1876 / 170 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 21 Jul 1876 18:00:01 GMT) scan diff

Kaiser, sowie dem Großherzog und der Großherzogin von Baden auf Schloß Mainau einen Besuch abgestattet. .

Hessen. Darmstadr, 19. Juli. Die Einnahmen aus dem Betrieb der [)iefigen Münze find, nack) amtlicher Aufstexiung, auf 205,700 «16 veranschlagt. Diesem Voranschlag liegt jedoch die höchste Leistungs-Fähigkeit der drei im Gang befindlichen Präg Maschinen zu Grunde. Mit Rückficht darauf, daß auch Unterbreckmngen in dem Betrieb *Der Maschinen vorkommen können, und in Betracht des Umstandes, daß die Fefiseßung der Arismünzungen nach den Mü11z=MetaUen, Sorten und Quanti- täten nicht von den Bestimmungen der Großherzoglichen Re- gierung abhängt, rechnet die [eßtere als fichrre Einnahme nur 150,000 „10, welcher Einnahme die AUSmÜnzung von etwa 5,000000 „110 in Gold, 10,000,000 110 in Silber, 300,000 ck10 in Nickel und 60,000 (115 in Kupfer zu Grunde liegt.

Sachsen - Weimar = Eisenach. Wéimar, 20. Juli. Der G r () ß () er z o g bereist gegenwärtig den Neustädter Kreis des Großherzogthums.

Oldenburg. Oldenburg, 21. Juli. Das Gesek- blait veröffentlichr den LandtagSabscHied für den )(121. Land- jag des Großherzogthums Oldenburg, 1876 Juli 11. _ Nach d(mselben wird mit Beziehung auf den vom Landtage geäußerten Wunsch einer weniger kostspieligen Organisation der Bébörden im Fürstenihum Birkenfeld bei der bevorstehenden neuen Organisation der Gerichte derKostenpunktBerücksichtigung finden. Ob eine weitere Versinfachung der Verwaltung thunlick) ist, wird erwogen werden. Eine Hinansschiebung des Termins für das Inkrafttreten des Geseßes vom 3. April d. I. iiber die Ausführung der Zwangsvollftreckungen durch Pfändung ist für angemessen nicht erachtet worden, da durch eine solche nur einzelne Här1en beseitigt, kcineSwegs aber 111111 Schwierigkeiten aufgehoben worden sein würden, überdies dadurch die Durch- führung der Hypothekenreform verzögert worden wäre. In Be- treff des Antrages des Landtages wegen Vorlegung des Ent- wurfs eines Geseßes, betreffend die politischen Rechte der Alt- kaiholiken, ist wsitere Entschließung 11orbehalten. Der Anirag des Landtages wrgrn Vorlegnng eines Geseßentwurfcs, be- treffend _die Förderung der Hokzkultur anf genossenschafilichem Wege, wird in Erwägung genommen werden.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 19. Juli. Der Kais er wird sich Montag, den 21. d. M., in das Lager bei Bruck begeben.

_ Die „Wiener Abendpoft“ schreibt: Heute begrüßt S1». Majestät der Kaiser und König den Deutfchen Kaiser als Allerhöchßseinen Gast auf österreichischem Boden. Obwohl diese zwanglose Begegnung, welche anäyrlich stattzufinden pflegt, wenn Kaiser Wilhelm seine Badekur in Gastein beginnt oder besndet, selbstverständlich jedes eigentlich politischen Cha- rakters entbehrt, so wird doch von der Presse lebhaft hervor- gehoben, daß das seit der Reichstädrer Entrevue so sehr gestei- gerte Verirauen in einr friedliche Enjwickekung der Verhältnisse und eine den Bedürfnissen und Interessen Europas aneitig entsprechende Lösung der schwebenden Fragen dura) diese neuerliche Monarchen-Begegnung nur bekräftigt werden könne.

_ Die „Augsb. Allg. ZtJ.“ brachte dieser Tage von hier die

telegraphische Meldung, da das österreichischeKriegs-Ministerium die AufßeUung größerer Truppencorps in Graz beabsichiige und die nicht wehrpflickztigen Aerzte aufgefordert worden seien, sick) zu eventueUer Dienstleistung in der Landwehr für die Dauer des Bedarfs zu melden. Das „Fremdenblatt“ isi in der Lage, den ersten Theil dieser Nachricht, die Meldung von Truppenkon - centrationen bei Graz, für vollständig unbegründet und aus der Luft gegriffen zu erklären. Weder ist eine derartige Maßregel in Ausßckn genommen, noch war bisher eine Veranlassung vorhanden, dieselbe irgendwie in Er- wägung zu ziehen. Was den zweiten Theil der citirten Depesche, bezüglich der nichtmehrpflichtigen Aerzte betrifft, so wird damit eigentlich nichts Neues mitgetheilt, da eine solche Evidenzhaitung selbstverßändlick; allezeit, auch in den Perioden des. tiefsten Friedens, stattfinden muß.

_ In Siid-Ungarn werden, der „Presse“ zufolge, die gerichtlichen Untersuchungen anläßlich der bekannten Klagen über omkadinistische Umtriebe mit großem Eifer betrieben; fie scheinen jedoch nicht jene großartigen Enthüllungen zu Tage zu fördern, welche die alarmirenden Zeitungsberichte erwarten ließen. So wurden in Wcrfcheß, das als einer der Hauptherde jener Umtriebe bezeichnet worden “war, bereits über 60 Personen, die in0gesammt der Botheiligung an der Agitation verdächtig waren, von dem UntersuchungSrichtsr vernommen; gleichwohl haben sich, wie ein ungarisches Blatt berichtet, bezüglich keiner derselben gravirende AnhaltSpunkte ergeben.

Salzburg, 19. Juli. (W. Z.) Der Kaiser Franz Joseph ist um 2 Uhr 33 Minuten Morgens in Beglei- tung des “General-Adjutanien Baron Mandel und Ritter 0. Beck hier eingetroffen. Obwohl jeder Empfang unter- sagt war, war die Stadt festlich beflaggt. Um 7 Uhr frul) fand unter persönlichem Kommando des Kaisers bei heftigem Regen eine Feldübung der hiesigen Garnison statt. Um 11 Uhr begannen die Andienzen, welche 21 Stunden währten. Ngch denselben besichtigten Se. Majestät das Schlachthaus, das siadtische Museum, die Schulgebäude und die Gewerbeichulaus- stellung, uber welche der Kaiser fich sehr befriedigt außsprach. Um 4 Uhr fand Hoftafel statt.

Großbritannien und Irland. London, 19. Juli. Gestern früh kam der Großherzog von Mecklenburg- Streliß vom Kontinente her in London an, um Mittag die Königin von Griechenkand. Ihre Majestät ward am Charing-Croß-Bahnhofe vom Könige, sowie von dem Prinzen und der Prinzessin von Wales empfangen.

