MF „quizkilichexl le'xnden fiir Unzulässig zu crachten ist. Die KMTJUM Regtemxag Veranlaffen wir demgemäß, die Landrätlze der von der ; *. . . . Bahn bérührten Kreise dahin mit Anwei- sung zu versagen, daß sie behufs Freilassung der Bahn-Polizei- bramten "oon periönltihen Dienstleistungén an die betreffenden LMU,“.meinden die geeigneten Eröffnungen ergehen lgffen.“ “Paüaufhin smd mm die nothwendigen Weisungen an die ein- zelnen Behörden crgangen.
_ Hit:.fichtltch der Pensionen von Invaliden, welche fich in Untersuchungs- oder Straihaft befinden, hat der Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Iustiz-Minister Neuerdings angeordnet, daß während der Dauer einer Unter- suchungshaft oder der Verbüßung einer Freiheitsstrafe die Zah- lung der den Invaliden zustehenden Pensionskompetenzrn nicht an *die inlinftirten Invaliden, sondern der Regel nach an die Untersuchungsführendc, beziehung-Zweise die straivollstreckende Be- hörde zu erfolgen hat. Sofern jedoch die Kompetenzen zum nothdürftigen Unterhalt der nächsten Familienangehörigen des Peiifionärs, deren Ernährer der leßtere war und für welche ihm die Fürsorge gefeßlich obliegt, namentlich der Ehefrau und der Kinder, nicht entbehrt Werden können, find fie in Gemäßhcit des geltenden Grundsatzes, daß durch Untersuchungs- und Straf- voUstrechnngskost€n die Betroffenen nicht außer Nahrungsftand versth werden soUen, auf Antrag der Betheiligten oder des da- bei interesfirten Armcnverbandes an die Angehörigen so weit als Nöthig zu zahlen.
_ Dtm inländischen Richter, welcher ein im AnÖlande ein- genangencs Rccht§verhältniß zu beurtheilen Hat und das fremde Recht kennt, steht, nach einem Erkenntnis; des Reichs-Ober- Handxlsgerickns, 1. Senats, vom 27. Juni d. I., die Befunniß zu, dicse seine Kenntnis; anzuwenden, und er ist nicht verpflich- tet, in diesem Falle erst noch den Verweis diesrs Rechts von einer der Parteien zu fordern.
_ Zn . 65 der Städte-Ordnung vom Jahre 1853 hat das Ober: ribunal 1. Senat,_ in einem Erkenntnis; vom 12. Juni d. I. ausgesprochen: 1) daß eine diätarische ander- weitige Beschäftigung im Staats- oder Gemeindedienße den Fortfall des Ruhegehalts oder die Verminderung der Pension zur Folge hat und 2) daß auch die Beschäftigung bei der Kreis- verwaltung als eine Kommunaldienst-Thätigkeit zu erachten ift.
_ Briefsendungen für S. M. S. „Niobe“ gehen bis auf Weiteres nach WiSrnar (Mecklenburg).
Bayern. 1ünchen, 10. August, In Zweibrücken smd die drei kasfirten Abgeordneten und Ersaßmänncr heute wieder grwählt worden; erstere mit 117 gegen 71, leßtere mit 118 gegen 67 Stimmen. _ In den nächsten Tagen wird auch der Staats-Minifter v. Verr einen Urlaub antreten, und der Staatskath v. Pfistermeifter fiir die Dauer desselben mit der Leitung des Finanz-Ministeriums betraut werden.
Baden. Schloß Mainau, 10. August. Einer Ein- ladung des Königs und der Königin vo. Württemberg folgend, begaben Sich der Großherzog und die Großherzo- gin gestern Nachmittag nach Friedrichshafen, nahmen dort an der Königlichen Tafel Theil und blieben dann bis gegen fünf Uhr. Auf dem Rückweg nach der Mainau besuchten die Hohen Herrschaften den Prinzen und die Prinzessin Wilhelm aufSchloß' Kirchberg.
Hessen. Darmstadt, 10. August. Nach Artikel 11 des neuen S chulgeseyes muß Lede Volkssehukx cin Unterrirhtswkal haben, das nach Lage, Einrichtung und Ausstattung den Be- dürfniffen des Unterrichts nnd der Gesundheit entspricht. Das Ministerium des Innern hat nunmehr die näheren Vor- schriften über den Bau und die Einrichtung der SchUlräume und Leßrerwohnungen gktroffen.
Mecklenburg. Schwerin, 10. August. Vor acht Tagen fand, wie den „M. A.“ berichtet: wird, in dem Dorfe Schadeland bci Zarrentin eine gerichtliche Haussuchung wegen sozialdemokratisckzer Umtriebe statt. In Folge der Re- sultate, die fich dabei herauSgestellt haben, wurde am 6. August, leends, folgende amtliche Bekanntmachung hier veröffent- licht_:_ „Nachdem sich herauSgeftellthat, daß die beidensozial-demo- kratnchen Vereine: Deutscher Zimmererverein, sowie Allgemeiner deutscher Maurer: und Steinhauerbund, dr'ren ersterer in Gotha, der zweite in Hamburg seinen Sitz hat, neben der ihren Sta- tuten entsprechenden Verhandlung nicht politischer Gegcnftände, auch Mit politischrn Angelegenheiten fick) befassen, daß ins- besonders der leßtgrnannte Verein nur eine Fortleßung des bereits vor längerer Zeit verbotenen und bez. im De- zemlicr 1874 aufgelösten „Allgemeinen deuticknn Manrer- und Stemhauer-Verins“ ist, so erscheint die fernere Theilnahme an den beiden genannten Vereinen als durch die Verordnung vom 27. Februar 1851 gesetzlich verboten. Es w-zrden demnack) alle Mitglieder der beiden genannten Vereine aufgefordert, ans dxiiselbrii nngcsäumt' aUSzutreten, und werden dieselben darauf hingewicsen, daß hrt Nichtbeachtung diefer Aufforderung mit aller Strenge'gkgen ße wird vorgegangen Werden. Wittenburg Und Zarrentin, 2. Ungust 1876. Großherzogliches Amt. :). Laffert.“
Sachsen : Weimar :„Eisenach. Schloß Wilhelms- thal, 11. August. Ihrc Konigliche Hoheit dir Großherzogin iftknhrxxi il)r--:r Reise nach Hélgoland gestern Abend hierher zurück- ge e .
