Als dritter Gegenßand war_ auf dje TagZSordnung geseßt der mündliche Bericht der Iusttzkommtsfion uber. den Gesetz- entwurf, betreffend Die Einführung der KretSordnung
vom 13. Dezember 1872 in_ den Grafschaften Wernigerode und Stolberg. Der Berichterstatter ])1“. Dernburg beantragte Namens der Kommission :
]) ken Geseßcntwurf in der Fassung des Hauses der Abgeord- neten unverändert anzunehmen; 2) die Petition des Grafen Alfred zu Stolberg durch den gefaßten Beschluß für erledigt zu erklären, An der Generaldiskusston über die Vorlage betheiligten fich ferner die Herren 1). Wißleben, v.Knebel-Döberiß, Becker (Dort- mund) und Baron Senfft v, Pilsach, sowie der Regierungs- Kommiffar Geheimer RegierungS-Rath v. Brauchitsck). Auch der Minister des Innern, Graf z-uEulenburg, griffin die Debatte ein. In der Spezialdiskusfion nahm zu LF. 1 Herr v. Knebel-Döberiß nochmals das Wort, worauf dieser Paragraph in einer von Gr. Franz zu Stolberg-Wernigerode beantragten namentlichen Abstimmung mit 54 gegen 37 Sximmen angenommen wurde. Mit gleicher Majorität wurden auch die übrigen Pakagraphen des GcseHes ohne jede Debatte angenommen.
Bei Schluß des Blattes begann die zweite Berathung dcs GeseHentwurfs, betreffend die Uebertragung der Eigenthums- Und sonstigen Rechte decZ Staats an Eisenbahnen auf Das Reich.
_ In der heutigen (60) Sißung dcs Hauses der Ab- geordneten, welcher am Ministertisckze mehrere Regierungs- Kommiffarien beiwohnten, beantragten nach einigen geschäftlichen Mittheilungen der.“: Präfidentcn die Abgg. v. Benda und Osterrath den „Gese-Hentwurf, betreffend die Deckung der für die Wcrterfxibrnng und Vollendung der Bebra-Fried- länder Eiseybahn erforderlichen Geldmittel, an die Budgetkommisnon zu verweisen, worin ihnen das Hans beitrat. Es chlgte die erste Berathung des Geseßentwurfs, betrefxend die Verwaltung der den Gemeinden und offczltlichen Anstalten gehörigen Holzungcn in den Promnzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen und Schlefien. Der Abg. Osterrath beantragte die Verweisung der Vorlage an die Agrarkommisfion, der Abg Schmidt (Stettin) d'.§ Verjveisung derselben an eine besondere Kommisfion, wahrend die Abgg. Rickert, v. d. Recke, Lauenstein und Graf Matuschka zwar sachlich fick) auf den Standpunkt des Abg. Osterrqtb fteUten, jedoch in Betreff der Verweisung an eine Komm1s11on mit dem Abg. Sckzmidt übereinftimmten, Die Vor- lage wurd; an eine Kommisfion von 14 Mitgliedern ver- Wtesen. Nachster Gcgcnstand der TageSordnung war die dritte Ber_athung dcs GescHenttvurfs, betreffend die Ge- schaf„tsszzrache der Beamten, Behörden und politi- schen quperschaf1en_des Staates. Den Abgg. Wackzler (Schwctdmß) und errzbmski, welche gegen das Geseß sprachen, trat" der Abg. v. Tempslhoff entgegen. Der Abg. Wierzbinski bckatxtpfte mit Leidenschaft die Vorlage. Der Regierungskommiffar Gehetmex RegierungE-Rath Herrfurth wies diese Angriffe als unberechtjgt zurück und sprach die Hoffnung aus, daß die Vor- lage durch NuSgsekchUng der nationalen Differenzkn dem Lande zxtm Segen gereichen werde. Der Abg. Dr. Aegidi schloß fick; dxeser Auffaffnng an, indem er eine Erwiderung «mf die leidenschaftllchen Aeußxrungen des Abg. Wierzbinski als upter der Würde des Hauses ablehnke. Der Präfident v. Ben- nzgsetx crklartc, daß er jene Aeußerungen des Abg. Wierzbinski, dte wrederholt über die Grenzen des parlamentarisch Erlaubten binausgeggngen, nur deshalb gestattet habe, weil er geglaubt, dex'prcußtsckze Staat sei „stark genng, um auch solche Angriffe rnhrg zn ertragen. „_ Benn Schluß des Blattes ging hierauf das HaUs zur Spezialberathung ber Vorlage über.
_.Die Einnahmen an Zöllen und gemein- sck)aftltchen Verbraucbsßeuern im Deutschen Reich
babxn für_ die Zeit „vom 1.Januar bis zum Schlusse des Monats Aprxk 18-6 _(vergltchcn mit demselben Zeijraum des Vorjahrs) bctragen:_ „Jolle 37,656,Z00 516 (_ 556,455 „%), RÜbenzucker- ß6112k29,142,5174jé (+ 101322174416), Salzsteucr 9,750,261e)é: (_ 187266 „“), Tabaksßeuer 354,532 :46 (+ 93095 xxx), Branntmemsteuer 18,189,188 (sé: (_ 326,788 55, Uebergangs- abgabeJK von Branntwein 41,764 :!(c (+ 4132 (!(-.), Braußeuer 7,193,1»*4 «16 (+ 188,45?) (16), UebergangSabgaben von Bier 306402 %. (+ 8138 ()x-.). Zusammen 94,239,754 516 (+ 9845483 :!éx).
