1876 / 171 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 22 Jul 1876 18:00:01 GMT) scan diff

.. „beibeiligen,

Zwischen den Behauptungen der türkischen Behörden, das; trotz der sLrbiiÖM Juvaixon die _bulgarische Bewegung ins Stocken gyraiben fei,_ und dxtz sexbiscben Angaben, daß ganz Bulgarien im Aufstandk__se1,_ M11ß die rechte Mitte gesunken werden. Ungeaéhtet der Unzulanglicbkeit dxrsxrbtscben Macht amTimok ist es doch Thai- facbe, daß _es mi Widixmer Sandicbaxate genug Aufständische giebt. Da aber; die_ serbische Ttmok-Armee mit ihrem Gros über die Grenze m_cbi wett hinauskaxn, so konnte eine Vereinigung der Jnsurgenten mit denSerbcn nicht i_tattfinden.- Nur die Bevölkerung -der am O_onau-Ufer gelegenen_Doxfer gewann mit der Avantgarde Leschjanins Fublung. Daher belauft *sich die Zahl der zu Lescbjanin gestoßenen _Jniurgenicn _kaum_ auf 2000 Mann, während wohl gegen 3000 Bulgayen im Ruckxn die bei Velikixszor stehenden Türkin von Belgrndzik aus bxunrubxgxn. Auch von Wratscha aus bebrokt eine größere bulga- rische Jniurgxntenichgar bie Stellung O5man Michas. _ Dre großetz Stadte 111 Bulgarien, wie Rastschk, Varna, Phi- ltvyopel, _Sopbta, Schumla 2c., verhielten sich bis jetzt ziemlich ruhig. Seit wenigen Tagen abe; gährt es auch in éviesen Ceniren der tüx- kii en Macht. Die Regierung kann fich nicbt anders als dmch zahl- rei e Vexbafiungen Helieki. Bei Schumla find gleichfalls einige bundext Jniurgenteti, Die türkischen Verwaiiungöbeamten können es mcbt mehr riskiien, sich ohne Bedcckimg aufs flache Land zu begebxx. Den rößten Succurs aus Bulgarien ixaben dre Serben unter T?Mrnajeff erhalten. Der größte Theil kam aus der_Sucha-Planina, einem Plateau südlich von Nifcb dessen Einwohner_iammtlicb zu den Waffen gegriffen haben. Pbiiippopel imd Sopbtqbaben starke Garnisonen erhalten. Die dünn gesäete L?Hdatmedamsbe Bevölkerung des flachen Landes flüchtet in die

a e.

-- Aus Sera1ewo, 15. Juli, erhält dieselbe Korrespon- denz folgende Meldungen: 5:3“; ,x“ "i". ...;

Hier wird eine große Thätigkeit entwickelt. Man Verschanzi die Stadt in Einem Weiten Umkreis; und befestigt den nahen Berg, der dieStadi wie die großeEbenermgsherum beherrfcht. Waffen und Mu- miton giebt es genug, aber an Proviant dürfte sich in der kürzesten Zeit ein

Mangel fuhlbar machen. Die hiesigen Einwohner haben keine Vorräthe. Der General-Gouberncur hat die reichm Kaufleute uxn Vorschüsse angegangen. Er verlangte von der Hauptstadt 10,000 Livres. Es heißt, daß aus Konstantinopel Vorrätbe gebracht Werden sollen. Moukytar Pascha, der hier mit der Organifirunq der Redifs bxscbaftigt War, gebt morgen nach Mostar ab, um die Vertheidigung

_ drxses P(aßes zu ubernebmcn. In Mostar werden ibm im Ganzen bei 9000 Mann, daruntxr 3000 Redifs und 2500 arnautische Baschi- bozuks, zur Verfügung stehen,

__ Der „Pol. Corr.“ gehen aus Ragus a unter dem 20. Juli 11. A. folgende Nachrichten zu:

An _dcr morxtenegriniscb - albanesiscben Grenze stehen die Dinge 1eit _dem leßtexi größeren Gefechie zwischen Meduw und Podgomzza so ziemlich auf demselben Punkte. Deß zwiixben den genannicn Punkten gelegenen vier siark be- festigicn 111rkischen Blockhäuser wurden von dcn betreffyndexi (Harni- soxien, zu Welchen die_bewaffn€te mnbamedanifckye Bevöikerung dcs Distrikteswon Podgorizza und der Malisoren gestoßen war, in dir Geiammtiiärke von 8000 Mann mit 8 Geschützen vertheidigt. Nack;- d_em_ der Kampf am 17. den gcznzen Tag aedaneri batte, ließen die turkiscben Vesaßungsiruppen die vier bei Ortjcvo oberhalb Doljani, dann o_ber- und unterhalb Stubica gelegencn Blockhänser gcgen _ bend i_m Stiche und _Zygen fick) gegen Podgorizza zurück. Auf dem sluchtartigen _Ruckzuge risxcn sie auch diegefammien irregulären Hülfs- trUpp-Zn init sich fort, Noch m der Nacht beskßtcn die Montenogrmer dre verlasskxien Blockhäuser, beeilien sich aber am dgrauf folgenden Taue, die1elben vom Grunde aus zu zerstören und mederzubrennen- Seitdem ist die Vetbindung zwischen Podgorizza und beun vollständig untxrbrocben. Der montwegriniiäxn Erme- ruzig gingen aber schon 111 der verflossenen Woche einige deftige Kampfe voraus, bei welcbkn dec krieaexiscbe Stamm der türkischon Maliwrcn in der Stärke von 5- bis 6000 Mann die Offknswe g-gen den mii km Montenegrincrn verbündeten Stamm der Kucci ergriff. Die ganz.? Aktion War mit einem Theile regulärer türkischer Truppen aus dem Lager von Podgorixza kombinirt. Letztere soiiien nämlich

ienegrinern, Welche mittlerweile durcb ein Bataillon des Gubotinier Bezirkes und eine andexe, 300 Mann starke Schaar verstärkt worden waren, gefcbiagen. L_)ie roguläreu türkischen Truppen Wurden bis in Podgortzza _zinuckgeworfexi und die Malisoren von den durch tarke moytenegrzmscbe T_lbibetlungen verstärkten Kuccianern bis zum Kakarxtengxbtrge jxnseits Podgorizza verfolgt. Die Monteuegriner verloren nach ihren etaeuen Angaben 30 Todte und über 120 Ver- ivundete, wogegen der Verlust der Türken und Malisoren mindesten! 300 Todte uiid Verwundete beträai _ Vom Kriegssthauplaße in der Herzegowina verlauieibeute, daß m Folge der Zusamwenziebung starker türkischer Streitkräfte oberhalb Mostaxs und des Widerstandes, welchen die Montenegriner bei den Vlockhausxni vor Nevesinie und Metochia sinken, die Gefabr eines monKnegrmrsch-sy Angriffes aui Mostar voriäufig beseitigt sei.

