1876 / 174 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 26 Jul 1876 18:00:01 GMT) scan diff

desselben nachweist. Zu diesem Zweck werden in das Hausbuch aUe Fälle eingetragen, wo Jemand auf dem Grundstück 3. zu- oder abzieht, b. geboren wird, (:. ftirbt. Für die Führung des Hausbuckzs hat der HaUSeigenthümer Sorge zu tragen. Derselbe ist bereckztigt, einem Miether die Führung des Hausbuchs zu übertragen. Die weiteren §§. 4-9 enthalten die Bestimmungen über Meldungen in Be- zug auf Wohnungöveränderungen; §§. 10-11 besondere Vor- schriften in Bezug auf die von auswärts: neuanztehenden und die aus Berlin verzie enden Personen; §§. 12-18 Meldungen in Bezug auf Reisen e; §§. 19-23 Meidungen in Bezug auf Schiffer und solche Personen, welche auf SchiffSJefäßen und Flößen fich aufhalten; §. 24 soll die Vollständigkeit und Rich- tigkeit, sowie die rechtzeitige Erstattung 'der Meldungen bez. der Eintragung in die Hausbücher uud Fremdenhücher sichern. _§. 25 enthält die Strafbestimmungen und lautet: Sofern nicht nach allgemeinen Strafgeseßen höhere Strafen verwirkt werden, unterliegen Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen einer Geldstrafe bis zu 30 «14 Auf Geldstrafe nicht unter 5 «15 ist zu erkennen, wenn die Meldung (§§. 6,14, 21) oder Anzeige behufs der Meldung (§. 24) länger als zwei Tage über die vorgeschriebenen Fristen hinaus ver- absäumt wird, Geldstrafe nicht unter 20 ck76 trifft Denjenigen, welcher in der Meldung, der Anzeige behufs der Meldung beziehungStveise der Eintragung in das Haus- oder Fremdenbuch wissentlich falsche Angaben über denVerbleib einer Person gemacht hat. Wer ungeachtet s einer Ver- pflichtung (§§. 1, 17) es unterläßt, ein Haus oder Fremdenbuckz zu führen, hat eine Geldßrafe von mindestens 15 «46. verwirkt. Im Unvermögensfalle tritt überall an SteUe dcr Geldstrafen verhältnißmäßige Haftftrafe. §. „26 hebt die älteren Verordnun- gen über das Meidewesen auf und bestimmt, daß die vorstehende Verordnung mit dem 15. Oktober d. I. in Kraft nitt.

- Der Buchdrucker ist“ naoh einem Erkenntnis; des Ober-Tribunals-SenatsfürStrafsachen,vom27.Iunid.J., nur für die Angabe seines eigenen Namens (Firma) auf der Druckschrift haftbar, dagegen hat er für die Nichtnennung des Namens des Verfassers oder HeraUSgebers der Druckschrift, falls er stZLZT Bezeichnung dieser Namen nich! beauftragt ,ist, nicht ein- zu e en.

- Der Königlich preußische Gesandte in München, Wirk- liche Geheime Rath Freiherr von Werihern, hat am 23. d. M. einen ihm Allerhöchft bewilligten längeren Urlaub nach Thü- ringen angetreten. Während seiner Abwesenheit fungirt der Legations-Sekretär Graf A. von Dönhoff als interimiftisther Geschäftsträger. '

-- Dem Pastor Neureuter in Marpingen ist wegen seines Verhaltens bei den durch die angebliche „Muttergotteserschcinung“ h_ei Marpingen veranlaßten VolkSaufläufen Seitcns der König- lichen Regierung in Trier daS Amt als Lokal-Schulinspektor entzogen worden.

-- S. M. Kbt. „Comet“ ift, telegraphisckzer Nachricht zu- " folge, am 21. Juli cr. von Salonickzi in See gegangen und am 24, Juli er. in Konstantinopel eingetroffen. -

S. M. S. „Medusa“ hat, derselben Nachricht zufolge, am 21. d. M. Salonichi verlaffen und ist nach Malta gegangen.

S. M. S. „Victoria“ ist am 23. Juni cr. von St. Thomas nach der Rhede von Frederichfted auf St. Croix, Behufs Ab- haltuxig von Schießübungeu, in See gegangen, kehrte am 28. UAL") St. Thomas zurück und beabsichtigte demnächst nach Cu-

*“-/*k/a9ao zu gehen, um daselbft die auf der Rhede von Frederickzfted

begonnenen Schießübungen fortzuseßen. An Bord Alles wohl.

Bayern. München, 24. Juli. Auf der Tagesordnung der heutigen Siyung der Abgeordnetenkammer stand die Berathung des Etats der Forft-Lehranstalt Afchaffen- bur g. Die Regierung hatte ursprünglich etwa 200.000 «16 zur Reorganisation genannter Anstalt poftulirt, das Postulat aber zurückgenommen und dafür für ein Jahr der 13. Finanzperiode ein Ordinarium von 69,741 «15 eingeseßt. Die Ausschußmehr- heit beantragt, nur das ursprün liche Poßulat zu bewilligen. Die Abgg. Kurz, Herz und Hau beantragen, die Schule in Aschaffenburg zu belassen und hiefür die Anfangs von der Regierung verlangte Summe zur Verfügung zu fteUen. Der Minister v. Bert sprach gegen den Ausschußantrag, vindizirte der Krone allein das Recht der Organisation und ßeUte die Verbindung der Jorst-Lehranstalt mii der Univerfität München als das zweckmäßigfte in Aussicht. Gegen denAntrag Kurz und jenen der Ausschußmehrheit sprachen enjschieden die Abgg. Frankenburger, als Vertreter der Ausschußminderheit, und Völk. Herz trat warm für die Aschaffenburger Forstichule ein; die Sache solle nicht auf weitere zwei Jahre verschleppt werden. Schließlich wurde der Antrag Kurz-Hauck=Herz angenommen. Dafür ßimmten die Rechte und die Abgg. Herz, Lampert und Holzwarth. Morgen findet die Berathung des außerordentlichen Militäretats statt.

Nürnberg, 24. Juli. In Regensburg findet in den nächften Tagen die Neuwahk zum Landtage und zwar am Donnerßag die “Wahl der Wahlmänner und am Sonnabend die Abgeordnetenwahl statt.

Württemberg. Stuttgart, 24. Juli. Im Laufe der vergangenen Woche ift, wie der „St. A. f. W.“ erfährt, der Entwurf eiiies Geseßes über die Verwaltun JSrecht9pflege bei dem ftandischen Ausschuß eingebracht worden, und hat am 21. d. M. ein Zusammentritt der verstärkten staatörechtlickzen Kommission stattgefunden, wobei der Berichterstatter und Mit- berichterstatter über den Entwurf gewählt Wurden.

