1878 / 147 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 25 Jun 1878 18:00:01 GMT) scan diff

Prioritäts-Stammaktien und 791 078 900 .“ Prioritäts-Obli- ationen uyd die' Länge derjenigen Strecken für welche dieses Zmoital mxnt tft, 4.545,5911111, so daß auf se 1 km 275 419.71! enkfallen. Bet den unter Privatverwaltun stehenden Privat- Eisenbahnen _ ausschließlY der Uelzen: angwedeler Ei en- ba n _ betrug Ende ai d. I. das gesammte on- zes tonirte .Anlagekapital 3 039 193 507 „74 (1 066 621 108 «46 Stammaktten, 331 602 750 „45 Prioritäts-Stammaktien und 1 640 969 649 „46 PrioritätOObligationen) und die Länge der- jenigen Strecken, für welche dteses Kapital besttmmt tst, 11913,65 km, so daß auf je 1 11111 255102 „76 kommen.

_ * den deutschen Münzßätten bis zum 15. Jun 1878 geprä t worden, an oldmünzen: 1211086080 „46 Doppel onen, 365 365510 _.,76 Kronen, 27969 925 „44 hälbe Kronen; hiervon auf anatrechnun : 284810 280946; an Silbermünzen: 71 653 095.76 5-Markstü e, 97 810 892 916 L-Markstücke 148 848 161 «46 1-Markstücke, 71486 552 „46 50-Pfennig "cke, 35 717 922 «76 80 -e3 LWPfennigstücke. Die Gesammtaußprägung an Goldmünzen betrug: 1604 260 805 «M, an Silbermünzen: 425 514 794 „sé 20 „„Z.

' _ Bis Ende Mai 1878 sind für Rechnung dcs Reichs an Landes : Silber: und Kupfermünzen zur Einziehung gelangt: 3. Landes: Silbermünzen: Thalerwährung 811 742 246 „774 91 43, süddeutsche Guldenwährung 195 688 406 876 56 ,;Z, Kronenthaler 7 974 020 „76 11 „Z, Konventionßmünzen des Zwanziggulden- TELE 1 910 327 „76, Silbermünzen Kurfürstlnx und König- 1 sächsischen (He räges 608 567 «776 42 Y, ilbermünzen s leswig-holfteinis en Gepräges 1617855 „776 49 43, Aeltere

ilbermün en hannoverischen Gepräges 1613 976 45 „3, mecklen- burgische ährung 204 517 978 63 ,:Z Hamburgische Courant- währung 1766 967.716 25 H, Lübische ä rung 754 996 «76 MH, Gesammtwerthz.10222695172687-3;_8.LandeSkupfer- münzen: Thalerwährung 2 665 474 976 56 Y, süddeutsche Währung 647 208 „776 44 Y, mecklenburgische Währung 62 342 (774 78 43, Gesammtwerth 13. 3 375 025 «78 78 ,:Z; hierzu Gesammt- werth 5. 1 022 269 517 775 87 H, Summe 1 025644543 „76

65 H.

_ Der Justiz-Minifter hat die Behörden seines NeffortS mittelst Cirkular-Erlasfes vom 8. Dezember 0. J. angewiesen, die durch die §§. 2 Nr. 4 und 4 Nr. 5 der Kontrol-Ordnung vom 28. September 1875 behufs der Kontrole vorgesehenen Venachrichtigung6n fortan ohne Verzug, und zwar nicht erst _ wie b1sher angeordnet war und geschehen ist _ nach der Eröffnung der Unter- suchung, bezw. nach der Einleitung der Voruntersuch12ng, sondern schon zur Zeit der Einbringung des auf Unter- suchungSeröffnung oder Voruntersuchungseinlsi: tung gerichteten Antrageß den Erfaß: bezw. Landwehr-Be- hörden zugehen zu lassen.

_ In einer Untersuchung wegen Chaussee-Zoll- Kontravention hat das Ober-Tribunal durch Erkennt- niß vom 16. Mai d. J. aus esprochen, daß die Chauffeever- waltungen berechtigt sind, an für die Benußung von Chaussee- strex-ken, die Jemand“ befahren kann, ck51“ eine Hebesteüe passrren zu, müssen, das tarifmäßige Chan eegeld zu erheben. Der zur Zahlung Verpflichtete' muß in diesem FaÜe zum Zwecke der Entrichtung des Chausseegeldes entweder an der Hebestelle (selbst wenn er dadurch zu einem Umwege gezwun-

en ist) vorüberfahren oder in einer anderen Weise mit dem Zoüpächter ein Abkommen treffen.

_ S. M. Panzerfregatte „König Wilhelm“, 23 Ge- schüße, Kommandant Kapitän z. S. Kühne, ist am 25. uni auf VortßmouthWhede gegangen und beabsichtigte am 26. uni über Folkestone dje Heimreise anzutreten.

* Bayern. München, 24. Juni. (WTB) Auf Be“- lschluß der Polizeidirektion ist der hiesige fozialdemo- ratische Nrbeiterverein geschlossen worden.

