1876 / 131 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 06 Jun 1876 18:00:01 GMT) scan diff

Spanien. Madrid, 6. Juni. (W.T._B.) Der Senat hat die neue Verfassung und das Kriegsbrrdget ch- raihen. Minister-Präfidenk Canopus del Castillo erklartr dabei, daß die Regierung bei der dermaligeziStellwng der vsrschwdenen politischen Parteien in Spanien der m der Verfassung vorZeiehe= nen Beßimmung über SuSpendirung der versaffungSmaßigen Garantien nicht entrathen könne. Was das Kriegsbudgxt anbe- lange, so hätten die „Kommission und "der _Krtegs-Minifter fich über eine Herabminderung der ursprurtgluhen Forderung uxn 31 Millionen geeinigt, die beiderseits fur entsprechend eracthet worden sri. Aus der Genehmigung dieses Abkommens musse er eine Kabinetsfrage machen. _ Die Verhandlungdn zwischen der spanischen Regierung und der päpfi11chen,Kurie lasscri nach den ans Rom vorliegcriden Nachr1chien emen bc- frisdigenden Abschluß erwarten.

Italien. Rom, 3, Juni. (W. T. V.) Wie von gut Unterrickzteter Seite gemeldet wird, haben die Verha ndlungcn zwischen der italienischen Regierung und dem Bank- [muse Rothschild zu einem definitiven Resultate geführt. Dasselbe ergiebt für die Regierung einen Vortheil von etwa 26 Millionen Frcs. Das Hans Rothschild wird provisorisch die Exploitation der Bahn übernehmen. Die Deputirtenkammer wird noch vor Schluß der Session über diese Vereinbarungen Beschluß fassen.

_ Der Ausschuß, welcher die Feier des Jubiläums der Schlacht von Legn'ano zu leiten hatte, hat dem Präfi- dcntsn des Dentichen Reichotagcs ein Telegramm geichickt, worin die Fcsttheilnehmer dem deuisckzeii Volke ihre Liebe und Dank- barkeit durch eineti briiderlicHen Gruß aussprechen.

Türkei. Konftanti idpel, 4. Juni. Der Minister der Nuorvärtigen Angelegenheiten hat laut Meldung des „W. T. B.“ an die Vertreter der türkiscßen Regisrung im Auslande foigcn- des Telsgramm gerichtet: Ein trauriges Ereigniß hat soeben unseren erhabenen Herrscher und seine Regierung schmerzlich be- Troffen. Abdul Aziz Khan, bei welchem schon seit einiger Zcit unzweifelhaite Anzeichen von Geistesstörung bemerkbar waren, hat fich heute Morgen in seinen Gemächcrn des Palais von Tcheragan eingeschloffen imd ficli den Tod gegeben, indem er die Adern an den Armen mir einer Scheere öffnete, die er bei fick) verborgen hatte, Die Kaiserliche Regierung hat fich breilt, aile geseHlicki erforderlichen Feftstelluniien vorzunehmen. Ein detaiilirter ärztlicher Bericiit ist aufgenommen worden und wird Ihnen unverzüglich zugesicUt werden. AUe Minister und hohen militärischen und civilen Würdenträger werden dem Leichen- begängniß Sr. Majestät beiwohnen. Dasselbe wird mit allen Feierlichkeiten und aUen Ehrmbezerrgimgen vor fick) gehen, welche dem Verstorbenen zukommen. Die Leiche wird in dem Manio- lcum des Sultans Mahrmid bcigeseßt werden.

_ 5. Irmi. (W.T. B.) Die Pforte hat die Thron- besteigung des Sultan Murad den hiesigen Botschaftern offiziel], notifizirt und die Anerkennung desselben erbeten. _ Der Marine-Minister Ahmed Kaisserii Pascha ist zur Würde eines Kapudanpasckza erhoben worden. _ Mehrere Generale smd nach Sakonickzi gereist zur Theilnahme an dem Kriege;- gericht, welches daselbst behufs Aburtheilung des dortigen Gouverneurs Wegen dessen Bethriligung bei der Ermordung dsr Konsuln niedergeieyt worden ist. _ Ter angekündigte ärzt- liche Bericht über das Ableben des SUltans Abdul Aziz ist von 19-Aerzten unterzeichnet und konstatirt, da!"; der Tod als Resultat des Seibftmordes in Folge einer Vcrdlumng eingeircien ist, die durch die Verletzung der Gefäße an den Armgelenken mittelst einer Scheer:: herbeigeführt war.

Berlin, den 6. Juni 1876.

Im Herkstc diésés Jahres find 25 Jahre vcrfiossen, seitdem die Königliibe C-éntral-Turnanstalt in dcr Scharndorststrdße er- öffnet ist. In der Civi1abtkyciluiig sind in den 25 Lebrkursen an 800 (Eleven zu Turnlyhrem ausdedxlder worden. Es ist nunmcbr be- schlossen worden, diescs Jud iläum iksilicb xu begeben und für die Feier den 2. und 3. Oktober zu bestimmen. Eine Versammlung bie- figer ehemaliger Civiieleven „der Cenirai-Turrianstalt wählte bereits das Festcomité, welches 11. N. (1118 den HH. 131: Angerstein, Professor Euler, Kluge bcstsdi. Am criten Festtage 1,011 cine entiprscbende Feicriickykcit in den RäUmrn dcr (Fcnira1-Tuxnansta1t statikinden, mel- cber am Nachmittaa die Vorfiidrung von Turnüdnngsn folgen wird. Der zweite Tag wird durch einen Ausflug und durch ein Festrisen aUSgefiiÜt werdeii, Hr. Professor T):“, Euirr, ersicr Civillehr-“r der Anstalt, wird eire Fcsikcbrift yerößentlichen, zn ivcicher das statistische Material schon gksamme1t wird.

