1876 / 301 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 21 Dec 1876 18:00:01 GMT) scan diff

die Anklagexchrift nur auf VesYluß des Gerichtes einzurei en sci, währen der Abg. Dr. v. “chwarze einen Zusaß wüns te, na welchem dem Angeklagten eine Aufforderung zu einer Erk ärung zugehen soll, ob er die Vornahme einzelner Be- weiSerhebungen vor der Hauptverhandlung beantragen wolle. Für den ersteren Antrag sprachen der Ab Kloß, für den letzte- ren der VundeSratlzéBwollmä Judt, der Abg. Reichensperger( lpe) und der Antragsteller. er Antrag Dr. 1). Schwarze wurde hieran men. n den §§. 301 und 380, die von der R tsbele rung der Ge chmornen handeln, wurde auf Antrag der bgg. Miquel und Gen. die Bestimmung, daß auf Antrag der Staatsanwaltschaft oder des Vertheidigers bestimmt u bezeichnende Süße der Rechtsbelehrun vom Vorsißenden fckri?t- lich zu fassen, zu verlesen und dem rotokolle beizufügen sind und bei einem ev. NechtsirrtZum die Revision begründen können, gestrichen, nachdem er Abg. ])r. v. Schwarze sein Bedaurrn darüber au-desprochen, daß man der Institution der RechtHbÜehrunkz abgeneigt sei. §. 333 bestimmt die Möglich- keit dcr Besch agnahme des Vermögens eines Abwesenden, egen welchen Anklage erhoben worden. Der Abg. Reichen: pergcr (Olpe) wollte diese Bestimmung auf die Anklage wegsn eines Verbrechens beschränken. Nachdem sich der Vrmdesratbs :Vevollmächtigte, Justiz-Minister 1)r. Leon- hardt und die Abgg. Struckmann (Diep dlz) und Dr. Lasker gegen diesen Mitra ausigesprochen, war 6 derselbe abgelehnt. Dem §. 413 wur 6 ohne Debatte auf den Antrag des Abg. Spielberg ein nsch Alinea hinzugefügt, nach welchem die Aufbebxrng eines frühercn Urtheils durch die amtlichen Blätter des betreffenden Ober-Landeßgerichtsbezirks und durch den „Reichs-Anzeiger“ zu veröffentlichen ist. Aus Konsequenz des zu §. 207 gefaßten Beschlusses wurde auf Antrag des Abg. ])r. v. Schwarze §. 215 Abs. 2 gestrichen. §. 501 handelt von den Kosten des Verfahrens und bestimmt, daß, wenn ein AngcschuldiZtcr als unschuldig erkannt oder aiifzer Verfolgung ge-setzt ist, ie Kosten des Ver- fahrens der Staarskaffe zur Last fallen. Der Antrag der fAbsg. Miquel und Genossen will diese Bestimmung fakultativ a en.

An der Debatte betbeiligtcn sick) die Abgg. Eysoldt Miquel, ])1'. Lasker nnd der BcvoÜniächtigte zum Bundeleat Justiz-Minifter Vr. Leonhardt. Der Amira? Miquel wurde angenommrn, ebenso ohne Debatte ein reda tioneller Antrag zu §. 507. Die übrigen Paragraphen des (Heseß- entwurfs, sowie des Einfiihrungsxzesetzes zu demselben wur- den ohne Debatte genehmigt. Die Kommission hatte auch eine Resolution vorgeschlagen, daß der Reichs- kanzlcr ersucht werden sollte, baldmöglichst eine Militär: Strqurozc ordnung vorzulsgen und darm die Kompetenz der Militärgerichte nur auf die Dienstvergehen zu beschränkrn. Der Abg. [)1“. Gneist erklärte sich iiberhaupt, der Abg. v. Ebel, der BundeNathS-Bevollmächtigte Kriegs-Minifter v. Kameke und ein BuydeSrathS-Kommissar nur gegen den zweiten Theil der Resolution, während der Abg. Herz dieselbe befürwortete. Der erste Theil der Resolution wurde angenommen, der lebte qbgelehnt. Ebenso wurde cine Resolution anf Vorle- gung eines Gefängnißgeseßes angenommen.

Der Abg. Yrmz zu Hohenlohe:Jn elfingen zeigte hierauf dem Hause an, er sein Mandat nie erlege, um dem Hause eme längere Wahlprüfungß-Debatie zu ersparen.

Auf Antrag des Ab . Miquel wurde sodann in dritter Veratbung der Entwur einer Civilprozeß-Ordnung 81] bloc: fast'einstimmig angenommen.

ZM“ Einführunthgeseß zu derselben wurde auf Antrag der Ab g. Miquel und Genossen ein §. 1a eingeschaltet, wecher bestimmt, daß das Gebührenwesen fiir, alle bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten im Umfange des Rricbs durch ems Gebührenordnung geregelt werden soll. Die hiibrixtzen Paragraphen wurden unverändert ohne Debatte gene 1111 , . Au? Antrag des Abg. Miquel wurde auch der Entwurf einer KonkurSordnung in dritter Berathung Sn 5100 an: genonwn. . _ '

Die zu den Justizgeießen eingegangenen Petitiouen wurden auf Antrag der Justizkommission, Namens welcher der Abg. Miquel referirte, durch den Erlaß der Gesetze für er: ledigt rrklärt. _

Die hieraus folgende namentliche Schlußabstimmung Über das GethsverfassungSJesrb ergab die Annahme des: srlben Mit 194 gegen 100 Stimmen. Mit derselben Majo- ritat „wurde_ die „S'trafprozeßordn u 11 g angenommen und demnachst die_C1vilprozeßordnung sowie die KonkurH- ordniing ernstimmi genehmigt.

Der BundeeI-rattzs- evollmäcbtigte Präsident deö Reich- kanzler-Amts Staats-Minister Hofmann verlas hierauf eine Yllerhochste Botschaft, welche die Mitglieder zum Echiuß der Session auf Freitag 21/2 Uhr in den 8Wrifzcn Saal des KöniFlichen Residenzschlosses einladet. Drr Prasidenx von Forckrnbe ab sodann die Übliche Uebersicbtüber die Geschgft5thäti keit des Hauses, worauf drr Abg. von Bonin dem Prqsidium'LZiir die unparteiisch Geschäftsleitung, [sowie der Justizkomnns 1011 für ihre mühevolle zweijährige T)ätig- kétt den Dank des Hauses aussprach. Der Präsident v. Forcken: berk dankt? dagegen dem Burean für die Unterstüßung in der Leitung der Gxs iifte und schloß die Sitzung mit einem Hoch auf, Se. Ma1eiät den Kaiser, in welches das Haus dreimal lsbhaft einstimmte. Schluß 2.1 Uhr.

