1876 / 137 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 13 Jun 1876 18:00:01 GMT) scan diff

19 Inftiiute Vorwoche weniger Wechseln belief sich 5,717,000

der Tabelle 771,959,000 «FQ 5,753,000 „W); der auf 634,996,000 «FH , 916 weniger als in der

das heiß

549,000 M6 vermehrt.

Sachsen.;Dr-eöden, 12. Juni. Die Erste Kammer beharrte in ihrer heutigen Sißung bei ihrem ablehnenden Be- schlusse bezüglich des Geseßeniwurß; iiber die weitere Ausfiih- rung des Reich9geseYes wegen Gewährung von Beihülfen an

Angehörige der Reserve und Landwehr vom 22. Juni 1871, und erledigte hierauf Petitionen.

Die Zweite Kammer verwies nach einiger Debatre ein Nachpostulat für Bau des neuen Königlichen Hoftheaters und den Ankauf der Hainichen-Roßweiner Eisenbahn durch den Staat, an die Finanz-Deputaiion und lehnte sodann das von der Regie- rung eingebrachte Nachpoßulat für die Ober-Rechnungskammer ab mit dem Ersuchen, die Regierung möge dem nächs1en Land- tage wiederum den Entwurf eines Geseßes, betreffend die Reor-

die „Königlichen Dekrete, den

betreffend

ganisation der Ober-Rechnungskammer, vorlegen. Der (Heseßent- Wurf über den Schuß der Waldungen gegen schädliche Insekten

wurde mit einigen Abänderungen, unter welchen namentlich der

Wegfall der Anzeigepflicht der Waldbefißer hervorzuheben ist, angenommen und hierauf Aufrechthaltung dcr auf den Antrag des Abg. Lehmann über Form der Eidesleistung gefaßten Be- schlüsse beschlossen.

Baden. KarlSruhe, 11. Juni. Die Kommission der Ersten Kammer zur Beraihung des Schulgeseßes lehnt beide von der Regierung in der Zweiten Kammw bekämpften Anträge ab und verlangt die Wiederherßeliung des RegirrungScntwurfs. Bezüglich der Klosterschulen _sagt der Bericht, daß die Auf- hebung der Anstalten und die Verwendung ihres Vermögens zu andern verwandten Zwecken nur dann gerechtfer1igi erscheine, wenn die fernere Erfüllung ihrer Zwecke nicht mehr mög- lich sei, oder wenn die Wirksamkeit der Stiftungen als dem SiaatSwohl nachtheilig angesehen werden müsse. In beiden Fällen liege die Entscheidung bei der StaatSycrwaltungsbehörde, und vorliegenden Mißsiänden könnte durch die dermalige Geseßgebung abgeholfen werden. Daß fragliche Stiftungen auf dem Wege oder nahe daran seien, ordensähnliche Kongregationen zu werden, und daß die Regie- rung ohnmächtig sei, eine solche Entwickelung zu verhindern, da- für seien bis jexzt keine Beweise erbracht. Nach Mittheilungen aus Kammerkreiicn wird, dem „Frkf. J.“ zufolge, die Erste Kam- mer ihrer Kommission beiftimmen. Der Geseßentwrirf würde alsdann wieder an die Zweite Kammer zurückgelangrn, welche sich über die Aenderirngen auszusprecben hätte.

Hessen. Darmstadt, 11. Juni. (Frkf. I.) Der von der Mehrheit des Finanzausschusses gestellte Antrag: „an die Regierung das Ersuchen zu richten, zu erwägen, wie der, die Steuerkräfie des Landes narurgemäß in immer Wachsendem Maße belastende Aufwand für die beiden Hochschulen (Univer- ßtät und Polytechnikum) vermindert werden könne, nöthigenfalls selbst durch Aufhebung des Polytechnikums“, hat ins- besondere in unserer Stadt eine Gegenagiiaiion hervor- gerufen. Nicht nur, das; die Stadtverordnetenversamm- lung mii dem Bürgermeister an der Spiße für den Fori- beßand des Polytechnikums eintritt und daß fich die hiefige Presse mit Einstimmigkeit jenem Antrage widerseizt, so begegnet man auch in landftändisckzen Krei “en der bestimmt au9gesprochenen Ansicht, daß hier der Aussthuß m seiner sonst löblichen Absicht, die finanziellen Lasten des Landes möglichst zu erleichtern, zu weit gegangen sei. Es darf schon jeßt als sehr zweifelhaft

, angesehen werden, ob die Mehrheit des Plenums jenem An- trag beißimmen werde.

_ Der fich noch immer ausbreitenden kirchlichen Be- wegung, die iich nunmehr gegen die beiden Hauptbescblüsse (Traugeseß und Kirchensieuer) der Synode und diese selbst richtet, aben sich nun förmlich die Dekanate Worms und Alzey, ein gro er Theil der Gemeinden des Dekanats Mainz ange- chlosien, das DekanatIngelheim steht im Begriff, dieses zu thun. Einst:mmig ist man, sagt das ,Frkf. I.“, in dem Ver- langen 'der Sistirung der angeführten Beschlüsse, Auflösung der Synode, NeuWahl derselben auf Grund, eines eine größere, Vertretung des Laienelementes sichernden Wahlgeseßes.

Mecklenbu-xg-Schwerin. Schwerin, 11. Juni. Unter Beschränkung friiherer" gesehlicher Bestimmungen ist den Han- delsgesellsckzafien und eingetragenen Genossen- schaften der Erwerb solcher ritterschaftlicher Güter, an welchen ihnen eine hypothekarische Forderung zusteht, im Falle einer Zwangsversteigerung unter der Bedingung gestattet worden, daß ße binnen drsi Jahren nach dem Erwerbe die Wieder- veräu erung bewirken. Nöthigenfalls ßnd fie vom Ministerium des Innern zur Erfüllung dieser Verpflichtung anzuhalten. Han- deleesellschaften und eingetragene Genosensthasten smd von der Aus bung der mit dem Befiy von Gütern verbundenen, dem öffentlichen Rechte angehörenden Befugniffe'aUSgesckzloffen. Ins- besondere-ruhet für sie das Recht der Landstandschaft. Für die Ausübung der obrigkcitlichen, polizeilichen und gerichtsherrliäzen Rechte wird von dem Ministerium uuf Koften der Handelsgesell- schaft oder Genossenschaft ein' Vertreter beftellt.

_ _ 12. Juni. (W. T. V.) Der Hof-Marsthall des Groß- fursten Wladimir, Admiral U. Back , ift heure Mittag nach kurzer aber schwerer Krankheit gestorben.