_'In den deutschen Münzftätten nd bis um 13. Mar 1876 geprägt: an Goldmünzen: 1,081,049,6WzW Doppelkronetx , 320,405,050 „FH Kronen; hiervon auf Privat- rechnung; 170,077,»145 (sé; an Silbermünzen: 42,917,190 5-5 5-Markst1xcke,u132,876,475 „FH 1-Markftücke, 23990343 „46 50 H 50-Pfe1x111gstucke, 24059608 (46 80 -e3 20-Pfennigftücke; an Nxckelmunzen: 16,037",466„4ß 50 H 10-Pfennigftücke, 9,400,178 «FH 70 ,;Z 5-Pfen1x1gßbcke; an Kupfermünzen: 5,448,778 «FH 8 ,;Z 2-Pfen_mgftucke; 3,002,106 576 47 -:3 1-Pfennigftücke. Gxsammxauspragung: an Goldmünzen: 1,401,454,650 „M; an S_xsbexnxmxzen: 223843617 556 30 J; an Nickelmünzen: 25,434, 945 446 20 J; an Kupfermünzen: 8,450,884 „46 55 43-
__ In ker hemigen Börsen-Beila e bexndet 1 di 1abe11a11sche Uebersicht der Woche11=9l1161ve?se dest deuTschch 21T thtelbanken Vom 15. d. M. Dieselbe schließt mit folgenden summarxskhen Daten: Es betrug der Kaffenbeßand der 19 Banken der Tabelle 764,433,000 (FC:, d. 1). gegen die Vor- KULT)“ mcsyr 19079000 54; der Bestand an Wechseln mit 635,118000 (76 zeigt gegcnübcr dem Stams dcr Vorwoche eine Abnahme 11:11 23886000 446; die Lombardfordernngcn mit 93436000 :sé haben sxck) um 1,392,000 :ké gegen die Vor- wvche ver_rmgert; der Notenumlauf stellte fich auf 903,387,000 546, d_. 5. 8858000 HW weniger als in der Vorwoche. Die täglich faUrgxn Vcrbmdbchfeiten im Betrage von 190,764000 516 wei- sxn sm_e Permehrubg Um 6,131,000 „46 auf, während die an 21114: Jundtgungsfrtft gebundenen Vcrbindlichkeijen in Höhe von 16.19.3000 :!é. fick; um 732,000 „16 verringert haben.
_ DieVorsckzriftcn derGencralsynodal-Ordnun Ab nitt 1'1 machen xnr Tue naeh der Kirchengemeinde- uZd sHynwbalo Ordnung voxn 10. September 1873 in Funktion ftehenden Kreis- sqnoden eme Reorganisation rüchfichtlich der gewählten'Mit- gbeder erforderlich (F. 43 Nr. 3 das.). Diese betragen künftig bre dopyeltx Anzahl der nach §. 43 Nr, 2 das. als vollberech- ttgte Mstgltedex an ber Kreissynode Theil nehmenden Geistlickzen und zerfallen m zwetcglcxchs Hälften, Die eine Hälfte entspricht. dem Maße der „Betheutgung, welche allen einzelnen Gemeinden des Synodalkretses durch, thre Geißlichen an der Kreissynode zukommt; es hat baher ]Zde'Gemeinde eben so viele Personen, als ße ftxmmberechtzgte lestllchein der Kreissynode hat, aus dem Berexche :hrer berzetngen oder früheren Aelteßen zu crtyählen und als ernodalmttglteder zu entsenden. Die andere Hälfte, deren
aus detx apgesehenen, kirchlich verdienten und erfahrenen Män- neyn gexstltclzsn oder weltlichen Standes, welche dem Synodal- ertse angeboren“, zu erfolgen hat, soll von den an Scelenzahl st"arkere-n Gemem'den abgeordnet werden. ljHierzu bedarf es fur ]ede Krezssynode einer individue en Feststellung, butch wexche dxe einzelnen Gemeinden, die an der Wahl „dWskk Halfte zu betheiligen smd und die Zahl der jhnen betzulegenden Abgeordneten bestimmt werden. Nach Vor- schrift 'der Synobalordnung soll hierbei die Seelenzahl als An- hglt _dtenen, so jedoch, daß neben dieser auch die örtlichen Ver- haltmsse der Gemeinden und des Kreises Berücksichtigung finden. Es wrrd haber nach einem Cirkularerlaß des Evangelischen Ober-Ktrchenxaths nächst der Seelenzahl auch die durch die besonberen_Umstande bedingte Bedeutung der einen oder anderen Geuzemde tn Betracht zu ziehen und, was die Verhältnisse des Kretses cznlgxxgt, bahin zu ftreben sein, daß weder einer Gemeinde dte Majorttat sammtlicher Synodalmitglieder zufällt, noch umgexehrt, wenn etwa in einem Kreise nur eine bedeutendere Gexxxemde vorhanden ift, diese durch zu Weit gehende Be- thetlxgung kleinexer Gemeinden den leßteren gegenüber in ein qffenbaxes thangigkeitsverhältniß versth wird. Die Repar- tixton fallt Fur das erste Mal dem Königlichen Konfifwrium, in semer Berftarkung durch den Provinzialsynodal-Vorstand, nach gutachtltcher Anhörung der Kreissynodal-Vorftände zu. Die Konstßortep smd daher beauftragt worden, zunäckzst die Seelen- zahl der emzelnen Gemeinden festzustellen und nach den vorher besprbchenen GestchtSpunkten über die Betheiligung derselben an dxr Wahl der zweiten Hälfte der gewählten Deputirten einen Plan zr; entwerfen, der dann der gutacbtlicth Beurtheilung dxr Kretssynbdal-Vorßände mit Rückficht auf die örtlichen Ver- baktmffß zu xzbergeben'iß. Nach Eingang dieser Gutachten hat dann dreischslrcß11che FeststelTung der Vertheilung unter aniehung des Provmzxalsynodal-Vorßauds zu erfolgen.
Zuglxick) hat der Evangelische Ober-Kirckzenratk) die Auf- merksamth der Konfistorien auf die Vorschrift im Schlußabsaß de§"§. 43 a. a. O., betreffend die Theilung größerer Dtbzesen gexenkt. Es sei unumgänglich, auf dem Wege der Thetlung so vrel als möglich dem Mißstande vorzubeugen, daf; xme KWcrssynbbe zx: einem Personalbestande anwächft, der mit threrp „Gesäxfastökrets in keinem Verhältuiß steht und die gbdelhltche Fuhrupg ihrer Verhandlungen hindert. In dieser Be- zrehng xverde_ kenze beftimmte Zahl bezeichnet, weil die konkreten Vsrhaxtmffe hterbet in erfter SteUe in Betracht kommen müssen; xvenn Zn ber Regel ein Personalbestand der Synoden von gegen 50 Mxtgbede'rn als der wünschenswerthe zu betrachten sei, so wurden .moemzelnen Fällen erhebliche Ueberschreitungen, wenn unvermerrch, noch getragen werden können.
