1876 / 110 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 09 May 1876 18:00:01 GMT) scan diff

böchßeus eine Summe von 3,500,000 «FE aufgewendet werk-en. !

(Ark 2) Weiter kommen in Verwendrmgx“: 3, für Verbeffer'ungxn und Erweiterungen an älteren Bahnlinien 1.316,000 «45; b) fur den Vollzug des Babnpolizeiregiemrnts für die Eisenbahnen Deutschlands auf diesseitigen Linien 178.940 „45 Im Ganzen sonen im Jahr 1876/77 15 Millionen Mark zu Eisendahnanlagen außgegeben werden. (Art. 4) Per Mi- nister von Mittnacht maäzte bei der Debatte uber den Stand der bezüglickzen V-zrhandlungen mit Bayern wegen der Eisenbahnanschlüffe folgeudr Mittheilungen: Die von ihm in diesem Hause am 4. Juni 1875 erwähnten vorläufigen 'und un- verbindlichen Besprechungen haben in München ftattgehabt, und das Ergebnis; herbeigeführt, daß zwar nicht eine Uebereinkunft, abcr *eéne Uebereinstimmung dafür erzielt wurde, daß, wenn eine Verbindung zwisthen Memmingen, Leutkirch und Hergaß 'zu Stande komme, dann die Strecke Kißlegg-Wangen ein Glied diescr Vrrbindnng werde; freilich nicht als Sekundärbahn, srm- dern als Normalbahn, die fiir einen größeren Verkehr enzgerick]: "Let sein muß. Mit einer Sekundärbahn wäre Bayern nicht ge- dient. Seither sind die Verhandlungen mit Bayern nicht weiter ae; “rückt. Von württembergischer Seite wurden im November 1870 detaillirre und bestimmte Vorschläge an Bayern übergebxn uber *Eisenbahnanschlüffe in Memmingen, Hergaß und Wiirzburg; auck) seien Vorschläge iiber Herfiellung der Bodensee-Gurtelvahn “und iiberriue mögliche Abzweigung von Memmingen nach Ochsrn- hausen nicht auß-sr Ackzt _qelaffen morden. Darauf steht eme sachliche Antwort der bayerischen Regierung noch, aus, "aber es ist Aus-ßcht vorhanden, die Verhandlungen zu emem giinstigen Abschku'ß zu bringen. Der Minister Zieht der Hoffnung Aus- druck, daß es in einer nicht fernen Zeit gelingen werde, eine Ueberc-inkunft, und sei es auch nur wegen des wichtigsten Therls der vorliegenden Anschlüsse, zu Stande zu bringen; eine theil- weise Lösung dürfe man auch acceptiren, vorauSgesth, d._1ß “d'en übrigen von uns betriebenen Anschlüssen nicht präjudrcirt werde. Etwas weiteres über den Stand der Unterband- lungen mitzutheilcn, sei der Minister heute nicht in der Lage.

Die Kammer hat gestern die Art. 1 und 2 und heute die "Art. 3 und 4 berathen und angenommen, und schließlich der ganzen Vorlage mit aUen anggebenen Stimmen ihre Zußim- mung errheilt. Endlich Wurde der Kommisfionöantrag: „Die Petition des württembergischen Comitéz's für Erftrebung der “Gürtelbabnam Bodensee, den baldigen Bau dieser Bahn betr., dcr Regierung zur Berücksichtigung bei den "gen Eisenbahnbauten am Bodensee zu übergeben“, nach einer Be- fürwortung durch Maier (Tettnang) ohne Debatte angenommen.

Baden. Karxsruhe, 7. Mai. Der von dem Abg. Kiefer, dem Führer der national-liberalen Partei Badens er- stattete Kommisßonsbericht über den Gesetzentwurf, der die obligatorische Einführung der konfessionslosen Volksschule betrifft, stimmt den Grundsäßen, die dem Ent- wurf zu Grunde liegen, durchaus zu. Nack; Erörterung der versckziedanen Standpunkte in dieser Frage gelangt der Bericht nach der „A. Z.“ schließlich zu folgenden Grund- säßen: 1) Der Religionsunterricht sol] ein obligatorischer Unterrichtsgegenßand bieiben und nach Maßgabe der Lehrkräfte jeder Konfession für fich ertheilt Werden. Gegenüber der Anforderung den Eltern das Recht zu geben, ihre Kinder von dem Religionsirnterricht zu enibinden, -verhä[t

ßck] die Kommission ablehnend. 2) Die Aufnahme des Religions- unterrickzts in den Lehrplan kann der Schule keinen konfessionellen

Charakter verleihen. Die “staatliche Schule soll ihrem Wesen und Zwecke nach, der Natur des Staates und der Gemeinde entsprechend, eine paritätische Anstalt sein. 3) Unbeséyadet der einheitlichrn Leitung dcr Schule durch die Staatsbehörden soll die Ucberwachung und Besoldung des Religions- unterrichts durch die Kirche für ihre Angehörigen stattfinden. 4) Die Verivondung des Lehrers dei Ertheilung des Religionsunterrickzts als Hülfskraft soU nur unter der Vorausscßung eintreten, daß dieKirchenregierung ihm die kirch- liche Zulassung ertheilt. Endkich hofft die Kommission, daß mit Einführung des ßaatlichen Charakters der Parität der Volks- schule der Geist der Duldsamkeit schon in friiher Jugendzeit tiefer eingepflanzt, Gemeinde und Staat eine Summe überflüs- figer Uquaben erspart und eiii ungerechtferiigter Verbrauch des Lehrpersonals vermieden werde.

_ In der gestrigen Sißung der Zweiten Kammer rief die von der Regierung vorgeschlagene Beßimmung uber das Schulgeseß, welche den Gemeinden die Befug- niß einräumt, in gewissen Fäüen konfessionelle Lehrer der Be- kenntniß-Minderheit anzustellen, eine lebhafte Debatte hervor. Obgleich Minister 30111) erklärte, daß das Zustandekommen des Gescßes von der Annahme des Regierungsvorichlags abhänge, wiirde dnislbe do::b abgelehnt, und der KommisfionSantrag mit 1111211 „gegen 11 Stimmen, angenommen, welcher jene Be- *fu_gniß aquckzließt. Die Ultramontanen siimmten für den Re- gierungsentwurf. Das gleiche Schicksal hatte die Bestimmung nder die sogsnanmen Klosterschulen; auch hier wurde der Kom- mtsfionserUrag _ Auflösung derselben binnen einem Jahr _ gegen die Stimmrn der Ultramontanen und der beiden Minister Jolly und Turbam angenommen.

Mecklenburg-Säjwerin. Schwerin, 7. Mai. Die Fetwng der Vernvaitimg des Vermögens des Kirchen- tondzz („zur Ablösimg “der Stolgebühren) ist dem Ministerium, Abthxilmig für geéßliche Angelegenheiten, Übertragen worden. Beiarütltch gingen ursprüxxglich die landesherrlichen Intentionen dahin, die Vorwalnmg dem Ober-Kirchenrath zu überweisen, wogegrn aber die Stände opponirien.

