1877 / 210 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 07 Sep 1877 18:00:01 GMT) scan diff

_ Briefsendungen 2c. für S. M. Briggs “RUS“ urid MuSquito“ sind von heute ab nach Kiel, diejenigen Jet S. M. Kubi. „Albatroß“ von heute ab bis incl. 7. d. . nach Plymouth, vom 8. bis incl. 13. d. M. nach Gibraltar, vom 14. bis incl. 19. d. M. nach Malia'uiid vom 20. d. M. bis auf Weiteres nach Port Said zu dirigiren.

Bayern. München, 5. September. Die Königin: Mutter ist heute Mittag wieder naa) Hohenschwangau _ ab: gereist, um bis gegen Ende November, daselbst Fu verweilen. _Frhr. von Pergla-Z ist, der „Allg. Ztg.“. 5ny ge, aus Ber- lin hier eingetroffen und wird alsbald die ihm übertragetie Funktion des Königlichen Oberst-Kämmcrers _ Chef des Ki): niglicben Oberst-Kämmererstabes _ übernehmen, iiachdem seit dem Ableben des Grafen von Pocci ,der Königliche Oberst- Ceremonienmeister Graf von Moy m1t der Leitung des ge: nannten Stabes betraut war.

Hessen. Darmstadt, 5. September. Wie die_„Darmst.

tg.“ vernimmt, werden der Großherzog und die Groß-

Ferz ogin mit den GroßherZoglichen _Kmdern Sonnabend Nach: mittag, von Mainz kommen , hier eintreffen.

Sachfen-Weimar-Eiseuach. Weimar, 6. September. (Weim. ZtY Der Großherzog ist in der „vergangenen Nacht von ilhelmsthal nach Benrath angreist, um dem Manöver des i'll. und i'll]. Armee-Corps beizuwdhnßn. _ Am 1. dM. ist, der „Leipz. Ztg.“ znfolge, der langjahrige und

ochvcrdiente Kurator der Un.versität Jena, Wirklicher Ge- ?eimer Rath Seebeck, in den Ruhestand getreten nnd dem- elbcn bei diesem Anlaß das Großkreuz des Falken-Ordens verliehen worden.

Oesterreich:Ungarn. Wien , 5. September. In der heutigen Sitzung des Arngleichs:A116schusse,s des Ab: geordnetenhauses gelangte der Bericht des Subcomrtss iiber das Vranntweinfteuergeseß zur Verhandlung. Nachdem der Referent 0x. 1.1. Plener zuniichst_ eine Skiézé der Regieruxigs: vorlage gegeben, besprach er die Grund agen der herrn en Gesetzgebung, die technischen Fortschriti'e, welche eine star ere Ausbeutung der Stoffe zulassen, in Folge dessen" zu Gunsten des Produzenten eine Art von St_erierpramie Wistedt, die sick) bci mehligen Stoffen auf berlgufig „60, bei Melasse auf 40 Prozent stelle. Redner erklärie sick) schließ- li fiir daS Pauschalirungssystem mit fakultatwer Produk;- beieuerung, bei kleineren Brennereien dagegen fiir die Pauschalirung nach der Leistungsfähigkeit. Nach liingerer Debatte wurde der Antrag des Abg. T_Oemel auf unveranderie Annahme des Entwurfs nach den Ausnhußanträgen abge'lehnt. Auf eine Anfrage des Abg. Neuwiri)? erklärte der Fmaxiz: Minister, daß die Regierung aus der eform der Branntwein- steuer eine Mehreinnahme von 2:1“ Millionen erwarte. Hier: auf wurden 19 Paragraphen der Vorlage unverandert ange- nommen.

Pest, 5. September. Der BankauHschuß wird morgen nach den Ferien seine erste Sißung halten; Wie der „Pester Lloyd“ erfährt, beabsichtigen einzrlne Mitglieder des Aus.: schuffEH, zu einigen Theilen der Vorlage * mehrfache Piodi- fikationen einzubriiZJen.. Der Aysschuß hofft, bis zum Zu-

“sammentritte des eichstages die Verhandlung der Bank- vorlagen zu beendigen. _Der Finanzausstbuß seßte heute die BerathunZ? über die Spirithsteuer-Vorlage fort. Die meisten edner erklärten sich fiir das Pauschalirungs- system, acceptiren jedoch den Geseßentwurf, wenn die Regie: rung in einer Herabseßung der zu besteuerndrn„Erzeugungß: menge einwilligt. “?inanz-Minister Szell bertherdigie in län- gerer Rede die fakultative Anwendung beider Systeme Und erklärte, die Herabsetzung der besteuerten Erzeugungswenge von 6 an! 56 Grade in Erwägung ziehen, ferner dieselbe bei landwirtl) christlichen Brennereien von 10 auf 5 Hektaren herabseßen und das ErzeugungSquantum von 34 auf 45 Hek- toliter erhöhen zu wollen, wobei die Steuerermäßigung anstatt 20 nur 10 pCt. betragen würde. Morgen wird die Berathung fortgesetzt. _ . _.

Agrain, 5. September. In der heutigen Sißung de?) Landtages legte der Sektionschef Zivkovic Geseßentwürfe, betreffend die Gemeindeordnung und das HeintatYS- recht vor und Derencsin einen solchen über Unexequirbar sit der OffizierSgagen. Sodann wurden Ergänzun swahlen für verschiedene Ausschüsse und die Wahl der Schmftführer vor: genommen. Die nächste Sißung isi unbestimmt.

Großbritannien und Irland. London, 5. Septem- ber. (E. C.) GeneralGrant ist auf Schloß Dunrobin angekom- men und bleibt-dort einige Tage alS Gast des Herzogs von Su: t erland. Wie Edinburg und GlaSgow wird auchnvern ess i m das C renbürgerre t ertheilen. _ DieGeldsammlung für Indien it auf 100,000 Pfd. Sterl. angewachsen. Der Lon- doner Stadtrath wird den Antra _ ftelien, 1000 Pfd. Sterl. 11 dem Fonds beizusteuern. _ ie Home Rule-Partei Heli in Hull unter dem Vorsitz des UnterhauSmiigliedes

arnell eine Versammlung. Ein anderer irischer Vertreter, Mr. O'Connor Power, hielt eine Rede über die von den Jr- ländern im Parlamente befolgte Politik. Die Ansicht der Redner, daß die sog. Obstruktionspolitik wenn fortaeseßt, gute Erfolge haben werde und im Interesse der Home Rule=Sache sei, ward von der Versammliing gutgeheißen. _ Die Sta 0 ts- Ernnahmen vom 1. April bis zum 1. September d. J. betrugen 30,652,703 Pfd. Steri. gegen 29,927,Z41 Pfd. Sterl. in dem gleichen Zeitraum dr?- Vorjahres; die Nußgaben: 33 821,844 Pfd. Sterl. gegen 33,569,57L Pfd. Sterl. im Vor- jabre; die Bilanz am 1. September 1877: 1,767,882 Pfd. Sterl. gegen 1,589,656 am 1. September 1876.

