1877 / 212 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 10 Sep 1877 18:00:01 GMT) scan diff

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ionSunterrichte zu geschehen habe. Der Minister der geist- ichen 2c. Angele enheiten hat jedoch dm 18..Februar 1876 ein Reskript erla en, nach welchem die Ertheiiimg des reli- giöscn Unterrichts in den Volkssch111en unabhqxigig voii der 11118810 cauonica ist. Der katholischeoKlerus der Dwzese Munster laubte dieses Reskript mit Riicksicht auf Art. 24 der Ver- affungs-Urkunde und auf den erwähnten „Allexhochsten Erlaß ignoriren zu dürfen, und erwirkte „ein papstliches Schreiben dahin gehend, daß diejenigen katholischcxn L_Yrer und Lehre: rinnen, welche ohne Erlaubnis; der 'k1rchl1 en, Oberen'und wider das Verbot des Pfarrers Reli ix-USimterricht ertheiiten, von den Sakramenten aUSzus lrxßen seien. " Dieses Schreiben wurde in mehreren . eitungen veroffeptlicht und kam zur Kognition des Strafri'ters. Ja _der hdchstexi Instanz hat sich das Ober-Tribunal, m Uebereinstimmung mit den Vorinstanzen und der Anklage, dahtidaUSgesprochen, „daß das erwähnte Reskript des KultuS-Mnnsters vom vorigen ahre rechtsgültig und vom katholischen Kierus zu respektiren it. „Was zuvörderst die angezogene Versaffungszestimmung anbelangt,“ führt das Erkenntnis; des Ober-Tribunach aus, „so sind die Vorderrichter mit Recht von der auch vom Ober- Tribunal bereits wiederholtgebiiliaten Auffa ung au8ge angen, daß der Art. 24 nicht gegenwärtiges Recht enthq te, da der rt. 112, nach welchem es bis zum Erlaß des im Art. 26 in Aussicht gesißUten Unterrichtsxzescßes hinsichtlich des Schul: U11d Unterrichts: Wesens bei den bisherigen gesetzlicher] Bestimmungxn be- wendet, sich auch auf Artikel 24 bLJLLYt, welcher in Ver- bindung mit Artikel 25 speziell das Vol S1chulwes§n und als einen integrirenden Theil deffelbcn auch den religiosen Unter- richt in der Volksschule zum Gegenstande bat. Zwar hat ein Alierhöchster Erlaß vom 9. August 1858 111 Bezug (1le die Anstellung von kaiholisckxn Elementarlchrerxi zur Herbei- fiihrung eines gleichmäßigen Vcrfahrens innerhalb der Regiernngsbezirke Münster, Minden und Arnsberg ge- nehmigt, daß die Königlichen Regierungen daselbsd ver- flichtet werdcn, vor Ernennung over Bestatigung at olischer Elementarlehrer odrr Elxmentarlehrermnen ni t allein den Bischof zu beiragcn , _. sondern auch die Ernennung und Béstätigung Erst nach erklartemEin: verständniffe des Bischofs eintreten zu, iasien und den Lehrer erst nach oder gleichzeitig mit Behändigung dcr. kanoxiischen Mission ins Amt einzuführen. Auch kann nicht nntdem Köni lieben Ober-Prokurator angenommen werden', daß dieser AÜerFöchste Erlaß durch die neuere Geseßgebung, insbesondere das Gesetz vom 11. März 1872, ohne Weiixres seine Geltuzig verloren habe, weil das Geseß vom 11. Marz 1872, das erzi- zige diese Materie iiberhaupt berührende neuere (Heseß, m §. 3 ausdrücklich bestimmt, daß der Art. 24 der Verfassungs: Urkunde unberührt bleibt, und damit auch ausspricht, daß bezüglich der rage der Leitung deH Religidzisunter- richts (Art. 24 ds. 2) eine Aenderung des bestehenden geseßlichen Zustandes nicht eintreien solle. ' Der mehr: erwähnte Alierhöchste Erlaß ]edoch,1st'wed8r 17) der „Gesetz- Sammlung noch in sonst verbindlicth WELsL, Vielmehr [edi [ich vom „Bischof von Paderborn m iemenr awfirchen Kir enblatte veröffentlicht worden und zur Kenntmß der zur Aus ührung berufenen staatlicher. Behörden nur durch eme im Auftrage des KUltus:Ministers erlassene Instruktion dei; Ober- Präsidenten von Westfalen vom 7_. Februar 1859 gelazigt. Mithin kan", dieserleqßIYOYWJNMÉUF2881811817“;«f.? M?sßßßwei'äiÉ'Fü ihrer Abänderung oder ufhebung eineH neuen Königlichen Erlasses oder eins?; Akts der Geseßgebuug be: darf, an Sieben werden, vielmehr erscheint er nur al?» eine auf Befe [ Sr. Majestät des Königs Erlassene Verwaltungs- maßregel, welche von dem zuständigen Verwaltungß-Minister mit demselben Rechte wieder abgeändert oder aufgehoben wer: den darf, mit welchem sie von ihm ohne Beobachtun? der für Publikation Königlicher Verordnungen mit Geseßes rast ddr- geschriebenen “Form getrofxen worden ist, indem in einem der: artigen Falle ?der Königli e Befehl sich lediglich als cin In- ternum zwischen dem Staat?:oberhaupte und dem ihm unter- - gebenen Minister darstellt, und LS für Dritte ohne Bedeutung ist, ob auch zur Abänderung oder Aufhebung der betreffenden Maßregel eine Königliche Ermächtigung ertheilt war.“

_ Der Königliche Gesandte am Großherzoglich badischen Hofe, Graf vdn„Flemming, ist nach Karlsruhß zuriick- gekehrt und hat die Leitung der Gesandtschaft wieder über: nommen.

Bayern. 911 ünchen, 8. September. (AÜg. Ztg.) Se. Kaiserliche Yoheii der Kronprin hat bezüglich der nunmehr zu En e geführten dies'ährigen nspizirung der Trudped in Würzburg, Bam erg, Nürnbxr und der Ka: vaÜeme-Dwision bei Straubing, sowohl hinji- klick) der Flik): rxmg der Trapxen, alS ihrer Leistungen und taktischen us- bildung, nach xeder Richtung hin Seine vollste Zufriedenheit und Anerkennung in einer die bayerischeArmee höchst ehrenden Weise kundgegeben.

- (WTB) Die Einberufung des Landtags zum 27. d. M. ist nunmehr erfolgt.

