1877 / 122 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 28 May 1877 18:00:01 GMT) scan diff

sei. Der Minister des Innern hat. sichx azis desxallfigc An: fragen von Provinzialbehörden bereits _, ahm ausÉesprochen, daß er es nicht für zulässig erachten konne, _auf rupd des §. 49 des Rcichßmilitärgese es _vom 4. Mai 1874 die dem aktiven Heere angehörigen ilitärpersonen bei Abgrenzun der Unvahlbezirke und bei Festseßung der auf jeden Urwah = bezirk feinendcn Wahlmänner außer Berechnung zu lassen; denn Unter „Seelen“ im Sinne der §§. 4, 5_und 6 der Ver: ordnung vom 30. Mai 1849 beziehungsweiie des §. 2 de'?) Wahlreglements vom 10. Juli 1870 seien nicht etwa blds die wahlberechtigten Personen zu verstehen, sondrrn (s sci dar: unter die gesammte Bevölkerung begriffen. , Dieser Auffassu'xig ist das Haus der Abgeordnrten in sxiner Sißung vox113.Marz d. (F. beigetreten, indem dasselbe aus den Antrag seiner Kom- mis ion fiir die Wahlpriifungen den (Hrgndsaß angenommen hat, daß bei Berechnung der Seeieyzahhdie zum qktivenÖeere gehörigen Militärpersonen der Civilbevolkcrung hinzu rrechnet werden müssen. Der Minister des Innern hat durch iriular- erlaß vom 16. d. M. die Bezirksregierungxn hiervon niit der Veranlassung in Kenntnis; grseßt, die 'Mit Ausfiihrung der -Wahlen betrauten Behörden hiernach mit entsprechender Wer: sung zu versehen.

_ Nach §. 79 des Reich€:Strafgesehbuchs ist auf eineGe- sammtftrafe zu erkennen, welche in der Erhöhung der ihrer Art nach ick werften der verwirkten Strafen besteht, worm, _be: vor eine er annte Strafe verbiißt, verjährt oder crlaffen ist, die Verurtheilung wegen cin'er strafbaren Handlung erfoigt, welche vor der friihersn Verurtheilung begangen war. , Diese reictheiehliche Vorschrift findet nach einem Erkeimttiiß des O b e r : Tr i d U 11 a [ H,Scnat fiir Strafsachen, voii126.Apr1l1877, keine Anwendung, wenn die friihere Jerurtheilung von. einem nichtproußischen Gérichte auMesprochrn worden war. Vielmehr hat in derartigen Fälicir der preußische; Richter, im Jnteresie ch Angeklagten , vor1christ§inäßig LMS Geiammtstrafe zu fixircn, die in dem nichtpreußi1chen Staate zuerkannte Strafe sodann von der fixirten Gefammtstrafe abzuziehen und sodann den Angeklagter: zur Verbiißung der Reststrafe zu ver: urthcilen. „Die Verpflichtung andrrer Bundrsstaatcn dem preußischen gegeniiber beschränkt sich gemäß §§., 21, 24, 3,3 des Rechtshiilse eseße-Z vom 21. Juni 1869 auf die AuSlieferung wegen in Yreußen verübter strafbarer Handlungwr und auf die Vollstrc ung der wegen solcher Handlungen in Preußen erkannten Freiheitsstrafen bis zur Danerron 'sechxZ Wdchen. Dagrgen ste t den prenßifchen Grrichtcn keinerlri Eixiflurz auf die Voilstre ung der Strafen zu, die von de_n Gerichten aii- dercr Bundesstaaten erkannt worden sind. Sie sind weder_m der Lage, diesslden in Wegfall zu bringen, noch ihnen eme andere Strafe zu iudstituiren und die Vollstreckung drr sud: stituirten durch Reqnisiiidq oder die Auslieferizng an die prenßischen Behörden dehuiE der Vollstreckung 1111 Jiilande herbeizuführen.“

_ Nach einem hicr eingegangenen Telegramm aus Santiago ist der Kaiserliche Minister-Resident nnd General- Kdnsul bei der Republik Chiié, Legatioan-Nath _Ferdinand Levenhagdn, daselbst am 26. dieses Monath im Alter von 75 Jahren nach längerem Leiden mit Tode abgegangen. Der Verewigte gehörte zu den ältesten Beamten des Auswärti en Ressorts. Im Jahre 1844 der Grsandtschast in KonstantinopelZiir die Bearbeitung der Handrlsiachen iiberwieien, wurde Er im Jahre 1849 zum General-Kdnsui in Rotterdqm' ernannt, ein Posten, welchrn er im Jahre 1858 mit demxemgen eines Generai-Kousuls und Geschäftstriigers fiir Chile vertauschte. Wm Jahre 1871 zum Minister-Nesidenien befördert, hat Herr

evenhagen sein Vaterland in Chile fast zwanzig Jahre lang dir? an srin Lebensende vertreten und sich die Achtimg sowohl isinsr vorgeseßteii Bchördr, als der Regierung, der welcher er beglaubigt war, imd der in Chile wo nenden Deutschen zu er: wsrden gewußt. Er hinterläßt den Uf einch pflichtgetreiwn und verdienten Beamten.

_ Nach Liner dem Aunärtigsn Amte zugegangrnen Anzeige ist der Kaiserliche Konsul E. „Benecke in Mexiko am 21. Aprii d. J. verstorben. Dcr Kdnsnlatsdienst vrrliert in ihm einen seiner ältesten Und würdigsicn Vsrtreier. Im Jahre 1849 zum preußischen Konsul bestellt, hat er später das Norddeutichs und dann das Deutsche Konsularamt in Mexiko bekleidet, auckzmehrfach und für längere Zrit währrnd der Abwesenheit es diplomatischen Vertreters als Geschäftstriigcr iungirt. Die in scitie Hand gelegten Jntrreffen hat er, oft Unter schwierigen Verhältnissen, mit nis crmiidendem Eifsr, und, unterstiißt von seiner grnauen Kenntniß drr Verhältnisse und von dem hohen Ansehen, dessen er in den weitesten Kreisen genoß, mii gutem Erfolg wahrgenommen.

Sein Andenken wird, wie in diesen Kreisen, so im Aris: wärtigen Amt in wohlverdisnten Ehren bewahrt werden.

