Für China blieb die Hauptbezugßquelle des Bernsteins Birma, "von wo aus er sehr früh eingeführt wurde. In den _Annaiezn der späteren Handynastie wird erwähnt, daß aus Ai [ao (Birma) ern- stein zusammen mit Kupfer, Gold, Siiöer, Perlen usw. uber
ünnan nach China gelangtr, nach LanSk „ schorz im _ersien
abrbundert, als die Chinesen mit Yünnan UGbSiJ m BIrUb-„ung kaumr. Der früheste Bericht über den birmanifcben Bern- siein stammt von dem portugiesischen Jesuiten Alvarez Semsdo, der 1643 in Rom ein Buch über China veröffentlichte, in dem er erzählt, daß der Bernstein in Birma aus der Erde gegraben Werde; er sei tötet als der unsrige und werde geßen Katarxbe bemzkt. Aber die nähere Kunde verdanken wir erst der oben erwahnten b- bandlung von Noetling im ,GlobuS". Er wies dcn Ort Maingkhwan im Sbanlande ais Ursprungsqueile nach, wo der Bernstein „gewonnen und im rohen Zustande über Mogung von Chinesen nach Yunnan ge- bracht wird. Das eschab nach chinesischen Quellen schon im ersten Jahrhundert. Im ittelalter wnrde "dann fur China eine neue Bern- fieinqueile durch die türkischen Stamme in Zentralasien eröffnet. Dafür [iegen Beweise aus dem zehnten Jahrhundert vor. Da aber Turkestan selbst keinen Bernstein besitzt, so mnixte er dorxbin(Samar- kand Kotan usw.) aus dem Westen gelangt sein- Dafur sprtcht ein perfiiches Werk des Eddin Mohamed Ufi aus dem 13. Jahrhundert, in dem er von dem Handel der Chinesen nacb Cboraffan berichtet; “dort ist auch die Rede von gelbem Bernstein, der aus dem Lande der Slawen stamme und dort vom Meere außgeworfen werde. "
Heute ist der Bedarf Chinas an Bernstein sehr groß. Zanachst brachten ibn die Portugiesen dorthin, xeßt komrnt er unmittelbar aus Deutschland, wie die chinesischen Zollisten' bewerfen. Selbst in Birma überwiegt der deutstbe Bernstein den einheimischen. Die Chinesen verstehen es jest aucb, ihn aus Glas, Koval und anderen Harzen zu
fälschen.
Wertvolle vorSSsÖiÖUche Funde sind, wie der „Täg- lichen Rundschau“ geschrieben wird, in dem Dorfe Ehringc-dorf bei Weimar JLMUÖT Wordcn. Dort sind in zwei Kaixtuffsteinbruäym Reste eines Yorxxescbichtliiben Sumpf- und Waldzebietes aufgtdeckt wotdkn- Pkacht1g erhaltene Schilfbalme und andkre Sumpf- graSarten, klei"? Baumstämme und Abdrücke von Lindkn- und
Haselnußblätiern kommen täglich bei den Brucbarbeitcn zu- RZJS- _ AUÖ Eier don Sumpf- und Waldeögeln, die m der Schale gut erhalten sind , und Knochen-
reste von den Tieren, die damals in großen Mengen,?" dieser Gegend gelebt haben müssen, wie z. B. Geweibe vom Urbirsch und Zabne Vom Mammut wurden gefunden. Die besicrx Stucke fisid dem natur- WZLLnichafiiichen Museum in Weimar überwiesen worden, in des:; sich au der größte Teil des berühmten Tciubachcr Fundes befindet. Der Jremke, der sich in Weimar durch Erinnerun en an unsern größten
icbter und Denker erbauen will, abnt in der, egei nicht, welch reiche Scbäße das naturwiffenschaftliäöe Museuur birgt. „ Funde aus den Dörfern Tauback) und Sußenborn, izle ubrigens_ in „unmittelbarer Nähe von Ebringsdorf liegen, die macbtigen Schabel des UrstiereS, die gewaltigen Reste des Mammujs, Na'sborns, Ur- bitscbks- Höhlenlöwen und Hößlenbären geban ein Bild von der Mannigfaltigkeit der Tierwelt, die einst in Mixteldeuischiand URL, „und der Größe ibrer Vertreter. Diese Tiere; die, nach dl???" Funden zu schließen, in großer Menge auf- getreten sind und die zum größten Teil PflanzenfrFser "waren, bedurften natürlich zu ihrer Ernährung einer rei en Fftanzenweit, für deren Vorhandensein der Ebringsdorfer Fund der
este Beweis ist. Leider sind von den damals lebenden Menschen keine Knochenreste erhalten geblieben, aber in den angekohlten Knochen- resien von Tieren und in einfach3n Feuersteimverkzeugcn, die in Tau- bach mitgeiunden Wurden, babxn wir, sichere Spuren menschlicher Täti keit, und aUer Wabrschetnlichkeit nach sind sämtliche Funde KnoZenreste von erlegten Tieren.
