Berlin, den 19. Juni 1876.
Die am 17. d. Mts. in Bredow bei Stettin von Stapel gelau- fene gedeckte Korvette „Sedan“ gehört ebenso. wie die im vorigen Jahre auf derielben Werft voUendete Korvette „Leipzig“, einer ganz neuen Schiffsklasse in der deutschen Marine an.
Die Pläne und Bauspezifikationew deri'elben sind in der Kaiser- lichen Admiralität entworfen und wurde der Bau nach dem Stavel- lauf-der Panzerfregatte .Preußen“, der Maschinenbau-Aktiengesell- schaft „Vulkan“ un Dezember 1873 übertragen. Das Charakteristiscbe an der „Sedatz“. ist die große Geschwindigkeit unter Volldampf, welche sie befahigt 15 Knoten in der Stunde zu durchlaufen. Bei dieser großen Geschwindigkeit bot die in dem bisherigen Bausystcm übliche Vliisfüdrung des Schiff§3körpers von Holz nicht mehr genügende Festigkeit, und mußte das Ciien cm dxssen Steile freien. Da aber außerdem die möglich“]te Reinheit des Bodens gesichert bleiben mußte, wenn diese (Hescbwindigkeit auch für eine lange JudieuststeUung erhalten werden soÜte, uiid nur ein Kupfer- bescblag des Bodens diesen Bedingungen entspricht, so wurde der Sebiffskörper behufs Erzielung genügender Festigkeii zwar ganz aus Eisen hergestelix, aber der Anbringung des ander rieits nothwen- digen Kupferbescblages wegen, um der galvanischen [ktion entgegen- zuwirkeü, mit einer “doppelten Holzlage bedeckt. Auf diese Holzlage koimte erst der Kupferbescblaa gelegt werden. In Folge der großen Maichinenkrast und des zur Entwicklung derselben erforderlichen Kol)- lenvorrathes. mußten auch die Hauptdimensionen der Schiffe, den verlangten großen Geschwindigkeiten gemäß, sowie mit Rücksicht auf das an Bord zu nehmende Heizmaterial bedeuiende werden.
Die Länge der Korvette beträgt 86 Meter, die Breite 14 Meter, der größte Tiefgaiig 6,6 Meier. Das Depiacemeni 4000 Tonnen. Die Maichine sol] 4800 Pferdekräfie indiziren, das Kaliber der Gescbüße ijt bedeutend schwerer, als das der bisher auf den gedeckten Korvetten Placirten, und besteht die Audrüstung aus 10 der neu konstruirten 17 - Centimeiergeicbüße in der Batterie und 2 langen 17-Centimeter-Kanonen im Vorder- resp. Hmtertbeil, Welcbe 1eßteren, auf dem Oberdeck stehend, von Bug ,und Heck dircki _ voraus oder rückwärts zu feuern ver- TUÖZM. Onkel) die beiden vordersten und hintersten Ge- ickZuß-x im Batteriedeix kann da?. direkte BUJ- mid Hei'ifeucr ver- starkr Werden. Dirie (Heichüße stehen indes; nicbt Permanent in den Bug- oder Hcckpsorten, wördcn vielrnebr 173.1. Bedarfs- fail von ihren Breitseitpforten dorthin gebracht. Um dem Schiff die Fabigke-t zu verleihen obne. Benutzung der Dampfkraff nur unter Segel zuireuzeii und [ärmere Reisen zurückleJen zu könney, bat d(isjelbe eme große VolliÖiffsiairl-ge. Die Untermasten smd aus EUS11, der Bugsprict ist zum Einlaufen eingerichtet. Die Takelage, Yrmtrung und Ausrüstung sowie die Kuvferung deb Bodens erhält die Kbrviije auf der Kaiyerlicbcn Werft zu Kiel.
Ueber die Hanyt-Reiidenzscblösicr der tiirkiscben Suitanc und einige der bedeuiendstin öffeiitlichen Gebände in Kon- stantincpel entnehmen wir dem Buche: „()rjenr, (;rSee ei: “kiirqujo ä'QUroyo“ von Emile J]amberr folgende Mitibeilungen:
' Der _Serail odcr Sera's (das Wort 1“edeuietPalast)nimint die östlicbiie Spiße von Konstantinopel, oder SpiZe der Gärten, von den Aiken aucb Clxrysokeras genannt, ein. Hier Lag das alte Byzanz und die__AirOPolis; später befanden sicb an dieser Steile der Palast der Kaiicriii z1.*1ae*idiei, die Wohnhäuser dcr mäcbiigsten Persönlichkei- ten der; Kaiicrreickzeö und nach Osten bin, auf dem Ufer der Propon- rie, die Bäder des Nikadius, em gew.;ltiges öffentlicher. Gebäude, d:e inrwe des; heiligen Demetrius mid die der Mutter Gottes Hodegetria (.;e17);-7,7,/„ Führerin, närnlicb der Blinden). Der groß? Kaiserliche Palast lag ein Wenig mehr nJch Slider. zu 11110 nahm nur einen Theil der Gärten des Scra'j ein. Die ('He- baUde des heutigen Serails wurden Von Mabomet 11. erricbiet. Jedenfaüs bewc-huie der Eroberer Anfangs den alten Serail, Eski- Eera'j, welcher cm der SteÜe lag, den heute das Seraskierar (Kiiegs- Ministerium) einnimmt. So lange die Suiiane den Sere's ier Gärren bewohnten, War der Eski-Seräi ziim Wobnsißc der Frauen des ver- storbenen Sultans beiiimmt. Als Sultan Abdul-Mcdjid, der Bruder des jünest verstorbenen Sultans, seine Residenz nach dem neuen Palaste von Dolina Baghiibc verlegt harte, belegte man den Cemil der Gärten mit dem Namen Eski - Scraä' und dieser Palast wurde nun der Wohnsiß der früheren Siiiianinneii, bis zu dem großeä Brande, Welcher ihn im Jabre 1865 zerstörte. Der größte Theil kes Palastes ist verbrannt, doch smd die Säle, weche ein historisches Interesse bieten, verschont geblieben. Der Serail ist Von alien “Seiten mit ei:.er kreneiirien, VM viereckigen Tkzürrnen flankirten M..u-:r umgeben. Nach der ?Scefeite bin bildet dies“: Maner ziiglcicb die Stadtmauer, längs deren sich eiu steiles, steiriges Ufer Ltstrkckl, An die Mauer Lehnen fiel) mrbrere geschmack- voUe Kioske und verschiedene Bauten. Nac!) der Landseite zu läuft eme frenelirte Mauer bin, welche die Spiße des Sera'x' von dem übrigen Theile der Stadt trennt. Dieser Weite Raum umiaßt große, bauplsacblich mn Cypressen und bdcbwacbienden PUEUFM be- standene (Härten, in denen sich ganz unregelmäßig verschiedene. Ge- bäude _oder Kioske erheben, welcbe im Lillgenxeinen eine gcicbmuckoolle, aber einf_ache Bauart zeigen. Die [)LYVVTMJMdftM Bauten nehmen den Gipfel des Hügels selbst ein; neben denen, welche der Brand verschmit hat, stehen noch die Ruinen dcrjenigen, Welche er zersiörie. Man unterscheidet von draußen einen ziemlich hoben viercckigen Thurm und eine größere Anzahl von kleinen Kuppeln.