_ Als Aerzte haben sich nirdergelaffen: ])r. Felder in Dingrlstrdt, ])r. Ssligmann in Gderzke, ])1'. Rade: macher in Wernigerode, Or., Grnß in Winterberg, ])r. Grüne in Dinker, ])r. Murfield in Elderfsld, StabDarzt ])r. Nicol in Wessi, ])1". Lind in Wesel, ])1'. Dressen und 131". von Heyne in Aachen.

_ Briefsendungen für S. M. S. „Vicidria“ sind von Fits ad bis aus Writeres nach Smyrna, diejenigen für S . S. „Preußcn“ nach WilhelmShaven zu dirigircn.

Posen, 26. Mai. (W. T. B.) Das Krei-dericht hat ente den vormaligen Erzbischof Grafen Ledochowski wegen ergehen ge en §.1303. des Strafgeseßb1tches (densdg. Kanzel-

paragrap en? und wegen Beleidigung des Reichskanzlers zu 1 Jahr (_ efängniß verurtheilt und dem Beleidigten das Recht zur Veröffentlichung de_s Urtheils im „Reichs-Anzeiger“ und im „Kuryrr Poznanski“ zugesprochen; ferner wurde gegen Leddchowski wegen Unbefugter Vornahme amtlichrr Handlungen und wegen Aneignung des Titels „Erzbischof von Posen und Gnesen“ eine Geldstrafe von 3000 976 event. 7 Monaten Ge- fängniß ausgesprochen.

Bayern. Der ,Ailg. Ztg.“ wird ansMünchen, unter dem 25. Mai, Feschriehen: Wie wir vernehmen, ist die Nach- richt hiesiger lätter: daß der neuernannte päpstliche Nuntius schon anfangs des kommenden Monats [Zier ein- treffen werde, unrichtig. Nachrichten aus Rom zu olge ist

Monsignore Maéella gegenwärtig sehr leidend; auch abgesekÖLn

hiervon dürfte ein Eintreffen in München nicht vor Mitts Sommers beabsichtigt sein. Sachsen = Coburg : Gotha. Codu rg 26. Mai. W. TV.) Die Herzogin von Edinburghisi mit ihren mdern heute Abend um 6 Uhr hier eingetroffen.

LS

Oesterreich-ngaru. Wien, 27. Mai. Der Kais er und der Kronprin Rudolf haben gestern, dßn 26.'d. M., den Aufenthalt. in c-chönbrunn genommen. 'Die Kaiserin ist mit der Erzherzogin Marte Valerie gestern nach Ischl abgereist. . _ . .

_ Graf Wrbna, der Obmann der dstxrreichischen Regni- kolar-Deputation, hat gestern die Mitglieder derselbe'n zu einer Befprechun für den 28. d. M. emgelqden. An diesem Tage treffen au die Mitglieder der ungarischen Deyuiation lier ein und werden sofort gesondert von der österreichischen

eputation n einer Vcrathung zufammentreten. Die erste gemeinsame ißun beider Deputationen wurde von den Ob: männern nun für Jen 29. Mai anberaumt. Dieselbe Wird in den Räumen des Herrenhauses stattfinden. Während der DeputationS-Versammlungen wird Herr pon Szell in Wien seinen Aufenthalt nehmen. _ Der russische Borfchafter von Novikow ist vorgestern nach_Rußland abgereist. _

Triest, 25. Mai, Die „Triester Ztg.“ sagt anlaßlich des Besuches der ReichsrathSab eordiieten: „Da,?- interne Ereignis; des Tach ist der BLFUCh Triests durch die Mitglieder der Reich§vertretung. Das Echo _der Sympathwn ist geweckt in den Gauen unserer Monarchie. Dies bewxist die Thatsache, daß der Zug, welcher unsere Gäste von Wien nach Triest fiihrte, auf allen größeren Stationen von der Be- völkerung erwartet rind von Deputationenbegriißt wurde. In Graz erwarteten der Präsident des Abgeordnetenhausxs, Ur. Nechbauer, der Statthalter und zahlreiche Gemeiiideräthe; der Stadt die Abgeordneten am VaZnhofe. Die gestrigßn Wiener Blätter bringen bereits telegrap ische Berichte iiber 016 Triester Fahrt. Insofern in „denselben von erwarteten, den PatrrottH: muH unserer Stadt kompromittirenden Kundgebungen die Rede ist, ßZcit der bisheri e eben so würdevolle al?- wahrhaft glänzrnde erlauf der Fe tlichkeiten den mit der eredsamkeit der Logik der Thatsachen sprechenden Beweis gelwfert, daß Triest kein Boden für reichsverrätherische Agitationerr' ist; diese Uederzeugung nimmt jeder einzelne, unserer geschaßten Gäste. mit und damit können alle unsere Mitbürger und können wir selbst uns zufriedengeben.“ '

Pest, 24. Mai. Mit Riicksicht auf die Vrrwrck'iungen im Oriente hat die Regierung mittelst Erlasses vom 22. d. M. die Ausfuhr von Waffen aller Art, ferner dio Ausfuhr von Waffenbestandtheileii undSchießmaterial im ganzen Umfange des uugarischen Staathedietes v erb oten. _ Der bisherige türkische Gcnerathnsuh Sermed ' EFZ fendi hat vorgestern Pest verlassen, um sich iiber Brindisi nach Konstantinopel zu begebcn. Dis Geschäfte des General? ?Tcßnsulates wird vorläufig der Vize-KonsUl Chedid Effend 1 ii ren.

_ 26. Mai. (W. T. B.) Der Zollaussthuß hat heute nacheiner mehrtägigen Gencraldedatte die Regierrxngk: vorlage bezüglich des gemeinsamen Zollgebietes mit Ocstrrreick) als (5517112101086 fiir die Sprzialdedatie angr- nommen.