Die niedergelegten
Jm Schuß: des Eiffelturms, der sich auf seinen vier gespreizten Riesenfüßen mit dünnem Halse so kühn in die weiße Frühlingssonne reckt, hat sich am Quai 69 18. Souférsvas die erste größere Kunst- ausstellung dieses Jahres aufgetan. Zwei große eiserne Hailen be- berbergen die „Zoaiébé (195 grbjsvoa ioäépsnäanbs“ die jeßt bereits zum 23. Male alien Künstlern und denen. die es cb zu stin einbilden, das Recht gibt, ihre Werke vor die Orffenilich eit zu bringen. Man bezahlt 25 Franken für den Platz das ist alles. Die Idee ifi gewiß auf den ersten Au enblick bestechend, Kein *parteiiscbes Nichterkoiiegium, keine AUSzei nungen, keine Medaillen. Allein der Geschmack des Laien und des etwaigen Käufers soil ent- scheiden. 5406 Nummern führt demzufolge der Katalog auf, bis auf den letzten Platz sind beide Hallen außgenußt. Sofort bei dsm Be- treten der Räume ist [Hider alle Illusion über die gute Grundidee der Veranstaltung dahin, und je weiter man in das wilde Labyrinth von Können und Nichikönnen, von Kunst ganz zu schweigen, eindringt, um so mehr lernt man an diesem Musterbeispiel, wie zwingend nötig eine Jury, und zwar eine strenge ist. die Spreu vom Weizen sondert. Man sieht ferrier, iaß durch das enge Auf- einanderpferchen der Bilder die wenigen guten überhaupt, nicht zur Geltung kommen; das diietiantischa Gestammel, dte ost geradezu dreiste und zügeiiose Wilikür beberrschen das Feld voÜständig. Auge und (Geist find einfach außerstande, fich piößliä) ,wie em Maschinenbebei umzusteüen, wenn endlich einmal etwas leidlich GUtes vor sie tritt. Drittens aber lehrt uns diese Aussteuung, daß wir uns in erschreckender Weise Von dem, was Kunst heißt, entfernt haben. Wenn wir diese Akte, Landschaften. Porträts und Siiilehen betrachten, so staunt man über die Kühnheit der Leute, dre es wagen, Dinge dem Publikum als Kunst anzubieten, die ohne jedes Können und Verständr-is, ohne jedes Gefühl
oder Malerische, ohne die geringste Liebe und feinere urch-
“Flduna auf die Leinwand bin ebauen sind. Nicht einmal
CFT ttein Han'NverkliÖe, 'die Techniß, die Farbenbebandlung wird be- L- Wild malt jeder darauf los.
