1876 / 111 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 11 May 1876 18:00:01 GMT) scan diff

Freiherrn VM Maniéuffel, der Generalitäi, den obersten Hof- und Ober-Hvfthargen :c. empfan"en.

Auf dem Perron war eine ompagnie des 2. Garde-Re- gimenks z. F. mit Mufik und Fahne aufgefteUt; auf dem rechten Flü el standen die direkten Vorgeseßen, auf dem linken'zlügel die zu Sr. ajestät dem Kaiser von Rußland kommandirten Ofß- ziere : der Commandeur des Brandenburgischen Kürasfiet-Regiments, (Kaiser Nicolaus [. von Rußland) Nr. 6, Oberß v. Möllen- dorff, mit dem Premier:Lieutenant Klockmann, der Commandeur des Ulanen-Regiments Kaiser Alexander von Rußland (1. Brandenburgisäzes) Nc. 3, Oberst v. Jrankenberg-Lüttwiß miL dem Premier-Lieutenant Hertwig und der Premier- Lieutenant v. Ketiler vom Kaiser Alexander Garde-Grenadier- Regiment Nr. 1. .

Als die Ankunft des Kaiserlickzen Extrazuges gsmeldet wurde, begaben Sick; Se. Majestät der Kaiser und König mit dem Gefolge nach dem Perron, wo fich das Personal der russi- schcn Botichafi eingefunden hatte; der Botschafter v. Oubril war seinem Souverän entgegengereift.

Se. Majestät der Kaiser und König begrüßten hierauf die Truppen und nahmen an der Spise des rechten Jlügeks der- selben Aufsteüung. Unter den Klängen der rusfischen National- hymne und unter den militärischen Ehrenbezeigungen fuhr der Kaiserliche Zug in die Halle ein. Die Begrüßung Beider Ma- jeßäten war eine herzliche und innige" und entspraxh der Familiengemeinickzaft und der Freundschaft, welche Beide Monarchen verbindet. Se. Majeftät der Kaiser von Rußland, A(lerhöthfimelche die große preußische Generals- uniform mit dem Bande des Schwarzen Adler-Ordens trugen, begrüßten demnächß die Prinzen des Königlickzen Hauses, schritten die Front der Truppen ab, nahmen von Sr. Majestät dem Kaiser und König die Rapporte AUerhöchßihrcr preußischen KavaUerie-Regimenter entgegen, und begaben Sich dann an der Seite Ihres Kaiserlichen Oheims nach den EmpfangSzimmern.

Beide Kaiserlichen Majeßätm Wurden bei Allerhöchst- ihrem Erscheinen vor dem Bahnhofe von dem zahlreich versam- melten Publikum mit lauten und freudigen Zurufen empfangen und fuhren in offenem Wagen durch den grünen Weg, die Blumen-, Stralauer und Poststraße Über. die S.;][oß- brücke nach dem rusfischen Botschaftßhotel, wo Se. Majeßäi der Kaiser von Rußland Wohnung genommen haben.

Vor dem Botschaftshotel war eine Compagnie 1729 Kaiser Alexeander Garde:Grenadier-Regiments Nr. 1 mit Musik und Fahne aufgefieüt, die direkten Vorgeseßten standen auf dem rechten Flügel. Se, Majeßät der Kaiser Alexander begrüßten den Commandeur, nahmen den RegimentSrapport entgegen, schritéen mit Se. Majestät den Kaiser und König die Front ab und bkgaben fich hierauf in das Innere des festlich geschmückten Hotels.

Die Fahnen der beiden Bataillone, welche nicht bei der Ehrenwache aufgcfteUt waren, waren vorher nach der Branden- burger Thorwache gebracht. Nack) der Ankunft Sr. Majestät wmden dieselben von der Ehrenwache abgeholt und alsdann al1e drei Fahnen des Regiments in das rnsfische Botschaftshotel gebracht.

Mit Sr. Majestät dern Kaissr von Rußkand ist gleichzeitig auch der Reichskanzler Fürst Gorischakoff in Berlin ein- getroffen.

_ Der ößerreichisch=ungarische Minißer des Aeußern, Graf L'nd raf s 1], ist gestern Morgen hier eingetroffen.

_ Der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Hauses der Abgeordneten befindet fich in der Ersten Beilage.

_ In der heutigen GZ.) Sißung des Hauses der Ab- Fcordneten, welckzer am Minißertische der Handels-Minifter

1". Achcnl'ach und der Minister der geistlichen :c. Angelsgcnheiten 1)r. Falk mit inehrcrcn Konimiffaricn beiwohntcn, theiltc Der Präsident mit, daß vom legooxdnctcn Or. Reickienipergcr ein Antrag cingebrackvt ist, betwffend dcn katholischen Religions- unterrickit in dcn Volksschulen. Hicranf [*sgründstc der Abg. Frhr. v. Hesrcman seine Interpellation, ZU deren Beantwortung fick) dcr Staatsminister Ur. Falk bereits früher [*Mit Erklärt halts. Die Interpellation lezntct:

Turck: Verfügungkn der Königlichen chicruug und kks Königlichen Oberthäfidiums zu Münster vom 23. Septembsr vr. und vom 3. Januar dieses Jahre? ist den Eigenibümern der Gsbände, welche von xen Ordensgencffemcbaften der Kapuziner und der Franziékancr vor ihrer im Sommer vorigen Jahres erfolgten Auflösung mietbweise bxuußt wvrdrn waren, unte.fagt worden, die an den bktkéfféndén Ge- hauden _befindlichen Kannen, da ficb Andächrige zum Gebete m dcmelbm eingefunden [)ättcn, Offen sieben, und mit din Glcmcn derielbcn läuten zu lassen und Llüieiäk ist einem fruheren Klosterbrurer, welcher in den .:,iecst des Befißers dcs fkübé'k von den Kapuzinern augéminixeten Gxiiäukcö ge- treten, und ron Diesem mit der Aufsicht über Haus und Garten be- traut war, verboten worden, ferner in dem betreffenden Hause zu wohnen.

Auf Grund dieser Vorgänge, durch Welche in das Recht des Pnygteigentknxns und in die persönliche Freibxi: in geseswidtigcr Wette eingegriffen worden, etlaubc ich mir, an Dis Königliche Staats- :esierung die Frage zu ricbteu:

' Wird dieses. Vsrfabren vou ker Königlichen Staatéreqi-runa

gebilligt? Was ifi, resp. wird geschehen, um Abbülfe zu icÖaffsn?

