„Ueber Umfau und Gestaltun der Tabakfabrikation und des udels mit Tabakg und Tabakfabr aten im Reich soll eine Unter- uchung stattfinden, welche durch eine vom Buudeöratb unter, u- ziebung voa Sachverständigen xu bexufende qumisfion geführt wir .“ bg. von Schmid bezeichnete seine Anträge zu diesem und den folgenden Paragraphen als hervorgegangen aus dem Bestreben, die Erfordernisse einer nnrksamen Enquete mög- lichst in Einklan zu brin en mit den Forderungen der Inter- essenten. In die er Bezie ung seien die, etwas harten Be- :mmungen der RegierungSvorlage gem1ldert worden. In u auf §. 1 habe er kein Bedenken, fich auch dem Anfrage Stau enberg anzuschließen. _ _ Der Präsident des Rei skanzler-Amts, Staats-Mxmsler Fosmann, erklärte sich gleichfq s mit diesem _Antrage einver- anden, weil die Zuziehung von Sachverständigen nach Voll: endung der statistischen Erhebungen ebenfalls yon den Re: 'erungen beabsichtigt gewesen sei. Er acceptire also den Antrag Stau enber , aUerdings mit dem Vorbehalte, daß dadurch die beabsichtigten statistischen Erhebungen mcbt ausxze- schlossen würden. , Der Abg.Windtborsi bemerkte, er,erbltcke ungeachtet al1er Hegentheiligen Versicherungen der Regierungsvertreter als den
weck dieser Vorlage nach den Worten des Reichskanzlers dieses Zweckes
edi lich das Tabakmonopol. fZur Erreichun [ ss z eran a ung u
wo e er nichts beitra en, uma gm; keine einer Mehrbelastung es olkeS vorliege. ' ' _
Der BevoÜmächtigte zum Bundesamts), manz-thster Hobrecht, erkannte die Berechtigung des Grun satzes an, "daß man keine Mehrbelastung des Volkes gestatten darf?, olx-W daß der Nachweis der absoluten Nothwe'ndigkeit a't-r der anderweiten Entlastung erbracht set und wenn hier eine Steuerbewillignng_ verlangt wexde, so könnte der Mangel ' eine?, wichen _NachWUseH mit Recht gerügt werden. DW ]eßige Vorlage sei qber Mit den gemachten allgemeinen Angaben genügend motivirt. In den Motiven zu der in dieser Session gemqchtew Steuxrvor- lage, von welcher“ er bedauere, daß sie mcht einmal zu einer kommissarischen erathung geführt habe, seien die Zwecke und Ziele der beabsichtigten Steuerreform m gryßen
ligen dargelegt. Wenn der Staat in die Lage gebracht wurde, eme namhafte Quote der Grund: und Gebäydesieuer „den Ge: meindeverbänden zu überweisen, wenn er eme, energische" Ne- rm der Klassen- und EinkommensteULr herbeiführen kon'ne, nn würde man den Komnmnen eine fühlbare und wirk- same Erleichterun gewähren können. Wok]? xnan aber diesen weck, dann mii e man auch die Mittel bewiiligexi zur Samm: ung des nöthigen Materials, um daraus dW geeigneien Wege zur Erreichung des gewollten Zweckes erkennen zu konnen.
Der Abg. 1)r. Harnier empfahl das Amendement Stauffenberg, mit deffen Annahme die iibrigen Paragraphen der Vorlag außer den §§. 1 und 10 „entbehrt werden könnéen und durch dessen Wortlaut dW Vor: lage erst ein richtigeéz und volles Enquetegeseß werde. Der Abg. Richter (Hagen) suchte zunächst darzulegen, daß troß der formellen Uebereinstimmung 'em großer achlicher Unterschied zwischen den Jntßnttonen der
ionalliberalen und denen der Regxexung Über die Tabaksteuer vorhanden sei. Er kritisirte sodann das vom Finanz-Minister Hobrecht dar elegte maixzprogramm theils als zu unbestimmt gehalten, t eils a s , nicht der Ge- rechti keit entsprechend. Er vermiLe dW Garantien dafür, daß 'e Egnque e auch unparteiisch ge andhabt werde, zumal, die polltijckjé ituanon gar mcht far enie solche geeignet sei. Deshalb werde er gegen die Vorlage stimmen. ,
Der Präsident des Reichskanzler-Amts bemerkte hiergegbn, der Vorredner scheine es in Betreff der Tabakstyuer lediglich bei dem alten belassen zu wollen und verhalte s1ch demgemäß der Vorlage gegeniiber rein negativ. Ein Gleiches könne er aber nicht von der Mehrheit des Hauses vorausseßen. Er one hier noch der Ansicht entgegentreten, als ob die Regierung eine Mehrbelastung des deutschen Volkes beabsichti te; ihr Zweck sei eine gesunde Steuerreform. Bsi dem Sch usse des
lattes hatte der Abg. von Helldorff das Wort.
_ In dem von dem Verleßten gestelXten Straf- antrag gegen den Thäter braucht, nach einem Erkenntnis; des Ober-Tribunais vom 16. ApriL d. J., nicht das Ver- ge en, wegen welches eine Bestrafung beantragt wird, hervor- e oben zu sein, sondern es genügt, daß der Antrag den ZLunscl) des Verleßten, den Thäter wegen seines VerhaltenS Legen ihn Überhaupt bestraft zu sehen, unzweideutig zu er- ennen giebt.
_ Der General der Infanterie und Chef der Kaiser: lichen Admiralität von Stosch ist von der Dienstreise nach Wilhelmshaven und Kiel hierher zurückgekehrt.
_ Der BundLSrathS-Vevoümäcl)tigte, Großherzoglich ba: dische Ministerial-Rath Lepique ist in Bsrlin angekommen.