Da hängen in proßTikzen oder
bizarren Rahmen Akte, 'die nur mit einem indigofarbkiien "NNW"
ganz oberflächliicb anzgkedeute't sind, möglichst groß, mö lichst falsch und.
möglichst gerne 11 atürli errf t dsr weibliche kt Vor: Dirnen und halbwükbsige Mädel be thaiY oder in dreister Pose auf einen 1„Ümußißsn Divan bingeräkelt, der Körper mit den toUsten Ver- öekcbnunaen, das Fleisch in allen Tönen des Malkastens. Allein das brutal Sinnli : drückt solch Machwerk aus, nichts versöbnt UUSMÜ ÖW Motiv, ke n großer Zug, kein raffiniertes Können."
Nack) moderner Auffassung sou heute das Eegenstandliäye in der Kunst Nebensache sein. Diese Ansicht scheint man hier, ganz und gar nicht zu teilen. Die Genremalerei ist in ihren vexfchwdenen Sxoff- kreisen recht stark verirrten. Aber wie bei em Figürlichen das Sinn- liche und Niedrige im Vordergrund steht, so hier das Mystische, Soziale und der schauerlichste Hintertreppemoman. Mit einer Stümpexbaftigkeii obneYiei en finden wir da 5. V. folgende Szene :aus dem russischen Gef ngn sieben dargestellt: In einem Kerker ist Ü" nacktes Weib gefeffeit, zigarettenraucbende Offiziere sißen dabei und schauen emütlich zu, wie ein Scher e die Aermste mit der Knute kratiiert. Le Haft wird m„an an die eurupp'mer Bilderbogen_oder “i' die gruseligen Mordgeschlchten der_berumziehenden Leierkastenmarmer eLinnert. Auf einem anderen .meaide' sehen wir ein Kind auß der LMdsttaxze liegen, das eben" von einem davonjagenden Automobil uber- f(listen is . Hier s childert einer einen Ueberfall von Räubern; knallrot geht bin en die Sonne zur Neige, vorn wimmelt es von furchtbaren Ge- Flinten, Säbeln und Pistolen. Von diesem Genre aibt ks eine ganze Reihe ähnli er Werke", man bedauert das iiefe geistige Niveau ihrer Schöpfer. och ein tld,_ das sich anz besonders in if r1er: Umgebung hervortut, verdient erwahnt zu Wer en. Es löst die- T', ? Wirkung aus, als ob ein traurigis Dorftheater .Waliensteins dvd" aufführte. Aues ist feierlich ernst gemeint und doch wird auch “* Melancholiscbste zum Lachen Zingeriffen. Unter rotem Baldachin [feht Sin bReres Weib Frankrei vorsteliend, die ihren Fangen Arm Wer eine eibe von Männern in Frack und Uniformen ausstreckt, Inter denen verschiedene entfernte Aehnlichkeit
* aiten, von
mit regierenden
für das Zeichnerische“
haben. «Hinten i_anzen Kinder um einen b:kränzten Brunnen, die Baukastenbauser und dxr Baldachin selbst sind mit frischgestärkten, steifen Fahnen reihenweise“ ge- zißrt. Der Zeichner des Struwwelpeter steigt vor unserer Seele auf, und doch hatte unser Maier etwas viel Höheres in seinem stolzen Er dachte wahrschéinlick) an Tizian oder Paolo Veronese, an ie Darstellungen der HUM Venleisxctr, die sick) von den Völkern des is und Orients 1: en a . OcciFllxenso tief sieht die biger vertretene LandschaftSmaierei, bei der eine geradezu kindische Nachahmung bekannter Impressionisten beson- ders störend wirkt. Auch Whistler, Monet, Mauet, Corot, Sislxy, Puvis