_ Im Unterhause wurde außer den schon gemeldeten Verhandlungen durch Mr. Ienkins die Kesselexplosion auf dem „Thun derer“ zur Sprachegebracht. Der Marine- Minifter Ward Hunt gab zu, daß es dem Publikum äußerß erwünscht sein müsse, über die Ursa e des Unglückaall etwas sicheres zu erfahren, gegenwärtig se es aber noch nicht über Kdnxekturen und Vermuthungen dabei hinauSgekommen, so daß er kemr Aufklarung ertheiken könne und sich auch verpflichtet halte, daunt zu warten, bis die Leichenichau vor enommen sei. In Beantwortung Mr. Yorke's fügte der Minister noch hinzu, daß mit seiner Genehm1g11ng die Sammelliste im Vorzimmer des Hauses au9gelegt sei. Die Sammlungen seien zur Abhülfc der unwiitelbaren Berurfmffr der Familien der Hinterbliebenen bestimmt. sollten aber ntckxt etwa dazu dienrn, die Regierung ihrer Pflicht der Versorge fur dieselben zu entbinden.

. _ Durch die AUSeinanderfeßungen des Premier- Mtnisters Disraeli iiber die aus Bulgarien gemeldeten Grausamkeiten türkischer Truppen erklären fich die meisten Blät- ter befriedigt. _ Ter Antrag Lord Denbighs im Oberhause, daß fich England von der Deklaration von Paris zurück- ziekzen möge, wird ebenso wie von Lord Derby, auch in der Presse durch „Daily Telegraph“ und „Daily News“ für durchaus ungeeignet erklärt.

_ _ Lord Henry Lennox, welcher sein Amt als Bauten- Mmifter niedrrgelegt hat, um sts?) vollständig frei wegen seiner Theilnahme an der Verwaltung er Lissaboner Pferdeeisenbahn- gesellschaft vertheidigen zu können, hat seit dreißig Jahren dem Unterhause angehört.

_ Der „Times“ -Korrespondent in Caicutta macht die Mittheilung, daß die indische Regierung ernßlich daran denke, Eingeborene vielfach anzusteUcn. Sir R. Temple sei angewiesen, eine Lis1e derjenigen Aemter anzufertigen, die von Einheimischen bekleidet werden könnten. Man glaube, daß die Liste sowohl wichtige Exekutiv- wie Gerichtsämtcr-Veränderungen einschließen werde.

Frankreich. Paris, 19. Juli. Im Senat wurde, wie bereits gemeldet, gestern die Debatte über die Vorlage des Unterrichts-Ministers, durch welche die Verleihung der Universitätsgrade dem Staate zurückgegeben werden soll, eröffnet. Der Prüfungsfrussckzuß beantragte die Verwerfung der Vorlage und die Ausrcchterhaliung des in der Nationalversamm- lung auf Dupanloups Betrisb durchgegangenen Geseßes. Der Unterrichts-Minisier wünscht, daß die Dringlichkeit erklärt werde.

Die Erörterung begann mit einer Rede des Senators Challe m el- Lacour, der erklärt, er habeficl) lange ds_ionnen, ob er das Wort er- greifen sol1e, Weil er gefürch1.t habe, ein 11) wichtigrs Gex'eß den Vor- urlheilen Preiszugeben, die (“11107 seine politischen Ueberzeugrmgen her- vorgerufen werden könnten; aber er überwinde diese Befürchtungen aus Achtung vor den;. Sonate. Man Habe, fuhr drr Redner fort, durch den Eifer der Gkgnek d-ér Vorlage Und durch einen Petitions- sturm gegen denselben der Regierung Schwierigkeiten machen und die- selbe von ihrem Vorbabrn abschrecken wollen; aber die Regierun habe sich nicht abschmkrn lassen, und fie habe wohl Taran gethan, da sie fest geblieben sei; denn sie habe wydrr das Rocht des Staates aufgeben, noch Tä11ichungenVorichub leihcn'tücfen. .Der Redner ent- wickelt hierauf, daß durch diesen Geseßeniwurf weder dis Freiheit des Unterrichts überßaupi bedroht, noch der Léiniversitäisnnierricht herab- gesetzt werde; das Gesetz Waddingion veriqnge nur zuriick, was der Staat nicht aufgeben könne, ohne eine 1111klug5eit zu beg-zhen und et- was Gefährlichxs zuzugestehen, Die kaiholisckpe Kirche Wolle dieHand auf den Unterrrcbt legen und glaube sicb mit dieser Würde durch ein absolutes Recht bekleidet, Redner wies auf einen Ausspruch des Pakets Martini bin, der da laute: „Die Kirche wird “niemals auf das Recht vcrzixhtrn, die Erziehung derer, welche die Taufe 21111111111- gen baben,_zu l('1t(n.“ Die katholische Kirche wolle diese Lrhrsäße in Frankreich zur Geltung bringen, indem sie dem Staat ein Recht entziehen wvlls, we1ches ein durchaus öffentliches Jntrresse habe. Redner wilL keineswegs die Universität vertheidigen, welche man an- greife, er will jedoch darauf aufmerksam makhen, daß inan fich persönlicher Theorien als Waffen, gegen dieselbe bediene. Wenn man vom Materialismus rede, der durch die Universität befördert Werde, so sei nicht zu vrrgesfen, daß derselbe (1119 den erstrn Jabr- bunderfrn des Cbristentburps berrühre, daß man ihn bei 11:11 Patres des 18. Jahrhunderts finde und daß alle Zöglinge 11er Jeiuiten Maieriaiisten geWesen feicn. Wenn in unseren Tagxxn die materialistiscbeu Ideen Wieder um sich griffen, so lägen dies-r Eriweinnn wahricheinlich allgemeinere Ursackprn zu Grunde“ und in dcr TZat seien unmitt-élbar nach dem Siaatsftreichc diefe An- sichten, die lange wie verschWnnden zu sein swiencn, wieder auf- getaucht und nähmen einc? angriLmeäßige Haltung ein. Es [1191- hier die Frage nahe, ob diese („richeinung nicht die Folge davon wäre, dak; die Kirche sich hastig den Geschicken einer Rrgierung anschioß, 1velche (1111? Rechte des Volkes mit en irak. Uebri- gens habe sich auch die Univerfiiät niemals zum cho dieser Lehren gemacht. Daher hätten troß aÜer Angriffe auf die UniV-rfität al]: Regierungen Frankreichs der Reihe nach, und selbst diejenigen, die derselben feindlick) waren, sich schließlixb immer genötbigt gefeyi-n, die

