Sachsen=Weimar-Eisenach. „Weimar, 29. Mai. (Th. C.) Das Steuergeseß für die nächste Fingxxpenqde ist entsprechend den Beschlüssen des Landtages sanktiomrt und publizirt worden; nach demselben beträgt die Einkommen: steuer drei Pfennige von der Mark. _ Für das Großherzog- thum S sen ist eine Gewerbekamnxer in dgs Leben e- rufen wor en. Die Mitglieder derselben werden m der Meßt- heit cFwölf) von den Gewerbevereinen, fünf von den Bezir s- auss ,üffen gewählt, drei von der Regierung ernannt, welch letztere auch den die Geschäfte führenden Kommrffar ernennt. Durch diese Schöpfung ist ein Mittelpunkt geworrnen, der ge- eignet ist, die ntereffen der gewerblichen Thätigkeit na glttg zu fördern un den engeren Anschluß der zuriächst bethe igten Kreise zu gemeinsamem Wirken zu ermöglichen. Die zczhl- reichen Gewerbevereine im Groß erzogt gm, welche schon ]eßt zum Theil eine recht erfreuliche .- hätig ert entfalteten, werden an Bedeutung und Ansehen durch ihre Einflußnahme auf die Wirksamkeit der Gewerbekammer gewinnen. Die Kammer tritt in der Regel vier Mal jährlich, wenn nöthig auch öfter,
uiamnien. Die Errichtung einer Handelßkammer ist vorbe- a ten.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 30. Mai. Der neue Hofstaat des Kronprinzen wird Mitte August sein Amt antreten. Wie bereits gemeldet, wird Linienschiffs-Kapitän Graf Bombelles, bisher Dienstkämwerer des Erzherzogs Franz Karl, die Stelle des Oberst-Hofmeisters des Kronprinzen über- nehmen. Major Ritter v. Eschenbacher ist zum Jliigel:Ad1u- kanten und der der Militärkanzlei des Kaisers zugetheilte Zauptmann des Generalstabes, Markus Bacalovich, zum „ rdonnanz-Offizier designirt. Der bisherige Erzieher des Kronprinzen, Feldmarschall-Lieutenant v. Latour, tritt in don Ruhestand, Wie die „Prag. Z.“ meldet, werde die für den Sommer projektirte Reise des Kronprinzen nach Miramar und der Ausflug nach Vola unterbleiben und begiebt sich Se. Kaiserliche Hoheit Anfangs Juni nach Ischl, um dort wiih- rend des Sommers zu verbleiberi. Fiir den Monat Sep: tember ist, wie die „Presse“ meldet, eine kleine Reise des Kronprinzen nach dem Ausland in Achxsicht genommen, doch ist das Programm derselben mit Rückficht auf die politische Situation noch nicht festgestellt. Wie verlautet, wird der Kronprinz das nächste Jahr bennßen, um den administrativen Dielnft in einer Statthalterei aus eigener Anschauung kennen zu ernen.
SkhWeiz. Bern, 30. Mai. (N.Zii_rch.Ztg.) Nachdem die Redaktion des Bundesgexexes, betrefiend die politischen Rechte der Niedergela senen und Aufenthaller und den Verlust der,p0litischen Rechte der Schweizerbürger auch für die französrsche Angabe beendigt ist , hat der Bundesrat!) die Bekanntmackzung desselben in der nächsten Nummer des VundeHblattes angeordnet. Die Frist für Ein- reichung von Abstrmmungsbegehren wird sonaZ mit dem 31. August zu Ende gehen. Nach Eingang des erichtes der
eidgenössischen Eisenbahninspektoren Über die am 25. d. M. vollzogene Untersuchung und Erprobrmg der Eisenbahn zwischen Siders und Leuk hat der Bundesrath auf Grund des UÖYWM Befundes die Eröffnung des Betriebes
dieser VahnLtr e auf den 1. Juni bewilligt. _ In der estrigen A e frßung des Großen Raths machte dér egierungs : Präsrdent die offizielle Mittheilung von der Annahme des. Schulgeseßes und der Verwerfung des WirthschafthgeseYe-Z durch das Volk. _ 31. Mai. ( “öln. Ztg.) Der Solothurner Kan: tonsrath hat die Petitionen um “ Ulaffung des gewesenen Bischoch Lachat zu kirchlichen Fun tionen abgewiesen.
Niederlande. Haag, 1. Juni. (W. T. B.) Der
Instand der Königin ist so bedenklich geworden, daß der
önig noch heute Vormittag von dem Schloße Le Loo hier erwartet wird.
Frankreich. Paris, 30. Mai. Das „Echo universel“ erhält von Herrn Jyles' Simon folgender:; Schreiben, welches an die Admmistration des Blattes gerichtet ist:
„An demselben Tage, da ich von der Regierung zurücktrat, trugen Sie mir Ihr Blatt an. Ich _nehme es an; nicht um das gefaÜene Kabinet zu vertheidigen: ange1ichts der_Sy-wpathien, die es auf sei- nem Rückiriiie begleiteten, hcdarf es dexxen nicht; auch nicht, um Licht über die Ursachen seines Sturzes zu Verbreitep. Jedermann weiß, daß es "sich zurückgezogen hat, weil es nicht zugehen kaltr, daß eine autorrtare Regierung die parlamenigrische rerdrängie, und weil es versprochen hatte ,_ den Staatsgrießen unnachsichtlich hei ailen Bürgern und her aUen Bekenntniffen Achtung zn verschaffen; aber [ck, nehme es an, um mit einigem Ansehen in der Preise die Pobrrk zu vertheidigen, welche wir durch fünf Monate unter ur'ierhörten' Schwierigkeiten geübt haben, und um für die konservatzv-republixamscbe Partei einOrgan mehr zu gewinnen., Wir Werden, die Republik gegen dre Koalitiort der Monarchisten Vertheidi- gen, die einander ndci) gestern als erbitterte Feinde gegenüber standen und heute in"gemernsamem Heisse Vereinigt ind, Um sich morgen wieder zu bekampfen, wenn es thnen gegen a e Möglichkeit gelingen solLte, die republikanische Verfaffuzig mnznstiirzen,_der MonarÖisten, welche fich den Namen Konstrvatwe anwaßen, wiihrend sie in Wahr- heit aUe Juterefien beunruhrgetx und „nicht'einen Augenblick obfiegen können, ohne gleich in allen Geistern die Erinnerung an Staatsstreiche und Bürgerkriege Wachzur :fen. Wir werden das parlamentarische Re- gime gegen den Anspruch vertheidigen, denKammern Minister und den Wählern Abgeordnete aufzuzwingen. Wir Werden Frankreich gegen die Gelüste einer Partei vertheidrgen, welche der Erbfeind der Gesetz;- lichkeit und reiheit ist und die uns zweimal der Invasion preis- Legehen hat. ir werden die Vernunft und sogar die Religion gegen
[öden Aberglauben Vertheidigen, gegen die () seljsam auferjvecktcn theokratischen Lehren, deren Richtigkeit von a cn kiaren Köpfexxschon län st erkannt 1st, 'die aber in dieser verwirrten Zeit die Unwinenden täußchen und den Listigsn zum Voriraude dienen. Wir Werden zu uns alle diejemgcn rufen, rvclckxe eiiien gleicbeu Abscheu vor dem Bürgerkriege und dem Kriege mit Europa sehen und die Republik liebenSjverth machen wolien,„ auf daß sie stark Werde. Seien Sie meiner dankharen Ergebenheit vxrsirhert. Jules Sin1_o n.“,
_ (Köln. Ztg.) Der Herzog, von Montpenfier 1st 'eute in Paris qngekommen. _ Die Revue, welche alljähr- 1,ch um diese Zeit rm Booulogner Gehölz abgehalten wird, ist die?:mal auf den _17. ?um, den Tag nach der Wiedereröffnung der Kammern, ange etzt worden.