In T(ebinxe wird AÜes für einen feindlichen Angriff vor- bexettet. D__te dortige Garnison Wurde durch zivei Batailioue aus Bielek verstarkt.

_Nußland und Polen. Aus St. Petersburg, 17. Juli, wird der „Allg. Ztg.“ telegraphiri: „Die großen Manö- ver der in Südrußland um Kiew zusammengezogenen Lager- truppen _finden auf Kaiserlichen Befehl vom 15. 1). “nicht statt. Tre Gesammiziffer der in diesem Jahre für Armee und Flotte auszubebenden ErgänzungSmannschasten ist auf 196,000 Mann festgeseht gegen 220,000 im vorigen Jahre.

Amerika. Aus Washington wird unterm 19. ds. per Kabel gemeldet: Das Armeebudget hat beide Häuser des Kongresses pasftrt. Es zeigt eine Reduktion von nahezu 2,000,000 Dollars im Vergleick) mit dem im vorigen Jahre votirten Betrage.

_ Der „New-York Herald“ behandelt die Frage, ob zinier dem aligemeinen Jubel über den Fortschritt der Ver- inigtenStaaten in allen materiellen Dingen irgend GM_nd sei zu dem „weithin verbreiteten Gefühl, die Bürger der eron _hatten in moraiischen Eigenschaften, durch die eine Patton erst wahrhaft groß wird, nachgelassen.“ Wenn dem so ware, so würde nach der AuSeinanderseßung des „Herald“ wemxz Grund zur Freude sein, insofern ein Verfall von Männ- lichkeit, Tugend, Vaterlandsliebe und Anhängl'ichkeit an freien Einrichtungen ein Uebel sein würde, das kein Fortschritt in phy- fi1chem Woblsein gut mackzen könmte. Dennoch kommt nach sorgsamer Ueberlegung des Gegenstandes das Blait zu dem Schlusse, das Land sei nicht in einem Zustande mora- lisxhen Pexsaües und seine Bürger nicht „entartete Sohne wurdtger Herren.“ Gewiß seien jüngft Beispiele amt- ltcher_Korruption vorgekommen; in Anbetracht aber, daß die Vereinigten Staaten 80,000 öffeniiickze Beamte befißen, beweise

ganzen__ öffentlichen Dienstes oder die Entartung der großen Masse der Burger. _Der „Heraid“ erwähnt einige Beispiele nationaler Tugctiden, die zeigen, daß die Amerikcmer von 1776 keinen moralisckxen Vortheil vor der gegenwäriigen Generation hätten und _erklart, dieses Verzeichnis; könnte [Licht au9gedehnt werden. Uebrigens giebt er zu, daß im offizielicii Leben einige Reformen nothwendig seien.

Mexiko. (91. A. C.) Der am 5. Juli in Havanna ein- geirqffetie Dampfer „City of Havana“ überbrachte bis zum 28. Juni reichende Nachrichten aus der Hauplsiadt Mexiko. Zwischen den Regierizngßtruppen und den Revolutionäre-n haben keine weiteren Wichtigen Gefechte stattgefunden, da leßtere jeden Zusam- mxxisibß zu vermeiden suchen und die eingetretene Regenzeit mr_[itcmsche Operationen verhindert. Kleinere, unbedeutende Schar- wußel fielen zu Gunsten der Regierung aus. _ Für die Prä- stdentenwahl, deren Urwahlen auf den 9. Juli angesetzt sind,

mich dem Angriffe der Malisoren auf die .Kuccianer dsn Mont-ne- gri_n_ern, wclche hinter der Moraca an der Grenze gcgen Doiiane p_oittri i_varen und voraussichtlich den bidrängten Kuccianern zu Hülfe eiien wurden, in den Rücken faiien. Dia Kombination scheite1te edocb an der außerordentlichcn Wachsamkeit der montenegriniscben oxvosten, welchen Das im Zuge befindliche Manöve; nicht ent- gangen War.

Die monieuegrinischen Abibeilungkanführer irafen sofort die Ubibwendiaen Gefechtßdi§vosiiionem um die von Podgorizxa im An- rucke_n_ befindlichen Nizams mit Ungestüm anzugreifen. Die mont.“- uegrmiscben Steuungen Waren solche, daß auf eine ficbere- Nieder- lage der Türken gerechnet Werden konnte. Das Gefecht nahm _„aleaid seinen Anfang und wurden die Türken von Den Mon-

Verlin, „den 22. Juli 1876.

_ Ueber die Bedcyiung des Ausdruckes „Hohe Pforte“ cntnehmen W1r_den1 Buche „S_itienbiider aus dem Morgenlande“ von Prox. Hermann Vambéry folgende Mittheilungen:

_ther der Hoben_Pforte, Bab Ali, verstebt der heutige Türke fo- wobl die Gesammiheit der höchsten Würdenträger im ottomanischen Reiche, als auch Ten Ort, _wo diese zu ihren Beraihungen zusammen- kbmmen. Von jeher alt mx Orient, im Gegensaize zum Abcndlande, die_ Pforie_oder das . hot fur den Herrnplaß des Hauses. Aus dieser Sitte erkiart es sicb, weshalb wir im Türkischen das Wort ,Pforte“ mii Gericbishof odkr Refidenz eines hohex Mamten idéntificirt sitzbeU. Wie man in Pe17swn schon vor der Zeit der Sefevitm mit dem 'AYdeuck „L!1i_Kavi' den Sitz der höheren Beamibn bezeich- n-aje, so _mxi „Y_fortx" m “der_Türkei. Nicht nur jedc Hauptstadt, sondern 1ede_r SW eiiies Provmzial-Guberniums hat einen .Kapi“, upd ivennzileicb europariebe Neuerungen heute dieb alte Wort durch die Beßetchtxungen: Ministeriym, Tribunal u. s. w. zu verdrängen suchen, ,o Wixd es doch den Turken und anderen Völkern Asiens schwer fallen, _ficb fur einen bohen Ge1ichtsbof ode; ein sonstiges böberes Amt einer anderen Benennung zu bedienen als Kapi, oder Bab: Pforte. Unter den_ Liusdrücken: „Festes Thor“ oder „Hohes Thor“ versteht man ix_ie Verschiedene Stellung und Befugnis; der betreffenden Beyorden. Die Minister werden in Folge ihres Amtes „Erktam - Dewlei“, Säulen der Regierung genannt. Ani ihnen lastet _das Amt der Staatsregierung und der an ihrer Spaße Stehende fuhrt den Namen „Vezir“, d. h. Lastträger. Die Pforte, in der Volkswrache „Pascha .Kaxisi“ genannt, umfaßt bmi- Itage folgende Aemier: 1) Den SW des Gro veziers und seiner