_ DieEreigmsse, welche dem Regierungöamtritie Mabmuds 11 voran- gingen, bestimmten ihn, den Serail zu verlassen. Er bewohnte den Palast des BoSporyéz, Berbik-Taci) (d. l). der Stein des Lauben- gangeß), den er zu 1Llilck Lieblingsresidenz machte. Der Palast liegt in dec'Vorsiadt gleichen Namcvs, dem alten Petra Tbermasiis, welche icizt eme Bevölkerung von ungefähr 25,000 Einwvbner und eine Dampfbooi- und Ps.-rdebahnverbindung mit Konstantinopel hat. Von der Landseite sieht man von dem im Jabre1€79 erbauten Palast nur hohe Mauern, über welche sich die Gipfel schöner Bäume erheben, die seine. wie man sagt, sehr schönen Gärien bescbaiien. Unmittelbar in der Nähe von. Berbik-Tacb liegt der Palast von Dolma-Baghtche, welchen Sultan Abdui-Meijid, der Vorgänger des levten Sultans, erbaut und zu seitier definitiven Residenz gemacht hatte. Der Palast zeigt in seinem Aeußeren eine Vermischung aller Style und einen Reichtbum an Ornament, über dessen künstleriiébeu Werth fick) streiten ]äßt, dessen aiigemeiner Eindruck aber inmitten der reichen Natur des BoSporus keinen unangenehmen Eindruck macht. Das Innere ist, nach modernem Geschmack von dem Fran- zyieT S6Hch6fm dekorirt und enthält schöne Wohnräume und ein Theater fur en o.
Von bedeutenden öffentlichen Gebäuden in Konstantinopel sind u. A. zu nennen: Die Hohe Pforte (Bab-WZJ oder Pforte des Pascha (Pascba-Kapousfi), dax; .Hotel des roßveziers und des Ministers des Aeußeru. Dasselbe liegt in dem Tbale, welches den ersten von dem zweiten Hügel von Stambul trennt, unter den Mauern des Seras, nach der Skadi bin. Vom ?oidenen Heri) aus geiebetx macht dieses Palais einen recht impo- anten Totalcmdruck, Der Haupteingang ist bei dem östlichen Winkel der Garten des Sera]: Das Tlor ist mit Pfeilern aus Marmyr. Welche von ionischen apitälem ' gekrönt werden, geichmycit„ ,und trägt an der Spiße eine türkische Inscbrift WKD Mll„1tak1iche Embleme. Ein vorspringendes Dach giebt ibm einen ortentallscben Charakter; auf beiden Seiten befindet sich eine Fontaine. Der Hof ist dyn großer Ausdehnung und die Gebäude, welche in Folge .von Branden mehrere Male wieder aufgebaut wurden. sind im “*!*:Mmscheil Style außgefuhri. Von der Treppe„ die zum Eingange kuh. genießt MXU LMS schönen Blickes auf die Mauern und den (Hart des Semi, auf daZ goldene Horn, den Bosporus, Pera mid Galat .* 'Auf, der anderen Seite des Hofes geht man durch ein Thor, !velcbeb viel einfacher wie das erste ist, '
. .Die Alte Hebe Pforte, “levi Handels-Ministerium, rst hinter der eben genannten. 2111 wems höher nach der Hagia Sophia hin, gelegen. Sie bietet außer ihrem äußeren Thore, welches noch
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reicher als das der jeßiaen Hohen Pforte verziert und von einem gefälligen, nacb chinesischer Manier aufgeftülpten Dacbe gekrönt ist, mcbis Bemerkenswerthes. Das innere Gebäude ist alt, dunkelrotk) gestrichen und von sehr unfreundlichem Aussehen. ,
„ Das _Seraskierat, Kriegs-Miuisterium, liegt auf dem dritten Hugel von Stambul. auf dem Zsaße des Eski-Serax, des alten_ Serail, der, wie schon bemerkt, na der Eroberung von Kon"- staunnypel anfangs von Sultan Mahomet 11. bewohnt wurde. Das Seraskierat nimmt einen Weiten Raum ein, in welchen man durch zwei Thore gelangt. Das eine auf der Nordseite öffnet sicb auf eine Straße. Welche auf die Moschee sti-Djami une- die Brücke der Valideh fußrt, das andere geht, auf den laß Baiazet und die Moschee gleichen Namens. Seiiwäris von die em Thore ist eine durch GitterWerk abgeschlossene Loge angebracht, in welcbcr dchulian wäiprend der den Rbamazau be1chließenden Feste Plaß nimmt. Diese beiden Tbore führen auf einen weiten Hoi, ivo fick) obne reaelmäßige An- ordnung die Gebäude des Kriegs-Miziisteriums, neue Gebäude ohne KunsiWLrib, erheben. Gegen die Mitte bin ragt der Hohe Tburm diss Seraskterats emxor, dessen Spiße der Höchste PunktKonstautinopels ist. Hier sind bestandig Wachen aufgestellt, um etwa ausbrechende Feuersbrunste zu signalisiren. Man findet auf der Spitze des Tburmes, ' zu der 179 Stufen hinauffüiyren, eine kreisrunde Glaßgalierie, von der sich dem Auge ein großartiges Panorama bietet. Es ist dies der günstigste Standpunkt, um eine richtige Vor- stellung von der allgemeinen Topographie von Konstantinopel zu be- ko_mmen. Der Blick erstreckt sich Weithin auf das Marmarameer, mrt den schneebedeckten Gipfeln dcs Olympizs im Hintergrunds, auf das gdldene Horn und das Thal der Süßen Wasser von Europa, auf die Ebenen Ronmeliens in der Richtung aqudrianopel, auf den Bosporus, Scutari u. s. w.
Die „Vertheilung des Früi-jabrs-Meetings in Hoppegarten auf die Vier Sonntage des Monat Mai und den Pfingstmontag bat nur eine ganz kurze Spanne Zeii zwischen den Frühjahrö- und den Sommerreimep gelassen. Nock) in_l'kinem Fabre waren so viel An- Melduuger. Seitens Österrcich-ungari1cher Rennstaklbesißer für die Bahn erfolgt, ais in diesem und noch in i'eiriem Jahre waren so vici von diesen Pferden in den Boxen zu Dahiwiß und Hoppegarten einge- troffen, als gegenwärtig dort eiugestclli smd. [[r-„ier den angemeldeten Pferden befand sicb (insb der beriibmie ungarische Hengst „Kisbéc“, der Sieger in dem diesjährigeu_eiiglischen Deiiyrennen und in 5.ng- (Hamps, ,wo er den H„undeiiteiiiend-Frankenpreib davouirug, der eiiier- dings mihi eingetroffen war. „Good Hope“ hat gestern aaf dem Hoppegartener Turf den SportSmen von Jack) eine Leistung vorgelegt, welcbe Über alles Lob erhaben ist. Das beste Pferd, auf unseren ieniicben Bahnen Weir ieiiber „Templer' aus dem Gradtßer Gestüt. Nock) gestern vor dem Rennen galt bei den Meisten ,Templer' als der unbestrittene Sieger der „Union“ und selbst der ,Sporn“ Pregnostizirte noch am Sonnabend dem Gradißer mit ziemlicher Bestimmtheit den Sieg. Von den 52 Unterschriften,“ welche die „Union“ aufzuweisen und von den 41 Pferden, welche das Rermm angenommen hatten - ".ind daruuter österreichische und ungarische Pferde, die speziell zu diesem Rennen bier cxingetwffen Waren - ist 91191) nicht ein einzises außer diesen beiden Rivalen am Simi er- ichienen. „Good Hope“ sollte ein Dusk). mit „Templer“ auski:;:pfen uiid Niemand wollte ibm dadmcl) bebülflicb sein, daß er ihm: bali, die Pace zu machen, Schnel] entschlossen nabm deshalb Gr. v. Op- penheim ais „Pacemaker“ den „Katcr“ zur Hülfe, aÜein dieser war der 1011g€11„Distanx und der ickzarfen Pace, welche er dem Gradißer Vorlegte, i_ur die Dauer nicht gewachsen, und fo mußte denn „Good HOPE“ aus der halben Bahn das Rennen selbst in die Hand nebmen: cr leitete es in einer Weise, welcbe seinen Riihm alk; das beste Pferd glänzend dargethan.
