Deuts :!krone, 19. Juni. In Folge einer Aufforde- run des hie igen Magistrats fand am verLeangenen Sonntag, RaLmittags 4 Uhr, eine „ hlreich suchte Bürger- versammlung auf dem 1 igen Marktp ' ftati. Der Bär ermeister Müller hielt mens des Magi is eme An- spraZe, in welcher «„dem Abscheu über den zweiken Mord- versuch ge en Se. Majestät den Kaisernund der unwan- delbaren iebe, Treue und Verehrung der Burger von Deutsclx Krone Ausdruck gab.
Sodann wurde die nachstehende Adresse verlesen: Allerdurcblaucbti ster, Großxnäcbtigster Kaiser! Allergnädigster aiser, König und Herr! _
Die erschütternde Kunde, daß wiederuxn die Hand eines Buben es qeth, sich zu erheben egen die geheiligte Person uyseres all- geliebten und allverebrien, mFeres guten und großenaKaisers und Königs hat uns mit tiefstem Entse en und Abscheu xrfuÜt. _ Die erschreckliche Thatsache, daß das 1 eure Leben „des liebenswertbesten Vaters seines Volkes gefährdet ser, hat uns in Verzweiflung ,und Trauer estürzt. _ An dem Schmerzenslager Ew. Majestat weilten bang un kummervou unsere (Gedanken. _ _
Zu dem allmächtigen Gott erhoben fich muscle bekumwerien erzen und flebtcn baldige Genesung herab au. das ebrwurdige aupt des Hohen Greises, der die Liebe und Verehrung Seines
treuen Volkes Sein eigen nennt in einem Grade, wie kein anderer Herrscher auf dem Erdenrunde. _ Daß diese Liebe und Verehruxig ["a d'm deutschen Volke nicht erstorben find, das n'oUen Ew. Maxestcrt wir versichern. _ Dartbun w011en wir an unserem Theile, da) roch in unwandelbarer Treue das preußische, das deutsrbe Volk zu seinem väterlichen Kaiser und Herrn stc'ht. _ Verbuten one.i wir helfen, daß Ew. Majestät landesväterxiches Herz „irre We'rde (1,1 Seinem durch die Schandtbaten der jungsten „Zeit so tief ge- demütigten, so sÖWer getroffenen und doch seinen er abexien Herrscher so innig liebenden Volke. _ Zu diesem wecke _habxn wir uns, allen Ständen, allen Konfessionen angebörig, cute emmuibig veriammelt, heute, da in unsere Herzen die frohe Hoffnung e'ngezogen ist, daß der (Gott, der den ruhmreickoen Ciniger des deutschen Vaterlandes stets so ficbtbar beschirmke, Ibn uns aucb jeßt erhalten werde.
Zu Ihm flehen wir inbrünstig und in tiefster Demuth, das; Er, der AÜmächtige und AUgütige, erhalte, schüZe und segne unseren ge- liebten LandeSvaier.
In diesem herzinnigen Wunsche Verharren in tiefster Unter-
tbänigkeit Die treugehorsamsten Bürger der Stadt Dt. Krone.
Die Adresse wurde unverändert angenommen und die Ver- sammlung mit einem Frack) auf den Kaiser und Absingiing 566 Preußcnliedes geschlo en. Die Adresse bedeckte sick) init Hunderten von Unterschriften - ach alien Ständen der
ürgerschast.
Sachsen. Dresden, 20. Juni. (W._T. B.) Die Filbi- läumsfestlichkeiten haben mit dem gestrigen Hofbal „ihren Abschluß gefunden. Während der iiianesttage, wo die in den Straßen sich bewegende Menschenmenge oft hundert Tausend Überstieg, ist kein Unfall Und keine einzige; Störung zu ver- Feichnen gewesen. Die Polizeibehörde hatte jede das Publikum elästigende Maßregel vermieden. _ Ihre Majestäten der König und dir Königin sind heute Mittag nacb PiUniH zurückaekehrt. Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht von Preußsn ist in der Nacht'nack) Camenz, die Groß- herzoglich sächsischen Herrschaften smd heute Nachmittag nach Weimar abgereist. Der Erzherzog Wilhelm bai sick) bereits Jestern nach Wien zuriickbegeben. _ Das „Dresdner «;ournal“ veröffentlicht eine lange Reihe von Ordens: verleihungen und AUZzeichnungen.
Hessen. Darmstadt, 21. Zuni,_ “(W. T. B.) »Die Zwsite Kammer ist auf den 28.Juni einberufen wordcn.
Bremen, 19. uni. Die B Ü rger s ch aft berieth in ihrer hcutigen Sißung u. .die Ober-LandeSgeriMIfrage. B6- kanntlick) hat der S en at zu Ende des vorigen Jahres in einer aué-führlich motivirten Mittheilung den Antrag gestellt, die'BÜr- gerscbaft möge zum Abschlusse eines Vertrages mit Hamburg und L ii b e ck wegen Errichtung eines Ober-Landesgerichts mit dem
Siße in Hamburg ihre Zustimmrmg ertheilen. Von Seiten"
der Mehrheit einer Deputation wurde dagegen beantragt, die Errichtung eines aiif Bremen beschränkten Ober-Landeé-gerichts zu beschließen, wiihrend die Minoriiät dem Antra e der; Scnais beigetretenist. Die juristische Kommission ielliefolgrnde Amendementß zu dem Sriiatsantrage: 1) die Bürgerschast be- hält sich eine Entscbcidung der Frage vor, ob die bremischer- seits anzusteüenden Mitglieder des Obrr-LandesgerichtZ aÜein durch den Senat zu wählen seien; 2) empfiehlt sie, in den mit Hamburg und Lübeck abzuschließenden Vertrag eine Be- stimmung des Inhalts aufzunehmen, daß dem Ober-Landes: gerichte die Jurisdiktion in Bezug auf Rechtswittsl in Sachen der freiwikligen Gerichtsbarkeit von jeder der drei Städte Überwiesen wcrdrn 15111111; 3) gisbt sie anheim, ob in dem
Vertrage einem der dréi Senate allein oder abWéckJsTlÜd"*"jS 7
einem derselben das Direktorium in dsr Lanch-Juftizverwal- tung hinsichtlich des Ober:LandeSgerichts zu iibertragen sei. Nach längerer Debatte wurden diese Amendements angenom- men. Darauf erfolgte die Annahme des SenaiSanirag-Z auf
Errichtung des Ober-LandeSgerichth fiir alle drei“
Städte mit dem Siße in H„ambiirg in namentlicher Ab- stimmung mit 65 gegen 49 Stimmen.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 19. Juni. Die Königin der Belgier ist heute früh hier eingetroffen und wurde auf dem Wrstbahnhdfß von dcm Kais er empfangen. Nachmittags reiste die Königin mich Pest weiter.
