztg.) Auf der TageSordnung der heutigen Sißung der Abgeordnetenkam- mer stand die Prüfung der Wahlen des Wahlkreises Mün- chen ]. Eine längere Diskussion rief ein Antrag Fischers hervor, wonach die allgemeine und die ipezieÜeDiskusfion zu vereinigen, die Spezialdiskussion der Anträge 1 und 2 aber zu trennen sei, sowie ein Antrag Jörgs, Welcher der Spezialdiskusfion eine allge- meine voranschicken onie, Der Antrag Fischers wurde abgelehnt, Jörgs Antrag angenommen. Der Referent Hauck leitete die Generaldiskusßon ein und verwies auf seinen Bericht. Der erste Redner, Huhn, griff hauptsäch- lich den Münchener Magistrat in heftigstcr Weise an. Frankenburger gab die Erklärung ab, daß die liberale Partei sich an der Generaldebatte nicht betheiligen werde, da ja der Vorredner gezeigt habe was ach in der Generaldiskusfion zu sagen sei. Was die Liberalen zu sagen hätten, würde bei der Spezialdiskusfion crfolgcn. Außerdem sprach Schels für die Kasfirung der Münchener Wahlen, wobei er den Aus- druck gebrauchte: die DistriktSbeamien seien mit Be- dienieneifer den Anordnungen des Ministeriums nachge- kommen. Dieser Ausdruck wurde von dem Minister Pfeufer energisch zurückgewiesen, und dem Abg. Schels, nack) FeststeUung, daß er den Ausdruck wirklich gebraucht habe, nachträglich ein OrdnungSruf Seitens des Präfidenien ertheilt. Hierauf wurde in die Spezialdebaiie eingetreten. Nachdem Hauck den Antrag auf Vernichtung der UrwahlbezirkSeintheilung u. s. w, motivirt hatte, ergriff der Ministerial-Kommiffar Riedel das Wort und vertheidigte den Magistrat wegen der BezirkSeintheilun'g; das Verfahren desselben sei kekn derartiges gewesen, daß man ihm Geseßwidrigkeit vorwerfen könne. Riedel bewies ziffermäßig, daß die von Hauck angeführten Beispieie über Unregelmäßig- keiten der DistriktSeiniheilungen nicht richtig seien, daß viel- mehr gerade die Eintheilungen des Magistrats wohlbegründet waren. Früher habe man die Wahlen nur kasfirt, wenn eine ganz eklatante Gestßverleßung vorlag. Der Magistrat habe, wie die Akten nachweisen, bei der Brzirksbilduüg jenes Verfahren beobachtet, das er beobachten mußte, die übrigen Dinge seien nicht genug untersucht und aufgeklärt, um auf Kaffation zu er- kennen. Der *Korreferent Sing vertheidigte demnächst in länge- rer Rede den Standpunkt der Minderheit des Ausschusses und gab zu, daß Verstöße vorgekommen seien; die Urwahlen in den betreffenden's-Ur Bezirken seien zu vernichten. Kopp sprach für den KomW7"santrag und erklärte schließlich: „Läßt der Magifirat wie];r ZZZ; ,. der leßten Eintheilnng wählen, so kasfiren mir wieder.“ «,'?ferr [Trat in längerer Ausführung den dem Mggtsirat 47.244»! Voxiivürfen entgegen, wendete sich sehr eni- sch1ede§ri «ef Lwidkk riß Wahlkonimiffäre erhobene Beschul= di m_ „W. “ie FMießiéxi) die Rechtsfrage. Nach der Rede W [ferts beantragte Schauß Vertagung der Debatte, womit fick) die Kammer einverstanden erklärte. Morgen wird die Be- rathung fortgeseßt.
_ Die 8. Abtheilung der Kammer der Abgeordneten war gestern Abend einige Stunden mit der Berathung iiber Prü- fuiig der Wahlen des Wahlkreises München 11, beschäftigt. Die Mehrheit hat, gegen den Widerspruch der liberal gesinnten Abgeordneten, beschlossen, diese Wahlen als gültig zu erklären; auck) soll der Kammer kein schrif1licker, sondern nur ein münd- licher Bericht erstattet werden.
_ 4. Mai. (W. T. B.) Bei der hrute forigescßien Be- rathung der Abgeordnetenkammer über die Kaffation der Abgeordnetenwahlen von München 1, wurde der von Hormann und Schauß gestellte Antrag, die Sache zur weiteren Priifung mid Vcranlaffung weiterer Erhebungen an die Ab- theilung ziiruckzuverweiscn, abgelehnt und der Absay 1 und 2 des Kowm1ssionsimtrags, worin die Kassation der Wahlen von Munchen [. ausgesprochen und ferner das Ministerium aufgrfordert _wrrd, dafür zu sorgen, daß der Münchener Magistrat bei den vorzunehmenden Ncmvahlen daes Wahlgesetz besser beobachte, in geirennter Abstimmung bei NamenSaufruf mit 77 gigen 65 Stimmen angenomnu-n.