“_ Bis Ende Oktober 1876 sind für Rechnung des Debrschen N€1chs, an LandeS-Silber- und Kupfer- m 11113811 zur Einziehung gelangt: 5. LandeS-Silbcr- niimzen: Thalerwährung 413,236,828 M 98 J, süddeutsche (Huldenwährung 195,669,423 «75 65 H, Kronenthaler 7,974,020 «Fé- 11 „3, Konventionsmünzen des Zwan iggulden- fiißeH 1,910,327 «FU _ «Z, Silbermünzen KurÉürxtlich und Komng sachsr_schen Gepräges 9,117 «FH 42 Y, il ermünzen schießwrg-Zolstcinischen Gepräges 1,617,855 «FH 49 H, Silber: nzunzen „_ annoverschen Gepräges 1613 9714 45 ,I, mecklenbur- gische Wahrung 204826475 97 „5, Hamburgische Courantwäh- rung 1,766,962./75 11 €!, Li'cbische ährung 754,69] «W 84 J, Grsammtwcrth 5. „623,225,667 „45 02 Y,; 13. Landeskup er: nuinzen: Thalerwahrung 2,368,589 «FH 27 ,Z, süddeutkche Wahrung 647,668 „44 16 ,s, mecklenburgische Währung 32,645e/Fä 58 „3, Gesammtwerth 15. 3,048,903 „M 01 «3, hierzu Ge- ZZm-Ftweüh J. 623,225,667e/F6 02 «3, Summe 626,274,570 4/76

_ ___Die in der ?xutigen en-Beilage abgedruckte ta- bellarische Ueber icht der ochen-Ausweise der deutsch_en Zetielbanken vom 15. Dezember schlie t mit fol- genden jummarischen Daien ab: Der gesammte Ka enbestand

angenom-

Ste, Ju iz-Minister Vr. Leon:

C

der 19 J'nftitute der Tabelle betrug 721,801,000 «ck und ist der Vorwo egenüber um 6,481,000 „kü angewachsen, wäh- rend der ecßselbeftand bei einem Gesammtbetrage von 680,181,000 „M eine Abnahme um 10,298,000 „412 und die Lombardforderun en mit 87,954,000 «F6 eine solche von 1,289,000 „xs na weisen. Gleichzeitig erscheint der Noten- umlauf in Höhe von 926,923,000 „sé gegen die Vorwo e um 2,437,000 „F6 gekürzt, wie auch die täglichen Verbindli ._keiten bei einem Betrage von 187,202,000 akk einen Rück ang um 2,968,000 9-6 und endlich die an eine KündigungsfriÜ gebun- denen Verbindli keiten mit 121,846,000 «% eme bnahme von 222,000 „F5 onstatiren.

MT"_ Auf Allerhöchsten Befehl fand heute Mittag 12“Uhr die Feier der Eröffnung der vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule zu Charlottenburg statt.

_ In der Untersuchung gegen einen Schulvorsteher, welcher einen ibm untergeordneten Gemeindelehrer mehr- mals beleidigt hatte, sprach das Ober-Tribnnal in seinem Erkenntniß vom 24. November d. J. folgende Süße aus: 1) Bei drr Beleidigung eines öffentlich angestellten Lehrers ist die Königliche Bezirkßregierung zur Stellung des er- forderlichen Strafantrageé: berechtigt." 2) Die ehren: kränkende, dienstliche Anzeige über einen öffentlichen Lehrer Seitens des Schulvorftehers an die vorgeseßte Behörde ist nnr dann strafbar, wenn die Absicht, zu beleidigen, fest- gestellt ist. Dagegen genügt nicht das Vewußts ein des ehrenkränkenden Inhalts der dienstlichen Anzeige zum That- bestande eines rechthidrig-Zn Angriffes auf die Ehre der an: gezeigten Person, auch ist die Annahme der Leichtfertigkeit der Anzeige nicht geeignet, die fehlende Feststellung der belei: digenden Absicht zu ersetzen- 3) In einer Untersuchung wr en Beleidigun ist der Beleidigte als Zeuge nicht unzulä; ig; welchen G auben aber die Richter ihrem Zeugniß schenken wollen, steht zu ihrer freien, aus dem Inbegriff der Verhand- lungen geichöpsten UeberzeugungJY

_ Die Bu_ndeNatZS-Vevollmächtigten: Königlich bayerische Mini1terial-Rät e v 0 n R i ed el und v o n L o S , so: wie der Großherzoglich Oldenburgische Staatsrath S el km a n n sind'stnack) München und beziehungsweise Oldenburg zurück: gerU .

Görliß, 20. Dezember. Der oberlausißerJKom: munal-Landtag nahm in seiner heutigen (zweiten) Ple- narfißung zuniickést Kenntnis; von den gemeinnüßigen Be- schlüssen, welcbe ezüglich-der Revenüeu des Fonds der Land- städte und Landgemeinden von den Vertretern derselben ge- faßt worden sind. Sodann gelangte der Verwaltungsbsricht über die Provinzial:Sparkasse zur Mittheilung, aus.“, welchem sich das fortwährende Wachsen der Einlagen ergiebt. Der Landtag genehmigte nachträglich mehrere Kapitals:2lusleihun- gen, sowie die Errichtung neuer Neben-Sparkasfen in Penzig und Waldenburg und vollzog die Wahl mehrerer Ku: ratoren, Stellvertreter Und Rendanten, resp. _brsiäiigte er die zum Theil bereits Seitens des Direktorii getroffenen Wahlen. Hierauf erstattete die Direk- tion der oberlausi er Hiilfskaffe ihren Jahresbericht. Auf den Bericht des ank:Kuratorii bestimmte der Landtag den Schlußtermin“ für die nachträgliche Einlösung der noch umlaiifenden Banknoten rind stelite den Geschäft?,unkosten-Etat fiir das ahr 1877 fest_. Der Landtag nahm "ferner davon Kennt: niß, da die von, 1 "? „beanspruchte Eii-tschädigungifür Auf- Yibe des Banknoten: rwrleZii sowohl von den Reichs: resp.