In Dessau wurde am 4. d. M., Näch111iikaés 111hr, in dem Konzsrtiaal des Hsrzochbcn Hoitlx-xat-xrs der 5. Delegirten- tag des „Deutschen Kriegerdnndsö“ eröffnet. Der Bund, welcher gegenwärtig circa 600 Krirgerrereine zu seiner Körperschaft mit unßeiäbr 60,000 Mitgliedern 351311, war durch 70 Delrgirtc von 487 Vereincn vertrcien. In dem festiirl) drkoririen Saal waren außer einer aiokßcn Zahi von Mitgliedern arrcko mehrere [ckS- here Stabsyffizicre_dcr Dessauer Garnison erschienen. Nach- dom der Edrenwrafideni des Bundes, General - Lieutenant Siriimarr, die_ Sißimg diirch einig? warme Werte eröffnet, scdiri; derselbe 1111t derHénweisung auf die aitrn und bewährteniprin- zivien, die den_Bund in_seinkr bisherigen Thätigkeit acleiici: Mit Gott für Kaiier und Reich, im: dem alten deuiichcn Switch: Wir trollcn sein_ ein einig Volk von Brüdern, in denen er in ticiikcr ('“-,'“hriurclii, unwandsldarcr Trend und innigstcr Lisbe zu Tliron und Barriand siche mii eiiic'ni HWY)! auf Se. Majestat Kaiser Wilhelm, den Schirm Deutsch1ands im Frieden wie im Krieg, Bcgeistxrr itimmtc die Versammlung iu diesen Ruf drei Mal ein und drich1riz icio]: in eincm Telkgramm Sr. Majestät von der Konstituiiung dsr Vsrsammlung Kenntniß zu geben und demicl en idre _unwandcibaro Trrue auszudrücken. Demnächst Wurde die Kon- iiitmiung des Birreaus vorgenommen und zum Präfidenten O:. B1ank (Zikienimiaren in Berlin) erwählt. Sodann e_rki-xiiets Kam. Bröizke ('Zrandau) Bericht über die Ge- :cdHifiZidät'igkcit drs Bundcs wäbrc-nd ch verflossenen Jahres, welchcr erdzb, dar; dxr Bund im rerftosiercn Jahre auf 707 Vereine mit 63,389 Miiglicrcrn argrwxÖseii isi urid stéts in ruhiger und sicbrrcr (K*nrwickelnng irrtickyrcitsr. Angcrdcm dabrn fick) die beiden großen chände: der Mxélcnkurgér Krikixerrrrdand und der Eck)wäbische (Hiiwerband reinieldcn angeichirffen. Die Einnahmen beliefen sicb. auf 24,025 .“ 75 „Z. die Airsgaken uuf 12,843 .“. 86-5. Vom Urbrrschus; sind 8100 ck zinötmgend angelegt. Bei dcr fo1ger-_den Bkrmbung übsr die rxvidixten Saßungen des Bund“; VCkana'ZTM mehrere Besiimmungen, wie die, auch solche Psp 10mm, weiche iiicht Sdlddt geWeien, als Mitgiikdcr aufzu- nehmen, en-e lau,;xre Disku1fion, sie Wurde indes; angenommen. Um 6 Uhr wurdcn die Verbardliingrn vertagt. Zuvor gslanßte 11011) die Antwort „an* da! TéléJkäAm an S?. Majestät zur Veileé'ung: „Neiiks_P.11ais, 4. Juni 1876, 3 Uhr 30 Min. Nachmittags: Se. Majestat der Kurier und Köni sagen Euer Excellenz und den ver- igmmelten Delegixten_ den Zreundlichsten Dank für den durch GU“, Excellexiz uberiandten Gruß. Auf Befehl: v. Lin- dxqmst, _Flusel-Adjutani vom Dienst.“ Ferner bricbloß die Ver]ammlung. _dem regierenden Herzog von Anhalt mit?: dem __?[uSdiuck l_brcr Theilnahme an dem die Herzogliche Fa- rmiie betroffenen nginck (Erkrankung, von fünf Herzrg1ichen Kindern)

_ (W. T. B.) Midhat Pascha ist zum Prei,- sidenien des StaatSrathes ernannt worden. „_ Die hiesigen Journale konstaxiren, daß Abdul-Aziz seit seiner Throneniseßrmg, namentlich aber am Abend des Z.,c. durch Ausbrüche heftigsten Wabnfinns heimgesucht gewesen set.

_ Ueber die Vorgänge, welche den Thronwechsel be- gleiteten, entnehmen wir der „D. A. C.“ Folgendes: Die ohne Blutvergießen vollzogene Umwälzung ist das Werki-der WWW und Softas, die, auf den fanatischen Pöbel gestüßt, durch Männer der Alrtürkenpartei und Jungtürken geleitet, seit etwa drei Wochen Herren von Konstantinopel smd. Seit der Sultan, durch Drangen der Softas gezwungen worden, seinen Großvezier Mahmud Pascha zu einlassen und den greisea Alttürken Ruschdi-Pasrha an seine Stelle zu seßen und Midhat Pascha gleich- falls ins Ministerium zu rufen, war sein " Schicksal entf ieden. Die beiden Würdenträger, der Altturkenpartei ange örend, aus den Reihen der Softas hervorgeßangen, brachten die gegen den Sultan angezettelie Bewegung zur Krifis. Nackzdem fie sich durch reiche Geldspenden und durch den Sultan aus seinem Privatschaß abgezwungene Zahlung des rückständigen Soldes die Garnison Konstantinopels gesichert, traten fie kühner auf. Zuerst forderten sie vom Sultan die Zahlung von 5 Mil]. türkischer Pfund aus seinem Privatschaß, Reduktion der Civilliße auf ein Viertel des bisherigen Beirages, Einführung einer Art Konstitution und vor AUem, daß fich der Saltan in Zukrmst aUen wiilkürlichen Eingreifens in den Staatsschaß enthalte. Allen diesen Forderungen schie Abdul-Aziz einen harinäckigen Widerstand entgegen. Alx: die Minister sahen,

daß von dem Sultan ganz und gar keine Konzesfionen zu er- .

warten waren, traten fie am 29, Mai Abends, dem Jahres- tage, an welchem die Türken 1453 in Konstantinopel einzogen, zu einer geheimen Sißung zusammen, in welcher die Absetzung des Sultans beschlossen wurde. Nachdem in dsr Nacht die Kapitäne der am Goldenen Horn liegenden iiirkisckzen Schiffe gewechselt und die Residenz des Sultans, der Palast Dolma- Baksckie, mit Land- und Seetruppen umzingelt worden war, ward der inzwischen aus seinem Gefängniß, einem Kellxr seiner Wohnring, Hervorgeholte Murad Effendi auf dcm Seraskeriate in Gegenwart a11er Minifter, des Scheik-Ul-Islam und der Moüahs zum Sultan ausgerufen. Hierauf ward Suleiman Pascha, umgeben von Offizieren und Soldatin der verschiedenen Regimenter der Garnison zu Abdul-Aziz gesandi, um ihm seine Abseßung mitzutheisen und ihn aufzufordern, den Palast seinem Nachfolger abzutreten. Da ihm die Haltung der Soldaten deutlich zeigte, daß er auf ihre Ergebenheit nichi zählen könne, fügte er sich ohne weiteres Stränden, und wurde mit seiner Mutter und einem Theii seiner Frauen in Boote geseßt und unter Eskorte nach dem lange verlassenen Palafte Topkhana im alten Serail gebracht, wohin fich auch bald darauf sein ältester Sohn Yniuf-Jzedin begab. Hierauf zog Murad 17. im Dolma- Baksche Palast ein, begab fiel) nach der nahe gelegenen Moschee, ward dort mit dem Schwerte Osirians umgürtet, und empfing die Huldigung der izöchften Würdenträger des Staats.

