Rack; NuSJabc des Blattes, dnrch welches die Verzeichnisse ver- öffentlicht worden find, bei dem KreiSaussckzuffe anzubringen. (§. 110 K. O.) Gegen die Beschlüsse (Entscheidungen) des Kreisausschusses findet innerhalb zehn Tagen die Klage bei * dem Königlichen Bezirks-Verwaltungégerichte statt. (§. 90 Nr. 2 des Geseßes vom 3. Juli 1875.) Mit der AufsteUung der Verzeichnisse der Wahlberechtigten ist sofort zu beginnen und Alles so weit vorzubereiten, daß es nach dem Eintreffen der Mittheilungen des statistischen Bureaus nur der Reoifion des Verzeichniffes 111. bedarf und die öffentliche Be- kanntmachung nach Nr. 3 unmittelbar darauf erfolgen kann.
_ Riickfichtlich der Zußändigkeit der Behörden bei Ent- ziehung von Dienftmanns-Konzessionen hat der Mi- nister des Innern der Landdrostei zu Hannover durch Erlaß vom 8. v. M. Folgendes eröffnet:
Der §. 40 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 schreibt vor, daß bei Untersagungen des Betriebes der in „37 erwähn- ten Gewerbe das Verfahren nach Maßgabe der § . 20 und 21 beobachfet werdcn soU. Diese Beßimmung greift auch dann Platz, wenn der Betrieb der fraglichen Gewerbe nach Maßgabe der diese:!)alb getroffenen ortépolizéilickzen Regelung von einer Kon- zxsfion abhängig ist, und demnach die Untersagung des Gewerbe- betriebes in der Form eimer Konzesßonscntziehung erfolgt.
Aus der Anwendbarksit dex §§. 20 und 21 folgt aber nicht dis Zuständigkeit der höheren Vyrivalmngsbchörde für das Verfaßren in LUstLk Instanz. Nach den für die Zu- ständigkeik der Nantes nnd Magistrate in der Provinz Hannover maßgsdsndM Beftimmnngeu find vielmehr die Enscheidungen in erster Instanz von dem Amte resp. von dem Magistrate zu erla'sen.
1Zwiiäzen dM Uniernehmern von DienstmannH-Instifuten und den schfiäxidigyn Dienstmännern einUseitö, und denjenigen Per- sonen, we1chc 11111.“ «[H Dixnstmänner in einem konzesfionirten Instituts UUJLUOMMLU find, aUdererscits, besteht Übrigens lyin- fich111ch der rxcdtlickxn Behandwng ein Unterschied. Da die letzte- ren nämlich nickzt als selbständige Gewerbetreibende gelten können, so fitidet aaf sie auch die Bestimmung des §. 40 der Gewerbe- ordnung hinsichtlich des Verfahrens keine Anwendung und es kann ihnen daher _ soweit die ortSpolizcilickze Regelmig nicht etwas Anderes vorgesehen hat _ das Qualifikationöattcft durch einfache, nur im gewöhnlichen Beschwerdewcge anzufeckztende polizeiliche Verfiigung entzogsn werden.
Dieser Auffassung Entspricht die in Berlin in Drosckzken sachen bestehende Praxis, nach welcher den Droschkenkutschern, welche nicht selbständige Gewerbetreibende find, der Fahrschein mittelst einfacher polizeilicher Verfügung entzogen wird, in Sachen der Fuhrherren dagegen auf dem im §, 20 ff. der Ge- werbeordnung vorgeschriebenen Wege _ wobei die Untere Be- hörde die erste Jnßanz bildet und der Rekurs an die nächst- vorgeseßte Behörde geht _ entschieden wird.
Ems, 7. Juni. (W. T. V.) Der zum italienischen Bot- . schafter in Petersburg ernannte Ritter Nigra ist von Paris hier Lingetwffen. Der schwedische Gesandte in Berlin, Baron Bildt, ift ebenfaUs hier angekommcn.
Bayern. München, 6. Juni. Der König hat die feierliche Eröffnung der Kunft- und Kunstgewerde-Ausstellung im hiefigen Glaspalast am 14. d. M. geachmigt und mit seiner Stellvsrtretnng bei diesem festlichen Akte den Prinze n Luitp 0 [ d betraut. _ Unter dem Vorsiße des Prinzen Luitpold wurde heute Mittags eine Sißung des Staath-raths adgehalien. _ Das „GCsLH- und Verordnungéblatt“ publizirt heute das neue Gcseß in Betreff dsr Erhebung einer Gebühr für das Halten
„von Hnndcn; dasselbe tritt mit dem 1. 1. M16. in Wirksamkeit. ' _ Vom Ssniorat der Familie der Grafen v. Fugger „ist an die „Kammer der Reichsräthe eine die Kitratsl über die Stiftun- gen der gräfiichen Familie betreffende Beschwerde wegen Ver- leßimg verfasungSmäßiger Rechte eingereicht worden. Herr ReichSrath Frhr v. Sckxrenck wird, wie die ,ng. Ztg.“ vcr- nimmt, (1195 Referent in einem Umfaffenden Bericht beantragen, diese Vesckxverde (11-5 Unbegründet zu erklären,
Sachsen. Dresdcn, 7. Juni. Die Erste „Kammer, wech? heute ihre Sißungcn wieder aufnahm, bewiUigte nach „dem Vorgange der Zweiten Kammer 600000417. zu planmäßiger Jortsetznng dcr Elbftromkorroktionsbauten.
?)?ccklenburg-SchWerin. Schwvrin, 5311111. Vor- gestxrn, Nachmittags 4 Uhr, fand dic? Taxtfe dcs neugebornen Prinzen in der S6)1oßkirche dnrck) dcn Tber-Hofprediger Jahn ßatt. . Der Tänfling wurde abwechselnd von dem Großfürsten Wladiinir, der Großfürstin Maria Paulowna und der Groß- herzdgimMUtter wiihrend der heiligen Handlung gehalten und empfing die.Namcn: Heinrich, Wladimir, Ernst, Albrecht. Als i_mck) xmem Gesange und der Red? des Ober-Hofpx'rdigers dcrxige'xitlickge Tauqui und die Namengebung stattfand, gab die ArtxÜcric 101 'Sckxixße ad. _ Am ersten Pfingsttage hielt die Großherzogin ihxen Kirckigang. Während des vom Schloß- chor nach der Predigt gesungenen “18 0811111 wurden abermals 101 Schüsse von der Artillerie abgegeben. Am Sonnabend wni'de nach der Taufe einc Gramlations:Cour bei der Groß- herzogin avgkhaltkn und worauf cin Diner folgte.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 6311111. Der Kaiser ist gestern nack; Ischl abgereist. _ Graf Andrasst) ist vor- gestern nach Wicn zurückgekehrt,
_ Die „Wien. Abdpost“ schreibt: „Der Tod dec.“- gewesenen Sultans Abdul-Aziz steht im Vordergrunde der politischen Ereignisse. Es ist zu hoffen, das; diese Katastrophe die Reihe dcr düsteren und aufregenden Vorgänge absiéxließen wird, deren Sckxauplaß Konstantinopel in den jüngsten Tagen gervcsen. Nach den Verficheruugen mehrerer Blätter hätte Sultan Murad 17. den cnropäisckzen Mächten seine Thronbesteigung offiziell noti- fizir: Und es würde daher alsbald zur formellen Anerkennung von_Seite der lehteren geschritten werden. Von den übrigen unzahligen Gerüchten, von denen nicht wenige an ein geflügeljes Wort des FÜthen Björnarck Übkk die moderne Art der Verbrei- tmig von Senfaxionsnachrichten erinnern, glauben wir billig Um- gang nehm'en zu dürfen.“
_ Die öfterreichisch:ungarische Zoll: und Han- dels-Konferenz ist unter dem Vorfiße des Hof- und Mini- ßerial-Raths Freiherrn v. Schwegel [)LUTL im Handels-Ministerium wieder zusqmmengetreten. Die Konferenz wird fich, zunächst mit der Beendtgung der Revision des allgemeinen Zolltarifs auf der durch die Resultate der gemeinsamen Minister-Konferenzen über die Erneuerung des dsterreichisch=u1tgarischen Zoll- und Handelsbündniffes gewonnenen Basis befaffext, dabei aber auch
die bevorßehenden Verhandlungen mit den Vertrags- staaten im Auge behalten.