Sachsen. „Dresden, 24. Juni. Die ErsteKammer verhandelte in' threr heutigen S1ßung über die zwischen den Beschlüssen be1dcr Kammern bezüglich des Gessßentwurfs, Best1mmungen ur Ausführung des Gerichts- verfass 1117115133? eHes 2c. ent altend, vorhandenen Diffe- renzen. Du? der Wettem größte ahl dieser Differenzen wurde durch Be1tx1tt zu den Beschlü en der Zweiten Kammer erledigt. Abgelehnt wnrde der von der Zweiten Kammer be: schlossene Paragraph, nach welchem das Aufrüchen der Ober- LandeSgerichxs-Rä-the, der Mitglieder der Landgerichte und der AthtrhtLr, deren etatswäßiger Gehalt Nicht mehr als 6000 «77: beträgt, nach dem Dienstalter stattfinden sol]; ferner die Bestimmung daß die Mitglieder des Ober-Landes:

ewchts, mit Emschlué des. Präsidenten und der Senats- räsidenten, wider ihren WWW nicht in eine andere StelTe

verseßt wsrden, können,_ und endlich die von der weiten

Kammer bezülgltch des Dtéziplinarverfahrens gegen ri terliche

ZelPFte besoh offenen Abweichungen von den diesseitigen Be- u en.

, Oestxrreich-Un arn. Wien, 24. Juni. (W. T. B.) Dte „Pola; Korrejp.“ veröffentlicht folgende Meldungen: Aus Adxtayop-el: D1e'türkische Armee hat inden leßten Tagen Galxpolr ynd Bou_la1r, sqwie die Befestigungen daselbst bedeu: tenb yer tärkk. Dtezdorkge türkische Armee wird von O8man NVUU gfchxbefethgt, w0lchen die' Genexäle Ibrahim Pascha und Ha 11. 9111 Va cha ugtexstüßeiz. _ Aus Belgrad, 24.: Serbten“ hat zur „Komplenruyg ferner Kri Sbereitschaft neuer- dings von der russischen Regtexu'n 460 000 mperials-erhalten. Generak Totleben hat behqu-Éest 7111mg neuer DemarkcktionS- linien it) Altherhien und; eskVulgarien mehrere russtfche Stabsvfftzixre in" das seubtsche Hoaxthuartier sntandt. Ge- (txrabl, Fadejeff befindet sich gegenwärttg auf" einer eise durch

01: ten.

_ 25. Juni. _(W. T. V? Das „Fremdenblatt“ be- tont, daß der türksckÖe deertand, sobald s1ch Nußland-ohne Hintergedanken mit esterreich; und England auf den Boden "des: europäis sn Rechtes- steUe, "ede ernste Bedeutumé verliere. Zum „letzten ale sei den Tür en die Möglichkeit ge oten, ihr taatltches Genieinwesen zu reorg anistrenx=wenn dieselben diese Gelegenheit_* abermaYSUorüberge-henlassssw solXten, würden“ ste Europa zxmngen, “eme. Lösung ohn'e- ie zu. versuchen. _ Die „Preske“ enthält' eine von emem hervorragenden Kenner der Ver kanhalbinsel herrührende Zuschrift, in welcher nachge-

, Rentezwer cherung

wiesen wird, daß eine un ethderZe Eisenba nverbindun von Novi einerseits, von Vroo andererseits na Salonichi upt- sächlich im Interesse Europas gelegen sei.

Großbritannien und Irland. London, 24. Juni. (W. T. B.) Die Beisetzung der Leiche des vor- maligen „Königs Georg 7. von Hannover hat heute Vortmttag um 11 Uhr in Windsor statt efunden. Die Königin Victoria, der Prinz von Wales, der Frinz Leopold, die Prinzesfin Beatrice und andere Mitglieder der englischen Königsfamilie wohnten der Feierlichkeit bei. _Im 11 n te rh (; u s e wurde heute Vie R i n d e r p e st b i l [ zum zweiten Male gelesen. Der Deputirte or-"ter spra fich gegen die Bill aus, insbesondere Fegen die cft'xmmung erselben, daß das aus dem Auslande ommende Vieh am LandungSplaße geschlachtet werden sol1. Durch die Via würden die Viehvorräthe verringert unddie Fleischpreise erhöht werden, ohne daß der Viehseuche wirkmm gesteuert werde. Auch erscheine die Vorlage seuchenfreien Ländern gegenüber unbillig und ungerecht. Der Kolonial: Sekretär Hicks Beach erklärte: mit der Bill werde ein Schutz der inländischen Viehzucht keineHwegs beabsichtikzt, ebenso sei aber auch in Bczug auf Vieh das Freihandes: system unmöglich. Eine Prinzipienfrage liege nicht vor es handle sich lediglich um dcn größeren oder geringeren Grad der einzuführenden Beschränkungen. Die Debatte wurde schließlich auf morgen vertagt.

Frankreich. Paris„ 25. Juni. (W. T. B.) Bei dem Banket, das am estrtlgen Jahrestage der Geburt des Generals Hoche in Ver ail es Frattfand, sprach Gambetta in warmer und anerkenncnder Weise von der französischen Armee, die keiner Partei, sondern Frankreich angehöre. Das von Gambetta auf die Einheit Frankreichs ausgebrachte Hoch wurde mit den Rufen: Es lebe die Republik, es lebe die Armee! aufgenommen.