_ 31. Mai. (W. T. B.) Der „Moniteur“ kommt nochmals arrx'die Gerüchte von emem Rücktritte des Mar: schall-Vra rdenten zurück und'erklärt, er 1ehe nicht ein, welche Grunde den Marschqll bestimmen könnten, in seiner wreder oli ausgedrücktexi Ab1icht, vor Ablauf seiner Amtsdauer Lm Ia re 1880 von seinem Posten nicht zurückzutreten,“eine Aenderung eintreten zu lassen. _.Lediglich in dem Falle, daß beide Kammern gegen deir Präsidenten sein scllten, wiirde der LMU? dazu veranlaßt sem könne", mit fich darüber zu Rathe
Jm Uebrigen
der „Moniéeur“ ein günstigés Ergebnis; der künskigén,
L .“ ehen, ob er sein Amt niederlegen folie. ' Élen.
Italien. Rom, 25. Mai. Die gegenwärtigen Minister hatten, während sie in der Opxofition waren, die Forderung aufgesteÜt, daß alle von der Regierung abhängigen Elemente von dem Parlamente ausgeschlossen und dementsprechende Bestimmun en dem Wahlgeseße hinzugefügt werden soUten. Sie haben iese Forderung jeßt selbst erfüllt durch Vorlegung eines Geseßes iiber die parlamentari chen Inkom- patibilitäten, welches ohne wesentliche änderungen an: genommen worden ist.
In den Motiven und in den Kammerver andlungen wurde u. A. hervorgehoben, daß Staatsdiener und rofefforen,welche ohnehin schon im öffentlichen Interesse zu wirken berufen seien, dieser Wirksamkeit um so weniger durch Reiheiligung an den ParlamentSarbeiien eiitzogezi werden dürften, ach vermögedes unvermeidlichen Parteigetmebes die Ob]ektivität ihrer Auf: fassungen gestört und wenigstens in gegnerischen Kreisen ihr Ansehen geschmälert zu werden pflege, '
Was den Inhalt des GcYßes betrifft, so wird rm §. 1 als Regel vorangestellt, daß eamte, die direkt oder indirekt
ach Staatsfonds besoldet“ werden, nicht wählbar sein sollen. *
Vedingungslos hiervon ausgenommen sind nur die Minister, die General=Sekretäre der Ministerien und der erste Sekretär des St. Mauritius: und Lazarus-Ordens. AUdenommen, aber mit der Einschränkung, daß zusammen ni t mehr als 40 ge: wählt werden dürfen , sind ferner se s Beamtenklassen, darunter die Präsidenten und Mitglieder des StaatSrath-Z, so: wie der höheren Gerichtshöfe, Universitäts-Profefforen, Generale und Stabefiziere, mit der weiteren Modifikatiou, daß *sich unter den gewählten 40 nicht mehr als 10 Professoren und nicht mehr als 10 höhere richterliche Beamte befinden dürfen. Etwa iiberschießende Wahlen werden annullirt, wobei das Loos bestimmt, wer auszuscheiden hat. ("iir die Offiziere und Mitglieder der Appellhöfe gilt noch 'die be ondere Veschränkun , daß sie in ihrem gegenwärtigen Amtsbezirke, beziehungsweiße in einem früheren Amtsbezirke, den ste vor weniger als 6 Monaten verlassen haben, nicht gewählt werden dürfen.
Den Staatsbeamten gleichgestellt sind alle Personen, welche vom Staate Konzessionen erhalten oder für den Staat kon- traitliche Leistungen Übernommen haben, sowie Personen, welche im Dienste vom Staate subventionirter Gesellschaften oder Unternehmungen für industrielle Und leandelSzrVecke (Eifeubah11-, Dampfschiffahrtsgesellschasten 2c. ste)en. Außer- dem wird das passive Wahlrecht italienischen c*taatE-angek)örigen entzogen, welche ach Dipwmaten und Konsuln oder sonst in fremde Dienste getreten 1ind.
Zu erwähnen ist endlich die Bestimmung, daßDeputir- ten während der Ausiibung ihres Mandatéx und sechs Monate hinterher kein besoldetes Staatsamt Übertragen, und Beamten, welche Deputirte sind, während gleicher Frist keine, ihnen ihrer Anciennetät nach nicht urrhedingt zustehende Beförderung zu Theil werden darf.
AuMahmeu in beiden Beziehungen sind wiederum nur n Gunsten der Minister und General-Sekretäre, sowie hin- ?ichtlich der Beförderungen in Kriegszeiten zu Gunsten der Offiziere gemacht.
Man darf einigermaßen gesprmut auf die Wirkun dieses ExpeÜmerrteS seinx-WekcheH «oahsjcheinlich dcr advo atischen Elemente ein noch größeres Gewicht in der olvaertretung verschaffen wird. '
_ 28. Mai. Der König empfmg gestern in feier: licher Audienz die neuen Gesandten der Nieder- lande und Portugals, de Wertenberg und Vchoncellos. _ Die D eputirtenk am 111 er hat gestern das Gesetz, betreffend die Mehrbesteuerung des Zucker-Z, des Kaffees, dex“; Cacaos und der Mineral-Oele mit 232 gegen 109 Stimmen genehmigt. _ AUS Genua ist dem Ministerium des Innern berichtet worden, daß dieser Tage ein Straßenauflauf daselbst statt: gefunden Und das Volk die Entlas1ung des klerikalen Mrmizipal: Kollegiums verlangt habe.
Brindisi, 31. Mai. (W. T. B.) Die Prinzessin Yon Wales ist auf der Rückreise von Athen hier ange- ommen.