_ Meldungen, welche der „Agence Havas“ zugehen, ver- sichern ebenfaüs, daß die serbiscize Regierung den Sulran Murad anerkannt habe. Weiter wird derselben aus Serbien gemeldet, daß die in letzter Zeit im Lande betriebenen militäri- schen Vorbereitungen zwar noch nichi eingestellt seien, daß aber, allen Versicherungen nach, Serbien nicht zum Angriff gegen die Türkei schreiten werde.

_ Der „Polirisckzen Korrespondenz“ wird dagegen aus Bel- grad von amtlicher Seite gemeldet, daß etwa 500 Türken in der

in einem Sckdrciden ihren Dank außzuiprcchen für die dem Bunde griräbrte Aufnahme in seinem Lande.

Am Abend vereinte ein frohes Festmahl die Fesiiheilneiymcr und Kameraden, die fich aus dem Orte und den angrenzenden Städten ein- gefundkn [)attkn.

Der ständiqc 711151551113 dxs deutschen Journalifteutages irak am 4. d. Mrs. Vormittaas in Cassel zUsammeti, um Zeit, Ort und _Tagrsordnung der diesjährigen Gencralversammlung dcs dautickien Journa1istentages festzusteüen. Es wurde besch1offcn, die Versammlung in Wiesbaden (auf Einladung des dortigen Ge- meinderaihö) am 19_, 20, und 21. Auzust abzuhalten. Die Tages- ordnung ist wie folgt festgesieat: Erster Tag (20. August): 1) Be- richterstattung des Vororts Bremer; über Geschäftsführung, Rech- nungslage und Übkr emen Antrag auf Statutenänderung (Auf- nahme von JournalistcnvereZnen als Mitglieder des Journalistsn- tagrö); 2) Boricht des Genera1 - Sekretärs über seine Thä- tigkeit 416 Leiter des Archivs und de; Steuervermittc- lungI-Bxireaus; 3) Pensionskasse für Journalisten; 4) SteÜung ker Zeitungxpreffe zur orthographiscben Reform. Zweiter Tag (21. Auaixii): Verhandlung über Preßrechtsiragen: a, Zeugnißzwang, 1), Beröneritlichung ron Gerichtsverbandlungxm 0. Verweisun: der Preßyergeben vor die Schwurgerichte, 1], Rückfallsbrsirafung bei Prcß- vergehkn, €. Berichtigungszwang. _ Vertreten Waren Voifische Zeitung, VolkSzeiiung, Neue Freie Presse, Neues Wiener Tageblatt, Frankfurter Journal, Frarikiurter Zeitung, Schwäbiichcr Merkur,(ch“[dcr431dchri- tunz, Weirr-Zeiiung, Bremer Nachrichten, Deuifcbes Handelsrlan.

In Erfurt tagte am 2, Pfingstlage die allgcmeine

deuticbc Ledrrrversam1nlung,oder,wie es in dem dieSmaligen Programme heißt, der Erste allgemeine deuisck): Lehreriag unter Tbeilnaßkie von etwa 450 Schu1männern. Zum Vorfißendcn wurde Skisulratl) Henmxinn aus Hambu-g gewählt und auf die Tage?;- ordnung der aiif d-n 6. d. Mio. anberaumten ersten Hauptversamm- lung als erster Geaensiand die Reorganisationsfrage, als zweitrr die Schu1di§3ip1inargewa1t gemixt. Die große druiicbe Kunst- und Kunstgewerbe - Aus- strllnng in] Glaspalast _Zu Münchrn wird am Mittwoch, den 14. Juni in_ seierlicbir Weiie eröffnet werden. In derselben find zum erstcn-Mal 1,11 kiinst1erisch_ geordneter Verbindrng Werke der Kunst und Kunstmdiistrie neuer deuticder M-'ister aufgestellt. Sie bringt ferner eine Voremxggxq der größtsn Schäßc dcs Alterthums deutschen Ur- sprungs qm"; ?raaisq öffentlichen und Privatsammlungcn von Deutsch- land. Ociicrrezcb, England und dor Schweiz. AußqesteUt sind f'odann: Entwurfe, Plane und W-rke der Mitglieder des allgemeinen deutschen Yichiikkfiit- rind Jngcuieurvereinö, und gelangen die Unterrichtsiysieme fur das Kunitvcmdwerx durch die Leistungen der deutschen KunsischUlen zur Darsikilung. Beznalicb der Eintrittßprcisc warden folgende Be- 1t:r:1mungen gctroffen: Montag, Mittwoch, Jreitaa und Sonntag 1.16, Dienswq. Donnerstag _und Sonnabend 2 «jk. Saisonkarten für die gqnze Darier der Y_usitcaung 20 „is., für die Dauer von 14 Tagen 10 «46- , Die Vorstände der Unterrichtßanstalteu in Deutschland, Oesterreich und der Sidireiz vermitteln für ihre Schu1en Saisonkartcn um__dxn 11:11ka kais- Gleiche Rechte genießen Studirendc der Uni- thiit'äicn,“ Akademien und Volvtecdnischen Schulen auf Vorweis ihrer Legitimation. , Die Saiiorikanen jeder Kategorie, sowie jene der Aus- steiier, berechtigen zum Beiuche für jeden Tag. Auf der Rückseite der Saiionkarten werd-n die photographischen Porträts der Eigenihümcr dersclben angebracht werden.

Dreödrp, ck. Juni. Gestern ist in dem östiicb vom köQmi- schen Bahnhofs 321€g€ncn, mir sächsischen, deatfchen und Flaggen an-

Nachr vom 30. zum 31. Mai auf serbischem Gebiete die Karaula (Wachthaus) bei Stupska TscheSma am Javor- Gebirge in dem Distrikte Uzica an der Grenze des Paschaliks von Novi-Bazar angegriffen haben. Der Kampf währte bis zum Morgen. Auf dem Rückzuge nahmen die Türken, welche, Wie vermuthet wird, reguläre Truppen waren, einige Hundert STüi'k Hornvieh mit fick) fort.

_ Nack) einer türkischen QuelLen entstammendm Meldung des „Telegraphen-Korrespondenz-Bureaus“ aus Mostar vom 4. d. M. haben dreiInsurgentendaufen in einer Gesammt- stärke von 3000 Mann am Abend des 3. c. einen Angriff gegen Bilcki gemacht, find aber von der aus zwei türkisckzen Compagnien bestehrnden Garnison und der Einwohnerschaft zurückgeschlagen worden.

Rumänien. Bukarest, 3. Juni. (W. T. B.) Der frühere Minister der Aquärtigen Angelegenheiten, Balaceanu, ift zum diplomatischen Agenten in Wien ernannt worden und ist bereits dahin abgereist.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 5. Juni, (W. T. V.) In woh1u1iterrichtetsn Kreisen wird als ficher an- genommen, daß diesieits gegeniiber drr Türkei keinerlei iiolirte Schritts gcichrhrn werden, und das; vor Aliem erst eine Verständigung mit den bcfrcundstert Mächten stattfinden wird.

