1876 / 149 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 27 Jun 1876 18:00:01 GMT) scan diff

schrvader, iii Dödpelkiellinie formirt, in "Bewegung, “und steuerte Anfangs mit halber Fahrt, dann mit ganzer Fahrt und allen Regeln durch die Engen.

Um 10 Uhr Abends wurde die LinieDover-Calais pasfirt.“

Danach ist weder von einer Gefahr die Rede, noch ist ein Signal Seitens des Geschwaders gesehen, vielmehr hat der Ge- schwader-Chef seine Pofition genau gekannt und ist mit großer Vorfickzt verfahren.

_ Mit Vezng auf die durch die Pkeffe verbreitete Nach- richt von dem Eindringen englischer Fischerboote in die diesseitigen Fisckzereigründe an der ostfriesischen Küste hat das Auswärtige Amt amtliche Mittheilungen erhalten, aus denen sich Folgendes ergiebt:

Der in diesem Jahre mit dem Schuhe der deutschen Nord- fee=Fischerei betraute Kaiserliche Aviso „Lorclei)“ verließ den 20. Juni er., Abends ZZ Uhr, den Hafen von Wilhelmshaven und dampfte bis gegen 10 Uhr die Jade hinunter, wo die ein- tretende Dunkelheit das fernere Erkennen der Bojen unmözlicl) machte.

Am 21. Morgens Wurde die Fahrt fortgesetzt, und kam gegen 6 Uhr u. m. nördlich von Langeoog eine Fischcrflotte von reichlich 200 Segeln in Sicht, die in einem Umkreise von ca. 10 Seemeilen Durchmesser ohne Ordmmg sehr zerstreut fischte.

Die „Lorclen“ dampfte darauf zu und jraf die südlichften englischen Fischerfahrzeuge auf 6x Seemeile von Land; dieselben lagen auf die Küste zu, halften aber beim Eintreffen des Kriegs- fahrzeuges und lagen wieder von der Küße ab.

Mitten zwischen den englischen Fischerfahrzeugen fischten ungefähr 60_70 deutsche Fischer. Anfragen bei denielben haben fte dahin beantwortet, daß ihr Fischereibetried dueck) die An- wesenßeit der englischen Flotte keine Sckzädignng erlitte, und auch keine Störung vorgekommen wäre.

Die „Lorelen“ dampfte kreuz und quer durch die Flotte durch, und Wuyden dabei die Fahrzeng-Nummern aufgeschrieben. Das Gros der Flotte lag nach Nord Herauf bci Ostwind, Stärke 5.

Darauf dampfte die „Lorelen“ nach Norderney, suchte wiederum die Fischerflotte auf und iraf diesekae mit dem Gros nach NW. bei raumen Winde von Land abliegend; nur sehr vereinzelte Fahrzeuge lagen noch über St. V. Bug nach Land zu. Die südlichsten dieser [eßteren wurden auf etwas über 4 Seemeilen von Land angeiroffen. „Loreley“ stoppte und wartete in beobachtender Stellung, ob die Fahrzeuge noch weiter nach Land zu liegen würden, beide aber halsten und lagen dar- auf denselben Kurs, wie die iibrigen Fahrzeuge.

Die Angabe, daß englische Fischer innerhalb einer See- meile von Land gefischt haben, kann nur auf einem Irrihum beruhen, da das Fischen so nahe an Land, abgesehen von den seemänniscben Unznträglickzkeiten, durch- aus nicht lohnend ist. Ein Befveis dafür ist, das; sämmt- liche deutsche Fischer fiel) ebenfalls außerhalb der 3 Seemeilen von Land aufhielten, während sie doch die Landgründe aufzu- suchen berech1igt waren und auch bei Anwesenheit der englischen Fischeeflotie aufgesucht hätten, wenn der Fischfang dort lohnen-

er ware.

Hiernach hat vor. der Hand keine Veranlassung und Noth- wendigkeit zum Einschreiten gegen die englischen Fischerboote vorgelegen, doch wird die Beobachtung derselben durch S. M. Avkso „Loreley“ fortgeseßt.

_ Der Pfarrer Huyeng zu Diez hatte in' einey benach- barten Pfarrei, welche schon seit längerer Zeit nicht besyxzi war und deren Wiederbeseßung wohl thnnlich getvesen wäre, einzelne Amts k) andlnn gen vorgenommen, ohne dazu geseßlick) befugt ge- wesen zu sein. Auf Grund des Geseßes vom 21. Mai 1874 ange- klagt, wnrde H. von der Strafkammer des Krengerichls zu Limburg verurtheilt. Die vom Angeklagten dagegen eingelegte Nichtig- keitsbesckiwerde, in der er ausführte, daß ein geseßmäßig ange- stellter Pfarrer zur Vornahme einzelner Amtshandlungen in einer benachbarten Pfarrei befugt sei, wurde vom Ober-Tri- bunal zurückgewiesen, indem es den vom Imploranien aufge- ßellien Saß in dieser AUgemeinheit für rkchtéirl1hÜMliY erklärte. „Allerdings“, führt das Erkenntnis; des höchsten Gerichte ofes aus, „ist der Wortlaut des Art. 2 des Ges. v. 21. Mai 1874 („die Strafe des §. 23 des Ges. v. 11. Mai 1873 trifft einen jeden Geistlichen, welcher Amtshandli ngen vornimmt, ohne den Nach- weis führen zu können, daß er zu einem hierzu ermächtigenden Amte oder zur Stellvertretung oder zur Hülfsleißung in einem solchen Amte unter Beobachtung der §§. 1-3 des genannten Geseßes berufen worden sei“) nicht allein entscheidend, weil die Wortfassung eine umfassendere ist, als die Absicht und der Zweck des Geseßes bedingte. Wenn man aber auch hiernach anerkennen muß, daß der Art. 2 nicht auf alle FäÜe Anwendunß findet, auf die er nach seinem Wortlaut anzuwenden sein wurde, so führt dies doch nicht zu einer Anerkennung des nom Implo- ranten aufgestellten RechtSJrundsaßes .. . Weder bei den legislatorischen Verhandlungen dieses Gesetzes, noch in den späteren Erlassen der Behörden ist jener Saß in der behaupteten AUgemeinheit au9gesprochen worden. Der BerufungSrichter hat daher keineSwegs das Gefeß verletzt, wenn er seinerseits einen solchen Grundsaß nicht anerkennt, viel- mehr davon aUSgeht, daß die Rechtswidrigkeit der Vornahme geistlicher Amtshandlungen nach der Lage des Einzelfalles zu beurtheilen und danach zu prüfen sei, ob die Vornahme einer vereinzelten Amtshandlung von der Strafandrohung des Geseßes aUSgeschloffen sei, und wenn er diese Frage in Bezug auf den vorliegenden Jau verneint, indem er annimmt, daß die Vor- nahme von Amtshandlungen in einer seit längerer Zeit nicht beseßten Pfarrei, deren Wiederbejeßung sehr wohl thunlieh ge- wesen wäre, die Umgehung des Geseßes bezweckt habe.“

_ Der General-Lieutenant und Remonte-Inspccteue von Rauch hat fiel) nach Nenßreliß begeben, um auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät des Kaisers nnd Königs der heute dort ßattfindenden Beiseßung des verstorbenen Herzogs Georg von Mecklenburg-Streliß, Königliche Hoheit, beizukvohnen.