Grieckeuland. Athen, 31. Mai. (W. T. B.) Das neue Ministerium hat sich definitiv konstituirt, Comunduros hat die Präsidentschaft und das Portefeuille der Auézwärtigen Angelegenheiten, Vapamichalopalos das Mini- sterium des Innern, Condostavolos das Justiz:, Sotiropulos das Finanz-, Notaros das Knltusz Bonboulis das Marine- und Petmezas da?: Kriegß-Ministerimn Überndmmen. Die Trikupis und Delijannis folgenden Parteien haben dem neuen Ministerium ihre Unterstü "ung zugesagt.
_ Wie dem „Reuters en BureaU“ in London cms Athen vom 31. Mai gemeldet wird, ist, in der Vertheilung der Portefeuille-Z insofern noch emeLlenderung eingetreten, als Condoftavolos es abgelehnt hat, das Justiz-Ministerium zu Überne men und statt dessen das Ministerium der Aus- wärtigen ngelegenheiten Übernommen hat. 011 Folge dessen übernahm Conmndnros das Ministerirtm des “Zunern und der
Justiz.
Türkei. Belgrad, ]. Juni. (WTB) De1n„N.W. T.“ wrrd telegraphrsch gemeldet: 'Das Moratorium ist bis zum 4. Juli c. verlängert, die Skupschtina ist zum 15. Juni einberufen. AlL: Nachfolger des KriegZ-Ministers Grurcs, der sein Amt riiedergelegt hgt, wird Alimpicé; Zenwmt. Die österreichischexi onrtors, welche vor der
resigey Stadt liegen, haben die ufgabe, den Schiffen als Condor zu, dienen, .
. _ _Die „Vol. Korr.“ brisrgtemen Bericht aus Serbisch Albanien, (1. (1. 17. Mai, 111 welchem es heißt:
„„Nach Beendigung des Krieges mit Serbien athmete Alles hier, wr") im Grunde enommen, wmig Sympathien für das betrachbarre 1?_urstenthum vor "'.!!de waren, frei arif. Man'gab sich der Hoffnung
,in, daß sick) nun normale Verhaltnisse cntjvickeln dürften, welche eine Enifaltung der Arbeitskräfte gestatten Werden. Leider zog man dre Eventualitäten eines neuen Krieges nicht in Betracht„ unter deiien Konsequenzen unsere Provinz nunmehr viel zu leiden har. Die Regierung braurht nicht nur Geld, sondern arréb Proviant, Transportmittel und Schlqchtoieh; sie kann aUrs das nicht _kaizfltch erjverhen, weil ie Über keine Mittel Verfügt. Eine auSWartige Anleihe ist jetzt s wer zu kontrahiren, und der Ausschrei- bung_'einrs inneren ZwanJSanlehens steht der gewaltig in der Türkei um 11ch greifende Pauperiqus im Wege. Man nimmt also seine Zufluckxt zu ewigen Kontributione31,_d1e das Volk buchstäblich an den
erteiitah bringen. Weni stens rjtdtes mAit-Serbien der Zul]. Vom Getkelde wurde hereits eiiZZ-ehenxglkicb nach der vorjährigen rute erho- ben ; nunmehr läßt der Murenaris ahermqls den Zehent von alien noch Vor- handenen Vorräthen cinheben. Ueberdtes verfügten sich Beamte un-
YYMLÉUYJ TFZÉKFM i_n JZsDörfser des SaYsÖZaYtS sund for en * „*.-*, ' u . «em en e ann em. e (in er mu - ten ein Feed [( ern. Aba thätlichItrp Widerstande War nir enhs dre Rede, wohl aber stoffen reichlich Thränen. Die Bauern ehen 11ch genöthigt, der Erntezeit ohne Zugvteh entgegenzugehen. Die Mohamedaner werden in diesem Grade zur Entrichtung von Ab- ?aben mcht hera_ngezo en, dafür aber müssen sie sämmtlich, inso- ern fie waffenfah|g ind, Haus und of verlassen und nach der Herzegowina marfchiren ..... Wiewo [ die Pforte die un- crhörtcsten Anstrengungen macht, um die Militärkraft des Reiches auf eine noch nicht dagewesene Höhe zu hrin en„ so verhehlt man sich doch niwt, daß auch diese Macht unzulängkzirh fein werde, um dre Gefahren zu bannen. Auch at sich aller mvbamedanischen Kreise in Altserbien der tiefste Pes miSmus hemächkigt. Die an- eifernden und aufmunternden Predigten der Hodschas in den Moscheen können die Stimmung nicht ändern. Selbst die Verkündigung, daß der Sultan als „Ghazi' unbesiegbar sei, lief; die Leute kalt. Dieser Zustand der Gemüther deunruhigt selbst die Vilajetsregier.xng, welche besorgt, daß die VerzWeiflung die Mohamcdaner neuerlich zu gefähr- lichen Exzeffen treiben könne.“
_ U_eber die Zustände auf Kreta, telegraphirt man dem „Ob]erver“ unterm 26. d. aus Canea: „In Kreta herrscht große Aufregung; die Türken eben den Einwohnern bexiändig Anlaß zum Verdruß. Neulich! wurde ein christlicher A cordneter von türkischen Offizieren öffentlich insultirt und Se1tens der Regierung wurde seiner Beschwerde keine Auf: merksamkeit ?ezoüt. ES verlautet, daß in den ländlichen Kreisen tür ische Truppen große Grausamkeiten gezen die Bevölkerung sowie viele Ausschreitungen gegen FraUen verüben._Am Donnerstag machte eine Deputation der kretanischen Legislatur dem britischen Konsul zu Ehren des Geburtstages der Königin Victoria ihre Aufwartung. Es herrs t Unter den Christen eine starke Verve ung zu Gun: sten Eng ands und es verlaUtet allgemein da die britische Regierung formell ange augen werden wird, ein Protektorat Über die Insel herzuste en.“ -
Schroeden und Norwegen. Stockholm, 28. Mai. (H.R.) „Stockholm. Korr.“ widerlegt die bennruhigenden Ge: rüchte, welche neuerdings Über den GesundheitSzUstand der Kö ni gin in Umlauf geseßt worden jind und theilt aus voli- ständig zuverlässiger Quelle mit, daß der Zustand der hohen Patientin in der leßten Zeit im (Hegentheil viel besser ge: wesen ist, weshalb auch kein Grund vorhanden sein dürfte, die Rückreise von Heidelberg nach Schweden auf einen andern als den bisher bestimmten Zeitpunkt, nämlich Mitsommer, hinaUSzuschiebM _ Der Öberstkommandirende im ersten Militärdistrikt, Ge 11 er al -L i e u t e 11 an t Eric Magnus af Klint, ist am 26. d. M. verstorben.