Von den anderexi Rennen des gestrigen Tages ist weniger zu melden. In dem „V riuchSrennen der Stufen“ i(blug eine ungarische Gastin, Graf Sztaray's JWeijäbrige br. St. „Cialogkny“ des Grafen Henckel 8611. dreijährige br. Si. „Miß Buccanecr“. In dem „silber- nen Pferde“ vermochte „Golos“, der Sieger vom vorigea Jahre, den Vestß des Ehrenpreises nicht mehr zu behaupten, mußte ihn
an Graf Henckels „Banelt“ abtreten und wurde sogar auf den' vierten Platz gelegt. In dem „Seaborse-Rennen“ bra te „Mi::(detß“ seinem gegenwärtigen Befißer vor dem voraussichtlich heut erfolgenden Verkauf noch einen leßten Tribut dar. Der Staatsvreis 11. Klaise Von 4,1500 „(ck konnte leider nur in einem Kompromißrm- nen zw11chen „&?hrenbogen“ und „Germania,“ bei dem letztere fiir das zweite (Held mit Über die Bahn ging, erledigt Werden, und in dem Kaufpreis-Jagd-Rennen, bei dem zum cxstcn Make die neue Einrich- tizng zur Anwendynß kam, da[; Herren mit Jockeys gerneinscßafiliri') ritteu, (Hr, Oelichläger bracb zuerst die bisherigen Schranken) zeigte Tr-xmer Keliv auf „Demokrat“ sein Talente als Sieewle-Cbase-Reiter. Die Rennen selbst verliefen pünktlich und ohne UnfaÜ.
Am 16. August des nächstcn Jahres feieri' das Germaniscbe Museum in Nürnberg sein 25iä[)riges Stiitunquest, und es uiachi: fich sck-on 1th der Gedanke aeltend, Vorbereitungen zur wür- digen Begehung dieser Feier zu treffen. Bis dahin sollen auch di:.- in Angriff genommevcn Vauien voÜcndei sein. Die Gaben fiir das Museum fließen fortwährend in erfreulicher Weise. «***-0 hat neuer- dingcz der Fabrikbcsißer 131". Rickiter in Nürnberg dm Betrag von s2000d „ZM fiir ein gemaltes Glasfenster im Neubau des Museums ge- pen e .
Die ,SZraßburger Ztg.“ vom 18, Jun“. veröffentlicht folgenden Artikel: „Für die Uebericbwemmien.“ Ein unbeichreiblicheé Ungiüék hat die Bewohner der Rbciiiorte beiingesukbt. Vöüig un: erwartet kam den Uferbewohnein das ijchwcllen des Stromes und nirgends hat““e man Vorkehrungen getrcfsen ziir Abwehr der Gefahr. Durch das Brecben der Dämme wurdc O_lößlich eingroßer Theil der fruchtbaren Rheinebene unter Wasser (zeicßt; die Brwvhaer wurden nicht nur mit _einem Male der Fcucbt_ ihrer Mühe und Arbeit be- raubi, ihre „Hoffnungen auf einen auöreichenden Ernteertrag wurden bernichiet; sie müssen sogar die nothwendtgsten täglichen Bedürfnisse, Nabruxigsinittel und Kleidungsstücke entbehren. Ohne Alles ergriffen sie die Flucht vor dem reißenden Strome.
, Vielen hat das hereinstürzende Wasser skgar die Wohnungen zer- stört; in Gerstheim stürzten dreizehn Häuser; in die lutyen!
'Nur auf die Kraft ihrer Arme angewiesen, tebt eiii roßesr Theil der Bewohner von Dieboisheim, F-iesenbeim, Rheinau, oofz- heim, Grrstbeim, Schönau, Arßenbeim, Neudorf, Piobsheim, Musau UUd anderen Dörfern ihren verwaisten thnungen gegenüber.
Es tit keine Aussicht vorhanden, daß die Gefahr m den nächsten Tageiz verschwindet, vielmehr mut; man, fick) nach allen Nachrichten auf em langes Siehenbleiben des Wassers 8er t macken.
Man kann_ daber voraussehen, das; chs lend wächst, daß es dem Mensiben immer schwerer wird, es in 1eincr ganzen Ausdehnung zu bekgmpfen, _den Schmerz der vielen Tausende zu lindern.
Fl!“ die Linderung dieser Noth find die Mikel eines Landes, das was die offegtlichen und privaten Kassen zu bieten vermögen, zu klein., Ohnmachtig steht der Mensch der ungeheuren Wucht der all- gemeinen Noth gegenüber.
Wir WendZn i_ms darum an die öffentliche Midtbätigkeit nicht nur unserer elsafsiichen Landsleute, ohne Unterschied, ob sie durch die Geburt dem Lande angehören oder ob sie erst dessen Bürger ge1vor- den smd, sondern „auch an das gesammte deutsche Vaterland, an den Opfermuth und die Mildthäiigkeit des gesammten deuischen Volks. An urifere Landsl-uie diesseits und jenseits des Rheins richten wir die Bitte, indem wir auf die weiter unten befindliche Erklärung unserer Expeditidn verweisen, den notbleidenden Bewobnern der über- schwemmten Ortichaftxn die Hand zu reichen und Hülse zu leisten in der aligemeinen Bedrangniß!
Die heute porliegexiden Hochwas 1' ernacbrickoien lauten:
Friedricbsyasen, 17. Juni. (W. T. B.) Auf dem Bodm- iee berrichie „gestern großer Sturm. der Regen dauert fort, das Wasser des Sees steigt nochhöber und steht bereits 3,08 Meter über dem Nuupunkte des éegcls. Lazigenargen ist stark überflutbet, einzelne Bewohner der ge äbrdeten Hauser mußten mittelst Kähnen gerettet: Werden. Die Bahnlinie Lindau-Bregenz ist gleichfakls überftuthet“ und der Verkehr eingestellt.
_ Bern. Von dem an dcr Emme, unrveit Burgdorf liegenden- Lußelflub schreibt man: An mehreren Orten rutschten die Straßen; der S_cbioßbergerwald klafft geradezu an einzelnen Stellen außeiuander, so daß Tannen fielen, axis ihrer Lade gerückt, entwurzelt, und Jucbarten großes Bodenterram wie zu Thal fuhr, an einer Stelle quer über die Straße fich lagernd..