Universität _zu ichüßen, in welcbxr nicht die Regierung als solébe, Wohl aber die Ideen, die den franzöfiichen Senatseinrichtungen zu Grunde liegen, vertreten seien. Eben deshalb habe das Kabinet die Pfiick)“, ihr den schiiizenden Arm zu lmhen. Redner wies hierauf Yin auf di.- Aniircngungen derer, die alle, Welche die Ideen der Neuzeit mit den religiösen Meinungen zu vkrsöhnen suchen, Liberale nennen und we1::t')e jeden ohne Au5n0?me verfolgen, der modernen Ideen Rechnnng trage: Alles ici um onst geblieben; der Liberaxismus der Torque- v111e und Montalembert sei als die groß? Keßerei des neurzehn- ien Jahrhunderts gebrandmarkt Worden. Die Verdummung der liberalen Ideen stehe in allen Söhriftstücken, die von Rom aneigeben. Redner liest als Beispiel das Schre.ben des Papstes an den Bischof von Quimper vor, worin der 8151001160100 spezicll als Feind der Kirche _bezeichnet wird. Der Papst verdammc auch den kaiholisckxn Liberaltßmus imd sage in einem Briefe, daß er ihn nicht ein Mal, sondern vierzig Mal verdamme. Uebxigens, fuhr Redner Fort, Handle cs fich bei. dem vorliegenden Geseßentwurfc gar nich1 um (:inexi Kampf zwxichen den Freidenkern und der Kirche, sondern (:inzig ' “und 11111111 um den Kampf zwischen den liberalen K_atboltkcn und den Jesuiten; Redner jedo-h hofft, daß schließlich die Jdesn, welcbe Frankreich, tbeuer seien, den Sieg behalten wer- den. Zu_ dem Gesetzentwurf Übergebend, tadelt Redner das System der gemiichten Jury, welches ein unzeitiger u1:d mißgestalieter Abklaixä) dess be1g11ch0n Sysktems sei, das in Mißaéytnng gera1bcn sei, sel | 115111 Kailwltken mcht mehr gufgsheißen werde und Welches dazu ge- fuhrt habe, daß_d1e Studien in Belgien sehr gesunkxn seien. Redner 1111111, welchen Segen man für Frankreich von dem Beispiel erwarte, das vom Anslande gegeben werde. Redner spricht den Wunsch aus, daß das Umversitätssystem ge (büßt und aufrecht gehalten werde, und schließt mit den Writen: „5 enn ich vom revolutionären Geiste ge- trieben wäre, io wurde ick) die Brwegurg begünstigen, die sich gegen un1ere StaatSemrichtungm kund giebt.“

Darauf demetkie der frühere Unterrich1s-Minisier Wallon, er ebe zu, 11111; die Freiheit des Unterrichts und die Verleihung der Grade ehr verschiedene '.nge seirn; aber er findet, daß sie innig miteingnder

verbunden seien, und vertbeidiai daher die gemischte Jury, beYaUPst sodann die Auffassungen von Challemcl-Lacour und findei schlléßllck), daß das Recht desztaates dadurck) keinen Schaden leiden werde, wenn das Ministerium die Mitglieder der Jury ernenne- Der Redner 1510113: „Glauben _Sie denn, daß die Bischöfe nicht der konservativen Partei angehören? Wir onen den Frieden. M11 dem Geseße von 1875 muß ein Versuch gemacht Werden, ehe 111011 es verdammt. Warten Sie nur ab; vielleicht wird inan dann 111 111sache finden, es anzugreifen. Ick verlange, daß man die Löéung dieser Frz: e (zuf das nächste Jahr verschiebe. Wenn dre Regierung darauf m temgeht,„so werde ich die Verwerfung der Vorlagefordern.“

In der heutigen Sißung des Sengts antwortete zunächst Graf Foucher-C arrei1 auf diese Rede, indem er die Regierung gegen _den Vyrwurs der Schwäch-s veriheid'igte, die Hoffnung aussprach, daf; dre Regierung sich selber zu vertl)eidigen mssen werde, und ver- sicherte, weder die Minister noch die Anhänger von Waddingtons Gesetzentwurf 1e1en Feinde der Freiheit des Unterrichis; sie hätten nur die Wahmn des Rechts, das dem Staate zustehe, im Nu e, Der Redner 501 mpft' sodann die Ansicht Wallons über das ((NZZ vzm 1875,_ und zeigt, daß die Verleihung der Universitaisgrade von der Re- gierung nicht aufgegeben werden dür e,d-:1 sie eines der Vorrech1e der Staats- gewali, eme Art gesellschaftlichen echts sei. Bei vielen Leuten handle es;

hrer aber Weniger um die Freiheit des Unterrichts. als um die

Freiheit des Partetzwanges, aber die wahren Freunde des Landes

ten die Frage ernst nehmen und 115111110112"- daß Franerich Prßußén no. ahme, welches nach der Schlacht bei Jena" sich von fernen Nieder- lczgen durch die Mannhaftigkeit seiner Jugenderz.'chu„"9 ?ckbe Häbk; diesesCrgebmß erwartet Redner nicht von den ß.“kLU„,l1n'kafika,ke11Z auf 1910 wahrscheinlichen Ergebnisse ihres Unterriébts ;„ das axabticße SpruÖWort anzuwenden: „Man sieht wohl die Mühkje, nber mch1 das Mehl!“ Der Redner schließt mit der Erklärung, er w::kde fur die Vorlage stimmen. _

_ Darauf _erhieli der Bischof Dupanloup das Wort. SeWLAus- fußrungen „gipfelten 111 den Sätzen: „Das Gesetz von 1875 stifte Frndewzivischen den R0chten des Staats und den Rechten der Fa- mrlicnnater. Das W0001ng1onsche Gesetz sei der Krieg. Wir wollen den Frieden, „aber der Friedexmuß auf Freiheit und Gerechtigkeit ge- grundet fem, „sonst konnen wir ihn nicht annehmen.“ _ Nachdem die Kammer während einiger Minuten eine Knie hatte eintreten lassen, ergriff Jules Simon das

ort, um der Rede Dupanioups einige Säße entgegenzusteüen. Derselbe schließt "sich. den friedliebenden Versicherungen des Bischofs Dupayloup yoÜstandtg gn. Auch er sei für den Frieden und halte nile dre, Welche ohne drmgende Noibwwdigkeit Wühlereien treiben, fur [chuldvoW Er rechtfertigte das Eingreifen des Staates und erklärt dcxbet, dns; derselbe darum noch nicbt atheistisch sei. Redner selbst set keweSWegs ' em Feind des katholiscben Glaubens, der in seinen Reihen so viele_ große Denker zähle. Wenn man Gesetze gegxn die Freiheit der katholischen Religion 11111chen „wolle, io. Werde er der Erste sein, welcher d1e1e Frethe11 veriheidigen werde. .Wir Alle sind fiir die Glaubens- freiheit! Die Frage steht hter aber ganz anders! Man 111111 die Rexbte des _Sraates an „sich reißen. Das alte Regime, ob- gleich (6 eme Staatßreltgion anerkannte, hätte das nimmer- rnehr gkduldet. Bossurt trat für die Rech1e des Staates em.“ Redner fuhrt weiter aus, daß die Minister nach den wahren Prinzipien gehandelt haben, und zum Heile der katholischen Kirche wnnicht er, daß dieselbe sich nicht zu viel Uebergriffe erlaube. Dies set 1111111 der_Wkg, der zum Frieden führe. Simon schließt mit dem anufe: „er'find ein religiöses, unabhängiges Laienvolk; kie werden Wir das Prinzip der bürg-rlichen Freiheit aufgeben, und wir glauben nur „der".Herrichaft dcs Geseßes!“ (Großer Beifall. Redner wird bepluckwunstbt, als er auf seinen Sitz zurückkehrt.) Die Berathung wird um 61- Uhr auf morgen vertagt. -