_ (H. C,) Der am 25. geschlossene R e i ck?- t a g hat in seiner dieSmaligen Session nicht viele Geseße von größerer Bedeu- tung an enommen. Die wichtigste Frage, welche vorlag, war die Mi itärfrage, hinsichtlich welcher die Regierung mit ?roßer Mäßigung Und Vorsicht vor egangen ist, und es )at tiefes Bedauern in den gebildeten reisen der Bevölkerung erregt, daß der Regierungßantrag auf Erweiterung der Wehr: pflicht u. s.w. mit geringer Majorität von der Zweiten Kammer verworfen worden ist. Die Forderungen, welche von der Re: gierung zu Vertheidigungszwecken *verlangt wurden, sind da- gegen _ mit AUSUÜ me einer Forderung zu Marmezwecken _ angenommen wor en, gleichwre der Reicthag auch den Re: gierun Hvorlagen in Betreff der Pensionirung der Armee- befehls aber, des Schutzes des literarischen Eigenthnmswchtes und der Nachbildung von Kunstwerken, sowie in Betreff de-Z Landpostwesens, der Stockholmer Kommunalverwaltung, des Vollzugs der Todesstrafe 11.7. w., seine Zustimmung gab. Die von der Regierung pro 1878 verlangten 6 Millionen Kronen zum Bau neuer Eisenbahnen sind ebenfalis bewilligt worden und solTen zur Foiseßung der Arbeiten der Bahn von Torpshammer bis zur Reich?:grenze und der nördlichen Stammbahn verwendet werden.
Amerika. Aus Washington wird dem Reuterschen Brtreau unterm 29. d. M. per Kabel gemeldet: Der Präs i dent Hayes hat ein Schreib en an den Sekretär des Schaßamtes, Mr. Sherman, gerichtet, worin er Einschränkungen in den StaatSachgabeti empfiehlt und die Nothwendigkeit einer Reform des ZollamtsdiensteH auf einer geschäft- [ichen Basis, frei von parteigängerischer Kontrdle oder poli: tischer Einmischung betont. Mr. Sherman hat demgemäß Verordnungen erlasien, welche diese Prinzipien unverzüglich auf das New-Yorker Zollamt in Anwendung bringen. _ ES hat ein Gefecht zwischen Indianern und Bun- destruppen stattgefunden, in welchem eine Anzahl der ersteren getödtet wurde. Ein amerikanischer Offizier und stehen Soldaten wurden verwundet, und vier-Soldaien blieben todt auf dem Platze.
Afrika. (A. A. C.) Aus der, Kapstadt wird Unterm 18. d. M. iiber Madeira gemeldet: Cetewayo, der König der ZUlU'Z, hat die Armee zurückberufen, mit welcher er TranHvaal bedrohte. Ein Telegramm der „Cape Times“ meldet die Ankunft von 1000 Mann britischer Truppen in Prätoria, der Hauptstadt von Trané-vaal. Zn Bioen- Rntein, im Orange:Freistaat, wurde das Bildniß deH edacteurs :e?- „Expreß“ verbrannt, auf Grund eines anti- englischen Artikech in seiner Zeitung iiber die Annexion von Transwaal.
Der rufsisoh-tZ-irkifche Krieg.
St. Petersburg, 31. Mai. (W. T. B.) Nach einer Meldung der „Agence Russe“ würde Fürst Milan von Serbien den Kaiser Alexander in Bukarest begrüßen, eine Begegnung des letzteren mit dem Kaiser von Oester- reich sei nicht in Frage gekommen.
London, 31. Mai. (W. T. B.) Im Unterhause erklärte auf eine Anfrage Sandfords Unter-Staatssekretär Bourke, die zukünftige Politik Englands hänge voll- ständig von den Umständen ab, dre englis e Regierung habe jedoch GrUnd zu glauben, daß weder “Ruß _and nocheine an- dere Macht der Meimmg sei, daß dW Friedensbedmgungexi andere sem könnten, als solche, denen Europa überhaupt bez- pflichten würde. “Die diplomattscheti Aktenstücke über die Unterredungen des Marqms von Salisbury mit dem Herzog Decazes und mit dem Fürsten von VLHmarrk könne er nicht vorlegen, weil solche durchaus vertraulicher Natur seien. Was die Jrageanbelange, ob Rußland Vorschläge in Bezug auf die okalisirgng des Krregeéz gemacht habe, so könne er nur sagen, er wrsse _von keiner) Mittheilun en sobcher Art von Seiten Rußlands, dW durch die englische egierung abgelehnt worden wären. Sandford zogonach dieser Erklärung den Antrag auf Vorlegung der gedachten diplonmtischen Aktenstiicke zuriick. _
Jm ortgange der Sitzung richtete Elcho die Anfrage an die egierung, ob dieselbe auf die Eventualitäten eines Krieges vorbereitet sei. Der Staats-Sekretär des Krieges Hardy, erklärte, es wäre zweckmäßiger gewesen, eine okche Frage zu unterlassen. Da dieselbe qber emmal este t sei, so erkläre er, es sei Pflicht der Negrerxmg arif ]eden Nothfall vorbereitet u sein und obschon sie dre Streit: kräfte Englands auf dem riedensfuße erha_lte, habe sie doch mö liche, aber, wie er hoffe, nichtwahrscheinltche Eventualitaten ni t außer Acht gelassen.
London, 31. Mai. (W. T'. B.) Bei einer in Bir- mingham zu Ehren Gladstone's stattgehablen Demonstratwn, an welcher sich Zkegen 30,000 Personen bethe1iikgten, telt Gladstone eine ede, in welcher er die Polrti der__ e-
ierung an griff, welche daS Einvernehmen der eurovanchen Zxkächte gestört habe und daher für den Krieg verantworthch emacht werden müsse. Gladstone rechtfertigte die Agitation m der Bevölkerung und verlangte die Auflösung des Parlq: mentes, damit das Volk den Beweis liefern könne, daß e?- mit der liberalen Partei sympathisire. Der Redner wandte sich schließlich auf das Entschiedenste gegen das von der Pforte be: folgte System.
Europäischer Kriegsschairplaß.
Bukarest, 31. Mai. (W. T. B.) 'Die von dem türki- sch-cn Yülfskomité erhobene Beéchuldiguzig, daß das Ho: fpita von Widdin durch die rumäni1chen Batterien von Kalafat bombardirt worden sei, wird von rumä- nischer Seite auf das Entschiedenste als unrichtig bezeich- net, das Feuer der rumänischen Batterien sei durch die Obersten Gaillard und Doctoroff Zeleitet und lediglich gegen die Forts der Citadelle und gegen as türkische Lager gerichtet worden. Auch hätten Berichterstatter der verschiedensten Län: der dem Bombardement bei ewohnt und könnten bezeugen, daß die türkischerseits aufgehztellte Behauptung jedweder Be: gründung „entbehre. '
Konstantinopel, 31.Mai, (W. T. V.) Die Pforte
'lat bekannt gegeben, daß sie beabsichtige, demnächst an ver:
chiedenen Punkten der Dardanellen und in der Baywon Smyrna Torpedos legen zu lassen.