Großbritannien und Irland. London, 25. Mqi. (E. C.) Am grstrigen Tage vollendete Ihre Majestät die m Balmoral weilende Königin Victoria ihr 58. erenßzahr. Der Geburtstag ward iiberallfestlich begangen. Die Residenz Windsor [ieß die Glocken läuten und hielt ein Bankett. Jm Crystal: und im Alexandra-Palace fanden große Volkaeite statt. Die offizi'elxdj Feier findet erst am 2. Juni statt. An diesem Tage giédt der Premier-Minister ekiva 40 Peers ein Bankett und gleichzeitig der Minister des Innern ein Diner. _ Der Prinz von Wales kehrte gestern Morgen von der Schiffsinsprktion in Portsmouth zuriick. _ Die Herzogin von Edinburgh reiste gesternAbend um 8Uhr nach Coburg ab, nachdem ihre Kinder schon einige Stunden vorher die Stadt verlassen hatten. _ Der Schahkanzler Sir Stafford Norstthcote ist mit Familie auf einige Tage nach Paris gerei . - ., _ (A. A. C.) Shad Yacud Khan, der Gesandte des Emirs von Kashgar, hat sich nack) Liverpool brgeben.

_ 26. Mai. (E, C.) Der Horzdg von Cambridge hielt heute im Lager von Aldershot eine Truppenschau iiber ämmtliche, unter dem Kommando des General-Lieutenants Sir Thomas Steele stehende Mannschaften. _ Der fran- zösisckw Botschafter, Marquis d'Harchrt, ist nach London zuriick Skehrt. _ Die nerieste Post (LUS Zaiizibar meldrt, daß die Boote de?- Schiffss „London“ drei „Dhows“ genom- mrn und 169 Sklaven befreit haben.

Canada. (A. A. C.) Einem Telegramm ausOttawa vom 23. d, M. zufolge werdeii auf Befehl der canadischrn Regierung Vordsreitungen getroffen, Um an M'Caulay's Point eine Battrrie fiir die Vert eidigung des Hafens von Victoria in British COlUM ia zn errichten.

Frankreich. Varis,25. Mai. (CL,) Das: „Journal officiel“ vsröffentlicht Dskrete des Präsidenten der Republik, durch welche daS Preßbureaudes Ministeriums des Innern zu einer selbständigen pol1tischenAbtheilung erweitert und Hr. Lavedan, rin orleamsiisch=klerikaler Ehemaliger Präfekt, an die Spiha dieser Abtheilung gestellt wird. Hr. Edmund Viiletard, cin friiherer Mitarbeiter des „Journal dex“; Dedatés“, dann eine Zeit lang Nedacteur des „Soir“, ist an Strike des Hrn. Henri Aron ziim Nedacteur des „Journal officiel“ ernannt worden. _ Die „Agence Havas“ richtet heute an die Blätter fol- gende Mittheilung : „Unter dem Titel : „Die N 0 t eH a v a s“ haben mehrere Blätter eine Menge ganz irrthiimlicher An aden iiber den Aquangspunkt und Verlauf der Ministerkrise owie iiber den “Uriprung und die Wirkungen der am 16. Mai in den Korridorexi der Kammer an eschlagenen Deckvesche veröffentlicht. Zrideni wrr alle diese Ein 6 heiten fiir fals ) erklären, glauben wrr dw absolute Richtigkeit der in unserer Depesche gemachten Mittheilungen aufrecht erhalten zu sollen, wie dieselben denn aUck), um nur von amtlichen Dokumenten zu sprechen, durch die Botschaft des Marschalls Mac Mahon, durch den Brief des ZerzogzZ ,Decazes und durch die von den Herren Melegari und epretis m der italienischen Deputirtenkammer abgegebenen Erklärungen bestätigt worden sind.“ _ Fast gleichzeitig mit dem spamschexi Prätendenten sind in den letzten Tagen auch die ehemaligen Köni e von Hannover und von Neapel m verschiedenen ichtungen abgereist.

_ 26. Mai. (W. T. B.) Der Marschall Mac Maho]: hat heute die Besichtigung der Ackerbauausstel: [UNI M COMpiégne zu folgender aligemeinexi Aeußerung bei Beaiitwortung der Ansprache des Maire?» benußt: „Ich ergreife die Gelegenheit, Allen und insbesondere denen, welche arbeiten, zu sa en, daß der politis 2 Akt, den ich so: eben vollzogen habe, ediglich den Zweck at, meiner Regie- rung die Stärke zu verleihen, deren sie bc arf, um die Ord- nung 1111 Innern und den Frieden nach Außen zu sichern. Sie

.lernen. Die nun

können fortan auf diese Wohlthaten rechn'en. __Frankreich wird sich in keine auswärtige Verwickelung emmuchcn. Niemand in Europa zweifelt an meinem Worte, davon empfange ich täglich die Versicherungen.“

Italien. Rom, 26. Mai. (W. TV.) In der heutigen Siéung der Dep u tirten kammer sthe bei der Berathuiig der Ge eßvorlage über die Zuckersteuer der Minister-Prästdeni Depretis die leitenden Ideen seiner Finanzverwaltung aus: einander und widerlegte die dagegen gemachten Einwürfe. Bei dieser Gelegenheit auf die auswärtige Politik Italiens Übergebend, erklärte der Minister, daß die Beziehungen der italienischen Regierung zu allen Mächten durch- aus freund (haftliche seien. talien habe gegenüber keiner Ma t irgendwelche erpftichtungen. Niemand habe ein Recht , das Ministerium zu besthuldigen, daß es eine abenteuerliche Politik verfolgen wolle. Es könnten indeß doch Umstände eintreten, in denen die Ehre und die Zntereffen Italiens es nothwendig erscheinen lassen, auf die

oyalität des Königs und die Tapferkeit drr Armee zu zählen; das Ministerium könne demnach auf keinerlei Verminderung der StaatSeinnahmen ringe en. Das Haus genehmigte darauf mit 275 gegen 120 «timmen die von dem Deputirten Spantigati beantragte T agesordnung, welche eine Zustim- mung zu den Ausführungen des Ministerpräsidenten und ein Velztlranensvotum fiir das gesammte Ministerium ent ä t.