Amerika. (N. A. C.) In Lincoln, Nebraska, ist die Nachricht eingegangen, daß die Indianer 49 Personen, die auf der Reise nach den Schwarzen Hügeln begriffen waren, niedergemeßelt haben.

Uruguay. Pritchard, der Konsul der Republik Uruguay in London, hat aus Montéyideo das folgende vom 31, Mai datirte Telegramm erhalten: ,Die konsolidirte innere Sckzuld wurde heute mit deren Inhabern brfriedigend arrangiri. Der Finanz- Minister.“

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

, _Die Königlich sch1vcdische Gesellschaft der Wissen- schaisxen in Upsala wählte in ihrer lesten Sißung u A. Hrn. Prosemor K.W_€ier_stra8 l)icrse1bst zu ihrem auswärtigen Mitglieds. _ Die 4001ahrige Jirbelfeier dcr Siiftung der Universität Upsala wird im nächjrn Jahre im September begangrn ivcrdrn.

_ Die „französische Roman-Scbrifrstelwrin Georges Sand (geb. 10. Juli 1798) ist schwer erkrankt,

Gerdervo und Handel.

Cöin, 3. Juni. (W. T V.) Die heutigs Gcneralveriamm- lung der Aktionäre des Swaaffhauienschcu Banfvrreins navm einen sehr erregten V-xrlauf. Die Anträge drr Opposition wurdcn abgelehnt. ,

_ _ Ja der in St. Pct-crsdurq abgehalienén ordenilicben Gsnorai- verigmm1ungde. Großkn Ruisiickpen Eisendahngescllscbafi wurde der Recßnungöadßhlui; pro 1875 vorgeixgi und auf Grund deffelbm beschlossen, von dkn Einnahmen der Warsckyauer und Niibni- Nowgoroder Bahn 48 Koi). und von denjenigen der Nikolaibahn 67 Key., im Ganzen 1 Rbl. 15 Kop. pro Aktie unter Zurückquung von 16988 Nhl. von dM Einnahmen der Warschauer und Nishui- Nowgorodrr Baßn_zu1n Räicrvekapital a13 ividsude zu dszahien. In dk]! Consxil wahlte die Versammlung die Herren Ed. Baring Und W. Borski.

Verkehrs-Anstalten.

New-York, 5. Juni. (M.TV.) Dor Dampfer „Spain' !on der „National-Damrfichiffs- Compagnie (C. Mes- nngscxys LMlL)U11D der Dampfer ,Neckar“ vom Norddeutschen Lloyd find liist Lingetroffcn.

der?: Staateii _drkoriricn Außitellungsgebäude die internationale Huwdo-Ausitellung erömnet worden. Ungefädr 50“) Hniide „sind zur Schau gestellt.

__ Leipzigs,_3. Juni. Das Jahresfest der evangeliicb-luthe- riichen Yiliilon ßndet wie gewöhnlich am Mittwoch nach Pfingsiexn, dieSrnal- alio ain 7. Juni, statt. Im Anschluß an das JahreSseit der Mission wird Donnxrstag, den 8. Juni, im großen Saale des Veieiriswiuses eiiie Pa1tora1konferenz geHalten werden. Tagesdrduung: Bibliicve Aiiwracbe von Dr. Luthardt. Ueber die lutheriicxe Lxhre vqn den Gnadenmiitcln in ihrer praktischen Bedeu- tung fur „dir Serlxorge, Ref.: Past. Winter aus Deutichcudora. Ueber Pefyixmsmus und Christenthum, Ref.: Prof. Dr. K. Ricbirr aus Dresden.

' Vim 8. Juni wird auch eine Generalversammlung iämmt- licher evangeiiicb -1utherifcher Vereine für Mission unirr Jöraei tm Versinsbause zu Leipzig (Roßitraße Nr. 9) ad- gehalten werden.

- Theater.

Fr1. Hermine Meyerhoff, vom C4L'1ibéätér in WTM, die ick_ne11_ biliebt gewordene (Hastin des Friedrich-WUHle- st adttscben Theaters, wird bereits am Donnerstag in einer ein- gxtigeii Operetten-Noviiät auftreten, welche den Titel ,Bagaielle“ mint und, von Jacques Offenbach komponiri ist. An demselben Abend _ivird Fc1. Mcysrhoff die Partie des .Gaston“ in der Braridlichen Operette: „Des LöMn Erwachen“ und das Nand'l in der schon lgngs bei uns heimisch gewordenen Alpsnicene: „Das Ver- sprecbrn hinterm Heard“ ?pielen. Cine größkre Odereitcn-Novität mit Frl. Meyerhofx ist fiir die nächste Zeit in A114ficht genommen, _ _ Zn Bcireff der_ tm Victoria-Thcater am" Sonntag iiairgcbadten ersten Lluffuhrung von „Berlin, oder: Kurfürst, König, Kaiicr' onen wir heut,_ eine qusfiivrlichsre Bksprcchung uns vorbe- bnlixnd, mir kurz mittheilen, dat; dieselbe vom Publikum mit großem Bxisaii auigeiwmmcn und Hr, Direktor Hahn zu verschiedenen Malen und namentliäy am Schluß drr Vorstellung durch stürmisch wieder- holte Hervorrufe geehrt worden ist.

__ Am Donnerstag, den 8. Juni. feiert Hr. Direktor Engel in den Räumen des K_roilscbcn Etablissements sein Jubiläum als Vcfiyer und laiigjadrtgqr bewährter Direktor deffelbeu. Die Theil- ncbmor aii den Festlichkeiten des Tages versammeln sich Morgens um 10„_1_Ukzr m dxn grrßartigen Lokalitäten, um ihre Glückwünsche dem Vk'rdli'ntku Bubuenleiier darzubringen. Am Abend findkt vvr der Thcatqrvorsiellyng ein Festspiel von Ad. Reich mit V.!iufik von 0). s))iichaelis itari. Boi glänzender JÜuminatiou wird dem Publikum em grxßaiiigrs- Dop5c1konz-31t geboten _werden. Die Einnahme ist von leékkok Engel, weleher fich dieicn Tag koniraktlich vorbe- [mitra hat, zu Pairiotischcn und woh1thätigen Zwecken bestimmt.

_ Reiidenz-Tbeater. Frl. Marie Geistiuger wurde am Sdnniag von, einem _ernstlicheu Unwohlsein befallen, das die Künft- rerm zwmgt,_il)r Gastwiel für einige Tage zu unterbrechen. In Folge dcsii'n finddte Vorstcüungm von „Ania uud Messalina“ mit Frau Claar Delia als Gast wieder aufgenommen worden.

Redamnc: F. Prebm. Vev-iag der Expedition (K cise1).

Vier Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage).

Bcrlini

(5691)

Druck: W. Els-ter.

Erste Beilage

zum Deuticiirii Reicijs-Wizrigrr uri? KÜLÜFÜÜ Preußiiriirn Siuuis-Aiizriger.