Baden. Schloß Mainau, 7. September. Der Großherzog und der Erbgroßherzog werden Sonntag, den 9. d., Schw Maxnau verlassen und gedenken, wie 016 „KarlSr. Ztg.“ er1chtet, am 10. d. früh auf Schloß Brühl einzutreffen. Am 10. wird der, Großherzog an der Parade des 7111. Armee : Corp? Theil nehmen und dem Kaiser das Rheinische Ulqnen-Regimerxi Nr. 7 vorfii ren, dessen Chef der Großherzog ist. Auch am 11. 1). Wir Se. Königliche Hoheit an dem CorpSmanöver Theil nehmen. Am 12. d. be-

absichtigt der Großherzog nach KarlSruhe zurückzukehren. An *

diesem Tage gedenkt die Großherzo in mit der Prinzessin Victoria und dem Prinzen Ludwig 9 eichfaÜs wieder in der Residenz einzutreffen. Der Erbgroßherzdg tritt am 10. d. zur Dienstleistun während der Matiöverzeit m das 1. Badische Leib-Grenadier- egiment Nr. 109 em.

Hessen. Da rm st a d t, 8. September. Der Gr o s;: h e r z o g und die G r () ßh e rz o g i 11 sind mrt dem Erbgroßherzog und deri Prinzessinnen heute Mittag hier Wieder eingetroffen und feierlich empfangen worden.

„Oefi'erreich-Ungarn. Wien, 8. September. Der Kurs er ist geßtsern, den 7. d. M., nach Kaschau gereist. _ Der GrafAndra r) atiich gestern nac?) Ungarn begeben, um stine Faimbe, die den cst'der Sommer aison auf den Gütern des

rafen_ zubrmgen wrcd, dahin zu begleiten. Die Reise des- jelben ist, der „W. Adendpost“ zufolge, auf wenigs Tage fest:

eseßt. _ Die „Wiener tg.“ meldetheute die Ernennung, des ?ommandirenden Genera s zu Agram, F.Z.M. rhrn. von Molinary, zum kommandirenden General zu rimn und des kommandirenden Gc11erals daselbst, F.Z.M. Frhrn. von Philip ovick), zum kommandirenden General zu Agram. '

_ Zm Außgleichsausschusse, welcher gestern _die B ra n n t w e i 11 st 8 u e r berietb, erkiärte sich der F1na113-M1n1ster unter Anerkennung der Wichtigkeit dezZ Prinzipes der Pro- duktensteuer, doch mit Rückncht einerseits quf den Stand der Vranntweinbesteuerung in den mit'Oester'reichz'Urigarn konkur- rirenden Nachbarstaaten, andererseits mit Rucksicht auf das Widerstreben ge en diese Maßreßel dqn ungarischer Seite gegen die Aufna me des vom Su com1t0 beantragten Pussys. Bei der Abstimmung wurde 'edoch der Zusaß des SubcomitSS, demnach die obligatorische inführung der Produktenbesieue: rung fiir alle größeren Brennereien vom 1. September 1882, mit 19 gegen 6 Stimmen beschlossen. Ueber, diesen Differenz: punkt wird nunmehr das Einvernehmen Mischen beiden Ne: gierungen zu pflegen sein.

Pest, 7. September. , . , heute die Spkzialdebatte iiber die, Spiritusfteuervor- lage fort und erledigte die §§. 28 [UH 92, welche ohne wesent- liche Modifikationen angenommen wurden. _ Der Bank: ausschuß seßte beute die Berathung iiber die Statuten der österreichisch:ungari chen Bankgesellschaft fort. "_ Die Mitglieder der gegenwärtig bcratbenden AuHichuss e des Ab eordnetenbauses und der Xmaanimswr Szezll bes )loffen, auf Antrag Zsikdé'nM'S, Ökadamx Thier? isle- graphisck) das Beileid auszudriicken und die ostcrre1ch1sch- ungarische Botschaft in Paris zu ersuchen, emen Kranz auf die Bahre Thiers niederzulegen. ,

_ 8. September. Dcr Finanzausschuß des . Abge- ordnetenhauses becndete heute die Berathung 11er den Spiritussteuer:(Heseßcntwurf. _ Die Aysbeute an Alkohol wurde troß des EintretenH des an_anz-Mimsters_ auf Antrag ch Abg. Wahrmann mit 5Grad fixirt, fiir die BWWMYLVLWU wurden anstatt 34 Hektoliter 45 Mit Zradatw wackziendem Steuernachlaß Und 5 anstatt 10 Hektoliter bebauten Terri- toriums festgesteÜt. ' ,

Krischan, 8. September. Der Kaiser ist heute fruh hier angekdmm-sn. Zum Empfange harten sich der Erzherzog A [brecht eingefunden, ferner der Landeskdmniaddireiide Baron EdelEheim, die Spißen der Militär: und Civildehdrden, der Erzbischof von Erlau, die Bischöfe d_on Kascbau, Zips, Rosqnau, Ungdar und der Abt der Praxndnstraienser.' Der Kaiser, der die Campagne=Uniform eines KavaÜcriezGenerals trug, besichtigte dis ausgeriickte, vom 65. Jnfanterre-Regiinent bei- gesiellie Ehrsn:Compagnie, und fiilör, sodann Ui Begleitung des Erzherzogs Albrecht durch die ix flick) geschmuckte'Stadt. Im Gefolge des Kaisers befanden 11917 auch die Mimstér Graf Bylandt und Tisza, und die Offiziere ,der fremden Armedn. Se. Majestät stieg im bischöflichen Paiais ab. _ Zur Kirchen: parade waren 11,000 Mann Infanterie und HOUVLÖÖ“, 24 Ge- schütze und 2000 Reiter in 4 Treffen airsgerückt.

Agram, 5. Septxmber. In der. heutigen Laridiast- s ißung interpellirte der Abg.Folnegdmc den BMW i_iber (zs Polizeiverbdt (?mläßlick) derstAÉiknnftJdé Jronprßiiizßen 7x

iume, kroati e a nen aus u „en 11" „**-twr- " „""-- cYesteckte kroatissYe LFakimeu geiZaitiam entfernt worden seien.

Auxu-Uz. OLUt, /. SLPÜSMHLV. (N. ZUK!) Ztg.) JU der gestrigen Sißung des BundeSraths wurde dem Hr11.J. Eglinton:Montgomery das Exequatur als Konsul der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Genf, in Er- seßung des verstorbenen rn. Uptdn, ertheilt.

_ 8, September. Jachdem der Vundesrail) dor Regie- rung des Kantons Tes s in unterm 3. Septemdcr einpfohlsn, dic militärische Okkupation von Lugano nicht' länger als nöthig andauern zu lassen, meldet der dortige Staatsoratl), daß er iermit einverstanden sei, und es hat derselbe von den drei Ok upationS-Cdmpagmen bereits zwei entlassen.