Elfaß- Lothringen. Meß, 9. August. (Köln. Ztg.) Vorgestern hat die erste Session der Kreistage Elsaß- Lothrrngxns begonnen, welche nach der Kaiserlichxn Ver- ordnung hochstens fünf Tage dauern darf. Der Tiedeniwfener Kreistag txt die Geschäfte seiner ersten Session in einem Tage vollendet. Samar:- [iche neun Mitglieder waren erschienen.
Oesterreich-Ungaru. Wien, 10.Auguft. Der Kaiser hret herne die unter Führung des Ober-Bürgerme'ifiers Rätk) hier eingetroffene Deputation der Stadt Budapeß LmY§ngm,dZelÉe gtetomwenlfwiar, Zim Se. Majestät zur Theil- 4 a ean en ennia e er es [ati ? Joseph anuladÉtrr. d Pa ns („rzherzog
___ „as , em mbl.“ enthält fo,k ende Mitt eilun cn: „Cm ma'hrtsehes Blatt will in Erfahrung ggebrackzt hYben, 9daß die Karre „duroh Verwittelung der Wiener Nuntiatur dem oßerretchtschzungartschen Episkopate Verhaltungs- maßregeln in Betreff der südslavischen Wirren zukommen ließ. Die Tendenz dieser Weijungen laffe fick; aus dem Umstande entnehmen, daß etliche Kavaliere v_on ultramontaner Färbung, welche seiner Zeit Kollekten fur die _ carliftischen Banden veranstaltet haben und nunmehr fur die südslavischcn Insurgenten zu sammeln beab- ]
* WKW"; ße!) die Saüze überlegt hätten und diesen Gedanken fallen. ließen.“ _ Aus Tirol wird berichtet, daß die klerikalen „Tiroler
Landtag konfiSzirt wurden. _ _"
_ Aus Semlin wird gemeldet, daß der dortige ]ungft abgedunkte Bürgermeister, welc'.;er unter den verschiedensten Aus- flüchten die Uebergabe der Akten verweigerte, von Seite der Re- gierung noch einmal kategorisch hierzu aufgefordert wurdx. Zugleich erwartet man dort das Eintreffen eines Theiles der Mit der Grenzbewackiung betrauten, unter dem Kommando des Grafen Szapary stehenden 20. Division.“
_ Der „Pol. Corr.“ wird aus Salonickzi unterm 4. d. Mts. berichtct:
Die österreich-ungarische Fregatte „Radetzky“, welche aus Anlaß der bekannten beklagenswertlyen Ereigniffe durch längere Zeit hier weilte, hat uns wieder verlaffen. Es ist keine bloße Schn1cichelei, wenn wir sagen, daß dieser Repra- scntanr der K. K. Krieg-Zmarine hier das beste Andenken zurück- gelassen hat. Der Kommandant des genanten Schiffes, Linirn- schiffs-Kapitän Freiherr von Marfroni, hat während seiner hiesigen Stationirung stets die größte Bereitwilligkeit gezeigt, die österreichisch-ungarischen StaatSangehörigen in ausgiebigfter Weise zu schützen. Er hat die gesammte AusschiffunJSmannschast auch unauSgcietzt bcreitgehalten, um im Julie ernster Ruhestörungen zum Schuße der österreichisch=ungarischen Unterthanen augen- blicklich einzuschreiten und die allenfalls Bedrohten an Bord des „Radetzkr)“ in Sickqerlxit zu bringen. Di: Mannschaft des Schiffes selbst hat fich'bei wiederholten Anläffen um das Wohl der Bevölkerung unmittelbar verdient gemacht, Beisnders war dies bei einem zur Nachtzeit in unmittelbarer Nähe des österrei- chisch-ungarischen Konsulatögebäudes auSgedrociienen bedeutenden Brande der Fall. In einer geradezu verblüffend kurzen Zeit erschien die ganze Mannschaft des „RaderrJ“ auf der Brand- stätte und ist ihrer aufopfernden Hülfeleißung die Rettung vieler Hunderte von Häusern und der darin aufgejpcicherten Waarcn- vorräthe zu danken. Dcr General-Gouvrrneur des Vilajets, wie auch die griechische Kommunität unserer Stadt säumten nicht, dem österreichischen Kriegsschiffe für dessen erfolgrsiche Intervention “öffentlich zu danken. Die “Österreichische Kolonie von Salonichi wird eine besondere Genugthuung darin erblick n, wenn diese aufopferungSvollen Leistungen der Mannschaft des „Radeßkn“, sowie ihres Kommandanten auch daheim ihre Aner- kennung finden würden.
_ 11. August. Die ungarische Regierung hat, nach einer Meldung der „Presse“ erklärt, daß nach der ungarischen Ver- faffung die Genehmigung des Vertrages über die Trennung der Neße der Südbahn durch das Parlament nothwendig sei. Die österreichische Regierung ist entgegengesehter Ansicht, weil der Staatsschutz nicht belaftet werde. Auch erachtet man die Unga- rische Regierung nicht für berechtigt, die Angelegenheit zu be- einfluffen.
Pest, 10. August. Betreff?- der Berathungen der jüng- sten Bischofs-Konfer enz erfährt ,Pesti Naplo“, daß die- selben sich auf die Feststellung der Normen für die Konftitui- rung und den Wirkungskreis der Schulftühle der römisch- und griechisch-katholischen ReligionSgemeinden bezogen. Die Konfe- renz hatte nock; vor Vertagung des Reichstages ein Comité zur AuGarbeitung cines diesbxzügäechen Entwurfs entsendet. _ Der
Entwurf wurde dex vor KU m stattgehabten Konseren “unter- breitet und von dieser definitiv texnrt. Die meritoriche Be-
rathung darüber wird in der Konferenz erfolgen, wclche im nächsten Monat hier stattfindcn wird. _ Dasselbe Blatt bringt einen Auszug aus einem Schreiben desGrafenLonriar) an d,n antaer Bürgermeister, worin er die Kandidatur ablehnt und erklärt, vom politischen Leben fich zurückzuzielxen, weil ihm bei'jcdeanaligrr Theilnahnie an einer politischen Diskussion im ReickZstage persönliche Motive und Machtbegierde unterschoben Wur en.
_ Aus Südnngarn wird die vollständige Freilassung des Ex-General Stratimirovics gemeldet. Wie„Naplo“ érfährt, hat die Untersuckznng ergeben, daß derselbe weder mit der Om- ladina in Verbindung gestanden, noch an den Werbungen oder der Organifirung von Freiwilligenschaaren theilgenom- men hat.