Heffen. Darmstadt, 7. Mai. Die gesammten Berichte Des Finanz-qu-sckzusfes der „Zweiten Kammer über das Budget und die neuen Sreuergesese sind, dem „Frkf.J.“ zufolge, dem Finanz Ausschuss: der Erßm Kammer mitgetheilt, worarif dann in der Kürze die in der Verfassung vorgeschriebene gemeinschafrlicbe SiYung der beiden Aussckxüsse stattfinden wird. Rach diesem Stand der S.1che dürfte jedenfalls noch in diesem Yonate die Berathung im Plenum der Zweiten Kammer beginnen

nnen,

Oldenburg. Oldenburg, 6. Mai. Der am 4. d. M. unter dem AlterSpräfidium des Aögwrdneten Ahlhorn zusammen- getretene Landtag des Großherz.1gchums gestern nach Be- eerdtgung der Wahlprüfungen vom“ Stams-Minister 17. Berg smt folgerrder Rede eröffnet worden.“

„Meine Y_errxn! Se. Königliche Hoheit der Großherzog baden mich Hochiiheauftragt, Sie frermdiithß willkommen zu heißen und _Ithe. Verhandlungen zu eröffnen, Die Griinde, welche Se. Kontgltche Hoheit bestimmten, den 18. Landtag auf- zulösen Und Neuwahlen anzuzrdnen, smd „Ihnen, meine Herren, bekannt. Die Staatsregierung häa dafür, daß das, was den Konflikt mxt dem 18. Landtage

veranlaßt hat, als der. Vergangenheit angehörend, in den Hintergrund treten muß, und werden, Wenn das ge- schieht, Verständigungen- unschwer zu erreichen,. weitere bedauer- liche Folgen zu vermeiden sein, zumal die SLaaiSregierung von dem lebhaften Wunsäze beseelt ift, soweit _das ihr irgend, ver- antwortlich erscheint, die Hand zu Vermritelungezr zu bieten. Ihre Haupiaufgabe, meine Herren, wird die sein, nur der Staats.- regierung die GehaltSregulative für die technischen Beamten, die Lehrer der höhern Lehranstalten und die Zoll: und Steuerbearnien zu vereinbaren. Aus der Vorlage, die noch heute m Ihre Hande gelangen wird, werden Sie ersehen, wie ern| der_Wunsch der SiaatSregierung ist, den Boden für eine Verßandigung 'zu ebnen, und hofft sie, daß die Zukunftergeben werde, daß fiemcht u weit von der dem 18. Landtage gemachien Vorlage abgegangen ist, daß auch mit den ermäßigten Anforderungen der Zweck, Sicherung tüchtiger Kräfte für die Verwaltung und höheren Lehranstalten, erreicht werde. Außer der Regulativvorlage, wrrd Ihnen, meine Herren, die StaatSregierung nur noch eine Vor- lage, die Einführung einer zweiten Prüfung der Volksschullehrer betreffend, zugehen lassen. Im Auftrage Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs erkläre ich den Landtag des Großherzogthums für eröffnet.“ _

Hierauf schritt der Landtag zur Präsidentenwahl und Kon- ßituirnng des Bureaus. Es wurden gewählt: der Abg. Ahl- horn zum Präsidenten, der Abg. Propping zum Vize-Präfidenten und die Abgg. Brörmann, Drost und Mcistermann zu Schrift- führern.

Oesterreich-Ungarn. W ien, 8. Mai. (W. T. B.) Der Kaiser hat der „Wiener Zeitung“ zufolge genehmigt, daß gemäß den [eßtwilligen Anordnungen des Hrrzogs von Modena, deffen Erbe, der Erzherzog Franz Ferdinand, den Namen und das Wappen der Familie Efie mit seinem eigenen Namen und Wappen vereinige.

_ Der „Neuen freien Presse“ wird aus Ragusa gemeldet, daßden im. Ragusaner Bezirke befindlichen 12,000 Flüchtling en aus der Herzegowina die täglichen Unterßühungen von der Regierung entzogen worden seien.

_ 9. Mai. (W. T. B.) Graf Andrassl) ist heute Nachmittag 13/4 Uhr nach Berlin abgereiß.

Prag, 7. Mai. Im Garten des Grafen Clam-Gaüas in Koschirsch bci Prag fand gestern zwischen dem Fürsten Wilhelm Aueréperg und dem Grafen Kolowrat ein Pistolenduell ßatt. Vier Schüsse wurden gewechselt. Der Fürst wurde im Unterleib schwer verwundet und Abends mit den Sterbesakra- menten versehen.

Pest, 8. Mai. - In der vorgeßrigen Konferenz der libe- ralen Partei gab der Ministcr-Präfident TiSza detaiÜirte Aufklärungen über das Ergebnis,“ der in Wien stattgefirädénen AUEgleichsverhandlungen und knüpftc daran das Ersuchen, die Partei möge offen und unverhohlen ihre Meinung über die einzelnen Punkte dé's getroffenen Uebereinkommens aussprechen. Bezüglich des Zolltarifs mache er kein Geheimniß daraus, daß dadurch eine Vertheuerung einzelner Waaren, speziell für die ungarischen Kopfumeizten eintrete, Wofür in drn gemein- samen Zolxeinnahmenx kein Aequivalent eichaffen wurde. Dagegen Zei von österreichischer Seite 3 gestanden, daß der 3011 auf Mehl, Thiere, Fett und andere thierische Produkte, sowie auf Wein erhöht wurde; endlich werde der Getreide- 3011, der bisher nur gegen Rußland bestes», auf die ganze Grenze ausgedehnt. Was die Steuerrestitution betrifft, sei hier von österreichischer Seite nicht nur das Prinzip anerkannt, sondern auch bezüglich der Entschädigung ein für Ungarn gün- stiger Schlüssel acceptirt worden. Hinsichtlich der Verzehrungs- steuer hätte das Ministerium gewünscht, daß Ungarrr für die Nachiheile, die ihm daraus erwachsen, eine Entschädigung erhalte. Die österreichische Regierung habe dies jedoch für unmöglich er- klärt. Dagegen wurde eine ganze Reihe von Finanzzöüen und ZoUerhöhungen auf Konsumartikel, die vom Auslande im- portirt werden, angenommen, welche ZoÜerhöhungen Un- garn 15 bis 20 Proz. einbringen. Ans diesem Titel und aus der Steuerreßiiuiion werde fich Ungarns Bilanz um 4 bis 41,52 Millionen bessern. Außer diesen Fragen sei auch die Bankfrage besprochen und ein Uebereinkommen erzielt worden. Ungarn have zwar ein unbestreitbares Recht auf eine vollkommen unabhängige Lösung der Bankfrage, nämlich ßch selbständig eine Bkmk zu errichten. Es liege aber im Interesse des Staats: wie in jenem des Privatkreditcs der Handel: und Gewerbetreibenden und des Grundbefißes, daß eine selbständige ungarische Bank errichtet Werde, deren Noten kein Disagio gegen Staats- und Banknoten er- leiden. Es sei deshalb nur das bekannte Kompromiß übrig gcblicben. Ein entspreérzender Theil des Baarschaßes der Bank werde in Pest untergebracht werden. Bezüglich der Quoten- f rage féieil beide Regierungen übereinkommcn, wenn diese An- gelegenheit zur Verhandlung komme, fiir das Festhalten an dem befkehenden Quotenverhältniffe einzuftchen. Dies seien die Grundzüge desjenigen Uusizleiches, welcher unter den obwal- tenden Untßänden möglich gewesen. An die unga- rische Regierung sei die Frage Herangetreten, ob fie das Erreich- bare zurückweisen und das Land aUenhieraus entßehenden Kon- sequenzen ausseßen oder den Auggleich acceptiren und vor dem Parlamente vertreten wolle. Die Regierung habe sich im Interesse Ungarns und aus Rücksicht auf die europäische Lage für das Leßtere entschloffen. _ An diese Erklärung, welche beifäüig auf- genommm wurde, knüpfte fich eine längere Diskussion, worauf der Veschkuß gefaßt wurde, erst morgen oder übermorgen über das Meritum der vom Minister-Präfidenten ertheilten Aufschlüffe zii verhandeln, damit leßterer am Donnerstag im Hause auf die emgebrackgtkn Interpellationen erwidern könne.