_ Der Vorstand der Jeldgemeinde G. hatte, ohne durch den Genxemdebeschluß ermächtégt zu sein, an einem Privat- wege xme Warnungstafel aufßellen lassen, nach welcher ach, mcbt „zu landwrrthschastlichen Zwecken“ dienende Fahrwerk von der Be'nuyung des fraglichen Weges aUSJeschwffcn sci. Das Qber-Trtbmxal hat in der Siyung vom 27. April d. I. dteseF Verbot fur wirkungslos erklärt, weil es als eine selbst- verßandliche Vorausseßung des §. 368 Nr. 9 des Reichs-Straf- geseßbuckzes betrachtet werden;. müsse, daß die einen Privatweg absperrcnde Warzmngstafel von einer hierzu berechtigten Person aufgesteUt sex, xm vorliegenden FaUe aber der ermächtigende Gememdebeschluß fehly. “
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__Der Gencral-Febbmarfäßnü Herwarth- von Bitten- fclb 11: von Bonn hier c*§11getroffen und im British-Hot'el ab- ?eftxegen.
. _ Dex: General-Lieutenant von Voigts-Rheß, ck 15 tho des Kbnigs-Grenadier-Regiments (2. WeßpreußisckJeS) Nr. 7 und Commandeur der 20. Divifion, ist nach beendigtem Urlaub nach Hannover zurückgekehrt.
"_. Der CoytrezLxdmiral Batsck], Chef des Stabes der Kaqerlrckzen Admtralxtät, hat fick; nach Wilhelmshaven begeben, Jm dort das Kommando Über das Mittelmeer-Geschwader zu ubernkhmen.
_ Ter' Kaiserlich rusfische General-Adjutant Baron Kraffngell 117 gestern Abend aus St. Petersburg hier ein- ero en.
_ S. M. S. „Elisabeth“ ist am 18. d. Mts. Be us Ueberfahrung nach Kiel, in Danzig in Dienst gestellt. h f ' S. M. ant. „Comet“ ist am 18. d. Mts. Nack)- mtttags von Ktel nach dem Mittelmeer in See gegangen.
' S. M.. Kbt. „N_auti[u§“ ist am 19. d. Mis. früh m Port Smd emgstronen und beabficbtigte noch an demselben Tage nach Konstantinopel in See zu gehen.
Hannover, 17. Mai. Die hannoversche Landes- synode nahm, heUte nach mehrwöchentlickger Vertagung ihre B_era_tk)ungen wreder auf zur Erledigung des allein noch rück- standlgcn Gegenftandes „ des Gcseßentwurfs über kirchliche Trattyngen. An der Sptße des Geseßes steht der Say: Die k1rchltche Trauung hat die rech19gü1tig geschlossene Ehe zur Vor- auswßung. _Der ?lntrag auf Streichung des Saßes wurde ge- gen eZne Mmderheu von nur 6 Stimmen abgelehnt, und damit das Yauptbedenken wider den Entwurf beseitigt.
Bayeux. _München, 18. Mai. Die Bevölkerung Mün- chens hat dxe thr durch die dsrmalige Kammermehrheit auf- gedrungene „neu? LandtagSwahl heute vollzogen. Wenn Hr. L_lbg. Wulfert m der Kammerfißung vom 4. d. äußerte: „Wenn dte htefigen Yahch kas_firt werden, so wird München die rechte Unt- wbrt geben “,'so tft, wre die „AUg, Ztg.“ hervorhebt, diese Prophe- zctung heut tm vollsten Maß in Erfüllung gegangen. „Die Zahl dkr [jbexalen Wahlfixge, die wir seit einer Reihe von Jahren bei den Retchstags-, nne. bei den Landtags: und Gemeindewahlen errungen haben, lst heut um einen neuen vermehrt worden. Bayerns Haupt- und Refidenzftadt hat ihre liberale Gesmnung von neuem glänzend bewährt. Nach vorläufiger ZusammensteUung wurden bei der heutigen Wahl 9950 libe- rale und 4900 11,11ramontane Stimmen abgegeben, und wurden von 49 Wahlbeznken 249 liberale und von 7 Wahlbezirken 35 ultr'amonxane Wahlmänner gewählt. Bei der leßten Wahl im Iult 1875 nzar das Ergebniß: 9812 liberale und 6878 ultra- montczne Stimmen, und waren damals von 44 Wahlbezirken 22_8 lxberalezmd von 12 Wahlbezirken 56 ultramontane Wahl- :xjatxner gewahlt. Das Ergebnis; der heutigen Wahl is! demnach eme ßarke „Niederlage der ultramontancn Partei, eine Niederlage wie fie dkeselbe mcht erwartet hat.“ _ Eine Nachschrift des Korrespondent2n besagt, daß 10,035- für Liberale, 5007 für
Ultramontczne gestimmt haben. _ Dre „Südd, Px.“ meldet: Die Nachricht ciner hiesigen emer Seitens der Subkommisfion des
Wahl ohne Beschränkung auf derzeitige oder frühere Aeltcße
Arbeixen iß'voÜständig unbegründet. Die Subkommisfion hat erst eme Stßung gehalten und ist in derselben in ihrer Aufgabe, deyBeendtgung der WahlkreiSeinthcilung, nicht weit gekommen. Wexteres verlgutex zur Zeit nicht. _ Ueber die Eivilliften- frage soll m emer SUißung der liberalen Fraktion und einer Zusgmmenkunft der Fuhrer beider Kammerpartcien jeßt eine Eimgung erfolgt sein.“
, _ DLL" klerikale: ,Bayerifcbe Kurier“ rü«t die Angriffe der [tberaxen Preffg ans das angestrebte Wa [bündniß der Klertkalen _mrt den Sozialdemokraten, bezeichnet aber rxxcht§desto1vemgeb x_in Bündnis; zwischen „der bayerisch=patriw t11chcn1znd sozialtftt1chen Partei als eine Unnatur, theoretisch verWerltck) und zudem praktisch ohne Erfolg“.