_'Den bereits mri der Kaiserlichen Sanktion versehrnen DeleJationL-besMüssen zufolge, beträgt das g a n z e g e m e i n s am zu edeckende Erfordernis; für das laufende Jahr 106 673 466 1. und niich Abzug der mit 9000 000 Fl. ver- anschlagten cinertriigmffe des Zollgefäüs 97 673 466 F1. Die auf die westliche Reichshälfte hiervon entfallendc Quote nach dem Verhältnisse 68,6 : 31,4 beträgt 67 003 997 F1. 68 Kr, _ Die AUSgleichskommission de-ZHerrenhauses hat die bisher noch nicht durchberathenen AuSgleichsvorlagen, ins- besondere das EinführunngeLscß zum Auggleich, durchweg im Sinne der Beschlüsse des bgeordnetenhguses, erledigt. Die nächste Plenarsifung des_ Herrenhauses ist bisher noch nicht anberaumt, dür te aber jchon am nächsten Freitag oder Sonn: abend stattfinden. .
_ Der „Pol. Korr.“ mird, axis Malta, 18. Juni, über die englische Flotte und die indischen Truppen auf Malta geschrieben: , ' '
„Die neueste Nachricht betrifft die Vereinigung einer englischen EScadre in Portland Obschon unter den Panzerschiffcn, welche den Befehl erhalten haben, sich nächste Woche in Portland zu versam- meln, neben dem „Thunderer“ kein zweites von gleich starker Kon-
struktion fich befindet, so bilden fie dennoch, „zusammengenommen, eine zahlrei lotk, und es dürfte nicht „ohne Intense kein, die er uten Stbiffe näher zu bezeichnen. Diese EScadee be- lebt aus den ben Enterfcbiffen: ,Warrior', „Hercules'“, .Hektor', .Valiant“, Refistance“, „Lord Warden“ und ,Penelope', dann aus sieben Tburmscbiffen: „Tbunderer', „Prince Albert", .„nylopSZ, .Hydra', .Hekate', ,Gorgoue', „Glatton“; vervoÜständtgt Wird die EScadre durch die .Laodicea', eine Korvette obne Panzer„ fxrner die Korvetten ,Vesuvius“ und .Ligbtning', einige Torpedos, einige Aviso und einige Kanonenboote.
Sämmtlicbe Panzerschiffe zusammengenommen haben 121 Kanpnen und 5349 Mann an Bord.
Der Dampfer ,Helikon“ ist am 9. d. M. von hier nach Marseille abßegangen, um den Herzog von Cambridge an Bord zu nehmen, we cb letzterer künftigen Sonnabend hier erwartet wird.
Es sind bereits alle 27 Schiffe mit den Truppen aus udien h_ier angelangt. Der Typus der nun vollzählig anwesenden ndier ist bei allen Regimentern, mit Auönabme der Eurkas, derselbe. Leßtere sind dunkler gefärbt als die Jndier, ihre Geficbtsfarbe ist beinahe ganz schwarz, während die der anderen nur rotbbraun ist; die Gestalt der Gurkas ist klein, unterseßt, ihr Gesicht ist dick und ihre Züge obne Ausdruck, ihre Augen ganz klein; wären es nicht Schwarze, so könnte man sie für Japanesen halten, denen fie ähnlich eben. Ob zwar das Thermometer auf Malta bereits 20 Grad
éaumur erreicht hat und Alle hier unter der Sonnenglutb leiden, klagen die Jndier beständig über Kälte, und des Abends sieht man in ihren Laxiern bei jedem Zelte ein großes Feuer brennen, an welchem sie sich warmen.
Die Jvdier erfreuen sich 11ach wie vor der größten Sympathien der Bevölkerung. Es giebt kein Haus, vor dem man dcs Abends nicht ein oder zwei Judier mit den Bewvhnern zusammen sitzen und plaudern sieht. Besonders aber scheinen sie die Gunst der Kinder zu genießen; gar _ oft sitzen Jndier auf der Straße, umgeben von fünf bis sechs kleinen Kindern, die fich mit großcm Vergnügen um dir Fremden schaaren, auch fie 1 man die Judier kleine Kinder auf den Armen berumtragen. Ueberhaupt zeichnen fie sich durch große Herzensgüte, Sanfimuib und Intelligenz aus. Am Sonntag bilden die Jndier- Lager dcn Vkrsammlungsplaß der ganzen vornehmen Welt von Malta; Alles strömt in Wagen'nach den Zelten derselben, wo man sich beim Klange ihrer vorzüglichen Musikkapellen recht gut unterhält. Während ihrer Mahlicit' verqbrrichen fie mit großer Freigebigkeit den Anwesenden Zbre Nla'téxhnalipcise, eine Art Mehlkuchen in Oel gebacken; sie essen LM ei .
(Fs verlautet hier, daß binnen Kurzem 16 000 Mann englischer Truppen ankymmen werden.
Bis je'ßt sind im Ganzen 57 Cbolerafäile unter den Truppen vorgekommen, und es scheint, daß die Gefahr abnimmt.“
' Lc'mberg, 19. Juin. In der heutigen Berathung des rsraelrtrschen'Gemeind'eiages, zu welchem fast sämmt- liche Kultiisgememden Galiziens. Vertreter entsendet haben, wurden die Anträge, betreffend die Ostgalizischen Normalschul- fondswnd die YUSarbeitring cines Musterstatuts, angenommen und „eme standige Kommission von 21 Mitgliedern zur Aus- arbeitim desselben gewählt.
Pes? 19. Irini. Nach dem „_Naplo“ wird dsr Reichs- tag am 30. Juni durch den Kurier mittels Thronrede ge: schlossen werden.
Schweiz. Bern, 19. Juni. (Bund.) In der heu- tigen Sißung des Nationalrath's wurde mitgetheiit, daß der BundeSrath an die eidgenösnscben Rätbe ein Schreiben gerichtet hat, in welchem die Edithardbahnvorlage auf Anfan nächster Woche in sichere A11§sicht gestellt und der Wuns auSgesprochen wird, es möchte die gegenwärtige Session der Bundesve agnmlung am 22. Juni aYbroMn und am 15. Juli:. Sr auxgenommen werden. enn die (Hotthardbahnfrage Kochzxi die ein ahre erledigt werden solle, so müsse sie mit Riicksickjt auf die ristcn des Volksentscheides von den eidgoixöfsischen Nöthen mit mö, liebster Beschleuni ung bchandelt werden. Auf den Antrag K eins wurde die ott- hardkommission eingeladen, noch 0111 Schlusse dsr heutigen Sißung über die Vertagungsfrage „ihr Gutachten abzugeben.
_ (N. Zürch. Ztg.) Der Nationalrath hat beschlossen, den Zolltarif zu bcendigen und sodann die Session bis zum 29. Juli zu vertagen. Dcr Zotharif ist bis zum Tabak vorgerückt. _ Der Ständcratl) ratifizirte heute mit 31 gegen 1 Stimme den Handel?:vertrag mit Rumänien mit der Einladung an den Vunchrail), den Abschluß eines Niederlaffitngßvertrages auf Basis der volisiändigen Gleich: stellung aller Schweizerbiirgcr fortwährend im Nu e zu be- halten. Der Ständerath bewilligte ferner 1 029 469 r. Nack)- tragskredite und beschloß, sich vom 22. „Juni bis 29. Juli zu vertagen, nachdem er eine Kommission zur Verathung der Gotthardsnbvention gewählt hattc.