rankreich. Paris. 5. September. (Fr. C.) Der

Prä ident der Republik empfing heute den neuen Ge- andten der Vereinigten Staaten, General No es, in AntrittSaudienz. General Noyes gab zuerst den Wün chen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, für das Wohl- er ehxn des Marschalls und seiner amilie und für das edliche Gedeihen des französischen olkes Ausdruck. Dann bk er fort: „Meine Landsleute erinnern sich dankbar 29 zwxckmäßi en und wirksamen Beistandes, weichen Frank- reich 1 ren Katers en gewährt hat, als sie für die nationa e Una häng gkeit _kämpsten. Hundert Jahre sind seit- dem vergangen, ohne daß die also entstandene Freundschaft eme Untrrbrechung erfzrhren hätte. Ich könnte den Wünschen UNd Gejühlen des Prasidenten und des amerikanischen Vol- xes keinen besseren Ausdruck geben, als indem ich

. nichtet worden, welche noch

mich, was mir ehr angenehm sein wird bemühen werde, die lebha en Sympathien und. ireunds ft- li n Vezie ungen, welche zwrschen beiden Lan ern betehen, zu p egen, u kräftigen und immerdar zu erhalten.“ Der Prändent der epublik erwidertex „General, ich danke Ihnen für die Gesmnungen, die Sie mir im „Nanien der Ver: eini ten Staaten von Amerika aussprechen. Die Ermrierri'ngen, wel Sie anrufen, gehen mir sehr nahe, und Sie konn_en versichert sein, daß Sie mich stets bereit finden werden, im Vereine mit Ihnen die hundertjährige Freundschaft, welche Frank: reich mit Ihrem Lande verbindet, zu erhalten und zu stärken.“ _ Gambetta und der Gerant der „République fran: 9aise“, Murat, sind auf nächsten Dienstag unter der Anklage der Beleidigung (017611395) des Marschall:Präsidenten der Re- publik und der Schmähung (antrages) gegen die Minister vor die 10. Kammer des Pariser Zuchtpolizeigerichts geladen. Nach dem GeseZe vom 27. Juli 1849 ist in diesem Falle den Bläi- tern die i erichterstattung iiber den Prozeß verboten. _ Die vereinigten Vorstände der Linken des Senats erlassen durch die ihnen nahe stehenden Blätter folgende Adresse an das Land:

Thcuere Mitbürger! Frankreich kennt den großen Verlust, der es betroffen hat: Herr Thiers ist nicht mehr. In dieser harten Prii- fung halten wir, die republikanischen Vertreter des cinzigen noch aufrecht gebliebenen großen Staatskörpers, es für eine Bürgerpfiicht, noch einmal unsere Hingebung für die Republik und die feste und be- sonnene Politik zu vertheidigen, vrn welcher drr berühmte Bürger, den wir beweinen, dem Lande das Beispiel gegeben bat. Herr Thiers batte fick) der Republik aus Vernunft und PatriotiSmus angeschloffen. Er erachtete sie als die einzig mögliche Regierung, als die einzige, Welche glricbzeitig der Ordnung und der Freiheit Genüge zu thun und den Ansiblägen der Reaktion ein Ziel zu setzen vermöchte, die nr.: unier der Gunst der Persönlichen Gewalt eines Einzelnrn Aus- sicht auf Gelingen hätte. Sein ganzes Leben lang hat er das rinzip der Volkssonv-sränetät veribeidigt. Er ist, kann man sagen, geiorben, indem er die Regierung des Landes durch das Land verlangte. Er hat diese Lehren praktisch geübt, so oft er in drn Verschiedenen Zeit- läuften seiner langen und rubmvollen Laufbahn an der Regierung war. Herr Thiers hat nicht nur Frankreich mit einer überlegenen Geschicklichkeit regiert, welche ihm die Dankbarkeit der Nation und die Achtung drs Auslandes eingetragen hat und die Bcwundrrung der Nach- welt erwerben wird , er hat auch durch sein Beispiel gezeigt, daß in einem aufgeklärten und freien Lande Sieberbeit, Arbeit und Wohl- ergehen wie mit einem Zauberschlage wiederkehren, Wenn das oberste Staatsamt einem Bürger anvertraut ist, der seine Ehre daran setzt, die Verfassung und den Willen der Nation zu rcsprktiten. Dieses ist der schönste Rubinesarisprmb unseres großes Staats- ntamies. Tbcure Mitbürger, es fehlt in Frankreich nicht an Männern bon Verdienst und Viirgertbum, welche bereit sind, die Ueberlieferungen des Hkrrn Thiers fortzuführen iind sicb, wie -:r für die_Gründung einer liberalen und konservativen, alie berechtigten Interesien scbüxzenden, allen Verbesserungen und Forisrbriticn geöff- neten Republik aufzuopfern. In der gegenwärtigen Krisis bleibt unsere Aufgabe_ die nämliche. Frankreich wird nächstens befragt werden'; so gebe es denn in den Wahlen seinen souveränen Willen mit Einigkeii und Fe ii keit zu erkennen! Die Menschen verßcbem aber die Prinzipien bei en. Feri: Thiers hinterläßt uns dir Lehren vollendeter Erfahrung, die Vor ildcr dcs reinsten Patriotisiiiuö. Beiden werdeii alie Republikaner treu bleiben woilen, und dies wird die wiirdrgste Huldigung sein, Welche wir dem grofsen Franzosen darbrin- gen können, der uns entriffen wvrden ist.

Für das linke Centrum: Bertauld, Calmon, Gilbert, Boucher, Graf Rampon, oucher de Careil; für die republikanische, Linke: Ara o, Leroycr, uclerc, Hérold, Lacet, Malenö, Salneure' für die rKés? likaniscbe Uniqa: Yeyrat, Victor Hugo, Crémieux. Scheurer-

ncr. -,

, „_ 6. S_e tember. (W. T. B.) Da Frau Tl ier-Z das offizielle LU )enbegängniß ihres verstorbenen atten nur unter der Bedingung acceptirt hat, daß ihr selbst dir Anord- nuxigen bezüglich der Ordnung des Leichenzuges Überlassen b'ieiben, war die Regierung ihrerseits der Ansicht, die Aus- fuhrung der Dekrete, welche die Ordnung der Leichenziige bei 0ff1z10Ü€1l Ceremonien regeln, nicht aufgeben zu sollrn. Die- seibe beschloß daher, das gestern publizirte amtlichs Dekret wieder aufzriheben, und wird sich an dem Leichenbegängniß nur insoweit betyeiligen, 016 es sick) um die militäri- schen Ehren handelt, auf welche der Verstorbene, sowohl als Würdenträger der Ehrenlegion, wie als vortrialiger Chef der Regierung, em Anrecht hat. _ Dcr gi'ößic Theil der Sena:- ioren m_id ehrmaligen Deputirtcn der republikanischen Partri ist, bere1tZ_zu der Leichenfeier Thiers' hier eingetro rn. Die kirchliche Feier wird am Sonnabend in der Pfarrkirche des Verstorbenen, Notre:dame des Lorertes, stattfinden. Die Grabredr w1rd Namens der ehemaligen Deputirten Hr. Gre"; vr) balien, Urn auf, _diese Weise zu bekunden, „daß er an Stelle Jhrerß' die offizielle Leitung der republikanischen Partei ubernebmr. _ „Gambetta hat gesierxi die Vorladuéig drs Zuwtpolrzeigrrichts zu der qui nächsten Dienstag gegen iim anberaumten Verhandlung erhalten. Die Anklage lautet anf Beleidigung des Präsidenten der Republik und Schmähung der Minister. Dem Vernehmen nach wird der Stanisanwalt den Ausschluß der Oeffentlichkeit der Ver- handlung beantragen.

