1907 / 275 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 18 Nov 1907 18:00:01 GMT) scan diff

Die Sorgfalt der Skeknse ung scheint dafür zu sprechen daß kein fÉknzelgrab, sondern ein * cbrb:ithrab vorliegt, was auch die auf- a[lend starke obere Koblenscbicht bezeugt. Merkwürdig ist das gänz- beégéblen von Urnen und Beigefäßen bsi vöÜiger Unbkrührtheit des . DenVortrag deHAbends hielt Dr.Traeger über „Indianer- |a_mme am Alto Paranä“: In diesem von dichtestem Urwald ?kquten Teil des Staats Paraguay, zwischen dem Paranéx östlich FTW dem Paraguay westlich, liegt die interessante Tatfacbe vor, daß Er_neben; und untereinander zwei gänzlich voneinander verschiedene dJndmnkkÜamme leben, die Ziyander ?ödlicb feindseLig find, zwiscbxn enen e_s jedoch selten zu feindlicher Berührung kommt, weil der eine d STamme, die Guayaqui, fich im tiefsten UrwaLd verborgen vor em anderen ,und auch vor der Berührung mit den Weißen hält und noch beute sen) „steinerneß' Zeitalter Tebt, während Yer and€re_Stamm, LÜNEN)“ in die beiden Gruppen der Baticola und T!chiripéx, langst mit erZtv_illsation Bekanntschaft gemacht bat und Verkehr mit den Weißen lZierlßalt. Der Vorkragende bat bereits im Jabre1901 diese merkwürdigen kkbaltnisse an Ork und Steüe kennen gxlernt. Sie gaben ihm "1215, dem Vorliegenden ethnographischen Rätsel Heiter, nach- kU Puten; denn ein solch:s liegt vor, wxil Guayaqui etnersetts und 1?aticola = Tschiripéx andererssits offenbar von ganz verfchiedenem "Prims; find und zwischen beiden nur die [ofen Beziehungen bestehen, “ß erstere aUer Wahrscheinlickxkeit nacb Rkste eines auwcbtbonen olks, eines Urtwlks, find, das in einer längst vergangenen dSkk von der großen und macbtvolken Einwanderung eines _mit W, Gros der beuxigen südamerikaniscben Indixner uber- Ünsitkrmenxen, ganz verschiedenen Volks verdrängt und im gegebenen .alle in dn Mtlegensten Schlupfwinkel, wie solche nur der südam9rika- LÜTHE Urwakd zu bieten Vermag, vkrscbeucht Worden ist. Es könnte ?steUWen, daß es ebensowenig den Vaticola-Tschiripéx, als den Weißen [sher g€[ungcn ist, die Guayapi in ihren über das ganze Land ver- teilten; _bald dichtar, bald dünner gesäten Schlupfwinkeln aufzufuckoen Und nottgenfaüs zu Gefangenen zu machen, sei es auch nur, um ihnen me ! oder wsniger zwangsweise die Bekanntschaft mit den anderen d ndesbezvohnern zu vermitteln und fie selbst näher kermen zu lernen; “?ck erklart die Eigenart des südamerikarxischen Urwalds diese Schwierig- IZÜ- man könnte fast sagen Unmößlichkeit, zur Genüge. Es ist bei" dem .Ukcthlcbsensein kes Urwalds mit Lkanen und anderen Schlinggewachsen "OWM? Lanz außgeschloffcn, geräuschlos in den Urwald einzudringen. „hne,be tändige Anwendung der Axt kommt man nicht weiter, sodaß *? fernbßrigen Guayaqui langst Von der Annäherung Andßrer Kunde (1 en, Sve man auch nm: in ihre Nähe gelangt, nxd thpen Zeit FMM bleibt, ihre armseli en, aus Zweigen erbauten Hüjten zu ver- “.Ükn und fichere Versie (! aufzusuchen. Es ist unter diesen Um- andetz wundkrbar enug, daß man hin und wieder durch xinkn Ueber- “Ü exmn beschränßtsn Erfolg gehabt. Waffen und (Gerate: Qrbeutet, "U _emzelne Kranke und Scbwakhe, Frauen und Kinder gefunden und FÜUbrt hat; aber einés erwachsenen, männlichen Guayaaui habhaft zu “dM- ist seit lange nur in einem FaUe gelungen, wo ck cin„solcher " einer Raubtierfalle gefangen. bajte. Alle Mittel der Annaherung kußer sVlcher ganz gelegentlichen Razzia, der Versuch freundschaft- Lk Bßrübrung, der Anbahnung von Tausch, haben fich als ver- Zei ne LtebeSmübe erwiesen, und was die Weißen nickst Vermögerz, xr- chSn die Baticola-Tscbirips noch weniger; denn der_gegenwarjrge "stand besteht alTem Anschein nach schon viele Jahrbu'nderte, er be- land in ganz derselben Schärfe schon, als die Wetßen ins Lanh tamen. Wir wären deshalb in unserer Kenntnis von den Guayaqm ;)?]? (“xf das beschränkt, was ihre indianischen Feinde unkontrollierbar