VaVem. Nach dem Bericht des Finanzausschuffes der Kammer der Abgeordneten über den Voranschlag der Staats- auYgaben auf Reiehszwecke für ein Jahr der )(111. Finanz- pertode sind durch Reictheseß vom 16. Februar 1876, betreffend dieFeststellung eines Nachtrags zum Haushaltsnat des Deutschen Reiches fur das _Iaer 1876, die an das Reich abzuführenden Matrikularbettrage fux1876 für Bayern auf 160784324446 festgeseßt. Sonach 'erhoht sich die von der Königlichen StantSregierung im Einklange mit der Matrikularumsage des Vorxahres 1875 im Kap- ] e*mgeseßte Summe von 15,319,570M um 759,354 «FH Im Uebrigen wird beantragt, den Voranschlag wie folgt zu genehm: en: Etat der Ausgaben auf Reichszwecke, Matrikularbeitrage ] „078,924 «14 (Re ierungsvor- anschlag 15,319,570 4/16), Kosten der Reichstagswa [en 770 «M

Gehalts- *und Funktionöbezüge der ständigen BundeSraihsbevoU- mächtigten: ständiger Gehalt 6660 «FH (Regierungsvorans lag 5940 M), Nebenbezüge 3780 «46 (RegierungSvorans lag 4500 „FH), Summe 10,440 4/44 Sachliche Ausgaben: Regie- Aversum des ständigen Vundeérathsbevoümäckgtigten 700 «FL (Regierungövoranschlag 710 «W), Diäten und Reisekosten der übrigen VundeSraihsbevollmächtigten 20,600 «M, Summe 21,300 „44 (Regierungsvoranschlag 21,310 36) Gesammt- betrag der Bluegaben: wie oben. Zum Schlusse wird auch bei diesem Etat der Antrag an die Krone ge- bracht: „Es möge Sr, Majeftät gefallen, die nach gegenwärti- gem Etat dem betreffenden Beamten zufallendc Gehaltömehrung in pragmatischer Eigenschaft gewähren zu onen.“ _ Dem Be- richte des Finanzausschuffes der Kammer der Abgeordneten zu den Nachweisungen über die AusUaben anf ReichSzrvecke in den Verwaltungsjahren 1873 “und 1874 zufolge ist ein Anlaß zu weiteren Bemerkungen nicht gegeben, und wird beantragt, es sei den Nachweisungen über die Auggaben auf Reickßzwecke für die Yeßwaxtnngsjahre 1873 und 1874 die Anerkennung zu er- t ei en.

Sachsen. Dresden, 26.Iuni. Beide Kammern hielten heute Mittag 12 Uhr Sitzung ab. Die Erste Kammer ver- handelte Über den Entwurf eines Geseßes, den Urkunden- und Erbschaftsfxempel betreffend. Nachdem fick) Staats- Minister Frhr. v. Friesen und der Referent für Annahme des nachstehenden Vereinigungsvorschlages verwendet Hatten, beschloß die Kammer einstimmig, den 20. Entwurf mit einigen geringfügigen Abänderungen anzunehmen. Die Kammer irat sodann den von der Zweiten Kammer zur Position des AuSgabebudgets, Unterfiüßung bei Brand: und andern Un- glücksfäüen, sowie in Betreff des Königlichen Dekrets, die Landes-Immobiliarbrandverficherungzöanftalt betreffen“), gefaßten Beschlüssen einstimmig und ohne Debatte bei und be- schloß daranf , in Uebereinstimmung mit dem Beschkuffe der Zweiten Kammer, die Einstellung der Position 1 des außerordentlichen Angabebudgets nach Höhe von 2,535,126 «% zu genehmigen. _ Die Zweite Kammer trat bezüglich des Reservefonds der Königlichen Sammlungen dem Beschluffe der Ersten Kammer bei und genehmigte au-K) ihrerseits die von derselben bereits angenommenen Vereinigungsoorschläge bezüglich der Gebührentaxe für die Kostenberechnungen der Ver- waltunngehörden erster Instanz und des Geseyentwurfs über die Schonzeit der Rebhühner.

_ 27. Juni. (W. T. B,) Die Zweite Kammer hai; die Nachforderung der Regierung im Betrage von 700,000 ck16 fiir den Ban deZ Hoftßeaters nack) lebhafter Debatte mit aUen gegen 6 Stimmen ohne Abstrich bewilligt.

Württemberg. Stuttgari, 23. Juni. Die- Ab- geordneten-Kummer hat nach zweitägigen Debatten das Geseß über die-Gewährnng einer 5prozentigen Zinsizarantie fiir die Aktien einer mit höchstens 1,800,000 „M Grundkapitai in Heilbronn zu errichtenden Aktiengesellsohaft für K eiten : S ch [ epp- schiffahrt auf dem Neckar unter Herabseßung der Garantie- frist von 30 auf 20 Jahre genehmigt. Von der Opposition (worunter Pfeiffer und Mohl) war zuerst direkte Kapitalbetheili- gung ohne Garantie, dann eine 4iprozentige Garantie beantragt worden, während die Kommission den Regierungöanirag mit einem Zusaß empfohlen hatte, dahingehend, daß die etwaigen Tantiemen nicht in die in die Garantie einbezogenen Beiriebs- kosten hineingerechnet werden dürfen.

Baden. KarlSruhe, 26. Juni. In der heutigen Sißung der Zweiten Kammer wurde das Pfarrdota- tionSJeseß mit 31 gegen 9 ultramontane, 3 demokratische und 2 liberale Stimmen angenommen.