. Schweiz. Bern, 8. Mai. (W TV.) Die schweize- rische, altkatholifche Naiionalsqnode ist auf den 7. Juni cr. nach Olten einberufen worden. _ Feldmarschall Graf Moltke is: geüern in Lugano eingetroffen.

' St. (Hallen, 8. Mai. (W. T. B.) Bei den gcstern hier stattgebabten W al) [ cn zum Großen Rath warden 98 Liberale und 63 KdnserVative gewählt.

_ Die „Schweiz. Hand. Ztg.“ vordffentlicht ein Verzeicbniß der ihr tm Monate April 1876 bekannt gewordenen Ge- schenke u'nd Vermächtnisse zu gemeinnützigen Zwecken in der Schwetz. Dqffslbe weist eine Summe von 213,756 Fr. aus, welche, Uitt den in den Monaten Januar bis März 1876 ver- onentlicHten Vergabungen im Betrage Von 851,61] Fr„ fiir die FTU; mer Monats d. Z. die Gesammtsummc von 1,065,367 Fr. 1 9.

Großbritannien nnd_Irland. London, 7. Mai. Zn drr geitrigrn 11nterha1161i13 ung thrilic cmchfragen von

“ir H. D. Wolff der Unicrstaatsiekretär für auswärtige Ange: 1

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legenheiten, Bourke, mit, daß das Gerücht, die_Regierung der Vereinigten Staaten habe den auf die "gegenseitige Außlre'fe- rung von Verbrechern bezüglichen 10. Artikel des Washing- toner Vertrages von 1842 gekündigt, der Begründung entbehre.

_ In einer Besprechung der Unterhaus-Debatten über die centralasiatische Frage irimmt die „Times“ mit der An- sicht des errn DiSraeli überein, keine Aufsehen erregende Be- sorgniß ü er die Forischriite Rußlands in Asien zu bekunden. Wir, fügt das Cityblatt hinzu, möchten es wissen lassen, daß wir nicht eifersüchtig find auf das russische Vordringen in Cen- tralafien; wir erkennen in demselben die nothwendigen Bewegun- gen einer durch die Nachbarschaft destzrganißrter Stämme beun- ruhigten civilisirten Macht, und wir erblicken in diesen Bewe- gungen keinen Anlaß für eine Gefahr für uns selber, weil wir wissen, daß wir unser Befitzthum behaupten können, im Falle

„irgend eine unerwartete Eventualität es nöthig machen soUte,

daffelbe zu beschüßen.

Frankreich. Paris, 7. Mai. Der Marschall Mao Mahon, der zum Feste der Jeanne d'Arc nach Orleans gereiß ist, wurde dort feierlich empfangen. Der Maire_ hielt eine An- sprache, auf welche der Marschall eine Antwort ertheilte, welche mit Ansaahme der Klerikalen allgemein befriedigte. Die Feste in Orleans smd sehr besucht und dauern noch bis Ende der Woche.

_ Die beiden, von der öffentlichen Meinung mit großer Anerkennung begrüßten Erlasse des Ministers Ricard an die Präfekten, die“ bereits gestern von uns erwähnt wurden, bilden noch immer den Stoff zu Betrachtungen fiir die Blätter. Das „Iournak officiel“ bringt jeßt den Erlaß über die allgemeine Politik. Derselbe lautet:

Paris, den 6, Mai 1876.