' __ Zur Frage dkr Neubildung einer Mittelpartei theilt eme hteftge' Korxxspondenz aus „beßer Quelle“ Folgendés mit: „Sofxrn dle erwabntm Zeitungsnachrichten nämlich von einer Neubxldung der ehemaligen, wesentlich ministeriellen Mittelpartci spreckxen solljen, müßte dies entschieden dementirt werden. Es 1]? allerdings im Kreis von angesehenen und ein- slußretchen Persozten der Stadt München, ebenso von solchen 11) den Pxovmzen, der Wunsch auSgedrückt worden, emx neue Mtttelpartei ins Leben zu rufen, die mit der Zeit geetgnet m_are, das Land aus der gegenwärtigen Parteimisere herauSzubrmgen, und wieder beffere öffentliche Zustände, vor AÜem abex Frtcden unter den Konfesfionen herzustellen. Es habetx zu diesem Zwecke'auckx schon Besprechungen stattgefunden, und tft zu hoffen, baß m mcht zu ferner Zeit eine solche Partei, bnd zwar auf wrrtk)schaftlich-ständischer Grundlage, auf den offentlwhen Kampfplaß treten werde.“
Sgchfeu. Dresden, 18. Mai. Da die Leipziger Bank thre Notezx zu 100 M aus dem Verkehre zurückziebt und nur noch bts Ende Juni 5. Is. einlöst, ßnd sämmtliche Staatskassen „angewiesen, dergleickyen Noten nicht mehr anzu- qehmen. Ber dteser Gelegenheit machen die Ministerien durch eme Bekanntmgchung noch besonders darauf aufmerksam. daß bon denz Papxergelde, welches nach der Verordnung sämmt- ltchex Mtntßerien vom 8. Dezember :ck. II., die “Annahme von PapZergeld betreffend, unter 43. bei aUen Staatskassen unbe- schrankt anzunehmen ist, die Noten der landständischen Bank zu Bayßen und die Kassensckzeine der Leipzig- D“re.sd'ner Etsenbahn-Compagnie nur innerhalb des qugretckzs Sachsen zu Zahlungen verwendbar find, dagegen zu Lexstung von Zahlu'ngcn außerhalb Sachsens nicht verwendet und daher auch mcht nach außerfäckzfischen Orten in Zahlung gcsendet xverden dürfen. Zuwixerhandlungen gegen diese gesetz- l1che Beßxmmung werden nach §. 56 des Bankgeseßes mitGeld- strafen 516 zu 150 „46 bestraft.
' _ _(D. I.) _Die Zweite Kammer beschloß in Zbrer heu- t:gen_St§ung zunachß , obne Debatte, der StaatSregierung die Ermachtrgung zu erthetlen, eine mittelst Dekrets vom 29. März 1876 vorgelegte neux Gebührentaxe für die Kostenbereckznungen der Verwaltungsbehorden erster Inßanz unter Berückfichtigung
verschiedener yon der Geseßzebungsdeputation vorge- schlageneY_ Abanberungen" auf dem Verordnungswege zu publtzxren, dtese Ermackztigung auch" auf Etwaige Er-
ganzungerx und spätere Nachträge zu erstrecken, ferner die Staatöregwrung zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob eme_Remfion der Gebührentaxe für Baupolizeisachen, insoweit selbsge. fich aus dxe beühren der Bausachoerßändigen bezieht, angézetgt' erscheine“, beztehkntlich die StaatSregierung zur Vor- nahme dteser Remfion zu ermächtigen, Hierauf Wurde die Be- rathung des _Geseßentwurfs Über die höheren Unterrichtsanftalten zu Ende gefuhrt. Das Resultat derselben war aUenthalben die Annahme der DeputationSanträge unter Ablehnung aUer Amexzdements, Unter welchen der Antrag des Abg. Käuffer auf Verlangerung des Kursus der Realschulen [. Ordnung von 8 auf 9 Jahre eine läpgere Diskusfion veranlaßte.
_ Heute Vormittag kam mit dem Courierzuge aus Lindau ber General-Felbmaxscbal] Graf Moltke hier an, verweilte bis Zv12teauf dem bohm1schen Bahnhof: und fuhr dann nach Görlt'ß
er r.
Baden. Karlsrnbc, 19. Mai. Zn ker ZWLiten Kammer Wurde Heute dcr Gcscßcntwurf iibcr Dic Ober- Ycchnungskannncr durck7bcrafbcn und in namentlickyer Ab- 1trmxnung angenommen. Dagegen stimmte ein Mitglied; vier enthielten fick) der Abstimmung, darunter die drei Minister.
' Hessen. Px1rmstadt, 18. Mai. Geßern traten die Ftngnzausschu_sse beider Kammern, unter Hinzuziehung der Regterung, behuxs gemeinsamer Berathung des Skaatsbudgets und dex neUen Steuergesetze zusammen. Troß der längeren D'oppelp'ßungen am Morgen und Nachmittag konnte das sehr re1chbalttge Material nicht ganz erledigt werden; die Fortsexzung der Berathung_findet nächsten Sonnabend statt. _ Wie das „„Frkf. IIZ erfahrt, hat fick) die aus Veranlassung der beabfich- ttgten Retchßgesetzgebung über das Patentwesen von der Großhxrzogltch lxesfischen (Zentralstelle für die Gewerbe ernannte Komm1sfion bei Berathung *derersten und Hauptfrage, ob die Ertheilzmg von Patenten fernerhin überhaupt noch stattfinden solle, m bejahendem Sinne entschieden. Ueber die weiteren Fragen wird erst in folgenden Sisungsn berathen werden.
Oldenburg. Oldenburg, 17. Mai. Aus den gestri- gen Larxdtagövexhandlungen ist Folgendes mitzutheilen: Bekann1_ltch hatte dte _altkatholisckze Gemeinschaft in Ober- stein (Jurftentkzrxm Birkenxeld) an den vorigen Landtag wieder- hblt emx Petttwn, betreffend Regulirung ihrer Rcckztéwerhält- mffe ger1chth und gebeten, die Ordnung derselben nack) Muster des prmßtscben Geseßes zu veranlassen. Der vorige Land- tag. hatte diese Petrtkonen_ der Staatöregierung zur Berück- fichttg1mg empfohlen. [Fm uber den Stand dieser Angelegenheit Auskunft'zu erhalten, mterpeUirte gestern der Abg. Keller die StaatNegxerung und xrhielt zur Antwort, daß die Regierung diesen Gegenstand ber'etts in Erwägung genommen habe. Nack;- dem vom Landtage „eme weitere Besprechung der Sache beschlos- sen war, gelqngtc em Antrag des Abg. Windmüller zur An- nahme, dahm _gehend, die Großherzogliche Staatsregierung zu cr_suchext, dcm nachften Landtage eine fich auf das Rechtsver- ZÜxerttttß der Altkatholiken beziehende GeseßeSvorlage zu
Sachsen-Weimar-Eisenach. Weimar, 19. Mai. Das
„Regierungsblatt“ verb entli t das (He's betre e d d' Fischerei, vom 6. d. ZT. ck 'H“ ffn W Elsaß-Lothringen. Straßburg, 19. Mai. Der
(Yutwurf des Geseßes, betreffend die Kreise, wel en dte_„Strgßb. Ztg.“ veröffentlichte, ist leich dem bereits miLe- theilten uber dre'Erweiterung der Be?ugniffe des LandeSaus- schusses, von wentragender Bedeutung. Das genante Blatt
Kbrrespondenz von Wahlgeseßausschusses erfolgten Zuftandebringung der
äußert fich über die erstere Vorlage folgendermaßen:
“ weiter.