_Der Staats-Minifter 1)r, Falk erklärte, zwar das Vorgehen der Provrnzialbehörden in Betreff der Schließung der Kirche der Franziskaner in Münster nicht billigen, ohne jedoch zugestehen zu können, daß dasselbe jsdes Rechtsgrundcs baar gewesen sei. Die betreffende Verfügung dcr Regierung zu Münster sei des- halb aufgehoben worden. Ob dieselben thatsächlichen Voraus- seyungen bei der Kirche der Kapuziner vorhanden seien, habe bis jest noch nicht festgefteat werden können, und deShalb sei noch nicht in gleicher Weise in Betreff dieser Kirche verfügt worden. Auf Antrag des Abg. Frhrn. v. Schorlemer-Alß trat das Haus in eine Besprechung der Interpellation ein. Die recht- lichen Einwände der Ubgg. Frhr. v. Heereman, Windthorst (Meppen) und Frhr. v. Schorlemer-Alß gegen die Handhabung da: Mmgeseye wurden vom Staats-Minifter Or.Fa1k wiederholt «enächtepen zurückgewiesen.

Die szitherathung des GeseßentwurfS, betreffend die Bethetltgung des Staates an dem Unternehmen einer Eisenbahn von Ißehoe über Wilster, Taterphal und Meldorf uach Heide gab zu kurzen Bemerkungen der Ubgg. Hansen und Lipke Veranlassung. Sämmtliche Para- graphen dei“ Voxlage wurden unverändert genehmigt.

Es folgte dre zweite Berathung des Gesehentwurfs über die Aufsjch„t6rechte des Staats bei der Vermögens- verwaltung dex katholischen Diözesen. Bei §. 1 sprachen gegen die _Vorlage die Abgg. v. Iazdzewski und Tauzenberg, deren Einwürfe von dem Ubg.1)r. v. Sykes zurück- gekojesen wurden. NMH einem Sch1ußmorte dcs Refe-renten Abg. Dr. Wehrenpfennig wurde §„_1 unverändert angenommen. Die „Bedenken

der Abgg. Dr. Röckerath, „Windihorst (Meppen) und Dr. Brüel ]

ßégen §. 2 wurden von den Abgg. ])r. Petri, Lauenstein und Jung als unbegründet dargethan, worauf derselbe nach einem Schlußmorte des Referenten bei Sckxluß des Blatts unver- ändert angenommen wurde.

_ Nach hier eingegangenen amtlichen Meldungen find in Folge der VorfäUe in Salonichi im dortigen Hafen bereits eingetroffen eine russische Korvette, ein englischer Aviso, ein fran- zösisches Kanonenboot und ein griechischer Aviso; erwartet wer- den, außer S. M. S. „Medusa“, zwei französische Fregatten, sowie die österreichische Fregatte „Radeyky“.

Die außerordentlickzen Kommissare der Pforte, begleitet von dem deutschen Konsul Gillet und dem franzöfischen Botschafts- dragoman Robert, sind am 9. im Hafen von Salonichi an-

gegangen. Die Untersuchung hat sofort unter Leitung des neuen Gouverneurs und unter Zuziehung eines Vertreters des dortigen Konsular-Corps begonnen. In der Bevölkerung herrschte große Aufregung.

_ Dem neuesten amtlichen Berickzte aus Hayti zufolge hatte die angedrohte Beschießung von Iacmel bis zum 3. April noch nicht ftattgefunden; die Blokade des Hafens wurde dagegen durch zwei haytianische Kriegsschiffe fortgeseßt.

Den Bemühungen des Vermesers des Kaiser- lichen Konfulats im Verein mit den konsularischen Ver- tretern von England und Amerika war es gelungen, von dem Kommandanten der hantianischen Schiffe die Genehmi- gung zu eiwirken, daß in Jacmel ansäsfige Fremde noch mit dem am 4. April fälligen Royak-Mail-Steamer die Stadt ver- kaffen durften. Aueh erklärte fich der Kommandant S. M. S. „Victoria“ bereit, außer Deutschen auch einige Fremde anderer Nationalität an Bord zu nehmen und eventuell nach St. Tho- mas zu bringen

_Nachderim Reichs=Eisenbahnamte aufgeftellten, in der heutiaen Ersten Beilage vxröffentlichten Nachweisung übar die auf den Eisenbahnen Deutschlands, exkl. Bayerns, vorgekommcnen Unfäll e waren im März d. I. im Ganzen zu verzeichnen: 38 Entgleisungen und 14 Zusammenßöße fahrender Züge, und zwar wurden hiervon 17 Zügc mit Personenbeförderung _ von je 6917 Zügen dieser Gattung Einer _ und 35 Güterzüge resp. leerfahrende Maschinen betroffen; ferner 57 Entgleisungen und 47 Zusammenstöße beim Rangiren und 122 sonstige Betriebs- ereignisse (Ueberfahren von Juhrwerkcn auf Wegeübergängen, Defekte an Maschinen und Wagen ohne Entgleisung, Unter- brechung des fahrbaren Zustandes der Bahnanlagen :c.).

In Folge dieser Unfälle wurden: 1 Person (Passagier) ge- tödtet, 22 Personen verletzt (5 Passagiere, 14 Beamte, 3 fremde Personen); 1 Thier getödtet und 73 Fahrzeuge erheblich und 192 unerheblich beschädigt.

Außer den vorstehend aufgeführten Verunglückungen von Personen kamen, größtentheils durch eigene Unvorfickztigkeit her- vorgerufen, noch vor: 31 Tödtungen (6 Beamte, 14 Arbeiter, 11 fremde Personen); 71 Verleßungen (4 Paffagiere, 32 Be- amte, 27 Arbeiter, 8 frxmde Personen), sowie 12 Tödtungen und 1 Verlesung bei beabfichtigtem Selbstmord.

Von den überhaupt beförderten Reisenden wurde von je 12,494,320 Einer geröstet und von je 1,388,258 Einer verleßt; von den im Beiricbsdienß thätig gewesenen Beamten wurde von je 21,098 Einer getödtet und von je 2752 Einer verletzt.

Ein Vergleich mit demselben Monat im Vorjahre ergiebt _ unter Berücksichtigung der in beiden Zeitabschnitten geförderten Achskilometer und der im Betriebe gewesenen Beleislängen _ daß im Durchschnitt im März d. I. bei 20 Verwaltungen we- niger, bei 9 Verwaltungen mehr und in Summa circa 34 Proz. weniger Verunglückungen vorgekommen find als im März o. I.

