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“mittagsftßung erledigt worden.
_ Der hießge Königlich niederländische Gesandte Herr von Rochussen hat Berlin mit Urlaub verlassen. Der Le- gations-Sekretär Herr A. de Tets fungirt während der Abwe- senheit des Gesandten als interimistischcr Geschäftsiräger.
Bayern. München, 12. Juli. (Corr. v. u. f. D.) Mit der Berathung des Militäretars ist im Finanz- ausschuss der Kammer der Abgeordneten heute begon- nen und ein großer Theil desselben bereits in der Vor- Wesentliche Aenderungen an den Spezialetats wurden nicht beschlossen. _ Bei der heute in den Abtheilungen erfolgten Feststellung des Be- richts über die Regensburger Wahl hat Abg. Pfahler die Bezeichnung Ultramoniane und resp. ultramontane Parts: beanstandet, da seine Partei weder eine ultramontane noch kleri- kale, sondern fich als patriotische bezeichne. Es wurde denn auch beschlossen, das leiztere Wort, jedoch mit Anführungszeichen, _ „patriotisch“ _ zu benußen.
_ 13. Juli, (W. T. B.) Bei der heutigen Verathung des Etats für das Kultus-Ministerium in der Abge- ordnetenkammer kam der ultramontane Abgeordnete Joerg auf die Angekegenheit des Bischofs von Regensburg, ])r. v. Senestrey, zurück und bezeichnete die RegierungSwrise des Kultus-Minifters v. Laß als von „Spionage und Denun- ciation“ umgeben, durch welche der „Samen der Charakterlosig- keit“ in «das Land getragen werde. (Große Unruhe links.) Der Abgeordnete Kraußold sprach darauf für ein frei- smniges Kirchenregiment auf protestantischem Gebiete. So- dann rechtfertigte der Kultus :Minister die Grundsäße seiner bisherigen Verwaltung, bei welchen er auch ferner beharren werde. Zum Reformator der protestantischen Kirckzengefeßgebung fühle er sich als Kultus-Minifter eines katholischen Staates nicht berufen. Dennoch wünsche er eine regere Betheiligung der Gemeinden an der Kirchenverwaltung und hoffe, daß dieses Moment bei der nächsten Generalsynode zur Geltung kommen werde. Hierauf folgte eine längere De- batte über das Fortbestehen des obersten Schulrathes, für welchen die Abgeordneten Herz, Peszl, Haushofer und der Kultus-Minißer eintrafen. Die Abgeordneten Rußwurm, Merkle und der Referent Anton Schmidt beantragten dagegen die Auf- hebung dieses Inftituts, welches die katholische Bevakerung nicht wünsche, und welches religiösen Indifferentismus vyrbreite. Schließlich wurde die diesbezüg1iche Position abgelehnt und daiiérch der oberste Schulrath vom 1. Januar 1877 ab auf- ge oben.
Sachsen. Dresden, 14. Juli. (W. T. B.) Der Kron- prinz und die Kronprinzessin von Italien smd gestern Abend um 10 Uhr von München hier eingetroffen. Zum Empfange waren auf dem Bahnhofs anwesend: Der Prinz Georg von Saihsen, Prinz Thomas von Savoyen und der italienische Botsthafter in Berlin, Graf de Launar).
Baden. KarlSruhe, 12. Juli. Der Großherzog hat sich heute Nachmittag 2 Uhr zum Besuch des Deutschen Kai- sers und des Großfürsten und der Großfürstin Michael von Rußland nach Baden begeben. Der Großherzog kehrte am Abend in die Refidenz zurück und gedenkt in der Nacht nach Schloß Mainau abzureisen. _ In der gestrigen Abendfißung der Zweiten Kammer wurde die Vorlage der Regierung über die StaaWunterftüßung der durch das Hochwasser Beschädigten berathen. Da die Regierung keine bcstimmie Summe als Entschädigung bezeichnete, sondern nur angab, daß fie an Einzelne Entschädigungen wegen zerstörter Gebäude und an Gemein-: den Beiiräge wegen Zerstörung von Dämmen, Brücken re. und auch Untersiüßungen an solche Gemeinden, in denen der Armen- aufwand in Folge des Hochrvaffers eine große Höhe erreiche, zu bewiiligen wünsche, so steUte der Abg. Schneider von Mannheim den Antrag, nur eine Pauschalsumme von einer halben MiUion Mark zu genehmigen. Dieser Antrag wurde aber von keiner Seite unterßüßt, vielmehr die Vorlage der Regierung ein- stimmig genehmigt. Da in diesem Fall, wie das „Frankf, I.“ mittheilt, die Vorlage auch Geseßeskraft erhält, wenn die Erste Kammer dagegen sein sollte _ weil die Stimmenzahl den Aus- schlagt gibt _ so kann dieselbe als perfekt betrachtet werden.
Oefterreich-Ungarn. Wien, 12. Juli. Der „Pol. Korresp.“ wird aus Pest mitgetheilt, daß Minister-Präsident Tisza gleich nach seiner Ankunft aus Wien Mitgliedern der Legislative gegenüber erklärte, er habe allen Grund, mit den Intentionen, welche Graf Andraffr) nach Reichftadt mitgenommen, vollauf zufrieden zu sein, da ganz bestimmt keine den Gebiets- intereffen und dem staatlichen Ansehen Ungarns zuwiderlaufende Territorialveränderungen statthaben werden. Nunmehr liegen dem Minister-Präfidenten bereits von Seite des Grafen Andrassy und auch von Seite des in Wien zurückgebliebenen Jinanz-Mi- nisters Szell umfassende Mittheilungen vor, welche ihn _ dem genannten Blatte zufolge _ außerordentlich befriedigten.
_ Der „N. Fr. Pr.“ wird aus Peft mitgetheilt, daß an der s üblichen Grenze Ungarns die Stimmung wesentlich ruhiger werde, besonders seit die Serben erkannten, daß die Phantasien vom großen südslavischen Reich undurchführbar seien. NichtsdeßoWeniger wäre in Semlin doch ein Omiadinift, ])r. Milankovich, zum Bürgermeister gewählt worden, dürfte aber Wohl kaum beßätigt werden.
Prag, 12. Juli. Bei der heutigem Bürgermeisterwahl erhielt der Möbelfabrikant Skramlik 54 von 73 Stimmen, 12 Stimmzettel waren leer, 4 Stimmen erhielt Klenka, die übrigen Stimmen waren zersplittert. Skramlik erklärte in czechifcher und druischer Sprache, die Wahl vorbehaltlich der Kaiserlichen Bestattgnng anzunehmen.