Spanien. Madrid, 24. Juni. (W. T. B.) Die Königin ist heute Morgen in Gegenwart deH Königs und der Köni lichen Familie mit den Sterbe-Sakramenten ver- sehen wor en.

Italien. Rom, 24. Juni. (W. T. B.) Die italie- nische Regierung hat bekannt gegeben, das; der Ver- längerung des Handelsvertxages mit Oesterreich bis zum Ende dieses Jahres xhrerseits kein Hinderniß entgegenstehe.

Türkei. Konstantinopel, 24. Juni. (W. T. B.) Sowohl auf russtscher wie auf türkischer Seite finden fort: geseßt Truppenbewegungen m der Nähe von Konstan- tinopel statt.

_ (W. T. B. Seitens der Hohen Pforte wird nichts gegen die estrebungcn eingewendet, welche das armenische Patriarchat macht, um eine Ordnung der Verhält: nisse der armenischenChristen herbeizuführen. Die in Berlin anwesenden armemschen Erzbischöfe werden nach dem WilXen des Patriarchen Narses keinerlei Schritte thun, welche ir endwie di'e Souverä' ' ät der Pjortc tangiren. Es handelt si vielmehr darum/l ale Or aniyationen herzustellen, welche die Autonomie der axmen-isYen Christengemeinden sichern. Beschwerden Über Bedrückung deS armenischen Kultus bilden durchaus ,nicht einen Klagepunkt, den man etwa den Kon- greßmit liedern vortragen wollte. Für die lokale autonome Organi ation der Gemeinden würde eventuell der Patriarch Narses mit einer Deputation vonZGemeinden aus Musch und Wan sich nach Berlin begeben.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 25. Juni. (W. T. B.) Das , Journal de St. Pétersbourg“ re- produzirt den kürzliÖ vom „Golos“ publizirten ethnographischen Protest der Pforte gegen die durch den Vertrag von San Stefano festgestellte Grenze Bulgariens und weist ebenfalls nach, daß die statistischen Bevölksrung-Zverhältniffe BulgarienS in dem Aktenstücke absichtlich entstellt seien. Die Pforte habe dabsi den Zweck verfolgt, das Gewicht des bulgarischen Fl,?jßeptes geringer erschemen zu lassen, als es in Wirkkich- 61 61.

_ (W. T. B.) Die Nachricht der „Morning Post“ von einer in Aussicht genommenen Reise des K ais ers Alexan d Lr nach Berlin wird in unterrichteten Kreisen als unbegründet bezeichnet. Schon daS dexzeitige Befinden hrer Majestät der Kaiserin, welche stel) zwar in der Beserung befindet, aber immer noch leidend ist, ebenso wie die Rücksicht auf die für die Heilung dss Kaiserlichen Oheich noth- wendige Ruhe sprechen gegen eine derzeitige Reise nach Ber- lin. _ Die auswärts immer wiedsrkehrenden Gerüchte von ejncm Rücktritte des Finanz-Ministers von Reutern smd heute nicht_ begründeter als YM Zeit des Krieges. Der ?inanz-Minixter hat schon vor .;ahr und Tag feinen Wun cl), steh in das Privqtleben zurückzuziehen, auSge: sprochen, ist, aber in Rücksxchts ayf die s wierigen Ver- ?ältnisse, die jeder ernste Krieg Mit steh bringt, im Amte e-

ieben. Es würde erst mö§11ch„ sein, daß nach Eintritt 115 ig ruhiger erhältnisse der a seitY anerkannte Leiter unserer Finanzen sxck) zurückzieht. Jeßt md derartige Gerüchte, sowie die Über eventuelle Nachfolger mehr „als verfrüht.

Statiftische Nachrichten.

„Aus, einer „A.öhandlun? von H; Brämer, Welche die Zeit- chrtft desxKömgb'ch preuß scben stanstisckoen Bureaus im zweiten este des laufenden Jahr anges vernöffqntlichen wird, theilt die „Stat.

Corresp.“ die folgendxn- _ngaben uber“ die jüngste Entwickelun der

Le-benLversicber'ung tn reuß-en und deren Stand rend

der Jahre 1875 und 1876 m t.

Es umfaßten danach in Preußen am Jahresfcbluffe: Policen versicherte Summe 1875 1876 1875 1876

die «778 «M. Kapitalverficherunxk - auf den TodeSfC 438 912 451 558 975 523 861 1 038 555 310 auf.:deanebenSsaÜ 56 339 54 573 42 508870 44203 756 75.400 75012 . .

Jm, _ qnzen,waren biernack) in Preußen, wenn auf eine Police durchschmttl1ch eme Pxxson IYéexechnet wird, 1875: 570 651, 1876: 581143 ersonen, 0.1.1111 tttel 2,2 % der“"Bevölkerung an der Lebensv cherunßbetbeiligt. Davon Hatte die weitaus größte Zahl, 1876: 77,70%, en “Vertrag auf den Todesfall geschlossen und nur 9,39 0/0 die, etnmalige' Zählung eines Kapitals bei Lebzeiten vnd

12,91 “/0 eine jährliche Renke fich axsbcdungcn.