Oeßerreiäo-YUg-trn. Wien, 11. Juni. Dem ra . Ahendbltt.“ wird „von ier geschrieben: Die, auswärPtigge Situation nimmt kon ant, einer immer heruhige-nderen, Charakter an, und es bedarf zur Stunde schon.:ines sehr» schwarzgallt _en Pesfimiswus, im Angchchte der in den lehren Tagen-beka iii _ xxvoxheneUMThatsa en- mich an der These“ von der *ynauömei lichen Storung *des europäischen Friedens festzuhalten. _Nach den von St. _Péteerurg und .Londoii“ ausge- gebenen Erklaruygen _konnirn dre paientir'cen Schwarzseher nur noch „exwa Serbien fur ihren Standpunkt ins Treffen führen und die von Konßanringpel. „,der Belgrader Regierung -abver-.«. langt: «ufklämng über „die Rustungen Serbiens „bor noch einen

(gegen die Bestand an

, _ Die Anrräge auf Abschaffimg des Cölibates und des Beicht-

bsendung eines Spezialgesandten dorthin ankündigte. gegenwärtigen Augenblicke jene schwarzen Punkte am po- litischen Horizonte zu entdecken, aus denen fich nach den Verßcherungen einiger Journale das drohende Gewitter eniladen müßte. Das Gewitter ist verschwunden und der Friede Europas wird nicht gestört werden. Wenn die Oeffentlichkeit heute diese erfreuliche Thatsache verzeichnen kann, so darf fie der Faktoren, die ße geschaffen, nicht virgeffen und unter diesen Faktoren ist vor Allem das Drei-Kaiser-Bünd- niß hervorzuheben, das mitten in dem Anßurme der politischen Leidenschaften sein erstes und unverrückbares Ziel, die Er- haltung des Friedens nicht aus dem Auge verlor und auch zu erreichen wußte, so schwierig sick) auch einen Moment lang die Verhältnisse, an denen es scheitern konnte, gestaltet haben mögen. Welcher Aniheil hierbei den einzelnen Kabineten zufällt und ob nicht das österreichische Kabinet einen ganz [3er- vorragenden Antheil an jenen glücklichen Ereignissen hat; das muß einer späteren Epoche zu konstaiiren vorbehalten bleiben. Doch so viel kann man behaupten, daß nicbt die Drohungen einer Macht, sondern das FriedenSprogramm der Drei-Kaiser= Allianz das allein ausschlaggebende Moment bildeten.

_ Während die Verhandlungen über Feststellung des neuen Zolltarifs im vollen und, wie überebrstimmend gemeldet wird, besten Zuge sind, werden auch binnen wenigen Tagen die Verhandlungen über die Banksrage, beziehungs- weise über die technischen Details, die zur Durshführung der schon festgeßellten Prinzipien nothwendig find, ihren Anfang nehmen. Damit smd jedoch die Vorbereitungen für das Ins- lebentreten der AUSgleicthgeseße noch nicht beendet, da auch noch Feststellungen über Aenderungen der Bier-, Zucker- und Brannt- iveinsteuer erfolgen müssen. '

_ Wie die „Pr.“ erfährt, beabstcbiigen die hiesigen Demo- kraten, nachdem der „demokratische Parteitag“, welcher gegen den Au9gleich und zu Gunften der Personalunion mit Ungarn resolutioniren sollte, nicht zu Stande kam, im Gemrinderaihe eine gegen die Annahme des österreichisch-ungarischen Auggleichs gerichtete Kundgebung hervorzurufen. Ein Antrag in dieser Rich1ung soll bereits in der nächsten Gemeinde- rathssißung eingebracht werden. Die Demokraten weisen zur Rechtfertigung ihrer Abficht darauf hin, daß auch die Pester Stadtrepräscntanz in der Abszileichsfrage und zivar, wie be- kannt, im ablehnenden Sinne, Stellung genommen hat.

Pola, 12. Juni. (W. T. B.) Das Admiralsschiff, die Panzerfrrgatie „Custozza“, ist gestern, das Kanonenboot „Albatros“ heute “nach Smyrna abgegangen. Die Panzer- fregatie „Salamander“ und die Schraubenkorvetie ,Zrinr)“ werden dorihin' nachfolgen.

Pest, 10. Juni. In der vorgestrigen Sißung drs Abge- ordnetenhaufes wurde eine mit ein paar tausend Unter- schriften versehene Petition gegen den AuSgleich vorgelegt. Die Petition kommt aus Debreczin und da K. Tisza den ersten Wahlbezirk dieser Stadt vertritt, von den in demselben konskri- birien 660 Wählern angeblich 540 die Petition unterfertigt haben, so folgert man aus derselben, daß hiemir dem Minii'ter- Präsidenwn ein feierliches und eklatantes Mißtrauensvotum von seinen Wahlern ertbeilt wurde. Den Umstand jedoch, sagt die „Presse“, daß die Mehrheit der Unterschriften von Nichtwählern, das heißt von Leuten herrührt, die man, weiß der Himmel, Wo aufgelesen hat, belieben jene Blätter, die schon heute die Lärm- trommel rühren, freundlich zu ignoriren.

_ Ueber den Verlauf der Konferenzen wegen Fest- ßel_lung_des _allgemeinen österreichisch-ungarische7 Zolltczrtfs bringt die „Budap. Corr.“ folgende Mittheilung aus Wien: „,Das Resultat der ersten zwei mehrstündigen Sitzur- gen bewies, dai; die Verhandlungen nicht so schnell zu Ende geführt sein werden, als es anfangs möglich erschien. .Die AUSarbeitung des Zolltarifes selbst wird wenigstens drei Woche:) m_Ansyruch nehmen, Die Arbeit, welche zu vollenden sem wird, “ist teme geringfügige, denn es handelt fich um die Styltfirbng eines ganz neuen Zolltarifs, nachdem der bis- herige era mehrere Jahre hindurch bei jeder Gelegenheit aus- .gebeffxrieß Conglomerat bildet. Das ganze Materia; muß vollstandig grfichtet und der Text neu abgefaßt werden,. auch dort wo die bisherigen Ansäße verbleiben. Die beanrragie Hinwegla'ffung eines “eden noch so unbedeutenden Wortes ruft [artgere DtSkusfionen bervor und find es namentlich die ößer- retchischyn, Regierungsvertreter, welche den konservativen Stand- pmzkt einnehmen. Bisher wurden in zwei Sißungen nicht, ganz dret_Klaffen erledi rund zwar die weniger bedeutenden. Die Erhohunß der Zo ansäße für Kolonialmaaren und Südfrüchte rst keme edeutende, dieselbe beträgt beiläufig 15_30 Prozent.