_ „Die „Pol. Corr.“ meldet: Das Ministerium des Innern ordnete an, daß alle beßeheuden Studentenverbindungen sich binnen 3 Monaten im Sinne des Vereinßgeseßes umzubilden oder aufzulösen haben und daß künftig entstehende derlei Ver- bindungen fich nur nach dem VereinSgeseHe konßituiren dürfen.
Krakau, 6. Juni. Wie der ,Czas“ berichiet, haben die Delegirten Smolka und Chrzanowski die Petition der galizischen
Buchdändler wegen Aufhebung des russischen Bücher;
zolles dem ungarischen Finanz-Minister überreicht. Dieser er- klärte, die ungarische Regierung werde nicht gegen die Zollauf- hebung sein.
SchWeiz. Basel, 7. Juni. (W. T. B.) Bei der heute in der altkatholischen Nationalfynode vorgenommenen Wahl eines Bischofs erhielt der Professor Herzog in Bern 117 von 158 Stimmen und der Pfarrer Schrutcr in Rheinfelden 34 StimétzneZ. Professor Herzog lehnte die Wahl ab.
_ . um. aus Olten melden, hat Professor Herzog die Wahl zum schweizerischm Bischof nachträglich angenommen.
Großbritannien nudIrland. London.6.Juni. Vor einigen Tagen wurde hier zwischen den Kommissären Frankreichs und Großbritanniens eine Uebereinkunftfür die Regelung der durch das Kanaltunnel-Projekt angeregten internationalen Fragen vereinbart.
_ Das Kanalgesckgwader, 6 Schiffe mit 89 Geschüßen, bleibt einstweilen abwarteud dienßdercit in Gibraltar. Gestern gingen dortßin 7000 Gentner Munition. _ Aus Chatham kommt Heute dsr „Köln. Ztg.“ die Meldung, daß das große Thurm- und Widdersckziff „Rupert“ zum Dienst vöUig fertiggesteüt ift und jede Stunde nach dem Mittekmeer abgehen 131111. An dem ;,Temeraire“ wird fleißig gearbeitet. Die Arbe'xter find jth miT Anbringung der zivdlf großen Dampfkeffel beschäftigt. Sechs find bereits an Bord geschafft, die übrigen liegen vöÜig bereit neben dem Schiff. *
_ 7. Juni. (W. T. B.) Bei der hiesigen AdmiraLität eingegarigenen Nachrichten zufolge find die Panzers chiffe „Herkules“, „Devaftation“, „PaUas“ und ,Invincible“ vom englischen Mittelmeergeschwader am 26. U. M. in der Besika- Bai angekommen. Die Panzersckziffe „Triumph' und „Research“ wurden am 27. v. MW., leßteres von Salonichi, dort erwartet. Das Panzerschiff „Swiftsure“ bleibt bei Salonichi.
_ 8. Juni. (W. T. B.) Nach einer Meldung der „Times“ hätten alle Pensionäre der Marine unter 55 Jahren den Befehl erhalten, fich bereit zu halten, wieder aktiven Dienst zu thun. Denjenigen Marinc-Penfionären, welche das 45. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, soU zugleich die Erlaubniß ertheilt worden sein, in der Reserve zu dienen.
Frankreich. Paris, 6. Juni. Die Diskussion über den Waddingtonschen Geseßentwurf wurde heut fortgesth; Naquet fteÜte einen Antrag auf Wiederherßellung der Ehes chei'dung; die Liberalen find dafür, doch glaubt man nicht, daß der Antrag durchgeyen werde, da er noch zu viel Wider- stand, und nicht nur bei den Ultramontanen findet.
_ Das „Journak des DebatS“ bespricht heut in seinem Leitarükel die orien1 ische Frage und zwar in durchaus friedlichem Sinne und kmießt mit der Aufforderung zu absoluter Offenheit und zum H ; Tln ohne Rückhalt, „Europa macht eine Krifis durch, aus m .,i. ; es nur durch Mäßigung, weise Ver- cini ung der Interesf durch die Einigkeit aller Mächte und Mr Wahrheit herausgxgngen kann.“ '-
Ueber die Verheißungen, mit denen dsr neue Sultan seine Regierung angetreten, äußert fick) das Blatt noch reservirt; die Auflösung des Harems sei das einzige Faktum von wirklicher Tragweite. Darin sproche fich das Prinzip der Ersparungen aus und liege das Untkrpfand einer geregeken Verwaltung, die den Palastsaunen entzogen wäre. Wenigftens 40 MiÜ. Francs Ersparungen jährlich wiirden dadurch gemacht. Die Civillifte des letzten Sultans betrUg nur 80 M11]. Fr„ stieg aber meist auf das Doppelte. Man erinnere fich jener Depesche des Lord Redcliffe, nach welcher die Auögaben des ersten Viertel- jahrcs 75 MiU. Fr. betrugen. Dem gegenüber find 40 Mill. Ersparnisse viel, und viel Nüyliches lasse sich damit aquühren. Und eden eine geregelte Verwaltung werde erst dadurch möglich. Die Gouverncure der Provinz blieben nie länger als 6 oder 7 Monate in ihrem Amt, grade Zeit genug, um zu kommen, |ck) einznrichten, große Gcscbenkc zu nehmen und dem Sultan und Großvezir zu machen, und dann weiter zu gehen, um an einem anderen Ort diesekbc Thätigkeit zu entwickeln. Nie hätten sie Zeit gehabt, ihre Vermaltnngsdezirke kennen zu lernen, selbst wenn fie die Fähigkeit dazu besaßen, was bei der dortigen Favoriten-Herrickzaft nur selten der Fall war. Die Gläubiger der Tiirkei hätten denn auch diese Veränderung mit Freuden aufgenommen.