_ Bekann.trZack)ung._ ., Secpoiiverdiridxrng mri Srdwedrn «1:7 der Ltr.:r Orralwnd-Mälirioe,

Die regelmäßiaen Postrampiiciziffabrixn auf der Linie Siraijund-

Malmoe gestalten fich im laufendem Jahre wie folgt:

Die Fahrten finden vom 1. Mai bis Ende September in beiden Richtungen dreimal w öcheiitlick) stati, und „zwar aus Stralsund jcden Montag, Mittwoch und Freitag, aus Mainioe jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abgang aus Stralsund: mit Tagcöanbruck).

Ankunft in Malmoe: an d-Zn betreffendcn Tagen Mittags zum Nnsckoluß an den Scdnxllzus nach Strcklwnn.

Abaang aus Malmoe: 1 Uhr früh.

Ankunft in Stralsund: an den beireffendeiiTagsn Vormittags zum Ansriluß an din 12 Uhr 45 Minuten nach Berlin abgehenden

' Eisenbahnzug.

Brrlin W., den 19. April 1876. Kaiserlicher; General-Postami.

Staat und Kirche. 711.

(Vergl. Nr. 124 d. Bl.)

In Deutschland entwickeln die Ultramontanen in Bayern :fortdauernd eine lebhafte Thätigkeit. In der Abgeordneten- kammer hat es ihre Partei durchgeseyt, daß bei der Prüfung 'der W ahle n des Wahlkreises Münckgrn [. am 4. U, M. die Kassa- ti an dieser liberal auSgefaUenen Wahlen mit 77 gegen 65 Stim- men angenommen wurde. Dadurch war die ultramontaneMajo- rität um 5 Siimmen gcwachscn. Indessen hat die am 18. v. M. stattgehabte Neuwahl von Wahlmännsrn für diesen Blziik das von den Klerikalen erhoffte, günstige Resultat nicht ergeben. Es wurden 249 liberale und 35 ullramontane Wahlmänner gewählt. Durch dieselben werdkn 10,035 liberale und 5007 ultramontane Stimmen repräseniirt. Bei der vori- gen am 4. U. M. kaffirten Wahl waren nur 228 1ibe- rale und 56 Ultramontane Wahlmänner gewählt ivorden.

.In gemäßigtrm, vcrsöhnlichem Tone war der Hirtenbrief vom

"30. Aprii gchal'cn, we1chen der an diesem Tage konsekririe und inihronifirte nene !*.-iscbof von Passau, Weckert, in deutschsr Spriicizc cm aUe Angehörigen seiner Diözese erlassen hat. ES findet ficii darin die Sielle: „wir wolien wie unsere Väter treue Söhne unseres Landes sein und (111 opferwikliger Liebe zu demselben uns von Keinem übertreffen lassen. Die Tugenden unserer Ahnen, ihre Glaubensstärke, ihre Frömmigkeit, ihre ircrre “Liebe zur Kirche und zum Vaterlande, ihre1)ingcbendeAnhänglichkeit an das angcstammle hohe HerrschcrhauH, sollen auch die miiern sein und bleiben.“ Zugle'ch richteie der Bischof ein in lateini- scher Sprache abgefaßtes Hirtenschreiben an -feine Diözesangeift- 1ichkcit. Er ermahnt dieselbe zur Geduld und Nachsicht; fie 1011011 in ihren Reden und Worten alles vermeiden, was die Gemüiher erbiit-rrn Und cntfremden körmie und nach Kräften mit allen Menschen in Frieden leben. Hirrauf heißt'es Weiter: „Zum Wohl der menschlichen Gsscllsckzaft find von Gott zwei Grmaltcn verordnet worden: nämlich die bürgerliche und die kirchliche, die einander stüßcn, Unterstützen und siärken müssen, damit sie aufrichtig unter sich verbmiden mit vereinten Kräften, jede nach ihrem Theis, zusammenwirken und durch die also bcgriindeteEintracht zwischen Staat und Kirche (1011101111111 01; 550€kc10tju111) das öffentliche Mohl gewahrt und brwahri werde. UnterstiiYen wir die, vdn welchen wir wünschen, daß fie uns UMcrsTÜHLU, Und beim Wir, daß die Geseßgeber, durch die göitlickx Weisheit erleuchtet, be- sch1ießen, was gerecht ist.“ _ BemerkenSWerrh ist eine Miiihei- lung der „Südd. Pr.“, nach welcher die Klerikalen Münchens für die dortigen Wahlen bereits einm Kompromiß mit der Sozialdemokratie zu schließen versucht hätten. In einer am 13. U. M. im Saale des katholischen Kasino abgehaltenen Versammlung sei von ultramomaner Scitc einer Parisi, 111c1che „,nur in einzelnen Punkten von den Uitramontanen geirennt sei“ ein Wahlbündnis; angeboten. Der Redacieur des sozial-

drmokratisclzen Blattes „Zeitgeist“ hube erklärt, vonseinen Partei-_

genossen keine bezüglirhc Vollmi.c1]t zu haben. Um den Preis eines neuen Wahlgeseßes scheine ihm die-x'cs Zusammengehen indeß nicht unmöglich. Die Ultramontanen seien auf die Be- dingungen der Sozialdemokraten WSDL!) offizielleingegangenmoch hätten siedicselbcn förmlici) abgelehnt. _ Auch drei klerikaleAb- geordnete datiert i“.i der Versammlung das Wort cigriffen.

Aus einem (1. (1. München, 1. Mai 1876, erlassenen Cirkularschreibcn ist zu crsthen, so berichtei die „A. Abend- zeitung“ Unterm 13. v. Mrs., daß am 10. August o. I. auf Schloß Köfering (Oberpfalz) eine Versammlung von Mitgliedern des bayerischen Adels stattgefunden hat, welche den Beschluß faßten, daß fie „in einem gemeinsamrn Wirken des katholischen Adcls in Bayern, zu dem Zwecke, die in den Siaiuten des Vrreins katholischer Edelleuie (zu Münster) gesielltcn Aufgaben auch in Bayern zur Ausführung zu bringen, ein zu ersirebendes Ziel“ zu erkennen und daß weitere Berathun- gen in München ßattfinden sollten, wenn mindestens 50 Stan- desgenrffcn ihren Beitritt erklärt haben würden. Diese Anzahl ist nun erreicht, da 56 (in jenem Cirkular namentlich aufge- führte) Mitglieder des bayerischen Adels ihren Beitritt erklärt und andere denselben in Aussicht geßeUt haben. Deshalb ladet das erwähnte Cirkulaiichrcibcn zu einer Versammlung ein, die auf den 21. Mai d. I. zu München anberaumttrordcn war, um über die Bildung einer srlbständigen bayerischen Adelsgenoffen- schaft im Geiß: dcs Münsterschen Vereins katholischer Edelleute zu beschließen.

