1876 / 144 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 21 Jun 1876 18:00:01 GMT) scan diff

gestellt, die Berathung und Abstimmung über diesen Para- graphen bis zum Schluß der Spezialberajbung auSzuseßen. Nack) kLiner kurzen Gcschäst6ordnungsdebatte wurde dieser Antrag abgele nt.

Den §. 1 empfahl die Kommission in folgender Fassung zur Annahme:

.Die gegenwärtige Städte-Ordnnng kommt zur Antvendung:

1) in den Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien uud Sachsen:

3. in denjenig-n Gemeinden, in denen zur Zeit die Städte- Ordnung vom 30. Mai 1853 (GeieH-Sammi. S. 261) gilt, mit Einscbluß der im §. 1 Absatz 2 dieser Städte-Ordnung er- wahnlzen Ortfcbaßen (Flecken);

. in allen “Städten in Neu-Vorpommern nnd Rügen;

2) in der Provinz Westphalen in denjenigen Gemrinden, in denen zur Zeit die Städte- ordnung vorn 19.!März 1856 (Gese13*Sarnm1.S.237) qilt;

3) im Regierungsbezirk Wiesbaden in den Gemeinden Wies- baden, Homburg v. 13. Höhe, Biebricb-Mosbacb, CMS und Limburg.

4) in der Rheinprovinz

in denjenigen Gemeinden, in denen zur Zeit die Städte- ordnung vom 15. Mai 1856 (G2se13*San1ml.S.406) gilt.

Landgemeinden mit mehr als 3000 Einwi)l)ncrn wird auf ihren Antrag die Städteordnung durch den Minister des Innern verliehen. Durch Königliche Verorbnung kann nach An- börung des Kreistages und des Provmzialiiiaths anch andern Landgemeinden auf _ihren Antrag die Stäbteordnung verliehen oder Linkk Stadtgemeinde die Annahme der Land;.emeinde-Verfaffung gestattet werden. Daß dics geschehen, ist durch das Amtsblatt zur öffentlichen Könniniß zu bringen.

Bis zum Erlaß einer neuen Landgemeinde-Ordnnng kann die Verleihung der Städle-Ordnung für eine Landgemeinde in den Pro- vinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Sach- sen auf den Antrag von Gemeindemiiglicdern nach Anhörung der Gembinde von dem Provinzial-Rath beauttagi Werden.“

Hierzu beantragte Herr Bredt die Nr. 4, welche |ck] auf die Rheinprovinz bezieht, zu streichen. Bei der Debatie befür- wortete Herr Bredt seinen Antrag, während fick) die Herren Bruning, v. Knebel-Döberiß, v. Voß, Becksr (Dortmund), Rasch, v. Kleist-Reßow und Hobrecht, sowie der Regierungs- kommissar Geheimer Ober-Régierungs-Rath Wohlers dagegen aussprachen. Bei der Abstimmung wurdr- der Antrag Bredt abgelehnt und die Fassung des §. 1 bEi Schluß des Blattes nach dem Vorschlage der Kommission angenommen.

- In der heutigen (7.1.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher am Ministeriische der Minister des Innern Graf zu Eulenburg, der Minister der geistlichen Ange- legenheiten Or. Falk, der Handels-Minister "Or. Achenbach, der Minister für die landwirthschaftlichen Llngelegen heiten 1)r. Friedenthal und mehrere Regierungskommiffarien beimohnien, theilte der Präsident mit, daß vom Handelö-Minister ein Geseßentivurf, betreffend die Uebernahme der Ziangarantie für die Prioritätxn der Berlin-Dresdener Eisenbahn durch den Staat, eingegangen sei. (S. unter Land- iags-Angelegenheiten.) Ohne Debatte wurden angenommen in drnier Berathung der Gesehentwurf, betreffend die Reisekosten und Diäten der Mitglieder des Hauses der Abgeordneten, und der vom Herren- hause in vsränderter Fassung zurükr'gelangte Gesen- entwurf, betreffend die Veränderung der Grenzen einiger Kreise in den Provinzen Preußen, Pommern, Schlesien und Sachsen. Es folgte die Berathung des vom Herrenhause in veränderter Fassung zurückgelangten Geseheniwurfs, betreffend die Befähigung fiir den

öheren Verwaltungsdienft. Den AUSfÜhrungcn des

bg. Richter (Hagen) gegenüber, welcher die Wiederherstellung sämmtlicher Beschlüsse des Abgeordnetenhauscs, selbst auf die Gefahr hin, das Zustandekommen des Geseßes zu gefährden, beantragte, legte der Regierungskommissnr Gel]. Regierungs- Ratb Herrfurth dar, daß die Regierung die Be- schlüsse des Abgeordnetenhauses nach Kräften im Herrenhause vertreten habe, und daß fie die hervorgetretenen Differenzen nicht für qnalifizirt erachten könne, das Zustandekommen des Geseßes durch Aufrechterhaltung der Beschlüsse des Abgeordneten- haufes in Frage zu ßellen. Der Abg. Witt befürwortete einen vom Abg. Löwenstein eingebrachten Vermittelungsworstblag in Betreff der Anstellungsfähigkeit derjenigen Landratbs-amts-Kandi- daten, welche kein Examen bestanden haben, worin sich ihm Abg. Windthorst (Meppen) anschloß. Nachdem fich noch der Abg. Windt- horft (Bielefeld) für das UmendementLbWenßein ausgesprochen,. erklärte der Minister des Innern Graf zu Eulenburg fich bereit, dasselbe beim Herrenhause zu vertreten. In der Spezialdebatte wnrde zn §. 5 der Antrag Richter auf Wiederhersjellung des fruheren Beschlusses des Ubgeordneienhauses, wonach die Re- gierungSreferendarien obligatorisch bei den Magistraten zu be- schaftigen sind, abgelehnt, nachdem der Regierungskommiffar, Geheimer RegierungS-Rath Herrsurth, erklärt hatte, daß, wenn auch im Geseße die Beschäftigung der RegierungSreferen- darien bei den Magiftraten nur fakultaiiv auSgesprochen sei, doch das demnächst zu erlaffer-de Regulativ die e Beschäftigung als Regel vorschreiben werde. Zn §. 10, de Qualifikation der Landräthe betreffend, wünschte der Abg. Wen- dorff die Wiederberstellung der früheren Beschlüsse des Hauses, weil der Landrath sonst nicht den Anforderungen eines Vor- fihenden eines richterlichen Koliegiums, den er nach den neuen Selbstverwaltungsgeseßen einnehme, genüge, einer Auffassung, welcher der Minister des Innern, Graf zu Eulenburg, entgenen- Trakt Nachdem der Abg. Löwenstein seinen Antrag, welcher aute :