_ Unter den Veränderungen, die vom 15. d. M. ab, an wclchem Tage bekanntlich auf den deutschen Eisenbahnen der Saum erfahrplan zur Einführung gelangt, in dern Laufe d_er Personenzüge auf den preußisckzen Staatseisenbahnen eintreten werden, verdient nachvezeichnete Einrichtung einer be- so_nde'ren Erwähnung. Von dem bezeichneten Tage ab wird nqmlich auf der Staatsbahnstrecke Hamm-Münster in bxiden Richtungen ein neuer Schnellzug courfiren, welcher direkte Anschlüsse zwischen den in dex MittagSzeit die Station Münster paffirenden Personenzügen der Venly=Hamburger Bahn und den entsprechenden Zügen der Y_ergtjch-Märktschen Eisenbahn herfteUt und dadurch dem Be- dnrfmß direkter PersonenzugSverbindungen zwischen dem Rhei- nisch-Weßfälisckzen Induftriegebiet und den Seeßädten Bremen und Hamburg auf der Route über Hamm-Münster weitere Rech- nung trägt. Zur Durchführung soll das für die Unichlnßzüge der Bergtich-Markischcn Eisenbahn erforderliche und vorhandene Personal'und Vetrieb9material benußt werden, wodurck; zugleich fur dl? ]cne Züge benußenden Reisenden ein Wagenwechsel in Hamm vermieden wird.

_ _ 11:11 bei den Prüfungen der Apotheker-Gehülfen eme niöglichße Gleichmäßkkeit in den Anforderun en an die Exammanden zu erzielen, Hat der Minister der geißlrchen :c. An- gxlegenheiten znr Benuhung bei den Prüfungen durch die tech- nische Kommisnon für pharmaceutische Angelegenheiten eine Zu- sammenßxlluxig von Aufgaben entwerfen laffen, welche gemäß §. 6 211.2 und 3 der Bekanntmachung vom 13. November 1). I. in Gebrauch genommen werden können, sowie von leicht anzu- 7erttgenden galenischen und chemisch apharmaceuti7chen Präpa- raten :c., wie diese in §. 7 Nr. 2 und 3 der allegirten Be: kanntmachung vorgeschri€ben find.

_ Die Tödtung eines fremden ichäd1ichenThieres anf eigenem Grund und Boden zur Abwendung einer dem Etgenthum drohenden Gefahr ift als Sachbeickzädigung nicht zu beitrafen, Wenn der Thäter ßch eines anderen Mittels zur Er- reichung des Zweckes nicht bewußt war. Erkenntniß des O ber- Tribunals vom 6. April 11. I.

. _ Heut Vormittag begann im Gebäude des Kammer- gerrchtß vor dem Forum des Staats-Gerichtshofes die offentltche Verhandlung wider den Grafen Harry von Arnim wegen LandeSverraths. Der Gerichtshof bestand aus dem Kammergerichts-Vize-Präfidenten von Mühler als Vorßßenden und den Kammergerichts-Räthen Schlötkc, Sommer, Gräfe, Schaper,. Rathmann, v. Wulffen, o. Seydewih, Medes, y. T_Zmdheim und Bergmann als Beifißern. Das Uffentltche Ministerium vertrat der Ober - Staatöanwalt von Luck:_ als Veczheidiger des Angeklagten waren die Rechtsanwalts Munckel und ])r. Quenßädt zugegen. Der An- geklagxe War nicht erschienen, wohl aber ein Gesuch desselben um Vertagung des heutigen Termins eingelaufen. Ter Gerichts- hof trat nach längerer Diskussion zwischen der Staatsanwalt- schaft und den Vertheidigern dem Antrags auf Vertagung bei und feste Unter Berücksichtigung der Gerichtssericn cinen neuM

Termin auf den 5. Oktober an.

gekommen und in voUer Uniform, rnit Trauerabzeichen, an Land

i

_ Der General der Infanterie von Blumenthal, kom- mandirender General des 17. Armee-Corps, welcher für die Zeit der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers von Rußland zur Dienstleiftung bei Allerhöchßdemselben kommandirt worden, i| von Magdeburg hier eingetroffen und im Hotel du Nord ab- geßiegen.

_ Am 8. d. M. in Folge eines Schlaganfalls der Geheime Ober-Hof-Bauratl) Hesse, Direktor der Schloß-Bau- kommisfion und Mitglied des Senats der Akademie der Künste, im 83. Lebensjahre hierselbft verftorben.

_ Der heutigen Nr. 11. Bl. liegen die Fahrpläne bei, welche auf der Königlichen Niederschlesisch=Märkischen und der Bergisch-Märkischen Eisenbahn vom 15. d. M. ab in Kraft treten.

Bayern. München, 6. Mai, Der Proteft, welchen der Abg. Crämer Namens seiner Partei gegen die von der reehten Seite des Hauses fortgesth geübte verschleppende Gefchäfts= behxmdlung einlegte, findet seine Begründung in der Art und Weise, wie man mit der Erledigung des Budgets verfährt. „Ein Budgetlandtag, so schreibt man der „Allg. Ztg.“ hat noch in keinem Lande eine derartige Physiognomie gezeigt, wie dies- mal bei uns. Viele Monate hindurch war zwar schon von aUem Möglichen und Unmöglichen die Rede, die eigentlichen Budget- arbeiten liegen aber immer noch saft gänzlich beiseite. Neu ein- getretenen Mitgliedern mag es aÜerdings bequemer vorkommen auf Gsbieten, auf welchen fie, statt sachlicher Deduktionen, die biUige Waare reiner Gefühlöpolitik und echter Paiieifärbung zu bieten vermögen, ihre Rednerkünfte zu versuchen. Daß jedoch über aUedem der klerikalen Partei das Verständnis; und auch das Herz für die wahren Bedürf- niffe des LandeS, welche allein in der endlichen ernsten Inan- griffnahme des Budgets ihre Befriedigung fänden, abhanden zu kommen seheint, ist eine traurige Wahrnehmung, die fich jedem Beobachter der Dinge aufdrängt. Wenn die liberalen Kammer- mitglieder angefichts “solcher Erfahrungen nachgerade von tiefem Unmut!) erfaßt werden, so ist dies ein Gefühl, welches die ganze urtheilsfähige Bevölkerung des Landes theilt, so wenig fie auch die äußerfte Erscheinungsform jenes Unmuths wünschen oder biUigen könnte.“