SachsenZMeiningeanildburghaufen. M ein in g e n, 10. Mai. (Leipz. Ztg.) Heute erfolgte die Vertagung des LandtagS, nachdem derselbe mit großen Anstrengungkn sämmtliche Vorlagen erledigt hatte. Der Landtag verschob die Spezialberathung Über die landesherrliche Proposition, eine normalspurige, auf 1450 000 «75 veranschlagte Nebenbahn von Sonneberg nach Lauscha auf Kosten der Landes- kasse herstellen zu [affen und sodann dsn Betrieb zunächst auf zwölf Jahre zu verpachten, bis zur Berathung des neuen Etats pro 1878/81 ' und bis zu der zu erwartenden, den Anschluß an E10?1cht betreffenden bayerischen Eisenbahn- vorla e. „Annabms and der StaatSvertralg mit Sach- ;en- eimar iiber Zusammenlegung in den F uren Krannich- eld mid Stedten, dagegen wurde abgelehnt die Proposition über„em'e Herabsetzung der Gebühren der Zen en und Sach- verstandigen u'nter Hinblick auf die nahe bevorsFehende Reichs- Éejeßgebung 111 dieser Materie. Die in vertraulichen tßungen berathenen Verträ e mit Preußen, Sachsen- Coburg und S warzburg-RudoLFtabt bezüglich der Errichtung eines gemein amen Landgerichts hierselbst erlangten dem Vernehmen naY_ un „Wesentlichen die stän- dzsche Genehmtgung. „ , 12 Zustimmung erhielten ferner die, Regierungs-Propostttonen we en Errichtung des Land- gexrcht§gebäudes, in welches auck? das AmtE-gericht kommen mird und das neuerdings kräftig in Angriff genommen wor- den ist, und wegen Konzentrirung dex Gefängnißanstalten. Im Sinne der Regierung wurden erledigt mehrere Proposi- tuxnen über Domänenverkäufe und über den Erwerb des "Raterguts Weißenburg bei Rudolstadt für 408 000 «75
Neuß i. L. Gera, 15. Mai. Die „Gemische Ztg.“ *meldet: „Am 10. und am 13. d. Mts. smd der Geheime StaatSrath 1)r. VoÜert von Gera als Vertreter der Staats-
regierun des Fürßeßthums Reuß '. L.. und der Geheimrat!) Vr. Sti ling und Geheime Äustzzrath ])r. Bruger von Weimar als Vertrekr der SingtSregierung des Grozherzog- thums SachHen-Weiwar-Eisenacb m Jena u Kynferenzen wegen Erri tung eines das ;ürstenthum euß ]. L. und den Neustädter Kreis des Gro herzogthuzns Sachsen-Wetmar- Eisenach umfassenden Landgerichts m Gexa zusgmmepge- treten. Wie wir vernehmen, haben sich die Kbmmtffare ubex emen StaatSvertrag geeinigt und der Staatsregierung des Fursten: thums Neuß ci. L.? den Beitritt bls zum Schlusse dieses Jahres vorbehalteni Im Anschluss ein diese Konfereyzen hat Festern ebenfalls in ena die Kommission von Regierungs- evollmächtigten ihre, ißungen begonnen, _welche die zux Au?- führung der ReichsZu izgeseße erforderltcben, fur die thu- rin ischen Staaten, Womöglich gemetnschaftl1ch zu xrlaffenden Ge ese und Verordmm en feststellen sbll. An dieser Kom: mission nehmen Thel: ür Sachsen-WemzarEisengck) der Ge beime Justiz-Rath 11r. Brüger aus Weimar, für Sachsen- Altenbur der Geheime StaatSrath Ldrenß mis Altenburg, für Sa sen-Cobur Gotha der Geheime Regwrungs-Rath Hornbostel aus Got q, für Sachfen-Meimt]gxn-Hildburghausen der NegierungS-Rath,Blomeier aus Mennngen, ferner ,der Ober-AppeÜationS-Rath 1)r. Zuse auI Jezm. Der gestrigen Sitzung, in wslcher Prinzipien ragen entschieden werden sollten, haben auch der StaaW-Minister von Bertrab aus Rudolstadt und der Geheime StaatSrath ])r. Vollert aus (Hera bei: gewobnt.“ , _(Lcipz. Ltg.) Von Seiten des Domänenachs usseeH, welchem vom Landtage die Weiterführung der Ange egenbett übertragen wurde, ist beschlossen worden, das Gytqchten der Juristenfakultät der Universität Leipzig an Profe or 1)r. Endcmann nach Bonn zu senden, um dessen Riickäußerung dariiber einzuholen. Das frühere Gutachten von Endemann ließ den Anspruch des Landes 'aufda-Z Do- manialvermögen unentschieden, während derselbe 111 einem Bc- Zleitschreiben indcß von der Befreiung des Rechtsweges dein andtagc abrietl). Das LeipzigerGutachten dagegen _steth dW Frage in ganz entschiedener Weise klar UPD „bestreitet dem Lande, mit Ausmahme der Steuererhebung, jeglichcs Recht auf das Domanialvermögen des Fürstlichsn Hause?.
Oesterreich=Ungarn. Wien, 16. Mai. “(W. T. B.) Meldung der „Polit. Korresp.“ aus Konstantinopel von leute: Der russische Botschafter, Fürst Labanoff, begab Zick) nachdem er dem Minister des Außwärtigen den iiblichen Besuch gemacht hatte, unverzüglich nach San S'tefanb' und hatte dort mit dem General Totleben eme [_angere Konferenz. Der seitherige Vertreter Rußlands, Nclidoff, tritt morgen eine Urlaubsreise an. Die Russen haben etwa eine Meile iiber San Stefano hinaus, in der Richtung von Konstantinopel, ein Zeltlager aufge1chlagen. ,
_ 17. Mai. ( . T. B.) Die Morgenblättex fassen das gestrige St. Petersburger Telegrammim Ail- emeinen günstig auf. Das „Fremdenblatt“ meint, dre
onzefsionen, zu welchen man in St. Vexersburg bezügltcl) Batums und der Karte von Bulgarien geneigx scheine, bbten einer friedlichen VersüMdigung jedenfalls eme, bedeutende Han bab. Die „Pch„5*§F“Éagt, die wdxentkchsteÉ Aus: ste & ' *En lands ();-54 N ,ensvertrage von San tefano er) Mien dur solche Konzessionen beseitigt; die eigentliche Entscheidung sei erst nach der Rückkehr des Grafen Schuwaloff nach London zu erwarten. Die „Neue Fr. Presse“ kon- statirt eine friedliche Strömung mit dem Vorbehalte, wie lange dieselbe dauern werde.
Pest, 16. Mai. (W. T. B.) Das Unterhaus hat die Vorlage, betreffend die Bedeckung dss 60-Millionen- Kredites genehmigt, die Annahmc erfolgts mit allen Stimmsn gegen diejsnigen der äußersten Linken. Uermenyi
atte den von ihm eingebrachten Beschlußantrag zurückgezogen.
«m Laufe dsr Debatte erklärte Mi11ister:Prcisident Tisza nochmals, die österreichisch:ungarische NegicrUng betrachte die Angelegenheit der christlichen Bevölkerung des Balkans als eine europäische, und sei nach wie vor gesonnen, dieselbe im Einvernehmen mit den europäischen Mächten zu regeln.