„Diejenigen Personen, Welche von einem Kreistage zur Be- seh'ungxines erledigten Landratbnmts vorgeschlagen, beziehungsweise Llasentirt werden, find auch dann für befähix-„i zur Bekleidung dieser

andrathssteue zu erachten, wenn sie die zweite jurntiicbe Prüfung abgelegt „haben, oder wenn sie nach bestandener erster Prüfung bei den Gerichts- und Verwaltungsbebörden im Vorbereitunngienft, oder Wenn sie auch ohne die erste Prüfung abgelegt zu haben in Selbstverwaltungsämtern des Kommunal-, Kreis- und Provinzial- dxenstes zusammen mindestens vier Jahre beschäftigt geivesen sind.“ befurwortet und der Abg. Richter (Hagen) denselben bekämpft atte, wurde derselbe qbgelehnt und der frühere Beschluß des bgeordnetenhauses wuderhergesteUt. Dagegen wurde bei . 13 der Anitag des Abg. Richter (Hagen) auf Wiederherfte ung der_ “fruheren" Fgffung _ Erhöhung der Dauer der Be- Yafttgung fur dre Kandidaten des höheren Verwaltungsdienftes einer Auseinanderseßun sbehörde von drei auf f ünf Iahre abgelehnt und der Bescher des Herrenhauses bestätigt. _ Das Laus gtng hierauf bei S [uß des Blattes zur Berathung von etitionen uber.

_ Der Reichskanzler hat bzw BundeSrathe die vom Köni lich preußischen bezw. vom Koniglwh bayerischen Kriegs- Miniterium aufgestellten Uebersiihten der Ergebnisse des

den Bezirken des ]. bis einfchließlicb 1117. Armee=Corps aus- gehoben 117,245 Mann. In den Restantenlisten werben geführt 1,043,517 Mann, davon unermittelt 30,473, ohne Entschuldigung ausgeblieben 104,389 Mann; anderwärts geßellungspflichtig ge- worden 203,756 Mann, zurückgestellt 385,420 Mann; aus- geschlossen 838 Mann. ausgemustert 42,819 Mann; der Ersaß- Reserve ]. überwiesen 71,297 Mann; der Ersaß-Reserve 11. über- rviesen 57,357 Mann; der Seewehr 11. überwiesen 366 Mann, uberzabltg geblieben smd 15,068, freimiÜig eingetreten 14,489 Mann. Von den Nuggelwbenen kamen anf das Heer zum Dienst mri der Waffe 112,298, zum Dienst obne Waffe 3152; auf die Flotte aus der Landbevölkerung 677 Mann, aus der seemännifcben Bevölkerung 1118 Mann. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden verurtbeilt 15,825 Mann und von der seemännischen Bevölkerung 714 Mann. In Unter- suchung befinden fick] noch wegen unerlaubter AUSrvanderung von „der Landbevölkerung 16,429 und von der seemänniscben Bebolkerung 783 Mann. In Bayern wurden in den alpha- betischen und Restantenliften gefiihrt 94,231 Mann; auSgeboben wurden 17,846 Mann und zwar für das Heer zum Dienst mit der Waffe 17,337 Mann, zum Dienst obne Waffe 509. Wegen unerlaubter Auswanderung find verurtheilt 912 Mann, am Schluß des Jahres 1875 in Untersuchung 486 Mann.

„_ Nach den in der gestrigen Nr. d. Vl. erwiihnten neuen Bestimmungen iiber Kapitulationen müffen Mannschaften, Welche freirmUig im aktiven Dienste verbleiben wollen, mit dem betreffenden Truppentheil oder der betreffenden Behörde einen schriftltrben Vertrag (Kapitulation) abschließen, durch welchen fie sich zum Weitcrdienen auf eine bestimmte Zeit, in der Regel an? em Iahr, verpflichten. Ueber ben Abschluß einer Kapitulation ist von einem Offizier eine Burhandlung nach einem gegebenen Formular anfzunehmen und diese von dem an der Spiße des Truppsntbeils, be- ztebungöxrieise .der Behörde stehenden Vorgesetzten zu bestätigen. Die Knpriulation kann in folgenden Fällen vor Abkauf der Ka- prtnlationszeit aufgehoben werden: ]) durch den Truppentheil, sobald der Kapitulant in die zweite Klasse des Soldatenftandes verfeßt, oder degradirt, oder sobald er zu einer Freiheitsstrafe von sechs Wochen oder zu Liner Höheren Strafe: verurtheilt wird; 2) durch, das General - Kommando anf Grund einer Ueberein- knnft„zwrschen dern Truppentbeil und dem Kapitulanten, wenn du"? bansltchen Verhältnisse desselben seine Enilaffung dringend wnnschenswerth machen, oder wenn “bei fortgeseßt schlechter Fuhrung des Kapitulanten durch dessen längeres Verbleiben tm Dienste das Interesse des Trnppentbeils geschädigt wird. Als Kaprtulanien diirfen nur solche Person;;n angenommen werden, burch welche ein wesentlicher Nukzzen fiir den Dienst zu erwarten ist. Diejenigen, welche eine Kapitulation abschließen WoUen, mussen großjährig sein, d. b. das 21. Lebensjahr voUen- dci, haben. Woklen sie vor erlangter Großjährigkeit eine Kapitu- _latron abschließen, so haben fie die schriftliche und beglaubigte Znftrmmnng ihres Vaters oder Vormundes herbeizuführen. Mit ,Mannscbaften, Welche Truppentbeilen und Instituten derselben. Garnison angehört haben oder zu solchen kornmandirt waren, darf Seitens anderer Truppen- theile derselben Garnison eine Kapitulation nicht früher abgeschlossen werden, als ein Jahr nacb- ihrer Entlassung vom Truppentheile, beziehungSiveise nach Ablauf ihres Kom- mandos. Eine Amönahme ist nur gestattet, wenn der bisherige Trnppentbeil des Betreffenden sein." Zustimmung zu einer frü- „ßeren Kapitulation ertheilt. Mit Mannschaften, welche unter Doypelrechnung der Kriegsjahre zwölf Jahre und länger aktiv gedient haben, ist kein KapitulationSvertrag mehr abzuschließen. Es können auch Kapitulationen auf eine bestimmtr, jedoch drei Monate nicht übersteigende Kündigung geschlossen werden. Leß- tere steht jedock) nur den Trupprntheilen zu.

