1876 / 125 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 29 May 1876 18:00:01 GMT) scan diff

Sachsen. Dresden, 27. Mai.. Die "Erste, Kaur- mrr verhandelte in ihrer "heutigen Sißung iiber das Ko- nigliche Dekret, betreffend den Ankauf der Chemniß-Aue-Adorfer Eisenbahn durch den Staat. Die zweite Deputatron beantragte, den Kauf unter den zwischen Regierung und Gesellschaft ver- einbarten Kaufbedingrmgen unter der VoraUsseßimg zu geneh- migen, daß die von der Gesellschafi geftellte Kautwn, uiid da- fern diese nicht aus'reichen sollte, dre Kaufgeider insotht mcht eher au-dezahlt werden, als bis der, Nachweis geliefert rst, daß die Geselischaft a-Uen aus der Exprozmaiwn entstandenen Verpflich- tungen vollständig nachgekommen ist. EMGegenantrag des Frei-

Xzerrn y. Ferber ging dahin, den Kauf nur unter der Be- dingung zu genehmigen, daß der Kaufpreis der für die außer- halb der Strecke Arxe-IägerSgrün gelegenen Strecken auf 600,000 «16 pro Meile zu ermäßigen UNd den Aktionären außerdem Rentenanwariftßeine zu grwähren seien, durch welche denselben nach Ablauf von 10 Jahren vom “lesckzluffe drs Vertrages an

:die Zahlung einer jährlickgen, nach Höhe des Durchschnitts- reinertrages der Bahn pro JaHr, nach Abzug der Zinsen des

Kapitals, beziehentlick; der Rente, welche den Akiien gegenwärtig gewährt wird, festzustelienden Rente zugesichert wird. Der An-

.“trag Ferber wurde mit 23 gegen 10 Stimmen abgelehnt und der DcputaiionSanirag gegen 9 Stimmen angenommen.

Württemberg. S tu tr g a r t, 27 . Mai.

"folgenden Worten ein:

Zufolge hohen Vrfehls Sr. Majestät des Königs Vom gestrigen _ ck) gn Namrn dcr Übrigen Minister, den Ent- wurf cines Geseßes, bxtresxend dicBildung eines Staais-Ministeriums,

Tage habe ich, xuglci

einzubringen die Ehre.

Dem Hause ist bekannt, daß dieRegierung in Erfüllung früherer insbesondere bei Eröffnung des Landtags im März 1875 gemachter

„Zusagen GeieFentwÜrfe aus;;earbeitct hat, 1) über die Verwaltungs- Rechtspflege, ) über die Aufhebung des Grheimen Raths Organisirung eines Staat-Z-Minisieriums und Bildung eines Staatörat s, 3) über die Entscheidung von Komprieuzkonfiiften. Diese im Zusammenhang unter fick) stehenden GeikZLSentwürfe befinden sich derzeit im Stadium der Begutachtung durcb * drn Geheimen Rail). Mit der Berathung der; umfangreichsten und maßgebenden Eniwurfs übsr die Verwal- tungsrccbtspfiege hat der Grheime Rail) begonnen.

Daß in gegmwäriiger Session, ivenn dieselbe nichr zu tief in den Sommer sick) erfircckcn sol], das Gesetz Über die Verwaltungs- rechtspftege nicht erledigt werden kann, dessen wird man sich überzeugt “'haitrn müffen.

Es beabsichtigen nun aber die Minister nicht, das ganze Gesetz- gebuugßwerk für drn nächsten Landtag zurückzustellen. Ihre Absicht geht vreimxbr dahin, die begonnene Berathung im Gel). Rath zu “Ende zu führen und den Entwurf über die Verwaltungsrechtspflege im Laufe des “Monats Juni einzubringen, sei es bei der noch de_rfaxrimeiten Kammer der Abgeordneten, sei es bei dem "standmchen Aussthuß. _Cs wird dann die von der Kammer etwa noch zu bearistragrnde Kommission den Geseßentwurf Bis, zum Herbst Vielleicht vorzubereiten in der Lage sein. Winde eire B_eratbung im Plenum im Herbste fich als thunlick; er- weisen, 79 ware es die Absicht der Minister, bei Sr. Majestät dem Konige dre Emberysung der Siändeversammlung zu dissem Behufe fur 3-4 Wochen im"Monai Oktober in Antrag u bringen.

Daß der gegenwartige Landtag das ganze (Heßßgebungswerk, die

drei konvexen Entwürfe, noch ?ur Verabschiedung bringen sollte, ist

unrvahrscheinlicb, und wäre es Verabschiedung und der Einführung der Reform noch ein nicht un- erheblicher Zeitraum in dcr Mitte liegen.

Es mußte sich deglyalb der Gedanke nahe le en, mit einem vor-

elrst der Fal], so würde zwischen der

läufigrn Gesetzentwurfs über die Bildung eines thaats-Ministeriums/x Ick) hatte schon früher Ania , drs Näheren aus-

sofdrt vorzugehen. zgfubren, wie insbesondere die Behandlung der eichsangelegenheiten dix O_rganistrung erneZ_StaatszMinisteriumö als nothwendig uud dringlich _ersebrmen laßt. WU: sehen im Herbst und Winter einer zweimaligen Berufung des Reichstages entgrgcn, und 'der mri Wahrnehmung der Reich6angelcgenheiten vorzugßwcise befaßte Minister “findet „es nacbgerade über das zulässige Max; dcr Verauiwdrtlichkert und über seine Kräfte hinaus- .gehcnd, ohne Orgamsirung des Dienstes und Heranziehung aus- reichrndcr Unterstuizrrng der_ schwicrigen Aufabc, bei welchcr die In- teressen dxs Landes tief beruhrt sind, zu genügen. Eine solche Unter- stußung korinte dcm Otaaizz-Mmisierium jetzt schon durch Uebertra ung Der Fuukiwnen vpn Rathen des SiaatS-Ministeriums an it- glieder dc? Gehetuxen Mathes neben und unbeschadet ihrer Stellung _ im Geheimrn Rathskollegium gewährt werden. So- “dkasnn wurde die Bildung eines Staats-Minisieriums ermög- 11roen,„ demselben dcn _ Verkehr mit den Ständen zuzuweifru iind diejbeguiachtknde Tbatigkeit de_s Geheimen Mathes auf Wesent- [(ck-:s, die Begutaöbinng von VerfasiungSgeseven und von anderrn be- sonders mrbtigen OBST“ sonst geeigneten Angelegenheiten, sowie aller “vo"n dcr Krozie dem Geheimen Narbe besonders zugewiesenen Gegen- stande zu fixirrn. Wir glauben in dieser der endgültigen Entschei- duxip, „nher die verschicdcue'n Junkiionm des Geheimen Raths nicht prajudizrreudxn ngelung emen Fortsckyritt erblicken zu dürfen, und unterbreiten Öhrar Zustimmung folgenden kurzen (HeseßcSentwurf,

EniWurf eines VerfaisungSgeseßes, betre ond die Vildun einxs Staats-Ministeriums. .Karl, von Gottes ffGnaden König vor? Wurfiemberg. "

_ Nach Anhdrung Unseres Geheimen Mathes .und unter Zu- sttmuxung Unterer geireurn Stande Verordnen und verfügen Wir, was folgt:

_ Ari“. 1. Es wird ein Staßts-Ministerium gebildet desen Mit- glieder _die Minister odcr Chefs der Verwaiiungsdeparteémentx find.

