x !,
bemerkt: Die deukstbe Bleistiftindustcie, der eine führende Rolle auf der Welt zukommt, leidet Mangel an billigen edernbölzern. Die deUtsÖQ Pfeifenindustrie ist ebenfalls um die Bescba ung v,on Bruyeren- bol] verlegen. Die Parkett- und die Hola) asterunaStndustrie, die Kansilistblerei, dieHolzdrechslerei hängen binficht ich1brerHöljerwesenllich vom AUSlande ab. Unter diesen Umständen scheint es an der Zeit die Hölzer der großen Waldgebieje unserer Kolonien Deutsch-Ostaér1ka undeam-erun, die jetzt durch die bewilligten Eisenbahnen ihrer Er- schlleßung entgegengehen, den Interessenten ixj Stämmen und Blöcken und namentlich in der Verarbeitung vorzufubren. Bei der Sucht nach neuen chaxakteristifcben Hölzern für WobnungSeinrichtungen ist der Ausstellung auth das Interesse des breiten Publikums gestchert,
seinerseits wieder die Innenarchitektur und Möbelfabr kation beeinflußt, deutsch-koloniale Hölzer zu Verarbeiten, und auf diese Weise der kolonialen, also auch nationcxlen Sache nüst.
Au erdem wird das Komttee auf Veranlassung des Kultus- minister ums die Einrichtung kol_onialer Schulsammlungen in Verbindung mit dem Reickoskolomalamt betreiben.
Nr.45 des „Zentralblatts der Vauverwaltun ', beraus- eben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 6.9 Juni hat Lgeuden Inhalt: Amtliches: Runderlaß vom 17. Mai 1908, betr. enachr1chiiqgng der Geologischen Landeßanftalt von wichtlaeren Bodenaufscblßffen, Funden an Gesteinen usw. _ Dienstnachricbten. "- N1chtamjlxches: Die Verschiebung des Bahnhofsgebäudes Dam- Anlwerpen. - Die romanischen Baudenkmäler yon Hildesheim. _ Stadt- un_d Landkirchen. (Fortseßung) _ Vermischtes: Wettbewerb um Entwürfe für eine .schlo artige Villa“ in der Nähe von Maint. _ Erlangung von Entwur sskinen für eine Friedhofskapelle in Flensbur . - 18. Wanderversammlunq und 37. Abgeordneten- versaw ung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur- vereine in Danzig. - Die neue Neckarbrücke in Mannheim. _ Ver- kehr auf den Wasserstraßen Berlins im Jahre 1907. '
Nr. 23 des ,Eisenbabnyerordnun sblatts“,- beraus-
egeben im Ministerium der öffentlichen Arb ten, vom 6. d. M.,
folgenden Inhalt: Eisenbabnanleibegeseß. Vom 14. Mai 1908.
_ Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 31. Mai 1908,
ckckck ?Ylung der Beamtenbesoldung und des Gnadenvierteljabrs. - a r en.
Statistik und Volkswirtschaft.
