27, Advokat Storm mit 26 und Landrath Rumohr mit 24 Stim- men. Hierauf ging man zur Tagesordnung über.
Deutsche Bundesftaaten.
München, 16. Dez, (Nürnb. K.) Sechste öffentliche Sihun der Kammer der Ab eordneten. FortsLsun .] '
„ enn ich“, so äußerte tch nunmehr der Ab eorJnete Freiherr von Thon-Dittmer, „das Wort ergreife, um ü er den derboben Kammer 'zur Bcratbun und Schlußfafsun heute vor ele ten Ent- wurf zu prechen, so ann ich nicht gement seyn , de erdiensie Gdtbe's zu schildern, oder mich in eine Kritik hierüber ein ulassen ;
kann weder gemeint seyn, ihn als Dichter zu preisen, no ihn in se ner national-politischen Bedeutiing berabzuziehen. Es isi richtig, daß man sowohl in der einen wie m der anderen Beziehung hierüber Veles sagen könnte. Es isi insbesondere dem großen Dichter oft der Vorwurf Zemacht worden, daß er als Deuts ck er n einer Zeit, wo Deutsche inbxit so sehr noth that, keine Worte bierfür hatte, sondern iiumm blteb. Judessen sieht immer fest, und darüber sind wir cwiß Alle einig, aß Gdthe ein Stern erster Größe gewesen, der ü er Deutschlands Horizont hinunter ge angen. Von diesem Ge- sichtspunkte aus ebend und dieser Rücksicht Iuldigend, erscheintes als em Werk der P etät, wenn man Deutschland die Sammlungen und das aus eines Mannes zu'erhaltxn strebt, dessen unsierblicherRubm als ichter so fest begrundct isi. ("ck kann in dieser Bezicbun nur auf Das hindeuten, was mehrere edner vor mir treffend un beffexFesagx haben, als ich es sagen könnte, Allein gleichwobldrängt es mt , diejenigen Erwägungen in Kürze zu berühren, welche die Worte, mitdenen derHerrMinisterdm Gcsctz-Entwurfcinführt, und die Gründe, durch welche er_ unterßüst werden wi!!- hervorrufen, und weniqsiens in mir unabwetsiich rege gemacht haben. Mir scheint es vor Allem böch| erfreulich, wenn der Deutsche Bundestag wieder einmal ein LebenFeichen giebt._ "ck leugne nicht, daß mich oft ein unangeneh- mes efuhl beschlt en hat, von den Besirebun en dieses hoben Deutschen Areopags so selten etwas zu hören, an daß, wenn hier und da von demselben etwas auftauchte, es bei Vielen nur Mißsiim- mung erregte und erregen mußte.“ _ _ (Der zweite Präsident unterbrechend: „Ich glaube nicht, daß es am Orte isi, der leichen Beziehungen auf den Deutschen Bund in Anregung zu brngen.“ Der Redner: „Sowohl der Geseß-Entwurf als auch die Motive dazu erwähnen selbß des Deutschen Bundes.“) _ _ „Um so er- freulicher scheint es mir , wenn mehrere Deutsche Bundes- Mitglteder den Entschluß angeregt- haben, das cmeinsame Band dcheutschen natiqnaicn Embttk auch hier wieder esier ichen zu„wo11en, auf daß es mmmermebr gelöst werden könne. Es cheint mtr schr richtig bemerkt worden zu seyn, daß es hier auf die größere oder_geringere Bedeutun der Sache nicht anzukommen habe, und daß tm Großxn wee im leinen, daß in allen Be iehun en derDeut- scheGemcin eesi gefördert und gepflegt werden m ßte. s heißt aber in den Mot ven zu dem Geseß-Entwurfe: „Es soll der gesammten Nation ein neuer Beweis des Anthetis eliefert werden , welchen die Deutschen Regierungen an der Verherrl chung des Deuts en Namens durch die literarischen Bestrebungen hochbc abter Geister ne men.“ Ge- wiß em herrlicher und [großartiger Entchlußi Möchte er uns zu der Schlußfolgc berechtgen, daß der hohe Deutsche Bund auch fernerhin dre Verherrlichung des Deutschen Namens nicht blos durch die Erhaltmxg literarischer Werke von Verstorbenen , sondern auch durch Beschnvung dcr Beiirebungcn und Leiiiungen von Männern der Jeytzctt por Augen behalten werde! Möchte er uns zu derHoff- nung berechtigen, daß wir für Alles, was uns notb thut und was Lquesprochen werden soll und muß, _ daß wir für alle geistigen „cutereffen auch bei dem Deutschen Bunde Schuh finden und daß, mit einem Wort, ein den Anforderunqen der Zeit entsprechendes allgemeines Preßgeseß von Seiten des Bundes uns recht bald ge- ebcn werde! _ Es iii der gegenwärtige Gcscß-Entwurf in unserer ammer eingeführt als „dem lcbhaftcsien Gefühle für Alies, Was Dentsche Ehre, Deutschen Ruhm betrifft, cntkeimt.“ Wer wollte diesem hochachtbaren Grunde etwas entgegensteaen? Wer wollte es nicht [aut bekxnncn, daß dieser hohe Deutsche Sinn, der uns vom Thron herab uberall entgx tt_tweht, uns mit Freude und Hoffnungen erfullen muß? Abcrgcwr liegt der Wunsch eben so nahe, daß die- ser DeutscheSinn bet allen NFierun cn gleich lebendi seyn mdchte, daß überall hin der Deutsche inn ckck entwickeln, da dicDeutsche Volksfreibeit und ein Rechtszusiand besiehen möge , wo immer Deutsche Stimxne ertönt und Deutsches Wort geredet wird; daß aber nicht allem Deutsche Nationalität, sondern auch Deutsche Freiheit gehoben werde. „Ngtionalitäx isi nichts ohne Freiheit, Freiheit nichts ohne „Nationalität“ ; alxo las ich unlängsi von ei- nem Touristen in einem öffentlichen Blattc. Derselbe sa t fer- ner: „Das Vaterland des civilisrten Menschen ist ni t die Scholle allein, sondern der Staat, und näher die Art des Staats. Die Natiqnalität als solche ifi eine Thatsache der Natur. Geiß und Ge- schichte wird sie erst durch dte Bewegun der Freiheit. Nationalität und Freiheit Zusammen bilden ersi den egriff eines Volkes als Per- son.