_ _ 11. Juni. Wie der „Pol. Corr.“ von hier geschrieben wrrd, gedenkt die ungarische Regierung im Herbst dem Reichs- iage_eine Vorlage, „zu unterbreiten„ durch welche den Ober- g_espanen der Siß im Oberhause genommen und dafür die Berufung einer bestimmten Anzahl von Regaliften, wie fie ehedem Siebenbürgen hatte, der Krone als ein unter Mitwir- kung des kontrafignirenden veranlwortlichen Minister-Präfidenten au_szuub_endes Recht zugetheilt werden soll. Diese Berufung wurde fur Lebenözeit gelten. Auch ist es im Plane, nach dem Mufier des Französischen Senates durch das Abgeordnetenhaus gleichf_alls eme Anzahl OberhauSmitglieder wählen zu lassen, diese jedoch nur für die Dauer einer ReichstagsPeriode.

Schtveiz. Bern, 12. Juni. Die revidirte Ver- fassung des Kantons Schwyz wurde bei der Volks- abfrimmung mit großer Mehrheit angenommen.

_ __ Entsprechend den von Basel geäußerten Wünschen hat die christkatholische Synode bezüglich der Kultuskleidung und Kultussyrache beschlossen, es solle, bis die Synode selbst daruber definitive Beschlüsse gefaßt habe, den Gemeinden frei- stehen, unter den verschiedenen bei kirchlichen Funktionen in der kgtholtschxn Kirche gebräuchlichen _Kleidungen für ihren Gottes- dtenft dre emfachsie und würdigfte zu wählen, und ebenso solle es den Gemeinden, „aucb, gestattet sein, vorläufig die Meß- _gebete'und Meßgesänge' in das Deutsche zu iiberießen. Von *einer allgemeuxen Einführung der LandeSspracbe glaubte fie aber emßwetlen abirhenxzu müßen,- weil der Zweck dieser Reformen , nur durch vollige' Aenderung der Liturgie erreicht werden könne,. '

zwanges wurden von keiner Seite bekämpft und dann auch ein- stimmig angenommen.

Großbritannien und Irland. London. 11. Juni. Aus einer Anzahl von Schrift|ückeniiber die “zwischen Eng-

schwqchen Anhaltßpunkt für die beliebie Schwarzmalerej, allein

selbst dieser entschwindet angesichts der neuesten aus Konstanti- nopel vorliegenden Meldungen, nach denen Serbien dort die be- t friedi endsien und beruhigmdften Erklärungen eriheilte und sogar Vorwoche; die die Lombardforderungen im Betrage von 91,536,000 ck16 find gegen die Vorwoche um 135,000 «96, angewachsen; der Noten- umlauf von 881,642,000 «ib weiß eine Abnahme von 14,971,000-/M Legen die Vorwoche nach. Die täglich fälligen Verbindlichkeiten eliefen sich außerdem auf 218,772,000 «16 (gegen die Vorwoche weniger 845,000 M; die Verbindlichkeiten auf Kündigung in Höhe von 161,691,000 4/14 haben fich seit der Vorwoche um

Man wird fich nach Allem diesem vergebens bemühen, im

vom Auöwärtigen. Amt veröffentlicht werden, geht zunächst hervor, daß keine der beiden Regierungen von ihrem Prinzip abweichen wollte, obwohl man beiderseits zu kleineren Zugeßänd- mssrn berert_ war, die außerhalb des Prinzipes liegen. Die britische R_egt_erung hält daran fest, daß der AuSgelieferte nur wegen deS1entgen Verbrechens zur Untersuchung gezogen werden durfe, weswxgen seine Auslieferung verlangt wurde. Die ameri- kanische Regierung aber will fich nicht in dieser Weise binden lassen, sondern verlangt, daß der AuSgelieferte wenigstens Wegen aller mt Lxuslieferungsvertrage genannten Verbrechen untrrsuchi werde_n durfe, ohne Rücksicht darauf, was als Grund für die Auslieferung angegeben“ wurde. Staatssekretär Fifi; verweist in einem der Schreiben darauf, daß es der amerikanischen Regie- ru_ng L_iicht möglich sei, den Gerichtshöfen in dieser Beziehung Emschraniungen aufzulegen. Aus den Aeußerungen Lord Derby's 1|_ ersichtlich, daß die britische Regierung auch bei Abschluß eines neuen Vertrages auf ihrem Standpunkt be- harren wird.

_ _ Jm Uytrrhaus e eine Regierungsvorlage, betreffend die Verunretntgung von Flüssen eingebracht worden. Dieselbe richtet fich_gegen drei Arten von Verunreinigung: 1) d_urch_fesie Gegenstande, gleichviel welcher Art, also wesentlich dte_Hmderung des S_tromlaufs; 2) durch Kloakenflüifigkeit in Stadien; 3) _durch flussige Fabrik- und Bergwerksabgänge. Die Vorlage gewahrt den Sanitätsbehörden in ihren Bezirken gewiffe Befugnisse zur Regelung des Betriebs von Fabriken, welche den vorbeifließenden Strom benußen. Wo die Ableitung der bisher in den_ Strom geführten Kloakenflüssigkeit angeordnet wird, soll den stadiischen Behörden zur Herstellung anderer Einrichtungen Zeit gelasiew werden, Ueber Stromverunreinigungen dritter Gattung behalt iich das Lokal-Verwaltungöamt die oberste Auf- sicht vor, so daß also keine Verordnung zur Ausseßung ohne Bestätigung des Londoner RegierungSamts in Kraft zu treten vermag.

_ Der „Daily News“ wird aus Bristol gemeldet, daß die Ad - miralirät unlängst von allen bedeutenden Schiffsckigen= thümern im Vereinigten Königreich ein Verzeickzniß ihrer Dampfer und Segelschiffe nebst Angabe des Tonnen- gehaltes und der Zahl der Mannschaft verlangte, nach dessen Ablieferung eine Anzahl von Schiffen aUSJewählt und vor- läufig remiethet wnrde, das heißt die Admiralität machte die Eigentbümer verbindlich, eventuell diese Schiffe mit Bemannung möglichst bald nach erfolgter Ankündigung Seitens der Regie- rung zur DiSposition zu stellen. Die Zahlung wurde indessen noch nicht vereinbart, es wird diese Frage erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die Schiffe wirklich zur Verwedung kommen.

_ Amtlicher Anzeige zufolge wird am nächsten Freitag vor Mr. Roiherr) von der Admiralitäts-Abtheilung des hohen Ge- richtshofes eine Untersuchung über das Verhalten der Hafen- beamien am Bord des Schleppdampfers „Palmerston“ an- läßlich des Unierganges des „Strathclyde“ nach dessen Zusammenstoß mit der „Franconia“ eröffnet iverden.