de ChaVanriez, Segantini und andere werden bis zur Unerira? lichkeit imitiert. Geradezu schädlich haben die Impressionisten iziee Künstler beeirYußt. Weil der oder jener in einer gewiffen Periode seines Schaffens die chatten violett sab, kühn Zeich7nun und dic: sonstigen 1Rar; steUungSmittel verschmähte, so machen es diese achbeter, die via e ck äbniickoe Arbeiten in einer Galerie Yoviert haben, genau so.. iclxs dabei berausYekommen ist, läßt sich nnt-Worten nicht beschreiben. w d wird die Far eaufgepa t, es wird pointtlliert, daß noäx bei zehn Meter Abstand die Farben si nicht im Auge vereinen, die kubnsie Phantasie kann sich hier oft nicht zurecht finden. Mit dem Stilleben ist es nicht besser bestellt, Cézanne hat bedeutend Schule gemacht. Daneben hängen die Blumen- und Fruchtsiücke aus der alten SMR. wo jedes Blättchen und jede Blume sauber, aber nüchtern und trocken wieder- ge'sebsn isi- Nm leidlicbsten ist noch die Plastik und das Kunstßewerbe, aber auch bier begegnet man oft bizarren oder unmöglichen D ngen. Häufig steht an den Sälen das Wort „Zorbjs“ wir einem Pfeil. Wie eine liebenßwürdige Aufforderung klingen diese zwei Silben, das tolle Durcheinander zu verlassen. Draußen lacht die freundiicheSonne, über den All“" an der Seine liegt ein ersier grüner Hauck), im a er zuckt und bli t es von zahllosen zarten Reflexen. Wie schön ist doxb die Welt! alten denn alle die Künstler da drinnen kein Auge fur diese Herrlichkeit, oder fehlte ihnen die Kraft, das Erschaute aucb Wiederzugeben? Jch glaube, daran liegt's! Dr. Zgh-jx,
Ausstellungsweseu.
In der Deutschen Armee-, Marine- und Kolonial- ausstellunZ in Berlin ist das Hauptgebäude, nachdem die Maschinenba e, die Kolonialballe und die Marineballe fertig errichtet sind, nunmehr auch so weit gediehen, daß das Ricbtefest bat statifindxn können. sodaß, wie vorhergeseben, am 15. Mai, Mittags 12 Uhr, die feierliche Eröffnung der Aussteiiun wird erfolgen können. Die Haupthalle mit ihrem großen Kuppel au iZeffen Spannweite 32111 be- trägt, bat 200mFrontlänge und einen Flacheninbalt von 12 000 qm.
Verkehrsaustalten.
Jn Agome.Klossu, Agome-Sewa, Awewe und Tokpli in Togo sind am 5. April ReichStelegraphenanstaiten für den internationalen Verkehr eröffnet worden. Dte Orte liegen sämtlich am Monufluß und sind mit Aneckw durch eine gemeinsame Linie ver- bunden. Die Worttaxe ist dieselbe wie im Verkehr mit Lorne. ,
In Tsevie (Togo) ist eine Postcxgentur mit Telegrapben- betrieb eingerichtef worden, deren Tatigkeit si auf die Annahme und Ausgabe von gewöhnlichen und eingefchrie enen Briefsendungen erstreckt, Die Worttaxe für Telegramme nach Tsevie ist dieselbe wie für die übrigen Anstalten des Sebußgebiets. :
, Theater und Musik.
Königliches Opernhaus. Das vorgesiri e letzte Gastspiel der Fürstlichen Oper von Monte Car o, dem wiederum Ihre Majestäten derKaiser und die Kaiserin mit Ailerhöcbstibrem Gaste, Seiner Durchlaucht
Fürsten Europas
Sinn.