Hessen. Darmßadt, 23. Juni. In der heutigen Sißung der Zweiten Kammer muede das AUSgabebudget, mit AuMahme des Postens „Bauwesen bei der Landes-Univer- fität“, welcher ausgeseßt ist, zu Ende gebracht. In den meißen Fällen erfolgte die Beschlußfassung nach den Anträgen des Aus- schusses; nur von zwei Hauptabftrichen, welche der AuSsckmß vorgeschlagen hat, wurde, namentlich mit Rücksicht auf neues Material, welches Ministeriah-Rath Fink dem Hanse vorlegte, abgeftanden.

_ 27 Juni. (W. T. B.) In der Heutigen Sißung der Zweiten Kammer beantwortete der Minister-Präsident die von dem Abg. Edinger am 13. d. an die Regierung gerichtete Inter- pexxation, betreffend deren Stellung zum Reichs-Eisenbahn- projekte. Der Minister erklärte, daß die Regierung zur Zeix nocki nicht in der Lage iei, sich über ihre künftige Stellung zu dem Prc-jekie andzusprechen, da die Prüfung desselben, ohne Kennt- niß der Bedingungen und künftigen Verwaljuncheinriihtungen, nntex denen ein großer Komplex von Eisenbahnen dem Reiche übertragen werden solle, weder oem Standpunkte der Reiche.'- verfasinng, noch von dem Gesichtspunkte der Interessen des Reichs und der betheiligten Bundesstaaten ermöglicht sei.

Mecklenburg. In der Sißung des außerordentlichen städtischen Konvents aller drei Kreise zu Rostock vom 5. Maid. I., an welcher aus dem mecklenburgischen Kreise. 16, aus dem wendif en Kreise 15 und aus dem ftargardischen Kreise 3 Deputirte T eilnahmen, kam ein Antrag zur Berathung, welcher sich auf die Refoxm der LandeSverfassung bezog. Es wurde nämlich proponirt, die norderstädtischen Magistrate zu beauftragen, einen Vortrag dieses Inhalts an die beiderseitigen Allerdurc'qlanchtigfien Landesherren Namens der Landschast aUer drei Kreise zu richten. Nach einer sehr erregten Debatte wurde dieser Antrag mit 19 gegen 14 Stimmen genehmigt und ist darauf unterm 6. Mai abgesandt worden. Derselbe schließt mit. folgenden Worten: „Ew. Königliche Hoheit getreue Land- schaft fürchtet bei dieser Sachkcige und bei der hohen Wichtigkeit, welehe die Verfassungsfrage für das ganze Land, wie auch ins- besondere für die Städte hat, einer Mißdeutung nicht zu „be- gegnen, wenn sie Ew. Königliche Hoheit die ehrfurchtsvolle Bitte vorzuira en ihre Vorderstädte beauftragt hat, derselben gnädigft die berulßigende Zusicherung zu ertheilen, daß die Verhandlungen,

betreffend die VerfaffnngSreform, von Ew. Königlichen Foheit

nicht vertagt, sondem ununterbrochen fortgeführt werden oUen. Mit dem submiffesten Bemerken, daß wir im Auftrage unserer Kommittenten einen gleichlautenden Vortrag an Se. „Königliche Hoheit den Großherzog von Mccklenburg-Streliß gerichtet haben, beharren wie n. s. w.“

Sachsen - Weimar : Eisenach. Weimar, 24. Juni. (Leipz. Ztg.) Der Kaiser von Rußland, der etwa am 7. Juli der Großherzoglichen Familie einen Besuch abzustatten gedenkt, wird a,m „genannten Tage voraussichtlich im Sehloß Wilhelms- thal bei Eisenach eintreffen, Wohin fich auch die Großherzoglichen Herrschaften zu begeben beabsichtigen, und von dort am 8. die

eise nach Böhmen fortseßen.

Anhalt. Dessau, 25. Juni. Der zu einer außer- ordentlichen Diät einberufene Landtag wird morgen hier zu- sammentreten. Zu den früher bereits erwähnten Vorlagen soll noch eine weitere hinzukommen, betreffend die Abtretung der Domaine Güntersberge an die dortige Gemeinde als Ent- schädigung für Ansprüche auf ungefähr 24,000 Morgen Wal- dungen im Harze.

SEWarzöurg-Nudolftadt. Rudolftadt, 23. Juni. Der Fürst hat den Regierungs-Ratl) ])r. _jar. v. Holleben zum StaatIratHe und zum Stellvertreter des Ministers und den Regierungs-Rath Hauthal zum Geheimen Re ierungs- Rathe und verantwortiichen Vorstande der Abtßeilung für Kirchen- und Schulsachen des Fürstlichen Ministers ernannt.

Lübeck, 26. Juni. Die drei Söhne des Königs OScar von Schweden trafen, der „Lüb. Ztg.“ zufolge, gestern Morgen per Dampfer hier ein, wurden von dem Vize- Konsul Klingström empfangen und nach dem Bahnhof geleitet, und seßten dann Vormittags die Reise zu ihrer Mutter nach RippoldSau fort.

Oesterreich-Ungnrn. Wien, 25. Juni. Der Kron- prinz Rudolf begiebt sich, wie die „Pol. Korr.“ vernimmt, am 1. Juli nach Königgräß, am 7. Juli von Trautenan nach Reichstadt und von dort am nächsten Tage nach Böhmisch-Leipa. Muthmaßlich von Bodenbach -Te1schen aus reift dann der Kaiser mit dem Kronprinzen nach der Verabschiedung von dem Kaiser Alexander von Rußland nach München ab.

_ Die „Wiener Zeitung“ publizirt die mit der Allerhöch- sten Sanktion versehenen Beschlü's s e der diesjährigen Dele- gationen. Das ordentliche Erfordernis; beziffert sich im Gan- zen mit 99,409,023 Fl., das außerordentliche mit 11,902,636 Fl., somit das gesammte gemeinsam zu bedeckende Erforderniß mit 111,311,659 Fl.

_ Der bisherige sächsische Gesandte bei dem hiesigen Hofe, Gel). Rath v. Bose, ist, wie die „Polit. Korresp.“ er- fährt, abberufen worden und Hr. v. Helldorf zu seinem Nachfolger ernannt worden.