Baden. KarlSruhe, 24. Juli. In dem den so erheblichen Hochwasserschaden dieses Jahres betreffenden Vortrag der Ober-Direktion des Waffer- und Straßenbaues an das Handels-Ministerium (derselbe hat auch den Kammern vor- gelegen) wird darauf hingewiesen, daß die Erscheinung der Zu- nahme der Hochgewässer fast an allen Strömen Europas wahr- genommen worden und daß die Ursachen zuuächß in dem Zurück- drängen der Waldungen und dem Hinaufrücken der Feld- und Wiesenkultur gegen die Quellgebiete der Flüsse, so wie in den Korrektionen der Seitengewäffer zu suchen seien.

Oesterreicb-Ungarn. Wien, 24. Juli. Der Kais e*c

ift heute Morgen von Laxenburg über Himberg mittelst Separat-

ofzuges in Wilfleinsdorf angekommen. Se. Majeßät begab

ch rmx Gefolge sofort auf das nahe gelegene Manövrirfeld zur

Jnspizrrung der Jnfantcrio-Divifion IML. Baron Bienerth. -

Der Erzherzog Albrecht heute Abend in Bruck an der Leitha eingetroffen.

- Wie man der „Presse“ aus Agram schreibt, hat der Banus

in der m_n Donnerstag ftattgehabten Landtagssitzung erklärt, daß in

Folge emer neuen Vereinbarung außer den bisherigen Sußen-

xm-

tationsbeiträgen von zehn und fünf Kreuzer, welehe die Er- werbsunfähigen, die Frauen, Greise und Kinder unter den bos- nischen Flüchtlingen per Kopf und Tag beziehen, weitere 1:1 Kreuzer als ,Herbergegeld“ per Kopf und Tag gezahlt werden. Die Unterstüßung, welche aus öffentlichen Mitteln geleistet wird, hat somit eine neue und nicht unbeträchtliche Erhöhung erfahren.

-- Dasselbe Blatt sagt: Einiges Aufsehen hat heme ein Tele- gramm der „Augsburger AUgemeinen Zeitung“ gemacht, nach wslchem sämmtliche bökymisckge Bezirkshauptmannschaften die Gemeindevorßände zu einer vertraulichen Besprechung behufs Ertheilung von Instruktionen fiir eine eventuelleMobil- machung eingeladen hätten. Bei einer allgemeinen Mobil- machung solle jeder Einberufene binnen 24 Stunden, bei einer nur theilweisen binnen vier Tagen an Ort und Stelle befördert werden. Die Nachricht gehört offenbar in die nämliche Kategorie, wie die vor einigen Tagen von Graz aus verbreitete, nach welcher die Landwehr-Aerzte Instruktionen für den Falk der Mobilifirung erhalten hätten, und trägt wie Die leßtere, da nur von den böhmischen Bezirkshauptmannschaften die Rede ist, den Charakter einer lokalen und keineSWeg-Z außerordentlichen, sondern im gewöhnlichen Geschäfthange begründeten Verfügung. Ein hiesiges Abendblatt bemerkt'aucl) dazu: „Es handelt sich da offenbar um eine administrative Maßregel gewöhnlicher Art, welcher in diesem Augenblicke voll politischer Spannung eine mehr als gewöhnlickze Bedeutung unverdienterweise beigelegt wird.“

Pest, 24. Juli. Wie „Ellenör“ berichtet, wird im unga- rischen Landesvertheidigungs:Ministerium an dem Militär- Bequartierungögeseß fleißig gearbeitet, und hofft man mit demselben schon in Nächster Zeii fertig zu werden.

Agram, 24. Juli. Ja der heutigen Landtagssißung interpellirte Popovic den Banus, er möge den Flüchjlingen aus Bosiiien freie Heimkehr erwirken. Makanec forderte den Banus auf, er möge die Erlaubnis; zur Abhaltung einer Lotterie zu Gunsten der Flüchtlinge erwirkem und denselben bei öffent1ichen Bauten Verwendung verschaffen.

Belgien. Brüssel, 25. Juli. (W. T. B.) Der Kaiser und die Kaiserin von Brasilien smd gestern hier einge- 1roffen. Heute empfing der Kaiser den hiesigen deutschen Ge- sandten. Morgen werden der Kaiser und die Kaiserin fick) von hier nach Gastein begeben, und auf der Reise dortlgin in Bonn Aufenthalt nehmen.

Großbritannien und Irland. London, 24. Juli. Die Zeijungen beurtheilen die durch dass Blaubuck) über die orientalische Frage klargelegte Politik der englischen Regierung durchweg günstig, günstiger, als man nach den jüngsten Angriffen auf die Haltung der Regierunaz häije erwarten sollen.

- Hr. Gosthen ift Behufs 'der Interessen ägpptischer Bondsbesißer zwei Tage in Paris gewesen und kommt heui'e nach London zuriick.

- Nach dei: „Army- and Navy-Gazette“ wird beabsichtigt, die Dienstzeit der Linien-Regimenter in Indien beträcht- lich zu kürzen. Jedes Regiment sol! vpm Hause 5 oder SIahre, statt, wie bisher, 12 Jahre, abwesend sein. Der Vorschlag, di? europäischen Truppen in Indien zu lokalifiren, ist auf das ent- sckziedenfte verurtheilt worden.

- 25, Juli. (W. T. B.) In der dem Parlamente vor- gelegten diplomatischen-Korxespondenz Werden bezüglich des Konsuknmordes in Salonichi nur die schon bekannten Thatsachen mikaetheilt. Der englische Boischafier, Lord Elliot, zeigt in einer Depesche vom 9. Mai an, daß die Muselmänner in Konstantinopel Waffen kaufen. Elliot und noch mehrere an- dere Gesandte in Konstantinopel verlangen die Absendung von Kriegsschiffen nach der Besika-Bay. Der Staats- Sekretär “dks Auswärtigen erklärt auf eine Anfrage des Sekretärs der Admiralität, er habe den Befehlshabern der Kriegsschiffe keine Spezial-Jnftruktion zu ertheilen.

- Der „Engl. Corr.“ entnehmen wir folgknden weiteren Auszug aus dem Blaubuche über die orientalisckyen Angelegenheiten:

Ueber dia Gründe, Welche Lord Derby später zur Ablehnung der

in zwei Depesch-xn vom 15. Mai aus, deren erstere an Lord O. Russell gerichtet, über eine Unterredung mit dem deutsck'en Botschafter, die zweite an Lord A. Loftns (in St. Petersburg) über eine solcke mit dem rusiiiében Grafen Schoumiloff Mittheilung macht. -- _D-xs- selbe Thema behandeln dann zwei Depeschen an Lord O. RusseÜ rom 19. Mai. In ihnen spricht Lord Derby bereits entschie'den sein Ve- dauern aas, _mcht an der von den drei Regierungen eingeschlagenen YOUR fick) *oeiheiligen zu können und fügt den bekannten sach1ichen

runden in der ziveiten Depesche auch noch einen Weientlicl', for- mellen hinzu in folgenden Worten:

„Die englische Regierung [egi wenig Werth auf Formen in Yn- gelegenheiien dieser Art, und würde gern die gegenwärtigen Vorschlage angenommm haben, wenn sie ihr einen ausführbaren Plan zur Be- ruhigung der auiständiickyen Landestheile zu gewähren schiene; fie kann aber nicht, zu Liebe cine-Z äußerlichen Anscheins der Uebereinstimmung, ein Schema annehmen, bei dessen Vorbereitung sie nicht zu Ratbxae- zogen worden ist, und Welches, wie sie glaubt, nicht dazu geeignet ist, die Wirkung, welche, wie man ihr mittheilte, exzielt werden soll, her- vorzubringen."