Schmeiz. Bern, 15. Mai. (N. Zürck). Ztg.) Der BundLSrath hat heute den Entwurf eines Bundes-beschluffes, betreffend die Abänderung des Bundesgeseßes von 1849 über die Organisation und den Geschäfthang dss Bundesraths, zu Ende berathen. Die Abändorung bssteht im Wesentlichen darin, daß das Eisenbahnwesen in sbinem ganzen Umfange mit dem Post: und Telegraphendepartement v'ereinigt, und daß andererseits die spezifisch volkswirtbschaft: ltchexr Angelegenheiten (Landwirthschaft, Maß und Gewiä1t, Versicherungswesen, literarisches und künstlerisches Eigenthum, Auswanderung, Forstschuß, Jagd und Fischerei 2c.) vom De- partement des Innern abgetrennt und mit der Handelsabthei- lung zu einem neuen eigenen Departement des Handels und der Landwirthschaft verschmolzen werdcn.
Nixderlande. Haag 12. Mai. Dem Kolonien: Ministerium sind telegraphiscbe Meldungen aus Atchin, vom 6._ 1). MW., zu egangen, welche die Befestigung dsr nieder- ländischen Herrschaft im nördlichen Theile Su- matras als dauernd gesichert darsteÜen.
, Großbritannien und Irland. London, 14. Mai. DW „Times“ schreibtzu dem Attentat auf Se. Majestät den DeutsYen Kaiser: Wir geben nur das allgemeine Gefühl aller la1en Großbritanniens wieder, wenn wir dem Katsex und dem eutschen Volke unsere herzlichen Glückwünsche darbxmgen. „Aus vielen Gründen geht das Ereigniß die englische thxon nahe an. Die Beziehungen zwischen den Herrscherfamxlten England?: und Deutschlands sind bereits sehr nahe und werden demnächst durch eine neue Verbindung noch engßr werden. Aber nicht von Königlichen Verbindun en aÜßm häygt die Sympathie Englands und Deutschland?, ab. ir Zeilen die Achtung und wir schäßen die Zuneigung des deutschen
olkes zu dem Monarchen, der die deutsche Einheit zu Stande ge- bracht hat. Er tst das lebende Sinnbild eines große11“natio- nalen Strxbexis, dem er zu genügen verstanden hat, und wir erkennen m ihm einen Patrioten, einen Krieger und einen StaatSmann, der die Dankbarksit séiner Landsleute in edler Axt erworben, hat . . . . Sein Alter, seine Erfahrun geben seinem Uribetl im Nathe Europas Gewicht und um )en ihn zum Vernuttier geei net; es liegt jeder Grund vor, zu glau: bet), daß sem Ein uß zu Gunsten einer friedlichen Lösung
eubt werde. In den Sonderzwisten zwischen England und nßland tft er vor Allen geeignet, zu mäßigen, denn seine
Nückück); für den Czaren T| wohlekannt, und e en Groß- britanmen hat er immer em „freunxaftljches Ge ÜZl an den Tag gelegt. ' * ' Aus an diesen, inden ist das Leben des Kaisers emes, dessen Europa 111 diescAugenbljcke schwer int-
rathen könnte.
_ ]5- Mai. (W- T- B) 5 Mitt eilung des „Reuterscben Bureaus“ ist dixéugwärxgh verbreitete Meldung von der erfolgten Ein iffung dreier Regimenter in Port-Zmoutl) gänz unbegründet, _ Jm Unterhaus e erklärte heute in Beantwortung mehrerer an die Regierung gerichteten be lichen Anfragen der Staatssekretär des Innern, EKZ; Zur Unter- drückung der in Lancaster entstandenqn 'nruhen seien al1e erforderlichen Maßre eln getroffegt, eme (nwendung des Militärs sei bisher nith nothwendig gemesx. Jm Augen- blick herrsche zwar überall Ruhe, indeß set „je Regierung nicht ohne Sorge, das; neue Ruhestörungen stattftden könnten. _ In Blackburn sind, den neuesten Nachricxen zufolge, heute zwischen den Arbeitgebern und den Zrbeitern Unterhandlungen eingeleitet worden, und hoff man, daß schon knorgen eine Vereinbarung zum Abschluß gelaqen wird. Die Bedingungen derselben dürften dahin gehen, dgs; 01Arvejter des ?anzen Distrikts während dreier Monate unt emy Lohn- redution von 10 Proz. zu arbeiten hätten und dieNrbejt- geber sich verpflichten, nach Ablauf didser Zeit eine Erszhung der Löhne eintreten zu lassen, falls alsdann die Lage dessxan: dels eine wesentliche Verbesserung aufweisen sollts.
_ Aus Suez vom 16. Mai wird dem „W. T. V.““ge- meldet: Heute sind die Trarisportschiffe „Goa“ md „Athole“ mit fiirMalta bestimmten Truppen hier eing.: troffen; dieselben nehmen Mundvorräthc und Wasser ein, ck sie bis Weiterfahrt durch den Kanal antreten.
_ 17. Mai. (W. T. V.) Der „Standard“ erfährt, die Pforte wokle keine weitere Verstärkung der britischen Flotte im Marmarameer dulden, wohl aber gestatten, daß ein Wechsel der im Golf von JSmid befindlichen Schiffe stattfinde. _ Nach einer Meldung dss „Reuterschen Bu: reaus“ aus Konstantinopel haben die Russen am Mittwoch ihre Linien bis KawaSköi vorgcriickt. _ Der „Times“ wird aus St. Petersburg gemeldet, es sei Grund zu dem Glanben, daß die von England vor: geschlaFene Lösung als eine solche befunden werde, welche die Mög ichkeit ciner freundlichen Uebereinkunft keincSWLgs ausschließe. Zur Zeit wehe der Wind entschieden zu Gunsten des Friedens. _ Die englische Flotte wird demnächst ihren Ankerplaß im Golfe von ZZmid wcgen des dortigen wäkÖrend des Sommers ungiimstigen Klimas verlassen und in er Bai von Tuzla vor Anker gehen.
Frankreich. Versailles, 16. Mai. (W. T. B.) Die Kammer hat den Gefeßentwurf, betreffend die Prämisn und anderen Vortheile, welxbc den U11teroffizi§ren im Fahlle einer anderweiten Kapitulation 'zU gewähren Und, ge: ne migt.
Spanien. Madrid, 16. Mai. (W. T. B.) Die Deputirtenkammer hat einen Antrag auf Veranstaltung einer parlamentariscben Enquete über die Wirkungen der industriellen Krisis in Spanien mit 77 gegen 31 Stimmen «Eclebnt.