Frankreich. Paris. 11. Juni. Die hiesigen Blätter haben die Erklärungen Disraeli's fast durchweg mit Freu- den aufgenommen und find den friedlichsten Hoffnungen geneigt. Als Hauptergebniß des von ihm aufrecht erhaltenen Einver- ftändniffes der Mächte wird der auf Serbien geübte Druckbe- trachtei, eincm raschen Friedensbruckg sei dadurch glücklick) vorge- beugt und die Türkei habe fich auf den richtigen Weg begeben. In Europa sei durchaus der feste Wille vorhanden, den Frieden nicht zu stören.

_ Die Beraibungen über die GeschäftSordnung im S Mai find nun beendet: ,nur ein einziger Artikel gab zu leb- hafteren Debatten Veranlassung, nämlich Art, 130, welcher'be- stimmt, daß, wenn ein vom Senat angenommenes Geseß von der anderen Kammer geändert worden, der Senat, ehe er an die neue Béraihung geht, eime Kommission ernennen kann, um mit der Deputirtenkammer fich vorher über einen gemeinsamen Text zu verständigen. Diese Bestimmung wurde lebhaft von der Rechten bekämpft, aber endlich angenommen.

_ In der Depuiirtenkammer hat, wie bereits gemel- det, M. Laisant einen von 127 Abgeordneten unterzeickzneten Antrag auf Abänderug des RekrutirungSgeseHes vom 27. Juli 1827 eingebracht. Derselbe verlangt Reduzirung der Dienstzeit in der aktiven Armee von fünf auf drei Jahre; ferner sollten die Beßimmungen über 'die bedingungsweise ein- jährige Dienftverpflichtung dahin geändert werden, daß nach dem ersten und zweiten Dienstjahre in der aktiven Armee die- jenigen Mannschaften, welche eine hinreichende militärische Aus- bildung nachweisen könnten, in die Rejerve des stehenden Heeres eintreien dürften, nachdem fie vor einer Kommisfion ein Examen bestanden." (S. u. Versailles.)

Versailles, 12. Juni. (233. T. B.) In der heutigen Sißung der Deputxrtenkammer interpellirte Laisant (radi- “kal) den Kriegs-Mimster über die kürzlich erfolgte Ernennung von zwei Offizieren, welche er als illegal bezeichnete. Der Kriegs-Mintster wies die Legalität der Ernennung nach und der Zwiscbxnfall wurde damit geschlossen. _ Im Weiteren Ver- laufe drr _Sxßung brachte L er is ant einen An tr a g ein, dahin gehend, die Milittardtrnftzeit auf 3 Jahre herabzuseßen und das Institut der Emjährig-Freiwiiligen abzuschaffen. YDer Kriegs- Minister sprach sich gegen diesen Antrag aus, ebenso Gambetta, welcher erklarte, die Zeit für derartige Aenderungkn sei noch nicht gekowmenz: das Budget und die Rekrutir'un 'der Subaltern- o_ffiztere ließen die Annahme-des Antrages ni t zu, 'der jsdoch' " einer reiflichen Ueberlegung werth sei. Der Antrag "wurde schließlich mit 238 gegen 197 Stimmenabgelehnt.

Italien. Rom, 10. Juni. Der König wird die Hauptsradt nach Empfang der marokkanischen“ Gesandtschaft; welche m den erßen Tagen der nächsten-Woche erwartet wird, verlassen.

_ Der Artikel des „Diritto“ über “den Bestand der italienischen Armee hat hier und da Kriegsbefürchtungen er- weckt. Um die Gemüthcr wieder zu beruhigen, erklärt daher das „Diritto“ vom 7.: „MancheZeitungen haben unserm das italienische Heer bxtreffenden Artikel eine Bedeutunggegeben, die evnicht hatt'e und n cht haben- konnte. Es , ist darin weder von Militärkon-»

gefahren die Rede, sondern wir konstatirten nur unseren gegenwärtigen Heercsbeßand, um zu zeigen,:daß Wir nicht mehr von Ereignissen überrasYt werden*x-können. Italien, wir müssen es. wiederholen, wi d

* aiion,'_

muß die' Sfimmewiner _großétl7 melché verlangt,

man“ ißt? Gehör schenke und.“ "Riekjkikng trage, vpn diem Béwii

sein irer,.KraftU-getragen„*Werdén-Z Die 'iialiéjii

“land und Amerika streitige „Auslieferungsfrage, die

fürchtet,“ wird ihrem friedlichen Programme, welches auch das

vention mit anderen Mächten noch von drohenden Kriegs-*-“-4

__ _ en Friedrn. Aber in der 641? bedenklich'etiiLrige, in Welcher““.st_ "Europa gégriridärtigbe nFéß,

. e“*Ne ier?" ;? wir behaupten es“" mit jener Sicherheit,“ welche keiter Widkez'rspYFh '

ro ramm des anzen Landes ist, treu bleiben, aber sie ist auf ?Zrerg Hut und ghegt das Vertrauen. chß ihre Raibfchlage zu Gunsten des Friedens nicht allein nicht uberhöri, sondern auch mit Erfolg vernommen werden.“ _ _ _ Der Minifter der öffentlichen Arbeiten wurde m der vorgeftrigrn Kammersißung durch dre Abgeordneten Gindici und Beriano über den Stand der Arbeiten und iiber die Lage der Gotthardbabn-Gesellschaft gefragt. Seine bereits telegraphisck) kurz mitgetheilte Antwort schloß mir der Versicherung, daß die Regierung vdm Parlamente keine höheren als in der Berner Konvention festgesetzten Subfidien zum Bau der Gotthardbahn verlangen, werde, zumal ße größer seien, als die von Deutsrhland _be- willigten. Der Minißer fügte noch hinzu, waw forme "nicht behaupten, daß die Gesellschaft ihre Bauverbtndltchketien iiber- schritten habe, und sprach das Vertrauen aus, daß _fie _1l)r_en Pflichten nachkommen werde, indem er betonte, daß die italie- Uische Regierung ganz energisch auf den Vollzug der Berner Konvention bestehen werde. _ _ _ Den „Ital. Nachr.“ zufolge hat der Madrider Nuntius dem päftlichen Stuhle ein Memorandum dcr_span1sch)en Bischöfe zugesandt, worin diese anfragen, wre sie sich der neuen Konstitution gegenüber zu verhalten haben und der_Paxxft hat dieses Memorandum einer Kardinal-Kongregaiwn uberwre- sen, welche am 9. d. M. Vormittags zur Berathung zusammen- geireten ist. _ _ _ Der klerikale „Monitore“ von Rom, welcher i_ur die Betheiligung der Klerikalen an den Wahlen fur_ die Kommunal- und Provinzialräthe kämpft, erklart, daß zu seinem großen Bedauern die Gegner jeder Wahlbeiherlrgung _1er der vom Papsie und Bischöfen und Erzbncböfew gebilligten Be- schlüsse der Katholikenversammlungen m Venedig und Florenz es durchgesetzt haben, daß beschlossen worden i_st, an den bevor- stehenden Administrativwahlen keinerz Antheil zu nehmen. _ Nach anderen kierikalenBlättern w1rd am Sonnabend L_ibend eine deuische Pilgerkaravane von mehr__als 300 Kopfrn untrr der Leitung von fünf Bischöfen, dem Fursten Lowrnftem und Baron Loi; in Rom eintreffen und dem Payfte _am Iabres- tage seiner Krönung und Erhebung "auf den papstl1che_n Srrrhl ihre Aufwariung zu machen.. _Demnachst wollen fie die Petiig- thümer von Loretta und Subtaco besuchen._ _

