1876 / 116 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 17 May 1876 18:00:01 GMT) scan diff

1) eine lokale Aufsichtsfübrung über die Anstalten zu Ost- und estuffeln angeordnei und

2) die dem Willen des Stifters entsprechende Umwandlung der konfessionell gesonderten Erziehungsansiaiten zu Osi- „Und Westuffeln in eine webrklaisigc Erziehungsanstalt möglichst ba[d bewirkt werde. Der Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alft wünschte den Ueber- gang zur Tagesordnung, welchen Antrag formell der Abg. v. Kleinsorgén gestellt hat. Nachdem zu Gunsten des Kommissions- an1rages die Abgg. 1)r. Löwe und Or. Kapp gesprochen hatten, wurde derselbe angenommen. Hierauf wurde eine weitere Reihe Don Petitionen ohne Diskusfion tbeiis durch Uebergang zur Tagesordnung, theils durch Ueberweisung an die StaatSregierung erledigt, darunter befand fich auch die Petition des Taubftummen- Lehrers Radomskr) zu Marienburg, welcbe, insoweit fie auf Aus- dehnung des Schulzwangcs auf die taubßummen Kinder gerichtet ist, der Regierung als Material für die Unterrickitsgrseßgebung überwiesen wnrde. DU“ Kreisausfchuß des Kreises Strasburg, der zum Ankauf von Grundflächen zur Herstellung der Thorn-Inster- burger Bahn von dem Königlichen Eisenbahnftskus ein zins- freies Darlehn von 30,000 Thalern mit der Bedingung er- halten hatte, dasselbe zurückzuzahlen, nachdem die Bahn in Be- trieb gestellt worden, bittet das Haus, „dahin wirken zu wollen, daß der Staat seine Forderung egen den Kreis nicht geltend mache.“, Der Antrag der Kommission, die Petition der Regie- rung,:n'it der Maßgabe zur Berücksichtigung zu ÜberiVeisen, daß „em billiger Liusgleich der Leistungen des petitionirenden Kreises im Verbaltmß zu den Leistungen der Narbbarkreise ge- sucht werde, wurde angenommen. Die Handelskammer zu Harburg pctitionirt um beschleunigte Ausführnng der beschlossenen „Eisenbahn Harburg - Stade. Der Re- frrerit' der Komwisswn, Abg. 131". Kapp, beantragte, die Petition der Regierung mit der Maßgab. zur Berücksichtigung zu empfehlen, daß dieselbe, falls die Findnzirung des Baues der genannten Babu durch 'die Kuxbavener Eisenbahn-, Dampfschiff- 1md Hafen-thtriigeseüsckiaft nicht gelinge, aufgefordert werde, 1nnerhalb_der nachsten Sesfion dem Landtage eine Vorlage ivegen derchAusfubrung des Baues dicser Bahn auf Staatskosten zu ma en. Beider durch Zählung vorgenommenen Abstimmung ßimm-

ten 84 Mitglieder für und 111 Mitglieder gegen den Antrag der Komwrifioir. E? fehlten mithin 4 Mitglieder an der zur Beschiußfahigkeit er orderiickzen Anzahl; die Verhandlungen wurden deshalb um 41 Uhr abgebrochen.

_ In der heutigen (57.) Sißung des Hauses dcrAb- eordnerezr, welcher am Ministertisthe der Vize-Präfident des iaczts-Mmrßermms, Finanz-Minifter Camphausen, die Staats-

Mimsier Graf. zu Eulenburg, ])r. Falk, Dr. Achenbach und ])1'. Frtedeiitbal mrt m_ehreren Kommissarien beiwobnten, beantwortete niich einigen geschaftlichen Mittheilungen des Präsidenten dsr Mi- nister des Innern, Graf zu Eulenburg, die Interpellation des Abg. Wmdtborst (Meppen), welche lautet:

Bcabfichttgi dix Königliche Staatsregierung, den Häusern des Laydtggs noch 111 dieser Session eine Vorlage weaen Unterstützung derjenigen Landxstbeile einzubringen, Welche durcb Uebericbwemrtmn- gen und sonstige Naturereignisse im verflossenen Winter resp. im A'nfange dieses Frubiabrs so schwer gelitten haben?

dahin, daß noch 111 dieser Session dem Landtage ein bezüglicher Gyseycutwiirf' werde vorgelegt werden, daß aber die Schwierig- keit der iiotbtgen Erhebungen die Vorlage verzögert habe und daß aus demieiben Grunde der Gescßeniwurf nicht auf positive

_ Nach weiteren Meldeen aus Salonichi waren die Verhaftungen fortgeseßt undim Ganzen 54 Personen zur Unter- suchng gezogen worden. 21 Individuen wurden sofort der Bethetltgung am MordederKonsuln überführt; von diesen find 8 zum Tode verurtheikt und am 16. d. M. auf öffentlichem Piaße nr Saiamchi bei ziemlich eregter Stimmung .der Bevölkerung hingerichtet worden. Dieselbe: gehörten sämmtlick) der iziedrigßen Volksquffe an. Die Untersichng dauert fort und wird sich ngmentltch auch auf die Ermttelung der etwaigen höheren An- stifter oder Begünftiger der Mordthaten zu erßrecken haben.

S. M. S. „Medusa“ st am 15. d.M. in Salonichi ein- getroffen. Dcxselbst find jeYt auch das franzöfische Geschwader, eme 0sterreichi1cheFregatte und die rusfische Fregatte „Swetiana“, welche Großfürst Alexis von Rußland befehligt, angelangt.

_ _ Die |ädtischen Kbrpericbaften von Cassel haben gegen die Ausdehnung der Städtecrdnung auf die Provinz Hessen eme Petition an das Abgeordretenhaus gerichtet, in Welcher fie sic)?" eventuell aucb gegen das Dreiklassen-Wablsystem er aren.

_ Der Kaiserlich ruisische General-Gouverneur von Lithauen, von _Albedinskr), ist heuie friih aus Wilna bier angekommen und im Hotel Royal abgeftiegen. Ebendaselbß hat der ameri- kamsche Gesandte in St. Petersburg, Voker, welcher gestern Abend hier eintraf, Wohnung genommen.

_ Von der Verseßung des Kreisthierarztes Baadius zu Oßerode nach Pr. Holiand ist Abstand genommen worden.

_ Die Briefsendungen für S. M. Aviso „Pommeraiiia“ find bis, auf Weiteres nach Wilb-eimsbaven zudirigiren.

5«"Friefsendungen für S. M. Kanonenboot „Nautilus“ find “bis auf Weiteres nicht nach Singapore, sondern nach .Kon- ßanirnopel zn dirigiren. _ Desgl. für S. M. S. „Niobe“ bis mcl. 3. Juni (. nach Kiel, vom 4. bis incl. 9. Juni c. nach Neufahrwaffer, vom 10. bis incl. 23. Juni c. nach Kiel, vom 24. Juni bis incl. 10. Juli (. nach Leith (England) 1713 Ham- brrrg, vom 11. bis incl. 22. Juli c. nach Queenstown 1713 Liverpool, vom 23. Juli bis incl. 1. August nach Plymouth und vom 2. bis incl. 13. August nach Portsinouth.