Sqchsen. Dresden, 4. Mai. Beide Kammern hielten heute Sißimgen ab. Die Erste Kammer erledigte eine An- zahl Petitionen. Die Zweite Karzmer nahm den bezüglich des Gesetzentwurfs, "betreffend die Ekftschädigung der Geistlichen und Kirchendiener fur den Wegfall von Gebühren, vereinbarten und von der Ersten Kammer bereits acceptirten Vermittelungs- vqrschlag „nach kurzer Diskussion grgen 9 Stimmen an und be- willigte hierauf fast ohne Debatte die Positionen 23 und 24 des Emnahmcebudgeis, Grundsteuer und Gewerbe- und Personal- steuer, wre fie sich nun nach dem vorgestern gefaßten Beschluss:: gestalten. Auf Antrag der Jinanzdeputation (Abtk). 1.) wurde sodann beschlossen, die StaatSregierung um Vorlegung eines Ge1cßentwurfs, die Tagegelder und Reisekosten der Staatsdiener betreffend, zn ersurhen. Zum Schluß erledigte die Kammer eine Anzahl von Petitionen um Erbauung von fiskalischen Chauffeen und Brücken.
Württemberg. In der Sißung der Kammer der S t a 1) d e s (;,-3 rr en vom 28. 1). M. fragte der Frhr. v. Gemmingen den Justtz-Mmrfter v. Mittnacht, ob er die Absicht habe, an eine inwrdnung dcs VormundsckgafiStvesens zn gehen. Der mesier anjworiete: Er habe eine grmiffr Scheu, ein der Rc1chs-Geseßgeb1mgüberwiesenesund von ihr voraussichtlich bald in Behandlung zu nehmendrs Gebiet icßt noch für die Landcsgeiey- gebungm Anspruch zu nehmen. Baldkönnte einer württembcrgifchen
Vormundsckxafwgeseßgebung eine deutsche nachfolgen, und dieser '
Wechiel wäre gewiß nicht zweckmäßig. Wünsche aber das Haus entschteden, daß man an eine neue VormundsckgaftSordnung hergntrctq, so würde der Minister vorerst dem obersten Landes- gericht die Frage vvrlegen. Freiherr v. Gültlingen hielt eine Neuordnung in Württemberg für angezeigt, und führie Bestim- miingen aus der bisherigen Ordnung an, um die Nothwendig- keit der'Regelung zu erweisen. Preuß.n habe erst 1875 eine selbstandige nene Vormundschaftsordnung erlaffen. Darauf erklarie " der Justiz-Minister: Was Preußen thun kann, k'onnen' wir nicht immer auch thun. Die Materie ist in der Reichs-erlgese gebungs-Kommisfion bereits in Arbeit ge- nommen, und Preu en ift vorgegangen, weil es von der Anficht auSgeht, daß seine Vormundsckzastsordnung die Grundlage der
deutschen bilden werde. Wenn die Kammer dafür ist, daß wir das preußische Gesetz jeßt schon übernehmen, möge fie sich in diesem Sinne aus prechen. Frhr. v. Gültlingen stand auf diese Erklärung des inißers hin von einem Anfrage ab. Frhr. v. Gemmingen erklärte fich von der Mittheilung des Minifters ebenfalls befriedigt.
Baden. KarlSruhe, 3. Mai. Bei dem Antrag für 1870 und 1877 die Einnahme der badischen Eisenbahn- Betriebsverwaltung mit jährlich 62,022,162 «16, und die AUSgabe mit 49,383,404 «14 zu genrhmigen (somit Reineinnahme von über LR Mill. eM) führt der Bericht des Abg. Dennig für die Erße Kamm er aus, daß fich dabei eine durchschniuliche Rein- einnahme von 1 Kilometer auf 11,895 „M stellt bei einer Be- triebsßrecke von 1062,_-, Kilomeier Staatsbahnen und gepachteten Strecken mit Augschluß der Privatbahnen. Dies Ergebniß wäre, wenn es erreicht wird, nach Anficht der Kommission als sehr befriedigend zu bezeichnen, da es den Voranschlag für das nicht ungünstige Jahr 1873 um 864 «M für den Kilometer überfieigt.
_ 4. Mai. (W. T. B.) Nachdem die Zweite Kammer gestern die Generaldebatte über die Schulgeseß- novelle beendigt hatte, wurde heute der erste Artikel, betreffend die geseßliche Einfiihrung gemischter Schulen mit Beibehaltung des konfessioneklen Unterrichts mit alien gegen die Stimmen der Ultramontanen angenommen.
Hessen. Darmstadt, 3. Mai. Der König der Vel- gijeér wird morgen zum Besuche drs Prinzen Ludwig hier ein- tre en.
Anhalt. Dessau, 2, Mai. Wir der „St.-A.“ mitthcilt, ist der Erbprinz in München am Schleimfieber erkrankt. Die neuesten Nachrichten über den Gesundheitszustand des Erb- prinzen laiiten Weniger beunruhigend.