Gleich jenem liegt ihm eine dezentralisirende Ten- denz zu Grande und, während durch die Erweiterung der Be- “fugniffe dxs Landesausschuffes ein größeres Maß der Selbstän- Digkeit für das Reichsland erstrebt wird, sucht dieser Entwurf den Kreisen, seithsr nur Verwaltungöbezirken, eine kor- .porative Sekbständigkeit zu verleihen.
Die SteUung der Kreise wird, wenn das beabsichtigte Geseh zur Ausführung gelangt, eine völlig veränderte und fie erscheinen in Zukunft als Vermögenssuijkte mit juristischer" Persön- lichkeit, deren Rechte und Befugnisse durch das Gesetz näher festgestellt werden.
Als die Vertretung des Kreises erscheint der Kreistag, der nicht nur Über den Etat des Kreises zu berathen, sondern auch die Grundsäye festzustellen hat, nach welchen die Verwal- '1ung ch Kreisvermögens der Kreißeinrickztungen und Kreis- anftaljen zu erfolgen hat und dessen mannigfache Wirksamkeit in dem Entwurfe hinlänglich bezeichnet ist.
Vielleicht bedeutungsvoller noch als der Kreistag erscheint ,die unter dem Namen KreiSauSscbuß zu bildende, von Dem Kreistag zu wählende ständige Delegation. Der Kreis- ausschuß führt Uicht nur die Aufsicht übsr die Kreisanstalten, für welche fick) der Kreistag selbsj als ein zu schwerfälliger "Apparat erweisen würde, sondern er steht (mch als ständige "Vertretung des Kreises dem Kreisdirekwr zur Seite. Diese ßändige Wirksamkeit des KreiMuSschuffes begründet einen wesentlichen Unterschied gegenüber den bistzerigen Einrichtungen, welchen eine unaUSgeseßt aktive Betheiligung des bürgerlichcn “Elementes an Verwaltung unbekannt ist. Der Krei-Zauöschnß wird berufen sein, dauernd die Interessen des Kreises zu wahren, die dem Kreistage zur Beschlußfassung zu unterbreiten- den Angelegenheiten vorzubereiten und die näheren Bestimmungen über die Ausführnng bereits gefaßter Beschlüsse zu treffen.
Der Entwurf begründet also keineSwegs eine ErWeife- rung der Befugnisse der Kreisdirektoren, wie in einem Strafz- burger Blatts vermulhet Wurde, bevor derselbe zur Veröffent- lichung gelangt war, sondern er enthält eine merkliche Ein- schränkung derselben. Der Kreisdirektor erscheint dem Kreis- ausschuffe gegenüber, wie die Motive zu dem Geseßentwurfc be- merken, als Vorfiyender, als Träger der Initiative und er ver- handelt nach dem Cntwurfe „Namens des Ausschusses mit Be- hörden und Privatpersouen, führt dM Schristwechsel und zeich- net alle Schriftstücke für den Ausschuß.“
Es ist hier das bureaukratische Elemem mit der gewählten Körperschaft, sowät dieses tbunlick), verschmolzen.
S0 hofft man, wie es in den Motiven heißt, „der berech- Ligten Forderung unserer Zeit, dem bürgerlichen Elemente ein größeres Maß der Thätigkeit und des Einflusses auf allen Ge- bieten des öffentlichen Lebens zukommen zu lassen, Genüge zu thun“ Und nach dem Vorgang Deutschlands, wo „fast überall kleinere kaporative Gemeindeverbände gebildet werden, welche eine eifrige und segenöreiche Thäjigkeit entwickeln und nicht wenig beitragen zur Förderung geistiger Negsamkeit, politischer und xvérthjcbaftlicher Bildnng in den Kreisen des Bürgerstandes“, eine Institution zu schaffen, welche in hoffentlich segensreicher Weise beitragen wird zur Entwickekung .des kommunalen und politischen Lebens in Elsaß-Lythringen.
Oesterreicb-Ungarn. Wien, 18. Mai. Die Kaiserin “begiebt fick], wie die„Preffe“ mittbcilt, Enke dieses Monats nach Ischl Und wird daselbst wähchd des ganzen Sommers ver- weilen. _ Der Kronprinz und die Kronprinzesfin von Däne- mark find gestern Abend hier angskommen.
_ Man berichtet dem „Pester Lloyd“ von hier, Baron Koller sci dcratt leidend, daß sein Urlaub absolut umrxäßlich wurde und daß er fick; in der That vor die Alternative, längern Urlaub oder Demisfion, gestellt sah. Die [eßtere wurde nicht angenommen, dagcgrn der erstere bswjlligt, und so sucht Baron KolTer 1th in Bxden Erholung und Heilung von einem Brust- leiden, das ihn schon seit Langem peinigt und ihm seine auf- reibende Thätigkeit in erhöhtem Maß? erschwert,
Lemberg, 18, Mai. Großfürst Michael gekangte heute hier an und reiste nach kurzem Aufenthalt nach Stuttgart
„ _ In Snowidow (Buczaczer Kreis) verhafteten am 15. Gensd'armen auf gerichtlichen Befehl 11 Banern, welche der gerichtlichen Vorladung keine Folge leisteten. Ueber 200 zusammengerottete Dorfeinwohner, Männer und Welder, woll- ten mit Gewalt die Verhafteten befreien. Nack) erfolg- losen Mahnungen ließ der Patrouilleführcr mit dem Bajonnet vordringen, und als dies nicht half, Feuer geben. Zwei Bauern wurden getbdtet und zwei schwer verwundet, worauf die Menge zerstob. Das Buczaczer Gericht entsendete eine Gerichtskommisfion und requirirte militärische Nsfistenz aus Monasterzxwka.
Pest, 18. Mai. Die Dissidenten-Partei hat fick; definitiv konstituirt. Zum Präßdenten wnrde Jöldvarr], zum Vize-Präfidenten Baron Banhidt] gewählt. Die Disfidcnten Werden six; „unabhängige liberale Partei“ nennen.
