1907 / 99 p. 15 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 24 Apr 1907 18:00:01 GMT) scan diff

Ankauf eilig ist, isi der Präsident der Anfiedlungskommission befugt, sobald es sich um einen Ankauf aus polnischer Hand handelt, zuzu- schlagen UNd anzukaufen, obne irgend jemand zu fragen. Handelt es

Unl_einen Ankauf aus deutscher Hand, so muß er, wenn das Grundstuck eine bestimmte Größe hat, einen Antrag an das Staats- minisierium rkchten. Dieser Antrag geht durch das Staats- mintftertum sehr schnea hindurch. Es ist ein gewisses Formular- "?ese" ekngerioßtet, und W habe nicht gehört, daß bisher irgendwie e'" A“kauf darin gescheitert ist, daß sich das Staatsministerium nicht “Ötikitkg Zu dem Antrag der Ansiedlungskommisfion geäußert hat. Mbei Möchie ick) aber noch erwähnen, daß die einzelnen Dezernenten d" A11siedlungskommission eine ganz besonders selbständige Stellung “he"; |: verfügen sehr viel selbständiger, als es sonst bei staatlichen

?börden der Fal] ist. Auch _nacb dieser Richtung hat man alles geian, Was im Interesse der Vereinfachung der Geschäftsführung WMH isi- ch wüßte also nicht, wie sonst dem Wunsch, der unter

r. 3 “Wgesprochen ist, Folge gegeben werden kann.

Im übrigen habe ich aus den Ausführungen der Redner der k*)nsklvaiiven, der freikonservaiiven, der naiionalliberalen, ja auch zum Sil der freisinnigen Partei mit Freude entnommen, daß die Tätigkeit der Ansiedlungskommission -und das Vorgehen der Regierung die

iÜksxung des hohen Hauses gefunden hat, und ich hoffe, daß das weit??? Vorgehen eine kräftige und zielbewußte Unterstüßung seitens

Loben Hauses finden wird. (Bravo !)

Ab . Dr. Vol nl.) bemerkt zur Geschäftsordnung: Ich halte niich mßinen schlesisFHn Freunden gegenüber für verpflichtxi, mein tiefes edauern auszuspre en, daß es mir heute nicht vergonnt ist, meinerseits zu diesen wichtigen Fragen vom Standpunkt der Ober- Mester Stcliung zu nehmen; bei der beworragenden Bedeutung der

erbältniffe in Oderschlesien behalte ich mir vor, bei der dritten Lesung darauf Zurückjukommen.

. Abg. Graf Pras chma (Zentrz) bemerkt de_m Abg. von Wentzel SFM- "bkk, daß er seine Mahnung im An chluß an die mige des Geheimen ats Witting, die Sprache, die Schule und die, ebrer qus dem Kampfe betaUSzulaffen, auch an die polnischen Geistlichen gerichtet hab? und be", Einzelersckzeinungen von polnischen Geistlichen, die Agitation ketklkben hätten, egenüber darauf hingewiesen; babe, daß die Oaébk'lkscbe Kirche au? der Anerkennung der Autoriiat der rechtlichen

N 't . _

YYHIiFerr von Zedliß und Neykircb hittet, mit Ruck- ficht auf Bedenken der konservativen Parker und die Ausfuhrungen de? Ministers die Abstimmung über den Antrag Arendt bis zur dntten Lesung aufzuschieben. '

. Darauf wird der Etat der Ansiedlungskommüfidn gegen die Stimmen der Polen, des Zentrums u_nd der Freisinnigen olksyartei bewilligt. Die Denkschrift tmrd dur Kenntnis-

. Nahme für erledigt erklärt.

Es folgt der Etat der Seehandlung (Preußischen Staatsbank). A ' Z"s d b t t eri tertatter Ab . von rntm- Z: e om e_ari rag namZZs dher udgeikonizmisfion die unverandert? Bennlltgung des Etats sowie die Annahme fol ender Resolution:

- die Regierung zu ersuchen, da ür Sorge x_u tragen, daß die Seebandlung in Uebereinstimmung mit derBegrundung des Geseßes vom 4. August 1904 in Zukunft Kredite nur auf Grund bank- mäßiger Sich€rheiten gewähren möge. _