Oefierrei-h-Ungarn. Wien, 3. Mai, Die gesammte" hiesige Preffe beschäftigt fick), sagt die „Wien. Abdpost.“ mit der Mittheilung der „Politischen Correipondenz“ über den Abschluß der zwischen den Ministerien beider Staatögebiete der Monarchie gepflogenen A U s g [ eich 6 v e r h a n dlun g en. Uebereinstimmend wird die Nachricht, daß im Raths: der Krone eine vollständige Einigung brzüglich der Erneuerung der ftaatSrechtlichen Beziehun- gen zwischen den im Reichörathe vertretenen Königreichen und Län- dern und den Dependenzen der Stephanskrone erzielt worden sei und daß diese Einigung auch die Ouotenfrage betreffe, mit eben so viel patriotischeor Genugthuung als lebhafter Anerkennung für aile an den Verhandlungen beiheiiigtcn Faktoren begrüßt. Insbesondere verdient Hervorgehoben zu werden, daß der Partei- standpunkt der einzelnen Organe gegenüber der aligemeinen freudigen Würdigung des Ereignisses Überwiegend in den Hinter- grund tritt. Vielfach wird dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß es bei dieser Vereinigung weder Niederlagen, noch Siege, sondern nur eine Verständigiing über Interessen gegeben habe, bei welcher jedem Theile sein gutes Recht ge- worden sei. Und ganz insbesondere wird in „innig dank- barer Verehrung“ Sr. Majeßät des Kaisers gedacht, dem, wie die „TageEpreffe“ hervorhebt, der Löwenantheil an dem Erfolge des Tages geiiühre. Seine Weisheit habe vom ersten Momente“ an den Standpunkt dargelegt, von welchem allein die richtige Lösung der aufgetauchten Fragen herbeizuführen gewesen sei.
_ Die Königin der Belgier traf heute Morgens hier ein, und Wurde von dcm Kaiser auf dem Weftbahnhofe empfan- gen. Nachmittags reiste dic Königin nach Pest weiter.
Der Minister-Präfident Fürst Adolf LluerSperg hat seinen
durch die AuSglcichSverhandlungen mit der ungarischen Regie- rung verzögerten Urlaub nunmehr angetreten und sieh zu vier- wöchentlichem Kurgebrauche nack) Karlsbad begeben. Die Ge- schäfte des Miniftcr-Präxdiums wixd inzwischen der Minister. des Inncrii, Freiherr v. asser führen. ' -- Dre Bankfrage ist, wie die „N. Fr. Presse“ miitheili, m der Weise geregelt worden, daß in Pest eine Bankdireklion mit auögedehuten Prärogaiiven geschaffen und nur die Regelung einzelner Hauptpunkte der Centraldirektion der Nationalbank gewahrt wird. Es bleibt demgemäß auch der Metallschaß im ungetheilten Befiße der Bank, welcher es über- laffen ist, nach ihrem Gutdünken mit der ungarischen Regierung ein Uebereinkommen darüber zu treffen, ob even*urll ein Theil des Metallschaßcs in Pest deponirt werden solle. Das Prinzip der einheitlichen Note, der einheitlichen Währung und der Einheit des Baarschaßes wurde somit aufrechterhalten.
. _ Der „Pol. Corr.“ wird unterm ]. aus Berlin geschrieben: Die Lebhaftigkeit, mit der man in Wiener Blättern fick) gegen die Normen wendet, welche das deutsche Reichsbank-Direk- torium für die Beleihung von Papieren erlassen hat, und in weichen allerdings die österreichischen Papiere aus "dem Geschäfts- kreise dcr „Bank gelassen find, hat hier naturgemäß große §«ilus- merksauikeit gefundeii. Es ist als vollständig unrichtig und teiidrnzios zu _bezetchnen, wenn die Richtlombardirung öster- reichischer. Papiere als eine Maßregel charakteris1rt wird, welche emxr gegen Oesterreich gerichteten Tendenz ent- spriingen ware. Die Deutsche Bank ist in ihrer Geschäftsführung zunachst der Nachfolger der bisherigen Preußischen Bank imd hat aus dem Geschäftsgebrauche dieser auch ihre Geschäftönormen cntnoxnmen. Oesterreichische Papiere find mm ebensowenig wie franzofifche, englische oder italienische als solche angesehen worden, auf welche fick) das Lombardgesckzäft der Bank zn erstrecken hat. .Es handelt fich_also um nichts Neues, Bei dieser Gelegenheit rxt auch zu'xrwahnen, daß die an den Geschäften der Bank hauptbetheiiigten Privaten mit diesen Normen nichts zu ihm: hahen. Die hiesige Börse hat übrigens im Allgemeinen einen weit beriikngterexi Charakter, und find in den leßten Tagen-nicbt, unerhebliche Poitcn österreichischer Renten und Loose zu Kapi- talsanlagen au? dem Markte genommen worden.
' __4. Mai, (W,. T. B.) Die Delegationen beider Reichsbalsten find, wre die „Politische Correspondenz“ meldet, auf den 15. d. M. nach Pest einberufen.
_Lemberg, 3. Mai. Die polnischen Blätter melden, Graf thedusdzqckt, Werde sich morgen nach Wien begeben, um in einer Audienz beim Kaiser die beabfichtigtc Niederlegung der LgndmarschaUSwürde zu motiviren. Bis zur neuen Kon- ßttutrung des Landtages werde dem Abg. Pietruski die Leitung des LandeSausschuffes anvertraut werden.
Pest, 3. Mai. Die hicfigen Blätter besprechen den abge- schlossenen LluSgleicl) in größtentheils maßvoiler Weise. „Eilenor“ bezeichnet es als großen Gewinn, daß wenigstens der qizalenden Ungewißheit ein Ende gemacht iß. „Naplo“ giebt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der ungarische Reichstag das
von der Regierung getrdffenr Ucbcreinkommen genehmigen werde. „Hon“ sagt, daß die Geschichte den Minister-Präfidenten TiSza
wegen seines Entgegenkommens nicht verurtheilen werde. Nur das Organ der Radikalen „Egyertetes“ verwirft entschieden den Aqueich.