Sachsen. Dresden, 10. Mai. Die Erße Kammer bewilligte in ihrer gestrigen Sitzung Pos. 28 des ordentlichen Auggabe-Budgets, Landesheil-, Straf- und Vcrsorganstalten, und einige damit zusammenhängende Poßulate, mit einer ein- zigen Abweichung übereinstimmend mit den Beschlüssen der Zweiten Kammer, ebenso Pos. 4 des außerordentlichen Budgets, eine DiEpofitionssumme von 600,650 «M zu den durch die Reichs- Iuftizgeseßgebung nöthig m:rdenden baulichen Veränderungen vor- handener Gerichtögebäude betreffend, mit der Maßgabe, daß diese Summe in das ordentliche Budget eingestelltwerden soll. Die Kammer stimmte Hierauf einem, anläßlich eines vom Advokaten Schüß geßellten Antrags von der 1. Deputation formulirten Anfrage zu, die Regierung um Vorlegung eines Geseßentwuxfs zu er- suchen, durch welchen der Art. 3801). der revidirten Strafpro- zeßordnung aufgehoben und dem quiiz-Minißerium die Füglich- keit gewährt wird, die Entscheidungen über Anträge auf unmit- telbare Vorladung des Angeschuldigten zur Hauptverhandlung und nach geschlossener Voruntersuchung über Anträge auf Ein- oder Jortstellung der Untersuchung bezüglich einzelner bestimmter BezirkSgerichte einem dabei ein“ für alle Mal im Voraus zu bestimmenden anderen BezirkSgericht dergeßalt zuzu- weisen, daß die Einholung dieser bei dem Untersuchung§gerichte bekannt zu machenden Entscheidungen kostenfrei zu geschehen hat. Der Staats-Minister Abeken theilte mit, daß ein Gesetz- entwurf der gewünschten Art in den nächsten Tagen an die Kammer gelangen werde.

Die Zweite Kammer verwies in ihrer geßern Vormittag

abgehaltenen Sihung des K. Dekret, die Zurückziehung der Geseßvorlage über die Ober-Rechnungekammer und die Ein- biingung eines Nachpostulates zu Pos. 11 des ordentlichen AuSgabebudgets auf die Jinanzperiode 1876/77 betreffend, an die Geseßgebungsdeputation, trat sodann in Be- zug auf das K. Dekret zu 24 des Einnahmebudgets 1874„'75 den von der Erßen Kammer gefaßten Beschlüssen bei und nahm den Entwurf eines Geseses über die Schon- zeit der Rebbübner mit beträchtlichen Erweiterungen an. Unter denselben befindet sich ein Verbot des Fangens und Feilbietens von Lerchen, Ziemern und'Droffeln. Weiter beschloß die Karn- mer nach kurzer Debatte, einen Antrag der Abgg. Lehmann, 1)r. Schaffrath und Gsnoffen auf ein Gesey wegen Beschränkung polizeilicher Ausweisungen beftrafter Reich6anzxehörigen in einer der nächßen Sißungcn in Schlußberathnng zu nehmen. . _ Heute verhandelte die ZweiteKammer über das König- ltche Dekret, betreffend die Erwerbung der Leipzig- Dresdner Eisenbahn durch den Staat. Die Majorität der beiden Finanzdeputationen beantragte, die Regierung zum Abschluß des Kaufes auf Grund der von der Generaloersamm- lung der Leipzig-Dresdner Eisenbahnkompagnie gemachten Offerte zu ermächtigen, wogegen die Minorität Ablehnung dieser Er- mächtigung vorschlug. Nach fünfßündiger Diskussion wurde die von der Regierung beantragte Ermächtigung zum Ankauf der Bahn mit 49 gegen 22 Stimmen ertheilt.

Baden. Karlöruhe,9.Mai. (Frkf. I.) Die altkatholischen Gemeinden Badens bringen an die gegenwärtige Ständeversamm- lung eine Petition um Abänderung des Altkatholiken- geseßes vom Jahr 1874 in zwei Richtungen. Die erste be- trifft die in der Hand des Ministers liegende Bestimmung über das „erhebliche' Verhältniß der Ult- zu den Neukatholiken, und es wird die Fassung des bezüglichen preußischen Geseßes verlangt, wonach die Erheblickzkeit nur absolut zu nehmen sei, wenn nicht .die Kammer Bestimmungen über eine Minimalzahl an Mitgliedern für die staatliche Anerkennung treffen will. Die zweite verlangt eine Revifion der Bestimmung über das Kir- chenvermögen. Der betreffende Geseßartikel, dahin lautend, dnß den Y_ltkatholiren die Mitbenutzung der Kirche und der kirch- ltchen Gerathschaften einzuräumen sei, ging von der UnterfieUung aus, „daß die Römischen mit den Kirchenfonds bleiben würden; da diese aber auswandern in Nothkirchen und die Fonds mit- nehmen, so bleibt den erßeren in den meisten Fällen nur das leere Haus ohne die Fonds.

_ Hessen. Darmstadt, 9. Mai. Die Regierung hat 91119 neue Ordnung für die juristische Fakultätsprüfung i_n derLandesunivcrsitätGicßen erlassen. Hiernach können nch alle Reich5angehörigcn der Prüfung unterziehen, welche Zinc MaturitätSpriifung an einem deutschen Gymnasium [*e- xtandsn, wsnigstens 6 Semester an Univerfitätcn studirt haben nnnfittlick) Unbescholten smd. _ Nack) dcm Eiitwurfc des neuen Be1oldungögejct§es fiir die hessischen Volköschul-

lc rer oll der eringste Gehalt sines definitiv angestellten Llecrs isn GemeinZen bis 6000 Seelen 1000 „16 und in solchxn über 6000 Seelen 1200 «Zé betragen. Der, hesfiickyeßclsterverein hat an die ziveite Ständekammer eine Petition gerichtet, Worin er beantragt, die Unterschiede in den Gehalien nach Laniz- und Stadtgemeinden fallen zu [affen und den Minimalgehalt uberall

auf 1200 «Xl: zn fixiren.

Sa sensAlteuburg. Altenburg, „9. Mai. _ Der HerzoJYnd die Herzogin find heute von ihrer italienischen Reise wieder hier eingetroffen.