Zu einem Berichte. vom 20. Mai giebi darauf Lord Russe'il die von dem ürsten BiSmarck ausgesprochene Hoffnung wieder, daß die engiische egieruug sich nicht dazu verstehen werde, die türkische Re- gierung zum Widerstanpe gegen die vereinten Anstrengungen der Mächte auf baldige Pacification u ermuihigen.

Am 24; Mqi schreibt Lord erby an den Botschafker EUiot, er habe dem turkischen Geiandten geratbevn, die Pforte möge, bevor sie eine entscheidende Antwort gebe, die einzelnen Artikel des Memoratz- dums erwägen. Er habe keine Veranlassung anzunehmen, “daß die Vorschläge überall geändert werden dürften.

Am 12. Mai berichtet Sir . “Elliot über die Softas' und spricht die Vermuthung aus, daß e unter fäiyigen Führern, einmal im Bewyßtsein ihrer Macht, auch noch mehr als den Sturz des Großveziers verlangen könnten. Am 30. Mai kann er dann die Be- “jtätigung seiner Ansicht durcb dic Nachricht vvn der Abießung des Sultans beibringxn.

In gleicher Zet_t liegen aus S erbien durch den General-Konful White Nachrichten uber weitere KriegSrüstungen vor.

An Sir H. Elliot schreibt Lord Derby am 6. Zum, daß er dessen Vorstellungen kei der Pforte Wegen der Anwendung vyn Baschi-Bozukö billigt und fordert am selben Tage den KMM m Belgrad auf. gemeinschaftlich mit dem österreichischen Konsul denz ürsten Milan eine friedliche Politik zu empfehlen. Am10. Juni chreiht daun Lord A. Loftus aus St. etersbuxg, der _Furst von Serbien habe den Konsuln die „xofitive ersicberung ertheilt, daß er dem Raihe der Mächte Folge leiten werde“. , .

Gleichfaus am 10. Juni. hat Lord Derby die bereits wiederge- gebene Unterredung mit dem Grafen Münster und am 14. diejenige mit Graf Schouwaloff. Am 21. tbeiltDerby Lory A. Loitus mit, das; der Kaiser von Rußland den Wunsch habe ansprucken lassen, daß die englische chierung ihre Anschauungen über xine vorgeschlagene A'b- tretung eines Hafens an Montenegro und Klem-Zworniks an Serbien mittheilen möge.

Am 27. Juni berichtet Lord Derby dem Botschaster in Wien,

Berliner Denkschrift veranlißten, syrichi sick) derselk-e bereits *

die Hersteüuug einer Autonomie BoSniens und der Herzegrwiux für unausiührbar halte.

_ Dann folgen die_Nacbrichten über den Kriegßausbruéb mit Ser- lnen unh zum" Schluß noch Berichte Über den befriedigenden Verlauf der Reichstadter Konferenz.

- Den Stimmen in der Tagespresse, welche die Zurück- berujung der. Flotte aus der Besika-Bay befürworten, um dxe Mißbilltgung der von den türkischen irregulären Trup- pen 131 Bulgarien verübten Exceffe Seitens Englands zu kennzeichnen, tritt der „Observer“ sehr entschieden entgegen:

„Wir sandten nicht„unsxre Flotte in türkische Gewässer - be- merkt das Blatt, - weil xmr mix der Sache des Halbmondes sym- paxhiftrten, oder Weil wir irgendwie daran dachten, “zu Gunsten des Turken und gegen seine _christliéhen Untertbanen 3:1 interveniren. Die Maßreßel, wilches_auch immer dex Zweck ihrer Urheber gkwesen sein ma , wurde in diciem Lande gebiÜigi, weil fie als eine Garantie dafizr betrachtet Wurde, daß wir eine Lösung der orien- taliichen Frage durch fremde Intervention nicht gestattsn dürften, obne eme Stimme in der Angelegenheik zu Haben, und weil wir“ glaubten, daß irgend eine sol:he Lösung nachtheilig für unsere nationalen Interessen sein würde. In anderen Worten, die Flotte wurde im Jn_ter_esse Englands und nicht in dem der Türken oder Rajahs abgei-Fnckr. Utzd wenn dies damals der Fall War, ist es noch nzimer der Fal], io sch11mm fiel) auch die türkischen Soldaten aufge- fuhrt haben mögen Deutlick) gesprochen: das Benehmen der Baschi- Bozuks ist, eine Nebenfrage, die mit der Hauptfrage, ob es für Eng- land wichtrg'ist, ZU verhindkrn, daß der türkisckz-serbische Konflikt in einen allgemeinen Krieg um die Theilnng der Türkei auSarte, Wenig oder gar iiicht? zu thun hat. Wenn Lord Derby's Antizipationen richtig sind, ist diese Gefahr abgewendet, aber Wenn so, ist der Umstand, daß fis a-baewendet Wuxd_e, in nicht geringem Grade der Anwesenheit der eng- lischen Panzerschiffe auf der Höhe der DardaneÜen, und dem dadurch auf dem ganzeiz Festlande xrzeugtcn Eindruck, daß En land bei jedem Versuehe zur Losung der orientalisckien Frage mit in Äetracbt gezogen Werden müsse, zu verdanken .....

Frankreich. Paris, 24. Juli. Die SenatSabstim- mung über das Waddingtonsche Geseß nimmt noch immer das allgemeine Interesse in hohem Grade in Anspruch. Die Deputirtenkammer hat dem Kabinct gleich darauf bekanntlich ein Vertrauensvotum gegeben; die „Opinion“ bespricht mm das Verhältniß der Stimmen in beiden Kammern für und wider das Ministerium und kommt zu dem Resultate: „Gegen das Ministerium im Senat 144, gegen das Ministerium in der Deputirtenkammer 150, Summe der Oppofiiion gegen das Mi- nisterium 294; für das Ministerium im Senat 139, für das Ministerium in der Deputirtenkammer 350, Summe der Anhänger des Ministeriums 489; Unterschied zu Gunsten des Ministeriums 195. Das Kabinet besißt demnach in den beiden Kammern eine absolute Mehrheit von 78 uni) eine relative Mehrheit von 195 Siimmen. Die Männer, welche die Monarchie mit Mehrheit von Einer Stimme machen woi'iten, dürfen dock) wahrlich am wenigsten be- haupten, man könne: unter solchen Bedingungen nicht nach den strengsten Regeln des parlamentarischen Systems regieren.“ _ Das „Journal des DebatH“ erblickt in der Abstimmung noch keinen Konflikt, nicht einmal den Versuch, einen solchen hervor- zurufen; dazu müffe eine neue Probe abgewartet werden, die bald bevorstehe: bei der Abstimmung über das Munizipal- ges eh. Die Deputirtcnkammer habe dasselbe angenommen und dasselbe sei an den Senat übirgeben worden. Amendiren könne dieser es, wenn er es aber im Ganzen verwerfe, wie das Geseß Wer die Verleihung dsr Grade, dann wäre es Zeit, von einem Konflikt zu reden; d.:nn sei der offene Kampf voxharzden. --