' Versailles, 20. Iuli. (W. T. B.) In der heutigen Stßung des Senats wurde die Berathung des Geseßentwurfs 11511: die Verleihung der akademischen Grade fortgeseßt. Die Senatoren Laboulane und Herzog von Vroglie sprachen gegen'dsie Vorlqge, welche der Unterrichis-Minister Waddingwn verthetdigte. Die Berathung wird morgen fortgesetzt werden.

Italien. Rom, 18. Juli. Der armenifche Patriarch Hassun 5111, den „Ital. Nachr.“ zufolge, dem päpstlichen Stuhle eimge'Vorsckzlägr der türkischenRegierung zur Beilegung deZStreites, welcher unter der Regierung des Sultans Abdul-Aziz aUSge/hroche1 war, unierbreitenlaffen. Eine Kardinal- Kongregation ist beauftragt worden, diese Vorschläge möglichst bald zu prüfen und darüber Bericht abzustatten.

Türki. Die heute vorliegenden Telegramme vom KriegSschauplaxze melden.“

Konstantinopel, 21. Iuli. (W. T. B.) Nach einer der Regierung zugegangenen Depesche Osman Paschas haben an dern Kampfe bei Snitch ar 25,000Serlien theilgenommen. Das am Dienstag bei Izwoxr (s. u.) stattgehabte Gefecht endete mit einem Siege der Türken.

Belgrad, 20. Juli. (W. T. B.) Der Regierung ist folgende Meldung vom Kriegsschauplaße zugegangen: Gestern fgnd zwischen der ierbisckgen Abtheilung unter Ducic und regu- larrii turiiichen Truppen, welche etwa. 4000 Mann stark waren, zwrschen den Flüssen Lim (Nebenfluß der Drina).und Uwaß, (serbischer Grenzflusz nach Südwesten, Nebenfluß des Lim) ern stebenftiindiger Kampf ßatt. Die Tüiken wurden in die Flucht geschlagen und bis Novawarosch (zwischen den ge- nannten Flüssen) verfolgt, Die türkischen Truppen vor Lju- bowxa (südlich von Zwornick an der Drina) sind durch das Jener der serbischen Geschüße gezwungen worden, die Beschießung dieses Ortes einzußcüen. Die serbischen Truppen befestigen Klein-Zwornik.

Wien, 20. Juli. (W. T. B.) Nach einer Meldung der „Politischen Korrespondenz“ ausder Herzegowina ist in Folge

dsr Zusammenziehung starker türkischer Streitkräfte oberhalb von '

Mostar und des Widerstandes, welchen die Montenegriner bei den Blockhäusern vor Nevesinje und Meiochia finden, die Gefahr eines Angriffs der Montenegriner auf Moßar vorläufig beseitigt. Die Garnison von Trebinje ist durch zwei Bataillone verstärkt und alles für einen feindiichen Angriff vor- bereitet worden.

_ Ueber das Gefecht bei „Veliki Izvor (ößliche Grenz- stadt in Serbien am Timok) erhäZt die „N. fr. Pr.“ von ihrem Spezialkorrei'pondenten aus Widdin unter dem 14. Juli folgenden Bericht:

Während die türkiswen Truppen siegreich um den Besitz ***-r SteÜnng bei Gynzng kampftxn, bereitete die bei Zajcar konzen- trirte und_ wahrscheinlich verstarkte Division Ljeschauins den Angriff auf die turk11c_k)e Stellung bet szor vor, den fie auch gestern, den 13 , zur Ausfuhrung brachte.

21.111 12._ Morgens waren in der SteÜung bei szor von türkischer Seite 18 Batmllone Infanierie und 12 EScadronen Kavallerax, dann etwa 1000 Bascbibozuks und Ticherkeißn ve:- eint. 2111 Pascha stand mit 2:1, BataiÜonen und 2 atterien bei Adlis; Awmed Pascha. mit 2 Bataiüonen und 3 Geicbüßen, befand „sich (101 dem Matsche nacb chsova. Am Morgen des 12.- hatte d1e Division Ljeschanin den Timok in 2 Kolonnen mit je 4000 Mann ziemlich unbemerkt einige tausend Schmit ober- und unt§r1)aleajcar mittelst Kühnen und provisorischen Brücken über- schritten._ .Die linke Kolonne überse te den Flut; nächst Kostel und erhielt dieDtrektion gegen die rechte [anke der türkischen Aufstellunng DJS Terram, welches diese Kolonne vom rechten Ufer bis zur Er- reichung des Ziele; zu durchschreiten hatte, ist bergia, rößtentbeils bewaldet und gestattet eine gegen Feuerwirkung und Ein cht ziemlich gedeckte Annäherung. Die eigene Feuerwirkung aber, namentlich jene der Artillerie. ist dadurch wesentlich beschränkt. .

Die rechte Flügelcolonne der Serben suchte dre Strczße von Adlié zu gewinnen und [Latte von dieser aus gegen die Linke Flanke der Türken zu drucken und fur den Fall des feindlichen Rückzuges Adlié früher als der Gegner zu erreichen, um „diesem den Rückzug abÖIsÖUEidM. Auch hier bietet das Terram ziemli die gleichen or- und Nachtheile wie am entgegrngeseßten Flüge. Um die Aufmerksamkeit der kacn von „diesen Umgehungs- Kolonnen abzulenken, hatten 1 bis 2 Bataiüyne Jäger, circa 1000 Mann„ _die Front der Steuung anzugreifen, oder besser

(sagt, in dtejcr den (Gegner festzul)'alten., Diese Aufgabe der ä er wurde durch _ein lebhaftes, von einer im Thale placirtcn ser- bis en Batterie eroffnetos Feuer unterstiißt. Der hier in wenigen Worten_ skizzirte Angrifföplan, welcher ,im Widerspruch mit den Grundsqßen der Theorie und der Praxrß steht, hätte die Divifion Liescbanm in eine nicht beneidenSwertbe Situation gebracht, Wenn die serbischen Truppen sich nicht mit einer besonderen, auch von den Türken zugestandenen und anerkannten Bravour und Todesverachtuug geschlagen hätten oder wenn der Sieg von den Türken gehörig aus- gebeutet worden wäre.