An alt. Dessau, 8. Mai. St. A.) Nack; keute' hin: eingegaannen Nachrichten ist de; Vcrlanf d_er Krank'heßbet dem Erbprinzen und dem Prinzen Friedrich em gunfttger zu nennen.

El a : Lothringen. Straßburg 9. Mai. .Die „Stcaßbf. ßZtg.“ veröffentlickzt folgenden ,Entwurf eines Geseßcs, betreffend die Landesgeseßgebung von Elsaß-

Lot rin en: _ , . _ WJ nglv elm, von Gottes Gnaden Deut1cher K_aiser, Kymg von Preußen 2c. 2c. verordnen im Namen des Dcunchm Rerch_s, nach exfolgter Zustimmung des Bundeskaths und des Reichstags, fur 1“ “"O Lothrin en was folgt: _ ' _. C 'aZandesgcséYe für Eliaß-Lothtingen konnen 11111 Zaiirmmung des Bnnchaihs und ohne Mitwirkung xcs_Reichstags vom Kaim er- laffen werden. wenn rer ruicb xenKnimltchen _Exlax; vom 29. Oktober 1874 eingesetzte Landesausxchuß denielbea zugestimmt hat. Uikurkdlich 2c. Ge ; en 2c. . g M o t i v e.

Das Geicß vom 9. Juni 1871, bxtrcffend die Vereinigung von Eisaß-Lothringen mir dem De_utséqen Reiche,_hat vorgesehen, daß nach Einführung der Verfaffuug bis_ zu npkxerweitex Regelung Ham 211-3112? das R-cbt der Gesevgebung fux EliaZ-Lotbnngen „auch m den dcr Reichégeievgebung nicbt untexlieger-den Angylegcnlxeitkn zustehen soxl. Dem entsprechend sind seit kein 1. Januar 1874 die Lardeégenße_fur Elsaß-Lotbringen unter Mitwirkung „des Vundxxrat-hs und des Rctchs- tags erlassen worden, nach der tniiielst Kaiierlichen Erlasses vom 29. Oktyber 1874 erfoigten Einrichtung des _Lnudksausscbuffes mit 'der Maßgabe, daß leßtcrem die Ennvurre _vorher znr antachtlichen Biraihung vorgexggt worden nu?; Dte_dahei gewvnuenen Erfahrungen lassen es zweckmaßig uud zu1a1sia er1chemeu, aus eme Aenderung der bestehenden Einrichtung Bedacht zu nehmen, durch welche eineiieits die Inansyruchnabme d_es Re1chstaßs „durcb MMU!- kung bei der elsaß-lothringiicheu Lar;deöge_1eßgebuua_gemindert'ßavdxcer- ssits deni Lankekausickzuß eiu erweiterter Wirkuogskiew einge- räumt wird. , _ .

Dieser Zweck iel] duch den vorliegenden Eestßeutzvmf erxeicbt

werden. Er gestattet bei allen Gefeßen iin: Elsaß-Lothnngxn über Angelegenheiten, welcbe nick): der Reichsgeseßgebuug' durch die Verfassung vorbehalten find, von der Mitwnkung _dés _Re:ch_tageö abzusehen, sofern der BundeSraih und der Landeöausichuiz denielbeu zugestimmt haben. T.e Mitwirkung des Reickcsiqzes wnrde da[)e-r nur erforderiick) sein, wenn Meinungöverscknedenbeiteu _Zwischen_der Regierung uxd dem Landxéausickwffe „bestehen; _der Regixxuuxwmre es jedes!) auch fernerhin treifteben,_ dicse Miiwnkuna direkt 111211:- spruch zu nehmen, wenn Dic Umstanxe es wunsckxenswmh erscheinen la en. _ _ " Auf diesem che würde mit der Entlaiiimg des Reiß,»!- tach eine wesentliche Veniniackoung und BesÉ-lcumgqng ker gens gcberiicben Arbeit erreicL't, bei welchxr dern Lande_sanéschuß eine weitgehende Vetheiligung eingeräumt uzurdc, obne daßkZie Jviereffen des Reichs und des Reichstags beeintracbtigt “eyexdcu. „*.-ie Befugniß, Verordnungen mit geseßiicher Kraft untxr Zustimmung des Bundes- raibs und unter Vorbehalt der Gencbmiguna _des Reichstags zu ei- 1affcn, weicios §. 8 ch Geseßcs nom 25. Juni 1873, bxxreffend_ die Einfüixrun-g der Verfassung in Eliaß-Lgtbnngen, dem Kurier gnvahrt, wird vrn dein Gefißentwuxfe n1cht bernhrt.

OeAcneiÉ-ngarm Wien, 9. Mgi. (W. T. B.) Tem „TeiegrapbewKorrespondenz:Bureau' mird aus ngusa den von der „Neuen Freien Preffe“ gebrachten gegentßeiligen Miirhcilungen gegenüber gemeldet, . daß “den dort _„weilenden Flüchtlingen aus der Herzegotnina die Unterstußungs- gelder von der Regierung nach wre vor gezahlt werden. .

Prag, 9. Mai. Unter lebhafter Thennghme fand heute in Anwejenheit des Minißer-Präsidmten Jurjten Auxrsperg inc Einsegnung und Ueberführnng Her Leiche des _Pxinzen Wil- helm Aueröperg naeh der Familiengruft in Wla1chtm statt.

Lemberg, 7. Mai. Heute xrüh fand die Uebergqbe der Tcmporalicn und die feierliche Installation des; armenischen Erzbischofs RomaSZkan ßatt. . _

Ragusa, 9. Mai. Die Wettergenxahrung von Unter- stüßungen an die aus Bognien Ge11uchteten crfolgi a11f anderweiten von Wien aus telcgraphisck) eingegangenen Bekxhl.

Pest, 10. Mai. (W. T. B.) Die Mitglieder der libe- ralen Partei haben in einer heute stattgshabien Konferenz den Standpunkt,we1chen dieRegierung nach 13er Darlegung des Minister-Präfidemen TiSza bei den Au6gleich§verhand1nw gen eingenommen hat, mit 181 gegen 69 Stimnien _gebilligt. Dic Minister betonten in der Debatte wiederholt,_da[; die Regie- rung in dieser Angelegenheit Klarheit haben musse. Nack) dxr Abßimmung meldete der Deputirte Czernawny seinen Austrrtt aus dem Klub an. _ _

- Die .Budapeßer Korresp.“ meldet, daß den zu wah1en- den AuSgleichsdeputationen der Vertretungen beider Reichshälften im Sinne der zwischen beiden Ministerien gx- troffencri Vereinbarungen der Antrag gestellt Werden wxrd, dre nächße Luotenperiode derart festzustellen, daß fie„entwe13er schon mit dem Jahre 1877 beginnt, oder, wenn dies nicht mog- lich wäre, daß fie blos auf neun Jahre festgesetzt werde. Durch die Annahme einer dieser beiden Alternativen würde der wünschenswerthe gleichzeitige Ablauf des Zoll- und Handels- bündniffes und des Quotentermines hergestellt.