taatsbehörden, als auch Seitens des Reicthank-Arisscbuffes abgelrhnt worden ist und bezeichnete seinerseits diejenige Ent: schädigu'ng, welche unter g.wiffen Bedin ungen in Aussiebt gestelit ist, als mcht annehmbar. Schließli wurde dem Kreise Görliiz zu Wegrbauzwecken ein Darlehn bis zu 450,000 915 aus ständischen Fonds bewilligt. '

Bayern. München, 19. Dezember. Ein hiesigeS Blatt batte gestern Abend gemeldet, das Befinden des Prinzen Otto habe sich in den leßten Tagen so sehr verschlimmert, daß. man das Schlimxxiste befürchten müsse. Wie man der „Leipz. Ztg.“ fcbrewt, ist diese Angabe unbegründet. _ Nachdem nun auch der oberbayeriscbe Landratl) die Reorga- nisation der Gewerbefchulen mit 29 gegen 10 Stim- men angenommen Und die dazu erforderlichen Mittel bewilligt hat, steht der oberpfälzische Landrat? mit Nichtgenehmi- LTM“? derselben allein dagegen die Landrät e der sieben anderen

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„Württemberg. S t u i t g a r t, 18. Dezember. Jhre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin Frie d rich v o n W iir t : te in b er g ist hrute nach Arolsen abgereist. -

Baden. ' KarlHruhe, 19. Dezember. Der Groß- herzog und di? Großherzogin haben sich heute Vormittag zum Brsuck) drr Köiirkziii von “Schweden nach Heidelberg begeben und sind am 9 bend hierher zrirückgckehrt.

'Heffen. Darmstadt, 18. Dezember. Das neueste Regieruiigsblatt enthält das Gesetz über die Besteuerung des WLLPSS. Die Kleinverkäufer haben hiernach von den in Quantitäten unter 40 Liter verkauften Wein anstatt der Tranksteuer und, Zapigebiibr eine Abgabe-zu entrichten (7 "und 5 «15 per Hektoliter. Die Weinhändler zahlen von ihren Wemlagern statt , ranksteuer eine Abgabe von 5 „M für je 10 Hektoliter; Bei der Besteuerung ist der Wein frei zu lassen, den die Gewerbetreibenden ach dem ZollvrreinSauslande oder'ach zollamtlicben Niederlagen nach vorheri er Verzollung- iitiiriittelliar bezo en. Zur Feststeliung der Wein teuer erfolgen Schaßungen dur Komm1fswnen, gegen deren Entscheidungen der RekurS an die Obcr-Steuerdirektion zugelassen.

Ynhalt. T_Oessarx, 19. Dezember. (Lriiiz. Ztg.) Die Abreiie der rinzessinnen Friedrich und Hilda nach Kopenhagen ridet beute statt. _ Der Prinz Eduard ist zum Besuche einer Hohen Eltern für die Weihnachtßzeit hier angrkominen', u_nd werden der Erbprinz und Prinz Friedrich in diesen Tagen von Berlin eintreffen.

Elsa = Lyfyrmgen. Stra“burg, 14. Dezember. (Str. „_tg. _ Die Elementarscbu en der Stadt werden voraus tchtl1L in' nächster eit eine bedeutende Erw eiterun g erfahren. , 53 liegt nämi im Plane der städtißckzen Ver- waltung, Mittels chulklas en ins Lebenzu rufen un ieselben auf Vorschlag des KreiS-Schulinspektors so an die vorhandene Elrmentarschule an'zulYien, daß leßtere möglichst unberübrt bleibt, wahrend die ittelschu klaffen die fähigeren Schü er aus der Elementarschule, etwa im 10. bis 12. Lebensjahre, auch Knaben anderer Lehranstalten gleichen Alters übernimmt Und dieselben nach einem erweiterten Lehrplan etwa bis zum

15, und 16. Lebens'ahr fortfü rt. Neben dem Unterricht itt den Elementargegen änden wir der Lehrplan auch Franzöfi ch verme rtes Zeichnen und Naumlehre und ein erhö tes a von eographie, Geschichte und Naturkunde berü sichtigen- Der" Eintritt in die untere Klasse wird von einem Examm mit ernsteren Anforderungen abhängig gemacht.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 19. D ember. Das „Fremdenbl.“ Zchreibt: Graf Audra sy ist eute Zier von- Budapest ange ommen und gedenkt is ge en Wei nachten hier zu verweilen. Eine Hieberkunft ungari cher Minister ist Für 1th nicht in Aussicht genommen. In Bezug auf ver- chiedene Personalveränderungen im diplomatischer: Dienst des. Reiches, von denen einige Journale berichten, können wrr, in Wiederholung des bereits gestern Mitgetheilten, nur versichern, daß bis 1th noch keinerlei Entscheidung ctroffcn ist.

_ Das Abgeordnetenhaus hat ch) heute zu den üblichen Weihnachtsferien vertagt, ohne einen bestimmten „Tag für den Wiederzufammentritt in Aussicht zu nehmen.. Doch“wird, wie die „N. fr. Presse“ mittheilt, abgemein' an: genommen, daß es zwischen dem 20. und 22. Januar si . wieder versammeln wird. Im Laufe dieser Woche wird MZ das Herrenhaus eine Sitzung halten, um das Finanzgeseß und den Staathvoranschlag zu erledigen; dann dürfte auch dieses. Haus auf unbestimmte Zeit vertagt werdrn.

Schweiz. Bern, 19. Dezember. (N. Zurck). Ztg.) Nach:.

dem unterm 13. d. M. das Präsidium und Vizepräsidium. ch BundeSrat es für 1877 bestellt worden sind, wurde gestern die Vert eilung der Departements folgender- dermaßen bestelLt: Politisches: BundeSpräsident Heer, (Stell: vertreter: Vizepräsident Schenk); Inneres: Bundesrat Droz (Stellvertreter: BundeSratb Anderwert); Justiz und olizei: Bunde-Zrath Anderwert (SteÜvertreter: Bundesratb Welti)“ Militär: Bundesrat!) Scherer (Stellvertreter: Bundesrat . Hammer); Finanzen und Zoll: Bundesrat!) Hammer (Ste11= vertreter: Vundesraih Scherer); Eisenbahn und Handel: Vize- präsident Schenk (Stellvertreter: Bundesratl) Droz); Post und- Telegraphen :,BundeSrath Velti (Stellvertreter: Präsident Heer). _ Troßdem die Sendung von Truppen nach dem Kanton Tes s in vorläufig nicht nöthig geworden, eigt ein Blick in die Tessiner Blätter sofort, daß der Kampfz der Parteien mit ungeschwächter. Leidenschastlichkeit fortdauert, So sagt „11 (;(;itäräo“ unterm 15. Dezember: „Wir wollen “uns keinen Jllnsionen hingeben. Der Kanton Tessin wird nicht zur Ruhe kommen, bevor der Liberalismus nich_t vollständig ObeZand- gewonnen hat, Und wenn bei den nächsten Wahlen den iän- nern des 21. Februars 1875 wiederum die Majorität zufallen foUte, so wird die Agitation nicht aufhören und wird schreck- licher werden denn Leute.“ _ Dem Oberst Aubert in Genf ist die verlangte Entla ung vom Kommando der ] . Armee-Division, sowie aus dem Militärdienst Überhaupt bewilligt worden. _ Der Nationalrath hat die Berathung der Budget- einnahmcn begonnen, wobei er überal! dem Ständeratbe- beistimmte, und einen Antrag auf Revision des Zol tarife?» angenommen. In der Schlußabstimmung wurde das- Geseß, betreffend die zivilrechtlichen Verhältnisse, mit“ 57 gegen 51 Stimmen angenommen. ' " _ 20. Dezember. Der Nati'onalrath genehmigte die! tessiner Verfassungsdekrete und beauftragte den Bun- desrath mit der Sicherung der Freiheit der bevorstehenden. Großrathswahl.