Die Durchschnittspreise der wi tigsten Lebensmittel im Monat MaF1908
betrugen in Preußen nach der „Stat. Core.“ für 1000 kg: Weizen 211 (im April 1). J. 203, im Mai 1907 202) „FC, Roggen 190 (185 bezw. 192), Gerste 164 (163 bezw. 170), Hafer 163 Z159 bezw- 192), Erbsen zum Kocben 262 (262 bezw. 249), Speisebo um 298 (298 bezw. 308), Linsen 508 (511 bezw. 575), Eßkartoffeln 61,3 62-5 bezw. 71,1, Richtstrob 51,6 (62,5 bezw. 71,1), Heu 75,8
4.3 betw- 58,2), _ kndäeisch im Großhandel 1224 (1229 bejw. 1270 «;
Kleinbandel fur 1 kg: Rkndflei ck von der Keule 1,58 (1,58 ezw. 1,61), vom Bauche 1,33 (1,33 bezw. 1,37), Schweinefieisch 1,48 (1,44 bezw. 1,40), Kalbflegscß 1,58 (_1,56 bezw. 1,61), Hammelfleiscb 1,60 1,60 bezw. 1,62), inlandtseben gerautberten S eck 1.63 (1,64 bezw. 1,63),
butter 2,57 (2,61 bezw. 2,45), inländis SÖweineschmalj 1,64 1,64 bezw. 1,59%“, Weizenmehl zur Speisebereituna 36 (36 bezw. 34) 4, be: QLZY-Flejé (32 bezw. 30) z; für 1 Stbock Eier 3,48 (3,59
w. , . '
Die Preise der vier Getreidearten zeigen im Mai d. I. eine Aufwärtsbewegung, die ("W insbesondere beim Weizen und Roggen auf alle Marktorte erstreckt. Die Erhöhungen gegen den Vormonat betragen beim Weizen: in Posen 16, in Trier 12, in Danzig, Stettin, Berna und Yannovn je 11 in Stralsund, Kiel, OSnabrück und Neuß je 10, in ösl'm und Caß'el x 9, in Gleiwiß, Breslau, M deburg, e a. S. und An eu" je 8, in Browsern, Göae? und blem je 7, in Paderborn 6, in und an je 5, in Königsberg 1. Pt. 3 in Stralsund 13. in Stettin und Trier H9, (1. O. und Berlin je 8, in Köaiasberg i. ., Kiel, Koblenz „» AaÖen je 7, in Görli und Ma deburg ck: 6, in Danz! ,Éleiwkß, Hannover und OSnabrück : 5, in Po en, e a. S. und &afsel je 4, in Hanau 3, in Bromberg, BMW: und aderborn je 2 „FC. - Die Schweinefieiscbpreise haben sich in Stettin um 17, in Stralsund, Kiel und Owabrück um je 10, in Frankfurt a. O. um 9, in Bromberg, ZIM, Aachen und Trier um je 5, in Danzig, Gleiwitz, Görliy und
nnove: um je 2 43 erhöht. Die beim Forst- und Iagdscbu e in den preu i en Staatsforsten vorgekommenen vTötungen undß (ber-
wundungen 1897 bis 1906.
Nach den .AmlliÖen Mitteilungen aus der Abteilun für-Forsten bes Köni [ich vreußiscben Ministeriums für Landwirts , Domänen und For en“ sind in dem Jabrxebnt 1897-1906 bei Ausübung des Forst- und Jagdscbußes in den preu ischen Staatsforsten 10 Tötungen und 17 Verwundungen von Forst eamten und 12 bezw. ,49 von Wildbieben und Forstfrevlera, auf beiden Seiten im amen 88 Zusammenstöße vorgekommen, bei denen von der Waffe G rauch
emacht wurde. Unter den Verwundungen der ersteren Partei waren
unter denen der leßteren 24 schwer; von diesen leßteren batten
sämtlich: 3 Fälle des Jahres 1900 tödlichen Ausgang. In den ein- zelnen Jahren wurden getötet bezw. venoundet:
' Wilddkebe und Forststevler
Forstbeamte durch Wilddiebe durch Forstbeamte bei
und Forftfrevler gerechtfertxétem Waffen- dt “ ZMF? det verwun e ' er an 1397 ““““ schwer leicht IM“ schwer leitht 1898 1 _ 2 ]. Z , 4 1899 ' " 1 3 2 2 ( 5 1900 Z ' " _ 1 - 2 3 1901 . ' Z Z 1 1 Z _3_ YYY „ *",- 1 1 2 4 3 1904 „ _ : 1 1 * 5 2 1905 2 " _ 1 "2" 2 1906 . . 1 * 1 _ 1.
. , _ 1 JYZUdT "1721 KIU“ 1898 duns einen Forstbeamten unter Um-
verwundet. ffengebrauz “Uk rechtfertigen, 1 Frevler leicht
Tötungen oker Verwundungen von W “* 911321311911; xx.“3992§txrchaé§d35.""§.5r91391; betraut waren, aber n1cht dem zum Wa "“ Königlitben Waldungen
eUixebra b ti t Au - FZZFIT“ angehörten, find in dem Jahrzehnt TFNLM 4131 11511 vox-
_.