Wr. - Neustadt, 24. Juni. Dem niederösterrei- chischen Parieitage werden morgen drei Resoluiionen über den NUSJleich, die Wehrfrage nnd die Bankfrage, vorgelegt Werden. In den Sektionen wurden heute die vom Comité- entworfenen Resolutionen betreffs des AUSgleichs und der Wehr- frage unverändert, jene betreffs der Bankfrage mit einigen Mo- dißkaiionen angenommen. Zn Referenten wurden die HH. Magg- Weitlof und Max Steiner gewählt.

An der Vorversammlung des Parteitages nahmen 200 Personen „Theil. 1)r. Kopp rechtfertigte die Einberufung des Parteitages durch den Hinweis auf den Ernst der Zeit und auf die bedeutenden Fragen, welche gegenwärtig auf der TageSord- nung stehen, Wenn die Aussprüche des Parteitages Be- deutung und Wirkung haben sollen, dann dürfen nur besonders wichtige" Fragen berathen werden. Die wich- tigße, welche der Redner als erste zur Berathung vorschlug, isi gegeben durch das Verhältniß Oefierreichs zu Ungarn, durch die Revision des AuGgleickzs von 1867. Selbst jene Abgeordnete, welche damals für den AnSgleick) stimmten, sahen denselben als ein Produkt der Nothlage an und erblickten darin eine bedeutende Schädigung der diesseitigen Reichshälfte. Diese Ansicht bcwahrheiiete fich seither vollständig. Von der bevor- stehenden Revision dieses AqueicheS find nur die äußersten Um- réffe bekannt. Dies genügt, unsere Aufmerksamkeit hetvorzurufen und den AUSJleich zu diekntiren.

Im Anschlusse hieran ist die zweitwichtigste Frage die Bankfrage, die Frage der Schaffung einer zweitheiligen Bank, welche den politischen DualiSmus auch aufs wirthschaft- liehe Gebiet übertragen solle. Der Redner besprach die Wichtig- keit der Bankfrage vom wirthschaftlichen Standpunkte. Nicht minder wichtig sei die Frage der Wehrverfassung, welche er als dritte Frage zur Verathung vorschlage.

Der Redner empfahl die genannten drei Punkée als Tages- ordnung und die Vorberathung derselben in drei Sektionen. Der Antrag wurde angenommen und die Versammlung ver- theiTte fich in drei Sektionen. _

Triest, 24. Juni. Die „Triester Zeitung“ veröffentlicht das Jiinerare der Korvette „Friedrich.“ Diese, durch 25 Mo- nate abwesend, hat 48,000 Meilen abgelaufen, wovon 38,000 segelnd, 10,000 dampfend. Der Stab ist unverändert zurück- gekehrt. Von der Mannschaft smd 3 gestorben, 4 desertirt, da- von 3 in San FranciSco. .

Krakau, 24. Juni. Nack) zweitägiger Berathung beschloß die Zoll Enquete die Absendung einer Deputation, bestehend aus den Delegaten der hiesigen, der Lemberger und der Brodyer Handelskammern und der Krakauer Geschäftshalle, um beim Ministerium die Aufhebung des russischen Getreide- zolles durchzusetzen.

Großbritannien und Irland. London, 26. Juni. (W. T, B.) In der heutigen Sißung des Oberhaus es erklärte der Staatsfekretär des Neu ern, Derby, auf eine Anfrage Lord De La Warr's: In der That sei der Stand der Dinge in Serbien in dem Sinne ein kritischer, als fich umfassende militärische Vorbereitungen vollzögen, die Miliz und die Res-rven zu den Fahnen einberufen und aUe Vorbereitungen für den sofortigen Beginn eines Feldzukxes getroffen seien. Ob Serbien die Absicht habe, den Krieg wick ick) zu beginnen oder nicht, könne er nicht sagen. Es sei selbftoer- ßändlich, daß es denen, die solche Kriegzworbereitungen träfen, immer noch freistehe, zu sagen, daß ihrer Ansicht nach die un- ruhigen Zustände in den Nachbarländern derartige seien, daß sie die blos zur Vertheidigung ergriffenen Maßregeln recht- fertithn. Andere Informationen als diese vermöge er nicht zu ge en.

Im weiteren Forigange der Sißung erklärte Lord Derhy aufeineAnfrage Lord Strathedens betreffs derVorgängeqtn Konstantinopel, er könne es nicht bedauern, daß da91emge, was der Anlaß zu einer Uneinigkeit zwischen England nnd den anderen Mächten hätte werden können, hessikkgk sei, und wolXe. auch nicht mit dem Ausdruck mne Ueberzeuguyg zurückhalten, daß der ohne irgend wel "en freiziden Em- Yluß vorgegangene Wechsel in der Souveennetat em Axt sei, er duni“) die Dringlichkeit der öffentlichen Gefahr und die Un- möglichkeit, auf irgend eine wirkliche Reform von Seiten des Sultan Abdul A iz st Hoffnung zu xnachen, gerechtfertigt Werde. Der Stand der eehandlungen ths en der Pforte und den Insurgenten sei ihm mchk-bekannt; so ten dieselben zum

Ziele führen, so würde darüber nichts weiter zu sagen sein,

konten fich aber die Feindseligkeiten erneuern, so würde man die Angelegenheit weiter ins Auge zu fassen haben. Was das Ergebniß der Vorfchläge oder Rathschläge Englands sein werde, könne er nicht sagen, er müsse indeß dringend wünschen, daß man sich inzwischen aller Kritifirnng über das Verhalten der anderen Mächte enihalie. England wünsche eine friedliche Beilegung der Insurrekiion und habe durchaus nicht das Ver- langen, für den einen oder anderen Theil Partei zu ergreifen. Es sei das eine auch bei anderen viel ernsteren Gelegenheiten festgehaltene Regel. Die englische Regierung “habe geglaudt, daß der Pforte in ihren eigenen Angelegenheiten die Initiative gelaffen werden müsse und sei bereit, der Pforte und den übri- gen Mächten denjenigen Rath anzubieten, den sie sowohl der chrifilichen wie der türkischen Bevölkerung gegenüber für den besten halte. Lord Granville erklärte, daß er fick) seine Mei- nungSÜußerung "bis dahin, ivo vollständigere Information vor- liege, vorbehakten miiffe.