Präsident der Seebandlung Havensiein: Namens des Fmanj-

ministeks babe ich das Eindekftändnis mti der Resolutiozi der Kom- Misswn zu erklären, aber mit einer etwas etngescbrankien Aus- leJung derselben. Die Seebandlung bat bis auf einen Fail dauernde

nlagekredite bypoibckarischer Art nicht gsgeben. Aber auf dem Gkbiete dsr inneren Koloni ation ist'der vaothekgrkredit obne Ver- [MW wichtiger Staatsinxxereffen nicht zu vermeiden. Die See- 5" Ung hat auch unmittelbare staatliche Aufgaben zu er-

".M und ist deshalb, wo der Reservefonds dcr Rentenbanken „er- ck“va ist oder das Verfahren bei der Generalkommission noch ntcht W Qenu,g vorgesckvritten isi, ergänzend mit ihren „eigenen Fonds enz- YJY Mit dieser einschränkxiiden Auslegung konnen wir uns nut

vl ' rianden er ären. _

dzzKN§?.uYFßelikijßeas(frs. Volksp.): Der Ruckgang der Verzinsung

a

[ dl nd im Wesentlickykn zurückzuführen W die aglegrindgeerrenSWYLnalßYenfi im Geld- und Wechselverkehr “" den Rückgang des Kurses der SiaaiSpapiere, dieses

Sehn: f . .

' eri“."Mndes s inan miniiiers. Die 1og. kleinen Mittel des [YZÜUmejsters dakien Fabenznichts geholfen, und das letzte noch aus- “Uchende dieser Mittel, die Heranziehung der Sparkassen; wird Skaatnichts helfen. Die BinsenWabrbeit gilt auch fur den ke " WU vielSchulden hat, viel Prozent: zahlen muß. ZusaYmstigere" Verhältnisse in Frankreich und England bxinge ich in " Mattinenhang Mit unserem Börsengeseß. Die gewerblichen Unter- ständj egen d-er Seebcmdlung müssen entWeder verkauft oder den zu-

viw? n lnjsterien überwiesen Werden. Für die Landeohuter cskomluYi ist gerade in diesem Jahre incZoweitb elin güZfttigerIYwYäF

'- a de b' ität ge 9 en _a. _

un dn wird “" renderRÉeraktlf der Bromberg“ Mahlen begrundet de" kletjn tatsächlichen Monopol, das diese ausüben„ und de_r dadurch [ em" Müllern verursachten Konkurrenz. Du: Ertraae dieser nu" ben find von 9 0/o 1905 auf 5 0/9 berabgegangen. Es sind "*ich ei diesen Mühlen aucb Unre elmäßigkeiten vorgekßmmen, um könn klin“ “UIQUdrücken, die ni t scharf genug gerugt werden hattetn- Das Mehl, das diese Mühlen den Strafanstalten lieferteon, og als Wejzenmehx seit acht Jahren einen Zusaß von 10 /0 " ??Wehl, ohne daß dieses deklariert war, und anderes mehr. Wenn fkaUniernebmer das getan hätte, dann wollte ich einmal sehen, D(Lsislilr ein Geschrei sicb auf jener Seite (zur Rechten) erhoben hätt;- A um so schlimmer, als die Bromberger Mühlen die Noomaltypen silk

dk" Rußland feststellen. _ Meine Freunde hatten auch seinerzeit auf “ewa (: geWiegter obers lesischer Techniker hin die Regierung davor arlrnt' de" ""'-"dischen Ltabl- und Jndustriewerken in Danzig ein "Abriß" zu gewähren. Nebenbei möchte ich fra en, ob die reskse- [“Nicht öUkrifft, naä) der schlesische Industrielle ck an den ' et en Lebe Iekx wollten, wenn ihnen beim Kohlenbezug VorzugöpretseÉs- teil" "iden- Wir Hatten schon 1902 bkrvorgeboben, daß die k“ "Ubi g eines 79lchsn Darlebns der Seebandlung ihren Kompetenzen angesYlus richt; die Oberrechnungskammer hat sich unserer Mxinuns ausges o e"“ daß wekÜgstens in Zukunft solche Darlebnßgewqbrung t)“)kge Öloffen ist* Auch bei der Sanierung dieser Werke isi nicht so dutchgiangen, wie vorgegangen werden sollte denn die Regierung hat Seit [gbr- Beteiligung an den Werken aucß Private dazu veranlaßt. fordert 02 [Alben wir nichts mehr Von der Sache gehört. Zum Schluß der Redner, daß eine ständige Kontrolle der Seebandlung ei er 1, ne UMkwaÖungSkommission geübt werde. Herr von Kardorff- Recht on er Ultén Garde, habe gestern von unZeren konsiitutionellen Rechten gesprochen, auch bei solchcn kleineren Anlä en müßten wir diese