_ 19. Mai. (W.T.B.) Die Reichsrathsdclegation hat das Budgetdes gemeinsamen Finanz-„Ministeriums nach den Anträgen des Ausschusses genehmigt, auch eine vom Ausschuß vorgeschlagene Resolution, in welcher das gemeinsame Ministerium aufgefordert wird, bei der AufßcUung des Budgets pro 1878 auf die Verwendung der cntbcbrliclzen Kapitalien des Militär-Sterertrcter-Fonds Bedacht zu nehmen, mit 23 gegen 21 Stimmen angenommen, obwohl der Reichs-Minister bei der bezüglichen Debatte fich gegen dieje Rcsolution auSgesprochen hatte. Auch der Etat für den obersten Rechnungshof und die Bedeckungspost der Zolleinnahmen wurden genehmigt.
Vom Vudgetaussckwß der Reich6rathsdelegation ist das Ordinarium des Kriegsbudgets meist ohne Abänderung erledigt worden. Eine Resolution betreffs Reorganisation der MilitärbildungSanstalten, namentlich dcs Offiziertöchterinftituts in Hernals im Sinne einer Gleichberechtigung der Konfesfionen wurde angenommen. Auf eine Anfrage bezüglich der Angelegen- heit des vormaligen Lieutenant Ertl erklärte der Vertreter der Regierung, IML. Bencdek, derselbe habe unter Vorspicgelung von Konnexionen mit hockygestellten Militärpersonen theils seine eigenen Kombinationen, theils unvollständige AuSzüge aus mili- tärischen Papieren zum Kaufe angeboten, für die Armee sei da- durch aber weder ein Verlust, noch auch irgend eine Gefahr er- Wachsen.
Niederlande. Haag, 13. Mai. Die Zweite Kam- mer hat ßch in ihrer gestrigen Sißung mit der bereits am 17. März U. I. bei derselben von dem damgligen Kriegs-MZnister Weißel eingebrachten Novelle zum Mjlizgeseß beschaftigt.
werden verlangen, von 35 auf 25 Jahre herabzuseßen und die Stärke der jährlichen Aushebung zu erhöhen. Dieselbe beträgt jeßt 11,500 Mann. Der Kriegs-Minister Weißel verlangte diese Zahl aber auf 13,500 zu erhöhen und dessen Nachfolger Ender- lein theilte diese Ansuht. Der nunmehrige Kriegs-Minister Klerck änderte die Vorlage aber dahin ab, daß das jährliche Kontingent 14,000 Mann betragen sokle. Bis jelzt jedoch bat der Entwurf keinen Vertheidiger in der geseßgebenden Versammlung gefunden. Abgesehen noch von den Gegnern jeder Erhöhung des Kriegsbudgets, meinten die Verjheidiger der Aufbesserung der Armee: die mit Bezug auf die Stellvertreter beantragte Bestimmung werde nur eine Erhöhung der Summe zur Folge-habcn, um welche die Stellvertreter jeßt für die der Armee abholden Militärpflichtigen zu erhalten find- Mik RW- ficht auf die Erlzskkzxmg des Kontingents wurde geltend gemacht: dieselbe wsrde nicht ausreichen, um die Armee in den Stand zu seßen, den an dieselbe gestellten Anfordxrungen zu entsprechen, bnd namentlich Um den moralischen Werth derselben zu erhöhen. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht _ eineReform, welche durch das eifrige Bestreben des frübsren Kriegs- MZUZster; Grafen von Limburg-Stirum täglich an Boden gewinnt _ fand ebenfakls vcrschéedeyc ensrgisckze Vkrtheidiger. _ Ein am? Akckzin vom (Heneral-Major Wiggers van Kerchem eingegangener telegraphischer Bericht meldet: daß der Feind am 22. April die Postenlinie bei Lamprit während der Nacht zu überrnmpeln gesucht batte. Die TransPorte werden hin und wieder Seitens des Feindes angegriffen. Ferner berichtet Generg[:Maj0r Wiggers: „Die Truppen seßm den Straßenbau in Atehin eifxig fort. Die Cholera herrscht stark in der feindlichen Armee. Dagegen ist diese Krankheit aus dem diesseitigen Lager fast vollständig verschwunden und ßnd die sanitären Verhältnisse im Allgemeinen sehr befriedigcnd.“ Die amtlickze „Java Courant“ bezeichnet die Unterwerfung des Radschab von Pedir als ein Ereigniß von sehr großer Bedeutung. Derselbe ist nicht nur der Schwiegervater dss lthen Sultans von Aichin, sondern noch dazu einer der mäch- 1igsten und einflußreichften Fürsten dexZ Sultanats. Der Radschas) batte anßerdem früher feierlicbst erklärt: mxr als Sieger oder todt zu den Seinen zurückkehren zu wollen. Die Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags fand an Bord des Kriegsschiffes „Citadel von Antwerpen“ |att.