Zur Arbeiterbewegung,
In Frankfurt «M. wurden, wie di „ - Mi: ausständigen Fliesenle er die WiedeeraYln' Ztg' """)“-
eigerten, die andern dem erband an hörigert'tahAmFblxeirtleTY
B e auqewerbkketcxusgesperrt. Von dieser AAussperrung werden bier
MÜ“ st M"" L 1
us an_ er : pziger Bildhauer, soweit Stuckbranobe beschaftigt ßud, hat, der .va Zt9-' :ufolae. ßßaiuvkx? en den Streikenden und den Unternehmern auf Grund von er-
cmd ungen der beiderseitigen Vertreter eine Verständigung statt.
efunden hat, nach dreiwöchige: Dauer sein Ende gefunden. Seit BieYUag ist die Arbeit in alTen Betrieben wieder aufgenommen wor en. „
Der in Paris tagende internationale _Ber-garbeiter- kongreß (vgl. Nr. 135 5. Bl.) nahm, wie „W. T. B. xneldet, in der gestriJn Sivung einstimmig die von den franzöfijcben und deutschen erstetern eingebrachten Anträge an, durch die den Berg- arbeitern ein bestimmtes Mindesieinkommen gesichert Werden sol]. Der Kongreß verhandelte sodann über die Regelung der Kohlen- produktion und beschloß in seiner Nachmittagsfißung auf An- trag der englischen Vertreter, diese Frage eineminternationalen Komitee zu überweisen. Sodann wurde über einen Antrag der deutschen Ver- treter, betreffend das Verbot der Verwendung von Kindern unter 14 Jahren in Kobleninduftrien und der Verwendung von Personen unter 16 Jahren bei Arbeiten unter Tage, abgestimmt. Die deutschen, öfter- reichischen und belgischen Vertreter unterstüßten den .Antrqg. Die englischen und französischen Vertreter enthielten sich der Abstammung.
ierauf wurde der deutsche AntraJ betreffend das Verbot der Be- chäftigung von Frauen in den oblcnbergwerken, einstimmig an- genommen. „
Wohlfahrtspflege.
Die seit 1892 unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin stehende Stiftung ,Töchterhort' für verwaiste Töchter von Reichspost- und Telegrapbenbeamten hat soeben ibren Verwaltungsbericbt für 1907 veröffentlicht. Die weitere Entwicklung der Stifung war danach auch im Kalenderjahre 1907 hocherfreulicb. Die baren Einnahmen haben 256 048 „14 betragen. Unter den 206 9799“ Spenden befinden fick; 191 015946 fortlaufende Beiträge, die von 131286 Angehörigen der Reichspost- und Tele- grapk enverwaltung in gerin en Einzelgaben _ bei den Beamten mit durcb-cbnitilich 161/12 ?, be den Unterbeamten 93- 4 im Monat _ aufgebra t worden nd. An den fortlaufenden Spenden find 60,2 v. . der 2390th (ohne Hilfstelleninbaber) und 65,6 v. H. der Unterbeamten bkkUlkgk- von der Gesamtzahl der Verkehröäxxter und Agenturen im Reichspostgebiet 85,0 v. H. An Unterstußungen wurden im Berichtöjabre 157 254 „M gezahlt, 2710 einmalige mit 113 805 „55 und 268 fortlaufende mit 43 449 „46. Bei den einmaligen Unterstützungen wurden 526 Waisen unter 18 Jahren mit zusammen 21817 .,“ bedacht, u. a. 57 mit 2290 „56 Beihilfen auf die Kosten der Ein egnung oder ersten Kommunion und 172 mit 8357 .,“ erkenkolonien, Bädern usw. aden im Berichtsjabxe persönlichen Kosten (fur
„46
zur Gew bruna von Sommerpftege in _ Die Verwaltungskosten 3539 „45 betragen, darunter an Hilfsleistungen und Botendienst) 402 . Alle Mitglieder des Hauptausschusses und der 42 BezirkSaussä'pü e sowie die Ver- trauenömänner versehen die Geschäfte unentgeltli . Das Kapital- vermögen at ck um 96 00096 vermehrt, nämlich auf 1277 43584 mit 397 533 „FC Unterbeamtenanteil. In yvotbeken find 978 000,75 angelegt. Das Kapital bringt im Dur schnitt 3,94 11. H. lasen. Die Gestaliuna der Zinseinnabme ist für den Hauptaussibuß be onders wichtig, weil sie den Maßstab abgibt, wie weit mit der Neugewäbrung fortlaufender Unterstüßungen gegangen werden kann. Jede Zunahme der Zinsen um 350 „is ermöglicht es, durchschnittlich einer Beamten- unt; einer Unterbeamtenwaise mehr die von Kranken und Erwerbsunfabigen vor allem ersehnte dauernde Hilfe zu bringen. _ Die bisher (in den 16? Jahren seit März 1891) aus Töchterbortmitteln inßgesamt &ewäbrten Unterstützungen beziffern fich auf 1389642 „46.