Großbritannien und Irland. London, 19. Juni. (EC.) Nach einer vom Auswärtigen Amt an den Lord- mayor von London gerichteten Mittheilimg ist die vom
Hofzder Aldermen _gefaßte Resolution, worin ihr Ve:_
dauern iiber den zweiten Mordanfalb auf den Kais er Wilhelm ausgrdrückt wird, dem hie1igen deutschen Bot- schafter mit der Bitte um Weiterbefördrrung überrcicht worden. _ Gestern starb in Ramsxiate Hr. H. W. F.'Bölckow, Unierhausmitgliedfiir Middlesborongh. _Gestern, als am 63. Jahrestage der Schlacht von Watsrloo, be- trug die Zahl der noch lebenden englischen Offiziere, welche daran Theil genommen [)abexi, ' 43. Von ihnen be- ziehen 25 voUen oder Halb-Sold, während ihrer 18 den Dienst gänzlich verlassen haben. Von ersteren haben 11 Generali;- rang, 2 sind Obersten, 2 Hauptleute, 5Lieutenants, 2 Wund- ärzte und einer Quartiermeister.
_ 21, Juni. (W. T. B.) Die Regierung [)at be- schlossen, eine rößere Anzahl von Truppen und Kriegs- material na dein Kap zu senden. _ Dem „Reuterscben Bureau“ wird aus Erzerum berichtet, die Armee J§mail Paschas werde reorganisirt und habe Verstärkungen erhalten. General Lazareff sei daselbst cingciroffen und habe Besiß
von der CitadeÜe ergriffen. Dublin, 20. Juni. (W. T. B.) Der Kardinal
Mac Cullen ist aus Rom hierher znrückgekehrt.
Frankreich. Paris, 19. uni. (Fr. C.) Der Erz- bischof von Paris, Kardina Guibert, ist aus Rom zurückgekehrt. _ n olge des .in den Gruben des Allier- Departements )err chenden Strikes sind in Commen- try gestern Abend von CleMont-Ferrand zwei Batailkone des 139. Linicn-Regiments mit dem Oberst eingrtro en. Wie man aus Bordeaux meldet, haben auch die Ka faier und Schiffs*immerleute der dortigen Werften ihre Arbeiten einge- stellt; ie verlangen eine Erhöhung ihres Lohnes von 5 auf 6 Fr. pro Tag.
_ 20. Juni. (W. T. B.), Die für heute anbe- raumte Truppenrevue im Bois de Boulogne hat bei sehr !Yöner Witterung und unter VctheiliFung einer großen Zu-
auermcnge stattgefunden. Die Zah dsr Truppen betrug
- Stati
ge en 35000 Mann. Der Schah von Persien wohnte vo «Yer Tribüne aus dem militärischen Schauspiele bei. "
Italien. Rom, 20. Juni. (W. T. B.), In der hen: tigen Sißung der Deputirtenkammer kündigten Cava: lotti und Genossen eine Interpellation bezüglich des 'üngst veröffentlichten englisch-russischen Memoran=
ums, sowie bezü lich der den italienischen Kongreßbevoll= mächtigten in Bette der Interessen Griechenlands und der kleineren Staaten gegebenen Instruktionen an. _ Im Verlaufe der Sißung wurde das Budget des Kriegs: Ministeriums genehmigt.
Griechenland. Athen, 18. Juni. (Pol. Korr.) Die Türken haben am 17. d. M. bei Heraklion einen Angriff auf die Christen unternommen, bei welchem erstere nach Zartnäckigem Kampfe zurückgeschlagen wurden. Die Christen lieben im Besiße der früher von den Türken innegehabten Positionen. Eine große Anzahl der Leßteren wurde getödtet,
Türkei. .Pera, 12. Juni. In Folge der seit dem leßien Herbst hier'sehr stark herrschenden, egenwärtig Mvar im Abnehmen, doch noch keineHwegs im Er öschen begriffenen T phus: und Blattern=Epidemie hatte auch eine A::- 31151 mit derartigen Krankheiten behaftetcr Personen in un:
serem deutschen ospitale Aufnahme gefunden.
Um das Kran enhaus von solchen Kranken möglichst bald '
zu säubern und für di? Folge von denselben frei zu halten, entschloß man sich zum Bau einer Baracke fiir Letztere und entschied sich bei der Dringlichkeit der Maßregel dafiir, eins solche: auf einer Parzelle des Hospitalgrundftücks, welche bisher unbenußt war, “11 erbauen. Die nöthigen Vaufonds wurdendurch freiwilldige Bciträge in Deutschland ge: sammelt und der Bau im Laufe des Winter?: in Angriff e: nommen. Die Baracke ist nunmehr fertig gestellt, gestern feierilich eingeweiht und den Diakonifjinnen unseres Krankenhauses übergeben worden. Nach dem Ausspruche hiesiger Spitalärzie ist diese Baracke, welche zunächst für 12 bis 16 Betten ein: gerichtet ist, von wefentlichstem Nußen fiir die Salubrität des leider immer noch iiberfiillten Hospitals und die Einrichtung derselben praktischer und zweckentsprcchender als diejenigi anderer Baracken hier am Orte.
Die 1. Z. von Ihrer Majestät der Königin von Sach: sen zur Pflege der Verwundeten hierher gesandten 12 Pflegeschweftern haben, nachdem sie fast ein Jahr lang mit großer Aufopferung und unter aÜgemeiner Aner- kennung sich der Krankenpflege gewidmet, ihre Mission been: digt und sind nach ihrer Heimath zurückbrrufen worden, 1110: hin sie am 14. d. M. iiber Triest abreisen wcrden.
Rußland und Polen. St. Petersburg, 21. Juni. (W. T. B.) DaB „Journal de St._Pétersbourg“ be- spricht die Haltung, welche die tiirkiichn Kon reßdele: girten den Meldungen auswärtiger Blätter zufo ge anneh- men. Da?» Journal wrist denselben gegeniiber darauf hin, daß die Türkei sich den Entscheidungen deß Kongresses zu fügen habe. Die Pforts suche das Einvernehmen der Mächte zu stören, indem sie alarmircnde Nachrichten verbreiten (affe. Das Journal meint, daß die Mächte den Werth des Wider: standes der TÜrkSiJÉU ermessen wissen wiirden, und hofft, daß sie die Türkei in éspckt halten werden.
Amerika. Washington, 20. Juni. (W. T. B.) Der Kongreß hat das Geseß, betreffend die an England zu er: folgende Zahlung der durch die Entscheidung des Schieds-
erichts in der kanadischen Fischerei-Angelcgenheit festgesetzten Summe, definitiv genrhmigt. Ferner wurde mit 144 gegen 61 Stimmen eine Resolution angenommen, in welcher cin Amendemeni ziir Verfassung vorgeschlagen wird, dahin ebend, dais; jsiw Zahlung in Folge von Rekla- mationen eZemaligcr Konfödrrirter wegen während des Bürgerkrieges erlittenen Schaden?, an Eigeiithum fiir imnter untersagt sein soll.