- Der „Monitem: universe!“ erklärt, es sei nicht wahr, daß der Marschall-Präsident dem Herzog v. Broglie wegen seiner im Senat gehaltenen Rede Glück gewünscht habe, und fügt die Verficherung hinzu, daß dem Einvernehmen zwischen dem Marschall und dem Kabinet nichts vorzuwerfen sei; der Marschall habe wiedkrholt seit der Abstimmung des Senats er- klärt, daß er sich in keiner Weise seinen verfaffungsviäßigen Verpflichtungen entziehen Werde. Die Lage, fiigt der „Moniteur“ hinzu, sei allerdings ernst, weil die Bonapartiften und Legiti- miften in beiden Kammern entschieden einen Feldzug eröffnet hätten, um ein Zerwürfnis; herbeizuführen, aus welchem die voll- ziehende Gewalt nur durch die Auflösung der Deputirtenkammer herauskommen könnte, aber es stehe zu hoffen, daß die Koalition der, Rechten in beiden Kammern ihren Zweck nicht erreichen werde, da die: Linke der Deputirtenkammer beschlossen habe, nicht in die FaÜe zu gehen, und da das Ministerium sehr fest ent- schlossen sei, sich nicht zurückzuziehen, so lange es das Vertrauen der Majorität in der Deputirtenkammer besiße.

_ Im PrüfungSausschusse über Abschaffung des Preßges sizes vom Jahre 1852 erklärte, wie der „Köln. Ztg.“ ge- meldet wird, der Konseils-Präftdent Dufaure, er könne gegen- wärtig den Artikel 21 dieses Geseßes nicht missen, welcher fran- zösischen Zeitnngen verbietet, Beiträge von Verurtheilten und Verbannten aufzunehmen. - PaScal Duprat hat eine In- terpellation wegerx der Thätigkeit der gemischten ägyp- Tisckzen Gerichtshöse angekündigt.

-- Der wesentliche Inhalt des von Herrn, Bertrand, stän- digem Sekretär der Akademie der Wissenschaften, erstatteten Berichts dEr Enqxietekommiision fiir die Vorgänge bei der letzten Aufnahmcprufung der polytechnischen Schule ist folgender: ,

„Alb am 29. Juni 1). I. die in fünf“ Gxuppen gßibeilien Kan: didaten fich anscbickten, die 1chriftliche Azbeit fur graphisches Zeichnen zu liefern, erhoben sich in jedem der Sale vou ihzien, die dem Louis le Grand angehörten und erklärten, daß ihnen d1e„Aufgabe bekannt sei, was sie auch sogleich belegten. Mehrere von ihnen sagtxn auf Befragen ferner aus, daß sie die Ziffern der Aufgabe ichon Tags vorher von einem ihrer Kameraden erfahren hätten, ,der aus der Jesuitenanstalt Sainte Genevidve hervorgegangen ist; an dieser Anstalt, sowie am College Rollin und am Lycee St. Louis, docirt der Hauptmaim Javary, welcher, als Professor der graphischen Studien an der p'olytechmscben Schule die; Jahr das oben gedachte T?em_a zu'bestmuneq hatte. Die Loyalität des Hauptmanns Javary 11: uber jeden Zweifel er- Haben und unter den in der Enquete vernommenen Zöglingxen, Pro- fessoren und Schuldirektoren herx1cht nur eiiie Stimme dariiber, da er eines Verraths nicht fähig tvare. Das hindert jedoch nicht, da Hr. Javary, indem er mit der, Bestimmung, dxr Aufgabx betraut wurdo, sich in einer mit unüberwmdlichen Schertgkeiten, dle er selbst vielleicht unterschätzt hat, verbundenen Lage befand. Aus einem yon ihm selbst erstatteten Berichte geht hervor. dgß er das Thema mcht nur nicht außgeplaudert, sondern wahrexid seines Kursus im Couege Rollin nicht einmal gelehrt hat. Es 1stwoh[möglich, daß gerade dieser Umstand die Zöglinge des zwertenJahrganges, Welchen es auf- fallen mußte, das; eine so interessante, Zeichenxaufgabe der Sammlunz nicbt durchgegangen wurde, sie auf die rechte Spur gelenkt hqi. Als Freund seiner Zöglinge, Keren ganzesVeytrguen er_bcsißt,_ ist Herr Javary wiederholt mit i!,xn-xn auf em, Ge'xvräck) uber d"te nächste Prüfung eingegangen; es konnte aus 1emeu1 Schweigen, Lacheln oder Eritaunen bei gewissen F1-;rg-:u wohl mancher Schluß gezogezi wexden. Es ist leichwohl schwer anzunehmen, daß das Thema m_ seinem ganzen Znhalte lediglich erraiixen worden wäre. Eine Indiskretion

Graf Beust habe ihm Graf Andraffys Ansicht mitgetheilt, daß er

ist höchst wahrscheinlich begangen worden, ihr Urheber konnte

., aber 'nicht ermitieli werden.

Interpellation de la Rock)

Mehrere Zöglinge heriefen sich auf ,einen Zögling des Lycee Saint-Louis, der Wiederum als

' en Gemälrömann einen Zögling der Jesmtetischuie bezeichnete. . “Fineser letztere): leugnet nicht nur, eine solche Mitthstlung gemacht

zu Haben, sondern er behauptet sogar, daß_das Thema ibm periönlxch Unbekannt genoesen sei. Er hätte wohl, une beinahe alle; Kandidatien, daß man die Jniersekiion einer Hyperbolmde u_ud emss ; aber er hätte gar nicht an dieWaHr- , 1) sie auch nicht weiter beachtet. Dßr erste der beiden Zöglinge beruft sick) für sein_e Aussgge aufdas Zeugnis; ziveier Kameraden, denen er das Thema-mrtgetbegt _hai, nackdem er 116er den Augen des einen von ihnen niit dem Zoglmg der Jesuiten- schule Vertrauiicb gesprochen hätte.. Der leßtere 1engnet auch dies ganz entsckyiedkn und Weist zur Erbartung ferner Azigabe darauf hin, das; seine eigene Arbeit, die schon sehr vorgeruckt wgr, “1.5 xdas Thema zurückgezogen wurde, so mangcllZaft gewesexi fkk, Wir "Haben diese“ Arbeit vor Augen gehasst, sie 1st 17 WPWÖU BLFWHUUJ sehr 92.7"! und gehört zu den am Weitesten gedtebénkn von (x_lienZ m gcomejriftber Hinsicht ist sie aber_ ganz verfehlt undleutbalt grobe “Fehler, Mlche Der geringste Wink eme_s Lehrers" oder die elementarste

Kenntniß dss Gegenstandes hätte verhindern mussen. _ „. Die französische FLOW? unter dem Admxral Raze

“t a m 23. Juli vor Tri 9 is em. '

r f a- 25. Juli. (H. TP V.) Bei der heute nn Sepat vorgenommenen Wahl der MunizipalgeseH-Kßmmffston “sind unter den 9 Mijgliedern 5 Bonaparnften gewahlt worpen. Versailles, 25. Juli. W. T. B.) In der heuitgen »Sißung des Senats legte der Berichterstattxr der Komimifion, “fiir die internationale Ausstellung im Ithe 1878, *Kranß, seinen Vericht vor, in welchem auSgefyhrt Wird, daß die Aussteüung nicht aufgeschoben werden konnte, we11 Frank- reich sich mit seinem Worte für das Zustandekommen derselben

.“verpfiichtek habe. Der Geseßeniwurf, betreffend die Aus-

stellung, wurde hierauf einstimmig angenommen. -- Die ette's, betreffend die Erhebung der französischen Gesandtschaft in Rom zum Range einer Box- *1'chaft wurde bis zur Berathung des Budgejs fÜr das Mim- “sterium der auswärtigen Angclegenheiten vertagt.