Belgien. Brüssel, 17. Mai. In den Sisungen der RepräsentanteNkammer von gestern und heute schilderte Herr Frére in großen Zügen die Bestrebungen der U(- tramontanen in Bélgien und deren beständige Angriffe auf die konstitutionellcn Freiheiten des Landes, die Uebergriffe der Bischöfe und der Geistlichkeit und deren verderblichen Einfiuß auf die Schulen; er that dar, wie in den öffe11tlkchen Schulen der Re[igionHunterricht nur ein Deckmantel sei für die Verbrei- tung verfaffunx1sfsindlicher Lehren: Es ist, sagte der Rebner, nur der politische Unterricht einer Partei gegen eine andere. Herr Jacobs, Mitglied der klerikalen Partei, antwortete darauf umd suchte seinen Gegnern Widersprüche nachzuweisen, indem er auf die Verschiedenheit der im Laufe der Zeit von den Liberalen und den Progresfisten aufgeßellten Programme binwies. Er brachte das Programm des liberalen Konvents von 1870 zur Sprache, welches seitdem fast gänzlich vergessen, aber von den Klerikalen so lange als ein Schreckbild revolutionärster Art geschildert worden ist, bis es endlich selbst von Liberalen dafür gehalten wurde, Nun ist aber gerade dieses Programm, anSgegangen von einer Versammlung volt Delegirten aller libe ralen Vereine des Landes, eben das, was auch noch hsnte von der ganzen liberalen Partei angestrebt wird, und so fand jeder Saß desselben, den der k[erika[e Redner vortrag, denlebhaftesten BeifaU seiner Gegner. Gänzliche Trennung des Staates von den Kirchen und in Folge dayon Rcvifion des Schulgesexzes von 1842, Säkackarisation dcs öffentlichen Unterrichts jeden GMDSS, Säkularisation der Bxgräbnißstätten, Abschaffung der geist- lichen Vorrechke in Bezug auf den Militärdienst, Aus- gleichung der militärischen Lasten und Verminderung derselbxn, so weit die Nothwendigkeit der Landeövertheidigung fie zuläßt: alle diese Punkte wurdcn mit lebhafter Zustimmung anfgcnom- men. So hat der klerikale Vorkämpfer der liberalen Partei in der Kammer die beste Gclegenhxit gegeben, ihren Prinzipien angefichts der Wahlen nochmals vor dem ganzen Lande Aus: druck zu geben. '
In der folgenden Sißnng schilderte Herr Vanhumbeeck unter dem lebhaftesten BeifaÜ der Linken, wie die klerikalen Führer überall Haß und Zwietracht säen und das _ganze Volk 1[)a1säch1ich in zwei feind1icl)e Lager zn thctlen suchen; 26 würde endlich dahin kommen, daß zwischen d'en Büchxn desselben Staates das Gefühl der Zusammengebbrtgkcrt voUtg zerstört würde, und dem müsse man mit allen Mitteln entgegen- wirken. Sein Gegenredner, Herr Woeste, suchte, wie es _1mmer von kserikaler Seite geschseht, glauben zu machen, daß dre A1)- l)änger des Papstes und die_ Gläubigen des Syllabus _111 Belgien dennoch treue Anhanger der "Verfassung setey, ja, daß fie allein dem Lande eine Burgschaft des the- dens und der Sicherheit geben. _
„Einen praktischen Erfolg, bemerkt dle „K_öln. Ztg.“, hatten diese Verhandlungen nicht und konnten ihn mcbt haben, denn in der Kammer ift die Majorität der Klerxkalen zu fest, als das; fie durch Reden erschü*tert werden könnte. Sieber ist der Sieg der Liberalen bei den Wahlen durchaus mcht, trotz aller vaerficht, die ihre Organe knnd geben; der Streit der vbr- gesck)1*ittcncn Liberalen mit den Doktxinaret), obglexch qugc'nblxck- lich besch1vichtigt, hat schon zu mel bergetragen, dxe liberale Partei im Großen und Ganzen zu schwachen.“
Großbritannien und Irland. London, 18. Mai. Der bsterreichijch-ungarijche Botschafter Graf Beust gab gestern ein Diner, bei welchem die Botschafter Deutschlands, Italtens und der Pforte, der brafilianische Gcsqndte ,unb einige Mit- glieder der hohen britischen Aristoqutte mtt thren Daxnen zugegen waren. _ Die Denksxhrtft zu Gunsten emer Amnestie für die gefangenen Fenter, „welche tm Unterhausc zur Zeichnung auslag, ift dcm Pxemrer zugesan'dt worden. 138 ParlamcntSmitglteder haben dieselbe uytexzetcbnet, und morgen soll im Unicrhause eme darauf bezugltckze Frage an DiSraeli gestellt werden. _ _
_ Die leßten Postnaclzxtch'ten der „E. E.“ aus"Barb.ados geben zwar noch keinen befrtedxgenden Aufschluß uber dte Ur- sachen, durch welche die Unrxthen auf der Insel hervoxgerufen wurden, thun jedoch hinlängltcb dar, daß die Ruhestorungen nicht so bedenklich waren, als dre nach Londm) eschickten Alarm- telegramme befürchten ließen. „Unzufriedenhxtt chezntfchonlayge auf der Insel geherrscht zu haben und die geringen Arbctts-
11o116pokitik des Gouverneurs mnßté beim Ausbruch Bet“ Unrxchxx nur den Vorwand abgeben. Betheilégt waren an dsnsélben auf der ganzen Insel nur etwa 1000 Psrsonen, der NUSkUka der Negerbcvölferung und von diesen wurden in der Folge etwa 400 gefänglich eingezogen. Während der ganzen Dauer der Vorgänge kam kein einziger Weißer auf der Insel zu Schaden, wohl aber wurden bei Untsrdrüa'nng dsr Unkuhen mehrere Neger erschossen und 17_18 derselben liegen vsrwundet im Spital zu Bridgetomn, An beweglicher und unbeweglickyer Habe wurde viekSclwden angerichtet, habptsäckzlickz hatten es die Ruhestöxec _ Aufständische können fie nicht wohl genannt werden _ auf die Batatenfelder abgeschsn, eine große Anzahl derselben wurde geplündert. Ob der GonverneUr der Insel, Pope Hennessy, Schuld am Ausbruche der Unrukzen trägt, dis vom 15._20. April dauerten, muß fick; erst herans- fteUm; Unlengbar aber ist, daß er fick) von der Panik der weißen Bevölkerung, der (1119, Schrechen eiUes Negsraufstandes vor Augen standen, nicht hat fortreißen [affen Und die schnelle Unterdrückung der Bewegung ist jedenfaUs großemlzeils fewer Energie zu danken“.
_ 20. Mai. (W.T.B.) Demgesteru inGuildhaUzu Ehrsn des Prinzen vonWale-Z stattgehabten Banker wolzntcn Moa 600 Perscmen bci, darunter aUßcr den Mitgliedern der König- lichen Familie die Bokscbaster von Deutichland, Frankreich, Oesterreickz, Italien und der Türkei, die Ministsr, sowie visle Mitglieder des Ober: und Unterhauses. Anf die ibm überreicL-zte Adrsffe a11tworkete der Prinz von Wales mit dem AUSdrucke seiner hohen Befriedigung über den ihm sowohl in Indien wie bei seiner Rückkehr in England gewordenen Empfang.