rdem Fürsjen von Monaco, sowie Ihre Kaiserlichen und König-
lichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin und Seine KöniZiiche Hoheit der Prinz Oskar beiwobnten, hatte noch mehr als de Vorangegangenen den Charakter einer Fesivoriieiiung; es gestaltete sich zu einem Cbrenabend obnegleicben für die anwesenden hervorragenden französischen Tondicbter Saint- Saöns und Massenet und zu einer überaus herzlichen Abschieds- feier" für die scheidenden Künstler. In je einem Akt der Opern „Zamaon si: DW“ von Saint-Saöns, Uéroäjaäs“ von Ma enet und „11 Lakbisrs äi Zirügija“ von R"offini hatten die lch eren Gelegenheit sich noch einmal, „und zwar in durchweg dankbaren, ihnen zusagenden Äufgaben den Zuscharzern, unter denen die Berliner Kunst- Welt zahlreich vertreten war, zu et en. Ju Saint-Saöns'Werke, dessen erster Akt, mit seinen orawrien aßen Chorgesängen und der Begegnung Dalilas und Samsons, gegeben wurde, [ en die auptrollen in den Händen der Frau Hézgion mzd des Herrn ousse iöre, Die erstere batte stimmlich leider gegen eme starke Indispofition anzukämpfen, be- währte sich aber wieder als treffiiche Darstellerin. Herrn Nouffeliéres strahlende Tenorstimme schwebte siegboft über den Tonmaffen Starker Beifall lohnte ihnen, der [ich noch verdoppelte, als man des Kom. ponisten a:“.sickytig geworden War, der von seinem Play im ersten Range fich dankend verneigte. _ Dieselbe Huldigung erfuhr _Maffenet nach dem dritten Akt seiner bier unbekannten Oper „Üéroäraäs“, in dem Renauds hocheniwickelte GesaUJSkUUsk Triumphe feierte. Neben diesem hatten seine Kollegen von der Pariser Großen'Opsr, Herr
* " d räulein Grandjecxn, die sich hier erst FoxdsixseeLSrißßieYn Axen!) nicbt unvorteilhaft einführte, keinen leichten Skand. Ueber Massenets den Salomestoff 'auf seine Weise behandelnde Wsrk kann man ck nach dieser
M r' en Au ü rung . kein Urkeil bilden. Sein Sinn für ZZFFleßgerungean Fer in ,Manon] und anderer! ferner bekannteren Arbeiten vorwaltet, sprach sich am!) m dxn vorgefuhrten Szenen aus, aber in ibrsn einen allzubreiten Raum ernnshmendcn Opferzerenronixn und Mafienaufzügen stockte das dramatische? Leben. '- Dsr zweite Akt von Rossinis italienisch gesungenen! .,Varbier yon Setülia“, oder _ richtigex gesagt - eine Fol e der dann vorkommendey Yrien und Ensemhlesäße unter Hinwegla ung des Dialogs und Einfugurxg der Auftristgaxje des Figaro aus dem ersten Akt, gab dem Abend, der spät in der zwölften Stunde endete, einen beiteten und hoch befriedigenden Abschluß- In Hm„ TUta-Ruffo [ernie man einen jener ge- borenen Vertreter _des Figaro kennen, wi: man sie nur in„Jtalien findet. Er entwickelte eine stimmliche Md körperiickpe Geschmeidigkeit, die selbst dMndrades seinerzeit s o bewunderten Barbier in den (?cbatten stellte.
räulein Storchio war eine muntere und anmutige Rosine. Ihr
esang wurde diesmal nicht durch das Tremolo beeinträchiigt, das am Abend ihres ersten Auftretens störend, aufgefallen war; bei den sauber gesungenen Koloraturen zeigte sie eine bcnzerkenSwerte Keblfertigkeit. Cin feinkomisäyer Bartolo „war der yon fruheren Gastspielen her be- kannte, kleine rundliche Prni-Corsi, zu dem der lange, bagere BasilioCbaliapines - in Maske und Wesen freilich zu über- trieben - in wirksamem Gegeniaß siand- Hoch gingen zulest die Wogen des Beifalls, an dem sich die Yllßrhöckysten und Höchsten Herr- schaften lebhaft beteiligten, und erst spat m derzwölften Stunde schloß der geseuxchaftlich wie künstleriich gieiéb bedeutsame Abend.