ureaus, 2) das Ministerium des Aeußern mit einem Sekretariaie und dem-Ueberseßungsbureau, 3) das 1119450111181 117813, oder den aller- höchsten Staatsratk), an dem sich die Chefs der verschiedenen Ministerien 4) das 1118680111151 abkiams aäijs, oder den Rath des obersten Gerichtshofes, zugleich das Ministerium des Innern und der Justiz, mit der Befugniß, die Gouverneure und die subalternen Osftztxre zu _ernennen und abzusetzen, 5) das 41116411 äjmmj Kuwazum, em Bureau, das in direkter Verbindung mit der PrivatkanZlei des Sultans und der Pforte steht. Die übri- gen .Dica ierten der Verwaltun„ als: Ministerium der Polizei, der Finanzen, des Handels, des rie es, der Marine, des Unierri ts. de_s Wakfs (fromme Stiftungen) n. . w. nd in verschiedenen c- baudexi untergebracht und die betreffendenC efs begeben sicb nur dann auf dieYobeP orie, Wenn das Aufgebot des 1116656111181 Maia sie zu einer Wi_ tigen eraibgng ladet. Außer diefen giebt es noch einige mcht_str1ki hierher gehorrgeYemier: das Bureau der vier verschiedenen Reiigionsgeiellschafien, uamluh der Katholiken, unirien und nicht umrteu ©1121?th und Judxn, _das Bureau des Ceremonienmeifters u_nd des Ankern ers d_er Kaiserltchm Unterschriften (Tugra) und schließ- lich sogar eme taailtcbe Schule und Bibliothek zum Unterricbte im Französischen, die ebenso wie das Ueber1eßuag5bureau zum Ministerium

von aelblicheu die Vetsch

ift Pxäsident Lerdo bis jeßt der einzige Kandidat, doch bemühen fick; die" Revolutionäre, die Abhaltung der Wahlen zu stören, und durfte in der Mehrheit der Distrikte eine konstitutionelle Wahl nicht zu Stande kommen. Die Revolutionären behaupten, die Wiedererwählung Lerdo's werde sicher dessen Sturz herbei- fuhren. -- Genera! Santa Anna ifi am 20. Juni im Alter von 84 Jahren gestorben.

Hayti. (A. A. C.) Der Gesandte von Hayii in Washington hat offizielle Depeschen aus Port-au-Prince vom 1. Juli erhalten, daß General Boiswnd Canal vom 24. o. Mis. Besiß von Cape Hayti genommen. General Alexis Nord hatte daselbst am 14. v. Mis. rechirt, mii dem Plan,

trifft, so nimmt bci ber Civilbkhörde den höchsten Rang der Muscbix, Marsciyaklern;ibmgcztemtderTiic-l „Dewleti“, d.h.der Glückselige. Ein Muschrr p_flegi sich auf das Amt in einer europäischen Cquipage 3»; begeben; ist ar (_Hcoßvezier, so begleiten ihn zwei Offiziere aus der Armee _und zwei Kawassen (Polizeimänuer) zu Pferde, außerdem: iolge_n 1hm_ um 0er zwei Diener und der ebenfalis berittene“ T_stbibukisihl; Musch1re giebt es auch im Miitärstmde, doch sieben diZse Weit [)micr deu Ersteren zurück, da hier sowohl ihre Anzahl großex, als auch der Gehalt geringer ist. Die dem Muscbir nächst- stehenoq Beamten-Hiexarchie ist dix Nütbe-i-Bala (Hoher Rang), die m zivei Klaffen zerfaklt. Ihr Titel ist Utufetli (halbvoll). Ihr folgen: Rutbe_-i-U!_a. ebenfalls zwei Klaffen umfassend, mit dem Titel Seadeilti (ginckseltg), ferner Muiemajjiz oder Rüibe-i-Sanie, ein Rang, m den; die meisten Bureau-Chefö sieben und der mit Jizetlu _ Efenbim (mein hcxriicver Herr) betitelt wird; dann die zweite F“»;iasse der (Hanie, denen ebenfaas rer Titel Izzetlu Efendi zukommt. Hieran schließen fich die Rang- orbnmxgen der Unteri-Zamien: Rütbc-i-Salise (dritte Klasse), die mit Rifatlu _(der Crhohtez und Rüibe-iRabie (vierte Klasse) die Mik FUÜUWLM (der_ Edélmuibiae titlklil't wird; den miv0r€§ anijum der Beamtenwelt ifi der_Tiie Hamijeili (der Eifrige) zuorkqnnt. Uuter dxn Kulinöbeamien ist der _höchste der Scheich ul Islam, ihm folgen die Subur_s_ und-d1e fünf Verschiedenkn Pajes (Grade) von Stambul, dex: heiligen Städten, vom Bilade Arbaa, von Rumeli und Anatoli. Die Stellung der Militärs in de: Beamten-Hierarchie ist zumeist in dem Range der Offiziere außgedrückt, Cs giebt in der Arxnee Muschire in großer Anzabl; selbst Paschas, Divisions- und thgade-Eenerale stehen in ihrem Range unter manchem Efendi der walbehorde._ Ueber die Bezeichnung Pasha :| zu erwäh- ne_n, daß dieser sowohl Civilbeamien wie Militärs verliehene Titel unter den_ Ersteren nur den Muscbiren und Muteßartifs (Gouverneure zweiten Ranges) der Probmzen, auch wenn sie ihrem Rgnge nach nur Muiemajjis find, zusteht; bei Militärbehörden 'edoä) wird er _jedem Offizier vom Ober'en aufwärts ertbeilt. Auf- ascba folgte fruher dxr Titel Bey, den uropäer irriger Weise den Fürsten beilegen, wie dies in alten Zeiten allerdin s Sitte war. Heute folßt auf den Pascha: Efendi, Herr, und auf E Mdi: Aga. Unier Efendi versteht man im gewöhnlichen Leben einen Schriftkundigen, in der Beamtenwixlt oft eine ganz hochgestellte erfon, ja selbst Königliche Prinzen hängen ihrem Namen nur der: Ti el Efendi an.

:: eiiiem Schreiben auß Paracin vom 8. d. schildert der

._Koirepoudent des „Temps' die Befestigungen von Deligrad

folgendermaßen :

Nachdem xvir einen steilen Abhang überstiegen batten, versenkten

wir unsere Blicke in_das wunderbare Thal der bulgarischen Morawa,

welche wir eunZe Zett später auf einer Séhiffbrücke überfeßten. Drei inien gekrönte Erhöhungen zeigen sich uns, es sind

auzungen von Deligrad. Im Hintergrunde der

des Aeußem ressoriireu. Was die verschiedenen Beamtenklaffen be-

Landschaft gewahrt man Aleks inac.

die Korruption „eines Dußends oder 50“ nicht den Verfall des

eine Jöderal-Union hexzuftellen, welche aus den fünf Provinzen der Insel als zmabhangigen Staaten bestehen sollte. General Rord_ hat ßxh m em fremdes Konsulat geisüchtet, von wo aus man ihm freien _Abzug aus dem Lande geé'iatten wird.