1hnen erzählen z. . , (: fie noch Kannibalen Leien, oder was w,ir von den gelegentlich ge'macbten Ge- “"M" n , den unter Weißen auferzogenen , tm zartesten

bundSsc-lter übernommenen Guayaquikinder ersehen, bezw. an' Körper- dUUJ und Raffenmerkmalen ihnen absehen (die unter Wetßen auf- e, - e"den Guayaqui Verlieren schnell alLe Stammeßerknnerung); doch WLW." auch dsr Urwald manches von der scheuen Bevölkerung. Denn ,vexe diese ““ck entWeicbt, ihre Spuren Vermag fie so schnell nicht zu mancbscben“ ".nd diese Spuren find zuweilen recht wichtig und geben boch „? Auf1chluß über das Treiben der Guayaqui. So, wenn uzcm en ve" ZN Pülmstamme, den zu erklimmen fast unmöglich schemt, heftimnétr "Mm Slstgeplünderten Bau wilder Bienen findet oder ene aus derefx Baumwrte durcb Steirmxt gefällt am Boden liegen ficht, bindung Yol? ste Pfeile bis zu 84 0111 Länge schnitzen, die in Ver- find- ZQtiBoNU von ungewöhnlicher Größe gefährliche Waffen im Urwalxezlen e"Weckt? das scharfe Auge des den Vortragenden der“" Mark ,beßleitsnden Indianers aucb gefälltx Palmen, " Jerösjt ""e" bis 15-011! langen Wurm enthalt, der rob ' e die Lieblingsspeise der Guayaaui bildet. Ja, _ es a m “.".“ Art agrariscber Betätigung der Guayaqui gxbt, urms kin j zu sallekl, ibr Mark frei zu legen und die Larven des Gehgkntli “"Zuseßen, damit fie die ewünscsote Delikateffe entwi_ckeln. vekschk8denx an man kvobl auch ro en Schmuck, Ketten aus Zabnen Punkte r TÜ“, Beweis, daß die Guayaquifrauen M) in die[em Uniekscheideon- ihren Schwestern außerhalb des Urwaldes mcht emdn'* a ? man fand nie geschnißte Ornamente, Dk- Tkäge 7cheint diesem Volke alle Betätigung in der Kerauxik. “Uf Gru" kdbatte seine zweite Reise zum oberen Paranä wesentltäo neues Ger Mklteilung eines deutschen Gastfreundes unternommen, Studien zu uahqÜUi-Mensäpcnmalerial vorhanden sei, um an ihnen den szß machen; eine Mutter, die ihre beiden bei einer Nania von mehrere _en Mitgenommenen Kinder zu pflegen gekommen War, 11er JW: W&W“ BUMM, unter ihnen ein besonders intelligenter. Dre Usch Zu 7?