Gegen 9 Uhr zu. nachdem der Angriff in der Front bereits ein- geleitet war. trclfM dle Sptßen der Umgehungs-Kolonnen auf die

Flanken der fürkiscben Aufstellung. Öömäii Pascha Verfügié, der Sixuatton entsprechend, em Abschwenken der Flügel gegen die An- griffsfroziien. Das sch1ver gangbare Terrain ermöglichte nur langsame Fortschritte, und daher kam es auch, das; die Serben erst nach einem zehnstündigen Kampfe wieder über den Timok zurückgedrängt wurden, wvrauf sie ihre früher innegehab1e Aufstenung besetzten. Die_ Schil- Demngen der "Details des Kampfes muß ick) übergehen, da nur dies- Bezüglich nur weni? verläßliche Mittheilungen zukameri. ,

Nach einem )euie hier eingetroffenen telegraphticben Verrrlyie Oßman Pascha's haben die Serben 600 Todte und uber 700 Ber- Wundete auf dem Kampfplaße gelassen. „Unier Erstercn befinden sick) zwsi höhere Offiziere. Aber auch die Verluste der Turk-én dürften bedeutend geiresen sein, wieuwhl genaue Angaben bis zur Stunde fehlen. '

_ Des Fürsten Milan Hauptquartier be_findet sich, “der „Cöln. Ztg.“ zufolge, noch immer 111 Pararschin m Ser- bien (nördlich von dem Zusammenfluß der serbischen _UUd [Ulk- garifchen Morawa), wohin fich Generak Tschernajeff emen um

den anderen Tag zum KriegSratl) begiebt. _ Ueber den GesundheitSzustand des Sultans

Fressen aus Konstantinopel beunruhigende Nachrichten ein. In einem Telegramm des „Standard“ aus: Konstantinopel wird gesagt, des Sultans geschwächte Konstitution habe nie den Stoß verwinden können, der ihm durch den Selbstmord seines Oheims und den Mord Hussein Avni's gegeben wurde. Einem Tele- gramm der „Times“ aus Wien zufolge, wäre 'deS schlimmen Gesundheiiszustandes des Sultans wegen auch die anstrengende Ceremonie der Schwertumgürtung verschoben worden.

_ Der heut eingegangenen „Turquie“ vom 14. Iuli ent- “nehmen wir folgende Nachrichten:

Nach den offizieÜen Listen be1rugen die bis jelzi einge- gangenen Sammlungen 922,625 Piaster (500 Piasier = 90 010) _ Das Corps der freiwilligen Softas ist 1th voll- ständig organisirt; es besteht aus 3-4000 Studirenden. Das Seraskerat hat ihnen Waffen und Kleidung geliefert und wird “fieockbald unter dem Kommando des Ulema Salim zur Grenze * 1 en. fck _ Die „Pol. Corr.“ meldet über die Freiwilligen- Werbungen aus Konstantinopel, 14. Juli:

„Durch die fortwährendkn Antrerbungen bietet Stambul nach "wie vor den Anbiick einer außerorden11ichen Lebßaffigkeii. Ueberakl sieht man Werbebanner aufaepflanzt. Der Centralpunkt für die Werbungen 111 der Bajazidplaß. _Gex'iern waren winde- stens 40,000 Menschen da versammelt, In der Sta'aße, Welche zu dem Kriegs - Ministerinm fiihrt, begegnet man nur Fahnenträaexn, Freiwilligen - Abtheilungen in den aben- teuerlicbsien Kostümen und Musikbandeu, welche Schlacbtmufik intoniren. Bis gestern Abends waren 25,000 Freiwillige angewotdr". das Corps dr'r Softakz nicht mit eivgkrecbnet, we-lches 1111 sich 44.00 Mann stark ist und von dem Ulema Salim Effendi beiehligt wird. AÜe diese Freiwilligen Werden bei Beikos militärisch organistrt, (qui- .“Pirt und von "Offizieren 1er regulären Armee rxerzirt Werden. Vor 14 Tagen dürften sie kaum nach dem Kriegsschauplaße abgehen.“

_ Die „Allg. Z1g.“ erhält aus Pera, 15. Iuli, nach sehr zuverlässigen Quellen folgende Daten über die T ruppenmackzt, welche die Pforte in Rumelien bis jeßt konzentrirt hat. An der serbischen Grenze befinden fich 4 Corps, und zwar in Risch, Widdin, BoSnien und Novibazar. Das erste und ftärkste 50- steht aus 57 Batailloncn, das zweite aus 25, das dritte aus 45 “und das vierte aus 35 Bataillonen. Jedes dieser VaiaiUone hat einen Effektwstand von 700 Mann, also besteht die In- fanterie aus 109,900 Mann. Der Stand der Artillerie und der ngallerie, welcher diesen Corps beigegeben ist, beläuft sich auf 15,000 Pferde. Außerdem wird die Höhe der bewaffneten Macht in Albanisch-Scutari (unter Derwisch Pascha und Abdi Pascha, die nunmehr eingetroffen sind) und in der Herzegowina auf 40,000 Mann angeschlagen. Die Totalstäcke der 5 Corps beläuft sick) also auf 165,000 Mann. Die Einreihung der „Freiwilligen“ Wird in ziemlich großen Verhältnissen fortgeseßt, und an einem der leßten Tage wurden in Konstantinopel allein 5000 einge- reiht. Die Gesammtzahk übersteigt schon jeßt 40,000 Köpfe. Darunter befinden fich 10,000 tscherkessische Reiter. Die Zahl der boSnischen und albanefischen Freiwilligen, ivelcheschonzje1zt unter den Waffen stehen, wird auf 30,000 Köpfe angegeben, und es ist die Aufnahme noch lange nicht abgeschlossen. Gleich- zeitifg wird das dritte Aufgebot der Redifs unter die Jasmin gern en.

Rumänien. Bukarest, 21. Juli. (W. T. B.) Der Senat hat den Kriegs-Minister auf dessen Verlangen ermäch- tigt, je nach Bedürfnis; die Reserven der zweiten Territorial- Divifion unter die Waffen zu rufen. _ Der Finanz- Mknifter hat eine Vorlage eingebracht betreffend die Auöprä- gung von Goldmünzen.

_ 21. Iuli. (W. T. B.) Die Deputirtenkammrr nahm in ihrer heutigen Si ungdie Thronadres s e an, welche fich in Klagen über das frühere Ministerium erxzeht und die Zufriedenheit des Landes mit dem gegenwärtigen Ministerium konstatirt. Zugleich spricht dieselbe die Hoffnung auf eine neue Aera des geaenseitikxen Vertrauens, der Freiheit und Gerechtig- keit aus. Bezüglck; der auswärtigen Politik hält die Thronadreffe die Neutralität für ein Gebot der Verträge und der geographischen Lage Rumäniens, erwartet aber troßdem cine Erledigung al1er Reklamationen, welche die rumänische Regierung Werschirdenen Zeiten (erhoben habe.