Ugram, 10. August. Jn Karlstadt wurden gestern drei Verhaftungen und mehrere Hausdurchsuckyungen vor- genommen. Der Erzpriester Begovic, deffen Bruder, ein pensio- m_rter Osfizicr, und ein Advokaturskanzlift wurden verhaftet. Diese Vrrhaftungen iollen das Ergebniß dcr Pakracer Unter- suchung und der darin aufgetauchten Beweisinomente sein Die Vorhafteten wurden hier untergrdracht. In Folge dessen dürfte die Beantwortung der Interpellation Subotic heute nicht erfol- gen. _ Die Patracer Untersuchung istbeendet; der Staats- anwalt und der Regisrungskommiffar werden heute hier erwartet. Der Banus wird prrsönlich Bericht erstatten.
, _ In der heutigen Landtagsißung interpsllirte Orcs- kdvic betreffs der Einbringung eines Geseßentwurch Über die Stthe-Ordnung. Zivkovic antwortete, derselbe sei in Vorbereitung, dürfte jedoch kaum mehr in dieser Sesfion zur Verhandlung gelangen. Der Interpellant erklärte fich mit der Antwort zufrieden.
Semlin, 10. August. Heute ließ das Minif'erium das Verbot des Exporters von Vieh publiziren und die strengste
,-
Handhabung desselben anordnen.
Großbritannien und Irland. London, 10. August. Das in der Regel den Schluß der Parlameitssesfion signali- firende WhitebaitYEffen des Ministeriums und der konser- vcztiven Parteiführer fand gestern in Greenwich statt. Die Mehrzahl der Minister, darunter auch der Premier Dis- raelt, nahmen an demselben Theil; es fehlten nur der Earl of Derby, Earl_of Malmesbury und Lord Carnarvon. _ In der genrigen Sißung des Unterhauses erkundigte fich Ritchie deem Unter-Staatssekretär für auswärtige Angelegen- heiten, ob dt? Regierung irgend welche Schritte zu thun gedenke zu dem Behufr, ihren Einfluß in B ul garten direkt fühlbar zu machen, nm die Wiederholung ähnlicher Ereigniss, wie diejenigen, welche in dieser Provinz im Juni stattfanden, zu verhindern. Der Unter-Staatßsekretär des Auswärtigen Amts erwi- derte: „Es sind der Pforte verschiedene Vorstellungen mit Bezug auf, dte grausamen und scheußlichen Thaten, die in Bul- garien verubt wurden , gemacht worden, und die Pforte ist von dem Entseßen und der Entrüstung, welche diese
Er'eignifxe in England erregt haben, in Kenntnis; gesetzt worden. Wir ha m"]eden Grund zu drr Annahme, daß sie seit einiger Zeit aufgehort hnben, und-über diefen PUK“ MUMM Wik hCUt? oder morgen weitere Information. Wir wissen aush, daß hkk Pforte exemplarische Strafen gegen di.: Verüber dieser Barbareien verhangt hat, Um den Einfluß der britischen Regierung direkt ans dem 1
Stimmen“ vom 8. d. M. wegen eines Artikels über den Tiroler“
SchauplaJdies er beklagenswerthen Vorgänge geltend i_nackzen zu kön- nen, hat hrer MajestätRegierung die Ernennung eines britischen Konsularbeamten in Philippopolis autoristrt, dem besondere In- struktionen ertheilt worden smd. Ihrer Majestät Regierung wird demnach in direkter Verbindung mit jener unglücklichen Provinz stehen, welche die Scene dieser beklagenswerthen und gräßlichen Ereignisse gewesen ist.“ ,
_ 12. August. (W. T. B.) In der gestrigen Sitzung des Unterhauses gelangten die von den Türken in Bulgarien begangenen Grausamkeiten akermnls zur Besprechung. Athler) tadelte, daß die englische Regierung und der Botschafter EÜiot es an jedem sofortigen und energischen Einschreiten hätten fehlen lassen, und selbst jetzt noch fehlen ließen, nachdem dock) nunmehr die Wahrheit bekannt geworden sei. England habe keine Vorstellungen gemacht, die seines Charakters und seiner Macht würdig wären, Lord Dcrbr) hätte der Pforte einen schriftlichen Protest zugehen lassen, müssen. Forster bemerkte, die Türkei habe die Insurrektion an- fangs mittelst gewaltthätiger und grausamer Maßregeln zu unter- drücken gesucht, es sei aber unmöglich, das; die türkischen Pro- vinzen einer solchen RegierungSweise preisgegeben werden könnten. England müsse auf seine traditionelle Politik verzichten und der Türkei eröffnen, daß es dieselbe nicht mehr gegen ihre Feinde vertheidigen könne. Falls Oesterreich und Rußland zu einer Intervention fick) veranlaßt gesehen hätten, würde die öffent- liche Meinung Englands keinen Widerspruch erhoben haben. Der Unter-Staatssekretär Bonrke erwiderte, die Regierung Hege das wärmste Gefühl für die christliche Bevölkerung und thus, was fie könne, um ihr Loos zu verbessern, Die durch dieGrausam- keiten hervorgerufene Indignation sei vollständig berech- tigt. Die Regierung werde die kommenden Ereignisse iiber- wUchen, um eine Erneuerung der Grausamkeiten zu verhindern, sie habe einen Offizier von großer Auözeichnung, den General Arnold Kembell, beauftragt, die türkische Armee zu begleiten, Indes; könne die Regierung doch nicht geschehen lassen, daß die Aufmerksamkeit von den ernften Fragen sick; abwmde, welche mit der feitherigen Orientpolitik Englands, die das Land doch auch ferner aufrecht erhalten wolle, verbunden seien. Der Premier-Minifter DiSraeli trat den Angriffen Harconrts gegenüber für das Verhalten des Botschafters Elliot ein und hob hervor, daß England mit anderen Mächten bezüglick) der Erhaltung der Integrität der Türkei Verpflichtungen über- nommen habe. .
_ Der österreichische Botschafter Graf Beust ist nach Brighton abgereist.
_ 12. August. (W. T. B.) Das Gerücht, Disraeli würde Unter dem Titel eines Grafen von Beaconsfield zum Pair erhoben werden, findet Bestätigung. Der „Daily Telegraph“ meldet, durch die Ernennung Dinaeli's zum Mit- glied dcs Oberhauser“: werde in der Zusammenießnng dcs Kabi- nets ksine Aenderung herbeigeführt. _ Der Lord-Siegel- bewahrer Earl of Malmesbury hat aus Anlaß seiner anhaltenden Kränklichkeit um seine Entlassung gebeten.