Türkei. Konstantinopel, 24. Mai. ZurSituation wird der „Pol. Korr.“ von hier gemeldet: „Heute ist unter dem Eindrucks der offiLiellen Depesche, welche den Verlust von Ardahan meldet, der Sturm [ngebrocheir Die Stadt hatte schon in den Morgenstunden ein sehr bewegtes Aussehen, welches nichts Gutes ahnen ließ. Uederall bildeten sich Grup- pen ebenso in Stambul, wie in Galater, welche lebhaft diskutirten. Man wußte, daß die Softeis etwas im S ilde fiihrten. Gegen Mittag zogen einige tausend Sdkftas, ge dlgt von großen Voiksmaffen, vor die Abgeordneten ammer nnd begehrten stürmisch Einlaß. Als der räsident sich auf die Straße begab, um ihnen das Unstatt aste ihres Begehrens begreiflich zu machsn, wuchs der Tumult, welchem schlirßlich ein Ende gcmacht wurde, indem man iibereinkam, eine Deputation der Softeis in den Berathungssaal ein- treten zu lassen, um ihre Wünsche k?nnen zn eitigrtretenen Softeis, vom Prii- sidenten Um den Gegenstand ihres VegehrcnS befragt, verlang- ten die Absehung Mahmud Damat Vaschaxs und MS SeraHkich Redif Pascha, welchrn Persönlichkeiten sie die uumitteldare Schuld an der Katastrophe von Ardahan deimaßen. Außer- dem verlangten sie die Ersehung Mdukhtar PaschacZ Und die Heimberufung Midhat Pascha-Z. Nachdem der Präsident zu- gesagt hatte, unverzüglich den Sultan von dem Vernomménrn in Kenntnis; zu sehen, dcschwichtigte rr die Softas und schloß die Sitzung. In der That begab sick) der Präsident sofort zum Großvezier und mit diesem zum Sultan. Das Resultat dicses Schrittrs war die Verkündigung des Belagerung?- Ustandes und das Verbleiben Mahmud Damat Und Redif . aschas arif ihrsn Posten. _ Die Erregtheit der Bevölkerung ist im Wachsen, Und ist eine revolutionäre Erhebung nicht ausgeschlosssn. Ardahan war von 12 Batailloncn und 92 Gelsckiißen, darunter 25 Kruppsche deS schwersten Kalibers, we e ianesammt den. rissen in die Hände fielen, verthcidigt.“

_ Wie die „anq ne“ meldet, hätte der Sultan auf den Vorschlag drs Scheik:ul: Slam, den Titsl „Ghazi“ (dcr Siegreiahe) anzunehmen, die lntwort ertheiix, daß er dsr Tit-Il nur acceptirrn könne, wenn nach einem Frdficn Sirge die Feinde ach dem Gebiete des Reiches verjagt und ein fiir die tiirkisZlZZe Nation glorreicher Frisdsn abgeschlosscn sei.

_ ( . T. B.) Dem „Neuen Wiener Tageblatt“ wird achKonstantinopel, 26.Mai,telegraphirt: Prinz Neuß iidrrreichx Wie dem Sultqn feine Kreditive. Gestern wirderhd cn sich die Dsmoniirationsn gegen Redif Pascha, als er sich in das Seraskierat begab.

_ 27. Mai. (H. T. B.) Es fanden erneuerte De- monstrationen gegen den KriegE-Ministrr statt. Ein Theil der Tmmrltuanten wurde verhaftet. Der Belagerung?- zustand ist auch auf die Ausländer ach edehnt, jedoch mit der Maßgabe, daß Haussuchungen dri sol en nur Unter ZU- ziehung der detre enden Konsulardeamten stattfinden können.

_ (W. T. .) Wie der „Aligemeinen Zeitung“ unterm 27. von hier grmeldet wird, wäre die demnächstige Ersetzung Edhem Pascha's durch Neuf Pascha und die Reakti- virung Mehemed Ruschdi Pascha's wahrscheinlich. -

Cattaro, 24. Mai. _(Pdl. K? Der bei der Kapitulation von Medun in montenegrimsche Ge angenschast grrathene Kom- mandant dieser Festung, Bimbaschi Mehemed Bry, wurde vom Fiirsteerikolaus witer der Bedingung in Freiheit ge- setzt, daß er 1111 gegenwärtigen Kriege gegen Montenrgrd nicht fechten diirfr.

Nuszland ,und Polen. St. Petersburg, 24. Mai. Der Kaise'r wird'srme Abreise in das Hauptquartier P [o1es chti, wre die „Ag. gén, russe“ mcléet, in Bkgleitung dcs Großfürsten Thronfolger'S und des Großfürsten Ssergij Alexan- drowrtsck) _am' 2. Zum antreten. Nach drrselben Quclie WLWLU sich im Gefolge Sr. Majestät in daS Haupt- qugrtier begehen: der Reichskanzler, der Minister des Kaiserliche11'Hofe-é5, der Kriegs-Minister, der Chef der GkiiZd'arm9r1€,'d1€ GrueralÉldjutanten iirst Ssuworow, Ryke1ew, Woxikon), Wirklicher Staats-Rat Baron Jomini, Staat'ssekretar Geheimrath Hamburger, Baron Frederiks, der Jenßische Geiierai-Adjutant von Werder, der österreichische

derst Bechtdlshemy Oberst-Lieutenant Foullon und Leid- medikuS Botkm. „_ Die für das Kaiserliche Hauptquartier bestimmte„koizi'brnirte Abtheilung, welche der Kaiser gestern msZleirtL, wird, dem „R. Inv.“ _ufolge, VOU dem ügel-Adjutanten Oferdw vom PreobrascZenschcn Leib-Garde:8 egimcnt, und die kombinirte Compagnie im Be,- sonderezi von dem ältesten der Commandxure der Campa nien des Kaisers, „dem Flügel-Adjutanten Kapitän Ende vom aw- lowschen Lerb-Garde-Negiment kommandirt. Die übrigen Offiziere der Abtheilung sind durchs,Loos bestimmt worden. Unter den Unter-Militärs der Abtheilung befinden fich anf Alierhöchsten Befehl auch untere Chargen aus den Armee- R imentern, deren Chef Se. Ma1estät ist so aus dem Je aterinofflawschen, Eriwanschen, Pawlogradfchsn und Boro- dmschen Jnfanterie-Regiment, dem Moskaußchen Dragoner- und Kurländifchen Ulanen:Rrgimex1t_. Der Ve and der ganzen Abtheilung beträgt: 8 Oder-Offtziere, 1 Arzt, 280 Unter- Militärs von der Jnfaiitxrtr; 3 Ober-Offiziere und 95 Unter- Militärs von der Kavaiierie, und 2 Ober-Offiziere und 37

Unter-Militärs in dem gleichfalls mitgehrnden Sappeur- Peloton. Außerdem gehörxii zur Abtheilung: 35 nicht in der Fronte stehende Unter:MilitärS und 13 Trainwagen mit 42 Pferden. _ Am 23. d. M. verstarb der Gencral-Major

ürst Tscheloka1eW1m Lager bei Saim, 15 Werft von

ars, Derselbe wurde, bei einer Recognoscirung der'Um- gegend von Kars in eurem heftigen Gefecht mit türkischen Dragonern, die von Infanterie unterstüßt wurden, schwer ver: Wundet.