_ 7. September. (W. T. B.) Das „Journal officiel“ veröffentlicht den vom Marscka11=Präsidenten genehmigten Vericht des Ministers des Innern, de Fourtou in welchem unter Ausdrücken Lebhafte]! Bedauerns die iederauf-

ebung des Dekretes, betreffend die Beerdigyng

hiers' auf Kosten des Staates, beantragt wird, nachdem dem Leichenbegängniffe in Folge der “von den Hinterbliebenen gesteÜten Bedingungen der Charakter einer nationalen Feier genommen worden sei.

Italien. Rom, 1. September. Die „Gazzetti uffiziale“ veröffentlicht in Berreff desBrigania gio in den neapolita- nischen Provinzen einvom 24.1). i.datirtes Rundschrei- [)?-'i des Ministers desoénnern an die Präfekten undKom- mandanten der Carabinieri: egionenxin diekjen Landestheilen. Nachdem der Minister in diesem Schriftstück onftatirt at: daß nunmehr auch die lebten Ueberrefte der Bri antenban en ver- , _ die Provinzen alabria Ulteriore, Calabria Citeriore, Basilicata und Principato Citeriore ver- heert hatten, erklärt er, das; hieinit die AufZabe der Re ierung und der Be örden noch lange nicht ers Zöpst sei, ondern daß sich iese vielmehr thätiger a s je mit der offentli en Sicherheit zu beschäftigen haben, indem die moralis e Wirkung fortbestehe, welche ]ene geseli chaftliche Plage durch ihre lange Dauer in den südlichen rovinzen hervorgrbracht „babe. Es, sei hienach insbesondere darauf u achten, sich derjenigen. Individuen zu versichern, egen welcbe Haftbefehle erlassen, sind, und die, wenn nicht ra (? eingefan- gen oder zur fretmrlii en Stellung veranlaßt, obs on häufig blos wegen geringer ergehen und [ei terer Verbrechen ver- foigt, den „Kern JU kiinftigen Banden bi den. Um in dieser Richtung **,-men „giinstigen Erfolg zu erzielen, ruft der Minister

den Beistand aller uten Vür er an, da es erwiesen sei, daß die Negierun ohne en merkt "tige Hülfe nur schwer und sehr langsam dur dringe. Die Regierung ist geneigt, alle außerordent- lichen Dienstleistungen in Angele enheit der öffentlichen Sicher- heit aiich außerordrntlich zu be ohnen, und der Minister for- dert die Präfekten auf, ihm dieserhalb Vorschläge zu machen, wie er denn auch wie bisher auf die Einfangung der gefähr- lichsten Verbrecher Preise auszuseßen bereit ist. Der Schluß des Rundschreibens lautet: „Ich muß endlich den Behörden der Provinzen, in welchen soeben das Vriganiaggio ausZe- rottet wurde, bemerken, daß die bisher angewandten, auf die Vertheilung der militärischen Streitkräfte bezüglichen außer: ordentlichen Vorkehrungexi aufzuhören haben werden, wie die Ursache aufhörte, welche ne geri net und nothwendig erscheinen ließ; aber dies wird allmähli und mit großer Umsicht zu geschehen haben, damit die Schlechten nicht Vortheil daraus ziehen oder aus der Unzulänglichkeit der repressiven Mittel oder einer minder sorgsamen Ueberwachung neuen Muth

schöpfen.“

D'or Kriegs-Miiiister ist vorgestern nach Turin

abgereist, um dem König Vortrag zu halten und denselben zu den Manövern zu begleiten. ' __ ' __ _ 2. September. Ausefehl des Ministers Nicotera nnd mcbrsre Hunderte von Camorristcn dieser Tage in Neape gefangen grnommen und zu Zwangechifenihalt in entfernten Grgcndeu verurtheilt worden. Ueber die chte Razzia, welche die Polizei gegen dieselben unternommen, wird der „Jtalie“ berichtet:

„Jedermann weis; in Neapel, das; gewisse Individuen von den unglücklichen Friichtbändlern auf dem Markic cine Zwangßabgabc (in der Gaunersprache iijritt-o 31 s]]Uta genannt) zum Vortheil der Ca- morra erheben. Besonders wird dieses sondrrbare „Recht“ auf dem vor der Porta Nolana eingericbteten Markte geltend gemacht. Die mit der Bcauisicbtiguna betrauten Polizeideleqirtc-n betraten denselben "am 30. August am frühen Morgen gegen 7 Uhr mit 70 Munizipalwach- tern, besetzten alle Zugänge und arretirten alle Individuen, welche grkommen wach, um das „Recht“ der Camorra auszuüben, zum nicht geringen Schrecken aller Anrvesenden. Es waren ihrer 60, die nach dem Dome von St. Peter (Volksausdruck fiir Gefän-Jniß) gbgefübrt wurden. Die Nachricht haiie sicb bald wie ein Lauffeuer im ganzen Stadtviertrl verbreitet. Eine zahllofr' Mensrbenmenge, Yriter Welcher sich die Verwandten der Verbafteten befanden, batte 11ch bald an allrn Zugängen des Platzes eingrfuuden. Die Balkons und die Fexisier der nächsten Häuser waren mit Neugirrrgen beseßt. Schrecken Hatte sich sogar auch der Priestrr bemächtiat, ,denn ire _be- eilten sich, die Tbüren der Kirkben und Kapellen zu schließen. Eine Narizc Coriipagnie Bcrsaglieri war bcrbeigerufen worden, um den Dienern der öffentlichen Sicherheit zu Helfen, die Vcrbastung der Camorristen vorzunehmen und dieselben forizubringen.“

' Türkei. Belgrad, 2. September. Zur Lagern Serbien wrrd der „Pol. Korr.“ von hier geschrieben: '