Dre_.[*-rstek)ende Zahl dieser Departements kann mir durch ein *Geseß geandrrt werden.

_ dir:. 2. Die Minister und Departementöchefs werden von dem «Komgrinacb etg_ener freier Exitschließung ernannt und entlancn.

_ Dre Ansprache der Minister auf eine Penfion im Falie der Ent- Laifung find durch das (656er geregelt. Für die nicht als Minister gngeftellteu Departementschefsx bleiben die geseßlichkn Besiin.“rnunßkn m :Bctreff der PeniioriSanspruche derjenigen Mitglieder des Ge Heimen RÜxhs auch fcrnerbixr m K_raft, welcbe nicht Minister find.

Art. 3. Der Vorsitz im Staats-Minisierium wird, wvferne klicks der „Konig a:; emsr Berathung Theil nimmt. von einem durch König- _licbc Entskblteßung (zus der Zahl der Minister oder Departemen ks- Chefö ernannren, Prafidrnten geführt.

De_m_Prafiden-:rn dxs Staats-Ministeriums kommt die Leitung der Gerrbaite und die Dienstaufsicht über das demselben zur Dienst- leistung beigegebrne xrfonal zu.

Art. 4. Kern [tglied des Staats-Ministerinms kann, außer dem. Falle„ wenn der Gegenstand dasselbe persönlich angeht, von der Thetlnahme an den Berathungen auSg-Zfchlossen werden.

. Lxrt. 5. Dam Sraatö-Ministerium sind zur Bearbeitung der &?HFF und zur Theilnahme an den Berathungeu ständige Viäthe ' Die Funktionen von Rüthen des Staats-Mini teriums ver ca bis_ auf Weitere? Mitglieder des Geheimen Raths.s Eine zähsleLde Stimme kommt ihnen m_1 St-aats-Minifterium nicht zu.

Art. 6. Der Grslbaftskreis des Staats-Minifieriums umfaßt die Berathuug aller wichtigen Atrgelegenheiten, namentlich solcher, welche auf die Staatsverfassrrng, auf dwOrganisation der Behörden und die Ab- anderunz der Terrrtorialeuttherlung, auf die Staatsverwaltung im All-

Die Vorlage .'des Grießentwurfs, betreffend die Bildung eines *Staais-Minisreriums, iii der Sißung der Abgeordneten- kammsr vorn 24. d. M. leitete der Minisier v. Mibinacht mit

i

meeirixn uridxie Normen derselderi oder auf die aligeuuinen Ver- altmjie des Staats zu den Religionssejeajchaften sich deziehcn, wie

auch der GMUstände der Gxseßgebung und allgemeinerVerordmrngen, soweit es sich von deren Erlassung, Abänderung _oder authentrsckyen Erklärung handelt, ferner aller wichtigeren Verhaitmffe zu atrdxren Staaten. AÜe dem Könige vorulegenden Vorfcküaae, der Minister in solchen Angelegenheiten Lin dem Staais-Mimsterium zur Beraihuug Vorgetragen und ** essen Gutachten begleitet an den König gebracht Werden. . ',i , '

Außerdem gehören in dm äftskrcis des Siaa'ts-Mimsieriums als berathender Behörde aÜe ständischen Augelegenbexteq, al1e Ange- lcgenheiten, Welche die Beziehungen zum Deutschen Reiche betrxffxn, sowie q": diejenigen Gegenstände, welche demselben von dem Konige zur Beratkmng besonders aufgetragen worden.

Art. 7. Anträge auf Abänderung der Verfaffrzug'und der Ver- faffungögeseße, sowie andere Anträge in besonders Wichtigen oder-foust geeigneten Angelegenheiten unterliegen Weiterhin der Begutachtuyg durch den Gebeimen Rath. Derselbe hat außerdem ailes zufberathen, was ihm von dem „Könige besoridcrs aufgetragen wird. Bei ixchen Berqtbunaen des Geheimen Raths führt, Wofcrn nicht der Konig_ _an _emcr Be- Fchßg Theil nimmt, der Präfident dcs Staats-Mimftermms den

or .

Die Gutachien des Geheimen Mathes Werden dem König durch das Staats-Ministerium vorgelegt. _

Art. 8. Die in den §§. 38, 126 und 1609151. 2_und 4 der Verfassungsurkunde bezeichneten Zuständigkeiten ch Geheimen Raths gehen auf das Staatö-Ministerium über.

Dasselbe tritt bezüglich der AUWxndung dcs §. 172 Abs. 2 der Verfassungdurkunde an die Stelle des Geheimen Raths.

Art. 9. Die §§. 38, 54, 56, 58, 59 Ziff 1n. 4, 126,_ 160 Abs. 2 u. 4, 172 Ab! 2 der VerfaffuvgsurkundeFud nach Maßgabe der Vorsibriften drs gegenwärtigen GesesesjabgeandcrtU _

Unsere sämmtlichen Ministerien find mri der Vollziehung dieses Gesetzes beauftragt.

Gegeben.....„

Der Entwurf wurde auf Vorschlag des Präsidenten an die verstärkte ftaatSrechtliche Kommission verwiesen.