“ I g aube der Mann hat ein sehr wahres Wort esprochen. Blicken w r aber bin nach der Weser und Leine , sehen w 1: wie ein biderbes Deutsches Bxudervolk dorx schon langeZeit im heißen Kampfe mit der Gesehlosigkctt und Willkur beßriffcn iti, und durch Jahre lan es Ringen es „noch immer nicht ahin brin en konnte, einen In and der Gcsehlechkeik nnd vernunftigen Freibet zu erwirken , _ wie im Gcgcnthecl, den kräftigüen Stimmen an dem Deutschen Bun- destage zum Trost, und dem öffentlichen in allen Deutschen Kam- mern laut ewordenen Unwilien zum xchneidenden Hohne, ein Zu- fiand forth: cht, der gewiß widernatürl ck isi.“ _ _ (Der zweite räs dent: „Ick ersuche den ersten Secretair, fich zu mäßigen. “ edner: „Jeb laube, dteSchranken derMäßigunq nicht zu über- treten; die Bemer ungen, welYetch gemacoht habe, gehörenzur Sache.“ Der zweite Präsident: „ ch muß te auf die Geschäfts-Ord- nyng verweisen, welche dergle chen Anre ungen und Beziehungen ver- bietet.“ Der Redner: „Die GeschäYts-Ordnung verbietet nicht, Deutschlands Zustand und gemeinsame Interessen in der Kammer zu berühren.“ Der zweite Präsident: „Es kommt Alles auf die Art und WF/ise an, wie dergleichen Gegextiiände zur Sprache gebracht werden. )- - „Ich sage, sehen wir diesen Zuüand noch immer foätdauern, welcher alle Bande des Vertrauens zu lösen droht, dann w “ats gewiß an der Zeit, daß von der Quelle aus, woher der ge- genw MZ" Geseß-Entwurf kommek- daß im hohen Rath in der alten Krö- nzungßßza Tam Mam auch bier fur Deutschen Ruhm und Deutsche Ehre inniaFgngZeF-M?" eFerzinge, und daß endlich erzieltwürde, wonach gkxunjgm Kuben, bm MMU unsere Deutschen Brüder vergeblich is en „ nterne men, das ur E re "“ck?" Vaterlandes gereichezn sollh.“ UMFUÜZFWWU TÜTiFWher richtig hat ein sebr verehrter Redner, Baron von 'Frauenbofen darauf aufmerksam gemacht, daß ar Vieles im Land, La en SiKe uns, meine Herren, nicht vergesin daß unsere gel igen Interessen im Inlande noch eines rbßeren 21.123952 Wms. ““die-"NS“? rb“ .... .....msG..... , e erun eines der ersien Schrift eller de? gemZHnM'e'i: fiÖä/tYWtYYenekim ehrende Anerkennung u widmen benvschti t“ und uns zur Untne stützung dieses Gedan ens werktbätig zu s?yn auffordert auch Fx; eigenen Lande uns die_Mittel nicht entziehen oder eng érzi zuwa- en werde, wo es gilt,' die geisiigcn Interessen des Lanlbes Zelbft u eben und u schüßen._xmd die Bedingungen zu eben, unter denxn allein jich o großcsG'eiiier bilden können, wie bebe cwesen „ meine Herren, lasssn Sie uns hoffen , daß unsere Selkulen, wel e, wir dürfen es nicht verhehlen, bei dem Vielen, was für |: ge: ckeht, zum großen Theile noch an den nothwendi sien Mitteln arben _ daß unsere Lehr- nßitute und höheren Bil un s-Unßal- ten, welche zum Theil verk mmern, oft der gehörigen Le tung und
2440 den ! _ daß für unsere Universitäten Männer ausge cichncten Nufs e?e- wonnen, aber auch erhalten werden, _ daß unsere kademie eine sel - ßändi c bleibe, und ihre Sclbßiiändigkcit nach innen und nach außen bewabgrt werde, _ lassen Sie uns hoffen, daß, indem man von uns die Anerkennung früherer Verdiensie fordert, [eicher Schritt in An- erkennung desjenigen, was die 3- enwärtige eit fordert, eingehalten werden möge. Von dieser Rü Echt aus chend, iiimmei für den Gesev-Entwurs, uud-Jaube auch, daß d e Kammer demie den ihre Zußimmung eben kb e, und daß sie auf splcheWcise sich der Ehre, die erße in eutschland zu seyn, in welcher der vorliegende Gegen- JÉnleäirfFTt-Ziche gebracht wurde, nicht unwürdig zeigen wird.“
u o g .
Zufolge einer, an den Königl.Minifterial-Commissair, Konsul und Kommerzien-Rath Bartels in Nürnberg, ergangenen Ent- schließung des König!. Ministeriums des Innern, hat Se. Ma: jesiät der König die Zulassung der Rheinschifffahrts-Assekuranz- Geseiischaft zu Köln in Bayern bis auf weitere Allerhöchste Ver- fügung unter der Bedingung genehmigt, daß die Geselischaft bei ihren Versicherun s-Geschäftm mit Bayerischen Unterthanen einen vor Bayerischen erichten verantwortlichen Inländer als Haupt- Agenten aufstelle, sobald der Kommerzien-Rath Bartels die Agen: tur niederlegen sollte, und daß für die etwa weiter aufzusieliendm Agenten die Genehmigung der betreffenden Kreis-Regierung ein- geholt werde.
Hannover, 21. Dez. Der König hat, auf geschehene Wahl und Präsentation von Seiten der Osnabrückschen Provin- zial-Landschaft, den Geheimen Kan lei-Secretair Lehzen hieselbst zum SchaYrathe und ordentlichen itgliede nicht-ade|igen Stan- des des K nigl. Schaß-Koliegiums ernannt.