__ St. O_omingb. (A. A. C.) Westmdische Blätter ver- offentlichen emen BULf aus Cape Hayli vom 29. Juni, wonach die von Gonzales proklamirte Revolution in St. Domingo troß der_ Anßrengungen der Regierung zu deren Unterdrückung Foxtsclxrttte _machi. Man glaubte allgemein, Gonzales würde schließlich trmmphtrxn. Nach anderen Berichten aus St. Domingo wurde Geverax Villaneuva, der frühere Kriegs-Minisier, auf Befehl der Behorden von St. Domingo an Bord des Vereinigten Siggten Dampfer_s_„beec“ verhaftet und troH des Protestes Seitens des Kapitalis, sowie des gerade anwesenden ameri- ka1__13s__?_e_n Konsuls gewaltsam von Bord des Schiffes weg- ge u

_ _ Land: und Forstlvirthskhaft.

Zux Forderung] des Hopfenbaues und namentlick) um eine sorgfalttgere Behanblung des Hopfens beim Pflücken, Trocknen und Verpacken h_erberzufuhren, wird auf Veranlassuna des landwirihichaft- iichen §Y_rovmziaiverems für Posen am 21. und 22. September 1). I'. im Schußenhauye zu Neuiomischel eine mit Prämienvertheiluug verbundene Hopfenaussteliung veranstaltet werden.

(Helverbe und Handel.

Auf die Aktien der Berliner Bank in Liqu. gelangt nunmehx eme fernexe Abschlagszahlung von 124% oder 123 Thlr. p_ro Aktie zur Veriheilung. Durch diese fernere Zahlung erhöht sicb dre Sumgve ber btöhsr den Aktionären zurückJewäbrten Beträge? auf 82Z % fur d1_e alten Aktien und 22z % fur die mit 40% einge- zahlten Interrmsscbeinc der neuen Aktien-Emiffion.

_ Der Ecöffnungöiermin für die Vahustreck: Marieinburg- DeutfÖ-Eylau der Danzig-Mlawkaer Eisenbahn ist auf den 1. August 1). J. bestimmt fesigefcßi. Die BahnberWaltuna wird voii da ab so_w-Zbi Personen als Güter auf dieser Strecke befördkrn. Die landespolizeiliÖeAbnahme derselben soil am 22. d. M. stattfinden.

_- Jn dem Konkurse der Norddeutschen Papier-Fabrik- Akirengefsllsckmfb (Direktion und Fabrik in Cöslin? stand ßestcrn vor dem Kommrffac des Konkurses, Stadtgericbts-Ratk) Pfeil, der erste_Termin an. Der einsiwyilige Vermalier der Masse, Kauf- mann Ste_g, ivurde als solcher bestätigt und ihm zur Seiie 3 Ver- WaltungSratbe erwähit. Dem Vortrage des Verwaliers ist zu ent- nebmen, das; 69 0/0 fur die Glägbiger nach Abzug der bevorreäxtigten Forderungen zu der Masse liegen.. die Aktiva beziffern fich auf 900,600 34, die Passiva auf 1,302,375 „M Beföhlosien wurbe, alla- apgefananen Arbeiten und Vorräthe iu Cösün aufzuarbeiten und die Vorrczthein den Niederlagen Königßberg, Hexmburg. Hannovex. und Berlin bis zur Räumung derselben in geWobnter Weise Weiier zu verkaufen.

_ _ Um vielfachen Anfragen zu begegnen, theilen wir hierdurch mit, daß die Gewinnliste der Floralotterie zwar im „R.- u. St.-A.“ veröffentlicht werden wird, jedoch erst, wenn die Zusammen- sieÜung Der Liste erfolgt sein wird. ka Vernehmen nach ist dir Vorstag?) _der Gefeüsxbafi mit dieser Arbeit bereits beschäftigt. Konigsberg 1; Pr., 18. Juli. Während des dießjähxigm _W 011an rkts sind im Afckxlwf 448 Gtr., in der Vorderwaage 330 Gtr., m _der Mitieiwaage 908 Civ, in dbx Hinterwaage 810 Gtr., durék) das Wiegeamt 10,864 Sir., in Privat:"peicbern ca. 3640 Str., in Summa 17,000 (Eik. Wolle gewogen, deren Durchschnittspreis zu 106 Pfd. sich fur _dlc Kammwolis auf 52-58-1-4, feine Tuchwvlle auf 56-62 „16, qewöhnlicbe Tuchwoue 51-56M herauégesieklt bat. Circa 1000 Ctr. sin__d__ _1_vegen rnißlungenkr Wäsck)? und geringer Qualität unvexkauft ge 1? en.

"- Dic HalberstadT-Vlankenburg er Eisenbahn bai 1875: 137,781 „14 vrrsimmbmt und incl. Verzinsung der Prioritäts- guictbe mit 3351 94128953 „M verausgabt, also einen Betrieb;?- uberscbuf; von 8827 «16. erzielt. Derselbe Wurde mit 8356 „44 zur Bedeckung des 1874er Bktkiék'SVLklUstkS und mit 470 «4; als Vortrag aui, neue Reckznung verwendet, Das Grundkapital besteht aus 1,200,000 „ck Stammaktien, 1,200,000 «ju Stammprioriiäten und 300.000 „16 Prioritätöebligaiionen.

- In der außerordentlicbcn Generalveriammluna der Weimar- Geraer Ciscnbahn-Gefeilschafi wurde der Antrag auf Kon- trabirung ciner schWebcnden Sebald in Höhe von 600,000-74 einstim-

mir„ genshmigt.

Verkehrs-Anftalten. New-York, 21.. Juli. Das Postdampfsiiziff des Nordd. Lloyd „Neckar“, Kapt. W. Wiuigerod, welches am 8. Juli Von Bremen und am 11. Juli von SoutHamvion abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen,

Von Deligrad aus hat Fürst Milan seine Kriegßproklamation vom 30. Juni veröffentlicht. Der Name ist berühmt in der G9- scbichie der Kämp_fe_ um die serbiiche Unabhängigkeit. Im Jahre 1806 hielt Peter Dobrtntak in dem Fort Deligrad eine iecbömouatlicbe Be- lagerung durch die Türken aus. Der WojWode Miloje fanb doit 1809, nach der Niederlage der Serben bei Risch, eine Zuflucht. Im Jahre 1810 vertheidigte sick) daselbst Vujica auf das Tapfersie gegen das Corps Kurichid Paicbas.