Herr räfeki! Die von der Naiionalverfammlung beschloffene, von den ählern ratifizirte und mit so viel Loyalität und Patrio- tiSmns von dem Marschaa Mac Mahon, Präsidenten der Republik, in Anwendung gebrachte Verfassung würde zu jeder anderen Zeit ge- nügt haben, um der neu aufgerichteten Verwaltung ihren wahren Charakter zurückzugeben, aber die diesen Ereignissen vorhergegangenen Umstände, deren Wirkung nieht in einem Tage aufhören konnte, ver- langen mehr. Seit einigen Jahren konnten die zur Führunz dcr Geschäiie des Landes bestellten Männer glauben, daß, da das poli- tische Regiment kein bestimmtes war, sie, obne gegen ihre Pflichken zu handeln. ihre persönlichen Meinungen offen bewahren und für deren Erfolg vorbereiten konnten. Daraus ent- sprangen Zweideutigkeiten und Widersprüche, Welche das öffent- liche Gefühl irre gelcitci und verletzt haben. Es ist daher nothwendig, den für die Regierung beleidigenden Zweifeln ein Ziel zu issen, das Mißtrauen zu verscheucben, welches die Vergangen- heit rechtfertigen konnte, um in dem Geiste der Parteien Hoffnungen zu vernichten, die in Zukunft aufrührisch sein würden. sthalb müssen Sie, wenn Sie es noch nicht gethan haben, deutlich erklären, wer Sie sind. Sie sind der Vertreter der Republik in Ihrem De- partement; Sie sind dazu berufen, an einem Werke der Versöhnung und der Beruhigung mitzuarbeiten, welches Sie mit uuveränderlicber Beständigkeit auf dem Verwaltungsboden verfolgen werden, das sich aber auf dem politischen Boden keiner Zweideutigkeit und keimt Nach- giebigkeit schuldig machen darf. Das konstitutioneue Regiment hat seine eigenen Regeln, denen Sie in einer anderen Jdeenordnung Ihr Auftreten_ anpassen müssen. Die Ihrem qemeinschaftlicbea Werk_e 1o nothwendige Eipiracht dcr orxxanisi:ten Gewalten erbei1cht m_ ihren Beziehungen geaeu1eitige Nachgiebig- keit und _ Rucksichten. Sie werden diese Verbindlichkeit in JhrenBezichungen mit den gewählten, neben Ihnen wirkenden Räthen nicbt vergessen. Selbst in den Regionen, in dir Sie gestrat find, glaubt man fick) in Folge VM Meinungsverschirdenbettxn zuweilrn er- mächtigt, gegen die Pflichten u handeln, welche man dcn Erwählien des Landes gegenüber bat. .).-ies ist ein Unrecht, und dieses Unrecht wird erschwert Wegen Ihrer Verantwvrtlirbkeit, Weil es fast immer Schwierißkciteu in der intung der Geschäfte vcrursacht. Ohne writer diese Pflixhten der Höflichkeit zu betonen, Welche unsere demokra- tischen Sitten allem so natürlich machen würden, besteht das Mixtel, mit den beratbenden Körperschaften die geeigneten Beziehungen aufrecht zu erhalten. „dezrin, die Amisbefugniffs eines Jsden gewissen- haft zu achten. Diese Pflicht Ur und wird für uns in dem Maße, daß wir a_uf dem liberalen Wege vorwärtsfcbreiteu, zugleich dringlicher und 1chwerer; denn es erheiicbt Seitens der Regie- rung und der Verwaltung eine Art von Uainteressirilyeit und zu- gxeich cine aufmerkiame Wachsamkeit. Die den lokalen Räthen zu- ruckgcgcbencn Freiheitcn find gewissermaßrn der Gesammiheit der Amtsbefugnisse der Verwaltung entnommen. Wir müssen dem ande die Zurücknahme seiner eigenen Geschäfte erleichtern, und zugleich darüber wachen, urzr der Centralgewalt don Antbril daran 11 be- Wabren, welchen znruckzuhalien für das Wohl des Staates wichtig ist. Die Neigung zu Uxbxrgrisffsn ist natürlich in den konstituirten KörPCr- schaften, die erst 1e1t gxtern emanzipirt find. Ihre Pflicht ist, der- ißlbcn zu widerstehen, indem Sie sich jedoch jener eifersüchtigen (He- fuhle erwehren, welche die Streitigkeiten hervorrufen und verschlim- mern. Auf diese Weise wird die Verwaltung, welche eine zu große Last_ablegk, dazu beitragexi, den Senat umzugestaltcn, ohne ihn zu schwachen. Sie war seit Jahrhunderten eine der großen Kräfte des Landes und wird es bleiben; aber diese Kraft muß, indem sie sich einem neurn Gebrauche fügt, die Nation daran gewöhnen,_ sich ohne Gefahr für ihr Wohlergehen und ihre Marht' der von ihr erlangtxn Freiheiten zu bedienen. Sie sind der naturliche Vermittler zwi1chen den Bürgern und der Centralgewalt. Die Pflicht des Wohlwollens und der Unparteilichkeit, welche diese Rechte Ihnen auferlegt, wird leichter sein, wrnn sie in Vetrachtzicden, daß die Republik jede Partei-Jdee aus der Regierung ausschließt. Sie, „Herr Präfekt, Sie werden eine Regierung vertreten, welche nicht die einer beyonkcm Klasse vor; Burgcrn, noch die einer Sekte ist; deßhalb ift auch nicht zu befurcbien, daß der Parieigrist Jhr Auf- treten_den Männern gegenüber leitet oder Ihre Beschlüsse betreff-I- der Gescbafte diktirt. Wie in der Ausübung der Volimaehteu, die Ihnen zur CrfüÜung Ihrer Misfion der Ordnun und sozialen Sicherheit angehören, Sie keinen Vorwand suchen en, um persönliche Rechte leichtsinnig _zu opfern, eben so g_ebetligt müssen Ihnen die Rechte der SchWachen win. Die_Republtk wrrd die Dankbarkeit des Lundes nur unter der_Bedingung verdienetz, unserxr Spaltungen ein Zirl zu seßen; die großen, jeden Trg in einer fleißigen Bevölkerung entstehenden Inter- esserr zu veriheidigen; endnch es zu Stande zu bringen, daß das be- ruhigte, ohne Zwang bcschxißte Frankreich des den freien Nalionen vorbehaltenen Girrckes genießt; welches darin besteht, zu fühlen, daß mczn lebt, und eme_n rechtwaßigen Stolz auf sich selbst zu besitzen. Sze smd, Herr Prafekt, exnes. der Werkzeuge dieses großen Werkes. Die Regierung rechner qu] Sie,. daß Sie Ihrem Departement die Wohlthgten unseres txt 1emer Einfachheit so edlen Regierungswcsens h_emerklicb uiachrn. Sie sind für einen großen Theil verantwortzich, fur dqs Schrckxal der von Ihnen verWalteteu Bevölkerung, und wenn ich mtr den Erfolg vergegenwärti e, den ich von Ihren und Ihrer Koücgerx Anstrengungen erwarte, ?o glaube ich behaupten zu können, d_aß wie Ihr Verhalten, so auch das Urtbeil sein wird, welches die beobachtenden Nationen über die Republik fällen werden.

Genehmigen Sic rc. ' Der Minister des Innern A. Ricard.

. _ Die nächstenParlamentswahlenin Corsica scheinen nicht zu Gunsten Rouhers und seiner Freunde in Chislehurst aus- fallen zu wollen. Lthere wagen nicht, die Kandidatur Ubbatucci's oder irgend eines anderen klerikalen Bonapartißen gegen die des Prinzen Napoleon aufzustellen aus Furcht, memt die „Indép." dem Einfluß des Kaiserlichen Prinzen Abbruch zu thun. Durcé diese Spaltungen ermuthigt, werden die Republikaner einen ihrer

Parteigenossen, Hrn. Ceccaldi, als Kandidaten aufstellen. Der Brief Rouhers, welcher sein Stillschweigen in der Kammer bei Gelegenheit der AnnuUirung seiner Wahl erklären soll, wird jth veröffentlicht. Er erklärt zwar, er habe aus Achtung für. den Sohn Napoleons 111. geschwiegen, um ihn nicht in die De- batte vor einer feindlich gesinnten Majorität zu ziehen. Jene AnnuUirung aber hat ihm selbft Verlegenheiten erspart, da er in Ajaccio und in Riom zu leich versprochen hatte, die Ver- !retung dieser Orte zu überne men. ?,

Spanien. Madrid, 8. Mai. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Kongres ses bekämpfte der Finanz- Minifter Salaverria ein von dem Teputirten Cadenas ein- gebrachtes Amendement, dahin gehend, den Termin für die Tilgung der schwebenden Schuld hinauszuschieben. Der Minißer führte aus, daß eine solche Maßregel von sehr ungün- ßiger Einwirkung sein würde. Der Minister bemerkte sodann, daß es unthunlich sei, dieZoll- und Tabaköregie in Privat-

entreprise zu geben.

Italien. Rom, 5. Mai. (Ital. Nachr.) Der König hat den Kronprinzen von Dänemark zum Ritier dcs Annunziatcn- Ordens ernannt.