Belgien. Brüssel, 17. Dezember. Als vorgestern in der D ep u t ir i e n k am 111 er das Budget des Justiz-Ministeriums _ welches gestern unverändert angenommen wurde _ Gegen- stand der Berat ung war, machten einige Abgeordnete auf die in einzelnen * ezirken des Landes, besonders in dem Di- strikt von Charleroi, bedeutende Vermehrung von schweren Verbrechen aufmerksam. Es wurde daran die Frage geknüpft, ob nicht die seit dem Jahre 1863“ nie mehr volkzogene Todesstrafe _ dieselbe ist bekanntlick) in Belgien nicbt aiifgehoben_in gewissen Fällen wieder zur Voliftreckung. zit bringen sei. Eini e Abgeordnete der ministeriellen Seite des Hauseß sprachen Lick) _ da die Zunahme schwerer Yer- brechen im Lande nicht abzuleugnen fei _ für diese Ansicht" aus; von librraler Seite ward ihr widersprochen. Irgend- welche neue Argumente für oder gegen Beibehaltung der Todesstrafe“ wurden nicht vorgebracht.

Großbritannien und Irland. L on 11 o n, 19. Deéember-

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(Engl. Corr.) um Go uvern eur v on Quebec i i Mr.. Letellier St. Ju t ernannt worden. _ Bei einer Vert eilung von Preisen an kentische Freiwilligein Woolwich hielt (H e n e r al:-

Militär tär Englands in 'eßiger Zeit mit der zur Zeit“ vor dem rimkricge. Damals, agte er Labs es weder dW“ Miliz, noch die Freiwilligen gegeben und as heimische Hexer habe nur 70,000 Mann aukZ-gemach Jetzt zähle das regulizre Heer in England 100,000 Mann mit 3_400 Gescbüßen, LMS“ sich sehr schnell _vermebrende Reserve, 100,000 Milizen, von denen viele Regimenter in vortre lichem Stande wären ,und 170,000 Freiwillige. Das Heer ei besser geschult und fru; s- fertigrr als in irgend einer früheren Zeit. _ Der röm1ch- katboliichr Bischof von Roß, ])1'. Michael O'Hea, ist Ysterii m Clanakilty (Grafschaft Cork) gestorben. Der

erein zum Schuße der Eingeborenen hat sick)

betreffs der Ermordun? einheimischer Weiber durch britisckze e :

Unterthemen während 1: zwischen den Boers und den Ka fern „gezfübrten Kämpfe an Lord .Carnaroon gewandt. Der Kolonial-Minister hat am 11. Dezember dem Vereine azttworten lgssen, daß er mit dem größten Schmerze die Be- richte'von diesen Verbrechen gelesen habe. Er habe fick) mehr als einmal betreffs dieser SUY an den Gouverneur des Cap- landes gewandt. Sir en arkly sei an ewiesen, weitxre Untersuchungen an Usie en, in diesem Augen [icke 'edq seien die Urheber der nthaten vor einem englischen eri tshofe nicht zu belangen.

_ 21. Dezember. W. T. B. Wie die „Times“ e_r- Lährt, hätte Graf Der Lord - ussell angeimesen, die eutsche Rrßierung zu erYuchen, den SklaventranSpor-„t an der brasi ianischen Küste durch Schiffe unter deutscher Flags? zu verhindern.

Frankreich. P aris, 19. De ember. Das „Journal officiel“veröffentlickt den B eri ck t, we chen der Civilgouverneur von _A lg eri e 11, General Chanzy, beiBeginn der Session des Ober- Re terungswths (14. November 1876) über die Lage der

Ko onie erstattethat. _ Pou er-Quertier hat al's General- Berichterstatter heute dem ompetenzkonftikte Stimme ge-

Major Sir Sohn Ndye eine kurze Rede und verglich die - 6

geben. Die Opposition zwi chen beiden" äusern ist damit eine tsache geworden. ; den _nach vorliegenden Fall anberri , so betrug der von der Regierun der Kaxnmer vor- gelegte Entwurf, die szhon betoilligten Zuxgs redite mitgerechnet, 2,742,162,334 Fr. ; die Kammer sxßte iervon 5,672 962 Fr. ab. Die empfindlichsten Strube erlitt das Kultus: inisie- rium, das von 55,228,345 auf_53,569,745 Fr. erab „emu;- dert wurde, während die geforderten 6,865,430 zr. iir die schönen Künste 'auf 7,417,480 r. von der Kammer er öht wurden. er Finanzausschu „des Senats mird gut der „Corr. Havas“ über das Einnnahmebudget schleunigst Bericht erstatten, der Senat dann sofort seine erathun?) iiber das AUSgabebudget unterbrechen und das Einnahme udget bewilligen damit die Regierung das_selbe vor dem 1. _ anu_ar noch verb enilichen kann. Sämmtliche Blätter beschaftigen sich heute mit diesem Kompetenzstreite der Kammern. _ Der Vize-Admiral' Le Barbier de Tinan, Großkreuz der Ehrenlegion, ist im Alter von 73 Jahren grstorbeti. Er hatte im Krimkriege den Oberbefehl Über die Schiffsstation der Le: vante geführt.

