1876 / 140 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 16 Jun 1876 18:00:01 GMT) scan diff

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. die erbebMde

- Deutschen zwar wenigen Eriaß; deutscher Fleiß, deut

Berlin, “am 16. Juni 1876.

Die jetzt nach denküxfiicbenGewäffern enl aniten Geschiväder der größeren eur,?„ßäiickicn Flotten,we1 einitAufang )aää)sten Monats kaaUSsiÖkl'; vouzäblig versammelt sein Werden, rev'räsentircn eine Streümacbk zl'.c ee, wie sie in yeuerer Zeit moch uicht vereixiiqt gewesen. Amzablxeicbsteu und stärksten m Bezug auf Maimicbaft, aitxlle- risiiiche Armrkag und nauiiirbe Konstruktion ist Großbritawnren vertreten. Da.;selbe bai entsandt reip. eniiendet dahin: 1) DaSeiserne Tburmschf ,Devastation" (800 Pierdekrafi. 4407 Tonnen Deplaye- Went, 4 3.“- TonSgesÜüße, 340 Mann Vesaßung), 2) das Panzerschiff .Hetkum' (1200 Pferdekafi, 5234 Tonnen. 14 Gesibuße, 631Matm, "davon 107 Mann Sessokeaten). 3) den gepanzerten S_cbraubendampfer ,Sfoifisure“ (800 Pfcrdekrast, 3774 Tonnen, 14 Gcichuße, 451 Mann), 4) den Panzer-Doppeiicbrauben-Dampfer „Invincibte“ (800 Pferde- kiaii, 3894 Tonnen. 14 Geschütze, 451 Mann), 5) den Paxizer-Scbrauben- dampfér „Pallas“(600Pferdskraft,2372 Tonnen,8 Geskbuße, 253 Mami), “5) dm Panzer-Schraubendampfer .Reiearck)“ (200 Pferdekrwst, I250 Tonnm,4Gefchütze, 166 Mann), 7)d1e S_cbraubenicbaluppe „Ra- Yde" (105 Pferdekrafi, 672 Tonnen, 3 (Hewhutze, 125 Mann), 8) das ', oppebschrauben-Kauonenboot„Bittern“ (160 Pferdckrast, 663 Tonnen, 3 Geichiiße, “90 Mann), 9) das Schrguben-Kavonenboot .Torsh' (80 Pferdekra'ft, 426 Tonnen, 5 Gaschuße, 67 Mann), 10) „den Raddampfer .„Hclicon“ (250 Pferdekrast, 837 Tonnen, 2 Geichuße, “73 "Mann), 11) den Raddampfer „Antilope“ (260 Pferdekraft, (550 Tonnen, 3 Geschütze, 60 Mann), 12) das Säzxguben-Kanonen- !)oot „Cokatricc' (60 Pferdekraft, 269 Tonxen, 2Geschutze, 46 Mann), 13) das Schrauben - Kanonenboot „Wizard“ (60 Pferdekraft, 270 Tonnen, 2 Geschütze, 40 Mami), 14) das Schrauben-Kanonen- Book ,Coquetie“ (60 Pfirdekraft, 295 Tonnen, 4Geichüße, 59 Mann), 15) das Kanonenboot „Ex reß' (60 Pferdekraft, 4Ges_chütze, 59 Mann), 16) die Segelschaluppe ruizkr“ (750 Tonnen, 5 ©e1cbü e. 89 Mann), 17) dasReskrvefahrzeug „Hibernia“ (2530 Tonnen, 16 “escbüße, 121 Viana), 18) den Kuiter „Azow“, Tcnderscbiff der „Hibernia'; mit YuEiiabme des lcßtgenannten Schiffes find dies 17 KriegSfabrzeuge, davon 6 Panzerichiffe, mit 107 Geickzüizen vou überwiegend starkem Kaliber, Und 2998 Mann Besatzung.

Hierzu treten noch die Panzerfckpiffe: 1) „Sulian“ (unter dem Kmnmcmdo des Herzogs bon Edinburgh) mii 12 Kanoven, 600 Mann, 2) „Monarch“ (Tburmicbiff mit 7 Kanonen und 530 Mann), 3) „Triumph“ (14 Kanonen, 460 Mann), und die beiden Thuxm- und Widdexschiffc, 4) ,Rupert“ und 5) ,Hotspur“ 4686 Pferdekrast, 5144 Tdnncu, 4 resp. 3 35 Toxisgeickoüize. Diese letzteren fünf zuiammen 40 Geschütze und circa 2300 bis 2400 Mann. In der Fertigsteksung begriffen ist außerdem das Panzerschiff .Ranleigh“ (22 Ge'schüize, 550 Mann), ferner wird (1112 Arbeitskraft konzentrirt, um die großen Panzer „Tunderer“ und „Jnconstant“ fertxg zu stellen. Der Befehlshaber der englischen Streitkräfte ist der Admiral Drummond.

Die französische Ekzcadre unter Conire-Admiras Jaurés besteht aus den Panzerfregatten 1) ,Gauloise“ (12 Kanonen, 580 Mgnn), 2) „Couronne“ (12 Kanonen, 600 Mann), 3) „Hetotne“ (12 KanonenQ 580 Mann), den Scbraubenkorvetten 4) „Chétteau - Renard“ (5 Kanonen, 210 Mann) und 5) „Deiaix“ (4 Kanonen, 157 Mann), 6) dem Kanonenboot „Gladiateur“ (4 Kanonen, 70 Mann), 7) dem Schraubenaviso .Ducouccic“ (4 Kanonen, 154 Mann) und 8) dem Radaviso ,Pétrel“ (2 Kanonen, 66 Mann), im Ganzen 55 Geschü e und 2417 Mann. Ausserüftet wird 'in Toulon die Panzerfregaite ,Daboie“ (12Kanonen, 580 Mann) zur Rescrye, ebenso sieht man der Indienststellung der Panzerfrcgatte ,Maguamme“ (12 Kanonen, 580 Mann), und „Marengo“ entgegkn, ohne daß bisher eine Bestimmung über dieielbe getroffen worden ist.

'Das deuts ck e Geschwader zählt die beiden Breitieiwanzerfregaiten

KFUÄLX" und .Deutickyland“ zu je 8000 Pferdekraft mit je 9 Ge- xchußen (8 26*Centimeter-, 1 21-Centimeter-Kauone) und je 6i0 Mann Beiaßuns; die Panzerfregaiten „Kronprinz“ (4500 Pferdekrait) und „„Friedrich Call“ (3600 Pferdekraft), beide mit je 16 gezogenen 21-Centimetergeschüßen und 500 Mann besetzt und mit Ramwen zum Stoß versehen. Der Aviso „Pommerania“ m1t2 Geschüßen, 65 Mann, zusammen 52 Kanonen und 2265 Mann. Kommandirender ist der Contre-Udmiral Baisch.

