Majestät der König hat in die erbetene- Entlassung nichr ge- wiiligi, vielmehr dcm Minister in zwei schr gnädigen Hand- ichreiben unter dem Ausdruck des vollsten Vertrauens dcn Aller- höchsten Wiiien zu crkcnncn gcgebcn, dasz derselbe im Amte ver- bleibe. UnabHängig Hiervon ist das Königliche Handickneiben an das Gciammi-Stanis-Ministcrinm.“
_ 12. Lugnfi. Se.Majes1ät der König hat dem von hier abberufenen Gesandten Spaniens, Don I. Llorenie, das Großkreuz des Verdienst-Ordens vom h. Michael verliehen. Das Abberufungsschreiben dcs Gesandten wnrde auf Grund König- licher Vollmacht von dem Staats-Minißer des Königlichen Hauses und des Aeußern schon in voriger Woche entgegen- genommen.
EaÉZsen. Dresden, ]1. August. Ihre Majestäten der König und die Königin find hrute mit ihrem Gefolge von der am 2. Inli angetretenen Reise nach der Schweiz, zunächst von Münckxen (iiber Hof und Chrmniß) kommend, in bestem Wohisein zurückgekehrt.
Baden. Karlsruhe, 10.Angust. Der „Staatö-Anzriger“ dringr die von dem vormaligen Großherzoglichen Kriegs- Minifierinrn Unierm 10. Mai 1871 mii dem Königlich preu- ßisckzcn Kriegs-Minisierium abgchhloffene Vereinbarung über die Rechtsvcrhäliniffe dsr Großher oglichen Militärwiiiwen- kasse, welche seiner Zrit die Genehmigung der bciddn Regie- rungen erdaltcn hat, nachträglich zur öffentlichen Kenntniß. Es kam die bisherige Nichivcröffent1ichung diescr Vereinbarung ge- legentlich rincs bezüglichen Gesetzentwurfs auf dem chien Land- taxrc zur Sprachr; fie wnrde daher in dym betreffenden Kom- misswnéderichr der Ersten Kammer zuerst abgedrnckr. _ Die diesjährige ordentliche Sißnng dcr Ccntrnlkommisiion für die Rheinsckziffahri wird den 16. d. M. in Mannhsim er- öffnet werden.
_ 11. Yugnst. Hrnte reisrn dcr Großherzog und die Großherzogin sowie der Erbgroßherzog nnch Bar)- renil) ab.
Sachsen : Weimar = Eisenach. Schloß Wilbrlms= thirl, 12. August. Se. Königliche Hoheit der Großherzog ist hours Morgen nach Bayreuth adgereisx.
Schwqrzburg : SonderShausen. Sondershausen, 12. August." Der Fürst und die Prinzessin Elisabetii find heute Mittag auf mehrere Wochen verreist. Das nächste Reise- ziel ist Vanrcnrh; von da regeden fick) dieselben nach Gastein.
Oesterreich = Ungarn. Wien, 11. August. Die „Wiener Zig.“ schreibt: Zahlreiche Vereine, Korporationen und einzelne Persönlichkeiten haben ihre Absicht zu er- kennen gegeben, den 21. d. M. als den 18. Geburtstag Sr. Kaiieriickzcn nnd Königlichen Hoheit des Durchwach- tigsten Herrn Erzherzogs Kronprinzen Rudolf festlich zu begeben, und dies besonders im Hinweise daranf daß mit dirsem Tage die Großjährigkrit Sr.,Kniierlichcn und Königlichen Ho- heit einirete. Mit Freuden ergreifen wir wieder diese Gelegcnheit, Akt zu nehmen von der gewohnten Loyalität, von der pietätvollcn Liebe, mit welcher die Vdskcr Oesterreichs an allen Ereignissen, Weichs das Allerlzöckzste Kaiserhaus beriidren, den innigften An- iheil nelzmen; wir halten es abrr nicht für überflüssig, hier zu erwähnen, daß Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der durch- lauchtigste Herr Erzherzog Kronprinz Rudolf nach dem öfterreichischen Handgeseße bereits mit seinem 16. Geburtstage in die Großjäbrigkeit einZetreien isi.“
_ Dcr Kronprinz und dic Kronprinzessin von Italien haben hentc Nachmittags mit drm Schmuznge dcr Südbahn Wien naa) xiinfiägigrm Aufenthalte vcrlasson.
_ Mit Bezug auf die von drr „Pol. Corr.“ nack) cincm Telegramme ans Agram gcmrldctc Vcrlcßnng österreicdi- ichen Gcbicics, gehen nnnmcbr rem gcnannirn Blatts in auidcniiicbcr Wrist die folgenden näHcrcn Daten zu:
Eine Bande von etwa 100 Jnsnrgcnien, weiche dcn Türken Schafe rauben wollten, wurde am 7. d. M., 5 Uhr Nachmit- tags, von 300 bewaffneten Türksn dei Bieick-Vr-to, ober- halb Siaroselo angegriffen nnd auf dstcrrcicbi'iches Gebiet zZiriickgeworfen, bei wrlcdem Anlass das Gefecht beiderseits einige Zeit auf österrcichischcin Bodrn fortgesetzt wurde. Die Ortschaften__Staroselo und Tjelcvina wurden von den Türken angegrinan und angezündet, in Folge deffen meh- rere Hauser niedergebrannt sind. Die Einwohner der beiden Ortschaften flüchteten nach Toduskd. Am selben Tage wude noch eine K. K". Infanterie-Kompagnis von Todn-sko nach Sia- roiclo entsendet und zogen fick) dei derrn Anmarsche die auf österreichischem Gebiete kampirenden bewaffneten Türken ohne Weitcres auf türkisches Gebiet zuriick.
_ Der ungarische LandeSveriheidigungSminister Bela Szende ist gestern hirr eingetroffen und vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen worden, um über die Er- grbniffe der Inspektions-Rundfahrt in der edrmaiiiien Militärgrcnze, von der der Minister vor Kurzem zurückkehrte, Bcricht zu erstatten.
_ _ 12. Angnft. Wie das „Fremdenbl.“ vernimmi, finden zwiscixen der Pforte nnd dem Heiligen Stuhl gegenwärtig Unter- handlungen zum Zweck der Regelung der Verhältnisse dchaihoiiken des Orients statt. Vehufs Regelung dieser Verhaltnisse soil der Heilige Stnhl eine zwischen ihm und der Regierung desSnlians zn Vereinbarende Cirkumskriptions- bulle erlassen.
Pest, 11. Angnst. Dcr „Pestcr Liond“ bestätigt die Frei- lgssnng dcs Generals Stratimirovic, bemcrkt jedoch, die Freilassung sei über Beschluß des Neusaßer Gerickitshofes nur deshalb erfolgt, weil die gegen den genannten Scrbenführer cin- gxlerteie Untersuchung abgeschlossen ist, keineSwegs aber, weil er fur, vollstandig unschuldig befunden wurde. Im Sinne des Jretkcrffrxngs'besehluffes des genannten Gerichtshofes darf sick) Ftr'axmrrovrc ohne gerichtliche Erlaubnis; nicht von Neuiaß ent- erne .