, Bayern. München, 14. Mai. Die gegenwärtige Erie- drgung des Kabinetssekretariats hat bereits die verschie- denirrngften' Deutungen hervorgerufen, welche, wie die „Alig. Ztg.“ bestimmt mit'theilenkann, auf durchaus grandiosen Kombinationen berrihen. Die Enthebung des Staatsratbes v. Eisenhart fand ubrigens, wie das genannte Blatt seine frühere Meldung berichtigt, zucht m Folge eines Gesuches statt, „sie geschah ohne ein solches, aber innaden, was unzweifelhaft daraus zu entnehmen ist, daß Hrn. v. Eisenhart nicht nur der Ausdruck vollfter Allerhöchfter Anerken- nung, sondern auch die Auszeichnung der Verleihung des Kom- thurkreuzes des Verdienst=Ordens vom heiligen Michael zu Theil wiirde„ Es, liegt hier einfach eine Personensrage vor, mit der keinerlei weitere Folgen sich verbinden.“

_ Wem) die zweite Lesung des Ibrgschen Wahlgeseß- eritwurfs „mil. der Feftßeilung drr Wahlkreise im Ausschussc keine wesxntitchen'Schwierigkeiten bietet, so wird es dem Aus- schuffe_m0glxch sem, den Bericht über seine Verhandlungen und Beschiuffe bis Ende dieses Monats an die Kammer zu bringen. In dieser konnte dann zu Anfang des nächsten Monats die erste Beratbung stattfinden. Da nun aber der Entwurf einer dreima-

Zahlcn, sondern das Wabrsck)einlichkeitsrechnung bafirt icin werde. Es folgte die Spczialdebaite über den Geseßentwurf, be- trrffend den Ankauf und Ausbau der Bahnstrecken Halle- Cassei und Nordhausen-Nixei. Nach einem einleitenden Vdrtrage d€s_5_)_keferenten Abg. Berger zu §. ], welcher die Kom- unsfionsbesckxlume empfahl, charakterifirte der Abg. Weber(Erfurt) das Verfahreti der Magdeburg-Halberstädter EisenbahngeseUschaft. Der Abg.W111dthorst (Meppen) wollte, so lange die Frage der Reichseqcnbabiicii _ nicht entschieden sei, so wirbtigen Ent- schließungen, wie die vorliegende, nicht seine Zustimmung geben. Der Abg. Dr. Wchrenpfennig wandte fick) gegen die vom Abg. Windihorst empfohlene Sisiirungspoiitik in Betreff des Eisen- bahnwesens und befürwortete die von der Kommiifion beantragte kiirsolutionxk „die" önialiche StaaiSregierung auf ufordern, die Ma debur - Hai-berstadter Eisenbahngeseilschafk mit azllsn ihr zu Gebot? stebeL- den Mitteln zur baldigen HorstcÜung dcr Bahn Magdeburg-churt “UYU?"- d 1 M' ft 1) Ach er an c 9? mi er r. enbacb wendete fi ebenfalis gegen den Ubg.“_W1ndthorst (Meppen). Nachdem nochch die Abgg. LÜrÖTZZebreJPfenmg, Weber und Windthorst (Meppen) gesprochen, ie _StaatSregicrung wird ermächtigt: 1)d1e Liabnstrecken HaUe-Casiel und Nordbansen-Nirei drr Magd-burgxCotbrn-HaUe-Leipziger Eifenbabngesrllscbaft nach Mas;- LIN. des beigedruckten Vertrags vom 4, März 1). I. für den-taat fausle zu erzverFewd , zum us _au er Halle- Casseler Babn, soweit sie für die Zwecke der Berlm-We iarer 5 a ' ' ' Sunxme vo.? )?,ÖF-WYM un? hn mitbenutzt werden 111111“, die “)zur .,36111 ung des zweiten Geleies in de St * Haiie bis zmnKAnschlußpunkc der im Bai! begriffeneßDLiZfstrTZ? _SanderZieben-Gangcrhauien an die HaUe-Casicler Bahn, sowie 111 der Strecke Nordhausen-Nixei die Summe von 3,500,000 „16. zu „verausgaben ;_ unt dcr angefuhrten Resolution angenommen. Ebenso wurden bis zun) Schi11ß des Blattes die-übrigen Paragraphen der Vorlage un- vxrandert NZN), drn Krimmisßonsbeschliiffen genehmigt und eine hierauf bezxugliche Petition durch die Annahme des (Hesexi- entwurfs sur erledigt erklärt. Die weiteren Pzragraphen des Geseßes lauten: §. 2. Der hirrnach erfOrderliche Geldbstrag wird bis zur Höhe von 28500000 9-6, aus drn der StaatSregierung durch das (Heiss vom 1]. Juni 1873 (Goseß-Sammi. S, 303) für den Bau der Bahn

von Berlin nach Wexiar zur Verfügung gesteUten Geldmitteln ent- Wahlen von München wegen

nommrn und der Re durch Vrräußerung eines ent ie enden Be- tragesxvon Schuldverscbreibrmgen aufgebracht. sp ck Wann. durch welche _SF-Llie, in welchen Beträgen, zu wrirbrm „ZFR?! dilel Swckelen LLDYRWM der KFndigung und zu Welchen 11 der 161 11 -en voraus a tw ' der Finanz-Minister. * ß 9 “dm sollen, bestimmt

leihe rvkgeu Amiahme dersclben ais PU MU UUÖ kk ' ' . - , - positalma te Sicherheit und wegen Verjährung- der Zinsen die Vorschriftenßdks

Gesetzes Vom 19, * _,- Anwendung. Dcöemvä ck69 (GMO Oamml, C' 1197)11Uk 3

„Karl Crämer, Bürgermeister Fischer und Anwalt Beckh, dann von den „kasfirten“ Abgeordneten die Herren Anwalt Henle und Staatsanwalt Wülfert sprechen. von sehr zahlreichen Wählern unterzeichneter Antrag vor, in welchem nach. entsprechender Darlegung des Kammerbesckzluffes bez. der Vernichtung der hiesigen Wahlen erklärt wird:

gesetzes untcr wggwerfenden Ausfällen genen den Magistrat der Stadt pern1cht€t hat, 10 weisen die liberalen Wähler der iéßtercn die gegen 1611? gerichteten verleßeuden Beschuldigungen entsck)icden zurück, fie pro- testcren aufs Nachdrucklichfte gegeii dcn unerbörim Akt der Politischen ngncr Angesichts des unparteiischen Zeugnisses der I U b _ ' StaatSregierung, m e rigen kommen wegen Verwaltung und Tilgung der An- das würdigste