SÖWeiz. Bern, 4. Mai. (W. T. B.) Die Kom- mission des Nationalraihs für das Fabrikgeseß hat bei der zweiten Lesung den Normalarbeiistag auf 11 Stunden fest- geseßt. _ Jn Neuenburg wurde heute unter zahlreicher Theil- nahme der Bevölkerung das Denkmal des Reformators Wil- helm Farel enthüllt.
Niederlande. Haag, 30. April, Der König und sein Bruder, Prinz Heinrich, halten fich seit einigen Tagen in Amfterdam auf. Prinz Alexander, der jüngste Sohn des Königs, ift hier von seiner Reise nach Algerien zurückgekehrt.
_ Die Erste Kammer der Generalftaaten hat den Geseß- entwurf des Minifters des Innern, Hermskerk, zur Reorgani- sation des höheren Unterrichts mit 28 gegen 4 Stimmen angenommen. Der König hat das Gesetz gestern bestätigt. _ Nach Erledigung dieser Angelegenheit hat sich die Erste Kammer bis auf Weiteres vertagt. Dagegen wird die Zweite Kammer am nächsten Dienstag ihre Thätigkeit wieder aufnehmen. _ Die Wiedereröffnung der Dampferlinie zwischen Vlissingen und England ist nunmehr auf den 15. n. M. anberaumt. Bekannt- lich folien die Dampfer jeizt nicht nach Sheerneß, sondern nach Queensborough geführt werden.
_ 1. Mai. Gestern wurde inVlissingen der 200jährige Todestag des Admirals de Ruyter, der am 29. April in einer. Seeschlacht an der fizilischen Küste fiel, festlich begangen. Ebenso fanden in allen Marineschulen entsprechende Feierlich- keiten siatt.
Großbritannien und Irland. Lando n, 3. Mai. (E. C.) Die Regierung hat gemäß einer Parlamintsiicte von 1870 es ab- gelehnt, den amerikanischen Fälscher Winsloe auZzu- liefern, nachdrm die» amerikanische Rrgierung die Zusicherung verweigert Hat, daß die Untersuchung grgen Windloe sich auf das Verbrrchcn beschränken werde, auf Miche?) Hin ]"eine Aus- lieferung verlangt Worden ist. Die anf die Streitfrage bezüg- lichr Korrespondenz wird dem amerikanischen Kongresse vor- gelegt werden und vvrauSficHtlick) die Aufhchng dss im Jahre 1842 abgeschlossenen AUslicferungsvertragcs erfolgen.
_ Die Proklamation, in welcher die Königin Victoria die Annahme des Titels „Kaiserin von Indien“ verkündigt hat, lautet wörtlich wie folgt:
„Victoria Xi. Nachdem eine Akte in der gegenwärtigen Parla-_
mentssession genehmigt worden ist, betitelt: „Cine Akte, um Ihre gnädigste Majestät zu ermächtigen, einen Zusatz drn Königlichen Titrin anzufügen, dic fich auf die Herrscherkronedes Vereinten König- rcicbs und seiner Besitzungen beziehen“, welche Akte besagt, daß es durch die Akte für die Vereinigung von Großbritannien und Irland vorgesehen war, daß nach dieser Vereinigung der Königliche Titel, welcher der Hsrrscherkrone des Vereinten König- reick)s und seiner Befitzungrn zugehört, ein solcher sem folie, wie es Se. _Majcsiä'. durcl) Se. Könirliche Prokla- mation untcr dsm großen Siegel des Vercinien Königreichs zu bestimmen geraden würde; und ivelche Akte ferner besagt, daß kraft der genxnnten Akts und einer Königlichen Prdklamaiion unter dem großsn Siegel, datirt vom 1. Januar1801, nnjer gegsnwärtiger Titel sei: „Victoria, durch Gottes Gnaden des ereinien Königreicizs von
Großbritannien und Irland Königin, Vertheidiger des (M*ubensz“ '
und welckoc Akte besagt, daß durch die Akte über die bessere Regi.- run-g Indiens verfügt ward, daß die Regierunß von Indien, _welche bis dahin mit Unserem Vertrauen der ofiindiichen Kompagnxe ziicr- riyréli w-ir, auf 11:16 übsrgehen und daß Judixn fortan von Uns und in Unserem Namen regiert werden solle, und daß es schicklich sei, da!; nun eine Anerkennung der Ux'xertragung der Regierung miitolit eines Zasaßxs an Unserem Tiici voliwgcn Werde, und wchlchc Akte, nacb drn genannten Auf äblungen, verfügi, daß (6 [ins erlaubt sein soil, mit Rücksicht an eine solche Anerkennung, wie vorhin qsfagt, drr Uebertragung drr Regierung von Indien durcb Unsere Königliche Proklamation unter dem großzsw Siegel des Vir- einten Königreichs den Tiieln„ „Welch.- grgcnwartig der errfcherkxone dcs Vereinten Königreichs Hund feinsr Befißimgew zugehoren, OML'U iolck)?n Zusnß anzufugcn, wie es Uns_als xcexgnxi 1cheim; iyaben Wir cs fü: passend erachtet, durch und mitUc *Zreimtkmmun _ rim Unserem cheiwcn Raik) zu bestimmen und zu erilarcn, und 81): thun rs ,icrdurcb: so wie es herkömmlich iii, ['ki nilen Gelegenlxeiien'und in allen Jnsirumsnt'en, worin Unsere Titel verwendi n,)ékdétI, itiit Aus- nahme 4111er Gnadenbriefe, Befehle, Paientdiiefe, Verleihungen,
* Schreiben, Bsrfügungcn und anderrr derartigen Jnstrumenie, Welsh?