Niederlande. Haag, 10. Mai. (W. T. B.) Die Zweite Kammer hat heute das neue Münzgesey geneh- migt. Durch dasselbe wird die reine Goldwährung (Mün- zen von 5 und 10 Gulden) eingeführt. Für die Zwecke des Verkehrs sollen Guldenftücke in Silber (mit dem effektiven Werthe von 0,945) und Cents in Bronze geprägt werden. Der Antrag, auch in den indischen Besißungen die Goldwährung einzu- führen und dadurch die Münzeinheit mit dem Mutterlande auf- recht zu erhalten, wurde dem Staatörathe znr Berathung über- wiesen.

Großbritannien und Irland. London, 9. Mai. Herr Brand, der Präsident des Oranje _Jrciftaaies, der nach England gekommen ist, um Wegen der iudafrikaniichen Diamantenfelder mit der Regierung. zu unterhandsln,_ hatte gestern eine Andienz bei der Königin;_ Die Monnrclnn cm- pfing auch den neuernannten ita11_e1117chen Botfichaftcr, General Mcnabrsa und den Gemiidtcn 13011 ELTÜTSPala, Gcneral Negrctti, Welche ihre BchanbignngNÖr-ch nber-

_ (W. T. V.) In der heutigen Sitzung des Unter- hauses erklärte der Unter-Staatsjekretär der Kolonien, Lowthar, auf eine Anfrage des Deputixten Wait, es seien keine neuen Unruhen in Barbadoes vorgekommen, dagegen habe der Gouverneur telegraphisch gemeldet, daß es auf Tabago zu Ruhestörungen gekommen sei. Die Veranlaffung derse1ben sei noch nicht bekannt; der Gouverneur habe 1e_doch das Kriegs- schiff „Argus“ abgesandt und der Sjaatssekretar der Kolnmen, Camarvon, den Gouverneur telegraphisch um nähere Mitthei- lungen ersucht.

Frankreich. Paris, 9. Mai. Der MarschaU Mac Mahon ist aus Orléans zurückgekehrt; die Blätter besprcckzen noch viel die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden, namentlich die des Bischof T upanloup. Das „Irn. des Déb.“ finöet, chß fie zwar recht geschickt gewesen, aber_ doch wenig Vertragen m die jeßige polnische Lage: gezeigt haiten. Das Blatt _erinnert daran, daß der Bischof einft unansgefordert Rathsckzlage noch Frohsdorf gesandt, die man dort sehr kühl aufgenommen habe _ seitdem habe cr sick; zurückgezoxxen und warte den'Lauf der Dinge ab. Dupanloup lebe mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. Um aber doch auch auf Leßtere zu w:rk_en, ift der Biickzof, wie die „Köln. Ztg.“ behauptet, der geheime Direktor des neuen klerikalen Blattes „Le Catholique“ geworden. _ Der Finanz-Minifter hat an die beiden Kammern eine vergleichende Tabelle über die StaaTSeinnahmen _von 1869 und über die, welche für 1877 voranögesehen find, einge- reicht. Aus dieser Tabxlle geht hervor_, Yai; die fur 1877 vor- aUSgasebenen Einnahmen die Emkunste von 1869 um 909,858,911 Frs. übersteigen, wovon 162879112 Frs. von der Zunahme der friiheren Steuern und 746979790 von _den nenen oder erhöhten Stéuern herrühren. „Dabei sei ]edock) n1cht anner Acht zu lassen, seist die „Köln.3.“ hinzu, daß,“ da sonst alle neuen Einnahmsn von den indirekten Stsuern geliefert wernen, das Leben in Frankreich vicl theurer geworden sei, und_daß ubcrnU Sjimmcn laut werden, die behaupten, daß, wenn _nicht bald ein Theil der neuen Staatsbcdürfniffe durch eine Etnnahme- und Vermögenssteuer beschafft werde, eine Kriss herbeigeführt werdsn könme, wie fie Frankreich vielleicht noch nie geseßcn habe.. . _ In der gefirigcn Sißnng der Budgetkommxssion wurde ein Bericht gelesen, der die Aufhebung der Besoldung der GarnisonS-Almoseniere und der Unkoßen für Mt- litär-(Hottesdienste fordert. Tie Almosenisre der Militär: spitäler allein sollen beibehalten werden. _ Im Budget-Ausschuß machte Gambetta den Vorschlag, ders_e15e soils der Kammer zwei Berichte vorlegen; der erste solle einfach die Annahme des Budgets empfehlen, der zweite die nothwendigsn Reformen ont- halten, und zwar 1) Reformen der Steuern selbst,.2) Reformen bezüglich der Erhöhung odér Verminderung der einzelnen Aus- gaben. Diese Reformen soUen den besonderen Ausschuffen zur

[WM: Geseßemmürfe vorbereiten.

_ Die erfie Versammlung von Senatoren und Deputirten von der Linken bei Hrn. Cremieux hat “stattge- funden; sie sollen regelmäßig abgehalten werpen, um so Be- ziehungen zwischen dem Senat und der Depunrtenkammer her- zustellen. _

_ Tiechierung beabsich'igte, wie es hieß, Rouher seines Briefes vom 27. April wegen gerichtlich verfolgen _zu fassen. Die Verfolgung ist nun zwar aus verschiedenen Grunden aux- gegeben worden, indessen wird die Angelegenheit vor der Kamm er in anderer Form zur Sprache kommen. __ _