Versailles, 19.Deze1nber._ (Köln.Ztg.) .Zu der heuti- gen Senatssißung wurden Berichte über verschiedene Budget- gegenstände guf den Tisch des Hauses gelegt. .Nach_An,nahme mehrerer Geießentwürfe über Lokalangeiegenheiteii 1chritt der Senat zur Verathung des Budgetss fur 1877. .

Der Erstatter des allgemeinen Bcrtchies, Poii 1)er-Quert1er. erklärt, der allgemeine Bericht sei noch nicht fertig, Weck dem Aus- schuß noch all.“ nötbigen Elemente fehlten, uni emen sqlcben zu ent- rver en; dagegen Wolle er im Namen des Ausojcbusses einige Bewer- kungen über die dem Senate gemachte Lage und uber. die Arbeiten des Ausschusses machen. Pouyer-Qucrtier (Bonapartisx und i_urze Zeit Finanz-Minister unter der PrästdenUcbaft des Hrn. Thiers) äußert: Das Budget, das der Deputirtenkamnier am 14. März vorgelegt wurde, ist uns erst vor einigen Tagen vorgelegt worden. Der Ausschuß konnte _ vor der xnd- ültigen Ab iimmung über das Budget durch die Kamnicr" keinen ?Zes laß fa] en. Wir haben bei Gelegenheit des Budgets fur 1377 die i eoretisébe Frage über den Umsang unserer Poilmachien nicbt aufzuwcrfen; cs enügt uns, zu vericbern, das; Wir in urzjeren An- trägen unsere Vo machten nicht überschreiten Werden. Wir ersuchen Sie, gewrffe von der Regierung verlangte und von der Kammer gx- minderte oder qcstricbene Kredite herzii_st_ellxii und germfte geseygeberiscbe Bestimmunge'n, die nicht im niniisterzeÜxn Entrvurfe vorhanden sind, auszuscheiden. Diese Anträge zielen einzig und aÜetn darauf ab, die Aufrechterhaltung der bestehenden Geseße Und den Gang der öffentlichen Dienstzwerge zu sichern. So angewandt, ist unser Recht unbestreitbar, und der Ausschuß hat daffelbr einstimmm anerkannt; es ist der Verfassung und _ alien Ueberltrferungcn unseres Landes gemäß. Wir hatten bauptsachlxxb die Ansichten der neuen konsiitutionellen Partei im Auge, als „U.:W dexi Cniwurf, der Ihnen vorgelegt wurde, bcrietben und Beschlufix faßten, und Sie Werden ihn in demselben Geiste nnd _mit der Ab1icht brraibcn, Ihre Verhandlungen so rasch wie möglich noch vor der Eroffnung der nächsten Session zu beendigen. Die Deputirteiikammcr' mache von ihren Rechten einen freien Gebrauch, und SW werden _sicb gleichfalxs Ihrer Rechte auSgiebig bedienen. Diese. gleiche Freiheit Wird du; Harmonie imtrr den Staatsgewaltcn bcrberfbbren (Unruhe) und bei kluger Praxis das Einvernehmen derselbeii erzeugei_i._ (Neue Unruhe.) Es können zwiscbén zwei Ver]an1mlungcn uber geine Punite verscbre- dene Meinungen vorkommen, aber kein eyigegengcsebier WiÜe. Diese Verschiedenheiten der Meinungen müssen leicht ausgcgsicben Werden, Weil wir, die Einen wie die Anderen, aus Achtung vor dem GßseZe-uUd aus Vaterlandslicbe uns bemühen, sie zu heben. Nach diesexi Er- klärungen schlägt der Berichterstatter bor, „heute, noch mcbt m die allgemeine Diskussion einzutrefen, sondern Fick) mri dem Budget des Auswärtigen zu beschäftigen, das keine Sßbwierigkciieii xnacbe. Pixard (vom rechten Centrum) schließt sich di€1en versöhnlichen Ansichten Pouyer-Quertiers unter dem Vorbehalt an, daß es stets grstaitet sei, im anderen Hause die Diskußion iiber die vom Sencxt abge- änderten Kapitel des Budgets bervorzuruien. _ Dcr Senat ]cbxeitet hierauf zur Beraibnng des Budgets fiir das auswärtige Ministe- rium, das nach kurzen'Bemerkungen angenommen Wird. Morgen soÜ das Budget des Ministeriums für Ackerbau und Hande! zur Be-

rathung kommen.

_ 20. Dezember. (W. T. B.) Der Senat hat heilte das Budget für das Ministerium des Ackerbaus und des Handels genehmigt. Morgsn soll das Budget für die Ministrrien des Kriegrs, dcr Marine und der Justiz

berathen werden.

Griechenland., Athen, 14. Dezember. Der W. „Presse“ wird geschrieben:

Täg[icb treffen hier AirsWandcrer aus den rürkiscben Grenz- Yrovinzeu Epirus, Thessalien und Maccdonten ein, um den ort an ihnen eübten Erpressungen zu enigcben. Ach Geld, alle Viktualien, Sto e und Haustbiere sind zu Wenig„ wi'[che,sie den tür- kischen Vilajets-Regierungen zur Beibilfe fiir die von ihnen betrie- benen Rüstungen liefern müssen. Um dem ane z_u _entgeben, er- übrigt ihnen kein andere?; Mittel, als nacb „Griechenland zu fiüchten. Man besorgt jedoch hier, daß die Einwanderun aus den türkischen Grenzländern Dimensioqen annehmen bunte, welcbe Anlaß zu Verlegenheiten fiir die (i_ndaurrnd nacb Fest- baltung dcr Ncutrakität strebende griechische Regisrzmg werdenbönni'en. Ein interessantes Faktum ist, das; die Regierung im Emrerstandmsse

mit der Kammer die Kolonisation von 42 akbanesiscben

Familien, Welche .sicb 1840 in Sicilien_und Calabrien iJieder- elaffen, und nun um Bewiüiqung zur Uebersiedlung _xiacb Griechen- and gebeten Haben, in der Provinz Patras beschloncn bai, Jede dieser albanesisiben Familien, welche sich inöqesammtin Italien durch ihren Fleiß und ruhiges Bcn'ebmen vortbeikbaft bemerkbar q(xmczcbt haben, erhält von der Regierung 400 Dracbmen als erste Emrich- tungsxosten und zrvei Hektaren urbaren Landes als Eigeiithum zu- gewie en.