KöniglichesSchauwielbaus-
Nach langjähriger Pause trat Ernsi von Wildenbru am Sonnabend im Königlichen Schauspielhane Wieder vor das PuiYikum. Sein neues vieraktiges Schauspiel WWK fick) .Die Rabensteinerin“ und führt den Zuscbauxr in das 16. Jahrhundert. Der Ritter Von Rabenstein lebt auf dem Waldstein zwischen Nürnberg und Augsburg mit Schwester, Tochter und wenigen Mannen vom Stegreif. Der junge Welser aus Augsbur? der seiner ihm noch unbekannten Braut der Meiberin, entgegenjieb , wird von dem vermummten Raubritter überfallen, beide kommen tödlich verwundet auf die Waldburg. Der Raubritter erliegt seinen Verse ungen, der junge Welser wird von Bersabe, des Rabensteiners To ter, gerettet und der Verlobten über- eben, die den Kranken nach Augsburg zurückführen läßt. Bartolome
elser Hai, mxf kurze AuZenbiicke aus seiner Ohnmacht erivacbend die junße Nabenstemerin erbli t; ßenesend glaubt er seine Braut gescßaut zu aben. Ibm steht der mutige Sinn nach der Eroberung der neuen Besißungen des Vaters in Amerika und er erlangt des Vaters Zusage
zu diesem Zug, wenn seine Verlobte bereit sein werde, ihn zu be- leiten, und wenn es ihm vorher gelungen, das Raubnest, den Wald- Ltein, zu zerstören. Da tritt die Melberin vor ibn, kalt, berechnend und eitel. Er sieht, sie ist nicht das mukige Mädchen, das ibn an
der Raubburg mitleidiß gepflegt bai. Doch das Gescbick führt aux diese herbei. Der ster ende Raubritter hatte seiner Schwester einen kostbaren Schmuck anvertraut, den' er dem jungen Welser abgenommen den Brautschmuck für die Melbecrn, mit dem soUte-sie der Bersabé den Eintritt in ein Augsburger Kloster ebnen. Der Schmuck wird zum Verräter, und es kommt an den Tag, daß der Rabensteiner den jungen Weiser überfaiien und von diesem erschlagen sei. Die Ver,- sucbe, die junge Rabensteinerin in Augsburg zu halten, mißlingen,
sie kehrt zu ihren Mannen auf den Waldstein zurück, der mzn vom jungen Weiser gestürmt wird. Die Melberin wrii diesem grausamen Zerstörungßwerk beiwohnen. Bersabe sieht e an der Seite des Geliebten und hört ihr öbnen,
In ra endet Eifersucht und in wildem Zorn ers ie t e de- berzige; in Augsburg soll sie deshalb dem Todechveßfa en. SKZZ; steht sie auf dem Schafott, als der unge Welser für sie eintritt, sie dem Henker abverlangt und sie zum hegemabl begehrt. Naeh Au s. burger Recht ist Bersabe gerettet. Es ?ilt noch den alten Wei er umzustimmen* das gelingt, und die glückl cb Vereinigten ziehen aus, der Weiser esißun en in Amerika zu sichern. Man sieht, es it ein romantisches Ritterstück, das Wildenbrurh
?edicbtet; aber das Sjück ist io voi] von echtem dramatischen Leben, o durchdrungen von Frische und Warmherzigkeit, und das altertüm- liche Gewand steht ihm so natürlich, daß der lebhafte Beifall, der nach 1edem Akt emseßte und der den Dichter wiederholt vor die Rampe rief, echt und vollberechtigt war. Das Schauspiel hat sicher feine s wachen Stellen; so ist vor aliem die Notwendigkeit des Konflikts ncht zwingend, _ nachdem bekannt geworden, daß der Raben- steiner jwar den jungen Weiser überZaUen und fast etötet hat, daß er aber bei dem Kampf selbst ums Le en gekommen ?ei, und die junge Ngbensteinerin dem todwunden Patriziersobn das Leben gerettet habe. Dieser Mangel kommt dem Zuhörer aber kaum zum Bewußtsein, denn gerade der zweite Akt, in dem er sich findet, ist o voll drama- tischen Lebens und_ so prächtig in der Charakteristik a er in ihm Auf- tretenden, soßvorzuglich in der Steigerung, daß er gewaltsam mit si fortreißt. So_ ist es hocherfreulicb, feststellen zu können, da