Pest, 11, Juli. Bekanntlich soll auf Grund des Zoll- und Handelsbündnisses mit Rumänien der Spezial- tarif ausgearbeitet werden. Es ist nnn, wie die „Bud.Korr.“ erfährt, eine Schwierigkeit in Betreff“ des Verhandlungsortes der ac] 1100 zu entsendenden Kymmis on aufgetaucht. Die rumä- nische Regierung hat zu dtesrn Berathungen einen, höchstens zwei Vertreter zu senden. Die ößerreichisch-ungarische Monarchie
*muß aber mindestens drei, einen der ungarischen Regierung,
einen der österreichischen Regierung und einen der gemeinsamen Regierung, entsenden und dennoch fordert die rumänische Re ie- rung, es mögen diese Konferenzen in Anbetracht der groJen Kosten, welche die Entsendung der Vertreter verursacht, und des Umstandes, daß Rumänien seine Fachbeamten nicht entbehren könne, m _Bukarest stattfinden. Bisher ift diese Frage noch TiisckztL ßntfckxeden, nächsten Donnerstag tritt aber die Konvention n e en.
. _. 12. Juli. Der ,Hon“ schreibt über die Affaire Mtlettcs: Die Verseßung desselben in den Anklagestand hat der Groß-Becskereker Gerichtshof aussesprochen. Da jedoch die Abgeordneten - Immunität zur Sprache kam, fragte der
Ober-Siaatsanwalt bei dem Minißer-Präfidenten an, wie die Regierung sich diesem Umfiande gegenüber verhalte. Der Minister-Präsident theilte in einem Reskripte vom 4. Juli den Beschluß des Ministeriums mit, in welchem die Nothwendigkeit der Wahrung der Immunität ausgesprochen, zugleich jedoch konstatirt wird, daß der Wirkungskreis dieses Rechtes in unseren Geseßen nicht geregelt ist; darum erachtetr die Regierung es als im Interesse des Landes und des öffentlichen Wohles geboten, die Verantwortung dafiir zu übernehmen, das; im vorliegenden Julie, da die Anklage wegen Aufwiegelung gegen den inneren und äußeren Frieden des Lan- des obschwebt, vor der Recht6pf1ege jenes Hinderniß entfernt werde, welches vielleicht in der Interpretation des Immunitäts- geseßes gelegen ist, Dieses wird dem Abgrordnetenßause sofort nach dessen Zusammentritt gemeldet werden, damit dieses, wenn es demselben genehm ist, die Sistirung der Untersuchung und die Aufrechthaltung der Immunität besckyließe. Bis dahin jedoch übernimmt die Regierung die Verantwortlichkeit und fordert den Ober-Staatsanwalt auf, die Untersuchung energisch weiterzu-
führen.
SchWeiz. Das „Genfer Journal“,welches sich gegenüber dem Entwurfe zu einem Militärsteucrges eize ablehnend ver- hakten, knüpft nun an die Verwerfung desselben folgende Ve- trachtungen: „Der Entwurf ist. gefallen, aber das zu lösende Problem ift geblieben. Unsere eidgenössischen Finanzen sind den Laßen nicht gewachsen, welche ihnen die neue Militärorganisation auferlegt hat. Diese Thatsache mahnt uns zugleich an unsere PWM, unser Budget zu erweitern und ihm neue Hülfsquellen zuzuweisen. Mit dem negativen Resultat der leßten Abstimmung ist es nicht gethan, sondern wir müffen uns schon von heute an mit dem Studium einer eidgenössischen Steuer beschäftigen, welche, auf den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Gleichheit der Bürger aufgebaut, uns den Unterhalt unserer Armee er- möglichen wird. Die Frage ist eine ernfte und kann nicht auf- geschoben werden, denn ein Volk, das sich selbst achtet, zerßszrt nicht sein eigenes Werk von einem Tage auf den andern und es schreckt auch nicht vor Opfern zuriick, wenn es sick; darum han- delt, die eingegangenen Verpflichtungen einzulösen.“
Großbritannien und Irland. Londo'n. 12. Juli. Die Königin empfing gestern den durch Lord Derby ihr vor- gestellten neuen amerikanischen Gesandten, Eduard Pierrepont und nahm sein Beglaubigungsstbreiben entgegen.
„ _ Parlamentsverhandlungen vom10.Juli. (21.21, E.) Beide Häuser des Parlaments wurden durch Verhandlungen “Über die orientaliicbe Frage in Anspruch genommen.
_ Jm Oberbau e brachte Earl Gmnvilie eine Interveliation ein bezüglich der in Bulgarien von den irreguiären Trnppcn der Pforte angeblich verübtharbareien. Der Earl von Derrby erwiderte, daß er nicht in der Lage sei, irgend etwas Be- stimmtes mitiutheilen. Nach der vom „Herzog von ArgvÜ eingebrachten Interpellation habe er an Sir Henry C'Üiot geschrieben und sich von demselbenAuskunft rrbeien, aber die Antwort darauf sei noch nicht eiugegnngen. Nachdem indes; wiederholte Mit- theilungen über den Gegenstand in der Presse erschiemn, und wissend, Welche Stimmung darüber im Lande Vorixerrsckoe, habe er diesen Mor en an Sir Henry Elliot telegraphiri, der Regierung ohne Ver- zug 5 ittheilungen über die fragliche Angelegenheit zu machen. Das Resultat werde er dem Haus: seiner Zeit mittbeilen.