Andererseits wird der „N. Zürck). Ztg.“ aus LUgano Unter dem 7. September gemeldet: Die Regierung verlai“, t von der Gemeinde in-zauo die Bezahlung von 12,000 Fr. a 6 Kosten der militärischen Okkupation, ansdxist die leßtdre “sort- dauern würde. Die Munizipalität verweigert die Bezabiung.

Großbritannien und Irland. London, 7. Sep- tember. (E. C.) Der Prinz von Wales ist von Havre nach der Insel Wight zurückgekehrt. Se. Königliche Hoheit wird in den nächsten Wochen Yorkshire besuchen. _ Der irländißcbe Abgeordnete Mr. Butt „hqi in einem Briefe er- klärt, as Verfahren der obstruktiven Mitglieder sei verfaffungswidrig und könne nur didWirkung haben, die Sache der dme Nule-Vartei unwxderherstelibar zu schä- digen. _ ack) einem neuen Telegramm des Vizekönig?- von Indien sind die Ernteaußiichten in dlgc: von Regen- giissen in Madras, Bombay und Béngalen effer geworden.

Frankreich. Paris, 7. September. Das „Ic_durnal officiel“ veröffentlicht folg8nden Bericht de_s Min 1, sters des Innern an den Präsidenten der Republik :

Herr Präsident! Von einem Gefühle eleitet“ Welches das Land mit Ihnen theilte, haben Sie befohlen, daf; as Létchenbegängniß des HerrnThiers durch die Fürsorgx: und gufKosten des Staates veranstaltet Werde, und ebenfalis auf Ihre Weisung habe ich die Ehre gehabt, Frau Thiers den Wortlaut Ibres Dekrets und des demselben voranaeqan enen Berichts zu Unterbreiten. Die Aufnahmc, Welche diese Mitt eilung fand, berecbtigte Mich zu dcr Annahme, daß nichts mehr der Ausführung eines Beschlusxes in den We treten würde, der lediglich den ZWeck hatte, dem Grade Ihres berüßmfen Vorgängers eine lcßte Ehre zu erweisen. Heute, aber hat mir die Familie des Herrn Thiers erklären laYen, fie glaube diese Ehre nur unter der Bedingung annehmen zu önnen, daß fie selbst die Ordnung einer Staatsceremonie regelt, welche Sie nach dem Gesetz keiner privaten Leitung überlassen dürfen, und die hierdurch auch ihren nationalen Charakter verlöre. Ich muß also, Herr Präsident, bei Ihnen die Zurücknahme des in Rede stehendcn_D ekrets beantragen, kann aber nicht umhin, gleichzeitig mein tiefes Bedauern darüber außziz- sprchen, daß Bedingun en, deren Charakter ici) Hier nicht zu würdi- gen abe, die feierliche uldigung unmöglich machten, welche Sie im Namen der Nation einem großen Andenken darbringen wollten. Ick verbleibe" u. s. w.

Genehmigt: Marschall 13. Mac Mahon, Herzz) von Magenta. , '

_ (Fr.C.) DasBegräbni des Herrn Thiers istnnn- mehr auf morgen Mitra angeseßt und wird, da der Kardinal- Erzbischofnvon Paris obaid er erfuhr, daß der Staat seine Hand zuruckgezd ?" bqbe, die Madeleine:Kirche nicht hergeben wollte, m der 1arrk1rche dds Verstorbenen, Notre-Dame-de- Lorette, gefeiert werden., Die Behörde hat, Um ihren gnten Willen *zUAZeigen, erlaubt, daß der Zug sich nichl auf dem kürzesten ege, der" durch die Rue Chanteaudun und die- Rue Lafayette gefuhrt hatte, sondern iiber die großen Boulevards

v. Fourtou.

Der Finanzanßschuß seßts

ua dem Pére=Lachaise bewege. _Das Pariser Plaßkommando wir , wie für das Begräbnis; 1edeS_Großkreuzes der Ehren- legion, eine Division stellen. Die radikalen Blätter ermaynen die Bevölkerung eindringlich zur Ruhe.

_ 9. September. (W. T. V.) Der Marschall-Pra- sident ist heute früh nach der Gironde abgereist. Derselbe wird heute bei dem Herzog Decazes auf dem Schlosse Lagrave Übernachten.

_ Das „Journal officiel“ meldet unter dem 8. September: „Das Leichenhegängniß des Hrn. Thiers, ehemaligen Präsidenten der Republik, Großkreu es der Ehrenlegion, hqt heute in der Kirche Notre-Dame-de- orette stattgefunden. Die Ehrenbezeugungcn wurden von 10 Bataillonen Infanterie, 3 Schwadroncn Kavallerie und 2Baiterien Artiklerie, unter dem Kommando des Divisions:Generals von Brauer, erwiesen. Nach dem Gottesdienst wurde die Leiche nach dem Kirchhofe Pézre-Lachaise iibergefiihrt, wo ste beiges'eßt worden is .“

_ Ueber das Leichenbegängntß liegen ferner fol: gende Telegramme des „W. T. B.“ vor. ,

Paris, 8. September Mittags 12 Uhr. De-I ieitgestern eingetretenen anhaltenden Regenwetters ungeachtet lst zu d.“m Leichenbegängniffe Thiers eine große Menschenmaffe zusammen: geströmt. Die Magazine und Läden sind da, wodcr Zyg vorüberfübrt, geschlossen. Die Bevölkerung verhält sich ruhig.

_ Nachmittags 3 Uhr. Frau ThierH und Fräiilein DOSUL wohnten der kirchlichen Leichenfeier 11] einer Seiten: kapeüe bei und folgten dem Zuge dann zu Wagen. Gain: betta wurde bei dem Heraustreten atis der Kirche von der Menge mit sympatischen Zurufen begrüßt. Um 2 Uhr, lenkte der Zug, welchem eine Schwadron der Gardes de axis vor- auf ritt, in die Boulevards ein. Die zu beiden eitrn der Boulevards stehende zahllose Menge ließ den Kondukt 171 ehr- erbietiger Haltung Und entblößten Hauptes vorüberziehen, nur vereinzelte Riife: Es lebe die Republik!“ wurden laut.