„Die 0rcjr0 (16 batdiile ist durch einen Armrebefebl drs Fiirsicii Miian bereits pnblizirt worden und hält der Kriegsrqis),.be1iei§§nd aus den Corpékommandqnien Obersten Hrrvaiovits, Nikolic, Leich- janiii, Grmeral Protic, Krich-Ministrr Sava Grmc und ,den'Gene- ralstabs-Offizieren Obersten Prcskovic, FranÉascvic, Artiiierze-Cbef Milutin Jovanovic, Zntendnnz-Cbef Oberst- ieutenanx Giuric,_ tag- lich Sitzungen. _Die Kreischrfo und Grmeindcvorstarxde crhicltc'n rom Kriegs-Miniiirrium und Ministerium des Innern strenge Wei- sungen, betreffend die Sistirung der Ertbeilung von Arislandspasicn, sdwie aÜe ihnen rintersiebendc Beamten, Axrzte, Milizsoldatcu imd Fuhrleute aufzufordern, fili) marschbereit zu halten. '

n der Gervehr- und Kanonenfabrik zu Kragujevaix, wird Tag und Nacht- geaxbeitet. Die ontonnier- nnd , Geniesoldcrten wurden nach Kladowa,* Saiischar, A exinaß und Deligrad zur Vornahme von Schanzarbeiten abgesendet. Viele Beamte und Profesiorep, welche znr Jntendanzkomtnission delegirt w.:rden, sind n„ach'den Provmzdepots- orten abgereist. Heute rückten am Vracarpoljc die Belgrgdcr Fuhr- leuir zur Inspizirnng durch den Intendanz_chef aus. J).)iunition,_Ge-* schütze und Sanitäiswagcn sind nach Saitjchar, Alexmaiz, "Deligrad und Kladowa gesendet Wyrden. Armeelieferantcti, welcbe wahrend des vorjährigen Krieges mit der Regierung in Verbiridung standen, bc- ginnen wieder in Belgrad sich einzusmden. _ ' ,

Da die JabreSzeit schon vorgerückt ist und die Armee rnit Winter- kleidern fiir eine Herbftcampagne am Javvr und an der„Morawa versorgi werden 111973. hat der Kriegs-Minister 40,000 Mantcl Ulid 40,000 Montureii in Belgicn bestellt. Für'Lixferung von Herr_Broi, Wein, Gemüse wurden Verträge mit Einheimischen abgesxhlosicw'da durch die dieSjäbrige günstige Ernte Serbien mit LebenSmnteln reich- lich versorgt ist. Die serbische Operationsarmee“ wrlchr aus den kombiriirten regulären 38 Batailloncn und 60 Milizbaiaiilonen dcs eré'ien Aufgebotes bestehen wird, zählt gegenWartig 3 aktive Generale, niimlich Kosta Protic, Alexander Tschernajeff und Zach, 17 Obcrsie, 29 Obersi-Lieutenanis, 40 Ma'ore, 39 Hauptleute ersi'er Klasie, 43 Hauptleute zweiter Klasse,. 1 0Ober-Lieutenants, 180 Lieutenants, ferner 250 in Disponibilität befindliche Offiziere 'aÜer Waffen- gattungen. Für das Sanitätswcsen wird Serbien nicht, genugende Aerzte haben, da im Vorjahre iiber 200'Aerzte und Chikatgerraris- Rußland, Englaid, Ocsterrcicky-Ungarn, Italien und der Schweiz in serbische Dienste traten und bis zur Beendigung des Kriegcs „vom russischen Rothen Kreuz erhalten wurden. JeZt wird das Krieg?- Ministerium fremde Aerzte aufnehmen müssen. Die Holbskhzile, die seit zwei Jahren geschlossen blirb, wird wieder in „cm Spital ver- wandelt, ebenso werdcn die Gebäude der Gymimsien. Realscimlxn und Seminarien zur Verfügung des Sanitätswesens gestellt. Seti- dem die Aussichten auf einen Krieg fich wieder mehren, gebt'es mit“ der Handelsbewegung, welche eine Zeitlang einen recht befriedigenden Aufschwung nahm, wieder rasch abwärts.“

Schiveden und Norwegen. Siockhdlm, 31. August. „Aftonbladet“ schreibt: „N. D. A.“? bringt, emen Artike'hi'iach welchem „Sibwedens einzige Kolonie 11) die „Hände dxrjemgen Macht zurückgegangen ist, welche uns einst die Insel 1chenkte.“ Da man hieraus schließen muß, daß die Abtretuprrrrths- lemys eine vollzogene Thatsache ist, und da wrr in einer so wichtigen Frage wie eine Landabtretung unseren Lesxrn lose Gerüchte nicht mittheilen wollten, haben wir uns „Auskläriing darüber zu verschaffen gesucht, wie es sich mit der Ab- tretungsfrage verhält. Wir giauben versichern zu können, daß die gepflogenen VerhandlunHYn noch nicht abgeschlossen worden sind.“ _ Im Laufe des onats September triit hier eme Kommission zusammen, deren Airxgabe es ist, das ]eßige Geseß Über Fabrikation und Aus cha11k von Spirituosrn einer eingehenden Umarbeitun zu unterziehen. Bekanntli? kehrten von Reichstag zu Rei Stag die Anträge wreder, da die Regierung etwas zur Minderung des überharrdne?menden Spirituosen-Konsums t?nn möge; die Komwisswri ihr Hauptaugenmerk au Erreichung diese.?- Zieles richten.

Der rusfisth-tiirkisrhe Krieg.

Lo„ndon, 7. September. (W. T. V.) Lord Derby sprach sick) gelegentlich einer gestern Abend in Liverpool ge- lZaltenen Rede bezüglich der Orientfrage dghm aus, 'daß

er gegenwärtige Zeitpunkt zu einer Einwis, ung dritter Mächte behufs Herbeiführung des Friedens m_t angethair erscheine. Die Zeit dürfte aber kommen und nicht allzuweit

oll nun"

entfernt sein, wo Englands gute Dienste , den Kriegführexiden annehmbar erscheinen würden. Die Regierung werde diesen eitpunkt, sobald er eintrete, nicht unbenusi vorübergehen affen.

Europäischer Kriegsschauplaß.

Aus Bukarest, 5. Srptember, meldet die W. „Presse“: Gestern istdas finnländische SchiiY;n-Bataillon, eine sehr gut aussehende Truppe, hier dur - und nach der Donau abmarschirt. Gestern passirten die ersten Abtheilungen drr Garde-Kavallerie die Donau. _ Aus den russischen KadettewCorp-Z: und Junkerichulen, wie aus den Militär: Gymnasien und anderen Militär:Bildungsanstalten wurden 800 Zöglinge zu Offizieren ernannt, um den grchßen Abgang an Offi3iercn bei der Armee in Bulgarien zu de en.

Konstantinopel, 6, Septcmbrr. (W. T. B.) _Die hiesigen Journale melden eine Schlacht bei Low_t_1cha zwischen dem Corps Oßman Paschae; und großen_ riisiischen Streitkräften. Ueber daß Resultat derselben ist offiziel] noch nichts verlautbart.