“ dem Eintreffen Dr. Trägers schon wieder in den anthropo ru Web"- aber es lagen photographische Aufnahmen und onnten "Wrische effungen vor; mit den jungen Guayaqui a ee och intekkffantc Unlersuchun en vorgenommen werden. [cba der I wurde es möglich, den isherigen geringen Wort- oes ri-b ““yaquisvracbe von 21 Worten, die Labktte 1895 nieder- Qenar'iien' Mf ck80 Worte zu erhöhen, darunter 65 gam neue und die älfkge und 115, die jene 21 einschließen und von denen mehr als bietes e VekdeÜscbc-ft mit den andern Jndianersprachen des Ge- Farbenzu babe" scheinen, Merkwürdig übereinstimmend ergab ficbkdie *" unteemyfindung, die nicht mehr als drei vexscbiedene Farbeindtucke " faßtrscbeÜ-Zen Weiß, deren erster dunkelblau, schwarj und hell_ elb ' Wahrend rot anders empfunden wird, und u r- beni grün und weiß als dritter besonderer [IZKF D? Träger war vän den (mei voJTsteZten 0 un eru ten Guaau ven au n daßzusftteeuen“ daß ihk? sHcchut heller yisqt Yrs die anderer Indianer, bis 130MB: kein Zwkrgvolk find, aber es anfcheinend nieht we'i_ter als Mädch KIU am MULL", Welche letztere (Größe an einem 1:71abr1gen Avi eLn IWM!!! wurde. Als dritte Eigenart fand Dr.Ttager einen ffenn mVngosoiden ZUK. Um 1111) selbst die Ueberzeugung zu ver- ckelZ er in dem Punkt unbefangen urteile, legte er nach seiner M r de" Kollegen vom Museum für Völkerkunde seine Photo- dein vo" Guayaquk vor, mit der Frage: ,Wobe_r glauben Sie, Klw ese Bilder stammen?“ und empfing die ußereinftimmende T)? von “u"" „Aus Ostasien!" - Dr. Träger NMUN der Versammlung durch Vorführung zahlreickper Bx" der Gelegenheit zum eigenen Urteil. Die Bilder, bn“! Fink]: DUÜLÜUUJLU von Iesuüenniederlaffungen und Ein- kMW" die Pkacht des Urwaldes vorangingen, wirkten als Ueber- nt“ht dUkcb den unerwarteten Ausdruck von Inteüigenz in den dk"?! "“M"?" Gefickt?" der Guayaqui. Die Gestalten find ge- “Monden“ du etwas schrag stehenden Augen ungewöhnlich weit aus- wurzelkkskebend Md Plaß gebend für die tief eingefunkene Nasen- eba “"“ b“ ck sine. besonders kräftige Nase entwickelt. Dichte W Aung des Mf“ uberwallt beinahe auch die ganze Stirn, Die ackZFbeme find normal ""d kund gestaltet, was hervorstehende läßt IZWM “"ÖsÖließt ""RNS Gefilbter voll und rund erscheinen falle." ie(:thOberbppe skebt uberaa kkäftkg vor. An den Mädchen e

Backen auf. Vor berührt

aÜßm skml enßbm Sch ck erun (; e em MU emalen, Tatowieren, Holzpftöcke unß dergleichen, unmebr von großem Interesse, auch die Todfeinde der