_ Im Unterhause äußerte Disvaeli auf eine Anfrage Forsters, daß er keine Kenntnis; erhalten habe von den angeblich in Bulgarien auSgeführten Grausamkeiten, auSgenommen von solchen, welche beim Beginn des Aufstandes in Abwesenheit der regulären Truppen vorgekommen seien. Der Krieg werde zwar von den Baschi=BozUks und den Cirkassiern mit großer Gran- samkeit gefiihrt, aber ohne Rücksicht auf .die Race nnd die Religion. _ Im weiteren Verlaufe der Sißung erklarte. der Unter-Staatssekretär des Aeußern, Burke, „dem Depnnrten JeweU gegenüber, es sei richtig, daß die Pest in Bagdad ge- wüthet und seit dem Februar 3639 Opfer geforderi habe. Seit 3 Tagen sei indes; kein TodesfaÜ in Folge der Pest vorge- kommen. Die Anordnung einer Quarantäne erscheine daher fur Reisende nieht nothwendig, da die Pest, bereits anfgehört habe, dagegen seien VorfichtSmaßregeln für die Waaren ans Bagdad erforderlich.

_ 27. Juni. (W. T. V.) Wie dem „Renterschen Bnreau“ aus Gibraltar gemeldet wird, hat die englische Regierung weitere Anordnungen zur Vervollständignng der Aus- rüstung der Festung getroffen.

Frankreich. Paris, 25. Juni. Das amtliche Organ bringt ein Dekret des Marschall-Präsidenten, nxelches der am 10./22. Juli 1875 in St. Petersburg abgeschlossenen inter- nationaken Telegraphen-Konventiongeseßliche Wnksam- keit verleiht. _ Ferner veröffentlicht das Blalt wieder die Er- nennung von 16 Maires und 24 Adjunkten.

_ Der Geburtstag des Generals Roche muede gestern mit großem Glanze in Versailles gefeiert. Die Hauptee der republikanischen Partei, die Herren Jerry, Iost), Gambettq'hadcn Reden gehalten, die alle maßvoll und voll guten Rathes fur ihre Parteigenossen waren, '

_ Der Augsckzuß für das (Hemerndegeseß hatte be- schlossen, sich durch ein provisorisches Geseß den Vorschlagen der Regierung zu nähern, nämlich leizterer das Recht zuzuerkennen, die Bürgermeister dxr Haupisiädte der Departements, der Ar- rondissemenis und der Kantons zu ernennen, aber aus den Mitgliedern des Gemeinderaths. Diese Konzession. hat aber 111 einer heut ftatigefundenen Versammlung der Linken großen Widerspruch erfahren und ist endlich Troß warmer Verthetdx- gung durch Herrn Jules Ferri) abgelehnt worden; ebenso die

Regierungsvorlage selbst. Versailles, 26. Juni. (W. T. V.) Der Sonni Hat

heute den GesetzentWUrf, betreffend die Anleihe der Stadt Paris von 120 Millionen Frcs. genehmigt. _ In der benit- gen Sißnng der Deputirtenkammer wardeScttens-der Regierung eine Vorlage, betreffend die Vervtlkrgnng eines Kredites von 35 Millionen Fcm. für die Weltausstellung im Jahre 1878 eingebracht.

Italien. Rom, 24. Juni. Der Senat schie gestern die Verhandlungen über das Definitivbudget der StaatSeinnahmen und AUSJaben des Jahres 1876 fort, und genehmigte das des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten. Als die Versammlung darauf in die Verhandxungen über das Budget, des Justiz- Ministeriums eintrat, 1adelte der frühere Siegelbewahrer Vigliani die Verseßungen, welche sem Nachfolger Mancini unter dem hohen GerichiSpersonale vorgenom- men hat, und bezeichnete sie als unüberlegt, _und das Ansehen der Magiftrniur herabwürdigend. Der, Mtniftex-Siegel- bewahrer erklärte, daß keine Parteileidenschaft ihn zn den Verseßungen bewogen habe, sondern der Unistand,_ daß die be- treffenden MagistratSpersonen zu vtek Poltktk. getrieben und iich in die Wahlen eingemischt hätten. Herr Vtglmm sagie „noch einige Wo::te zur Vertheidigung des abgetretenen Ministeriums und sprach die Hoffnung aus, daß äbnltche Verseßungen in Zu- kunft unterbleiben werden, und der Senaior Vaecakschlug nach- stehende TageSordnung vor: „Nachdem der Senat dre Interyella- tion des Senators Vigliani und die Antzvort des Minister Siegelberdahrers vernommen, geht- er konstitutronellem_Gebrauche gemäß zur Tageöordnung über.“ Darauf wurde die Sißung

aufgehoben. ' . _ Die Deputietenkammer trat gestern in die Be- ta! ung des den Kaufund Betrieb der o'berttaltenischen Ei enbahnen betreffenden Geseßemwurfs em. Znerst ergriff dcr Abg. Bolelli das Wert, um zu e_xklaren, daß er für die Baseler KonVenixion _abec gegen den 4. Artikel des Pariser Additionalvertxagß sinnmcn wexde, weil er ihn fur eben so übeiflüssig wie gefahpltck) halte. „DW Baseler Kon- vention vertheidigte er sowvhl vom polnischen als auch vom finanziellen Standpunkte aus betrachtet; zvexl fie den Inter- essen des Landes entspreche, welsch Zeme Hauptexienbahnen nicht in den Händen einer fremden Gefen cbast lassen duxfe. Im zweiten Theil seiner Rede veribeidtgte er den „Elsenbaaneirtel; durch den Staat,. obwvhl er zugab, daß das Urtbetl der öffentlichen Mer- nung über diese wicbti e Frqne noch nicht reif sei. Der Abg. ToScanei'li, KommiJfionSmttglied, hob die _Vorthetle _des Parifer Additionalverirags der Baseler Konvention gegenuber, die er scharf tadelte, hervor. _ .Der Kauf_ der ober- italienischen Eisendabn-cn, sagte er, je: wegen des “internationalen Charakters ihrer Eigentbümer politische Nothwepdigkett und er stimme für den Artikel 17, auch deSwegen mit, Weil er glaube, daß das Ministerium, Welches ihn vorschiage, Yaterhandlungen Zur Bildung einer tüchtigen Betriebögesellschaft em elettet habe., Der lbgeordnete Maurogonato rechtferiigte die BaJeler „Konvention und sagte, „„der Paxis er Additionalvertrag, Weit entfernt fte zuvexbessern, hahe sie verfcbztm- merk; Zahlen, der beste Beweis, zeigen, zvas 'OteOberitaltemschen Eisen- bahnen gekostet haben, und daß SeÜa üch nicht verrechnet habe. Der Redner verbreitete sich darauf über die Nachthnle des„Parrser Vertrqge, weil er zu Vieles ungewiß lasse, wvraus eme Reihe, von Streitigkeiten und Prozessen hervorgehen Werden. Man habe mcbt an neue Vauien gedacht, auch nicht an Tarifbeßinnnungen für Tires, Zoo mcm init der Südbahn, die unsern Transithandel ersticken konne, konkur- riren müsse, und ebensoweuJ an die Uuögleicbung der Unter- schiede des! Paffagiertarifs im enetiams en„und daran, das; Wir den Betrieb der Alpenbabnen einer ausscbl eßltcb fremden GefeÜFcbafk überlassen.. Hierauf bekämpfte der Redner den Art.17.„ weil der