Jm Unterbause erkundigte sichBruce bcimPremier-Minifier, wann die Diskussion des Antrages üb:r die Angelegcnheiien in Bo8nien und der Herzegowina auf die Tagesordnung ncseßt Werden würde._ DiSraeii erwiderte: es würde kaum möglich sein, eine Diskujfion “über den Gegenstand in einer für das Haus befriedigenden Weise anzuberaumen, so lange nicht die Schrift- stücke daruber auf dem Tisch des Hauses liegen. Wenn die Sibrift- stücke in den Händen der Mitglieder find, dürfte der Marquis von Hariingi'on vieÜeichi wünschen, den Gegenstand der Erörterung des Hauses zu uuterbreitsn. Wenn er dies thut, würde iidks unabhänßige Mitglied auf einer der beiden Seiten des Hauses ihm natürlich weichen. Ick anerkenne völlig, daß mrin ehrenWsrther Freund (Bruce) in Folge der Ankündigungen, die- er gemacht, einen 100115 Zbanäi in der Frage bai. Indem ich es als selbstverständlicb annehme, daß eine Diökusfion iiber den Gegenstand stattfinden wrrd, selbst wenn dieselbe nicht eine solche sein soÜie, Weichs- die Meinung des Hauses über einen formellen Antrag invvlviri, dürfte ici) untsc diesen Umständen den Anspruch meines ehrenwerihen Freundes anerkennen und mickybestreben, demselben Rechnung zu tragen, aber so lange“ die Schriftstücke nicht vorliegen, dürfte ich den Gefühlen des Hauses schwerlich Ge- rechtigkeit erweisen„ Wenn ich Vorkehrungen für die Diskusiion eines von einem Prwaimitgliede angehenden Antrages iräfe. Za- näcbst fragte E. Jenkins den KabinetWef, ob er brstimmtkan- geben könne, tvazm die Schriftstücke über die orientali1che Frage in den Handen der Mitglieder sein würden.
DiSraeli antwortete: Es wird im AuSwärtigen Amt jede An- strengung gemacht, daß diese Schriftstücke auf den Tisch des Hauses niedergelegt werden, aber es isi mir unmöglich, einen bestimmten Tag an- zuberaumen, cm Welchen) sie in den Händen der Mitglieder sein Wer- den, weil dies nicht lediglich von Ihrer Majestä: Regierung abhänZt. Jch svrach vor einer halben Stunde den Staatssekretär für aUSWar- tige Angxxegenhéixen und er sagte mir, wir könnten darauf zähl-xn, daß dir Schriftftua'e zum Beginn nächster Wycbe auf den Tisch des Hauses niedergclsgt werden würden
Sodann interbciiirte Forster den Premier-Minister, ob eine Antwort auf die vorige Woche von Lord Derby an den britischen Botschafter in Konstantinopel gerichtete An- frage in „Bezug auf dre angeblicbien Barbareien in Bul- garien cmgegaugen sei, In der „Times“und „Daily News“ vom vori- gen Sonnabend [eren Briefe erschienen, Welche die ersten Mittheilungen die- serBläiter bestatigen und hinzufügen, daß eine Menge bulgaris cb er Mädchen öffenilrch in'dix Sklaverei verkauft warden und daß sehr viele Bui- Jiier in iurkrschen Gefängnissen auf die Folt-xr gespannt warden.
is r a e [[ erwiderte, daß auf die nach Konstantinopel gerichtete Anfrage noch keine Antwort eingegangen sei; auch sei es unmö31ich, daß schon ein-.- Antwort da„sein könne. Was die. mit diesen Barbareien in Bulgarien verknypften Schriftstücke betrifft, fuhr der Kabinetschef iort, so wird darm ein wischen _der Regierung und unserem Bot- schafter gepflpgener S rifiwechstl vorgefundm werden. Alles was wir über die Angelegenheit empfangen haben, wird in den Schriftstucken gefunden werden, deren Ta en erfolgen wird. Was die fürchterlichen erbareien be- tri t, von denén wir gelesen haben, und auf welche der sehr ehren- Wertbe Herr hinweist, so Wa e ich noch immer die „Hoffnung außzu- drücken„ daß wenn wir erst be er unterrichtet sind wir finden werden, daß dies_e Mittheilungen durch die tbaisäwlicben Vorgänge kaum ge- rechi-fcrtlgt sind. Wir sind in beständiger Verbindung mit unixxsm Botschafter in Konstantinopei, der gegen solche fürchterliche Vorgange nicht unempfindlich sein Wurde. Ich kenne keinen Mann, dex "* sol- chen Fiillen fester oder energischer handeln würde, als Sir HFW) Cliiot. Wir find auch in Verbindung mit unserm sehr “sgh!- Yw Konsuln in Belgrad, Ragusa und Cettinie. aber „ihre
ertchte enthalten nichts, Was guf einen 11) schrecklichen Stand der Dinge_in Bulgarien schließen ließe. Daß'wahrend des Krieges in Bulgarien Gräuel verübt wurden, bezweifle ick) Ulcht nnd habe es auch niemals einen Auqenblick. bezweifelt. IUsUMkUMSerege sind stets Gräuelkriege. Es iind Kriege, die nicht von rxgulgren Truppen geführt werden, und in diesem Falle sind_ es selbst MM [M- ßuläre Truppen, sondern eine Art von 90550 somitatug einer, bewaff- neten Bevölkerung. Daß Aufstandökciege barbarisch sind, wxffetr wir aus unserer eigenen kleinen xErfahruns. Wir wissen, daß jungst
i eme unserer Kolonien, eine alte Kolonie EnglandS, _ ick) spreebe non Iawaikw- die Scene einer Panik War, auf die Niemand ohne em Gefuhl tiefer Erschütterung und Pein zurückblicken kann. Aber daß m diesem Falle 10,000 Einwohner einer einzigen Provinz einge- kerkert wurden, verdient wohl kaum Glauben. Die Berichte von der Anwendung der Folter find auch sehr zweifelhaft, denn orientaliscbe Volker pflegen ,mit ihrcn Gefangenen Weit summarischrr zu verfah- ren. Obwohl im Ganzen genommen ohne Zweifel Vieles stattge- funden haben mag, was wir beklagen müssen, so kann ich nur die Ho nung hegen, daß manche der Angaben der Begründun
ent ehren. Ich kann dem Hause nur wiederholen, da &? Anstrengung gemarbt Werden wird, der Regierung
Konstantinoprl an's Herz zu ligen, die fürchterlichen Scenen, die ' t unvermeidltcb scheinen, so viel als möglich zu mildern. Wenn die Information von Konstantinopel ankommt, wird nicht ein Augen- blick verloren Werden, dirselbe zur Kenntniß des Hauses zn bringen, aber vor der Hand ist keine ein eaangen. -
An die Darlegung des .abineischefs knüpfte fis) eine kurze Debatte, im Verlaufe welcher der Rigiexung aus dem liberalen Lager heftige Vorwürfe gemacht wurden, Sir E. Watkie empfahl, den britischen Vorscbafter in Konstantinopel zu instruiren, eine Untersuchungskommission nach Bulgarien zu senden. DiSra e [i wieder- ??olte, daß alle Information im Besitz der Regierung in dem in
urzem dem Hause vorzulegenden amtlichen Schriftwecbsel gefunden werden wiirde. Er fügte hinzu, er leugne nicht, daß Barbareien in Bulgarien verübt worden, aber die Regierung habe keine Kenntniß von den Details, welehe die Journale veröffentlichten. Damit Wurde der Gegenstand verlassen.