die eiumüthige und mit überwältigender Stimmenmehrheit zu voll-

der auSgeschlossenen Abgeordneten,

dann der Ausschuß dev „Kamm «rx'melcq athe au eme oder zwei Wochen zu seinen Berat ngen erforderlich haben wird und erst hierauf der Gegenstand in die ReichSrathskammer ge- langx-w kann, „ivo er gleichfalls eincr dreimaligen Berathung in achttagigrn Zwischenräumen unterzogen werden muß, so müßte, wenn em Gesammtbeschluß beider Kammern noch bei diesem L'andtag erzielt werden sollte, die Dauer dcsselben wenigstens bis EndeIuli verlängertwerden, während außerdem drr Schluß des Landtags wouhl bis Mitte Juni möglich sein dürfte. " _ Die „Sudd. Pr.“ meldet: ,Die Klerikalen haben fbr die hiesigen Wahlen bereits einen Kompromiß mit der So- zrjaldenxokratre zu schließen versucht. In einer gestern Vor- mittag im Saale des katholischen Kasino abgehaltenen Ver- srimmiung trug 1)1'. Schüttinger einer Partei, welche „nur in einzelnen Yunkirn von d::n Ultramontanen getrennt sei“, em W'ablbundmiz an, Der Redacteur des „Zeitgeisies“, Hr. ' Kiefer, erklarte, von feinen Parteigenossen keine be- zugltche Voilma'cht zu'haben. Um den Preis eines nenen Wahl- geseßes schemc ibm dieses Zusammengehen indeß 11ichtunmbglich, Dagegen wollte der sozialdemokratijche Parteiführer Ernst dieses Zizsammcngehcrr von. der Genehmigung eines Wahlgeseßcs mit ge- heimer und obligatorischer Wahl und einem vom 21. Lebensjahre anfangenden Wahirecizte, sowie von der Einräumung eines Abge- ordnetenfißrs abhangig gemacht wissen und verlangte überdies für seinekPartet behufs Ab aliung einer allgemeinen Versammlung die Einraumung des kat olischen Kasinos für einen Abend, Die Ultramontanen gixigen auf diese Bedingungen weder offiziell ein, noch lehnten fie dieselben förmlich ab. Außer dem Vorfißenden dcr Versammlng, Redacteur Knab, sprachen noch die klerikalen Abgedrdneten Schels, Kopp und Dr. Rittler. Die etwa zwei- ßizndtge Versammlung war von ca 1000 Menschen b-sucht. Die Volkspartei hdi erklärt, sich der Wahl enthalten zu wollen.“ _ 15. Mal. In der heute Abend stattfindenden Ver- sammlung der liberalen Urwähler wrrden dicAbgeordneten

ligen Berathung in Zwischenräu?) __Yon weni Tens LI“. aen bedarf, 11

Für die Versammlung liegt ein

.Wenn gleichwohl die ultramontane Mehrheit der K*mmer die abstchilicher Verleßung des Wahl-

, , Königlichen und fie rufen "gxgen die unberechtigte Entscheidung ! Urtheil der ostentlichen Meinung auf. Die Antwort der liberalen Partei auf die Vernichtung ift

ruhige

iehende Wiederwahl sowohl sämmtlicher liberalen Wahlmänner als

die jeßt wie früher die Träger

Ö 3. Jede Verfügung der Sta aiöregieruns über die im §, 1

Veräußerung bedarf zu i rer R ' ' 'e d ' '“

HäuFrFesIZanYases-h [) echtöguliig. kt er Zustimmung beider ,. . ie usfü rung dieses Gesetzes wir."- soweit solche M' U

den Bestimmungen des §. 2 nicht durch drn Fina'nz-Minister kkalgctb-

?IZFUUWT für Handel, Gewerbe und öffentligZ'Z Arbeiten über- li

. . . _ _ dcs vollsten Vertrauxns der libr [ 1“ Nr. ] bezeichnetku Eisenbahnen beziehu1.'aswe1se Eisenbabniheile durch zeichneten Urwäbler Münchens bTaanieFangmdeciber:

S_eiien des W_ahiausschusses der liberalen artei der ersten liberalen UWahlerveriammsuna folgende werden auch zur bevorstehenden Landtagswahl als Kandidaten der

mächtigt, nothwendig werdende Ve§schiebunaen und Ergänzungen von"

sind. Die unter- es Wonen von kt V M* 75 eren _ „, unezureruaun nterbrettet wcrden: ]) die im“ Juli 1875 gewählten Wahlwänne?

betalen Partei aufgestellt. 2) Der große Wahlaussch11ß wird er-

LK 1

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kkMWSMäUUeM der WM?" betbei i W lbeirke vor unehmen. 3) Die _Versamwluns Bricht die Erw exng J)», zdaß die;z liberalen Wabxmanner dt? btskri en fünf rtreier Münchens als die K??FFÜP der liberalen artei bei dchuwahl der Abgeordneten au f en. **;

„_ Das Staats-Vinisterium dei, Innern hat die Ein- verletbung von Sending in die Stcbtgemeinde München vom ]. Iannar 1877 an genexnigt. *-

" _ Jn_Munch€n weren nacb demuCorr. v. u. f. D.“ in kurzester ZM nochmals ZAdvokatewtellen neu kreirt nnd sohm deren Status auf 4691böi)t werdet.

Sachsen. YWSDMQS. Mai. Die Erste Kammer erledigte heut Petitionen, dar.:xter die Petition des Comitézs für den Elbe-Spreekanal' im Sine der Petenten, und nahm sLJdMU dx" BMM ch1r ersten Deputation über die bezrzglrck) der Novelle um Staatsdienergeseße zwi- schen beiden „Kammern vorhndenen Differenzen entgegen. Eine Linzahl dieser Differenzen mrde drrck; Beitritt zu den Beschluffen der ._Zweiten Kammer'xledigt, wogegen die Erledi- gung der erheb11cheren Differenzen dem Vewinigungsoerfahren uberiaffen wurde.

_ Die Zweite Kammer bescßftigte fick) mit Berichte der Fmanz-Deputatian uber den Geselzemyuxf, den Urkunden- und Erbschaftsstempel betreffend.

Württemberg. Stuttgart, 15. Mai. Der Bericht der volköwirthsrbaftlickwn Kommisfion dc Kammer der Standes- [Jerren über den Entwurf eines Geseßes, betreffend die weitere- Azisdebnur'ig des Eiienbahnneßei und den Bau von Etscnbahnen tm Jmanzjahre 1876/77 (Rerrcnt: General-Lieute- nant v. Baur) ist im Druck erschienen.