, “ Thurgau. (Korr. der N. ZÜrÉ. Zig. vom 17. Juni.) DerZRe- gierungsraib beruft den Großen Raik) außerordentlicher Weise auf den 21, d. M. zusammen und wird ihm den Antrag stellen, ein Anleihen von U MiÜioum Franken zu erheben, damit der Kanton den Anforderungen, Welche wegen der Ueberschwemmungen an ibn gestellt werden, ent- sprechen kann. - Gestern und diese Nacht Halten wir wieder bef- trgen Regen, dercbeiounders auf die vielen Rutschungen ungünstig ein- wxrken Wird. Die ftarkiten Schlipfe zeigten sich bis jetzt in Herdern; dann_am südlichen Abhang des Jmmenberges, so in Weingarten, Steiiurt, Weziken. Das ganze Ueberichwemmungsgebiet ist an den Abbangen von Rutschungen heimgesucht und wenn die regneriscbe 1ZZZZrctbiterung noch länger andauert, sind gefährliche Katastrophen zu be- ur en.
Aus Ermatingen schreibt man der „Thurßauer Zeitung“ :* Am Abend des 8. Juni, _gerade bei Einbruch der Nacht, zogen sicb iÖWereGewitterwolken zniaminen und entladen sich zwischen 8 und 9“ Uhr auf so fs-rchierliche Weiie, wie man es in unserer Gegend noch selten erlebt. Ju Sirömen ergoß sich der Regen, der Bliß erleuchtete fortwährend das graufe Dunkel und endlich stürzte der Hagel, in unerhörten Massen auf die Felder ?ernieder und vernichtete namentlich in den Weinbergen die chönen Hoffnungen des Landniayns,“ Dura“) Gräben, Wege und Straßen fioß das- Wasscr in Strömen, "wählte den Grund auf und trug Schlamm und Steine in die Garten, Felder, ja selbst in die Häuser hinein. Der Dorfbach s'cizrvoii zu bedeutender Höhe an und besxbädigte an vielen Orten wine Usér. Nachdem am 9. und 10. Juni das Wasser sicb größtentheils verlufen hatte und man angefaiigen, die zerstöxtm- Gixaßem wieder Herzustxllen,“ stürzten am Abend und in der Nacht des 10. Juni neue besrige chengüsse bernieder imd bald erreichte der Bezel) eine Höhe und Gewalt, derer; fick) die ältesten Leute nicht zu erinnern vermögen. Er riß seine scbon unterwüblien Ufer“ aufs Neue an, Bäume und ganze Strecken Landes stürzten in denselben und Wurdeiifortgerissen und bald standen auch mehrere Häuser in Gefahr. Außer den Verbeerungen, welcbe unmittelbar:- dnrci) das Wasser herbeigeführt worden, ist der durch Erdsiblipfe ent- standene Schaden sehr beträchtlich. UeberaÜ, an allen Bergeshalden, ist das Erdreich Heruntergeruischt, hier in kleinern, dort in Krößem Massen. Beim Schlosse Hard 3. B. ist ein bedeutendes Stück des- scbön bewaldeten Abhangs mit den darauf stehenden Tannen in die Tiefe gefahren. Am furchtbarsten aber sind die Verbeerungen, Welche in dieser Hinsicbt die prääziigen Yiiiagen des Srblosses Aremberg be- troffen liaben. Dort ist buchstäblich der ganze nördliche Bergabhang. (Ulf eine Länge von mobl 600“ und eine Breite von 200“ in der Be- Wegnng tbalabwärts begriffen. Ueberall zeixxi der Boden Risse und Spriin-ze; die herrlichen Bäume liegen theils am Boden, iheils hängen sie schief nacb aÜen_ Seiten durcheinander. Hier smd die 'An» Lageln ganz in einander ge1chdben, dort li-gt ein großes Stück Land- ab da.
Theater. _ .
Ter ._Ober-Regisseur des Herzoglick) Sachsen-Meininzen- schen Hoftheaters, Hr. Chronegk, begiebt sicb von Hier aus- ncicb London, um mit einem namhaften Theaier daselbst iveqen eines- Geiammigaitspiels "OLS MEiUiUJLk Hoftheaters für künftiges Frühjahr prrjöniicl) zn unterhandeln.
» _Am gestrigen Sonntage War Krolls Etablissement, wo das 1chwedische Jnstmmental- Sepieti und daneben die gewandte BaÜerine Fräul. Etelka Boor große Anziehungskraft üben, fo zahl- riick) besucht, wie selten.
_ Morgen Dienstag gelangt im Woltersdorfftheater' nei: einsindirt das bewährte Repertoirstück dieser Bühne: „Das Y.iich111ädchen von Schöneberg“ mit Frl. Schatz in der Titelrolie zur N.!sslikN'lliZJ. Hr. Schindler spielt den Reporter Brennecke, und die übrigen Hauptrc-Üen smd durch “die Herren Scismiß, Junker und Max beseßt.
_ Jm Nationaltheater gelangt in nächster Woche das Lustspiel „Flattersucbt' von Victorian Sardou zur ersten Aufführung.
-- Jm Tbaiiatbe ater find die Eintrittspreise jcßi so erm äßigt worden, daß das 11, Parquei, der Balkon und ein Stehplaß ichon für das Stadipark-Entrée zngäiiglick) sind. Diese PreiSherabseßxmg wir auf den Besuch dieses Theaterß, in welchem die anspreckvendsten Lustspiele und Operetten durch die besten Kräfte der Wallner- und der Woltersdorffbiiixne ausgefiihrt „ Werden, jedenfalls günstig einwirken. Die melodische Offenbacbscbe Operette ,Dorotbea“, Welche gegenwärtig auf dem Repertoir sieht, enthält für Hrn. Adoliiund Frl. Preuß sehr dankbare Partien. In dem unterhaltenden Luiiwiel „Die Siinderin“, yon (H. v. Moier und in dem SÖwank „Ein Knopf“, von Julius Rosen, tritt be- sonders Hr. Blencke hervor, neben Welchem in dem ersteren Stück“ auch Hr. KurZzsowie dic Damm Fr. Schüler-Formes und Berg, im leßt-rren Frl. redow lobend zu nennen sind.
Im Stadtpark hat am Sonnabend das leßie Straußsche Mcnstre-Konzert stattgefunden. Der nicht besonders günf'rigen Wit- terung ungeachtet batte sich im Garten ein sehr zahlreiches Pubiikum vei-i-Unmelt,we1ches Hrn. Johann Strcxuß bei jedem von ihm dirigirten Siuck deu lebhaftesten Beifall wendete. Zur Einleitung des dritten Theilx; dax Konzerts legte Hr. Strauß den Fledermaus- walzer ein, nach dessen Beendigung ihm unter dreimaiigem Tusck) des Orchesters" und andauernden: Applaus des Publikums ein UcLÖtWÜLS Bouquet uberreich: wurde.
Bäder-Statiftik.
Cubowabis9.Juni............... 75 Elmenbis14.Juni. . . ... . .. . . . . . . 431
Ems bis 18. Juni . . . . . . . . . . . . - . . 5040 Flinsberg bis 12. Juni . . . . . . . . . . . . . . 109 FranzenSbad bis 14. Juni . . . . . . . . . _. . . 1487 Johannisbad bis 12. Juni . . . . . . . . . . . . 151 Jscbl bis 12. Juni . . . . . . . . . . . . . . . 507 Kissingen bis 13. Juni . . . . . . . . . . . . . . 2134 Langenau bis 15. Juni. . . . . . . . . . . . . . 57 Reiboldßgrün (bei Auerbach) bis 15. Juni . . . . . . . 115- Reinerz bis 15. Juni _ . . . . . . . . . . . . . . 548 Rob1t1ch-Saucrbrunn bis 11. Juni. . . . . . . . . . 245 Salzbrunn bis 15. Juni . . . . . . . . . . . . 489 Schandau bis 16. Juni . . . , . . . . . . . . . 187 Warmbad (bei Wolkenstein) bis 15. Juni . . . . . . . 135 Wiesbaden bis 17. Jimi . . . . . . . . 26414...