_ Die vor einigen Tagen durch die ganze englische Presse gegangene Mittheilung, daß 100 Milizen des Bezirkes Armagh vor der Einschiffung ihres Truppeniheiies zu den bei Dorking stattfindenden Manövern desertirt seien, erweist sich, der „E. C.“ zufolge, als eine starke Uebertreibung. Einem Schreiben des Lord-Lieutenants von Armagh zufolge, fehlte bei der Ab- fahrt nur ein einziger Mann.
_ Am Freiiag wird eine Konferenz von Besißern ägyptischer Bonds hier stattfinden, um denselben Gelegen- heit zn geben über die Beßellung Gofchens als Schied6richier zwischen den Bondsbestßern und der ägyptischen Regierung Be- schluß zu fassen.
Frankreich. Paris, 12. Inli. Das Hauptereigniß drs Tages ist die Kammerdebatte und die Abstimmung über das Maire-Geseß. Dasselbe ist, wie gemeldet, angenommen, und der Minister des Innern hat seinen Posten behalten. Das „Journ. des Deb.“ bemerkt dazu: „Nichts ist lehrreicher als eine Prüfung der beiden Abstimmungen über den Antrag Le PomeUec wegen Vertagung des Maire-Geießentwurfes und wegen des Art. 1 des Geseizes. Nach allen Zeitungen ist es mit 389 gegen 80 geschehen, nach dem „Journal officiel“ bildeten nur 76, nach einem Telegramm der ,Köln. Ztg.“ 77 die Minorität. Die Gründe dieser Abweichungen find leicht zu erklären; mehrere royalistische Deputirte liefsn, als die Abstimmung begann, durch die Reihen der Rech1en und des 110001 an [)011p16, um ihre Freunde zu beWegen, Herrn v. Fourt'ou in seinem Kampfe gegen das Minißerium zu folgen. Um das Kabinet zu stürzen, verbanden ste fich ohne Zaubern mit den Bonapariisien. Aber“ das Manöver scheiterte, weil es vorher nicht verabredet war. „ Einige Royalißen biieben zwar in der Reihe der Befiegten, andere traten noch vor der Niederlage den Rückzug an, andere zogen ihre Namen aus der Urne zurüch. Und so erklärt fick) die Differenz zwischen den verschiedenen Angaben. Ie-denfaUs haben Royalisten und Bona- partiftrn gesehen, wie schwach ihre Partei vertreten und auch die Linke .bat erkennen müssen, daß sie fich nicht von dem Kabinet trennen darf. _ In der Abstimmung über Artikel 1. hatte die Regierung 434 Stimmen gegen 22 für sich; dies ist der Reß derlPartei, die so lange Frankreich nach Belieben hat gängeln wolen.“
_ Bei den Berathungen des SenatSaussckzuffes hat sic!] herauSgesteUt, welches ]“th der Bestand der katholischen Fakultäten ist. Die von Paris, bei Weitem die bedeutendste, hat 125 Studenten der Rechte, 30 der Philologie und 8 der Naturwissensthasten.
Versailles, 13. Juli. (W. T. B.) In der heutigen Sißnng der Deputirtenkammer erwiderte der Minister des Auswärtigen, Herzog Decazes, auf die Interpellation des Debutirten Louis Blanc, betreffend die orientalis chen An- gelegenheiten, er sei nicht in der Lage, die auf die orienta- liiche Frage bezüglichen Dokumrnte der Kammer mittheilen zu können, auch erachte er es weder fiir opportun noch für nüizlich, tn eine Diskusfion über die in Rede stehenden Ereignisse einzu- treten. Die Frage über die Ailianzen Frankreichs im Orient sei nicht geeignet, zum Gegenßande einer öffentlichen Debatte gemacht zu werden. .Die Kammer selbst er- warte von der Regierung, daß sie fich nicht thätig bei den Ereignissen im Orient betheilige. Frankreich habe das Recht, fich ausschließlich mit seinen inneren Angelegenheiten zu beschäf- tigen, :heuer genug erkauft. Die Regierung sei in dieser Hin- sieht drrselben Ansicht, wie die Kammer, sie könne fick) indeß nicht gänzlich dieser Frage fern halten und bemühe sich deshalb, mit den iibrigen Mächten ein Einvernehmen herzußelien, welches gegenwärtig auf einer Bafis der absoluten Nichtintcrven- tion und eines vertraulichen Einverständniffes iiber aUe Even- tualitäten, welche fick; ereignen könnten, hergestellt sei. Dies e Politik ermöglichte es, den entbrannten Kampf zu lokalistren, und lasse in Kurzem ein Ende desselben zum größeren Wohle selbst derjenigen erwarten, welche den Kampf in so unkluger Weise unternommen haben. Die Veröffentlichung der bezüglichen Aktenftücke würde zur Zeit nur Unzuträglichkeiten haben und der Regierung sowie der Kammer nur eine bedauerliche Verantwortlichkeii auf- bürden. Seit einem Jahre habe Frankreich fortgeseßt Beweise von Umficht und Würde gegeben. Die Spuren hiervon würde
Vorlesung in Wenigen':
man bei jedem Stücke der diplomatischen Korrespondenz finden. Die Regierung müsse daher die Kammer erfuchen, ?ck) mit die- ser Erklärung zu begnügen und sich überzeugt zu alten, daß die Interessen, sowie die Würde des Landes weder in Bezug auf die innere noch auf die äußere Politik von der Regierung werde kompromittirt werden. _ Die Erklärung des Ministers wurde mit großem Beifall aufgenommen.
Im Weiteren Verlaufe der Sißung wurde die Wahl des klerikalen Deputirten Mun mit 308 gegen 181 Stimmen, für ungiltig erklärt. Der Deputirte Germain Caffe (radikal) theilte schließlich dem Hause mit, daß er morgen eine Inter- pellation wegen der bei der Wahl Mans vorgekommenen unge- seßlichen Handlungen des Klerus an die Regie- rung richten werde. _ Morgen wird in der Deputirten- kammer der Bericht der Kommisfion iir die internationale Ausstellung im Jahre 1878 berat en.