_ Nack) Vorschrift des §. 7 Nr. 6 .der General-Synodal- ordnung vom 20. Januar 1876 sollen bis zur anderweiten kirchengeseizliben Regekung der DiSziplinargewalt bei Dienst- vergehen der Superintendenten, Geistlichen und nie- deren Kirchendiener auf das förmliche Dinipkinar- verfahren, so wie auf die vorläufige Dienstentbebung die Be- stimmungen der §§. 22, 23 Nr. 1, 24, 27, 28, 31 bis 45 und 48 bis 54 des Geseßes vom 21. Iuli 1852 mit der Maß- gabe zur Anwendnng kommen, daß die in dem genannten Ge- seHe dem DiSziplinarhofe und den Provinzialbebördrn beigelegten Befugnisse von den Provinzial-Konstftorien nach den für das Verfahren bei den Provinziaibehörden vorgeschriebenen Bestim- mungen zu üben find, die dem DiSziplinarhof beigelegte gut- achtliche Thätigkeit fortfäÜt und die Zuständigkeiikn des Miniße- rial: bezieiungsweise Staats - Minißerialressorts dem Evan- gelischen Ober = Kirchenrathe zukommen. In Folge dieser Uebertragung von Bcßimmnngcn des staatlichen Gesetzes über das förmliche DiSzi linarverfahren auf das kirchliche Ge- biet ist nunmehr nncZ auf diesem ein nach den Grundsäßen des Anklageprozeises und der Mündlichkeit geordnetes Unter- suchung6oerfai3ren zur Einführung gelangt. Die entscheidende Disziplinarbebörde ist bei Prüfung der erhobenen Beweise fortan nicht mehr an die in der Kriminal-Ordnung vom 11. Dezember 1805 aufgestellten BeweiSregeln gebunden, die Grundlagen für ihr Urtheil über die Schuldfragen bilden nicht mehr aÜein die schriftlichen UntersuchungSverhandlungen und in das Vrrfahren tritt ein Vertreter der Anklage mit der amtlichen Verpflichtung ein, daß öffentliche InteresFe bei den zu fäUenden DiSziplinar- Entsrbeidungen wahrzunegmen, zu welchem Behuie demselben

die BefuZUif; „zur Einlegung der Berufung gegen die erstinstanz-

liche Ent cheidnng beigelegt ist. Die Normen, deren es für die Ausführung brkarf, sind theils durch die auf das kirshliche Ge- biei übertragenen Vorschriften des Disziplinargesc-Zes selbst, theils durch die ihre kirchliche Anwendung regelnden Bestim- mungen der General-Synodalordnun a. a. O. bestimmt. Der Evangelische Ober-Kirchenrat hat, um die Orientirung in dem Inhalte der neuen Ordnung zu erleichtern, die betreffen- den ]"th maßgebenden Bestimmungen zu einem Ganzen verbinden kr? für den kirchlichen Gebrauch übersichtlich zusammenfaffen a en.

_ Die in der heutigen Börsen-Beilage abgedruckte tabel- larische Uebersicht der Wochen-Ausweise der deutschen Zettelbanken vom 15. Juni “schließt mit folgenden summa- rischen Daten ab: Der Kassenbestand der 19 Institute der Tabelle betrug insgesammt 78].,311,000 4/16 (gegen die Vor- Woche + 9,352,000 916), der Wechsekbestand 643,600,000 «% (+ 8604 M); die Lombardforderungen mit 91,263,000 «FQ haben fich um 273,000 «46 vermindert; der Norenumlauf von 911,535,000 «16 zeigt gegen die Vorwoche eine Zunahme von 129893000446 Die täglich fälligen Verbindlichkeiten im Betrage von 218,340,000 aii haben sich um 432,000 „16 und die mit

_ Der Königlichx Gesandte Freiherr von Werthern ist von dem ihrn Allerhock]ft bewilligt gewes nen Urlaube nach- Munchen zuruckgekehrt und hat die Leitung der Koniglichen Gesandtschaft wieder übernommen.

_ Der General-Lieutenant v o n W a rt en b er g, Comman-

häuser Wahlstatt und Potsdam hierher zurückgekehrt.

Württemberg. Stuttgart, 19. Juni. Kanrmer gxnehmigte beute bis zum Sch1nß des Blattes die RexnerungSextgenz von 852,840 «16 für Erweiterung de Kunst- gebaudes und Erbauung einer neuen Knnßscbule in uttgart unt 68 gegen 10 Stimmen, nachdem Baumgärtner, v. Morlok, Schwandner, Probst, Prof. v.Liibkc, Finanz-Minifter v. Renner, der Kultus-Minister v. Geßler, Elben (Cannstatt) für, Bucher nnd Retter gegen die Exigenz gesprochen.

_Hxffen. Darmstadt, 20. Inni. Der Antrag der Maxorttat des Finanzausschusses auf eventueUe Auf- hebung d'es PolytechnikumSWurde heute von der Zweiten Knmmer Mit 29 gegen 18 Stimmen abgelehnt. _ Der am. nachstanonntag (25. d, M.) in Gaubickelheim stattfindenden Provmzralversammlung der naiional-liberalen Partei, wrrd, nach einer Mittheilung des „Frankf. Journ.“, eine wei- iere am 9. Juli auf der „Waldeck“ (Ober-Ingelbeim) folgen, welcbe ar-f Wunsch des dabei erscheinenden R€ichstag6abgeordne-- ter Dr. L. Bamberger veranstaltet wird.