Redacteur: J“. Prcbm. Verlag der Expedition (Kessel). Tdruif: W, ElSUer. Bier Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage). (612)
Berlin:
Elsterbis12.Juni. . . . . . . . . . . . . . . 843"
zum Deutscixen ReichS-Linzeiger [Md Königlich
«Wk142-
Yithtamtliches.
Preußen, Berlin, 19. Juni. Die Antwort, welche in
'der Sißung des Herrenhauses am 17. d. Mts. der'Mimster der geistliizen ec. Angelegenheiten Or. Falk auf di:“: Inter- pellation der Herren v. Kleist-Reßom und Graf Udo zu Stol- berg-Wernigerode gegeben, hatte folgenden Wortlaut: . .
Sie wollen mir einige kurze Bemerkungen gestatten, ebe ick) mich zu einer möglichst bestimmten Beantwortung „der der Kultudverwal- tung vorgelegten Fragen wende. Ich glaube im Sinne und im In- teresse des hohen Hauses zu handeln," wenn ich_auf eine Reihe von Punkten, die der Herr Vorredner beruhit beit, hier gar nicht eingebe, weil ich überzeugt bin, das; ein wirkliches Eingehen auf dieselben fast bei jedem einzelnen Punkt, wenn die Verhandlungen eimgermgßeu gründlich sein sollen, eine ganze Sißung in Anspruch nehmer wurde. Es gilt das beispielsweise von demjenigen, was andeutungSweise er- wähnt Wurde, hinsichtliäo der von mir im Oktober1872 erlassenen ix_)- genannten allgemeinen Bestimmunßen. Es gilt das 111 Bezug auf die Ansteüung der Schulinspektoren und die Uebertragung der staatlichen Aufsicht der Schulen einer anderen Konfession an den betreffenden Schulinipektor. Ich kann mich in letzterer Beziehungnum so rnehr einer Darlegung enibalten, als iioch nicht lange _vorubergegaugene Verhandlungen des anderen Hauses mit: Gelegenheir gegebezi haben, den Standpunkt, den in dieser Frage die StaatSregierung eingenom- men, darzulegen und zu motiviren. Ich sehe auch davdn ab, zu be- gründen und zu zeigen, daß es in konfesfionener Beziehung (x_bsolrxt und schädlich wirkt und Weiter wirken „wird", wenn eine Ressorimniber- lung in der Art gemacht wird, daß in hoherer Justaxz gewisse Be- zirke ohne Scheidung der darin befindlichen SchUlen nach ihrer Konfession einem Manne übertragen werden. Ich karin allenfalls speziel]; Bezug nehmen daraui, dciß es doch Wohl em Irrtbum ist, jenes vorbin erwähnte herrliche Lied dem verehrten Paul Gerhard zuzurechnen"es scheint xmr, als ob der geehrte Herr Bor- redner nicht eingedenk gewesen sei der Thatsawe, d.) dies Lied we- sentlich eine Nachbildung ist des von dem Kaiboli en Bexnbard von Clairvaux gedickoictcu Liedes: „Jahrs oapub eiueyta-tan Ich kann mich aber nicht enthalten, stiÜschtgepd daruber hxnwegzugeven, daß: von einer unerlaubten Einwirkung Seitens der_Regrerungé-orggne auf die evangelischen Pastoren die Rede seni durfe. Wenn eme Re- gierung, und das ist die zu Düsjeldorf, .die ihr untergebeneii stadi- lichen Organe, Lokal- und Kreisscbuliiiipektoren, die gleichzeitig evangeiiiche Geistliche find, gemahiii hat, ihr Schulaufsichtsamt nicbt zu mißbrauchen zu Agiiationen, _mcht zu m:ßbrauchen_ iogar so weit, das; sie ihre Gewalt über die Lehrer _benulzeri, um diese zu Exila- rUngcn zu veranlassen, die cventueil emen Widerstand gegen geseßlickoe Anordnungen der vorgesetzten Bebocden, ankundigen, wenn sie das _ge- than hat, sobat sie einfach ihre Pfiicht als Siaaisbebörde erfuut und ist nicht über die Grcmzen binauSgegangen, die ihr ge1e i sind. Das; das nicht geschehen isi, ist in derweiteren Erörtetuyg „o klar gelegt, daß das von mir in keiner Weise atigeregte Konsistorium der Rheinprovinz in diesen Tagen mir eine Verfa ung an die Geistlickoen in der Provinz mitgetheilt _hat, worm sie den elben das arif das B“- stimmteste zu erkennen giebt; der Herr Vorredner könnte die Abschrift eineben. ,
kIck wende mich den gesteüten Fregen gegeniiber nunmehr zu einer Richtigsteüung ves Sachverbaites, der_m nur yon dem (ius ist es konkreten Angriffen gegenüber möglich, grundlich und erichopfend z_u antworten. Ebenso, wie der Herr Vorredner „keinen Blick auf die zukünftige “Unterrichtheseßgebung ir! dieser Beziehung geworfen hat, ebenso enthalte ich mich desieir Sie alle ,wYx-n ja, datz miVezug auf den Entwurf eines Unterrichtsßesc-ßes die axhe i_o wert, nicht ge- dieben ist, daß man sagen könnte, welche Vorschlage uber die hier in ?)iede stehenden Fragen die Staatskegterung der_ LandeSver- tretung machen werde. Die Frage bleibt in dieser Richtung lediglich den künftigen Verhandlungen überlassen. Ich ka_nn mich daher nur an dasjenige halten, was iiuf Grund der'gegenwar- tigen Geseßgebung mcinerieits etban ivOrden ist, und da ist es nun, - und die in den öffentlichen Blättern, namentlich auch in den amt- lichen Organen der Unierricthverwaltung abgedxuckten Beifugungeii erWeifen das in vollem Maße, - niemals von meiner Seite" aussie- sprochen, daß prinzipiell auci) solche Simultgnscbizlen, die ubrigens die Bezeichnung religions- odcr konfesfidnswse ixi keiner Richtung ver- dienen und am besten paritätische zu nennen waren, - ich sage „aiko, es ist nirgend bon meiner Seite angeordnet wvrden, es Jolle prinzipiell auf erichtlmiq iolcher Schulen hingewirkt werden. (Hort, hört !)
Kmas.