Wien, 1. Juni. (W. T. B.) Telegramme des „Neuen Wiener Tageblattes“: Kladowa. Der größte Theil der rumänischen Armee ist in der Umgebung KalafatS kon- entrirt. Das Bombardement auf Widdin hat die
ortige türkische Militär-Dampfbäckerei zerstört. In Folge der bei Adakaleh durch die Türken erfolgten Donansperre soll demnächst auch Adakahlel) bombardirt werden.
_ Wie die „Pol. Corr.“ mekdet, finden in der Umge- bung von Adrianopel fortwährend Arxfnahmen durch Genie: Offiziere statt, welche die Anlage von einer Reihe von Be: festigurrgerr aller Balkanpässe bezwecken. Arte! eine andere militärische Vorsichtswaßre el, welche mit Riicksr t auf die Unverläßlichkeit des [mlgarrs en Elementes gerechtfertigt erscheint, rst der Erwähnyng werth. In Folge „des BMUDLZ einer Eisenbahnbrücke bei Ye11r-Mahale wrirde die Verfügung getroffen, daß „alle größeren Eisenbahnbrücken permanent mi: litärrsch ,okkupirt werden. . Einstweilen wird dreier Dienst, ebenso wre der Garmsonedienst in Adrianopel und in anderen Vunktexi des VilaÖZts, v0n_den Mustehafiz versehen, da Niles, was Nizam und edtf [)?-ißt, zur Donau-Armce “abgegeben werden mußte. '
_ Ueber dre Zerstdrnng des zweiten türkischen Monitors veröffentl1cht der „St. Pet. erold“ vom 29. Mai folgendes Telegramm des Großfürsten- ber:K0mmandirenden vom 28. Mar:
„Heute legte ich selbst den Lieutenantéä Duhaffoff und Schesiakoff Georgskreuze an. Drese heiden Tapferen und mit ihnen Lieutenant Petroff, die Midshipmans_P_ersii:1, Bak und der rumänische Major Murshexko gingen in den 1icheren Tod: nur Gori rettete sie vor dem Unterzange. Den ersten Schlag derseßte Lieutenant Duhaffoff von dem “utter „Zesarewiisch“, Über den sofori die Meilen schlugen; den zweiten Schlag, der den Untergang des Monitors definitiv ;;:achte, Versetzte Lieutenant Schestakoff Von dem Kutter „Ksenia“; heide Schläge Wurden unrer einem a el Von Bomben und Kugeln der türkischen dieselben fast erirhrenden Z Monitors hejverkstelligt. Der Kutter „Ksenia“ rvurde mit Bruch- stücken des Monitors derart überschüttet, daß selbe die Schrauben verstopften und es nothWendi Wurde, denselben knapp am Bord des sinkenden Monitors, aus de en Thurm die Türken d(is Feuer fort- feßjen, zu reinigen. Der Kutter des Midshipman Persjin „Dshigit“, desien Hintertheil von einer Kanonenkugel durchlöchert und der durex) eineßzweite knapp vor dem Schnabel gefaUeneKanoxieukugel mrt Waiier, gefiiÜt Wurde, mußte zum feindlichen Uxser abgehen, um dre nöthige Ayéhefferung und daS Wasieransschöpfen vdrzunehmen. Der Kutter dcs Midshipmans Bal „Zesarervna“ hielt 11ch die ganze Zeit hindurch bereit, die Bemanmmg' des Kutters „Zeiarewitsch“, dem j3den Augenblick das volle Utiiersmken drohte, an Bord zu nehmen. Major Murshesko und Lieutenant Peirow waren die anze Zeit hindurch die thätigsten Gehülfen von Duhasioff und Sehe takoff, Und befanden sick; ungefähr 20 Mixmten unter dem Feuer von Geschützen, “reren Mündung sie fast berührte. Unsere'Helden verioren durch WiUen der aUmächtigen Vorsehung auch mcht einen Mann und kehrten hei anhrechender Morgendämme- rung'nach Braila zurück. Nach Ent_fernung der übrigen türkischen Monitore richteten Dyhawff, Pers1in und Bal neuerdings ihre 3 Kutter gegen den geiun enen Monitor und nahmen von dem1elhen die Flagge berlxnter. Die Matrolsen zeigten sich als Wahre Helden: da war mcht dre mrndefte Aeugst ichkeit zu sehen, gar kein (Gespräch, als wre wenn 11e heim Unterricht wären. Auf den 4- Kuttern befan- den sich 40 Personen.“
' _ Aus Danilogrqd in Montenegro telegraphirt em Korrespondent der „TrxneS“ unter dem 27. d. M.: „Alle An aden, daß montenegrmrsche oder russische Offiziere an den auf ländischen Bewegungen in BoHUien Theil Nehmen, sind unbegründet. Montenegro wrrd keinen Schritt thun, welcher Oesterreich unangenehm berühren kiinnte, und ich erfahre auI hochoffizieller Queue, daß keit] einziger russischer Offizier Nach Boeiiien entsendet worden tft.“
_ Cettinje, 22. Max. Der „Vol. Korr.“ wird von hier gexchrreben : ,
_ Es scheint, daß die vor drei Tagen erfolgte Abreise des Fürsten Nikolaus von Orja-Luka als das Signal zumFBegmne der Opera- tionen in der nächsten Zeit zu betrachten sem durfte. Am 19, d, M_ bekam das Fürstliche Hauptquartrer ganz unerwartet dcn_Vefeh[, nach dem Duga-Paffe aufzuhrecherr. Man ubersexste aus kleinen Rachen die Zeta, während der Tram den Weg uber Danilov-Grad MZH"!- wo dieser Fluß Überbriickt ist. Der Marsch riach dcr Herzego- wlnkr Grenze war, wie der Sekreiar des Fursten Popovich bxkrher meldet, sehr heschWcrlich. In Ostrog, an der Grenze, [Ueli [LÖ der Fürst nur acht Stunden auf und begab. fich darauf m Beéilettung des Personals dcs Hauptquartiers über dre Grenze nach LU MP, wohin der Kommandant des herzegowim]chen Corpd Peter Vukottts berufen wurde. Der Fürst passirtc Povxje, Plammca und
h;:rt bei N_ikfic vorbei, wo die Türken wghrscheinlich die Nähe des ?yrsten nicbt vermutheten. Wie, es heißt, wird Fürst Nikolaus enxXauptqr-mrtier in Lukowo auischlggen und bis zur eventuellen Ero nyng einer Aktion gegen Nzkm dort verbleiben, Allem Anscheine _ nach dürfte es nnt letzterer Anfangs Juni voÜer„Ernxt Werden. Die Stärke des Corps ngotits ist eine solche, daß 1ie „e_me Operation in größerem Style gestattet. Vorige Woche erhielt diejestrps einen neuen Zuwachs durch drei Bataillone, wxlcbe neuerlich aus Herzegowinern formirt wvrden sind. Im Ganzen durfte dieses Corps hei 12,000 Mann Mit 16 Geschützen und einer Beeratterie stark sein. Die Türken unter Suleiman Pascha Verfugen nach ganz verläßlichen Daten über 30 Bataillone, zr: 500 Mann das BataiUon durchschnittlich gerechnet, rvas die mortenegrinischen Hoffnungen auf_ neue Erfolge nicht herabzusttmmen geeignet ist. Unx dre, Montenegriner mit Erfoia m_Schach halten zu können, mußte ,bei den gegebenen Terrain- Verhaltmnen mindestens eine dreifache turkrsckxe Uebermacbt vorhanden sxm, was eben nicht der al] ist I!) "Ostrog, am Eingange in den Duga-Paß, 1irid heträrht iche Quantttaterr an Munition und Pro- vranx aufgestapelt worden, Bis zum Spatherbste find die Monte- negriner mit Allem versehen. Auck) an guten Waffen ist kein Mangel. YerkFürst ließ an alle jene Montenegriner, Welche noch in der vor- ]ahrigen Campagne fick) alter Vorderlader bedienen mußten, nunmehr Hiriterlader vcrtheilen.