Es fielen Ende 1876 auf 1000 EiuwssZYeert aKgf 1itPlolice * ver 1 r es ap a . ' Poltcen. ““ ““ m Xreußseq. . . . . . 19,66 42061 2 139 in ran etcb . . . . . 4,34 33 076 7 615 in den Vsreini ten Staaten 18,07 176 270 9 755 - In der Kapita Sverstcherung auf den Todesfall fielen überhaupt von 100 verficberten

verficherte auf die Ende Personen Summen sPero Sum- onen

".Es 3 3333 33333 333233333 1: 0 en . . . . . 4 deut chen Aktien -Gesell- 11867 139 681 339 890 085 i aften . . . . „11876 237 974 631446 870 ..,e..........3.....ch.., 33333 3333 3333333 11 . . . . . . . . 1867 188009 520897 929 zu'amme" ' 41876 364025 1022215511

Land- und Forstwirthskhaft.

' Ueber, die, Hagelscbläge und Hagelbesckyädigungen tm Köntgretch Württemberg während der 50 Jahre v"on 1828_1877 entnehmen wir „den württembergischen Jahrbüchern fur Statistik und Landeskunde" folgende Daten: In den letzten 50 Jahren find von den 3 714 470 Morgen (: 1 170 675 118) anlgebauten Lanes gn Aexkern, Gärten, Weinbergen und Wiesen, we ehe das Komgretcb Wurttxmbxrg'umfaßt. im Ganzen 1697157 Morgen d. b. nahezu 46% oder jahrlich xm Durchschnitt 33 943 Morgen ( = 10 698 118) verbagelt worden mit einem Gesammtscbaden von. mäßig gerechnet 67 896000 F1. : rund 1161; Millionen Mark. In den lxßtcn '50 Jahren Wurden 672 Hagelta?e mit 1801 Haaelfällen ge- zahlt, m einkem Jahr? also durchschnitt ich 13,42 Hageltaae mit je 2,69 Hagelfaüen. Dte Hagelperiode fällt in die Monate Februar bis September, und zivax auf den Februar 0,3% (nämlich 2 am 9. und 15. Februar 1848), April 0,4, Mai 12,8, Juni 30,3, Juli 34,9, Aggust 18,2, Scptemßer 3,1% sämmtlicbcr Hageltage. Das spatests Hagelwe'tter ist für den 25. September 1841 ver- zeichnet. Htstortsch überliefert find aber noch spätere Hagel- fäl]: aus dem Jahr 1370, wo nach einem kalten, die Reben vernichtendm Herbst der Winter mit Donner, Blitz und Hagel begann, und ' Vom 16. November 1420, Wo ein Gen'itter das Land vom Rhein 1118 an den Lech und Bodensee verheerte. Die Häufigxeit des HaZels Wechselt von Jahr zu Jahr sehr. 1842 und 1867 zahlte man , 1852 dagegen 26 Hageltage. Die Jahre größerer Hänßgkeit finden fich in der ersten Hälfte der 50jährigen Periode mit durchschnittlich 14,84 Hagelta en per Jah gegen 12,04 'ähr- lichen Hqgeltagen in der zweiten Zalbperiode. Zluch binsichtli der geographtscben Verbreitung ist die erste Hälfte mehr belastet, als die zweite; es kam damals häufiger vor, daß eine große An- zahl von Bezirken und Markungen betroffen Wurde. Aber in den einzelnen „Jahren gehen Häufigkeit und au5gedebnte Verbreitun nicht zu1ammen, nur da;; Jahr 1873 macht eine Aus- nahme, es ?tth in allen Beziehungen voran. Aebnlicbes ergiebt fich, wenn man die Jntenfivität des Hagelscblagcs ins Auge faßt, d. h. die Größe des zerstörten Feldes und den Werth des angericbtejen Schadens. Der Werth des Ertrages von 1 Morgen ist hier zu 40 Fl. (68 «776 57 „Z) angenommen und die vom Hagel getroffene Fläche auf ,die Größe einer vollständig im Ertrag vernichteten

[äche reduzrrt also z. B. 50 Morgen, von denen 1/5 des Ertrags verloren it, zu 10 Morgen berechnet. Von der ganzen an- gebauten [äche Wurden durchschnittliä) im Jahre 0,91 % verhagelt mit einem Schaden von je 1357 360 F1. = 2.3 Millionen Mark. Extreme find das Jahr 1833 mit 0,15 % verbagelter Fläche und 222 800 Fl. Schaden und das Jahr 1873 mit 2,75 (1/9 und über 4 Mill. Gulden Schaden. Von dem Gesammtverlust, welchen Würt- temberg in diesen 50 Jahren durch Hagel erlitten hat, kommen 45,31 % auf die erste, 54,69 % auf die zweite Hälfte der Periode. Daraus wird der Schluß gezogen, daß die einzelnen Gewitter ver- derblicher gewvrden find.

Gewerbe und Handel.