"," Der LandeSausschuß der bessicben-Protestanten- Vereine erläßt unter dem 12. d. M. eine Einladung zu einer auf den 26. Juni bierselbst abzuhaltenden Versammlung behufs „Be"sprechnng der dermaligen kirchlichen Lage des Landes, der zunachft durch die Kirchensteuer hervorgerufenen Bewegung und der Mittel und Wege, dieselbe zu einem gedeihlichen Ziele zu führen.“

_ 21. Juni. (W. T. B.) In der heutigen Sißung det: Zweiten'Kammer brachte der Abg. Frhr. Nordeck zur Ra- benau emen Antrag ein, dahin gehend, die Kammer möge be- schließen, die Regierung aufzufordern, die auf eine wirksame Durchfuhrung des Art. 7 der Reichöverfafsung gerichteten Vxstrebungen des Reichskanzlers im. BundeSratbe kräftig unter- siußcn zn lassen, mag diese Durchführung durch Hrrstellung eines einheitlichen ReichSeisenbahnneßes oder durch andere Kombinationen herbeigeführt werden.

' Mecklenburg. Schiverin, 19. Juni. Die Herzogin Wilbslm zn Mecklenburg-Schwerin hat sicb znlängerem Sommcranfentbaltc nach Tegernsee in Baycrn begeben.

_ Die „Mecklenb. Anzeigen“ erwähnen eines in Schiverin unilaufenden Gerüchtes, daß ,in Folge der wich- tigen Veränderungen. welche im Schooße der höchsten kirchlichen Behörden vor fick; gehen sollen,“ der Su- permtendent Karsten daselbst fortan nicht mehr predigen werde. Dem gegenüber versichert das genannte Blatt, daß diese Besorg- ganz unbegründet sei. Karsten werde zwar ebenso wie der Obrr-Ktrrhenratch Schliemann zu Michaelis in den Ruhestand treten, aber damit der Kanzel noch nicht ganz eniiagen.

Bremen, 18. Irmi. Die hiesige Handelskammer hat den Senat ersucht, die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Amerika wegen eines Vertrages zum Schubs der Aus- wanderer anzuregen. Sie ist, den „H. N.“ zufolgs, dazn haupi'ächlick] veranlaßt worden durch einen im Senat zu Washington eingebrachten GeseZentmurf, betreffend die Controle des Auswanderer-Beförderungsgewerbes.

, OMerreich-Ungam. Wien, 20. Juni. (W. T. B.) Die B-xgegnung des Kaisers Alexander mit dem Kaiser von Oesterreich auf dem. Schlosse Reichstadt wird, wie die „Politische Korrespondcnz“ meldet, nm 8. Juli stattfinden. Viel- leicht mird, derselben QueUe zufolge, auch Kronprinz Rudolf den Kaiser von Rußland in Reichstadt begrüßen. Fürst Gori- schakoff triit demnächst eine Urlauböreife nach der Schweiz an.

_ Wie die „Pr.“ erfährt, hat Graf Andras s 1) nach dem Ablsben des Frhrn. v. Holzgethan die Leitung des gemein- samen Finanz-Ministeriums bis auf Weiteres Über- nommen. Ueber die Dauer dieses Provisoriums sei vorläufig nichts bestimmt.

_ Die gestrige „Wiener Zeitung“ meldet die Ernennung des Minisierial-Rathes Dev er zum Sektion9chef und General,- Direktor für Post und Telegraphen.

-- 21. Irmi. (W. T. B.) Das „Armee- Verordnungs- b1'ati“ bestätigt, daß der Kais er das von dem Reichs- .Kriegs-Minifter v. Koller Krankheitshalber erbetene EntlassungSgesuch angenommen und den Grafen Bi,)[andx-Rbeidt, unter Verleihung der Würde eines Ge- heimen „Raths, zum Reichs-Kriegs-Minister ernannt hat. Das genannte Blatt veröffentlicht ferner ein Handschreiben des Kaisers nn den Reichs-Kriegs-Minisier v. Koller, in welchrm demselben anläßlich der bewilligten Verseßung in den Ruhestand, als Zeichen der dankbaren Anerkennung seiner um den Kaiser und das Heer erworbenen großen Verdienste das Großkreuz des St. Stephans-Ordens verliehen wird. _ Der Kaiser bat dem Chef des Generalstabes, FML. Schönfeld, die Würde eines Geheimen Raths verliehen.

Prag, 20. Irmi. Zur „Kennzeichnung der Situation im. cz_echischen Lager ist bemerkenSwerth, daß das in Raudniß. er1cheinende czechische Blatt „Rzip“ den passiven Widerstand vcrurtheilt, zur oerfaffungSmäßigen Aktivität auffordert und fich gegen die in den altczecbischen Organen ausgestreuten Unwahr- beiten verwahrt, daß der Gedanke einer Aussöhnung der Parteien im czechischen Lager von Wien aus herrühre.

Triest, 19. Juni. Zufolge Befehles des Marine-Ober- kommandanten, Vize- Admirals Baron Pöck, wird, wie die „Triester Zeitung“ meldet, der TranSportdampfer ,Gargagno“ als Truppenspitalschiff sofort eingerichtet und wurden hierfür“ 21,000 Fl. angewiesen. Dieses Schiff, welches bereits im Jahre 1869 zu ähnlichem Dienste bestimmt war, hat ein Tonnen- drplacement von 1380 Tons, nominelle Pferdekraft von 270, ist mit zwei leichten Geschüßen armirt, hat eine Bemannnng von 87 Personen und können außerdem 300 Kranke darauf mri" aller Bequemlichkeit untergebracht werden. Zum Kommandanten wurde der Fregattenkapitän Beck ernannt. De_r „Garga 110“- gegenwärtig unter die Schiffe zweiter Reserve tm „Kriegs afen zn Pola eingexellt, wird im Laufe zweier Wochen 17-13 dem Ge- schwader des ontre-Admirals Barry anschließen. '

Klagenfurt, 18. Juni. In der gestrigen Gemeinderatbs- übung wurde der Reichsraths- Abgeordnete Gabrie! von-

- HeereSergänzungsgeschäftes im, ReichSgebiete ür 1875 vorgelegt. Nach denselben sind 111 der gedachten Zeix in

einer Kündigungsfriß verbundenen Verbindlichkeiten in Höhe von 159,431,000 976 um 2,260,000 «FQ vermindert.

Iessernigg zum Bürgermeister der LandeshaupEstadi: Klagenfurt gewählt.

deur des Kadetten-Corps, ift von der Inspizirnng der Kadetten-

Die Zweite“

Pest, 20. Juni. (W. T. B.) Der ungarischeReichs- tag ist bis zum 28. September c. vertagt.

Schtveiz. Bern, 20. Juni. Der Nationalratb be- schloß auf Antrag der Kommission, der Bundesrath solle ohne Genehmigung der Bundesveriammlung keine Erklärungen mit dem Auslande auswaschen.