_ Abends. Von den Rednern, die am Grabe Thiers sprachen, gal» Grévy eincn Umriß „von Thiers parlamenta- rischer Laufbahn. Derselbe hob insbesonderemdas Opfer hervor, das Thiers, indem er ieme monarch11chen Ueber: zeugungen aufgegcben, der Nepubl_1k gebracht habe, die 0011 ihm als die aUein mögliche Staatswrm angesehen worden sexi. Didies Opfer sei ihm sehr schwer geworden, aber sem VairiotiHMUS habe hock) iibcr ailen anderen Erwägungen ge- standen. Der Admiral Pdthuau rühmte: Thier? kompeientes Urlheil in militärischen Dingen. Sarci) und Vitri) feierten den Verstorbenen als nationalen Historiker und ausxzczsicl): neten Redner. Jules Simon endlich legte in seiner Rede das Hauptgewicht darauf, daß Thiers sich stets vor der parla- mentarischen Majorität gebeugt hgbe. Alle Reden ernteten [aufen Beifall. Dic Berrdigungsfeier verlief und schloß ohne jeden Zwischenfall. , ' '

_ Abends. (Später.) DW Mehrzth der zur Zeit hier anwesenden Mitglixder dsc?- di'pldm'atischen Corps, ins: besondere der rusxifchs und italienische Botscbgftcr, die Ge- sandten der Schweiz und Spaniens, dww der neue amerikanische Gesandte Noyes und dßssen orgäxiger, Wash- burne, wohntc-„n dem Leichenbegängnisse Thiers periönlick) bei. FWU Thiers gab der Leiche bis an den Friedhof 88.2 Cxoloifo. Eine gioße Anzahl von äden war ge- schlossen oder hatie zum Zeichen der Traner die Firmen- schilder verhüllt. Gambetta, der bei dem Hsraustreten aus der Kirche N-ztre-Dame de Lorette mit syriipathischen

nrufcn begrüßt worden war, mischte sich rasch unter die “ahl der iibrigen ehemaligen Deputirten, um weitsre Oda- tionen zu vermeide'n, und verließ den Friedhof, noch ehe die Reden gehalten wiirden. In den Friedhof durft8n nur die zum Leichenkdndukte gehörigen Personen eintreten. Die Reden auf dem Frisdlwfe waren durchaus gemäßigt nnd ri8fen keinerlei politische Demonstration hervor. Die in dM Straßen versammelte Menge beobachtete ein ehrerbietiges Schweigen, und die an einzelnen Punkten laut werdenden Rufe: „Es [8138 die Rspublik!“ verstummten, sobald von den dM Leichcnzug Bildenden der Wunsch auf Unterlassen der Rufe angedeutet wurde. Nirgends fiel ein aquiihrerisches Wort, Und die _Stadt trägt heute Abend vollstän ig ihr ge- wöhnliches Auswhen.

- 9. September, Abends. Heute hat eine Sitzung des republikanischen Comités stattgefunden, in welcher be- schlosscn wurde, Über die gestrigen Manifestationen eine offizielle Kundgebung an das Land zu richten.

- 10. September. Die Senatoren der Linken laben an z rau Thiers eine Adresse gerichtet und dsrselben

iir ihren 2) nt und für ihren Vatriotiswus ihren Dank aus- gedrückt. Paris habe ihrcm verstorbenen Gatten einen seiner würdigen Triumph zuerkannt. Sein Leben lehre Mäßigung, Beharrlichkeit und bürgerliche Pflichterfüllung und berechtige it dem Vcrtrauen, daß die Sache der Freiheit und des Ge- ?eßes siegen werde.

Italien. Rom, 8. September. (W. T. B.) Der Papst bat heute die Pilgsr aus Angers empfangen.

Türkei. AUS Sr) ra wird der „Times“ Unterm 7. ds. tele- graphirt: „Ein Privatbrief auß Ad'rianopsl, datirt 1. SLP- tember, theilt mit: Drei Und dreißig Personen wurden heute gehenkt und jeden andern Tag finden Hinrichtungen statt. Man lt jdßt die wohlhabendsten und achtbarsteuLeute aus, und kon 'Szirt i!?r Eigsnihum. Achtzig der angesehendsten Einwohner von arldwa_siiid hier gehenkt worden, und zwar diejenigen, die im szußtsdm ihrer Unschuld nicht die Flucht ergriffen hatten. Am 29. August kamen 2500 Verwmtdeie in Adrianopel an, für deren Pflege nur drei türkische Aerzte thkczmden sind. Es existirt kein einziges Hospital in der “ta t.“

Amerika. NewYork, 6. September. (R. B.) Die republikanische Partei in Pennsylvanien hat Rcso- [utidyen angenommen, welche erklären, daß sie die Meinungs- verschiedcnbeiten, welche bezüglich der südlichen Politik des Präsidenten bestehen, anerkenne und achte. Sie ehre die patrioti1chen Motive des Präsidenten, hoffe, er werdc Er- folg haben, und versprech8 seinen Anstrengungen zur Ausfiih- rung der Prinzipien des republikanischen Programmes ihre Unterstiitzung. Die Resolutionen verlangen ferner die Re- monctisirung dcs Silbers Und begünstigen die Einführung eines Sch1ißzolltarifs Schließlich mißbilligen sie die Gewalt- thatem der an dem EisenbalZnstrike Bstheiligten und danken dem Gouverneur Hartranft iir die Unterdrückung des Strikes.

_ 7. September. Die Wahlen ur Legislatur von Kalifornien haben eine dcmokrati?che Majorität ergeben. Telegramme aus Minnesota meldcn eine Koalition der Arbeiter: und Greenback-Partei, deren Staatskoiwen-

tionen gemeinschaftlich einen Kandidaten für den Gouverneur- posten aufstellten. Aehnliche Koalitionen werden auch von anderwärts gemeldet.

Afrika. Kapstadt, 21. August (yia Madeira). Sir BartleFrere hat die Kapstadt verlassen und eine sechs: wöchentli e Rundreise in den östlichen Distrikten angetreten, während welcher er die Strecke der Nordostbahn nach Adelaide eröffnen wird.

Der rusfisth-türkisrhe Krieg.

Rom, 8. September. (253. T. V.) Die „Agenzia Stc- fani“ schreibt: die Meldung der„Times“ aus Belgrad, daß Italien die Theilnahme Serbiens am Kriege billige, werde in hiesigen politischen Kreisen als absdl ut grund: [08 bezeichnet. Dic italienische Regierung habe niemals auf: gehört, Serbien Vorsicht und Klugheit anzurathcn und habe ihre vermittelnde Rolle niemals aufgegeben.

_ (W.T.V.) Aus Belgrad, 9. September, meldet das„N. W. Ta ebl.“: FürstZeretleff degiebt sick) he_ute von hier in das ruf ische Hauptquartier. Derselbe? überbringt die definitiven Abmachungen mit der Lerbischen Regierung. Gleich- zeitig reist Fadejeff nach Mos au zuriick.

Europäischer Kriegsschauplaß.