Baden. KarlSruhe, 26. Mai. Bei Beraihung des außerordentlickyen Budgets des Justiz - Ministeriums in der Zweiten Kammer kam auch die Absicht der Regierung zur Sprache, das künftige oberste Gericht des Landes von Mann- heim nach Karlsruhe zu verlegen. Nach der GerichtSverfaffung des Deutschen Reiches wird nämlich das jeßt bestehende Ober- Hofgericht wegfallen und das Reichsgericht die höchste zuständige Instanz für die Verhandlung und Entscheidung über die im Ent- wurfe der Gerichtswerfaffung näher bezeichneten Rechtszmittel in bürgerlichen RcchtSstreitigkeiten und in Strafsachen bildm. Für Baden wäre ein Ober-Landcsgericht zu errichten, das im Wesent- lichen an die Stelle der bei den fünf Kreis: und Hofgerichten bestehenden Appeliaiionssenaie tritt. Für das Ober-LandeSgericht find die jeßigen Räume des Oder-Hofgerichts in Mannheim un- genügend, und außerdem empfiehlt es fick; im Interesse der Recht- suchenden, den Siß des Gerichishofes zweiter Instanz möglichft in die Mitie des Landes zu legen; und so wurde Karlöruye hierzu beßimmt.-Derfrüi)ereLeiter desGotthard-Bahnbaues,der jeßigc Abgeordnete Gerwig, hat in der Kammer bezüglich der Berathung der badischen Wutach-Thalbahn (von Stühlingen nach Donau-Eschingcn), deren Rentabilität wesentlich vom Betrieb der Gotthard-Bahn abhängen wird, über den Stand dieser [eß- 1eren geäußert, daß es ein großer Irrthum sei, an- zunehmen, * die doriigen Arbeiten würden unterbrochen, im Gegentheil werde die Durchbohrung der Alpen noch vor dem gefteilten Termin (1. Oktober 1880) zu Stande kommen. Die Garantie hierfiir liege in der Ehre der Schweiz und in der Energie des Bundesraths. Die jehige Gesellschaft werde für den Bau alierdings nicht mehr viel leisten, dagegen werde aber z. 8. eine neue Urundlage gÖ§uchi und auch .gefunden werden.

Hessen. Mainz,25.Mai. Das BezirkSgerickzt verhandelte gestern, wie das „Frankf. Journ.“ mittheilt, gegen den Bischof v. Ketteler in zwei Anklagen wegen Zuwiderhandlung gegen die Art. 1, 4 und 7 des Geseßes vom 23. April 1875, betr. die Vorbildung und Anfteliung der Geistlichen. Die Anklagen betrafen die Beseßung der Pfarrei zu Castel und die der Dekanats- stelie zu Heppenheim. Der Bischof [var in Begleitung einiger Mitglieder drs Domkapitels erschienen. Bezüglich des ersteren von dem Ober-Appcllhofe zur Anklage verwiesenen Falles befiritt der Bischof die Uebertragung des Amtes an den mitangeklag- ten Kaplan Schnider. Es sei dieses weder durch ihn, noch in seinem Auftrag durch einen Dritten, auch nicht ,geiftig“ geschehen, sondern die Pastorirung der Pfarrei in geistlicher Be- ziehung sei nur eine einfache Fortscßung der Zenem vor Erlaß der Geseßc übertragenen Funktionen zu betrachten; eine leficht zur Umgehung des Gesetzes habe er nicht gehabt. Im zweiten Falle bestritt er die Eigenschaft des Dekanatsverwalters als eines Kirchen- beamien im Sinne des Geseßes. Das gleiche System hatte die Vertheidigung (Vr. Dumont) angenommen. Die Staatsbehörde hielt dagegen bcide Anklagen in allen Punkten aufrecht, betonte die prononzirte Haltung des Bischofs gegen die berührten Ge- sche, und beantragte Wegen des ersten Reais 400 „46 und ent- sprechende Verfiigung fiir den Fall der Uneinbringlichkeit, für das zweite Rear 750 «15 Geldbuße oder 50 Tage Gefängniß; ge en Kaplan Srhaider, der in irriger Annahme gehandelt zu ha en scheint, erfolgte kein Antrag. Das Gericht vertagte den Spruch des Urtheils in die Sißung vom 2. Juni. Der klerikale Anhang im Auditorium zog fich fiir einen lauten Beifall, den er der Ver- theidigungSredc schenkte, eine ernste Rüge des Präsidenten zu. _ Zu der am Sonnrag nach Pfingsten, 11. i'. M., [)ier ßattfinden- den'Vcrsammlung der Altkatholiken des Rhein- und Matngaues und der Pfalz haben ihr Erscheinen Bischof Rein- kens, Professor I. Friedrich und Professor ])1'. Knoodt bereits zugesagt. Dieselben werden in der am Nachmittag jenes Tages im Akademiesaal des ehemaligen Kurfürßlichen Schlosses anbe- rairmtkn öffentlickmr Sißung des katholischen Reformvereins Vor- irage halten. Der Versammlung geht ein feierlicher Gottesdienst m der neu hergerichteten Kirche voraus, den Pfarrer Steinwachs von Offenbach celebriren wird,

_Auhalt. Dessau, 26. Mai. (St. A.) Die Her- zogin und der Erbprinz schreiten in der RckonvaleSzenz fort.

Bei dem Prinzen Friedrich zeigten fick) heute keine Verschlim- merunge11.,Fieber und Delirium sind zwar noch vorhanden, haden ßck) jedoch nicht verstärkt. Der Schwächezufiand ist nicht großer geworden.

Hatrtburg, 23. Mai. Die venezolanischen Zeitun- gen“ beschaftigen fick) neuerdings wieder vielfach mit der Ein- wanderung. Es ist dort jest, abgesehen von der Ackerbau treibemden Klasse, auf welche nach wie vor der Hauptwerth ge- legt wurd, auch auf Einführung von Dienftboien abgesehen, wobei man n, 21. auch Deutschland im Auge hat.

Um .die Einwanderung von Ackerbauern zu fördern, hat, wie aus V.!nezuela gemeldet wird, die dortige Regierung am 28. März d. I. ein Dekret crmssen, worin die von den kanari- schen Inseln zkonxmenden als die zur'Förderung OLS Ackerbaues Geeignetsten bezetohnet , und die Einwanderungskommisfionen

ermächtigt werden, in den Einwanderer-Depots akk.- von den ge- nannten Inseln kommenden Leute, „welche der Wohlthaten der Einwandereriheilhafiig zu werden“ wünschen, aufzunehmen, auch wenn die vorgeschriebenen Formalitäten nicht erfiiUt find. '

Deutsche und Italiener smd bisher nur in sehr geringer Anzahl nach Venezuela gekommen. Dagegen verlautet vori dort,. daß die franzöfische und spanische Einwanderung wieder im Zu- nehmen begriffen sei _ wohl eine Folge der Bemüh'rmgen des„ wie bekannt, in Paris befindlichen Unternehmers Seijas.