Belgien. Brüssel, 21. Irmi. (W. T. B.) Nach hier eingegangenen Nachrichten find auch in Loewen größere Un- ruhen ausgebrochen. Es haben feindliche Kundgebungen gegen die Studirenden der liberalen Parisi stattgefunden. ,Die Vor- lesungen auf der Universität find unterbrochen. Dre Bürger- garde ift zusammengezogen worden.

Großbritannien und Irland. London, 19. Juni. Die „TiMes“ bestätigt, daß Midbat Pascha die er- wünschte Gelegenheit zur Einführung von europäischen StaatSeinrichtungen in das System des Islam nun ge- wonnen habe und steht mit Interesse dem Ergebniß des Ver- suches entgegen. „Lord Derby's Antinori“, heißt es weiter, „siellte unsere Position dem Sultan und seinen Tributpfiichiigen gegenüber klar. Wir glauben, daß der geradeste Weg zu einer Erledigung und zum Frieden in der Richtung zu finden ist, daß man den Sultan und seine Unterthanen in Ruhe läßt. Falls er sie nicht nieberzuhalten vermag, könnie jeder Versuch, ihre Ketten für ihn wieder zusammenzunieten, nur zu zeit weiliger Begrünöung gespannter Beziehungen fiihren, ohne daß ein Gleichgewichtherzuste11en wäre. Midhat Pascha ihne sein Bestes. Wir werden unser Mögliches jhun, zu sorgen, daß er freies Feld für sein Experiment behält- und wir werden dasselbe mit Sympathie, wenn auch nicht mit den lebhafteften Empfin- dungen der Hoffnung beobachten.“ .

_ Generak Prado, der Präsident von Peru, kehrie nach mehrwöchentlichem Aufenthalt in England am 17, d. an Borb des weftindischen Postdampfers „Don“ nach Bern zurück.

_ Die Regierung von Indien hat dem Gouvernement von Madras und mehreren Beamten desselben fiir .die schneU-x Unierdriicknnq der jüngsten Unruhen zn Bustar Dank ab- gestattet. _ Der Khan von Khelat ist am 21. leßten Monats im Lager des Oberftsn Sandeman zn Mustang eingetroffen, begleitet von einer Abtheilung einheimischer Kavallerie, die ihm entgegengeschickt worden war. Die Unterhandlungen wegen beständiger Freibalturg des Balan-Paffes machen gute Fort- schritte; neuerdings ist eine Karawane wohlbehalten iiber den Paß gezogen.

_ Der Bischof und die ganze Geistlichkeit der Insxl Barbados haben an den Kolonial-Minister eine Denkscknist, betreffs der unlängst auf der Insel staltgehcibten Unruhen, ern- gesandt. Es Werden in diesem Schriftstücke indirekt dieselben Anklagen gegen den Gouverneur der Insel anSgesprockzen, welche von anderen Seiten unumwunden gegen ihn vorgebracht tvo'rden find. 7

Frankreich. Paris, 19. Juni. Nock) fiikli Buffets Name alle Blätter und erregt die öffentliche Meinung. Die Organe der Rechten bemühen sich zu beweisen, daß diese Wahl gar keine Bedrutung habe; der Senat habe nur einem talent- vollen Manne gegenüber seine Schuldigkeit gethan und ihn jeßt gewählt, während es schon früher hätte geschehen sollen. Da aber diese Wah! den ersten und nächsten Erfolg gehabt, daß fick) die Linke Und die Kammer enger an die Regierung schließen, so nennt das „Journal des Debais“ den Sieg des Senats einen Pyrrhus-Sieg und hofft, daß das Kabinet aus diesem Kampfe, in dem dias Monarchisten des Senats zuerst einen Sieg davon getragen, siärkkr als vorher hervorgehen werde. Das Waddingtonscbe Geseß über den öffentlichen Unterricht werde über die Anhänger der Regierung das rechte Maß ab- geben; ihre Gegner werden es im günstigsten FaUe znm Gleich- gewicht bringen, und dazu sei nöthig, daß kein Orleanift des früheren rechten Cenirnms sich dem Einfluß der Geistlichkeit entziehe, muß doch nicht sehr wahrscheinlich sei. An eine Minister- krifis, die man vorYer aus dieser Veranlassung vorhersagen woÜte, ist nicht me r zu denken. Vielmehr sieht man als ein Zeichen der Einigkeit des Kabinets und als eine Antwort des Ministeriums auf die Haltung des Senats die neuesten Personaländerungen in den Präfekturen an. Die liberalen Kreise sind auch vollkommen damit einverstanden, die klerikalen aber machen dem Ministerium sein Verbleiben im Amte zum Vorwurf.

_ Der Generalstab bat nunmehr die große Karte von Frankreich beendet, die vor 42 Jahren unter der Direktion des gelehrten General Pelet angefangen worden war.

Versailles, 20. Juni. (W. T. B.) In der heutigen Sinung der Deputirtenkammer wurde der Geseßentwurf, betreffend die Aufnahme einer Anleihe der Stadt Paris im Betrage von 120 Millionen Francs genehmigr. Im wei- teren Verlaufe der Sißung legte der Berichterstatter 'der mit der Prüfung der Wahl des Kapitäns Mun m Pon- tivr] beauftragt gewesenen Kommission, Turquet (vim drr Linken), seinen Bericht vor, in welchem beantragt Wird, _die Wahl wegen der von klerikaler Seite auSgeübten Wghlbeem- fluffung für ungültig zu erklären. Die Diskussion uber den Antrag wird später stattfinden, ,

In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß die Kammern um die Mitte des nächßen Monats vertagt werden und erst im "November wieder zufammentreten würden, um als- dann die Vudgeivorlage zu berathen.

_ 20. Juni. Das Organ Gambetta's, die ,Republique Franyaise“ unterzieht die Haltung des Herzogs Decazes in der orientalischen Frage einer verwerfenden Kritik und befür- wortet eine Aliianz zwischen Frankreich und England.

Spanien. Madrid, 20. Juni. (WT. B.) Der Senat hat das AmendementSilva's, betreffend die vollständige Ab- schlafhfutng der Fueros, mit 111 gegen 24 Stimmen ab- ge e 11.