e wahrnehmm. „_

F'nanzmjnifter Freiherr von Rl] einbaben:

n er eine Herren! Der Herr Vorredner bat zunääpsk von der Landes- daß di Pinnexei gesprochen und seiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben- dqß s e Entwicklung der Landesbuter Spinnerei ein Beiveis dafür sei-

o e gewerblichen Unternehmungen in den Händen des Staais

, u “"fISHOben seien, daß der Staat nicht die geeignete Instand lunä ck11"? solche Betriebe zu führen. Demgegenüber gestatten Sie mir 1905 darauf hinzuweisen, daß die Landesbuter Spinnerei im Jahre % Dividende gegeben hat, im Jahre 1906 10 0/9 Dividende

und in den beiden nächsten Jahren voraussichtlich noch günstigere Resultate zeitigen wird, da. fie auf weit hinaus mit Aufträgen ver- sehen ist. Wie Herr Abg. Gyßling auf diese Tatsache die Behauptung stüßen kann, daß der Staat zu derartigen Betrieben nicht imstande sei, das vermag ich beim besten Wilien nicht einzusehen.

Aber ich kann' ihm darin folgen, daß umb“ kein zwingender Grund vorhanden ist, die Landeshuter Spinnerei in den Händen des Staats zu erhalten. (Sehr richtig!) Ich habe bereits in der Budget- kommission ausgesprochen, daß in der Tat unser Wunsch ist, die Landesbuter Spinnerei zu verkaufen. Aber selbstverständlick), meine Herren, werden wir sie nur verkaufen, wenn wir einen Preis dafür erzielen, der der gestiegenen Rentabilität des Werkes enispricht, und troh der wesentlich gestiegenen Rentabilität sind uns bisher keine An- gebote gemacht worden, die dieser Rentabilität Rechnung tragen. Wir werden die Verhandlungen aber foriseßen und bemüht sein, das Werk zu einem Preis: zu verkaufen, der die finanziellen Interessen des Staats sicherstellt.

Meine .Herren, was dann die Promberger Mühlen anbetrifft, so wird sich der Präsident der Seebandlung über die Unregelmäßig- keiten auSlaffen, die ein Beamter fich bat ju Schulden kommen lassen. Selbstverständlitb hat der Präsident der Seebandlung wie ich genau denselben Wunsch, daß derartige Unregelmäßigkeiten sich nicht wiederholen, und es ist nach dieser Richtung alles Erforderliehe geschehen. Aber ich glaube, die Dinge sind auch als etwas zu schwerwiegend geschildert worden; der Präsident der See- bandlung wird darauf noch eingeben.

Was den Verkauf der Bromberger Mühlen betrifft, so liegen bier doch andere Umstände vor als bei dem Landeßbuter Werk. Das Landesbu-ter Werk ist in der Tat eine gewerbliebe Anlage ohne, wenn ich so sagen darf, allgemeinere Bedeutung. Ganz anders ist die Sache bei den Bromberget Mühlen. Ick wiki zunächst nicht davon sprechen, daß die Bromberger Mühlen für die Militärverwaltung namentlick; im Kriegsfalle von außerordentlicber Bedeutung sind. Aber ich muß dem Herrn Abg. Gyßling gegenüber doch hervorheben, daß, wenn die Bromberger Mühlen mit ihrer enormen Wasserkraft, mit ihrer außer- ordentlicben Leistungsfähigkeit in irgend welche private Hände übergeben würden, dieKonkurrenzmöglickpkeit gegenüber den kl einen Mühlen unzweifel- haft verschärft werden würde. Ich glaube, Herr Abg. Gyßling sollte von seinem Standpunkte aus uns dankbarsein, daß wir nicht wollen, daß ein so großes Werk, wie die Bromberger Mühlen, in privater Hand die kleinen Werke toi macht. (Sehr richtig !) Die Bromberger Mühlen sind ferner für ein Quadratmeilen umfassendes Gebiet in der Tucheser Heide hinsichtlich der Wasserhaltung von großer Bedeutung, und die Herren aus dem Osten werden das Gebiet der Tucheler Heide, das von koloffalen Forsten mit eingesprengien Wiesen und Weiden ein- genommen wird, kennen. Diese eingesprengien Wiesen und Weiden können bei der Trockenheit des Bodens eigentlich nur durch künstliche Bewässerung rentabel gemacht werden, und diese künstlichen Bewäffe- rungen hängen von dem Mühlstau der Promberger Mühlen ab. Lassen wir also die Bromberger Mühlen in Privathände übergeben, so können wir natürlich von einem Privatbesißer diese Rücksichtnahme auf andere Interessenten, wie sie jeßt die staatlichen Mühlen auf die kleinen ländlichen Intereffenten nehmen, gar nicht verlangen. Ick) glaube also, daß dem Verkauf derBromberger Mühlen doch wesentliche Bedenken entgegenstehen.