_ Nach einem Telegramm der „Köln. Ztg.“ nt der ?Zntre- Ydmiral und Senator Iaurés Befehlshaber des franzo]nchen Gesckywaders, das vom touloner Hafen nachSalonrcht aus- gelaufen ist und- aus den Banzerschiffen „Gauloise“, ,C_ouronne*, „Heroine' und dem Schraubenkreuzer „Desaix“ besteht. Im heutinen Ministerrath, in welchem der Marschakl Mac Mahon den Vorfixz führte, wurde zunächst auch die Aingelegenhen yon Salonickzi berathen, sodann die Neubildung dék Gsmeinhexnthe und die Bewegung in den Präfekturen erörtxrt. . Der Mnnncr- rail) sprach seine Zustimmung zu dem Rundichreiben thnrds an die Präfekten über die innere Politik aus. ,

Versailles, 9. Mai. (W. T. B.) In - der ÜWUFZM Sißung der Budgetkommission sprach nch dcr Manner der Auswärtigen Angelegenheiten, Herzog Decazes, gegen das AmendLMent Tirards, betreffend die_ Auf_hcbung“der fran.- zösischen Gesandtsckzaft beim papftlickzen Otußl, mit Entschiedenheit aus, indem er als_ Hqiiptgrund _gexzxn die Ans- hevung namentlich die Eoentnalitat eincs demnackznigxnnonklave geltknd machte. Das Ymendement' wurde sch1leß11ch mn 16 gegen 8 Stimmen abgelehnt Und in Folge dessen von dem Dcputirten Tirard ganz zurückgezogen. .

_ 10, Mai. (W. T. V.) Der Senat hat heute eine kurze Sikung gehalten. Die nächste Sißung 'nndet Montag stati. _ In der heutigen Siyung der Deputtrtten'kammer hcanxragte der Iuftiz-Minißer Dufaure in Ueberemßtnimung unt derK zur Vorberattzung der Amnestievorlage medcrgeseßten Kom- mission die Berathung dieser Vorlage auf_ nachsten qu- tag anzuberaumen, Jm Laufx der _Debatte uber den Antrag Dufaure's erklärte der Tepunrte Caffagnac, daß er dem- selben nicht widerspreche, aber dabei zu bemerken ()be, daß, wenn das Minifteiium die Verathung dex Anineittenoxlage vor der Vertagung der Kammer zugelassen hatte, die Peimons- bewegung nicht hätte ßattfinden konnen. Unter; hen gegenwar- tigen Umständen stimme er de_r von_dem Miniftex verlangten weiteren Vertagung bei, damit nch derjelbe rechtfertige und be- weise, daß er das Vertrauen des_LandeS bßfiße, Den Protesta- tionen der Linken gegeniiber erqurte 11er Minister, daß es nicht Schuld der Regierung sei, daß die Diskusfion der V_orlage mckzt vor der Vertagung der Kammern habe stattfindxn konnen._ Die Beraihung der Umnesiievorlage wurde schließlich fur nachsten

Montag feßgeseßt.

Italien. Rom, 10. Mai. (W.T.B;1 'Von hen 9Ab- tkysilungen der Deputirtenkammer haben 015 1th 7 ihre Kenn- miffare gewähit. Von diesen haben 5 den Auftrag,'fich fur Ablehnung der Baseler Konvention, beircffenjd die ober- italienischen Eisenbahnen, auszusprec'hen.t Die beiden anderen Kommissare ßnd bevoklmächtigt, fick) fur die Annahme der Kon- vention zu erklären.

Türkei. Konstantinopel, 10. Mai. (W, T. B.) Ein der Regierung aus der Herzengxn'a zitgegangcnxs Telegramm meldet die erfolgte Verprovtantirung P.:va 5 durch die türkischen Truppen. Leßtcre hgben weder aux dem Hinmarsche nach Piva, noch auf dem Ruckmarsche naN; Gaczko Insurgeutc-n angetroffen.

T. B.) In einer von den Journaxgn

Prüfung vorgelegt werden. damit diese dann, wenn nöth g, be- -

dung des dentsckzen und franzöfiicyen Koninls in_YZalonicbi sofort nach Beendigung der Un erxnckgung auf das Strengste ve- ßrast werden fallen. _ _ Ueber Ragusa wird dem ,W. T. B.“ unter dem 9. Mai gemeldet: Der Präsident des SenatY von Montenegrq ift heine von Catjaro nach Wien abgereift._ _ In Antinczri find zwei türkische Fregatren mit Geschußen und Mumnon angckommen. In Scutari (Albanien) d1_e Landung pon wsiteren 15 Tabors Nizamtruppen angßkniidigt, fur dsn' See von Scutari find zwei Kanonenboote beßimmt.

Rumänien. Bukarest, 10. Mai. (W. T. Y.) _ Tas Ministerium FloreÖco hat noch vor seinem Rnchtritt der Kammsr die Handelskonvention mit Rußland _vxzxgelxgt. In dem neuen Kabinet hat nunmehr Verneöcu das Ministerium des Innern und ChiYu das Kultus-Minifjerium übernomm2n. Nach, einer späieren TeTegraphischen Meldung ist da,; „nene Minißerium durch Ernennung des Oberst Slaniceanu zum Kriegs- Miniftsr, Ferichids's zum Iustiz=Miniftcr vervollständigi worden. _ 11. Mai. (W. T. B.) An chlle der in das Mini- sterinm getretenen Vi39=PräsidenTen Des Senates Iepn: team: und VerneScn find Joan (Hizika und TCMLLLT Stourdxa zu Vize-Präsidenten des Senates gewähli worden. Dns Min:.- sterium [_ck-22 in der Kammer sein Programm cnnn:ckelt. In demselben wird eine friedliche auswärtige Polini, die Achtung der internationalen Verträge, Sparsamkeit in der Verivastung und eine Verbesserung der Lage der ländlichen BeUSTLernng 3:1- gefickert. Man erivartet eine AufZösung dei“ Deputiiicnkammcr.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 9, Mai. TaH „Journal de St. Pet.“ bespricht Die nenesten MinisteriekZC-n Veränderungen in Konftantinopcl und mißt dciisa-[bsn eixe versöhnlickze und fxiedkiäze Bedeutung bei. EH sclzrcivt: „Es