In Baden wurde am 6. U. M. in der Zweiten Kammer der Geseycntwurf über die obligatorische'Einf'ührung der kon- fessionslosen Volksschule gegen die Stimmen der Ultra- montanen angenommen. Das Gefeiz mmmt den Grundsatz an: der Religionsunterriclzt soll ein obligatorischer Unterrichtsgegenstand bleiben ur-d nach Maßgabe der Lehrkrafte ]erer Konfesfion fiir sich ertheilt Werden; die Aufnahme des Religionsunterrichts in den Lehrplan kann der Schule“ keinen . konfesftonellcn Charakter verleihen. Die ßaatliche Schule soli ihrem Wesen und Zwecke Rack), drr Natur des Staatcs und der Gemeinde entsprechend, eine paritätische Anstalt sein. Unbeschadet der einheitlichen Lei- tung der Schule durch die Staatsbehörden soll die Ueberwachung

Berlin, Dirnxstng. ix_en6 Juni

und Besoldung des ReTigionMnterrichis durch die Kirche für

ihre Angehörigen statifinden.

Die Frage der BLsLYUUg des erzbischöflickiei'. Sinhles in Freiburg kam bei Welegciiixit der Budgciberaihung des Mipißeriums des Innern in der Ersten Kammer am 13. "U. M. neuerdings zur Sprache. Bon klerikaler Seite wurde der Regierung vorgeworfen, daß fie, die Beseßung absichtlich verhin- dere. Hieranf entgegnete Minister Ioüy, daß die katholische Kirche nicht das zur Bcstßung gethan habe, was Pflicht gewesen. Gewisse Erfahrungen hätten es der Regierung wünschenstf) gemacht, die Kandidaten vorher aufmerksam zu machen„ daß der Eid ohne jeden Vorbehalt und der Gehorsam gegen d1e_GeseYe rücksichtslos verlangt würde, da jede staatltche Ordnung dies un- bedingt yerlange. Ferner sei er, der Minister, in der Lage be- weisen zu können, daß das Kirchenregiment zu Freiburg syftemaiisckz gegen die LandrSgeseHe kämpfe. und daß bei demselben die Unierthanentreue vermißt werde. Die 211)- seßung der erzbischöf1ichen Dotation wurde dann nach den Be- schlüssen der Zweiten Kammer auSZesprocheii und der staatliche Zuschuß zum altkatholischen Kultus genehmrgt.

Der Altkatholizichnus hat in neuerer Zeit in Baden be- deutende Fortschritie gemacht. Um 30. April hat die altkatholische Gemeinschaft zu KarlSruhe zum ersien Male Gebrauch gemacht von der ihr zur Mitbenußung eingeraurriien evangelischen Kirche. Eine altkaiho1ische Gemeinde hat sick) ]iingft in Zell i. W. ge- bildet und den Alikaiholiken in Säckingen ist die doriige Frido- linskirche eingeräumt worden. .

Aus Hessen wird unterm 9. U. M. bxrick)tet, daß |ck auf Einladung des Fürsten zu Löwenstein an diesem Tag in Mainz eine Anzahl hervorragender Katholiken an:“) allen Theilen Deutsch- lands versammelt habe, um über die Gründnng eines „Katho- lischen Vereins für Drutschland“ zu berathen. Allgemein herrschte die Anfickzt, daß die Gründung eines solchen Vereins, nachdem der „Verein deutscher Katholiken“ in Folge der bekann- ien Ereignisse aufgelöst worden, wünscHenswcrih ici. Nack; kur- zer Debatte wurde einstimmig die Gründung eines „Katho- 1ischen Vereins für Deutschland“ mit dem Siyc in Mainz 13e- sch1offen. Nachdem sodann der vorgelegte Starutenentwurf mit einiger. Abänderungen angenommrn worden, wurde ein Comité aus sieben Mitgliedern erwählt, mitxdem Auftrage, möglichst bald die Uöihigen Schritte zur Ausfiihrung des Beicbluffrs zu ihrm. Ebenso wurde die Abdaliung Liner erßrn Biriammlung im Laufe des Sommers in Aussicht genommen.

Andererseits smd auch die Alrkatlwiiken in Hessen niiiit unthätig gewesen. Wie das „Frkf. J.“ unterm 11. U. M. mit- tizeilt, werde iii Mainz, dem Bisthofsfiße, in wenigxn Wocberi, der ersie öffentliche aljkatholische Gottesdienst eröffnet werden. Es sei den Altkaiholiken 131112 frühere Klostcrkache von der Gemeinde mit staa11icher Genehmigung zum gottesdienst- lichen Gebrarick) überlaffen worden. Die feierliche Einweihung der Kirche, mit welcher zugleick) der Anfang einer regelmäßigen altkatholiscden Seeiiorge gemacht werden soll, sei auf den 11. Juni festgcscßt wordrn, an Welchem Tage die längst in Aus- sicht genommene größere Versammlung der Alikarholiken der Rheingegend und der Pfalz in Mainz stattfinden foi]. Zu der- selben werden die hervorragendsten Namen und Träger der katholischen Rcfdrinbcwegmig erwartet.

In Preußen wurds in jüngster Zeit über zwci kirchliche Gescßciiiwiirfe von hervorragendrr Bedeutung durch endgültige Annahme im Libgeordncienhduse entschiedcn. Der Gesetzentwurf, betrcffend die evangelische Kichcnverfassung. in dcn acht älteren Provinzen der Monarchie (Smiodalgeseß) wurde in dritter Lesung mit 211 Stimmen genehmigt, und der Grieß- eniwurf, betreffend die Vermögenswerwaltung der katho- lischen Vieithümer (Diözesangeseß) gelangte am 16. U. M. mit 230 gegen 92 Stimmen zur Annahme. Durch das erstere Geseß wird die Verfaffiingsiirganisation der evangelischen Lan- deskirche nach der ebenfalls erfolgten Bestätigung durch das Herrenhaus ziim Abschluß gebracht. Das zweite-Gesey fand 6111? heftige Opposition von Seiten der Centrmrispartei, doch wurden bei der Debatte wieder nur die alten, oft wiederlcgten, ungerechtferiigten Beschwerden vorgebracht. Ein Miiglicd dieser Partei nahm Ge- legenheit, die von gegnerischer Seite aufgesteUtc Bxhauptung, daß sern: Partei im „Kulturkampf“ ermatte, entschieden Zuruckzu- weisen. „Was aber ist denn eigentlich erreicht ivordcn*.“ fragt der Redner, „,es smd einige Altkatholiken, einige Staatskathdliken und einige abgefallene Priefier gewonnen wdrden, weiter nichts; man wagt nicht einmal, die KreiSOrduung im'Rhemland einzu- führcn, weil man die Uliranwntanen sck)cUt. Tie Katholiken aber haben sich immer enger aneinander geschlossen und halten zum heiligen Vater mehr als je.“ .