das neue Stuck wohl das dramatisch wirksamste und dichte- risck) voüendelste ist, das wir Wildenbruckj verdanken. Das Königliche SÖaufpielbaus bat sick) mit der Einstudierung ein künstlerisches Verdienst erworben und mit der „Naben- steinerin“ bei weitem die wertvollste Gabe dieser Spielzeit gebracht. Gespielt wurde aUSJezeicbnet, sowohl von Herrn Matkowsky, der den alten Rabensteiner gab, als auch von Frau Wiiiig, die die herzhafte, tapfere und dann ebenso liebevolle Bersabe mit reifer Cbarakterifierungs- kunft auSgestaltete. Die Herren Kraußneck und Zeisler boten in der Darstellung der beiden aiten Brüder Welser kleine Kabinettstücke, nicht minder Frau Buße, die die mütterlicb-sorgende rau Welser gab. risch, naturlich und gut charakterisiert s ielte err Staegemann en jungen Welser so ut, daß man woxl sagen darf, die Rolle gehört zu seinen besien. err Nes er gestaltete die kleine Rolle des Stadtvogts von Augsburg sehr wir ungsvoll und Herr Pohl schuf aus dem Nunnenmacber, dem einen der Knechte des Raubritters, eine Cbarakterroiie. Fräulein von Mayburg betonte die vom Dichter schon recht stark und einseitig gezeiibneten Unliebenswürdig- keiten der Melberin vielieicht etwas zu stark. Die Ausstattung war se_br stimmungs- und (Jesäymackvoii. Alles in aliem, War es eine Auf- fuhrung, an der man n jeder Beziehung seine Freude haben konnte.
Neues Königiiäxes Operntheater.
Das Gastspiel von Beerbobm Tree mit den Mit liedern von ibm geieiteten Bühne „]Tjs Uajssby'ß “I])Wbr's“ in Loßdon wUZFL am Sonnabend und am gestrigen Sonntag fortgeseßt. Die vorgestrige Auffahrung von „Mrs Mßifib Uibe“ („Was Ihr wollt") gestaltete sich fur die Zuschauer wiederum zu einem inter?" anten Erlebnis. Die Versuchung liegt ja iner sehr nabe, die Voctellung mit der jüngst erfolgten Neueinstudierung dieses Lustspiels im Königlichen S auspielbquse zu vergleichen, aber man täte, um mit Ri rd Wagner zu sprechen, den „Gästen unrecht, wollte man-_nach Regeln we en, was nicht na unserer Re el gebt. Die Ausfuhrungen der En änder wollen aus i rem Stil ungd ihrem Volks- empfinden heraus ver fanden werden, aus jener nationalen Ei enart in der Shakes eares Kunst, auch wenn Ze weit darüber inaus: wuchs, doch s ließlicb wurzelte. Die uffübrun von Was Ihr wollt“ war vor alien! breiter, im Humor bgebaglicher' an. gelegt als bei uns. Pomphafi und pathetisch in den ernsten Szenen in glänzendem äußeren Rahmen, durch viel Musik unterstüßt, gewam; das tolle Spiel eine cbarakteristiscbe Färbung, die' den Geist der Dichtung in ihrer Art nicht unwirksam zur Geltung bra te; durch die vielen lustigen "Extempores wurde sie eher noch gebo en als ge- stört. Dear kunstleriscben Wesen des Hauptgasies ! ei-t der Mai- volio zuzusagen. Jedenfalls verlieh das Patbetiscbe se ner Darsteliung der Figur einen neuen, ihr nicht ubel ansiethen Zug. Fräulein Viola Tree war eiiie sebr anmutige Viola, die in ihrer Verkleidung ais Cäsario scheue Unsicherheik mit gezwungen'er UnVcrfwrenheif und auch mit Humor_ sebr anziehend _zu verbinden wußte. H::r Fred Lewis war ein l_usjiger, dabei künstlerisch durÖaus taktvyller Sir Toby, der m errn Quartermaine als Aguecheek einen manchmal etwas farblosen Brgieiier batte. Auch die Leistung des Herrn Pounds als Narr, der M) isiondcrs auch durch seinen Gesang des berubmt-en Liedes Beifall &;an ist zu loben. Sprudelnd vor Uebermut war die Maria der iß Cixeiy Richards; eine sehr sympathische und charak-erxsiisthe kleine Leistung war ferner der Antonio des Mr. Fisher While. Sckyoz und ipeal, als rechter Märchenprinz, erschien der Orsino des Herrn Gill. Dte begleitende Musik, deren Verfasser Andrew Levey ist, paßte silb recht gut dem Ton des Ganzen an.