nUnterbeamtenwaisen find davon 693 665,“ gelan t = 49,92 v.H. Vom Gefamtbetrag der Spenden bis Ende 190 (2 344 991 946) rühren 'von Unterbeamten der oder find für diese geleistet: 897 184 „8, d. f, 38,26 v.H. Eine Vergleichung der Verbäliniözahlen genügt, um die forjgeseßte außer ewhbnli e Berückfichtigung der Unterbeamten- töchter zu beweisen. at1ächli find aus den für UnterbeamtentöÖter nicbt reservierten Mitteln bis Ende 1907 insgesamt schon mehr als 85 000 „js zugescbo en worden. Die Würdigung dieser Fürsorge ist aus der stejiq wach enden Beteiligung der Unterbeamken am“ Töchter- bortwerke erkennbar. _ Der Unterstaatssekretär Franck hat bei Be- rufung in dieelse Stellung den Vorfi im Hauptausschuß deo Meßtec- hons niederg egt; dafür ist der Dire tor im Reichspostamt Granzow zum Etßen VotfiLenden gewählt worden. Hervorgehoben wird am SÖYtjfse des Veri ts, wie der Geleijs ruch, mit dem im Juni 1890 dle ie Gabe für den Kapitalgrundsto einging: daß der AÜmä-dtige das Haus auf festem Grund errichten und gedeihen [affen möge; sich erfüllt hat. .Der Baugrund ist die Treue, die Beamte und Unter- beamte bier verbindet, im Vertrauen auf die Kraft einmütigen Zusammenwirkens.“
Kauft mtb Wiffeuschaft.
n der letzten, am 2. Juni abgehaltenen Monatsfißung der AréäoloÉisYc-n Gesellséöaft, in der Geheimer Reqierungßrat, Pro essor r. ekule von Stradoniß den Vorfiß führte, wurden zunächst von einigen Mi liedern lkterarische Neuigkeiten zur Kenntnis der Versammlung, gebra t. Als auch für weitere Kreise besonders bemerkenswert seien ml von ihnen hervorgehoben: die von Proéeffor Otto Kern in Ha e unter Mitarbeit seiner Gattin herauögege enen Briefe Carl Otfried Müllers an seine Eltern und an seine Frau, die ein fein abgestimmtes Lebensbild des genialen Altertumsfotfcbers (1797-1840) geben und dem Leser auch die rein menschlitben Seiten Mallets nabe brin en; und die Uebersevuna der im vorigen Jahre durch ägyptische a vri uns ge- schenkten Fra mente des Menander des bedeutend ten Dichters der neuen attis en Komödie, von Prof or Dr. Carl Robert in Halle, Diese Ueber e ung wird demn obst die Grundlage eines intereffanten liter - dramatishen Versuchs bilden: Hallesche Studenten werden am 20. Juni in dem kürzlich neu hergestellten, durch Goethe berühmten Badetheater von Lauchstädt (unweit Merse- burg) zwei dieser Komödien, .Das Schiengericht' und „Die ??nmierin', unter Leitung von Profeffor Robert zur Aufführung : gen.