Oesterreich.
ck Prag, 19. Dez. Die seit dem Jahre 1796 bestehende Gesellschaftepatriotischer Kunstfreunde, welche die Aufnahme der bildenden Kunfte, Weckung und Pflege des guten Geschmacks zum Zwecke hat. und mit der Aufsteliun einer bleibenden Gemälde- Galierie spater auch eine Akademie fur Malerei und Plastik ver- einigte, ist vor; einigen Jahren durch die Verbinde mit dem Kunst-Verein fur den Ankauf und die Verloosung der besten zur jährlichen Kunsé-Ausskellung gelangenden Bilder auf eine sehr ersprießliche Weise ermeitert worden. Wie die Kunff-Aussteliung von dem Fortschreiten, so zeigt auch die stets zunehmende Anzahl der Mitglieder des Kunsk-Vereins von der zunehmenden Verbrei- tung des guten Geschmacks und dem wachsende Sinne dafür. Unsere [este Gemälde-Aussieliung, 341 NumMern zählend, gehörte nach dem Urtheile vielerfahrener Männer zu den ausgezeick): netesten in anz Deutschland, und enthieltZusendun en von Künst- lern ersien anges. Entréegeider und verkaufte Zataloge liefer- ten einen Ertrag von beinahe 2000 Fi. C. M., die Actien von 2199 Mitgliedern gewährten eine für den Bilder-Ankauf und das Vereinsblatt zu verwendendeSumme von 10,995 Fl., und für 20 vom Vereine, dann 24 von Privatén angekaufte Bilder, wurde den an der Ausstellung theilnehmenden Künstlern ein Betrag von 10,268 Fl. C. M. ugewendet. Außerdem wirkt unser wackerer Akademie-Direktor uben nach allen Richtungen schaffend und an- regend, sein Wirkungskreis erweitert sich stets, seitdem unser um die „Landes-eVerschönerun so hochverdixnter Regierungs-Chef dessen Beirath fur alle das unsifach beruhrenden öffentlichen Gegen- stände in Anspruch nimmt, Die schon vor zwei Jah- ren bei der Berufung Ruben's uns gewordene Hoffnung: denselben mit einer größere? öffentlichen Arbeit für unsere Stadt beschäftigt zu wissen, ruckt nun auch ihrer baldigen Erfül-
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lung entgegen, da die GeseUschaft patriotischer Kunstfreunde bereits den Bes fuß gefaßt hat, den BetraZ von 20,000 Fl. C. M. auf die Ausf hrung großer Fresko-Gem [de zu verwmden. Für den Fall, daß die im gan en Lande veranstalteten Sammlungen von Beiträgen fur die w rdige Begehung der auf das Jahr 1815 fallenden 500jährigen Jubelfeier unserer Universität einen solchen Erfolg haben, daß der projekkirte Umbau des Karolinums zu einem entsprechenden Univerfitäts-Gebäude durch die gesammelten Bei- träge bestritten werden kann, ist die Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde entschlossen, mit dem erwähnten Betrage der Universität ein Geschenk zu machen, um die zu erbauende große Aula mit Fresken ausschmücken zu lassen. Wäre ]edsch keine besiimmte Aussicht für den baldigen Umbau der Universität, dann soll das auf der Höhe des Volksgartensliegende, von Ferdinand 1. erbaute Lustschloß (irrig für Tycho de Brahe's Observatorium allgemein gexalten) durch den Akademie-Direktor Ruben im Innern mit gro en Fresko-Malereien nach Süjets aus der Geschichte Böhmens geziert werden. Auf welche von beiden Arten das schöne Projekt übrigens ausgeführt werden möge, jeden- falls wird es der bei uns schon so lange brach liegenden Kunst einen neuen Aufschwung verleihen.
Spanien.
Madrid, 12. Dez. Die Gerüchte von beabsichtigten Staats- sireichen und Suspendirung der individuelien Freiheit erhalten sich no immer, allein deffenungeasbtet fahren die meisten hiesigen Bl tter fort, sich sehr heftig über das Benehmen des Regenten auszusprechen.
Die heutige Nummer der Gaceta enthält Folgendes: „Die Journale der Opposition benußen Alles, um die Regierung anzu- klagen. Der Regent kommt im Hauptquartier an, und drei Tage darauf fragen die Journale, was er vor der belagerten Stadt thue. Man macht dem General:Capitain ein Verbrechen aus dem Aufschub, den er den Rebelien bewilligt. Als alle Mittel der Ver- söhnung erschöpft find, wendet man die Artillerie an, und nun ändern die erwähnten c'iournale ihre Taktik; indem se der ro- mantischen Poesie die dZskersien Farben entlehnen, entwerfen sie ein furchtbares Gemälde von jenem bombardirten Platze, von jener großen zerstörten Stadt. Heut klagt man denselben General der Grausamkeit an, den man, wenn er noch länger gezögert hätte, der Feigheit beschuldigt haben würde.“
R
Inland.
-x- Stolpe, 17. Dez. Die gestern ier att e abte eier der vor hundert Zahrxn erfolgten Geburthdes skverYwhigten Zeid- marschalls Fürsten Blucher von Wahlstakt, war für die ganze Stadt und die von allen Seiten zusammen estrdmte Bevölkerung einés weiten Kreises der Umgegend ein wa rer Freudentag. Die B rgerschaft und die Schü engilde feierten dies Fest durch ein Fittagsmahl und einen Ba im Schöhenhause. Morgens um G Uhr nahm der u dieser Feier hier ein etroffene kommandirende d eneral des Am rmee-Corps, General- ieutenant von Wran ei, sxxenh-iZeWchxniso'yo “Flender? beidZJsEskadLrons des 5ren u:
- . e _em eigen andwc r amme die Parade ab , naehdem derselbe zuvor dem Rßgktknente die
P e : entbehren und in ihren Geldmitteln nicht o e eat nd w e gße es zu scyi; verdienen, daß diese gehoben und sveikjbeßii'ert [:)er
hatte. Mit dem fichtbarsien Cindrucke der Freude und des Dankes hatten sowohl Offiziere als Soldaten die neuen Be- weise der Gnade ihres Königs vernommen und sich still gelobt, des ehrenvollen Namens der „Blücherschen] Husaren“ und des
Dem um 2 Uhr stattgefundenen Mitt'a smahle des Offizier-Corps hatten sich eine große Anzahl der fruéer im Regiment gedienten, ausgeschiedenen Offiziere, der Magistrat, die Geisilichkeit und die Gutsbesitzer der Umgegend angeschlossen. Den Unteroffizieren und Husaren war durch die Gnade des Königs ein Abendessen und Tanz bereitet, bei welchem Anstand und Frohsinn bewiesen, wie tief die Leute die ihnen ewordene Ehre empfanden. Den Tag beschloß eine allgemeine rleuchtung der Stadt, welche ohne Auf- forderung des Ortsvorstandes die Theilnahme der Bürger für dies xateZländische Fest und ihr treuer lobenswerther Sinn hervorgeru- en akte.
Die Handels-Kammer von Bordeaux und die Zuckerfrage.
ck Bordeaux, 16. Dez. Unsere Handels-Kammer hat zwei Delegirte, nämlich die Herren Damas den jüngeren und Ed. Fabre beauftragt, dem Handels-Minister persönlich eine Vor- stellung zu überreichen, worin die absolute Nothwendigkeit des gänzlichen Aufhörens der Rübenzucker-Fabrication dargethan ist. Auch sämmtlichen übrigen Ministern, so wie den Handels-Kam: mern der bedeutendsten Städte des Landes, wurde Abschrift dieses Aktensiückes mitgetheilt.