Amerika. (A. A. C.) Dem Außweise des Finap : Ministerium?- der Vereinigten Staaten von Nordqmeri a zufolge hat sich die Staatsschuld der Union in den ersten zehn Monaten des Fiskaljahres 1876-1877 um über 29,000,000 Doll. verringert, welche Summe der „New- York Times“ zufolge die von England gezczhlte Alabama- «ntschädigung von 7,000,000 Doll. inZsich schließt.

Der ruffisch-tiirkische Krieg.

St. Pstersburg, 26. Mai. (W,. T. B.). Ueber „den AufenthaltSort Sr. Majestät deS_Kq1sers wiihrend seiner Anwesenheit bei der Donauarmxe, www iiber dre Dauer des Aufenthalts sind endgiltige Bestimmungen twck) mchtgetroffen, do diirfte derselbe nicht kurz bemessxn sem. _ 5016 Nach- ri t, daß in Polen fortdauernd Hqiissuchungcn und Verhaftungen stattfinden, wird aii informirter Steile fiir unbegründet erklärt. Es ist Seiten?: der polnischen „Be: völkerung zu irgendwelchen aUSUahmsweisen Maßregeln mcht drr geringste Anlaß gegeben. ' '

_ W T. V.) Der „Regierungsbootr“ veröffentlicht

.die bereits xiemeldeten Telegramme der beiden Ober:Komman:

direnden der Donau: und der i?aiikasusarmee vom 26. d, M. Außerdem wird von dem amtlichen Organ Folgendes wit: getheilt: Das Fußkosaken-Vaiaillon des kybanischen Kosaken: heeres, welches iiber Achtrhhr nach Sot1cha (am Ausfluß des gleichnamigen Flusses m das Schwarze Mexr, nord: westlich von Suchum Kale. D. R.) „dem Feinde ent: gegengerückt war, hatte mit demselben em Scharmiißel, dei wclchrm 13 Kosaken getödtet und 7 verwundet wur: dM. Ju Abchasien behauptet Gxneral-Major Krawxschenko die Position bei Olgin. Derselbe 1andte am 22. d. eme Kd: ldnne ab, welche dem Feinde große Vrrluste dsidrachte. Sem Detachement hat bis jeht 30 Verwundete. Das unter General Oklodjio strhende Detachrment hat eine Nekogndszirung in der Richtung nach dem Kintrifchifluffe Unternommen. An der Küste Entlang kreuzen türkische Schiffe, welche _von Zeit zu Zeit die Küste bsschicßen, ohne, rndeß Schaden anzu- richten. Eine von Ardahan nach Pcnjakr entsandte Kolorme ÖGS Generals Scheremetjeff fand keinen Feind vor. Der Femd steht in Olta (auf der Straße von Ardahmi nach Erzcrum, etwa auf der Hälfte des Wegrs. D. N.). Die Stadt und das Sandschak Ardahan smd durch die Truppen zmter Oberst Komaroff besetzt. Einr Nekognoszirungsadtheilung aus Ardahan rückte in der Richtung auf Kars_ vdr, ohne auf den Feind zu stoßen. Von dem bei B(UÜZLÖ steienden Detachement wird unter dem 23._ d. gemeldrt, das eine Kolonne des Fiirstrn Amilachwardff in der Rich: tung auf Wan Zirkognonirungen vornahm Und zuriick: kehrte, nachdem die dort defindlichrn Kurdenbanden vor ihr geflüchtet waren. Der Gcsundheiiszusiand der Armeen isi iiberail defrisdigend. Jm Terekgediete ist die Riihe wieder hergestellt. Kleine Kolonnen dnrchsnchen die Ver pässe, um die Ruhestörer aufzubringen. Zn Dagheftan hcrrFcht ebenfalls Miihe.

_ 27. Mai. (W. T. V.) Telegramm des Großfürsten Nikolaus vom 26. Mai. General Saldo meldet aus Braila, daß die Lirulenants Doubaffov und Chrsiaiov von einer Schaluppe an?. mit Torpedos» einen tiir ischen Monitor in die Luft gesprengt haben. Wir erlitten dabei keine Verluste.

Telegramm dss Großfürsten Michael vom 26. Mai. Béi Ardler sind am 23. d. etwa 3000 Cirkassirr von den Tiirksn gelandet worden. Eine Abtheilung Kosaken ist ihnen von Ardler aus cntgegengeriickt. Die kubanischen Trup- pen rücken weiter vor, um dieGebirgspiiffezubeseßen. Genera! Demel hat sich mit seiner Abtheilung den Hauptkrästen bei Zaime wieder angeschlossen. ,

_ 27. Mai. W. T. V.) Aus Kueruckdara wrrd vom 22. d. hierhrr gemel et: General Loris-Melikoff ist mit 8 Batailionen nebst Artillerie von Ardahan in drr Rich? tung auf Kurs ausgeriickt, um sich mit der Hauptmarht der Kurs zu vereinigen.

_ 28. Mai. (W. T. V,) Telegramm des Oberkomman- direnden drr Karikasusarmre vom 27. d.: Das von Adler zitriickgrzogene Bataiiwn Fußkosaken ist in Sotscha ange: kommen, wo sich das Detachement des Oderstsn Schelkdwni: koff konz-entrirt dem vom Norden her weitere Verstär- kungen zugewiesen wurdrn. ES bestätigt sich, daß von den Türken an der Küste nur friiher aUSJeWandertr Tscherkeffen gelandet wurdsn. Die Verluste des Generals Krawtschenko bei dem Gefechte an den Höhen von Maya, wobei er dem Feinde große Verlusir beibrachte, briragen 2 Offiziere und 20 Mann todt, 31 verwundet. General Alchasoff hat sein Detachement auf dem linken Ufer des Koddr (mündet südöstlich vori Suchum Kale ins Schwarze Meer. D. R.) konzentrirt und bereitrt einen Uebergang über den Kodor vor. Die friihere tiirkische Vesahung von Ardahan ist in ihrer Mrhrheit auseinander gesprengt, ein kleiner Theil derselben mit drm Vaschq flüchteie nach „Batum. Das Detachement von Bajazid bleibt vorläufig bei S1wp-Ohanes (armenifchcs Kloster [S.Johann] ani Murad [östlich Euphrat], etwa 2 Meilen nordwestlich von Diadm; D. Ii.) und sorgt für Proviantirung.