a durxh dieB gänzliche Abwesenheit von war 11

Guayaqui, die Baticola-Tsckiripä, kennen zu lernen._ Daß fie Be- ziehungen zur Zivilisation pflegen, zeigten die festen Hauser, in denen fie in Dör-ern tm Urwalde wohnen, Häuser, denen durch Tonbewurf und rote Bemalung ein apartes Aussehen gegeben ist. Die Vaticola- Tschiripé. gelten al9_bescheiden, fxied1ich und harmlos; fie ftebvn unfer der Herrschaft von Hauptlingen, Kaziken oder Kazikinnen, tragen Kleider, find geschickte Neßflechter und Korbmacber, aber auch sie_kennen die Keramik nicht. Ihre Bogen und Pfeile Zfind erhebljch kleiner als die furchtbaren Waffen der Gaayaqui. Von Schmucksachen machen fie viel ausgedehnteren Gebrauch, find auch in schmückenden Zutaten nicht so zurückhaltend wie ihre Nachbarn. Sie Hemalen fich gern schwarz und rot, wenn auch nicht übertrieben, und die Männer finden GefaU-n daran, durch die Unterlippe ein bleistift-starkes und =langes, weißes Stäbchen zu treiben, das ihnen dann über die Brust herab- baumelf. Die Lichtbilder brachten von ihnen natürlich erheblich mehr Typen «15 Von den Guayaqui, darunter Männer mit runden Ge- sichtern, regelmäßigen Nasen, selbst Schnurrbärten. Die Frauen ge- faÜen sich im Zähmen junger Marder, die bei ihnen die Rolle der Hcmkkaße spielen. Sie bebängen fich auch gern mit Ketten aller Art und langen Ringen und Armbändern.

In seinem Dank an den Vortragenden hob der Versammlungs- lciter hervor, welchen großen Wert solche vergleichende Studien, wie fie hier alTerdings in einem ganz selten liegenden Falle fick) darboten, für die Entwicklung der noch so bedeutender Vertiefung fähigen und bedürftigen Ethnographie besäßen.

Den Rest des Abends füÜte ein höchst instruktiver Vottrag aus, den Dr. Richard Neuhaus; unter vielen Demonstrationen über „Neuere photographische Hilfstrtittel für den Forsch_ungs. reisenden“ hielt. Dr, Neubauß, der fich zu einer langeren Studienreise nach den Tropen rüstet, stellje damit den Apparat in seian Gesamtheit vor, den er sicb als besonders feiner Kenner und Aus- über der edelen Lichtbkldkunst selbst vorbereitet hat und der aUerdings an Woblüberlegtbeit und geschickfer Benutzung der besten vorhandenen Vorbilder Bewunderung verdient und erntete. Dr. Neuhaus; hat fich in aÜen Fällen vom richtigen Funktionieren seiner Apparat: genaue Rechenschaft gegeben. In mehreren Fällen - Fernphotograpbic, automat1sche Blitzlicbkpbotograpbie, Kinematograph_- gab er der Versammlung selbst Gelegenheit, fich von der Gute der Leistung zu überzeugen. Dr. Neubauß wird auch 200 Lumiére-Platten mit sich führen. Er hat, wie mehrere vorzügliche Lichtbilder dieser Art_bezeugten, in der nicht leichten Handhabung dieser neuen Kunst bereifs erfreuliche Sicherheit erlangt. Da ihm die rel1e Tropensonne helfen wird, déeser lichtbedürftiaen Spezialtechni die wesentlichen Bedingungen des Erfolges zu vetscbaffen, darf man auf schöne, farbige Bilder der Tropenwelt hoffen. Dann erst werden wir der ganzen Pracht des südlichen Himmels inne werden, welche die Schwatz-Weißkunst mit ihrer die hellsten Lichter in beschneije Land- schacfbjen verfälschsnden Unzulänglichkeit bisher nicht zu leisten ver- mo ie.

Theater und Musik.

Lessingtbeater.