Oestmeick=Ungarm Wien, 27. Mai. Dcr deuticHs» Botschafter Graf zu Stolberg-Wernigerode hat fick), begleitet Von dem Boischastsiekrctär v. Biilow, gestern don Wisn nack) Pest begeben; ebenso der französische Botscky'after Graf de Voguä, der großbritamrische Bot1chaftcr Str Andrew Buchanan und der rnifiicbe Botschafter Novikoff.

_ Das Darlehen, Welches Graf Lonyay als Finanz- Minifter drr Fiumaner Schiffsgesellsckyaft im Jahre 1869 gewährt hatte, scheint sich, schreibt die „Presse,“ zu einer hoch- politischen StaatSaffaire entwickeln zu wollen. Der Sachverhalt ist der folgende: Der Staatssäckel hat bei jenem Geschäft 96,000- Fl. eingebüßt, Gr-f Lonyay aber hat vor der Schlußrechnungs- Kommission, die ihn bezüglich seiner Antheilnahme an der An- gelegenheit vernahm, darzuthun gesucht, daß er das Darlehen nur gegen genügende Sicherstellung bewilligt und daß, so lange er Finanz-Minister gewesen, die Forderung des Staates auch "ausreichende Bedeckung gefunden habe; die Kommission gab fick) jedoch mit den Aufschlüssen Lonyay's nicht zufrieden, sondern ziiirte auch Lonyay's Nachfolger, Kerkapolyi, und beichloß auf Grand der Ausfagen des Leßtern, welchen gemäß es Lanyar) bezüglich der Sicherung der StaatSansprüche an der nöthigen Vor: und Umsicht fehlen ließ, im Hause die Verweigerung des Absulutoriums zu beantragen. In Folge dessen spielt Uun Lanyar] das Prävenire, indem er in einer in den Pester Bläitern veröffentlichten Erklärung auseinander- seßt, daß er sowohl für die Bedeckung des Dsrrlehens als auch für die Eindringlichkeit dersekben ausreichend vorgesorgt hatte und an deren Schluß er selbst eine parlamen- tarische Untersuchung im Sinne des §. 32 des Geseßartikels 8 vom Jahre 1848 verlangt. Dieser Paragraph zählt die Jäile auf, in welchen ein Minister zur Verantwortung ZSZVZM werden kann. Lomgay wünscht daher selbst, daß in (1 er Form des Geseßes ein MinisterverantWortlichkeits = Prozeß Und zwar auf Grund des Punktes 6 jenes Paragraphen, ein- geleitet werde, laut welchem Minister „wegen eines Uuterschleifes oder einer ungeseßlichen Verwendung der ihnen anvertrauten Summen“ zur Verantwortung zu ziehen sind. Lanyar) beruft sich in derselben Erklärung darauf, daß ihm bezüglich der frag- lichen Angelegenheit das Absolutorium bereits einmal bewiliigt worden sei und meist direkt darauf hin, daß nicht er, sondern sein Nachfolger sich Versäumnisse zu Schulden kommen ließ. Lonyay beruft ßck) zudem auch 11665 auf mehrere hervorragende Persönlichkeiten, unter diesen auch auf Minister Trefort, die im Jahre 1869 solidarische Haftung für die Verwendung des Dar- lehens übernommen haben; es scheint somit, daß Lonqar) die Bedenklichkeiten der Schlußkommisfion auf persönliche Animosi- täten zurückführt.

Peft, 27. Mai. (W. T. B.) In der heutigen Sißung der ungarischen Delegation erwiderte Graf Andrafsy auf eine bezügliche Interpellation, er habe dem österreichischen General-Konsul in Belgrad die Weisung crtheikt, gegen das von der serbischen Regierung verfügteMoratorium Verwahrung einzulegen, wcnn dasselbe auch fiir die auswärtigen Schulden Geltung haben sollte. Auf eine Interpellation, betreffend dieAus- schließung der ösierreichisch-ungarischen Papiere von der Lombardirung durch die Deutsche Reichsbank, erwiderte Graf Andraffi), er habe in dieser Angclegenheit offizids Schritte bei dcr deutschen Reichörcgierung gethan, dieselbe habe auch ihre Unterstüßung versprochen. Jedoch falle diese Angelegenheit in den autonomen Wirkungskreis der Direktion der Deutschen Reichs- bank und sei ein Zwang Seitens der Regierung nicht möglich. Sobald die obwaltenden Hindernisse verschwunden sein würden, werde auch dieser Uebelstand scimeii beseitigt Werden. Beide Antworten des Grafen Andrassy wurden von der Dele- gation zur Kenntniß genommen. Auf eine Interpellation des Deputirten Zsedenyi in der orientalischen Angelegenheit verlangte Graf Andraffr) Zeit zur genaueren Erwägung derselben und erklärte, daß er bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge kaum auf so viele Fragen werde antworten können.

Belgien. Brüssel, 26. Mai. In der heutigen Senats - siHung richtete Hr. Easier, Senator für Gent, eine Art von Interpellation an das Ministerium, worin er die Nachtheile, welche für Gent aus der Verwerfung des Vertrages wegen Terneuzen Seitens der Repräsentanteukammer erwüchsen, her- vorhob, das Verfahren des Ministeriums belobte und fragte, was daffeibe nun zu thun gedenke. Der Finanz-Minister antwortete, er bedauere die Abstimmung der Kammer um so mehr, als diese Niederlage die erste war, Welche das Minißerium in seiner bereits fünfjährigen VerwaltungSp-riode erlitten habe. Er habe das Amendement der Antwerpener De- puiirten nicht annehmen können, weil daffelbe einen schlimmen Präcedenzfal] geschaffen haben würde; indessen folie Antwerpen alle Konzessionen erlangen, die es wegen der Konkurrenz des Hafens von Terneuzen wünschen könne, Gent werde feinen Kanal erhalten und alle Interessen sollen befriedigt werden. Er habe der niederländischen Regierung bereits gemeldet, daß er nrue Unterhandlungcn anzuknüpfen gedenke. Der Führer der Rechten im Senate, Herr d 'Anethan, hielt dann eine für das Ministerium so wie die antwerpener Dcputirten anerkennrnde Rede, und damit war _die' Sache erledigt. Der Senat genehmigte darauf die Kundrgung des Handelsvertrages mit Italien und die Verwendung von 36 Miliionen Francs für öffent- liche Arbeiten, worauf der Minißer des Innern das Königliche Dekret verlas,'wodurch die legislative Sesfion von 1875-187 6 ge - schlossen mird. _ Inzwischen hat gestern in Antwerpe n eine grdße eruden-Demonftration stattgefunden; es wurde dem Burgermetßer de Wael ein feierlicher Fackelzug gebracht, an wel- chem sich alle liberalen Vereine und Gesellschaften, viele Tau- sxnde'von Personen, betheiligtcn. _ Die „klerikale Partei laßt m Antwerpen eine Druckschrift veriheilen, worin das Ver- halZen der klerikalen Dcputirten von Antwerpen gerechtfertigt und gerahmt wird. .