Nun, meine Herren, komme ich auf die Danziger Stabl- und Elektrizitätswerke, deren der Herr Abg. Gvßling gedacht hat. Meine Herren, daß die Entwicklung dieses Unternehmens uns sehr unangenehm ist, uns unendlich viel Arbeit, unendlich viel Mühe bereitet hat, das „erkenne ich mit dem Herrn Abge'ordueten durchaus an. Aber, meine Herren, trois ausdem und troß all der Vorwürfe, die gegen uns ge. richtet sind, muß ich auch jest noch erklären, daß wir glauben, pflicht. mäßig gehandelt zu haben Und nicht anders haben handeln können, als es damals gefcheben ist-

Meine Herren, haben Sie die Güte, sich die Situation zu der- gegenwärtigen. Diese Danziger Werke wurden Ende der 90 er Jahre durch den Oberpräsidenten von Goßler ins Leben gerufen, einen Mann, dér mit seiner unermüdlichen Arbeitskraft und seiner Hingebung an die heimatliche Provinz Westpreußen dieser und ihrer Hauptstadt, der Stadt Danzig, neue Quellen des Einkommens erschließen woliie. Als das Werk mitten im Bau begriffen war, wurde es nicht nur von einem, sondern von zwei gänzlich unvorhergesehenen und unvor- hersehbaren Unglücksfällen betroffen, indem Y_Wwpo die Dresdner Kreditanstalt und die Kummerschen Elektrizatatswerke den Konkurs anmeldeten, diese beiden Werke, die das Danziger Unternehmen mit Kapital, mit elektrischen Einrichtungen aus;;ustaiten sich verpflichtet hatten. Das Danziger Werk stand als Ruine da: es w-ar kein Dach aufgesetzt, es waren die Bauten noch nicht fertig ausgefuhrt, es war von einer inneren Einrichtung gar nicht die Rede. Wenn sich in diesem Moment das Werk an uns hilfesucbend wandte, und der Ober- präsident aufs dringendste bai, so, glaube ich, konnten wir die Hilfe in der Form, in der sie gewährt worden ifi, nicht versagen. Denn das darf ich doch hervorheben: die Seebandlung hat sich nicbt etwa an dem Unternehmen als solchem beteiligt, sondern sie hat nur Hypothekarkredit gegeben. Meine Herren, der Herr Vorredner hat von meinem guten Herzen für den Osten geiprochen, und ich glaube das zu haben. Aber wenn dies gute Herz fur den Osten so belohnt wird wie durch den errn Vorredner, so ist es einigermaßen schwierig, das gute Herz zu betätigen. (Sehr richtig! - Heiterkeit.)

Meine Herren, ich empfinde den Rückgang der östlichen Hafen- pläße unserer Monarchie als einen sebr schweren Sabaden. Diese Hafenpläße, die einst von außerordentliche: Bedeutung waren, haben diese nur noch zum Teil; sie sind zum Tekk nicht einmal auf dem alten Standpunkt verblieben, sondern wesentlich in ihrer gamen Leistungsfähigkeit zurückgegangen. Wenn Sie denken, was einst Danzig für ein Hafenplaß war, wie die Danziger Weizennotierungen für den ganzen englisiben Markt maßgebend waren, so, meine ich, ist es sehr zu beklagen, daß diese alten Hafenpläße ihre Bedeutung nicht mehr aufrecht zu erhalten vermocht haben. Ick beklage das für die Hafen- pläve selbst und auch für das game dahinter liegende Land; denn auch für die Landwirtschaft war die Erhaltung der Exportfäbjgkeit der Häfen von großer Bedeutung, und die Minderung dieser Häfen als Exportpläße hat der Landwirtschaft nur Nachteile gebracht, indem die landwirtschaftlickoen Interefsen in steigendem Maße allein vom Zentrum Berlin abhängig geworden sind. Also, meine Herren, diese: Rückgang der östlichen Hafenpläße ist eine bedauerliche Tatsatbe. Wenn die Danziger Stabl- und Elektrizitätöwerke in Königsberg lägen, so würde, glaube ich, der Herr Abg. Gyßling vielleicht eine