_'12. August. Graf Melchior Lonnar) dürfte, wie dcr „Wien. 3.“ von hier ielegraphirt wird, Das Zentaer Ab- geordnetenmandat dennoch annehmen, um als Mitglied des Adgeordncienhauscs Gelegenheit zu haben, anläßlich der Ver- handlung uber den Schlußrechnungs-Kommissronsbericht für das Jahr 1874 dre „der SchiffSWekstc gegebenen Darlehen zu recht- feritgen. kaanntltckz. hat die Kommisfion beschlossen, dem Reichstage die Verthgerung des Absolutoriums zu beantragen. Ter'von dem KornmtsfionS-mitglicde Georg Nagy ausgearbeitete Yericht gelangt m den ersten Sißnngen der Herbßsesfion zur
or age.
Agram, 11. Augusi. In der heutigen fiark besuchien Land tagssisung beantwortete Derencin im Namen dcr Re-
gierung die Interpellation Subotic im Wesentlichen wie folgt: Von privater Verläßlicher Seite kam der Regierung die Anzeige zu, daß einigePakraczer Individuen dem ftaatßrecht1ichen Verhältnisse Kroatiens feindliche Kundgebungen öffentlich mach- ten, die serbische Einwohnerschaft gegen Anderdgläubige beßen nnd behufs Ausführung ihrer ßaatsfeindlichen Absichten die in Pakracz und Umgebung iniernirten boSniichen Flüchtlinge als Werkzeuge gebrauchen wollten. Die Regierung hat den Pakraczer Vizegespan, der ein Verwandter der hauptgravirten Persönlichksit ist, abberufen, einen Regierungskommiffär ent- sende; und die Angelegenheit der Ober-Staatsanwaltschafr über- geben, Welche den Effegger SiaatSaniValt delegirte. Zur Beruhi- gung der Bevölkerung wurde bewaffnete Macht da[)ingesckzickt, nachdcm nnter den Flüchtlingen eine außerordentliche Bewe- ung wahrgenommen wurde. Die Pakraczer Bevölkerung Zar diese Maßregeln freudig aufgenommen. Die Ange- lrgenheit ruht in Händen des Gerichtes und könne die Re- gierung den Lauf des Verfahrens nicht beeinfluffrn. Die Bello- varer Verhaftungen hängen Hiermit nicht zusammen und erfolg- ten dieselben nicht in Folge einer Weisung der Renierung. Das Haus nahm die Antwort einsiimmig zur Kenntniss. Subotic selbst war in der Sißung nicht anwesend.
_ 12. Angriff. In der heutigen Landtagssißnng wurde nack) vier Unbedeutsnden Interpellationen der Geieß- entwurf über die Hauskommiifion an den Ausschuß zurückge- wiesen und hierauf der Landtag bis zum 28. d. vertagt.
Großbritaünien up.?- thand. London, 12. Augnéi Tie Königin, welche mii dem Prinzen Leopold und der Prinzessin Beatrice am Dienstag Abend nach Schottland abreift, wird am Mittwock; Morgen Edinburgh erreichen, im Holyrood Palace refikirrn und das Denkmal des Prinzen Albert einweihen. Am Donnerstag Abend wird Ihre Majestät dann nach Balmoral abreisen. Prinzessin Louise hat gefiern mit ihrem Gemahl, dem Marquis de Lo rue, London vrrlaffen und eine Reise nach dem Kontinent angetreten.
_ Lord und Ludi] Odo Russell speisten am 12. bei der Königin in Osborne.
_ (W. T. V.) Der Premicr-Minificr Disraeli, jeßt Earl of Braconsfield, ist [111 Ste'ie det.“- Earl of Malmes- b u ry, der in Folge andauernder Kränklichkeit sein Amt niedergelegt hat, zum Lord-Siegeibewahrer ernannt worden._ Die Regierung hat in Betreff des flüchtigen Skkaocn gegenüber zu beobachtenden Verfahrens ein neues Eirkular erlaffen, daß jedoch keinerici bestimmte Vorschriften enthält, sondern nur im Allge- meinen ansspricht, daf; fiel) die Befehlshaber englischer Schiffe bei der Aufnahme von Flüchtlingen, sei es auf offenem Meere oder in den Küßengewäffern eines bestimmten Landes, durch Erwägungen und Gründe der Menschlichkeit leite“ [affen sollen.
_ (C, C.) Inder gestrigen Sißung des Unterhauses wird von Ashley Wiederum die Frage bezüglich der Grau- samkeiten in Bulgarien zur Sprache gebracht.