Im Eingange desselben wird die Regierung an ihr feierlich gegebenes Verspreohen erinnert, bei Eröffnung der Session der Kammern einen Geseh-Entwurf über die Zuckerfrage vor ule en; das Vertrauen und die Zuversicht ausgesprochen, daß dieszes er- sprechen auch wirklich erfüllt werde, aber auch erklärt, daß damit allein noch nicht geholfen sey. „Nach so vielen Zögerungen, falschen Maßregeln, unaufhörlich wiederholten Opfern muß endlich eine definitive Lösung erfolgen, um die Ungewißheit zu beseitigen, welche seit so langer Zeit die bei der Frage betheiligten Ytereffen benachtheiligte.“ Die Eingabe geht dann nach wiederholter itte, um Vorlegung des zugesagten Gesehes auf Reflexionen über die Grundlagen über, auf welchen dieses Geseß beruhen müsse, Die ganz ausnahmsweise ruinöse Lage, in welche die bei der Zucker- frage betheiligten Interessen durch das bisherige falsche Ver: fahren dureh die Widersprüche der Geseßgebung gekommen, sey eben so schädlich den politischen wie den Handels- Znteressen Frankreichs, und um ihr ein Ende zu macher, sey nur ein energisches Mittel geei net, das der Schwierigkeit bis [zum Herzen dringt, das Uebel n seiner Wur el abschneide. Dieses bestehe einzig in der Unterdrückung der in! ndischen Zucker-Fabri- cation mit Entschädigun derselben. Die Motive dazu seyen die Aufrechthaltung und Kr frigung der SeemachtFrankrcichs. „Be.- sonders die Ereignisse der le ten Jahre hätten die Wichtigkeit derselben und die Nothwendig eit ihrer fortschreitenden Entwacke- lung dargethan, wenn Frankreich seinen Rang in der Europäischen Wagschale behaupten wolle. „Die Erfolge Englands auf fast alien Punkten der Erde müssen unsere Aufmerksamkeit im höchsten Grade rege machen“, sagt die Ein abe an den Minister, „und Ihnen das Maß der Opfer jeder Art ge en, die wir uns auferlegen müsscn, um nicht hinter dieser großen Bewegung zurück'zubleiben! Der Staat
kann mit Geld sich Schiffe verschaffen; seine See-Schulen kön_nen ihm treffliche Marine:Offt'ziere liefern; aber er kann auf seiner Flotte nicht Matrosen in hinreichender Zahl bilden; die Rekruti- rung der See-Armee geschieht _und kann nur geschehen in der Handeis-Marine; daher müssen alle Bemühungen der Regierung unaufhörlich auf Entwickelung dieserHandels-Marine zielen. Sie wissen aber, Herr Minister, daß der Transport des Rohrzuckers das mächtigste Mittel ist, dieses Resultat zu erlangen, und diese Transporte wären der Französischen Marine gesichert von dem Tage an, wo die Unterdrückung des Rübenzuckers den Zucker von den Kolonieen und dem Auslande zur Verproviantirung unserer Märkte herbeiriefe.“
Aber das Interesse des Schahes, heißt es dann weiter, sey nicht minder dabei betheiligt. Seit funthn Jahren habe diese Schmaroßer-anusirie (wie in der Einga e die Rübenzuckei-:Fa- bricacion genannt wird) dem Schuß? enormeOpfer auferlegt. Er würde dagegen davon beträchtliche Einkünfte ziehen von dcm Tage an, wo die Französischen Märkte nur noch durch den Rohrzucker ver: sehen warden. Die Französischen Manufaktur:Produkte würden vermehrte Absaßwege finden bei den Völkern, welche Frankreich den Zucker liefern würden, den die Koionieen nicht zu liefern ver- möchten. Jene Völker würden dann auch die hohen Zölle auf die Französischen Manufaktur-Produkte ohne Schwierigkeit herab: sehen und so diesen noch erweiterter Absaß zu Theilwerden. Aller- dings sey es ein ernster und anormaler Schritt, die Unterdrückung einer Industrie zu verlangen, wie Wenig auch diesen Na- men eine Production verdiene, die sich einem ungeheuren Schmuggel hingebe und seh nur auf Kosten der Schiff: fahrt, des Schaßes und der Koionieen zu erhalten vermöge. Es falle der Handels : Kammer auch schwer, eine solche Maßregel zu verlangen; aber sie habe das Bewußtseyn, seit funfzehn Jahren alle erdenklichen Anstrengungen gemacht zu haben, um einen so äußersten Schritt zu vermeiden. Es sei) nicht die Schuld der Seehäfen, wenn troh ihrer wiederholten Warnun- gen die Dinge auf den Punkt gekommen seyen, daß kein Heilmit- tel außer dem äußersten mehr vorhanden sey, und wenn ste, die stets sich für eine weise Handels-Freiheit aussprachen und noch de- ren aufrichtige Vertheidiger find, sech gezwungen sehen, in derUn- terdrückung der Rübenzucker-anustrie den einzigen Weg des Heils zu suchen. Es sey nun einmal dahin gekommen, daß eins der zwei anusirieen unter der Konkurrenz der _andereti unterliegen müsse. Bei dieser Alternative könne die Wahl nicht zweifelhaft seyn: Der inländische Zucker müsse vor den großen Interessen der Marine, des Schahes und der Koionieen zurückstehen. Aber indem man ihn be- seitige, müsse man gerecht egen ihn seyn, und dest verlange man eine Schadloshaltung für in. Nachdem die Rubenzucker-anusirie über alle Maßen aufgemuntert, ihr während so vieler Jahre eine Prämie von 49 Fr. 50 Cent. per 100 Kilogramme gewährt wor- den sey, die noch jeßt 22 Fr. betrage, nachdem die Kapitalien ein- mal in diesen fatalen Weg gedrängt worden, wäre es mehr als hart, diese Industrie" aufhören zu machen, ohne fie zu entschädigen. Die Regierung habe Zeit und Mittel genu gehabt, die Frage gründlich zu skudiren, in dieser Beziehung konne also der Vorle- gung eines Gesetzes über Unterdrückung des Rübenzuckers nichts entge enstehen, Würde aber die Regierung [kart derselben die GleiZheit der Ansagen auf beide vorziehen, so müsse diese Gleich- stellung wenigstens unverweilt Plah greifen, und zwar durch Herabseßung der AuFaSe auf den Kolonialzucker insoweit, bis die- selbe jener auf *den ü enzucker gleichkomme, aber ja nicht durch