Türkei. Konstantinopel, 12. Juni. _(W. T. B.) Der Sultan Hat den Großvezier aufgefordert, ihrn noch im Laufe dieser Woche das von ihm verfaßte _Regixrnngs = programm zu übergeben, indem er sick.) genetgr erklarte, das Programm, welche?: ihm in den Grundzugen bereits de_lannt ist, anzunehmen. Midhat Pascha ist mit chr AUSarbetiun-g des Projektes für den neu zu bildende_n Nattdnalratl) betraut worden, welcher sich ausschließlich mri den Finanzen beschaftigen und das Budget berathen soil. _ _

_ Der Scheik-Ul-Islam hat in den 1urk1schen Jour- Ualen folgende telegraphisck) bereits erwähnte B c k ann i ma ck u ng an die Adresse der Softahs erlassen: _

Es ist zu meiner Kenntnis; gekommen, daß in den leßiZi T_agcn mrbrere tadelnöwerihe Ereignisse unter den Talebes (den «indiren- den) vorgefallcn. Ailerdings finden sicb m ailrn KlZffext der Gesell- schaft unwissende Menschen und die kein Gerrnffen _fur ihre Pflichten haben, aber die Softahs, welche die Kiiisie der_Siudrrendew aUSmacben und iolglich gebildete Leute sind, Welche die relrgw'en Vorschrrften kennen, dürirn sicb nicht unziemliche und iadelpswerthe Hz_ndlungen erlauben. Ju Folg'c dexfen babe ich für nothWendig erkannt, rbnen folgende Berbgl“ rungsma regeln zu geben: Die Talsbrs soÜerZ sicb fortap ausschltef3l1ch mit ihren Studen befchäftigrn und ihre Zeit nicht mri dem Besu_ch der Kaffeehäuser und öffentlichen Orte verlieren, um sick) dem TU_C- Trac, dem Dame-Spiel und anderrn Vergnugungen hinzugeben, dre ihnen durch das RsligionSgeseiz verboten find; fie Wilen es unterlassen bewaffnet und in Gruppen einherzugeben und, mit einem Wort, sick) nicht Handlungen bingeben, ivclcbe mit dem Anstand und der muiel- "maniscben Moral im Widerspruch stehen. _

Wer diesen Anordnungen entgegen bandeii,_ bat die Vcraiztwort- lichkeit für seine Handlungen zu tragen. Spsziai-Mcsmurs,_ die vom Srkeik-ul'JSlam Kapussu ernannt sind, Werden die dannder Han- delnden der Polizei anzeigen und ste zur Bestrafung verhaften lassen.

_ Der „Politischen Korrespondenz“ gehen aus Belgrad weitere Mittheilungen über die Antwort der serbisch e_n Regierung auf die Anfrage der Pforte, beireffrnd die in Serbien vorgenommenen Rüstungen, _ zu. Hure_h dieselben wird bestätigt, daß die Antwort_ du_rchaus_m versohnltchem Gerste gehalten ist und den ernsten aufrichtigen Willen der serbisch_en Regie;- rung, den Frieden nicht stören zu wollen, zum Ausdruck bringt. Die serbischeRegierung habeeigenilick) niemals an Ruftungen gedarht, sondern wolle nur ihre Militar-Orgamsation iiach dem Prm_- zipe der allgrmeincn Wehrpflicht volle_nden. Die 111 letzter Zeit erfolgten Offiziersernennungen entsprachen dem _nnormalen_Bech dürfnisse. An Krieg oder Bedrohung drr Iytegrttat_der Turkei habe die serbische Regierung um so weniger denken konnen, als die Erhaltung dieser Integrität gerade d_urch_ _das hohe Interesse Serbiens begriindet sei. Was die zeitweilige Besxßung der Grenzen anlange, so sei die serbische Regierizng z_u dieser Maß- regel durch die außerordentlichen Verhaltnisse m den Grenz- provinzen und namentlich durch die gewrß gegen den Willen der türkischen Lokalbehörden vorgekommenen Verleßungen des ser- bischen Territoriums genöihigiworder). Uebrigens liege drr ser- bischen Regierung die Regelung einiger im Laufe der Zeit hrr- vorgeiretenen Schwierigkeiten am "Herzen und werde ße zr: dte- sem Zwecke einen Spezialbevollmachiigten nach Kon antmopel

entsenden. Die Antwort schließt mit der Versicherung, daß_es der konstante Wunsch der serbischen Regierung sei, mit der iur- kischen Regierung die besten Beziehungen zu unterhalten. _ Aus Nagus a meldet das ,.W. T. B.“ u_nter dem 12. Irmi: In Folge der Seitens der türkischen Regierrrrig e_r- lassenen Amnestie waren bis jeht von hier acht Familien in ihre Heimatl) zurückgekehrt. Zwei Mitglieder derselben sollen am 10. d. in Ravno von Muhamedanern ermordet worden sein. Die hier weilenden Emigranten haben noch auf zweiTage Unter- ÜÜYUUJ erhalten, dieselbe soU ihnen indeß fernerhin, wie ver- sauter, nicht mehr gewährt werden.