Baden. Karlsruhe, 13. Mai. Inder heutigen Sißung der Ersten Kammer wurde bei Gelegeiheit der Budget- Beratbzxng des Ministeriums des Innern die Regierung beichui- dtgt,d1e Beseßung des erzbischöflichen Srrhles in Frei- b urg. absichtlich zu verhindern, worauf Minister Jolly entgegnete, daß die Kirche nicht Das zur Veseßung gethan h1be, was Pflicht gewesen; gewisse Erfahrungen hätten es dir Regierung wunschenswerth gemacht, die Kandidaten vorher aufmerk- sam zu machen, daß der Eid ohne jeden Vorbehalt und der Gehorsam gegen die Geseke rücksichtslos ver- langt würde, da jede staatliche Ordnung dies unbedingt ver- lange. Ferner sei er, der Minister, in der Lage, brweisen zu können, daß das Kirchenregimeni zu Freiburg systematiseh gegen die LandeSgrsebe kämpfe, und daß bei demselben die Unterthemen- treuc vermißt werde. Die Abseßung der erzbischöflichen Dotation wurde sodann nach den Beschlüssen derZweitenKammer auSgesprochen und der ftaatiiche Znschuß zum altkathoiischen Kultus genehmigt. _ Von den zwanzig altkatboliscben Pfarrern Badens haben fiebert einen Antrag an die zu Pfingsten d. J. in Bonn abzuhaltende Synode fiir Aufhebung des Cölibats gerichtet, in welchem ausgeführt wird, daß bei dem Volke: durcb rbmischen Einfluß jene sittliche BegriffSverwirrung großgezogen worden sei, wonach fick) dasselbe die Ehe einerseits vorsteUcn soÜe als ein gottgehei- ligtes Sakrament, andererseits aber als ein Inflitui, so unheilig uud verwerflich, daß dadurch der Dienst am Altar entweihtwerde. Der Schlußsaß lautet, daß das Cblibat ais Zwangsinstitut in der altkatholischen Gemeinschaft nicht aufrechterhalten und event. die Bestimmung, daß verheirathete Geifilith9 in akt- Zatholischen Gemeinden nicht fungiren dürfen, aufgehoben wer- en moge.

Oldenburg. Oldenburg, 15. Mai. Vorgestern hat der Finanzausschß fich bereit erklärt, die hauptsächlich strei- tigeii Direktorensteilen um je 100 „M zu erhöhen; die Staats- rxgterung hat dieses Entgegenkommen zur Erhaltung des Friedens fur hinreichend erachiet, und der Landtag hat in seiner heutigen Stßung das Augrbot seines Ausschusses zum Beschluß erhoben. Nachdem somit der Konflikt beigelegt ist, wird der Landtag wahr- scheinlich morgen geschlossen werden.

. Bremen, 14. Mai. Der Senat hat der Bürgerschaft emen Gesetzentwurf zugehen lassen, der die Entwässerung und Bewässerung der Grundstücke im Landgebiet regelt. Der Entwurf lehnt fick) eng an die preußische Waffergesesgebung an.

“Elsaß-Lothringen. Straßburg, 16. Mai. Die Heutige „Straßb. Ztg.“ veröffentlicht den Entwurf eines Geießes, betreffend die Kreise.

_ 17. Mai. (W. T. B.) Die zweite Session dcs Lan- desazxsschusses wurde heute in Anwesenheit fast sämmtlicber Mitglieder durch eine Ansprache des Ober-Präfidenten von Mblier etroffnet, welche der Alters-Präfident Feurer (Saarunion) mit einem Rückblicke auf die gedeihlichen Resultate der erften Session und dem Ausdrucke des volisten Vertrauens zur Regie- rung beantwortete. Es folgte darauf die Wahl der Bureaus.

Oesterreirb-ngarn. Wien, 15. Mai. Ueber die Berliner Ministerkonferenzen läßt sich die, „Polit. Corr.“ weiter aus: Die lebten Mittheilungen, welche wir übxr'die in Berlin ßattgefuzrdenen Verhandlungen der leitenden Minister der drei Kaisermachie erhalten, bezeichnen wiederholt das Ergebnis; der Verhandlungen als ein vollständig günstiges. Man steht der Antwort der anderen Mächte auf die ihnen ge- machten Eröffnungen sebr _bald entgegen und zweifelt bei dem pazifikatorischen und frieditchen Charakter des Vorschiages und der so „sehr entgegenkommenden Haltung des rusfischcn Staatskanz- lers Fursten Gortsch_akoff nicht an einer allseitigen Zuftimmung. _ Der Voranschlag fur den gemeinsamen Staatshaushalt pro 1877, der „iznter E111fiuß11ahme der beiden Landesministerien verfaßt“ u_nd briden Delegationen zur verfassungsmäßigen Be- handlung uberretcht wurde, liegt jept vor. Das Summarium des Voranschlages fur das Jahr 1877 zeigt cin gesammtes Bruttoerfordermß von 119928938 F1. und nach Abschlag der Bedeckungssumme von 5,079,730 Fl. ein gesammtes Nettoerfor- derniß von 114,249,208 Fi. Zur Bedeckung dieses Neitoerfor- dermsses find zunkacbst die für das Iahr1877 präliminirien ZollgefaUs-Ueberstbuffe, welche im Vergleiche mit dem Jahre 1871) um 901,000 Ji. geringerveransckglagtfind, mit 11,099,000 Fl. beßimmt, wonach en) Erforderniß von 103,150,208 Fl. verbleibt. Werden htervon die zu Lasten des ungarischen Staatsschaßes vorerß abzuziehenden 2 Prozent per 2,063,004 Fl. abgezogen, so erubrigt em durch Quotenbeiträge zu bedeckendes Erfordernis; vo_n'101_,087,203 Hl., wovon auf die im Reich6rathe vertretenen Kofiitgdr81chY_ uxd Ldander 70 Prozenthas ift 7076104231. und au te an er er 1111 ati en ron: 30 ro ent das '

30,326,1§)1 Fl. enstzfallen.g W V z :| _ „er Gro fürft Michael Nikola'ewitsch und die Großfurfim Olga Feodorowna treffen wit Familie am 18.

Urkundlich :e.

Wahlmännem im Einvernehmen

mir den Obmännem und den Ver- 1

vim Odeffa hier ein und werden nach eingenommenen: Diner die Reise nach Stuttgart ohne Aufenthalt fortsetzen.

der durch die

Absnds iiber die Zuschriften der Dissideten-

ck biUigt habe.

[Z' es dem

Bozen, 15. Mai. Gestern [angie Prinz Carl von Preußen auf der Rückreise aus Italien hier an. .

Lemberg, 15. Mai. (N. F1“. Pr.) Der Kaiser bat die Bitte des Grafen Dzieduszycki um Enthrbung vori dem LandmaricbaiOAmt-e in sehr ick)meicheil)after Weise mid mrt dem Ausdrucke Lilierbbcbftcr Ziifricdenheit abgelehnt. Die Deputa- tion der rutbcniicbrn Gcistlickikrit von Przemysl hat fick). unter Führich; des Dombrrrn Nikorowicz m Abgelegeniyeit der Ritualrcgeiung zum Nuntius Iacobini nach Wien begeben. '

Pest, 15. Mai. Die Differenzen, welcbe zwischen beiden Häusern des Reichstaaes in Betreff des Wahlgeseßes ob- waitcten, wurden in der heutigen Sißung des Oberhaus es nach kurzer Debatte im Sinne der Beschlüffe des Abgeordneten-

hauses ausgeglichsn.