Nicht minds: interessant war dkr gestrige dritte Gastspielabend, der uns die Bekanntschaft mit der berühmtxn Aufführung von „„Mit-ody ami 0160 akku“ Vermitfeite, die in London so viel Aufsehen erregt hat. Der yrstellung wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit dxr Kronprinz und andere urstiiche Gäste bei. Dieses Trauerspiel zahlt nach landläußger Au fa ung zu den schwächercn Dramen FZTkesYeöadreM Yi) ÉZTlFeUYsÉUZ YK? ?erbalten |ck ihm gegenüber
" , _ n t e 3. „. ei me'reren “ keiner Bubne erschienen. _Der gro e Erfoi vBeeeroJYzLYxsn Rift diesem Stücke baruht, daruber täu cbt er f?r!) wohl selbst am ailer- wenigsten, auf der verschwenderischen Pracht der Ausstattung, die er
ihm hat zuteil Werden (affen; aber er hat doch damit erzielt, daß
- ein Theater stark besucht wird und da _ i ffe für YS nfofern hat der Zweck die
itte! geheiligt - das Intere k Y breitere Schichten des Volkes zu drineZsZÜFnZL.EKZJTÉYI eschmack wird ja der Ausstattungskunst hier zu viel Raum gegxnnt;
regt aber die in vielen Einzelheiten auch dar teiieri b
AÄxfftubrung dam an, daß die biefigen Büfhnen schch FétZZ-YJF
i') nÉtrius und Kleopatra“ wieder annehmen, so wirß sie uns dauern-
Terr „Finn gebracht haben. Pen Antonius spielte Herr Beerbolkm *ee se st eiwas zu kubi verstandig für diesen an seiner unheilvo en
Liebesieidenschaft zu Grunde gebenden Helden. Temperamentvoller
war die schiangenbaft geschmeidi e Kiev atra des Fränkkkl“ Constunce CoUier, die nach der9 großer!p Szene, in d" 3"- den Boten aus Rom empfängt, mit Recht durcb
" kacken Beifall und ervorru e aus ? ei net wurde. Charakteristicbe Römergesialten *?m Sinrxe Sha eszpelxres waren dierHerren Basii il! (OÜWWS) und L7Eftrange (Pomxejus) und Herr Lyn Irving, t?" nicht minder stattliche Eno arbus, brachte be onders d en trockenen umor seiner Rosie wirksam um Nys ruck.
täulein Aire Crawford, die exten Quarterma ne und White eien von den Inhabern der zahlte chen kleineren Rollen für ihre uten
ifungen hervorgehoben. Das us war völlig ausverkauÉ, un der Bexfall erreichte um!; dem Akts affe und dem sehr ßpäten laß der Vorstellun eine beträchtli? öbe, sodaß die EU;?iscben © ste Mit der ihnen ier bereiteten Au na me wobl zufrieden ein dürfen,