Derselbe beklagt fick) über den Mangel an rascher und energischsr Handlungswrise Seitens der Regierung und ihrer Vértretsr in der Türkei. Nachdkm er seine Vrrrrunrrrnng iarübcr ausgedrückt, daf; Mycde, Verstümmelungen und andcre Schandtdaten ohne Kcnniniß drr cngiiichen Regierung in einer christlichen Provinz härten reganacn werden könnrn, die nnr vier Tagereiien von London entfernt sei, füdrt cr ans, das; dir Vngaren sin harmloses und rnbigrs Volk scirn. Cr frägt, wchsb.1lb die Rrgierung nach dem ersten Berichte übrr diese Grausamkeiisn fick) durch die enßiisci)? Briscbafi nicht in Verbindung rnit der Pforte gcsrtzt und Schritte ge- than habe, welche dcs Cbarakiers und der Marin Englands würdig iiien. Das Brtragen, Sir Henry Cliiots sei apathisch und thril- Yadmlos gxpeien und_Mr. Dudu_i§„dec britrfäxe VizeKonsul in
drianovel,xbade die außrxste Uniahigkeit briViEskn, Wenn es der Regierung rnit der Mißbiuigung der Gräuelthaien Ernst fei, müffx fie Str Hxnry EÜiext adberufen und an seiner Stell? einen energi- sckxeren Minister, der besser wit dm Türken umzugehen rerst:he, ziim Botickwster ernenmn. Mr. cForsytk) vertbridigt die Re- giernng gigen die Angriffe drs Vorredners, idrickir aber im ükzrigen dre Answbt aus, _ dai; kik Türkei an Stärke gewinnen Winds, wrnn fir ihre emopäikckicn Provinzen vrriirre, Mr.Forsier spricY-t seine Genugthuung Taxüder aus, das; die Jntrrpcllatirn der chrxrnng Gsicgrnlwir zur weiterrn Erläuteruns ihrer Steilimg iu dre:er Angelesendeti ;rcwädrt habe, Er fürchrct, das: die Virgicrung durcb Sir „(;,-rnit) Elliot irregcführi wrrden sei. Die Sympathien des Lißirrcn ichisnen vollständig auf 'SLiiin der Türken zu ss n. _ Mr. Bourke, _Unier'siaaiS'ckrrtär drs Answärtigen, ;ögrri niciyt, zn erklä- rcn,_daf; die 8-9? erdérns in dirfem Rugcnbiick das Mitgefüiiljeder chr11tiickzen Nation err-gcn müsie. Wie auch krr Kriss auslau- fen mogr, der Zustand der skriéiscbrn (Cdristen könne niemals dtn Nattcnrn _ Europas gleichgüliig hleibxn. Auf die Ausfüh- rungxn Mr 211131066 eingrdend, crklärie dann Mr. Bourkc', daß eine stiir'acberr Schlußfolgerung ais ch skins wohl noch niemals 92359611 1V0rki'n,_ski, kenn die oanzc Vrrwickclung drr Regierung mit den Orientalischen Angrlegenlyeiicn beruhe auf der Miszinllkgnng dcs Bcr iner Mémordndnms nnd ?cr Abicniung der Flottc mib der Beffkw Bai. _ Tie rachsie Uriacde lslzrerchasirchl ici allerdinns der “".-",was der_Qhrxstcn in ker Türkei grwssin. Mögrn die Berichte ure: die Grqnci udrririercn sein odor nicbt, 3w:ifrllos däiien fie in irlcbcm Uniiange it.ittgeiu_nxén_,_-dnß dic Entrüstung ch Hauscs und Les Lan: des gerrchrferttgi irt. “Oir Hrnry Elliot habe nichr mehr thun können, ais cr qotiwn. Die gegcnwäriige Lage der Türkei grbe nicht h_loJEngiand, sondern niir europäischer. Mäwte an. Denn alle seren einiiimimg dcr__?1nfichi, daß der territoriale Zmiuz quo aufrecht crhalicn werdxn mümx. Nachdem er noch dem werthrwllra Beistande, den die („Spezialkorreivondenien Londoner Blätter durch ihre Berichte Vom Krtrasicbayplaße der Regicrimg grleistci, Anirkennung gezoilt harte, tl)--ilte_9_ie_dner mit, daß mit Zustimmung des Sultans ein her- vorragsnder britischer Oifiiikr (Sir Arnold Kembal) zur „'Beqieitung dcr iurknchcn lerec abgesandt sei. '
„Nacixem Mr. Jenkins und Sir W. Harcourt dic Régxctung angegriffen, nimmt der Premier Minister das Wort.
Er sagt:, Mr. Ashlcy babe seine_u Angriffen dre Form eines bcsiimmtcn Anircrßes gebxn musstn. Er habe wiss-n mussen, daß er (DtZraeii) selbst keiner Her usfordsrung
außgewiclch 1§in würde. Die Rrgiorung habe kein Zeugnis; davon, daß irgrnd eme Wabrbcir_in den übertriebenen Berichten von dem Umkoznmm von 30,0(0 Pcrwneu sei. Sir Hrmy EÜiot habe in Umstanden [*011-JLOJIT'SÖWWÜJKÜ eine Einsicht, einen Mut!) und eine NUL)? bewiesen, dic köcbit wodiibätig auf die Politik eingewirkt babe. Hinsichtlich dsr'Verantwortliäodit, wclckie auf der Regierung laste, bemerkt DtSrczelt, daß ihr nicht mehr Verantwortlichkeii, als den anderen Unierzcrckwern Des Pariser Vertrages zufalle. Aber da die erierunß mcdt grneigt gewesen sei, eincn Versuch mitzumachen, die Tgrkry aus Europa zu vertreiben, habe man behauptet, ste leihe der turknchen Regierung ihre moraliickoe Untersiü ung, so daß geglaubt Worden sei, die Pforte sei ihr ganz bcxonderer Freund Weichen sie_ unter ailcn Umständen zu untxrfiüßen verpflichtet sei. England ser nur Therlnehmer eines Dreibundes, in welchem sich nicht nur geiammt, iondern auch einzeln Frankreich, Oesterreich und Cug- land_ zur Aufrech_teil),a1tung .der politischen und territorialen Unver- 1evltchkett der Turkei verpflichtet. Die Regierung habe den Anschluß an die Berliner Note verweigert, weil sie überzeugt gewesen, daß im Fglle der Annahnw binnen Kurzem eine Einmischung hätte erfolßeu muffeu. Wenn die Turkei sicb unfähig zeigte, die Ordnung h-rzu- stellen, wurde weder _Cngland noch irgend eine der anderen Mächte vor der Ersnaung der ihnen dann obliegenden hohen politischen und
moralischen Pflicht zurü-jichrecken. Man dürfe aber nicht zu schnell .
aus. der_gegenwärtigeu Lage auf die Unfähigkeit der Türkei schließen_ „Diejxurgen,“ so endet der Redner, „welche annehmen, daß England dix Turkei aus blindem Aberglauben und Mangel an Sympathie xml den höchsten Bestrebungen der Menschlichkeit aufrecht erhält, find im Jrrthum. Unsere Pflicht in diesem kritischen Augenblick ist es, das englische Reich aufrecht zu erhalten und nie werden wir einem S_cbrrrte zustimmen, welcher, wenn er auch für den Augenblick ver- balinißrnaßrge Rnde ur-d ein falsches Gedeihen erzielen mag, das Bestehen dxs engiichen Reiches aufs Spiel setzt“. (Beifal).)
_ Die Regierung hat wieder eine Reihe von Schriftstücken aus;;rgeben, welche fich auf die von den Türken theils wirklich
begangenen, iheils ihnen nur zur Last gelegten G rauf am keiten.
beziehen. Dieselben erstrecken sich fast bis auf die Gegenwart, denn die leßte Depesche ist vom 9. Anguß daiirt. Der Schriftwechsel beginnt mit einsm Telegramm Lord
Derbn's an den Vize-Konsul Dupuis in Adrianopel, vom.