Das alte Fort vorfixi in Ruinkn; man_ hatte_ sogar die Steine davon abgetragen, um damit ite neue Straße nach ?ileksinac zu bauen. Ganz in neuester Zeit haben_ die Serben in Deligrad wichtige, durch die strategischep Vortheile dieser Pofition gebotene Arbeiten (111996- fübrt. Die Linien von_ Diligrad wxrdcn im_FaÜe einer entscheidenden Nikdetlage_beftimmt se11_1, den Rückzug der 1exbischen Armee zu decken uiid diy Tyrien zu berhmdern, dem Lauf der MoraWa entlang vorzu- rxick-n. D"]? tritt in der That ein Wenig weiter unten in die Defileen em; D_e11grad ist der Schlüssel zu diesem engen Thor. Weiier oben, in der Richtung nach Aleksinac nämlich, erweitert sich das Morawaihal bedeuieyd, um sich bald darauf wieder zu verengen, so daß eme Art Kreis gebildet wird; dieses ganze Bassin kann durch die Kanonen von Deliqrad bestrichen Werden. Die drei Werkc- nel)- nzen auf dem rechten Ufer der Morawa drei gui gewählte“ Höhen em; ohne Zweifel könnte man fie von den nahe _gelegmen Bergen be- her_rschen; aber auf die bestimmten Punkte Stucke von einer Trag- weite zu schaffen, die ausrcichend wäre, um durch ein _vernicbtendes Feuer die Batterien von Deligrad zum Schweigen zu bringen, wäre eine schwierige Operation.

Diese Reöoutcn find in Erde aufgeworfen und sehr rkgelmäßig gebaut. Sie: schienen uns verlassen zu ein. Man bemerkte 5106 einen Waciiipostcn neben einem Schilderl) aschen. _ Nicht Eine Ka- none streckte ihre Mündung durcb irgend, eine Schlkßscharte hervor. Man hatte uns gesagt, daß die Artiaerie der Fotis zu Zwecken der Belagerung vor Nisck) geichaffi worden sei. Das zxtgt auf jeden Fall an, daß die serbische Armee fiir den Augenblick (m_kemen Rückzug denkt. Eine Unmafse von Vaumen ist bei Deltgxad gefällt worden, und der Boden ist in großer Außdehnung von Stammen und Aesieu bedeckt, mii Hülfe deren man im Notbfglie die Straße ungangbar macbxn könnte. Wir bemerkte!) auch einige Tranchéeu mit Brust- wehren am Eingang der Defilsen.

Basel, 21. Juli. (W. T. B.) Iii dem Dorfe Albeuve im Kanton Freiburg bat gesiern_Na_chm1tiag eine große Feuers- brunst gewüthet, durcb Welche _m einer Stunde über 100 Gebäude in Asche gelegt worden sind. Die Veivobner sind obdachlos. Zwei Personen sivd in dem Brande erstickt. B [. _ Redacieur: F. Previn.

er M' Verlag der Expeditiowiökeisei). Druck: W. ElSner.

Vier Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage).

Außerdem eine Extra-Veilage „an DeSinsektion“.

*" Zur Fragestellung über Staat und Kirche.

eine RechiSJeftaltung und ihre Geitung voraus.

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

„“i-““: 171-

Staat und'Kirch'e. )(71. (Vgl. Nr. 168 d. B1.) Eine

Stimme aus dem Jahre 1858. Berlin, 1876.

Die oben enannte Schrift enthält dem Vorwort zufolge einen bereits iZ! Jahre 1858 veröffentlichten _Aufsay. Derselbe sollte, in einer wenig bekannten deutsche_n Zettxchrift_ erschienxtz, die Einleitung bilden zu einer nacher nicht veroffentlichteix Krittk des österreichischen Konkordats von 1855 und des wurttem- bergischen von 1857. Der HerauSgeber glaubt, daß der s. 3. wenig beachtete und jth bereits vergeffene Auffach Manches ent- halte, das für den kirchlickgen Kampf der Gegenwart vczn _Be- lang sei, namentlich angesichts des neuerdmgß_ von rotznsch- katholischer Seite vorgeschlagenen Weges, zum Frieden zw:schen Staat und Kirche zu gelangen. _ _

Wie wir annehmen müffen, ift mri dieser Stxlle bes Yor- wories die _in dem Auffaß enthaltene Ausstxhrung uber die, rechtliche Bedeutung der Vereinvcnungen zrmschen Stqat und römischer Kirche, die man Konkordate nennt,_ vorzugsweise gemeint. In der That ift diese Ausführung welt_aus da_s Be- deutendfte in der ganzen Schrift. Wir geben dieselbe m der Kürze wieder: _ _ _

Der Vertrag ist" ein «Rechtsgefehaft und seßt folglich

Welches ist das Recht, auf dessen Boden Verträge zwis_chen Stqat und „Kirche geschlossen werden? Es darf allerdings nicht be- hauptet werden, daß ein Konkorbat sch_on deshalb un- wirksam sei, weik der höhere Richter _uber Sxtgat und Kirche fehlt. Derselbe fehlt auch ber den volkerrecht- lichen Verträgen, und doch giebt es anerkanntermaßen iolckze und ihre Verleßung ift unzweifelhaft eine Rechtsberleßung. Dies hat d'arin seinen Grund, das; völkerrechtliche Pakts e_mf Ginny posi- tiven Völkerxechts geschlossen werden, das,_w1ewoh1 ketxi be- stimmtes Tribunal iiber Staaten vorhanden ist, dentiock] die Be- deutung einer Rechts:)rdnung hat, an welcher alle theilnehwendezi Staaien gemeinschaftlich interessirt sind. Wo abex ist die Rechtöordnung, deren Regeln maßgebeiid sind_ fur "Staat und Kirche und vermöge deren die Uxberemkunft eines S_taates mit der römifckzsn Kirche jenen wie d1e_fe bindet_ bei aufhorxnder thats äch1icher Uebereinftimmung? Für dre abendlapdische CH_rißen- heit des Mittelalters war eine solche Ordnung in dem rom1s_ch- kanonischen Recht gegeben. Seitdem dieses Recht _aber aufgehort hat, die gemeinsame Regel der chrisilichen Nationen zu sein, seitdem beansprucht der Papst mcht mehr, das_z Eine Haupt der Christenheit zu sein," sondbrn die Befugmße der beiden Häupter der chriftlich-mitielalterltchen Staajeiigememsxixaft zu vereinigen. Der Papst will, wie unser Aufsaß dixs (zusvruckt, nach modern-römischer Theorie, wonach schqn Bonifacius 17111. die Hand ausstreckte, zugleich der Cäsar sem. Als nach dem zweiten Pariser Frieden der deutsche Bund _ins* _Leben trat, protestirte hiergegen der Kardinal Consalvt, wet[_ _das