Türkei. Die heute vorliegenden Telegramme vom Kriegsschauplaße lauten: Konstantinopel, 13. Juli. (W. T. B.) Nack) Nach-
richten, welche der Regierung aus Mostar zugegangen sind;
i “ ' , ist der General Selim Pascha, welcth mi __2 Bataiüonen von Gaczko (auf manchen Karten Metochta genannt), nach Ne- ,wesinje marschirte, in dem Engpaß von 8011011 mit einer bedeutenden montenegrinisckgen Truppenmacht, zusanxmen- getroffen. Die Montenegriner versuchten ihn einzuschließßn. Nach einem [)artnäckigen zwölfstündigen Kampf e gelang es Selim “Pascha, durchzubrechen und fich noch aber der Pimkie zu be- miich1igen, welche der Feind besth hatte. Die Montenegriner er- !itten beträchtliche Verluste und mußten fick) zurüökziehen. Der Engpaß von Zalian und die Straße nach Gaczko sind dem- nach frei. ' ,
Konstantinopel, 14.3110. (W. T. B.) Der Renis- rung ist vom Kriegsschauplaße folgende Meldung zugegangen: Die Division von Wischegrad hat am 11. d. auf serbischem "Gebiete bei Kondreduman (?) ein stegreicyes Gefecht geliefert und nach demselben den gcnannien Ort beseßt. Ackgtzehn große Depots von Munition und LebenSmrttelu sind in die Hande der türkischen Truppen gefallen. "Der Ort 1ft durch das Feuer der iiirkischen Artillerie eingcasehcrt wbrden. Die Ver- luste der Serben find beträchtlich. Die iurkrschen Truppen find gegenwärtig damit beschiiftigi, sich an vrrscknedenen Steben des Ortes zu verschanzen. Eine serbische Dtmswn, welche von Jeni-Warosch her einen Angriff gemachi hattr, .wurde e_brn- falis zuriickgeschlagen. SechSzig bis siebenzig ckUßltche Familien aus der Umgegend von Mitroviiza find mri den Serben geflach- “tet und befinden fich ohne Mittel des Unterhalts 1m Balkan. “Einige von ihnen haben fich bereits unterworfen und sind nach ihrer Heimatl) zurückgekehrt. .
Belgrad, 13. Juli. (W. T. B.) Der Regierung ist vom Kriegsschauplaße folgende Meldung zugegangen: Gestern Nachmittag griff Oberst Leschjanin die vcrschanzten SteUungen Osman Pasckzas an. Der Kampf dauerte bis in die Nacht und wurden die Türkcn gezwungen, ihre Sielinngen „aufzu- geben. Die serbischen Truppen ßanden der Konftantmopeler *Garde gegenüber.
_ Einer Meldung der „Politischen Korrespondenz“ vom 13. Juli aus Belgrad zufolge würde die Abseyung des Für sten Milan, wenn dieselbe von Seiten der Pniortje ans- gesprochen werden sollte, mit einer vollständigen Unabhangigkeiis- erklärung Seiiens Serbiens beantwortet werden. _ Dersclben Korrespondenz zufolge haben fick) viele griechische Gewein- den in Bulgarien erboten, dem Sultan Freiwillige zu stellen. In Jula Bulgar, Popinzi und anderen Orten haben sich griechische Freiwillige gegen bulgarische Insurgsnten geschlagen. Der Verkehr zwischen den Grirchen und den Bal- garen wird immer gespannter. ,
_ Dew ,Telegraphen-Korrespondenz-Bureau“ wn'd aus
Ragusa gemeldei: Peko Pavlovitsch hat die Türken am-
13. d, bei Kiek geschlagen und denselben 150 Hinrerlader ab- genommen. Der Verlnst der Türken wird auf 150 Tobie und Verwundete, der der Jnsurgentc-n auf 30 Tobie und Verwundete *angegeben. -
_ Wie das „Teiegraphen-Korrespondenz-Bureau“ vom 13, Juli erfährt, sind außer dem Hafen von Klei sämmtlirhe Häfen an der'dalmatinischen Küste für jede Art tur- kischcr, wic montenegrinisckzxr Kriegscontrebande gesperrt.
__ Den „H. N.“ wird aus Semim unter dem 12. Juli ielegraphirt: ZwischenSerbien und-Montenegro ist einUeber- einkommen getroffen wordsn, demzufolge Serbien die Führung enentueUer Unterhandlungen mit der Türkei allein übernimmt. Serbien verlangt für fick) die Abireiung Yltserbiens, eines Theiles von BoSnien und Bulgarien und 15 MiliDukaten, fiir Montenegro einen Theil von BoSnien und die ganercrzegowina. _ Die Mo- rav a- Arm ee der Serb en hatte fiir die leYten Tage der vergan- genen Woche einen Infanteriesiurm auf Risch vorbereitet, der jedoch bis heute unansgeführt blieb, da die Armee gezWUngen ist, zahlreiche Unterstüßungsiruppen cm die serbische Drina- und die Timok-Armee abzugeben. Am Timok find die Türkcn im Vorrücken. Ser- bischerseits find alle mobilen Reservkn bereits in Aktion getreten, die chte wird eben mobilifirt und schleunigst an die Grenze be- ordert. Das Land ist von Truppen entblößt. Bei einer großen Menge von Verwundeten ist wenig ärztliche Hiilfe zur Hand.
_ Einem Telegramm der „D. A. C.“ von heute 8 Uhr “Morgens zufolge, wäre „nach den siegreichen Gefechten der Montenegriner bei Gaczko und der Serben bei Wiichcgrad die Verbindung zwischen diesen beiden Heeren volizogen.“
_ Eine Übersichtliche Schilderung der Kris göl age giebt eine Korrespondenz aus Konstaniinopel vom 7. d. M., welche der ..„Nat. Ztg.“ zugeht.