Frankreich. Paris, 9. August. Das „Journal officiel“ veröffentlicht die nachstehende Mittheilung:
Eine der Regierung zugegangene telegraphisckze Depesche meldet die definitive Regelung der Angelegenheit von Salonichi.
Auf die Kunde von den beklagenöwerthen Begebenheiten, in denen die Konsuln oon Deatsäzlund und Jruulrriih den Tod gefunden haben, hatte Se. Majestät der Sultan Ll-.-dul-Aziz so- gleich den Botschaften der beiden Mächte in Konstantinopel sein tiefstes Bedauern aussprechen lassm und von freien Stücken eine schleunige und gerechte Genugthuung zugesagt.
Die Botsrliafter ihrerseits hatten unverzüglich mit dem größten Nachdruck darauf bestanden, dic exemplarischeZüchtigung der Schuldigen und Entschädigungen für die Familien der beiden Agenten zu erwirken.
Alsbald wurde in Salonichi eine Untersuchung eröffnet, an tvxlcknr ein franzöfischer und ein deutscher Vertreter im Verein mit zwei türkischen Kommiffären Theil nahmen, und auf Grund der Arbeiten dicser Kommission, sowie der Schritte der gemeinsam vorgehenden Botschafter der beiden Länder wurden die Genug- tlckuungen, wrlchc wir verlangten, der Reihe nach bewilligt.
_Ueber die Urheber des Verbrechens wurde die Todesstrafe verhangt und sechs von ihnen wurden hingerichtet. Die Haupt- mitsxlynldigen wurden zu lebenslänglickzer oder zeitlicher Zwangs- arbeit verurtheilt. Die Beamten, welche man iibcrführte, nicht die nöthigen Vorkehrungen zum SchUJe der Konsuln gegen die Wirth drs'Pödels ergriffen zu haben, wurden ebenfalls bestraft: der Polizeichef zu fünfzehnjähriger Zwangsarbeit, der Kapitän der in dem Hafen vor Anker liegenden Korvette zu zehnjähriger Festungshaft, der Befehlshaber der Garnison zn dreijähriger Frstirngshaft. Die chradirung dieser Offiziere wird in Salo- mch1 in Gegenwart der Vertreter Deutschlands und Frankreichs ßattfinden.
'Was den Gouverneur der Provinz betrifft, so ist derselbe
zu einem Jahr Gefängnis; vcrurtheilt worden, und die Pforte hat das Versprechen a1»grgeben, ihm nie wieder ein Staat-Zamt anzuvertrauen. " Schließlich wurden auch die von den beiden Regierungen fur 'die Fannlicn ihrrr ngente'n festgestellten Entschädigungen be- wrllrgt, Und dem franzönsehen Botschafter in Konstantinopel find sr") ebrn Wechsel auf Marseille in Höhe von 600,000 Fr„ welche fur die Wittwe und die Kinder des Herrn Moulin verlangt wor- den waren, übergeben nwrdcn.
_ 10. August., (Köln. Ztg.) Dem Präsidenten der Republik und seiner Gemahlin stieß grßern ein Unfall zu„ der leicht ,ernstliche Folgen hätte haben können. Auf der Jiuckkehr v_on Paris nach Versailles zu Wagen scheuten in Ville dAvray die Pferde und gingen durch. Der Kutscher sprang vom Bock, die Pferde ftürzten fich in eine Straße, die mit einem Abgrund endet. Ein gewisser Laturre, dem zwei andere Per- sonen zu Hiilfe kamen, warf sich aber den Pferden entgegen und es. gelang thin, Herr derselben zu werden. Der Marschall und ferne Geniahlm stiegen aus und schien dann in einer ihnen zur DiSpofition gestellten Cquipage die Fahrt fort. Der Wagen des YYYalls war stark beschädigt, der Kutscher wurde leicht ver-
e .
. _ Wie aus einem Geseßenthrf hervor e t, wel en die Regierung der Deputirtenkammer übergeben Ja?, belarYen fich die Ausgaben, welche Frankreich für die Beobachtung des Venusdurchganges machte, auf 425,000 Fr.
_ _ (Köln. Ztg.) Der Senat sehte in seiner heutigen Sißung die Verhandlungen über das Gemeindegeseß fort. Jules Simon begann mit der Erklärung, auch er fordere
wie Boche: estcrn gethan, eine starke Regierung"; denn ivo nicht Ordnung geßalten werde, sel„keine Freiheit möglich. Wenn, fuhr Simon fdrt, das neue Gemxmdegeieß die Freiheit gefährdete, fo wnrden wir rie Ersten sem, die Regierung zu ersuchen, daß fie die
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Ernennung der Mairks in Feinden behalte. Die Regierung ist aber nicht so interessirt, wie Bo er behauptet. Bocher erwarte,_ dr_e un- bedingte Uuabhä'a igkeit werde zu einer wirklichen Anarchie fuhren_; aber es wird a für die Gemeinden diese _ unbedingte Frei- heit gar nicht beansprucht, sondern es handelt sich bloß darum, die Mattes von den Gemeinderäthen wählen u lassen. Wenn das Grieß, wie Gambetta verlangte, die Wahl der artes in allen Gemeinden „hne Auknadme vorichriebe, io ließli-ch Vorberg Auffgssung zur Not!) noch begreifen; aber das Gesetz bewrlligt blos den kleinen Gemeinden diese Wahl. Nach den neuesten statistisehen Erbebunnrn haben von den 35,982 Gemeinden Frankreichs 16,553 nur 500 Einwohner und 10,804 nicht mehr wie 1000 Einwohner. Das n-ne Geicß kann demnach den öffentlichen Fr:.eden