Königsberg 7. Pr., 24. Juni. (W. T. B.) Wollmarkt. Die Zufubren betrugen 16000Ckr. Die Wäschen find mittekmäßjg. mitunter klamm. Für gute Wäschen und gute Tuch- und Kamm- woÜen Wurde ein Preiöaufschlaa von 1_2 Thlr. erzielt; Mittel- Stoffwollen und Mittelwäschen behaupteten die vorjährigen Preise abfaÜende Sorten blieben noch darunter. Der Markt, Welcher fast beendet ist, war von zahlreichen Käufern besucht.

Güstrow, 24. Juni. (W. T. B.) Wollmarkt. Die Zu- fuhren betragen 13 000 CU„ der Durchschnittspreis war 56 Thlr., 2_3 Thlr. höher al."- im vorigen Jahre. Einzelne Posten hochfeiner Wollen wurden mit 60 Thlr. bezahlt. Das Geschäft War in den ersten Stunden des Marktes sebr lebhaft, später stiUer. Es sind ungefähr zw 1 Drittel der Zufnbren verkauft.

_ Der Generalversammlung der Schlesischen Aktien- gesellschaft für Eisengießerei, vo_rm. E. Schmidt & Comp., wurde Bericht über den Stand der Liquidation erstattet. Nach diesem Bericht ist das Fabriketabliffemcnt und Zubehör am 5. De- zember v. I. für das Meistgebot von 500 000 «M verkauft worden; das Meistgebot reichte nicht hin, die auf den verschiedenen Hypotheken- folien eingetragenen Schulden zu decken, so daß andere Gläubiger und die Aktionäre nichts erhalten.

_ Nach dem Geschäftsbericht der Do 11 nersma rckh ü tte wurdc pro 1877 ein Ueberschuß von 582 829 “M erzielt, so daß der Vor- befiTer beizufteuern hatte. Der einschließlich diefes Zuschusses fich arge ende Ueberscbuß von 1 200 695 „46 Mrd wie folgt vertbeilt: der Reservefonds erbäl“ 29141 «76, zu Abschreibun en werden als regu- lärer Betrag 29141 «76, als außerordentliche A schreibungen auf die Werke 502 412 „76, zusammen 531 533 «76 verrvendet; von dem Rest erhalten dia Aktionäre 30/0 Dividende mit 540000 „74

_ Der Einlösugscours für die Silbercoupons der öster- reichischen Eisenbahn-Gesellsckpaften an denveutfchen Zahl- stellen ist bis auf Weiteres auf 175,50974 per 100 F1. österr. Silber festgeseßt worden. In voriger Woche betrug derselbe 177 «74

_ Unter dem Titel .,Oesterreicbs Handelsintereffen im Orient" ist bei Karl Koneger in Wien eine Brochüre erschienen, deren Mit- theilungen wtr nachstehende Daten über Oesterreicbs Handel nach dem Orient entneth. Während der le ten 10 Jahre hat Oesterreicbs Export in die Türkei und über die elbe zugenommen: bei raffinirtem Zucker um 65,6 0/0, bei Papier und Papierwaaren 59 %, chemischen Produkten 33,9 "/0, Leder, Leder- und Gummi- waaren 14,5 0/9 und Baumwollxvaaren 11,2 %. Wollwaaren, sowie Glas'und Glaswaaren find fakt stationär geblieben. Abgenomn'ten bat dre Ausfuhr von Seidenwaaren um 70,1 0/0, edlen Metallen and Münzen (Maria Theresia-Tbaler) 49,5 %, Metallwaaren 47,5 %, kurzen Waaren 37,9 %, Kleidungen und Puywaaren 23 0/0- Leinen- waaren 10 %, Zündwaaren 6,8 W Eisenwaaren 0,2 %. Zugenom- men hat aucb die Ausfuhr von rkbolz.um.46,7 %; daga en die Ausfuhr von, Kochsalz um 83,7 % abgenommen. Der TranTUo hat in der genannten Richtung im gleichen Zeitraume erheblich (: engm- men. Diejenigen Waarenksaffen, in welchen Oesterreich die (WM- lichen Märkte bebau ,tet, sind vorzu sweise Mehl und Mablprodukte, worin es um 5,5 M 11. Gulden me „r exportirt, als die Durcbber beträgt; ferner Zucker, worin_ ein Mehr von 5,2 Mi . Gulden besteht, sodann Papxer mit einem Mebr vvn 3,8 Mill. Gulden, weiter GlaSWaaren, Metallwaaren Lederwaa en, chemi che Produkte, ebrannte Flüsfigkeiten. Ein entscßiedenes Ue, r- gewi t der Durchfqu findet dagegen takt bei der wichxiäen Klasse der Web- und Wirkwaaren, wobei ein efizit von 4,2 Mi “. Gulden und bei Garnen, worin ein Defizit von 1,4 Mill. Gulden stattfindet. DexHatzptbedar an Mehl in der Türkei wird genwärtig nicht von Oesterreich bestri en, obwohl letzteres im Jahre 18“ 6 für 6,7 Miki. Gui-

den Mehl und Mablprodukse nach den südöstlichen Ländern abgab, son- dem es domimren auf den türkischen Märkten und namentlich in Konstantinopel die Mahlprodukte aus Rußkand, von denen ein Quantum im Belaufe von etwa 8 Mill. Gulden jährlich nach der Türkei gebt.

VerkebrS-Auftalten.