_Oesterreich hat unter dem Befehl des Coutrc-Admiral Barrey vereinigt die Schraubenfregatte 1) „Radeßky“ (18 Kanonen, 453 Mann), 2) die Panzerfregatte ,Custozza“ (8 Kanonen, 507 Mann), 3) die Glattdecks-Korvette ,Frundsberg“ (4 Kanonen, 208 Mann), 4) den_Schooner „Nautiluß“ (2 Kanonen, 70 Mann), in Summa 32 Ge1chüße und 1238 Mann, welchen noch die Panzerfregatte „Sa- lamander“ und die Schrauben-Korvette „Zriny“ folgen werden.

R u_ß1an 17 hat unter Befehl des Contre-Admxrals Boutakoff 11. in dentürkiichen Gewässern: 1) die Sckxraubenkorvnte „AScold“ (10Kanoneu, 320 Mann), 2) die Schraubenfregatte .Swjetlana“ (18 Kanonen, 520 Mann), 3) die Schraubenkorvette „Soko!“ (11 Kanonen, 190 Mann), 4) den Schraubenschooner „Pfesuape“ (4 Kanonen, 52 Mann); auf dem Wege nach dem Mittelmeer befindet fich 5) die Panzerfregattc „Petxopawlosk' (24 Kanonen, 682 Mann), 6) den Schraubenklippcr ,Kreisier“ “(7 Kanonen, 176 Mann). Zusammen 74 Geschütze, 1940 Mann).

Italiens Floitenabibeilung unter dem Vize- Admiral de Viry besteht aus 1) den Panzerfregatten „Maria Pia“ (11 Kanonen, 484 Mann), 2) „Venezia“ (9 Kanonen, 550 Mann), 3) „Paleftro“ (7 Kanonen, 550 Mann), den beiden Schraubenaviio 4) „chkla“ und 5) „Mestxe“ zu 1e 2 Kanonen und 37 Mann, eine Streitmacht von 31 Gescbußeu, 1658 Mann.

_ JnTarent ist bereit, um unter Contre-Admiral Martini abzugeben, cm Panzergescbwader, befiehend aus den Panzerfregatten 1) „Ancona' (11 Kanonen, 484 Mann), 2) ,Castelfidardo“ (11 Kanonen, 484 Mann) und 3) „Conte verde“ (7 Kanonen, 440 Mann), während das Pan- zersxhiff ,Terribile' (8 Kanonen, 294 Mann) und der_Swrauben- Av?) „*Cariddt“ (6 Kanonen, 102 Mann) in Bereiticbaft gesevt Lver en.

„Endlich hat sich noch das grie chiscbe Schraubenkauonenboot „Sa- lammia“ und das Panzerichiff „Georgios“ deu vereinigten Flotten angeschlossen. Im Ganzen bilden dieselben excl. der griechischen Schiffe eiue Seemacht von 395 Geschüßen und 13,200-13,500 Mann.

Das numerische Verhältniß zwischen England und den anderen Mächten ist hierbei 14_7 Gcschüße und 3600-3700 Mann englischer- ieits, “zu „.ca. 250 Geschußea und 9500-800 Mann der anderen Flotten.

DieFeier der Eröffnung dEr deutschen Kunst- und uust-Industrie-Ausste[lung zu-München.

MÜn-„éhen, 14. Juni. Als die Mitglieder des Königlichen Hausks heut um 11 Uhr im Glaspalast ver'iqmmelt Waren, begann die Kapelle den MendelSsohn'schen Choral aus „Paulus' zu spielen. Nach den letzten Tönen trat Präsident v. MiÜer aus dem Halbkreis „hervor und redete OW Stellvertreier des Königs, den Prinzen L u i t p o_ld , „folgendermaßen au:

,.Kpmgliche Hoheit! Als uns die freudige Kunde geworden, Se. Majestät der Kömg habe das Protektorat für unsere Ausstellung zu Ubernehmeu Wahl, war fie von folgenden Worten geleitet: „Von dem edLen Wettstreite, Welcher durch solche Ausstellungen mächtig angeregt WM)- erivarten Se. Majestät mit Zuberstcbt den besten Erfolg fur _ flege der Kunst.“ Diese Zuversicht unseres Königs u_nd der Glan 8, daß das-deutsche Volk und seine Lt abenen Fürsten, eme große Idee ixderzeit mit Begeisterung begrü t, gab uns den Muth, em solcheß kuhuxs Unternehmen u wagen. .Die großen Welt- ausstellungen, diese frxedltcben Kämpße der Neuzeits, brachten den . e Ge cbickli - keit ward uns xwck nzrgeuds abgesprochen» aUein gaxboft fefhlte uebri- seren Werken die Weihe dex Sch5Yeiy welche die Kunst dem Fleiße zu geben vermag "- im La ._e _der Zeiten war sie ent- fremdet worden der Kunsx -- die larmende Werkstätte, sie zog sich zurück in ihre stilkxn Ratzme Vd,“ schWElate in höheren Sphären. - Unsere Väter kannkßn keine solche Trennung zwischen Kunst und Handwerk, das beweisen hier ihre WUUWVKTM Werke, an denen wir lernen wollen, an denen wir uns exhauen wollen. "" Diesen Zustand zu be-

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käu1pfen,_Künstler und andwerkek wieder einander näher zu brin- gen. beiieres Vkiständni * versuäwweiie anzubabnen, das andWerk durch die Kunst zu veredeln, Sinn für das Scböne alleui alben zu erwecken und zu Verbreitcn. das waren seit 25 Jahren die angxstrebteu Ziele des Münchener Kuv.stgewerbe-Vereins, desien icbönften Jubeltag wir heute feiern. -- Es war ein ichwerer Anfang für einen Verein, der mit so wenig Mitteln außgzstattet ift , eine so gewaltige Ausstellung zu unternehmen; Wklche Garantie konn- ten wir unseren Ausstellern bieten, falls wir Unglück Hätten? Da half die Hochherzigkeit unserer Mitbürger, die sick) mit großen Garantiesummen scbüßeud uns zur Seite steÜten - nicht zögerte auch die bayerische Kamuur, die Garantien zu genehmigen, welche unsere Siaaibregicrung für Uns erbeten, und gnädig unterstüßte uns unser erhabener Proteitor, das Beginnen zu erleicbtexn. -- So außgerüsiet, richteten wir uniere Biite, beizutragen zur Ehre der deutschen Nation, an alis: deutschen Vöiksrstämme, so Weit die dcuiscbe Zunge reicht, klang unser Ruf und fand Gehör all, überaÜ. - Kaiser und Könige, Fürsten, Kirchen und Gemeinden öffneten ibre Museen, Privaten ver- trauten uns ihre Schätze an und gar mancher Hausvater trennte sich vom liebsten Familienkjeinod, Auch selbst über das Meer sandte uns Ihre Majestät die Königin Victoria von England die deuiscben Arbeiten aus dem Kensingtoumuseum, _ Dank, innigen Dank Asien mit tiefster SGL]?! - Gilt es ja dem Rubine der Väter. -- So sehen wir hier nun die kostbarsten Schäße des Altkrthums in solcher FüÜe vereint, wie ste_uocb so vereint kein Auge früber gischen, und der Gedanke ist gewiß exhebend, es sind lauter Werke unierer Väter. - Wie erhebend aber mußte es für uns sein,. daß selbst Ihre Ma- jestät die Königin Vicioria die deutschen Arbeiten aus jeuen Museen gesendet und uns hmduxcb 21; ewigem „Dank vetpfiichtet, - Bald regte sich nun in allcn Werkstätten und Ateliers, die Jugend sandte die Erfolgs ihrer Studien aus den Kunstscbulen, die Architekten, diese natürlicbcn Vermittler zwischen Kunst und Handwerk, ihre Pläne, ein reiches Bild dessen, was dkutscher Fleiß und deutsches Handwerk ver- mag, Wenn es von Künstlern geführt, liegk vor unseren Augen, ein Anfang nur, ist es ein erster Ver1uch, dennoch laden wir ein aÜe Völker der Erde zu schauen, daß auch in diesem Falle wir eben- bürtig sind der Nachbarvölkcr. Königliibe Hobsit! Seine Majestät dcr König hat Eure Königliche Hoheit mit der Eröffnung dieser dkmschen Kunst- und Kunst-Jndustrie-Ausstcliung zu betrauen gerubt - wic biiteir, diesen feiexlicben Aki nunmkbr gnädigst bornebmen zu Wollen - mög? Gott iti dieser Zeit uns ('OÜLM und schirmen! Möge dieses Untexnehmcn Segen biingcn all' unern deutsckyen Brüdern! Das ist unsere Hoffnung, das wird für uns der reichste Lohn sein. (=?) Verseint gedeiheKunst uud Gchrbe fü: und für in allendeutfchen auen.“