, heilige römische Reick) nicht wieder hergestelit _worden, „901100an 111-th18 oenii'umjurs babjtum ei 1'811Z'101118 Zaucntuts 00115801:3t13m,“ Nac!) modern römischer Theorie ist die BafiS_ der chrißltchxn Recht6ordnung dieselbe geblieben, wie in) Mittelalter, namlich das römisch : kanonische Recht, iiur Mit de_m Wegfall ber Institution des Kaisers. Auf diesem Boden gieizt es gar keine Staaten, welche selbständige Rbchissubjekte gegenuber dem Hauyt der Chriftenheit bilden können, Auf diesem Boden fi_nd_ dte Konkordate nur Anweisungen, nur Vollziehurigewder geistlichen Regentenpflicht. - Stellt man sich nun fur die Theorie der Konkordate auf den ganz entgegengeseßien Standpunkt, Ziacl; welcher jeder Staat in seinen Grenzen das höchste und ursprung- lich alleinige Rechtssubjekt bildet, so find die Konkordat: nur Vollziehungen politischer Regentenpflicbten. _ _ Als zweiseitige Verträge smd die Konkordate unmoglich

auf dem Boden des römisch-kanoniscben Rechts, denn_ dieses erkennt den Staat nicht als ursprüngliches Rechtssubjekt an. Ebenso unmöglich aber auf dem Boden des _StqatSreckUs, denn von diesem wird die Kirche nicht als ursprungbches vom Staa? unabhängiges Rechtsiubjekt anerkannt. _ Die vorliegende Schrift führt nun weiter aUS, wie um der

eben geschilderien Verlegenheii zu entgehen, der Atisweg er- griffen worden ist, die Konkordate als völkerrechtliche ertrage e_iufzu- faffen, welche der Papst als Souverän eines weltlichen Jursten- thums- mit andern Souveräuen geschioffenbabe. Es 1eu_chtet jedoch auf den ersten Blick ein, wie unhaltbar diese the_brettsche Auskunft ift - ganz abgesehen von der Säkularisation des Kirazenitaats, w:lche seither stattgefunden hat. Die Konkord_ate sind alies Andere eher, als Vemäge weltlicher Souverane über Beziehungen weltlicher Staaten. Nachdem der Aufsaß auSgefiihrt, daß den Konkordaten theoretisch jede Grundlage eines Rechtes fehlt, auf deffen Boden fie .erwachsen könnten, weist er an der Praxis_ der iömischen Kurie nach, was von anderen Seiten 1chon oft nachgewiesen worden, daß die römische Kurie Konkordate stets nur betrachtet als durch die Notk) der Zeiten abgedrmz- gene Schmälerung-en ihres ganzen und vollen Rechtes, Schma- lerungen, die keinen Augenblick länger zu dulden sind, als der Druck der Zeiten daueit, 73er die Rechtsverkürzung auferlegt (Yat. Das praktische Resultat des Verfassers ist, daß das rechtliche

Verhältniß zwischen Staat und Kirche durch die Staathes eß-'

gebung allein geord'iet werden muß unter Berücksichtigung der inneren und geistigen Natur der Kirche, sofern fie sich auf Fieses Gebiet beschränkt. Der Verfasser faßt seinen Gedankengang uber das Verizältniß zwischen Staat und Kirche 111 daZ Wort des Kaisers Conßantin zusammen, er sei der Aufseher der czußeren YFZ?" die kirchlichen Gewalten seien die Aufseher der inneren

ige: . „Aus eigner schöpferischer, Kraft zeugt die Kirche fich das LebensLeseg pad waltet darüber ohne Einmischung von außezi. „Aber nsowett dieser an |ck) freie Organismus fich einfügt m die LebenSordnung der Mensch8eiy insoweit die Kirche mit der Außenwelt „sich berührt, und, e ngefriedigt in andere Kreise, den äu_ßeren _Frieden_findet, ohne den sie Segen zu fpenden unver- mogend tft, daruber macht der Staat,“

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Die Einrichtungen für die Wohlfahri der Arbeiter der größeren gewerblichen Anlagen im preußischen

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E B | e B c i l a g e Berlin, Sonnabend, den 22, Juli

Staate.

(Vergl. Nr. 170 d. Bl.)