"- UW“ die bulgarische Insurrekiion wird der „Pol. Corr.“ aus Rustschuk vom 5. Juni gemeldet:

Der bulgarische Aufstand greift immer mehr um sich, Wenn man die Eruptionslinie des Aufstandes ge_nau ins Auge faßt, so muß man zur Ueberzeugung_kom_m_en, daß die Lciter der Bewegu_ng das ganze Gebiet. Welches sudweiilich von der Donau liegt, und im Norden sich bis Turtukan, im Westen siknsettH Bgzardjik, im Süden bis Edtineh (Adrianopel) und im Oten_ bis uber Samakow sich erstreckt, zum Jusurrektionsschauplaße bestimmt haben. Es ist dies

,ein durchgehends gebirgiges, von einer zähen und tapferen B'eöölkeiiiiis'

bewohntes Gebiet. Nachdem die Gegenden um_Pb111ppoyxl, Tatar. bazardjik, Slivno, Jamboli, Trnova, Gabrova, Jchttman und Samokowo bereits insurgirt find, soll sich die Insurrektion nun a_uch dem Herzen Bulgariens nähern und Wurde das Signal gegeben, dre Gegend von

zwischen dieser Städt und Nikopoli. Um _Sisiow herum liegen sebr schöne„große Dörfer, welche von einer Bevolkerung bewohnt find. die an allen Aufständen voii 1862, 1867 und 1868 lebhaften Antheil ge- nommen bat. _

Ju Oftscba, eiuem'der größten Dörfer, haben die Agenten des bulgarischen Central-Comité seit Wochen den _Aufstand, der die ganze Casa (Bezirk) umfassen soll,_ vorbereitet und orga- nifiri. Die Dorfäliesten, duni) _ dre _furchibarsten Dro_- bungen eingeschüchtert, wagten es _mehr, die Aufstandsvorberet- tungen zu vcrratben, die Geistlichen und Schuliebrer be- ibeiligten sich aktiv daran und so kam cs, daß d1e_Vorbere1iungen zu Ende geführt werden konnten, ohne daß die Beborden auch nur das Geringste geahnt haben. Am 3. Zum gab Jvantscba, der vom Comité nominirie Chef, das Signal und dre Flammrwdes Auf- standes ichlugen in der ganzen Gegend _empor. Hamero, _eme bedeu- tende Ortschaft. hat am selbigen Tage ihre Mannschaft mri jener von Ofticba vereiknigi und find in diesem Augenblicke ber 3500 Insurgenten bei Oft cba onzentrirt. _ _ _ _

' Alix gestern im hiesigen Konak des Vall dre Nachr1cht von dieser Vewcgung einlief, War man gan_z raihlos._ _Das Erste, Was man be- nötbigt, sind Truppen, und die e sind Uicht z1zr and. _Es wurde also Fazyi Pascha benacbricbtigi, fick) m aliqér Eile unt seiner ganzen Truppenmacbt gegen Sistow zu wenden. -

Rußland und Polen. Si. Petersbirrg, 11. Juni. Der türkische BotschafteramhieftgenHofe,_KabulPascha, ist Seitens der Hohen Pforte aufs Neue in seiner Stellung be- glaubigt worden. _ _

_ Der „Turkestan-Zig.“ zufolge werden__dte Einnahmen der Provinz Ferghanah auf 679,000 Rbl._fur dieses und auf 1,360,000 Rbl. fiir das nächste Jahr, die Verwaltungskostrn werden auf 391,700 Rbl. für 1876 und auf 523,900 Rbl. fur 1877, und die außerordentlichen AUSJaben auf 1,662,300 Ndl. geschäßt. _ Dasselbe Blair zeigt an, daß die Befesttgrmgöarbetten der Stadt Kokhand am 19. März beendet waren.

Dänemark. Kopenhagen, 11.Juni. Im Folkethinge fand gesterrt die zwri::e Lesung des Geseßentwurfes, betreffend die Bewilligung von 2 Millionen Kronrn zur _A_nschaffung _von neuen Feldges ck)ü153n, siatt. Dcr Krwgs-thfter konstairrie, daß zwischen Regierung und Audschuß __m_Beireff des Inhdlts des Geseßentwurfes Einigkeit sei. Bezugltch der_ Klage uber die Langsamkeit der Proben räumte e_r em, daß er mit voller Ueberlegnng unterlassen, _emr_n Druck aui die Artillerie auSzuüben; diese sei namlich lange Zett der Meinung gewesen, eine Vorderladungskanone_ e_rhaltexr zu können, welcbe der Hinterlqdungskanone ebenburrtg __ sei. Gerade die Langsamkeit, womit die Sache behandelt, burg; dafür, daß das Resultat, wozu man gekommen, das beste sci. Nachdem noch einige Redner gesprochen,_ wurde der Uebrrgang des Geseßeniwurfes zur dritten Lesnng m1tallen gegen 2 Stimmen angenommen. __

_ Ein sozialistischer Kongreß, zn welchem Nedrq- sentanten der verschiedenen hier im Lands bestehender: sozialtsri- schen Vereine erschienen waren, wurde m_de1_1 Tagen Vom 5. bis 9. d. M. hierselbst abgehalten. Rachdreitagiger Berhqndlung, während welcher von Seiten einer Mindrttät gegen Pro ein Theil Opposition gewacht wurde, weil er, wie man memie, die sozialistische Partei „zu monarchiich“ organisiren wolle_, wurde da_s „Programuz der dänisch-n sozialdemokratiickzen Pariet“ sowie die „Staruien

der Partei angeuommen, welche beiden Akienstucke m der gestrigen Nummer des „Soz.-Dem.“ veröffentlicbt werden. Als das _zu erstrebende Ziel der Partei wird ,ein frrier Staat und xine sozialißische Gesellschaft“ erklärt; die „Arbeitsmittel“, welche_]eßi „,das Monopol der Kapitalisten“ sind, sollen „gememsckzaftitcbes Eigenthum sein und allen M.'tgliedern der Gesellschaft zur Be- nußung ßehen;“ das „System der Lohnarbeit“ m_trd abgeschqfft und die Lösung der sozialen Frage _soil Mit _der „Em- richtung von Produkiionövereinen mit Siaaishuife _unier demokratischer Konirdle des arbeitenden Volkeö“ _begmnen. Fiir Industrie und Landwirthscbafr werden_ d!e_ _Prd- dukiionSvereine auf die Weise e:ngerici)tet,_ „daß die sozialistiscye Ordnung axis der gemeinschaftlichen Arbeitentstehen kann.“ Die Ländereien der Predigerhöfe sollen eingezogen und alle zum Verkauf stehenden Landgüter vom Staare angekauft und an Häusler und Tagelöhner verpachtet werden. Als „Fundament des Staates“ werdén schließlich eine Reihe Forderungen auf- gestellt, wie z. B. „direkte Geseßgebung durch das Volk“, aus welcher hervorgeht, daß die Sozialisten die bestehende Verfassung vollständig aufgehoben wissen wollen.

Amerika. Washington, 13. Juni. (W._T. B.) _Ter Präfidenischastskandidat der republikanischen Pariet, Bla1_11_e, ist von einem Schlaganfall geiroffcwworden u_nd schrettei 1eme Genesung nur langsam fort. Se_m Erfolg m_der demriäci)st zuiammentreienden Nationalfonventwn m Cincinnati ichemt demnach zweifelhaft.