Italien. Das Pariser „Journal des'Debats.“ macht in einem „Das Verhältniß Italiens zur orientalischen Frage“ "überschriebenen Arlikel u. A. folgende Bemerkungen z_ur Haltung des Vatikans: „D-e römrsck)? Kuxix erklart "sich offen für die Türkei; das Kreuz .VLkThLZdlgt den Halbmond. Das kann. uns nicht nur mcht uberrasYen, sondern scheint im Gegentheil sehr natürlich und logisch. .Der Umstand ist in der Frage von großer Bedeutung, da?; Rom "iiber mehrere Millionen Kaiholiken im Orient gebietet, und “maxi sieht, daß es ihnen die Losung gegeben hatte, fich an dem_ flavi- schen Aufstande nicht zu betheiligen. Diese Seite'der orientali- schen Frage ift seizr interessant zu beobachten. Innichen her RF- -gier1„mg des Sultans und “'Der des Papstes besteht und hai jederzeit ein Annäherungspunkt bestanden. Beides smd theolratxsche, auf derselben Grundlage ruHende Regierungen, die. von dxmsxlben “Prinzip leben oder daran zu Grunde gehen. Die Aufstandiickzen .der türkischen Provinzen smd aÜerdings Christen, aher fie ge- hören zum größten Theile dem griechischen Vekenntmffe an; „sie “sind Schismatiker, was in dM Augen der Kirclie'sckzlimmer ist, alé: wenn fie einer gegnerischen oder fremden Religion huldiZten. „Wie bekannt, gewährt die muselmanische Herrschast in der Turkei ein Maß xeligi-öser Freiheit, von der man in gewiffen christlichen Ländern nichts weiß. Wir sprechen hier nicht von Gléichßeif, “sondern von Freiheit. Nachdem die Türken das Land erobert hatten, ließen fie den Christen die Wahl, zum Islam überzu- gehen und Bürger zu werden oder ihrem Glauben treu zu blei- “ben und aller staatsbürgerlichen Rechte beraubt zu sein . „. . . Die römische Kirche erblickt in dem schiSrnati- schen Rußland einen viel xiefäbrlickzeren Feind als in der moizamedanischen Türkei. Die Türken treiben keine Propa- ganda; fie [affen die verschiedenen K1TchLn in ihrem Lande ge- währen und kümmern sich nicht darum, weil fie diese erackgten. G&uz anders tritt Rußland auf; sein Staatsoberhaupt ist eben- “faÜs Oberhaupt der Kirche, Die römische Kurie wilL daher viel Lieder mit dem Sultan als mit dem Czar uuterhandeln . . . .“

Türkei. Gegenüber den Nachrichien über das barbarische "Auftreten der Türken in Bulgarien hat, wie die „NR. Pr.“ Mittheilt, die Pforte an ihre Vertrc1cr im Aquand folgende (bereits 1elegraphisch erwähnte) amtlich e Mittheil ung erkaffen:

„Mit Bedauern ersehen wir seit einiger Zeik aus deanurnaten, “das; man Unseren Baschi-Bozuks (Jrregulären) in Bulgarien Akte der Plünde'rung und Grausamkeii, ja selbst Morde zur, Last'legt. Dieke Baichi-Bozuks sind die eigenen Einwchnep der Provinz, dix sub bewaffnet und auf den Kriegsschauplaß begeken Hatten, umihr (Elgg!- “tbum, ihre Familie, ihren Besitz, die aile durch die Jnsucrektion 'bedrobt erscheinen, bis zu dem Augenblick zu vmWeidigen, WV die Regierung Streijkxäfi:e in genügender Anzahl anf- gebracht haben wird, um die Ewpörung zu ersticken. Wir geben zu, “saß in Bulgarien bedauerliche Ausschreitungen vorgekommen "sind; aber es Waltet eine große UebertreibUexg in den hierauf bezüg- lichen Schilderungen ob. Ein Bevoegqrund War 51eichwobl vorhan- den, der j-xnc' Gewalihqndlungen von Seite der Milizdienste leisten- den Bewohner hervorrief. Man hatte; nämlich in den Hiivden der “vornehmsten Rädxlsfiibrer Instruktionen der verschiedenen bulgarischen Comités gefunden, welche kme allgemeine Niedermeßclung aUcr Mufti; manen, die Zexstörung ihrer Habe und die Einäscherung der Städxe Adxianopel, Philippopel und Taiar-Baiardscbik anbefablen. Wir Werden den Augen Europas eine detaillirte Darlegung dieser un- glückseligen Juinrrektion, der sich daran knüpfcnden Umstände und Thatkacben, sowie des Verhörs und der Aburthxilung der Schnidigcn, "Welche“ hingerichtet worden sind, ohne Bcrzug unterbreiten. Der Eifer der Kaiserliäyrn Regikrung, allerwarts die Sicherheit der Be- völkerungen zu verbürgen, geht so Weit, daß, als fie unlängst ver- nahm, ein Freiwiüigen-Corps. das fich nach Niick) begab, habe auf seinem Wege dahin in Haxzkeny Kururscheöxne Akte der Plünderung verübt und eine bulgarische Bäuerin getydtet, sie alsogleich den Ortsbxkhörden Auftrag erthxxiltc, die Schu1dtgen zu verhaften. Sie entsendéte an Ort und Stelle Se. Excc'Ücyaz Kiani PqscMr, einen der Ministex, einen enorgischen und strengen qun, und itattete ihn mit voller Gewalt aus, diejenigen, Welche schuldig befundenwurden, anM Akt, der Grausamkeit verübt zu haben, asyzuurivcilen und hinrichten zu lassen. Bereits find dieJiihr_cr und die Hauptschuldigkn 111 Hast genommen. Die Vlbukxtheilung ist im Zug, lind fie Welden Flach dsr volien Strenge der Geieße [)x-straft werden. Die hohe Pforte Ü enticblossen, rasche und auSgicvige Gchchtigkeit zu uheu, QLr'ltnn1Lr dle Schuldigen sein mögen, und so der Bevölkerung em Beispiel yon d." Strafe zu geben, welche alle Diejenigen erwartet, die sich fried- Ucheu und harmlosen Personengegenüber Miffelbaten erlauben sollten.“

_ Bpm KriegSschauplaße wird gemeldet: '

Konstantinopel, 25. Juli. (W. T. B.) Nack) cincr SWULÖLY Meldung der Regierung bat eine aus SVÉÖMUza (nordwestlich von Nischan der Morawa) abge- Hangene' Abtheilung jürkijclwr Truppen die serbische Grenze UÖLBWritten und die Serben zurückgeschlagen, Welckx 300 Todte WÜNM DYLi serbische Dörfer Wurden in Brand gestsckt. Adel KKMM ist in Niick) eingetroffcn; cs stoHt ein größerer Zusammenstoß bevor. - Durch die amtliche Meldmig wird

ferner bestätigt, da die Montenegriner bei Nevesinje von dreizehn Batai onen angegriffen wurden und nach drei- stündigem Kampfe flüchteten.