Bei der 1. Rubrik: Betheiligung des Gesckgafts- personals am Reingewinn Mit emer Quote und am Ge- schäfte mit Kapital ergiebt fiel; aus der ßattgehathn Enquete, daß die (mögesprochenen Anfichten der Indujtrtellen iiberwiegend absprechend gegen die ganze Giprichtung gerichtet find, soweit ste sich auf die eigentlichen Arbeiter erftreckeii soll. Jede andere Art der Aufmunterung und Belohmnig, wn durch Sparkassen und Wohnungen u. s. w., halten sie fur zwechentsprechender und 111": li er. _ _ H L-Jhntereffantere Versuche zeigen sich nur bei folgenden Fir- men: Windhoff, Dceters u. Co. zu Lingen a. d. Ems; andelsgeseilscxz'aft K. & Tl). Möli-er zu Kupferhammw bei Brackwede, Kreis Bielefeld; Aktienge1ellschaft „Neue Berliner Messingwerke“ zu Berlin, hervorgegangen aus h_er Privat- firma „Wilh. Borchert _jnu.“ Außer de_n syßematzsxhen Ver- suchen dieser Fabriken zur Organisation__emer Bethetltgung der Arbeiter am Gewinn, ist ais hierher gehorig nur Folgendes be- kannt geworden: In Berlin gewährt: _ die Maschincxnbau-Nnftali von _Borstg den Beamten und Werkmeistecn 5 Proz. vom Reingewinn seit 1865; die Maschinenbau-Anftalt von Egells_ dagegen nur den Beamten einen Antheil von 5 Proz. Reingewmw seit 1871; die Norddeutsche Gummiwaareri-Fabxtk (FM_- robert) fichert den Beamten und Werkmetßern _emen Aniheil bis 83 Proz. desteingewinns zu. Em solcher tft aber nock) ni t errei t wor en; _ _ ck die Béamten der erwähnten MessmgwerkeWorchert) be ie en '8L ro. des Reingewinns; _ z l)bie DLchkezrei der Staatsbürge_c-Zeitung laßt nach Abzug von 26 Proz. des Reingewinns sammtlrche BeamteZmd Werkmeister am Reste des Reinertrages nach Maßgabe de_s ]ahr- lichen Arbeitslohnes partizipiren. Das Recht htyrzu w1xd_aiif Grund eines schriftlichen Vertrages nach 6monatltcher Thattgkert und tadelloser Führung beigelegt; _ die Fabrik von Siemens & Halske gewahrt Beamten und Werkmeisiern, auch Arbeitern, wenxi fie daxiernd m Lohn bes äftigt werden, Antheile am Reingewmn. Nahcre Angaben hieriiber smd jedoch nicht gemacht worden_; _ _ die Hutfabrik von Nössell giebt Gewmnanihetle yon 75 «FH auch für besondere Verdienste umsonst aus und verzinst ie mit 5 roz.; _ s die YieinnußknopT-Zabrik v_:_)_n_ E. _ M. S1egei ewä rt den Werkmeistern roz. vom emgewmn; g Lie Cigarrenfabrik von E. Keilzaflug CF_Co. Hat unter dem 1. April d. I. ihren Arbeiiern e_me Bethetlzgung an dem Reingewinn des Deiailgeschäfts m Höhe der Halfte des- selben zugesichert. _ _ Muck) im Regierungsbeztrk Frankfurt a. O; Wird eine Quote vom Reingewinn von dem GeschäftSpersonal m ver- einzelten Fällen bezogen. Bei der Yerwgltun_g_ der „_Ils e d_er Hütte“ im Amtsbezirke Peine, Kreis Hildesyetm, beziehen eme Quote vom Reingewinn die 8 höheren Beamten drr Gesellschaft. Die Quote richtet fich nach der dienstlichen Stellung, bezw. den Gehaltssäßen der betreffenden Personen. _ __ Eine ganz ähnliche Einrichtung de_steht m der chem11chen Fabrik von Kalle- u. Co. zu Biebrich. _ _ Im Umfange kes ganzen preußischeq Staates _find_er die Betheiligung aw. Reingewinn und mit Kapital statt: m sa:_n_mt- lichen Gewerbegruppen bei 474 Betrieben. Von dieser) gewghren 141 nur den Vorstandsbeamten eine Quote de_s Reingewmzis, 209 ihren Beamten aUgemein, 120 den Werkmeifiecn, Vorwan- nern, 2c„ 10 den Arbeitern. Die Einrichtung beßeht ber 205 Betrieben seit i- 143 Jahren, bei 14 seit dem_ Bestehen. _Eine Vetheiligung mit Kapital gewähren von ]enen _Betrtebcn: den' Beamten 52, den Werkmeistern, Vornzeistern _ :e. 32, den Arbeitern und zwar allen sogleich 30, nach emex gemiffezi Zeit 2. Der Bethciligung ist eine Grenze geseßt bei 8; Dre Einrichtung besteigt bei 19 seit 1-38 Jahren, bei 2 seit Be- stehen. Eine Betheiligung der erwähnten Personen als Anerken-_ nung treuer Dienste findet ftatt bei 35 Betrieben, und zwai: bei 16 seit 1-57 Jahren. _ Bei Rubrik 11. Sparkassen-Einrichtungen ergiebt das gesammelte Material, daß unter dem_ gememschaftlichxn Namen von Fabrik - Sparkass en eme Zahi ziemlich weit von einander abmeiäzender Einrichtungen begriffen find. Es werden im Ganzen bei 216 Betrieben solche Kassen auf- geführt. Bei 135 derselben war die Zahl der Gitzlxger 17,931, welche 3,339,930 „FQ Einlagen machten. Das Minimum bteser Einlagen beträgt 0,9- „M wöchentlich, als Maximum _des Einzel- guthabens ergab st 4757 «16. Der Zuschuß variirt zwischeii 3'/3 und 62/3 Prozent. Die Entnahme der Guthaben kann bei 101 Betrizben ohne Beschränkung geschehen; bei 52 nach einer bestimmten Kündigungsfrist, nach der Lohnzett, nach_dem Ab- ang von der Fabrik, nach dem Tode bes Einlegers, m Noth- ?älien u. s. m. Bei 22 Betrieben bewirkt der Abgang des Arbeiters theils Verlust der Zinsen, auch wohl der Einlagen. Die Verwaltung der Sparkasse geschieht bei 26 Betrieben von eigenen Organen, bei 107 lediglich von“ dem Arbeitgeber. Die Einlagen find _geftch_ert bei 73 Betrieben durch die Firma, bei 17 durch Effekten, stad- tische Verwaliung, Niederlegung bet Sparkassen, Schuldschein u. s. m., die Einlagen sind bei 23 Betrieben durch eigene Verwal- tung, Wahl des Vorstandes oier Deputationen oder Vertrauens- männer an der Verwaltung betheiligt. Die Rechenschaftslegung erfolgt bei 102 Betrieben öffentlich oder_ dn_rch Abschluß in Ge- neralversammiungen, Sparbücher, Arbeitsbucher u. s. w. Ein- richtungen zur Beförderung der Benußung öffenilicher Spar- kassen bestehen bei 23 Betrieben theils durch Berpflichtung zum Beitritt, theils durch Prämien und durch Errichtung besonderer Annahmestellen. _ _ Die 111. Rubrik behandelt die Fursorge fur Beschaffung von Arbeiterwohnungen und deren erleichterten

Urbeiierbevölkerung ins Leben ruft, sind die auf Beszhaffung von Wohnungen die nothwendigsien und deshalb am haufigsten

zu finden.

Es bestehen Einrichtungen dieser Art im izrcußisckzen Staate

U bei im Ganzen 1655 Betrieben, bei 43 derselben existircn eigene

11 en a ten. _ Fat??? 3?!ng ffür Arbeiter haben 54 Betriebe 441 Hauser,

mit Gärten zum Preise von 750 bis 118,500 «46 und 14 Be-

Zur Beförderung des Erwerbes eigener

triebe 88 äu er. 0 ne Gärten von 2000 bis 45,500 „M gebaut. HausbaupiHämifen hhabcn 12 Betriebe, Dariehne 135 gewghrt. Zur Beschaffung von Miethwahnungen find _zur Mtethe für die Dauer des Arbeitsverhältmffes von 719_Vetr1eben 6339 Häuser mit Gärten hergestellt. Von diesen gewahrten ihren _Ar- bcitern 117 ganz freie Wohnung, _585 gegxn emen Mieths_zms der zwischen 8-580 «16 varitrt. Hauser ohne ngten wurden von 414 Betrieben 2412 tt_ut 11,981 Familien- wohnungen errichtet; von diesen _gewghrten _101 Betricbe qanz freie Wshnun en und 314 fur exnen_MtethSpteis min 6-360 344 pro WoZnung. Wohnungen fur einzelne Arbei- ter befanden sich auf 135 Beirieberi 1943, darunter 61 gatzz frei und 60 gegen einen Mietistreis_ von. 47-180 «44 Logis und Schlafhäuser (Schlafsale) fur Arbeiter, welche __ntxht täglich nach Hause gehen können, sind errichtet vori 555 Betwe- ben mit 1512 Logis und 34,407 SchleifsteUen; bet 369 Betrie- ben wurden dieselben frei gewährt, bei 126 gegen emen Preis von 0,50 bis 9 „16; Die Vermiethung von Schigfstellen an ledige Arbiitcr ist gestattet bei 446 Betrieben und wird ver_lan_g_t bei 57 Betrieben. Der Preis der Schlafstelle beiragt bei _132 Betrieben vm 0,40 bis 9 „F6, bei 57 von *10 bis_ 45 «16 inkl. Kost, bei 11 wird die Schlafstelle ohne Entgelt gewahrt. _Trazis- porterleichterungen fiir den Weg zu und von der Arbeitsstaite bestehen bei 33 Betrieben. _ _ _ . Bei Rubrik M.: Einrichtung fur_ Ernahrung, btllig_e Beschaffung vkon Lebensbediirfntsiewaliei: Art, _Klet- dung und Wäsche erscheint die verhaitnißmaßxge Isolirthxit dieser Einrichtungen Und die häufig troy billtgst gestellter Preise konstaiirte nur geringe Bemaßung _decseiben woyi nur als Aus- druck einer Uebereinßimmun zrmschen der großeren Zahl de_r Arbeitgeber und der Arbeitne mer 111 dem __Emyfinden, daß die individuelie Befriedigung des Nahrxzngsbedurfmffes nur da, wo “zwingende Griinde allen anderen Rucknchten vorangeseßi werden müssen, durch gemeinschaftliche Anftaiteii auf die T_auer exftßt werden darf. Dergleichen Emrtxhtngew gewahren ihren Arbeitern, wenn auch nur immer theilweise, _nn Ganzen 1179 Fabriken. Speiseanstalten, Voikökuckwn ober Jabrikmenagen beftehen bei _255 Betrieben. Cs__ stelit sich das Frühstück bei 76 Betrieben auf 0,03-0,„0 «44