Es ist nur zweierlei meinerseits geschehen; es ist den _Regie- rungen gesagt Worren, daß da, wo_die Trennung der S_cbule in em- zelne konfessionelle Schulen die Erreicbux-g der Ziele der Schule wesent- lich erschwere, und ivo diese ErichWerpiß so sei, daß der Scioulzweck nur erreicht werden kann durch Vereinigimgder getrennten Schulen zu einer Schule, das; dann allerdings von, ihr die ?lnregung dazu ge- geben werden solle, und es ist - und dic-I beschranirstcb guf „sebr Wenige Fälle, wenn die Erörterungen mit den Betheiltgten zu dieser Richtung zu keiner Verständigung fiihrten - damx all_erdinas irn FaUe absoluter Notbrvendigkeit, der Nothwendigkeit niimlich, 'die Schulziele sonst nicht erreick.»eti zu können, eine zwangsweise Vereini- gung eingetreten, Dies die eine Seite. - Nun die andere. Kommt von denen, die zur Unterhaltung der Schule verpflichtet sind. die An- regung zu einer derartigen Vereinigung, io _1st der Gesichtspunkt, unter welchem einer solchen Folge zu geben, zungchst der, daß, _wo es sich um sogenannte Schulgememden handelt. eme Einigung dieser Schul- gemeinden vorhanden sein n-Uß, und wo es sich um Kommunalicbulen handelt, der Antrag der Organe der zu deren Unterhaitung vcryfiichieten Gemeinden vorliegen muß. Es muß aber iioch einem Weiteren ge- nügt Werden; es UUM durch die Vereinigung in der That das Schul- wesen gebessext werden. Dies sind die Vorausfeßungien, unter denen zur Schaffung einer paritätischen Schul;- oder Verb ndung mehrerer konfessioneller Schulen zu einer paritäti1chen geschritteti werden kann. -- Es muß aber dann beider Ausführung noch zweierlei beobachtet werden: erstens, daß in vouem Maße Sorge getrageg Wlkd fur den konfessioneüen Religionöunterrichi, und zweitens. ,da]; das Lehrer- kollegium zufammengeseßt wird aus Lehrern verschiedener Konfeision. Dies, meine Herren, sind die Linien, in denen sich die Unter- richtsverwaltung bisher bewegt hat, und wenn von Seiten des Herrn Vorredners behauptet worden ist, daß die „Untergebenen Bbörden in dieser Beziehung weiter gehen, so möchte ich doch icht die Darlegung in dem einzelnen Fall erwarten. Diejenigen Falle, die zu meiner Kenntnis; gekommen sind, und über die ich bisher be?- funden babe in höherer Instanz, bewegten sick) überall auf dieser Linie mit AuSnahme eYWa eines einzigen Falles, der weder die Rhein- -provinz, noch die “Provirzz Postn iangirt, in welchem ich Veranlassun gefunden habe, die Begieriing _darauf aufmerksam zu machen, dai? fie die Verfügung, ,die meixteriett?! erlassen sei, zu weit auslege. - Es ist aucb eme so1cheVerfugungm dem Centralblait des Jahres 1875 abgedruckt worden. , . .
Wenn ich Ihnen nun also gezeigt habe„ was wirklich geschebm ist, wende ich mich zur Beantwortung der beiden vorgelegten Fragen: 1. „Worauf stüßt die Schulverwaltureg die Berecixtigrmg, bestehende evangelische und katholische, ja sogar christliche und_judnche Elementar- schu1en zu sogenannten Simultanschiilen zu verbinden?“ Die Ant. wort darauf ist eine ganz kurze: auf ihr geseßlickZeTReckyt. Jch_ habe egem'iber anßexegten Zweifeln diesen Saß naturlich zu begrunden. Herr von Kleist Weist mich, wie das hier auch von Petenten in dieser
Erste Beila e
s 0- .
Berlin, Montag, den 19. zum
Angelegenheit reichlich geschehen ist, auf den ersten Absaß des Art.24 der Verfassungsurkunde hin. Derielbe lautet:
Bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen sind die kon- fessionellen Verbäimisse möglichst zu berucksichtigen. " Ich muß allerdings für mich in Anspruch nehnzen -- zunachst
formell, wenn ich, die weitere Ausführung Wird es zeigen., materlteÜ ' vieÜeicht einen Schritt entgegenkommen kann, -- daß dieser Artikel in der That kein geltendes Recht ist. Mit klaren und. durren Worten spricht es der Artikel 112 der Verfassungdurkunde, m Ver- bindung mit Artikel 26, aus. Ich Habe, keinen Grmid, diese Artikel vorzulesen. Bei den Debatten ahnlickser'Art ist ihre Ver- lesung in diesem hohen Hause in auSgiebiger Art eingetreten. Aber es heißt auch in diesem Artikel, es sollen möglichst die konfessiorieÜen Ver- hältnisse berücksichtigt Werden, und der Herr Vorredner Wird sich er- innern, daß er mit seinem Amendement, diesem Artikel den Gehalt zu geben, die konfessionellen Verbälmisse fikid Zriindiaßlicb zu berucksich- tigen, bei der damaligen Zweiten Kammer nicbt durchgedrungen _1st, daß dieser Antrag verworfen wurde, urid das-,möglicbst“ stchm blieb. Nun, meine HEUER, man ist fich bei Erlaß der Verfasungöurkuride - und das spricht Wohl für “meine Bercchiigimg, den Art. 112 hier ganz besonders in Aniprueb zu nehmer) -- voÜig bewußt gewesen, dgß dieses „möglicbit' durch das Unterrichtsgefeß crit ordentlich desintrt werden sollte, um zu wissen, was sein wahrer und voller Inhalt sei. Es ist der damalige Minister der geistlichen Angelegenheiten Herr von Ladenberg wie er auSgeführt hat, ja ein Anhänger des Gedankens ge- wesen, da in diesem künftigen Unterrichtsgcieß vom Standpmzkte der Konfessionalixät der Schulen ausgegangen werden folie; er ist aber auch prinzipaliier der Meinung gewesen, da]; eben, wegen der „Unbe- stimmtbeit jenes Auödrucks es an sich besser. sei, dreien, Saß nicht in die Verfassung aufzunehmen, sondern ibm die nothwendige Gestaltung im Spezialgeseß zu geben, und er hat eben nur um deSivtllen, Weil in diesem hohen Hause oder der damaiigen ErstenyKammer em iolcber Anitas angenommen war, daß" in der Ztvezten Kammer befürwortet. Wie fick) aher Herr von Ladenberg uber die Be- deutung des „möglicbst“ aUSgeiassen bai, daS,'meine Herren, wollen Sie aus folgendem kurzen Saß fiel) in Erinnerung britzgen lassen. In der 53. Sitzung der Ersten Kammer vom Jahre1849 cxiißerie er_: Das „möglicbsr“ enthält zwei Bcichrankungen, r-_amlich die eine: „soweit es die Rechte des Staates und die Ansprucbe gestat- tetz, welcbe er an die Konfessionsichule zu machen hat, Wenn fie an . die Stelle der öffentlichen treten soll“, und die andere: „soweit es nach den Zablenverhältnisien ausführbar. ist“; „
Er drückt also damit aus: andere wichtige Interessen mussen erst versorgt sein, ehe eine solche Einricbtsung der_ kenfcsfionellen Scbuien durchgeführi werden kann, und zWeiteiis miiffen 'die ti)at- sächlichen Verhäitnisie berücksichtigtwerden, und ick) mochte m letzterer Beziehung dock) der Meinung sein, daß noch mcinche _andere ibatsacb- lichen Verhältnisse als gerade die Zahl der Schuler_emen zwmgenden Einfluß auf die Entscheidung dieser Frage äußert) durften, was“ aber das Andere betrifft, so bin ich grundsäßlich_ Mit ihm durchaus Einver- staudea: es müssen die Interessen des Staates vor . Allem sicher gestellt sein in ihrer allgemeinen Beziehung imd in der R1ch- tung, die |ck geltend macht in der UnterrichtSverwaltung mtt ihren Forderungen an das Schulrvrsen. Und nuxi, meine Herren, werden Sie mir doch zugeben, das; über diese beiden Punkte die maunigfacbsten Anschauungen bestehen können, ohne daß man sagen kann - wenn ein Saß nur so aÜJeniem gefaßi ist -, daß die «eine oder andere falsch oder absolut richtig ware. „Um zu wissen, wie Weit die Anforderungen des Staates vom allgemeinen, und vom pädaaogischen Standpunkte gehen könnten, bedarf ,es spezieller Gescße, sonst entscheidet bei aller Festhaltung des Prinzips -; und das ist der Punkt des Att.24. ivo ich entgegenkommen kaiin*- immer nur das gewissenhafte Ermessen des jeweiligen Kultuö-Mimsters, und, meine Herren, daß nach den in den leßéen 25 bis 30 Jahren gemachten Erfahrungen der jetzige Kultiis-Minister etwas aridere Anicbauungen über die ficherzustel1enden meer-ffen des Staates in dieser Frage hat, ja haben muß, als Herr von Ladenberg, das, meine Herxen, denke“ ni), ist doch klar, wir müßten sonst die Erfahrungey der letzten 5 Jahre beispielsweise einfach von unseren Augen wegweisen.