Belgrad, 25. Juli. (W. T. B.) Der Regierung wird vom Kriegösthauplaß gemeldet: Gestern „hatte die Armee des Ger-erals Zach auf der ganzen Lime Zusammenßöße mit den Türken. Bei Iavor (nördlich von Sienißa auf der Grenze) dauerte das Feuer der Geschüße, welchem ein Infanterie- gefecht folgte, 7 Stunden und war erfolgreich. Mehrere Türkische Kanonen wurden demontirt. Eine Abtheilung unter dem Archimandriten Ducic nahm die jürkisthen Block- häuser bei Vassiljevitsck) (nördlich an Sienißa), zerstörte dieselben und machte dort Beute. Wahrend des Kampfes cr9riffen mehrere hundert von den türkischen Trnppenabtheilun- gen abgeschnitjene Türken die Flucht. Die serbischen Truppen verschanzten sich in den den Türken abgenommenen Positionen und hatten nur wenige Verwundete. Oberst Czolokaniics erzielte in der Richtung auf Sicnißa noch größere Erfolge, indem er den Türken auf der sogenannten OHman Pasckza-Höhe die Blockhäuser und Verschanzungen abnahm," den Feind zer- ßreute und sich mehrerer Türkischer Dörfer bemachtigte.

Wien, 25. Juli. (W. T. B.) Der „Politischen Korx- respondenz“ wérd aus Ragusa gemeldet: In Folge der be- dsutenden Verluste, welche die Montegriner am 23. d. bei Vichina, in der Nähe von Neveftnje, gegen Moukhtar Pascha erliiten, hat sich der Fürst Nikita nachvGaczko zurückgezogen und auf dem Rückzugs die jürkischen Hauser in Gaczko, aus welchen auf die MontenegriMT geschossen wurde, niedergebrannt. In der Umgegend von Podgorizza nehmen die Türken feli einigen Tagen zahlreiche Verhaftungen von Christen vor. Bei Podgorizza werden Von den Türken neue Verschanzungen er- ri tet.

ck - Der bisherige Verlauf des türkisch-montene rini- schen Krieges wird von der „Pol. Corr." folgendermaZen ge-

ildert: fck Ragusa, 23. Juli. Im Verlaufe der beiden letzten Wochen voUzogen die Montencgliner iiyre Operaiionen zwar langjam, aßer 1iichtsdcstowenigcr mit Erfolg. Dies gilt sowohl von dem in der Herzegowinci' eingebrockxcnen Corps, als von dcr gegen Albani m operirenden Südarwee. Dic Langsamkeit ihrer Vewe ungen ist kei- neSwegs dem von den ii'nkiscben Truppen gelkisteten 5 iderstan'oe zu- zuschreibm, da diese letzterwn nur in sehr geringer Anzahl vorhanden und als Garnisonen in Weyigcn Orten der Herzegowina zerstreut find. Die Monienegriuer find a?.er in ihrem Vordringen sehr behutsam, da sie immer das Plößliébe Auftreten tinkiscber Corps aus BoSniexi fürchten. Ein zrveiter Grund dieser Behutsamkeii liegt darin, daß die Montenegriner eines eigentlichen Generalstabes entbehren, so daß die ganze Kriegöleitung auf den Schultern des Fürsten, des Sianko Radonics und eines Intendanten ruht. Der übrige Theil des Fürst- 1ich2n Gefolges ist eben nur bemüht, slch durck) persönliébe Tapfer- keit hsrvorzutixun. Nnßerdim mangelt es den Montoncgrinern an Artillerie und verfügen sie nur Über Wenig Kanonen. Leß- tere würdkn Übrigens den Mor-tenegrinem mehr schädlich als vortheilvaft iein, daher fie sick) disse Entbehrung mit Rück- sicht auf die ihnen wohlbekannte Beschaffenheit des [)erzego- winiichcn Texrains und dm Mangel an Sixaß-zn ielßst auferiegt haben. Auch der Gang der serbischen Operationen ist nicht ohne Einfluß auf diese zögernden BiWéZUUJLn gek-Lieben. Usbrigens trachten die Montenegriner bei ihrem Vorxückeu, durcb außerordentlick) freund- liäyes BMi'hMi'n fick) die Sympathien “Oer mavomsdanischkn Be- völkerung zu erwerbsn, In der Herzegowina formircn die Movie- negriner vier Divifioy-zn. (Eine derselben verblieb bci Gaczko, eine

bei Nevesinie, Die dritte derieiben befindet fich oberhalb Klek in“

Utovo und die viertestehtzwiiäxen Neveiinje und Gaczk0._Die bei Gaßzko stkivkndc Division Hat ihre Aufgabe Nahezu voÜstanc-ig gelöst, jene von Kiek ceruirt da;; mit Liner klsinxn Garnison verse5_enc Utovo und hat es (mcd [*Ll'CitS, jedoch chm Erfolg, angegrinen. Heut? versuchten es die Moytcnegriner, Utovo durch einen Parlamer-iär zu:“ Uebergabe aufzuforkcrn. Die Türken erklärten std_ocb, bis auf dcn lslztcn Mémn kämpfen zu WoÜcn. Wenn es der größeren Division bLi Nevesinje gelingt, die befestigte Kas-srne von Nevcfinje zu nehmen, in welche sich Se lim Pascha, nachdkm er Zalom aufxxgeben, ge- flüchtet hat, so fteß-n_die Montenegriner in sechs Stunden vor Mostar. Der oberhalb der Kcaerne aufgenprfencn Verichanzungen haben sie sich bereits bemächtigt und bcichi€ßen fie dic Kaserne.