St. Petersburg, 9. September. (W. T. V.) Offi- zielles Telegramm ach Poradim vom 8. d.: Heute erfolgte kein Angriff auf Kadikoi und Poykoi. _ Nach der Beseßnn des Ortes Kazelewo durch die Tiirkdn, schlitg die Rust,chu er Kdionne den Angriff der Türken auf Abldwd (Oblanowo ?) ab, zog sichjedoch auf nene Positionenzuriick. _ Am 6. d. näherten sich Truppen unserer westlichen Kolonne

_bei einbrechender Dunkelheit Plcwna und errichteten Nachts

auf den die türkischen Befestigungen umgebenden Anhöhen Batterien. Unssre Truppsnarbcit-Mn hier die ganze Nacht hin: durch, ohne von den Türken bemerkt zu werden. Am 7. d. um 6 Uhr Morgens eröffneten unsere Belagerunngaticrien ihr Feuer auf die türkischen Positionen, indem sie eine Salve abgaben. Die Kanonade dauerte den ganzen Tag. Von unseren Truppen wurde der Batterie:Cdmmandeur Gudim von der 16. ArtiÜerie-Brigade getödtet Und Landere Artillerie-Ofsizicre verwundet. Eibe genaue Angabe unsereS Verlustes in dem Kampfe am 7, d. M. liegt noch nicht vor, jedoch ist derselbe nicht bedeutend. In der darauf folgenden Nacht wecbsélten unsere Truppen nur einige Schiiss8 mit den TiirkM. Heute, am 8. September, Morgens 58 Uhr, wurde der Artillerie: kampf mit großer Kraft erneuert._ Auf den iibrigen Punkten des Kriegsschauplaßcé; herrschte am 7. d. vobkommene Ruhe. _ Bei der Einnahme von Lowtsckm fielen der Comman- deur des Pskowschen Regiments, Oberst Kussdff, Und der Cdmmandeur des 11. Schiißen-Bataillons, Oberst Kirdam, ein anderer Offizier wurde verwundet.

St. Petersburg, 9. September. (W. T. B.) Offi- zielles Telegramm axis Poradim vom heutigen Tage: Gestern friih bei Tagesanbruck) näherten sich unsere Batterien noch mehr Plewna. Die Kanonade daucrte den Kanzen Tag. Am Abend bemächtigte sick) Unser linker Flügel der Anhöhen südlich von Plewna mit einem Verlust von 500Ma1111. Das Centrum und der rechte Flügel näherten sick) den türkischerx „Befestigungen bis aux 600 bis:“, 700 Faden. Das Dorf Uscdiiza wurde von un eren Truppen bessßt. Unsere Verluste auf dem rechten Flügel und im Centrum sind im Allgemeinen nicht groß. Das Gescbüßfeuer dauerte die ganze Nacht hin- durch und nahm heute früh ndck) an HLftigkeit zn.

_ (W. T. BZ Aus Bukarest vom 9. d. wird der W. „Preffe“ emel 61: Gerüchtweise verlautet, daß Plewna, nachdem die rissen zwei Reihen der türkischen Posiiidnen ge- nommen, heute gefallen sei.

„Konstantinopel, 7. September. (W. T. V.) DiE hiésigcn Journale behaupten, Lowtsckm isi von nur 8 Ba- taillonen beseßt gewesen, als es von 40,000 Russen angegriffen worden sei. OéZm an Pascha sei mit 28 Bataiilonen aufge- brochen, um dasselbe wiederzunehmon. _ Ueber das Ergebnis; des Kampfes bei Lowtscha ist noch keine amtliche Nachricht veröffentlicht.

., Konstantinopel, 9. Ssptember. (W. T. B.) Nack): richten, welcbe der hiesigen „Ag-xnce avas“ aus NaIgrad zugégangen smd melden, daß Nedjib Pascha am Freitag den Lom-Flu iiberfchritten und nach einem Kampfe mit den Niiffen Odaka bexetzt hat_. Die Russen sollen starke Ver- lu'ste erlitten uiid in er Richtung auf Biela zurückgegangen sem. Die türkischen Truppen seßen die Offensivbewegungen fort. Die Russen haben die Gegend von Popkeni und Karahasscrnler vollständig geräumt. _ Von Plewna ist hier keinerlei Nachricht eingetroffen.

Konstantinddel, 9. September. (W. T. B.) Vom bulgarischen Kriegssckzauplaß wird Hierher gemeldet, die Über den Kara-Lont vorgefckwbenen ru sischen Truppen- abiheilungen wären nach dreitägigen heftigen Kämpfen iiber den Kara-Lom zurückgegangen, hätten Pdpkidi geräumt und sich in der Nichtu11g von Viela zurückgezogen.

Kdnstantinopel, 9. September. (W. T. B.) Von den Kriegsschanpläßen bei Plewna, Schipka nnd Rats- grad smd noch keine offiziellen Depeschsn veröffentlicht.

_ (W. T. B.) Aus Bukarest wird der „Polit. Korr.“ unter dem 9. d. gemeldet, daß die ganze unter dem Ober- befehl ch Großfürsten:ThronfolgerH stehende Nuftschuker Armee neue konzentrirte Stellungen bezogen hat. Ein 20,000 Mann starkes türkisches Corps, welches Osman Pascha zu Hülfe eilen wolite, soll von der unter dem Kom- mandd des General Miréoki stehenden AbtheilunZ ab- geschnitten worden sein. _ Bei Slobozia haben die 8iussen ein nech Monstregeschüß errichtet. Daffßlde hat drei tür- kische Battertsn'vor Nustscbuk zum Schngen gebracht.

_ _ Aus Sistdwa, 7. September, meldet die W. „Presse“: Die Truppen des Generals Zimmermann in der Do- brudscha werden bezdeutdnd verstärkt. Heute ging das- Hu- sgren:Re intent „Weißrußland“ dahin ab, und morgen folgt 81118 gro Anzahl Infanterie und Jäger nebst beträchtlicher Artilierie, im Ganzsn an 12,000 Kombattantcn.

London, 10. September. (W. T. V.) Nach hier ein: geganxienen Vrivatnachrickiten aus'Siftowa begann der Angriff der Russen auf Plswna am 9. d. Morgens von ailen Seiten _nnd darterie den ganzen Tag. Gegen 61151“ Abends war Plewria ,in den Händen der Russen. Die Türken zogen sich in großer Unordnung zuriick, ihre Verlnste sind be- deutend. Details fehlen noch.

Konstantinopel, 9. September. (W. T. B.) Eine Depesche Ali Saib Paschas vom 6. cr. meldet, daß er gegen die Montenegriner Vort eile errang

Cettinje, 8. Septem er. (W. T. B.) Die Festung Niksic at heute kapitulirt.