Anerhbchsim Verfügungen vom 12ten d. M. bekannt gemacht
Erhöhung der Auflage auf den lehreren bis zu der Ziffer der Auf:
Wahlspruchs ihres unsierblicben Chefs stets würdig zu bleiben. _ ,
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i . theuIWir sehen vorher“, heißt es, „daß die Taktik der Vertreter der einheimischen Industrie seyn wird, die Regierring zu unter- m“. m zu dem Falle, wo sie die .Gleichstellung in einer Frist von drei Jahren z. B. vorschia en wurde, um dann durch ein Amen: dement eine noch längere 5Zeriode zu erlangen, nach deren Aus- lauf der Ruin der Kolonial: und Maritim :Znteresscn vollendet wäre, und indem fie sich noch vorbehielten, eben aus diesem Ruin sich später eine Waffe zu machen,. um, die Aufrecht_haltung einer Industrie zu verlangen, die nur mitHulfe der exorbttantesien Pri- vileqien und schwersten Opfer für den Staat in finanzieller Be- ziehung, wie in Hinsicht auf die Seemacht, lebetei und emporkom- men konnte. Die Herabseßung der Auflage wurde den Vortheil haben, den beträchtlichen Srbnmggel nzit dem Rübenzucker zu ver- mindern, welcher um so großer ist, ]e hgher die Ziffer-der Auf- lage daraufi : sie (die Herabsetzung) wurde folglich die Gleich- stellung thats chlicher „und die Ausschließung des Rohrzuckers von Unseren Märkten allmalig aufhören machen. Wir sa en diefAus- schließung, weil in un eren Augen die Gleichstellung o unmoglich und illusorisch is!, da wir nicht zweifeln, daß unter der Herr- schaft dieser Maßregel der einheimische Zucker früher oder syäeer den Rohrzucker “gänzlich von unseren Märkten verdrängen wurd.“
Zur Unterstüßung dieserAnsichtc-n wird fich auf die Erklärun- gen der einheimischen Fabrikanten selbst bei den verschiedcpen vor- genommenen Untersuchungen bezogen, dan'n auf den precairen Zu: stand der Kolonieen in Folge der gegenwartigen Geseßgebung über den Zucker sowohl als der Frage der Sklaven-Eniancipqtion, Welche ohne Unterlaß die Kolonisten bedrohe und bei ihnen jeden Gedanken an Zukunft und industrielle Forrschrittx hemme, fie so verhindernd, die Vortheile der Fortsxhritte der Wissenschaftkzu be- außen, um den Kampf mit dem Rubenzucker bestehen zu konnezi. Herr Humana, der d0ch scherlich bei Erhebung der'Auflagen fur den Schah Niemanden an Strenge und Genamgkeit nachgestan- den, habe selbst ugegeben, daß die Erhebung der Auflage vom Rübenzucker mit «chwierigkeiten überladen, Verhinderung der Dx- fraudation mit demselben unmöglich sey, und jedes Jahr hatten die Ziffern, wenn man die Quantitäten des wirklich versteuerten Zuk- kers mit denen, die zum Verbrauche kamen, vergleichen wolje, be- wiesen und würden auch ferner beweisen, wie unwiderstehlich die Verlockung zu einem so lukrativen Schmuggel sey, troh aller Gesc e dagegen. Man werde gegen die durch die erwähpte Hera seßung der Auflage zu erzielende Gleichstellung das Deßzit einwenden, welches daraus für den Schah entstehe. Dieses werde aber zum Theil durch die wirksamere Erhebung der Auflage, zum Theil durch die nothwendig eintretende Ausdehnunlg des Verbrauchs wieder aus efülie Werden, Auch die Differentialzolle auf den aus- ländischen Zucker müßten herabgeseßt werden, welches System man auch annehmen möge; vorzüglich nothwendig sey dies bei Unterdrückung des Rübenzuckers gegen Entschädigung, denn dann müßte man wegen Decken des ganzen Ausfalls, den die Kolonieen nicht zu dccken vermöchten, sich an das Ausland wenden. In beiden Fällen also dürfe der Differentialzoli 10 Fr. per 100 Kilogr, nicht übersiei en; dadurch sey dcr Kolonial-Zucker hinrei- chend geschützt, den onsumenten keine zu schWere Lask auferlegt, und zugleich die Handels-Marine begünstigt. Die Handels-Kam- mer bezieht fich dabei auf die dem Minister schon am 26. De- zember 1841 überreichten Berechnungen, und faßt am Schlusse ihrer Eingabe ihre Verlangen noch einmal zusammen in: Unter- drückung des Rüben-Zuckers mit Entschädigung der Fabri- kanten und Herabseßung des Differentiaizolies auf ausländischen Zucker auf 10 Fr. per 100 Kilogr., als einzige wirkliche Hälfe in der egenwärtigen Lage; eventuell aber unmittelbareGleichsieliung der uflage auf beide Zucker auf dem Wege der Herabseßung und nicht der Erhöhung derselben.
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Afghanistan.
Ersier Artikel. Ge i tlicheRückblickc.-Zwiespaltin de„nHerrscher'- W ck Geschlechtern. _ Reise-Berichte. _ ' Ethnograpbisches.