Italien. Rom, 16. Mai. (W. T. V.) Bei dem vom Kriegs-Minister im Einvernehmen mit dem Finanz=Minisier ii) der Kammsr ei11gebracht_en Gescßentwurf, dnrch WOlchLU die Regierung zur „Beschaffung von 10 Millionen durch Ver: äußerung von Staathiitern ermächtigt wird, handelt es sick) lediglich um die Deckung verschiedener Ausxzabcn, wclche zurCrhaltung des Pferdestandes der Armee, zm: Erhaltung fort1ftkatorischer Werke und des FesiimgSmaterials, sowie zur Instandhaltung von Militärgebäuden erforderlich sind.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 17. Mai. (W. T. V. 'Die „Agence RLlssL“ läßt sich in einem ängeren rtikel iiber die politische Lags aus und hebt dabei hervor, England babe, nachdem es lange Zeit hindurch das System der Nichtintervention befolgt Und fiir die internatwnalsn Nngelsgenheitcn kein Interesss an den Tag gelsgt habe, das Vcdürßniß gefühlt, zn beweisen, daß es noch daz", alte Englan sei, dessen mit größter Schnelligkeit ans dcm enFlischen Kontinent, “'in alien Mesrcn und in den ent egensten Kolonisn angehäufte Aktionßmittel seine Macht bestätigten, Rußland seiner- seits, das kaum aus einem heroischen und kostspieligen Kriege hervorgegangen, habe dnrch großs Vorbereitungen dargethan, daß es bereit sei, die patriotischen Akte des ruhmreichen Hel- denmuthes einer dicht Um ihren Souverän geschaartcn Nation von 85 Millionen zu erneuern. Die Spaltender Journale seien seit den leßten Monaten angefüllt mit den Details, welche diese doppelte Demonstration konstatirten, und man müßte an der menschlichen Wcisheit verzweifeln, wenn die Regierungen, wclche Über solche, gigantische Aktionsmittél verfügten, vor deren An- wendung sich nicht fragen sollten, ob die schrecklichen UGbLl, die sie sich gegenseitig zufügen könnten, aufgewogsn würden durch die besonderenVortheilc, die daraus hervorgehen könnten, und ob diese furchtbare Macht, wenn sie nicht mehr angxwen- det werde, um sich gegenseitig zu schaden, sondern um sich im Orient, in Europa und Asien gegenseitig beizustehen, nicht viel rößere Vortheile fiir diese Mächts, für Europa und für die umanität zur Folge haben könne. Wenn nun aber diejenigen, denen mehr daran lic e, das, was sie thun, zuderantworten, als sick) von Leidenschaften und Gereizt- Yitxn beeinflussen zu lassen, sich die Frags stellen, was ihre * f(tchten und Verantwortlichkeiten erheischen, so sei der daraus u_ zixhende Schluß ein leichter. Bei einer ruhigen und ver- ?tändigen Beurtheilung sehe man leicht, daß England und
Rußland sich [an?! Jahre gegenseitig schweres Unheil zitfiikzexk )61
können, ohm? daß ie auf den Punkt gelangen, wo der eine T den andern dahin gebracht habe, sich auf Gnade und Ungxiade zu ergeben; vergeblich suche man aber nach den Vortlxcken, welche hierauS für den einen oder anderen folgen ollen, während es in die Augen sprin 6, welche besonderen Und al]- emeinen „Vortheile fiir die Sa 6 des Friedens und dex Er- Zaltung sick) ergeben, wenn diese beiden großen europäischen aktoren ,ihre immensen AktiOUSMittel nicht mehr dazu an- werzden, sich gegenseiti zu schwächen, sondern sich auf den drei Kontinenten gegen eitig zu u11terstiißen,sowo[)1in ihrem eig?- neanteresse, wie in dem'enigen der Civilisation und derHumam- tät. _Jm Ganzen spri tsick) in denJournalen Friedsrxs- hoffnung aus. Auch solche Journale, die bisher agitqtomsxb kriegerisck) waren, äußern sich mäßiger. _ Amtlich Wird dl? Formation von 8 Reserve-Bataillonen für Turkeftan
angeordnet. _ Die Nachricht, daß die Russen fich von Livana bei Batum zurückgezogen hätten, ist unbegründet. Ebenso ist es unrichtig, daß es bei der Beseßung Livanas durch die russischen Truppen zu einem Zusammenstoße mit der Bevölkerung gekommen wäre.
Schweden und Norwegen. Stockholm, 13. Mai. (Wes. Ztg.) Der Staatsausschuß des Reichstages verhandelte heute über die Vorlage, betreffend die Unter: stüßung privaxer Eisenbahnen. Der Ausschuß beschloß, den Ankauf der Obligationen der Bergslags-Eisenbahn zu be- fürworten, dagegen die Ablehnung aller übrigen Unter- stüßungsanträge zu empfehlen. _ Gestern starb hier der frühere KammergerichtS-Präsident und konsultakive Minister Graf C. G. Mörner im Alter von, 70 Jahren. Bis um Jahre 1875 war er Mitglied der Ersten Kammer, in we cher er streng konservative Grundsäße vertrat.
Dänemark. Kopenhagen, 10. Mai. (Wes. Ztg.) Eine offizielle Bckanntmaéhung für die Armee bestätigt, daß die dänischen Lagerübungen in diesem Jahre auf SLL- land, und zwar im Thiergarten (sam Oresund, in der Nähe Kopenhagen? abgkhalten werden okien. An denselben wer- den zehn In anterio-Vataillone, ein Dragoner-Regiment, zwei Batterien, eine Pionier-Compagnie und ein Kommando von der TelegraphewCompagnie theilnehmen. Die Uebungen beginnen in den ersicn Tagen des Juni und enden im August; sie werden in zwei Unmittelbar auf einander fol- genden Zeiträumen von je vier- bis fiinfwöchiger Dauer mit etwa der Hälfte der Stärke in jeder Zeitperiodb abgehalten werden.
Amerika. Washington, 16. Mai. (W. (75.23.) In einchersammlung der republikanischen Mitglieder der Nepräsentantenkammer wurde beschlo en, den An: trag Potter mit allen Mitteln zu bekämp en, weil er thatsächlich auf den Umstnrz der Regierung und auf die Störung des ordentlichen Ganges der Geschäfte im ganzen Lande abziele.