Türkei. Konstantinopel, 19. Dezember. Dem W. „Fremdenbl.“ wird telegraphisck) gemeldet: Da die Mitglieder der Konferenz alle ihre bisher gefaßien Bechlüffe «(1 rofsranäum nahmen, so werden dieselben gänzlich ge eim gehalten, bis die betreffenden Regierungen darauf geqniwortet haben werden. Nichtsdestoweniger ist man in dexi hiesigen Regierungskreisen mit den bisherigen Ergebnissen der Vorkonferenz sehr zufrieden. .

_ 20. Dezember. (W. T. B.) Die Vorkonferenz hielt heute ihre! [eßie Sißung., Die Bevollmächtigten einigten sich dahin, i re Vorschläge in eme für Alle aiinehm- bare Form zu Fssen. Die Plenarkonferenz m1t Zuziehung der türkischen evollmächtiYen dürfie am Sonnabend er- bflxnet werden. _ Die eröffentlichurig _dex Verfgfsung ste t nunme?r unmittelbar bevbr. _ Bis )th hat keine _neu- trale Macht ich bereit erklärt, die Okkupation Bulgariens zu übernehmen. ' ,

Wien, 20. Dezember. (W. T. B.) ' Ueber den gestrigen Vorfall bei Belgrad wird der „P011t1fchen Korresxiond'enz“ gemeldet: „Auf dem austro-„unggrischen P onitor „Maros“ wurden gestern gelegentlich drs Manövrirens in dem gewöhnlichen Fahrwasser, als er bei der Bel rader Festung vorüberfxihr, von diejer meYrere Gewehrschü ?. ab- gegeben, welcbe anfangs für blinde ge alten, spater aber durch

die hinterlassenen Spuren als schar e erkannt wurden. Der Monitor erhielt in Folge dessen von enx an Bord befindlichen Gencral-Konsul, Fürsten Wrede, den B?chk, sofort gegen Bel- ZZad vorzurücken, um dort Posto “u fa [en. Mit dem Fürsten

rede befand sich auck) der deut che Generalkonsul an Bord des Monitors. Als der Monitor Nachmittags vor Belgrad Aufstellung nahm, explodirten im Thurme des „Maros“.einige Granaten. Wahrscheinlich nahm man in Folge dessen in der ““Mann; irriger Weise an, daß der ,Maros“ auf die Festung Zuere und gab noch einige scharie Gewehrschüffe aufMden Monitor ab die jedoch Niemanden verlc ten. Der Minister- Präsident Äistics beeilte sich„ in speziellem Auftrage des Fürsten dem österreichisch=un arischen Generalkonsul sein tiefes Bedauern über den Vor!» auszudrücken, indem er gleich: zeitig miitheilte, daß der zestungskommandant seines Postens enthoben worden sei.

_ (W. T. B.) Ueber die Kollision zwischen einem österreichischen Monitor und der Festung Belgrad geht die folgende ausführlichere Mittheilun ein: Von der Festung Belgrad aus ist auf den österreichisch:ungarischen Monitor „Maros“ geschossen worden. Auf demselben bsign: den sich der österreichische und der deutsche General-Komul, sowie der österreichische Militär:2lttachch3 in Konstantinopel, Obrrsi=Lieutenant Raab. Der dieffeitige General-Konsul, Fürst Wrede, reklamirte sofort bei dcr serbischeti_Ncgicriing und drohte, die Festung durch die Monitors brjcbicßcn zu lassen. Minister-Präsident Risiics überbrachte darauf persönlich die Entschuldigung der Regierung und machte zugleich die Mittheilung, das Ministerium habe um seine Entlassung gc.- beten, um dem Würsten seine Stellung zu erleichtern. Später erschien im Auizrage des Fürsten dessegi General-Adjutant Protics, wiederholte die Bitte um Ent1ch1tldig11ng und lud den Fürsten Wrede zum Fürsten Milan ein. Die östrrrei: (bischen Monitors verbleiben vorläufig vor Belgrad obschon die wegen deS „Nadeßky“ entstandenen Schwierigkeiten in: zwischen ihre Erledigung gefunden haben.

Semlin, 20. Dezember. (W. T. B.) Auf dem öster- reichisch-1rngarischen Moniior „Mars“ wurden durch das beim Laden im Thurme erfolgte Platzrn einer Granate ein Liniensc'hiffs-Fähndrich und 4 Matrosen schwer, 7_ andere Personen leicht verwundet. Die Verwundeten smd zur ärztlichen Behandlung hierher geschafft worden. . "

Wien, 21. Dezrmber. W. T. B.) Die Nachricht hienger Blätter, wonach der bfterrei iscb-ungarifcbe General-Konsul in Brlgrad, Fürst Wrede, von dort abberufen sein sollte und eine Okkupation Serbiens durch Oesterreich bodor- siändc, wird von unterrichteter Seite als unbe- gründet bezeichnet, mit dem chcrken, daß ein Grund zu derartigen Maßna men um so weniger vorliege, als die serbische Regierung iie größte Geneigtheit bekundet babe, Oesterreich fiir die jüngsten Vorfälle in Belgrad volie Genug: ihuungi zu geben. '

London, 21. Dezembrr. (W. T. V.) Die „Times“ zieht die Möglichkrit einrs Widerstandes der Pforte gegen die Beschlüsse der Konferenz in Betracht und meint, ein Ylches Verhalten würde die Türkei isoliren und vielleicht ein

'bbrecben “.Der diplomatiscbrn Beziehungen Seitens Englands berbcifiinen. Writer schreibt das Mannie Blatt, obwohl eine Ok upation Bulgariens durch ußland bedauerli jein würde, so würde doch kein englisches Ministerium au ) nur ein einziges Regiment zum Schutze Bulgariens marscbiren laffen. Englands Jntereffcn lägen am BWporuS. Es wäre Zeit, sie zu schiißcn, wenn sie angetastet würden. ,