Durch die Proclamation, welche der jeßige General-Gouver: nem" von Ostindien, Lord Ellenborou h, am 1. Oktober d. I. erlassen hat, ist nun der unter seinem orgängcr, Lord Auckland, eingeleitete und ins Werk geseßte Feldzug nach Afghanistan, zur Vertreibung Dost Mohamed's und Restituirung Schach Sudscha's, ziemlich unumwunden als eine Uebereilung bezeiohnet wdrden. Fast jeder Paragraph jenes Manifestes ist ein Vorwuxf fur die von den Whigs befolgte Indische Politik. Ob es fur das Ansehen der Britischen Herrschaft in Asien nicht dienlicher gewesen wäre, mit Stillschweigen über das hinwegzugehen, was als erthum oder Fehler einer früheren Verwaltung erschien, statt es so offen zu rügen, dies kann dem Englischen Interesse zur Entscheidung über- lassen Werden. Wo politische Parteien einander in der Regierung ablösen, kommen dergleichen Recriminationen zwarimneier vor, doch pflegt man sie Wenigstens in offiziellenAktens'iücken, die fur die Oeffent- lichkeit beskimmk snd, möglichst zu vermeiden. Die Proclamation Lord Ellenboroughs hat daher auch einen ewaltigen Sturm in der Whig-Preffe erregt, und es smd darü er, so wie über die ganze VerfahrungsWeise des General-Gouverneurs von Ostindien in Bezug auf Aghanisian, ohne „Zweifel heftige Debatten im Par: lament zu erwarten. Namentlich beschuldigt man ihn, er habe ursprünglich die Britischen Trupycn aus Afghanisian ohne Wei- teres zurückziehen wollen, sie mochten nun vorher Genugthuung für die erlittene Schmach erlangt haben oder nicht, und dann will man wieder aus der Proclamation desselben, in der von den Ge- fangenen gar keine Rede ist, jedenfalls so viel schließen, daß er von der Befreiung dieser Leßteren die Räumung Afghanistan's nicht abhängig zu machen Willens gewesen.
Alle diese Streitpunkte haben indeß jeßt nur noch ein Par- tei-Znteresse, nachdem wir wissen, daß es den Britischen Waffen vor dem Abzuge aus Afghanistan nicht an Genugthuung gefehlt hat, und daß die Gefangenen sich bereits in der Mitte der Jhrigen befinden. Das Wichtigste für eine unbefangene Be: trachtung ist eine Zusammenfassung der Prinzipien, welche die gegenwärtige Regierung Großbritaniens über die in Indien in Bezug auf dessen nordwestliche Gränze zu beobachtende Politik hegt und festzuhalten beabsichtigt, so wie der Erfahrungen und Ueberzeugungen, welche man durch die Expedition nach Afghani- skan und ihren Verlauf gewonnen oder bestätigt gefunden. * Ob Uks? Ueberzeii ungen und Prinzipien bei den Tories schon vor dem Unglückli en AusÉang der Expedition durchaus festgeskanden haben, Wie von ihrer eite behauptet wird, ist hier ebenfalls nicht zu untersuchen.
So viel isi sicher: man weiß jest, wenn man es bisher noch
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vor 1839 besucht, sich selbst über die dortigen Zustände getäuscht, oder ihre Regierung schlecht unterrichtet, oder gar absichtlich, aus irgend einem persönlichen Interesse, dieselbe irregeleitet, oder wenn
diese auf ihre Berichte nicht genu geachtet, _ wie dem nun sey, geordneten Staats: erband bilden, daßkvielmehr in politischer Hinsicht eine völlige Anarchie unter den mit jenem Namen bezeich- neten Volksstämmen herrscht, und daß unter soi en Verhältnissen eine auf das Europäische Prinzip der Legitimat t zu gründende Herrschaft einer Dynastie, wovon man bei der Wiedereinsetzung Schach Sudscha's ausgegangen, etwas rein Chimarisohes sei). Eine Dynafiie erhält sich hier nur_am Ruder, so lange fie dux“) energische Regenten repräsentirt wird; . von National-Anhänglich- keit an eine Herrscher-Familie kann nicht gesprochen werden, wo überhaupt die Elemente fehlen, Welche zu einer in sich zusammen- hängenden Nation gehören. Wo in einer Stadt oder Gebirgs- Veske ein Häuptling fich Ansehen zu verschaffen weiß,'da gehorchen ihm die umwohnenden Stämme, so lange_ er den Zugel mit kräf- tiger Hand führt und sie ihren Vorthcil bei der Unterordnung finden; die mächtigsten dieser Häuptlinge erstrecken ihre Herrschaft über weitere Gebiete, und nominell war in der That v_on den Nachfolgern Achmed Schach's, der Afghanistan in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von Persien losriß und unabhängig machie, stets einer das Oberhaupt des ganzen Afghanen:Reichs; aber die- ses Reich war selbst in seinem Umfang “fortwährend so schwan- kend, wie das Zusammenhaiten der Stamme, aus denen es be- stand, und die alte Feindschaftzwischen verschiedenen dieser Stämme, wie namentlich zwischen den Duranis und Gildschis, machte bald nach Achmed's Tode das momentane Band wieder locker, bis auch innerhalb des Durani:Stammes die Geschlechter der Baruksehi's und Suddosehi's mit einander zerfielen und unter Dosi Moha- med's, eines Baruksehi, Herrschaft wiederum in diesem Geschlecht FamiliemSpaltungen ausbrachen.
Dies Alles freilich war längst bekannt; aber entweder wollte es Lord Auckland nicht beachten, oder er hielt dase Wesentliche und Bleibende in den Asghanischen Volkszustanden fur unwesxnr: lich und vorübergehend, als er Schach Sudnha, deffen Schwache man noch dazu fruher schon hiniangltch kennen gelernt hatte, und der von den Britischen Agenten als ein Mgnn ohne Herrscher- geist geschildert worden war, aus dessen Zuruckgezogenheit m Liz- diana wieder hervorzog und ihn, einen Suddosehi, folglich“; wee man annahm, legitim und populair, an Dosi Mohamed's Stelle von neuem auf den Thron sehen wollte. Die Verlegenheit war allerdings groß, da Dost Mohamed Chan, zu dem man Alexatider Barnes abgeschickt hatte, um mit ihm zu unterhandein, von einer Aussöhnung mit RundschitSingh, dem Maharadscha_ von Lahore, nichts hören mochte, wofern dieser nicht das von ihm eroberte Gebiet von Peschauer herausgäbe, eixi Verlangen, welches der General-Gouvcrneur nicht zu unterstußen geneigt war, Dazu kam nun die damalige gereizte Stimmun der Britischen Regie- rung gegen Rußland, welche durchdas erhalten des Russischen Gesandten in Persien und durch dte„Unterh'andlungen Rusfi[cher Agenten in Afghanistan, worin man eine Gefahrdung der Britisch- anischen Interessen erblickte, so sehr gesteigert wurde, daß man nicht raseh genug dem Vordringen eines solchen Einflusses entgegentreten zu können glaubte. Dies mag denn wohl den Hauptanstoß zu der Expedition gegeben haben. ,
Aber ehe die Britischen Truppen in Afghanistan einruckten, mußte man in Ostindien schon lange von den zufriedenstellenden Erklärungen wissen, die von Seiten Rußlands unterdessen mit Hinsicht auf die Schritte des Grafen Simonitsch und des Capi-
tain Wirkewitsch erfolgt waren, -_ Erklärungen, WelcheLord Pai- mersion ais vollkommen befriedigend und beruhigend über Ruß- lands Abstchten bezeichnet hatte. Es war also noch Zeit, die Ex: pedition nach Afghanistan zurückzuhalten, und daß dies nicht ge- schehen, wird sowohl den Lords Palmerston und Auckland als Feh- ler vorgerückt, wie noch mehr dem unglücklichen Alexander Barnes, der, wie man sagt, nach seiner genaueren Kenntnis; von der Lage der Dinge in Afghanistan, von dem Unternehmen durchaus hätte abrathen sollen, und der nun selbst auf so traurige Weise ein Opfer übereilter Politik geworden.