in ihrer Wirkung sich nicht jensrits des Vereinten Kör-igreichH er- 1"trecken, soll den Titeln, welche chi der Hérrscherkrone dcs Vereinten Königreichs und seiner Besißungen ngeixörén, der folgrnde Zusatz gemacht Werden, daß es heiße in lateinischer Sprache in diesen Worten: „[UÜ1301mßékakkil“ und in englischer Sprache 111 diesen eriin: „1111198275 0f 111103“. Und Unser Wille und Gefailen ist ck ferner, dai; dcr genannte Zusatz in din Befehlen, Giradenbricfen, Verleihungen, Swreibcn. Verfügungen und anderen dxrarttgen Instrumenten, rvelche vorhin besonders ausgcnommrn sind, mehr angewendet w-Zrlke. Und Unser Wilic und (Hefaiien ist es ferner, daß 51110 Goid-, «iibcr- und Kupfermünzen, welcbe sicb jetzt als gejcßliche Munzen des _Ver- einten Königreichs in Umlauf befinden, und alle Gow, Silber- und Kupfermünzen, Welche „cm od;r nach diesem Tage von_ Unsrrer Bchörrc mit dLn gleichen Zeickcn geprägt Werden. urgeachtet dieses 5a- saizes an iinserm Titel als kurrente und gesetzliche Munzen des genannten Vereinten Königreichs betrachtet und angenommen w&dewsolienxupd ferner, daß alle für die Besitzungen des genannter), Vereinten Komg- rc'icijs grvräxten oder aus denielbcn stammende!) Piunzxn, weiche durck) Unicre Proklamation als karrenie und geseßltche Muazen dreier Be- sißungen erklärt find, in Betreff der Fudrizng [in_serer Titei eder emis Theiles davon, und aÜe Münzen, welcbe Water m Usbcreinstimmuna mit dieser Proklamation gepragt und ausgegeben werden,_ ungeachtet diefes Znsaszs fortfahren folien gcsrßlicbe und'kurrente Munzcn dieser Befißunacn zu sein, bis Unser Gefallen Weiteres daruber erklärey wird. Gcaeben an Unserem Hofe in Windsor am 28. Tage dcs April 1876, im 39. Jahre Unserer Regicrung.“ .
_ 4. Mai. (W. T. B.) Nachdem der Depuitrte James dem Unterhaus e die Mittheilung gemacht hatte,. daß er emen Antrag eingebracht habe, dahin gehsnd, der Regierung formeil ein Tadelsvotum für die Sprache zu ertheilen, in welcher die Proklamation über die Annahme des neuen Titels abgefgßt ift, erklärte der Premier DiEracli, er fasse die Interpellaiwn James .nicht nur als ein TadelSvotum auf, sondern als em Mißtrauensvotum. Die Beraihung derselben wurde auf
nächsten Donnerstag festgeseßt. Im weiteren Verlaufe . der Sißung erklärte Der Kanzler der „Schaßkatximer dem Deputirien Wolff gegenüber, er ha-lte eme Diskussion uber das Arrangement, betreffend die zukünftige Verwaltung des Suezkanals, fiir inopportun.
Frankreich. In den Marseiller
Paris, 3. Mai. . , Journalen wird folgender Brief des Handels-Mrnißers an den Deputirten Labadie Betreffs des Handelsvertrags
mit Italien verö entli 1: ff ck Paris, 26. April.
Herr Abgeordneter, Sie erweisen niir. die Ehre, an 'u11ch,zu ichreiben, um mich zu fragen, ob bei der jeßigen Lage der Dinge nicht eine neue Verlängerung des alten Handelövsrtxages knit Jialien nöthig werden würde.
Die italienische Regierung hatte uns in der That ersucht, daß die eingeleiteten Untcrbandlungen derartig geführt werden* möchtrn, daß ein Arrangement in der möglichst kurzen Frist 'für eim Dauer von 10 Jahren gctroffen werden könne. Aber bei dsr allgemeinen Ablauszeit der Verträge mit den anderen Mächten vom Juli 1877 ab, konnten wir darauf nicht ein- gehen, und es ist unsrerseiis stets seit dem Anfang der Verhand- lungen so verstanden worden, das; die Dauer eines gegenwärtig abge- ge1chloffenen Vertrages yich,t„r"xber den Monat Juli 1877 hinaus reichen dürfe.
In dieser Lage ist eine neue Verlängerung der früheren Konvsn- tionen unaufschiebbar und werde ich mich mit dem Herrn Minister der Außwärtigen Angelegenheiten in Einvernehmen seßen, um Schritte in diesem Sinne bei der italienischen Regierung zu thun.
Genehmigen Sie u. s. w.
Der Minister des Ackerbaus und des Handels. Tsisserenc de Bort.
_ Der „Moniteur" erklärt die Gerüchte, daß der Herzog von Aumale das Kommando des 1711. Armee-Corps aufgeben wolie, für unbegründet. Auf einen Artikel der „République Franyaise“, worin Vorlage der diplomatischen Korrespondenz über die orientalische Frage verlangt wurde, enigegnet der „Moniteur", die französiche Regierung, welche ihre reseroirte Haltung in den aUSrvärtigen Angelegenheiten festhalte, sei keines- wegs geneigt zu dieser Vorlage und eben so wenig gesonnen, öffentliche Kammerverhandlungen über die aquärtige Politik hervorzurufen.