New - York, 24. Juni. (W. T. B. Die Dampfer „Erin“ und , rance“ von der Nationa - Dampfschiffs- Compagnie C. Mesfing'scbe Linie) find bier eingetroffen.

Plymouth, 24. Juni. (W. T. B.) DtesHamburg_er Ptostfédampfer .Allemannia" nnd ,Wieland' md bier em- ge ro en.

Berlin, 25. Juni 1878.

A u f r u f.

Am dieSmaligen PfinZstfest hat daS Christenvolk Preußens und Teutschlands einen a gemeinen Bußtag begangen, Zwei- mal binnen drei Wochen hat Frevlerhand auf das Leben Sr. Majestät unseres Kaisers und Königs einen Mordversuch gewagt. Zn Schmach und Schmerz verhüÜt das kaum ge- einte Deutsche Reich sein Haupt. Während die Wage wischen Furcht und Hoffnung schmankt und aller Orten d1e

ürbitte von dem König aller Könige die Erhaltung“ des geliebten Monarchen crfleht, drängt es Tausende zur Errxch- tung einer soxzenannten V0tiv-, d. i. Dankes: und Gelöbnzß: kirchs in Berlm. Hier in der Hauptstadt des Reichs, hter am Orte der doppelten Meucheléhat und der doppelten 'Be- wahrung durch Gottes Barmherzigkeit soll diese Gelöbnißkwche stehsn, eme Stätte des Dankes und Gebetes, ein Mahnruf aus Stein an vorüberwandelnde Geschlechter.

Ohne daß wir andere und größere Unternehmungen, die viekleicht in diesen Tagen des Volkes patriotische Bewegung aussprechen werden, irgendwie beeinträchtigen wolLen, ist es unser Wunsch, mit jenem Bau das Gelübde erneuter treuer Hingabe auSzusprechen an das christliche Bekenntniß unserer Väter, an das Erbe unserer vaterländischen Geschichte, an daS Haus Hohenzoüern. Die Mit: und Nachwelt sol] es wissen, wie in schreckensvoklen Tagen, als wider göitliche undimensch- liche Ordnung ein Abgrund vokl Umsturzgedanken s1ch aux: gethan, wir unsere Augen aufgehoben zu den Bergen, von denen uns Hülfe kommt.

Der mitunterzeichnete Banquier Loesche ist bereit, Gaben für diesen Zweck in Empfang zu nehmen. In den Provinzen müssen sich Sammelstätten hisrfür btlden.

Laßt uns nicht säumen! Und Gott sehr: das Unternehmen in Gnaden an!

Berlin, im Juni 1878.

v. Ollecb, General der Infanterie; Graf Arnim-Boißen- burn, Ober-Präsident a. D.; 1). Baur, Hof- und Dompredi er; 1). Brückner, Probst und General-Superintendent; 1)r. BÜÖJeL, Kastor uud General-Superintendent; v. Bülow, Kammergerichts-

eferendar; C urtius, Professor; Eichmann , Ober-Pxäfident a. D. , W. . , .; 1). Frhr. v. d. Golß, Probst nnd Ober-Konfistorialratb; C. Hoppe, Fabrikbesißer; 111. Kie f;- ling, Gel). Regierungs-Ratk); 1). Kögel, Ober-Konfistorial-Ratk), Hof- und Domprediger; Louis Krüger, British-Hotelbefißer; v. Le Coq, Wirkl. Geb. Ratb;_ Adolf Loesche, Banqnier, Ora- nienburgerstr. 20; v. Rohr, Wtrkl. Geb. Rats) und Ober-Tribunals- Vizepräfident; S a ck ß e , Obcr-Postdtrektor; S ck w a rßko p 7, Geh. Kommerzien-Rath.

Bekanntmatbung. «:;

ür die Hinterbliebenen der mit S. M. Panzerfregatte „Großer Kurfurst“ Verunglückten smd bei dem unterzeichneten Vorstand der Marine-Stiftung ferner emgegangen: von Hrn. C. Sommer zu Rotenburg a. 1). Fulda «44 6, von rn. C. S. zu Berlin ck- 30, von der Expedition der Weimarschen eitung „76 520, von Hrn. Oberst T. K. «76, 100, von der Firma Anhalt 11. Wagner „46 1000, von der Redaktron des Hannoverschen Anzeigers „76 170,20, von dsm Leipziger Fülsswmifß „M 2313, vom Magistrat zu Gütersloh, Ertrag einer ammlung „56 483,19, von der Expedition des Militscher Kreisblattes, Ertrag d. Samml. e. fröhl. Gesellschaft „74 9, von Hrn. RcÖtSanwalt Goldstaudt in Danzig, Ertr. ?. Samml. i. d. Altschottländer Synagogengem. das. 274 109,42, 1). d. Hrn. Hoflieferanten A. Mübling hier, Ertr. e. Concerts 916 404,60, v. Hrn. Pfarrer Grasbof jn Sückyteln, Ertrag e. kirchl. Samml, „M 18,84, v. d. Kaiserl. cbmes. Gesandten Hrn. Liu-Ta-jén 918 200, v. Hrn. Pastor WieSner in Kriegstädt bei Lauch- städt «76 10, 1). Frau Vabland i. Plymouth, Ertr. e. Samml. „78. 569,50, durcb Hrn. Kapitän zur SeeGrafen v. Monts „744 159,40, v. Hrn. O. Staudinger in Leipzig, in Vertretung des Leipziger Hülfs - Comités , weiterer Ertrag der Samml. «46 320884, v. d. Mitgliedern d. Aufsichtöratbs der Stettiner Masch5.-Akt.-Gese11sch. .Vulcan“ zu Stettin «778 2000, v. d. Direk- tion derselben Gesellschaft «78 10 600, v. Hrn. Kaufm. Johs. Bock in Kiel „76 100, v. d. Kommando d. Ostfries. Instr. Regts. Nr. 78, Ertr. e. Konzerts, 976 251,20, in Summa «M 22 263,19, Hierzu der Betrag der unterm 17. 19.-M. vcröffentlicbten Gaben „76, 29 004. Mithin bisher bei der Stiftung eingegangen „44 51 267,19. Fernere Gaben Werden dankbar entgegen genommen von dem “Vorßßenden, Geheimen Admtralitäts-Rath a. D. eymann, bier, Frie richstraße 7, und dem Schatzmeister, Kommerzten-Rath Jürft, ier, Chauffeestra e 28. , Berlin, den 4. Jun: 1878. Der Vorstand der Marine-Stiftung „Frauengabe Berlin-Elberfeld“