Die" am Sonnabend zum ersten Male „aufgeführte dreiaktige Komödie „Närrische Welt“ von Otto thnetk darf troß des von einem Teil des Publikums gegen das Werk erhobenen Widerspruchs als beachtenSwerte Talentprobe gelten. Die Widersacher fühlten fich durch das Stoffliche des Stückes abgestoßen, ohne die Abfichten des Verfaffers zu verstehen, der zeigen onte, das; rein objektiv, gewiffer- maßen aus der VFelscbau gesehen, auck) die Fraurkgsten Lebensverbält- nisse moralischer erkommenbeit eines komtschen Zuges nicht ent- behren. Diese Art, die Welt als Narrenbaus zu betrachten, findet fich bei allen echten Humoristen, man braucht dabei nur an Dickens und auch an Reuter, “O_en LandSmann Hinnerks, zu er- innern, die wobl über 19811 Vorkvutt erhaben find, das Laster, auch wenn fie es in eine komi1che Beleuchtung rücken, gutzubeißen. Auch Hinnerk bekundet viel Humor und bei aYet Derbbeit doch das Gefchick, den heiklen (Geschehnissen, die -er sch1ldert, Yie Spiße zu nehmen, sodaß man fie belacht oder zum mindesten belaäjelt. Man muß dazu freilich die Menschen auch durch seine Briüe sehen wolLen. Der Vorgang , der ibm aks bumoristiscbeß Beobackytungßobjekt dient, ist bald erzählt. Die Frau eines Baumeisters knüpft nähere Beziehungen zu den jeweiligen Mietern eines von ihr abge- gebenen Zimmers an, weist aber nichtxdestoweniaer ihren gutmütigen Mann, als e eine Verfehlung seinerseits erfahren hat, aus dem Hause. Der gegenw rtlge Mieter, ein Student, bringt es aher fertig, die Ehe- leute, indem er ihnen über ihre beidxrseitigen Sanden hinweghilft, wieder zusammenzuführen. Die Kunst Elfe „Lebtyanns fand für diele

rau, die troß ihrer Verfehlungen nicht vergchtlrcb wird, sondern 1) :

ußficht auf das Erwachen einer neuen remeren Seele durchblicken läßt, den rechten Ausdruck. Vorzüglich war ferner Herr Marr als schwacher, doch herzlich liebender, aufbrausender und vrrzeibender Ehemann. Auch Herr Grunwald wurde der RoUe des Studenten gerecht, der die Neigung zu seiner Zimmerwirtin bezwingt, um sich der Tat rühmen zu können, eine neue beffere Ehe zwischen den (Fut- zweiten zu stiften. In der kleinen Episode dcs le ten, ungefahr- licben Mieters, eines alten Mannes, bekundete Herr einbatd wieder seine große Charakterifierungskunst. Die ganze Darstellung war lustig und ließ docb den tragischen Untxrwn der Handlung deujlich hervorklingen. - Den Abend beschloß eme Wiederholung von Hart- lebens bekanntem Einakter „„Die sittliche Forderung“ in der bekannten und bereits gewürdrgten Beseyung Mit Frau Triesä') und Herrn Marr.

Zentraltbeater.

Das ebbeltbeater, das erst im Januar 11. I. sein eigenes Heim in d? Königgräßer Straße beziehen kann, begann am Sonn- abend in dem freigelvordenen Zentraltbeater sein Eesamtgastspiel mit einer Aufführung von Bernard Shaws Drauxa in vier Akten „Frau Wartens Gewerbe“. Gemeinsameszw1schendemernsten, herben Niederdeutschen Hebbel, der dem neuen Hauxe den NanZen und die Weihe geben soll, und dem irischen Spötter S_aw aufspuren zu wollen, wäre vergebliche Mühe. Ein beliebiges Stuck aus dxrzt Spiel- plan des zukünftigen Theaters wurde zur Einlxitung der Tangkeit an fremder Stätte gewähltxund rein technische Ruckfichten mögen für die Wahl just dieses Dramas maßgebend gewesen sein. Obwohl mit Geist geschrieben, ist ,Frau Wartens Gewerbe“ nicht eben das erquick- lichste von Shaws nenwerken. _Jn En land und Amerika erhob fich ein Sturm der Entrüstung daruber, da er es darin wagte, die moralischen Begriffe auf den Kopf zu steüen ,und eine Anklage gegen die Gesellschaft durch den unreinen Mund emer _Frau, die ein mit Recht allgemein verfemtes Gewerbe treibt, xu verkunden. Diese Frau hat eine Tochter, die fiefern von der verderbten Welt, in der ße lebt, zu einem gebildeten und gefitteten Mädchen baterzieben lassen. Vivre hat keine Ahnung, woher der Wohlstand kommt, der fie umgibt, bat kéxne Kenntnis davon, daß ihre Mutter von dem Ertrage verrufenxr Hauser in den Großstädten Europas lebt. Als fie es aber erfabrt, wendet sie