- Von der boSmiick) - kroatischen Grenze wird der „Pol. Corr.“ über die InsUrrektion geschrieben:

Den Bswokynern VOU Petrovac (in der Nähe des „Triplex Confinium“), in Welibein eine größere Abtheilung iüxkiicher Truppen. bereits seit längerer Z:!“t den Gang der Ercigniffe abwarteick, ging der Proviant aus “und fis 1.eßen fich aus Sarajevo eine bedczutende Ladung Mehl und_ Proviant (etwa 100 TowarS) kommen, Welche 'edock) von den Jmurgénicn bei Smoljxue erbeutet _wurde. Einige

agé darauf lxielten die Führer Ymeiica, Davidovic, Damianic, Umicevic, Dcsvotovic Und Popp Karan Kriex-„skatb ab, um die Ar“. und Weise der demnächst zu ergreifmden Lffevfive zu beiprechcn. Die Türken licßén Nämlich die Insurgenten in jüncister Zeit ziemlich uubebelligi'. Amelica wurde mit einer ziemlich starken Abtheilung nach Smoljaue ab.;zeicbickt, um die Höhen daselbst zu okkupiren, was ihm nach Miami Widerstanve der schwachen jürkischrn Beiaßung aucb gelang. Dia übrigen Jnsxirgentenführer wählten Simo Davi- dovic zum Llusiihrer und mar1chirten gegen Bravsko, Wo 92qu 1000 Baschiboznks konzentcirt waren. Der Angriff Seitens der Ju- surgencea eifoigte m_n frühen Morgen_ und mit großer Heftigkeit. Die Baschibozuks [eiiieten Wohl Wide'rilcmd, jedoch vergeblich denn, nach dem zweiten Sturm fiel Bravsko in die Hände der Inf.:r- gent-cn, "vie dcn Ort besetzten. Die Verluste Waren beiderseits groß.

Die Insurgenten ganz Weit-BoSniensx, eimehend, daß ihre irregulären Maffxn obne Arixüerie und ohne militärische Führung

egen die türkische Militärmucht nur schwer aufkommen können, be»- chlossen, die Gegend gänz1ick) zn dsvaftiren, um so eher die Möglich- keit ihrer Vc-reiuigung mit den imeozaraq Germece- und Risovac- Gebirge untbätig lagernden Abtheilungcn herbeizuführen. Aus diesem Grunde haben sic auch die Ortscbajten Sanica, Modran, Naprer-jc, Budelj, Viliana, Gorica, Vaiatoprxi. Ctkice, Turnic, Orkec, Kamen- grad, Crnojevici, Iacubovac, Prtsxck un_d Balerica-Brdo pernichtet und niedergebraynt, bei Welcher Gelegenheit ihnen 1300 Stiick Horn- vieh, 1500 Schafe, an 100 Pfexde 2a. in die Hände fielen.

- (W. T. V.) Nach in Paris am 25. Juli eingegange- nen Privatnachrichten aus Konßanziiiopel wäre der bei den Vorgängen in Salonichi kompromitnrte ehemalige Gouverneur

von Salonichi zu einem Jahre Gefängnis; verurtheilt worden.

Rumänien. In der Sißung der Deputirtenkammer vom 19. Juli forderte, der „Allg. Ztg.“ zufolge, die Regie- rung einen Kredit von 10,000 Franken zur Unterstüsung der größtentheils aus Frauen und Kindern bestehenden Flücht- linge, welche der serbisch-tiirkische Krieg auf rumänisch s Ter- ritorium gedrängt hat. Die Vorlage macht unter serbischen und türkischen Flüchtlingen keinen Unterschied.

- Dem „N. W. Tagbl.“ vom 24. zuiolge hätte die

forte die wichtigsten Forderungen Rumäniens ab- gelehnt und besonders das Verlangen einer GebietSabtreiung und der rumänischen Jurisdiktion über die in der Türkei wok)- nenden Rumänen als undiskutirbar bezeichnet.

Amex '. Es wurde seiner Zeit berichtet. wie der General Custer am ). le -H orn Riv er auf ein Lager der aufständischen Sioux-Jnd.. ier stieß, wie er den Major Reno zur Umzm-

gelung desselben absandke, wie er dann selbft MXL allen seinen Truppen in einem Hinterhali vernichtet wurde, wahrend Reno die Vereinigung mit einem andern Truppencorps unter _Oberst Gibbon zu Stande brachte, die Leichen Custers und der ubrigen Gefallenen beerdigen ließ und sich dann zum Yellowstone-River“ zurückzog. Ueber diesen letzten Theil des EreigniffeS, d. h. über den Marsch dss Obersten Gibbon und dessen Vereinigung mit Major Reno, Liegen eine Anzahl Depeschen vor, denen wir fol- gende Einzelheiten entnehmen:

Während Cusiers Truppenthsii nur aus Kayailerie bestand, marschirien in ,eimger_Entiernung hinter ihm General Terty und Oberst Gibbon mit funf Compagnieen Infanterie, vier Kavaacrie- Schwadroncn Und einer Gallinq-Gebirgs-Batterie. General Custer sollte mit seinn Reitern den Feind aufsuchen und ihn fcftbalteu; einem Kampfe aber soUte er nach vorheriger Uebereinkunft jedenfalls bis zu Terxy's Heranrückeu ausweichcn. Beide Truppenkörper wurden am 24. Juni beim Zusammenflusse des Ysllowstone- und Big Horu- River von den Regierungs-Transportschiffen gelandet, mid Custer brach, wie verabredet war, zuerst auf. Terry blies) zurück und Oberst (Gibbon marscbirte mit seinem Corps am ersten Tage 36 Kilometer, am zweiten 18 Kilometer durcb unwegsames Land bis zur Mündung des Little Big Horn in den Big Horn River. Dort Überbrachisn am Morgen des 26. Juni drei flüchtige und verwundete Crowsandianer die Nachricht von Custers Nicdexlage, doch glaubte man ihnen nicks, da,a11e Wahr- scheinlichkeit dagegen zu svrcchen schien und da man emen Kampf zum aÜerfrühesten erst für den 27. in Aussicht genommen haite. Voller Besoxgniß marschirte man weiter, olzne auch nur daskgeringste Pulverwölkäpen am Horizont zu entdccken. Endlich nacb Zurucklegung einer Strecke von 45 Kilomaiern mußte Halt gemacht Werden, da die ermüdeten Soldaten zu Dutzexiden umsanken, Am folgenden Morgen beim ersten Tageßgrauen stieß die_ Avantgarde innerhalb einer kleine]: Cbeue von eiwa Z Kilometer ins Geviert am linken_Uixc 17.95 Little Big Horn auf die ausgedehntcn Ueberresjc einss verlassenen indianischen Lagers, we1ches sich 5 Kilometer Weit länss des Stromes binzog; Dort fand man die frischaufgcschiitteten Gräber yon neun Häuyllmgen", rings ym- geben von jüngst geichlacké-tetyn Pferdkn. Kavaliene-Aqöruftungsstqcke, Büffell)äute. Blechdosen mit gcdörrtcm Fleisch, wie die nordamerika- niichen Soldaten es im Felde zu gmicszen pflegen, Waffen und un- zählige andexe Gegenstände bxdecxten in wirrem Duxchemander d_eu Boden, unikrmischt mit vereinzelten m€nschlichrn Leichen, cnjselzkcb verstümmelt, aber dennoch zum ThLil noch eikcnvhar. Eben hatte man bkgonnen, die Leicioname eines Lieutenants, eines_ Dolmetschen und eines Wegw-xiiets von Custers Kolonne zu beerdigezi, als _ein halbikalpirter Crow-Jndianer atbomlos berbeisiürzend die Nachricht brachte, daß Maior_cho mit den Ueberbieibseln des 7. Kavallerie- RCJiments auf einem Hügel nahe am Ufer umzingelt zmd in Gefahr sei, von den zahlreich anstürmenden Indianern erdruckt zu Werdxn. Schleunigst brach man auf, und kaum eine Stunde vz??? die Kolonne marschi:t, so gewahrte fie auf einem schrägabfaüenyin UscthHange a_n der cmdk-ren Seite des Fluffc's eine kleine Soldatemcbacxr, die fich m einem Kreise zusammengesthloffcn mit blanker Waffs'muhsam er _an- stiirmxmden Jndianrr erivelnte, während di? Mitte des Kreises von ihren Pferden und Verwundeten eingenommßn war. _Sofort gcxb Oberst (Gibbon seinem Pf-xde die Sporen und wrengte "? dm Fluß, ihm nach die zum größten Theil berittene Avantgarde; die Indianer wichen mit ihrer bekanntsn Geschicklichkeit icbch mid fast“ lauilos zurück, die Überlebenden Soldaten abcr begrüßtcn die Ankommlmge mit «71mm lauten Hurra!) - hatten sie doch von Sountag Ngcbmxt- tag bis Mittwvch Morgen hinter notbdürflig aus cker Gepack und ihren Tomistem ber erichteten Verschanzmigen bestandig gefochten. obne Schlai, ohne Zintie und fast ohne Nahrung; daß aher aux!) die Indianer nicht geringe Vexluste erlitten Haijen, bexvies die Umgecung und der Fluß, an deffen buicbretchen Meta fich alleuthalben JNäUUU'“ und *Pférdeleichen festgÜFt hatten. Uebe_r Gcm-mi Cuitcrs Schicksal waren Major xm), ehcnio- Wie Oberst Gibbon bis zu dieiem Nugenbiict voüstandig 1m [„lnklax ren, da Rmo und Custer fick) schon am 25. getrennt hatten, Wahrend man sicb mit der Vorläufigen Pflege und Wesschaftung der Verwun- deten beschäftigte, wurden thromlle'n abgesandt, um_ nach Custers Verbleib außzuipähen. Eine dexselben fand etwa 5 Kilometex strom- aufwärlö an der gegenüber liegenden Seite des Flusiss die ersten Spuren von dessen Niederlage. Leichen, Watffen .und. Weggeworfene Monturstück: wiesen in geradcder Linie den Pfad in em enges Thal; dort aber schikn das Waffenqlücksch geumndt zu haben, denn „fast paraÜel der ersten Straße sübkté eine ziveite ebenso kennliche Wieder ungefähr zu dym Ausgangspunkte zurück.