_ In der beuiigrn Sibung d:r Reichrathsdelegaiiozi dankte Recbbauer fiir die Wahl zum Präsidenten,. erklarte die voUfte Unparteilichkeit in der Amtshandlung mid die' Wahrung der Ehre, Rechte und Würde des Hauses als"sen'1e heiligste Auf- gabe. Bei der Besprechung der äußeren VerhaltmffeRerblicriRAW]- bauer in drm Drei-Kaisrrbündniß eine nicht zu unterscbgßende Burg- schaft für den andauernden Weltfrieden, und scheme auch das auf Grundlage der Freiheit, des Rechtes und der Ordnung "sich stetig fortentwickelnde Frankreich die Gefahr der Revancbcgriuße zu beseitigen. Hinsichtlich der Besorgniß erregenden Fortdauer des Kampfes an der Südostgrenze hofft Reebbauer, es werde den v-reinten Bemühungen der in Berlin versammelten Staatsmänner gelingen, diese Frage in glücklicher den Weltfrieden ungestört erhaltender Weise zu lösen, vor Allem aber wünsche er, daß jede problematische Action von Oesterreich hintmigehalten werde und diese Frage eine Lösung finde, wodurch den gerechten Ansprüchen Befriedigung gewährt, jedoch jede den ertfrieden gefährdcn kbnnende ALUÖSUMJ der Siebung der Verhältnisse der Mächte Europas be- seitigt werde. Bezüglich der inneren Lage, sagte Recbbauer, müsse man angesichts des wirthschaftlichen Notbstandes die eingebrachten Vorlagen mit dem ihrer Wichtigkeit enisprcchenden Ernste und Unter Beobachtung der strengsten Sparsamkeit ins Auge fassen. Nachdem noch Recbbauer fich

gegen die foriwährende Kriegsbereitsohast Europas die an dem

M1rke der Völker zehrt, wendet und die Hoffnung auf deren

endliche Veieitigimg ausspricht, sagt er, Oesterreich sei leider.

nicht in der Lage, für sich allein mit gutem Beispiele vor- anzugehen, und so groß die Kosten der Anschaffung Fortschritte in der Wissenschaft und der Technik so wesentlich verbesserten Waffen find, ist kein Staat in dir Lage, fie ganz von fich zu weisen, weil er seine Söhne wehrlos den iibr-rlegenen Waffen preisgeben würde. Rechbauer

erblickt schließiich die Aufgabe der Delegation darin, einerseits

das, was die Integrität, Würde, Freiheit und Unabbäiigigkeit des Reiches erfordern, selbst mit Opfern aufzubringen, ander- seits abcr jkdc nicbt urabweisbar nrthwendige Ausgabe im In-

teresse der ohnehin schwerbelasteten Völker zurückzuweisen.

_ Der Club der liberalen Partei verhandelte gestern Nack; einge- hender Diskussion erfolgte der Beschluß in folgender Faffupg: Der Erklärung, Welche mehrere Abgeordnete am 14. d. M. und

' nacbhrr eingesendet habrn, entnehmen wir, daß dieselben aus

dem Club ausjreten. Die Berufung derselben in der von ihnen ver- öffemliciiien Erkiärung auf den Beschluß der Clubs ist irrig. Jener Beschluß enthält wörtlich Folgendes: „Die Partei biiligt es, daß der Minißer-Präfident 1ich der Aufgabe unterzog, auf Grund der mitgetheilten Priilimiimricn den Ausgleich ins Werk zu schen.“ Wir bedauern den Austritt der Mitabgeordncten, jedoch eröffnet deren Erklärunzi, bei der liberalen Partei bleiben zu wollen, die Ausfuhr aiif die Wiederhersicliung der Einigkeit. Diese Formu- lirung crfolx-zie auf die Bemerkung Falks, daß die Majoriiät nicht den Arisgieick), sondern die Inswerksrhung desselben ge-

SchWeiz. Bern, 15. Mai. Ueber den Entscheid des

BundeSrathes vom 12. d. Mrs., durch welchen er die zu

Ende des lebten und zu Anfang des laufenden Jahres von ju- rassischen Mitgliedern des bernischrn Großen Rathes und von

römisch=kath0lischen Geistlichen gegen da6ne11e bernische Gesetz, betreffend Störung des religiösen Friedens, einge- langten Beschwerden und Einsprachen abwies, wird der „N. Zürch. Ztg.“ Folgendes mitgetheilt:

Der (Entscheid des Bundesratbcs stühte fich auf folgende

Erwägungen:

1) Nach Art. 50 der Bundeöveriasfung haben die Kanione das

* Recht, den Kultus aÜer Religionöaywsscnixbaiien_oimeYnSnabmr zu )?.- überwacben und zum Schutze der Slitlichkrik, der offentlichsn Orbnurig "F und 1315 konfesfioneilcn “Friedens und zur Abwehr gegen (Eingriffe m

die Rechte der Bürger und des Staates die geeigneteii Maßnahmen zu treffen; den Bundesbehörden liegt im Streitfaiie die Enijcbcidung

ob, ob die getroffenen Maßregeln im Einklanße mit dcn Bestim- , mungen der Bundes- und der Kantonsverfasiung stehen.

2) Das Gcsrß des Kantons Bern vom 14. Septrmber 1875,

FT gcgen Welches der Rekurs der Minderheit des Großen Raich und der kmboliichen Geistlichen des berniichen Jura gerichtet ist. bezwcckt, Dir Schrankcn und die Bedingungen festzusthen, innerhalb welchen dir freie Ausübung goticédiénsiiichcr Handlungen gewährleistet ist und .; schith U. L|. in Artikel 3 von Verrichtungen im Privatkuitus „“.“. U];

von der Wirksamkeit in der Schule Geistliche aus, wclche sich der foridaurrnden Widerscßlicbkeit gcgen die Staats- einrickztimgen und Erlasse der Staatsbehörden schuldig machen.

7-53“; Tyra) cine s_b_l_cbe Maßregei, diegzeum Schuss der staailickéen Auto- riiat giriäimaßig gegenuber (11111115

_ eligionSgcnossenschaflen in Anwen- dung kcmmt, werden die oben angefuhrten Poiiéeirechte, Welcbe der

7'“-* Bund dcn Kantonen gcgenüber den Religionsgenos enschaften einräumt,

nicbt Überschriften und namentlich die Freiheit des eriffens und drr KultuéauSübung nicbt verleßt; 3) Was 111111 svezicil die katholischen Priester des Jura anbe-

trifft, weiche sriner Zeit den Protest an den Regierungs-Ralk) des

Kantons Bern unterzeiibnct haben und durch Urtbeil des bernischen

' Obrrgrricbts rom 15. September 1873 von ihren Pfarrstelien abbe-

rufen wurden, so „sieben fie ebznfalxs unter dem Gesetze vom 14. Sep- iember 1875, allem felbstverstandlich nur innerhalb der Schranken und unter dem Schuße der Formen, welche jcncö Grieß aufstLÜt. Hicnaci)

genügt aber zur Anwendung des §. 3 des mehrerwähnten Gesetzes

der frühere Vorgang nicht, sondern es ist erforderlich, das; die Widirscßlichkéik in_ positiver Weise forigeseY werde. Ueber dieses ' faktiiche Verhältniß haben nach §. 7 des eseßes die Gerichte zu eytscbeiden, und die Bundesbehörden waren erst dann in der Lage emzuschreiien, Wenn im Spezialfaile von rrn Betheiligien Beschwerde gefuhrt und nachgewiesen würde, das; der Richter eme Bestrafimg ver-

hängt hätte, ohne daß die thatfäcblicben_ Vorauöseßungm zur Anwen- 111119 112 §. 3 Ziff, 2", wie fie oben prazisirt sind, vorhanden waren.