Crarisiisthe Nachrikhten.
Nack) Mittheilung des statistischen Bureaus der Stadt Berlin sind bei den hiesigen S tandesämtern in der Woche vom 9. Juni bis incl. 15. Jimi cr. zur Anmrldung gekommen: 200 Ebe- schließungen, 767 Lebendgeboreyc, 42 Todtgeborene und 746 Sterbefälie.
_ Von der „Statistischen Skizze des Deutschen Reich nebst Luxi'mburg“ von 1). H. F. Bracbelli, dem überaus tbäiigen Vorstande des siatisiiscbi'n Drpartements im K. K. 51121- reicbiscben Handels-Ministerium ist im Vcrxage der J, C. Hinrichs- schen Biirhbandlung jetzt die vierte, verbeiierie Auflaae erschienen. Die kleinr Schrift, Welche zugleich eine Ergänzung zu der siebenten Naila e von Stein und Wapbäus' Handbuch der“ Geographie und
910." bildet, *rxmfaßt auf dem vcrhäl-tziißwäßig kleiUen Ranma von Wenigen Bogen ein sehr reiches statistijches Material, das axis den zuverlässigsten QueÜen nacb den neuesten Ergebniffen gefrböpik- sich in gründlicher Weise über Flächeninhalt Ulid Bevölkerung, Laynk? und Forstwirtbschaft, Bergbau, Hüttenwesen, Salinen, gcwerblxcbe Industrie, Handel und_ Vrkehr, Unterrichtswesen, Kircbrnwrien, Reickerrfaffung, Verfasmng der einzelnen Bundesstaaten, NSW“, und Staats-Finanzen und 1":er das Kriegkwesen, also über al]! Gebiete des Staats- und Volkslebcns erstreckt, und in seiner knapp?n gedrängten Form besonders zum Handgebrauch eignet.
Kunst, Wiffenschaft und Literatur.
Hr. Prediger ])r. J. Müllensiefen, der am Pfingsttäsk- als dem von der obersten Kirwenbehörde angeseßten Buß- und Bei“ tage, amtlich nicht zu wirken hatte, Hat am „nächsten (*Sonntagrdle erschütternden Ereignisse der jüngsten Vergaiißenheit seiner (Gemeinde im Lichte des göttlichen Wortes vorgeführt. Auf vielfach aussi“ sprocberiem Wunsch wird derselbe diese Predigt durch den Dru weiteren Kreisen zugänglicb machen. Diiselbe wird im Verlage von Carl Habel hicrselbst umter dem Titel: „Weißt du nicht, daß GYM Güte und Gottes Ernst dich zur Buße leitet? Predigt über'ZKomkk 11, 33_36, in Bezug auf die schweren Ereignisse der WWU Vergangenheit, am Sonntag Trinitatis, den 16. Juni„ 111 hkk Marienkirche zu Berlin gehalten“ erscheinen. Der Preis Mrd ca. 50 6 betragen. , i
_ Die AufsteUung eines den Anforderungen der WifferxsÖIL wie der Praxis entsprechenden Systems des Civilprozcßreckots erbat durch den umfangreichen und theilweise völlig neuen Stoff der deutsche" Reichsjustizgeseße gegenwärtig eine erhöhte Bedeutung. Jti emen! vor Kurzem im Verlage von Wilhelm Köbner in Breslau erschienener; Buche: „Systematik des deutschen (L.“)Zivilprozeßrekbt auf Grundlage der deutschen Reichsjustizgeseße, 3";
leich“ Grundriß zu Vorlesungen“, hat Dr, L. von Bar rofeiior an der Universität Breslau, es sich , Auf abe gesteUt, wie er in der Vorrede bemerkt, „diese" Sto mit den Details in dasjenige „System einzuordnen, wel? der Verfaffer bereits drr Skizze des Civilprozeffes in v.H-olizendok.n Encyclopädie der Rechtßwiffenschaft (2. u. 3. Aufl.) _Band 1 Wesentlichen zum Grunde gelegt und in feinen Vorlewngeq benni“ bai.“ Die vorlie ende grü'ndlicbe Arbeit verdeutlicht m Vielfach; Bezikbungen den .lnschlnß des neuen an das bisherige Recht Und
1113
bisherige Recbtswiffenscbaft
und erleichtert dadurch Ueber- blick und Verständnis;
des neuen Civilpro eßrechts, und 1: um so mehr, als die Säße des vilpro eßrecbts aus mehreren gxtrennten Gesc en, dem (GerichtSve (: una!- esche und der Civilprozeßordnmxg( ezw.KonkurSordnung), theilweise fogar Fus den betreffenden Einfuhrungögexeßen zusammengesucbt wer- den nzuffen. Namentlich dürfte sich a er die Verwendung eines derartigen Systems des Civilprozeffes als Grundlage oder Grundriß des akademischen Unterrichts empfehlen. Der Stoff der neuen Justiz- geseße ist emILo bedeutender, daß ohne solches Hülfsmittel, welches während der orlesu-ig mühelos dem Zuhörer eine ewiffe Vertraut- beit mit dem Texte der Gesetze vermrttelt, der a ademische Unter- richt Gefahr lauft, entweder zu sehr von dem positiven Stoffe ab- zusehen oder aber die allgemeinen theoretischen Grundlagen und die geschichtliche Entwickelung zu vernachlässigen. London, 19. Juni. Lord Hardwicke ist für das fol- ende Jahr zum Vorsitzenden der Britischen Archäo- ogischen Gesellschaft erwählt worden. Die JabreSversamm- lung des Vereins ist auf den 19. August festgeseßt und wird in Wisbech stattfinden.