andere SteÜung eingenommen haben (sehr wahr! rechts *- Heiter- keit); denn ich kann ihm vollkommen nacbfüblen, daß er diesen Rück- gang wahrscheinlich ebenso lebhaft empfindet wie ich.

Aber dieser Rückgang der östlichen Hafenplätze und des dahinter liegenden Landes kann natürlich noch nicht dahin führen, die See- bandlung zu einer ausnahmsweisen Aktion zu veranlassen. Es kamen jedoch noch andere Momente hinzu, die diese auSnabmsweise Aktion nach unserem pflicbtmäßigen (Frachten rechtfertigten. Wie ich schon an- geführt habe, war es der Oberpräsident von ,Goßler, der im wesent- lichen das Werk ins Leben gerufen hat, und diese Tatsache, die Kreierung des Werks wesentlich unter staatlicher Einwirkung, ja auf staatliche Anregung, mußte es uns zur Pffieht machen, zu helfen, soweit wir es konnten. Sodann fiel ins Gewicht, daß wir in der StaatSregierung die Hebung der gemischt-sprachigen Gebiete des Ostens uns zur Aufgabe gemacht und wiederholt erklärt haben, wir wollten diesen Landesteilen nicht nur mit Rat, sondern auch mit Taten zu Hilfe kommen. Man würde uns mit Recht den Vorwurf gemacht haben, daß wir für den Osten nur Worte, nicht Taten hätten, wenn wir nicht helfend eingetreten wären. Hätten wir dies Werk als Ruine stehen lassen, so würde man mit Fingern auf uns gezeigt und gesagt haben: das ist die Opferwilligkeit der Staats- regierung für den Osten, daß sie nicht einmal diesem Werke, das durch zwei Unglücksfälle getroffen ist, die Mittel zur weiteren Ent- wicklung gibt.

Wenn der Herr Abg. Gyßling sagt, wir seien gewarnt worden, dem Werk keine Unterstützung zu gewähren, so muß ich darauf hin- weisen, daß die Frage, ob das Werk wirtschaftlich bearündet sei oder nicht, aufs eingebendsie geprüft worden ist, und daß diese Prüfungen, die wir vorgenommen haben, zu einem durchaus günstigen Resultat geführt haben. Gegenüber der Auffassung, als ob wir dort leicht- fertig verfahren wären, halte ich mich für verpflichtet, in wenigen Worten diese Gutachten, die uns erstattet sind, hier mitzuteilen. In einem von mehreren Sachverständigen erstatteten Gutachten heißt es:

Wenn die SanierungSarbeiten nach dem gegenwärtigen Pro- gramm zur Durlbfübrung gelangten und demnächst ein rationeller Betrieb möglich sein werde, so zweifte er nicht, daß bei den gesunden Grundlagen, auf denen die Sache ruhe, und die nach dem Ergebnis der von ihnen an Ort und Stelie vorgenommenen Prüfung die Hoffnung auf Schaffung eines auch im Vergleich zu andern günstig gelegenen Revieren (Oberschlesien usw.) rentablen Betriebes be- ,reéhtigt erseheinen ließen, eventuel! erforderliche weitere Mittel fich unschwer finden würden.