Konstantinopel, 6. September. („W. T. T*.) Nach ciner Depesche Mehemed Ali's aus chblowa, 6. c., hat das in zwei Kolonnen unter Faub und _Sabii Pascha gctheilte Corps Ejub Pascha-Z das zwölfte ruf1ische Corps angegriffen, welches durch eine diesseits des Lom postirte Division unter: stützt wurde. Die Russen wurden geworfen und gingen iiber den Lom zuriick, indem sir ihre befestigten Positioncn in der Umgegend von Kechlowa im Stick) ließen. Die Verlustc br: trugen auf Seiten der Russen 3000 außer Gefecht Geseßte; auf Seiten der Türken 200 Todte und 700 Verwundete.

Konstantinopel, 6. September. (W. T. V.) Ueber die letzten Kämpfe bei Lowtscha und Schipka sind noch immer keine offizielXen Nachrichten veröffentlicht worden. _ Bei dem letzten Gefecht Achmed Ejubs am Lom soil a_uck) der die russische Kavallerie befehligende General gefallen sem; türkis erseits blieben 2 Obersten. _

5 ien, 6. September. (W. T. B.) Der „Pol. Korrcip.“ wird aus Bukarest von heute telegraphisck) gemeldet: Gestern friih fand in der Umgebung Rustschuks ein bedeutender Kampf statt. Bald nach Anfang desselben begannen dic russischen Batterien von Slobozia ach ein Bombardement, welches, von türkischer Seite erwidert, den ganzen Tag dauerte und auch heute fortgeseßt wurde. _ In der verflossenrn Nacht versuchten türkische Truppen von Widdin aus auf Varkrn sick) Conpcheni bei Kalafat zu nähern, wurdrn aber durch die rasch aufgefahrenen rumänischen Batterien zurückgetricben. Die Garnison Widdins ist der drohenden Haltung Serbirns wegen auf 8000 Mann gebracht worden.

_ Vom Kriegsschaupwße in Bulgarien berichtet die „5 ol. Korr.“ aus Galaß, 2. September:

ie Folgen des mißlungenen Angriffes (auf den Scbipka- paß) können für die Türken weittraqend werden. Erstan isiacine ihrer tüchtigsten Armeen auf mehrere Wochen nicht mehr kamffabig, denn eine Armee von 40,000 Mann, welche einen Verlust don 15,000 Mann erleidet, braucht unter den in diessm Kriege mafigcbendcn Verhältnissen wenigstens einige Wochen, um sich zu rrorgqnisirrn und wieder als ein Faktor yon einiger Bedeutung in den Feldzug einzu- greifen; zweitens ist die Stellmig der Russen in Nord-Bulgarien vorläufig unerfchütiert und Vor cinem Angriffe in der Froni Kesicbert, so da die russische Krieasleitung je „i ibr ganchAugcnmcrk auf ihre Flan en richtcn kann. Was bei S 'pka wie bei Plcwna auffaÜeiid bervortrat, ist, wie wenig die türkifchen Heerführer sich unter em- ande: untersiüßen. Bei Plewna ließ man Oßman Pascha allein, was ibn hinderte, seinen Sieg auszunüxxen. Während der mehr- tägigen Kämpfe in Schipka machten Weder Osinan Pascha aus Lowtscha, noch Mebemed Ali aus Eski-Djuma den klein- sten Offensivftos; gegen die russische: Aufstellung, so daß die Russen von Sclwi und Von Tirnowa in aller Rabe Verstärkungen nach S ck ipka schicken konnten, Welche den unentschiedrn bin- und [)er- wogenden blutigen Kampf zu ihren Gunsten wendeten. Jedi cheint die Reihe an die türkische Osiarmee gekommen zu sein, Na den letzten Nachrichten hat dieselbe von EEki - Djuma und Na s grad zugleich eine Offensivbcwegung begonnen; durcb erche sie die rusfisÖe Aufsteilung an der mittleren Janira- Linie bedroht Man kann von dieser Bewegung dasselbe wie von alien türkischen Operationen, außer der bei Piervna, sagen: daß sie zu 1" ät kommt. Dieselbe war angezeigt und hatte vici Wahr- scheinli keit des Erfolges für sich während der Kämpfe bei PleWna und gleich nach diesen Kämpfen. Weniger wichtig, _jedoch schr nütz- lich, wäre sie während der Gefechte am Scbipkapasic gewesen. JeiZt (iber trägt der Offenfivsio Mebemed Llli's (wenn er überhaupt stattßndet), den Keim des ißerfol es in sick). Die ersten glücklichen Treffsn bei Ajaslar und Turlak J zusammxngefaßt verhalten sicb die Thatsachen folgendermaßen: Nach dem Griechte eiAjaslar rückte eine starke türkische Rekogiwszirungs- Abtheilung won Kukükiöi über Arablar bis Karaqac vor, stieß aber dort Juf starke russische Massen und zog sich zurück Ebenso ruckte Nedxib Pascha von Rasgrad gegen Turlak vor, drängte dre rusfischerx Vortrupprn zurück und bese tr Kosianca (ein Markt- flecken ain SolentY-Flußcben), Wie man seht, waren aiie diese (Ge- fechte ' nichts rremgcr als entscheidend, und die schwachen russischen Abtheilungen, welche daran Theil nahmen, babeii fick) nur auf das (Gros der Arme_e des GroYf'urste n Tbro nfolgcrs zurückgezogen. Diese Armee _wrrd aber an in den nächsten Tagen schon so verstärkt sein, 'das; sie dem Offenfivstoße der türkischen Ostarmee er- folgreui) wird widerstehen können. DeZwegen wird in kompetenten Kreisen an _keine wichtigen Zusammenstöße auf diesem Theile des Kriesksckzauplaßes geglaubt, bevor der in_ Wesi-Bulgarien swb vorbereitende Entjcbeidungskampf sigttgesunden bat. Le terer kann nicht lange ausbleiben. Alle An- zeichen deuten darauf in, daß in den nächsten Tagen die Würfel mn Pieivna fallen wcrden. Entweder versucht die russische Kriegs- lertung, Oßmap Pas cba zu umzingeln; in diesem Falie wird der- selbe angriffsweise vvrgxben um sich Luft zu machen, oder derAngriff gebt vou ruésrscber" Seite aus, indem Großfürst Nikolaus und Furst Kar _die turkische SteÜung in Front und Flanke angreifen.

edenfalis ist die Konzentrirung der russischen Streitkräfte um PleWna zu bedeutend für eine Defensive. Cs staben dort das, 4., 11. und 9. Corps (die beiden letztere", welche stark ge_liiten batten, _find durch nen angekommerie ErgänzungSmannschaften wieder vervollrtandigi), allio 70,000 Mann; außerdem Abtkeilungen drs 5. Corps, 2 Schaben rigaden, 3 Kavalleriedivisionen und das flixgxnde Corps des'Generals Skobeleff. Rechnet man dazu dic ru- manische Armee mri Wenigstens 30,000 Mann, so erzielt sich mit Ausschluß der Nichtkombattanien eine Konzentrirung von ungefähr 120,000 Mann. 'Wie man sieht, kann es sich n cht um eine ab- wartende, defenswe Stellung handeln. Heute wurden auch schon kthqrfe RekognoSzirungen gemeldei, Welche von starken türkischen Ab- ibécl .n eri gegen die russisch-ru'mänischen Flügel gemacht wur- den. _et einer solcbrn Rekognoßzzrung entspann sich ein (Gefecht bei T r sten ik (nicht zu verwechseln miteinem gleichnamigen Orte nordWestlicb von Plewna), einem nordöstlich von lewna gelegenen Dorfe. Dieses upbedeutcnde Gefecht gab zu den 1": ertriedendsten Gerüchten Aula , die auch in den meisten rumänischen Blättern Platz fanden. 5 darf versichert werden, daß bis zur Stunde kein bedeutender Zusam- mensto „sigitgefundezi bat. Ge en den 7. September aber ist es wahr! ernlich, daß die Aktion beg nnen wird. Die Stellungen beider

alten keiiieBedcutiing, denn kurz.