nrckt gefährden. Erw Yufstand ist nicht zu brfürchten; es sind das_ Uebertreibungen, chimarnxbe Besorg- xjsse. Uebrigens behält die Reaierung dre _Vormundtcbgft uber die Ge- meinden und die Absetzung der Marked in Handxn; aurdrxies Recht'wrrd die Regierung niemals Verzicht leisten. Redner fahrt nach diesrr Außeman- drricßung den Beweis, daß auch die übrigen Vriorgntffe, welclie Vorher und Grivart vorbracbten, aus der Luft gxgrrffen ieren; unloc- gründct zumal findet er die Behauptung, daß die Gcmemderafbe zu Maires Feinde der Regierung und sogar Feinde aÜer Regierungen wählen würden, so wie, daß die gewählten Martes fichnvrigern wur: dtn, das (Heieß Über die Rekrutenaushebung außzujfuhrcn und der Zuiamwenrottungen die Polizei zu handßaben und fahrt dnnn fort: Nun wohl, die Regierung wird das Recht hahcn, die _Matres zn suspsndiren und abzusetzen; und noch mehr, es 11981 bre; stn6_f11r dle Geurrinderäthe und nicht minder für das_Land selblt belerdtgrnde Behauptung vor. Redner kann nicht umhin, auf de sonderbaren Widerspruä) in den Behauvinngen der „Gegner dcs Gr- srßes hinzuweisen. Diese mit sich ieldst im Widersprucbe stehenden (Hegner dcs Gesetzes behaupten. die _Generalratbe ieren „ichr verständig, Wenn es gelte, Senatoren zu waHlen, abrr sie fugrn hinzu, fis taugten nicht zur Wahl drr Malers. Aber, _dte Grseindcratbe find gceigncter zu Verwaltungsangelrgenhxiten, konnte ich sagen; rel) sage es aber nicht, sondern ich sage, da[; m_an nicht yon vorndcrrin ric Gsmeinderäthe und die von ihnen geniaHltrn Malfes drr Vr:- irbwörung zciben darf. Redner ehrt, wie Vorher, dix _französiicbe Verwaltung; aber das in Rede stehende Gesrß werde dicielbe keines- wegs zu Grunde richten. Derselbe führt nun writer aus, daß das Gcssß der französischen Einheit keinen Schadrn bringen werde; denn
“ diese sei unangreifbar im Hsrzrn und im Geiste der Nation; fie sei
unangreifdar, wie dis Liebe zum Vaterlande. Denn, fügte er *lxinzu, wir lieben Frankreich mehr denn je, und zwar wegen terrier Schmerzen! Wir lieben ct“, wie ein Kind, das man drin Grabe entreißen wil]. Der Redner ging dann auf die durch Grivart erregten Besorgnisse ein und _ demerktr: Man hat das Bedürfniß, die Hand eines Führers" zu fnhlen; wre anders Leute, WoÜen auch die Republikaner dieie Fuhrenrhand fnhlen, der Unterschied ist blos der, daß, wenn der Fuhrer gewahlt werde, rs das republikanische Gesetz ist was wir heutzutage verlangen. Wir wollen Einrichtungen, die uniern Bedürfnissen entsprechen; bentzutazr reicht ein beschränkte Freihrit nicht mehr ans; es gilt, das Land irrt zu machen durch die Uebung in der Freiheit srlbit. In der G:- meinde ist die Schule des öffentlicbcn, des republikanischen ' chxns gegeben. Rcdner zeigt nochmals, das; die frgnzöfiickye Einheit _mclyt duni) dieses Gemeindegeseß gefährdet sei, und fugt hinzu: das Gesetz wurde von der Regierung vorgelegt und vou der Kammer angenommen; will der Senat jetzt ern „Vetorecht „aus'- übcn? Cs wsrde behauptet, der Senat sei nur cine Einregistri- mngWammer. Wahrliäg, “nein! wir wollen LMM gcachtrtcn S-nat, von dem das Land sage, wenn der Senat etwaswcrwnft: Es müssen wirklich erhcbtiche Schwierigkeiten vorliegen, dcm der S3- nat sich mit Regierung und Kamrner in Opposition Fcßtl Öas Anfe- ben des Senats wird um so giößer sein, Wenn er. init Erfahrung und Gerechtigkeit handelt; wenn er anders handelt, wird sein Aniebon ge- minder.
Der Marquis v. Franclieu wünicht die Rückkehr „zum Gesetze von 1871 und zieht die Wahl der Maire? durch die Genieinde- räthe der Ernennung dcrielden durch die ngrerung Vor. Hierauf wird über das Amendcmcnt Grivart abgestimmt und dasselbe rnit 157 gegen 121 Stimmen vrrworfr-n; nachdemßaucl) das AmendsmcntFranclicn vrrwrricn, wird Artikel 2 drs Gesetz» angenommen. _ _ „_
Buffet richtet an die Régierung die Frage, ob sie (6 fur nberslnxfig Halte, in das Gesetz das Recht drr Absetzung der Mairrs anfzumbmenx kb fie glaube. daß sie diesxs Recht besitze. Die Regierung babe dieics; Rscht nzrbt, wenn es nicht in einem Ersetze Verzeirbnetiri. Dann Wil] Buffetwnien, falls dieses Recht Wk zugrstnndcn, wie die Rrgr'erimg dann die arge- scßten Maircs ersrßrn wvlle? Der Minister, des Innern _rnt- gkgnete, wenn Buffet das Gesetz als urwollstandrg dezenbne, io tage er dem Kabinet nichts Neues; es bandlc fick) abcr ernfarl) darnrn, ol' dns .- Gcieß außreichrnd sei, und dies eben alanbe die Regierung. Laut dem Gesetze yon 1871 stehe der Regierung das Vreclot, Bürgermeister abzusetzen, zu. Dieses Gesetz _ ser zwar nur ein provisorischcs, aber es sei ““Ich nicht aufgedoben.