Die türkischen Truppen halten danach Serbien und Montenegro umklammert. Ihr äußerster rechter Flügel unter Osman Pascha hat die Festung Widdin zum rückwärtigen Siiiß- punkr, und lehnt fich an die Donau, wo eine Flotilie, aus fünf gepanzerten Kanonenbooten bestcbend, zur Aktion wider Serbien bereittöst, während der äuzßerfte linke Flügel (nunmehr unter Derwrsci) Paschas Befehl) sich rechts und links vom Baiana- Jluß am Skadar See, die türkische Fesiung Podgorizza in Front, posiirt brfindei und bis zum adriatischen Miere, bei Antirari (Bar), reicht. „
' In .dem'Raume zwischen Montenegro und Ser- bien, d. l). m der Herzegowina und in BoSnien, befehligt *Arbmed Monhtnr Pajcha, Derselbe wird demnächst sein seit- heriges Hauptquartier von Gazko nach Wischegrad, d. h. an die. serbische Grenze, etwa gleich weit von dem Einfluß des Drmaflusses m die Save einerseits, und von Jeni Basar an- dererseits, enifernt“ verlegen. '
Auf dem vorehrwähnten rcchten Flüge! führt Achmed *Ejub Pascha den Oberbefehl. Er hatte seither sein Hauptqnartier zu Niffa. Unter ihm steht der vorerwähnte Os- man Pascha und als Chef seines Generalstabes fungirt der in Belgien ausgebildete Ne ds chid Pascha. Die von Achmed Moukh- tar Pascha in Gacko leer zu ![affende Stelle als Ober-Befrhls- haber in dcr Herzegowina wrrd Mustapha Dschelal Eddin Pascha, ein geborener Pole, einnehmen. _ Llchmed Ejub Pascha, dem zunächst die Aufgabe, den Angriff gegen Serbien zii lriten, anheim fällt, ist ein Mann in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre stehend, in der Fürkischen Militärschule Harbije Mette!) ausgebildet, und zwar unter den Augen des späteren Seraskers Hussein Livni Pascha, der damals an dieser Anstalt als Lehrer fungirie und ebenfalls seine Erziehung in ihr erhalten hai. Der heutige Chef des Corps von Niffa zeigte früh eine gleich- artige Begabung, ivie Hussein Livni Pascha, fiir die Administration. _ Ein nac!) jüngerer Mann als Achmed Ejub iß Achmed MWMWY Pascha. Man glaubt, daß er das 40. Lebensjahr Wel), „Nicht uberschritten habe. Auch er fungirte, ähnlich wie HMM Livni Pascha, vordem als Lehrer an der erwähnten MilitärichUleHarbije Mekteb, und hat, wie dieser, einige Schrif- im WS Turktsche uber eßt. Längere Zeit ßand er dem in Jemen MMU?“ KU- Armee- orps als dessen Chef und später “rem 11. m Schumla und dem 117, in Erzerum vor. Unmittelbar
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von [eßterem Poßen aus irat er, im Dezember 1875, den als Befehlshaber in der Herzegowina an. _ Im Gegensaß zu den beiden Vorgenannten ift Derwisch Pascha (derselbe, welcher bei Ausbruch der Jnsurrektion General-Gouverneur von Bosnien und der Herzegowina war) ein berei1s älterer Mann, vielleicht ein hoher Sechziger. Er macht den Eindruck eines Alttürken. _ OSman Pascha wird als der Entschloffenfte und als rasch zu- greifend geschildert, zugleich als ein noch jüngerer Mann, sein Rang ist Divifions-General.
_ Der „Politischen Correspondenz“ entnehmen wir fol- gende Mittheilungen:
Belgrad, 9. Juli. „Die gestrige offizielle Zei- tung „Srbske Rovine“ brachte in der bekannten An- gelegenheit der Beschießung des Remorqucurs „Tisza“ fol- gendes Communiqué: „Indem die Fürstlich serbische Regie- rung ihrem Bxdauern über drn Vorfal], der sick) blos aus Miß- verständnis; ereignen konnte, Ausdruck giebt, erklärt sie hiermit, daß sie eine sirengeUntersuchung angeordnet und gleichzeitig befohlenjbat, daß der Kommandant des betreffenden Wachpostens zur Verant- wortung gezogen und besrrafi werden soll. Gleichzeitig hat die Fürstliche Regierung die bestehenden Vorschriften verschärft, um solche unliebsame Vorfälle künftighin unmöglich zu machen. Denn so sehr wir auf der Hut sein müssen wegen der ver- breiteten Gerüchte, die Türkei wolle Serbien zu Wasser angreifen, eben so sehr müssen wir uns bemühen, daß die frcie Schiffahrt auf der Donau ungestört vor fick] gehen könne. Namentlich müssen wir trachten, Alies zu vermeiden, was auch nur die ge- ringsie Veranlaffung zur Unznfriedenheit der benachbarten Mon- archie geben könnte.“
Der Präfekt von Brlgrad, Tuzakovits, fordert im amt- lichen Blatte alle Einwohner der Hauptstadt auf, binnen fünf
“Tagen der Behörde iiber die Quantität der chenSmittel wie die
Zahl der Wagen, über die jeder verfügt, Bericht zu erstatten; widrigenfalls wiirde die ftrengste Strafe auf Grund des Art. 41 des Reglements iiber Requifitionen jeden treffen.
Der montenegriniscize Minister des Innern und Repräsentant des Fürsten von Monrenegro im serbischen Hauptquartiers, Mascha Vrbica, ist hier eingetroffen. Geftern wurde er einem Ministerrathe beigezogen, der mehrere Stunden andauerte. „Es soll sicb um die von den Fürsten von Serbien und Monte- negro gegenüber der in den Jusurgentenlagern vorgenommenen offiziösen Proklamirurg derselben zu Fürsten der Herzegowina und BoSnicns einzunehmende Haltung gshandelt haben. Wie verlautet, wäre beschlossen worden, daß die Jnsurgenten-Depu- tation, welche aus Wucjak in Bosnien aufgebrochen und unter- wegs nach Paratschin ist, vom Fürsten Milan vorläufig offiziell nicht empfangen werden soll. Dasselbe Verhalten wird JürftNikolaus den Herzegowinern gegenüber beobachten.“
„Der Minister-Präfideni Steftscha Michailowits ist ins Haupt- quartier abgereist. Man bringt diese Reise mit der Frage der Einberufung der Skupschtina zu einer außerordentlichen, sehr kurzen Session in Verbindung. Es sol] die Mitwirkung der Skupschtina für Herbeifthaffung von Finanzmitteln zur Jüh- rung des Krieges als Nothwendigkeit sich herausgeftcllt habsn.“
Auf Antrag des Kriegs-Minisiers werden abermals zwei neue Divisionen, eine achte und neunte formirt werden. Dazu werden drr Rest der zweiten und die ganze driiie Klasse der Milizreserve herangezogen Werden. Die Reserve, welche bis jeßt mit Vorderladern bewaffnet war, erhält nun Hinterlader, in deren Handhabung sie eingeübt wird.