Se. Kbnigliche Hoheit Prinz Luitpold bestätigte: hierauf, daß Se. Majestai All:“rhöchst ibn beauftragt habe, die Eröffnung der Ausstellung vorzunebmén, imd indem Höchstderielbe diese nunmehr für eröffnet erklärte, dankte Se. Königliche: Hoheit noch dem Präsidenten für die Ansprache. ,

Präsident v. Miller forbsrte nun die Linkveienden auf, mit ihm in ein dreifaches Hoch auf den erhabenen Protektor. diefer AussteÜung Se. Majestät den .Köxig Ludwig 11. einzustimmen, das tausendfältig wi§dterklang und mit der Nationalhymne, durch die Musik gespieli, en e e.

Nun begann die Vorstellung sämmtlicber Delegirken der auswärtigen Reaierungen, und zwar zunächst "dem Prinzen Luitpoid durcb Hrn. v.Mi11er, sodann den übrigen auwÜendeu Mitgliedern der Königlichen Familie.

Hierauf fand ein Umgang der KöniglichenHerrscbafien und der Ebrewgästc in dcr LluEst-Uung unter Leitung des rn. v. Mil- lkr und des Hrn. v. Schmädel statt, und Wurden bei die er Gelegen- heit zum großen Theii die bei ihren Gegenständen befindlichen Aus- steller den Königlichen Hcrricbasten voraesieslt.

Hohes Interesse crregie die Alterthums-Ausstcilung. Durch ein reiches Portal, über We1chem „Unserer Väter Werke“ steht, kommt man zum Kieinodicnichrank, der ganz in Eisen hergestellt ist und zeigt, welcbeAnstaiten man für dessen Sicherheit getroffen, wie die UmbüÜuvg aller Siüßen und Gesimse in rotbem Sammt und .die Vcrgold-xng des Daches verräth, Welchen Wettb man den Kostbar- kxiten, die er birgt, zuschreibt. In der That sind hier unscbäßbaxe Werthe der Kumi wie des Materials aus der Ströbcn-Kapeue und der Scha kammer in München. aus dem Grimm Gewölbe und histo- rischen Y useum in Dreßden und dem Museum zu Berlin, dem Stadiscbgß zu Leipzig, dem Museum zu Cassel, wie den Sammlungen des Großherzogs von Sachsen-Weimar, des Herzogs von Coburg- Gotha und mehrerer anderer deutschen KÜXlstLn zusammengestellt.

RingSum yruppiren fich gewappneie Ritter oder vielmehr deren Rüstungen, *

worunter die prachtvolle Reiterrüstung des Augsburgischen Künstlers Colmann von 1494 (aus dem bistoriscben Museum zu Dresdenzhervorragt.

Dieser glanzvolle Mittelpunkt wird von besonderen GUiPPeU umgeben, in Welchen, so weit ihunlicb, Gleichartiges zusammengesteut erscheint. So zur RkchtLU die liturgischen Gsrätbe, worunter der ge- waltige Kronleuchtcr und das Antipendium von Comburg in Würt- temberg, das Altarwerk von Oehiingen in Württemberg und zwei große Reliquarim, die Meßgewände aus der Marienkirckye zu Danzig, der Faltstuhl vom Kloster Bamberg, die Monstranze des Füritcn von Hohenzollern und verschiedene andere kirchliche, Geräibe von S. Paul in Kärnthen, Witten in Tirol, Salzburg, Rain in Steiermark u. s. w. hervorragen. _ .

Dex Umgang, während welchem die Musik spielte, dauerte bis über Mittag, sodann wurde die Aukstcllung geseblossen, um morgen Vormittag nach ".der Frohnlcichnamsprozesfion dem allgemeinen Zu- gang geöffnet zu werden.

Die Sammlung von Kunstwerken in der Nationalgalerie ei t ein erfreuliwes Wachsthum. Die_neuesie Erwerbung bilden die Jeßingicbe .Erfeliand1chaft“, welche einige Zeit vom Verein der Ver- liner Künstler außgesteÜt war, und mxbrere Werthvoilé Geschenke der Hinterbiiebenen des Bildhauers Wichmann. .Der Verstorbene gehörte der älteren Berliner Bildhauerscbule an und hat viele bedeutende Künstler der Gegenwart herangebildet. u. A. aucb R. Vegas, Welcher cities der (Geschenke, die lebeUSgroße Büste _ Wichmanns in weißem Marmyr außgeführt hat. Die übrigen Geschenke sind zwei grbßere Gexnalde Ulkd eine Portrait- Studce (weiblicher Kopf). Das eme Gemalde (vpn Ludw. Blanc) ist bezeichnet: „Angelnde Mädchen“ und entlehnt sein Motiv anschei- nend einem orientaliséhen Märchen. Es zeigt in Wiffaffung und Parsteuqu die Merkmale der DusseldorF-sr Schule; das andere, ein alteres Bild von Daege, ist eine Ailegorie der (Fxrfindung der Malerei. EZ stexlt in antiquisirender „Weis? emen nebe_n einer Felswand fißenden Junglmg dar, gegen den fich em blondlocklges Madcbcnlebnt, dessen rechte Hand einen Schattxenrif; an die Wand malt, wahrend die Linke das Gesicbé dxs Jünglings beim Kinn faßt und von der Zeichnung abwendet Die landschaftliche Umgebung harmonirt in Stimmung und Kolorit mit dem Hauptmoment ck DarsteüynZ- Sämmtlicbe Novitäten smd _von gestern ab in der Querba e des ersten Geschosse§ auf'geneUt. - Der große qutonsaal der National- galerie ist _gegenwärtig für das PUbllkUm abgefperrr Wor- den, damn die Wandmalereien ungesiöxt beendei werden kön- nen. Es fehlt bekanntlich noch d'r? Malerei der Nischen- seite, die deiii Maler Jansen übertragen ist. ,Das dort ubringeude Gemälde wird an den beiden Seiten wei Gruppen, lias und

' Odyssee zeigen die emporschweben zum 21 es bezwingenden Etos. -- ' Von dein bekaimten, in de: Nationalgalexie befindlichen Bilde Lessings,

Scbützen im Engpaß, hat Otto Troißsch eine'überrascbend wohl- aelu'agene chromoltthograpbirte Vervielfaltiaung mi ca. 3; Größe des Originals angefertigt, die gegenwärtig neben demselben Aufstellung

gefunden hat.