Auf der zu Pfingsten 111 Audfickiigenommenen aliifaiho- 1ischcnSynodezuBonn sollte auch Dic: Fragr, ob das Coltba't arifzukycbcn ici, zur Eröricrung Und wahriciwmlicl) auch zur dßfim- tivsn Entichcidung kommen. Am ,der le_iztcn altkatiwlqchen Synode wurde dahingedcnden Anträgen n1cht_ Jrlge gogcbcn, wcik Professor von Schmtc erklärte, das; cr__]cl[*1t den' Antrag auf Liuihchng dcs CölibatÖzwangc§ zur r*ancridcn Zeit sirUcn werde, da er überzeugt sei, daß dic]chc1)ritt dcr xiltkaiswlqchen Bewsgung durchaus nicht icixaden kdnric. Jllzw11ch811 ist 111111 die Schultc'ichc Schrift crichicncn, worin der Nachweis gefuhrt wird, daß Weder die Konzilien, noch die Papfte cin Rcck)t_z_ur Aniftcllung dcs Cölibaiögcixizes gehabt,_ _und daß durch die]cs die Kirche wesentlich gcichädigt worden 161.

Die Entthronung eines Sultans.

Der leßte Padisckoaé) vor Abdul Aziz, der die Herrschaft und auch das Leben durch eine Revolution verlor, wdr Mustapha 117. gewesen. Sein Vorgän er,Se1im111.,1)atte den gewaltiger) Gedcrnkeri Liner Reform der Türkeige aßt, aber er ivar zu schwach gewe1xn, icrneJdeen durchzu- führen. Die fanatiicken Ulemas untcr_der Leitung ibrxd Mufti, dcs frü eren Kadiaéker vrn Rumeiicn,_ die iroßigen Jamiicbaren unter Ycha Paickya und ein Haufe_ zuianimixigel'aufcncri Volkes uxiter Kadakschi Oglu, einem albanesiicvct) Llrtarrte-Offizier, _hatten ck11, ohne daß er sich zu einem ruhmltchen Widerjtande ansraffte, vom Throne gesioßen und seinen Neffen Mustapha, den Sohn des Abdul Hamid, zum Sultan ausgerufen. _ , .

Selim zog sich mir der fatglrstrscheii Ergebun'g eines frommer! Muselmanns ins Privatleben zuruck; er hielt sich, Wie die _,N.Fr. Pr. schreibi, von der Eifersucht und deni Arguwbn seines Neffcn strenge bewacht, in denselben Gemachern auf, die er vor

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seiner Thronbesteigur-g bewohnt hatte, und machte Verse.. Er,. der vor Wenigen Wrickysn noch in dem Grdanken geschwclgr, der WixdrrhcrsrellLr dcr Macht und dc§5»:1ar.zxs i't'r VYWMÜÖM HerricHafi zu werds» fiirltk sich jisi ,ri'xck11711 ..ixx- '.7JI*_"-1"“1x](.'r von erio;iai und Hafis und Dthi'lé *.*-7.681“ .Mi 53.9138 und Wein. Von Zrir 5a Zsit bk1Uch1k idr: DFL" jYir-x-xrk Vrudsr Zmriolkei Mustapha's, Madmad. GLJLU rissen fchürwr€ er in vertrau1ichen Siundrn sein Herz au?- und erzählte ihm yon icincn großaiiigen PlänM. Und aufmerksam dörtc' kLk Pripz iainkm ent- thronicn Obsim zu; _dic Botschaft von der Notdwrndiskrit der Rr- form in der Ti'nksi 1ch1ug tirse Wiirzrln in idm, Und Es war, als riefe ihm eme innere Stimme zu: «009, was deiii unglückiicdcr Ohm nicht crrsichen konnte, Weil er zu weich, zu 9111, zu Nitrauensvril ge- wesrn, das wirst da erzwingen T*!lrch eiserne Krair urid Euridirk

Am 31. Mai 1807 hatte Mustapha den Thron bestiegen, ein junger Mann von 28 Jahren, von leichtsr, uniklr-ständig-ér (Hsmüibs- art, ganz und gar den Vargnügungen dss Harcms Mich Die Regierung überließ er den Mannern, die ihn erhobsn hattsn. 2116 man ihm am 11. Juli feierlich don Säbel mngürieie, sckwur er, die alten Ordnungen wieder herzusicUen, die STEUSM zu ver- mindsrn mid gcgen dic christiichen Unterihwrien nur die Strrnge walten zu lassen. Liber im Taumr-l Wiki?! [inrrrdaliungkn vergaß er sein Versprechen u:*d ließ stine Umgkrung mach€n, was |: woilte. Die Zaniiicharcn wiirden arri msinfa-Ée Ait gcrsi,.t ins- besondere dadurch, daß ein öiterreichi1cher Flüchtling, der den TMrdau genommen hatte", Soliman Liga, den Auftrag erbir1i, eiiie Miliz nach europäischem Muster zu errichten. Das Vo1k mimte irrsr zadixeiche neue Steuern, und die Geistlichkeit _war iznzuirjrden, W211 dsr Einfluß der Gesandten. briondch des rranzöfiicbe'n, im Srrail fort- dauerte. Man zitierte schon vor dem Grdßnken einer Reform, und alle M*äiiner, welche als Freunde einer soicren galten, wurden vom Mufti und seinem altiüriiscbenj An1)_ang aus; das wüthendsie verfolgt. Dsr Großvezier T1ch€lebl Muitavda _Paickpa mußte sich in Adrianopcl aufdaltrn und wurde Von der emriiißrciiben Camariüa gänzlich ignorirt. De_r Kaimakam Mxsta Pascha, d(r frühere MiivsriÖworene drs Mufti, wurde“ tmr!) “.?-myrxia irk: Exil gesch'ckt. icin Nachiol;€r Tajar Paickxa „zur Jlucixt 6931111121301! und der im Befestigunngoien verdicnic Z5mue1 Pasha durcb, Giit aus dem W.,ie geräumt. Dcr Muiii, dcr Karafichi Oglu iind drr Obersi- Smiwirisrcr dcs Siiltms, Mudamed Aga, wurdkzi aümächiig.