cb mit Abscheu von ihr, um durch eigene ehrliche Arbeit ihren ßebenßunterhalt zu verdienen. In der entschxidenden Aussprache wischen Mutter und Tocbier gipfelt das Stuck. So sFwer aucb ?mmer die Anklagen find, die Frau Warren wider die Gesc schaft er- hebt, durch ihr eigenes Kind, das fie zu einem ebrbaren Mitglied eben dieser Gesellschaft hat erziehen lassen, wird fie zuleßt verurteilt; so will es die poetische Gerechtigkeit, der W) sogar der Sozialist Shaw nicht entziehen konnte. Und er gibt selbst damit zu, da? es um diese Gesellschaft doch wohl nicht ganz so schlimm bestellt it, wie er im aUgemeinen glauben machen möchte. _ _

Die Darsteüun warf ein sehr ngÜkgss N t auf die zukunftigen Leistungen des Heßbeltheaters. Samtlicbe _ onen lagen in den Händen in Berlin bereits bekannter und bewahrter Darsteller. In der Titelrolle begrüßte man gern wieder Frau Bettens, dezen eindringlicher Kunst es gelang der Kran Warren! soweit diese mcht nur die Aufgabe batte, Shaws S 'Lebenswe sbeit zu predigen, menschliche Züge zu verleihen, die ihr wenigstens Einige Sym- pathken retteten. Als Sir George Crofts, kk" brutaler, ver-

kommener Edelmann, der seine Einkünfte als Geld eber ür Frau Wartens einträgliches Gewerbe vermehrt„ führte fichg-Hermafnn Nissen, der Vor einigen Jahren chm Deutschen Tbsater an die Wiener Hofburg ging; als scharf charaktensterender Künstler vorteilhaft wieder ein, und Fraulein Maria Mayer _zeichnete die Gestalt der Vivi: schlicht und liebenswert. Dxe wichltgen Nebenrollen waren bei den Herren Otto, Licbo und Leopold gut aufgehobsn. Am!) Ausstattung Kn? RÉgtte ][?)eijni? Laß, tfnan im SHZkibelthlfiaterDGmes zu erwarten a. ar er e a rte zum u e

Direktor Dr. Robert wiederholt hervor. ß arsteller und den

A ri Königliche Hochschule für Musik.