Süd-Amerika. Venezuela. CaräcaZ, 14. April. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Venezuela hat laut Dekret vom 9. d. M. den Dr. Sebastian CasaiiaS zum Minister der Auswärtigen Angelegenhsrtbn ernannt. Hr. Casaüas war seither Sekretär des Staates Carabobo, Redacteur dss Blattes „Eleezolano“ und Depu- tirtsr im Kongreß.
Peru. Lima, 10. April. Der zu Ambato tagende Kongreß der Republik Ecuador hat den bisybrigen provisorischen StaatSchef General Ignacio de Veinte: millh?t zum konstitutionellen Präsidenten der Republik erwa .
Aus dem Wolffschen Tclegrapben-Bureau.
St. Petersbnrg, Freitag, 17. Mai. Anläßlich'der glücklichen Errettung des Kaisers Wilhelm hat der Munizipal- rath von St. Petersburg durcb Vermittelun des russischen Botschafters in Berlin dem Kaiser eine Gückwunschadresse Übersandt. Ebenso haben der General: Gouverneur von Moskau, Fürst Dolgorukow, die dortige Adechversammlun und der Munizipalrath von Moskau dem Kaiser ihre Glii : wünschc durcb Vermittelung des genannten Botschafters aus- gedriickt. _ In der evangelischen Kirche in Kiew fand an- läßlich der Errettnng des Kaisers ein zahlreich besuchter Dank: gottesdienst statt.
Nr. 28 des Amtsblatts der Deutschen Reichs-Post- und Telegrapbenvcrwaltung hat folgenden Inhalt: Ver- fügungen: Vom 10. Mai 1878. Herausgabe eines topographisch- statistiscben „Handbuchs „Das Reichs-Postgebiet“ und Bezug desselben durch die Postanstalten.
_Nr. 9 des „Marine-Verordnungß-BWtfeS“ hat fol- genden Inhalt: Rangklasse und Bcsaßungs-Etat S. M. Panzer- korvette „Sachsen“. _ Reisekompetenzen der zur Probedienstleistang bci Cibilbehörden kommandirten Mannscbaften. _ Anstellung der Militäranwärter bei den Privat-Eisenbahngesel]schaften. _ Erhal- tu_ng eines guten Verschlusses aller Wafferdicbten Thüren 2c. auf ei1ernen Schiffen. _ Abänderung des §. 33 des Reglements über die Schiffsverpflegnng. _ Feuern dcs vorgeschriebenén Saluis beim An- laufen von St. Thomas. _ Gegenwertb für 1 Livre Sterling bei der Wechseizicbun-i auf die Admiralität in dieser Münzsbrte. _ Be- richtigung zweier Paragwphen der Instruktion für den Kommandan- ten eines von S. M. Schiffen oder Fabrzkugcn. _ Berichtigung des Besatzungs-Etats S.M. Schiffe und Fahrzeuge. _ Martini'sche Dauerme1twurst und Lachs an StcÜe von SalzschWeinef1eisch. _ Vekazmtmachung der LebenßversiÖernngs-Anstalt für die Armee und Ma'rinne. _ Ermächtigung zur Ausstellung ärztlicher Zeugnisse jiir mtlttarpflicbtige Deutsche in Japan. _ Patriotiscbe Gaben. _ Per- sonalveränderungen. _ Benachrichtigungen.
_Das April-Heft des „Centralblatts für die gesammte Unt'errtcbtsverwaltung in Preußen“ hat folgenden Inhalt: Beginn der Amtstbätigkeit des Probinzial-Schnlkoüegiums zu Danzig. _" Zusammenseßimg der wissenschaftlicben Prüfungs-Kommissionen fur das ngr 1878/79. _ Baubeamte für Priifung der Bauanscthe, qumte fur die kalkulatorische Feststellung der Anschläge 2c. _ e- staßgungder Rektorwabl zu Greifswald. _ Zahl der Lehrer an den Unwerfitcxtexi im Winter1877/78. _ Zahl der Studirenden deSgl. _ ngulasstgkeit einer*Kombinirung der Servirpflicht mit dem Uni- verfitats-Studium für die Vorbereitung zur pharmazeutischen Prü- fUU0-_ Preisbewerbung der I)ieyerbeersckpen Stiftung für Tonkünstler. _„Zulaffung der Kandidaten mit Realscbulbildung zur Lehramts- Prufung auch für Deutsch 2c. _ Nachtragéverzeichniß höherer Unterrichts- anstaltxn. _ Fortfall der bisherigen Berechtigung einer höheren UtzterrtchtSanstalt. _ Schrift von 131". Kais: Die Ursachen der Er-
xtndung. _ Zeit für den Konfirma.1den-U:11erricht der Schüler bOberer €«Zebranstalten. _ Ferienordnung in der Provinz Westfalen. ", Beboxdx, welche bei Penfionöanträgen die Erklärung über die Dienstunfahtgkett abzugeben bat. _ Umgestaltung der Civil- abtbetlung der Königlichen Central-Turnanstalt zur Königlichen Tyrulehrer-Bildungöanstalt. _ Neuer Kursus in der Turnlehrer- BildunJSanstalt. _ Erlangung der U11terrichtsbefähigung für die O erklgffen der Mittelschulen ck durch Zeugniß einer Wissenschaftlicken Prüfungskommisfion. _ Vereinbarung mit WHULJ „Wegen gegenseitiger Anerkennung der Prüfungs- zeggmffe fur Lehrerinnen und Schulvyrsteherinnen. _ Hm- welsung der Lehramtsbewerberinnen auf die deutsche Lehrerinnen- Pßnfio'USanstalt. _ Verrechnung der Rückzahlungen ehemaliger Se- kaaklsten. ,_ Festseßung von Lebrerbesoldungen in Rückstcht auf je Eytschetdung des KreiSausschuffes bezüglich de,s Ertrages der
ckullandereien. _ Anlegung :e. von Hausgarten Seitens der Lehrer (1,111 dem Lande, Preisschriften. _ Mittheilung des Lehr- und Lek- [Nonsplans an „den Schulvorstand; Ausschluß einer Einwirkung des eßteren auf die innern Schulangelegenheiten. _ Eigenschaft als
Hz_:ußvater in Beziehung auf Schnlbeiträge. _ Reglement für die Komgl. Taubstummenanstalt zu Berlin. _ Personalchronik.
Statistische Nachrichten.
Nach Mittheilung des statistischen_ Bureaus der Stadt Berlin sind bei 'der] biefigen Standeöamtern in der Woche vom 5. Mai_ bis incl. 11. Mai er. zur Anmeldung gskommen: 198 Eheschließungen, 834 Lebendgeborene, 34 Todtgeborene, 552 Sterbefälle.