Man dent? sick) nun abcr das (851141361 dirirr Herren, als sie erfahren, dcr ix'adiicdai) dare 3611111111? rcicimrriundlicbc Auwand- langen, und er selbst ski es geMscn,*der dem Tnjar Paier»; zur711ucht verholfen. Die Folge davon war, da[; man den ,Hcrrn des Ccckreiies“, den „Schatton Gems“, nock) vrriichilgrr_a1s hisber brwackxxs und Nie- manden zu ihm ließ, dir nur im Entiernikitcn MM i(bt drs“ Mnftiitören konnte, Druck) diei-Is Adscblicizungswstcm aber deichléuriigién Tie Thorcn ihren nnd ihrrs Herrn Uzitergang. |_ _ _

Tsjgr P.:icba War nach Rustychiik ziim dorrigcn Payira M? ftapha Bairakiar Jeft0[)*'11,der ihn gast1ich aurnahm. B:»idr, rrxi Fugrird auf bsfrrundrt, LkÖliérUn die Lags des Reiches, die Uiiiér-cireir der Zusiänds untsr dm aurichweifendcn, ckaraktrr101§ndnd w-nkcmiiiédi- gen Saiian und seinem böisn Raxhgxder, dem Z));ir-“ii, 1:11; '.:sirwsien endlich, urch cinen kühnen Handimich sick) KOjiiTa:.1,11§Ych[J 3.1 y;. mächtigen, dcn gefanxeirxn leim 311. befreirn urid 1[)11 wixdcr «.Uf den Thron zu ießen. Odwrrl erii cin JUL)! 1611 déiicn SWR dsrzxrgcm, so war das Vr1k doch schon 311! Erkenntniiz gskdmmeri, wre isbr es geir51t hatts, gegcn ihn aufzuitclicn. In'allen YUCL-klic'kck: rrr Skadi, in «111011 KächUkN Orrs man den unglücklicbrn ;.“;c1iiii aii" Kri'ic-ri sei- USZ Nxffen und Nacdirlgers._ Man _dxdauoirc nud *.*;kiagie isin Schickial und [i(f; niclfi'R, “dai; maß 11211 drch rival) 1114111» 0.16 den rechtmäßigen SWR und Kalisrn anirhc. Taran.“ rainer. ) aimkmr und Tajar Paiwii ;hrrn Plan.

Bairakiar hat!? cincn geickiicktén iind 3111111621_V€ka?§1S17»'11 Zirric'x-m brauchbaren Sekretär in sein::t Diemtexi, "_Bcgriäxi Efexdé. Diesen sendete er zuerkr track) Adrianopel zum ,GWUVNÜ'Y, drr 17.1(11 längsrm Verhandlungen rrklärtc, Cr wolic sicb Zanzlict; &)va wriglrsn. Das War vorläufig für die Vkrsclßrorerwn 1c1ckrn em (“!"isolg. OLLYÜUf ain»; Begdichi Efciidi nacb Stamdui. Es gelang i;)», 111 (".li-Il" Ver- kleidurig bis zu Selim za dringen, dcn _cr vor. der 'rcaiüäiytiitcn Unicrr-ebmung in Kilmsliiß seizte. Nock) rimimi iüilic fiir di: Ziele des cnttvrrnr-xn Suimni) mit dem edeliien „Cdr-Zsiz,_ icin Rick), sein Volk glücklich und groß “zu machcn. Dic_Wiiir icixird Hcrzsns abcr rffeubartc sich darin, dai; er drm Unrcrdaiidm Namens isincr Auftragarber dcn ieicr1ichi1en Cid abnahm, da? LLiTCl'. ch Miiiiapda 111. unter alien Zmständen zu schonen. ,

Am 19. Juni 1803 cricbien Ba1l_äksak 11111401) Méilin vor Lirria- nopel und wurde vom Großvezier freundlich empfangen. Nord war Baiiaktar kein Rech, ionkcrn b1_os ein etwas iidcrd-iitlxiger Pascha, der einige geringfügige Regierungsandcrnngen V0k111cklUg und den man mit Geld und Verheißungen zur Ruhe zu bringst: hoffsn dkakL. In einem schleunigst abgevanenen Divan dZickilri; man, auf die For- derungen cinzugohen, und weinte 10 de“! lasiigin Manns? 19:3.uw-3rden. Aber es kam anders. _ _ _

Baiiaktar hatte den Großvezier ganz fÜr seine Linickyauun- gen gewonnen, und Beide marichirteii am 12. Zali 1808 mit 30,000 Mann gegen Kor-staniindwel. Eine auserieseiic Truppe Von 120 albanefiiciien Reiicrn untcr „Kommando des e:.ticbidsscncn Hadicbi Ali wurde n:.cb Fanarafi aui_ Box:":xus gr- schickt, Um sich des Kabakschi zu bemächtigen. Sie tani_en in “car Nxcht dort an, Üdetfielen sein Haus, €rbrachcn dcnOarr-m, ichlcpyirn deri Kadakschi auf die Straßr UUD iöxwirn i1,*n. “HIN: K»! wiirde dem Bairaktar gebracht. , _ _

Als die Janitscharcn nud Yanmks (die tirsgularkn _Ar= tiÜerisien) am Morgen des 14. Juli die Ermordurxg ihres Abgoiics erfuhren, schäumtcn fie yok Mail) und ubernelerr Hadscbi Ali, dcr fich in einigen Häilik111'VCkickxänz-T hatte. Die Gebäude wurden angezündet und die kaibklkigér/FVUOUUI zu Haus getrieben, bis sie cnd1ich im festen Leuchtihuriiic «tiind haitrn kon",- icn. Drei Tage lang wiesen sie hartnäckig al]? _Angriffr zuruck, wur- den aber schließlich vom Mangel 011 Ledciiériiiiteln aczwungxn, ihre Stellung zu erlaffM, hießen fich 11111 VCTZWLlsiikLr TIPkUkNT durch die Janitsckiaren durcb uud Vérklnlgkkn fich mir Banakwr, der sicb sveben Konstantinopel näherte. _, .

Sultan Mustapha iélk) fich Wehrlrs _den (*)-.*gnern preis- gegeben. Die Janjtscharen 1111d Yaixiaks waren dxmoralifirt und seit Kabakichi's Tod obne 1er? wirkjame' Lßtiytig, _die Ulemgs zeißien sicb g1eichgü11ig i_md rathlrs, das BOW s'eindieiig. Ein- geschlossen in seinen Palast, wartete „er ab, _was d.“ Rebellen ibu_n würden. Dirsclben ichiiktcw den Reis 'Efcndi Gabi,“ zu _ihm mit einer schr untcrwürfigen Boi1chaft, worm fie nur die Aistßung des Mufti und die Auflösungcdes Corpsxder Yamaks yerlangtcn. Sofort iief; der Sultan den Mufti vor 1111) ruien. Dcrselnbe 10111e jetzt die bitte- ren Früchte seiner Jnirigucn rotkosten. „Aber noch dammerie ein Rettungs-

edanke in seinem verichlagenen Gehirn (116. Er warf sich vor dem Hariscbab nieder: „Herr der Erde! Außer dir leben vom Stamme Orwan, der Segen Gottes ruhé auf ihm, noch zwei männ1ichc Mit- glieder. Lasse sie tödten, "und du bist dann der Einzige. Und dann, :) Hkrr, wird kein _Ncchiglaudtger die Hand gegen dich erbcben. Die Rebellen Werden iofort zu deinen Füßen liegen, und NÜeS wird dir gehorciyen. Denn Niemand wird den Fluch auf sich [adm ivoUen, den geheiligten Stamm Osmans zu vernichten.“

Eincn Augenblick zauderie Mustapha und war schon geneigi, das TodeSurtbeil über seinen Bruder Mahmud und seinen Oheim_©e1tm zu sprechen. Denn in der That _ sobald er der aÜeinige Stamm-