Das Gesiß, daß vor der VerfassungSurkunde bestcznd, und das im Art. 112 der Verfassungéurkunde gewahrt ist. das ist daéjemge, welches darüber entscheidet, , ob die Unterrichtsverwixltung das Recht
at, in der von mir bezerhneten Auslegung des Gedanken?“ des rt. 24 -- Wenn ich nämlich zugibe, daß man darauf Ruchficht nimmt, - derartige Verbindungen der Schule eintreten'zu lassen, und Wenn Sie die Gesetze prüfen, io Werden Sie rnrgend nden, daß eine solche Verbindung der Schule verboten sei, im eser;- tveil, Sie werdet) Andeurungen finden bestimmtester_ Art, die dahin geben, daß solche Verbindung stattbaben, em solches paritätisches Schulwesen existiren kann. Fast'ichien mxr das zugegeben Worden zu sein in Bezug auf die Bestimmungen des, AÜgemcmen Landrecbts; aber es ist doch vieÜeicht nützlich, die:"beiden Paragra- phen, die sich über diesen Punkt verhalten, vollstandig vorzulesen. Der )(11. Titel 2. Theil des AÜgememen Landceehxs sagt: § 29. „Wo keine Stiftungen für die gemeinen leyulenbor- banden sind, liegt die Unterhaltung der Lehrer den iammtlichen Hausvätern jedes Orts, ohne Unterschied, ob sie Kinder haben oder nicht, und ohne Unterschied des Glaubensbekenntmffei o_b.“
. 30. „Sind jedoch für die Einwohner _verschiedencr Glaubensbekenntniffe an Einem Orte mehrere gemeine Schulen errichtet, so ist jeder Einwohner mit zur Unterhaltung des Schul- lehrers von seiner Riligionepartei beizutragen verbunden.“
Die Geseßgebung am Rhein sprich: lediglich den kommunalen Charakter der Schulen aus und befaßx'sick) mit diesem Punkt gar nicht. * Es ist in der Schulordnun sur Preußen vom Jahre 1845 keine Andeutung enthalten, die daran audgelegt werden könnte, das; cine solcheVerbindung unzulässig sei, und doeh wäre ein sehr hervorragender Grund vorhanden gewesen, gerade in dieser Schulordnung, wenn znan eben solches gewout hatte, darüber zu sprechen, denn die'Stande der Provinz Preußen hatten sich im Jahre 1838 an de; Konigs Ma- jestät gewendet mii der Bitte, die Anordnungen der Unterrxchtöver- waltung gegen die Simultanschulen aufzuheben. Auf diesen Land- tagöabscbied komme ich in einer anderen, Richtizng noch zurück. Es is? das Schulreglement von Schlesien - 1ch meme das vom 18. Mai 1801 iür die niederen katholischen Schulen _ auch in Betracht zu nehmen, und dort heißt es in Nr.7 : ' '
„In solchen gemischten Dörfern erlheilt der_ Schuliehrer allen .Km- dern oZne Unterichied der Religion, den Unterricht im Lesen, Schreiben, und a en solchen Kenntnissen, die nicht zur Religion gehören. Zu Lesebücbern sollen solche gewählt werden, die'nichts von den Unter- fcheidunsswbren einer oder der anderen Religion ent alten. Des- gleichen müssen sich alle Kinder zu dem gemeinschaft ichen Gebete oder Gesange bei dem Anfange _oder Ende der Schule vereinigen, wie solches bergebracbt ist, doch myß dieses Gebet oder Gxsgng nichis Einseitiges einer Religionspartei enthalten. in der Religion ertheilt der Schullehrer, aber nur den Kindern seines Glaubens, Unterricht.“ ,
Die Geseßgebung der im Jahre “1866 mik Preußen vereinigten Landestheile lasse ich außer Spiel, die Frage hat dort entweder eine vollständige ges.-ßliche Erledigung gefunden oder - soweit 1ch le erinnere - noch keinerlei praktische Bedeutung, ich habe also an getroffene Entscheidungen hier nicht zu vertreten. Nun, meine Herren, ist auch der Juden edacbt worden. Es wäre unrecht von mtr wenn ich Ihnen eine eibe Paragraphen des Geseßes vom 23. Juli “1847 über die Rechtöverhältmfic der Juden vorlefen “wollte, ich be-
g “ - Preußischen Siaats-Anzeiger. -
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zeichne sie aber als die Paragraphen voii 60769 und stelle“ die Be- hauptung auf, daß dort die Errichtung einer „1üdischen Gemeindeschule als eine reine AUSnabme hingestellt wird, die nur unter ganz bes_on- deren Verhältnissen eirxtreten 1011; die Rege! aber ist, daß ail-x-Sckmler mireinander vereinigt icin folien. _ __ _ '
Ich möchte nicht, wie aus einer wichen LVUCLZLÜUUJ sick) irgend- wie eine Linie für das Verhalten der Unterrichtßverwaltuxg herleiten ließe, die eben die Vereinigung der Schwien, welche die_Frage 1. be- zeichnet, gesetzlich unstatihaft erscheinen ließe. Es isi vielmehr aus- drücklich in der Regierungsinstruktion von 1817, den Regierungen unter den Weiten Rechten, die ihr in Bezug auf das Elementarschul-
"meien vorbehalten wvrden, ausdrücklich die Befugnis; gewährt worden,
„Sei)ulsozietäteu einzurichten und zu vertheilen, wv die_ Ortschaften es wünichen oder lokale Umstände es nothwchndtg m9chen“, eine Anwendung dieses Süßes ist in Bezug auf die Einziehung bestehender jüdischer Schulen der Provinz Posen in ]enem von wir vorhin erwähnten Geseß im §. 69 ausdrücklich gemacht worden und die Beratbungen über das sogenannte Kompeteuzgeseiz werden es ebenfalls nicht zweifelhaft erscheinen laffen, daß diese geießliche Be- stimmung noch in voÜer Wirkiamkeit ist. _
Man hat aber noch auf gewisse, in früheren Zeiten der_ Unter- richtsverwaltung gegebene Normen Hingewieien, nicht heute, indessen die Frage ist ja eine vielfach ventilirte, und hat, wie ich„allerdmgs meine, auf der Basis einer sebr ungereÖifertigien Agitation in einer unserer Provinzen ein erbeblickzes qufiehen erregt und darum muß ich auch_ an ier nicht erwahnte Argumente anknüpfen, welche fur die Auffassung des „Herrn Vorredners und gleichzeifig gegen ein solches Vorgehewdex Regierung ncltend gemacht werden. * Das find AUerbö-HfteAusivruche „aus'den Jahren 1822, 1829 und 1838, die fich aus meinen Akten m'ähn- lichem Sinne nocb verwehren lasieri würden; es wird aber geniigen, an diejenigen anzuknüpfen, welche in weiteßer Art zur dffentlicben Kenntnis; gekommen find. Da ist dann zunachst em Rejkrrpr des da- maligen Ministers von Altenstein vom Jabre_1822, „welcbes _der AÜerböcbsten Ordre vom 4. Oktober1821 erwähnt, die