Asiatischer Kriegsschauplatz.
St. Petersburg, 31. Mai, (W. T. B.) DIe von der türkischen Regierung mittelst TeleJramm an ihre Vertreter im Auslande gemeldete Wie ereinnahme von Ardahan ist augenscheinlich unrichtig, da noch heute urid zwar vom heutigen Tage datirte Telegramme aus:“: T1fl1sh1er eirigegangen sind, welche dieses Ereignixes keine Erwähnung thun.
St. Petersburg, 31. Mai. (L. H. T. B.) Aus TifllÖ wird hierher berichtet, daß dort Armenier aus Wan in schrecklich elendem Zustande eingetroffen sind. Die Erzäh- lung der türkischen Gräuel ist schauderhaft. Vor den Augen des Einen wurden zwei Söhne getödtet, die Fran und Töchter entehrt und erdrosselt. Die Türken rauben, plündern. Und morden in Wan. _ Die Türken verloren bei Ardahan 4000 Mann; 1500 Mann wnrden beerdigt, 2 Bataillone er: tranken in der Kura. _ Die Leitung der in dem Ardahan: schen Bezirke eingeführten russischen Verwaltung übernahm General Popko.
St. Petersburg, ]. Juni. (W. T. B.) Telegramm des Ober-Kdmmandirenden der K a U k a s u c;, a r m ee vom 31. Mai: .Bei der Bevölkerung von Kabuleti machtsich eine fried: lichere St'mnmng bemerkbar. Jn eiuigen Dörfern haben die Einwohner die Waffen aus eigenem Antriebe ausgeliefert, andere haben ihre Unterwerfun erklärt. _ Das anhaltende Regenwetter verhindert no ) immer größere Bewegungen. Die Hauptkriiste Unserer Armee stehen bei Kurs. Eiiie Ko- lonne ist südwestlich dirigirt, um die bei Soghanligh erschie- nenen Türken zu beobachten. _ In einigen Dörfern des T ere k- gebietes brach ein neuer Au stand aus:; es wurden des: halb zwei Kolonnen dorthin gesandt, welche die Jnsurgenten zerstreuten Und die Ansiedelung des Hauptanfiihrers des Auf- standeH, Alib'k, zerstörten. Eine der Kolonnen unter Oberst Nakaschidse stieß bei Siuch auf eine Schaar von circa 500 bewaffneten Einwohnern, von denen 80 gctddtet, 100 ge: fangen genommen wrkrden. Die aufständischen Anlen Artluck) und Danuch wurden zerstört. Die Bevölkerung der iibrigen Aulen verhält sich ruhig.
Tiflis, 29. Mai. (Tel. dW. „Pr.“) GeneralTscher- najeff hat seine Eintheilung als zweiter Brigadier bei der. 21. Infanterie:Division, General-Lieutenant Petrow, erhalten. _ Drei der hervorragendsten Mitglieder der Gesell (haft vom „NotheU Kreuz“ sind hier eingetroffen, um die Direk: tion des Feld-Sanitätéowesens zu Übernehmen. _ Von der Armee werden nur unbedentende Rekognonirungé: Gefechte der drei vorrückenden russischen Kolonnen gemeldet.
Varna, 30. Mai. (Tel. d. „Fremden-Bl.“) Wie ver: lautet, habe der Serdar Ekrem verordnet, daß aiie Tscher- kessen, welche die russische Armee verlassen und sich nach Bulgarien flüchten, hierher geschickt, und von hier dann per Schiff nach dem Kaukasus znr Verstärknng des Auf- standes daselbst gebracht werden solXen.
_ Die „Pol. Korr.“ veröffe11tlicht_ den ersten ans amt: licher russischer Quelle stammenden Bericht aus- dem Haupt: quartier de?) Alexaiidrdpoler Corch der Kaukasxxk- Armee, dem wir Folgendes iiber den Einmarsch der Runen in das türkische Gehiet entriehmen:
„ Lager vor Saim, 30.(18.)Apri1.