Als nter Vortragender des Abends sprach Oberlehrer Dr. Sautter ü : Geburtsbräuche. Im Anskblu an die Darstellung eines römischen Sarkophags erörterte er xunäckvs die römische Sitte, das neugeborene Kind auf den Boden niederzulegen, ekne Sitte, die in ähnlicher Art fich auch bei anderen Völkern findet. Der Voc. tragende hatte früher in" seinem Buche „Familienfeste der Griechen und Römer" diese Bräuche, bei denen mehrfach das Kind am erb niedergelegt wird, dahin erklärt, daß das Kind dadur _ unter den u der auSgötter gestellt werde. Der junkxst allzu frü de: Wiffens ft entriffene eidelberger Religious orscber Albr tDietericb, der in seinem trefflchen Buche „Mutter Erde“ diesen Frau von neuem behandelt hat hält die[e Erklärung für richtig, meint a er, daß ste noch nicht das Vnständn s aUer Elemente des Ritus erkläre, der wie die meisten derartigen Riten nicht aus einem eiuxkgen Momente entstanden zu sein und darum auch nicht aus einem Punkte erklärt zu werden brauche. Der Vortragende stimmte diesem Sa : zunächst prinzipieu zu: eine Kreuzuna “von versebiedenen _ otiven. die dur Entstehung eines Ritus geführt haben, tft aUJerordentlich häufig. Wie Dietxrich hervorhebt, wird in der Ueberlieferun bisweilen betont, daß das Kind auf die Erde (nickxt bloß anf den oden) ele twerden musse, und er schließt daraus wobl mit Recht, daß das in dadurch der Gottheit der Erde geweiht werden solle. Fm weiteren Verlaufe seines Vortrages behandelte der Redner die be vielen Völkern fick; findende Sitte, die Gebärmde auf die Erde ju lkßen. Er wies nach- daß es dabei nicht Wa auf den praktischen Zweck einer niedrigen Lage ankomme, sondern daß die Gebärende mit der Erde in Verbindung gebracht werden Jolle. Wie der Sterbende vielfach auf die Erde gelegt wird, damt seine Seele obne Verzug in das Totenreiäö unter der Erde eingebe, Zo geschieht das gleiche Mit der Gebärcnden, weil bei der Geburt d e Seele des Kindes aus der (5,de emporsteigt. Nun war es zwar bei den Grielben und Römern mcht üblich, die Gebärende auf'die Erde iu [68M- aber es lassen fich “"ck
I
ie: S uren einer verwandten Vorstellung nachweisen. Denn daß bei
Yen Gxiechen und Römern die Gebärende niederknieke, ist durch literarische Nachrichten und bildliche DarsteUungen bekannt. Unter den lexßteren ist besonders intereßant eine Marmgrgruppe aus Sparta, die schon früher als Darste ung einer Gebarenden oder _ was für die hier behandelte Frage dasselbe ist _ einer Geburts- göttin in der Stellung der Gebärenden erklärt worden ist. Der Vortragende ging näher auf diese- Gruppe ein und ver- teidigte die erwähnte Deutung gegen ein e dagegen, erhobene An riffe. Dieser Brauch des Niederkniens be der Entbmdung ist bis er damit erklärt worden, daß man fich eine Erleickpterung der Entbindung von dem Knien versprochen habe. Unter Heranziehung eines andern griechischen Entbindungsbraucbs (Anfassen der Erde) und der Riten, mit denen man die unterirdiftben Götter anruft, zeigte der Vortragende, daß vielmehr auch durch das Niederknien, ebenso wie durch das Anfassen der Erde, die Gebärende mit der Erde, 5. b. mit dem Reiche unter der Erde, in Verbindung gebracht werden solle. Die Ausführungen des Vortrags werden später im Zusammenhang einer umfaffenden Behandlung von Geburt;-, Hochzeits- und Toten- bräucben in Buchform veröffentlicht werden.