211 vo gen Freitag fand im Theatersaal der Köni . schule für Musik der 1,- Opernabend der von Frau SHIFT: ZT?- man n . En :] el zur Wlederbxkbung in Vergessenheit geratener komischer Opern geplanten theatralischen Darsjellungen statt. Aufgeführt wurden zwei Werke des 18. Jahrhunderts: ein zweiakxiges sogenanntes ,Jntermezzo' von Pergolese, dem Komponisten des weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus bekannten „Zrabab waksr“ (1710-1736): „1.8. 561'78. paärova“ (,Die Magd als Herrin“) und ein Glucksckzer komischer Einakter: .Der verliebté Kadi“. Dre. Jntermezzi waren ursprünglich als mufikalische Einzelbestandtexle mit _ der 0y6ra ssrjß verstockpten; fie wurden dann zu selbstandigen kieineren Handlungen verarbeitet und bildeten so die Vorläufer der opsra bUK'a. In dem Werke von Peraolese treten zwei Personen, ein Doktor Pandolfo und seinevMagd, cxuf, die durch nicbtimmer gerade einleuchtend erstbeinende Verfuhrunqskunste und durch eine mit Hilfe eines verkleideten stummen Dieners bewirkte Täuschung ihr Ziel: fich zur Herrin des Hauses zu machst!, erreicht. Das Werk wurde zuerst im Jahre 1730 in Neapel ausgefuhrt, machte dann seinen Weg durch Italien, Fränk- reich und errang_Miite des 18. Jahrhunderts in Paris einen Beifall, der, wie Jahn m seiner LebenGgeschichte Mozarts bemerkt, „sich bis zum FanatiZmus steigerte“. Auch in Deutschland hatte das Werk, wie auch Goethe an einer Stelle hervorhebt, Erfolg; in Berlin erschien die Oper zuerst im Jahre 1810 auf dem Köniastädtisehen Theater unter dem Titel „„Zofenberrfcbaft'. Die Wiedergabe am Freitag ließ einen derarttgen Erfolg fast unbegreiflich erscheinen, wenn auch zugegeben wexden MY, daß hier mit bescheidenen Mitteln - der Komponist beschrankte si auf Streichinsirumente - gefällige Wirkungen erzielt wurden, die in erster Linie aus den ein- scbmeicbelnden Melodien ju erklären_find. Mehr Aussicht auf eine Wiederholung hat vielleicht der Gluck|che Einakter, der im Jahre 1761 entstand, 1783 zuerst in Berlin und juleßt vor etwa 20 Jahren hier aufgefubrt wurde. Die Mufik atmet dramatisches Leben und verleugnet den Schöpfer beroisckyer Werke nicht; im übrigen gibt an der etwas größere Personeystand als in dem Pergolesescben SU": dxm Komponisten die Möglichkeit, fich Ftärker zu entfalten. Die Auf- fubrung war im allgemeixten zu loben; emerkenswerte Leistungen boxen Frau Heymann-Engel, dje,Leiterin des dankenswerten Unternehmens, als Zerbine und als Zelmxre und Herr Sistermans als Pandolfo und Omar, aucb Frauxein Johanna Naumann entledigte sich als Fatima in Glucks Werk ihrer Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit. Als wtzfikalisäper Leiter Bewährte fick) der, bekannte Kapellmeister Bertrand Sanger. Die Regie (Herr Oberregrffeur Schmelzer) hatte für stil- gerechte Ausstatlung Sorge getragen,

Im Königlichen Opernbaufe wird mor en, Diensta „Tristan und Isolde“ in nachstehender Beseßung gegeben: Tristarßx Zur Kraus; Isolde: anu Plaicbinger; Karwenal: Zett Hoffmann;

rangane: Frau von Scheele-Müüer; König Marke: Herr Knüpfer; Meloj: Herr Kixäyboff ; Matrose: Herr Jörn. - Die öffentliche Hauptprobe fur das Konzert des KöniglichenOpernchor's (Kyrie von Mozart; Hymne yon R. Strauß; ,Parfisal“ von R. Wagner) ßndet am Mittwoch (Bußtag), Mittags 12 Uhr, statt. BiÜette hierzu find bis morgen abend bei Bote u. Bock, etwa noch übrigbleibende am Bußtage von 1111 Uhr ab an der Tageskasse des Könialicben Opernhauses zu haben. ' , m Könilglichen Schauspielhause wird morgen Blumen. thals und Kade burgs Lustspiel .Der leßte unke“ wiederholt.

Im Neuen Königlichen Opernt eater gebt morgen, als zweites Gastspiel der Madame Jane Having, „Qa rafals“ von Henry Bernstein in Szene.

Maunigfaltiges. _ Berlin, 18. November 1907.