Die le ten Hocl'wasser-Nacbxicbten lauten:

Mün en, 13. Juni. („K. v, u. f. D.“) und Sontheim (Buchloe-Memmiager Bahn) _gin? gestern ein i_urcht barer Wolkenbruch weder, der die Günz so uber cbwemmte, daß der

ZWiscben Stötten -

Bahndamm durchbrochen und auf ca. 50 Meter Länge zerstört wurde. **

Ein Babnzyg mit Lokomotive steht auf einem Stück des Damines wie auf einer Insel. Die Züge verkehren von Buchloe nur bis Siöiien. In einigen Tagen wird der Verkehr wieder hergestcllt sein. Die Städie Memmingen, Landsberg, Ottobeueru, die Ortschaften Benningen, Lachen und besonders Westerheim haben ara gelitten. Die Eisenbahnbrücke über die Günz nächst letztgenannten Ortes ist einge- stürzt. Auch die Wertach mit ihri-n Nebeuftüffen Geltnach, Lobach, Kirnach ist über die Uf_er getreten.

- Vom 21mm eriee wird dem „Bayer. Kur.“ geschrieben: Am 9. Juni kam ein Verderb-n bringendes (Gewitter, welches vom Leck) seinen Anfang nehmend, fürchterliche Verheerungen anriclztete. Von Pürgen fzb-r Schwifting, Penzing, Emming, Plaundorf, Beuren und Eching bis zum Ymperftuffe; von Schwabhausen der Bahnlinie ent- lang über Türkenfeld und Grafrath; auf nördlicher Vabnieite von Moorennveis Über Jesenwng, Landberied, Mammendorf. MalÖing IL. hat der Hagel die Feldfrüchte total vernichtet, ohne den Scbaden an Dächern, Gärtnx und Bäumen zu erwähnen. Die Böschungen der Bahn sind größtentbsils verwüstet, zwischen Türkenfeld und Grafrath wurde der Bahnkörper abgeiifsen, das im Ampcrgrunde ge- legene Kottgeisering erlitt zum Hagel noch eine Ueberscth-mmung- so daß das Vieh mit Seilen aus den StäUcn gezogen Werden mußte, und statt der Murzgärten nur mehr Kiesanfcbwemmungen "zum Vor scbein kamen. Am darauffolgenden Sonnabend wiederholie sick) das gleiche Unglück für die bisher noch verschont gebliebenen Ortschaften des oberen Bezirkes, worunter auch das im vorigen Jahre durch Brand io icbwer heimgesucbte Dettenicbwanq, und die am Ammersee gelegenen Felder wurden nun durch die Ueberichmmung dr Wei- dack) mebr heimgesucht als 3 Tage zuvor die höher gelegenen Fluren durcb Hagel.

Friedrickyshakan, 14. Juni. (Tclchamm. Aufgegeben um

11 Uhr Vormittags.) Der Bodensee ist wieder um 18 Cm.. gestiegen -

und ftebt nun ZMeter über dem PegclnuUpunki, immer noch steigend. Dcr Sckoloßdamm längs des Gartens Und der Seehof sieht tbeiLWeise unter Wasser. In den KeÜern der Gebäude gegen den See hin steht iheichise bis 8 Fuß Wasser. Die Zoühaüe in Langenargen wird- vom Wasser bespült. Die Dampfsebiffabrt ist bis auf die Nacht- schiffe von der Schweiz hierher unterbrochen.

Ravensburg, 13. Juni. Das Hochwasser, welcbes bis zum gesiiigen Abend 1106) gestiegen ist, fällt seitdem langsam wiedei; seit heute Vormittag bat endiict) auch der Regen aufgehört. .Die [1811er- ichwemmxzng war größer als 1872, Wcil dieSmal auch von den Seitenibale'rrt große Wassermassen kamen. Die Feueruoehr bat tüch- tig gearb-iiei und theilweise mit Lebensgefahr die Leute aus den im „Weisser stkbendcn Häusern gerettet. Die Eiicnbabnverbindung nacb Friedrichshafen ist auch heute noch unterbrochen. An manchen Stellen fanden hier Erdrytsckze und Bodeneinsenkungen statt und der Schaden, auch in den WsrrÖergen, ist sehr bedeutend. Auch die um- liegenden Oxte, namcnilick) Baienfurt, waren sehr bedroht und haben auch stark gelitten.

Leutkirch, 12. Juni. gesieru Nachmittag und in der vergangenen Na-th gefallen ist, hat nicbt nur das Thal von Leutkirch nacb Altmanusbofen unter“ Wasser gesetzt, sondern auch die Bewohner der Weiler Brunnentobel und Herbrazhofeix m große Gefahr gebracht. Oberbalb dieser "Ort- schaften liegt „namlich ein Weiher, durch dessen Wasserkraft das Brunnenwerk im Schloß Zeil getrieben wird. Die großen Wasser- massen überflutbeten den Damm dés Weihers und drohten denselben zu durcbbrecben. Der Schrecken der Bewohner wurde noch erhöhk durch die Gefahr eines drohenden Bergrutsckwö, indem sich an mel)- rcrexi SteÜen des Verges,-auf welcbsmdas Schloß Zeil steht, Bäume, Gciiräucbe und Erdmassen löslösten nnd abwärts rutschten. Zur HülfeLeistung wurdxtx Mannschaften aus der ganzen Umgegend, ins- besondere von Leutktreb, Seibranz, Niedechoieu, Reichenhofen und, Mailand aufgeboten. Der Schaden an Wegen, Wiesen und WKW

ist nicht unbedeutend. Man hofft, daß mit dem Aufhören des Re-ZY ck

genwäiexs jede Weitere Gefahr beseitigt fei.

_“ _] «. .-

Theater.