Der Kriegs-Minifter iieß das Armec-Corps des Obersten Lescbjanin mit 7000 Mnnn verßärkcn. Leschjanin ist in diesem Augenblicke ziemlich weit im Widdiner Pasckzalik vorgerückt und smd stündlich von “ibm Nachrichten über eine größere Aktion zu gewärtigen. Alimpics organifirt bei Beljina 6000 bosnische Freiwiliige. EbensoiftTschernajeff bei Ak-Palanka mit militä- rischer Organifirung zahlreicher bulgarischer Freischaaren beschäf- tigt. Die Drina-Armec erhielt 3000 Mann Verstärkung. Wenn man die ganze drittc Klasse der Milizresewe auf den Kriegsfuß bringen sollte, wiirden 32,000 Mann dem Oberkommandanien zur Verfiigung gestkilt werden können. Das Armce-Corps am Ibar foil gleichfalls auf 20,000 Mann gebracht werden.
Auf aUgemeinesVeriangen wird die erste Verlustli'ste diesrr Tage veröffentlicht wxrden. Die Armee hat bis jetzt schon große Verlusic, namentlich an Offizieren, zu beklagen. Die Feldspitäier smd mit Verwundeten überfüllt.“ " “4
_ Ueber die Insurrcktion in Bosnien wird der „Pol. Corr.“ aus Dvor, 8. Juli geschrieben: Das Insurgentenlager von Corcovaca ist ron einer stärkeren iiirkischen Truppenabihei- lung aus Buzim ma 7. d. M. nach Versprengung der Insur- gentcn zerstört worden. Die siegreiche türkische Truppe wurde jedoch alsbald durch eine von Brezovaca herbeigeeilte Insur- grnienabtbeilung zum Rückzuge gezWungen.
Aus Pricdor vom 8. d. M. wird gemeldet, daß die weißen Insurgentrncoips gegen die serbische Grenze hin abgezogen sind, um sich mit den serbischen Truppen zu vereinigen, Mit , Aus- nahme einiger kleineren Banden, Welche im Gebirge zwischem Novi-Priedor nnd Kozara hausen und das gewöhnlickze Räuber- handwerk ireiben, ist das nördliche Bosnien von Insurgentm fast gänzlich geräumt.
Unter den Türken herricht große Bewegung. Alles, vom 17. bis zum 60. Jahre, fiellt sich zur Vertheidigung des Reiches. Redifs und Askers (Reserven) eilen nach Tuzla, wahrscheinlich um der sardischen Armee in den Rücken zu fallen.
_ Ferneriiegen der genannten Korrespondenz aus .Koftai- nica, 9. Juli, folgende Nachrichten aus BoSnien vor: „Die Insurgenten vom Kozara-Gebirge haben ihre Verstecke ver- lassen und einige Bewegungen aus;;eführt, welche mit Kämpfen verbunden waren. Tripko Amelits, welcher zwei Kanonen mit sich führt, hat die Kula von Ayala cernirt und beschießt mm diesrlbe. Vidoje Miianoviis beseßte die Straße zwischen Petro- vac und Bihac und unterbricht auf diese Art die Verbindung zwischen diesen beiden wichtigen Städten. Golub cernirt Ostroé vica. Die Kämpfe, Welche bei diesen Ortschaften vorfielen, waren ohne Belang.
Dagegen fanden im. Vucjack-Gebirge ernstere Gefechte statt. Zwei Tabors Baschibozuks und 800 Mann Redifs griffen die Ceta des Djordje Jovanovits am 2. Juli an; es entfpann sich ein heftiger Kampf, der nahezu, acht Stunden dauerte und nicht gerade glücklich für die Türken endigte, welche 80 Mann an Todten und 140 an Verwundeten verloren. Aber von einem Erfolge der Insurgenten konnte eben so wenig die Rede sein, da dieselben froh waren, fich nur behaupten zu können. Die Insurgenten aus dem Motaica-Gebirge find auf Befehlaus dem serbischen Lager nacb Dervent und Odzack aufgebrochen, um in Nord-Bosnien zu operiren. Die Zahl dieser Aufständisckzen wird auf 2200 Mann angegeben.
In Türkisch-Brod (Berbir) fand eine Zusammenkunft mehrerer Bosnier aus der Umgegend mit den von Har)- dar Effendi abgeschickten Vermittlern, den Begs Kapitano-
vits und Ljuboniis, statt, Haydar ließ volle Gemeindeautonomie," Ersaß aller Schäden, Steuerfreiheit für fünf Inhreoversprcckzen und eine neue Verfassung in Ausficht stelien, welche weitgehende Rechte dem Volke gewähren werde. Die Knezen verfügien sich zu den
Aufständischen, mn denselben diese Propositionen zu überbringen
und dieselben zur Niederlegung der -Waffen zu bewegen, Sie kehrten jedoch alsbald Unveirichteter Suche zurück. Die Insur- gentenchefs erklärten, kein Recht zu Unterhandlungen mehr zu haben; ,jeßrseien sie nicht mehr selbßändig und ihre Befehle lauten: zu kämpfen.“
Der türkisähe Divifionär Veli Pascha ist aus Serajewo an die Drina abgegangen, Er führte Verstärkungen nach Beijina.“
_ Der „AUASÜ- AUg. Ztg.“ wird von der bosnischen Grenze vom 6. Juli berichtet: „Seit nahezu drei Wochen haben sich die Infurgenten sowohl in Bosnien als in der Herze- gowina nicht einmal gerührt. Dies hatte wohl seine Bedeu- tung. Man wußte bereits, daß der Krieg zwischen Serbien und der Pforte gewiß sei; um!; mußte man, daß ein Allianz- vertrag zwischen Serbien und Montenegro besteht, daß daher auch Montenegro in die Aktion treten werde. Und da man alles dies wußte, so sparie man die Kräfte und blieb ruhig, bis Serbien und Montenegro aufmarschiren wiirden. Indessen ist die Lage der Jusurgenten in der Herzegowina auch in dieser Beziehung bei weitem günstiger als die der Insur- genten in BoSnien. Die Insnrrekiion in der Hrrzegowina grenzt unmittelbar an Montenegro, und Fürst Nikola konnte mit Muße die Herzegowinischen Infnrgenten organisiren, um gleich bei seinem Uebertritt über die Grenze diesrlben seinen montenegriniscben Truppen einzureihen. Ganz anders ist die Lage der Insurgenten in BoSnien. Diese sind von Serbien ganz abgeschnitten, und so lange die serbischen Truppen das geräumige Terrain von der Drina bis zur Unna nicbt erobern, kann eine Vereinigung mit der eigentlichen boSnischen Jnsurrckiion nicht stattfinden.“
_ Aus Pera, 8. Juli, wird der „Allg. Ztg.“ berichtet: Der tunisische General Rustem Pascha ist hier ange- kommen, um dem Sultan im Namen drs Bei) von Tunis zu seiner Thronbesteigung Glück zu wünschen. _ Die Tabaks- regie der Hauptstadt ist nun definitiv aufgehoben und dafür das in den Provinzen bestehende System eingefiihrt, nach welchem die Tabaksfabrikation der Privatindustrie überlassen ist. Dem- zufolge ladet eine amtliche Anzeige die bisherigen Regie-Untsr- „nehmer ein, fich bei der Regie zu melden, um die Bedingungen zu erfnhren, unter welchen fie [)ier Fabriken anlrgen können. _ Der bisherige türkische Gesandte in Amerika, Hr. Blacqne, ist zum Direktor des Preßbureaus ernannt; derselbe hat seine Wirksamkeit damit eröffnet, daß alle bis jetzt unterdrückten nder sitSpendirte-n Journale freigegeben find.