14. Juli, worin letzterer beauftragt wird, sich nach Philippopel zu begeben und mit eigenen Augen fick) von dem Sachverhalt zu überzeugen. Am 21. Juli telegraphirt Dupnis, von den irregn.ären Truppen schlimme Gewaltthaien began- gen worden seien, doch nicht in solchem Maße, wie es in den ftark übertreibenden Schilderungen dargestellt worden; die Meme der
Getödteten erreiche nicht die Ziffer 15,000. Am 14. Juli schreibt Sir H. Elliot an CarlDerby, er fordereimmer aufs Neue Becndi-
gung der Gewaltthaten u:,d legt einen Bericht des von ihm ab- gesandten Herrn Sandison ein. Dieser schreibt (am 11.) aus
Therapia an Sir H. Eliiot, Midhat Pascha habe verficherr, die rrgelmäßigen Truppen seien gar nicht zu tadeln, die- Jrregulären hätten geplündert, aber nicht in der angege- benc-n Art. Weiber und Mädchen seien nicht verkauft, wohl sei viel Viel] weggetrieben, das werde aber jeht zurück- erstattet Die Baschibozufs seien zu fck)eiden in die von der Regierung verWandien Theile und die, welche aus Furcht vor den Drohungen der Bulgaren zur Selbstvertheidignng gegriffen hätten. Deren Ausschreitungen zu hemmen, habe die Regierung weder Macht nock) Gelegenheit. Grausamkeiten hätten die Bulgaren angefangen, ein Türke sei von ihnen geröstet wor: den. Unter den zerstörten Dörfern seien auch vieke mohameda- nische. Frauen und Mädchen Gewalt anzuthun, liege nicht im Charakter der Türken. Herr Sandison legt den Brief eines römisch-katholischen Herrn, der mit Wiener Zeitungen in Ver- bindung steht, bei. Der Brief war am 27. Juli von Philippo- pel aus an SavfeiPascha geschickt, und erklärt, Bulgaren hätten die Ermordung mohawedanischer Männer, Frauen und Kinder beabsichtigt gehabt. Sie selbst hätten idrc Dörfer verbrannt. Seit dem nenen Minißerium gäbe es keine Unordnungen mehr. Der beklagenswerthe Zustand des Landes rühre von dem Auffrand der u. A, m. _ Am 17. Juli schreibt der türkische Minister des Au5wäriigen an den Botschafter Mu- surus Pascha nach London, daß die Erzählungen in eng- lischen Zeitungen von unbegründeten Angaben“ und Lügen wimmeln. Die Baschiboxzuks, Einwohner des vom Auffiande bedrohten Landes, hätten fich und das Ihrige nur vertheidigt. Mord und Plünderung seien auf beiden Seiten begangen worden, aber die Thatsachen seien übertrieben. Die Empörer hätten ein allgemeines Vluibad der Mohamedanerbeabfichiigt gehabt, so wie die Verbrennung Adrianopcls Und Philippopels. In einem Dorfe seien nickzt :.“000 Einwohner ermordet, sondern nur 90 bei dem Kampfe ge- tödtet. Die iürkisckge Regierung habe neuerdings durch Kiani Pascha noc!) strenge Strafen vollziehen lassen. Am 19. Juli telegraphirt Sir H. Elliot, daß der Großvezier strengen Befehl gegen die Aus- schreitungen drr Baschibozuks erlassen (Jade; am selben Tage crhält Derbi] die Nachricht, daß Baring nack] Philippopel ab- gegangen sei. Am 23. meldet Sir H. Elliot an Lord Terbr), der Großoezier habe ihm strenge Maßregeln versprochen, mehrere Basckziboznks seien gehängt worden, ein Thcik der Dörfer sei von den Aufständischen verbrannt worden, auch hätten lehiere den Plan gshabt. die Mohamedaner in der Bulgarei aUSzuroi- ten. Lord Odo Russell bestätigt inzwischen (am 20.) dem Lord Derbi) die Vorfälle in der Bulgarei, gestürzt auf Berichte, welche der deutschen Regierung zudegangen find.
Am 8. August ichricb Lord Derbi) in folgender Weise an Sir Henry Elliot:
Sir! Die Nachrichten von dén in der Buigarei begangrncn Grausamkeiten werden fortdruernd auf das icbbaftsste besprochen und mannigiack) angezweifelt. Sie können .das Entießen, welches iene Nacinirbtcn hietselbst bei der Regierung und dem Volke Hervorgerufen liaben, kaum stark genug betonen Ich bitte Ew. Excelienz, mir dem- näcirst zn bcrickoieu, ob die Unruhen in dsr Balsarei nach der Unter- drückung des Aufstandes noch ungebilian haben und Welcher Art die dabsi vorarkcmmenen Ausstvreiiungen waren, sowis ferner, ob keine Grfadr für deren Erneuerung vorliegt. Ick bin :c. (g“z.) Derbi).
Am folgenden Tage ielegraphirie der Unter-Staatssckretär im Linswäritgcn Amte:
Sir! Es erscheint wahrscheinlich, daß die Einnahme Saitschars m_der Bef-Zßnng einer grrßen Strecke sorbiickzen Gebietes durch die Tinken bivfübrin werde, er bitte drmgemäf; Ew. Excsüenz, bsi der Pforxe aufs Eindringlichste dahin zu wirkcn, das“ die einmarschirenden türkiichrn Truppen unter strenger Kontrole gehaiten, das; die nichi be- waffneix vaölkerun geicbont und eine Erneuerung der bulgarischen Gränclicenen aufs nergisciyste vermieden werde. Ew. (Exceklcnznözen auxetnjanderieLcn, daß die Erneuerung eines solchen Schauspiels der Turkei mehr (baden werde, als eine verlorene Sch1achi; daß der nicht mxvr zu _damr-fende Unwilic Europas alsdann uufrhlbar eine von der Pscrte nicbt erwünschte „Einmiichung herbeiführen wrrdc.
Am 9. August liefen folgende zwei Telegramme von Sir Henri) Eliiot ein:
' Ick) have bei der Pforte ganz entschieden dahin gewirkt, daß man d1e_ nech ?efangen gehaltenen Bulgaren in Freiheit feße. Der Groß“ vezier ver pracb cs mtr; nur müsse mit einigen Individuen, welche die Anstifter dcr Unruhen gewesen seien, eine Auönahi-ne gemacht werden.
, _ Therapia, 9. August 1876.
_ Es_1!i unmöglich, m Betreff der bulgarischer: Grausamkeiten ("nie schar ere Sprache zu führen als ick) dies schon gethan. Dis Pforte bicibt bei ihier Vexfichrrung, daß "ene Gräuelthaien weder von reauiarcn Truppen noch von Baicbibozu 9, sondern von der über alles Maß erregten muselmänuiickzen Bevölkerung begangen worden seien, welcbe fich von den Rebellen mit gänzlicher Aquoitung bedroht sahen- Dcr Zeitpunkt der Niederwerfung diefes Aufstandes kann nicht genau festgefieüi werden, da starke Rebellenschaaren sich noch in den Gedirger; herumirieben, als der Aufsiand in der Ebene längst gedamprt rvar. Einige dieser Banden halten fich wahrscheinlich auch ]eßt noch 111 den Gebirgen auf. Seit mehreren Wochen ist mir kein Fall von äbnitwen Arrsfchreiinngen, wie die früheren, mehr zu Ohren gekoxnmen. So lange man in diesem Zufiande der Aufregun , der Erbiiterung und der Geseßlosigbit verbleibt, können ähnliche cenea sicb tmrner wieder ereignen; doch glaube ich nicht, daß dies in der Bulßarer abermals der Fal] sein werde, fans sich nicht die christliche Bevoikerung' noch einmal gegen die mohamedanische Bevölkerung “' heben und me zur Gegenwehr zwingen sollte. Troß aller Anstren- gungen der Regierung werden wir auch fernerhin noch viel von den AuZschreitungen zu hören bekommen, Welche zumal die Freiwilligea sich auf dem Marsch zum Kriegsschauplatz zu erlauben pflegen.