_ Das: W. „Fremdenbl.“ vom 19. schreibt: „Ein hiesigeß Blatt meldet heute „ans sonst zuverlässigsr Quelle“, daß der Waffsnstilistand bis zum 1. März _verlängrrt worden ski. Die „sonst zuverlässigs Quelle“ hat sich die?:mal wrnigstens nicht brwährt, deni: die Msldung von Liner Vcrléingcrung drs Waffenstillstandes ist vollständig irrikg. Esiag und liegt für eine solche Verlängermig momentan aum eme

iöglick)keit vor, nachdem die Konferenz ja noch gar nicht zu: sammengctretcn ist. Sa 6 der Konferenz wird es sein, drn Waffenstillstand im Brdar Efalle zu verlängern und die eminent friedlichen DisPositioncn, die sick) bei den Kabineten zeigen, deuten darauf hin daß eine solche Verlängerung keinen uniiberstciglichen SchwiCrig eiten begegnen wird. Aber bis jLHt, wie gssagt, konnte noch nicth gricbehen, da für dix Kabinetts kein Aiilaß vorhanden ist, der Konfcrrnz vorzugreisen. Wenn, wie aiizu: nehmen, diese rrcht bald, vielleicht bereits am Sonnabend zu: fammentritt und die förmlichen Berathungen unter Zuziebung des türkischen Bevollmächtigten begonnen haben werden, dann wird allerdings der Zsitpunkt Yekommcn sein, si iiber die Waffenstillstandsfrage zu versiän igen. An dem ba digsn Zu- sammentritt der Konferenz ist übrigens, nachdem über _alle VorfraJen eine Verständigung erzielt ist, kaum JU zwciicln, die Pariser und St. Petersburger Kundgebungen, die uns der Telegraph Übermittelt bat, zeigen am brsteu, wie Wr die friedlichen Disapositionen prävaliren.“

_ „Die Berichte aus Konstantinopel“, schreibt das „W. Fremdenbl.“ unterm 19., „lassen die diplomatische Situa- tion nach wie vor in günstigem Lichts erschrinen. NaOdew, allrn Unglückspropheten zum Troß, „iiber die Vorfragen ein prinzipielles Einverständnis; Erzielt ist, wird die Konferenz anstandslos eröffnet werden können. Ihr und _nur ihr kann die Aufgabe ufallen, eine Vrrlängxrun dcs Waffenstillstandes über den 2. anuar hinaus zu be1chlie en. Den Schwerpunkt ihrer Aukgabe wird sie nach wie vor in der Regelung der Garantie rage zu sucben haben; nachdem indessrn wie wir immer betont haben, das Kabinet von St. etersburg keineswegs in einer russischen Okkupation die einzige wirksame Garantie erkennt, sollie wan mcinen, daß eme Verständigung keinerlei unüberwmdliche Schwierigkeiten dar- bieten kann. Die Durchfiihrung der nothwendigen Refor-

men in Bulgarien ist allerdinÉ eine Aufgabe, die die'

volle Beingung der damit beichä tigten Staatsmänner er- heischt. on dem Gedanken_ LMU“. „politischen Autonomie“, 'das heißt der faktischen Schafiung emos neuen Duode staates zwischen Donau und Balkan ist man wohl allseitig a egan- gen, es wird sich darum handßln, Institutionen zu s affen, die den thatsächlichen Bedürfmsieit ]ener Provinz, vor Allem deren wirthschaftlicZLr Individualität entf rechen, die die Ays- beutung derselben urch die schlechte Pasckxawirtbscbast verhin- dern, es handelt sich darum, we_nn, man diesen Ausdruck ge- brauchen darf die wirthschaxtliche Autonomie Bul- ariens zu fiabiliren ein Pro_ lenz, das sicheylich nicht über ie Grenzen der Dur führbarkeit hmauSgeht.“ . ' Ferner schreibt dasselbe Blatt: „Aus den asiatijchen Yrovinzen der Türkei kommen sehr ernste Nachrichten.

eitdem man in Konstantinopel damit um eht, den Krieg ziim Religionskriege zu ftempelu und man si in den Kaiser:

lichen Jradeu unter persönlichem Gruße desz Sultans an alle Muslimin ni t scheut, dieselben „zum heiligen Kampfe für Glauben und echt“ zu entstammen,_ so hat, besonders nackx dem der „Beichl ergangen ist, alle bis auf den heutigen Tag riickständigen Nediis zu mobilifiren, drr Haß und Fana- tiSmus derTürken gegen alleChristen eiiien solchen Höhepunkt, erreicht, daß es schwer halten _w1rd, ihm den richtigen Tänipfcr auonseßen. Als Beweis abxr wie die Dinge „in Heile stehen und Wie krittsäZ die Lage derChxisten da1elbst geworden, mögen folgende Bei: spiele die die türkenfreundli e „A. A. Z.“ erzählt, genügen.

„* ereits seit mehreren Wo en kommt es häufig vor, das; Tür- ken des Abends an die Yiorte cines bclicbigen reichen Christen klopfen und von ihm eine umme Geldes verlangen. Jm Weige- rungsfall wird er ausgeraubt, und klagt rr, so kann er sicher sem, wieder ausgeraubt oder gar erschlagen zu wcrden. So kam es auch vor, daß der Vater eines vor einem Monat Von einem Araber er- stocloencn Sobncs nicht bei der Behörde klagte, weil ibmganzeinfach erklärt wurde, das;, wenn er es tbiie, er andern Tags bei sei- nem Sohn im Jenseits sein Werde. Vcrgnngcncn Freitag (17. November) zeigte sicb so recht der Fanatikimns der Türken, als einige hundert Mann Rcdifs nacb Alcraxidrcttc marscbirien und in das außerhalb der Stadt liegende Cbriytciwicrxrl Azizie gelangten, Wo sie die Fenster dsr Gebäude einwarfen. Als iir aber .in das Haus des rusiiscben Konsuls Hrn.Jwanoff kardon, der eben im Beariff war abzureisen, mache das Militär und das [ie begleiti'ndc (Hibii Halt, und nun griff Ach, was nur Hände hatte, zu den Steinen, und im Nu War im Hause dss Lon als keine Fensterscheibe nnzertcümmert- geblieben. Das Fkncbcn und Schimpfen auf den K*.iiscr VON Ruß- land, auf den Konsul, auf seine Kawxsrn und auf alle (Cbristrn Wollte kein Ende ncbmen. Nachdem so einige Zcit die Mengc und die Soldaten gewütbrt, zogen sie Unter der Androhung ab, daf; nun bald, der Taggekommen sei, wo sie alle Ebristcn ermorden wiirden. Bald darauf kam der kommandircnde Gcneral OZMM Pascha, sowie der (Hourrrnrur Emir Pascba zu dem bcsiürztcn Konsnl, der mit knapper Notb_dcn Stcinwiirfcn dnrch die Flucht in sein Haus ent- gangen War; ]ic irdstctcn ibm, drückten ihr offcncs Bedauern iibcr dissen Vorfalk aus, und brachten es eiidlicb dabin, daß dcr stark cr- scbrcckie Konsiil zur Weiterreise sicb bestimmen ließ, indem “ie ibm 30 Reiter als Bcdcckung mitgnbcn. Wkr Geld bai, kauft iich für 500 Gulden (05; Wer nicht, gleichvicl ob Vater Wk! 3, 6, 9 Kindcrn ohne weitere Verirandte (und deren giebt c riclc), ums; fort und hinterläßt eiiie bungernde Familie.“ _ .