_ 11. Auguft. Die Berathung uber das Gemeinde- geseß wurde heute im Senate fortgesetzt, _ _
Lareinty entwickelt seinen Antrag auf 1111Vcrcrnharkeit dcs Bürgermeisteröamkes mit der Stellung eines Schankwrrthcs und Untrrnehmsrs öffentlicher Spiele. Der Arrrsclmß findet'drwAntrag zwar in moralischer Hinsicht cmpfelolynswertd Und nutzlicl), i_st aher doch der Ansicht, daß dersclbe in cinem Géikßr, welcbe; weient'ncb Provisoriichcr Natur fein soll, uickxt anriedraclyt sein wurde. Das
leendem-nt wird verworfen. Es folgt die Bxerathkuvg Über Artikel 3 , Welcher bestimmt , daß die Munizipalratvr drei Monate nach Verkündung des Gesetzes erneuert werden iollen. Dre Kom-
miisron will den Artikel gestrichen wisien. Tolain sncht dre _Notb- wendigkeit der Erneuerung nackoznwcffcn, weil man, die Mirmzipal- tätl)? in Einklang mit den großen Staatökörpem drinnen musst,; der Artikrl sci gar nicht gefährlich; chn die republikaniiwc Partei eine Rexicrung des Kampfrs skin wollte, so würde sie drr Rraiening die Ernennung der Mattes übrrlasen. Ihr Begehren nach Verivhnur-g beweise, daß sie es vorziehe, si an die wahren Grundtaße zu halter.- Das Land 1ei ein wenig unruhig über die sonderbare Haltung der konservativer: Partei. Wirklich habe in der Deputirtenkammer die konservative Partei Vertreter, wslch: fich dcn Anicbein gebrn, ultra-
liberal, radikal, ja sozialistisch zu sein. .Die Partei hake zm Senat eine andere Richtschnur fur ihre Haltung, sie ist ultrakonservativ. Diese Abweichungen beunruhigen das
Volk, welches fürchtet, die Sicherheit dcs Landes wxrdc ge- Üört werden. Um diesen Argwohn zu zerstreuen, muffx .er Senat den Artikel annehmen und cheisen, daß er eine Maxoritat hat, Welche an der Wiederaufrichtung des Landes arbeiten will. _ Parieu, Berichterstatter, läßt den patriotischen Bedenken des Vor- re'dners Gerechtigkeit widerfahren, erklärt jedoch, der Art. 3 bxunru- Yig? das Land, nicht aber die Haltung der konservativen Partei. Es er keine richtige Politik, jetzt Wahlen vorzunehmen. Warnm wolle man denn so ung-recht sein ge en Munizivalräthc, Welche nicht:! ver- schuldet hätten. Warum das and durch Wahlrn (Zufregen, das Ruhe uotliig habe? Berenger spricht für Att.3 und wunscbt, daßtmt der Uwe:: Art der Ernennun der Mattes eine Probe gemachthrde; dazn 171 die Erneuerung der unizipalrätbe nothwendig und eme Besei- tl811119 der von 1874. Was Vorredner von Neuwahlen lgzesagt babe, gelte für alle Wahlen; mau müßte also,_um in voller Ru e zu leben, auf alle Wahlen verzichten. Indessen seien irgendwie beachtenswerthe nruhen bei den Wahlen nicht zu fürchten; unter keiner Regierung ab: man eine größere Ruhe wahrnehmen können. Wenn die Frage, 1)bRepublik oder Monarchie, aufgeworfen würde, so_ kßnnte man allerdings Umtriebe und Unruhen befürchten; [zei der 1eßigen Sach- lase aber sei kein Grund dafür vorhanden, Die Crfczbrungen, welcbe Wu mit dem neuen Gesetze machen werde, seien unt Sorgfalt zu Verfolgen, und was das end ültige organische Geießxangehe; so werde man aus den gewonnenen rfahrungen ferne Entscheidung fur dasselbe nehm“: müssen. „ . Bei der Abflimmung wurde darauf Urt. 3_mrt einer Ma-
iorität von 28 Stimmen verworfen.
Versailles, 11. August. (W. T. B.) Der Senat hat heute den von der Kammer beschlossenen Artikel 3 des Munizip algeseßes, betreffend die Vornahme neuer Munizipal- rathswahlen mit 159 gegen 131 Stimmen abgelehnt; im weiteren Verlaufe seiner Sißung das Gesetz dnrchberathen und dasselbe bezüglich der noch übrigen Beßimmungen und in der Schlußabßimmung genehmigt.
Von der Deputirtenkammer wurde das Munizipal- gesetz hierauf in der Fassung, in Welcher dasselbe aus der Be- rathung des Senats hervorgegangen ist, also unter Streichung des die Vornahme neuer Munizipalwahlen betreffenden Art. 3 an genommen.
Italien. Rom, 9. Augnß. Der ?luHschnß des Hie- figen konstitutionellen Centralvereins hat gestern und vorgrftcrn unter dem Vorsitz des Parteichefs Sella Beratßungen gehalten. Nack) Berichten der gemäßigt liberalen Blätter wurde bei diejer Gelegenheit die BereitwiÜigkeit konstatirt, womit fich die konstitutionellen Vereine der anderen Städte nnter den rö- mischen CentralauHscßuß strllen, und der Bcscdlnß gefaßt, die Haltung der konstitntionellen Partei nach der Thätigkeit der Re- gierung einzurichten, die ihr Programm bisher nur in ganz allgemeinen Zügen angedeutet habe. Einstweilen empfiehlt der Ausschuß Mäßigung nnd Zurückhaltung, Und adznwarten, bis man volle Gewißheit über die innere wie aquärtige Politik der Regierung erlangt liabe.
_ Die Wiener „N. fr. Pr.“ hat sich am 4. d. M. von Berlin telegrapliircn lassen: Der Papst hat an die katholisrhen Bischöfe in der europäischen Türkei ein Brrve gerichtet, worin dieselben angehalten wcrden, itire Untergebenen im Gehorsam zu erhalten, welchrn fie der Rrgierung und den von ihr eingeießten Behörden fck)uldig sind. Dieses Breve hat die Pforte in hohem Grade erfreut. Man glaubte, daß es zum Abschluß eines Kon- kordats und zur Wiedrranknüpfunrr diplomatischer Beziehungsn zwischen der Pforte und dem Vatikan führen wird.
Dieses Telegramm ift, den „Italien. Nackn'.“ zufolge da: [gin zu beri ck t i gen, daß die Bisckzöfe nicht auf ein päpstliches Vrrye hin, sondern aus eigenem Antriebe ihre Unter- gebenen zum Geßorsmn gegen die Obrigkeit angehalten und daß die Kongregationcn ihr Verfahren gebilligt haben. In einer Kardinalskongregation sei sogar dahin entschieden worden, daß der Papst, so lange kein offizieller Verkehr zwischen dem päpst- lichen Stuhle und der Hohen Pforte wieder angeknüpft ist, per- sönlich gar keine Schritte in der orientalischen Frage thun dürfe. Es ift beschlossen worden, daß einstweilen offiziöse Agenten znr Anbahnung oifizicllcr Unterhnndlungen zwischen Rom und Kon- stantinopcl ernannt werden sollen.
Gricchenland. Athen, 12. August. (W. T. B.) Die Regierung hat nunmehr die Organisation einer Natio- nalgarde beschloffcn und den Oberst Koronaios mit den dazu erforderlichen Vorbereitungen beauftragt. _ Mit dem morgendsn Ta-re sollen die anHländisckien Silbermünzen, mit Aus- nahme der in den Staaten der lateinischen Münzkonvcntion ge- prägten, arrflckörengcseßliches Zahlungsmittel zu sein,
Türkei, Konstantinopel, 12. August. (W. T. B.) Der Gcsundheitqustand des Sultans hat fick) ge- bessert. _ Der Sultan bewilligte vollständige Amnestie für die Bulgaren; ausgenommen find von derselben die Führer und die tlgätig am AufÜande Betheiligten. Die Befehle zur Einstellung der Untersuclzungen und zur Freilassung drr Vcrhafteten find bereits erlassen. _ Mnstapha Pascha ist zum Gouverneur von Skutari (Albanien) ernannt. _ Das Journal ,.Conrricr de l'Orient“ ist unterdrückt wor- den. Ein Erlaß dcr Regiérung verbietet provisoriich die HerauSgnbe neuer Journale.