Der zweite Rcdner des Abends war Professor Dr. Viereck. In seinem Vortrage „Grieabische Papyrukurkunden“ entwarf er _ gewissermaßen als ein Spejimen dafür, welche Vertiefung und Belebung unserer Kenntnis des antiken Lebens wir den ägyptischen
apyrus verdanken _ ein bis ins kleinste aussefübrtes Bild der tadt Hermupolis in Mittelägypten, wie es ck) für die römische Kaiserzeit, etwa für das 3. Jahrhundert n. C r., aus den auf der alten Ruinenstätte bei dem heutigen Dorfe Eschmunöu zahlreich ge- fundenen Papyrusurkunden ergibt. Besonders die von Weffely aus der Sammlung Erzherzog Rainer veröffentlichten Ratßakten der Stadt aus der Zeit des Kaisers Ganenus (253-268 n. Chr.) find hierfür sehr ergiebig. Die Lage der Tore und Stra en der Stadt, die zahlreichen Heili tümer, der stattliche Mart mit seinen Verkaufsständen, das ymnaßum mit dem Hadrianisckzen Warmbad, Sonnenbäder' und einzelne Privathäuser, die in den Urkunden genannt und zum Teil eingehender geschildert werden: alles das rundet ck zu einem lehrreichen und Yesckploffenen Stadtbilde ab. Weiter be- prack; der Vortragende die | dtischen Beamten, die xxxbl abgestuft nach Rang und Würde erscheinen, die Einteilung der Stadt in Be- zirke zu Volks ählungs- und Steumwecken und das vortxefflich_ :- ordnete Grund ucbamt, in dem über den Besitz an Jmmobxlien, 11 er depen hypothekarische und sonstige Belastungen aufs genaueste BUS ae übrt wurde. An einzelnen Beispielen zeigte der Vortragende das Zusammenwirken der Kaiserli en und städtischen Beamten €waie des Rates von ermupois bei Eintreibung der eld- und Naturalabgaben, bei militärischen Nequifitivnen u. a.; er wies aber jugleich auch nach wie die Bür er unter der Last aller dieser unbesoldeten Ehrenämter allmä lich verarmten und wirtschaftlich ruiniert wurden. Aus Kontrakten, Berichten und Protokollen über Natsfißungen in denen die Ratsherren hefti anein- ander gerieten, erfahren wir a erlei von der Verwaltung des | dtiscken Vermögens, das in Häusern, Grundstücken, Ackerland und Frucht- gärten bestand, ebenso auch über die große Bautätigkeit, die [ur Zeit des Gaüienus aUentbalben in der Stadt berrschte, vermutlich als eine Folge .der verwünsthten Unruhen in der Stadt', die einmal in einem Kaufkontrakt erwähnt werden. Auch von dem Sport-, Turn- und Vereinswesen der Stadt, den Privilegien, die den Siegern u- standen, wie Steuerfreiheit, Pensionen (in Höhe von 180 is 200 Drackxmen monatlich) und feierlicher Einholung seitens des Rates und „Volkes, hören wir mancherlei aus den Mpyrus. Zum Schluß seines Vortrags, der teov der 011: und
annigfaltigkeit gelehrten Detail! ein einheitliche: und an chauliches Bild bot, behandelte der Redner kurz den geschäftlichen Verkehr der vielfach durch Banken gere elt wurde, andel und Wandel auf den Straßen und auf dem arkte, das erichtswesen und das Sebul- wesen. Auch die Wi enschaften wurden in Hermupolis eifrig ge- pflegt; das ergibt ck zur Genüge aus den zahlreichen Funden literarischer Pap rj, unter denen solche des Aristoteles ('My-auo- „oaenéa dder orinna und des Hefiod als die bedeutendsten zu nennen n .
4.17. In der Maifivung der Vorberasiatis en Ge "ell- schaft machte der _Vorfißendx, Profe or Dr. von LFscban sMit- - teilung von einer jungft erfolgten eulicben Zuwendung: Frau Geheimrat von Kaufmann ha_t st bewogen befunden, um das An- denken ihres vor wenia Monaten verstorbenen Gemahl! zu ehren, dem Vorstande einen Scheck über tausend Mark sur Verwendung für die Zwecke der Vordexafiatischen GeseUschaft zu 1"! erweisen. Es ist daran der Wunsch eknupft worden, daß der Name des Verstorbenen, der lange Jahre rfier Vor sendet der Gesellschaft gewesen, dauernd in deren_Mitgliederveneichn geführt werde. Diesem Wunsch wird nach einmutigem Beschluß der Ver ammlung gern entsprochen werden, wenn auch ein Präzedenzfall ni t vorhanden und in den bestehenden Satzungen ein Fall dieser Art nicht vorgesehen ist.