Kauf der Eisenbahncn durch den Siaat rhne Betrieb darch denselben keinen Werft) habe. Was aber die Bildung von Gesellschaften zum Betrieb derselben betreffe, so würden sich gute schwer- lich finden lassen; denn die frimdan Kapitalisten hätten zu scblechte Erfahrungen in Italien gemaeht, aber den Betrieb aÜer.Eisenbabnen _der meridionalen Gesellschaft zu überlassen, sei ab- surd, und neue italienische GescÜicbafien würden sich schlecht bewäh- ren, da sie aus denselben Elementen bestLLen würden, da keine ande- ren vorhanden seien. Der Redner schlug ckzließlicb vor, den Art. 17. abzulehnen und die Betriebsfrage ganz offen zu lassen. DeeAbg. Baraxzuoli erklärte fich für die Vorlage, Weil fie das Land von den Gefahren des Eisenbahnkeiriebs durch den Staat_ befreie, die er ganz jchwarz ausmalte. Der frühere Minister der öffentlichen Arbeiten Spaventn seßic der Verianxmlung auseinander, in welcher Lage das abgetretene Ministerium dj_e Eisenbahngesesl- schaften gefunden habe, und zeigte den Nothstand, m welchem die Re- gierung ihnen gegenüsxer gewesen. „In, »in-ine Herren, sagte er, die Eiscnbahnftage hat fich nns auferlegt und unter Um- ständen, Welche zu ändern über unsern Kräften, stand. Soll 1ch Ihnen nun eine Anekdote erzählen, an die nb mcht denken kann. ohne da es mir das Herz zufammenschnüit?_ Als der deniséhe Kaiser dem “önig von Italien seinen Gcgenbejnck) in Marjan?) machie, entfernte fick) der General-Direkker der Ober-Jtalreninhen Eisenbahngesellsckyast von seinem Posten,_ M11 er, unere Freude nicht mit ansehen Wollte! Ick) gestehe Ihnen, meme Herren, das wirkte wie eine große Erniedrigung anf mich. Und wenn es keine andere und größxre Uebeistände gegeben hat?.e, wäre dieser Vorfakl mir allein genug gekvesen um zu wünicden, daß die Verwaltung ,un- serer Haupteisenbnhnen nicht länger in denH-inden von Fremden bltehe. Außerdem machte Oesterreich auf diplomntiféhem Wege die dem- gendsten VorsteÜungen die Trennung der Cijenbahnneße endlich ver- zunehmen, und es that das in einer Art und Weise, die deutlich zu verstehen gab, daß es etwas von uns verlangte, was wir schon lange hatten ibun sorten, und was sich ihm nicht mehr Verweigern ließe.. Als die Kammer vergan- genes Jahr ihre Sommerferien antrat, klopfte die Eisenbaxxnérage an die Thür und verlangte “ihre Lösnng. Hätten Sse die]: bei Jhrer Rückkehr nicht vorbereitsk gefunden, so wären Sie 111 Ihrem gfcoßten Reebte gewesen, uns die bitterften VNwürfe zu mnchen.“ Ws l),?“ der Redner eine Ruhepause zu machen verlangte, venedoö der ansidcnt die Fortsetzung der Verhandlungen auf den folgenden Tag.

_ 26. Juni. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer sexzte heute die Beraihung der Eisenbahnvorlage fori. Der Minister für die öffentlichen Arbeiten, Zanardeili, tmderlegte die von dem Deputirten Luzzaii gegen den Betrieb der Bahnen durcb Privatgesellsthasten gemachten Eiwendungen und _hob hervor, daß das gegenwärtige Kabinet aus wrrthschnftltckien und politischen Griinden die Baseler Konvention nicht em- fack) aeceptiren konnte. Bertani sprach darnuf gegen die Kon- vention. Sekla wandte fich gegen die Angriffe, welche gegen die Baseler und Wiener Konvention gerichtet wurden und “bemerkte, daß die Oppofition gegen die Konventionen durch politiscize Mo- iive veranlaßt sei. Schließlich erklärte SeUa, daß er die Lid- .ditional-Konvention nicht ablehnen fverde unter der Bedingung, daß auch Oesterreich-Ungarn derselben zugestimmt hade, nne dies der Minister-Präsident der Kommisnon angezeigt habe.,

_ (W. T. B.) In dem heute abgehaltenen Konsi- storium smd mehrere Erzbischöfe "nnd Bischöfe m Italien, Frankreiä), Spanien und Qesterreickz-Ungarn ernannt worden.

Türkei. Konstantinopel, 26.Iuni. (W. T, B.) Der Marine-Minifte'r Kais serli Pascha ist vor. der ihm durch Hassan Ber) beigebrachten Wunde wiederhergestellt. _ Efsad Ben ist zum Gesandten in Rom ernanni worden. _ Riza Pascha begiebt fich demnäcizft nach_ den Dardanellen, um eine Besichtigung der dortigen Befestigungswerke voxznnehmen. _ Die Nachricht vom Tode Kiamil Paschas bestätigt sich nicht, derselbe liegt aber schwer krank danieder. '

_ Das türkijckge Panzergeschwader begtebt |ck; zur Vornahme von Uebnngen heute nach dem Axchipel.

_ Den aus BoZnien vorliegenden Nachrichten zufolge sind jeßt an der serbischen Grenze beträchtliche türkische Streitkrafte konzentrirt. Die Haltung der Regierung von Montenegro der Pforte gegeniiber hat fick) dem Anschein naeh friedlicher ge- staltet.