Fraukreich. Paris, 18. Mai. Aus dcr Amnestie- Dsbatte in der Deputirtenkammer ist die Rede Périns und die Antwort des Marine-Ministers hervorzuhxben. Ersterer gab ein Bild von dsr Lage der Verurtbeilien in Neu-Caledo- nien, das zxvar aus den besten Abftbten, aber nicht aus Mn besten Quellen hervorgegang'en schien.“ Er schilderte die Lage viel 31: düster und der Ministsr rektifizirte diese DarsteUUUg. Die Antwort dcs Ministers wnrde von der Kammer günsr'g auf- genommen. _
_ Der Jinanz-Minister Léon Sat; wird für die Wittwe des Ministers Ricard eine Pension im Betrag von 6000 Fr. in Vorschlag bringen,
_ Die Königin Christina wird morgen nacb Aranjuez und die Königin Isabella nach Santander und später nach Sevilla fick) begeben, der Horzog von Montpenfier wird nach Frankreich znrückkehren. '
_ Gestern hat das Leichenbegängniß M1ck)elets unter Beiheiligung ciner zahlreichen Menschenmenge stattgefnn- den; die Ordnung wnrde in keiner Weise gestört, obmosy'. 30_ 40,000 Personen, unter denen etwa 6000 Studenten, dem Sarge folgten. Die Regierung baüe zwar V0rstchtsmas3rcgeln getrof- fen, dock) fanden dicsclben nirgends Anwendung. Am Grabe redeten Die Herren Laboulaye, Havel, EHaÜemel-Laconr WP Guicheret. Daß die Feisr aber so rnYig Und gcordtzct erées, ist eine Tänschnng mehr für die Hoffnungen dex kl-xrtkalen und reaktionären Blätter, Welche dieselbe für einen öffentlichM Skan- dal erklärt hatten, der die trankiZsten Folgen Haben köxmte.
_ Die Bjäxter beschäftigen fich mit eéner Erkläruyg des Erzbischofs Dupanloup. In Orleans ecsxhemt nämlich 1th ein „Journal dcr Verthcidigung der kathoixschen Intersffen“, eine Art von „Moniteur“ der kkerikalcn Parter. Zuerst hieß es nun, Hr. Dupanloup sei der Patron oder gab der Redacteur dieses neuen Organes. Hr. Dupanwnp [).xt ]edocl) einen Brief an den ,J-igaro“ gerichtet, in welchem er stine Be- ziehung zu dem genamnten Blatts voUstänbig in Abrede siéÜt, obglcick; dasselbe auf seiner ersten Sem: „emen Artikel, bringt, der 21th nur die Ideen, sondern selbst dre Phrasen" cmer vor zwei Jahren von ihm hsrauSgcgebener] Brochure entbalt.
_ Ein eigenthümliclxr Prozeß wurde dieser Tage ver- handelt: eine Untersuchung wegen 4000 unterschlqgener Sßelen- messen. Der „Köln. Ztg.“ wird darüber mitgetherlt: „Ber den Pfarrkirchen der reicheren Stadtxhcile Yommt .es. oft _bor, daß fie mehr Messen zu lesen haben, als thre Getstbckzen „[YYTM können, und es ist dann Sixte, daß _fic dre, Überschujngen Bestellungen an andere, weniger gut gestellthxrcherz abgeben. Diese erhalten das Geld der Gläubigen und ihre Pnefter lesext die Messen. Ein Pariser Brüderpaar faßte den Gedßnken, dxe Uebermittlung diefer Überzähligen Messen in Entrcprqc zu neh- men. Sie: gaben den Geistlichen, welche Meffen zu_vcrgcbe_n batten, kleine Geschenke und erhielten Dafur Den Austrag, dxe Lieferung an andere Geistliche zu vermttteln. Ier_Ge1che11te waren regelrecht prozentisck; abgemeffen. Ihr Ge1chc_1_7t blbbte; ste geriethen aber auf den Gedanken, vo!) 10,000 Menen, bt: sze zu übermitteln hauen, nur 6000 abzubefern und 4000 m Oste Tasche zu stecken. Deswegen vor Gcr_1cht gestxUt, wnxdcn ne wegen Unterschlagung verurtlzeikt, und 10 kam dxe ganchandcls- praxis ans Licht.“ , *
_ Eine Fregatte von der Flotte des Admtral Ianrxxs bat Befehl erhalten, Uon Sakonickzi nach Smyrna zu gsben,
Versailles,19.Mai.'In der heutigen Senatsstxzung verlas Franclieu eine an den Minister des Innern ger1chtete Eingabe, in welcher gegen eine SteUe des letzten von dem
inzwischen verstorbenen Minister, Ricard xrlaffenen Eirkulars Verwahrung eingelegt wxrd. Ngck) seiner An- ficht Werden durch jene Stelle dl? Vcfttmmnngen dcs
konßitutionellcn Geseßes verleyt. Der Mimster de's anern, Marcézrc, hob dem gegenüber hervor, _daß der dxe Remfion der Verfassung betreffende VerfaffunZSartthl' sb ausgelegt xber- den müffe, daß er zu Modifikattonen_1msterbcttltckzenSmne, mehr aber zu einer Umstoßung oder Vergnderung de_r Form der Re- gierung ermächtige. Franclieb exklczrte, daß, er m der Angelegen- heit eine Interpeüation cm dre Regierung r1ch2en'werde. _ Im Weiteren Verlaufe der Sißung der Deputrr'tenk'ammxr brachte Naquet von den Radikalen dcn Anjrag em, dle Regne- xung solle eine Kommission zur Untersuchung uxtd Fest- stellung der Finanzoperatronen und der _dernzaltgen Lage des Crédit foncier ernennen und verlangkx fur dte Besclzluy- faffung über seinen Antrag die 'Dringlichkett. Der Frnanz- Minister erklärte fick) gegen dreses Verlangen Naqucts und
hob namentlich hervor, daß das erforderliche Vertrauen aufhöre, wenn das Parlament eine EnquétekomMsfion zur
Prüfung der jeweiligen Lage von finanzieücn. Instituten und Gesellschaften ins Leben rufe. Der Crédit foncter 7“. zwar zu einem gewissen Maße der Ueberwachung durch bieRegxerung unterstellt, es sei aber unmöglich, zuzulassen, daß du: Regterung fich in die Geschäfwführung selbst mxsche, die Aufgabe dcrsxlben beschränke sich darauf, die von ihr ernaxmten Dtrexwren three Posten zu cntheben, wenn dazu Grund vorhanden sm. Er: habe fich mit den Finanzopcrationen, um die es fich handle, beretts
Die Vorlage hat namentlich zum Zweck. das Altchmaximum derjenigen, welche als Stellvertreter m dle Armee emgcreiht zu
[öhne der Planlagenarbeiter _ in maxxchen Fällxn nur _6-9 Pence per Woche _ machen dies erklarlick). Dte Konfodera-
beschäftigt und könne verfichern, daß die vom Crédit