_ DJ? bereits erwähnte Memoirs an die Pforte, 12 Seiten klein Folio im Druck umfassend, führt “den Titel: „1110010110 0011- 001110111 108 111108110118 (10111 111- 8611111011 1111010880 111111 1111111 (1015110111 1101111101110 (10118 808 1011110118 11170010 8111111010 130110“ und enthält folgénde fieben Forderungen: 1) 110000001880000 (10 1'111(11171- (1113516, (19 173131; 7011111310 01 (10 8011 110111 1118101'1CLUL. 2) 110- 700610011011 00111" 1'0§0111; (10 1101111101110 (10 8011 0111111881011 (10118 10 (101118 (1101011101111110. 3) 5112110151011 (108 1101111101118 (10 [)UZZÜJS 011 011110118 011 “1111111110“. Es wird verlangt, daß die hohe Pforte die rumänischen Unterthanen, welche 1101) zeit- Weise in der Türkei aufhalten, unter der Gerichts- barkeit des rumänischen Diplomat - Agenten, in Konstan- tinopel belaffe und nicht, wie an mehreren Beispiexen gezeigt wird, fie als direkte Unterthanen behandele. 4) 7101011011 (111 1011110110 101111101111 01 1100088110 (1'11110 0011110110 (1011011101100 (108 1108 (10 0111111110. Die Pariser Konferenz hatte sich (im Pro- tokoll vom 6. Ianuar 1857) nur über die Inseln im Donau- delta auSgesprochen, hinsichtlich der übrigen Don'auinieln ist die Grenze zwischen Rumänien und .der Turkei Streitigkeiten unter- worfen, deren definitive Beseitigung durch feste Grenzregulirung verlangt wird. 5) 1100083110 (10 0011110011008 110 001111110100, (1081100111011, 1108131110 011010Z10111110110. 6) 9088011011 101111111111. 7) 908808811111 111111810 (111 1)0110 (111 001111110 01 0011- ZÉqUSlWSZ (111 111100 1011 1101811110 (111 1110100010 (10 6 „10117101 1857, 0011001110111; 111 11Z110 “1101111010 011110 10 1101111101110 01; 1:1 '1'111'01110. 'Ein ProtokoÜ der Pariser Konferenz vom 6. Januar 1857 habe, entgegen dem Artikel 21 des Pariser Vertrages von 1856, die Inseln und das gesammte

Dona'udckta dsr Türkei zugéjökesen. Anführung 15511 Unznläng- *

lichkeiten, die sich darausrrgäbcn, namentlich bezüglich der Fischergemeinde Wilkov, und Verlangen einer neuen Grenzkeß'u- lirung, sei es auch nur im Sinne der Vorschläge der europäisohen Donaukommission.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 19. Iuli. Se. Majestät der Kais er hat folgende, vom ,Reg.-Anz.“ ver- öffentlichte Bestimmung über den Gebrauch der rufsi- schen Sprache beim gerichtlichen Verfahren in Polen genehmigt: 1) Bei der Untersuchung der Civil- und Kriminal- fälle wird bei den GmrJne (Amts-) Gerichtshöfen der Gebrauch der der örtlichen Bewohnerschaft vertrauten Sprashe in dem Falle zu gestatten sein, 1110 die streitenden Parteien der rusfischen unkundig sein sollten. Aber selbst unter diesen Bedingungen soilen nach den im Art. 241 des Reglements vom 19. Februar 1875 vorgeschriebenen Bestimmungen alle Verfügungen, Ent- scheidungen und schriftliche Akten, die vom Tribunal auSgehen, in rusfischer Sprache abgefaßt werden. 2) In den Familien- räthen unter dem Vorfiß der FriedenSrickzter und den Falliffe- menjs-Syndikaten “habsn die Mitglieder, wenn sie nicht ruifisck) verstehen, das Recht, in einer anderen Sprache zu berathen, mit der Beschränkung 'jedoch, daß die Urtheile und Entscheidungcn russisch abgefaßt und wo_ möglich von einer Ueberseßung begleitet werden. 3) Die im §. 3 der Besttmnmn- gen Über das Notariat vom 19. Februar 1875 erwähnten Prw'at- akte, die bestimmt sind, vom Friedensrichter oder einem Amtsgericht legalisirt zu werden, können in der Lokalspracheabgefaßtwerden; in Streitfällen jedoch müssen diese Akte dem Tribunal mit einer ordnungswäßig legalifirten russischen Uebersekung vorgelegt wer- den. 4) Diejenigen Individuen, welche berufen find, notarielle Akte aufzunehmen, smd autorisirt, außer dem russischen Text 1111113 eine in der lokalen Sprache abgefaßte Schrift anzunehmen, tn- dem sie die Verantwortlichkeit für die Ueberießung tragen. Der russische TM “,"-111 als authenéixcl) angesehen werden. .

_ Zur Abschaffung der öffentlichen Urtheils- verkündigung bemerkt der „Sind. W.“: Von den Gesxß- gebungen aÜer Länder ist das Mißliche d:r öffentlickzen Exekution der Körper- oder Todesstrafen erkannt worden. Mit der Ab; schaffung der Tode-z- und der Körperstrafe verschwand auch M Rußland die öffentliche Exekution. Im Gebrauch verblieb aber bisßer noch die öffentlicheVerkündigung des Urtheils in Sachen, in denen die Strafe mit Verlust aller StandeSrechte und Ver- schickung nach Sibirien zu Zwang0arbeit oder zur "Ansiedelung verbunden war. Diese öffentliche Verkündigung des Urtheils war einigermaßen durch die Gesexze vom 20. November 1864 im §. 963 des Kriminalprozeffes geregelt worden. Wie furchtbar aber diese Prozedur fiir den Verurtheilten sein muß, der auf einem schwarzen Karren und in Arrestanienkleidern, rnit einer Aufschrift auf der Brust, welche das begangene Verbrechen 11e- zeickznet, durch die Stadt nach dem Richtplaß geführt und [)xrr auf 10 Minuten am Schandpfahl auf dem Schaffot 0u0geßeilt wird, beweisen die häufigen Bitten der Vernrthetlten, fie von dieser Formalität zu befreien. Der „Golos“ ' er- fährt nun, daß in neuerer Zeit der Instiz-Mintster mit dem Antrags nm Aufhebung sowohl der offent- lichen Exekution der Todesstrafe in den seltenen Jagen, fur welche sie noch besteht, als auch der öffentlichen Verkündigung dec; Urtheils in der Weiss, wie es gegenwäriig geschieht, fur alle Theike des Reiches eingekommen sei und daß dieses Gesuch (1111 1. Iuli die Bestärigung erhalten habe. Die Siraf-Exekutwn und die UrtheilSrverkündigung werden nunmehr innerhalb der Mauern des Ge'iängniffes in Gegenwart der Vertreter der Staatéannaltschafix, der Adminißration Und der Personen der örtlichen Gemeindeverwaltung in der im Auslande schon lange gebräuchlichen Weise erfolgen.