, Er_oszbritannien und Irland. London, 27. Mai. Dre gefirtge amtliche ,Gazctte“ enthält die Ankündigung, daß der Herzog von Cumberland (König Georg von Hannover) zum General, und Prinz Ernst August von Cumberland (Kron- prinz von Hannover) zum Oberst in der Armee ernannt worden ist.

_ Aus der Sißung des Unterhauses ist hervvrzu- Heben, daß die S chiffahrtsvorlage nach kurzer einleitender espreckgung zur dritten Lesung gelangte. Es Wurden bei dieser Gelegenheit der Regierung von verschiedenen Seiten her Aeuße- rungen der Anerkennung zu Theil für die biUige Unparteilich- keit, mit weicher sie das Gleichgewicht zwischen den sireitenden Einflüssen behauptet habe. Auch kam die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß die Vorlage alien bei der Schiffahrt Interesfirten zum großen VortHeile gereichen werde.

_ Die Abfahrt des Panzerfchiffes „Sultan“ hat sich um zwei Tage verzögert, soll aber jeßt erfolgen. Seine Ver- haliungSmaßregeln erhält es in Malta Von dem Geschwader- Ci)ef. Das Panzerschiff ,Monarch“ ift am Mittwoch Gibral- tar angelaufen. _ Von Bewegungen in der Flotte smd weiter zu verzeichnen: Das Thurmschiff „Hoispur“ wird in Dienst gestellt und sofort seeiüchtig zu machen. Das Panzer- schiff „Achilles“ wird nächsten Montag gedockt, Vorräthc für Malta find bereits unterwegs.

_ Von der Westküste von Afrika wird der „E. C.“ gc- meidet: In Sherbro wurden am 4. d. M. in Gegenwart des britischen Gouverneur-Lieutenants und mehreren Negerfürsten zwei Häuptlinge und ein Oberkrieger [)irigerichtet, die im vergangenen November einen Einfal] in britisches Gebiet geleitet hatten, wobei mehrere britische Unterthemen geiödtei wurden. _

_ Ueber die Unruhen auf der malaisckgen Halbinsel und den darauf bezüglichen Dcpeschenwcchsel zwischen dem Kolonial- Ministerium und dem Gouverneur Sir William Iervois giebt ein eden veröffentlichtes, 300 Seiten fiarkrs Blaubuck] weitere Nuss ch1üff e. Die Gefechtsberichte machen den Haupttheil deffelben aus. Aus den am1lichen Depeschen geht hervor, was schon bei Ausdruck) der Unruhen verstcdcrt wurde, daß die zu derselben füHreride AnnexionsPolitik des Gouverneurs von Singapore die Biiiigung des Kolonial-Minifters von Anfang an nicht gcfrmden hat und die Proklamationen, welch? die Ermordung des britischen Refi- deniZn in Perak zur Folge hatten, ohne sein Wiffen erlassen wur en.

Frankreich. Paris, 27.Mai. Dcr Marschall-Prä- s ident hat vorgestern den außerordentlichcn Gesandten und bc- vollmächtigten Minister der Republik Peru, Herrn Pedro Galvez empfangen und aus seinen Händen das Abberufungs- schreiben desselben entgegengenommen. _ Das „Journ. off.“ meldet heut die Ernennung von 29 Maires und 42 Ad- junkren. '

_ Der Minister de Marcöre ist nach Arras gereist, um die dortige landwiribschaftliche Ausstellung zu besuchen. Bei dem Diner hat der Minister eine Rede gehalten, aus welcher die Blätter einzelne Stellen mit großer Befriedigung citircn, wir sie denn überhaupt der ganzen Rede voUe Anerkennung zollen. Der Minister sagte u. A,: „Was uns jeßt vor allen Dingen beschäftigt, ist das Wohlergehen des Landes, das Be- dürfniß nach Frieden, Ordnung und Sicherheit ..... Diesen Gedanken führte er durch und zeigte, wie der Marschall-Präfi- dent, die Regierung und die Kammern jeßt gemeinsam auf dies Ziei hinarbeiten. Mit einfiimmigem Beifall wurde diese Rede aufgenommen.

_ Die allgemeine Budgerkommission Hat gestern die Prüfnng der Einnahmen begonnen. Verschicdene21ns1chten wurden aufgestellt, Gambetta trat ihnen entgegen und schlug endlich der Kommisfion für ihre Arbeiten vor, zwei Berichte zu erstatten, einen über das gegenwärtige Budget, wie es aufgestelit isi, ohne die Pofien wesentlich zu ändern, und einen zweiten, weickzer der Kammerlegislative Beschlüsse betreffe.“- drr im Finanztvescn des Landes cinzufiihrendcn Reformen voüegcn sollts; dicse Reformen würden dann dem Budgetprojekt für 1878 zur Grund- lage dienen. _ Die Kommission hat diese Vorschläge an- genommen.

_Ter NULWUH für“ die Wahl des Grafen dc Mun dcrrmimi gestern Bridnwiid, den Präsidenten des mit der Unter- suchung im Morbihan betrautc'n Unier-Arisichuffcs. Dic Unicr- jucbung stieß bei dcr Geistlichkeit auf große Hindernisse; unge- achiet dessen gelang es aber dock), die Umtriebe dcrsclbcn, sowie des mit ihr vcrbiiudctcn Provinzialadcls fcstznstellcn. Eiiicrr Bcickyluß faßte dcr Arisickws; gcstcrn nicht. _ Dcr Ansichnß für di? Angelegenheit Roriviers [*ericil) gestern cbcnfalls und bestHloß, ungeachtci des Widerstandes cines Tlxils seiner Mit- glieder, cine Gcgcrmnierirnbung zn veranstalten.

_ Die „Sent. du midi“ meldet: „L'Héroine" ist am 13. Mai im Piräus und am 14. in Salonichi angekommen; „La Gauloise“ das Flaggensckgiff dcs Contre-Admiral Jaurés, „la Couroime“ und „le Desaix“ find am 14. im Piräus vor Anker gegangen; der „Chüteau-Renaud“ hat, von Smyrna kommend, am 13. vor Salonichi geankert; „der Gladiateur“ Tag am 15. vor Cavalla, auf der Reise nach dem BoSporus, vor Anker. _ In Toulon wird die Panzerfregatte „Savoie“ aus gerüßet; auch von der AUSrüsiuug der Fregatten ,Magnanime- und ,Marengo“ ist die Rede.