Am 24. April Überschriften hei TageSanhruch die ersten Abthei- [ungrn der rusfisrhen Kavallerie gleichzeitig an_mehreren Stellen d'en die Gunze zwischen Rußland urid _der Türkei hildxnden Fluß Ar- Patschaj. Die nichts ahnenden türki1chen Grenz-Kordons wurden so- fort efangen genonnnex. Es folgten Uvex" Yomhrvirfe Kavailcrie- Diviigionen untcr Kommando des Gerieralsz Furjten„Tschcrwtschawadse. Jugenieur-Oberst Bulmrring sihlng in3w1schen her_Ba1andura etx1e Briicke nach K'apelschem System über den Arp,at1chcrj.,_, Dre erste und zweite Brigade der kaukasischen Grengdter-quwn waren die ersten, Welche die Brücke pas1irten nnd die Straße nach Kars einschiugen. Das ganze Thal des Arpatschax hex ' der Qua“- rantaine War mit Lastwagen, Geschulzen, Mumiwns- urid Provianikarren, Infanterie: und Kavallerie,: Ahthetltmcien, m augensclwinlici) buntem Durcheinavder rznd doch in größter Ordnung vorwärtsschrritend, gedrängt vol]. Regiment narh Regtmerzt zog an der Quarantaine, Wo sich der Corps-Kommandtrende postirt hatte, vorbei, pasfirte die einige Stunden vorher geschlagene Brücke und betrat das feindliche Land. Fortwähicnd bra te man „neue Ge- fangene, die dem General r*orgestelii und so arm Mrtergehrachr wurden. Hinter der Brücke begann em steller Aufgang zum türki- schen Lager. Tausende von Bewohnern Alexandropoxs halfen der Be- mannung die Lasitvagen nnd Geschixize „u dem stellen Ufer fortzu- bringen. Knapp daneben bereiteten 11151111 chen Sappeurs einen netzen, leichter zugänglichen Aufgarig. Anf der Kar§schen _Chauffee zeigte fich eine Kavallerie-Ahtheilung. Es waren dies rus11sche Dragoner, die eine Partie türkischer Reiter esiorttrten. Den Dragdrzern folgten iürkische Kurden und Karapachcn, die dem „weißen Czar“ ihre Dienste anbieten wvÜten. Die Gefangenen wnrden rn die Stadt gebracht, die nenenMilizcn blieben bei den Truppen. Dre gefangenen Suwaren hatten ein kräftiges gesundes Atré-sehen und grzxe Pferde, doch schlechte Equipirung. Ihre „Magazingervehre“ waren 1ammtl1ch noch, geladen, da die Türken in Folge des p[öylrchen Uehcrfalles gar nicht zum Schuß gekommen Waren. Das Corps zog langs dcr Heerstraße, deren beide Seiten durch Infaiiteric-Abtheilungetx, Tirailleursketten und Rekogrwszirungs-Detarhements der irre ulareu , Kavallxrie gedeckt Wurden, in der Richtung naeh Mollah- 1an hin, wo ami) etwa 6 Werft von dem Uebergangspunkte 'das erste Brvouak aufzeschlagen wurde. Die Truppen lagerten sich in 'dem'breiten Bergkc1el längs des Dorffluffcs. Der Stab placirte sich in Erdhütten riygs um den Corps-Kommandirenden. In der Nacht hatte die rusfi1che Ka- vallerie eine kühne RekognoSzirung vorgenommen, bei der es ihr ge- lungen War, durch cinen überraschenden Ueberfall den geZammicn „titr- kisch€n Grenzcordon sammt Pferden „und *Waffetz 0 ne jegliches Blntvergießen aufzuheben. Dir irregulare Kavallerie trieb den Feind
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ba_ufenweise vor fich her und verbreitete ringsum panischen Schrecken. I)ie KgraUerie brachte am folgenden Morgen 177 türkiycbe Gefangene ein,“ die von Mollah-Musia über Alexandropol nach Tiflis weiter befordert wurden. Im Gegensaxxe zu den am vorher eganqenen Tage Emsebrachten waren diese türkischen Gcfangexien re t- gut ISMN)“ und kemeSrre s cntrnuthigt. Bereits um 5 Uhr Morgens War Alles zumkAufbrzr e bereit., Die Avantgarde zog längs 'der breiten ;Deer- straße. Dre _Jnfanter1e_ dewcgte iich, beiderseits durch Tirailleur eiten gedeckx, vorwarts". quchezr den einzelnen Regimentern zogen schwere Gescknz 'e, Ut_1d rucxwarts dle Daghestaniäye irreguläre KavaÜerie. Die Abthei urig jetzte Uch lan_g1am undrorsicbtig in Bewegung. Die in der Zwr1chen§e1t fortrrahrend eingebrachten Gefangenen wurden längs des Zyges, unter freudigem Zuruf der marschirenden Soldaten, Wetter befördert. Der große Train machte ein rasches Vorwärtsgehen unmöglich. Das in zrrei Kolonnen mar- schirendc Corps legte am 25. nur 7Werst und an126.9Werstzurüch. Unendlich schien die Reihe der je mit 4 kräitigen Pferden bespannten und mit Leichtigkeit 60 Pixd ziehenden Lastwagen. Am 27. rückten die Truppen, von dem Feinde vollständig unbelästixt, da die weit vorwärthegangene Kavallerie einem jeden everztue en_Angriffe vor- beugte, in der bereits erwähnten Ordnung von Kisis-Tichacbtschach in dcr Rrchrung gegen Dshamusli aus* der Stab blieb in Kisil-Tsrhach- t1chach bis_ 12 Uhr Mittags, ire erit der Corps-Kommandirende auf- bracl). Dte Kolrmie Überschrift den in den Arpatschaj mündenden Fluß Karachanhchaj (auch KarF-Tschnj genannt). Die Ufer denelben md_nicht sehr steil; die Breite beträgt 6 bis 7 Faden, nnd das Waver reicht bis zum Gürtel. Eine Brücke wurde nicht geschlagen. Die_Kaval1erie, Artillerie_und- drr Train zogen direkt durch das Waiier, die Infanterie pajfirte den Fluß mit Entledigung der Unter- kkeider, die an die Bajonnete gehängt Wurden. Für die Nachhui Wrirde durch den Oberst Bulmcring 'm 'der Nähe des Dorch' Dshamusli binnen drei, Stunden eine Brüéfe ge- 1chlagen. Dre Truppen passrtcn die Brücke und lagerten sich an dem linken Ufer des Kars-Tschaj. Mit der Uebertragung des Kom- mandos drs Hartptcdrps der KaukasUF-Armee an den General Loris- Meltkdff ist ritr glücklicher Griff gemacht Werden. Das Territorium, durch Weiches derselbe sein Corps gegen deaneind führt, ist dem General in MW seinen Details bekannt. Melikoff kommandirte Wahrend des Krimkrieges eine besondere, aus aÜcri möglichen Eie- merg'ten formirte Ahtheilmrg; in derselben Waren Armenier, Grufinen, rusnschc und türkische Unterthanen, die aus beiden Lagern desertirt Wgrex1,_ Karaparhen, Griechen :c. 311 finden, Melikoff zeichnete sich mri 1emer Legion in der Frige bei der Erstürmung von Lars „ius. Demselhen Wurde nach der Einnahme der Festung und der Beießrmg des garizen Karsséhen Pasckyaliks dic Vern*a[tung Von Kurs iibertrageri. Troß der in das benachbarte Ddrf S_chachnadgr gejandten Proksamation waren viele Berrdhner demelden m deerrriséhenzeit geflohen. General Melikoff erthei[te den Befehl", die Hänser der Geflohenen zu demoliren, und Wurde „leizferer mit aller Strenge außgefiihrt. Ein Türke und ein Armenier Jingerr den TWPPLN mit ihren Aussagen an die Hand. An die Hanser der aniickgehliehenen wurden Wachposten gesteUt; der Rest des, Dorfes wurde zum ahsrhrrckenden Beispiel der Ver- mckytmxg anheimqegehen. Um 3 Uhr Nachmittags traten die TrUppen neuerdmgs den Marsch an, Der Weg Wurde felfig und steil. Links erhob sich der Berg Kara-Gusy mit dem Dorfe Jndshw-Dara am Fuße. Weiter zog 1ich der Berg Karajai, der eine wichtige RoUe in der Schlgihr hei K'urUk-Dara spielte. Die Truppen Passirten Litre felsige und stark getrundrne Schlucht, aus der ein heller und klarer Bach eniiprang, und betraten das berühmte Kank-Dara'srhe Schlacht- feld. Hier hatte im Jahre 1854 eine Handvoll Russen eincn vier- mal stärkeren Feind aufs Haupt geschkanen. Auf dieser Stelle Wurde das Bivouak anfgesrhlagcn nnd der Feldtelegraph gelegt. An diesem Tage legten die ruUischen Trappen zehn Werft zurück. Am 28. um 8 Uhr Morgens wurde das Lager bei Paldyrwan abgebrochen und die Kolonne nahm den Weg Uwi) Saint an.