Seit Sonnabend sind, im Uhrsaale der König- lichen Akademie der btldenden Künste die in Folge des Prei-Zausschreibens der Exekutwkommission für die Er- richtung eines Liebig-Denkmals in München (vom s1T.“(*“tZeptember v. 3.) eingesandten Modelle öffentlich ausge-

e .

Auf Grund des Erlafses der Köni [ichen Ne kerung zu Potsdam vom 23. Mai 1878 bringt der hiesßge Ma isérat zur 6 entlicben Kenntniß, daß das von der Stadt emeznde erlin zur nle uns eines V1ebhofes an ekaufte Terra n m der eldmark Lichten erg, Wie die südlich an affelbe stehenden Grunds cke bis zur Rank- urter Allee, einschließlich der angrenzenden Theile der ran rter

[lee und der Verbindungsbahn mittelst Allerhöebfter rdre vom 30. März 1878 unter Abtrennung von dem Gemeindebezirk Lichten- berg, Kreis Niederbarnim, mit dem Stadtbezirke Berlin unter der Maßßabe vereinigt worden stud, daß die Grenze dieses Abschnittes im J orden und Osten von der gegenwärtigen äußeren Eigentbums- grenze" der Verbindungsbabn und im Süden von der Südgrenze der Lüdlicben Promenade der Frankfurter AlLee gebildet wtrd. Der oben ezeichnete neue Weicbbildstbeil ist mit ustinxmung der Stadt- verodrdneten-Vecsammlung dem Frankfurter A eebeztrk 116 zugetbeilt wor en.

Cannstadt, 24. Juni. (W. T. B.) Heute smd unter großer Betbeiligung der_B_evölkerung die Enthüllung des Grab- ??eln'émals Frerltgraths statt; die W..“ibrede hielt Profeffor

(11 er.

Weltausstellung in Paris 1878. 17.

Ausstellung der bildenden Künste. Paris,19. Juni.

Mäße man den Werth einer Sammlung von Kunstwerken nach der Ausdehnung des Raumes, welchen sie einnimmt, und nach der Größe _der einzelnen Objekte. so müßte man von vornherein die französijchc Abtheilung voranstellen, denn diesclöe nimmt fast das Doppelte des Raumes 0119: anderen ausstellenden Staaten zusam- mengenommen ein. Und doch ist es gerade hier die kleinste, der Außdebnnng nach bescheidenste Sammlung, welcbe ihrem Werthe nach als erste genannt zu werden verdient: die Abtheilung Deutsch- lands. Esistdies von so verschiedenen Seiten, selbst von der Kritik des Landes, in welchem das große Friedenswerk von 1878 geschaffen wurde, und von so maßgebenden Stimmen bxtont worden, daß es an dioser Stelle, ohne Gefahr, der Parteilichkett beschuldigt zu Werden, einfach wiederholt und bikräftigt werden kann.

Schon die in ihrer Art einziae, geschmackvollch Vornehmheit der Ausstattung und die den künstlerischen Exndruck hebende, feine Nuan- cirung des Licht- und SÖatteneffcktes laßt den deutschen Saal im GegensatZ zu anderen um so gklungener hervortret6n. Während man ferner in allen andcrcn Abtheilungen neben guten und mittelmäßigen Werken einer großen Zahl geringwerthiger begegnet, findet man hier

. eine Sammlung außerlesener, nur guter Gemfxlde, welche sich aus

ihrer Umgebung von immergrünen Blattpflanzen und duftigen Ge- wächsen höckost vortbeilhaft abheben.