Land- und Forstwirthfchaft. Ueber den Obst-Ertrag im Großherzogtbum
Hes sen'im Jahre 1877 entnehmen wir dem dieSjährigen Juni-Hefie der „Mittheilungen der Großherxoglich, hessischen CentralsteÜe für die Landessiatistik“ folgende Mittheilungen: Im Ganzen Wurden im Großberzogibume i. J. 1877 an Obst geerntet: 472184,4 Ctr. im Werthe von 2 226 516,06 „Fü gegen 514 296,1 Ctr. und 2 660 568,87 „kö j, J. 1876, also weni er 42 111,7 Ctr. und 434 052,81 «. Der Cr- trag der einzelnen O starten stellte sich folgender Weise: Aepfel: 239 371,8 Ctr. im Werthe von 1052 007,22 „14, gegen 420 915,1 Ctr. und 1 893 800,57 „11- i._J. 1876 (_ 181 543,3 Ctr. und 841 793,35 746). Birnen: 82 936 Ctr. im Werthe von 310 798,85 „14 gegen 32 330 Cir. und 147 894,50 „14 i. J. 1876 (+ 50 606 Sfr. und 162 904,35 «W). Zwrtschen und Pflaumen: 92 498,8 Ctr. im WertHe von 339 746,55 „FH. gegen 12 208,5 Ctr. und 7199270 .46 i. J. 1876 (+ 802903 Err. und 267 753,85 «441. Aprikosen und Pfirsiche: 330,8 Ctr._ tm Werthe von 14 017,20 «44 gegen 3871 Ctr. und 70 785 «M 1. J. 1876 (_ 3540,2 Ctr. und 56 767,80 „M). Kirschen: 22 716,4 Ctr. im Werthe bon 13616860 „44 gegen 20143 Ctr. und 157 773,68 „xz i. J. 1876 (also + 2574,4 Gtr., aber _21105,08„-4). Eßbare Kastanien: 33,5 Ctr. im Werthe von 27524 gegen 15,5 Ctr. und 169 „ja i, I. 1876 (+ 18 Ctr. und 106 „M). Nüsse (Wallnüffe): 32 607,8 Ctr. im Werthe von 347 997,19 «“: gegen 18112 Ctr. und 210 752,32 «M i. J. 1876 (+ 14 495,8 Cité. und 137 244,87 146). Tafeltrauben (zum Verkauf): 16893 (xtr. im Wsrtbe von 25 005,45-44 gegen 6701 Cir. und 107 401,10 «14 i. J. 1876 (_ 5011,7 Ctr. und 82 335,65 «.).
„ Gerverbe und Handel.
Berlin, 2]. Juni. Der Wollmarkt ist beendet. Nur w nige Poiien liegen noch in den Zelten des Wollmarkts, und auch dicse _ mitAusnabme eines einzelnen Postens von 10 Sack _ find verkauft und werden |noch heute abgefahren werden. Die Gesammt- summe der zu Markt aebracbien Wochn belief sick) auf 26 875 Str., welche bon rund 400 Verkäufrrn eingebracht traten. Vxn diesen Verkäufern waren 140 Produzenten, die übriZen Händler. Etwa 1000 Cir. (meist pommersches Produkt) geb örien deu bocbfcinen WoÜen an, die übrigen ware!) " meist Mittelwolien, und nur Wenige von geringer Qualitat. Der höchste Preis, welcher gezahlt wurde, betrug 204 «74 pro 50 kg, der geringste Preis für ge- "Waschene WoÜen 126 „M Die Höhe der Preise für die einzelnen Qualitäten „Haben wir bereits in den vorhergehenden Berichten an- gegeben. Die Selbstziicbter hatten bereits am ersten Tage fast sämmt- liche WoYe birkauft und zumeist an die Konsumenten (Fabrikanien imd Spinner) selbst. Der Markt ist noch niemals so früh ge- scbloffen worden wie in diesem Jahre.
_ Aus dxm Geschäftsbericht der „Nationale“, Lebens- versicherungsgesellsihaft auf Gegenseitigkeit zu Ber- lin, ergiebt fich, daß im Jahre 1877 3275 Anträge mit 3 472 550 „44
" einliefen, wovon 47% der Summe und 44% der Anträge abgelehnt
wurden. Der Netto-Zugang bei der „Nationale“ betrug 665 Per- sonen mit 665125 «14 Die Unier-SterbliÖkeit betrug 5 Personen mit 17 024 «M Das Jahr 1877 schließt mit einem Gewinn ab von 197 428 „44, welche auf das Organisations-Konw ab cschrieben wur- den; «i_uf diesem verbleiben noch 100 549 „14, We ck? aus dem den FOUZsMÖMÜrM vorgeschriebenen Garantiefonds entnommen wor- en in .
_ Die Thüringische Eisenbahn hat im Jabre1_877 aus dem Betriebe der Stammbabn einen Reingewinn Von 3 617 900 „16. erzielt, abzüglich der Beiträge “zum Reservr-, Erneuerungsfonds 2e. Hiervon sind als Dividende auf die Stammaktien 1.111. .4. vertbeilt 7 3% mit 3 327 165 „14 (637 800 „16. Stammaktien 1.111. „4. find Noch nicht bcgeben). Auf die Stammaktien der Ziveigbabnen wurden Di- videnden in Höhe von 1 374 7,28 «16. gewährt. Der Reserve- und Erneuerungsfonds beziffert fick) auf 3 611 349 („16. und der Pensions-und Unterstützungsfonds auf 2 833 076-441 An Baukostensind in dcr Bilaiiz pro 1877 aufgeführt: für die Siammbahn von HaUe bis Gerstungen nebst den Zwrigbahnen Weißenfels-Gera, Corbetba-Leipzig, Leipzig-
eitZ einschließlich dsr Beiriebsmittel, sowie Bciheiliaung am tammaktirnkapital der Werrabahn 79 346 653 „16, Aufwand für Neu- und Erneuerungsbauten der genannten Bahnen, Baukosten der Zweigbabn von Dictendorf nach Arnstadt und für Verrechnung der Betriebßmitiel 21 915 989 «M, Gotha-Lcinefeider Bahn 16 470 300 „M, Gera-Eicbicbier Bahn 17 981942 ask, Summa der Baukosten über-
, haupt 135 714 885-914 Die Bilanz fiblicßr außbeiden Seiten mit
166 878 050 „M ab,
_ Der RechnunJSabschluß der Nienburger Eisengießerei Und Maschinenfa rik für 1877 weist einen Bruttogewinn von 56 263 „44 und nach den vorgenommenen Abschreibungen 'm Höhe von 20219 “14 (gegen 19956 «46. im Vorjahre), einen erertraa von 36 044 „M auf. Der Reingewinn wird wie folgt bertbeili: Uexberivei- sung an den Reservefond 4000 „16., Tantiéme an die Direktion 1800 „14, Taniiéme an den VerWaltunasratb 1800 214, 001110 pro 1111111059. 7500 „FC:, 311% Dividende 5 600000 «FC:: 20000 „16., Ge- Winnvortrag auf neue Rechnung 944 „16.