_ Ueber daß, Wesen und die Wirkungstähigkeik der Tor: pedch- enthält (nr Artikel der „Nep. Frau?.“ nicht ganz als: geizZem bekannte einzelne Details. Derielbe lautet ansZUJK: WA SI
„Ohwvhl die Torpedos Vorzugsweise eine D_cfe11sivwaffe Und deshalb auf dem Schwarzen M*cere fiir die Raßen, die dort auf die Vertheidigung angewiesen sind, vdn großer Bedeutn'ig ist, syielen die Torpedos anch cine 111ächtige RV][O.T1[§ Angriffsw-affen hei Kämpfen anf offenem Meere und hei der Küstenrerthcidiqung. Aile Marmcn Europas haber) mit den Torpedrs eingehende Versuche an- gesteUt und sind 10_ ziemlich alle zu denselben Resul- taten, zn demjeiben Grade der tilkemmenheit in dieser furchkhareri Waffe gelangt. Die Ruhen Waren die ersten, die im Krimkriege von den_ Torpedos Gebranch machten, als die Engländer und Franzo1en_ durch die Ostsee heranriicken troÜten. De_r Torpedo, der zur Descnsive gedraucht wird, ist ein rundes Gcfßß aus hgrtem Metall, Weiches wir einem erplodircndeti Stoffe, meijt mit Nrtro-Glycerin, gefüllt ist. Er ruht auf “rem MeereSgrunde an einem Orte, dessen Lage ganz genau bekannt ist. Die Torpedolinien [aufen gewöhnlich Miteinander parallel oder fie pasxrn sich der Gestalt der Küsten an, die si: zu vcriheidigen haben. Jeder Torpedo sicht mit dem Ufer durch einen Faden in Verbindung, der mft einer starken elektrischen Batterie zusammenhängt. Nile Fäden find inudteser Baiterie an einem Orte vereimgf, der vor den feindlichen Gcsrhwxen sicher ist. Riickt ein feindliches Gcsrhrrader an die Küste heran, 10 he'dhachten zwei Mann genau die Bewegungen der feind- lichen Schiffe. SiUd die Beobachter sicher, das; sich ein Schiff über einem Torpedo odrr im Bereich seiner Wirkunéiskrast Befindet, so setzen sie den Torpedo durch den elektrischen Fan en in Brand. Die Wirknng ist blitzartig. _Jn tausend Atome zerschmettert rersiizkt das Schiff mit der Manmchaft. Da es keinen hxsonderen Schwierig- keiten unterliegt, die Fäden, welche die Torpedos mit dem Ufer der- binden, ahzuschneiden, sind natürlich noch starke Batterien an den Ufern nöthig, Um die Annäherung feixidlikher Boote zn hl11021'11.' Die Angriffs-Torpedos Werden gewöhnlich im Vordertheilc [richter Fahrzeuge angebracht, deren Fahrgeschwindigkcit „18 Knoien in der Stunde beträgt, eitir Gesrhwixdigkeit, die bisher kein Kriegsschiff erreicht hat. Kühne Seeleute. mümen Uch iazu hergeben, um die Torpedos in, die Mitte der Feinde zu bringen. Daneben giebf es auch sick) selbst bewegende Tor- pedos, Welche ihre Foribewe ung kdmdrlmirter Luft verdanken, die eine oder zivei Schrauben frei t. Sie sind so konsiruirt, _daß sie tm Stande sind, die Richtung innezukalien, die ihnen vom User aus ge- geben wvrden ist. Der Erfinder der Torpedoschiffc', deren Schnellig- keit vordem niemals erreicht worden war, heißt Tornicrofft. Cm solches Boot kostet 80,000'Fra11cs. Drei Mann genügen zu se_mer Bedienung. Sobald em Geschrvader von Panzerschrffen emen Hafen rekognosziren will, oder sich dem Ufer nähert, _um eine giinstige Gelegenheit znr Landung zu suchen, wcrden dre Torm- croffts, die sich in den kleinsten Einschnitteri des Ufers verbergen können, sofort ins Meer gelaffen. Sie flregen wit „fabelhaftX Schneliigkeit auf das Geschwader, das nicht einmal mehr im Stande ist, zu fliehen. Jedes Boot hat sich semexx Gegner ausxzesucht, aiif den es lossiürzt. Sicher wird mehr 916 "6113973 rm, Kampfe nytcrlre- gen, aber der Verlust ist ein verhältnißmaßrg m_crnrgcr. Gelingt _es nur einem, feinen Torpedo anzubringen, so ver1rhwnxdet cm Schiff Von 12 oder 14 Millionen Werth Mit, 600 Mann 111 den Finthen des Meeres. Die Nacht und das nehltgr Wetter sind fur die An- griffe der Torpedoboote besonders gunstig. Dre Vertheidigungs- mittel , Welche die Panzerschiffe btsber angewendet haben, haben ßck) als uanreichend erwiesen. Sobald aber doch die Torpedoboote zuruck- ewichcn sind, beginnen die sich selhst bchgenden Torpedos ihr furcht- Jares Werk, drm Niemandrmtrmuen'kann. Ein solcher Torpedo vermag bei einer Schnelligkcir von 8 bis 10 Krzoten "800 Meter zu durchmessen. Hgt er sein ZW! verfehlt," und ist seine Bejvegungs- kraft ersrböpft, 19 sictgt er an die Oberflache nnd bildet noch em ge- fährlich?; Hiudxrniß, welrhcs der Feind nicht ohne Schaden .'."ther- winden atm.“