_ Der „Köln. Ztg.“ schreibt man: „Frankreich erlebt in diesem Augenblick das Schauspiel einer vom Episkopat aus organisirten allgemeinen Sturmpetition des „katholischen“ Theiles der Bevölkerung ..... Die Vittschriften gegen Wad- dingtons Vorlage werden in den Pfarreien kolportirt und znr Unterschrift vorgelegt“ . . . .
Versailles, 4. Mai. (W. T. V.) In der heutigen Sißimg der Budgetkommiision legte drr Dcpntirtc Albert Grévi) seinen Berichi vor, in welchem verschiedene Rcdnktioncn in drm Bildgst fiir das Ministerium des Auswärtigcn Vorgescksagen wcrden. Die Kommission sprach sick) indessen fast einstimmig für die AnfrrchtcrHaltUng deffrlbcn in seiner jcizigcn Gestalt aus.
Italien. Rom, 5. Mai. (W, T. B.) Die Dcputirten- kammer beschloß, daß die Bureaus der Kammer die Baseler Konvention und den Wiener Vertrag über die oder- italienischen Eisenbahnen zuerst und gesondert von den übrigen Eisendahnkonventioncn berathen folien. Die Bureau?- sind konstituiri und haben bereits die Berathung der oder- italienischen Eisenbahnkonveniion begonnen. Der Deputirte Peruzzi sprach gcgen die Konvention. Zu Vorständen dcr BUreaus find 16 Mitglieder von der Rechten und 11 von der Linken gewählt worden.
Griechenland. Aus Anlaß der Abreise der König- lichen Familie erließ, wie der „Polit. Corr.“ aus Athen ge: schrieben wird, der KonseilS-Präfident Kumundnros ein R und- schreiben an die Präfekten der Provinzen. Dasselbe hat folgenden Wortlaut:
„Der König reist mit der Königin und den Prinzrn in einigen Tagen ins Audland. Bei seiner Abreise läßt e_r umer Land in einer ruhigen Lage, fowvhl nach innen als nach außen. Durch seine vor- sichtige und überlegte Haltung hat Griechenland in dieicn Zeiten dem äußeren Frieden und der inneren Ordnung wesentlich gedient. Dieje Haltung wurde ihm durch seine wahrhaften Interessen vorg-xschrieben. Es ist gewiß, daß es dies geltend machen und sich seiner Briiimmung würdig zeigen kann. _Jch haitc' fest daran. daß die Haltung Griechenlands und 1eiize Wichtigkeit im Orient ebenso wohiverstandsn als ernst giwmdigt worden sind. Seine Geltung und seine Rechte werden daher. anerkannt und gleichzritiq durcb Thatsasden Apterstüßi Werden, wcii doch nur die gegenscitige Anxrkxnriung durcb Rail) uud Tbat_ die freuydschaitliciyyn und harmonischen Bezichungen gedeihen und critarkrn läßt, 1ndem_71e die Bcdingungen der Gerechtigkeit, ohne welche nichts Dauerbaxteö geschaffn werden könnte, erfüÜt, Griechenland kann demnach mit Geduld die Beurthriiung seines Verhaltens irivarten, welchss 1einen Ucherzcugungcn und skincn ailgcni-einen Interessen entxprickyt. Die bistelxndcn Jr.siiiutirncn grwis'euhast achtcnd und nur fur die Wohl- fährt dss Landes besorgt, FenicÖT das Königtéxum dafür die unwandei- dar“ Liebe und Crge enheit der „ Natron. Dic aufrichtiße Beachtung der Geseße . und die Lichtung dsr gegenseitigen Rcchte können «(lein nir Gefahr sern „[**aitsn und die Ordnurg auf unerschntieriichey Grundlggcn "ck“?!“ Aus diesem Grunde reist der König _ixeute vollstandig ruhig und mit dem größten Vertrauen ab, aus die1einGrunde erwartet das Volk, der Hüter ier Jnsiituxionén und der O_rdnixng, voffxiungévdll die glückliche Rückkehr des Königs._ Di: griechi1che__Viation _wrrd abrrmais verreisen, daß fie würdig ici, zu deri PcltkliRM Nai:one_n ßezählt zu ivsrden, welchc idr Gedeihen und tim- Große durcb d1c Ordnung, dix Freißeit und die Achtung der 0)exeßc__ gefunden haben. Auf dcn Patriotismus und die LZIiSHölt dsd grieiioiicvcn Brikeß Ver- trauend, bat die Regierung die Kraft und die Adiicht, vrlistgndiz dc-r Nnhänglichkeii der Nation an dieOrdnung und Ruhe zu entwrechc-n.
. Türkei. Aus Ragusa, 4. Mai, meldet „W. T. V.“": Nach _zuverläsfigen Nachrichten aus Mont_enegro hat der Fiirß el_n Beobachtungs-Corps an der Ostgrenze aufgestxllt, weil die kriegerischen Ereignisse fich seinem Territorium genahert haben; die aus slavischcr QucUe kommende Nachricht, _daß die ganze Wehrkrast Montenegros mobil gemacht worden 1er, entbehrt der Begründung. .