_ Die „Gazzetta uffiziale“ macht bekannt, daß der Minister des Innern in Berücksichtigung der traurigen Lage, in welcher fick; die italienische Kolonie in Rio de Janeiro in Folge dcs in ihr haufenden gelben Fiebers befindet, dem dortigen Nationalkonsulate 10,000 Lire Gold zur Uiiterßüßung hülfs- bedürftiger Landsleute zugeschickt hat.

_ Die diesseitigen Gesandten in Buenos Ayres und am Hofe von Kopenhagen Marchese Spinola und Come della Croce find 11011 Sr. Majestät in Abschiedsaudienz empfangen worden und werden bald nach ihren Beßimmungspläßen abreisen.

_ Sir Salar Yung, Ober-Gcnerak Und Minister- cheni von Hyderabad in Ostindicn, ist mir 60 Periourn Ge- folge am Bord der „Afia“ im Hafen von Neapel eingelaufen und im Hotel Nobile abgestiegen. Derselbe gedenkt fich diekt nach London zu begeben, um der Kaiscrin von Indien seine Aufwartung zu machen.

_ Die klerikale „Roma" meldet: Nachdem durch den Tod des Kardinal=Erzbischofs Tanoczr) der erzbischöfliche Stuhl von Salzburg erledigt Worden ist, soll der Bischof von Lurk in Kärmhen Monfianor Valentin Wim; auf diesen ersten Bischofs- fiuhl oon Deu1schland erhoben werden.

_ Nach einer dem ,TelegraphenKorrespondenz-Bureau“ am 8. d. Mis. aus Rom zugegangenen Meldung hat der Ma- rine-Minisier Brin, auf Verlangen des Ministers der Aus wär- tigen Angelegenheiten, Melegari, angeordnet, daß sofort 2 Krie gs- schiffe nach Salonichi abgehen sollen.

Türkei. Konstantinopel, 8. Mai. (W. T. V.) SavfetPaschaist zum Iuftiz-Minister, Djewdet Pascha zum Gouverneur von Syrien und Kemal Pascher zum Minister des öffentlichen Unterrichts und der Evkafs ernannt worden.

_ Ui'ier dem loyalen und wohlhabenderen Theil der bul- garischen Bevö1kerung wird, wie man der „Pol. Korr." aus Rusischuk schreibt, seit Kurzem eine Petition an den Sultan kolporiirt, deren Ziel die Schaffung eines konstitiiiio- neUen Staates im absolutsn Staate bildet. Mit der Motivi- rung, jedem etwaigen geivaltiamen Umsiurze des Bestehenden brgegnen zu wollen, wird der Sultan ehrfurchésvoll gebeten, seinem bulgariicben Vilajet eine Reihe von Zugeständnissen ge- währen zu onen, welchx die Ruhe desselben und dir loyale Treue seiner bukgarischen Unterthanen für ewige Zeiten der- bürgen sollen. Die Petition verlangt: 1) Bulgarien soll fortan ein eigenes Königreich bilden. 2) Der Sultan ist „Könia der Bulgaren“. 3) Bulgarien erhält eine Repräsenkaiiv- Verfassung und eine eigxn'e aus Christen und Mohamedanrrn gebildete Rrgicrung, die der nationalen Vertretung und der Krone verantwortlich ist. 4) Die nationale Vertretung wird in Rustschuk tagen. 5) Die (Zentralregierung in Konstantinopel belzält nach Wie vor die Leitung des Kriegswesens und der aus- wärtigen Angelegenheitcn. Die „Korr.“ dcmerktdazu, daß schon im Jahre 1867 in Rustschuk eine analoge Reformpriition zirku- lirte, wclche gedruckt vom Auslande impr-rtirt wurde. Damals kam es gar nicht zur Ueberreichung, da mittlerweile im Jahre 1868 der Aufstand unter HadziDimitrije ausbrach„ welcher von der türkischen Armee unterdrückt Wurde.

_ Der Aufstand in Bognienscheintsich gegenwärtig im Stadium des Niederganges zu befinden. Von der Um: schreibt man der „Pol. Korr.“: „Wie bekannt, zernirte und bcrannte der Insurgentenfiihrer Golub mit seinen Schaaren fiir etwa vier- zehn Tagen das befeßigie Grahrmw, wclchm Ort in seine Gewalt zu bekommen ihm von der Centralleitung der Iniiirrekiion be" sohkrn wurde. Allein troß der Verstärkungen, die Golub durch die Schaaren des Popen Karan erhielt, gelang es ihm nicht, mit der Belagerung vorwärts zu kommcn, Es ist Überhaupt zu konstatiren, daß weder die Herzegowincr, noch die das- nischen Aufßändischen einen, wenn auch noch so schwach befestigten Plaß in ihre Gewalt zu bringen vermochten, ein Umstand, welcher am lähmendßen auf die intensive Entwick- lung der Bewegung einwirkt. So sah sich denn auch Golub bemüsfigt, unvsrrichteter Dinge von Grahowo abzuziehen und m_rck) Unac zurückzukehren. Ießt will er eine Expedition nach Lwno vorbereitet). Aber aUem Anscheine Wack] dürfte auch dieses Unternchmen keinen Erfolg haben, da die Türken in Serajewo auf il)rer Hut smd und rechtzeitig Nachricht von diesem Vor- haben beka'men. Ste_entsandten unverzüglich unter dem Miralaj Iuffuf drei Tabor Ntzcrms und Redifs nach Livno, welches auf einer von 15,000. niels: Mohamedanern, bewokgnten Hochebene liegt und ein Wichtiger strategischer Punkt ist. Es wird also fur Golub die Eroberung 'von Livno nicht so leicht sein.“

_ (W.)T. B.) _Dl? „Times“ meldet aus Athen vom 8. d._M.: Die aufstaridtsche Bewegung in Bulgarien hat bis zum Rhodopegebirge (DeSpoto-Dagh) hin um sich ge- griffen und nimmt eine immer ernstere Gestalt an. Die Pforte sendet, was an Truppen diSponibcl ist, mittelst der Eisenbahn nach Adrianopel,

Rumänien. Bukarest, 9. Mai. (W. T. B.) Das neue Kabinet ist, wie folgt, zusammengeseßt: Manolachi Coßachi, Minister-Präßdent und Minister für die öffentlichen Ar- beiten, Johann Braeiano, Finanz-Minifter, Cogalniceanu, Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, Vernescu, Minister für den offentlichen Unterricht. Der Iustiz-Minister und der Kriegs- Minister find noch nicht ernannt.