4) Die Beschwerden, welcbe gegen die Art. 2, 4 und 5 des Ge- eßes erhoben worden sind, erscheinen unbegründet. Nicht nur steht _ Staate frei, gegen den Mißbrauch der in Art. 50 garautirten "_reiizerk Maßregeln zu ergreifen, sondern er ist berechiigt, die Ge-

abrduag res öffentlichen Friedens und der Ordnung mit Strafen zu ; edrcbcn, _wie diss in Art. 2 des Gsseßes griwiebt, Chemo wmig enthält Art. 5, welcbe): kirchliche Prozessionen und

Ceremonieu auf die Kircbxn und andere gcichlofferie Räume beschränki, eine Verletzung der Glaubens: und Gewissenssreilwit (Art. 491, urch eine solche der in Art. 50 garantirten Befugnisse, da diese _konijikiltlv- neuen Garantien das Recht des Staaies, ubxr das öffentliche Exgen- tbmn zu verfügen, in keiner Weise beemträchtrgrn._ ,

6) Endlich enthält auch Art. 4 keirren G-rundiaß, dcr mii rmem konstitutionellcn Rechte der Bürger in Widerspruch stünde und es bleibt daher der Entscheidung des einzelnen Falics überlassen, inwie- fern eine Beschwerde gegen die jeweiiége Anwendung dikser Vcitim- muna begründet ist.

Frankreich. Paris, 15. Mai. Das Leichenbegängniß des Ministers Ricard hat heut unter großer Betheiliaung Und allgemeiner Theilnahme stattgefunden. _ Ueber die Affaire Rouvier schreibt das „Evenement“, daß, wie als ganz fieber bestätigt werden könne, dis Untersuchung ergeben habe, daß dem Depuiirten nicht das Geringste zur Last zu legen sei, woran kaum Jemand gezweifelt, was aber Mr. Grézvy noch ausdrücklich erklärt habe.

_ Vorgestern fand die Schlußsißung des Kom- gresses der katbolischen Gesellenvereine statt; den Vorsitz fiihrte der Kardinal-Erzbischof von Paris. Der „Köln. Ztg.“ wird über diese Sißung berickziet: Ungefähr 1800 5Yer- sonen, worunter viele Senatoren nnd Deputirten, eine größere Anzabl von Offizieren und eine Masse von Bewohnern und Bewohnerinnen des Faubourg St. Germain batten sich in dem großen Saale dcr „80016413 (1711011101111111'0“ eingefunden. Der Saal war mit der Büste des Papstes, mit mehreren Kruzifixei), einem weißen Banner mit der Inschrift „81111 01111111“, so wie mit Lorber- und Paimzweigen geschmückt. Der Hauptredner war der Graf de Mrm, der das ihm kürzlich vom Papste ver- liehene Komthurkreuz des Ordens Gregorius dcs Großcxi am Halse trug. Die Reden enthielten nicht eben Neues; die Be- geifterung dcr Geselicnvereine war groß; noch grbßcr gestern, wo fie fick] Morgens um 9 Uhr in der Kapeile des b. Herzens auf Montmartre und des Abends um 5 Uhr in der Notrcdmne- Kirche einfanden. Auf Montmartre wurden die Geselleiwrreine nochmals drm „heiligen Herzen“ geweiht und das „81111192 1101118 81: 111 1711111013 1111 110111 (111 ZÜR'É ()0Sur“ mit Nachdruck gesungen. Die Feierlichkeit in der Kirche war die nämliche, wie sie dort seit drei Wochen jeden Tag zu seben ist. Ganz außerordentiickzer Pomp ward fiir die Feier1ichkeii in der Notredarne-Kirche entfaltet. Vor der Kirche versahen Polizcsidiener und Pariser Stadisoldaten den Dienst. Neben der _ Kanzel war ein Thronseffel mit zwei Stühlen fiir den papstlichen Nuntius und seinen Begleiter hergerichtet. Um 4-1“ Uhr öffnete sich die große Pforte der Kirche, und die Mitglieder der katholischen Gesciierwereine hielien ihren Einzug in dieselbe. Die Zahl ihrer Banner betrug 14. An der SpiHe des Zuges briand sick) der Graf de Mun, der Generalsekretär der Vereine.. Zwirn folgten die übrigen Hauptmiiglieder der Ausschüsse. Die Geist-

lichkeit _ fie war sehr zahlreich, doch fehlte drr Kardinal-Erz- .

biicizof von Paris, Weil der Nuntius heute den VUTfiH fiihrte _ stellte fick) gegen 5 Uhr am Haupteingang drr Kirche anf, um den päpstlichen Nuntius zu erwarten. Derselbe e1schien genau um 5 Uhr und wurde unter Begleitung der _Orgel rind des Gesangs der Gläubigen nach seinem Thronsesiei gekettet. Nachdem der päpstliche Nuntius Play genommen, _wurde ein für die Feier eigens verfaßter Lobgesang angenimmt, Worauf der Pater Monsabrb seine Predigt hielt, worm er von den gewaltigen Fortschritten des „Werkes“ sprach, fick; gegen die Verderbnis; der Gesellschaft erbob, die Gläubigen aufforderic, tapfer zu kämpfen, namsntiicl) neue Verbindungen zu bilden und Alles aufzubieten, um die Feinde der Kirche über den Harr- fen zu werfen, imd wenn das Werk in Frankreich vollbracht sei, auch die iibrige Welt zu regeneriren und fie dem Unfehlbrircn Papst unkrihan zu machen. Nack) der Predigt wurde w1eder gesungen, worauf der Nuntius von seinem Thron aus der Vrr- sammlung dcn päpstlichen Segen erihciite und der Paier Mon- sabré die Adresse vcrtrug, welcbe dcr Kongreß an den Papst (1e- richtei bat. Dieselbelautet: „Hriligrr Vater! Die zum vierten Mai in ihrer jährlichen Versammlung vereinigten und mit dem 11130111)- liscben Segen Ew.Hei1igkeit versehenen Mitglieder drr faiiw- lischen Gescilenvereine erneuern heute mit dankbaren und ein- stimmigen Herzen den Beschluß, sicb niemals davon abbringen zu lassen, durch die verschiedenen frommen Verbindunzcn, welche das Werk bilden, die Irrrhiimer zu bekämpfen, welche durch die unfehlbarcn Lehren des b. Stuhl-cs verdammt wurden und die fie als die Quelle der Uebel ihres Landes betrachten., Demutbig zu Ten Füßen Ew. Heiligkeit liegend, bitten fie dieselbe-obne Aufhören, ihren Entschiuß zu segnen, um der Gnade theiibast zu werden, demselben bei jeder Gelegenheit getreu zu bleiben, und find mit der iiefsten Verehrung die gehoisaxnstcxi und er- gebensten Diener E11). Heiiigkeit.“ Den Schluß hildkt? das „83111132 12111110 01 111 11111108“. Um 61 Uhr war die Feier zu Ende.