_ Dagegen meldet ein Telegramm des „.W T. B.“ aus St. Petersburg, 12. August: Aus Bukarest wird hierher ge- meldet, daß in Rustichnk zahlreirließinrickztungcn an Vul- garen vollstreckt werden. Die Bevölkerung der Bnlgarei und Serbiens flüchtet in Folge des grausamen Auftretens drr Türken von allen Seiten auf rirmäniiclzcs Gebi-et.
_ Das ,I. des D&bats“ bemerkt iiber die in Bul- garicn verübten Grausamkeiten: „Es ist schwrr, die Wahrhrit üder die Grausamkeiten zu erfahren, welch“: in Bulgarien, sei es von den Christen, sei es von den Türken, verübt worden sind. Nächstens werden wir drn Bericht Edit) Effendis, des rmßer- ordentliclirn Kommisiärs, über die von der Pforte angeordnete Untersuchung veröffentlichen. Dieser Bericht schwächt die Ge- waltthätigkeiten, denen fick] die Türken üdrrlnffcn haben, sicher:- lick; ab; abrr andrerseits übertreibt man fie anßrrordentlicki. Die Berichte dcr englischen Blätter, so der „Daily News“, Überdie- ten an Sciwudcr alles, was die orientnlisrliestc Einbildnngskrast fassen kann. DieKorrespondentendicser BlätterhadendcinAngari- maßnnck) dieLetchen gezählt, welche nndcerdtgtderweien, dre Schadel und Gerippe, welche ganze Hiigel dederken, die Gebeine und zer- rissenen Filzen, w-«lchc den Eingang der Ktrckzen vcrspecrsn und um welche fick) die Hunde raufen. Wenn solche Grausamkeiten begangen worden wären, und wcnn Städte von 9000nEinwoh- nern heute nur noch deren 1200 iählen wurden, so hattennotlx wendig die Nachricht von solchenEreigmffrn' zu den europaischen Regierungen gelangen müssen, die aber keine Kunde dovon er- halten haben. Es sind genug große'Grankamketten begangen worden, als daß man sie noch iibermäszig zu vergrößern branchte. Die Türken werfen übrigens die erste Schuld auf die Chrnten, und mit R-cht. Warum haben fick; die Bulgaren empört? War- nm griffen fie die Türken mit dewaffnrter Hand und rnit einer Rachegluil) an, welche im Orient nicht das Prwilrginm der Muselmanen ift? Sie haben die furchtbaren Verlegenherten,nn denen fick; die Pforte befand, fick) zn RuHe machen wollen, ,"",d dies e Vrrlcgcndciten waren der Art, daß fick) dre Pforte, die 111 der That selbst terroristrt war, mit wilder Energie vertheidigt hat. Sie hat undisziplinirte Banden von Basckndoznks „aur Bul- garien loggelaffen, weil fie keine anderen Krafte bei der Hand hatte und ihre reguläre Armee auf dem Schlachtfelde stgnd. Bei der Beurtheilung dieser Ereignisse mnß man die Umstande in Rechnung nehmen, in denen fich die Prorte bxfand, sowie die gewaltthätigen Sitten a11er dieser , unkultivirten Raten, welche alle gleich viel wert!; find. Wir, glauben an die von den Türken begangenen Grausamkeiten, aber wir glauben auch an die Grausamkeiten der'Bnlgaren; was wir nicht glauben, find die romanhaften Berichte, welche man uns von den einen wie von den anderen giebt. Es gad nnr ein Mittel, diese Thaten zu verhindern, welche die Menschlichkeit beklagt: es bestand darin, den Krieg, sohald er begonnen hatte, aUSzulöschen und aufzuhaltenx und es giebt nur ein Mittel, die Wiederholung derselben zu verhindern, und dieses ist, zu sorgen, daß der Krieg bald zu Ende geht. Der Krieg ist allenthalben einc Geißel, aber in gewissen Ländern ist seine Wuth großer,
und es ift unmöglich, seine Gegmstöße abzumeffen“.
_ Das in Konstantinopel erschcinende Blatt „Jttihad“ (die Einigkeit) verlangt die Errichtung einer Nationalgarde in Konßantinopel, deren Offiziere von der Behörde ernannt und die allwöchentlich am Freitag exerziert werden soll. Die Konstan- tinopeler Nationalgarde würde eine bewaffnete Macht von 80 bis 70,000 Mann repräsentiren.
_ Das „Dieridel-Havadiß“ bemerkt zu der Befesti- gung von Kurs: „Kurs ist eine der wichtigsten Festungen der
Türkei. Es schlioßt dem Feinde die Thore der Grenze von Erzerum. Während des Krimkrieges hat es eine regelrechte Bc-
lagerung auSgehalten und sich nm: aus Mangel an Lebend- mitteln ergeben, Welche die Fsstungswerke in die Luft sprengten. Nach dem Kriege wurde die Festung unter der Leitung Selim Paschas wieder aufgebaut. Später “wurde der Gouverneur von Erzerum, Mustafa Pascha, mit der Fortführnng der Festung??- bauten in Erzerum nnd Kurs bennitragt, io daß letztgenannter Plaß heute uneinnehmbar ist. Neaeftens find Befehle ergangen, neue Werke in Erzerum, Kurs und anderen festen Punkten Anatoliens zu errichten, welche mit 900 Geschüßen verschiedknsn Kalibers armirt Werden so.!en. Dcr Finanz-Minister hrt den hierzu nothwendigen Kredit bereits eröffnet Und drr Großmeiitrr der Artillerie erhielt die Weisung, schleunigst einen Theil der jüngst in Konstantinopel cingetroffenrn Krnppsclzen Kanonen da: hin zu befördern.“
_ Vom Kriegssclzauplarze Trlc- gramme vor:
Wien, 11, August. (W. T. B.) Von der „Politischen Korrespondenz“ wird aus Belgrad telegraplziick) gemeldet, daß man fick) irn serbischen Kriegs-Ministerinm der Usherzengnng zn- neige, daß die türkisckzr Armee konzentrisch gegen Bel- grad vorrücken werds. Lrßteres werde deshalb in einem Umfange von 18 Meilen wit Bsfestigungen versrlzen, alle in dern Arsenal von Kragnjetvaß liegenden großen Grsthüße würden nach Belgrad geschafft, der Minister des Innern habe wegen schleunigster Lirferung großer Proviantvorräthe fiir Belgrad Verträge abgeschlossen, Wie es scheine, wwlle man Brlgrad io lange wie möglich verth-xidigrn. Fürst Milan befinde sic!) in Deligrad. Zwischen Banja und AlexinaH werde eine große Scl)lncht erwartet.