_ W. T. B.) Aus Cettinje vom 9. d. meldet die W. „Presse“: Gestern Nachmittag machten 5000 Türken von Podgorizza her einen Angriff egen die Südgrenze von Montenegro, dieselben wurden jedocF unter großen Verlusten bis Podgorizza zurückgeworfen. Der Einma ck der Monte- negriner in die Stadt Niksic ist gestern Na mittag erfolgt. Die Fürstin Milena und der älteste Sohn des Fürsten sind Heute von hier nach Niksic abgereist.

L agusa, 8. September. (W. T. V.) Nach hier vor: liegenden „aux, slavischer Quelle _kommcnden Nachrichten hat sich Niksic heute nach einem heftigen Bombardement den Montenegrinern auf Gnade und Ungnade ergeben.

_ (W. T. B.) Aus Ragus a vom 9. d. meldet die W. „Presse“: Die Einwohner von Niklsic haben ihre Waffen im Lager d;s Fürsten Nikita abge iefert. Montenegrinische Truppen in einer Stärke von 3000 Mann marfchiren geZen

Trebinje.

Wien, 9. September. (W. T B.) Telegramm der „Presse“ aus Lestianje: Gestern Nachmittag verkündeten Freudens üffe und Glockengeläute die Kapitulation von Niksic, as sich den Montenegrinern ergeben hat.

Wien, 9. September. (W. T. B.) Nach einem Tele- gramm der „Polit. Korr.“ aus Cattaro vom heutigen Tage, haben sowohl die Garnison von Nikiic, welche sich mit 19 Geschüßen den Montenegrinern auf Gnade und Ungnade er- geben hat,„wie auch die Einwohner von Niksic die Erlaubniß erhalten, sich nach Gaczko zurückzuziehen.

Asiatischer Kriegsschauplaß.

' St. Petersbétrg, 10. September. (W. T. B.) Offi- zielle§,Telegra1n1n ans Karajal vom 9. d.: In der Nacht vom 6. zum 7. d. machte ein Trupp Freiwikliger von unserer irregulären Kavallerie eine brave Attaqu-z auf das Kavallerielager Mdukthar Paschas, seßte gegen 60 Mann außer Gefecht und erbeutete eine Anzahl Waffen und Pferde. Auf dem Riickzng lockte der Trupp die verfolgenden Tiirksn in einen vom Daghestan'schen Kavaklerie-Regiment gelegten Hinterhalt, wobei der Feind abermals große Verluste erlitt. Unsererscits wurden 11, Milizen _Und Soldaten verwundet. .Bei der Kabulst-Abtheilnng tand am 3. d. M. ein von den Türken begonnenes Artilleriegeplänkkl statt, wobei ddr Commandeur des 2. Kaukasiscben Schiißen-Batailch, Oberst: Lieutcnant Kakepiff, verwundet wurde.

Konstantinopel, 9. Septdmber. (W. T. B.) Eine Depesche Mdukhtar Paschas meldct ein am 7. d. auf den Höhen von K i s i l t e p e siattgehabtes lebhaftes G e i' : ck t zwischen der vom Sohne Schamyls befehligten und von 3 Bataillonen sowie Artilleris unterstiißten Auxiliar:Kavallerie und einer aus mehrercn Dragdner:chimentern, 2 Bataiilonen Infanteris und einer Batterie bestehenden russischen Truppenabtheilung. Der Feind sei nach mehrmaligem Zuriickgchen Und Wisdervor: dringen geschlagen und genöthigt worden, sich mit einem Ver: luste von 60 Mann in sein Lager zurückzuziehen. Die tür- kisch-sn Verluste seien Janz Unerheblich. Aus Alexandra- pdl treffe fiir die Nii'chn täglich Artillericderstärkung in Kurukdara ein.

London, 9. September. (W. T. B.) Das „Reuterscbe Bureau“ meldetsaus Erzerum: Die RUffLU senden von Alexandrapdl Positidnxigeschiixze in das La er von Baidi: daran, um ihre Stellung gegen einen Angri Monkhtar Paichas zu befestigen. General Terguka ssdsf befestigt die Stellungen von Jgdyr, dnrch welche die. Wii) der Ebene von Eriwan führenden. Pässe beherrscht werden.

Nr. 36 des „LTxtitrai-Blaits für das Deutsche Reich“, herausgegeben im N8ichskanzler-Ami, hat folgenden Inhalt: Aügemeine Verwaltyngésacben: Verweisung vonAusländern aus dem Reichsgebiei. _ Post- und leegraphenMsen: Verordnu..g, betreffend Abänderungen *.“.nd Ergänzungen dxr Teicgraphenordnung, Brief- verkebr mit China. _ MünzMsén: Uebersicht [ider die Auxprägung von Reichswiinzen. * Marine und Schiffahrt: Ertbeilung eines Flaggenattcstes. _ Konsulatweseu: Ernennungen, Todesfall.

_ Nr. 18 des Ceniral-Blatts der Abgaben-, Ge- werbe- und Handelsxiesetzgebung und Verwaltung in BW Königlich preußischen Staaten hat folgenden Inhalt: Anzeige der in dcr (Hesexzsammlung und im Reichs,iesex3blattc erschienenen GesetZe und Verordnungen. _ 1. AÜgemeine Verwaltungs egenstände: Rück- gabe 'der Kaution von Salzwerksbeamten, Welche a s Einnebmer oder

Gebiilfen eines Salzsteueramts fungirt haben. _ Uebereinstimmung *

derxHanptamtsreckxnung mit stU Finalabschluffe. _ Geschäftliche Behandlung der Telegramme in Staats?)ienst-Angelegenheiten. _ Vuränderungcn in dem Stande undDin dan Befugnissen der Zoll- und Steuerste'ilen. -- 111. Indirekte„Steuern: Erlaß der Tabakssteuer b;:i verspaieter Anzeige der Bcsxbadtgung. _ Erkenntnis; des König- lichen Ober-Tribunals. Masckymen, welcbe mit einem Gebäude in mechanischer Verbindung stehen, bilden Theile der Substanz des letz- teren. _ 71. Personalnachrichten.

Verein swesen.

Frankfurt a. M., 6. September. Die Hier tagende Haupt- versammlung der Evangel ischen Gustav - Adolf - Stif- tung beschloß heute die Hinwendung der „großen LiebeSgabe“ im Be- trage von 17,000 „717; an die evangclisckye Gemeinde in Donaueschin en; ferner Werden je 4000 „778 an die Gemeinde Kalk (in RheinpreuZen) und die vereinigte Gemeinde Kastel-Kostheim (in „Hessen) verthcilt.