. Wie es in ben_ beiden ersten Gastspielpeiioden der Mei- ninger HofschauwieierckGesellschaft „Julius Cäsar“ mxd „Hermansschlgchi“ Waren, die den iedesmaligen Cyklus er- öffkneten' und beschlossen, _so wird auch dasselbe Stück, womit die,; Gasie m,diesém Jahre begaynen, gleichzeitig deren Elbsckpiedsvor- stellung bxldyn: mit dem Kleist1chen „Käthchen von Heilbronn“ wird, das dissjahxige erfolgreiche Gaßipiel der Meininßer Gesellschaft am. Sonntxg seinen definitiven Abschluß erhalten. '-

Jesidenzibeaier. In dem Befinden des Frl. Marie Geißtinger ist eine erfreuliche Besserung eingetreten. Es ist daher Aussicht vorhanden, daß die Künstlerin ihr leider plöszsiéb unmbrocbrnes Gastipicl am Residenztheatsr demnächst wieder auf- nehmen Werde.

- Das Thalia-Tbeater im Stadtpark gewinnt mehr

und mehr an Beliebtheit; im Fluge entstanden, überrascht es "

dureh die Eleganz und die Schönheit seiner Wenngleich noch nicht voUendeten Ausstattung, seine prachtvoklen Spiegel, seine originellen und iroß der vielen Flammen nicht blendenden Kronleuchter, seine Statuetten und durch die zuvorkommende Artigkeit aller Bediensteten. Zwar scheint die langgestreckte Form des viereckigen Saales, in dem “nur eine einzige Art von PWZCU, „ein Parquet voxbanden ist, keine “weiteren Rangreihen, keine Logen, unt Ausnahme von zwei Proiceniums- iogen, die in ihrer runden balkonartigen Form, ihrer reizenden Einrichtung mehr zum Schmixck des Saales als wirklich zur Benutzung des Publikums vorhanden. zu sein scheinen, den Bau vielmehr als einen Konzertsaal, denn als ein Theater zu bezeichnen; der Besuch und Aufenthalt in

bemselben ist aber einasehr angenehmer. Der Saal ist so groß- daß „„ (kr selten dmc!) UeberfaÜung zu heiß werden dürfte; in den' Pausök“;

öffnen sich breite Thüren und gestatten Blick und Eintritt in den Prachivollen Garten, mer bekannten schönen Einrisbiung und origineller JUumination moch gianche neue Bexschönerungen hinzugekommen sind - z, B. _zwei itz vielen _ Strahlen springende. vcn wechselndem elektri1chen Licht magisch beleuchtete Fontänen -, in dem zwei ausse- zeichnet? Orchester unter Leitung des Professor v. Brxnner (und augenblicklich des bekannten Komponisten Johann Strauß) konzerti- rxn, und aus dem zurückkommend, man ven Saal frisch gelüftet und kyhl wieder findet. So vereinigt sich Alles, den Aufenthalt hier zu einem höchst angenehmen zu machen.

Wa); das Tbeaxcr selbst bstrifft, so spielen hier die bcwäbrtesten und beliebtesten Krafte des Wallner- (Lehram) und dek- Wo*ters- dorff- (T[)omas-) Theaters und bieten Garantie dafür, daß m_an sick) gut upterhält. selbst wenn das Gcboteneselbst nicht vici wett!) ijt, wie das biOber gegebene, von fruher der bekannte Lustspiel von Rosen „Kanonen-

futter“ das vielen Beifall fand, da die Damen Fr. Berg, Frl. Bredow, '

Frl. v. Rothenberg, r. Schüler-Formes und die .Herren-Kurz, Blenke Denzau und vor A en Kadslburg ein so meisterhaftes, frövli e

Ensemble hersieuten, daß man die Schwächen des Stückes darü er

vergaß. ,- Dannfolgte: „Eine Liebeöerklärung mit Hindernissen“ „Smgsptel“ vom Kapeleeister Meininger. lecske mit Gesan

wäre ein besserer Tikal, denn es ist eigentlich nur eine mii Vor- und-

Nacbspiel umgebene aewöbnlicbe Poffenscene, ein Daett, ,die bis Temperamente“ darstkllcnd. Die Musik ist unbedeutend, und nu Frl. Preuß mit ihrexn berzigen Wesen und munteren Spiel un Gesang machte es ertraglich.

Redacteur: F. Prebm, Verlag der Expedition (Keisel). Druck: W. EWU„ Drei Beilagen (einschließlich Börsen-Beilase).

Berlin:

Der WolkenerÖartig“. Regen, welcher» *,

zu dessen schon aus dem_ vorigen Som-

) «mt ist.

zum Deutschen Reichs-A

„('./.“? 140.

1) Patente

Zweite Beilage

Berlin, Freitag, *den 16. Juni

In dieser Beilage werden bis auf Weiteres außer den gerichtlichen Bekanntmachungen über Eintragungen und Löschungen in den H and els -, Zei ck en - u. Must erreg istern, sowie über Konkurs e veröffentlicht : 7) die von deti*Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden auszescbriebenen Submissionstermine,

, 2) die Uebersicht der anstehenden Konkursiermine, 3) die Vakanzeu-Lifte der durch Militär-Anwäriex zu beseixenden Stellen, 4) die Uebersicht vakanter SteÜen für NichtzMilitär-Anwarter, 5) die Uebersicht der anstehenden Subbaitattons-Termine, _ 6) die Verpachtungstermine der Königi.Hof-(Hüter und Staats-Domänen, sowie anderer Landguter,

Der Inhalt dieser Beilage, in weleher auch die im §. 6 des Gesetzes über den Markensthuh, vom 30. November 1874, vorgeschriebenen Bekanntmachungen veröffentlicht werden, erscheint auch in

einem besonderen Blatt unter dem Titel

Central-Handels-Regist

Das Ceniral-Handels-Register für das Dsutstbe Reich kann durch alle Post-Anstalfen des In-

und Auslandes, sowie durch Carl H

Patente.

Königreickj Sachsen. Auf 5 Jahre: 22. Abril Xeter Barthei zu Frankfurt a./M., fiir Tulliez Patt) zu Paris, Verbesserungen an Dresch- maichinen; 9. Mai George Woolnough und . Dehne in Halberstadt, Formmaschine; 17. M91 dmund Tode Knoop in DreSden, fur Z. u. J. Dussand frdros, Joseph Duchez und acques Bendinger, sämmtlicb in Paris. Apparat zum Gerben unter höherem Druck.

Reuß i. L., 6. Juni. P. & J. Duisand errSZ, Joseph Duchez und Jacques Ben- dinger in Paris, neues Gerbverfahren, 5 Jahre.

Der von der Hessischen Centralsteüe für die G:!verbe ernannte Ausschuß über das Patent- )vesen hat sick) bei Beratbung der ersten und Haupt- frage, ob die Ertbeilung von Patenten ferxxerbm überhaupt noch stattfinden folie, in bejahendem Sinne entschieden. Ueber die weiteren Fragen wird erst in den folgen, Sitzungen berathen werden.

Der Etiquettenfchuiz.