_ Der Minifier des Innern, de Marcére, hat, wie der „K. Z.“ telegraphirt wird, der Drputirienkammer den Geselz- entwurf vorgelegt, wodurch der Wiitwe Ricards als National- dank eine jährliche Pension von 6000 FW. geboten wird.

_ Wie die „Agence Hadas“ Vom 28. d. M. erfährt, hat, in Erwartung einer endgültigen Entscdließang Großbritanniens und in der Hoffnung auf den noch erfolgenden Beitritt diescr Macht, bis jetzt eine offizielle Mittheilung dcherlincr Kon- ferenzvorichläge an die Pforie „11220 nicht stattgefunden, Dieselbe fügt hinzu, in Pariser politi1chcn Krcijcn halte man an der“ Hoffnung fest, daß Großbritannien die einzelnen Punkte des Mcmorandmns, die dasYbe _Ywdisizirt zu sehen wiinsckw, angeben und daß sich eine Uebereinstimmung aller Mächte, die den Pariser Vertrag unterzcickmeten, iiber ein gemeinsames Vorgehen im Oriente erzielen lassen werde.

. _ Aus Algier wird geschrieben: „Drei französische katho- lische Missionäre, welche von dieser Stadt nach Tombuktu aufgebrochen smd, unterwegs ermordet worden, und zwar nach allen Nachrichten von den Tuaregs. Der Fall ernst und traurig _ war aber, wie das „Journ. ,des Deb.“ bemerkt, vorherzujehen. Seit 1850, wo Geweral Hautpoul Kriegs- Minifter war, hatte die Geißlichkeit, unterßüßt vom päpst- thhen Nuntius, um die Ermächtigung gebeten, Misswnäre m die algerischen Tribus zu schicken, Das Gesuch wurde abgelehnt, der Minifter, der Generalgouverneur, alle militärischen Ober- und Unterbefehlshaber !llgeriens waren dagegen, weil es eme gefährliche Aufregung hervorbringen würde. Als aber 1865 ein Erzbischof von Algierernannt worden, änderte fick; die Lage, die Geist- lichkeit trat mit größerem Gewicht auf, wenn auch die Ueberzeugung der weltlichen Behörden sich nicht geändert; der damalige Gene- kaxgouverneur, Marschall Mac Mahon widerßand den Be- mirhungen des Erzbischofs, Derselbe gründete daher. nur einige Hospize für uruselmännische Wittwcn, Waisen und Greifegnit

dem Versprechen, fich von jeder religiösen Presfton fern halfen zu woilen. Zugleich aber schickte er einen Theil der Waisen nach Frankreich; hier wurde ein Seminar gegründet, um arabische Priester zu bilden. Zugleich stiftete der Erzbischof mit päpst- lichem Breve ein Missionshaus bei Algier, nicht um den M- geriern, sondern den Bewohnern von Central-Afrika das Evan- gelium zu bringen. Die ersie Expedition dieser Misßonäre hat nun die jehige beklagenSwerthe Kataftrophe herbeigeführt.

_ 28.Mai. (W.T.B.) Der Zustand Casimir Périers isi hoffnungslos.

Spanien. Madrid, 29. Mai. (W. T. B.) Der Ministerpräsidcnt Canarias Hat den Delsgirirn drr Gläubiger drr spanischen Schrrld gcgcniiber erklärt, daß dio Lage des Staatsschaizrs die Regisrrmg genöthigt habe, dsn Gländiicrn Opfer anfzulcgen; derselbe hat indcß gleichzritige Rcformcn in Arrösicht gesellt, die dicir O_pfcr Verringern soilcn, wiwo eincn Nachtbcil fiir den StaatUckMß Herbeizufiihrcn. _ Dem „Cronista“ zufolge [mt in dem Arsenal von Cartagena cin? Feuersbrnnst stattgefunden, durch Wclckx “dis Maschinen- rvcr'kstätte zcrstört Wiirdc.

_ Das Pariser Journal „Esxafette“ thut einer Nachricht Erwähnung, wonach in Talos a unter dem Rufe: Es [ehe die Republik, hoch die Fueros! eine U11 ruhige Bewegung statt- gefunden haben soll.

San Sebastian, 27. Mai. (W. T. B.) Durch einen Erlaß des General Quesada wird in den baskischen Pro- vinzen und Navarra der Belagerurigszustand erklärt; zugleich wird das KriegSgesey in Kraft gescizt.

Italien. Rom, 27. Mai. (W. T. V.) In der heutigen Sißung dcr Deputirtenkammer, brftäiigte der Minister der auSwäriigen Angelegenheiten, Melegari, in BeantioorirmZ einer bezüglichen Interpellaiion die Erhohung der Gesandt- schafien in Paris und St. Petersburg ziim Range von Botschaftenundfügtehinzu,daß dieitalienischeRegierung dem in der Berliner Konferenz vereinbarten Memorandum beigetreten sei. Sodann erklärte der Minister, er glaube nicht, daß die Ablehnung der englischen Regirrung, dem Memo- randum beizutreten, dic: Aktion der anderen Mächte brhindern werde, er hoffe vielmrhr, daß die englisckge Regierung bei der Pforte ihren Einfluß dahin geltend machen Werde, das; lexztere die in Berlin dsschloffenen Vorschläge anneHme.

_ 28. Mai. (W. T. B.) In einer gestern frairgehadion Versammlung von Deputirten, weiche dem Cenrrnm angehören, sprach man fick) für eine Ablehnung der Ba- seler Kondeniion aus, beichkoß indeß, dis definitive Ent- schließung bis dahin zu verschieben, wo die Ndänderungen be- kannt sein wiirden, über welche Corrcnti mit dem Barikhause Rothschild unterhandeln soll.

Griechenland. Die Regierung hat zum Schuhe ihrer LandeSangebörigcn nach Salonichi 5 Kriegsschiffe gesandt, von denen die ,Salamini“ und „König Georg“ Panzerfregai- ten find.

Türkei. Konstantinopel, 28. Mai, (W. T. V.) Der Ober-Kommandirende in Bulgarien meldet der Pforte telegraphisck; vom 25. d. M., die buigarisckgen JUsUrgLUTEN seien voilfiändig vcrnichiet, die militärischer: Operationen seien beendet, die gefangen genommerien Personen wiirden abgearthcilt, die Bevölkerung der aufständischen Dörfer kehre unter die Bot- mäßigkeit der Behörden zurück. _ Khalil Scherif Pascha ist Zum Minister ohne Portefeuille, Souseya Pascha zum Gouverneur von Angora ernannt, Derwisch Pascha nach Janina enisenK-et worden. Die mcisienehemaligen V,!(iiiistcr befinden sich Hier und nehmen an den Berathrrngen des Mi- nißerraths Theil.

_ Nach Nachrichten aus Bosnien iiber Ragusa vom 24. d. haben die Insurgenten unter Golub einen ?lvgriff auf Bikaj gemacht, und diessn Ort, nachdem sie ca. 350 Tirr- ken geiödtet und gegen 1000 Scl)afe, 400 Ochsen und 60 Pferde davon getrieben hatten, in Asche gelegt. An dem nämlichen Tage wurden die Ortschaften Klisa und Zelinowaiz von 0211 Insrrrgenten unter Marinovick) in Brand gesteckt. Dcr Virirrsi der Türken wird auf 150 Mann angegeben.

_ Die leßivorhergekiendcn Kämpfe in Nord-Borznien werden von der „Pol. Corrcspondenz“ wie folgt dargestcilt: Am 18. d. M. hat eine Reihe außergewöhnlichcr Kämpfe deZonnen. Ali Passda sammelte alie ssine Kräfte Mid marschirte am 18. nach dem GrmeH-Gcbirge, das von den Insrn'gcnien so befeßigt wurde, daß diese Pofitioiren selbst in türkischen Kreisen für uneinnehmdar gehalten wurden. Die Nizcim-I (zwei Yilajas) und Redifs (vier Tabors) schlugen fick) am 19. mit großer Bravour; eine Sclxmze nach der anderen _fiel in ihre Hände und nur der Abend verhinderte die gänzliche Ver- nichtung der Insurgenten, in deren Lager eine unbeschreiblick)? Verwirrung herrschte, da man nicht wußte, was man mit den Weibern und Kindern anfangen solle, zumal ihre Zahl im ge- nannten Gebirge sich auf mehr als 2000 PéksOan beläuft. Es war aber einem Boten möglich, in die Gegend von Risovac zu gelangen, wo man den Insurgenienfiihrer Bandaiun vermutdcte, welcher 2000 Mann unter seinen Befehlen hat.

Von dem Unglücke benachrichtigt, eilte dieser in Eilmärschen gegen Grmcß und fiel unvermuthetAli Pasckig in der Flanke an. Dieser unvermuihete Angriff brachte die Türken zum Weichen und zum Rückzuge. Ali Pascha, dcr Sieger vom 19., wurde am 20. besiegt und verlor wenigstens bei 200 Mann. Die Zahl der Verluste an beiden Tagen ist; sehr groß, doch bis jrizt ziffer- mäßig uicht konstatirt. Dir Insurgenten von Grmeiz fiihren rasch abermals ihre Berthcidigunchwerke auf.

_ Ueber WInsurrekiion in Bulgarien meldetdieseldr Korrespondenz aus Sophia unterm 19.; Die sogenannte Srcdjna Gora ist in allen Theilen insurgirt. Die zwei wichtigftcn Städte dieses Disiriktes: Panadjurischte mit 12,000 Einwohnern und Korischtiza mit 8000 Einwohnern, smd von den Insurgenten be- festigt und stark beseßt worden. Die leYtere Stadt ist 10 Stunden Weges von Philippopel entferrit und drr größere Gebietstheil zwischen diesen beiden Orien ist in den Handen der Insurgenten. Ueberdies ist es positiv, daß der von Bulgaren bewohnte Theil des Tatar-Bazardjiker Bezirkes, welcder 79 bulgarische Dörfer umfaßt. zu den Waffen gegriffen hat. ' _

Diese Thatsache erklärt die vorgestern eingetretene vollstan- dige Unterbrechung der Verbindung zwischenoTatar-Bazardjik und Philoppopel. Ter VerkoviYer Bezirk “ist m der Hand der Aufständischen. Zwischen der Morava, Risch und Syphia be- findet fich ein Distrikt, den die Bulgaren „Sucha Plammr“ (die trockene Hochebene) nennen. Diesen Distrikt hat der bekannte Ilija insurFrt. Endlich ist der Aufstand zuUbeiden Seiten der Straße, rve che von Drinopel nac!) Rustsckzuk fiihrt, stark bedroht.

Ueber die leßten Kämpfe Wurden folgende Einzelnheiten be- richtet. Am 16. Mai rückte Oberst Hassan Ber) gcgen Otlu=Köi

(nahe bei Avrat-Akan) vor und lieferte den in der Organisation begriffen gewesenen Insurgenten ein Treffen. Die Türken waren etiva 6500 Mann ftark, während die Iiisurgenjen ihnen an Zahs weit überlegen waren. Doch war weder ihre Organisation noch auch ihre AUSrüftung vollendet. In Folge dessen wurden fie troZ ihrer bedentenden Ueberzahl von den Türken in einem yi'er- ßündigen Treffen geschlagen und mußten den Rückzug ins Ge- birgc antreten, wobei es nicht ohne große Uwrdnung ablief. Bei dieser Affaire fielen den Türken Waffen und Munition in ansehnlicher Menge in die Händk.

Ein zweiter Kampf fand bei Triwwa im Balkan statt. Wolowski war mit der Organisation einer Schaar 11071900 Marin aus dem Plcvner Kreise beschäftigt. Da wurde er VON einem Tabor regulärer Türken, die von 1000 Tscherkeffen ver- stärkt wrrrdcn, überrasch und geschlagen. Die: Türken ererte- ten dis Lagerzeiie der Jnsirrgenten Und nahmen ihnen (mei) 120 Gefangsne ab. Der Rest der Insurgeiiten flüchtete sich ins Gebirgs.

Adil Paickm hatte den Befehl, Avrai-Aian zu nehmen, wo bci 10,000 Irisurgenten fick] verschanzt habcrr. Er" griff am 18. Mai früh diesen Ort an, warde aber mir großem Verlristc zurückgeschlagon. Bic; znr Sinndr sind die Insirrgeriien noch immer Herren des befcfiigien Ortes. Adil Pascha verfügte iibcr 12,000 Mann. In den nächsten Tagen diirfte der Kampf Um Avrat- Alan von ncrrem enibremien, dcr Addiil Kcrim Pascda Um jcdcn Preis diese Stadt in seine Gewali bringen wiki.