Italien. Rom, 20. Juni. (W.T.V.) Das Finanz- Ministerium hat gestern die Abschaffung des foidavits bei der Bezahlung der Coupons der italienischen Rente im Auslande besch1offen, jedoch nur für die Rentencoupons im Betrage von 5 bis 100 Lire. Bei der Bezahlung der Coupons im Betrage von uber 100 Lire bleibt das Uffidavit obligatorisch.

_ In der Deputirtenkanimer wurde am 13. der Be- richt des Abgeordneien Busacca uber das Definitivbudget der StaatSeinnahmen des „Iahres 1876 vertheilt, welche nach dem Voranschlage des Ministeriums 1.392,023,266 Lire 38 Cts. und nach der Kommission 1,393,467,766 L. 38 Cts. betragen, nämlich: 182,903,834 L. 15 Cts. .Grundstxner, --180,826,873 L.. 56 Els. Einkommensteuer vom beweglichen Eigenthum, 78,525,895 L. 11 Cts. Mahlstcner, 147,301,510 L.

ministerieller oder 148,338,010 L. Kommissionsvoranscblag der Geschäftsixener und von Eigenthumsübertragungen 3,210,989 L. 66 Cts. Fabrikationssteuer, 106,000,000 L. Grenzzölle, 69,353,757 L. Konsumationssteuern, 167,500,000 L. Patent- stener, 77,254,635 L. Lotterie-Einnabme, 83.666,505 L. Post, Eisenbahn und Tylegraphen, 83,566505 L. dito Kommissions- voranfchlag, 74,185,128 L. Einkünfte aus Staatsdomänen, 73,993,128 L. dito KommissionSvoranscblag, 7,750,991 L. even- tuelle zufälliqe Einnahmen, 8,450,991 L. dito Kommissionsvor- anschlag, 90.877,291 L. Rückxahlungen, 75,424,755 L.. außer: ordeniliche Einnahmen, 47,241,100 L. Einkünfte bon Kirchen- gütern. -

Türkei. Das „Wiener Frdbl.“ erklärt, daß in Wien in kompe- tenten &:reisen von einer steigenden anregung in Konstantinopel und von der Rolle, welche Dem Prinzen Iuffuf Izzedin zuge- schrieben wird, nichts bekannt geworden Fei.

_ Die Presse von Konstantinopel erörtert die Idee ciner Volksvertretung. „Sadakat“. „Sabab“, „Jstihbal“ und „Vakii“ find die vier journalistischen Vorkämpfer der konstitu- tionsllcn Ideen. Der alttürkiicbe ,.Baisirrt“ giebt zwar zu, daß das bis1)6rige absolute chimrnt schädlich gewesen sei und ein Ende haben müsse, aber er fordert die Beibehaltung und Anwendung der Vorschriften des religiöjbn Gcisizbucbes (Chcriat) auf die künftige Nationnlveriammlnng. Dcr .,Basfire_t“ nimmt für jedes Vilajei drei, für die Hauptstadt “sechs Abgeordnaie mit dreijähriger MandatSdaner in Anspruch, die wäbrend der- selben wydcr cine SteUe noch einen Orden annehmen dürfen und nicht wieder wählbar sein sollen. _ Die jungfiirkiirbsn Parteiführer, wie Kemal Ber), Midbat Efendi, Tevfik Ber) nnd Anders, die unter der Regierung des Sultans Abdul Aziz in Rhodns Und Cypern internirt worden Waren, sind nach Kon- stantinopel zurückgekehrt.

_ Wie der „Standard“ «US Konstantinopel erfährt, soll dir türkische “Flott? nnter Hobart Pascha, bestebsnd aus acht Schiffen ersten Ranges in acht Tagen zu einer Expe- dition nacb Kreta abgeben. Die Arbeiten an dem in Konstantinoprl im Bau begriffenen neuen Panzerscknffe, sowie an den bciden Fahrzeugen, welche an der Thrmse fiir die Pforte gebant Werdsn, ioilen demnächst eingesteilf werden. Der „Mesiondicb“, das lciztc bsi London für die Türkei gebaute mächtige Panzerschiff ist bestimmt, verkauft zu Werden.

_ Aus Rusts chuk, 15. Juni, wird der „Politischen Korre- spondenz“ gemeldet: Der bulgarische Aufstand ist seit einigen Tagen im entschiedenen Niedergang begriffen. Die von den tür- kischen Truppen nicht erreichten Insurgenienbanden exißiren nur noch im Gebirge, wo fie von starken Truppenkordons cer- nirt sind. Nach Versicherung der onieUen bulgarischen Landes- zeitung „Tuna“ ist das Land, mit 5 usmthe der Difirikte von Tatar-Bazardjif und Trnowa, von den Insurgenten gesäubert. _ Wie derselben Correipondenz aus Bukarest ngkldkt wird, ist" am 14. das daselbst seit etwa 10 Jahren bestandene sogcnnnntc „bnlgariiche revolutionäre? Centrnlcomité“ von der rumänischen Regierung an fgclösi nnd die Neugründung aller derartigen Vereins, derem Thätigkeit auf die Störung der Ruhe in benachbarten Ländern gerichtet ist, strengstens unter- sagt, 250 wohlbeWaffnete BUlgaren, die im Begriff standen, die Grenze zu übericbrcith, crgriffczn nnd interniri, iowie die [)erborragcnden Agitatoren, darnntrr Karaibrloff, verhaftet ivor- den. Gleichzeitig erging dm" Befebl an alle Cibil- und Militär- bel)örden längs DLT Donaxrgrenze, die größte Wachsamkeit zu üben und keine bcivaffncisri; Indivibuen die Grenze paisircn zn laffen. Dic fürstliche Regierung v-xrstcberte, vom rumänischen Boden aus werden keine Banden nichr die Rnbe in Bul- garien stören.

Mostar, 20. Juni. (W. T. B.) Offizieüer Mittheilung zufolge ift Moukhtar Pascha ohne irgend welchen Zusammen- sioß mit den Insurgenten in Niksic eingerückt.

_ _Die Proklamation, welche der Bali der Herze- gowina Ali an die Iniurgenten erlassen hat, lautet nach der Ucberseßung er „Post“ wie folgt:

S1". Majestät der Sultan Murad 7. 2a. bat aliergnädigst geiubr und in seinem Großmutbe erklärt, daß er nur solche Maßregeln tref- fen werde, welche von seine: Großmuth seinen Unterthanen gegenüber nicht anders zu erwarten sind.