Y_rmeen sind ungefähr dieselben wie vor einigen Tagen, nur haben die Türken ibre Befesti ungen etwas aukaedebnt. Außer der eigentlichen Stellung den sie nämlich Vorwerke auf den Höhen bei Grivica, Radisowo und nordwestlich bei Etropol errichtet. Die rumänische Armee steht seit gestern auf den bezeichneten Positionen und hat auch angefan en, in aller Eile paffagere Befestigungen aufzuwerfen. _ Die rdetrurpen fxngen an, auf der Eisenbahn zu passiren. 2000 Mann Kavallerie und 4000 Mann Infanterie find schon durcbpasiirt. Große Nach- züze werden täglich erwartet.“ .

_ _ Der Bukarester Spezial-Vemchterstattxr der W. „Presse“ schildert in folgender Weise die Lebewsweise desnKaisers von Rußland im Armce-Hauptquartier zu Gortm Studen:

„Dxr Czar führt ein echt soldatiscbes, man kann sagen,„ein svartanijches Leben in Gornji Studen. Wer Orianda, Kiew, _Moskau, Petersbur. Zarskoje-S-lo und viele andere Städte ge- 1ehen, in denen die ?Palais des Czaren, alle übrigen Paläste an Größe und Pracht überragen, der würde kaum glauben, daß der Czar beute eine ganz einfache Bulgarenbütte bewohnt, deren Dar!) ciuem swarfcn Herbstregen kaum widerstehen dürfte. Tie Behausung deZ Czarcn ist heute eii' aewöhnliches, einstöckiges Bauernhaus, umgeben von wildem Gestrüpp und einem Obst- garten, in dem eine Rribe von Zelten aufgeschlagen ist, In Gcrnji Studkn hört man keine Ceremonialmärsrbe, Hymnen und Gewehr- i)crausrufe, sondern nur das Gcmurmel keschcidener Morgenr, Mit- tags- ur-d Abendacbete, Welchen der Czar simmt ieinem Convoi uud Stabe regelmäßig beiwohnt. Auch ist das materielle Leben des Kaisers ein sehr einfaches. Des Morgens nach der Reveille wird Thee servirt und in wenigen Minuten getrun- ken. Um 2 Uhr Nachmittags wird das Mahl, bestehend aus Suppe, Rindfleisch und Braten, aufgetrazxen. Der Tisch, an dem .thafelt“ wird, ist einer der primitivi'ten Art 11 .d gewöhnlich im Schatten eines Baumes aufgestellt. Der Czar ipeist gemein- schaftlich mit seinem Stabe und im ganzen Verkehr ist keine Spur von Zurückbciliung und strenger Etikette der Einzelnen bemerkbar. Das Diner dauert selten länger als cine Stunde, und während deffelben liest der Hofyrrdiger die üblichen Gebete und Kapitel aus dem Evangelium. Der Kaiser bewohnt ein einiiges Zimmer, welches keineswegs drn Georgs- und Alerandernewski-Sälen ähnelt. Selbst- rerständlick) tbeilen aile russischen Kavaliere, welche sich in der Um- gebung des Kaisers befindeii, diese einfache Lebenöweise.“

Konstantinoocl, 6. September. (W. T. B.) Nach einer der hiesigen „Agence Havas“ zugegangenen Nachricht wären die Montenegrinrr vor Nikfic mit einem Verluste von 1300 Mann geschlagen worden und hätten die Belagerung von Niksic aufgrhobeii.

Asiatischer Kriegsschauplatz.

Die Situation auf dem armeniichrn Kriegs: schaupiaHe schildert die „Pol. Korr.“ in einem Berichte aus Tislis, 30. August, wie folgt:

, _ „„General-Lieutenant Obruticbeff, Vorsiizendz'r des militärischen wisienschaftlixbcn Comité in St. Petcréburg, ist im Hauptquartier drr Kdiikasus-Armec eingetroffen. Eine andere, die Bedeutung dieicr Nachricht illustrircnde Meldung ist die Verscanng dcs Lagrrs [wn Kuruk-Dara „narb dcm Bkkzie Korojal und die gieichzkiiige Bcsclzung dcs Bergrs Uch=Tapa dumb die rassischen Truppen. Nach der Einnahme und starken Befestigung des Berges Kisii- Topa durch die Türken, wodurch diese ihre Avantgarden bis zu den kurz Vorher von der russischen Avantgarde bescßten Dörfern Kiil-Vrrni und Basti) - Kidvklar vorscbiebcn konnten, war die rrissischr, durch die türkische Aufstellung balbniondartig umspannte Position bei Kiiruk-Dara und Oausly stätcn Flankenangriffcn ausgrscßt. Die türkische Po sition war nämlich folgende: Der linke Flügel siiivir iich auf drn Berg Tasch-Topa, wo 2 Batterien zu je 6 GesÖÜizen, und den großen Jagrw, ww eine Batterie zu 4 Geschüßeii aufgeführt find.= Auf dem Knotcxwunkte der Straße von Chadsi-Vaii nach Subbotan und Wisinkbw stekqn 2 Batterien zu je 4 Gesckziißrn. Die Avantgarden des linken Flti- gels reichen bis Jeiiiköw, Parzet und Jaila. Der Weg von Koloniköw nach Wisinköw wird durch Hirterien, aus Belagerungsgeschiiiz be- stehend, vertheidigi, rrclche ('.Us dcn Forts von_Kars gezogen worden iind. Das tiirkischc Centrum am Aiad1chi ist mit dem lin'ken Flügel durch bis nac.) Buianach reichende tiefe Lauf- gräben und Logemenis verbunden, die bis Subbotan, Ker-Cban, Tmnaiijch und Sckyamsckß iorißeseßt sind. In Kisil-Topa sind 6 Batterien zu je 4 Geschützen au gefiibri. Bascb-Kadyklar und Kiil- Vecni bäit Gazi-beemed-Scbamyl mit seinen Tsrberkcsien besetzt. Die Befexii ungen von Jnach-Trpaffi, Kosudfi nnd Saytli Werden verstärkt. iese Kampflinie wird von 50 Bataixioncn regulärer Iri- fanterie, 7000 Bciicbibozuks und 5000 Reitcrn besetzt gehalten; 6 Bataillone und 2 Cécadronen stehen bei Kistl-Topa, 2 Bataillons: bei Tasch-Topa, 8 Batailione und 4 Escadronen bci Wisinköw, 8 BataiÜone zwischen Wisinköw imd Bulanacb, 9 Bataiilone auf den Höhen über Bulanacb, 5 Bataillovc am Aladscbi, 9 Bataillone bei Jnacb-Tapessi. Der Berg Korojal liegt etwa 12 Werft von dem Centrum der türkischen Positron, dem Berge Aladschi enYerni, von we[chem er durch den jüngst yon den Türken bcfe ten 5 erg Kisil- TopMeircnnt wird. Auf dem Ver e Korojal war eit dcm Erschei- nen dukbtar Paschas in der E ene von Kats ein Teleskop auf-