Haiti. Port au Prince, 1]. Mai. Arzf die i_m- rulzig'en Zeiten hier ist nun völlige Ruhe gefolgt , die Gxsrhafte gehen ihren gewöhnlichen Emig. Das revolutwnare Counts h_at eim; aus fünf angesehenen Männern bestehende provisorische Begiex rung gewählt, an deren SpiHe_Bo1ffond-Canal als Prasidrnt steht. Man ist mit den Vorberemmgen zu den Wghlewbeschaf- tigt. Die nächste Ausgabe der neue_n Kammer wxrd dre Wahl eines neuen definitiven Präsidenten sem. _

Venezuela. Caracas, 11. Mai. - Unsere _K1_rche_n- frage ist durch eine vorgestern vom Ge_samm_t-Mm1siertum 1111 Auftrage des Präfidenren dem Kongreß eingereichte Boisch_aft_m ein neues Stadium getreten. Der _Prafident fordert volistcxndige Lossagung von Rom, Gründung eiiier venezolanischen National- kirche, in welcher von den Gläubigen die Priester, von _den Pfarrern die Bischöfe und der Erzbischof vom Kongreß gewahlt werden. _ _ _

In seiner Antwort konftaitrt der Kongreß sem Einver- ßändniß mit dem Vorschlage des Praftdenten, weil alle Versuche gütlicher Einigung mit Rom erfolglos _ sei die AUSarbeitung de_s Geseßes, betre end die Grundung einer unabhängigen Nationalkirche bereits in Angriff genommen.

Afrika. Marokko. Aus Casablanca, 23._Ma1, geht der „Osts. Ztg.“ ein längeres _Sohreibetr eines deutichen Kauf- manns zu, in welchem auf dre gunstige Lage Marokkos als DurchgangSpunkt für den Waarenverkehr mit dern Sudan und dem Innern élfrikas aufmerksam gemacht wrrd, und an dessen S in es e t: ' ck „Zo: eiliiigßer Zeit heilten wir in Casablanca einen bo_bet_1 Gast zu empfangen, nämlich den “Kaiser von Marokky. Selbst die altestrn Leute wußten sich eines Kaiserlichen Besuches nicht _zu ent innen, und nimmt man daher an, daß es das erste Mal in diesem abchundezt ist, qu'zch de'r S_tadxö diese _lxok)eröf§rh_ch_e1 Lu Theil wurde. Kern euro 1 er ür an e mr g tre'tekl als derFKasiser von Marokko,. und von dem ungebemen Luxus;

eblieben seien. Deshalb“

Pomp auf Reisen auf-8

fich der Kaiser drei Tage lang hier auf. De_n ersten Tag uber vee- weilte Se. Majestat vor den Tboren in einiger Entfernung von der Stadt, bis fich der ganze Troß, 25,000 Mann stark, gesamrzielt harre. Vom Morgen bis zum Abend wurden von den Forts_ sowie um die Stadt berUm Salutscbüsie elösi und am nachsten Mo_rgen hielt der Kaiser mit 14, Mann _S_oldaien, darunter 6000 Reiter und 24 Kanonen, seinen feierlichen Einzug m die Stadt. Die bunte Armee bietet emen iniexeffanien An- blick dar. Diöziplin und Ordnung find unbekiznnie Dinge, u_nd Wer diese Armee gesehen, der wirdfich saacn mussen, daß sie im freien Feld einer geordneten europaischen Truppenmacht unmoglich widerstehen kann. Nachdem der Kaiser u_nter Kanonendonnxr dre Forts inspizirt hatte, kehrte er in sem Lager zuruck. _Am , Thore der Stadt, Welches er zu paifiren hatte, war em Regiment der Kaiserlichen Leibgarde ais Ehreiiwackw aufgestellt und auch sämmtliche europäische Konsuln erhielten neben ihrer gewöhn- lichen MilitärWacbe eine solche wahrend des Aufenthaltes Sr. Majestät in Casablanca. Am Abend f_and vo_n Seiten des englischen Konsulats zu Ehren de.? Kaisers etzt großes Feuerwerk stalt, und am nächsten Vormitiag begaben fich_ sammtlrcha Konsuln in Gala-Uniform, sowie Reprasrntanten der hiesigen card- päiscben Kaufmannschaft zum Kaiser, um ihm der _Landessttte gen/rgß als Zeichen der Ehrerbietung ein Geschenk zu_ ubrrbringen. Se. Majestät empfing die Herren mit großer Freuydlickykeit, und nachdem er sich sehr zufrieden über ihr Verhalten und ihre Bestrebmqgen aus- gesprochen, beehrte er sie mit reichlichen (Hegengetcbenkxn. Darauf feste der Kaiser seine Reise nach der RiÖUMJ von Melilla fort.

Ncichötags : Angelegenheiten.