Es ist dann ausdrücklich begründet, worauf diese gesundenGrund- lagen dieses Werkes beruhen. Es ist zunächst darauf hingewiesen, daß in Danzig mit seinen erheblichen Eisenbahnwerkstätten, mit seinen großen Werftanlagen sebr reichliches Alteisen vorhanden sei, daß ja die Grundlage für den Martinofenbetrieb bildei, Infolgedeffen würde das Danziger Werk in der Beziehung günstiger stehen als beispiels- weise die oberschlesischen Werke, die das Alteisen von weitber, von Königsberg und noch weiter ber beziehen müßten. Es ist

auszzerecbnet, daß infolgedessen für Danzig sich per Tonne Mariinblöéke eine Frachterfvarnis von 4 „Fi 80 --3 ergeben würde. Dem ist allerdings gegenübergesieiii, daß Danzig bei

dem Kohlenbezug ungünstiger stände als Oberschlesien. Das ist auch naturgemäß. Aber diese ungünstige Situation hinsiehtlitb der Kohlen mache den Vorsprung beim Alteisen nicht wett, und es ergab sich nach dem Gutachten nun folgendes:

* Wenn hiernach die Frachten für Roheisen und Alteisen |ck pro Tonne in Danzig erzeugter Martinblöcke um .“ 4,80 billiger stellen, im Vergleiche mit oberschlesischen Blöcken, so ist dagegen die Koblenfracht pro Tonne Martinblöcke um „Fi 2,56 pro Tonne in Danzig teurer als wie in Obexschlesien; im ganzen hat also Danzig noch einen Vorsprung von „M 2,24 Fracht auf diejenigen Mengen an Kohlen, Roheisen und Alteisenmaterial, welche zur Herstellung einer Tonne Martinblöcke gebraucht werden. Die übrigen Materialien sowie die Löhne usw. stellen; sich in Danzig nicht teurer als wie in Oberschlesien. *

Dann ist ferner die Absaßmöglichkeit des Werkes eingehend be- sprochen, und zwar in günstigem Sinne, weil das Werk in der Lage sein würde, den Absaß in seiner nächsten Nähe unterzubringen.

Die Gutachter faßten auch später noch ihr Urteil über die Nordischen Werke dahin zusammen, daß .die Grundlagen des ganzen Betriebes mindestens so günstig seien, als dies seinerzeit von ihnen erhofft und in Aussicht gestellt worden sei, daß nach der ganzen Einrichtung und Lage der Werke deren Produktionskosten bei guter Leitung auf die Produktionskosien des bestgestellten oberschlefischen Werkes zurückgehen müßten, und daß auch wxgen ihrer natürlichen guten Frachtbedingungen eine günstige Entwicklung der Werke zu erwarten sei.“

Das waren die Gutachten, die uns vorlagen, und auf Grund deren

- der Kredit gewährt worden“ ist. Aber wir haben' das Eintreten mit

StaaiSmitteln,',mit Mitteln der Seehandlung, von weiteren Voraus- segungen abhängig gemacht, 3. B. von der Vorausseszung, daß die zunächst Beteiligten _ das ist die Hokmgefellsthafi, die Privataktien- bank, und vor allem die Stadt Danzig selber * an dem Kredite sieb beteiligen. Diese privaten Werke sowie die Stadt Danzig haben genau in derselben Weise wie der Staat Hypothekarkredii gegeben. Wenn eine Stadt Wie Danzig, die hoch belastet ist, die eine hohe Komm-unalsieuer hat, sich finanziell an dieiem Werke beteiligte, so war fur unsere Auffaffung darin in der Tat die beste Gewähr zu er- blicken, daß es sie!) nicht um beliebige private Jntereffen handelt, sondern um die Erhaltung wichtiger öffentlicher Interessen für die Stadt Danzig und die Provinz. Wir haben ferner unsere Anteil- nahme davon abhängig gemacht, daß größere, woblrenommierte und woblfundierte Werke sich an der Sache beteiligten. Drei oberschlesiskkk Werke haben sich an dem Hypothekarkredit beteiligt, und ihre Ver- treter sind in den Aufsichtörat eingetreten. Wenn der M;- Gvßlina meinte, daß diese oberscblefiscben Werke dafür Vorzüge auf anderen Gebieten bekommen hätten, so ist das meines Wiffens unricbtka- Mik ist von Einräumung derartiger Vorzüge. 3- B- in bezug auf Kohlen, nichts bekannt.

So'war die Sachlage. Wir standen gegenüber der Tatsache, daß das Werk von dem Oberpräsidensen von Goßler ins Leben gerufen war, daß es gam schuldlos durch diese wiederholten Unglücksfälle ge- troffen worden war, daß hervorragende Gutaäpter das Werk für cia wirtschaftlich gesundes erklärt batten, daß andere große Werke mit an der Sanierung teilnehmen wollten, und daß die Sanierung geboten war, um die Stadt Danzig vor schwerem Schaden, um unsere game