Statistische Nachrichten. Sterblichkeits- und Gesundbeitsverhiiltnisse. Ge“

mäß den Veröffentlichungen des Kaiserlichen (Hesnndheixs-

amis find in der fünfunddreißigstrn Jahreswoche von “e 1000 Be- wohnern, _auf den Jahresdurch chniti b-rechnei, als geigtorbeu ge- meldet: in Berlin 31,5, in Breslau 38,0, in Königsberg 28,7, in Cöln 19,3, in Frankfurt a. M. 17,9, in Hannover 20,6, in Caffel14,2, in Magdeburg 28,4, in Stettin 34,9, in Altona 21,8, in Straß- burg 26,8, in München 35,8, in Nürnberg 31,3, in Augsbur 34,0, in Dresden 24,1, in Leipzig 31,8, in Stuttgart 25,8, in Braun cbweig 24,5, in Karlsruhe 14,7, in Hamburg 24,8, in Wien 26,4, in Buda- pest _, in Prag 23,8, in Triest 47,8, in Basel 223, in Brüssel 24,3, in Paris 23,8, ir. Amsterdam 22,1, in Kopenhagen 21,0, in Stockholm _, m Christiania 20,4, in St. Petersburg 31,6, in Warschau 36,1, in Odessa _, in Bukarest 26,5, in Rom 26,7, in Turin 21,8, in Athen 23,2, in Lissabon _, in London 18,3, in (Glasgow 21,6, in Liverpool 24,8, in Dublin 21,1, in Edinburgh 19,2, in Alexandria (Egypten) 47,3, in Ncw-York 31,2, in Philadelphia 22,9, in Boston 26,5, in Cbicago 25,4, in San Franzisko 16,2, in Cal- cutta 24,2, in Bombay 53,4, in Madras 141,9.

In der Berichtßwvcbe Herrichten an den meisten deutschen Be- obachtungsstattonen südliche und südivestlichc Windrichtungen, die nur

vorübergehend an dxn nördlichen Stationen in Wesi- und in Cöln und Heiligenstadt mit Nordwestwind abwechselten. Die Temperatur sank m der zweiten Wochenbälfte sehr erheblich, so daß in anz Deutschland die Temperatur eine kühle war. Das Barometer rieg und fiel wiederholt, zeigte jedoch im Ganzen Neigung zum Steigen, Ntxderschlage „undGewitter fanden nur rrenig statt. _ Die allge- meine SterblichkeiTSverbältnißzahl ist in den deutschen Städten von 29,5 der vorhergehenden Woche auf 27,7 gesunken (auf 1000 Bewohner und (1ng Jahr gerechnet) u_nd zeiqt namentlich die Sterblichkeit des Saugltngkglters m den mxtsten Städtegruppen eine Abnahme, nur in den Stadten gn der Qitseeküste, in der niederrheinischen Niede- ryng und im suddeutschen Hochlande, mit Ausnahme Münchkns eme Zuyabme _U_nter den TodeSursachen zeigen fast alle Infektions- krankhelten Nachiaffe, _so die Masern, der Keuchhusten (auch in V)i.-Gladbach), dj_e Diphtherie, namentlich in Berlin; nur das Scharlacbfiebex 1r1_tt 'm den Städten des sächsisch-märkiichen Tief- landeß, Bcrltp, L_etpztg„Magdeburg häufigcr aui. Unterleibstypben erschemeq meist in geringerer Zahl, und nur in Bukarest und Alexandrien vermehrt. Flecktypbus-Todesfäiie find aus Deutschland 111cht „gemeldet. Aus Leipzig wird ein TodesfaÜ an Pocken berichtet; in Wien, Prag, K_rakgu, Brüssel istdie Blatternepidemie dem Erlöschen 11_al)e, in London stieg ihre Zahl von 11 der Vorwoche auf 20. Sehr erheb- lich ngchgelaffe11_"l)aben *:ie tödtlich endenden Darmkatarrhs nnd Brech- durcbfai1e der Kinder, namentlich in Berlin, Dresden, Leipzig, in den Stadtxu an der Nordseekü!te_ uad am Niederrhein, während sie in d?" Stadien an der Ostseeküste, fern-er in Breslau, PoZlen und am Oberrhein noch mxmer in vermehrter Zahl auftreten, uch in den „meisten außerdeut1chen Städten [affen diese Krankheiten nach, nur in St. Petersburg, Warschau und einigen englischen Städten nzebren sich'dte Darmkatarrhe, in Paris und Brüssel die Brecbdurcb- falle; „Vereinzelie (Zbolsrafälle kamen inCHristi-auia, Barcelona und in ctntgezi amerikanischen Städtsn vor. In Indien rafft die Cholera im Verein mit Dvsenterie und bösartigen Jiebern allwöchentlich viele Menschen btntreg.