_ 7. Juni. (W. T. B.) Der Graf von Paris hat fick; nach England begeben, um die Ueberrcste Louis Philipps und dcr Prinzen aus dem Hause Orleans nach Frankreich über- zuführen. Dieielben joÜen am Freitag in Dreux beigeseßt werden. _ Die Nachricht von einem Rundschreiben des Herzogs Decazes an die Vertreter Frankreichs im Auslande in Betreff der orientalischcn Frage wird von der „Agence Havas' für unbegründet erklärt.
VersaiLTes, 7. Juni. (W, T. B.) Die Deputirten- kammer hat heute den Geseßentwurf, betreffend die Abänderung des; Gesetzes über die Freiheit des höheren Unterrichts mit 388 gegen 128 Stimmen angmommen.
_ Der Senal hat die Wahl eines ftändigen Mitgliedes des Senats an Stelle des verstorbenen Ministers Ricard auf den 16. d. anberaumt und sodann den Antrag, nach welchem die Burcaux und Kommissionen des Senats ßets in Versailles tagen sollen, mit 138 gegen 132 Stimmen an- genommen. Dieser Antrag war gegen di: Budget-Kommisswn gerichtei, welche unter dem Vorfiße Gambetta's in Paris zu- sammengetrcten war.
Italien. Rom, 3. Juni. (Ital. Nachr.) Morgen, a_m ersten Sonntag des Monats Juni, wird das Konstitu- tionsfcst in üblicher Weise gefeiert werden und der König die Truppen der hiefigen Garnison Revue pasfiren lassen. Ueber- Znorgen reist Se. Majefiät nach Turin ab, um, wenn 1hn_ Regentenpflickxten nicht früher nach der Hauptßadt zuruckrufen, bis zum Herbst im Aostathale zu verweilen. _ Der Reiseplan der Kronprinzlichen Herrschaften ist vorläufig dahin.entworfen worden, daß dieselben am 18. Juli von Mailand aufbrechen werden, um über München nach Dres- den zu fahren, wo fich Ihre Königlichen Hoheiten bei Ihren Hohen Verwandten einige Tage aufzuhalten gedenken, um dem-
(W. T. B.) Wie die „Baseler Nachrichten“.
näsclzßft die Reise über Posen und Königsberg nach Rußland fort- zu c en.
_ Der Vatikan gedenkt zur Hebung der Schwierigkeiten, welche wegen den armenischen Christen zwischen dem päpst. lichen Stuhle und der Hohen Pforte bestehen, durch den Kar- dinal Francbi Unterhandlungen mit dem neuen Sultan ein- leijen zu lassen.
Türkei. Konskantinopel, 7. Juni. (W. T, B) Geßern begaben fich die erften Dragomans der Botsckzaf- ten und Gesandtschaften von Frankreich, England, Ita- lien, Oesterreich, Rußland, Deutschland und Belgien in das Kaiserliche Palais, um anläßlich der Thronbesteigung Sultan Murads 17. Aufwartung zu machen (00mpljmsnt8r). _ Die Kaiserlichen Handschreiben, betreffend die Anzeige der Thronbesteigung, ßnd, dem Vernehmen nach, nunmehr abge- gangen.
_ 8. Juni, Waffenruhe und Untersuchung der Beschwerden der Jnsurgenten ist folgende Cirkularmittheilung an die Re- präsentanten der hohen Pforte im Auslande ergangen: „Auf Befehl Sr. Majeßät des Sultans hat der Großvezier den Kom: miffaren der Regierung in BoSnien und in der Herzegowina schrift: lich mitgetheilt, daß Se. Majestät den Insurgenten eine ganze und vollständige Amnestie für die Zcit von 6 Wochen, vom Zeitpunkte der demnächst in diesen beiden Provinzen zu veröffentlichenden Proklamajionen ab gerechnet, gewährt, daß ferner der Ober-Befehlshaber der türkischen Truppen während dieser Zeit alle militärischen Bewegungen Einstellen und daß hiervon nur bezüZlickz der Verproviantirung von Nikfic eine Aus- nahme gemacht werden soÜ. Während dieser Zeit sollen die Jnsurgenten ruhig an ihre häuslichen Heerde zurüchkchren und den Ortsdehörden fick) unterwerfen können, we1che le tere dies- bszügliche Instruktion dahin erhalten haben, die Zurü lehrenden gut aufzunehmen und ihre Wünsche anzuhören.“
_ Das Regierungöorgan, die „Turquie“, vsröffcntlicw die Anzeige von der Thronbesteigung MuradH an die europäischen Vertreter der Pforte. Dieselbe lautete:
„ Tach dem einßimmigen Wunsche dcr gesammten BMU- kerung ist heute Abdul Aziz Khan entthront und Se. Majestät Sultan Murad ?„ der biHherige muthmaßliche Erbe des Kaiser: lichcn Thrones, zum Kaiser der Türkei ausgerufen worden.
Gez.: Ruschdi.“
_ Das Fetwa des Scheich-ül Islam, durch Welches die Abseßnng des vorigen Sultanz sanktionirtwurde, lautet nach der Ueberseßung des Korrespondenten der ,AUg. Ztg.“ wie folgt:
„Wenn Zeid, der Beherrscher der Gläungen durch mangel- hafte Kenntniss "von Regierungssachen nichts versteht, das Staatéwcrmögen auf eine Weise,“ daß das Reick) und die Nation es nicht ertragen können, zu selbftsüchtigen Zwecken verauSgabt, die Angelegenheiten des Glaubens und des Staates in Verwirrung bringt, das Reich und die Nation dem Ver- derben entgegenführt und sein Verbleiben dem Reiche und dem Volke Nackztheil bringt: ist seine Abseßung nothwendig?“
„Antwort: Ja.“
„Es schriebs der arme Haffau Cheirullak), dem Gott ver- zeihex-i möge.“
(In der mohammedanischen IuriSprudenz find Zeid und Amr fingirte Namen, wie in den römischen Rechtsgutachxen Tiberius und Sempron us.)
_ Der Thronbesteigungshat lautet:
„Mein crlaucbter Vezicr Mehsmed Ruschdi Pascha. Durch dis Gnade déi“; Allerhöébstm und durch die einstimmigen Wünsche aller Meiner Uutertbanen habe Ich den Tbrvu Meiner erhabenen Vor- fahren bestiegen. In Betracht Deiner Fähigkeit und Deines erprob, teu Eifer?) bestätige ich Dick) in Deinem Anif als Großvezier, indsm ich zugleich die Üblich Ministcr und Beamten in ihren Acmtern bestätige. _ _
„Es ist allbekannt, dar," die '.ckxwierige Lage, in we1cher fich ("eit einiger Zeit die inneren und auéwärtigen Angelegenheitsn der Regiee rung bcfindcn, im Publikum cin gewisses Mißtrauen erzeiigt, dem be- weglicsmx m_td uqvewegliéhcn Vermögen Nachtheil gebracht und alle mögliche Bewrgniß erweckt hai,
„Um vor allen Dingen diesem Zustande ein Ende zu maÖcn, ist es uncrläßlich einen Weg zu betrkten, der die Ruhe, die Sicherheit, das moralische und matsnelle Wohlicin und das (Rück dcs Lankes und aslsr Meiner Unterthanen sichere.