Das Markenscbußgefeß vom 30. November 1874 hat die Hoffnungen nicht weniger Firmen, die ihre Waaren durch Etiqueite kenntlick] machen, nicht erfüllt. Einzelne Gerichte haben die Eintragung von Eiiquetten vertveigert, weil dieselben nicht zu den gesehlich zu ichiißenden Zeichen gehören. In anderen Fällen hat _ der durch die Eintragung erlangte Schuh als i(lusorisch erwiesen, namentlich wo eine auffallende Zusammensteüung von Farben das Hauptkennzeichen der Eiiqueitc bildet. Da die Farben in den Zeichen geseßlich nicht geschüßt smd, so hat die Eintragung solcher bunten Etiquetisn nicht hindern können, daß Konkurrenten ihre Fabrikate mit Etiquetien in denselben Farbenzusammenftellungen bezeichnet und das Publikum, welches mehr auf die Farben als auf den übergedruckten Text oder das in der Etiquette enthaltene Zeichen achtet, getäuscht aben. Es ist vorgekommen, daß eine Firma die m Zeichenregister eingetragene Etiquette einer anderen ganz genau nachgeahmt, nur daß sie statt des in einer Arabeske enthaltenen eigentlichen Zeichens ein anderes gewählt hat. Solche NW- ahmungen smd nicht strafbar, weil eben nur das Zeichen selbst geseßlich geichüßt ist.

Die „Lücke, welche die Geseßgebung hinsichtlich der Etiquetten bis jeßt enthielt, ist nunmehr durch das Geseß, betreffend das Urheber- recht an Mustern und Modellen, vom 11. Januar 1876, theilweis ausgefüllt worden. Dieses Geseß giebt keine Definition des Begriffs „Mußer“, schließt also die Etiquette von dem Schuh des Urhebexreckßs nicht aus.

„Gegenstand dieses Urheberrechts, sagt Kloster- mann in seinem Werke „Die Patentgeseßgebung aller Länder“ (S. 390), sind nach §. 1 gewerb- liche Muster und ModeUe. Eine weitere Defi- nition ist absichtlich nicht gegeben, weil dieselbe, wie die Motive zu . 1 bemerken, der Wissen- schaft und de:: Recht prechung überlassen bleiben müsse. Der Begriff der Waarenmuster und Modelle ist deshalb im deutschen Rechte im weitesten Sinne zu fassen. Seine Begren- zung ist theils durch die Entwickelung des Be-

riffs gegeben, theils durch die besonderen Ge- Teße, welche das- Urheberrecht an Werkén der ildenden Künste und an gewerblickzen Erfin- dnngen regeln. Das ganze Feld der gewerb- lichen Erzeugung, welche zwischen diesen beiden Gebieten mitten inneliegt, fällt dem Musterschuße anheim. Ja, es könnte auch ein KunftWerk Ge enftand des Musterschu es werden, wenn da elbe als Gebrauchögegenstan dienen und fabrik- *maßig hergesteüt werden soll. Ebenso könnte man “für eine gerverbliche Erfindung den Musterschuh erlangen, Wenn dieselbe fich in dem Modeu eines erfundenen Geräthes verkörpert. Das “deutsche Geseß unterscheidet auch nicht zwischen (Geschmacks- und Gebrauchsmustern.“

Dambach (Das Musterschußgeseß) stimmt hier- mit im Wesentlichen übsrein: „Das gegenwärti e *Geseß, heißt es S. 16, umfaßt das ganze gro e Gebiet von der höchften Kunftindufirie an bis ku dem einfachften aus Linien und Punkten be-

ehenden Muster, sofern diese Produkte durch hre Farben und Formen den Geschmack und das äfthetische Gefühl befriedi en wolien.“

1)r. Moritz v. Stubenrau definiri Muster

wie folgt: „Muster ift jedes Vorbild, welches

„zur Uebertragung auf Indußrie-Erzeugniff e geeig- Wird dieses Vorbild auf dem Wege

eymanns Verlag, Berlin, 8177... Kbniaqräßerstraße 109, und aue Buchandlungen, für Berlin auch durch die Expedition: 8712, Wilhelmstraße 32, bezogen Werden.

der Zeichnung (kolorirt oder nicht kolorirt) zz! Stande gebracht, so wird es vorzug9weiie_m1t dem Namen des Mufters belegt.“ (Das intext. Marken- und Musterschungeseß, S. 39.)

Diesen Auffassungen emspreclzend haben auch bereits mehrere ULrheber „Etiquetten“, namentlich für Cigarren, als Muster deponirt, und die Ge- richte deren Eintragung in die Musterregifter ohne Beanstandung bewirkt.

Indem wir die Fabrikanten auf den Schuh aufmerksam machen, welchen das Geseß, betreffend das Urheberrecht an Mustern und Modelien, vom 11. Januar 1876, ihren Etiquetten gewährt, müssen wir jedoch hinzufügen, daß auch dieser Schniz ein beschränkter ist. Denn als Muster Werden nur neue und eigenthümlicße Erzeugnisse angesehen (§. 1), und das Geseß findet nur auf die nach dem 1. April 1876 angefextigten. bezw. zuerst verbreiteten Muster Anwendung (§. 17). Etiquetten, welche schon vor dem 1. April 1876 in Gebrauch ge- wesen smd, kommt daher das Geseh nicht zu Gute, wenn sie nicht so veränderi werden, daß fie als neue und eigenthiimliche Erzeugnis e anzusehcxn smd. Da- gegen find durch §. 5 Nr. 2 des Geseßes auch die Farben des Musters gesckyüßt, da dort die Nach- bildung selbst in anderen Farben verboten ist.

Den Fabrikanten, welche schon vor dem 1. April 1876 Etiquetten führten, muß über- laffen bleiben, zu erwägen, inwieweii es ihrem Interesse zusagt, fich durch Umänderung der Etiquetten den geselzkichen Schuß fiir dieselben zu ermöglichen. *

Wenn von einer Seite das Bedenken erhoben wird, das Publikum habe sich bereits an die alte Etiquette gewöhnt, so wird es von anderer Seite für zweckmäßig erachtet, die Fabrikate außer mit einer neuen geseßlick) geschüyten Etiquette auch noch mit der alten bekannten zu versehen, wenigstens so lange, wie fick) die neue geschüßte Etiquette bei den Konsumenten noch nicht eingebürgert hat. Jedenfalls können die Kosten, welche die Regißrirung der Eiiqueite verursacht, hierbei nicht in Betracht kommen, da dieselben - außer den geringen Publikations- kosten _ für ein Muster mii Zjähriger Schuß- frift pro Jahr nur 1 „(4 betragen.