__ Usber den Inhalt der bereits erwähnten Petition der christl_1chen Boßnicr an deri Sultan Und die Kon: ferenz erfährt die „Pol. Korr.“ Uni 6 Details:

Zuerst wird die große Notblagc der rovinz geschildert, Welche durch die bekannten Vorgänge bervvrgcrufcn wnrde, an n'klibcn die große Music dcr bosiiiscbcn Cbristcn gänzliclck1111sckuldig sei. Seit August 1873 sind 1400 boMische Dörfcr zerstört, 80 Kiribati und 11 Klöster niedergebrannt rvorden. Unter drn in Schmit und Asibe gc- lcgten Dörfcrn Waren 504 von [owalcn Unicrtbaticn des Sultans bewohnt, die sich nacb keiner Rilbtmig eiiie imgcscylicbe Hand- lung zu Sibuldcn kommen [irßcir Zn dcr Petition wird fer- ner behauptet, das; tbciks in den verschiedenen Kämpfen, theils in den friedlicbsten Gegenden 0586 Christen unis Lrbcn gckmnmen sind. Ueber die Grenzen haben sicb bci 108,000 Meiiscbcn gcflücbtct und Von diescn 30 Prozent nur aus dém Grunde, Mik sic, wirwobl an der Bewegung gänzlich unbetbciiigi, dennoch die Nach drr Mohame- dancr gcfüräytkt babcn. Dic bosnischen Christen bkrlangcn durchaus nicht, dom türkiscben Reichs abgelöst zu werden, wobk aber müssen sie eine gründliche Besserung ibrc'c Lage wünschen, Die Pciition verlangt eine fiinfiä:*rige Steuerfreiheit fiir BoSr-ien, den Aufbau der zerstörten Dörfer aaf Rccbnuna dcs Aerars, Vcrsebung mit Geldmitteln zur An- schaffmig bon Wirtbscbaftsxzeräiben, die Autonomiiirmig drr Gemeinde, Schule urid Kircbc, Abschaffung des Zcbents für den Staat Und des dritten Tbcich der Ernte für den Spadija, und schließlich chich- bcrccbtignng mit den Z.siabmncdancrn in Bcircff dcr Gestattung des Waffentragwis, da dies allein der Rafal) dic cntbrbrte Sicherheit gewähren könne. Die Petition muß Natürlich im Gebrimen kolpor- tirt ircrden. Dic Niabomedaiier ergreifen Gcgcnrnaßrcgelu und anßcr- dcm, daß sie einc Petition gegen die Reformen an den Sultan ge- ricbtct [).ibcn, wollen sie einc Liga gcgen die Raiab bilden, um_zu bcrbimdcrn, das; [eßicre de_n Grund und Vodka dcr Spabis au iich reiße und das mir den „Rcäytgläubigrn“ zuktcbcnde Recht des Waf- fentragcns rriqnge.

Cettinw, 19. Dezember. Der Namcncöxtag des Fiirstcn wnrde fcierlicbst begangrii, zahlrEiche Glück- wi'iiiscbc kiiinrn von allen Sriten. Der kridechgrfaxigeinS- man Pascha brachte den; Fürsten _anch semr Gratulationen dar, worauf ihm der Fiirit die Freiheit schenkte.

Rußland und Polen. St. PetereZburg, 19. De- zember. Weitere ErgebenbeitI-leressen wurden dem Kaiser i'ibcrrricbt: Sciten-Z des Adels WU Schazk, Sritens der Landschaft von Jefremow und TimeZk, der Stände des Lichwiiisch (030111). Kaluga) und des Griasowezscben (030111). Wologda) Kreises„ Seitens der Stadt Narwa, der Stadt: kommiiiicn von Ssamara,Ssaratow, Jukateriiwfflaw, Kostroma und Minsk. _ Dic Einführung der neuen Städtcb rd- nung in drn O stsoeprovxnzen ist, wie die „Rev. Z.“ ersiilrt, zustehenden höheren OrtC-Z bereits definitiv iiir das )|(? Jahr beschlossen wordsn. Die von demselben V[atte_g€brachte Nacbricbt WU eincr dahingéhcnden Entscheidimg, daß _bei den Verhandlungen drr Stadtvrrordncten zuniichst die deutstbe nnd die russische S rache neben einander werden gebrancbt wxxden diirfrn, nacb Fünf Jabrsn, aber UUZsck)[1Lß[ich_ die rummche Sprache, ist, wie der „St. Pet. Herold“ hört, in ]edem Fall als verfrüht zu betrachtsn.

_ 20. Dezember. (W. T. B.) Usber 61116 am 18. d. während des Gottesdienstes, in der Kasanfchen Kirche vor der- selben stattgchabte rsgierungsfeindiiixe Denioiistra- tion, bei welcher einigr Prrsonen verhaftet wurden, ist eme Untersuchung eingeleitrt. Dem Anscheiiie uach warexi bei dcrselbcn Studirende und Studentinnen der „medizinischen Akademie sowie ch technischrn Institutes betheiligt. _

Kischenew, 15. Dezember. Der „Pol. Korr.“ wird von hier geschrieben: Die Truppcntransiwrte waren in den lebten Tagen so maYenbast, daß nunmrhr nur geringe Nach- schiibe stattfinden ürften. „In Folge dessen, erhielt der Betrichdirektor der Odessa-Kijchenewer thii die Erlaubniß, die genannte Linie sowie jene von Odes1a-Granißa fiir den Waarenverkehr zu eröffnen. Vom 23. d. M. ab_werden vor:- läufig zwei Lastziige lich_verkehren. Mit Ansang Januar dürfte aber ganz wahrsäJeinlich der- normale Verkehr auf allen südrussischen Eisenbahnen wieder aufgenommen werden.

Dänemark. Kopezihagen, 20. Dezember. (H. N.) In einer bis nach Mitternacht währenden Abendyißung, worin sich beide_Parteien einander die Veraniwortung für einen Konflikt u1choben11md Berg ein proviHomsches Zwanz- geseb als veréaffungswwrig be eichncte, na m,das Folke- t ing den Vorschlag, betre end die Schließuzig des wheaters, mit 69 gcgen 23 Stimmen an.

Australien. „(E. C.) Die gefedgebepde Versammlung von Weft-Australien hat die (in Großbritannien nicht ge-

staltete) Ehemit der Schwester einer verstorbenin