Versailles, 10. Mai. (W. T. B.) Tic kautirtcn- kammer begann in ibrcr [)CUTigkii Siiziiiig dic Berat_k)1111g_dcr lencsticvorlagc. Die DiÖknssirn Wird morgen fortgcicizt Werden.

Italien. Rom,. Sobald die italienische

14. Mai. Das „Diritw“ meidet: Regierung erfahren hatte, daß in Bagdad und Umgegend die Pest ausgebrbcben ist, machte fie die Pforte auf die Gefahr aufmerkiam, welche dem Gesundheiiözußandc von ganz Europa erwa'cbsen würde, wenn Truppen aus jcnen angeßeckteri Provinzen nach dem Kriegsschaiipiay in der „Herzegowina. geschickt werden soiiten. Da mich ein von italienischen Delegirien _des internationalen Saiiiiätsrathes in Konstantinopel darauf bezug- licher Antrag einstimmig ange11ommen"1111d der hohen Pforte mitgetheilt wurde, so hat dieselbe erklart, daß fir den Vor- fteilungcn der italienischen Regierung und der Abstimmung des internationalen Sanitätsrathes Rechwing tragen und reine Truppen aus den angefteckten Provinzen nach dem Kriegs- schaupiaizé schicken werde. .

_ Nach einer römischen Korrespondenzrm „Pimgoib“ von Neapel sollen dieser Tage die Utiterbandslungen uber die Er- neuerung der Handelsvertrcxge mit Jrankretck), Oester- reich-Ungarn und der Schweiz wreder'aufgenommen'werdcn. Das Ministerium werde aber keine DéleZlktLU riacb Paris, Wien und Bern schicken, sondern, nachdem die Prältmmarien daselbst festgestellt worden sind, die Gesandten der betreffenden Staaten im AuSwäriigen Amte erwarten, um_ mit ihnen die Endrcstxitate festzustelien, wie es im internationalen Verkehr gebrauch; lich ist. Damit solle 11icht gesqgt sem, daß die Politik der Nationalökonomie den Abschied gegeben habe, denn die Regierung verschließt fich weder dem guten Yathe noch der Belehrung der Wissenschaft, indem fie Ferrgra haufig um Rath frage und die unbestrittene erste Automat auf diesem Felde den Professor Boccardo von Genua habe nach Rom kommen

lassen, um seine Ansicht über die sckzwierigften Fragen zu ver-

nehmen. Indem sie auf diese Weise G1riachten von aller) Sei- ten einhole und die Bedürfniffe des StaatSsckwheeZ mri déi! Lehren des Freihandelssysiems zu oersobnen suche, und die Lehren der Wissenschaft mit denen der Erfahrung zu verbinden bestrebt sei, hoffe sie Verträge zu Stande zu bririgen, die den Bedürfnissen des Landes entsprechen. ' Dre Vertrqge folien dem Parlamente gleich nach seinem Wiederzusammentritte nach den Sommerferien zur Genehmigung vorgelegt werden.

_ Gestern trat der Papst in das 85. Lebensjahr.

_ Das „Journ. de Rome“ vom 30, April vxrdnentiickzt dsn Wortlaut der Rede, mit welcher der Papst auf eme ErgebenbeitSadreffe fremder Pilgrr erwidert bat:

Wenn ich die verschiedenen Punkte der katholiickJM W311 betracbts, dann bieict ficb mir das Bild eines traurigen und ich111erziickcn (151111111- spiels, eines unermesiicben Trümmerhaufens, den die grausame Perridie der Feinde der KirCLe in den Umwälzungen der Gegrnwait errichtete. Ich sehe verlassene Möncbs- und Nonnenkiöijer, die nichr mehr von friedfertigen Ceuobiien, von Bräuien Jrsu Christi [WWDHTÜ werdcn, “sir vielmehr ibrcr alien Insassen beraubt wurden, um frewdcn Und imthiiig-n, j; bfi noch mehr als unbeiiigen Perionsn Maß zu ma en.

Ich sehe, wie die woblthäiigkn Reicbtbümcr Und (Hüter drr Kirche gierigen Zeiigncffen zum Opfer failrn, wir sie dxw brstiiirmi Wuden, deu unrriätilicben Heißhunger der Revolution zu stillen.

AÜ-rorirn erblicke ich Umsturz und Trümmer; ick) sei;: die Rccbie der Kirche Verießi und mit Füßen getreten, die geisjiiwe Hierarwie uuferbroÉen und unnötbig gemacht, während Ville, welxbcs Ami sie auch berieben, verdammt werden, den ichrrcklicbstrn «Ürr Tribnie, Dcn des Binies auf den Schlachtfeldern, zu cntricbicn, und dir Kirube verhindert wird, ihre Dimcr zu wählen. Ick) iel)2_ die L-brfrribcit in ein Monopol verWandeli, das mit jedem Tag? ieine iyrnnniJÉ-eit Vedrückungrn und mit ihnen die Jrribümcr, ZUWEULU rie Gotteslästerungeu vermehrt. Ick) sehe, wie so inarcbcsVrrbrecbrn, so manche gegen Gott, egen die Sittlirbksit mid die grycilirbastlche Ordnung bcqangsne Fe ler ßeduldet werden; haufig, gar haufig iki)? icb Uribsile fäilen, die nicht vom Gerechtigkeirsfinn, vwlmrkyr ron icbändiicbcn Lsidenschaftcn eingeflößt Werden, wie fir_i111mrrdar m drn Wirren der revolutionären Z-citen vorberrschrn. Dirie und noch r*;rie andexe Verhältnisse bilden den wüsten Trümmrrbaufen, der cmcn unendlichen Raum dkckk. .

Bei der Betrachtung diefes düsteren Bildcs grdsnke 151) wiederum der Vision, kik Hozecbiel hakte, "Der Propixt wurde, im Geiste", von Gott auf ein weites Fcib gesubri, das ganz mit verbiirbenen Geheimen bedeckt war. Und waiirer-d er verwunrsrt und swuneud dieses traurigr Bild beiracbieie, [ibrie er 11011 o_beit bcrab eine Stimmc. die ibm zurief: „Glaubst Du wohl, _daiz dxcie Gebeine wieder ins Leben zurückirrten könnten?“ Dcwmbig und mit grscnktcm Haupte erwiderte der Prophet: „Dit (1111111, 0 Hrrr, Vermagst Solckxrs zu voilbringrn; 1301111116 ])SUZ, _111 1105113- „Niin wobl!“ cntgexxnetc der .H-srr, „weiffage Übrr dieie Gcbsins, 7511361- 11810 äs 612511415 15115, Vernimm, daß diese Grbernc wikder'auflcbrn Werden; icb wrrde ste von Neuem bcicben, sis, von Neusiß 11111 Nerven und Miiskcin, mit Adern und Blut veryeben, Fleixäz Wird sie wiederum umkyüüen, die Haut wird alle diese; Körbrr wieder bedcckxn und fie werden forilcben.“ Der Prophet Wirerboiredie Worte des Hemi und in diciem Augenblicke begann ein leiics Finstsrr, darauf eine aÜgemeine Bowegnng dcr Gebeine ieiber, die fich_ zu ordnen iuchie11. 11111 die Körpcr zu bilden, wie sic vormals geweien: 11112125 sab oi; 501111113 . , Si: ecco commorio,