gestelii, durch das ein speziel] hierzu chimmter Postenidie Bewegungen

des eindcs genau beobachten konnte. ( urch die nunmehr eingetretene Yer cbiebimg hat sich das russische La er in Korojal die Flanken e- sichcri und durch die Armirung des erges Uch-Topa sind die Rn en nunmxbr in der Lage, durch ein leicht zu eröffnendes Kreuzfeuer gegen den Kisii-Topa zu verhindern, daß derselbe zur Basis weiterer Unter- nehmungen diene. Ueber die Schlacht vom 18. (Y August ist hier bereits der offizielie Rapport drs kommandirend'en cnerals Loris- Melikoif ringelaufen und geht aus demselben hervor, daß der Kampf wirklich in der Absicht unternommen worden war, ein news Avantgardcznlager bei Kiil-Verni zu gewinnen, das entschieden-x Vortheile fiir die geplante spätere Offensive boi und [rider wenige Ta e darauf nach der Einnahme des Berges Kisil- Topa dur die Türken wieder aufgegebcn Werden mußte. General - Lieutenant Heimann kommandirte das aus 15 Ba- tgillonen der Grenadierdivision, der Grenadier-AriiUeriebrigade und einer Brigade Kavallerie bestebendr Centrum. General-Lientenanr Dewel kommandirte den aus den Jelisatvetpolschen, Gurischen, Abchafischen, Jmeretinscben und Kutaisschen Regimrniern, 2Schüyenn Bixtaiiloncn, 1Kava11eriebrigade und 44 Geschützen bestehenden linken Yugei. General-Major Komaroff führte 3 Bataillone des

ladrkawkasschcn Regimentes, 2 Bataillone des Sebastopoler Regimentks, 6 Sotnien Kosaken und 12 Geschüße als rechten Fliigel._ Der Angriff wurde von dem Corps-Kommandirenden p_ersönlich von drm Berge Kifil-Topa, aus geleitet. Der Kampf ging die ganze Zeit hindurch nicbt aus kleinen Dimensionen heraus. Ge- neral Heimann batte Subbotan beseyt und war bis Cbadfi-Vali vorgedrungen, General Komaroff hatte den großen Jagnv eingenom- men, General Dewel in Kül-Verni festen Fuß gefaßt. Als das letz- iere gefichert war, ließ General Melikoff den Rückzug antreten, der m vorgeschriebener Ordnung nach Kuruk-Dar'a erfolgte. General Darrel blieb mit seiner Kolonne in Kiil-Verni."

Aus dem Wolffschen Telegraphen-Bureau.

Npm, ; reitag, 7. September,?)iitta 6. Wie die „Agenzia Stefani“ me det, wurde der Papst geiern Abend von einer leichten Ohnmacht befallen, die indes; keinen beunruhigenden Charakter tru_g. Heute verließ der Papst erst spät sein Lager und nahm seine gewöhnlichen Beschäftigungen wieder auf, ob- schon die Schwäche fortdauert.

Vereinswesen.

Frankfurt a./M., 5. September. Die 31.Hauvtversamm- lung des evangelischen Vereins der Gustav-Adolfstif- tuna wurde gestern Nachmittags 3 Uhr eröffnet. Im Kaisersaale m_ Römerbauses fand die erste Begrüßung der Abgeordneten und Gasse stat . Bei dem Festgottexdienste in der St. Katharinenkirche hielt der Hofund Gamisonprediaer Rogge aus Potsdam die Predigt.

_ 6. September. In der heutigen Siyung Wurde die Zuwen- dung der großen LiebeSzabe von 17,000 „44 an die Gemeinde* onau- eschingen beschlossen.

Statifiische Nachrichten.

, Nach Mittheilunéi des statistischen Bureaus der Stadt Ber] [in sind bei den )iefigen Standesämter" in der Woche vom 26. Auaust_ bis incl. 1. September cr. zur Anmeldung gekom- men: 119 Ebenhließungcn, 813 chendgeborne 33 Todtgeborne, 602 Sterbefälle.

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

St. Petersburg, 4. September. Ein Projekt. sämmtliche gelehrten Institute mit der Akademie der Wissenschaften in Verbindung zu seren, wird, wie der „Ssew. Westn.“ erfährt, in maßgebenden Kreisen vorbereitet. Drrselben Qurlle zufolge wird auch die Bildung eines Central-Comités gclebrtcr Gesellschaften ge- plant, in welchem Fragen, deren Charakter rine gemeinsame Prüfung erbeischf, zur Beratbung kommen und von den betrcffenden Spezia- [rtien erledigt werden soilen. Das Comité wird aus Repräsentanten Zammtlicher gelehrter Institute :,usammcugcscizt sein und außerdem oilen noch einig? bekannte Gelehrtc zur Beibeiligung an den Ar- beiten hinzugezogen Werden. Zur Prüfung des Comité's sollen ferner gelqngen sämmtliche Projrkte, dir mit Grsucbcn rim Siibvcniirn Seitens der Regierung in Zusammenhang sichen. und sich auf größere Erpedrtionen, nemeinsame Ausgaben, Abhaltung von Ja- bilarn 11. s. w. beziehen. Auch bezüglich der Abhaltung der Kongresse rus_11scher Naturforschcr soilen dem Comité gewisse Verpflirbtungen auserlegt Werden.

Stockholm, 1. September. Vorgcstern wurde hier die sie- bente allgemeine Versammlung der astronomischen Gesellschaft eröffnct, Es Waren etiva 50 Mitilieder anw:se.id. Dieselben wurden Von dem Kultus-Minister Carlson im Namen des Königs bewillkommnet. Die Verhandlungen wurden in deutscher Sprache gefiihrt. Der nächste Kongreß soll im Jahre 1879 in Ber- lin abgehalten werden.

' _ 3. September. (._H. C.) In der vorgesttizcn Schluß- sißuna dcr Astronomi1chen Gesellschaft wurde die N-.u-

* Wahl des Vorstandes für die nächsten 2 resp. 4Jabre vorgenommen.