London, 11. August. (W. T. V.) Tem ,Reutorscizen Burean“ wird Übxr die zwischsn den Türken unter Der- wisch Pascha und den Serben unter Tscholak A."- titsch in den letzten Tagen stattgehabten Gefechte uns Bei- grad von heute gemeldet, nach einer der Regierung zugeganuncn amtlichen Depssche habe Derwisch Pascha seinen Angriff gegen die serbische Iavor-Llrmec am 8. d. M. mit 16 Batailloncn degonncn, seit 3 Tagen fänden unausgeseßt Gefechte statt, oizne daß es bis jetzt zu einem entsclieidendcn Reinltate gekommen sei. Die serbische Artillerie habe sich bcsrnders ansgezcickmet. Dic Gefechte seien sehr hartnäckig gewesen, cin serbischchs Detaclzemrnt nnter Kapitän Hisck) hade fick) am 8. von 3 Uhr Morgens bis 11 UHr Abends und am 9. von 8 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags geschlagen. Der Verlust der Türken betrage 2000 Mann, fcrdisclierseits habe man 250 Verwundete, die Zahl drr Todten sei nicht bekannt.
Belgrad, 12. Auguft. (W. T. V.) Regierungsseiiig wird die ZeitungSnachrickzt, wonach fick) Ticholak Antics nach schweren Verlusten über die serbische Grenzr zurückgezogen habe, als unbegründet bezeichnet. Tscholak behaupte vielmehr seine Positionen. Lllimpics hatte in den leyten Tagen krinrrlci Gefechte.
Ragusa, 12. Angnst. (W. T. V.) Ans Cettinic wird gemeldrt, dai; anf dicNachricht, daß Djeladdin Pairda zur Verstärkung der Truppen Moukhtar Pascha":» heran: ziehe, Fiirst Nikita Djeladdin entgegen marichire, um dessen Vereinigunq mit Monkhtar zu verhindern.
_ Ans Moßch vom 4. d. M. erhält die „N. Fr. Px.“ Nackiricknen iiber die Situation Monkhtar Pasclias in Tre- binje. Ilcknned Monkhtnr rrorganifirt seine Streitkräfto in Tre- binje und verhindert dnrck] seine Anwesenheit eine etwaige Vrr- rücknng Nikita's gegen Mostar, wo unter Kommando M::- staplra chladdin Paschas eine Division znm Ent- satz? Monkhtars zusammengesetzt wird. Tirlnddin Pascha hatte bis zum 4, August bereits frohes Bataillons in Mostar kon- zentrirt, zehn weitere Bataillone wurden aus Joticha erwartct.
_ Die „E. C.“ meldat: Mis; Pearson nnd Miß M'Langhlin, begleitet von Mr. Hugh Jackson, sind am Dienstag Abend mit einem ersten Vorrath von Heilmitteln nnrl) Belgrad altgr- gangrn, nur dort drn Kern der liritischcn Arnbulan:r, die 110111 Vercin fiir die Christen in der Türkei eingeriabtct wird, zu bilden.
_ Die „N. fr. Pr.“ skizzirt die momentanen Stcllnngxn dcr Kämpfenden folgendermaßen: Auf der Straße nach Banja ist A chmed Ein v Pascha mit zwei Divisionen, das find "38 V&taillonc und 68 Gesckzüße, im Vorrücken bcgriffen und sicl)rn bim nnter Horvatovic angeblich vier oder fiinf serbische wiri- sidncn grgenüdrr. VonSaitsrlmr ans hat sick) Oswan Pairlnr mit 35 Bataillonen und 06 Geschützen, chschanin folzcnd, drr einige 20,000 Mann stark scin sol], in Bewegung gesext. Zwischen den beiden Corps befindrt fich gewissermaßen als Bindeglied die Division Salcirnan Paschas mit 17 Bataillonen und 20 Sirschüyrn, welche bei Mali-Izvor über den Timok gegangen ist und die Bestimmung haben dürfte, entwrder na_ch rrilns oder links Unterstüßnng zu bringen, und auf der irinrrrti Linie marschircnd, dic Verbindung Ljesckganins mit Horvatovn zu vcr- hindern. Jeder der türkischen Divisionen ist außerdem ein Kavallerie-Regiment zugewiesen, wovondnslcmch welches der in verhältnißmäßig offenem Terrain_ operirrnden „Kolonne OSin-in Palchas attachirt ist, sehr gute Dienße leisten durfte.
Zum Schutze der rechten Flanke dicser operirendcn Armee Wurde Negotin und angeblich auch Kladowa an der Donau ron türkischen Trnppenabtheilnngen besetzt. _ .
Von Süden, und zwar von Uerkub (Prokoplje) aus, ist die türkische Division Ali Said _Pasckza mit "18 Ba- tailloncn, 6000 Arnanten und 24 Geicknißen im Vorrucken anf Krusevaß begriffen, welches letztere fie, Belgrader Nack)- richten zufolge, bereits ernstlich bedrohen soll. In demselben Augenblicke, als diese Kolonne fich der Stadt Kruscvaß be- mächtigt haben wird, dürfte auch die noch bei Risch ftxhende Division Mehemed Pascha, wclche Ende Juli 13 Bataillone, 30 Geschüße Und ein Kavallerie-Regiment ßark war, heut: jedoch bedeutend stärker sein dürfte, gegen Alexinaß Wr- rücken, rechts Achmed Ejub und links Mehemed Pajcha_ dt? Hand reichen und so den Ring schlicßen, welcher dre serbische Armee von Osten und Süden umgiebt, „
Die Niederlage, welche der Oberst Czola_k Antxc durch die Truppen Derwisch Pasclzas am 7. d. bxi'Stenrca nnd Iavor erlitten Hat, wird von Belgrad ans bestatigt. Dernnsch
liegen folgcnde
Pascha soll in der Linie Novi-Bazar; Sicnica und Novi-Varos über eine Truppenmacht von 30 Bataillonen verfugen und leider