"Moskau, 26. Ma). (W. TUB.) Nachrichten ausEupa- toria zufolge haben fick) die meisten, der besihenden Klasse angehörigen Familien nach Simfero ol oder anderen Städten Ml Jnnern geflüchtet. Die Ver qufsléiden sind ge- schlossen, die Rhede ist lerr, die Handelsschiffe smd abgesegelt, kleinere Fahrzeuge sind versenkt oder trocken gelegt worden. In der Stadt war ein fühlbarer Mangel an Lebensmitteln.

Konstantinopel, 26. Mai. „(W. TB.) Regieruxi s- seitig wird bekannt gegeben, daß ein Miflxtarrath gebil et worden ist*, welcher Unter dem, Prasidium des Kriegs- Ministers die Direktiven fiir, ,die Armeen _feststelley soll. Unter den Mitgliedern des Militarrathes befinden sich der Marine-Minister, der Frühere Großvezier MYenied Ruschdi Fasßha der Senator annik Pascha und der alasimarschali c“m a a.

_ (ZZ. T. B.) Das Bombardement der rusjifchen Batterien gegen die Forts von Kars hat nachgelassen.

Die rufsischen Truppen sehen Kren Vormarsch in der Rich: tung auf Erzerum fort. an erwartet daselbst eine Schlacht. _Der rechte Flügel der russischen Aufsteliung be- findet sich bei Olti, der linke bei Wan (am See gleichen Namens).

_ (W. T. V.) Der „Köln. Ztg.“ wird aus Rustschuk vdm 26. gemeldet: Heute Morgen eröfxnete eine der rumä- nischen Vattewrn bei Giurgewo as Feuer gegen Nustschuk. Die türkischen Geschüße auf der großen Schanze von Sam) Bahr nahmen dasselbe lebhaft am. Um 10 Uhr Vorniiitags daucrte das Feuer noch fort.

Giurgewo, 26. Mai. (W. T. B.) Die Türken in Ruftfchuk bombardirten heute das rumänische Ufer, stellten aber da-Z ' Feuer nach einer Stunde wieder ein. Auf die Stadt Giurgewo wurde nicht geschossen.

. Bukarest, 26, Mai. (W. T. B.) Fürst Karl hat seine Jnsfpektionsreise nach der kleinen Walachei ange: treten. Die Donau, dcr Sereth nnd die Aluta sind stark arisireireten und noch fortgeseßt im Steigen begriffen. _ Die Tiirken haben am Donau-Ufer entlang in Entfernnngen von 3 3113 Kilometern Piquets in der Stärke von 30 Mann errichtet, wrlche Untereinander durch Signale kommuni- zireri. _ Zn drr Sitzung des Senates machts Demeter Ghika emen Vorbehalt geltend gegen den dem Fürsten Karl egenüber von dem Minister-Präsidenten Vratiand bei dessen ehter Ansprache angewendeten Titel: König. Der Senat schioß sich den Ausfiihrungen Demeter Ghika's an. In ver- sCchiedenen Orten Rumäniens werden von den Israeliten Sammlungen fiir die rumänischen Soldaten veranstaltet.

_(W, T. V.) Nach erfolgter Anmeldung werden am 14. undn15. Juni von Brrlin drei Trains Zi 20 Wagen mit Gerathschasten zur Verwundetenpflrge expedirt werden, welche der'Beriiner Centralverein zur Pflegs der Ver: wundsten im Felde der Gesellschaft des rothsn Kreuzch zur Verfügung gestrlit hat. Die Direktive fiir den TranSpdrt dieser Hiilfswittcl ist Rumänien.

„_ Dem „N. W. T.“ wird ans Turiiseverin, 27. Mai, chmeldet: Die Donauspcrre bei Ada Kals!) ist heute M'FO ge einer Ordre Abdul Kerim Paschas aufgehoben. Die Türken haben Truppen bei der Timokmiindung zusammengrzdgen.

_ (W. T. V.) Die Torpedos, durch welche in ver: gangener Nacht der türkische Monitor indie Luft gc- spreiigt wnrdr, waren erst in der niimlichrn Nacht von zwei russischen MarinßOffizieren im Ddiiauarm von Matschin drr: senkt worden.

_ (W. T. B.) Nach einem Telrgramm der „Schlrsischen Presse“ aux: Baca U vom hsutigen Tage ist auf dcr Bacauer Eisenbahnstrecke rin russischer Miliiiirtrain verun- glückt. Acht Personsn Und sechs Pfcrde wnrdsn dabei gc: tödtet Und dreizehn Personen verwundet.

Wien, 26. Mai. (W. T. B. Wie aus Vrlgrad hior: her gcmrldrt wird, habcn die srrbischen Brhdrdcn das Ueber- treten von ierdischsnFreiwilligcn nachRumänii-én

vrrbotcn.

_ 27. Mai. (W. T. B.) Das hier und auch answärtcö verbreitete Gerücht, wonach ' eiegentlicl) drr Reiss deH Kaisers von Rußland nach Ziloxsti eins Ziiiammen: kunft desselben mit de;» Kaiser von Orsterrrich an der ösierreichiich=russifchen Grenze stattfinden soütr, wird von unter: richteter Seite als unbegründet bezeichnet.

_ (W. T. V.) Telegramme des „Nsuen Wienrr Tage- blattes“: Vitesti, 26. d. Heute Vormittag eröffneten die rumänischen Batterien bei Slime das Bombardemcnt gegen Nikopdlis. In Kalasat sind weitere 3 rnssische Batterien angelangt. Eine türkische Batterie dci Nahova ist von den Russen demontirt worden. Gestern hai_cin hef- tiges (Geschiihfeucr zwischen Widdin und Kalafat siattgrfunden. _ Orsova, 26. d. Dir ierhiiihe Regie: rung hat gsgen die Anordnung drr türkischen Kommandan- ten, daß Schikff6 Adakale nicht passirrn diirfen, Protest er: hoden. Zn Te ir werden Batterien erri tet.