Doch es schwebt noch so viel Dunkel über dem Urspriing dieser Unternehmung, daß ein sicheres Urtheil über die Sache 1th schwerlich schon gefällt werden kann. Eben so werden über den ganzen Verlauf der Begebenheiten in Afghanistan seit Schach Sudscha's Znthronisation noch nähere Ausklärungen von Augen- zeugen abzuwarten seyn, ehe man den Zusammenhang aller dor- tigen Verhältnisse wird übersehen können. Die bisherigen zerstreu- ten Mittheilungen waren meist sehr wirr und abspringend, und die Prociamation Lord Elienborou h's belehrt uns nur im Alige- mainen, daß beständige Anarchie, erbrechen und Empörun en in Afghanistan geherrscht haben und noch herrschen, daß selbst chach Sudscha's Treue gegen die Britische Regierung weifelhaft wurde, daß er also eben so nur ein vermeintlicher reund, wie Dost Mohamed ein vermeintlicherFeind Englands war, daß er keine Popularität genoß, und daß er zuleßt durch Meuchelmord ums Leben ekommen. Man will daher, wie der G.sneral:Gouverneur sagt, ortan den Afghanen keinen Souverain niehr wider ihren Willen aufbringen, sondern es ihnen selbst überlaffen, sich eine Regierung zu geben. So, indem die Britische Armee fich hinter den Sutledsch zurückziehe und Afghanistan für immer räume, glaubt man Ostindien gegen einen von Westen her drohenden Feind, Wenn es überhaupt einen solchen gäbe, Weit mehr gesichert, _ Weil ein solcher Feind erst noch die Gebirgs:Pässe und wilden Volkssiämme Afghanistans, die Flüffe des Pendschab und den Indus zu überwinden haben würde, ehe er Indien fich nähern könnte, _ als wenn man Afghanistan beseßt hielte und durch Bri- tische Waffen dem Thron eines Schattenk'onigs zur Stöße diente, wodurch man die Afghanen nur aufs Aeußerste erbittern und zu Bundesgenossen jedes Feindes der Britischen Nation und des Britisch-Osiindischen Reichs machen würde.
Ferner geht aus der erwähnten Proclamation noch hervor, daß Afghanistan vollständig geräumt Werden und die Armee über den Sueledsch zurückkehren, also auch keine Punkte Weiter am Indus oder im Pendschab beseßt halten sol1,-wonach es scheint, daß General Nott blos deshalb von dem Englandschen Corps steh hat treennen und von Kandahar den Umweg über Kabul hat nehmen musseen, weil man vermuthlich General Pollock's Corps allem man fur stark genug hielt, um der bei Kabul konzentrirten Hauptmasse der Afghanen gehörig zu imponiren und sich nach Befreiung der Gefangenen einen ungestörten Rückzug durch die Kurd-Kabul- und Keyber-Pässe zu sichern.
Endlich soll, der Proclamation zufolge, für jeht noch miekeinem der Afghanen-Häuptlinge irgend eine Art von Vertrag oder Bündniß abgeschldffen werden, sondern man will erst abwarten, ob aus der ge- genwärtigen Anarchie eine eordnete Regierung sich entwickeln wird, die hinreichende Aussicht aufgStabilitätdarbietet, um fich mit ihr in nä ere Be iehun en sehen zu können. S hne S ach
nicht gemußt, wrnn die Britischen Agenten, welche Afghanistan
Es hat also keiner der udscha's auf Weitere Unterstüßung von Seiten
fcheint auch bereits allen ehrgeizigen Gedanken entsagt zu haben; denn er befindet sich bei dem Corps des GenerglEngland, welches den Grän en schon sehr nahe isi, und geht gut diesein nach Osi- indien zur ck. Ein anderer aber, Sefter Dschong, ist m Kandqhar man ist jest überzeu t, daß die ?( ghanen nichts weniger als einen Irückgeblieben; in welchem Verhältniß aber er zu den dortigen
olkssiämmen sich befindet, und woraus sein Anhang besteht, ist.
nicht bekannt. Föttih Dschöng, ein dritter Bruder, der sich nach Schach Sudscha's Ermordung in Kabul als dessen Nachfolger betrachtet und in der Citadelie behauptet hat, ging dezn Corps des General Pollock, als dasselbe von Dscbeilalabad anruckte, bis Gundamuck entgegen und zo mit ihm zusammen im Bala Hiessar ein, vermuthlich hoffend, die ngländer würden ihn nun als Konig proklamiren. das Land auch verlassen, wenn es den Britischen Truppen nicbt gelänge, Akbar Chan, den Sohn Dosi Mohamed's, gefangen zu nehmen.
Da er sich aber hierin geirrt, so heißt es, er wolle
Akbar Chan ist also, allem Anschein nach, von Schach Sud-
scha's Tode bis auf diesen Augenblick der mächtigse, angesehense und gefürchtetsie Häuptling unter den Afghanen geWesen, und vvn ihm vorzüglich ist ohne Zweifel der stets wiederholte Angriff und Widerstand derselben gegen die Britischen Truppen angeschürt worden. Um ihn finden wir eine Menge anderer Häuptlinge ver- sammelt, die von ihm, wenn auch theilweise nicht ohne Wider- spruch, sich leiten lassen. Anstifter/des ersten Gemeßels in Kabul, in welchem Alexan- der Burnes den Tod fand. Tage darauf aus dem Gebiet von Baikh, wohin er nach seinch Vaters Niederlage und Gefangennehmung sich gefiüchret hatte, in Kabul ein, aber er war dann auch gleich der Mittelpunkt und die Seele aller ferneren Unternehmungen der Afghanen.