_ Unter allen türkischen Journalen smd, wie wir dN“. „Turquie“ vom 20. d. M. entnehmen, die beiden, „Bassxret“ und „Djéridézi Havadis“ die einzigen, welche fich nur Mit vielen Verklausnlirungen und Einschränkungen fur_ eine Repräsen- tativform der Regierung aussprechen. Die Grunde derselben finden fich in einem Artikel des „Basfiret“ über den 'Sckzermt Islamic? (das heilige Geseiz der Türken). Es heißt darm:

„Das Geseß des Scherf, dem wir unferworfen'sind, hczt zur Grundlage. “.die heiligen Bücher und die heiligen Traditionen, die fick) auf unseren Propheten beziehen. Aus diesen Doktriuen'schopfmd, baden uniere Geseßgebex die muselmännische Jiixisprudenzgebs1det; man kann miipofitiven Gründen beweisen, daß sie der Logik und der Wissenschaft entsprechend ist. Die Grundprinzipien diesesGe'xßes, sind die Rell- gion und die Erklärung des Glaubens an d1e_Etnbe1t Gottes, Cs erkenni. an, daß es, um alle Arten den Glückseiigkeit in dieser und jener Welt zu erlangen, fortwährcnder Anstrengungen bedarf; es schreibt die Beobachtung der tugendhaften, von der Nothwendrgkeit und durch die aÜgemeine Moral gebotenen Sitten vor nnd verwirft die lasterhaften; es betrachtet als Pflicht für die Mitglieder der menschlichen Ges-llschaff, sicb nnter einander zu helfen und ihr Wohl- sein in gegenseitigen Hülfsleistungen zn suehen; es, verdammt den Verrats), die VCesÖWMÖUUJ, die Habsucht ebenso, wxe den Ungebor- sam gegen die, Behörde; es empfiehlt gerechtes und tuxzend qf- ies Handeln und g bietet den Unterthanen , Untenyurfig ett. Endlich schreibt es Strafen für jede bösw1Üige Handlung vor, Welche die Ruhe der Einzelnen und des Steines zu stören und den privaten wie öffentlickwn Interessen zu schaden bezweckt. Cs er- nsnnt Agenten zur Amvendrng dieser Strafen und um uber die In- teressen der ganzen Nation zu Wachen. Es schreibt vor, daß diese Agenten Rathsxörper bilden sollen, die aus eifrigen Leuten zusammen-

eseßt sind und die Aufgabe haben, an dem Gedeihen der National-

Zlngelegenheiten und an der Außübung der Justiz zu arbeiten. End- lich schreibt es vor, daß man jede Maßregel, Welche das Gluck des Staates sichern könne, zur_Annahme bringen muß. Das sind die Gxundlehren des Scheri.“ _

Alle europäisch*n Gesetzgedungen, fahrt dann 1315 „Vassirxt' fort, seien diesem System des Scherr entlehm, Wenn aueh den Bednrfmssen der verschiedenen Nationen angepaßt. ,Die eniopatschen Gesetzgebun- gxn seien zwar auch auf Logik und„W1sscnschaft h_asirx. Die Turkey aber seien durch den Scheri verpfllclptet, Gerechtigkeit zu uben, dxe Europäer nur durch Verordnungen und Gesetze; jene verpflichte dre Religion, Alles mii" Uebcrle ung zu thun; wenn die Europäer auch so handelten, seien sie dur die Gewalt der Dinge dazu gezwungen; Kurz,a11e Vorschriften, Welche den Fortschritt benvcckcn, 1eien'5er jenen ursprünglich, Bei den Euxopaern znfäslixz. Jexer nnpartcnich und gewissenbaftUrtlyeilende muss? „legeben, daß der Scherr in hohem Gxade dem Fortschritte der Civilisation gedient habe. Außer ihm gebe es gar keine Elemente der Civilisation . und des Fort- schritts; das Gegentlnil behaupten zn woücn, 1e1 abjoluter Unver- stand. Nur Weil die Türken jeßt diejem Gkstß zuwider gebandelk, seien sie in die augenblicklich schwtertge Lage verfaUen. Mangel an Thätigkeit, Lässigkeit, Vencbwendungssucht, unkluge Auögaben, Hab-

suchf, Schmeichelei seien an die Stelle der auf dieje Weise verachteien ,

Vorschriften des heiligen Geseßes getreten. Für den Krimxriecx seien 8 Millionen L. ausseßeben- Fuad Pascha Habe deshalb die Staats-.

schuld eingefübri, die sich jetzt auf mehr_ als 200 Miüionen L. T*. be- läuft (das ist aber ein Jcrtvum des „Ba1firei', bemerkt die „Turquie“, denn die Siaatöschuld bestand schon vor Fuad Pascha's Verwaltung")“ während doch das Scherk die unklugen Anögaben verdiete. Die Frage der Herzegywina „sei verschleppt, weil man sich auf den Rail) der Feinde gesiußi, die man als Freunde angesehen, während doch das Scheri befehle, alle politischen Angelegenheiten nach freier Uebe'rlegun

im eigenen Rail) zn scHließcn. So obne Verstand s))be man Hande

und Industrie vernachlässigt, ohne an die Folgen zu denken, also ganz aegen die Lehren des Scherf. Nur der Nichtbefolgung der heiligen Vorschriften dieses Geseßes verdanke man die jeßige schlimme Lage, aber dasselbe werde mit Gottes Hülfe das Land auch wieder retten WD zu neuem Wohlergehen führen und die Zukunft der Türkei 1 zern.