_ (W. T. B.) Ueber dieExpldsidn des türkischen Monitor auf dem Donauarm von Matschin wird der „Po: litischrn Korrespondenz“ aus Galaix. vom heutigen Tage ge,: meldet: _Die russischen Marine-Offiziere Dnbaschdff und Schessakofs adjustirtrn dic rUmänische Schaluppe „Rtmdurika“ mit Torpedos. Als heute friih gegen 3 Uhr der türkische Monitor gegeniiber Braila Dampf machte und in den Donau: arm von Matschin Einfuhr, näherte sich die Schaluppe mit den russischen Offizieren dem Monitor. Die Torpedoß ex: plodirten-_ darauf mit grdßcr Präzijion, der Monitor ging augenblicklich in die Luft. Die rusiischrn Offiziere crrrichten mit der Schaluppe glücklich das rumänische Ufer.

_ „Hirsch-Z T. B.“ meldrt:

St. Petersburg, 26. Mai. DUS Gerücht von dem Drs-):tiren von Tataren aus dem Krimschen Tatarenregimcni wird offiziell dementirt. Der Conmiandcur der 13. Jnfantsric- Division berichtet an den Kriegs:Mitiister: „„Zu meiner Konnt- niß ist gekommen, daß von Simphcrdpol aus Gerüchte iiber das amgeblichr Desertirrn von Tataren aus der Krimschcn Division verbreitet werden. Nicht ein einziger Tatareiii bisher von der Division deiertirt.“

St. Petersburg, 27. Mai. Das „Amtsblatt veröffent- licht eine ErgebenheitSadresse mohamcdamscher und tatarischer Unterthanen an den Kaiser und _beftiitigt den Eintritt des

ersischen Prinzen Mohamed Ali Mirza m die russische Kau- asuS-Armee. ,

St. Peteerurg, 28. Mai. Die zur Begleitun des Kaisers im Hauptquartier bestimmte GardeabtheilunB it am 27. Mai 111119 Uhr Abends iiberDii1_taburg Wilna, ialistock, Brest, Kasatin, Shwerinka nach Kischene , abgegangen, wo sie am 4. Juni eintrifft und den Kaiser erwartet.

Konstantinopel, 26. Mai. Gesterxi wurde den sämmt- lichen hiesigen Truppen durch Uleizias dre Proklamirung des „heiligen Krieges“ feierlich verkiindigt. '

Serajewo, 27. Mai. Bei Trawmk mehren sich die Schaarcn der Jnsurgenten in dedetiklicher Weise. DeSpotovic lagert bei Glamotsckß _ Die OfleLLÜe „VdSna“ verdffentlicht die Proklamation es Großveziers an die mo amedanifchen Bosmer, den „heiligen Krieg“ verkündend un ihre Opfer- willigkeit anrufend. .

Tiflis, 27. Mai. General Fürst Tschelokaxe f ist seinen bei Ardahan empfan enen Wunden erlegen. _ ars wird Éeßt auch von der Weiseite beZc'hoffen. '

rai a, 27. Mai. Das zertorte türkische Panzerschiff war mit 4 Geschützen ausgerüstet. Von der Mannschaft wurden drei Personen erettet.

_ Das „Fremdenbl.“ vom 26. enthält folgende Telegramme :

Orsowa, 25. Mai. Tausend rumänische Soldaten mit sechs Kanonxyn habrn sick) heute auf Wunsch der Bevölkerung ber„Turn-5;ever1n 'dortselbft gelagert. Sie werden nicht weiter vorriickeii. Die Kasematten von Adakaleh (türkisch) stehen voliitandig under Wasser. Die Meldung von der Be- drohung TurwSeverms durch Adakaleh ist eine unsinnige Entw Dex Kommandant von Adakaleh läßt seit heute'kein Sch1ff pasnren. ,

. Konstantinopel, 25. Mai. Nach einer gestern Abends

eingelangten Depesche „Mouhktar Paichas rücken die Rus: sen von mxhreren Seiten gegen Erzerum vor. Ihr linker Fiiigrl schemt_das Euph rat-Thal gewinnen zn wollen. _ Da die Nachricht von der Einnahme Ardahans vielen aus dieser Provinz hier Eingewandcrtrn große Uiiruhr verur- sachte, so begab sich gestrrn eine Deputation derselben in die Kammer, um drrselben zu erklären, das; sie zu allen Opfern bereit seien, und zu gleicher Zeit, um dir ganze Aufmerksamkeit der Deputirten auf die Lage der Armer in Anritdlicn zit lenkrn. Die Kammer ließ hierauf der Depri: tatio_n,'_nachdem sie deren Anlicgsn angehört und von ihrem patriotijchrn,Anerdieten Kenntnis; genommen hatte, zu wissen thun, daß die Regierimg Nichts vernachlässigen werdr, um sich auf der Höhe der Situation zu zeigrn, und daß die Armee, cin Gegenstand drr fortwährenden Sorgfalt dss Sultans und seinrr Regierung ware., Es sei daher das Beste für den Augenblick, Vertrauen m die Vertretor der Nation und dor Regierung zu haben. Die Deputation entfernte sich hierauf mit dem Rufe: „Es lebe der Sultan!“

_ Ueber drnAufmarich der Russsn (111 dchdnau schreibt dsr „Russische Invalide“ vom 20. d. M.: „Die Vrr: einigung unserer Armee in anänien ist nahezu vollcndrt. Während der zu Ende ehendrn Woche ist dirsr Operation unter den giitiftigstenUmZändrnfortgrseßtworden; das Wcttrr war prächtig nnd die Fliiise sind fast alle wieder in ihr Brit zuriickgetrsten. Die Belagsrunchgeichiihs, deren Tranchdrt immer Sch1Uierigkcit9n macht, sind dcrcits an dsr Dorian an: gekommen; der TranSport drs Gepäckes Und Krieg?:nmtrrials der Armre grht regelmäßig vor sich. In den Fiirstenthiimcrn wcrdrn Depots Und Magazine fiir die: Vcrpfirgniig, dir, Artil- [L'Yétlmd daS (Hrniewcsen, Hospitäler imd Feldpostämter er: rl ) („ .“