,Dixfer Zweck kann erreicht werden, wenn die Vernmltung des R-kiédes auf einer crnstdaften und festen Grundlage bkruht, auf welchen Zwsä ane Mein? Jdccn und Absichten beständig gerichtet find-
„DMMÜÖ 7911 unter Ausführung aÜer Voxschriffen des heiligen (Gesetzes die allgemeine Verwaltung des Reiches auf soliden Gescßen beruhen, Welche der Natur der Verhältnisse und den Eigenthümlich- keiten der Bevölkerung aygemeffen find.
„21112 Meéne Unterthancn ohne Unterschied sollen sicb einer völ- ligen Frciheit erfreuen.
„Mcine Minister werden fich mit einandkr über den Modus und die fastsn Grundlagen eines ficderen und festen Prinzips beratkycn. welches den Fortschritt jeder Art herbei uführen und eine völlig? Uxbcreinstimmuvg der Bestrebungen im inne der Valérlandslierk und der Vertheidigimg dcs Vaterlandes, der Regierung und der Na- ti-sn zu erzislcn gecignct ist.
„Dic Minister werden Mir das Ergebnis; ihrer VeraihUngeu U:;tcrbieitcn,
„Ju Crwäxung dieser Grundidee ist es erWrderlich, die Organi- sation des Staatßralbs, des Justtz-Ministeriums, des öffentlick'M Unterrichts, der Finanzen und der ubrigen Verwaltungszweige nacb- einander vorzunehmen.
„Eine der vornehmsten Ursachen, welche die Angelegenheiten_des Skaxkkö verwirrt haben, 1st die Finanzfrage. Es ist also unerläßlich die Jinanzverxvaltung zu garantiren, das heißt, fie einer strengen Komxole zu unterwerfen und fie in ein System zu bringen, wck1ches a1lgcnieines Vertrauen cinflößt, indem jede Außgabe Über die Ansäße dxs Bydgcts hinaus rermieden wird. _
„Zur Unterstüßung dieier Maßregel habe Ich beschlossen, Meme Civillrste um 60,000 Beutel zu vermindern, und dem Staatsschutz? die „Verwaltuxig und die Einkünfte der Koblenbcrgwerke von Cregli- 10113161)“ übxtßen Minen und einiger zu Meiner Civilliste gehörigen Fabriken, zu (i erlassen.
_ „Man wird ferner dafür Sorße tragen, das Gleichgewicht Dcr Finanzen zu erleichtern, indem auch n den andern VerwaltungSzweigen Verbekserungen und Ecsparungen jeder Art erzielt Werden.
„ .Es ist endlich Meine feste Abficbt, die Beobachtung aller unserer init den befreundeten Mächten abgeschlossenen Verträge aufrecht zu erhalten und die zwischen Meiner Kaiserlichen Re ierung und dcn anderen Staaten bestehenden Bande der Freundschat und des guten Einvernehmens immer mehr u befestigen.
„Möge der Allmächtige keine Bemühungen mit Erfolg krönen!
„Am 9. Dschemazi ül ewel 1293 (1. Juni 1876).“ ,
_ Der „Pol. Corr.“ entnehmen wir noch folgende Details über den Thronwechsel:
Ueber den Ursprung des Komplottes, Welches _den ThronWechscl herbeigeführt, kann jeßt mit Bestimmtheit nur 10 viel angJebM werden, daß dasselbe aus derselben Zeit daiirt, in welcher die und aebuugen und Demonstrationen dxr Softas organifirt wurden. _Dtk Leiter der Verschwörung war Mikhat Pascha. Ec weihte zunachst
(W. T. B.) In Bezug auf Amneßie und
Hussein Avni in seine Pläne ein und nun erst, nachdem er diesen dafür gewonnen, macbtexi fich beide daran, den Großvezier Mebemed Ruschdi Pascha gls anteu für ihren Bund zu gewinnen. Leßteres kostete keine geringe Muhs; es gelang aber schließlich doch. Die
Hauptsache bei dieser Verschwörung war, daß fie der Zustimmung-
des Volkes jm vorhinein sicher sein durfte. Darauf und auf die Schwicrigkeiten der politi1chen Situation bafirteu die VerscbWoreuen ihr Projekt. Dazu kam, daß deul-Aziz von irgend welchen Zuge- ständniffexi absolut nichts wissen wollte. Ja den Plan der drei Hauptver1chwvrcnetz rparen die anderen Minister theils gar nicht, theils nur unvolYstandrg_eing:weibt. Der Anschlag hätte eigentlich erst am 30. Mar aussekührt werden 1011611. Ein unvorbergesehener
"Zwischenfall beschleunigte den Entschluß der Verschwörer. Am
29. Mai nahmen der Großvezier und Huffein Avni Audienz beim Sultan. S_ie verlangten von ihm, das; er einm Theil feines wäh- rend seiner fünfzehnjährigen Herrschaft geiammelien Vermögens dem Staatssckzaßc abtxete. Er verweigerte dies rundweg. Am Abende desselben Tages schickte er wiederholt nach Hussein Avni, um ihn zu fragen, welche Bestimmung die Truppen hätten, die auf zwei Schiffen den VoSpyrus unter seinen Fenstern paistrtep. Hussein Avni ließ sich mit 1cbr dringenden Geschäften entschuldigen die ihn verhinder- ten, “im Palais „31: erstkeinen. _Er glaubte vsrratden zu sein U'1d 13e- gab sich in Eile zum Großvezier, wo beschlossen wurde, daß ohne Verzug gehandelt werden m_i'iffe. In der That wurde das Palais des Sultans sofort ceruirt, und zwar auf der _ Landieite von Truppen unter den Vefeh1en Redif- Pgicbas, eincs alten Soldaten, auf Welchen man zählen durfte, xväbxcnd au_f dcr BoSpcruöseife Matrosen vertvmdet wurden. HUÜSM Avni Paickm hegab sich persönlich ins Palais und ließ dort zunachst Murad Effendt zu fick) bringen smd 1611 nach dem Seraskierat fiihren,. wo fie Vom Großvezier und Midbat Pascha cr- wartet wurden. Öl?!) wurde Murad zum Sultan proklamirt und sein erster Souveränetätdczkt war die Uaterzeichnuna des Jradé, Welches Addu1- Aziz verschrieb, Dolma-Bagdsche zn verlaffen fick) in das Pi][ais von Top- Capn, welches er ihm als “ ; idea,; anwies, zu begeben._ Dieses Jradé Wurde Abdul-Uziz in seinem Sckzlafgsmache von Redif Pascha übarreichi, welcher mit Militär- Maunfchsft eintrat. Abduleziz wollte Widsrftand leisten und erst als Redl? ibm erklärte, dax; er, wsnn er fich iiicht füge, das Palais nicht lebend verlassen Werde, eraal) er sich in sein Schicksal. Gestern wurde Abdul-Aziz auf seine Bitte nach einem Flügel des Palais Tscheragan gsbraxvt, we1ch€s Murad Effendi vor seiner Thronbestei- gung bewvhncn ioÜte. Murad empfing inzwischen im Seraskierat die Huldigungen und nahm Hierauf von Dolma-Vagdsche Befiß, _
_ Der „Vakii“, ein türkisches Blatt, erfährt, daß der neue Sultan dem Malick] den Befehl gegeben hat, vor Allem die Rückstände der Beamten-Gehä1ter aus dem persönlichen Vermögen des früheren Sultans zu bezahlen, welches an den Staat zurückgefaUen ift.