_ Das Kaiserliche staxistiscbe Amt veröffentlicht in dem jest berausxßkeqebenerx Märxbefte der Monatshefte zur Statistik des Deut- schen etchs fur 1878 u. A. folgende Uebersichten über die deutsche Aquanderung nach überseeischen Ländern im Jahre 1877:
]. Die über deutsche Häfen (Bremen, Hamburg und Stettin) gegangenen AxxSwanderer aus dem Deutschen Reiche bezw. Zollgebiet, nach den dret Außgangshäfen, sowie nach den Herkunfts- nnd Bestimmungsländern, und zwar für beide nach Geschlechtern getre-nt. Zn dxr Anmerkung ist ein summariscber Alterßnacbweis nacbb den, fur weitere Untersuchungen nicht sehr geeigneten Altersklassen gege en.
, 11. Die 1." ] erwähnten Auswanderer summarisch nach Be- stimmunxJSlaxidern, so daß die Richtung, welche der Auswanderer- strom aus xn einzelnen Häfen genommen hat, ersichtlich wird.
Ul. Die drei Einschiffungshäfen mit ihrer Auswanderungs- bewegung Hach ahl und Art der aus ihnen abacgangenen Aus- waydererschiffe ( ampf- und Segelschiffe) und Zahl der durch diese befördexten deutschen Auswanderer in den einzelnen Monaten.
Dte yon den einzelnen Einschiffungsbäfen abgegangenen Yßwénderersckztffe nach Flaggen und Art (Dampf- und Segel- 1 e
7. Die Gesammtauswandcrung (Deutsche und Nicht- dcutscbe) an's Bremen und Hamburg.
7]. Die deutsche AuSWanderung über Antwerpen, nack) Her- xunfts- und Bestimmungsländern der Auswanderer“ aucb Nachweise uber Monate, Alter, Flaggen in derselben Weife, wie bei d n deutschxn Au'swanderern über deutsche Häfen.
_ Letdcc„1st es noch nicht möglich gewesen, auch aus anderen xremden Hafen solche Nachweise zu erlangen _ nur aus Havre lagen m einigen Jahren ganz summariscbe Angaben vor. Die hieraus ent- standene Unvollständigkeit der Nachrichten von der deutschen AUF- wanderung über außerdeutsche Häfen hat Vcranlaffuxg gegeben, die Daten der Ucberficbt 171 nicht mit denjenigen der Ueberficbten 1 bis 17 zu verschmelzen, sondcrn die Nachrichten von dor deutschen §Jims- wgnderung über deutsche Häfen, deren regelmäßiger und voÜständtger Etngankx); „gesichert ist, fiir sich allein in den Uebersicbten darzusteüxn. Jm Ue rigen ist zu bemerken, daß in dem vorliegenden Matxrtal wedex für die Beurtheilung der ge ammten, nocb derjenigen der uber- seeischen deutsckken AUSWanderung genügende Anbaltpunkte geboten
md, daß aber immerhin ein sehr bedeutender Theil der überseeischen
„uswanderung durch diese Nachweise getroffen wird. Wir werden die Hauptzahlen aus den leßteren demnächst mittbeilckn.
_ „_ Von den ]5 deutschen Schiffsvermessungs-Re- vrstonsbebörden find im abre 1877 1108 Schiffs-Meß- briefe amsgestellt worden, un zwar für 846 deutsche (ii1kl._77 Dampfxrn) und 262 fremde Schiffe (inkl.9Dampfern). Die mmsten Mcfzbriefe stcÜten aus die Behörden zu Schleswig (219), Hamburg (164), Stettin (110) und Oldenburg (101 .
DW 66 deutschenScbiff/ZVerme sungsbebördezi stellten im Jahre 1877 1577 Meßbricfe aus, davon 1302 für deutjcbe, 275 für fremde Schiffe (inkl. 25 bezw. 251 Dampfer). Die meisten Vermessungen kamen vor in Leer (202), Danzig (112), Ottensen (94) und Königsberg 1. Pr.
Von der Gesammtzabl der ausgefertigten Meßbriefe kaxnen auf Preußen 2171, V.!iecklenburg-Schwerin 46, Oldenburg 110, Lübeck 61, Bremen 59, Hamburg 238. Im Jahre 1876 hatte die Zahl der Meßbriefe 2582, 1875: 2955, 1874: 3335, 1873": 2719 betragen.
_ In den Hafen von New-York liefen im Jahre 1877 372 deUksche Schiffe von 536 297 v ein (gegen 328 Schiffe Von 478113 1; in 1876), darunter 113 Dampfer von 355 486 r (gegen 110 Dampfer von 305 277 1 in 1876). Die Besatzung der Schiffe betrug 15547 Mann, gegen 14714 Mann in 1876. Der Heimatb nacb wgren die meisten Schiffe aus Bremen (178), demnächst aus Hamburg (65), Geestemiinde (22), Rostock (16), PiÜau und Rügenwalde (je 11), Danzig (10) u. s. w. Von den Schiffen kamen 310 von 509 654 1; aus Europa (darunter 69 von 52 757 b in BaÜast), 17 aus Asten, 2 aus Afrika, 41 aus Amerika, 2 aus See. Die Abfahrtsbäfcn Waren 'für 232 Schiffe von 457178 “5 deutsch: (darunter Bremen 144 von 257 575 t, Hamburg 79 von 194 608 r), für 38 britische, 2 österreichische, 4 italienische, 7 franzöfische, 3 spcmiscbe, 3 portugisische, 13 belgische, 8 nieder- ländische, 1 schwedisches, 2 dänische.
Die Zahl der aus dem Hafen von New-York aus;]elaufenen deut- schen Schiffe betrug im Jahre 1877 392 von 547948 1 mit 15482 Mann Besatzung (inkl. 112 Dampfer von 353144 1), gegen 320 Schiffe, 479 801 t und 14 551 Mann in 1876 (inkl. 110 Dampfer von 335 627 t), Von den Schiffen waren 357 von 534 847 b nach Europa bestimmt, davon 271 Von 485 344 “o nach Deutschland (159 von 294 255 t; nach Bremen, 88 Von 181454 1: nach Hamburg).
Kunst, Wissenschaft und Literatur.