_ Auf dem achtzehnten allgemeinen Vereinstaqe der deutschen Erwerbs- und Wirtk)schaftsgenossenschaften zu W113 sbad e 11 am 3. d. M. erstattete der AnWaltderdeutschen Geuosien- schajten, Hr. Dr. Schulze-Dclrtzsck), den Geschäftsbericht, Welcher kon- statirt, daß troxdes auf dem gemmmfezx Handererkebr lasicnden Druckcs em Yuckgang dcr dcutsch8n__Genomcnschaften nicht eingetreten sa. 'Es geboren 2830 Kreditgenoiiedsckyasten, 743 Genossenschaften m emzelnsn Erwerbszwetgen, 1049 Konsmmoereine und 64 Bauge- nossenschasten, m Summa 4686 (gegen 4775 im Vorjahre) dem Ver- bande"an. Ebenso „habe fich die Mitgliedrrzahl, die Summe des Geschaftsderkebrs, wie der aufgebrachten eigenen Mittel der Vereine gegen das Vorjahr gestktgcri. Die gesammte Mitgliederzahl betrage 1,380,0.0-1,400,000, " Dre gc'machten Geschäfte haben im Laufe des verflossenen Geschaftsiabres ca. 2650 Miilionen Mark, die angesammelten eigendn' Kapitalien in Geschäftsantbeilen nnd Reserven 170_180 Mikltonen Mark, die von don Mitgliedern auf- genommenczi fremden Kapitalien 360-370 Millionen Mark betra- grn. Berxtiö sert Jahren habe fich nach dem Usittster des deutscben ern'Gen911enschaft§yerband unter der Anwaltsibaft des Hrn.Ji.§)§,iller (Wien) in Qesterrctch gebildet, mid habe ami) dieser günstige esul- tate _zu verzeichnen., Aurb in Italien babe sicb nacb dem Muster des deui1chen em Genoiienschast88erband gebildet. Die Vermehrung der Zabl'der Volksbanken um 66 erstrecie sich ganz besonders auf die Provmzen Preußen _und Posen. Eine absolute Verminderung dxr Zahl der Vor1chußver8ine sei, nur eingetreten in den sachfischcn Herzogtbumrrn, im Großherzogtbum Hessen und im Herzogtlwm Anhaulx 1876.baben 806 Vorschußvcreine der An- rvaltscbaft Abschlu'me eidgeretcht. Danach betrug deren Mitglied- schaft 431216, die Semmmtmmme der gewährten Vorschüffe und Prolonggtwnen 1,525,189,219 „76, die Geschäftsantbeile der Mit- glieder mkl. der Reserven 98,891,160 «M., ".it: Anleihen von Pri- vaten 198,349,234 „714, die Kredite von Banken und Vereinen 14,160,425 „46. und die Spareinlagen 121,962,922 „74 Für das Jahr 1876 haben. 180 Konsumvcrcmx der Anwaltschaft i ren (He- sch,a„[tsabfi*[uxz emgeiandt. Danach betrug die Gesammtmit- gliederzabl 101,727, dre Summe des Verkatifserlöses 24,378,410 „74, das, Guthaben der „Mitgliedcr 3,046,093 «78, der Reserve- fdnds 550,398 274, die aufgenommenen Anleihen 2,672,415 “74, die Schulden fur Von den Vereinen auf Kredit entnommene Wdaren 100-4,186 „78, die Ausstände bei den Mitgliedern für aux Kredit abgelassene Wxaren 142,722 «M Die von den Vereinen crrtébteten Backerßien bgben fich auch im vergangenen Jakzre gut rentxrt. Am mxisten 1eien die Konsumvereine durch die Kredit- geWaHrung geschadigt worden. _Das Kaufen auf Kredit Habe auch in den deut]chen_ Mtttelklaffcn eme höchst krankhafte Ausdebmmg ge- mxmmen. „Dieser Umstand halte die gesunde wirtbscbaftliche Ent- wrcklung dicserKlaisen' wesentlich auf und lasse die davon betroffenen Gewerbe zu'kemen) frischen Aufjchwunge kommen. Die Verldste der Konsumvereme seyn „tm „vergangenen Jahre geringer als 1875 ge- wesen. Zum Thctl seien dieselben wieder der Unebrlichkeit der Lager-“ baltrr zuzuschreiben gewesxn, gegen die nur hohe Kaution und öfters Jnv-znturcn Schxztz gewahren können. 180 Konsumvereine haben eigenen Grzmdbenß, dgvon 71 Vereine im Werthe von 2,751,836 «75. _ Yon bet" der Anwaitschaft namentlich bekannten, auf dem Prinzip der Selbstbulfe beruhenden Vo rs ck 11 ß- und K r e d i t v e re i n e 11 existi- rcn 161 m der Provinz Brandenburg (darunter 64 in Berlin), 232 in Schlesien, 130 txt der Provinz Preußen, 226 in der Provinz Sachsen, 216 in dcr Rbemprovmz, 1 im Fürstenihum Hohenzollern, 100 in .Heffcn-Naffau, „84 in der Provinz Posxn, 102 in Pommern, 1 im Jadegebiet, „35 in Schleswig- olstein und Lauenburg, 28 in West- fcilen, 160 im Köntgre ch Sa sen, 109 im östlichen Bayern, 26 in der Rheinpfalz, 105 im Königrxicb Württemberg, 101 im Groß- berzogibum Baden, 91 iti den säch1ischen Herzogtbümern, 59 im Groß- berzogtbmxi Heffen, 47 m Mecklenburg, 19 in den schwarzburgischen Fürstenthunxern, 15 un Herzogtlum Anhalt, 11 im Herzoathum

"raumscbw-zrg, 9 im Großbcrzogk um Oldenburg, 9 in den Hanse- stadien und deren Gebet, 5 m den Fürstentbiimern Lippe und Waldeck, 3 m den reußtsben Zürstentbümern, 2 in den deutschen Reichs- larzderx (Metzer Vereinsban und Sira burger Kreditverein); ferner 1 im, Grdßberzdgtbum Lukabura, _463 m Böhmen 307 in Mähren, 133 „m Jiiederöstxrreicb, 32 in Oe1terreichisch- Schlesien, 29 in der Sieierniark, 21 in Karniben, 16 in Oberöstereich, 8 im Küstenland, 4 in Tirol, 4 in Vorarlberg, 4 in der Krain, 2 in Salzburg. Von 702 Vorschuß- resp. Kreditvereinen betrug Ende 1876 die Ge- saznmtmxtgnliederzabl 217,714. Von diesen sind selbständige Land- wirihe, Gartner, Förster und _FisÖer, männlich “72,836, iveibli-X) 2560 Gebulfcn imd K*:rbeiter bei die1en Gewerben, männlich 9299, weiblicb 514, Fabrtkgnien, Bcrgkverksbesixxer und Bauunternehmer, Männlich 13,144, weiblich 277, feibständtge Handiverker, männlich 10,790, Weiblxck) 3706, Fabrikarbeiter, Handwerksgeselien, männlick) 16,331, weiblich 562, selbständige Kauflente und Händler 32,596, weiblich 2032, , Handlungßcxowmts und sonstige kaufmännische Gebälfen, mannlxch 2647, weiblich 141, Fubrhcrren, Schiffseigenthümer, Gast- und Schankwrrthe, männlich 17,016, weiblich 81.'), Briefträger, untere („Zise'nbabnN Telegraphen- und Postbeamte, Eisenbabnarbeiter, unselbstaxidige Schiffer und Kellner, männlich 68 )5, weiblich 79, Dienstmanner und Dienstboten, männlich 2687, Weiblich 822, Aerzte, Apotheker, Lehrer, "Künstler, Schriftsteller, Kirchem, Staats- und Gemetndebean7te, mannlich' 23,674, Weiblich 898, Rentiers, Pensionäre 1131d51chre Personen ohne Beruf:übung, männlich 9822, weiblich

Kunst, Wissenschaft und Literatur.

Kasan. Der 4. Archäologische Kongreß ist, nach Mit- theilung der „Mosk.Wed.“, am 17./29. August von dem Präsidenten Grafen A. S. Uwvrow eschloffcn _wvrden. Der nächste archäologische Kongreß sqll, 'dem'WupjgckZe des Sxatthalterk des Kaukasus, Groß- fürsten Michail Nikolgjewustb gcmaß, in Tisiis zusammenkommen.

" _ Der Preußische Termin-Kalcnder, zum Gebrauch fur Justizbeczwtc (Berlin, R. d. Deckers Verlag: Marquardt u. Schenck) ist Um 26. Jahrgang) soeben auf das Jahr 1878 erschienen.