_ Aus Bognien wird der „Pol. Corr._“ gemeldet:
„Sofort nach Ankunft des neuen Militar-Ober-Komman- danten in Bosnien, Redif V::li Pascha,. erging der Befehl an alle Kommandos längs drr boenisch=serbifchen Grenze,. mit tl)nn- lichster Beschleunigung provisoriickze BefesttgyngSarberten aufzu- führen. In diesem Zwecke entsendete Redtf Pascha 8 Genre- Offiziere aus seinem Stabe an dre'betreffenden' Grezizpunkte, um die Arbeiten zu leiten. Namentlich wird die Drmagrenze ftärker befestigt. Es werden da ungen_iauerte_ Forts aufge- führt. Munition und Kanonen werden in geriugcnden Quan- titäten dorthin geschafft. Redif Paschcz _außerte fich zii einem der hiefigen Konsular - Funktionare, “daß die Pforte nichts gegen Serbien zu unternehmen beabfixhttge, „wre; wohl Grund genug zur Züchtigung deffelden voriczgx“. ,Die Pforte will den Friedenöwunsir) Europas heilig (r611Z181186111Wi) achten. Werden aber die Serben unser “Grenze verleßen, _dann werden wir noch die Mittel haben, sie nicht urigestriift gewahren zu lassen.“ Redif Pascha entwickelt'große Tixat'igkeit urid orgri- nifirt die Territorialarmee, welche in vier Divisionen eingetheilt wird. Er läßt die alten Jeßungen ausbessern und ]eden_ m strategischer Beziehung wichtigen Pimkt besaßen 'Uiid armirxn. Wie es heißt, beabsichtigt die Regierung des Vilaxetzs; Schrttie zu thun, damit der Bischof von Tjakdvar, dessen Dwuzese wrtt nach Bodnien reicht, für die Beriihtgung der Gemutherß "? katholischen Theile Booniens seinen Einfluß geltend machen moge,
Amerika. New-York, 3. Mai. Die amerikaniichen Blätter bringen den Bortlaut der kurzen Botschaft, m welcizer der Präßdent Grant von seinem Veto gegen die Herabsetzung
griechischen
des Präsidentengehaltes auf 25,000 DoU.Gebrauch macht. Der Präsident sagt, wenn er der betreffenden Bil] seine Zustim- mung verwsigere, so könne man ihn nicht beschuldigen, daß er sein eigencs Interesse im Auge habe, da die Maßregel ihn nicht mehr angehe. Aber er wiffe aus Erfahrung, daß ein Gehalt von 25,000 Doll. nicht hinreiche, um die AUSgaben der Präsidentschaft zu bestrei- ten. Das Gehalt sei zu einer Zeit auf 25,000 DolL. festgeseßt ivorden, als die Vereinigten Staaten arm waren und kaum 3 Millionen Einwohner hatten, während fie jeßt vierzig Mil- lionen zählen Und gleichzeitig der Wohlstand wie die Kosten der Lebensbedürfniffe zugenommen hätten. Der Präsident erinnert daran, daß damals auch die Kongreßmitglieder nur 6 Doll. für den Tag erhielten, während sie jeßt, die Session zu 5 Monaten gereckgnet, täglick) mehr als 30 Do[[. bekommen.
_ Der „W.-Z.“ zugegangenen Nachrichten aus San FranciSco vom Anfang U. M. melden: „Die Einwande- rung der Chinesen strömt stärker ww je. Laut den Be- richien amerikanischer Zeitungen find alle von China Uach Ka- lifornirn fahrrnden Dampfer auf Monate hinaus beseßi und überdies find Segelschiffe ohne Zahl mit chinesischen Arbeitern nn1erwegs. Schon lange ist den Weißen die Konkurrenz, Welche ihnen der bedürfnißlose, industriel], wie kommerziell äußerst de- fähigic Chinese macht, lästig. Seit dem Jahrs 1853, wo das Vedürfniß maffenhafter Arbeitskräfte zuerst das afiatischeE-[ement ins Land rief, haben sich die Cliinesen in Kalifornien, und wenn auch in geringerein Maße, in einigen anderen westlichen Staaken, angssiedelt. Vor drei Jahren, als Verfasser dieses die Vereinigten Staaten besuchte, fand man fie schon in St. Limis, und in Denver am Fuße des Jelsengebirges gab es schon ein „Chinesenviertel.“ Ja, im Staate Massachusetts b«schäftigte eine große Schuhfabrik Tausende von chinesischen Arbeitern, welche fie fich hatte kommen lassen, um den steigenden Lohnforderungen der weißen Arbeiter zu entgehen, Bis zum 1. Januar 1874 waren in den Vereinigten Staaten 150,000 Chinesen angrkom- men. Aus dem chinesischen Arbeiter wurde ein Kaufmann, Handwerker, Fabrikant, ganze Geschäftszweige, wie z. B. der Holzhandel, kamen mehr und mehr in die Hand drr Chi- nesen. Dabei war die Einwanderung krinr freie, selbst- ständige. In San Franciöco bestrhcn sechs chinefische Compagnien, in dcren Schuß und - Boimäßigkcit sich die chinefischen Einwandercr unter Geidbimg des strengsten Ge- horsams sckwn in dem Einschiffungsdafcn steiieii.“