Berlin, 12, Juni. Ja der gxstrigen Sitzung der _Jusiiz- kommission des Deuticben Rerchstages wurde zunachst vom Abg. Miquel der gegen Ende der voriger) Sessionbxantragte Zuiaß zum §. 123 der Strafprozeßordnung, daß im Scrutrpmivrriabren auf Antrag des Beschuldigten zur_Festsiel[ung _erbebltcher Entlastungs- gründe der Richter verpflichiet_fein soli, auf die entschiedwen und e_m- gehend motivirten Gegenerklarungcn der Bundeskommrssare zuruck- gezogeu und an deffen Stelle auf den Antrag deffxlben Abgeordrjeteu und des Abg. Pfafferott eine neue Bestimmung [)mter §, 140 einge- fügt, welcbs folgendermaßen lautet: „Brantragt _der auf Anirczg der StaaiSanwalticbaft vernommene Beschnidtgie zu ferner Entlastung rx! Ge- mäßbeit des §. 123 einzelneBeweiserhebungen, und erachiet derAwtsrtchter dieselben für erbeblick), so ist dcm Anirage m sbwert siattzu- geben. Drr AmtSrickytcr hat der Staatsanwaitschaft bei R_uck_sendung der auf deren Aktrag gepflogenen Verhandlungen ugverzugliä) von seiner Anordnung Kenntnis; zu geben. Er hat demnachst_die aufge- nommenen Verhandlungen der StaatSanwaiischaft zu ubersenden. Von Untersuchungsbandlungen, durcb welche die Spuren _der straf- barrn Handlung verwischt oder einer wrederboiten Besichtigung ent- zogen Werden könnten, ist dem Staatöanwalie, Wenn ibunlicl), so recht- zeitig Kenntniß zu geben, daß Leßtercr ber Vornahme derselben an- tvesend sein kann.“ _ Entsprechend diesem von der Jommrffiowge- faßirn Beschlusse wurde dem §, 139,1 folgender Saß angefugi: .Die Staatöanwaitscbait hat bei der Erforschung des Sackwsrbalts; nicbt blos die zur Belastung, sondern auch die zur Enilastyng des Beschuldigten dienenden Umstände zu erwiiieln rznd _sofern eme Vor- untersuchung von ihr nicbt beazitragt wrrd, fur die Erhebuwg der- jenigcn Beweise, deren Verlust fur dre Hauptverhandlung _z1z besorgen steht, oder déren Aufnahme zur Vorbereitung der Beribeidigubg des Beschuldigten erforderiick_ erscheint, Sorge zu_ira_gen. __ Hrerauf begann die Kommission die Beraibung des Abicbmites ub__er die ge- richtliche Voruntersuchung _und nczbm Nr. 2 des §. „49,2 auf den Antrag des Ab» Wolffson _ m_ Folgender Jaffyug an „(In Strafsachen, Welche zur Znsiandtgkert der Landgerichte ge- hören, findet die Voruntxxsuchung statt:) Wenn der Au- gescbulbigie dirfelbe in Gemaßbeit des §. _1653_ beantragt und er- hebliche Gründe giltend macht, aus denen_etne Bor_unt_criuchung zur Vorbereitung seiner Vertbcidigung erforderlich e_rfchemi._ Der Be- schluß der Kommission in erster Lesung, dgß dre Verfugung, durcb welcbe dis Voruntersuchung eröffnet worden tit, v_on der StaaisZnWalt- schaft erst angefochten werden kann, wurde gestrnben uud dafur auf den Antrag dcr Abgg. Becker und v. Schwarze folgende Bestimmung genehmigt: „Gegen die Verfügung, durcb welche auf _Antrag der Stnatöantvalticbafi die Voruntersuchung eroffnrt worden ist, kann der Angeschuldixzte Widerspruch erbében, wenn er behaizpiet, daß das Ge- richt unzustandig oder daß die Strqfverfolgung uber die Vorunter- suchung unzuiäifig sei, oder daß die in dem Antrags bezeichnete That nicht unter ein Straigesxß kalle. Ueber den Widerspruch- beicbließt das Gcrickt. Der Beickzluß kann von dem L_ingeschuidrzten nicbt durch BeschWerden angefochten werden.“ Dir Kowmtssidy _ge- langte in ihrer gestrigen Veraibung _bls zu_§. 160 einschließlich, indrm fie zu §§. 156 und 158 noch einige Weniger Wesentliche Aban- derungen der Beschlüsse in erster Lesung genehmtgie.

Statistische Nachrichten.

Das Bureau Vrritas Vélöffentlicht folgende Statistik der im Monat April d. J vorgekommenen Schtff_sunfalle. Von Segelscbiffen sind zu Grunde gegangen; 28 englische, _10 deutsche, 8 französische, 7not1vegische, 7niederi_andtfch_)e,_6amerikanische, _4 schwe- dische, 3 dänische, 2 italirnische, 1 osierrctchisches, 1 portugiesi1ches, 10 mit unbekannter Flaggis; dabei find 5, die als verloren anaesehen werden, Weil man keinerlei Nachricht von _1hn_en_bat. Von_Dampf- schiffen: 4 englische, 1 amerikanisches, 11ta11en1sches, 3_m1t unbe- kannter Flagge; darunter ], das als verloren angesehen wird. .

_ Das russische „Unierrichtsblaii' „giebt eine Ue_bersicht uber alle in Rußland befieberden mittleren und h_oheren Lehr- anstalten. Danach besaß Rußland an Umversxiaien 1866 die von St. Petersburg, Moskau, Kasan, Charkow, Kiew,_Odeffa. und Dorpat. Von 1866 bis 1876 sind errichtet: die/Zimverfität von Warschau, das l)iftorisch-pbilologiich_e __Jnsiitut von «t. Petxrs- burg, daS'dcs Fürsten Vezborodko zu Nr*:]me, das Lazaren-Jnsirmt für die orirntalrschen Sprachen in Moskau,_dgs Ackerbau- und Forst-, Institut in Neu-Alexandrien, drci Vciermar-Jnsittute zu _Kafan, Charkow und Dorpat und das iuridtfcbe Demidrw-Jnstitut_ zu Jaroslaw. Mittlere Scbulen bestanden 1866 im Ganzen 128. nämlich 101 Gymnasien, 7 Progymnafien, 11 Gewerbe- und 9 Normalschulen. Von 1866 bis 1876 wurden gestundet: _32 Gymnasien, 62 Progymuaficn, 42 Gewerbesxbulezi trnd 62 _Svezxalq Normal- und Handels- und Gewerkschulen. Dafur liefern d_1e StZdte und Distrikte jährlich einen Beitrag von 678,187 Rubel. Fur M ad- cheu bestanden vor 1866 39 Gymnasien und Schulen tt_sten Ran ei und 55-Pro ymnafien und mittlereSchulen; von 1866 bis 1876 _ gegründet 28 Gymnasien und _93 Prozzvmncxfien. Auch fur ,die Kirghisen find viele Schulen errichtet, dre binden und sicb. guter Frequenz erfreuen. Selbst unter der nomadrsirenden Bevolxerung hat man mit Erfolg begonnen, den UUtericbt zu i_ördern; m den Hauptorten der Distrikte werden Pcnfionaie und Erziehungöansialtm gegründet.

„Kauft, Wissenschaft und Literatur.

ad Nauheim ist am 10. Juni“ 1)r 111901. und phil. JuliZsu-HYmich Petermqnn, Proreffor an der hiesigen Universität und Mitglied der Akademxe der Wijienscbaften, gestorben. _Peter- “mann, geb, 1806 zu Glauébau imKönigretckz Sachsen, lebte se1t1837 als außerordentliche: Professor zu Berlin_ und hat sich besonder? zun die armenische Sprache und Literatur verdient gemacht;_se1ne l_atetmsrb geschriebene Grammatik der armenischen Sprache erschtxn 1837; "M der „Doria Ungnarurn orienraünw“ die das Arabische bebandelmlze. Abtheilung 1840. die chaldäiscbe und armenische Abtheilung 184- *

Si tow (bulgarisch Swistowo) zu insurgiren. Sistow, eine bedeu- tensde Handelsstadt, liegt südöstlich von Rustschuk, auf halbem Wege

mit Welchem rer Kaiierlicbe Höf umgeben ist- kann man fich)“ Deutschland schwerlich eine Vorstelung machen. Im ganzen hielt

die „Reise in den Orient“ 1862.

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