Diese Weiffagung, meine Lieben, deuietc _aufdns Ende dcr G;- fangenschaft des Volkes JSraei und am 161118 21111ckeickrs 1:1 die bcimaiblich2n Länder bin. Jch frage“ 111111 _a;-cr: Kösntc niwt Gott, mit Vazugnabme aa? das iccbcn von mir crwäbnie Feld von Schutt und Trüm_1ne_rn, Webb“: mit;:n Uebrrresieii der Kircbe Jesu Christi fick) auxibiirmon, 311111 511911 Jkden vou uns fragen: [3111115118 717-5111“. 03511 isa? . , _ _, 11:1t16111516 11-1 0551111157 Und Was werden wir darauf aniwbrkcii? Wir wcrdzn niit nnwnndeibarcm Grmütbe und mit entichirdencm Tone crivwxrn: Ja, gewiß Werden alia diesc Gebeine wieder MZ L;:bez: 1r::1::1, 151111 die Kirche chu Ciuisii, der sie angehören, k.11_111 Nimmermcyr umsc- gehen; fie muß bis ans END? der Zéiien foribritcbcn.

Wrbl ivcrkcn sich dicse Trümwrr wirdkr erbrbm, dsrb wir?:kl aucb fie borbcr ebenfalls ibre Bewegung durcbmacbxr: 11111:'„x11. Lk Ersa“.- 001111110110, Und diese Beivegung läßt fiki) [etzt fcbbxi crkcieri. (Euer Kc-mmcn, 1.15 Kommen der ebrfürchtigcanindrrx 511 Zbrexn Va- ter, die Aufmming, die sich in den so zablrewbsn *Prigcriaiwfxn dcr katboiisrben Vblksr kundgiebi, dieses Allos stud Anzrxchcn dicirr B2- weguug. dei“ Wicdwiwll der inbrünsiigen Gebete, d1§ 11113 de_n 91:73:11- 1iatc11 Ziättcn zu (55011 empbrft-igcn. Auch darin, d.?i; d1e Bußgcrwbxe förmlich bclagert wcrdra, Daß bäufißrr zum Tiixbe Dc?- Hrrrnzgxtrrtrn wird, daß die guten Werke vcrmeb1t werden, [i_cgt c111c__B1-11aiigxxng dafür, daß untsr dea Trümmern der Kirche Jem Cbrtiii SML Brwe- gung bekricbt. _ _ "

Wenn aber die Gebeine noch nicbt dic? ebrmaiigxxi , „7101116: wicdcrbrrgcstrut haben, dann erinnert Euch, meme lieben Kinder, d.".ß die Kimba Jesu Christi auf einem Grundstein riiixi, din Lin bon aiim Seiten bci" von der Wutb ker Winde und dem- Llnprqil der chru nmiiürmtrr Jeiixn darstrklt. Wohl ist in dcr Kirwe 1512 V1“!

wegung vorbaiidrn, aber die zerstreuten Gebrine treirn LÖ“? mehr 11:11 ibicn früheren Platz zurück; denn fie Werken von km ;:x:urw_en,_*xr:1 dcn Gewitiern daran Verhindert, die von 1111611 172111111611 eriioi: cr- balirn und nicht ei)cr aufhören w:rdcn, an dcir 95111611 :11 ichlazrn, bis er nicht von jkdem Flecken befreit und gereinigt i8111_w1r_d.

Die Flecken, die ihn noch vkrunrcinigen, sm_d die nr-ckrigen ??c- len, die sogar das eigene Gewissen binqeben Wurdqn, uw sicb cines Friedens boÜer Kummer zu erfreuen, Es vekU11kklnkgkn ibn qiixbdre unbedbcixisamm Serien, die noch immer nicbt in ilixcn chxiiieimxirn die Hand Gottes erkennen, die uns für untere Sizrzrcn irrait nnd züchii-zu und 11116 so traurige Ereignisse vor Aggctr iiibrx: *1:_f1brcn

fort, mit gekrmnien Armen und mit einsr Gleichgiiiiigfszi, ric e':1sn dauerk, in die Welt zu blicken, glsich als obst: in_g111ck11_.11_111 undgc- segueten Zéitcn lebten. Ja, sie vrrunrcimgcn ibn, _d1-;*sn_Fci'-:n, diése dem Tonicl vr1kaufte11 Serien, die Turck) 1er Sprache und durch ihre Hände dazu beitragen, die Karbe zu zersiOkCU, kcrcn Lehren fie läsiérn. Sind aber diese Flecken erst verschwimden, kaun wird uns Gott QUÉ) TrosZ spfciidcn und der gcgrnwxrttzeii Bcwang werden 11k1'1afii c riukip e 0 gen. _ _ _

Wazs wird Jaber dann aus dcn Gotilosrn wsrden, dr: d1e Ki.“.bc verfoigsu? I;: den leizicn Tagen ist mir cm Buck) „1xbrgcirgr workcn, das in eincm kaibolischcn Lande Eurrpas gcdrucki 11t._ Es werden darin sorgfältig (LÜK Tbatsacheu bcrzricbnet, dic sick) ani dxs Ende der Vcrfoiger der Kircbe beziehen. ch haben ails, „obne ?l11S113171ric, ein klägliclyes Ende grnrmmen. _Dcr Vcrfaffer beginnt, 1111: Herorcs, Pilains, .iiaipbas und gclan t [;ck auf unicrc Zciixn, 11122111 er Mie unseligen Aus,“;ängc uacbwei t. _ _ _

Auch wir haben also das Recht, zu glauben," daß dw gsgenwar- tigen Verfolger der Kirche das Endexibrcr Borgaiiger bab;11,w:_r_rcn, und das; de;- err zu cincr von der Vorsehung brsiiniwirn 3511 iczncr von Gmnd aus griänterten und von den .Bandczi, m1t dcnrn, sie ihre Feinde Und Vcrioigsr fcsielten, befreiten Kirche eme barmherzige Hand reicbrn und sie, mit cinrni oldenen K_lcide aiigeibaxi, zar T_iirchten ihres göttlichen Begründers Flas ergrc1fen [asien Wird: „4511112 rc:- giua 8, äczxtrjg 11115 in 11Min äscurato, _

Wclcbcs wird aber, liebe Kinder, in dieser Erwartung untere Haltung sein müssen?

Wir müssen im Gebete und in den schon begonnenen gutxn Werken verharren; Ihr habt es selber soeben gesagt. Und da wir uns ge- ;adc in der Fastenzrit befinden, müssen wir uns'in der Buße und un Fasten üben, in dcr Enthaltung von jeder Speise, „besonders, aber in dcr Entbaltung von jeder Sünde: 1011111911115 3 111118. Es _1st lcider nur zu wahr, daß die Buße in der katholischen Welt ggr irlten ge- worden; und korb bietet src ben eigenilicben Weg, der uns in die Arme

unseres himmlischen Vaters führt.