_ Nach dem Geschäftsbericbte der Erzherzog Albrecht- babn für 1877 haben sich die BetriebSeinnabmen von 585 642 Fl. im Jahre 1876 auf 687 805 Fl. erhöht, wogegen die AuBgaben 559 757 F1. betrugen. Dcr Betriebsüberschuß beläuft sicb demngch auf 128 049 Fl. gegen einen Betriebsausfall von 1,45 922 Js. im „Jahre 1874, von 33549 Fl. im Jahre 1875 und einem Vertriebs- uberschuß von 39 662 F1. im Vorjakßre. Die Differenzen mri der 1331108 (11 0081111210118 (11 111113110 niur en dahin beglichen, daß (ick) die Albrechtsbahn zur Zahlung von 100000 Fl. Silber am ]. Jyli 1878 und weitern 90 000 Fl. in fünf mit 2. Januar„187'9 beginnenden Semesiralterminen verpflicbirte. Es betrugen die Einnahmen aus dem Transport 558 742 Fl., aus diversen Quellen 129 063 Fl., zu- sammen 687 805 l.; die Auögaben für allgemeine VerWaLtung 53 106 Fl., für Ba nauffirbt imd Erhaltung 202 308 Fl., für Ver- kebrs- und kommerziellen Dimit 172 221 Fl., für Zugförderun sdienst 108 037 Fl., für besondere Aurigaben 24 082 Fl., zußammen 559 756 Fl. Die Staatsgarantie mußte mit 837 250 Fl. in An- spruch genommen werden. " ,
*- Eine Versammlung von Vertrauensmannern der wirth- schaftlichen Vereine Rbeinland-Westfaleus und des mittelrbein'ischen Fabrikantenvereins beschäftigte sich in ZZZmeinsamer Beraibung mit dem Ausschuss des _Vereins zur
ahrung der gemeinsamen wirtbschafilicben Inter- esien in Rheinland und Westfalen am 12._ d..Mts. m Dusseldorf mit der Frage einer gemeinsamen Bekampfung der Syzialdemokratie eitens der Industriellen und Gewerb- treibenden. Es wurde einstimmig beschlossen, eine Versammlung aller Industriellen und Gewerbetreibenden Rbemlandö und Wesi- xalens behufs Vereinbarun einer gkmeinfamen Kundgebung gegen- die l)zial'oemokratischeu BestreYungen auf Montag, den 24. Juni, Nach-
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mittags 2? Uhr, nach der Tonhalle in Düffeldorf zu berufen. So- dann wurden vier Resolutionen vereinbart, welche der Versammlung am 24. d. I)its. zur Annahme unterbreitet werden sollen.
Verkehrs-Anftalteu.
Triest, 20. Juni. (W. T. B.) Der Lloyd-Damvfer ,Yurora' ist mit der ostindiscben Ueberlandpost beute Nach- mrttag 41 Uhr aus Alexandrien bier eingetroffen,
Berlin, 21. Juni 1878.
_, Deutsche geologische Gesellschaft. Sitzung am 5.Iuni 1878 „Vorfißxnder Hr. Webskv. Hr. Loffen machte auf eine seit 1859 tn der Literatur verbreitete und zulest von Hrn. Ncbring wie- derholte Angabe auImerksam, Wonach mit dem Schädelcest des Mo]chu§ochsen aucb Lemmingreste im Diluvium des Kreuz- berges gefunden sem sollen, und erklärte dieselben als auf einem Mißvxrsiandniß berubepd, indem die von Quedlinburg beschriebenen Lenimiigreste auf Berlin bezogen worden seien. Derselbe gab ferner Nachrichtwon der Auffindung der kaluäjna 111111713113 Knuth im Geschiebelebm zii Möckern im Königreich Sachsen durch Hrn. A. _S'auer, welcher diesen Geschiebelebm als dem Oberdiluvium an- geborig Zrklarr, Wodurck) kaluä. 411111713113. als Leitform für das Uziterdiliivium, im Sinne des Vortragenden in Frage gestellt Wurde. Dir biHberige Erfahrung, wonach die genannte Schnedte nur aus" Unierdtluvium bekannt ist, [affe einstweilen den Lehm bei Mockern hochst wahrscheinlich als unteren Geschiebelebm ansehen, umsomehr, als die nahere Beschreibung ch Vorkommens durcb Sauer srlbst rnehrere gewichtige Gründe dafür beibrinae. _ Hr. O. Speyer tbciite ein interessantes Schichtenprofil über die Gliede- rung des Diluvtums rnit, welches durch eine Tbogigrube unweit des Bahnhofes Ober-Röbltngen am Ostabhange des sogenannten Butter- ber-gcs aufgeschlossen ist. Ein vor etwa zwei Jahren an dieser Stelle mrt Erfolg niedergesioszenes Bohrloch auf Braunkohle gab die nächste Veranxaffunn zu:" Anlage der genannten Tbongrube, indem man für die spatere Gewinmzng der Kohle das Deckgebirge abzutragen suchte. Durch eine in Betrieb stehende höher und .durch eine tiefer liegende Ausiibachimig wurde von oben nach unten folgendes Schichtenprofil entbloßi: 0,5 m, Lbß von typischer Beschaffenheit, auf der Höhe bedeu- teiid (zn Machiigkeit abnehmend, so daß der dariiber liegende 0,7 m merchtige Geschiebelebm hie und da zu Tage triit. Unter dem Ge- frbiebexnergel folgt 0,8 m mäibtig ein gelblich grauer, sandiger Thon rnit „eingelagrrten großen und kleinen Nestern und Streifen von nordischen) Kirs und Sand, hierunter 3,0 m unterer Geschiebemergel von gelblich grauer Farbe, sel)r_fest und schließt kreideähnlichegrößere und kleinere Kabkmollcn, sowie einzelne Quarzgeschiebr ein, dann folgt 2,0 111, Banderthon, ein durch abwechselnd dunkele und hellere Streifen charakterisirter Thon, welcher eine 1,0 m mächtige Schotterbildunxz aus einheimischen Gesteinen (Muschelkalk uud bunter Sandstein) uberlagert, und diese le tere das Hangende der quuwkoble bildet. In dem unteren Ge chiebemergel war _ in- soweit die'Uninsuchungen ergaben _ 13811111. (111 rjana nicht vor- bandeii; die Bandrrtbone ganz analog denen, welche schon früher Hr. v. Fritsch bei Teutschenthal und der Vortragende bei Eisleben beob- acbtri bach. Abtreicbrnd yon anderen Braunkohlenablagerunaen der dortigen Gegend ist indesien das direkte Auflagern des älteren Diluvmws a'uf Kohle, indem in den meisten FäÜen zwischen ihr und jenem die weißen Terjiarsande 2c. auftreten. Im Anschluß an diesen Vortrag wirs Hr. Lossen darauf hin, wie die Ordnung des von Hrn, Speyerwrtgeibeilfen Profils, wenn man sio mit der Diluvialgliede- rung bei Möckern vergleiche, außgebend von der Lage drs Bänder- tbons", ebenngs zu Gunsten der Annahme spreche: Der Geschirbe- [ehm uber diesem Thon zu Möckern sei Unterer-Gescbiebe- (ehm. Hr. Lossen machte endlich darauf aufmerksam, daß der Name „„Banderthon? MiFVersiändniß'im Auslande erregen könne, da der altere sch1vedische Name „Hfarrmg lera“ sprachlich ganz dasselbe bedeute, aber ein Viel jüngeres Glied des Diluviums sei._ Hr. Websky legte einen von Hrn. Zimmermann in Striegau in Schlei. gefundenrn Bergkrystau (zus den dortigerlGraniten vor, welcher sich durch die singulare Flgchenausbildung an der einen von dem Ditrioäder §_= 4 (a': a/2 : a :,0.) stark abgestumpften Ecke auSzeiÖ- net; es sioßt namlich an diese in gleichfal1s dominirender Aus- dehnunwb : «Z (;ck/2 : 8/5 : 8/3 : 0/3.), und, mit dieser eine horizontale Kant? bildend, eme matte, sich bis zur Spiße ausdehnende Fläcbr, fur die maxi das Symbol :: „Z (;)./2 : 8/5 : 8/3 : 0/5.) in erster Stel- lung deductren kann, welches von DeScloizeaux einer Fläkbe'L-x in zweiter SteUuna an einem Krystall aus Brasilien und einem an- deren, aus drm Daupbiiié ge eben wurde. Es ist besonders merk- wiirdm, daß eiiie große nzabl mit demselben vorgekommener KrystaÜe von gxeichcr Farbe und sonst gleichem Habitus nicht die ge- ringste Spur dieser Flächen erkennen läßt.-
Weltausstellung in Paris 1878. 111.