_ Aus Rnstfchuk, 21. Mai, wird der „Pol. Korr.“ geschrieben: „Srit einigrn Tagen hat fich nichts chcrkrnk: wcrthch ergrdca. Das Gros; der Donau:Arm€c wird UUUUtGr- drdchrn hier imd in dcr Umgchng konzentrirt. Nikdpdli imd Tiirtnkiri haben drträchtliche Garnisorten erhaiten, zumeist adrr ach Jrrrgulärrn bestehend. Das Hanptqiiartisr bleibt vor:. liiitfig hier. Auf Befehl Addiil Krrims wird dir Garnison von Nisch mit cinrm Thrile drr in Sofia siehcnden Reserve verstärkt. Ebenso haben _8 Batailldiid Rcdifs von Adriaiwvrl mich Risch abznriickrn._ (»Zlcichzritig wurde dic schleimige Ve: festigung von Badina-Glawa, Lcskdwar und Pirdt ÜUIS'JkdUSt. Die Bastionen der Festung Risch wcrdrn ancchdesscrt imd armirt. Die Mustehafiz dcs Sandschakes von Nisch ist fiir den 25. Mai eiiibernfen. Dir Hauptsdrgs dildrt chi dis Stimmung in den dulgarischrn Krcissn. Es ist bcichloffcn worden, die nicht Unbedingt vcrläßlichcn Elemrnte im Ndricmopirr Sandfthake JU internircn. Indessen entzirhrn sich die jungen Bulgarrn disscm Zwangs durch die Fincht. Dir. Civilrsgiernng soil drmniichsi nach Varna iidSrsiodcln, da iiber Rustschuk sammt dem ganzen Smrdschaks dcr VslagsrungH: zustand verhängt werden soll.“

_ AUE Vrlgrad, 25. Mai, meldet man demsrlben Blatts: „Dir türkische Armee hat mehrere Pimktc (111 der Timok-Grenzo, hauptsächlich im chien Kriegr hcsrht grwrsens Positionen, okkupirt. Die tiirkischrn Vrhdrden [affen wrdsr Mohamrdansr, noch Christon von Widdin iibcr die serbische Grenze. Vor einigen Tagrn vernahmen die Türken, daß ser: dische Trnppcn (Hrmnada dcsrßt hättcn. Sofort sandten sie zehn Bataiildns dahin. Nachdem sie sich Üdcrzcngt hattrn, das; das Grriichi faisch soi, traten sir wirdcr don Rückmarsch an. Olfi alarmiren sie WW Trnppendhnr Grand Und [aisrn dir: se dcn bald von, dirid iiach Widdm mariehirrn, vrrmnthlich, weii sie Linen Uedrrgaug dcr Niiiscn dci Turiwchrrin dr: fürchten. Serbien hat bis zur Stunde ksiiirn einzigcn Sol: * daten an die Grsnzr grsthickt. Jm Nothfal'lr kann Scrdirn ZÜZWÄUJS eine Anzahl Truppcn [richt an der Grenze ani:

? rn.“

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Vureait.

Wien, Montag, 28. Mai, Vormittags. Die „Mdiiiags: revue“ schrridt, dir dnrch die Vrrträge von 1856 und 1871 sanktiorrirten Grimdsähr iiber dir, irric. Schiffahrt auf der Ddiiau berührten dir vitalcn Interessen Orsierrrich-Ungarns Und wären von den kriegfiihrsnden Theilen in VOULM Maßc zu respektiren. Rußland hade dirser Auffassung zngestimmt, und wie man zu wissen glaube, dem Wiener Kadiiirte dis diindigstrn Zusicherungen erthcilt. Die Tiirkri hade gin Glsickws untcr: lassen Und ihre Verfiigungrn ssien geeignet, die cntschicdcnste Einsprache OesterreichS-Um arns lcrvorzurnfen. Lrhteres habe. ein Recht zu der nachdriick ichen ;xorderung, daßkcme weiteren Sä)1vicrigieit0n crhodenwiirdrn, als dir Unmiitcldaroii Kriegs: operationsn erhrischtrn, drrlci Hinderniss dürften nicht woitsr chen und ni t länger dauern, als iimmigiinglich nothwendig ei, und mii ten sriner Zeit wieder vollständig iescitigt werden. Die österreichisch - ungariiche Ziegierung sri'bereck): tigt, von der Pforte rasche und voÜjtändigs Adhiilse, wis bindende Zusicherungen iiber die Freiheit dcs Schi s: verkehrs zu erwarten, wir Rußland soiche gegeben ha 9. Die Forderungen der Türkei, “daß die Fairzruge der eziro- äischen anaukmnmifsion die türkische (Flagge anfhi en oÜten, sei unpraktisch, auck) schließe der internatioxmle C a: rakter dieser Kommission eine Stellung ihrer Schiffe unter türkische Oberhoheit aus. Wie das Blatt zu 1131ss811 glaubt, wären in diesem Sinne Instruktionen m'. die Kaiserlichen Ver- treter in Konstantinopel und Bukarest ergangezn. _ -

Konstantinopel, Sonnabend, 26. Mai. Die Urhrber der am Donnerstag siattgehabten Demonstratwnrn smd ver- aftet worden. _ Der persische Gesa'ndte iiderrci te Safvet Jascha heute eine Mittheilung seiner Regieruii , in me cher erklärt wird,Versien werde die freundschaftlickxxt Bezie )uxigeii aufrecht_er- YUM, welche die mohamedamschen Volker vcremr ten.'_ Eine

epefche des Kommandantexi von Suchum Kaleh, asliPascha,

ohne Datmn) meldet: Em türkisches Geschwader mit 350 ;reiwiliigen griff die esiung Erdille'Mrdler) an. Die mit Unterstühung der Arti erie aué-grschifften Truppen schlugen die Russen zuriick, welche 200 Todte zuriickließen. Die Fe tun wurde zerstört, das Gesthwadrr kehrte nach Suchnm ale. zurück. Bei dem am Dienstag M dcr Nähe von Sitchum Kale!)