Amerika. Aus W as [) in gto n liegen in der „21.21. C.“fol- gende bis zum 5. d. reichende Kadelnachrichten vor: Der P r 5 s i d e nt Grant hat in Erwiderung auf eine Resolution des Repräsentan- tenhauses, Worin er angegangen wurde, R2chen§chaft Über sein

Verhalten während seiner Abwesenheiten vom Siß der Regie- ' rung abzulegen, dem Kongreß eine Botschaft übersandt, * worin er fick) weigert, die gewünschte Auskunft zu erthei- len. Cr beßreiiet das Recht des Hauses, an ihn eine solche Frage zu richten, auSgenommen für geseßgeberisckze Zwecke oder zum Behufe einer gegen ihn einzuleitrnden Anklage. Er behauptet, dieselbe sei umiöthig für eine Gech- gebung, und wenn sie zum Zwecke einer wider ihn zu erheben- den Anklage gefieUt werde, befiße er das Recht eines jeden Bür- gers, nicht wider fich selber Zeugniß ablegen zu müssen. Der Präsident erklärt ferner, er besitze in Gemäßheii der Konstitution ein vonommenes Recht, die Obliegenheiten der Exekutive in irgend einem Theile der Vereinigten Staaten auszuüben, und er wisse nichi, daß er jemals seine Amtöpflichien vernachläsfiat hcibe, wenn er von Washington abwesend war. Er zitirt die Bei- spiele und die Handlungöweise früherer Präfidenirn, die nisrnals wegen ihrer Abwesenheit znr Rcchenschaft gezogen wurden. Die Botschaft wurde von den Demokraten mit NuSrufen des Un- willens, von den Republikanern mit Beifal] aufgenommen.

_ Tas Comité.- des Repräsentantrnbauses. welches mit der Unteriuchnng der Vcrdindimg des Generals S ckckck mit der Emma-Mine betraut ist, hat ieino Zrugrnvcrnebmungen beendigt. _ Der Kaiser von Brasilien hat auf seiner Rückreise von San Francisco Omaha paifirt, Die Kaiserin hat sick) Von New-York nach Philadelphia begeben. _ Dic repu- blikanische Kondentidn VM Maryland hat ihre Delegirtrn, welche fie zu der in Cincinnati abzuhaltcnden nationalen Kdn- vrntion schickt, instruirt, die Kandidatur dcs frühsrcnSpreckWrs dcs chräsentanienbauies, Mr. Blaine, fiir die Präfidcnt- sthaft zu unterstützsn. Dic demokratische Konvcntion ron Siid-Carolina Hat iHrrr Delegation, die fick) zu der natio- nalen Konvention 'in St. Louis bcgiebt, frcie Hand [*cziiglicf) emes Kandidakrn fiir die Präsidentschaft grlasicn.

_ ZU der bevorstehenden Eentennialseier der Verei- nigten Staaten von Nord-Amerika hai sick] ein Centen- nial-Verein gebildet, in der Ueberzengung, daß diese Feier nicht würdiger begangen werden könrie, als durch eine moralische Wiedergeburt. In erster Reihe dabei stehen WiÜiam Cullen Bryant und Karl Schurz. Dieselben haben jetzt folgendxs bemerkenswerthe Schriftstück weit über das Land hin versandt: *

Wertbsr Herr! Die weitverbreitete Korruiüion unseres öffcnilicbrn Beamtentveicns, welche die Republik in den Augen der Welt enrcvrt md dic Lebknskrafr unserer staatlicHen Einricbtnngsn zu lähmen drr1)i; die Ungewißdeit der Öffentlichrn Meinung und drr Parteistimmnmg in Betreff wichrizt"ter, in hohem Grade dic E51"? dxr Vsrwaltnng, die Reinheit Unseres Geichäftsiebeus und die aquemein: Volkswodliahrt in fich 1ch1ichßender wirtdicdaitlicber Fragen, und cndlick) die drrbsnde Gefahr, da;; es einem wiilkürlicben Parteigciste durch die vereinigte Thärigkeir einer verbäitnifzmäßig kleinen Anzahl von Gcwerßépolitikern gxlingsn möge, selvst dic patriotischsten Antriebe iind Brsirsiiungen ,:u Übertrumphcir, und die politisch? Gervalt zu ieliistiiickMigrn Zkak-Jk! in ihrer Hand zu vercinigsn: lassen es als Höckist wünschenSrvrrth er!,“(bsi- nen, keine Anstrenxung zu sparen, um dxm Verlangkn des Volkes nard wirklichen Rxfdrmen cinen cntickyeidendrn Einfluß auf die bevorstehende Nationaltradl zu fiebern. An,]sfichts der Tkxatsarbe, daß diescs patriotischr Streben eben so eyrlicky innerhalb dsr bcstkbeiidsn prii- tiichen Verbände nacb wirkiicher Eelhäfigung ringt, wie es sich aus;:r- hald deririban mit Macht kundgirbt, und ii drm Gkanben, drs; ck durch alle geeigneten Miitrl ermuibigt und ir. dsa Vordergxxmd 9,2- drängt words:! sollre, laden die Untcczrichneien Sie ein, mii men und andrrcn in der'iclben Weise geladeken Gcfinnungsxierwsch 311- sammenznkommen, um in einer freien Brsprecbung zu beraihen, was zu thun sei, mn zu verhindern, daß die Nationalwahl des Cenirnniai- Jahres lertglich zu einr- Wahl zwisckjen zwci Uebeln bcradfinke, und um dir BL:"UfULÜ dcn Männern für die böckxiien Armirr dsr Rsruriik zu sichkrn, dérrn Charakter und Fähigkeit den Arifordrrungc'n unserer gsgcnkärtigea Lage zu entsprcckyen und die Ehre des amxrikaniirkxcn Namens zu schüßrn vrrmözrn.

La Plata Staaten. Buenos Aires, Z1.März. Ter neUernamxte Kaiserlich deutsche Minister-Refident v. Hollebcn ist am 80. d. M. vom Präfidenirn der Argcnxinischcn Repnblik, ])]: Avellaneda, in feierlicher Audienz empfangen worden. Der Empfang war nach dem allgemeinen Eindruck cin bcionders herzlicher und freundlicher. 1)r. AvelZaneda gab in seiner Antwort anf die Ansprache des „*)-“rm von Holleben seinen Sympathien für Deutichland de- redten Ausdruck: „Wir wissen,“ sagte er am Schlusse seiner Rede, „wie sich die Wissenschaft Ihrer Landsleute durcki Tiefe und Gründlichkeit aUSzcichnet, und wir haben, um diese Wissen- schaft besser schäßen und würdigcn zu lernen, dahin ge- strebt, daß fie unter uns durch ausgezeichnete Professoren repräfcniirt werde, die ihre Lehrstühle an den deutschen Uni- versitäten verlassen haben, um ihre Thätigkeit hierher zu vrr- pflanzen. Unsere fortwährenden Bemühungen smd darauf ge- richtet, Bildung unter den Volksmaffen zu verbreiten und wir berufen uns oft auf das Beispirl Ihres Volkes, um zu beweisen, daß Bildung die Völker groß und mächtig macht im Frieden wie im Kriege. Sie befinden sich somit, Herr Minister, in einem gastliche" Lande und indem ich Sie als Vertreter Sr. Majestät des Deutschen Kaisers anerkennc, glaube ick) der ge- 1reue Dolmetscher der Gefühle dicses Volkes zu sein, indem ich Ihnen zurufe: Seien Sie wiükommen!"