Auf dem Kirchhof in Westend fand am Sonnabendna mklta die feierliche Beisetzung des_ am 13. d. M. verstorbenen WYklickjeS Geheimen Rats, Senatsprafidenten a. D. beim Königli en Ober- verwaltungWericbt Dr. Iebens statt. An der Feier na men, der „Voff. Ztg.“ zufolge, außer der Familie des Verstorbenen und Mit- ßlkedern des Oberverwaltungsxzerichts u. a. teil der Präfident des Reichs- ankdxrektoriums, Wirkliche (Geheime Rat Dr. Koch, der Unterstaats- sekretar Dr. von Guenther, der Wirkliche Geheime Oberregierun Srat von Rbeianaben, der Regierungspräfident Dr. von Guenther-Brom erg, der Oberburgermeister Schustehrus und der Bürgermeister Malling sÉubviel XLiZgliededeesPYkagistJts un?15 der Sdtadtverordneten von

aro en urg. er arrer rumma er von er Kale . Gedächtniskirckye' hielt die Trauerrede. s 1: Wilhelm

(; im Monat Oktober 1907 - richtet das Königliche Meteorologische Institut auf Gxund der Skt:- gestellten Beobachtun en folgendes: Mit seiner ungewöhnlich milden und vorwiegend tro enen Witterung stand der Oktober in einem wohltuenden Gegensatz zum Sommer dieses Jahres. Im Osten war er vielfach wärmer als dxr voraufgegangene September. (Ganz Nord- deutschland batte erheblrch zu hohe Mitteltemperaturen, der Osten um 4-5, Mitteldeutschland um 3-4 und der Westen noch um 2-3 Grad. In Berlin isi, seitdem überhaupt meteorologische Aufzeichnungen yorliegen, ein so warmer Oktober noch nicht vorge- kommen; es blexbt vielmehr der bisher wärmste Oktober - 1795 - hinter dem diesjährigen noch um Z Grad zurück. Frost wurde selbst auf den Gipfelstulionen nur ganz vereinzelt beobachtet. Anderseits über- schritt dte Temperatur an einzelnen Tagen, besonders am Anfang und um die Mitxe des Monats, fast überall 20 Grad und stellenweise kaxnen im Osten sogar Sommertage (mit Maéimal- temperaturen uber 25) Grad) vor. Mit der hohen Temperatur herrschte in den ostlicben Gebietsteilen bei südlichen Luft- strömunßen heiteres sonniges und trockenes Wetter; hier über- sckxritt d e SonnensÉeindauer den normalen Betrag um mehr als die Halfte, und die aus den seltenen Re enfällen sich ergebende Gesamt- uzen e des Niederschlags erreichte viel?ach kaum ein Viertel des lang- jabr gen Durchschnittes. _ agegen waren im mittleren und westlichen Hentscbland, wo mehr sudweftlicbe Winde wehren, die trüben Tage haufiger gls die beiteten, und Niederschlag fiel ziemlich oft; infolge- deffen blteb die Sonnenscheindauer je weiter westlich, um so mehr hinter der normalen zurück; die Monatssumme des Nieder- schlags war Jedox!) auch hier fast überall zu ering. Schneefälle fehlten selbst m Gebirge vollständig. Als im nfang des Oktober tiefe ozeanische Depressionen herrschenden Einfluß in Mitteleuropa ge- wannen, machte das heitere und trockene Wetter, das gegen Ende Sep- tember durch ein den Osten Europas bedeckendes Maximum hervor- geruken war, aus ebrxite'ten Regenfällen Play; die Temperatur blieb dabe infolge mei sgdltcher Luftströmung ziemlich hoch. Gegen Ende der ersten Dekade ruckte alsdann bober Druck von Osten ber bis Mitteleuropa vor, und damit trat zunächst im Osten, später auch im Westen, unter Andauer der hohen Temperaturen, Aufklaren ein, Im Westen wurdx es unter der erneuten Herrschaft ozeanisckper Depressionen schon Vor Mttte des Monats wieder trübe und regnerisch; im Osten dagegen bedingte das östlicYeHockpdruckgebieT fast andauernd beiter: u d trockene itterung. Vorubergebend weit nach Westen vorrückend ?f es um den 20. auch dort kurze Aufheiterung hervor. Nachher beréscrhxs

Ueber die Witterun