Eine San FranciSco-Zeimng sagt: „Während sich unsere un- gleich aufgeklärteren Arbeiter gelegsiitlick) eines ,Strikcs“ damit begnügen, durch Ueberredung und Drohung Anderevdn der Arbeit abzuhalten, stehen den chinefischenOrganisationeniii solchenJäilen vicl wirksamere Mittel ziir Verfügung. Da wird ganz einfach ein Preis von 300 Doi]. auf den Kopf Desjenigeir ausge- schrieben. d.r fich der „GesellsHaftsordnung“ nicht fiigt; da wird ein Mörder gedungen, um die Widerspenstigen, die fick) einen Funken individueller Freiheit bewahrt haben. ans der Welt zu schaffen.“ Hiergegen, als gegen eine nene Form der durch die Vrrcinigten Staaien-Viriaffang verbotenen Sklaverei richtet fick) die Agitation der Preffe, dcr Meetings, aber bis jryt vergeblich. „Wir dürfenuns,“ so hrißtes, „nicht einschläfern [affenund müssen mm erst recht mit voilem Nachdruck vorgrhen. Die Aufgade ist, die Macht der Compagnien auf die hier lsdenden Chinesen zu brechen. Täglich kann man sui) vor unseren Gerichten Üder- zeugen, daß kein Chinese Zeugnis; abznleqen oder auch nur fich zu beschweren wagt. GTÜEÜUW Tribunai“ Iedrohen ihn, in deren Hand sein Leben ist. Der täglick) frecyr auf offener Straße auftretende Mord ist wahrlich Beweis genug für dicse Zustände. Wir müssen dahin wirken, daß diese verbrecherischen Compagnien, die offen gigen die Geseße unseres Staates gékickitét find, fich aiifiösen, daß sie auf jede Kontrole der hier lebenden Arbeiter Verzichten. Jede Organisation ziim Vcrdrcchen ist ein Verbrechen, und man sollte die Verbrecher mit den Knöpfen auf den Müßen ins Zuchthaus schicken. Macht dem chinesischen Arbeiter frei, nöthigt ihn, aus seinem Ghetto in Chinatown herauszutreien, trennt ihn von der Wilikür der Compagnien imd_i[ir geht ihm die Möglichkeit, ein Mensch zu wxrden. Jrßr miiß der Farmer seinen Arbeiter bei den Compagnien bestellen u11djeder,Gangé, der ankommt, ist schon von seinem Sklavcnvogt begleitet. Alia dsn Compagnien gegeniiber seße man mit aiiem Nackzdruxk den Hebel an und die Chinesencinwanderung mird da[d auflwrxn.“
Am 3. und 5 April fanden in San FranciSco Maneir- versammlimgen statt, über welche den „H. N.“ Folgendes be- richtet wird: „San Francisco, 4. April. Leiste Nacht" wurde eine stürmische Linti-Chiiiesenvcrsammlung in Snchqn Francisco gehalten. Einer der Redner behaiiptete, cs erimre i_n hiesiger Stadt eine zwanzigiausend Menschen starke Organi- fation, die fick; alle verpflichteten, im Falle das Clzirirsen- übel durck) gesetzliche Mimi nicht anSgerotict wcrden konne, das Geseß in die eigene Hand zu nehmen rind dgs Uebel mit Feuer und Schwert auSzurotten, Die chmefis_chcn Compagnien haben heute dem_ Superrevisdrrnkoliegmm eine Mittheilung überreicht, in der 112 Schu13_ tur L_rben und Eigmthum verlangen. Dieseii Schuß zu gewahren iind aUe, bis auf wenige gewisse unbandige Klassen der Bevolkcrimg, bereit. Die große Muffe der Bevölkerung verdammt aiie Ge- waltmaßregeln.“ ' .
San FranciSco, 6. April. „Die gestern Abend in Unwn Hal] und vor dem Gebäude abge'.*altcne Veriammlung xvarkdon wenigstens 10,000 Personen besucht. Gouverneur erm fugrie den Vorfiß. Es wurden Beschliiffe angenommen, Welche die aus der Einwanderung der Chiiiescn enrstandetien Nach- thcile auöeinanderscßen und erktarct), daß die einzige Abhülfe in einer Appeilation an die Macht dor Rexite- rung, Verträge abzuschließen, besteizc. Eine Delegation soll zu diesem Zwecke nach Washington _grhen. Eine Menge Redner sprach zu GunsteL emer gemaizigtrn H„and- lungSroeise und za Gunsten des Schußes der bereits einge- wanderten Chinesen gegen irgend welche Gewalttvaten. Vor- bereitungen zur Unterdrückuiig udn _Unruhen „filid gctroffen wor- den; das Chinesenviertel ist mit'cmeiii Poitzerrordon umgcb'en, und die Führer der Söhne des himmitsckzen Reiches_ haben dte_se ersucht, in ihre Wohnungen zu bleiben. Auch ne haben 111 Voraussicht etwaiger Unruhen fick) bewaffnet“.
Ueber New-York eingetroffenen Nachrichten zufolge _hat auch in Britisch Columbia jeßt eine Agitation gegen ch1ne- fische Einwanderung begonnen.
Statlßisthe WW.
Nack) Mittheilung des statistischen B"1"ireaus_ der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standeöamtern m der Wrede vom 23. April bis inki. 20. April cr. zur Anmeldung gekom- men: 314 Ebejivließungen, 827 Lebendzrkorene, 39 Todigeborene, 492 Sterbefäüe.