Amrrika. Wie der „Daily Noms“ aus New-York telegraphisch gemeldet wird, hat fick) zwischen Tilden, dem Präfidentschnfts- und Hendrichs, dem Vize- Präfidenisckzafts- Kandidaten der Demokraten durch die von beiden veröffentlichten Programme eine solche Divergenz der Ansichten über die Baar- zahlungsfrage hcrauSgestellt, daß Hendrichs seine Kandidatur zurückziehen werde.,

Afrika. Aegypten. Nach einer telegraphischen Meldung des „Reuterschen Bureaus“ (ius Alexandrien vom 20. Juli hat die ägyptische Regierung sich geweigert, die “Voli- streckung der wider dieselbe ergangenen gerichtlicheniunheike zu gestatten und hat darauf der Präfident des erstmstanzlichen internationalen Gerichtshofes zn Alexandrien, Haakmann, heute Morgen eine Plenarfißung abgehalten, in weicher beschlos- sen wurde, keinen Prozeß weiter anzunehmen und die Thätigkeit des Gerichtshofes einzustellen. In der Stadt herrschte in Folge dessen sehr lebhafte Erregung. Die Mitglieder des Gerichts waren zu einer Konferenz zusammengetreten.

Die Nr. 55 des Amtsblatis der Deutschen Reichs- Post- und Telegrapenverwaliung hat folgenden Inhajt: Ver- fügungen: vom 15. Juli 1876: Antvendung des Eisenbahn-Postaes-exzes vom 20. Dezember 1875 auf die Bahnen der Leipzig-Dresdener Eisen- babn-Compagnie. _ Vom 15. Juli 1876: Anwendung des Eisenbahn- Postgeseßes vom 20. Dezember 1875 auf die Eisenbahn Chemnitz- Aue-Adorf. _ Vom 17. Juli 1876: AvWenduna des Eisenhahn-Prst- gescßes vom 20. Dezember 1875 auf dieSächsisch-Thüringtsche Eisen- bahn. _ Befcbeidungen: vom 10. Juli 1876: Behandlung unfran- kirter Briefe bei der Nachsendung aus Deutschland nach einem anderen Vereinögebieie oder umgekehrt. _ Vom 10. Juli 1876: Erlaubte Zusäße auf Korrekturbogen. . _

_ Nr. 26 des „Justiz-Ministerial-Blattes“ enthalt eine allgemeine Verfügung vom 15. Juli 1876, [*etxeffcnd das Ver- fahren bci Zahlungsleistungen aus einer Masse an eme andere Masse desselben Depofitoriums.

Statistische Nachrichten.

Nach Miiiheilung des statistischen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den biifigen Standesämtern in der Woche vom 9. Juli 11.11 incl, 15. Juli cr. zur Anmeldung gekommen: 224 Eheschließungen. 865 Lebendgrborene, 33 Todigeborene, 886 Sterbefälle.

_ Die Sieinkoblenab uhr aus den drei Königliw sächsischen Abbaubezirken Wickau, Lugau'und Dreßden betrug auf den Eisenbahnen im 1. Quartal 1876 (in Wugenladungen a 100 Centner ;der 5000 Kilogramm) 120,225,8 Ladungen“ davon kamen 92,318 Ladungen : 770/11 auf ZWickau, 12,060 Ladungen : 10% auf Lugau und 15,847,8 Ladungen = 130/11 auf Dresden. Gegen das gleiche Quartal des Vorjahres hat die Gxsammtabfuhr um 60689 Ladungen oder 5,32% zugenommen. Die Zunahme traf auf Zwickau mit 5958,2 Ladungen, == 6,90% und Lugau mit 1839 Ladungen : 17,990/9, während die Abkuhr von Dresden in derselben

eit um 1728.11 Ladungen : 9,839/0,abgenommcn hat. Aus allen rei Bezirken Wurden durchschnnili§lx 1117-31 Tag ahgefgyhre'xx: 1837 Ladungen im Januar, 1415 im sevruar und 1218 im März.

Der *stäxkste“ «KonsutUeni in') diesem Quäiia1e 11501 Feip ig 11111 13-397"; Ladusgen, und zwar 103834 Stadt und 2925-9 * :tbnhöfe; dann folgten Cbemniß mit 9999,2 ÜÜUUULU- davon 59692 von Zwickau- 381711 von Lugau oder 32% der Gesammiabfubr von dort und 213,17“ 11011 Presden; ferner Dresden mit 711878 Ladungen, davon -1367-4 von

Zwicrau, Crimmitschau mit 400311, Rei'Örnbach i. V. 3787,4, Werdau

3247-81 Freiberg 22846, Glauébau 22428, Plauen i. V. 21370,

Meerane 20052, Harnsberg 13890, Döbeln 1.322,21, Ostrau 1125,4

u. s. w. Dre namhaftesten Absatzotte im Auslande waren Greiz mit

3194 Ladungen, Hof 2759, Gera 2096, Nürnberg 2035, Eger 1859,

Bamberg 1262, Erlangen 1197, Lichtenfels 1029, Fürth 949, Bay-

reuth 947, Nördlmgen 619, Gotha 607, Weißenfels 590, Köstriß 532,

Calmbach 519, Selb 511, Eilenburg 481, Halle 476 u. s. w.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Bielefeld, 18. Juli. Die wertkivolle Bibliothek des ver- storbenen Geheimen Sanitäis-Rath 131. Tiemann ist nach dem „W.“ von den Erben der Universität Straßburg als Geschenk angeboten undron dieser mit freudigem Dank acceptirt worden. In diesen Tagen rst die Bibliothek nach Straßburg abgeschickt worden.

_Die .StraßbnrgerZig.“ vom 19. Juli meldet: Neben den Arbeiten an der Außenjeite, ain Tburmhelme und an den Fade' des Münsters dauert auch die Bautbätigkeit im Innern des ge- Wal1igen Domes ununterbrochen fort. Neuestenß wurden sowohl im Hauptschiff als in den Nebenschiffen die Gewölbedecken und deren Steinrippen ausgebessert und verputzt, das Dekorations-, Farben- und Vergoldungsrverk an denselben wieder bergrstellt. In der großen Nische des Hauptchores, welche mit [rischer Kalkgrundirung belegt wurde, geht soeben ein massives Holzgerust seiner Voilendnng entgegen, Weiches die herannahende Jnangriffnabme_ der Wandgemälde 1111351111, mit denen drr Chor bekanntlich geschmuck'c wird. In der That erfahren wir, daß man dam Eintreffen des Professors Steinle von Frankfurt a. M. behufs Beginn der ihm übertragenen künstlerischen Arbeiten schon in nächster Woche enigegenfieht Die kirchlichen Verrichtungen im Choke und am Hochaltare des Münsters erleiden in o!ge der zweckmäßigen Bauart des besagten Gerüstes keine wesen1_1ck)e Stö- rung. _ Die Einweihung der neuen evangelischen Kirche zu Fröscbweiler findet am 30. Juli statt. _ Am 4. August findet beiWeißenburg, am 6. desselben Monats bei Wörth die feierliche Enthüllung der Seitens der 111. Armee auf den betreffenden Schlachtfeldern errichteten Denkmäler stati.

_ Das Ergänzungsheft Nr. 48 zu „Petermanns Geo- graphischen Mittheilungen“ _(Gotha, Justus Pertth) enthält eine Abhandlung über die Wirkungen der Winde auf die Ge- staltung der Erde. Ein Streifzug im Gebiete der physikalischen Geogrgvhie von Hr. Frapozerny, Mitslied der K K. geographischen Gcselijchaft in Wien; um einer Karte.

Land- und Forstwirthschaft.

Der Verein mecklenburgischer Forstwirihe hielf am 14 d. M. unter Betbeilignng des Großherzogs, seine von etwa 100 MitMc-dern brsuchie Jahresversammlung zu Doberan. In Anlaß der assenpefitéon der Erbpächter der großherzoglicbrn Domänen an den Großherzog wegen des Ueberhandnehmens dcs Wildschadens, behandelte der von dem Forstratl) PaJow, Miiglied des großherzog- lichen Forstkoliegiums 1uSchwerin, ge altene Hauptvortrngebrn dieses Themx, indem er die Frage bean1w_ortete: „Sind die allgemkin ge- wordenen Klagen über den übennäßigen Wildstand unseres Landes_ wie solche namentlich auf den in Güstrow abgelialtrnen beiden Erb- pächtcrveriammlungen laut geworden sind _ gerechtfertigt ?“ Auf Grund der von den Forstbcamten für sämmtliche Jagdrevierc im Groß- berzoglicben Domanium aufgestellten Wildsiandtabellen, suchte d'e'r Ikeierent den Nachtveis zu führen, daß die von den Erbpäcbtern erhodx-nen Beschwerden theils unbegründet, theils übertrieben seien, unéo gab der Vsrmnthnng Ausdruck, daß es mit jenen Beschwerden nn": darauf abgrseben sei, das JRdrccht für die Dorfschaften zu er- langen. Die Anschauungen des, eferrnien Wurden von allen Mit- gliedern der Versammlung getheilt. Auch machie ein Mitglied noch darauf aufmerkiam, daß die Bauern bei ihrer Erhebung zu Erb- pächtern in _ihrcn Kontrakten auSdrücklich auf Eriaß Wegen Wild- schadens verzichtet und daher zu ihrer BeschWerdefüyrnng gar kein Recht hätten.

Celverbe und Handel.

In der Generalvetsammlung der Aktionäre dEr Berliner Lombard-Bank in Liq. vom 15 d. M. wurden die Bilanz per 111111110 Juni cr. vorgelegt und sämmtliche von dem Auifichtöratl) und der LiquidationS-Kommrssion gestellten Anträge genehmigt.

_ Dic Heringe fin'ren sicb in diesem Jahre spärlich ein; der diesjährige Fang an 511 Westküste von Schottland war der ärmste, der je da geWeien ist. Der Totalerirag von 800 Booten stellte sich nur auf 4500 Kraus gegen 31,000 Kraus im vorigen Jahre.

_ Den; ofüzirüen ?lusweis über die Einnahmen der Italie- nischen Gesellschaft für die cointeressirte TabakSregie im ersten Semester 1876 entnehmen wir nach der „B. Vör1.-ng.' verglrichßweise mit derselben Periode des Vorjahres die nachstehenden

(( ti ern: H upzff 1876 gegen 1875

Lire Lire 10,088,661_ 87,111 10,542,226 +1,207_549 März. 11,353,825 + 592,807 April. . . . 10,802,475+ 226,101 Mai . . . . 11.508,923+ 512.029 Juni . . . . 10,886,082 1- 430.009 Totiale . 65,182„192 +2,881,384 Sorroöl in den Einnahmen pro 1876, als in jenen des Vor- jahres ift das Erträgmß der mit Königlichem Dekrex vom _14. Ja- nuar1875 eingeführten Regierungs-Uebertaxe von einem Lire pro Kilogramm gewisser Tabaksforten einbegriffen-

- Die „New-Y ork er Hdl.-Ztg.“ giebt in iHrem vom Juni da- tirten Wochenbericht_ folgende Uebersicht , über die Geschasislage: Mit Beginn der Außzahlung drr Juli-Div:denden hai der Geld- stand dic frü ere Abundan in ungeschwäcvtem Maße wiedergewonnen. Durchschnitts- aten fiir (:

Januar . Februar .

103115 gegen Depot gemischter Sekurilßten stellten fich 11 2z_30/0, egen Hinterlegung von Bundxs-Obltga- tionen nicht über 20 0. m Goldmarkt dieser Vertrhtswoche, welche auf vier Geschäftstage reduzirt war, ist es der „Hauffe nicht gelungen, ihren Standpunkt zu „h_ehaupten. „Da dee Lon- doner Notirnngen zeigten, das; die europatfchen Börsen sich durch die neueste Phaje der orientalischen Frage nicht befynders beunruhigt fühlten, mußte der Goldroom dieselbe Auffasiung tbe11e_n- _An sonstigen Faktoren, welche einen Avanz des AgtoS-hatten bxgunsixgen können, fehlte es gänzlich. Untxr so1chen Umständen zog es em großer Tbeidder Hausss-Spekulation vor, sich seines Vorratbs zu entledigen, 1000 einen Rückgang des Goldagios von 1225-1775, "11111121/8 als heuttgee Schlußnoiirung zur Folge hatte. -_- Fur sekundi te ;Honds zahlte das Schaßamt 71,700 Doll. aus, fur faslltge Zinsen „560,000 Drü._ Die durch die dreitägige Säkular-Feter des „Vierten Juli“ im Waaren- und Produktengrichäfte erzeugte Stille hielt in den meisten Bramhen bis Schluß der Woche an. In Brodstoffeix machte sich erst heute zu den reduzirten PtciSforderungen „0101113 r'ößere Lebhaftigkeitbe1ne_rkbar. Baumwollk verfolgt: w-küchende endenz, die in e__111chm Rmxgange von FC. zvm LlUSdruck gelangte; seit Beginn der (Haison 518 dato betrugen die anuhren m sämmt- lichen Häfen der_ Union 4.068,9„43 Ballen gegm 3,443,183 Ballen in der ParaÜel-Perxode voriger Saison. Wegeq, “oer Judikäumxfejer war die' Petroleumborke bis Mittwoch gc„*,ch1osien; seitdem haben die ruhigeren Markt anwenden Bench];e aus Europa, sowie die fem Haltung Der ccsten Hand kerne. 111111111111. in raifinirtem,P;11'ol(-um “UWMMM 1611er! nn? sm!) am Schluß Preise zivar fest, 161190) mehr

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