1,25 „M, das Abendbrod bei 82 Betrieben auf 0,05-70,60 «M Die Zahl der durchsckzniitlich täglich außgegebenxn Portionen be- trägt bei 187 Betrieben 14,942. Fur Arbeiter, weiche_ zum Eisen nichi nach Hause gehen können, bestehen Speisezimmer bei 692 Betrieben, Speise-Wärmvorrichtungezt bei 791. Zur billigen Beschaffung von Lebßnsvedursmisen al_ler Art befinden sich Konsumvereine bei 118 Betrieben, Vereins- bäckereien bei 25, Vereinöschlächtereixn bei 8. Anlagen, welche Verbraucthegensiände an die Arbeiter z_u Einkaufspreisen ver- abfolgen, cxistiren 159 ohne bxsogdcreCrnrtthtungen, _27 Yurch Fabrikmagazine, 13 durch Fabrtkbäckerc', _3 durch Jabr1kschlachte-_ rei. Bei 77 Betrieben nehmen die Arbeiter an der Verwaltung die er Einri tun en T eil.

s Unter Fiubrigk 17. :?wrden die EinrichtunYen behandeit, welche der Fürsorge für Kleidung, Wäsxhe und esundheitspfege dienen. Im Ganzen bestehen bei 1995 Beiriebezi solch): Ein? richtungen. Besondere Arbeitskleidung erhalten die Arbeiter der 156 Betrieben, und zwar bei 137 _umsonst. _ Wasch-,_ Trocken- . und Bügelanstalten befinden sich bei 86 Betrieben; unme zum Waschen für Arbeiter Mittags und nach Feiexabeyd be1638 Be- trieben und zum An- und Ablegen der Arbeitskleidung bet 667. Für ärztliche Hülfe iorgen durch Anstellung eme? Gesthasts- arztes 1415 Bexriebe mit 1525 LYerzten; durch GeschaftSapotheien 308 Betriebe; durch Krankenhauser 184 Betriebe. Aerzilnhe Untersuchung des Gesundheitszußandes ßndet bet 645 Betrieben stait. Fortzahlung des Lohnes an S_chwan_gere vor _der Entbt_n- dung findet bei 95 Betrieben, an Wochnerxxmen bet 30 Betrie- ben während der Tauer von 14 Tagxn bis 26 Wochen statt. Bade-Anftalten bestehen bei 179 Vetrixbxn, _Turngnstaiten bei 28, Turnvereine bei 20 Betrieben. Maßrgkettövereme smd bei 10 Betrieben vorhanden. _

Rubrik sl.: Der Fürsorge fur Seelsorge, _Erziehung, Unterricht, geistige und sittliche AUSbiidung d_er Erwachsenen, Geselligkeit und Erholung gewidmete Em- richtungen bestehen bei 509 Betrieben. Zur Seelsorge besißen 24 Betriebe besondere Kirchen und Kapellen; _ besondere Geiß- liche sind bei 4 Betrieben angeFtellt; . 32 Betriebe veraiiftalten einen besonderen Gottesdienß fur ihr Personal. 3111; Erziehung und zum Unterricht smd eingerichtet un_d zwar wahret_1d des ersten Lebensjahres bei 19 Betrieben Kleinimderbewahraqsta.ten, bei 24 Kieinkinderschulen, bei 17 Kleinkindergarten, bei 9 Waisenhäuser. Zum Schulbesuche bestehenFabriksohulen bei94Beirieben, und zwar bei 37 mit freiem Schulbesuch und bei 40 _geYn _(Entrich_iung von Schulgeld, Schulgeldbeihülfe gewähxen 62_ etriebe. „Zur Aus- bildung der Halberwachsenen existtren bet__77 Betrieben Jort- bildungsschulen, bei 62 Betrieben Schulen fur weibliche Arbeiten, bei 52 Betrieben Sonntagsschulen,_ bei 53 Betrieben Zeichnen- schulen. Zur geistigen und fitilichen Ausbtidung der Er- wachsenen befinden |ck] Bibliotheken vei_23 Betrieben mit, bei 45 ohne Lesezimmer, Die Koften dafur werden_ aufgebracht bei 47 Betrieben durch die Firma, bei 10 durch die __Arbxiter und belaufen sich bei 29 Betrieben _von 24-1000 „ck jahrlich. Zur GeseUigkett und Erholung exißtren bei 13 B_ rieben eine Musik- schule, bei 106 ein Gesangsverein, bei 41 em Mu kcorps. Ge- sang- und Musikaufführungen werden bei 37" etrieben v::- anßaltet, Theateraufführungen her 8, geielirge Zusammenkünfte bei 40, sonßige Erholunge'n bei 82, Berg:, Sommer:, patriotische und besondere Feste bei 46 Betrieben.

Unter der Rubrik Al.: „Anderweite Wohlfahrts- einrichtungen“ find die Kranken- und Wiitwenkassen. aufgeführt. _ nisse hat bereits in dem im vorigen Jahre herausgegebenen erk

Gigenthumsübergan an die Arbeiter. Unter allen

Einrichtungen, welche die Fürsorge für das Wohlbefinden der

„Die unter staatlicher Aufficht stehenden gewerblichen HülfSiaffzß_*“

pro PoÜion; 'was Mittazeffen bei 162 Betrieben auf 0,10-7'“ ***-***»

Di? zusammenfassende Schilderung dieser Ver ält- -