Goslar, 9, Mai. (Cöln. Ztg.) Kürzlich war Hr. ProfeffoKr Wis- [icenus hier, um weitere Vorberextungensiir die Ausschmnuckun g des Saales der Kaiserpfakz _durcb Wandgemqlde' zu treffen. Der Künstler wird voraussichtlich schon tm August Mit seiner Arbeit beginnen, da bis dabin dine Jsoltrscbtxbt, mit welcher die an dcr Wetterseite beßiidlicheWandf1ache "gegenwartig zum Schuße gegen von anßen eindrinaende Feuchtigkeit uberzogen Wird, hergestellt sein dürfte. Da das Malen nur während, der warmen JahrcSzeit statt- finden kann, so_ wird die ganze Arbeit fich auf etwa. 8 Jahre er- strecken. Während dieser Zeit ist dem Publikqm dec Euxtrttt in den Kaisersaal nicht gestattet, da auf aysdrückltchxn Wunkch des Pro- fessors Wislicenus eine derartige Bzstimmung m den Kontrakt auf- genommen ist. &e-éZkax'IYQ-YÉH-é
_ Von der Volks- und Familietx-AUSgabe der gesammelten Schriften von Friedrich Gerstacker (Jepa, Hermann Coste- noble) ist der 11. Serie Band 9 u. 10 (In Mexiko), 11 (Im Busch,; Kriegsbilder) und 12 (EinbeimisÖes und Fremdes) erschienen. Die
Verlagsbandlung hat für das Wark auch elegante Einbanddecken in ,
Leinwand mit Golddruckrücken anfertigen lassen, die zum Preise von 50 „3 pro Stück durch alle lechhandlungexi oder, direkt von L. Staackmann, Buchhandlung in Leipzig, zu beziehen smd.
Land- und Forstwirthschaft.
Hildesheim, 16.Mai. Gestern fand atx der bissi en Land- wirtbscbaftsscbu le die erste Entlaffungsprufung BelFufs Erlan- gung des Freiwilligenrcibts statt. Den Vorsiß führte der Provinzial- chulrath Spieker aus Hannbvcr. Sämmtlicbe sechs Examinanden Wurden einstimmig fur reif erklärt, vorbehaltlich der für die erste Entlassungsprüfung vorgeschriebenen Bestätigung durch die Reichsschulkommisfion. ..
_ Ueber den Stand der Sagten in Oesterreich Ende April d J. entnehmen wir dem kiirzlich veröffentlichten Bericht des Kaiferlich-Königlichen Ackerbau-Mimstertums xdlge'nde Mittheilungen: Entsprechend dem Witterungs ange batten ich tm Aagemeinen die Wintersaaten kräftig besto t, gewahrten emen höchst erfreulichen Anblick und berechtigten zu den besten, (anteboffnungen. Der Raps stand meistentheils bereits in der Blgtbe. Jm Allgetzieznen hatte sich der Raps kräftig entwickelt und durfte die Beschadeunq des vielverbreiteten Glanzkäfers ohne allzu großexi Nachthetl Ü erstehen. Der Anbau der Sommersaaten konnte mxt Außnahme der Ge- birgs egenden der Nordwest- nnd der höheren Lagen 'der Alpen und der FJarpatben beinahe überall voliendet werden. Dre Saaten lie-
fen fast durchgehends sehr schön auf, hatten 1111) zum großen
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T_beile schon krä tig bestockt und boten demnach ganz besonders gün- stige Ernteausfi Yen. Auknabmen Wurden nur aus Ostgalizien ge- mxldel. wo die Kalie und Trockenheit an vielen Orten die Ent- wicklung beetntrachttgte. Dcr Kartoffelanbau war Ende April 111 den,Nordw:stlander_n im vyllen Zuge, zum Theile der Beendigung nabe, m den Nordostlandern tm Beginne, in den Alpenländcrn mit AuSnahme d:r höheren Regionen, in den Karftländern, sowie in Ungarn und dessen Nebenländern größténtbeils bereits beendet. Für die Nordwest-,Nordostländer und Ungarn ilt das Gleickoe vom An an der Zuckerrüben und Futter-Run elrüben. Ueber Klee- fxldxr und Wiesen lauteten die Berichte beinahe außnabmslos gunstig, so da eine reichliche und zum großen Theile zeitliche Futter- irntx bevorste t. Lu_erne wurde bereils an vielen Orten nichtnur der südliubeu, sondern auch der mittleren und selbst der nördlichen Zone der _Monarcbie gemäht; auc!) RothkleMird an verschiedenen Orten selbst der nördlichen Foxe schon vor itte Mai gemäht werden. Hopfen macht“,", raxtige Trieke und wurde in Galiziex und Ober-Oesterretch eben geschnitten, in den eigentlichen Hopfen- gegendeg Böhmens aber schon an die Stan e geführt. In Böhmen zeigte ]Lch eine nicht ganz unbeträchtlicbe nzabl von Stöcken vom Engerlmg so sehr benagt, daß sie beseitigt und ersetzt werden mußten. Uebex den Wein lauteten die Nachrichten beinahe durchgebends sehr günstig, namentlich die aus Ungarn. Derselbe trieb kräftig. Die bezüglich des Rebentodes in vielen Lagen Südtirols aehegtcn Besorg- niffe haben fich größtentbeils behoben und bat derselbe nur sehr alte Stöcke und sehr üppige Triebe betroffen. Vom Obst wird im All- gemeinen gemeldet: Das Frühobst hatte Ende April in der südlichen Zone schon abgeblübt und stand in der relativ nördlichen Zone eben m der schönsten Blütbe. Spätobst blühte reichlich in der südlichen Zone Und zeigte viele Blütbenknospen in der nördlichen. Die Birnen machen 111 vielen La,;cn eine Ausnahme, insofern sie in verschiedenen Gegenden nur wenige Blütbenknospen entwickeln; dagegen wird in mebre'ren Gegenden Ungarns ungewöhnlichkc Obstsegxn erwartet. In vexschixden'en GeEnden kommen Raupen in großer Menge vor, so bei G1tschm, m «,alzburg und Görz; in einigen Gegenden dcs süd- lichen Mahrcns trt1t der Blütbenstecher zahlreich auf.
Gewerbe und Handel.
, Der Wollmarkt bierselbst wird in den Taxen vom 19. [UZ 23. Zum, und zwar auf _dem zwischen der Acker- und Brunnen- straße bxlcgenen Neuen Berliner Viebbofe ab ebalten werden. Vor den bezetchnetenMarkttagen darf der WoÜmarFt nicbt beginnen. Die Verkaufssxcüen und Lagerungspläße werden durch die Verwaltung des Neuen Viehhofes angewiesen.