Vielleicht war er auch von fern her der
Zwar traf Akbar Chan erst einige
Wie es nun, bei der anscheinend allgemeinen Feindseligkeit der
Lehteren gegen die Engländer, nach dem Abzug des Kabulschcn Corps und nach dessen fast totaler Vernichtung in den Kurd- Kabul-Päffen dennoch dem Schach Sudscha, bis er durch Meu- chelmord fiel, und dann seinem Sohne Föttih Dscböng noch so lange möglich gewesen, in der Citadelle von Kabul fich zu halten; ob fie dort noch eine so starke Leibwache von Kusfiibaschis, Per- sischen Söldnern der Afghanen:Häuptlinge, in ihrem Dienst hat- ten, daß Akbar Chan das Unternehmen scheute, sie aus jenem festen Plaß zu vertreiben, oder ob sie ihm zu unbedeutend und ungefährlich schienen, um fie einer Beachtung für Werth zu halten, oder endlich, ob sie selbst eine faische, doppelte Rolle spiel- ten und es abwechselnd mit beiden Parteien hielten, alie diese Fragen sind noch in Dunkel gehüllt.
Von den ]“th ausgeliefer- tcn Gefangenen wird man viel1eicht einigen näheren Aufschluß über das Verhältniß unter den Af hanen-Häuptlingen und Stäm- men im Verlauf dieses Jahres er alten konnen.
Noch manche andere Fragen über die inneren Verhältnisse Afghanistan's in dieser letzten Zeit werden erst nach und nach ihre Beantwortung finden, manche auch tvohl ungelöst bleiben, weil die Engländer doch meist auf die Occupation einiger festen Pläße be- schränkt geblieben und mit den verschiedenen Volksstämmenem dem gebirgigen Innern des Landes noch viel zu wenig in Beruh- rung und Verkehr gekommen smd, als daß sie ganz sichere Kiznde über deren gegenseitige Verhältnisse und Stimmung haben foxm- ten. Man sieht, die Akten in dieser Sache sind noch lange nicht: geschlossen; man hat blos kahle Fakta, aber es fehlt der eigentliche Zusammenhang. ' _ , „
Unter diesen Umstanden muß jede Nachricht erwunscht seyn, die
uns von neneren Reisenden und von Theilnehmern des lehren Feldzu- ges überAfghanistan und sein Volk mitgetheilt wird. Die bisheri- gen Hauptquelien waren noch immer die Schriften drs Sultan Babst“, der zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts dieses Land eroberte, dann der Bericht Mount StuartElphinsione's über seine Mission an den Hof von Kabul im Jahre 1809, wo damals noch Schach Endscha regierte, und aus neuerer Zeit die Reiss des Ca: pitain Burnes nach Kabul, der Tartarei und Persien, die derselbe in den Jahren 1831- 1883 unternommrn und deren Beschrei- bung er 1834 in drei Bänden herausgegebene wurde. Die lehren Jahre haben die Literatur uber Afghanistan zwar sehr vermehrt, doch ist darunter Weniges von solchem Werth wie die obengenannten Werke. Das Wichtigsie bleibt auch unter diesen der Nachlaß des Capitain Ale xa n d e r B u rn e 5, dessen gesammeltes und zum Theil schon verarbeitetes Material, über seine Mission nach Kabul im Jahre 1836 und über seinen dortigen Aufenthalt in den beiden folgenden Jahren, nach “dessen Tode von seinem Bruder geordnet worden uud kürzlich unter dem Titel: „(Izbaol, being a €k§0nle narrative of" & j0i11'n8)*t0 ane] reziäencß in [bar ckck", in éondonerschiem-n ist. Nächsk diesem sind die interessantesten neueren Publicationen über Afghanistan von Vigne, Masson, Atkinson, Volney und Harland. Vigne bereiske vor eini- en Jahren die Länder am oberen anus und hielt sich dann eine ,„eit lang am Hofe Dost Mohamed's auf. Atkinson und Volney machten als Britische Offiziere den Britischen Feldzug nacb Af- ghanistan mit und haben ihre Skizzen über die dortigen Zustände so eben publizirt.
Masson, dessen dreibändigrs, ebenfalls ganX kürzlich erschiene: nes Werk „Uarrutix/e 0f' «110113 journexs in 133 0611i5t3n, Ükaba- nizian zm] ibo ]);mjab“ betitelt ist, hatte schon seit “1826 Afghani- sian und einen Theil von Persien als Privatmann bereist und wurde später als Britischer Agent in Kabul angestellt, wo er mit Alexander Burnes, als dieser mit größeren Volimachten dort ein- traf, bald in Kollisionen kam und deshalb seine Entlassung neh- men mußte. Seine Gereiztheit hierüber ist auch auf sein Urtheil übergegangen, welches daher nur mit Vorsicht aufgenommen wer- den darf; sein Buch tragt fast den Charakter einer Streitschrift gegen Burnes, der seinerseits freilich auch nicht immer sine ira et ztncjio beobachtet und geschrieben zu haben scheint.
Harland endlich ist ein Amerikaner, der zuerst als Wundarzt in Diensien der Ostindischen Compagnie stand, als solcher den Birmanen-Krieg mitmachte, dann aus Sucht nach Abenteuern eine Reise nach Afghanistan unternahm, dort für Schach Sudscha intriguirte, sodann zu RundschitSing nach Lahore ging, Gouver- neur zweier Provinzen des Pendschab wurde, nach siebenjährigen Dienfien aber den Maharadscha aus Unzufriedenheit verließ und zu dcssen Gegner, Dosi Mohamed, nach Kabul sich begab, Welchem er bis zu seiner Flucht als Ober:Befehlshaber aller seiner regulairen Truppen diente und unter anderen die Schlacht bei Dschumrud über die Seikhs gewann. Zeßt letharland wieder als Privatmann in den Vereinigten Staaten und hat in diesem Jahre zu Philadelphia ein „Memoir über Indien und Afghani- stan, nebsk Bemerkungen über den jeßigen aufgeregten und kriti- schen Zustand und über die Zukunft dieser Länder, so wie über die Niedermeßelung der Britischen Armee in Kabul und die Brittsahe Politik in Indien, nebst einer ausführlichen Charakter-Zeichnung Dosi Mohamed's und seines Hofes u.s.w.“ herausgegeben. Der
Titel des Buches, der noch weiter fortgehc und Unzer," Anderem auch einen Kommentar zu einer Prophezeiung Daniels anzeigt,
der Osiindischen Regierung zu rechnen, Der eine derselben, Timur,
verrät schon etwas selbstgefällige Redseligkeii, und davon zei t fich d?r Verfasser auch in seinen Erzählungen allerdings nith