- _ Ans dem Insurgentenlager im Risovaßgebirge erhält die „D. A. C.“ unter dem 30. Mai u. A. folgcib! Nachricht:
Um 20. Mai marfckyirte ein starkes Corps Voöniaken unter Trifun Bandalom nach dem Lager von GerMetsch ab, um die Türken, welche die dort weilenden myby als 60()0_Kövfe zählenden wehrlosen Flüchtlinge (Greise, W-tker, Kinder) überfallen hatten, zu vertreibsn. Pop Ninko Gak, Wechm die Bewachung des Lagers mit einer aller- dings kleinen Schaar Jmsmqeutsn anvertraut, Haike fich vor den an- rückkndcn türkisckxen Streitkräften (5000 Redifi) u_nter Ali ascba geflüchtet und so konnten die Oßmancn mit verdäwnißmäsig wenia eriust die Schanzen bcseßsn. Es fo1gte dann ein entseßlickoes Maffacre. Nur eine kleine Tichcra (Abtdeilung) Jusurgentcn behauptete die 1cyicn Sch:nzen, und 'doxtbin flüchtete AUes, sehnsüchtig Hülfe Herdéiwünicdxnd. In Cilmär1chen War Bundatom gekommen, und einen ganz?" Tag kämpfte er mit den Türken, dieselben zur regel- losen Flucbt drängsnd. Es gab nur Todte, keine Vcrwundete.
Die Noth der F1sichtlinge in jetzt groß; dieselben müssen in den Wäldxn kampiren, 171€ Lebenßmitiel find knapp, Zufuhr nur 1chWer mögli .
Ju Risovatz und Gerraetscd befindsn fick) gygen 6000,Bewaff- nete unter den Anführern Bundalom, Dukitsck), Davidovitich Und Pov Koran bei Zion-IJZiijrau, 600 unisr Pero Ziokovitfch, in dym Paftirewogekirgk Jagen 1800 bis 2000 unter Milo1ch Rxoditstb, Mcrko Jjenadja und Janko Buialißa, im Kczaragebirae 1500 unter Pane Nikolitfck) und DeÉ-por, «dei Priekrr 800, bei Unnatz bi? Petchogß, und Kijutfä) 4200 nnter (5591111) Babitick). Azo Radoiaqußqu, Ilija Bilbijx und Pero Uzela ; die Abtheilung vo_n Hadxiticb und Peter Karageorgewifsch 1200 ann dcn Ljubina [Zis Buzim. Jm Mciaicagcl'irge stehen 400 _Mann, Welche die Aufgabe Haben, die Gegend bis Bonjaluka zu inxurairen, Jm Travnik'er Kieiie stehtqdie Schaar des Franziskancrs Fra Fravjo, außerdem xine Menge k.kitzer Abtheilmigcn in ganz BoSnicn, von denen wenig Nacbrtchtcn ozn- 1aufen. _ Am 4. Juni (22. Mai. skrbischen Datums). sol] aizcb eme Schaar von 6000 Freiwlligen, welche 1221 Schakaß in Serbien _cin- exerciert wurde, Über die Drina gehen und vcriuchen gegen Seraxcvo vorzudringen. _ _ „ __ „
Gefechte finden jxrcn Tag _statf, welcbe _meiit gunstig sur die Jnsurgenten endcn. Nur ist es 1ch1V€k, Nackrichten „“i-us, kern Lande zu bringen, weil wedkr Posten :iocv Telégrapfßen exisirxentuud die Türken auf den Kovf ibnen feindlicbsr Bericl)t:rs1atter Pramien gus- fetzcn. Auf einen Waffenstillstand onen die _Jufurgcnten nicht eingehen, Weil fie den Türken nicbt trauen, auck) die gut-: Jahreßzext nicht unbenußt vorübergehen lassen wollxn. .
_ Wie derselben Correspondenz aus Ser9]_ev_o unter dem 31. Mai gemeldetwird, wäredas türkische Militar durch die fortwährenden Niederlagen, welcize eZ vdn den _Insurgenten erleidet, nicdergeftimmt, die Unzufriedenheit im Wachien „und Re- volten zu befürchten. „Die Verpflegung der Truppßn ist elend, Sold ift seit 19 Monaten nicht gezahlt, und be'haupxen die Soldaten, daß die qu- und Bimbachas den Sold in die eigene Tasche stecken, während diese ihrerseits die Paschas auflagen. B_e_i der Menge Verwundeter macht fich der Mangel an europaischen
Berlin, den 8. Juni 1876.
Bei dem Verein für di:: deutsche Nordpolarfahrt sind. in verganggner Woche von Dr. Jinsch aquübrlicbc Berichte uber die vor) dieicm Verein auSgesandte orschungöexvcdition nacb Westsibirtep eingelaufen. Die xpedition verließ Tjnmen' am_ 13. April. Die Reise ging Über Jalutcrowsk, Jschim und D Ukällnök nacb Oinék, WO der GOUVerneur der Expedition dcn berzlicbxtcn Empfang bereitete. Es wurde eine Jagd auf Argali (Bergsck)afe) in den nahegelegenen Gebirgen veranstaltet. Die leßte Nachricht der Reisenden, stammt aus einer Kirgisenjurte. Zunächst foate von Semxpalatmsk aus über Sergiopol ein Zug in die Gebirge nahe der chinesischen Grenze unternommen wexden. Jn der_zweiten Hälfte des Zum hofften die Reisenden in Barnaul einzutrenen und von_ da ihre inse deu Ob abwärts anzutreten. Von Seitxn der rujsischen Bebordey wurde ihnen die bereitwilligsle Uaierstußung und _ulfe zu_ Theil, Der Gouverneur in Semipalatinsk begab sich per onlicd mit den Herren auf die Jagd und veranstaltete ihnen zu Ehren et_ne Kosakenparadc. Die zur Erforschung der Mündmig dcs Lb bestimmte Cxpeditioa brach am 11. Mai von Moskau auf. Es tft d1e_Abficht, daß beide Expeditionen im Herbst zusammen von der Obmundung zurückkehren.