_ (A. A. C.) In Sheerneß wurde dieser Tage eine neue Schraubenkorvette, on„Osprey“, von Stapelgelaffen, wo-
daß.
durch die englische Flotte um ein weiteres Kriegsschiff vermehrt wird. Das-Fahrzeng iß 170 Fuß lang, 36 Fuß breit, 15 Fuß 94; Zoll tief, hat einen Tiefgang von 13 resp. 16 Fuß Und eine Tragkraft von 1124 Tons. Die Axmirnng besteht aus s€chs Geschüßen.
Frankreich. Paris, 12. August. Der Senat hielt heute zwei Sißungen. In der ersten am Morgen abgehaltenen wurde die Wahl eines neuen Mitgliedes vorgenommen. Bei Ankündigung des Wahlergebnisses ergab |ck), daß von 273 gültigen Stimmen 161 auf den Minister Dn- faure, 109 auf den Legitimisien Chesnelong, 2 auf Chabaud-Latour, 1 auf Chevreul gefallen sind. Bei Eröffnung der zweiten Sißung am Nachmittage bestieg der Minister Dufaure als ConieilS-Präsideni die Rednerßühne und las folgendes Dekret vor:
„Der Präfident der Republik verordnet in Anbeirackgi des Art. 2 der Verfassung über die Beziehungen der Staats- gewalten: Art. 1. Die gewöhniiche Session von 1876 des Se- nates und der Tepuiirtenkammer isi und bleibt geschloffen. Art. 2. Gegenwärtiges Dekret wird in den Senat gebracht durch den Siegelbewahrer Iußiz=Minifter Conseils-Präfidenten, und in die Kammer durch den Kriegs=Minifter. Paris, 12. Au- gust 1876.“
Hierauf erhob sich der Präsident drs Senates, Herzog von Audiffret-Paöquier, und sprach: Es ist kein Geseßeniwurf- mehr auf der Tagesordnung. Die Seifion ist aufgehoben.
Die Deputirtenkammer erledigte in ihrer Sißung die Bcraihung des Budgets der schönen Künste. Der Präsident der Kammer verlas aisdann ein Schreiben des Ministers Dnianre, der, nachdem er zum Senator auf Lebens- zeit gewähit, anzeigt, daß er seine Entiaffung als Depuiirter nehme. Jolr) [egi den Bericht über die Wahl in Avignon auf den Tisch des Hauses. In demselben wird die Nichiigkcit§rrklä= rung der Wahl des Grafen Demaine und die Sendung der
„Unteriuchungsakten an die Minister der Justiz und drs Innern
beantragt. Guyoi-Montpanronx fragt den Minister des Innern, wann diy nächsten Gemeinderath-Zwahlen statifindrn sollen, Der Minister Marcérc antwortet, daß dem Geseße ge- mäß die Gemeinderathswaßlen im Jahre 1877 stattfinden müffen. Es wird hierauf durch den Minister das Dekret vorgelesen, welches den Scizluß der ordentlichen Session von 1876 anordnet. Nachdem das Protokoll der heutigen Sißnng verlesen und gui- geheißen, irennten sich die Depuiirien.
_ Das „Journ. off.“ veröffentlicht einen Erlaß dex: Krirgs- Ministeriums, betreffend die Einberufung der Reservisisn der Klassen von 1868 und 69 zu vicrwöckzenilichen Uebungen. Die Tage, (111 Welchen die biireffenden Reservisten fick) bei idren re.p. Armee-Corps zu siclien haben, find folgende: Bsim 7., 8., 12., 13., 14., 15, 17. und 18. Armee-Corps am 21. Augnsi; beim 1., 2., Z., 4., 5., 6. und 9. Armee-Corps und der Pariser Armee am 1. September; beim 10. und 11. Armee-Corps (nn 15. September und beim 16. Arme c-Corps am 25. September.
Italien. Der „Politischen Korrespondenz“ vom 12. August wird aus Rom berichtet, daß der Maronitenchef Jussuff Karam aus dem Libanon daselbst eingetroffen sei. Dem Ver- neizmen nach hätte derselbe die offizielle Mission, Verhandlungen mit dem Vatikan Über die Angelegenheiten der Katholiken im türkischen Reiche anzuknüpfen.
Türkei. Konsianiinopel, 12. August. (W. T. B.) Die türkische Regierung hat ihren Vertretern im Auslande folgende Mitiheiiung zugehen lassen: Die serbischen Agenten find im Auftrage ihrer Regierung bemüht, im Aus- lande den Glauben zu verbreiten, daß die Kaiserrichen Truppen muihwillig die serbisckzen Dö fer in Brand- sirckcn, und gehen sogar soweit, zu behaupten, daß die cirkasfi- schen Hülfstrnppen mii Petroleum gefüllte Gei'äße auf den Kampfplay bringen, nm die Zerstörungen beffer ausfüdrrn zu können. Diese doppelte lächerliche Anklage, deren angeblicher Tharbestand nicht einmal nachgewiesen ist, wird hier- durch für dnrckmus unbegründet erklärt. Wenn einige serbische Dörfer von dem Feuer erreicht worden find, so ist dies nur in der Hirse ch Gefechtes selbst und durch einen unglücklichen Zu- fall geschehen; dagegen find seit dem Beginn der Feindseligkeiten eiwa 60 Dörfer auf türkischem Gebiete, welche sowohl von Chrißen als von Muhamedancrn bewohnt waren, durch die Serben eingeäschert worden.
_ Dagegen meldet ein Teiegramm des „W. T. B.“ aus St. Petersburg vom 14. August: Die offiziellenKlagen Serbiens über die Grausamkeiten der Tiirken werden durchMi1theilungen von Personen besiätigt, welche unter dem rothen Kreuze für die Verwundeien in Serbien rdätig find.
Troß des Vorrückcns der Türken bleibt die Stimmung in Serbien eine mutbvolie und vrrirauende. Man macht sick; auf das Aeußerste gefaßt, selbst auf eine Belagerung Belgrads und cini: Wegnahme desselben. Der in Organisation befindliche Guerillakampf gegen die Türken wird erst darlegen, Welche Er- bitrerung im Lande herrscht.
Die wiederkehrenden Nachrichten von Vcrmitixxlungen der Mächts, sowie die neuerdings von der Berliner „Post“ ge- brachte Mittheilung, daß zwischen Wien und St. Petersburg seit dem 10. d. telegraphiiche Verhandlungen zum Zwecke des gemeinsamen Sckzußes Serbiens gegen die Türken stattfinden, werden an informirier Stelle als absolni unrichtig be: zeichnet.
_ 13. Auguß. Ueber die Amnestie, welche, wie bereiis gemeldet, der Sultan in Bulgarien gewährt hat, liegt fol- gende offizielle Mittheilung vor: „Se. Kaiserliche Ma- jestät der Sultan, bewogen durch die Gefühle väterlicher Fiir- sorge und hoher Milde, hai geruht, eine volle und ganze Am- neßie allen bei dem bulgarischen Aufstands: Kompromitiirten zu gewähren, deren Prozeß noch nicht zu Ende geführt ist. AuSgenommen von dieser Gunst find alis bereits Vcrurrhcilten, sowie diejenigen, welche unter der Anklage, die Führer und Ur- heber des Aufstandes zu sein, in Untersuchung find. Lilie An- deren, welche ßch wegen dieser Angelegenheit in Ost befinden, folien sofort gegen eine entsprechende Kaution in Freiheit ge- seßt werden. Gegen Niemanden soll in dieser Angelegenheit eine weitere Untersuchung stattfinden noch eine Haft voii- strecki werden. Alle gerichtlichen Verfolgungen auf Grund der in Rede stehender: Ereignisse folien aufhören. Gleichzeitig wer- den alle mit der Untersuchung in diesen Prozessen betrauten außerordentlichen Gerichte beseitigt werden, und sollen die Ur- iheilSsprüche, betreffend solche Individuen, welche zu den oben erwähnten Auguahmekategorien gehören, den ordeujlichen Gerich- ten überwiesen werden.“
_ Einer Korrespondenz der „Allg. Ztg.“ 3. August, entnehmen wir Folgendes:
In Folge von Exzessen, welche _xinc Baschibozuxs in den Dörfern Haffkot,
aus Pera, vom
Bande von Yeni Mahale
und Hadsehi Elias (Bezirk Philippopel) begangen Hai, ward diese entwaffnet und wurden die Schuldigen ver- haftet. Von diesen wurden die zwei Führer, Hadschi Morat UNd Abdulkadir, bereits in Folge standrechilichenSpruches durch den Strang hingerichtet. Die Untersuchung gegen die übrig.;; wird forigeseßt. Der Unter-Gouverneur von Hasiköi, Veli Eddin Effendi, wurde treZen mangelnder Energie abgeseßi und vor Grrick;igestrllt, desgleickzen der Musik, Es wird bemerkt, daß die Plünderung in den genannten Orten ebensowohl in chrisi- lichen als muselmanischen Häusern ßatifand, daß aber dabcikein Menschenleben zu beklagen ist. Die vorgefundenen Gegenstände wurden zurückgesteilt. _ Aus Bulgarien wird berichiri, daß die Balgarcn von Velgradschik, welche von den Serben be- waffnet worden waren, zurückgekehrt smd und ihre Waffen den Behörden übergeben haben. _ Beim Dorfe Dere Kdi nächst IImid hat man ein sehr reichliches Koblenlager entdrckt. _ An Papiergeld folien unier Aussicht Und Leitung der QSmanischen Bank 2 Millionen Pfund auedegeben werd-xn, während 1 Miliion in Reserve blribt. _ Die freiwillige Bcistensr zu Krichzwccken dürfte bis jeßt 10 Miiiionen Piafter erreicht hadsn.
_ Vorn ZKrichschauplaYe gramme vor:
W161], 12. August. (W. T. B.) Wie der „Politischen Korrespondenz“ aug Belgrad vom heutigen Tage gemcidst wird, hin das Oberkommando beschlossen, das Morawaihal ohne entscheidende Schlackzi nicht auizngcben. Die Opera- tionen der türkischen Truppen nnker OSrnan Pascba find vor der Hand auf Paraischin gcricdict, dock) scheint da;, Moraw.rihal ihr Hauptziel zu sein. _ Ejud Pascha stekt am Eingang dcr Defilecn von Banja; Banja sclbst wird befestigt. _ Leschjanin sishi mit seinem Gros unweit Brestowaiz. _ In Negotin organifiren die Türken eine Donauuferpoiizei. Der Ort soll von DSU Nizams grplündxri worden sein. _ Saiischar ist fast zur Hälfte niedergebrannt.
Belgrad, 13. August. (W. T. B.) Von der Drina- Armee wird Hierhrr „r.,rmeldct: Zwei Baiaiiione unter der Jiri)- rnng von Czinies und Iavanovics Haden dci ciner Rekognos- irung die tnrkischen Positionen Unterhalb Velina JCUNULUSU.
ie Serben wnrden dann von dan iiirkischen Trappe" über- fallrn, schlugen fie aber nach einem drcizednsründigcn Kampfe gänzlichznri1ck Während des Kampfes wnrde Janin beschossen. Die scrbiscizen Beobachtungstrnppen standen bei Velina.
London, 13. August. (W. T. B.) Dsm „Reniersciien Bureau“ wird aus Semlin vom gestrigen Tage gemcidrt: Die Nachricht von dem jüngsten Siege der Türken dei Zavdr brsiärigt fich. Tie Verlust“: sind auf beiden Sciten sehr groß. Tie Details Über die Schlacht fehlen indeß noch. Demnächst wird eine neue Schlacht bei Ba“- ja erwartet. Irn Widrr- fvruche hiermit wird demselben Bureau ans.“; Belgrad dc- richiei: “Lim Donnerstag ist ein türkisches BaiaiUon, welckiss versuchte, di: srrdisckzen Linien bei Juror zu durchbrechen, voii: siändig geschlagen und beinahe gänzlich vernichtet worden. Die Position der Serben bei Iavor ist intakt geblicdrn. _ Ranko AlimpicH bewahrt scine Offciifivsicllungen an dcr Drina. _ Banja ik'i stark befestigt und von din Truppen dcs Génernls Tichernaicff deftßi. Tie serbische Abtheilung untcr Becker bcizaupiet dße Gebirgszüge zwischen dem Timok und der Morawa. Ncgotin und Kladova ßnd nicht in den Händen dcr Türken. _ Fürst Milan wird fick) in einigen Tagrn zur Jnspizirung der in BoSnien stehenden Armee be- geben. _ Circa 30,000 Buigaren, Greise, Weiber und Kin- der, haben fich über Pirot und Risch naci) Serbien gefliiciziet,
_ AUS Belgrad wird iclegraphiri:
Belgrad, 13. August. (W. T. V.) Fürst Milan ist gestern Abend vom Kriegsschauplaye !)ier einnetrdffen.
Belgrad, 14. August. (W. T. B.) Die Fürstin oon Srrbien ist dente von einem Prinxen entbunden rr-orden.
es?, 12, August. Aus Belgrad wird vom heutigen Tage grmeldet: Jürii Milan wird morgen hier eintreffen; rr will Fricden schließen, während dn OJiinifterium den Kampf fortseßen möchte, Das Hanptqnariier ift nc-ck) Tichnprija verlegt. Türkisch: Trnppen dringen auf der Heerstraß-z fidcr Posardvaiz naci) Semendria vor und kdnnien binnen Wochenfrist vor Belgrad stehen.
_ Vom 13. d. M. meldet „H. T. V.“ (1116 Belcirnd: Das Ministerium gab 'm grsirinen *).ixinistcrrathe seine De- mission, weii Fürst Milan den Friedrii wil], die chierung aber die Fortführung des Knmpics für nothwendig Hält. RisiicH las ein anéfüriickzes Exposé Tschernojcffs vor, nach welchrm nichis zu einem nachtdeiligen Friedensscizluß dercchiigt. Der Fürst hai noci) fritien Entschluß gefaßt.
London, 13. Angriff. (W. T. V.) Ant.": Belgrad wird hierher xxeaicidei, dai; zahlreicheaniige von Freiwilligen aus anderen Ländrrn znr scrbiscden Armee statifinden. _ Garibaldi [)at cinen Vrirf an den serbischrn Krich-Minifter gerichtet, in wrlchem er anzeigi, daß er den Vorfiy in dem Comité- Überndmmcn [)a ?, welches siri- in Mailand zur Unter- stüßung der verwundeten Serben nnd Montenegriner ge- bildet hat.
St. Petersburg, 12. Angnic. (W.T.V.) Dcr „Inter- nationalen Telegrapixcn-Agemur" wird aus Belgrad von gestern Abrnd gemsidrt, daß die Johanniter unter Führung Kciiars aus London 1391116 in Brigrad cingeiroffen seien, gleich- zeitig anch dcr zweite Ti)ril des rusfisckzen Sanitätszuges, irclcher von der Jürfiin Schach0wskaja nach Belgrad geleitet worden sei. Aerzte und Offiziere strömten jeßt aus allen Län- dern zu, die Freiwilligen winden in Legionen eingetheilt, dic Natalialegion sci henkc nach dem Kriegsichauplaize abgerückt. Ter Archimandri; Ducic sei schwer verwundet, ebenso General Zach, der sich einer Ampntaiion werde unterwerfen müssen.
_ Unter dem Titel: „Lexik? Nirchrichten aus Serbien“ ver: öffentliäzt die „Pol. Korr.“ aus Belgrad vom 12. August das nachfolgende Telegramm: _
Alimpics crkzielt dcn Bendl,- nach Zmückldffung eines Corps zur Bemachung der Drinagrenze, die eiligst bei Lesch- nitza befeftigt wird, mit dem Gros, seiner Truppen nach dem Innern zn maricdiren. Das Ziel seines Marschss ist nicht be- kannt. Oberst Czolak Liniics zog sich voriäufig anf Iva- nißa zurück. Es verlautct, *ie Idar-Division soll auf das bedrohie Kruseway sich zurückziehen. Vorgestern nahmen die Türken Kladowo und rücken auf sehr unwegsamen Bergpfaden gegen Gornje-Milanovac vor.
Im Kriegö-Ministcrium ncigt man sick) dcr Ucbcr- zeugung zn, die türkische Armcc wrrdc konzrntriici) gegenBclgrzrd vorriicken. Man bcfcstigt Dainr die Stadt in einem Uznkrcqr von 11/2 Meilen. Auf der Linie von Rakovißa bis Vi1chni13a
liegen fdigende Trie-
werdcn Schanzen aufgeivorfcn" Mokri-Lng, )vcllees“ auf cincr Anhöhe liegt und die Lllcknnac-Paracm-Cuprqa-Semendrm-
Straße bkl)crricht, wird bcfcstigi nnd mii choutcn versebcn. Alle großen Geich)ü1§c, wcickx irn Kragnchaßcr Aricnalc liegen, werden nack) Brigrad grichafft. KrirgH-MinisterOrcrst Nikolits iibérwaän pcriönlici; die Akbkiti'il, zu deren raicknr Vollziehung dic grsamniié männlicHe Brvölkernng des Vrniicdarer Bezirkes aufgeboten Wurde. Der Minister des QUUU'U ichloß Verträge mii Licicranicn ab, die in dcr kiirzestcn Zsir Vrlgrad mit großen Ormntitiiicn Mehl, Scinackitvici) nnd „ande'r-sm Proviant rcricdsn müssen. Man will fick), wie es iciykinr, iii Belgrad so lange wir möglich rsriknidigrn. Die Fürstin äußerte heute ihren festen Entschinß in Vel- grnd zu bleiben und (1112 Gefahren mit der Vrvdikerung zn Theilen. Gestern ift das Memoirs über die von den Türken Uer- übien GrausamkcitSn den Vcrircirrn dcr Großmächte übergében worden. Der Fürst drfindri sich im Momente in Triigrad, Zwischen Barrier nnd Alerfinaß wird eine große Schlacht erwar- tet. Tschernajc-ff ist beim Corpö Horvaidvixi] Hente eingefroffen. kaist DrSpoiovickz verdffcni;iri*ie cin *11ianifeit des Fürsten Milan, irrlcher dic Fiiizrnng dsr bdsniicdrn Iniurgenien dem ncnannicn Obersten iidrrrrägi nnd aile VdSUinien auffordért, dern „Fürstiich'cn Statthalter“ (Namsstnk') zn Z(iidrcßen. Die Tiirkcn vernicixisien idrc Ecsestignngcn inCrakdwd (in BorZiiicn) und zogrn fick) nnch, LjSWiW znrück, wo ein „große.? Iirmee-Cdrps ans Wasrdibdznks in der Bildnng begriffen ist.
_ AUS Beigrad schreidi man der „Pol. Corr.“ unter drm 0. August;
„311 ipär firßi man liier ein, daß die Zcrdiscize HELME- Orgnnisarion eino fdisk]? ist, die cigcntiick) mii einen Erfolg zn Hoffen, gar nir brrsciziigr Hai. Tas stehende? Herr hatte bis jrßi nie einen siärkeren Stand nir“; 5000 Mann nnd da die In- ftirniion drr aUgemeinen Wehrpflicht in Serbien noch sein jung ist, so konnte bis jLHt nnr cine geringe 33131 zn wirkiich3n Soi- daien herangebildct wrrden. Tie Miliz Hnitr, mit Anénainne rss V1igadekommandnnten, keine gcsckwiien nnd .;,cdiidcien Offi- zisre. Einfnchc B-inern waren mit der Tiiizierr-ckmrße briisidet. Erst in den [ersten Jahren begann man die Milizdisizierc zu einem. ihcorsiiirikrn Unterrichts Hrranznzieixcn, béi drr knrzrn'Taner drrKnrse konnte icddck) nicht irick]? ei: nes Ordentlich» geicrni wcrdsxi. Tie Kavailcrie wnrde (“.,-anz v::*nachlässigi. Gowöimliii) Hiider diese Waffrngdiinng ]]]; bis 1,10 dsr gcsammien Armer; irn ssrbisskxn V01ké[)?kk2 rrprässmirt die Knunilerie nnr 1,97, drr (Heimnmt- srärkr. AUS dicscm Griinde war der Eclaircnrdirnst 7chiecht or- Jäiiifikt, waS große Nardidrile brachte. Anal) den Man- gci einrr rniären Ksmmnnikaiion empfindxr man sehr schmerziich. Härte man eine Eiirndnkin zwischen Finja.- zewaß - Saiischar und ?ilerxinaß gehibt, das Tiuwk- Thai wäre noci; jsizi in sers*iichrn Händen. Endlich macht man (ruck) die ungcizcnere Grenznnsdrhnnng grgrn dix Türkei fÜr den rnrglüäiichcn Beriauf des Krieges r*craniwdrrlick). Man nmßie die geringen Kriifte zerspiirrrrn und wnrde io Unfähig, anf irgrnd welchem Piliikik etwas Eixiicizeiderrdrs unternehmen zu können. RUE diese Cwinide sollen nächstens in cinem öffrnt- lichen Aktenstücke, das die srrdisckze KrirgHiciirnU zur Recht- fertigung der niißlnngencn Campagne vordcrcircr, ihren P(aß finden.
Es war ein rsrdännnißvdiiér Irrihnm, anznnedmen, daß Ali=Scrdien jetzr von “.iirfiiciicn Trnppen entdliißr sei, da an- grbiiri) Dcrwiici) Bricks: dem Monkdiar Paickm zn Hiiiie eile. Tiefe falsche Nachrichr bewog die KriegSleirnr-g, den größten Tizrik dcr Ibac=Armre, deren Ursprünglicher Zwrck dock) ais vrrfcdit und nnandfiihrdnr dxirachtct wird, ii.".ci] drm Morawa- Tkmi zn dcdrdcrn. Derwisch, drr gnr nirizt daran dachte, die wichtigen straiegiickécn Pimkie Novibazar und Sienika anfzngeben, sowie die einzige Straße ans anc-iien nach BQSnicn üder Mitra- vica gefährden zu lassen, griff den Oberst Tscdolak Aniiis mir iiderlegcnrr Mardi an und trieb ihn bis zu drn Iavorer Schanzen ziirück. Geiiein griff der im GebirgSirir-gc sehr be- wandrrie Derwisch die Scrden in iHren Vcrschanzun-gen an und nahm dieicibrn ini Sinrm. Tich01ai-Lintits soil in der S'ärke von 60C0 Mann drm Tcririfti), der Über 3500 “.'-Fiann deifs nnd Nizams verfügte, chaniidcr gesiandkn sein. Die Verluste an Mannschaft sdiicn drde. xrnd icin. Rim zog sick) “Zlnrits anf scrbisckzcn Boden zurück Und zwar ioil cr von Dcrwisciz vcrfwlgt wrrdcn. Tie Einwohncr nnz dcn Minn Tdriern wie der Smdt Idanica find ich0n grsicrn xnsiohcn. Hiermit 13.2331 die ikir- kiicinn (xieiicraie ron aii 'n. Srinn |ck) den (Singing nnci) Scr- bicn eröffnet. __
CS Meint, daß man ski) Hier cinem Jrrxkznmc in Brircn der Stärke der iiirkisrhen Armre diii;.a1«. Man giaudie, die Armee Lirdnl Kerim Paschas könne anf aiicn Pnnktrn kaum 70: bis 80,000 Mann bciragcn. Ier-t sieiir fick) [)crans, daß Ejub Pnsäw (die Irregnlärin eingcrcckzncx) iiber'30000 Mann, OHman Pascha iiber 34,000 Mann vrriirxxcn, ].)Li Niick) 18,000, bei Jankowa-Kiissura 15,000 und in Liit-Zerdisn "12,000 Mann sieben. Die Gciammistärke dsr türkischen Armee iliikkiieigt also 100,000 Mann. Wiewobl die Strcixkrsiitr Serbiens“ auf allen Pankrsn noci) immer groß sind und jcdu:1i-.1U6_ den UixkffckJLii'i'ril Zahl nicht drträchilich nacdfieden diirften, so in dock] die Qualtmt des Mdtcriach eine andere, Sodald dic erdrrrcn nnd Schanzen ihre Dienste vxrx'agen, kznn di: jnnge UngriibquArmee de_im deßcn WiUen mir dcn dir im Jener erprobten Turion cs iiicht aufnehmen.“
Rußland und Polin. ST.POWTHOUTN, ][.AiiJilft. Die Abreise der dänischen und grieckiiiiiwwMirjcsiiiten nach Moskau erfolgt am Sonnabend, dcn 12. August und zivar am Nackzmitiagc.
_ Der russische Botschaitcr dci der Pforte, Gencral-Réju- tant Ignatjew hat fick) gcßcrn nac!) Kijcw begeben.
_ (Pol. Korr.) Von der persisch-türkiscsien Grenze [aufen deunruixigende Nachrichtcn iiber die zunehmenden Rände- reien und Grenzverleßungen der dort im Ntrekgsbict nomadi- fircnden ankmancn ein. Es ist in Folge dcffen dic Garnison in dem russischen befestigianori Asciiar-Ade am Kadpiscdcn Mccr verstärkt worden. Die persisch“.- Regirrung dat zwar gcgcnwärtig cine militärische Expedition gedcndiese idr eigrntlich unterworfenen ank- munen unternommen,ihreTruppen find abrr bei einem Znsammenswß mit einer gleich ftarkm Turkmanrnhorde gciclziagcn worden. Diese räuberischen Horden find in Folge deffcnwieder io irdermütijg ge- worden, daß sie ihre Einfälle nnn nicht mcdr alicia anf per- fisckxs, sondern auch auf russisches Gebiet dnsdcinien, uneinge- drnk der Züchtigungen, die ihnen früher dnrch raisisckgc Truppen zu Theil geworden und welche bisher eine Zeit lang den russi- schen Ansiedlern Schuß vcrschafft haken. Lcider liegen die eigentlichen Siße dieser Wrek-Turkmanen zwiscknn dem Litrek und Kara - Su, ein Gebiet, das gewissermaßen eine neutrale Zone zwisckzrn Persien nnd Rnßiand bildet, ob- gleich es auf der Kurie zn Perfien gerechnet wird. Wenn hier der Kara=Su, der oiznedin die natürliche Grenze bildet, «url;
die politische Grenze sein würde, wieRujzlnnd da“:- oor Abschluß