_ Ueber das Meßgeschäfi in deutschen und Elsasser ge- druckten Baumwollenwaaren schreibt die „Leipziger Ztg.“ unter. dem 15. Mai olgendeß: Mit voller Befriedigung können der Fabrikant und Grossist dieser Artikel auf den Verlauf der beendeten
stexmcsse blicksn. Abgesehen von ganz billigen Cancots, deren Prei); fich nock) xinen kleinen Rückgang qefaUen lassen mußten, er- zielten gute Mrttelqualitäten in Cancots, Brillantés, Croisés und Cretonnes und namentlich ganz gute, feine Sachen in Madapolames, “1'01168 68 1111111301136, Iaconnets und Organdys reguläre, gewinnbringende Preise und wurden zu ganz bedeu- tenden Quantitäten gekauft. Es kamen bei diesem günstigen Resultate verschiedene Faktoren zur Geltung. Einestheils das vor- sichtige Bestellen der Konsumenten im Anfang des Jahres und dxr spät faÜsnde Beginn der Ostermeffe, die von herrlichsten! Wetter be- günstigt wurde. Dann find für diese Saison vom Elsaß hervorzu- heben die Frmen DoÜfuß, Mieg & Co. und Köcblin krÖWZ in Mül- hausen Un auch spezieÜ von den deutschen Firmen Köchlin, Baum- artner & Cd„ Lörrach, in feinen Qualitäten und Schlieper Baum,
lberfeld, in mittleren Qualitäten Neuheiten geschaffen worden, welche als besonders schön und äußerst geschmackvoll» bezeichnet- werdcn müssen; und die bei nun eingetretener gesunder Kauflust kaum aemKend anzuschaffen sind. Vorzugsweise wurden einfarbige “1131163 (19 1111701159 in braun, grün, hell und dunkelblau verlangt, die in Zusammenstellung mit täuschend imitirten Wollenstoffdesfins in kuiksrboksr, usiJö, krass“. 116158 U. die reizendstxn Kostüme für den Sommer geben. Selbst escbmackvoÜe Dessins mit Bordüren Wurden noch gern in diesem enre gekauft, namentlich in dunklen Farben.
Gotha, Mai. Unsere Stadt feiert am 21. Mai einen bedeut- samen Gedenktag, die cinh-1ndcrtjäbrige Wiederkehr des Tages, an welchem dereinst Ernst Wilbelm Arnoldi aeboren wurde. Von den Gründungen Arnoldks find es vor AÜem zwai, die Feuerversicherungsbank ind die LebenSversicberungs- bank zu Gotha, welcbe größcre Bedeutung erlgngt und den Namen Arnoldi's weit über das Weiaxbild seiner Vaterxtadt hinaus berühmt gemacht haben. „
DieFeuerversicherungsbankfitrDeutfchland inGotba, welche am 1. Januar 1821 mit einer Versicherungssumm: von 85 Millionen Mark in Wirksamkeit trat, hatte „ausweixlich ihres leßten Rechen§chaftsberichtes am Schlusse des vor1gen Jahres einen Versicherungs estand von 2684 Miliionen Mark erreicht. An Prämien und Zinsen 2c. nahm fie im Jahre 1877 mehr als 81 Millionen Mark ein, vergütete im ebengenannten Jahre für Brandschäden 969 210 „M und behielt 6175 963 «74 Ueberschuß, welchen fie mit 80 0/0 der Prämien ihren Vexficherten als Dividjde zurückgewährt. Im Ganzen hat sie in den zurückgelegten 57 Jahren ihrer Thätigkeit von ihren Theilbabern 193 483 430544 an Prämien einachoben, davon 55 468853 „16 für Brandschäden vergütet und 120026 717 «44 oder durch- scbnittlich etwa 60% der Prämien als Ueberscbuß ihren Theiihabern zurückgewährt. . , . '
ZU einer sehr großen Bedeutung ist aber auch die zweite der beiden hervorragendsten Schöpfu_ngen Arnoldi's, die LebenSver- sicherungsbank fiir Deut1chland in Gdtba, gediehen. Diese Anstalt, w:!ckye am 9. Juli V. I. das 501ahr1ge Jubilaum ihrer Begründun feierte, bat iioch jetzt unter den etwa 50 nach ihr entstandenen den“. eben Lebensversicherunxxsanstalten die weitaus größte Versicherungssumme und den größten jabrlichsn Zuwachs. Aus dem demnächst zur Veröffentlichung gelangenchn Rechenschaftsbericbt für das Jahr 1877 ergiebt sich, daß auch die Ergebniße dieses [eßten Jahres wieder sehr günstl c geWesen„smd. Es wurden in diesem Jahre Wein 4110 neue Ver 1chequen ubxr zusammen 30 070000575 abgeschlossen und nach 21sz de; terbefalle und des sonsti en Ab- ganges erhielt dadurch der ers1cherungsbestand einen reinen uwachs von 20460100 „75, so das; am Schlusse des Jahres 1877 bei der Bank 50 647 Personen mit 328011800 „74 verfichert Waren. Für 1011 Sterbefälle waren im vorigen Jahre 5 883 900 „75 zu vergüten, eine Summe, welcbe _ so groß fie aucb erscheinen mag _ doch woch um etwa 900000 „75 hinter der rechnungömäßigen Erwaxtung zuruck- geblieben ist. Die Einnahme an Prämien und Zinsen betrug 14 914 615 «74 und der Ueberschuß, der nach Bestreiturxg der Stexbe- faUzahlungen und nach Dotirung der rechnungsmäßtgen Yramwxi- reserve verblieb, 4272 667 „M Der Bankfonds, _der auptsacblich m ersten Hypotheken auf größere Landgüter von Mindestens doppeltem Bodenwerthe ficher verzinslich angelegt ist, erchb sicb zu Exide 1877 auf 78 846 895 „FC, worunter 16775717 „75. reine _Uebc'rfchuffe ent- halten find, welche in den nächsten 5 Jabren (nx diesem Jabxe mit 41% der im Jahre 1873 einßezahlten Piamren) an die Versicherten als Dividende zurückgewabrt werdcn. _ Im Ganzen hat die Gothaer LebenSverficherunqsbank m den verflossenen 49 Jahren ihrer Wirksamkeitbereits 108 Millionen Mark Versicherungs - summen ausbezahlt. .
Havre, 16. Mai. (W. T. B.) Wollauktion. Weniger belebt, Preise unverändert. 2328 B. angeboten, 30) B. verkauft.
Verkehrs-Anstalten.
Triest, 16. Mai. (W. T. B.) „Dex? Lloydpostdampfer „Argo“ ist aus Konstantinopel bier eingetroffen.