_ Wie der „Politischen Korrespondenz“ vom 26. d. M. aus Belgrad gemeldet wird, werden aÜe Beschlüsse, welche die, Sknpschiina im vergangenen Winter für den Fall eines Krieges gefaßt hatte, jetzt auszgeführi. Zunächst werden die Ge- Hälter aller Beamten rednzirt und der größte Theil der Civilbeamten in das Heer eingereiht. Die zweite Miliz- klaffe hat bereits den Fahneneid geleistet. General Zack) kommandirt die West-Morawa- Armee und Ranko die stärkere bei Alimpics stehende Drina-Armee, wo der Uebergang über die Drina vorbereitet wird. Ebenda haben auch die Türken eine zahlreiche Truppenmacht aufgesteüt. Ge- nerak Tschernajeff kommandirt die Süd-Armee, welche. dem türkischen verschanzten Lager bei Nis ck) gegenübersteht.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 21. Juni. „Zu keiner anderen Zeit, schreibt der Korr. der „Rat. Ztg.“, ist es zur Beurtheilung der hiesigen Stimmung vielleicht so noth- wendig gewesen, sie!; die Besonderheiten unseres Publikums zu vergegenwärtigen, wie jeßé. Zn keiner Zeit war in Rußland das Friedensvediirfniß so allgemein und so ungetheilt, wie in diesem Augenblick, und jede Zeitung, die da- gegen ankämpfen wollte, schwimmt gegen den Strom. Wir wissen mehr oder weniger AÜe, daß bei den anerkennenswerthe- sten und erfolgreichstenAnsirengungen unseres Jinanz-Ministerinms und unseres Kontrole-Amies wir die Regelung unserer Course gar nicht genügend in unserer Hand haben. Wenn z. B. Preußen mit einem auswärtigen Staate im Kriege ist, so gehen alle unsere Fonds zurück, ohne daß wir bei der Sache uns irgendwie detheiligen. Unsere Eisenbahnen sind meistens so an- gelegt, daß vorwiegend preußische Häfen unserem Ausfubrhandel zum Stüßpunkt dienen, und darum werden wir beständig in Mitleidensckzast gezogen, wenn Preußen vom Kriege bedroht wird. Diese von unserer Presse schon manchmal berührte That- sache liefert einen der GefichtSpunkte, warum wir nicht nur selbst auf jeden Fall Frieden haben wollen, sondern auch, warum wir auch bei unsern Nachbarn auf Erhaltxzng des Friedens Werth legen. Mehr oder weniger ist bei diesen Fragen aber unser ganzes Publikum interesftrt. Das muß selbst in den Kreisen des Auslandes unsere entschiedene Friedenssiimmung geniigend motiviren, in welchen man einzelnen angefangenen und noch nicht vollendeten Reformarbeiten nicht genug Werth beilegen soUte. Denn daß ein jeder Krieg, in den Rußland verkvickelt würde, auf den Fortgang der Re- formen verhängnißvoüen Einfluß Hätte, bedarf keines Be- weises. Vor AUem ist die ganze Riehtung, welche in unserem gegenwärtigen System odwaltet, dahin gewendet, alles aus dem Wege zu schieben, was unseren Reformarbeiten und der steigen- den E-ünstigkeit unserer finanziellen Bilanz störend entgegen wirken könnte. In diesem Sinne kann man mit allem Rechte und in der vollsten Bedeutung des Wortes sagen, daß nicht blos die persönliche Stimmung des Kaisers Alexander den Frieden gewährleistet, sondern auch daß die russischen Interessen uns darauf hinweisen, auf die Erhaltung des europäischen Friedens hinzuarbeitcn. Diesem Gedanken muß sick) bei uns sch1ießlich jede andere Rücksicht unterordnen . . .“

Amerika. Washington, 27. Juni. Dem Ver- nehmen nach würde der Senator Merrill die iHm an Stelle Bristows angetragene Würde des Schahsekrctärs nicht an- nehmen. _ Der Senat hat das Armeebndget nm 3 Mill. Dou. erhöht.

Peru. Lima, 14. Mai. Der Ministerrat!) ist augen- blicklich mit der Frage beschäftigt, ob zur definitiven Abschließung des Guano-Kontraktes und der Salpeterangclegen- heit, insbesondere wegen Erhöhung des Ausfuhrzdas“ die Be- rufung eines außerordentlichen Kongresses erforderlich ist. Die Frage wird muthmaßlich verneint werden.

Die Nr. 48 des Amtsblatts der Deutschen Reichs- Post- und Telenrapcnverwaltung hat folgenden Inhalt: Ver- fügungen: Vom 21. Juni 1876. Annahme yon Prrvai-Vanknoten. Beitritt von B;:iiifcb-Jndien und den Französichen Ko_lomen zum All- semeirxen Pestvcrein. _ Vom 17. Juni 1876. Poxtlagernde Sen- dungen nach England. _ Vom_21._Juni1876. Verbot der m London erscheinenden periodischen Dcuckychrist ,Wpertod“.

_ Nr.12 des Archivs für Post und TelearapbieWeiZeft zum Amtödlatt der Dcuthzen Reichs-Post- und Telegrapbenxerwal- tung) hat folgenden Inhalt: [. Aktenstucke und Anssave: St_orungen im Eisenbahn- und Postbetriebe während des Winterx 1875/76;__ Gramme's inaqneto-elektrisckze Maschinen. __ Das wnrtiembergn-Ie Postwesen im Jahre 1874/75. _ Zur Geschichte des Postwesens 'in Pemmem unier der schwedischen Herrschaft. _ L]. Kleine Mit- iheiluugen: Mitwirkung der Postverwatung, bei dem “Sparhankbetriebe in den Niederlanden. _ Die mexikamsche Post im Jahre 1874/75.

Landtags = Angelegenheiten.

Am 25, Juni, Nnckzmittags, starb auf scmern Gute Deutsch- Presse, im Kreise Kosten, der Graf Eduard v. Sienno-Potwo- rowöki, Basiser der Herrschaft Deuneh- resse nnd“ Gorzyce, ehe- maliger voiniicher Rittmeister und friiherer» xovmzial-Landingö-Mar- schall der rovinz Posen, durch Königliches Vertrauen Mitglied des Herrenhau es auf Lebenszeit.

Kunß, Wissenschaft und Literatur.

Die Köni [i e Nationalgalerie hat kürzlich wie- der eine Werihvoköe ererhung gemacht'durck) Ankauf oer großen Bleistifizeicbmmg Genell_i'ö zu dem nn Besitz des Frbrn. von Schack befindlichen Oelgemalde, „Rand der Europa.“ Die schöne Komposition zeigt“ eme solche Haxmonie des Ganzen x_nd eine so vollendeke Zéichnung dee Einzelbetten, daß man nicht mud: wird, sie zu beirachten. Den Mittelpunktödec Darstellung btldetdte auf dem Rücken des in einem mächiigcn Otter verwandelten Jupiter Wende Phönix-Tchtcr, welche den (recbtö) am Meeresstrandz zuruck- ßebliebenen Fccundinnen Grüße zuwinkc. _Erschrmken, bestmzt und klazend schauen die Jungfrauen der Entfuhrten „naeh. Unier der durch die Lüfte schwcdcnden Hauptgruppe tummeln fich m den

MeereöWogen NEU*R'ÖLU und Delphine, weiter nach links ecdlickt ; man Neptun, umgeben von seinen Okeaniden, denen Yi'tonen als : Herolde voraufziehen. Den Abschluß auf dec. linken Seite bilden