Das Geburtsfcst Sr. Majestät des Deutsckzen Kaisers wurde auch in diesem Jahre unter reger Bethei- ligrmg hier gefeiert. Alle hiesigen RegierungSgebäude, sämmt- liche Gesandtschaften und Konsulate, sowie die deutschen und eine Anzahl fremder Schiffe hatten geflaggt. Um 12 Uhr wurde von der Hafenbatterie der übliche Salut von 21 Schuß abgegeben. Auch mehrere der deutsckzrn Handels- schiffe feuerten Salut. Die hier erscheinenden deutschen Zeitun- gen brachten am Morgen des 22. März Festartikel. Em großer THeil des deutschen Kaufmannsstandes vereinigie sich Abend?- zu einer patriotischen Feier im deutschen Turnverein. Außerdem wurde der Tag auch in anderen deutschen Vereinen und Privat- zirkeln festlich begangen.

Venezuela. Carxicas, 26. März. In der Botschaft,“ welckie er am 24. d. Mts. im Kongreß verlas, spricht der Präs id ent der Republik sich folgendermaßen über den Ko nflikt mit Rom aus:

,Die erzbischöf1iche Frage können wir der nächsten Regierung nicht ungelöst öderlaffen, ohne fie oder die nationale Sache Gefahren ancrzusehcn. Man ließ mich wissen, daß Seine Heiligkeit den Verzicht des Hrn. Guevara erwirken werde und während ich von Augenblick zu Augenblick dieses Resultat er- wartete, um Ihnen diese genugtbucnde Lösung mitzutheilen, war das, was ich erhielt, nur eine Note, in welcher Alles auf zwei Monate weiter hinausgeschoben wird, vom 19. des lcßten Februar an zu rechnen. Da nun der Kongreß 35 Siyungsmge nock; hat, außerdem 20 Tage Verlängerung der Session, so will ich in diesen neuen und überraschenden Aufschub willigen in der Sicherheit.

daß der erhabene Kongreß der Regeneration, wie er dies in allen Fragen drr liberalen Sache gethan hat, Welche der Revo: 1

kution von 1870 aufgetragen und empfohlen waren, auch in der Frage der Regierung der katholischen Kirche tixim wird, we1che für die Zukunft Venezuelas ebenso bedrohlich ist, als eine Wiederherstellung der Oligarehie es sein würde.

Und von nun an werde ich bestimmt sein und als Regel aufsiellen daß, Wenn von Rom nicht die angebotene Lösung in der übereingekommcnen Weise kommt, mir, _ da wir die „Sache des April“ nicht in Zukunft dcm aUSseßen können, daß sie von ihren Feinden, welche iich mit der Religion Chrißi mas- kiren, überwältigt werdx, _ die Zukunft schüHen durch ein Ge- setz, welches die vrnezolanisck]? Kirchr unabhängig macht vom römischen Bischof und vorschreibt, daß die Pfarrer von den Gläubigen gewählt werden, die Bischöfe von den Pfarrern, und vom Kongreß der Erzbischof. So war die Regel der von Jesus und seinen Jüngern gegründeten Kirckye in den erftsn nnd g(orreichsten wie fruchtbarsten Jahrhimderien des Christenthums, und zu Welcher diejenigen Völker sick) wenden worden, die Wahr- haft glauben, wenn die Erhaltung ihrer SorweränetKTSpräroga- tive dies gydietcrisck] fordrrt.

Bedenkt, daß die Diözese von Merida vakanf ist und daß wir einen Priester wähirn müffen, iugexidbait und versöhnlichen Geistes und unfähig der bürger1ich)en Gewalt der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten.“

Vereinswesen.

Aus drr Rechnungslx-gung des Deu7ich2n HüifSrzereins zu Paris für das Jahr 1875 961)! hervor, dar“: dcr Milktléätigfeitkünn der dort lebenden Drutschcn für ihre bülrsbedürfiigrn LGdrlsui-x ria gleiciz rcgrr geblieben iii, daß aber von ausiärts, trotz mehrfarber rcwnders von Siitcn bohrt Gönner i:: Teutirdlnnd ;iigrflossenen Beiträgr, disse gigen das Vorjrl): stark griimksn smd, wärr-ond die Bcdürfniffc (dsr zunelxmsn und die Mittsl dcs Versins ;rir Adbüxfe dringendsier Noi!) sicb [Lider als unzurricbcnd errreiirn. Eiireulirßer ist wax", der ReckzensÖafi-Zderichr Über di? Anqklxsendsit drr Grüiidnng eines deutschen Hospitals in drr Hauptstadt Frankreichs mittdsiir. Ter dsuticbe und der öAerrrichisck) -1mgarische Hülfsvrrein daic-Wst haben nämlich im April vorigrn Jahrrs ein Uebe.einkon1msn abgei-Éiioiien, Wonach der ihnen gemeinsam erwachsene HvsvxralfondT-k, der fich am 1. Januar d. J. anf 404,000 Fr. belief, I("VthbéilT wrrdcn 5911. Nach dem vereinbarten Maßiiabc würden Hirrvon dem druticbsn Verein 220,0WFr.zufa[1€-n. Die ailgemsixi gebcgte Erwartung, daß iiach Löinng rer erwähntrn Wrmcinsamkeir Krb bssiere ".'luöücrtén f:"ir Gewinnung von Stiftungszuflüsseu eröffnsn würden, ist in Eriüilung ALJJRZM: Frdr. v. Dierqardt in Bonn, der dem deutschen Bcreiq iciyon isi? lange reiche Untrrstüßung und Wohlwollendste A:“.iuurkiamkeit xmrerdet, '.zzt nicbt mirider sein Mbimftes Interesse für das Zustandekriiimkn eiiies Teutsclysn Hospitaxs kuudqegeben. Bald nachdem die erwäiirte Thei- lung ;wiichrn bxikcn Vsreinrn keschirsirn war, legte dcrs-Lie als Gc- schrrk zur Gründung von 10 Freidetién im fünitigrn kruxkcrrn Hoski- 7.712, r*..rck) näder präzifirienMcdaliiätcn, die Summe yon 250.000 Fr. in die Hürde des deutschen Botschafters Fürsten von Hchenlobe, In seiner letzten (Henrralvrrsommlung hat nun der dcutscre .Hsilisvrrcm dem aUscitigen Dankgcfßdi grgsn den Svinder Rurdruck grgsbcn und den Jrcihsrrn v. Tiergarrt zum C'Hrrnmitgkiéd des V3rri::§ eräiyit.

ftische Nachrichten.