In dem prinzipiell wichtigen Prozesse gegen die Gründer der Bank für Sprit- und Pro- duktenhandel (vormals GebrüderWredc), Aktiengesellschaft, gegen Welche die Ayklgge Wegen Betrugs erhoben warde, Weil in dem notariel- len Gründungsvertrage und dem Prospekt der Kauf- preis um 150,000 Thlr. zu hoch angegeben war, publizirte die zweite Kriminaldeputation des Stadt- gerichts am Mittwvcb das Erkenntnis). Das Lir- tbeil lautete, wie hiesige Zeitungen mittbeilen, dabm, daß alle vier AnYklagie, die Bankiers Abel und Grabenstein, der ommerzien-Rath Wrede und der Konsul a. D. S iff des Betruges“ schuldig und jeder derselben mit sechs Monaten Gefängnis; und 3000 „M Geldbuße u bestrafen, für welche Grid- strafe im Unverm gensfaUe für je 15.44 eme Gefängnißstrafe vor einem Tage Gefängnis; zu tre- ten hat. Die UrtheilYu'mde reiumiren sich wie folgt: Dex notcxrielle ertrag vom 7. März 1872 nvolvire eme Simulation, da der Kaufpreis darm auf 1,250,000 Thlr. angegeben ist, während derselbe in Wirklichkeit nur 1,100000 Thlr. betru . Weiter sei erwiesen, das; der Prospekt vom 11. 5 ärz 1872 mit Kenntnis; aller Angeklagten erlassen wurde; Wo- für die Gemeinsamkeit aller Haxdlungen der sammt- ltchen An eklagien bei der _Grmzdung der Aktienge- seuschaft, xiowie die kurze Zeit zwischen dem i?lbschluß des Vertrages und der Grundyng der Aktiengesell- scbaft spreche. Der Prospekt sei dureh alle größeren öffentlichen Zeitungen Veröffentlicht worden und keiner der Angeklagten habe denselben öx'fentlick) ge- mißbilligt. Dazu komme noch, daß die Angeklagten das ganze Aktienkapital von „vornbverein zeichneten. Am Schlusse des Prosyekts set bezuglich des Kauf- preises unzweifelhaft „eme falsche Vorspiegelung ge- macht worden; der Emwandder Pertheidigung„ daß der dort angegebene Kaufpreis _nnt dem notariellen Vertrage übereinstimme, exscheme nichtig. Neben diYer falschen Thatsache sei auch die wahre Thai- sa e, der richtige Kaufpreis, unterdrückt _und die Willensbestimmung der „Aktionäre durch diese un- richtigen An aben beemtracbiigt worden. Die Ver- mögensbesch digung refylttxe daraus, daß die Aktionäre nicht dadxenige Aequivalent er- hielten, für Welches e m gutem Glauben ihr Geld hexgaben, denn der aufpreis des Unternehmens in- flmre wesentlich auf den Werth der Aktien. Auf die Behauptung der Vertheidigung, das Geschäft sei rentabel, d der Cours von 105 werde reichlich ge- deckt dur_ die Dividende von 711 0/0, komme es bei Beuxtbeilung der Frage gar nicht an. Der re ls- widrige Vermögensvbrtheil der Angeklagten re ul- tire daraus, daß sie ihren Grunderlohn aus Geldern

nzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

1876.

8) die Tarif- und Fabrplan-Veränderungeu der deutschen Eisenbahnen,

9) die Uebersicht der Hau t-Eisenbabn-Verbindun en Berlins,

10) die Uebersicht der beste enden Postdampfschiff- erbindungen m1t tranSatlantischen Ländein,

11) das Telegraphen-Verkehrsblatt.

ev füv das Deutsche Reich. (N.. 16.)

ten 20 ..) -

Das Ceniral-Handels- Register für das Deutsébe Reich erscheint in der Regel tä'glicl). - Das

Abonnement beträqt 1 „(ck 50 43 für das „Vierteljaßr. -" Einzelne Nummern ko Insertionspreis für den Raum einer Druckzetle 30 «5.

»entnabmen, die zu diesem Zwecke nicht bestimmt waren und das Veivußtsein der Rechtswidrigkeit könne nicht in Frage gestellt Werdexi, da_ sie als Gründer, indem sie die Aktionäre zum Beitritt zu einem Geieüfckyaftsvertrage aufforderten, zu be- sonderer Treue verpflichtet waren. Das Bewußt- sein der RechtZwidrigkeit gehe auch weiter daraus hervor, daß sie den Mitgründern gegenuber dtxselbe Thatsache klar darlrgien, welche sie den spateren Zeichnern verschwiegen. '

Sobald die Gtünde der Eniscbeidung in_authexi- ziischer Form vorliegen, werden wir auf die darin *iestgesteUten Prinzipien zurückkommen.

Ruhla, 29. Mai. (Goth. 3.) Im Anschluß an einen im hiesigen Gewerbevereine gehaltene): Vortrag über Unsere ZoÜverbältniffc wurde_ rnit Bedauern darauf verwiesen, daß die Jndustrtekiexi, (Hewerbe- und Handeltreibenden unseres Landes kem Organ besißen, durch Welches die Handel, Yerkebr und Industrie betreffenden Wünsche der hochsten Landesbehörde vermittelt werden. Dieser Mangel erfährt in Preußen durch die Jnstiiniion der Han- delskammern lebülfe. Nucl) unser Nacbbarstagt Weimar steht im Begriffe, eine „Centraliteiie fur Industrie und GeWerbc“ einzurichten. Der Ge- werbeverein zu Ruhla beschloß darum, das Herzog- 1iche Staats-Ministerium mit der Bitte anzugehen, LU)? Vertretung des GeWerbes, dsr Industrie und des Handels unseres Landes einrichten zu wwssen durch Hersteliung einer Handels- und Geiberbe- kammer für das Herzogihum Gotha. Es sind die übrigen Gewerbevereine des Landxs (Gotha, Ohrdruf, Walteerausen, Zelia) zur Theil- nahme an diesem Schritte aufgefordert Worden.

Als Aufgabe dieser Handels- und _Gewerbekammer denkt man sicb: 1) Jährliche Berrchierstattung an das Siaais-Minifterium über den Zustand _des Handels und der Industrie unferes Landes, uber wünsch2nsrvertbe Verbesserungen und die Mittel zur Ausführung derselben" 2) Abgabe von (Zuiacbten auf Veklangen des Éiaats-Ministeriuws uber Ge- genstände des Gewerbelebens sowie dxs, öf- fentlichen Verkehrs; 3) Sammlung von statistischen Notizen über Gegenstände der GeWerbe und Industrie; 4) SteÜung von Anträgen, die ihr aus Kxeisen ber Gewerbetreibenden zngeben oder selb- standig von ihr als der Vertreterin der (Herverbs- Interessen gefaßt sind. Die ' andels- und Gewerbe- kammer scll demnach eine ertreiung des axidels und des GeWerbes und einen gewerblicheti cirath des Staaté -Minisieriums darstellen. Sie könnte zusammengeseßt (,ein: 1) aus einer Anzahl hervor- ragender Gewerbetreibenden oder Fabrikanten nach Wahl des Ministeriums; 2) aus einer Anzabl Ge- Werbetreibender nacb Wahl der im Lande bestehen- den oder neu zu_errichteuden Gewerbevereine; 3) aus emen) Herzoglichen Regierungskommisiar, weichem zugleich die Funktionen eines geschäftsfübrenden Mti- gliedes der Handels- und Gewerbekammer uber- tragen wird. Ueber die Wählbarkeit der Gewerbe- tretbenden und über das Verhältniß der GeWblten zu den von der Regierung Ernaunien würden nahere den Verhältnissen unseres Landes anzupassende Be- stimmungen zu erlassen sein. Das Amt dex Mit- glieder der Handels- und GeWerbekammer 1st ein Ebrenamt und wird unentgeltlich verwaltet. Die Mitglieder würden etwa jährlich dreimal oder nach Bedurfmß viermal des Jahres zu einer Sißuxig zu- sammentreten in Gotha, welcbe Stadt der SP der Hgndels- und Gewerbekammer sein müßte. ,Das wiirde der, Grundriß des ins Leben zu rufenden Ju- stitutes_iem, wie ja auch die oben berührte „Central- stelle fur _Gewerbe und Industrie im Großbeizog- tbum Weimar“ auf fast glei en Bestimmungen be- ruht. Der gegenwärtige Not staud unseres Fabrik- wessnsYnd des Gewerbes erheischt dringend dtebalz dige Etynchtung eines solchen Instituts; und 591 _der bebordlicben Fürsorge, deren sich unsere Industrie immer Du erfreuen hatte, erwartet man von dem ver- einten orgehen der Gewerbevereine unseres Landes guten Erfolg.