Besonders gnädiglicl) wird Se. Majxstät seine Untertbanen von BoSriien und der Herzegowina ansehen, welche sich auf dem sündiichcn Pfade der Juinrrektion befinden, diesen gewährt Se. Majestät rie volie Amnestie und schenit ihnen 6 Wochen Zeit, bei den Brhörden die Untseererfung anzumelden und die Gcoßmütbigkeit des Sultans

u rei en. z PVon den Vsbörden Werden alle Maßregeln getroffen werdcn, Welche für die Sicherheit und dir. Existenz der Familien Sorge tragen Werden.

Auch ist den Befehlshabern der Truppen die Ordre zugegangen, ihre Operationen - mit Anstiabme der Verprobiantiuug der Festung Ziikfic, welche. der Ernährung wegen stattfinden müssen _ zu unter-

re en. ckIm Namen des Sultan thrile ick) AUM. diese Kaiserliche Gnade mit und gebe hiermit den großniütbigen Gefühlen Anodruck, wclche Se. Majestät für alle seine Untertbnnen hegt. Mostar, 29. Mai (10. Juni) 1876. Der Vaii des Yllqjet Herzegowina. 1.

Dänemark. Kopenbagcn, 20. Juni. (W.T. B.) Die der Linken angehörige Majorität der mit Vorberaihung der Wehrvorlage beauftragten Kommrssion des Folkething hat die Erledigun der Angelegenheit durch .eine TageSordnung beantragt, in wel er der von der Linken des vorigen Folkething gestellte Antrag, der die Auflösung des Folketbing herbeiführte, wiederholt wird. Gleichzeitig bat Tie Linke ein Mißtrauens- votum gegen das Ministerium eingebrncht. Die Berathung der Wehrvorlage im Folkcthing isi anf nachsten Donnerstag fest- gesetzt.

Rußland und Polen. St._Peter-3burg, 20. Juni. Heut morgen starb hierselbst nach lgngerem Leiden der Hcrzog Georg von Mecklenburg-Strelrß. Derselbe, ein jüngerer Bruder des regierenden Großherzogs Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelilz, wurde am 11. Januar 1824 geboren und vermählte fich am 16. Februar 1851 _mrt der Großfürstin Katha- rina (Tockiter des verftorbenen Großfursten Michael und der jetzt ebenfalls verstorbenen Prinzessin Helene von Würtemberg). Er war Kaiserlich russischer General ,der Artillerie und General- Adjutant, auch Inspektor sämthcber Schüßen-Bataillone. Es überleben ihn drei Kinder: die Herzogin Helene, geb. 16. Januar 1857, der Herzog Georg Alexander,.geb. 6. Juni 1859 und der Herzog Carl Michael, geb. 17. .Iunt 1863. _ Herzog Georg, der mit seiner Familie abwechselnd in St. Petersburg und auf seinem Schlosse Remplin bei Stavenhagen in Mecklenburg- Schwerin lebte, ist seiner am 1. Juni verstorbenen Schwester Herzogin Caroline schnell im Tode gefolgt.

_ Ein Telegramm der „Ag. Russe“ aus St.“ Peters- burg, vom 20. Abends charakteristik die Lage dahin, daß die Großmächte es der neuen türkischen Regierung überlassen, „durch alle Mittel“ die Heilkraft der versprochenen Reformen zu erweisen. In diesem Sinne und in allseitiger Ueberein- stimmung vertagen sie die Ueberreichung der zurückgebaltenen Note, „halten aber ihr Einverständniß fest aufrecht.“

Amerika. Washington, 20. Juni. (W. T. V.) Der Senat hat bcicbloffsn, den Prozeß gcgcn dcn Shantaligen Kriegs-Minister Velknap bis zum 6. Juli zn vertagen.

_ 21. Juni. (W. T. B.) Ueber die streitige Auslegung des zwischen England und Amerika abgeschlossenen Aus- lieferungSvertrages in einem besonderen Falle hat der Prä- sident Grant dem Kongress gestern eineSpezialbotfchaf,t zugeben lassen, in welcher er erkkärt, daß er die nunmehr Seitens Englands erfolgte Freilassung des betreffenden, von Amerika reklamirten Individuums als einen B ru ck d es Au Elie serungs- vertrages betrachten müsse. Er halte es demgemäß für unver- einbar mit der Würde Amerikas, fernerhin die Auslieferung cines Flüchtlings zu verlangen oder in eine solche zu willigen; er Werde dies nicht thun, es sci denn, daß drr Kongreß einen formellen Wunsch deshalb zu erkennen gebe.

Landtags : Angelegenheiten.

Berlin, 21. Irmi. In der gestrigen Sißung des Hauses der Abgeordneten ergriff in der Generaldisknsfion iiber den Geseßentwurf, betreffend die Bewilligung von Staanitteln zur Beseitigung der durch die Hoch- wasser im Frühjahr 1876 herbeigeführten Verheerungen und gemeingefährlicben Zustände, der Minister für die landwirth- schaftlichen Angelegenheiten ])r. Friedenthal nach dem Abg. v. Bonin das Wort:

Ick fühle mich verpflicbtri, bei dem großen Juiereffe, Welches diefe Angélsgenbeit im Lande erregte, und grgenüber denFragen, die der erste Herr Redner an wird gerichtet hat, mit einigen Worten auf die Sache einzugehen. Ich stehe derselben vöUig unbefangen grgenüber. Die Anlagen, über die hier Beschwerde geführt wird, find zu cinrr Zeit selbst beschlossen worden, die lange Jahre vor meiner Amtsüber- nabnie lag, und Waren der Hauptsackoe nach beendet, ehe ich mein Amt antrat. Ich habe mit denselben nur in den aÜerleßien Stadien zu thun gehabt, als in der Hauptsache nichts zu ändern war, und sind auch auf Aenderungen gerichtete Antréi 6 während meiner Amtsfuh- rung Seitens dcr durch die: letzte Ueber utbrxng Geschädigten nicht an mich gelangi, Ick) bemerke ausdrßckjick), daßbas _obne Antwort ge- bliebene Gesuch, von dem der eriir Hrrr Redner Wrack), vor langer Zeit,. ick) glaube, im Jahre 1860 oder 1861 eingegangen ist und nicht erst in näber gelegener Zeit. Ich bemerie ferner„ das:, was die Vorgänge bei der Urberflutbnng icibst be- trifft, dem landwirtbschaftiichen Ministerium daraus auch kein Vorwurf gemacht werden kann, da es wob1_ nichts Ungeeigneteres geben würde, als Wenn man von der Centraliielle aus _bei derartigen Naturereignissen, in ?enen ein sofortiges lokales Cinichreiten noth- wendig ist, mit spezieÜen Anordnungen eingrsifen wollte, Anordnun- gen, die in vielen Fällen Resultat haben müßten, die mit speziellen Befugnissen ausnerusteten Behörden in dem irre zn machen, was im Augenblick geschehen muß. Ick) bemerke in dieser Beziehung, daß ich meinerseits an die bei Strömen betbeiligten Regierungen im Januar eine Verfügung erlassen babe, Worin icb fie darauf aufmerksam machte, das“, bei dem in Ausficht stehenden Eissange und Hochwasser sie auf ibun würden, alle erforderlichen Vorsichtßmaßregeln zu treffen. Das vorauSgsxscbickt, bemerke ich, was die Sache selbst betrifft, daß die Königliche: Staatsregierung ihre Pflicht in ooilem Maße erkannt hat, unmittelbar, nachdem die Dammbrüche nnd Ueberschwemmungen eingetreten waren, eine genaue Untxrfucbungßber den Sachverhalt eintreten zu lassen. Es ist zu die1en1Bebufa eine Jmmediaikom- miifion eingeseßt worden, bestehend aus Mitgliedern verschiedener Ministerien und ZWar aus solchen Mitgliedern, Welche niemals mit der Sache etwas zu thun gehabt baben, unter dem Vorüß eines hervorragenden Mitgliedes des Finanz-Minifteriums Welches Ministerium niemals mit der Sache selbst befaßt war, um von vornhereinbie Gowäixr der yoÜcn Unparteilichkeit und Energie zu geben. Dirie Jmmediatkommi1fion erhielt den Auftrag_: 1) aus den Akten,_durch Zeugsnvernebmnng und jede geeignete Weiie sämmt- licbe Vorgänge, rvelcbc während der Ueberflutbnng und unmittelbar vor derselben stattfanden, festzusteÜen; 2) festzustellen, Welchen be- stimmten Beamten irgend ein Verssben zur Last fiele und 3) Vor- sch1äge zu machen, in wclcher Weise für die Zukunft Abhülfe herbei- gefübrt werden 10119.

Die Kommission hat nach sehr umfassendenmund ,eingebenden Untersuchungen eincn ausfülirlirben Bericht an das Koniglxcbe Staats- Ministerium -3rstattet und sich über diese drei „Punkte geaußert. Es sind aÜe Tbajiacben, foroeit es überhaupt mögltck) war, nachher durcb Zeugenvrrnebmung und andere Mittel festgejreut, und es wurde ja Wohl dem hohen Hause nicht zusagen, wma ick) nun auf eine lange Geschichtöerzählung eingehen würde, deren Erörterung zu Nichts führen könnte“. Im Allgemeinen, mit Außnabme eines einzigen Punktes. hat der Herr Vorredner die tbatsächlichen Vorgänge riebtig dacgesteilf. Der Punkt, in dem dies nicht der Fall ist, betrifft die Ziehung des Webcs. EE ist aUerdings vom 22. bis 26. dieses Wehr me?r oder Weniger gezogen und nicht, wie der Herr Vorredner sagt, ert nach dem 26. Ich würde bereit sein, das eventuell durch Zeugenaussagen darzuthun. Es „trägt das zur Hauptsache aber nichts bei; denn ich räume ein und ich komme gleich darauf zurück, daß es nicht genügend geschah und nicht erreicht ist, was erreicht werden soÜte und zu erreichen mößlich war.

Was den zweiten Punkt betrifft, die Verschuldung von Personen, so wird an dieser: Stelle darauf nicht einzugehen sein, da sich dieser Punkt der hiesigen Verhandlung völlig entzieht. In dieser Beziehung wird es der Staatkre kerung überlassen bl_eiben, zu thun, was nöthi ist. Was die Saibe i?e1bst betrifft, so ist die Kommission daran? hinaukgekommen, daß die Uebelsjände, die eingetreten smd, zwar: nicbt ausscbließlicb, aber doch im erheblichen Umfange dadurch befördert worden sind, daß die Ausfuhrung des Werkes nicbt in voklkommen konkreter Weise erfolgt ist, namentlich aber dadurch, und das ist wesentlich, daß die Handhabung de:! Wehrs- unmittelbar vor und während der Uebersrbweminung nicht in gehöriger Art stattgebabt hat. Die Kommission hat endlich drittens Vorschläge gemacht, welche 111 anunft den drr)- benden Uebclständen ab?e1feu folien. Diese Vorschlage kommen in der Hauptsache daran hinaus, fur denjenigen Zivxck, deu die Melioration anfänglich haben foate, dns rechtsiettlge Werder gegen Ueberfluthung zu schützen, fur diesen ZWeck das “Werk nicht a u f z u g e b e n , seine Herstellung aber und insbe- sondere seine Handhabe und _dic “Handhabung des Ymfinthkauals dergestalt zu modifiziren, daß dtexemgen Uebel, we_1che ]eßt eingetrexen sind, vcrmieien werden. Um das [Zu erreichen, meme Herren, m'üf'ken schwierige Veranstaltungen getro en, es muß bor al]_en _Dmgen

wischen deu verfcbiedenen Zntcresfengruppen derjenige Mittelweg ge- Lunden werden, der dazu MFM ist, die konkurrirenben Interessen mit einander zu vereinigen. * enn man den„Weg zehrn wollte„ den der erste Herr Redner empfohlen hat, so Wurde das zwar geeignet sein, die Wünicb: der Ueberfchwemmtcn dcr linksfettigen Niederung zu crfuüen, man würde dann aber gerade das Gegeutheil von dem, il)un, was die rechtsseitige Niederung wunscht und wofür die rechtsseitige Niedrrung außerordentlich große Opfer gebracht hat. 'Das geht natürlich nicht. Bei bicfxn Flußregu- ÜUMLM "ML dl? große Gefahr und Verantnxortung dann, daß, w_as dem einen User zu Gute kommt, unter Umstanden dem anderen User

schädlikh ist; deLhalb wird es bei solchen Veranstaltungen immer