Vom Königlichen statisttsÖ-todograpdrickzen Barra“; rr ZWET- gari find jetzt die vorläufiaen Ergebnisse drr Volks- zählung vom 1. Dezeinder1875 irn Königreicd W;";rttcri- berg vrröffcntlicbt Wordcn. Drnacd Helfe? *"ich die Vrii§xchl arif 1,881,505 Einwohner gcgm 1.818,589 am 1. Drzrmder 1871, miirin 62,966 oder 3 46 (7/0 mybr. Auf 1000 Lrtßanwescndc b::rrrnrt '."ich danach ein järrliciyer inwaÖS von 8,e:5, cin Vcrkxkrltniiz, wclcbss "cit 1834 nur zweimal., in den Jahren 1834-37 und 1843-46 (18er- ?roffen wurde Die Brrölkernng der einzelnen Kreiie war iclgcnke: Néckackrcis 587,834 C. (grgrn 1871 + 39.084 odcr 7,12'“',0), SÖwxrz- walrkreis 454,937 E, (gkgen 1871 _ 677." oder 1,31 “„-, Jag?!“- krcis 390,703 E. (gcgsn 1871 _ 5989 oder 1,5»; **,„). Tonau- kr'ciö 448.031 E. (gigen 1871 + 11,116 ddr: 254 ' ck Von dcn Obt'r-AXLUÖÖinkan [;aitcn näkcst dcr Zxxdi Zm i;,art mir 15,650 C. (17,0*“'„“..', die Krößie Zrnadme: Crimsisr: mit 47-21 (14,73*'/9), Lndwigsdurx: mit 4092 (11,22 %), R.“.renxiéurx“; Mit 3091 (9,57“/0), [Um mit 4155 (867201, Heilbronn mit 3141 (8,21%), Gmünd mit 2217 (7,51**,.,), Stuttgart, Amr, mir 2844 16,91" „), Eßiingcn mit 2235 (6,43%). Eine Adnabme in dem Zxxnde dcr Bcrö kcriinz ist uur in 10 Oderamtédezirkcn [)cxrrrgetrcrkm am (*e- dcutci;dstcn War diesrlbe in Cain) (9,8-"„_,) 11110 Hard (4,71; „,), urizwcifcldaft in Foige Tes WLJZUJS dcr "crit *.*:Tit'. E95:- badröxnn ULTWMDCÉ géwrixncu frrmdsn Arbiter. nyirixircir init 111011c' als 2000 Einwohnrrn find 123 mir zrriamxrrrr 633,294 Einw. crmittslt wvrden, darUnier 10 Sisrdie mi: mrbr (ils 10,100Cinw., nämlich: SUULJMT mit 107,27;5(gcg8n1871 _ 17,1“ .;), Ulm mit 30,223 07“. (414,10/51- Hrildronn mit 21,208 E (_119“'*.*;), CÜUUJLU UM 19,502)- E- (+ 9-3 "/„), Reutliiigrn mir 13,241)“ E. ("i" 7,10/0), Cannstatt mit 15,065 C. (_ 27,6",.,)„ Lndwi-„rxdurg mit 14,709 E. (+ 24,3 5/01, Gmünd mit 12,838 E. (_ 19,3 “„,1, T..]- bingcn mit 10,471C. (74121170), Rarc:1;ß11r5 ni.: 10,054 (F. (+ 189 0/01. Städte mit 11161): (1115 5070 Erw. waren 15 mx: 5.1- sammrn 94,730 Einw. rvrbandkn. Die relative ITUÖWCIUXZ W:"ntécm- krr-Js, auf einc geogr. T*.r-Mkilr im J. 1871 5133 “Einw., bcrsa'nsrfiwßrßi für das game Land aui 531127 OriSanwsiexidr, und fÜr dsr! Jirckrr- Friis aiif 97272, dcn Schwarzrvalkkrcis aui 52469, drr: Jrgrtfrcis (11114052, dcn Donarkreis auf 39.37 0. Am dichtcstcn wodnr die Bevölkerung _ abgescixun vrn dcm Stadtbezirk Siurigarr mir 30058 au,“ 1 Qu,-Kiiomeler _ in dexn Odcräiiitrra annsiair r.;x: 36221, Eßliiigen mit 266,4, Lndwigöburg 11in 237,2, Heilbrcxri ".:::? 215.6; am Wruigsien dicht mit 42,9 OriSanweienden aui 1 Q11.-Ki"..*;ii_éicr tm Obkramt Münsingen, mit 42,7 im Oberamt Kercélxim, 2:22150; im Odrramt Blaxibruren. Auf 1 Lu.-*-.Ncile brrerbnex 73:2er das Maximum 19,922,0 Eiywvhner fUr Cannstatk, das Minixxrxm 22-621 für Münsingen.

Kunst, Wissenschaft und Literakur.

In der Sißung der Berliner Ge'r11ichafr FI.; E'rd- kunde vom 6. gab der Vdrsiizsnde Hr, ». Ricizikyrir: kme r“",n- gebrnd? Darlegung des Seeverkkhrs mä.) CML.“ '.:5 zur W:- reckung dcs Seeweg? um das Kap der g;:trn Hcynxir; diirch ric

ortugissen. Nach dear Schlusse drs Vrrtr§grs mi“ iir mr_cch Yrof. Kiepert *.“eranlaßi, zu konstatiren, da!; die Rrinir-„rre izinrr diesbezüglichen Forschungen fast in akirn Punkken mir d;:r v. Riexi- l)ofrr.ic1zcn','1ngaben im Widrrwkuch standen und verwixz arri ',Cine demnächst im Druck erscheinende Arbeit. Da. inzwifckßii dée Zzit zu weit vvrgcrückt war, mußte Hr. 1)r. Na'cbtigxl auf di: i:: Aussxcyt gestellten Minheilungcn aus Afrika verzichten.

_ Am 7. tagte in Weimar die Gcncraiversainxn'xnng der deutschen Sbaféspearc-Geieik'ZÉ-nit. 2611735151»;ng hielt Professor Delius aus Bonn über die cpischen Eiemcnie bei Shakespeare.

_ Der englische Geschich1ickrcibcr Lord Macaulav ist durch eine neue Biographie seiner Nation und dsn Z,?iigsn-xiixr wieder vor Augen grfülstt wvrden. Mit großem Brifall wird das kür-„Lich erschienene Werk ieims Neffen, G. O. Trjvrlyan „The: 1119 am! 1otr9r5 of 1-0rc1 Iluca'x-LUF“ (Lcndop, 1876) ron dcn engliscrrn BTK?- iérn begrüßt. Wie aus dicicm nun veröfferiiicßxcn Briefrrzäxscl I)er- vcrgélxt, exitsdrach Lord Macaulay's Charakkcr im Privatkdrn kimi- aud seiner öffentlichen Wirksamkeit. Die Würde und Hsidräxtxng, welcbe ihm sem Volk imd dir Zrledrt-Z Méiwclt einräunix, '.*e:1:':!e anf riner wadrixaft mcnichxrfreund1ichcm rd.!ßcsiixnier: P.::FULZÉZOÄT.

, __ Tir Grdankr, im Jahre 1878 cin: l;:ixidrrtjiiiéri (' Tyres- ;:CLLL" *::r Vrltairechi31).M.1i1778)U:dFiir Jean Fac.", .es