allerdings ausspricht, daß der Regel nach Konfesfionsscbulen sein sollten, und nur sagt: „Aiisnabmen finden statt, wenn die offenbare Noth dazu drängt, oder wenn die Vereinigung das'Werk Freier Entschließung der von ihren Seelsorgern beratbenen Gemeinden ist _und vo_n der höheren weltlichen und geistlichen Behördekgenebtmgi wrrdk; m der Nile:- hbcbsten Kabinetsordre vom 23. Marz 1829-ferner ist gesagt „- es kann aber kein Bedenken finden, die Vereinigun_g 'zu befördern, Wenn der Mangel an hinreichenden Fonds die zweckmaßige „Einrichtung von Konfessionsfcbulen hindert, und die Gemrindeglieder beidchonfeisionen über die Organisation einer Simultanichule _einverftanden sind“; und in dem vorhin erwähnten LandtagHabscbiede vom _ 28. Oktober 1838 heißt es: „- sowie denn auch die Bildung neuer Simultanscbulen und die Vereinigung vorbgndener _Konfesfions- schulen da gestattet Werden soil, wo die Emrichtiing ern Simultanschuien entweder durch Mangel an zureiébeiidm Mitieln fur abßesondcrte Koiifesfionsscbulen geboten, oder kae."- Wer_k freier Ent- schließung der von ihren Seelsorgern beratbcnen Gemeinden ist und der Genehmigung sonst kein Bedenken entgegensteht.“: _
Es isi nicht iiiicharakteristisch, daß der Inhalt dieier Allerlxöckxste'n Criasie in Bezug auf die zu gestaltenden AuSnahmen kein gleichmaßk- ger ist, sondern das; eben die tbaisächiicbe Entwickeiixng der Dirige nnd ein näheres Betracbien der tbatsächlichen Verhgltmße zu verschiedenen Gesichtspunkten ßefübrt hat. Während namlich m _der Ordre vom Jahre 1821 eine Llusmabme nur dann vorhanden 1ein wake, wenn die offen- bare Noth dazu dränge, heißt es in der Ordre von 1829schor1, ,wenn der Mangel an hinreichenden Fonds die zweckmaßige Einrichtung hindert“, und während die letzte Ordre von 1829 auxdrucki, daß ch- neben die Gemeindemitalieder beider Konfessionen uber die Organi- sation einer Simultanschule und deren Notbwendigkeit einvernanden sein soÜten, so wird dieses Einverständniß nur als eiiie der Alternativen hingestellt, bei deren Zntreffen die Exufuhrnng von Simuiianscbuleu zulässig sein jou im Landtagßabichiede vom Jahre 1838, und als die andere Alternative auch ohne (Einverständnis; der Gemeinden ganz einfgcb der _ Mangel an zureichenden Mitteln für gesonderte Konfessionsichulen fur auIreichend erachtet, um derartige paritätische Anstalten zu gründen, Sie sehen aus dieser Verschiedenheit, daß in der vorliegenden Frage den konkreten Verhältnissen nach zwei Richtgngen [)in Rechnung getragen werden sou, nämlich wenn für eine zw.ckmäßige Schuleinrichtung, uber die beutenoch die Unterrichtöverwaltung zu entscheiden hat, (111 höchster Stelle, die Mittel nicht vorhanden find und zWeitens, wenn die betheilixxten _Schui- gemeindsn mit einander einverstanden sind. Und genau 19 verfahtt 1th die UnterrichtSverwaltung da, wo es sogenannte S_chulgememdext giebt. Wie diebe Erlasse und Ordres beziehen sich aber in ihrer Entscheidung auf die Fä e der Kommunalschulen gar nicht. Wohl aber könyen Sie sagen, wenn diese Ordren die Regel der Konfeffionsscbule begrunden. nament- lich auf den Saß, daß aus Simultanschulen Schaden e_rwacbse, so darf eine analoge Anwendung auch gemacht werden fur die Falle der Kommunalschulen. Das bestreitei Niemand. So gut_ aber, wie nach der einen Seite eine analoge Anwerbung zu machen rst, so muß sie auch nacb der anderen Seite gemacht werden, und das'ist die: wenn die Pilicbiigen es wollen und wenn sonst keine Bedenken ent- gegenstehen, darf ihnen in diexr Beziehung keine Schwierigkeiten gemacht werden; in jenem salle find die Schulgemeinden die Pflicbtigen, in diesem Falle sind es die Kommunen, vertreten durch ihre Organe. Ebenso ist auSgespxocben, daß eine entschiedene Riick- sicht genommen werden soll auf die finanziellen Verhältnisse; es ist darum keine unbillige Erwägung, daß. wenn die Kommunen bei ihren Vorsch1ägen,dieihreu gewiß naht ailzu leicht „belasteten Finanzen dienen und gleichzeitig den Interessen der Unterr1chtsverwaltimg ent- sprechen, wenn sie bei solchen Vorschlägen nicbt einen,Widerstand finden, sond-rn eine Genekmigung Seitens der Staatöregierung.
Damii glaube ich die erste Frage zur Genüge'beantwortet zu haben. Die Animort auf die Weite Frage darf und wird Wohl etwas kürzer sein. Allerdings kann ich nicht leugnen, daß ich, als 1ch diese
Frage: _
.Entgehen der Schulverwaltung die schwerwiegenden Bedenken, welehe ein solches Verfahren selbst in padagogifcber, didaktiicher und politischer Rücksicht hat“ _ _
zuerst las, eigentlich -- verzeihen Sie - sie etwas „wunderlich fand. Denn, meine erren, die vorliegende_Angelegenheit ist ja eme solche, die nicht 13 os unter Fachverstandtgen, sondern in aUen Kreisen, die überhau t nur etwas Interesse und Wür- digung für unser 5 entlicbes Leben überhaupt haben,_ eine seit alter Zeit ventilirte ist. Herr von Ladenberg bezeichnet sie in seinen Aeußerungen bei Berathung der Verfassun Surkunde als eine seit langen Jahren auf eworfene, uber Welchedie echniker ver- schieden dächten. Seitdem iit sic bekqnntermaßen vielfach wieder auf- genommen worden und irt neuester Zeit verge en nicht gerade die e Tage, wo mir uicht eme diese FraZeL betreffende Petition vorgelegt wird. Und nun denken Sie, sick) des eiteren hinzu, da? berathen wird der Minister, der eme solche Anordnung trifft, von einen sach- verftändigen und technischen Rätben, mid daß es sich um eine cage handelt, in welcher er einenWeg verlaßt, den seinAmtsvoxg user mit Konse uen gegangen ist und er sollte keine Not: von den in die er. eziehung „vorgebrachten Bedenken genonzmcu aben! In dickem Sinne wäre die Frage wohl in der That mmdesßenö eine wunder iche zu nennen- JZ glaube aber doch, daß das Eigentliche in der Frage das Wort werwiegend' ist, und wenn ich dies Wort
nun mit ielbftändiger Bedeutung verfehe, so finde ich in der Frage