Das hiesige Paul-GerhardxxStift bxxzing, am Freitag mit seinem ersten Jahrestage gleichxctttg dezt 2001ahrtge_u Todes- tag Paul Gerbardt's in der Jakobikirche. Das bis auf den letzten Platz gefüllte Gottcshaus hatte zu Ehren desoTages beson- deren Schmuck an elegt. Nach dem Chdr- und Gememdegesang _des Gerhardt'sckpen „YOU ich meinem Gott nicht singen?“ hielt Prediger Diffelhoff die Liturgie, dann folgte der Gememdcgesang ,Befiehl Du
geschulten Aerzten sehr fühlbar; die im medizinischen College von Stambul gebildeten jungen Aerzte erweisen fich als un- brauchbar.“ .
_ Aus Zara wird unterm 6. Juni telegraphirt: Fürst Nikita berief die im Auslande weilenden Montenegriner zurück und verbot den Korrespondenten, über die Truppen- bewegungen zu telegraphiren. _ Die Znsurgenten- Chefs der Herzegowina beschlossen, ftch in keine Versckand1nngen mit der Regierung Murads 11, einzulaffen.
_ Aus Belgrad wird unter dem 3. d. gemeldet, daß der leßte Einfall regulären türkischen Militärs in ssrbisches Gsbiet (bei Uziza), den Minister des AeUßeren zur Absendung einer Proteßnote an die Pforte veranlaßt Hat. _ Dieser Tage be- giebt fick) der Fürst nach anrija in Begleitung des Generals Tschernajeff.
Rumänien. Bukarest, 7. Juni. (W, T. B.) Das Amtsblatt publizirt dcn öfterrcichisch-rumänischen Han- delsvertrag.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 6. Jani. Der „GoloÖ“ spricht fich über die orientalische Frage fol- genderMÜßen aus: „Die Mäßigung, welche die Redaktion des Memorandums an die Pforte geleitet, ist ein sicherer Bürge da- für, daß diese fick) zweimal besinnen wird, ehe fie die Annahme offen vsrweigert. Und Um so mehr, als das Berliner Memo- randum wohl nur einen Kommentar zUr Andraffysckzen Note bildet, einer Note, welche nicht anzunehmen die Pforte damals keinen triftigen Grund hatte. Diese Vorausjeßnng wäre nur dann unwahrscheinlich, wenn England offen die Partei dsr Türkei nähme und diese zum Widerstand antriebe. Aber es ist schwer anzunehmen, daß das Kabinet von St. James so weit gehen sollte.
Wir sehen außerdem, das; die französische Regierung Eng- lands Mitwirkung zum gemsinsamen Handekn im Orient zu crkangen suchi und noch nichi aUe Hoffnung aufErfo1g verldrcn hat. In der That find die Einwände, welche England dem Memorandum entgeaensteüt, nicht unmöglich zU bsseitigen. Eng- land meist 3. B, auf die Schwieriqkeit hin, einen Waffcnftiüstand unter Bedingungen zu bewilligen, welcbe es für die Türken für ungünftig hält; aber es verliert aus dem Augs, daß ein ähn- licher Waffenstiüstand für biÜig erachtet wurde zur Zeit der Ueber- gabe der Andraffy'schen Note.
Außerdem findet EngLand die' Opfer übertrieben, welckye fick) die Türkei auferlegen müßte, um die IUsurgenten für ihre Vcr- [uste zu entschädigen. Aber sollte es seldft daso schwersciii, fest- zusteUen, daß Recht und Gerechtigkeit aus diesen Opfern eine Pflicht für die Türkei machen? Denn hat nicht die Mißverwal- tung der [eytem all dies Unglück vsrschu1det?
England muß jedenfaUs zugestehen, daß, was bis jexzt gc- fchli hat, die MiXTel find, welche die Ausführung der seit langer Zeit von der Pforte gemachten Versprechungen sickxern, und sobald es einmal feststeht, daß ihre Integrität respektirt werden sol] und daß man nur eine Rkorganisation verlangt, welche für eine bessere Lage der Christen Garantie biete, ioUtc England durchaus in seiner isolirten Haltung den anderen Mächten gegenüber verharren wollen?
Die englische Presse und die öffeniäche Meinung find cin- ftimmig darin, anzuerkennen, daß die Pforte nur unter der Be- dingung forxbeftehen kann, daß fie ihre VerwalUmgSmaximen von Grund aus änderk. Indem England so den jeHigen Zustand im Orient verurtheilf, muß es, wie uns scheint, damit zug1eich fti11schweigend die Leerlxeii der Veriprechungen anerkennen, welche die türkische Regierung machen kann Und von diesem Geständniß zur Forderung von Garantien für Die chÜUung dieser Versprechungen ist eben nur ein Schritj. Deshalb glauben wir schlicß1ich, daß Engkand, um mi: fich selbst nicht in Widerspruch zu gerathen, wiUig oder nicht, von s:inem Prinzip der Nichtintcrvemion geZeniiber sincm Staate abgehen müsse, der nur zu geneigt ist, es zu mißdrauchen. Tack) englische Volk, das so Viol Miklionen Pfund für die Sache der Negcr-Emanzipation in Afrika gsopfert, ist edenio empfäng: lick; für Sympathieen mit den Christen, die ein nicht weniger unglückliches Loos zu ertragen haben, als die von England de- frciten SUaven.
Wir hoffen alia gern, daß England seine Haltnng ändern werde. Wir möchten gern das Zeichen davon in der Tigatsaehe ciner Absendung der cnajischcn Flotte ins Mittelmeer erblicken, eine Absendung, die ficherlich nicht die Unterßüxznng einer so schlechten Sache zum Zweck [Jaden kann, als die der Türkei ist, indem es sich dem Werke der Pazifizirung mid Cikilifirung cntgcgeuftellt, das ganz Europa unternommen. Und von dem Angendlick an, wo die Integriiät des türkischen Reiches nicht nicht in Frage kommt, kann diese Flotte nur dazu berufen sein, die Intercffen der englischen Angehörigen und ihr Loben in dem_ Fall zu sichern, wo es durch den türkischen Fanatismus in Gefahr kommen soUte. Die Zukunft wird die Hoffmmgcn zu beftakigen oder zu widersegen haben, welche wir heut aussprcchen.“
Amerika. Washington, 6, qui. Kabeldepeschen melden: Mr. Blaine, der frühere Sprecher, gegen welchen verschiedene Anklagen in Verbindung mit gewissen Bonds- Tranc-aktionen erhoben worden, verlas heute im Répräsentantcen- hause seine eigenen Briefe, die, wie behauptet worden, ihn
Deine Wege“ und die Fcstvredigt des Hofpxedigers 1_)r. Kög-c-l, die anknüvfend an den Tkxt des 57.Pja1ms: „Mom „Herz iix_bereit, (9911 mein Herz ist bereit, kai“; ick) ünge und 191?“ 111 bcgeistKrZen anen cin lekenxvolles Bild des großen .Kirckemanzcrs ng, DJS dio CVÜUJL- liscbc Welt kuccb das ganze Kirchenjahr geleitet, gin Troster und _Be- ratbcr Der Armen und Elenden, cin„1reuer, zuvxrlaifiger Freund seines Volkes gewesen ist Und für alleRZeiteti bleibcn wrrd. - DZ: Jadres- bericbt gab in allgemeinsn Umrtjjen eirZe Darste'llung der Entstehung des Stiftek, das sic!) noch in De_n Anfangen 1€1K21Z C'ntwickslung be- findet. Leider ka: das nene Stift,_trctzdeni vpn „11191 Segen Wohl- rdäter für dasselbe crstshcn, nocli stark 11111 111atlr1CÜ2nijerLn zu kämpfen, dercn köchsn dieVerzinUMg de_skubernommenen “Stinshxuses in der Jakobi-Kircbstraße bilrst. Unterstußcnde Gaben werden daher
JLU! CLUZLUOUUUCU
Schon vor mehreren Jahrßn ist das Prdjekt einer Ver- längerung der Zimmerstraße von der_Wilhclm- nach der Königgräßcxstraßs in Anregung gekommen, von“ „&ck&; des .MaWstkatZ kkmséibkn aber nicht näher getreten wo'rden, “NUL"A'OMZS rst dre_An- clegcnbcit wieder aufgenvmmen, tixeils weil fur die Grundstücke 5 ilbclmstraße Nr, 95-96, welcbevou dex eventucllxn Weitcrxuhrmig rex Zimmerstraße betroffen würden, Bgu„ge1u_cbe vorliegen, theils weil aux dem fiskalischen Terrain an der Komggraßsrstraize mit der_n Pai) des Gewerbe-Museums und der _Gewerbe-Akadxmic u_nter Beruck1tchttgung einer Zufahrtsstraße in Verlangerung der Zimmerstraße Hegonnen „wxar. Der letztere Bau ist war Wegexider mzwrjxhen emgetxetcneu _Ber- bandlungen über die rricbtung eincr 16chn11che11Hoch1chu1e Wye: eingesteln, die vorliegendin Umstände, We1che durch das'Jnteresje des öffentlichen Verkehrs noch vermehrt werden, habm es („doch gcbctcn
kompromiüirten, und er deshalb der Oeffentlichkeit vorzuent- halten wünsche. ,
_ Aus Philadelphia wird der „Times“ gemeldet, daß der Senat die vom Repräsentantenhaus vorgenommene Herab- seßung des Präsidentengehaltes von 50,000 Toklars auf 25,000 Danrs wieder gestrichen hat. _ Die Voxlage,_ welche die Herstellung einer Münz- und Rechnungs§1n_l)eit zw:- schen den Vereinigten Staaten und England vor1chlagY wurde im Senat diskutirt und es gelangten vsrschi€dene Zusaxze zur Annahme.
_ Telegraphisckze Nachrichten der „21.21. E,“ aus Ha- vanna über New-York melden, daß Maximo Gomez an der Spiße von 1600 cubanisckzen Insurgenren in der Nacht dcs 26. Mai Ciepo de Avila angriff. Ec wmde indcß von der 400 Mann starksn Garnison nach einem verzweifelten Kampfe
“ zurückgeschlagen, und büßte 30 Mann an Todten und 70 an
Verwundeten ein. Di? Spanier soUen, wie es heißt, „zwei Offl- ziere verloren haben.
Neichötags :Angelegenheiten.
Berlin, 8. Juni. Die Justizkammissim ds? Rciäzs- tageÖ ießfe gkk'xern ihre Béraihmxgén Der Zxraikrwékzyrdnanz fort und gelangte vom Z. 58 derZC-[kcn His 314111 § 84. Ein Antrag, dss Abg. Reichensvergec, di:- Vsrweigcxrxiig 817233 Zéxxßnisscs mit *.*-Mr ge- linderen Strafe: zu bcleZen, als diss von dsr Koxiimiiürn “Ln cxitkr L?suug gesckxheu, wurdc akgslebm. Tw." KOiiiiiiiisivriÖksiéclns; in exftsr Leyung ist dsnxnack) auirecbr «Hallen, WONKÖ ?ZO Z;i**'x:§é§d€* Waizerung mit Gsldstrafe bis 311 3130 «FC:, CDMT. mir HINWE? zu 6 Wochen bedrosx ist. In Bsziedmxg auf 'die “kaxbsré.:u:xg ("mcs Sxchverftändigenurtheils übex dcn (Heisteéxustaxd dss Anx-„ZTÉULOZNHU wurde ein Antrag dss Abg. Ziim äqu'r'seizung ch §.71d. ?:Urcd cirxL Dcn hößcren SQUJ kes Aiigcéchuldißten bczwcckéndcn Bestimmuxxg WIE- nvinmen, Nach dcm Azitrag dcs ZCULURTLN Ilbgscrrnstén "211 das Gericht zur Vorbercirung Lixiés GUUCOTLUÖ Üb?! Fén GeiijeéxiiZZUD dk?) Nngcicßuidigisn aaf Anir-ia c-inks Sackzioérstäkadigen UND nach Linkxörung WZ crfordxxLiÖC-n FÜÜSÖ amiéiä) „;u dcstsslsndcn erxkxidi- gers imcrdncn, das; dsr Ansssäialdigte i:“. sine ersmnsialx g(bracbt und dort Heydacbréi worde. „07:5 änékk skikrtigs BQZÖMKL staff, dieselde hat avfsckxisdknke Wirkung “ Zu §. 78, in mélkb-xm DJS Zn- zicbimg einks Arztss „znr 9966710117511 detensckyan aNJLOTTUIT ist, warde auf Antrag des AOJ.(fo11k.1111€r die in Der VUnde-vcrlage enthaltene Bestin1mu:g wieder .iukganntnkn, KMZ) wcklchcr die Z!!- ziedung cines Arzics unterblsidsxn kann, wcnn fi? nacb de;". (Fxniesien des Richths entdchxlich ist.
[- :o i'.)
GeWerbe und Handel.
Dem G€1chäf1sberichi der Ll1tenkurZ-Zeéßsr Ciiexibabn Pro 1875 entnshmen wir Über die Betxicbsergcvnisia, dxß 111: Jadre 1875 beföxdert wnrden 189,936 Persone", g-s-gen 188,133 im Jalxrc 1874, mithin 1875 mehr 10,803 Psrsonen, Von den außgegcbcncn Biaefs kommxn 177,433 auf den Lokalwerksbr, 19510 31.15 dxn vcr- einigtM Vcrkehr und 1993 auf den direktenVerkcbr. Tie (*)-:'ammr- Einnahme aus dem Petionexvcrkebr bérrng 86,170 .“. chm: wnrden befördért 4252881235 Kilo gleich 8,657,624 Crx. *Gixxer chsn 9,116,393 Cir. im Jahrs 1874, mixhin 1875 wcnißkr 458,768 Centncr. Von den boiörderien Gütsrnfixlén 64.517,180 K*.[O aui ken Lokalvcrfehr, 161959610 Kilo ani “csu 112bsrg;n;§vcrk:17r und 206,401,445 51110 auf din dirckién Verkehr, Di.? Gx'sammr- einnabme aus dem Güterverke-Zr iammk Nskcnkinnx'ixmekm 151043 642277 ck Während gegen das Vkrjabr dcr Lokalvsrksßr um 22,7 “',-«], dsr diiekte Verkehr um 19,2 % ÜTLJ, fiel der 1121erqa11gs- Vérkedr um 29,3 '-'/0. _ Die G:?ammtsinmdms 1677115 807,03'8 .O, die Gésammtmchgabe 428,930 „46, so daß 378,107 „1x iM"; 11.111) 2122- ssrviruna von 9000 „M noch nicht gcdéckrsr Ausgaben 5111“ MZMUUHUM DCS THÜingisckxe-n Personenkaynhoées in Zkiß, rr: 1875 369,107 „16 rkine Einnahme vord1eibcn. Hisrvon 7911811 112,952 .16. dem Rcskrvo und Erneusrungskdnds ÜberWics-sn Mrken, wädrcnd 1:1: die verbleibsndcn 256,155 W. und T1111ch11€ÜÜch 826 «FC: Voxrrag vom Vorjahre, 256,98] „lä, folgende Vsrthéilimgéwc'isx vcrgeialagon wird: 10,246 .“. Tantizmc dem Vorstands. 2561 „ik: Desgkciébm Dkn Vicki- sOren, 119,062 .“. 61 0/0 (18 „M 75 „Z) Dividcnke ken Priorixäts- Stammaktien, 161 «kl: Vortrag «Uf näWstszZadr. _
, _ Aus dem Rssknungsabsckxluß der (HößnixZ-Gcrsxxr Eiicxw bahn Pro 1875 theilt dis „B. V. Z.“ folgcnke Taxen mxx. EI 1“?- trugen die crziolten rcinen Verkehrseinnadme 1178-1757 „ik. 27-3752557 .O mkdr als im Jahr? 1874; es kamen 192.610 446 au? DSU P.'Ncncw “and 594,147 (76. anf den Gürsrvcrfxdr. An an!):rordaniÖsx'. (.F'Znnxkoxxxsn gingen cin (57,645 M. Die gc'ammten Betriebxeinnukmxxi 12211011 sich auf 824 403 .16, die GeiammdBetriebsaxxxgndsn einick1€3€:1ic17 kx? Bci- trags zum Erneuernngsfouds un': Dcr [Fixendaßnikenér auf 522.970 ckck, 50 daß 301,432 „FH Ue'ser'schnf; rordlkb, WOOD" (“'-(10,816 xxx. zur Vsr- theilung einer 5'“1„“'/0 Dividsnde an die Aktionäre VZTWUWST unk? 619 „16 anf mae Rechnung vorgetragen wcrden 'Zoll-Fn. JM Z.;“.Jr 1874 [*klkUJ dis Dividende 424, “/(,.
Verkehrs-Anstalten.
Southamyton, 7. Juni. Das PostdamviiM? dis- Nock- deutickxer! Lloyd ,Odcr“, welches „111127.M»1". ['onch-„Mcrf 31“- geganqcu War, ist a-stern wvdlkclßaltkn bier angkkcmxxxn UNd da! nach Landung dsr für Soulbamytvn bcstimmtsn “assagirré, Pkst und Ladung. 11 Uhr Abends die inie nacb Brcxrien fortzxiixt, Lic ,Oder“ überdrixiax 276 Paff-igierc und voll? Bading.
Livcrpool, 7. Juni. (W T. B.) T(r Damvisr „Ca- mcroon“ ist von Der afrikaniicßcn “164001716 6111“ singxrrokien.
Plymouth, 7. Juni. (W. T. B.) Tor fällig? Dampfer „Amerikan' ist aus der Capstadt dier angsfommen.
erscheinen lassen, eine solche Straüknvexlängemng in Ilasücht zu nehmen und mit Rückücht auf die Bestimmimgcn dkö Geixßxg vom 2. Juli 1875, betreffend die Anlegung und VLkäTWermg-VOU S_trnßxn und Plätzén in Städten und ländlichen Ortschaktcn. Dic J'Yießnng einer Bauflucdtlinke vorzubereiikn. Der Magistrat 13.1: 1.1“ ztadt- verordnercnrerfammlung einm von _dcr Bandepumrédn gerieb- migten Plan mit dem Ersuchen vorgclc'gt, 71:1) d.]mir sxnvchritxnkcn zu erklären.
Zur Erläuterung der hsure (untcr „Türkci“) ixiiixcidkilrcn Ant- wort des Scheich-ul-Jslam Und des _TbronßcitsiZUNZslxat mag daran erinnert werden, daß die _tü_r„kiicbo_ (Hsisßgebung in zwciHaupttheile zeréällt: das rUlUlOYL Gsies (“Sckcriarö imd das politische Gesetz (Kauun). Das Schenat, w-lckxcks indesskn auch mit vielen bürger1ichcn Rccdxévoricyriiten karöbchl is!, hat - zn seinen Quellen den Koran, die Sunna oder religiöse Tradition, das Jdschma 1 (11111er, d. i. die Erklärungcn, AnSlcgungen und Entschcidimgxn der vier criten Kbaleen, und das Ka:.xs oder die Sammluna g-Irichtlicher Entscheidungen der vier großen Imams Edu, Hanifé, Maliki, Schüfii uyd H:;mbe1i. Jm Rniäiluffe hieran ist die Rccht6kiszivlikl durcb eme 3.012nge Rschtxgclcl'rrer angebildct worden. Aus den Arbeiten derselben find v*rschiedene Sammluchn hervorgegangen, welch? ebeyiall?» als Vii'cktxqiieük bemisk Wklkln. Dxe erste diejer Sammlungen fuhrt den Namen 'Psrlcn (T*:"warz iind ont- bält Rechtssvrüélye und Auslegungen bis zum Jabra 1470; di? ZW:“iké führt den Namen Mültckx ül dubak (V-r1*ii*dnng [*.*r Miki) u: d rührt von dem gelkbrten Sckoeick) ' Ibrahim Halsdi (gest. 1549) bkr. Ursprünglich_4n (irakischer SVkackW vcriairt, wurde die [Cßkékk „",-amm- [UW N11 UWS! m das TÜkkU'ü)? "sichsclzr 11710 1111 Z.:“x-zc 1824 UN-