Der Vorstand besteht nimmrbr aus folgenden .Herren: Pro essor

. Striwc-PtiixoWa (Vorsiyender), Prof. Kriigcr-Goiba stell- vrrirexeiider Voriitzender), Prof. Schönfeld-Bmm und Prof. Winnecke (Schriftführer), Prof. Brybns-Leipzig (Bibliothekar) Kaufmann Auerbatb-Leipzig Schatzmeister), Pros. (Hdldcn-Swckbolm und Prof. Bakbuixsen-Lebdcii. Die beidcwlexxtgenannten, sowie die beiden Vorsitzenden leiten die rein wisieiistbaftlichen Angelegenbriten.

Genterbe und Handel.

Eine belgisrbe Verordnung Vom 2 Aiigiist g:“siaitct die zoiifrcic Wiedereinfn'dr gewiffxr Gewebe, Welck)? im Vrrcdlungs- verkehr au?gefiibr_t ivordcn iind. Ter cinzige Artikel der Verord- nimg lautet: „Es iii provisorisch gestaitzi, di: Gewebe aus Kamm- one und die aus Kammwviie gemischten Getriebe, weiche zur Fär- bung und .ippretirung in das Ausland gesandt worden sind, unter der Vcrgünstigung des Gcsetx-cs vom 29. März 1873 wieder sinzufübren.“

_ Die „New-Yorker Hd.-Ztg.“ äußert sich in ihrem vom 24. August datirten Wochenberiibt iibrr die Lage des Geschäfis foxgendcrmaßen: In der Gefam mt-Situation machte sich wahrend dieser Berichtswoche eine cnischiedeiie Besserung fühlbar. Es Herrscbir irn Allg meincn eiiie _gebobenere Stimmung, und das Hrrbstgxschirxi hat unter günstigen Auspizien beaorinen. Der Bedarf ist tbatjäcbirch vorbandrn, und nicht zu hoch gespannte Erwartungen, welnche man von der Herbst- und Wintersaison hegt. Werden schwerlich ;wtaucbt werde", deirn die gute Ernte in den nordwestlichen Staaten und die- Ausiicht auf einen [ohnenden I.)?arkt in Europa kö'ixncn nichr verfehlexi , sämmtlichen Geschäftsbrancben cinen fri1chen Jizipuls zu verleihen. _ Der Geldstand hatte während dieser Bertchi§ivdche emen unregelmäßigen Charakter, neigte sich aber größerer Fe "gkeit zu. Im Allgemeinen sprechen aiie Anzeichen da- fiir, daf; die Periode eines aktiven Gcldmarktes in Kiirze eintreten wird,. Die Versendimg ron Papiergeld nach dem Westen zur Pio- biliiirung der Getreideernte beginnt in dieser Saison früher und wer- den dafür größere Anforderungen an New-York gestellt Werden, aks in den leyten Jahren. Dazu kommt noch, daß man wobl nicht mit Unrecbi auf ein' lebhaftes Herbstgescbäft rechnet und schlicizlicb, daß die Operationen des Schatzamtes nicht danach angrtban 11nd,die Fortdaixer der Abundanz zu begünstigen. _ Das Gold- agio fluctnirte 'm dieserBerichtswvckye zwischeii5Y_4;§, mit leßterem Course als heutige Schlußnotirung. _ Ist das Waaren- und Produkterigesibaft auch nur in einzelnen Exportbranchen lebhaft “u nennen, so giebt doch_ diese Lebhaftigkeit eine um so be ründeiere

offn'una auf eme befriedigende Entfaltung des Herb tgeschäfts, als dre Ernte im Allgemeinen ein glänzendes Resultat geliefert hat. In Brodstoffen würde das dieswöcbentliche Geschäft am hiesigen Markt bei sehr lrbhaftem'Exportbegebr noch umfangreicher gewesen sein, Wenn sich mcbt bereits an Schiffen Mangel fühlbar gemacht hatte. Barmiwolle reriokgtc seit Montag ununterbrochen weichende Teridenz, die in einem Rückgang von 7_16 Cents zum Ausdruck ge- langte. Nachdem raffiniries Petroleum die in der Vorjvoébe erzielte Befferung wiederum eingebüßt hatte, befestigte sich gestern der Markt und fehlte es am Schluß zu Notirungen an Abgebern. _ Der Waaren- und Produktenimport während der am 18. August beendeten Woche repräsentirt einen Gesammt- werib von 7,275,317 Dol]. gegen 5,040,949 Doll. in der Vorwoche, eine Zrznahme von 2,234,368 Doll. ergebend. Fremde Webstoffe partizipiren am Gesamwiwertb des letztwöcbentlickzen Imports mit 2,203425 Doll. resp. rnit 37,862 Doll. mebr als in der Vorworhe, während der Import diverjer Produkte und Waaren um 2.196,506 Doi]. größer war. _ Am Waaren- und Produkten- exyort wahrend der am 21. August beendeten Woche _ dessen Gesammtrvertb in Höhe von 5,781,979 Doll. gegen die Vorwoche eine Zunabme von 1,317,633 Doll. aufweist _ partizipirt Baum- woÜe mit 5202 Ballen im klarirten Wert von 279,883 Dou. gegen 4302 BaUen im Werth von 256,719 Do . in dsr Vorwoche, und 7042 Balienrcsv. 2886 Ballen im Werth von 400,139 Dol]. resp. 200,182 Dou. in der Parailelwocbe beider Vorjahre.

Verkehrs-Anftalten.

Dem Jabrrsbericht der Königlichen Ostbahn sind folgende Mittheilungen entnommen: Das Schienennetz der Bahn umfaßt (erl. der im Bau begriffenen Linien) 2236 Kilom. Das gesammte lnlagekapital beträgt etwas über 322 Millionen Mark, die Unterhaltung des Schienengeleises koi'tete 2,987,865 „ja, der Babuboföanlagen 965,494 „46, der Telegrapben und Zubehör 83,082 «M Die Zahl der für den Betrieb vorhandenen Lokomotiven betrug Ende 1876 587, die der Personenivagen 877, die der Güter- wagen 10,715 und die der Gepäckwagen 213. Die Gesammtzabl der coursirenden Z:“ige belief fick) im Jahre 1876 auf 44,968 Züge. Mit diesen Zügen wurden befördert 4,733,010 Personen (_ 140,340 44,537 740 Ctr. Güter (_1,740,680) und 2,129,320 Cir. Vie ( + 2600). Die Gesammtcinnabme belief sich auf nabezu 40,000,000 „75, 4,53% weniger als im Vorjahr. Der gesamxnte BetriebSü'rerschu belief sich im Jahre 1876 auf rund 15F Millionen Mark und erga eine Verzinsung des Bau- und Anlagekapitals mit 4,33% (gegen 4,55 0/0 im Vorjahr?

New-York, . September. ZW. T. B.) Der Hamburger Pxstéfdampfer ,Snevta“ isi eute Morgen 7 Uhr hier ein- ge o en.