Salonichi, 28. Mai. (W. T. B.) Gestern ist in der Untersuchung wegen des Konsnlmordrs gegeii 11 An- geschuldigte das Urtheil gesprochen worden. Gegen 2 wnrde anf Todesstrafe, gegen 8 auf Zwangsarbeit und grgrn 1 auf drei Jahre Krrker erkannt. Hrrrte beginiii dic Adurthriiung der der Anstiftung des Tuniultos Bezickziigten.

_ AUS Serbien und Montenegro liegen folgeride Neußerniigen dcr Regirrnngsblätter vor: Der amtliche morrtcnegriiiische „Girls Czernagorca“ erklärt: „Tie Türkei bereitet sick) an unserer Grenze ziim Kriege vor. Wir können Eine solche Manifestation nicht ruhig []iiiriehmen, man wciß, daß Montrnegro Mies gethan hat, um ch Frieden zu erhalten. Die Großmächte, welche diese imfere Bemühringcn kennen, wandten uns ihre Zuneigung zn. Da abcr die Pforte hcranxifordernde Schritte thut, so kdnneii wir nicht weiter miißig bleiben, und dieses um so weniger, als der diplomatischrn Be- mühung, den Aufstand zu beseitigen und eiiie Pazifikaiion hcrdeiznführen, keine Erfolge entgegenwinken. Wir stehen am Scheidrwege, gerade so wie ex"; mit Serdirrt der Jaii ist. Arif diesem Punkte können wir aber nichi [ange verweilen, selbst dann nicht, wenn wir es wiinirhten.“

Tas scrdischechierungsdlatt „Jitock“, das Organ der Omladixia, änßsrt: „,Die Existenz Serbienssiehi anf dem Spiele. Ver- säumt es auch die jeizige Gelegenheit, so wird es an der Schwind- iuchr sterben. Indessen bürgt uns der präzise Vcsckrluß der Skiipsciztina kgfiir, daß Serbien anf der Bahn der National- poliiik beharren wird. Die Rüstungen find vollendet. Wie wir bestimmt hörrn, wird man dieser Tage ZUM leisten Mittel, das den Krieg ermözlickzen soll, schreiten, znr ZivarrgSaiiicihe.“*

Rußland und Polen. St. Petersburg, 27. Mai. Ter „St. Per. Herold“ meldet: Die Panzerfregaite „Pc- iropawiowsk“ und der Klipper „Kreuzer“ werden unter dem Kommando des Stabö=Chefs, Ober-Commandeur dcs Kronfxädter Hafens, Contre-Admiral von der Suite Sr". Ma- jestät M. I. Fsderowskij ins Mittelmcrr abgehen, von wo der COUÜW'YÖMiNil nac!) Uebergabc der Fahrzeuge an die Ab- ihriiimg des sog, griechischen Geschwaders anf dem Landwcge nach Kronstadt zurückkehren wird.

Amerika, (A. A. C.) Aus Washington wird gemeldet: Das Kabinct beschloß weitere Schritte zum Schuß drr Berg- [cute in den Schivarzen Hügeln gegen die Eiiifälie drr Sidnx zn tbrm. Einem Gerücht zufolge haben die Indianer ji'mgft 11 Weiße aus einer Anzahl von 22 geiddtet. _ General Schenck hat an den Ausschuß ein Schreiben gerichtet, worin er [Demerkt, er könne fick; nicht erinnern, dem Obersten Ciwsedrough eine Depesche gesandt zn habrn, worin er drauftragt wurde, 2000 Aktien der Emma- Mine für seine (des Generals) Rechnung zu verkaufen, aber cr glaubt, das; es damit seine Richtigkeit haben mag. Er räumt ein, daß Oberst Ehesebrough fich nach London brgab, antorifirt, fiir iim zu agiren, aber nicht 2000 Aktien der Emma- Minc zu vcrkanfen. Der Ausscdiiß hat nunmehr seincn BWM iiber die ganze Angelegenheit erstattet. Nach genauer Priifung der“ Aussagen aller während der Untersuckzung vrriwmmcnen Zciigcn foigcri dcr Ausschuß, daß Gcnerai Scircnck, ab- gesehen davon, daß er ein Direkxor der Compagnie wnrde, in Aktien der Emma = Mine nicht aiicin in Gemeinschaft mii Mr. Park und Mr. Wordliuil, sci- nem Sekretär, sondern auch auf eigene Rechmmg in einer Weise sperlirto, die dazu angethan war, den Namen und Rang eines amerikanischen Gesändten in Mißkredit zu bringen. Der Airs- scimß findet demnach, erßens: daß es für General Schenck unge- hörig war, ein Direktor der Compagnie zu werden, zweiteiis: daß seine Beziehungen zu den Verkäufern drr Mine derariige waren, um seine Motive zu verdächiigrn und seine Hairdlringsweise ungünstiger Kritik auszuseizen. Aber der Ausschuß spricht ihn von jedem Betrugx_ oder jeder betrügerischen Absicht in Verbindung rnit der Compagnie oder den Verkäufern der Mine frei. Drittens findet der Ausschuß, daß das Spekuliren in den Aktien der Mine Un- vereinbar mit seiner Stellung als Gesandter der “Vereinigten Staaten am Hofe von St. James war.. Schl1€ßlich Llnpslchlk der Nusséiyuß dem Repräsentantenimuse, eme «Resolirtwn aiizU- nehmen, welche General Schcncks Handlrmgsweqe, mdrm er ein Direktor der Emma-Minr-Eompagnie wurde, sowie seine Opera- tionen in Verbindung mit den Aktien und_Brrkäufcrn der Mine als iidelberathen, unglücklich und imveriraglicl) mir_seiner Strl- lung als ein Gesandter der Vereintgteir “Staaten mrßdiiligt.

_ Der Bankausschus; hat gunstig über Mr. Randalis Gesexzvvrlage berichtet, ivclche zur_ Pragung von weiteren 25 Millionen Silberdollars ermächtigt. _ Das Repräsen- tantenhaus hat die Diskussion der Tarifvorlage begonnen. Mr. Morrison empfahk die Wiedereinführung der Zöiie anf Thee und Kaffee.

Nr. 21 des „Central-Vlaits für das Deutsche Reich,“ heranögegeben im Reichökamter-Ami, hat folgenden Judair: Allge- meine Verdoalmngszsachrnr Verweisung von Ausländern aus drm Reichsgebiet. -- Finanzwewn: (Holdankäufe Seitens dcr ?)icicsWdank; _ Nachweisung dcr Einnahmen an Zöücn und gemcinéci'aitlrcben Verbrarrckykiicucrn, sowic anderer Einnahme.". im Dcnisrken Reick) für die Zeit vom 1. Januar bis zum Schluss dcs Monats April 1876,