Den Vortrag des Abends hielt Dr. Ungnad „Ueber Wabr- sagekunß bei denBabyloniern': Ieumfangreicherdas qudium der in uber roßer Zahl aus den verschiedenen Au8grabungien im Euphrat-Tigr Lande den Museen zu:1römenden, mit Keilßbr be- deckten Tontafeln betrieben wird, um so überraschender ergi t cb die bestimmende Rolle, welche in ungeabn'*er Ausvebnung Wahrsagekunst, Traumdeutung, Omina-Aberglaube, Astrologie viele Jahrhunderte bin- durch in Affyrien und BabYlonien gespielt haben. Ja, es wirkt beinahe wie eine erschreckende Ent üllung, wenn Hierbei die Entdeckung ge- ma t wird, daß ein gut Teil vieler beute noch festgehaltene: wider- finn ger Vorste ungen und tro? unserer vorgeschrittenen Kultur noch in weZten Kreisen unseres Vol es und mehr oder weniger bei allen europaischen Völkern fortlebenden Aber laubens das in vielen Zügen deutlkb erkennbare Erbe der alten Hab lonier ist, das mit einer Fähigkeit obnegleicben durch mehr als Kundert Generationen er-
alten geblieben und von einer auf die andere Generation übertragen worden ist. Eine Abschwächung, ein Aufgeben dieser Ekubkldungen ist eigentlich nur auf dem Gebiet der an die Fleischschau von Opfertieren geknüpften Wabrsagung aus dem nahelie enden Grqnde eingetreten, daß Tieropfer von den jetzt becks enden Reltqionen von jeher verworfen wurden. Leberfchau und Vlutcbau der Opfertiere waren da egen für die Babylonier ?ervorragende itte! zur Ergründun der Zu unft und au kubnen Prop ezeiungen- Als vor dem Feldzukze önig Sargons gegen die Edomiter bei einem Opfer- tiere fich d e Blase an: von der Leber umschlossen zeigte, galt dies für ein glück1iche9 oneichen des Sieges. Und Sargon scblu die Cdomiter, zugleich abe_r sahen die Priester ihr Ansehen beträchtllZ ge- hoben und die ungunstekßen Kirkungen etwaiger vorangegangener falscher Vorhersagen vera en. Schlauerweise waren die auf.. Fleiscb- Yan begründeten ?)ropbezeiungen häufig so, elngeriYet, daß ein ückzu bei Nichte ntreffen möglich war. Wenn z. . das einem Löwen opf ähnelnde Aussehen der Leber als ein aünftk es eicben gedeutet war und das erhoffte (Frei nis dann ni t ntrat, so bat e fich der riester in er behaupteten Aehnlichkeit der Leber mit einem Löwenkopf eben “ejäuscbt. Ab esebm von diesen Bexiekungeu des Prophetentums zu den ?Ipfertieren nd un- sagbar viele dieser Wabnvorstellun en der Babylonier, häu g nktZt einmal in stark abgeschwäcbter Form, erßalten geblieben und ü n noY heute ihren wang auf Tausende gedankenloser Men eben. UeberroY end ist in die er Beliebung die Uebereinstimmung vie er unserer 11 gläubig bochaebaltenen .Bauernregeln' mik leichlautenden baßyloniscben- Das ' gilt vor allem von den jöricbten VZetterre-geln, die dem Monde Ein- witkung auf das Wetter zuschreiben. Bei den Bab loniern war das eber verseiblith, als es heute ist, weil fie von den erhältniffen der Mondbewegung, von der Grö e und Entfernung desxTrabanten nicht dk: Aenauen VorsteUun en be aßen über die wir verfügen. Wenn beute aber beispielsweiße der (auf;: an einen Witterunßswechsek beim leßten Mondviertel festgehalten wird, wäbxend jedermann weiß, daß diese Mondphase innerhalb 24 Stunden fur alle Teile der Erde ein- tritt, an allen Punkten der Erde also Wetterumsthlag eintreten müßte,