' scheint uns, daß, WM" man in Konstaminopcl anf dcm Wxge

beHnrrt, welckzsn man soebsn betreécn, die Verhandlungcn 132511512113 eines Waffenftiästandkö miTRuhe micdxr anfgenommsn vcidkn könn- ten und Montenegro dann keinen Angriffzu befürchk€n Haben würde. _ Tie bevorstshende Zusammenkunft in Berlin und die orientalisckze Frage behandelt die Sonntagönnmmx des ,(HoloZ' und konßaiixt dabei, wie ganz Enxopa au.; die An- wesenheit dcs Knisers von Rußland in dieixm Ia17re__:n .der Hauptstadt dcs Teutschen Reiches als auf, ein CL'SLJTUJ blicke, mexckzes den unbegründeten Befürchiungen ein End? xnach-:_n_ 34:15 die Ueberzsugung von dsr Erhaltung. deH Fr;eden5__ 5271111139 müsse. „Bei dor nnwandelbaren Uebereinstimmunß“, ant 1_ch1:cß- lich der „Golss“ Hinzu, „welche bis ]eHi zwnckzen Ziußland, Deutschland und Ocsterrcich=11ngarn Herrschk, wer_den wii“ kaxnn eincn Irrthum begehen, wenn wir behaupten, daß VW in Bsr- lin schon beftehende Bündniß nich3t nur eine m_ue Und -höa'zst fcicrliöqe Bestätigung finden wird, sondern dnßkaixch (xnxopa mit voUer Ueberzxüznng in annnft auf die dréi Nordmach28 blichen kann, als auf di.: unzerftörbaren “.in Die mciixe Garamée bie:cnden Pfeiler deÖ aUgemcinen Friedens.

Dänemark. Kopenhagen, 11. Mai. (W. T. B.) EZne Verfügung des Minifiers des Innern vom 8, O. ordnet an, daß aile vom Anslande eingeführten Pierxe wn der Veierinärpolizei an dei“ Grenze oder am Landnngöorxe zu untersuchen find.

Amerika. Ans Washington wird unikrni 8, 135. per Kabe1 gemeldst: Der Kaiser von Brasilisn kan“. EMSQTLLI- tag hier an. _ In Texas ist der Gouverneur Coke, sm Te- mokra:, zurn BundeH-Seiratoc gewann worden. _ _AxiH Msxiko wird unterm 8. ds. nach New-Yorx gemeldcx, da“,; der, mexikanische Kongreß dem Präsidenten qußeroi'pentiicéie «3521- machtcn gsmäsirt Und fick; vertagt'hat. T:? Regieruka H:.r Hz_n Feldzug in Oaxaca eingestsUt. Tie Stamm ÖSI ant-xrcn b..“i- ben loyal.

NeW-York, 9. (W. T. B.") Nack; Hier 93:1- gkgangenen Nachrickéien (1116 Mexiko hni sick) T:;z L:,r den chikrungstrnppsn auf Matiimoras znruckzezogen. _ Ye Kabelverbindung zwischsn Rio-Grande und M;:xxsyxöeo wiedethrgestcUt.

Vsnezuela. Zur Feier des GcburtHfZftesSr. MaicsÜi dss Tentschen Kaiiers gab der Gesckzäfisnagcr des DJinsckxen Reich?: in Caracas, Dr, Erwin Siammann, am 22. ?))inrz c:!i größcrcs Diner, dern 11711?!) andern Notnkeln ker *1!§:;:iiter_1cs Aeußern und das diplomatische Ccrps beiwoßntcn. T_Lk_kkiTékä toasiete mit warmen Worten auf das Wohl des K*;UZII, *

M&i.

12: Geschäit§1räger auf das des Präsidenten der, Repnbéék, 65aner Don Antonio Guzman Blanco. Während dcs Bankxxs vxx'ay dic Leibgarde den Ehrendienst. _ _

Die Botschaft dec.“- Präsidcnten an den KONZTZJ: 1977731- tirt dic Inten Beziehungen där chnbiik 31: aern xrcmcn'x. 5111131017, mil Aanahme der Tiffcrenzen mi: den Niedsrlanden, dxe inch ksine Besorgniß erregen. . _

Die Errichtung des Te1egraphsnnxye6, wslckzxn 2:3 Zank? ßadt mit sämmtlichen Provinzen Usrbinden soU, n? :::“:xzrdmgz be'cblo en worden. _

1 , TT:: fiSLalische Agent der Republik in London Zak: L_:icYIft ein Abkommen mit den Inhabern venexolanncher :::.;xßxcßcch und in Paris einen Kontrakt abgeickzlonen, W€lch€1 dcn Bax? Liner Eisenbahn von dem Hafen La Gnnira nach der WU) drei Meilen emfernten Hauptstadt Car.“:cas [*szweckx. _ | '

Der Präsident hat einen Beine!) dcr Weltansßéxéxxg m Phisadelphia in Ausfiézt genommen.

_ Nack) Berichten aus Guntemaxn, welche biÖ 32:3! 8,2115): d. I. gehen, ift der Kréeg zwischen Gnaremala 12:25 „“Da!

or erklärt. _ vad Die offiziellen Verbindungen zwiichén beiden 'RSYUÖUZSU Winden am 20, März aligebrockwn und d:e Fe1ndsa!:gk-:::cn 15e- gannen unmittelbar darauf mit dern Einmaxsch der SaanDorancr in giiatemalisches Gebiet. AUF beiden SMM stehen nck] etwa 15,000 Mann Truppen gegenuber. _ _ .

Bei Ahnachnpan war es zu einem Jkexxexi geerxinien, in welchkm die Truppen Guatemala? gcneg! YUKON. 31169199 dcffxn wurde von ihnen dsr Vormar1ch in salvadoranniTJeH Gebiet fortgesest. . .

In Santana (Salvador) hat sicb Unter den SMTJUTTCN Guatemalenen, welche sämmtlich dcr Jesuitenpartei angehörcn, eine provisorische Regierung für Guatemala geßildet, an dércn Spiße Palacios fleht. * .

Unter dcm 8. Jpxi! Hat die Regierung zu Guakxmaia N11 Tckcet erlassen, monacjz 25,000 Dollars Dcr cirkulircnYen Innk- biUcts von der Nationalbank eingczogen, und dam: dmeHe Summe in 23111616 zn ], 2 und 4 Rcaiés aitsgegrbenwxxösn 1.111.

_ Die Nachricht. da?: zwischen den Eingebornkn Nr S::-

:

_ 11. Mai. (W. veröffentlichten offizieücn Erfxarnna

der Regierung wird

rcichtsn.

wiederholt, daß die Urizcbcr und die Tßeilnchmcr an de: Ermor-

moa-Inieln und der Mannsckxafi des engiiickxen V?L?JEFÜTÉ 1 .V.;-:racouxa“ ew Zujannncnstoß niitBlUnicrgießcn nanzkinnien