_ Laut Telegramm des „W. T. B.“ aus Salonichi ist das deutsche Miitelmeergesckzwader hemc früh zur Uebung auf einige Tage in See gegangen.
_ Von Hrn. Heinrich Wallsee, den eine Depesche aus Semlin bereits für wdt erklärt, erhält die „N. fr. Pr.“ das nachfolgende Telegramm: „Semlin, 11. Juli. Ich bin soeben mit gebundener Marschroute von Krusevac in Begleitung des mitverhafieten Hrn. Coutouly von Temps und Galii vom Na- tional hier eingetroffen. Das uns betreffende Gerücht ist wahr- scheinlich entstanden, weil wir von unserer Marschroute abge- wichen find und die ftationsweisen Meldungen unterlassen haben.“
_ Wie der „Messager de Vienne“ meldet, ist in Paris ein HrYlf-chomitéz für die Verwundeten aus dem orienta- lischen Kriege wit Hülfscomitézs zu Brüssel, Bern und Wien gebildet worden. Dasselbe Hat fich unter das Pa1ronat der di- plomcziiscben internationaicn Konvention von 1864 zur Vrrbsffe- rung der Lage der verwundeien Krieger in den im Felde stehen- den Heeren gesielii.
Amerika. New-York, 12. Juli. Der Kaisrr und die Kaiserin von Brasilien treten morgen an Bord des Cunarddampfers „Russta“ von Ncw=Y0rk die Reise nach Europa an., _ Alarmirende Nachrichten über die Indianer übermittelt ein New-Yorker Kabeltelegramm der „Daily News“. Das- selbe meldet: „Die bisher frrundlichen Ventres und“ Mandan- Jndianer haben sic!) in einer Stärke von 3000 Mann den Sioux angeschlossen und andereStiimme drohen dem Beispiel zu folgen. Ein allgemeiner Indianerkrieg scheint Unvermcidlich zu sein. Es kurfirt ein unbestätigtes Gerücht von der Niederlage und dem Tode des Generals Croock, welcher die Sioux nach drr traurigen Niederlage des Generals Custer verfolgte.“
_ Die Legislatur von Maine hat an Stelle des zum Schaizs'ckr-ktär ernannten Hrn. Morrill, den früheren Sprecher des Repräsentantenhauses, Blaine, in den Senat der Union gewählt.
Afrika. Aegypten. Kairo, 14. Juli. (W. T. B.) Der Vertrag zwischen der ägyptischen Regierung und dem Syndikate der Bankbäusrr für die Zahlung der Coupons der ägyptischen Anleihen ist gestern unterzeichnet worden.
Die Nr. 53 des „UmtSblatts der Deutschen Reichs- Post- und Telegraphx'nverWaltung' hat folgenden analt: Verfügungen: vom 6, Juii 1876: Verbot dir Beförderung von ge- wünztcm Golde, Silber. Juwelen u. F. w. in Briefpostsendungen nach Beigien; vom 8. Jul: 1876: Briefe mit Werthangabe nach Frankreich und Algerien; vom 4. "Juli 1876: Päckereisendungen nach Venlo und Oldenzaal.
Statistische Nachrichten.
Nach Mittheilung des statistischen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in dcr Wycbe vom 2, Juli bis incl. 8. Juli cr. zur Anmeldung gekommen: „2:70 Eheschließungen, 891 Lebendgeborene, 29 Todtgrborene, 891 Stcrbefaile.
Kauft, Wiffenfchaft und Literarur.
Nac!) drm Monatsbericht der Königlich preußi- schen Akademie der Wissenschaften zu Berlin layen im April d. J. folgende Herren: Schrader, über dns lanilxche Stbwcm- ken im Affyriscben; Papadopylvs, Beiträge zur mschristxichen Topo. graphie von Kleinasien; Rieß, über die neutralen Käuime der Holy: schen Maschine. Kronecker, Mitthsilungk; Herxher; uber die Geographie der bomerifchen Flüsse; Hagen, über die gleichforMige Beiwequng des Wassers; Peiers, über die von 1)t'. Reinhold Buchholz in „Westafrika gesammelten Fische; v. Martens, die "von Prof. Dr. R. Buchholz m Westafrika gesammelten Land- und Sußwasser-Moliusken. .,
Werbe und Handel.
Aus dem Geschäftsbericht der Magdeburg - Cö then- Halle-Leipziacr Cisknbahn-Geselischaft ergeben fich fol- gende Daten: Die Einnahmen auf der Stammbahn Magdkbu:g- Leip ig betrugen inSgesammt 9,498,144 «M, wovon 2,498,659 „Zz ayf den ersonenverkehr, 6,590655 „M und 408830 „;ck auf E txaordmaria entfallen; hierzu 456.793 „kü Einnahme von Nordhausen“- txet ergiebt _ in Summa 9954938 ck Die Ausgaben für kle Stgmmba n be- trugen 49849852 «js, woran die aügemeine Verwaiiurg mit 222,5 0 «M.