Eingangs des leßien Briefes wurde die Ansicht ausgesprochen, daß die internationalen WeltaussteÜungen in so übermäßig kurzen Interbaslcn an Werth verlieren. Diese Ansicht scheinen auch die meisten großen Kulturstaaten zu theilen, denn England, welches in handelspolitisckxer Beziehung den ersten Rang einnimmt und sick) vor aUen anderen Landern am ehesten berufen fühlen könnte, den Schau- plaß für diese Aussteüungen zu bieten, hat das in den Jahren 1851
und 1862 so glänzend durchgeführte _Pryjekt„_nbch nicht wieder- .cc-_
neuert. Oesterreich-Ungarn hat seine Erfahrungen im Jahr 1873,gemacht, ,um nicht von Neuem den Staatssäckel mit einem Defizit von „Mindestens 14 Millionen zu belasten, und Deuischland, dessen Lach im Crntrmxi Europas „vielleicht sehr geeignet wäre, aus seinemStilYscbweigen in dieser Hinsicht hervorzutreten, erfaßt die Situatioti jedenfaüs am richtigsten: mit alleiniger AUSnahme der noch im kleineren Maßstabe auftretenden Aus iellung zu München 1854 hat sich für Deutschland noch keine Nothwen igkeit ergeben, das opferscbWere und durcb die Erfolge sub nur höchst mäßig belohnende Schauspiel einer internationalen Weltausstellung in Scene zn seßen. Weisen doch die leßten 27 Jahre nicht weniger als 8 große Welt- ausstellungen _ ungerechnet mehrere kleiyere, über Welche die Sta- tistik leichter hinfort sehen konnte _ auf. Der ersten in London 1851, zu welcher Frankreich 1849 den Impuls gegeben hatte, folYten 1854 München, 1855 Paris, 1862 London, 1867 Paris, 18 3 Wien, 1876 Philadelphia und 1878 Paris, so daß im Durch- chnitt nur ein Zeitraim von ekwas über 3 Jahren zwischen zwei ich folgenden Weltausstellungen lag.
Daß sich das allgemeine Interesse in Folge dessen mehr und mehr absiumpfen mußte, ist klar, und heute hat man das Fciktum zu konstatiren, daß verhältnißmäßig die großen Kulturlander gegen die eine untxrgcordnet're Stellung einnehmen- den, überseeischen, erit halbciViiifirten Staaten weniger Theil- nabme zeigen. So hatte schon in Wien und Zbiladelvbia die leb?afte Theilnabme besonders des Orients und stasiens auf das Ge ammtbild der Aussteklung durch rege Beibeiligung einen wesent- lichen Einßuß geübt, und dleSmal ' sind und Japan noch Indien und einige von untergeordneter Bedeutung, welche dem Ganzen etwas zum internationalen Eindruck verhelfen. “Persien, Egypten und das oSmanisébe Reick) baben Angesichts der drückenden politischen Situation entweder gar nicht oderfdock) nur mit sehr geringen Kräf- ten beigesteuert. Indien speziell wird durch die kostbaren und theil- weise höchst kunstvollen Geschenke seiner Fürsten an den Prinzen von Wales sebr achtbar rcpräseniiri, und m den prächtigen, europäische Kunstfertigkeit beschämenden Leistungen des chineßjckxen und japani- sche§1dReiches ist der Schwerpunkt der Aussie ungen des Orients zu n en.
Nach jenem Zeitabschnitt am Anfange des 15. Jahrhunderts, wo die unnachabmbare Kunst der PorzeÜanfabrikaiion in China so
es außer China kleinere Staaten
“Zeitungs-Verzeichnisses veröffentlicht.
vixl Aufsehen in Deuschland, England, denNiederlandea und Frank- rerch_mackte und'so viele Köpfe anstrengte, um das Geheimnis; m ergrimden, trat emx Pause, ein Rückschritt in der industriellen Eut- wickelun Cbinas ein, und erst am Ende des 17. uud am Ankanoe deß 18. abrbunderts sJelanJ es diesem Lande wieder, einen wesent ichen Er_nfiuß auf den Kun geschmack Europas zu üben. Jetzt, in derzweiten Halfte des 19; Jabrbundertß scheint das andere ostafiatiscbe Kaiserreich
apan, an die Stege Chinas getreten zu sein un) seine Einwirkungen auf den Geschmack nn Kunstgeroerbt merklich zu machen. Es drängt Fb dern gewissenhaften Beschauex (hefonders in der französischen
usstellung) diese Thatsache sq macbnq auf, daß man in fast allen Branchendes Kunstgewerbes eme Entlebuun ja sogar reine Nach- ahmung japaznscher Modelle vor sich u Then glaubt. Bei den Werken der enzfacbfien modernen Kunsttiécblerei sowohl, wie bei den ko„stbarsten Meisterwerken der ersten Möbelateliers und den Pracht- strzcken der orzcllarzmanufaktur von Sixer kann man fick) diesem _Emdchke n cbt enizteben, denn sicher findet man beim Besuche der japaniichen Abtheilung das unverbüllie und ungeschminkte Mrdel] zu den vorher bewuxiderten Gegenständen. Es ist diese Thatsache in "„dem Fgll Wichtig, genug, um konstatirt zu Werden, zumal schon vielfach in qubkreisen die Ansicht angesprochen wird, da sich hierin anschetnexzd eme neue Epoche, eine ganz außgesprochene ichtung auf dem Gebtrte „unserer Kunstgerverbe ankündi t.
Als einzige Außnabme in dieser Hinächt wäre vielleicht Eng- land zu nxnnen, welches fick) diesem bezw. dem französischen Einfluß größtentbeils entzieht. Hierfiebt man ein unabhängiges, charakte- ristiscbes Streben, xvelcbes die Moderichtungen anderer Länder nicht auf fich einwirkrn laßt. Selbst der in allrr Welt hochgepriesene und (11,9 Maßstab hingestellt? französische Geschmack scheint hier ganz an- wirksaxn zu sein. Was England leistet, ist original, im ersten Augen- blick uberraichend, aber woblgefällig, praktisch und solide. Tritt aucb drr Grundzug und der Gesammteindruck der englischen Richtung noch nicht so klar und wirkungsOoU hervor, so schlummert doch ein gesunder, 911161! Kern in dieser Entwickelung des nationalen Kunst- gescbmacks in England, so daß es fraglich ist, ob die heute noch vor- andJe dUeberlegenbcit Frankreichs in kurzer Zeit noch zu konstatiren
em ir .
Aehnlich wie in England, geht auch in Deutschland eine Um- Wandlung in dieser Hinsicht vor sick); es ist jedenfaas auch hier das Bestreben bemerklicb, fich aUmäblich von der Beeinflussung und Bevormundung des frgnerschen Geschmacks zu emanzipiren, und Wem) es den bezugli en lxitenden Kreisen Deutschlands gelingt, diesen Bestrebungen eine bestimmte einheitlickoe Richtung zu geben, Welcher die Kunstmdustriellen des Nordens wie des Südens, de? Ostens uiid des Westens gewissenhaft folgen und es dadurch er- moglichen, em ayöqesvrochenes deutsch-nationales Kunstgewerbe zu schaffen, darin durfte. sich durch die gewiffenhafte Arbeit und die JutelZigeriz m der Helmuth potrnziri, bei einer Ausstellung, w.lche vreUeicht ni L&Jahrzehnten in Deutschland siaitiände, die Wagstbale des Vergleiches afuf die Seite dieses Landes ienken.
' In Oefterxetcb-Ungarn hat sich dieses Streben nach Unabhängig- keit und Selbstandrgkcit im Kunstgeschmack schon früher bemerkbar gemacht als in Deutschland, und wurde dies von der Jury der Welt- aussteklunZJin Wien schon betont. Besonders in deroMöbeltifchlerei' und der alanteriearbrit trat das überraschend hervor, doch bietet die Abtheilung des österreichischen Staates auf dem Champ de I,)?ars zu Wenig Gelegenbeit, um einen bedeutenden Fortschritt auf dieser Bahn erkennen zu lassen. Es muß daher den_ Fach- leuten und Preisrichtern, welchen selbst der geringfügiaste Gegenstand Anlaß zu genauer Prüfung geben wird, überlassen bleiben zu beurtbeilen.
Belgiens Leistungen im Kunstgewerbe staben fast ausschließlich unter fraiizösischem Einflusse. In keiner anderen Abtheilung tritt dieH so evrdent hervor, und ergiebt sich daraus wohl ein ünftiges inultat fur das Ganze, eine nationale Richtung aber läßt 111) nicht er eunen.
' Aehnlich ist es mit der Schweiz der Fall, nur ist hier auch auf diesem Gebiete der charakteristische Zug des Festlxaltens am Alten, Hergebrachteu erkenntlich, und findet man daher bei den Arbeiten der Schweiz, speziell der nördlichen Kantone, meistens nur eine Vervollkommnung und Außarbeitung älterer Pkodelle und rinzipiea. Einen cntschiedenen Rüäscbritt hat aber Genf gemacht. ie haupt- sächlichsten Handels- und Industriezweige, wie die Uhrmacherei, die Bijouterie- und Galanteriewaarenbrancbe haben nicht mehr diejenige Bedeutung, welcbe ihnen früher von der Welt zuerkannt wurdrn. Eng- land, Frankreichwnd Nordamerika haben Genf darin überflügelt.
Rußland bietet zwar ein ansehnliches, in gewissen Beziehungen sogar sehr beachtenswertbes Bild, doch treten seine Leistungen zu vereinzelt auf, so daß man nur Gelegenheit findet, einzelne Ge- genstände, nicht aber ganze Branchen des Kunstgewerbes zu beurtbei- len. Bei dem vielen Guten, welches dieses Land vorführt, zeigt sich deutlich deutscher Einfluß, deutsche Arbeit und deutscher Geschmack. Sind dock) selbst die Namen der Aussteller der meisten besseren Sachen, Deutsche, so daß auch hier der Beweis geliefert wird, daß Zietheirlrgatiblicbe Industrie aua) im Auslande ihre würdigen Repräsen-
an en a.
Lebhaftes Lob muß Italien gezollt werden, Welches speziell auf dem Gebiete des Kunstgewnbes fich rübmlich bervortbut. Sind es auch großentbeils alte Bekannte aus Philadelphia und Wien, denen man in den ausgestellten Gegenständen begegnct, so läßt sich doch nicht sireiien, daß dieselben, in ihrer Umgebung als ganz ori- JineU- und in ihrer Art vortreffliche Repräsentanten der nationaler: «zndUsirie erscheinen. Unvergleichlich schön und eigenartig sind und bleiben hier die kostbaren Filigran-, Brokat- und Schmuckarbeiten.
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töpferei, der Gips- und Marmorwaaren, ja selbst die gemusterten Seiden-, Sammet- und Kattunwaaren steUen fich mit den französi- schen und englischrn in eine Reihe. Italiens Abtheilung ist klein, nicht sehr ansehnlich, bietet aber den reichsten Ztoff zur Belehrung und zum Studiuni. ,
Aehnliäpes laßt sich von den skandinavischen Staaten sagen, denen troy der geringen nationalen HÜYquueÜen und ihrer schWachen Beziehungen zum leibgndel doch em lebhaftes Streben und ein entsprechender Fortschritt im Kunstßewcrbe nicht abzusprechen ist.
Spanien und die kleineren Lander mit Auönakxme der Nieder- lande nehmen eine zkveiie Stellung ein imd verschwinden mehr oder weniger unte_r dem Glanze, den Frankreich unzwäfelbaft auf diesem Gebiete ausstrahlt, , ' .
Ein großer Vortheil "tft übrigenS'troß der vielfachen Mangel- baftigkeiten und der Unnbersicbtlicbkeit der diesjährigen Ausstellung hervorzuheben, dqß es nämlich dem Beschauer ermöglicht ist, beim Durchschrertrn einer 'Trayers'c des Jndustriepalaftes in einer be- stimmten Richt.:ng die namlichen Erzeugnisse aller Länder prüfen und vergleichen zu können.
Die Annoncen-Expedition von Haasenftein &Vogler
hat soeben die 17. Au ihres Insertions-Tarifs und Dieses Verzeichnis; ist aus umfangreichem Material mit großetxt Fleiße und entsprechender Sachkenntnis; redigirt Worden. Durch Ausnahme von Neuerscheinungen, sorgfältige Berüäiichtigung inzwischen vorgekommener Aeriderungen und Verbesserungen empfiehlt sicb die vorliegende Auflage dieses Katalogs" in gleicher Weise wie die früheren AuSgaben desselben.
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Auch das National-Tbeater wird während des Sommers geschlossen und erst am 1. September wieder eröffnet werden. ' . morgige vorleße Vorsteüun?jk „König Lear“, worin Hr. Kahle die Titelrolle, Hr. Krause den arten ,und Hr. «Hofmann „den ar spielt, ist zum Benefiz für das artistische Persongl bestimmt. Sonntaa ßndet die letzte und zugleich AbschiedSvorjteÜung der Haut- burger Gäste statt. . _
_ Jm Ostend-Tbeater wird am Sonnabend eiue Novitas: „(Ehre den Frauen" 'von Heinrich Gicrs zur Aufführunz kommen.. Im Garten findet em Extra-Konzrrt statt.
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