Handels-Negifter.

Die andelßregistereinträge aus dem Königreich Sack) en, dem Königrei Württemberg und dem roßberzogtbum He sen werden Dienstags bezw. Sonnabends (Württemberg) unter der Rubrik Leipzig resx). Stuttgart und Darmstadt ver- öffentlicht, die beiden ersteren wöchentlich, die letz- teren monatlich. dehoo. Unter Nr. 1322 des Gesellschafts- registers wurde heute eingetra en die Handelsgesell- schaft Wer der Firma Wo ff & Kulppenbexg, welcbe „ihren Xauptsiß in Ichtershausen und eine Zweigmederla ung in Aachen hat, sowie von jedem ihrer beiden Gesellschafter, den Zu I tershausen Wohneuden, Fabrikbefißern Wilhem olff und Au ust Kmppenberg, vertreten werden kaum a eu, den 12. Juni 1876. uigliches Handelssericbts-Sekretariat.

;gebou. Unter Nr. 1323 des Geseusébafxs“ re isters wurde heute eingetragen die„Kommand1t- Feiellicha unter der irma WollwäsK-erei mib

arbou fir-Auftalt, ß örrenberg & it.. welcbe

in Aachen ibren Siß, am heutigen Tage begonnen hat, und deren persönlich baffeüder GeseUschafter der Zu A.?xheu wohnende Kaufmann Julius Nörren- erg 1 . Aa eu, den 12. Juni 1876. *önigliches Handelögeritbts-Sekreiariat.

zoeken. Die Liquidation der 1: Düren bestan- denen Handelsgesellschast unter der irma Gebrüder Ullmann ist beendigt und wurde gedachte Firma besixze unter Nr. 191 des GeselljcbaftSregisters ge- 5 t. Aachen, den 12. Juni 1876. Königliches Handelsgerichts-Sekretariai.

Naehe". Der zu Eupen wohnende A otheker Hermann Schneider hat das Geschäft, We ches, er in Eupen unter der Firma H. Sämeider betrieb, iibertragen, weshalb diese Firma heute unter Nr. 2427 des Firmenregisters gelöscht wurde. Antiken, den 13. Juni 1876. , önigliches Handelögerichts-Sekretariat.

Laeken. Unter Nr. 1324 d(xs Gesellschafts- registers wurde heute eingetragen die Handelssesell- schaft unter der Firma Schonten, Kirsch &, Cie. mit dem Sitze in Aachen, welche am 1. Mczi 1876 begonnen hat und von jedem ihrer drei Theilh'aber, den zu Aachen wohnenden Kaufleuten Heinrich Schouten und Joseph Kirsck) und den im Haag im Königreiche HoÜand wohnenden Rentner Raoul Tissot, vertreten Werden kann. Aackjen, den 14. Juni 1876. Königliches Handelögerrcth-Sekretariat.

31143141. Bekanntmachung. _

In das hiesige aiidelsregister ist 201. 39 zur Firma: Theodor L 'ffeuhop in Alfeld, beute em- getragen:

.Die Firma ist wegen Verlegung des Geschäfts nacb HannoVer hier erloschen.

Alfeld, den 14. Juni 1876.

Königliches Amngetiéht. H. Erxleben.

zuneat. Bt_kanntmachung. Laut Beschlusses vom beuiigkn Tage sind der Oekonom Johann Ottomar Selmar Lautenbach

und

Oekonom Karl Otto Ludwig Göhring

bier als Mitinhaber der Firma:

Spirituöfabrik zn Allstedt von G. Teich- mann & Co. hierselbst

_ 201. 40 Nr. 6 des Handelsregisters heute gelöscht worden.

Allstedt den 12. Juni 1876. Großherzoglich Sächs. Justizamt.

zlteoburx. Bekanntmachung.

Jm Handelsxegister des unterzeichneten Herzog]. Stadtgerichts ist laut_Beschlusses vom heutigen Tage das Erlöschen der ans 301. 73 eingetraßenen Firma Andr. Schuppe in Altenburg verlauf art worden.

Altenburg, am_ 15."Juni 1876.

Herzog). Sachs . , Stadtgericbi. Findetien.

Unma- Bekanntmachuu .

Bei Nr. 104 unseres GesellsßbafiSregisters ist heute zufolge Verfügung vom 14. d. Mts. bei der daselbst mit dem Siße zu Altona eingetragenen Firma: H. D. Grün Nakhflg. vermerkt Wordeu:

Die Firma ist erloschen.

Altona, den 14. Juni 1876.

Königliches Kreiögericbt. Abtheilung [.

Yllana, BekanntmmhuuFFe Infolge Verfügung vom 14. 1). ts. ist heute in unser Firmenregister unter Nr. 1303 eingetragen: der Kaufmann Harry Unna zu Aliona. Ort der Niederlassung: Altona. Firma: Harry Unna. Altona, den 14. Juni 1876. ck Königliches Kreisgericht. 1. Abtheilung.

Qltona. BekanntmachunM . Zufolge-Verfügung vom 14. d.“ ts. isi heute m unser Firmenregi ter unter Nr. 1502 em etragen: dexméßelleuh ndler Ascher Julius ebrend zu ona. Ort der Niederlassung: Altona. Firma: A. I. Behxeud. Altona, den 14. Juni 1876. „Königliches Kreißgericht. ]. Abtheilung.

Utona- „Bekanntmachung. Zufvlge Verfa ung vom 14. d. M, ifi heute in unser Firmenregi er unter Nr. 1301 eingetragen: Der Kauftxiann Johannes Lüders zu Altona. Ort der Niederlassung: Altona. Firma: Jobs. Lüders. llltouax den 14. Juni 1876. Königliches Krengericht. 1. Abtheilung.

Utoua. Vekmmtmcu!)UMF)2 , ZUfOlge Verfü uns vom 14. 1). ts. ist heute in unser Firmenregi er unter Nr. 1300 eingetragen: