blannboverschen Landwirtbe enxrgisrh in Schutz nehmen zu müffm g an e.
Staatssekretär des Innern, Staats-Minister ])r. Graf von Posadowsky-Webncr:
Meine Herren! Ich bitte, drm Anfrage nicht zuzustimmen. Zunächst soll nach Absatz 1 nur das Fleisch von der Vor- und Nach- beftbau befreit sein, w:!ches ausschließlich im «Haushalt verwendet wird, das heißt, welches nur Psrsonen, die zum Haushalt grbörrn, zum Genuß dargeboten wird. Daran müssen wir festhalten.
Was aber den zwriten Absatz bririfft, so würd? derselbe für die verbündeten Regierungen vösrig unannebmbar sein; denn er würde in dieser Form das ganze Gesrß übrr den Haufen werfen; Es würde dann jedermann in der Lag: sein, zu erklären: ich nehme Haudschlachtungen vor, um hinterher troßdem das Fleisch gewerblich zu vrrwrrtben. Es soll in diesem Falle nur eins Nacbbcx'cbau, also cine eixiwaligr Unter- suchung, dxrgenommen werden, von der nicht einmal gesagt ist, daß sie eine amilicbe Untrrsricbung séin soll, und damit kann fi:i) der quk- schläcbtrr tbaisäcbiicb SUM Verpflichtungen entzirben, die der gewerbs- mäßige Schlächter zu erfüllen bat. Meines Erachtens wird von dem Denkschen Fleischerverband mit Recht gcgen den Antrag mrsgefübrt:
.Die inländischen Produzenten, welche bausgrscblzckiictrs Viel) gewerblich writer dcräußcrn, uns gleirbxustsllsn, daran kann irsend wrlche Politik nicht bindrrn. Solche Ungerechtigkeit strebt aber der Antrag von Schele an, der gestaiirn will, Fleisch bon baus- gcécblacbieixn Tbierrn in Stücken, und zwar sogar nach Trennung yon drr: inneren Organrn, zur Untrrsuchimg zu stellen, um sie dann gewerblich zu veräußern '
Meine Herren, ich glaub: aber, dcm Wunsche der He:ren Antrag- steller wird vollständig genügt, wcrm icb birrmit Erklärr, daß eine gslcgentlirbe entgeltliche Abgabe 2 n Flsisri), das Von baus- geichlacbteten Thieren berstxmmt, nord nichr im Sinne dss Nahrungs- miite-lgrsrßes einen Gewrrbrbetrieb darstrllt. Ick) kann nur dririgend bitten, untrr dieirn erbäliniffen von Jbrem Antrags abzuskben oder, wenn Sie das nicht ibun wollen, so bitte ich das HaUs, drn Antrag abzulehnen, wril er in di:ser Form das ganzc Prinzip des Grscßrs wieder aufbebr.
Aba. Nißler (d. kons.) dol-smifixrt gegen den Nbg. Wurm, drr ssine irübrren Aeußerunqxn vöUi-g LULstLÜT wi-xdrrgezrbcn babe. '
Abg. Bauder: (Soz.) kann nicbt findrn, daß der Verglricl) dcs Auksebens der bayrrischen Bauern mir den Arbeitern Nordrrumchlands irgend welche Beweiskraft hätte. Es gebe Puridrrttaufende chn Arbrirkrn, welcbe nicht in der Lage seirn, das gesunde Fleiich drr bayxrii-ann QMM, Käib-Ir und Scbwrine sich zu verschaffen, sondern dir mit billißrm Fleivcb Vorlieb nebmrn wüßten. Auch sri krinxßwrgs zutreffend, dai; übrrall das Gesinde auf drm Lands dasselb: E1ien, vor all:?m dußsrlbe Fleisch erhalte wie die Bauernfamilien, Das (Hufes soll? dock) vdr all-Zm saniiärrn Zwecken dirnen; mit dieskr Trudenz sri die Y:?ritißung der Fleischbescban bei Hauxswlawtun-Zrn cin fiir alle Mal unrxrcinbar.
Abg. Wurm: Es kommt doch nicht allein daran,?" Un, was man ißt, sondern wieviel man ißt. Die dcutichrn Arbritrr brkommcn zu wenig amerikanisches Pökxlslrisck). Ick babr keineswras bebabpret, das; der bayerische Bauer das schlechte Fleisch ißt; ich habe r-ur bebarrptrt, daß er das scblscbte Fleisch verkauft, das g:;re ißi er selbcr.
Abg. Von SÖle-Wiinstorf ist ndcb drn Erklärungen drs Staatssckrriärs bereit, fkinrn Antrag zurückzuzirben, WJ'ön diese («Zr- kläxurig ibrcm Inhalt nach in die Auxiübrungsbritimmungen arif- genommrn werde.
Abg. 131“. Heim iriii dcm Abg. Wrirm voilpmals cnigrgrn. Es komme darauf an, was man effe uxid wir viel man esse.
Kommissar des BundeSratbs, RegierungSratb im Reich-Juitizamt Oegg erklärt, daß die Aufnabmr der Erklärung des Staatdsekrrtärs in die Auéfübrung-sbrstimmungen nicht tbunliä) sei; es sei dieb aber auch ,:arniédt erforderlich.
Abg. Wurm: Gérade aus den ländlichen Bkziikrn ii“: :“.acb den amtlichen staiiiiisclorn Aqurisen die Zahl der kréfxigrx', taugliÖrn jungkn 82312 bei den Auébcbungrn im Rückgang; der (“,I-Min trügt also. Das; err Heim unt antisemitisäoen Nrreweudungrn auitrat, ist [sicbr vkrständlicb, b:n:elt€ es sich do:?) um Säiweinercirn.
Abg.1)r. Heim: Wollte ich der Geschmacklosizkcir dir Krone auf- sryen, so müßte: ich in demselben Tou antworten; ich Tbxie das aber nichr. Dre Wurm krümmt sick), Wsnn cr getrrien wird.
Wir. yon Schele-Wuniiorf bäls nach drr Erilärnpg des Vundrskommiffars 1einen Antrag aufrecht.
Damit schließt die Diskusiion. wird znrückgrzogcn.
Der Antrag von Schclc wird abgclehnt, derAnirag Beckk) deszilcichen. § Z gelaiigt unverändert nach den B8schlüffen zweiter Lsiung zur Annahme.
Zu § 14 3, die Einfuhr ausjändiscch FleiichrS betreffend, liegen die bereits mitgetheilten Anträgr von BoniirBabren: busch und Aichbichlcr vor.
Abg. Dr. von Lrbeßow triii ncE-mais für den Kompromiß- anirag Aichbichlsr ein. Die ganze deurscb-ionsrrdatiVZ Paxléi hätte am liebstxn gesrben, wrnn dieBrsÖlümr zweiirrLZsung mxt dcm (';infubrorrbdt aufrecbt zu erhalten gewesen wärrn, sir bäireri auch där- Antrag von BMW Babrenbusch dem Kombromißadtragr dorgezogrnwbyr der bistimmtrn Er- klärung drr Verbündeien Negierungrn gegrnübrr babe sicb rin Theil drr Partei auf dem Kombromißantrag zurückgezozen, um Wenigixens eini.1„€r- maßen die byzicmscben Zivecke drs Gesrßss zu erlyichxern und anderer- irixs VTI! “.Er Lankwirtbxwafr drn ibr drobendrn Schade'n zum ibril ab:,iiwrn'x-ii. Tir Mrbrlirit séirick Freunde halte abrrkixigs die Zu- geständiiiiie dirirs Kcnirromißanirazrs für nicht ZMÜFMO. D:: ck fix?) NU: um Zwrckmänigkeitserwägungrn bandlr, io sollt? man ein im Fk-Tigki; nüßlicbeö chrtz nicht aus solchen Erwägungen zum Scbeitern
ringen.
Abg. Dr. No esicke-Kaiserslauierii (h. k. F.): DUrcb daß Gesetz würdx in d:r “Behandlung der Ficiswbeswau zwiscbén dem Inland urid drm Aukland eine dauernde Uni,“;lcirbbeit („Sschxffe'n wsrr-kn. Dafür wollcn wir nicbt mitdrrantirortlic'o sein. Ein Grséy, dem dirfer Sirmbél der Unglricbbeit dausrnd aufacpräszt ist, kann aua) nicht in dem Sinne des Sta.)!ZflkrkfäkÖ Graien Posadowsfv als rin [(Mit-"nes adxgrgeben werdrn. Drr Antrag von Bdnin-Babrrnbusch, der fick) enger an dir B€fchläsr zwriter LSsung anlebni, gcnüxiunZ nairirlickoeigrntlicb aucb richt, trägt aber itari) unserer Meinung drr! Bekenkrn “drr vrrbü-ide-cn Regierungen grnüßend Rechnung. Es handelt sich doch um AU:?- nabmebeitimmungen, unddie könnrn nicht auf dic: Daucr fsstgelegt, sondern müffrn an JLWLÜL Fristen gsbrrndm Werrrn, wi: wir es *sür SGinkcn' und frisches Fleisch doréchrcchn. Dad Pökrlfleisrb aber muß aiksgLÜÖloF-Jn bleibcn, ka bri didiem ein iicberrs Ergebniß der nachiräglich2nUntersuchana absolut nicht gcwäbrleisiét ii't, wädrxnd
Der Antrag Hoffmann
anrrrcririts feststeht, daß arrade dieses Fleiicb virliarb rminert-
geiundbeiiSJefäbrlicb ist. Die Landskdrirßgcbung hat das Rech, die reicbsgeseslicben Besiänmungrn zu viriibärien; gegen das Rußland giebt es eine solche Mögliäikeit nicht. Mir Lincm Gesek, wélcbrs zu solchen Konsequsnzcn fübrt, können wir nichts anfangen; 93 iii ein G.??Z zum Schadrn drr deuiscbkn Landwictbscbait. zu (Hunitrn des Auxlandis. Wo sind drm“. eigentlich diejenigen ländlichen Arbeikcr, WSlchT nach Herrn Wurm liebst Geldlobn nrbmen, statt ibc SrbwÜn za wä'ien; so large die Gegend nicbt genanxit wird, wo diese Léur: wobrcn, nehm: ich an, daß si: sich im Mor-de brsindrt. Wird drr Kbrnrxomißmitrag angrnbmmrn, dann fasten wir: L*.cbrr kxlI Gzicy als ein solcheSI -
_ Abg. Fürst Hrrbert von BiSMarck (b. 1. F.): Ob.".c mich (ri! dir Details rii'522Taff-In, dir ja Cin Sachkenner wi? drr Ad.].
Roesicke sebr tre-Xlicb geschildert hat, möchte ich nur die gegenwärtige Situation beleuéhten. Das ganze Gesetz hängt an der Entscheidung über den § 14a. Mögen aucb noob mehr Sackokenner wie der Aba. Roesicke Reden halten, das würde uns nicht hinweghelfen über dir Erklärung des Stellvertreter? des Reichskanzlers, daß das Geseß für die verbündeten Regierungen unannebmbar sein würde, wenn der Kompromißantrcxg nicht angenommrn würde. Die Sache liegt also sebr einfach: entweder das Kompromiß oder der Zravus quo. Einigen Herren von der Rechten ist der Irariw qno lieber als 'das Kompromiß. Ich kann nicht zugeben, daß über- haupt nichts verbeffcrt würde, wenn das Kompromiß angenommen würde. Es Werden doch bestimmte Sachen verboten, die Einfuhr frischen Fleisches wird Wesentlich erschwrrtz Und vor allen Dinsen ist der gegcnwärtige Zustand nachrbeiliger als da; Kompromiß. möchte mich lirber auf den Standpunkt des Abg. (Gerstenberger stellen, der erklärt bat: Wenn ich nicht das Ganze brkomme, so nehme ich einen Theil als Abschlagszahlung. Jeder Kaufmann, der nicht1009/o erhalten kann, nimmt 30 oder 40 und behält fich das Urbrige vor. Damit müssen wir rechnen. wenn wir auch die Motive drr Verbündeten Regierungen nicht klar erkennen. Allerdings liegt bier cine Jnkonfequrnz vor im V-rbältniß der erbandlungen des JUlääk-LI zu dem Auslande. Welche Gründe also die verbündeten Reaierunaen dabri antreiben, diese Inkonfequenz Gesrß werden zu laffsn, ist uns nicht ganz klar. Es handelt sich dabei wohl um ein gewisses vaonderabile. Wenn wir uns vergeqenwärtigen, was der Staatssckrejär Graf Poiadowsly gestern gesagt hat: ein guter Staaté-mann babe Rücksichien 'zu nehmen, so ist vielleicht nach der Richtung die Erklärung zu finden, weshalb die Regierung mit solchrm Nachdruck sicb für das Kompromiß erklärt bat. Es handelt sich biyr um eine reine Sache der Zweckmäßigkeit; man kann darübrr vrrscbirdrnrr Miinung sein, braucht sich aber nicht zu erbauifiérén, und ich freue mich, mit welchrr Rube gestern md beute debattirrt worden ist. Ich stehe auf drm Standpunktder Utilität; das Brffkre ist drs Guten Feind. Ich habe in m:?inem Wahlkreise mit angesebrnrn nnd rinflußreichn Landwirtben und Virbzückstern ge- svwrben, und nicht einer bat den Standpunkt des Abg. Roeficke vertrririi; alle sazten: wir wollen lieber eine Abfrblagßzablung nrbmrn, als den jeßigkn Zustand behalten. Ich habe mich b-sonders gefrrut, wir bsi der gestrigen Debatte der der- ebrtr Herr don Wangenbrim und der Vertrrder der ver- bündeirn Re'ßiirungen einr Kraftbrobc von sich gewiesen babcn; mit Erstaunen babe ich in der Prefix aller_P4rteie_n grlesrn von einer Kraft- und (Hrneralprobr. Aber bei dieirr einsachrn Sache, wo es fish um die Zulassung von grpökxltr'm Fleisch u. s. w. handelt, kann man drci) nicht von einer „Krasi- und Gensralprobe" sprecbrn. Jil; möcbie? anbeiwstrllen, das; wir die Kraftvrobe dsr grundsäßiicben wirth- sciI-xitiicisxn Anfiaiiungrn binausscbieben bis zur Debatte über den neuen Zoliiarif und die Handelsverträ ?. Ich hoffe, daß dann die vrrbündetrn Neßirrungcn und die Me rbeit drs Hauses niit Vereinten Kräften ciutrrten werden zum Schuß: der Landwirthschaft. Hier wird schlimmftxn Fallés auf zwri Jahrs und siében Monair abarscbloffen, nichi, wie bei d€n_ Handelödrrträgen, auf zwölf Jabra Ergisbt sich m_ den nächsten ischs Monaten, daß das acht- Pkäädiß? Poi'elfléisck) geiundbkitsschädlich ist, jo wird es nach der geiirigxxi Erklärung d€5 Grafrn Posadowsky ebenialls untsr ein geskxz- lich='I Vrrbot grsiril! wrrden. Das Gesxß ist ja lediglich im Jnteren"? der Hy,:ixm' srlzffrn wordrn; mist es nebrnbri drr Landwirtbfcbaft, jo iii daz srbr k“!'fkkii[lch. Nur den Zolltarif und die Handhabung des- srlbsn im Einislnrn einzugeben, davvn darf ich mich wohl DiÖPINfiCkén. Die Befüribtung, daß der § 14a von der aweriia-iiscbrn Régierung unxnxenkba: empfunden warden könnte, rbrile ich nicht; 89 bandelt fiel) ja birr um einen Akt ?*xr auivmomen Esirßgxbbng. Drr Konsum drs amerikanischsn Flsiic'dks bat übrizeiis stark abgenommxn, nachdem man erkannt hat, dai; :s »lefaä) mit R63)! zu dkanstandrn war; das wird ja sogar von Cbicagor Blätirrn zngestandrn, welche mit dürren Worten erklären: „Deutikbland will rmsxzr einbalsamiertes Fleisch nicht mehr baden, und wir dankrn ebenfalls dafür." Ich bedauere fréilicb, daß die Re- gierunq _drn Scbuiz drr deuikcbrn Flriscbbändler nicht anch auf das Pökrlflxiicb auIdcbxxxn will; bsi dcr winzigen Menge dieses Import- artikrls wäre das wobl möglich gewrsen. Abcr jedenfalls ist das GMB (!Uch in der Komvrdmißiaffung brffrr als der heutige Zustand, und dabrr werde ich dafür stimmen
Abg. Wurm: Es handelt sichalso nur um eine ganz Vorübrr- grbrnde Erleiclptrrurg in Bezug auf das Pökelflrisch; es wird also auf daz vöUigr Vrrbot dex- amerikanischrn Fleisches bingesteurxt. Abri: dir dcurychc Artnr: hat 20 Jabra lang amerikanisrbrs (3011186 bezc-l krbolirn; wir reimt sich das mit diesen hygieniscbrn Rück- fichxsn? Uxbrizrns bat man nix ciwas daVon ßebört. daß der Ge- !imdbeiTI-zusiaiid ?kk- Armx-c dxrunier grlittrn bättr. Ja Amer:ka ist Übrigrns die Féei1chdeicbau wr-t gründlicbrr und umiaffendrr durcb- grflibrt als bei u::s; k-axübör skbwrigt abér die Reriierung und auch die Vorlaae entbälr darüber ksin Wort. Die amcrikrniscben Fleisch- b;fcha;'rr si-"d vom S aaic brzailix und Vereidigie Granny.
sz. Fits (nl,) erklärt, er balLé im Prinzid fiir die Beläsii- Jung:", wklci-r; der beimiicbrn andwirtbicbast durch die Bkschau er- wüwjxn, sine Kombriisarion durch die Ericbwcruna drr aukländifrlprn Konkrrrrrnz für qci'ote-i und bätt? das Cipfubrrcrbot jzdem anderen Auswrg vorgezogrn. (Zire Vrribsusrung drs inländixchn Flriscbrs sri dard.“ nicbt zu befüxckyiex. Sd wrrde cr für das Kombrormß stimmen. Da Bav-Irn ländst die Ddrpelsckyan babe. io könne diki'rm Land: aus diesrr Vorfckorift (iii Schad3n üJErbaUrt r*.iÉi crwarbsrn. Die drößt: Za ! der Naiidnallibrralen wrrde für dcn A:.traZ ',".icbbiclxlrr stimmen. ' '
Darauf wrrd ein Schlußantrag angenommen.
„ Die Nbgg. Reißbaus (Soz.) und Dr. Müller-Sagan (ir. Voliéb.) ibrrcben ibr Bedaurrn erÜber aas, daß ibnrn durch die Annahme drs Schlußamraiis das Wort abirxfidmltsn wv-rden sei.
Der Antrag von Vonrn-Bahrcnbuich, welcher nur Speck, Schweineschmalz und Därme sowie unter grwiiyen Bedingungen bis zum 31._ Dezcmber 1903 geräuchxrte Sckiwcineschinken und frisches Fleiich vom Arrslande zugelaiien wiffcn will, wird ab- gelehnt, der Anima A1chbichlrr in nameniircbrr Abstimmung Mit 158 gegen 128 Stimmen bsi 1 Stimmenthaltung an- genommen. _
TSL NM _er Gefgxzes wird mit einer rcdakiioncllrn Aenderung des Iq“ 25 cbenialls angeriommen und ebenso folgende Reiolution:
„Ter RiÉSiag xrklätt rs iür angezeigt, das; in Ergänzung dcs Gesryes über die “(:-Öiaclywirb- U;.d Flrischbeicbau durcb Landes- gesryr öffertlicbe Schlachlviebrxrrßckrrungrn unter Hrranzicbung iraailtcber Miiikl eixiqeriiviet !!"-l) kileaßriabmrn zur angemcffMen Verwertbur'g drr drrworfsnrn Tdrilr des Säolaobnbierw getroffen erdrn.'
Dir Geiamnziabitimmung über das ganze Grieß, die cine namcntlicbe icin 1011, _wird auechsrßt.
Darauf vertagt dick) das Haus.
Schluß nach (5 Uhr. Nächste Sißung Mittwoch 11 Uhr. (_Nack)trags:Etats,_ercrbiordnung, Munzgcicy, Abstimmung nber dre Fleischbxjchauvorlage.)
Preuszisäzer Landtag. Haus der Abgeordneten. 73, Sißuxg vom 2:2. Mai 1900, 11 Uhr. Ucbsr den Beginn der Sißung ist iii der gestrigen Nummrr d. Bl. berichtet worden. Zur Berathung steht der Antrag der Abgg. v on Eimern
(“ml.") und Genossen, brirrffend die Ueberweisung eines Fonds von 50 Millionen Mark aus den Ueber-
schüssen des Etatsjahres 1899/1900 an die ProÖ vinzialverbände. - ' Die Kommission beantragt, statt des Antrages von
Eynern folgenden Antrag anzunehmen:
,die Königliche Staatßregierung zu ersuchen, in der närbsjm Session einen Gefeßentwurf vorzulegen, wodurch die den kinlklnen Provinzialvrrbänden gemäß dem Dotationsgesetz vom 8. Juli 1875 zustehende Dotationörente unter Brrücksicbiigung der Benachtbeiliguvg der leiitrtngsfchwachen Provinzen durch die Bestimmungen des § 20 a. a. O. und der seitdem durch die Gesrßgebvng herbei. geführten höheren Belastung, ferner einerseits, der LUstouSfäbigkÜ andererseits der Höhe der zur Erfüllung ihrer Aufgaben non,: wendigen Leistungen dieser Verbände erböbt wrrd.“
Abg. von Jagow (kons.); Wir stimmen für den Kommisfiong. antraa aus den von dem Berichtrrstattrr axigkfübrten Erwägungen, Die Ueberlastung der Kommunen giebt zu den allerernftesten Bedenken VeraKlaffung und muß unheilvoll werden, wenn ihr nicht entgegen, getreten wird. Dabri ist der Grundkesis jstzt mebr Verschulder als irübrr, seine Erträgnisse sind zurückgegangen, mit einzelnen Züblen läßt sich da kein klares Bild geben. Warn 83 Gemeinden giebt, die über 400 0/0 an Zuschlägen rrbrben, so sind das Zustände, die zum Ruin führen müffkn. Die Krcis- eingesessenen 'siellen oft übertriebene Ansprüche, und wenn die Aurücbtsbrbörde sie nicht genehmigt, sagen fie, daß sie ihre Interessen beser kennen müßten. Einer Quotisierung der Einkommen. steuer, welche in der Kommiifion berührt wo:d8n ist, könuen wir aus allgemein politischen Gründen nicht zustimmen; sie würde nur den Wohlhabenden nüßen, aber nicht den Kreisen, welchen wir aufhklfen wollen. Die Ergänzungsstruer hat viele Gegner, wir meinen aber, daß eine Revision der Ergänzxngrsteurr noch nicht angebrachtift. Es ist nicht angezeigt, aus dem großen Werk der Steuerreform ein Glied beraitszunebmen. Die Annahme des Antrages won Eynern ist uns nicht möglich, weil er das Schuldkntilgungszrseß dnrch. bricht und wir in schlechten Jahren unsere Bedürfnisse durch Anleihen drcken müßten. Wir sind deshalb für dkn Kommissions- anirag. Es bleibt nichts Anderes übrig, als da:“; bri der amen Finanz. lage des Staats den Provinzen eine nie!)! zu iiark bemrffene Summx überwiesen wird. Für die Vertbciluna wuß ei_u gererytkr Mdßstah gefunden wrrden. n bervorrazender Wrise muß dabei auf die öft- licben Provinzen Rücksicht genommen werder. Meine Feunderrwarien, daß die Regierung sofort und mit Eifer das Material aufstellt und uns einrn Geseßrntwurf mit ibuniichk'rér Beschleunigung vorlegt.
Vize-Präsident des Staals-Ministeriums, Finanz-Minister Dr. von Miquel:
Mein? Hrrrrn! Ich glaube, daß das hohe Haus iii allrn seinen voliiischen Parteien gegenwärtig in dicsrr Frage Mit drr Staats. regierung in vväsiem Einklang sieht, und ich zweiflr nicht daran, dai; die Resolution, welche dieKommisfion zur Annabmr empfiIbli, nahezu einstimmig durchgeht. Jab brauÖe daher nicht sebr tief auf die ein- zelnen Faffunzcn einzugeben. Wenn Es da 3. V. heißt: in der nächsten Session, so Verstehe ich das so, daß, sofern die ur-miitelbar brreits ein- grleiteirn und eifrig zu fördernden Vorarbeiten die Vorlage zulaffsn, aber nicht, wie schon Herr von Jagow gesagt bai, daß uniér allen Umständen das Haus fordert, einerlri, ob die Klarstcllung und Vor- bereitgng der ganzen Sachlage bis dahin möglich ist, daß die Regie. tung mit Liner so schwierig€n Vorlag: vor das Haus unbxdingi treten sol].
Mrine Hrrren, vor einiger Zrit bat mir der Abg. Schmieding den Vorwurf grmacbt, dir Staatésteuxn wären zwar ganz schön geregelt, aber nicht die Kommunalsteuern; denn rs seien die Kommunen auf eine ganz entsetzliche Weise durch die hohen Zuschläge überlastet, die sie zu den Staatssteuern erheben müßten. Er hat aber selbst hinzugefügt, in seinrr Heimatb s:i die? Aufgabe, die Kommunen über- haupt anders zu organisieren, ans den kleineren VSrbänden größere zu machen. Darauf müßte entscheidrndes Gewicht g-lrgt werden. Ja, mein: Herren, diese Aufgabe Halte ich für gestellt, aber sie ist so eminent schwierig und würde ein? so große Mißstimmung vielfach erregen, die Gegensäse der Kommunen unter einander derartig Vertiefen, daß man darauf nach mriner Meinung als augenblickliche Abbilfe nicbt Verweisen kann. Aber jedenfalls wäre das nicht meine Aufgabe, ssndern das ist die Aufgabe der allgemeinen Vrrwaltung, das fällt nicht in das Ressort des Finanz-Ministers. Nun muß ich aber doch daran erinnern, daß gegsnübrr drn namentliéo in den 80er Jabren erbdbenen Klagrn über den damaligen Notbsiand der Kom- munen. die Steuerreform den Kommunen 100 Millionsn überwiesen hat, indem der Staat alle Realsteuern preisgab und drn Kommunen disse neuen Steuerquellen eröffnete. Jol) muß ferner daran erinnern, daß die Frurhtbarmawung und grrräyie Veranlassung dieser Real- steusrn als Kommunalsteuer den Kommunen Völlig freigestellt ist. In keinem Lande der W:lt babxn die Kommunen in dieser Be- ziebuna mxbr Befugniffe und freiere Hand als in Preußén. Ick karin allrrdings nicbt derbsbien, wie ich das schon bei der Be- rxibung drr Waarenbausstrirer ausgrdrückc habe, daß bis jest die Kowmuncn von diesen außerordentlichen Befugnissen sehr wenig Ge- brauch gemacht baden, wenigstens nur in seltenen Fällen. Gewiß ist dir kommunule Grundsteurr innerlich durchaus berrchtizt; aber es kommt darauf an, wie fis gehandhabt wird. Ich höre z. B., daß, nachdem in Breslau ein': Grundsieurr, umgelegt nach dem gemeinen Wrrtb der Grundstücke, eingrrichtet worden ist, den Klagen der Grund- eißentbümer, di: wir bier jäbr.ich böten, wrsrntliib abgeholfen iit- indem na-zirntlicb die mittleren Grundstx'cke auß5rordentlich dadurtb entlastet Wurden. Warum i;.“brn nicht alle größeren Städte an die erorm wenigstens der Besieuerung des Grundeigentbumk- wenn ihnen die andrrweiie anxemcffene kommunale Regelung blk Gewerbestruer zu schwer wird“.) Wir müffea hoffen, daß, wenn die “Kommunen diesen Wrg Energiicl) in Angriff nehmen, wobei die Staatsregierung durchaus gewillt ist, wie bisher so auch in Zukunft den Kommunen nach allen Richtungen zu Hilfe zu kommen, ein elbéb“ licher Theil der Klagen berschwindcii wird.
Aber, meine Herrin, Herr von Jagow bat mit großem Recht darauf hingewiesen, daß ein großer Theil der Urkerlasiung der Kom- MUULU micStruern berborgerufrn ist durcb ju geringe Berückfichkiguns d'er Kräftr Und Mittel, durch AuSgaben, die viellcicbt ganz hätten ver- miedrn werden können, die aber jedenfalls viel zu schnell hinterein- ander, obne daß eine solche Kommune: erstarkt und allmählich wieder zu Kräften kommt, UÜMSntllCh infolge des Drängens der Interessen!!! von den StädLen sowobl wie den Kreisen durchgeführt worden sind-
(Schluß in der Zweiten Beilage.)
(Schluß aus der Ersten Beilage.)
Meine Herren, wir hatten ja früher in Preußen leider gar keine brfiimmten klaren Grundsäve, unter welchen VorauSseßungen eine kommunale Anleihe genehmigt werden würde; das geschab nach zu- fälligen Gesichtspunkten, obne feste Prinzipien. Wir sind sehr bald - es war eine meiner ersten Maßregeln in meinem Reffort - dazu übergegangen, den Kommunen gegeniiber klare Grundsäßé aufzustellen: was darf aus Anleihen gemacht werden, und was muß aus laufenden Milteln bezablt werden? Das war bei vielen, auch großen Kommunen, dringend nothwendig; denn wenn fir den früher üblichen Weg, alles, was irgend angängig war, auf Anleihen zu werfen, an die Zukunft gar nicht zu denken, die schönsten Einrichtungen der Gegenwart zukommen iu lassen, ohne sie zu belasten, weiter fortgeschritten wären, so hätte das Folgen haben können wie bei vielen italienischen Städten. Dirse Grundiäße haben wir aber heute, und im allgemeinen reichen sie auch aus. Wir sorgen bei kommunalen Anleihen, die in die Zentralini'ianz kommen, auf das Genauefte dafür, daß diese Grundsäße inne gehalten werden. Da muß ich mich allerdings mit Herrn bon Jagow darüber wundern, daß oft wir Anleibegenebmigungen von Provinzialinstanzen empfohlen bekommen, von denen man garnicht begreift, wie sie haben obne Weiieres genehmigt werden können. Die BezirkSauEsckpüffe sind in dieser Beziehung bisweilen etwas lax und ich weiß nicbt, ob sebr viele Provinzialbebörden, die ja, wie jeder verständige Mann, einen Fortschritt auf dem Gebiete der kommunalen Einrichtungen wünschen, die finanzielle und wirth- schaftlirhr Laße der betreffenden Kommunen genügend ins Auge faffen. Man muß häufig als verständiger Mann von der sofortigen Durchführung an sich nützlicher Maßregeln absehen, wenn man sieht: die Kräfte sind nicht da, und die Lasten der Kommunen werden über- spannt. Ich würde wünschen, daß in dieser Beziehung unsere Brzirks- ausscbüffe anfingen, noch genauer die Lage der betreffenden Kommunen im allgemeinen zu studieren und nicht bloß den Fall einer wünschens- wertben Einrichtung für sich zu prüfen. Auch sollen die Rasierungen vorsichtig sein gegenüber den Kommunen, welche die Kräfte wobl be- siseu, allzusehr auf sogenannte kulturelle Fortschritte zu drängrn. Die Regierung Muß die Lage der einzelnen Kreise, der Kommunen gcnau kennen und danach sachlich und materiell nach allen Richtungen objektiv urtbeilen.
Meine Herren, dies ist einer der wesentlichsten Gründe der Ver- schuldung der Kommunen und der größeren Verbände; wie wir denn überhaupt bewußt oder unbewußt in einer Zeit leben, wo alles darauf sinnt, viele Einnahmen zu erringen, aber nicht daran denkt, auch Er- sparniffe zu machen und größere Vorsicht in den Auggaben walten zu laffen. Die AuSgaben werden leicht bewilligt, damit ist jeder einberstanden ; der kleinste Ort will eine Kanalisation, eine WaffrrleitunJ, schöne Straßen, breite Trottoirs u. s. w. Der binkende Bote kommt aber nach. Alle die Herren, die in Kommunalbrrwaltungen fißrn, idbten diesen Gesichtspunkt sich recht scharf vorstellen.
Meine Herren, es wird sich zeigen, daß rechte Verschiedenheitrn in solchen Fragen in den Provinzialverwaltungen vorhanden sind. Ich kenne doch manch: Provinzialverwaltung, die in der Steigerung ibrer Auxgaben etwas schnell war; andere aber, die außerordentlich sparsam verwaltet haben, dürfen wir doch auch nicht Vergessen; sie haben fich der Außgaben mehr enthalten, haben die Genüffe von diesen Auggabrn nicht gehabt und haben auch natürlich weniger Kommunallaften zu tragen. Was unsere Kommunalberwaltung im besonderen betrifft, so kommen nach meiner Meinung diese Notbstände, die rapide Steigerung der Verschuldung, die rasche Erhöhung der Zuschläge wesentlich aus folgender: Gründen. Einmal aus der ursprünglich falschen Ver- theilung der Staathelder an die Provinzen, und das liegt vor allen Dingen in der Vertheilung der Gelder für die Wegeleistungen. Darüber will ich nicht weiter sprechen; es wird beute allgemein an- erkannt, und wir werden diesen Punkt bei den neuen Revisionen bor- dugsweise ins Auge faffen müssen. Ich gebe dabei dem Bericht- erstatter zu, daß man dabei nicht bloß das, was an Wegebauten er- reicht ist und welche Lasten dafür die Verbände auf sich genommen haben, sondern auch die mit einiger Sicherheit, aber auch mit Vorsicht ju berechnenden, noch von den neuen Verbänden für die Zukunft auf diesem Gebiete zu leistenden Aufgaben einer Berücksichtigung unter- ziehen muß. Unsere Aufgabe kann doch nur sein, nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit und des wirklichen Bedürfnisses - nicht des Pbantasiebedürfniffes - kulturell mit diesen Staatsgeldern zu arbeiten. Die großen Aufgaben, die die preußischen Könige im vorigen Jahrhundert sich stellten, die ihr ganzes Augenmerk anf die Hebung des Ostens vorzugsweise warfen und dafür die erforder- Üchen Opfer brachten, sind auf manchen Gebieten infolge der Ent- wickelung der preußischen Finanzen und der Griammiaufgaben Preußens in diesem Jahrhundert mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Ick will das nicht näher ausführen. Preußen konnte auch nicht anders. NW deu Freibeitékriegen waren unsere Finanzen so knapp, daß nur durch die größte Sparsamkeit und Einschränkung die absolut noth- wendigen Ausgaben geleistet werden konnten; es hat sehr lange gedauert, ebe Preußen die Folgen des siebenjährigen Krieges und des Freiheits- ktieaes finanziell überwinden konnte. Nachdem dies nahezu erreicht war, kam nun die große Aufgabe der Unifikation Deutschlands, kamen die Kriege, di! sich daran knüpften. Die ganze Aufmerksamkeit der Regierung war auf diese große nationale Aufgabe gerichtet. Wiederum trat diese, ich Möchte sagen, Aufgabe des Kulturfragens nach dem Osten in den Hintergrund.
Jevt sind wir allerdings wieder mehr in der Lage _ ich stimme *" dieser Beziehung Herrn von Jagow bei -, diese Aufgabe nacb Kkäfien in die Hand zu nehmen. Wir haben es schon durch eine große A"zahl von Gese en und Maßregeln getban; wir saßen nur die Roße nationale und ku turelle Aufgabe Preußens fort, wenn Wir 1th an die Revision des Dotationögesetzes gehen.
Ziveite Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preuß
.J./,“: 123.
Berlin, Mittwoch, den 23. Mai
Dabei ist ja nicht zu verkennen, meine Herren, daß man die Begriffe Often und Westen doch sebr cum Jrano Jaijg nehmen muß. Wir haben im Weitra aucb Landestbeile, die dringend der Staatshilfe bedürfen. (Sehr richtig!) Es wäre die größte Un- gerechtigkeit, wenn man gewissermaßen bei dem Endpunkt Berlin eine scharfe- Sch2ide machte und den einen Theil sich selbst überließe, den andern mit Staatsiuitteln um so stärker unterstützen wollte. Hier muß auch audgleichende Gerechtigkeit sein, ein vernünftiges Abwägen der einzelnen Fragen, und auch nur auf diesem Wege wird es möglich sein, sur Zufriedenheit aller Betheiligten die Zastimmuug des Land- tages zu einer solchen Vorlage zu erlangen.
Daß das Werk ein eminent schwieriges ist, wird von allen Seiten anerkannt; der Herr Berichterstatter sowohl wie Herr von Jagow haben vollständig anerkannt, daß dazu ein bedeutendes statistisches Material gehört, welchrs bestätigen muß, wie die Dinge im einzelnen zu behandeln sind; während wir von den Dingen im Großen und Ganzen genug wiffen, um die Richtung der Revision zu beurtbeilen, ist doch unsicher, ob wir bis zur nächsten Session eine Vorlage machen können; aber ick) kann namens der Regierung vsriprecben, daß wir alles auibieten werden, um dies zu ermöglichen, und ich kann weiter hinzufügen, daß wir schon in kommiffarische Beraibungen _ der Herr Minister des Innern mit dem Finanz-Ministerium - ge- treten sind, um die Sache obne Verzug in Angriff zu nehmen und mit der möglichsien Beschlsunigung durchzuführen.
Man hat birr wieder von der Quotisierung der Einkommensteuer gesprochen und hieraus als auf ein Mittel zur Abhilfe hingewiesen. Die Quoiifierung der Einkommensteuer konnte, ehe die Staatsfinanzen in einer so bcrdorragenden Weise von den Résultaten der Staats- betriébe abbingen, vielleicht eine nützliche Wirkung ausübsn, indem sir dern Landtage immer vor Augen hirlt, daß beim Drängen, fort- während neue Auögaben zu machen, sofort das Gegenbild in der Er- höhung der Sieuer sich zeigrn würde. In so fern ist die Quoiifierung der Einkommenstrucr für die FinanzberWaltung an sich vortbeilbast. Bei uns aber ist die Bedeutung dieser Frage so zurückgetrrten, daß gegenüber den Urberscbüffen der großen Betriebe ein Erlaß don Steuern in einem Jahre von 5,6 0/0 kaam noch irgend eine Wirkung auf die ganzxn Staatsfinanzen haben würde. In so fern steht diese Frage brute ganz anders; si-J hat weniger Bedeutung auf finanziellem Gebict, sondern hat vielleicht noch eine gewisse Bedeutung auf politischem Gebiet. Aber, meine Herren, bei den Kommunen existiert jr die Quotisierung der Steuern; disse find jedes Jahr berechtigt, die Zu- schläge berauf- oder herunterzuseßen. Was will man mehr! Wie wenig duräxgreifeiid das auf die Sparsamkeit in den Kommunen selbst ge- wirkt bat, haben wir ebrn srbon berührt. Deswegen waren die Ein- kommensteuerzuscbläge gegenüber der Realsieuerbelastung so koloffal gestiegrn, weil nichts leichtrr ist, als ein paar Prozent mehr zur Ein- kommenstrurr zu bewilligen, während es recht schwierig ist, die Real- steuern ordnungSmäßig heranzuziehen.
Ueber den Antrag des Herrn Abg. bon Cynern spreche ich nicht mehr. Sowohl der Herr Berichterstatter als auch Herr von Jagow haben die Gründe dargelegt, aus welcbsn diesrr Antrag für dir Staatsregierung garnicht annehmbar gewesen wäre. Das Siaats- Ministerium ist sirh darüber vollständig klar, das; es eine entschisdene Pfliäpt einer auch an die Zukunft denkenden, vorsichtigen Finanzbrrwaliung Preußens ist, das Staatsschuld2ngeseß in keiner Weise durchbrechrn zu laffen. Die Neigung dazu wird immer vorhanden sein. Shaldeniilgung halten viele Menschen überhaupt nicht für nötbig. (Heiterkeit.) Jeden- falls werden sie, wenn sie in der Lage sind, statt der Schuldentilgung eine andwce angenehmere AuSgabe zu machen, sebr geneigt sein, diese vorzuziehen. In Preußen find, wie ich in die Erinnerung zurückrufen möchte, seit 1880 durchsäxnittlicb nur 0,80% Schulden bis heute getilgt obne zuwachsende Zinsen, wäbrend wir den Kommunen beute eine Schuldentilgung miudrftens mit 1% unter Zuwachs der Zinsen, ja neuerdings sogar, wo es sich um Prioatbetriebe handelt, noch viel höhere Tilgungsprozente auferlegen. Es kann nicht daran gedacht werden, daß wir in Preußen den Steuerzahler der Gegenwart allzusehr durch übermäßige Schuldentilgung für die Zukunft und die zukünftigen Aufgaben in Anspruch nehmen. Schon aus diesem Grunde war der Antrag von Eynern für uns nicht annehmbar; hat man einmal den schönen Apfel verzehrt, dann wird das zwsite Mal nicht lange ausbleiben, dann wird es beißen: l'ayyéijt; r'iSUd SU wangsarib. Wenn wir einmal zu irgend welchen Zwecken dies Prinzip durchbrechen, dann haben wir keinen Halt mehr, dann würde die SÖuldentilgung bald wieder aufhören.
Nach dem, was ich gesagt habe, erkennt die Staatßregierung ein Bedürfniß der Revision der DotationSgeseZe an (Bravo!), und sie wird auch sofort die Vorarbeiten eintreten lassen.
Ich möchte mich enthalten, Gedanken, die man jest schon im Kopf hat, in welcher Weise im einzelnen die Revision zu „gestalten ist, hier außzusprecben; ich bin in meinem Urtbeil wegen Mangels an Material noch ebenso unsicher wie die StaatSregierung überhaupt. Wie hoch diese Dotation sein wird, kann ich heutzutage auch nicht sagen. Das wird auch von den Siaalßfinanxen abhängen. Man muß ja in der heutigen Zeit und bei der Gestaltung unserer Finanzen sehr vorsichtig sein in der dauernden Belastung des Staats mit Auxigaben. Aber wir werden so weit gehen, wie wir mit gutem Gewiffen nach der Lage der Finanzen geben können. Das Eine kann ich aber sagen, daß die Revision nicht den Charakter einer Aus- gleichung in dem Sinne haben wird, daß der einen Provinz genommen und der anderen gegeben würde. (Sebr richtig !) Nachdem die Provinzen - einzelne vielleicht reichlich - nach ihrem Bedürfnis; mal diese Zuwendungen bereits mehrere Dezennien hindurch gehabt, ihre ganze Verwaltung darauf eingerichtet, Einrichtungen aller, Art auf dieser Basis geschaffen haben, würds es nach meiner Meinung ganz unmöglich sein, diesen Provinzen wirderum ihre jetzigen Doiationen zu vermindern. (Sehr richtig!) Das kann nicht ein- treten. Wenn eine R-Zvision dabin führt, den Staat stärker heran- zuziehen, dix noibleidenden Provinzrn zu entlasten, so muß das durch
neue Zuschüsse aus der Staatskasse gemacht werden. Darüber wird
ischen Staats-Anzeiger.
1900-
man fich klar sein müffen, und auf dieser Grundlage werden wir die Sache aufbauen.
Nachdem der Antrag von Eynern zurückgeiogen ii?- bin ich Jani damit einverstanden, daß die Resolution, die ja im wesenilichen auch der Resolution des Herrenhauses entspricht, vom bob?" Hause angenommen wird. Meine Herren, ich möchtr aber noch eine Be- merkung machen: ganz klar ist die Resolution in ihrer Fassung nicht. Ich siche auf dem Standpunkt, den wir auch, sowohl mein verehrter Kollege drr Herr Minister des Innern als ich, gestern aMgesprochen haben, daß es unmöglich ist, eine Selbstverwaltung auf der Basis zu begründen, d.;ß, wcnn die Außgaben steigen, wie das ja in der heutigen Zeit nach unseren gesammten Verhältnissen gar nicht anders auch in der Zukunft zu erwarten ist, dann der Staat jedesmal gehalten werden soll, die gestiegenen AWgaben dsn Provinzen zu erseßen. Ein solches Prinzip kann unmöglich stabiliert werden in Preußen, und im Herren- bause haben mebrrre Herren, die sebr nabe der Kommunalverwaltung stehen, auddrücklich erklärt, daß sie in dieser Beziehung ganz auf meinem Standpunkiständen. Darauf könnrn wir uns also nicht einlafien. Ganz anders liegt die Sache, wenn zurückgebliebene Provinzen, die eigene Kräfte nicht haben, eine klar zu berechnende Lrisiung durckozufübren haben, die in ZUkUÜft ihrer wartet; da hat der Staat eine frste Dotation in erhöhtem Maße zu geben. Dann aber gebt ibn die weitere Ent- wicklung nichts mehr an. Denken Sie an das Wort eines großen englischen Staatsmannes, der sagte: Selbstverwaliung ist ob.".e Selbst- derantworilichkeit ein Unding. Ich bitte, bei der zukünftigen Rrvifion des Grsrßes dissen Gesichtspunkt nicht aus dem Auge zu verlieren. (Bravo!)
Abg. Graf von Moltke (fr. ions.) spricht fiel) für dea Kom- miifionsanirag aus, bleibt aber im einzelnen unbkrstandliib. _
Abg. Frißrn (Zern): Die Frage istgllrrdingI sebr schwierig, ich hoffe aber doch, daß uns in der nächsien Geision eine Vorlage ge- macht werdrn kann, Man spricht über dir bob? Blastung drr Kom- munen, aber dir Kommunen werden bäUfiF durch staatliche Organe zu neuen Aukgabrn gedrängt, z. B. fürkostfpwliqe Sebulbautrn. Wrnn der Aufschwung im Erwrrbbleben wicder eine rücklaufige Beweguna nimmt, wird den Kommunen nicht:“; Anderes Übrig bleiben, als bob? Zbsäpläge zur Einkommensteuer zu erheben. Dedbalb sollten sie_ rechtz€itig Fonds für Schuldentilgung bilden. Der biéhrrtge Maßnab für die Vertheilung der Provinzialdotxtion ifi ungerrcbt, debbalb muß eine Revision vorgenommsn wrrden; abrr obne wesentlwbe Erhöhung der Dotation ist nichts zu machen. Ich rmbieble die An- nabme des Kommissionédorsäplags und erwarte die Vorlage in der nächsten Srssion.
Abg. Krawinkel (nl,): Der Antrag bon Eynrrn hat seine dolle Schuldigkeit gethan und die Erörterung dieser wichtigen Sache der- anlaßt. Drr Kommisfioröantrag gabi noch über rmserxn Wunsch biriaud, insofcrii rr eine dauernde höhere Dotixtirn, vsrlangi. Ohne Einschränkung darf man aber nicht sagen, daß die östlichen Pro- viuzcn mehr bekommen sollen, denn es müffen nicht nur die Pro- binziallasten, sondern auch die Kommunaliasirn mit in Briracht gezogrn wrrden. Die Belastung der Grmeinden ist vielfach erdrückxnd und unerträglich, und ich erkenne an, daß dies namentlich in landwirtbschaftlichen Gegenden drr Fall ist. Herr von Miquel beklagtdas leichtsinnige Schuldenmachen der Kommunen, aber der Staat bat ielbst auf nrue Schulbautrn xc. bingedrängt. Aller- dings müssen dir Städte in der Ayfnabme neuer Adleiben vorsichtig skin,_ aörr drinnterdürcen dir KUlÉUTIUfZJ'ÉLll, wi? Km.:lisation, W,:nerlsiw-ig T€., r.;sbr [:idrii. Zwar bai drr _Szxat ;212 1880 die Schuldentilqurg nur in geringem Maß; dbrckygeiüdrk, aber der Staais- befitz in Forstrn und meänen laßt die Erwägung angrbracbt erscheinen, ob überbaut)! eine staatliche Schuldentilgung notd- wkri'ziq ist. Wenn drn meeinden aucb jabxlicb 100 Y.)“:ilionen durch die Stkuerrriorm übsrwicjen smd, so wcrdsn dicke drci) mcbr als ausgralirhrn durch die Steigung der AuSgaben. Mit Recht hat der Minister darauf bingewiesrn, daß drr Vkaßstab für di? Vertheilung sehr schwer zu finden isi, er _wird immer mechanisch skin müffen, und zwar wird man wobl berück1rchtigrn müssen, auf welchem Gebiete die Kommunen sick) betbäiigcn. Aus diesen Gründen begrüße ich den Kommissionsannag mit Freuden.
Abg. Kindler (fr. Volksw.) erklärt sich ebenfalls für den Kom. misfionsbeswluß, rcr baldige Hilfe iür die Provinzen rrboffen laffe. Die Provinz Posen babe dZn zweifklbaften Vorzug, die böHsten Pro. vinzialstrucrn zu rrbkben, namlich 22 0/0- Ein gcrrcbter Vertbeilungs. wa stab sci allerdixgs schwer zu finden, bei dem jrßigen kämen die Stadte zu 1chlecht weg. Der Regierung möge bald heisen nach dem Sprichwort: Doppelt giebt, wer Jcbnell giebt.
Abg. von Pavpepbeim (koni) (ycbwer verständlich, d;: er fortgékest nach rechts spricht): Ich danke dem Finanx-Minister für seine Mahnung ar] die Kommunen, sparsam zu wirtbscbaften. Ich bitte ihn aber, dieie Mahnung auch an Adran zu richten, die ihm n_äl)er sieben. Denn von wem werden die rmrinden virlfach zum Sobuldrnmarben veranlaßt, Wklm nicht von drn dorzrseßirn Vcr- waltungsbebörden? Der Minister möge nur an die Schalbauten und das Lrbrerbesolcu_ng§geseß degken. Auch in seinem eigenen Hause wird der Vize-Prasident des Staats-Ministeriums eine Quelle finden, ich erinnere nur an die Verhandlungxn drr leisten Tage. Ich bin mit ibm vollständig einverstanden, daß die Gemeinden mit aller Strenge davor bewahrt werden, unproduktive Schulden zu machen. Iii dieser Beziehung muß die Aufsichtsbehörde mit allem Ernst prufkn, wo sir tbrc &Gencbmigung zu ertbeilcn hat und wo nicht. Ick glqube, daß diese Mahnung ebenso berechtigt ist wie die an die Ge- mein en.
Der Antrag der Kommission wird angenommen.
Es folgt die zweite Berathun des Antrags der Abgg. ])1'. Weihc:Herford (kons.) und enossen auf Annahme eines GxseZentwurfs, betreffend die Abänderung des Renten- gurergeseßues von 1891 (Errichtung von Rentengütern kleinsten mfangs, aus einem Haus mit Garten: land bestehend). ,
' Die Kommission empfiehlt_ die Annahme des Geseßentwurfs mrt der Maßgabe, daß bei diesen Rentengütem die Sicherheit als vorhanden angenommen werden darf, wenn der dreißig- fache Betrag der Rentenbankrente innerhalb von drei Vierteln einer besonderen Taxe liegt.
Abg. Dr. Rewoldt_(fr. kons.): Der Gedanke des Entwurfs, Wohnungen für die Arbe:ier_zu schaffen, ist sozialpolitisch richtig. Für daS Land paßt dirres Gries; ob es aber auch für die Städte paßt, ist zweiirlbaft. Indkssrn bat die Kommission kein befferes Mittel gefunden. Weiß die Regierung ein besseres, so mag man es anwrndcn. Wenn der Staat sicb dieser Aufgabe unterzirbt, so bleibt er immer im R_abmeri seiner Aufgaben. Allerdings ist der.Zweck nicht, daß nun fammtlicbe Arbciierwobnungrn mit Hilfe drs Siaates erricbiet werden; der wack ist nur, die Bkschaffung von Arbeiter-
wobaungen in die Wege zu leiten.