Hier aber bot fich cin erschrcckynder Anblick dar. Manner und Pferde lagen dort zu Haufen ge'chürmt, 1kalvért und hier und da xnii Jndiauerieichen untermischt, auf einer Anhöhe abcr fand man Custer ielbst mit skineu sämmtlichen Offizieren und dcm Korreipqnx denken einer New-Yoxkcr Zeitung. Von der ganzen Kolonne scheint kein Einziger am Leben geblieben zu sein.

Die Beerdigung der Leichen mußte mit aukgekcbnien Vorsichts- maszregeln vorgenommm Werden, denn in dEr ganzen Umgcßend schwärmte cs nock) von zerstreuten Jndianerbandcn," die aUe Ve- wegungen der Amerikaner belauerten und jede Bloß? und Sorg- losigkeit derse1ben gewiß benutzt haben würden. Die Veiwundeten wurden auf Tragbabrcn, die man aus Aesten, Moos und Laub ver- fertigte, zum Big HorwRiver zurückgeschafft, von wqo sie an Bord der Flvßdampfer den Big Horn und Yellowstone aufwarts zum Fort Lincoln gelangten. Gibbons Kavaucrie folgte p€u_Jndiapern nych 16 Kit. weit und erkannte, das; ihr Hauptcorps m sudweßlicher Rich-

* tung abgezogen war. Die Indianer hatten mancherlei Gegenstände,

die sie sich früher angeeignet, als zu belästi end für YennMarscb wieder Weggeworfen; auch fand man viele ihrer odten settrvarts am Wege in den Gebüschen versteckt. _ ' _ ' ,

General Custer war ein noch verbaltmßchtg 1u_nger Offizwr von 39 Jahren. Aus drr Militäxscbuw vo'n 5 _eUpomt hervorge- gangsn, trat er beim Beginn des Secessionskcieges mi Jahr? 1861 m die Armee, in welcher er es bis zum Schlusse des_Krieges zuin Range eines General-Majors brachte. Er War als einer der tuckotigsien Reiter der nordamcrikaniséhen Bundekarmee bekannt, hatte aber im anianerkrieg-s nur geringe Erfahrung, da er nur in den Jabrqn 1873 und 1874 mehrmaw an kleineren Unternehmungen gegen dieselben Theil genommen hatte.

Die Gegend, in welcher diese Kämpfe vorfielen, _ift felsige, unweg- sam und fast. unerforscht. Der Little Horn mündet m dan Little Big „Kom, Fieser in den Big Horn und diejer wieder in_ den Ysllowftone-

iver; pai'aUel dem Big Horn aber fließen noch die ebenfaüs mehr- fach genannten Flüsse Rokebud, Tongue und Powder-River. Bon drei Forte; auSrückend, find die Truppen zu den Black Hills mgrschtrt, dem Fort Ellis, welches Westlich, Fort Laramie, welches nördlich, "und Fort Limoln, welches östlich gelegen ist. Getieral Slxckrnxan hat uber dieses Terrain den AussprUch gethan, daß er _11e1'er noch einmal feinen berühmicn Marsch durch Georgien wiederholen, als vom FortL'.nco1n zum Big Horn vordringen Wolle.

Am 12. Juli ist Genexal Crook mit 1200 Mann abermals vor- gerückt, stieß aber auf etwa 4000 Sioux, dre durcb Cbcyenneg- und Arrapa'hoes-Jndianer verstärkt waren, , und h_eschloß,„ diefer Uebex- macht gegeniiber den Kampf zu verschieben, bis er in der L_age sei, mit einem wuchtigen Schlage den ganzen Aufstand zu unterdrucken.

Neuerdings meld-t ein (schon mitgetbßtltes) Telegrzmni aus

hiladelpbia vom 20. d. M;: „Eine große Skreitkrait der

heyenne-Jndianer hatte die Red Cloud Asency verlassen, um sich den feindlichen Sioux-Stczmmen (m?ujcbkjeßen, ward aber vom General Merrit auf C11marschen abge augen und nach der Agency zurückgetrieben. VerstärkunJeu gshen (16 zu den Kolonnen des Generals Crook und Generals Terry.“

-- Nach in London eingegangenen Nachrichten aus Mexiko vom 17. d. Mis. hat Alatorre mit 400 Mann Regierungs- truppen die 1300 Mann starken Aufständischen unter Her- nandez am 15. unweit Orizaba gesohlagen. Leßtere ließen