' Es existirt in dem ganzen Jndustriepalast kein Ort, welcher fich durch gelassene Vornehmbeit, künstlerische Harmonie und Schönheit mit diesem, am äußersten Ende dex gayzen Kunstabtheilung ge- legenen Elitesaal vergleichen ließe. Hter lst der einzige Raum in dem weiten Gebäude, welcher den von der„langen Wanderung Er- müdeten aufatbmen läßt und ihn zum temen ungetrübten Kunst-

genßYinladet. ,

ist bekannt, das; das Verdienst hierfür in erster Reibe Hrn. Direktor A. von Werner zuerkannt werden muß, der mit Unter- stüqung des genialen Münchener Bildhauers Gedon, dessen Thätigkeit schon bei der 1876 stattgehabten Ausstellung zu München fich vorzüglich bewährt hat, es ermöglicht hat, innerhalb 9 Tagen ein Arrangement zu treffen, Welches der zwar nur geringen Anzahl von MeisterWerken das glänzendste Relief giebt. . '

Von dem an der Hinterfront, nach der 110018 111111158178 zu ge- legenen Vestibul des Jnduftciepalastes führt ein prächtiges Portal von schwarzem1Holze mik Vorhängen von gobelinartigem Stoff, über welchem das deutsche Reichswappen prangt, in den deutschen Kunstsaal. Die Architekturtheile des Portals find mit reichge- schnitzten Kapitälen und mit fein gravirten, imitirten TElf-knbein- platten, im Stil italienischer Hochrenaiffance, verziert, während zwei koriritbische Säulen von derselben Holzfarbe das Portal flankiren unk?) Zia in der Mitte Unterbrochener, flachbogiger Giebel dasselbe er 0 1.

In dem Saal selbst se t fich das schwarzx, stark polirte Hoxz- werk als Wohl efäUigcr c-1)ck-:l und ties sort und hebt stxb egen die dazwis en gespannte, rotbbläu iche, starke Stofftapete m1t reitem, vertikalem Sammetstreifen von etwas dunklerer Farbe sehr vortheilhaft ab. Das Oberlicht ist vermittelst eines Leinxn- dacbes sanft abgetönt, so daß die Wirkung der Beleuchtung eme tadellose gekvorden ist und Licht und Schatten die feinsten Nuancep zulassen. Uebkr dem Fries, bis zur Höhe.. ._dxr..qufonds smdfidxe Wände durch eine Tapete m unbxstimmter goldgrünltcber Farbe „1ebr geschmackvoll bedeckt. In dem werten Raume des Saales selbst btlden Pflanzeßgrnppen und flache in den Wänden angebrachte Nischen von sckorvarzem Holz, bestimmt zur Aufnahme von Werken der Skulptur, _ sowie die mit orienéaliscben Tepvicbcn bedeckte Di'vans und mit goldgrünem Sammet Übezogene Sessel ein traultches, zur Ruhe und zum Wohlbehagen einladendes Bild. In der Mitte des Saales steht ein rotbbebangener großer Tisch, worauf die be- deutendsten iUustrirten Prachtwerke unseres Buchhandels außge'legt „LKW, und um welche fich ohne Unterbrechung Schaaren von eifngen

eschauern in s1chtlichem Interesse b.“wegen,

Die gesammelte Stimmung, in welche der Besucher scho_n durch die äußere Harmonie der Ausstattung verseßt wird, ist die geetgnetste, um die künstlerischen Schöpfungen selbst so aufzufassen und in szch aufzunehmen, wie dieselben aufgefaßt zu Werden verdkenen. Es wqre eine Entweibung, beträte man mit denstlben Gefühlen, die fick) betm Durchwandern der franzöfisÖenSäle aufdrängen den deutschen Saal: das reale und materielle Element muß bier abgestreift Werden, der vorerst mächtig angeregte Sinnenreiz muß einer stillen, künstlertscben Weihe Pla machen. Die ersten Kunstkapazitäten des Vaterlandes haben fich ier die Hand gereicht, um ein vollendetes Gesammtbild deutsch-nationaler Kunst zu bikten, auf welchem nur Von dem Guten das Beste einYYläßkhen finden durfte. ' '

Welche stattliche eibe auSerlesener Namen einigte stcb hrer vom Süden und Norden, Vom Westen und Okten Deutschlands! Knaus, Leibel, Menzel, Guffow, Achenbach„Boke mann, Brandt„ Deffreggec, (Hen , Harrach, Kaulbach, Lessmg, Max, Meyerhetm', Pilofy, Rick) er, Spangenberg, Steffeck, Wernex und die stattliche Zahl anderer bedeutender Maker haben, fich 51er em Rendezvous gegeben und Erfolge errungen, welche kem anderes Land aufzuweisen hat. Dazwischen reihen 1ch die wenigen, doch nicht minder werthvollen Skulpturwerke von . und R. Vegas, Canet," Echtermeyer, Encke, Harßer, A. Hildebrand, Kopf, Schaper, Schluter,„Sußmann-Hell- born, Loberenß und Wagmükler „gls kostbare Erganzung des ge- sammten Gebietes der schönen Kunste ein. '

Seit Ew'ffnung dieser Aussteüung _scheut man sich 111 Frank- reich nicht mehr, seinen Salon mat deutschen Kunstwex en 'zu schmücken: dafür sprechen die abnormen Preise, welche fur en)- zelne der aus estel11en Gemälde geboten nzerden. In Sonderhert scheinen die erke des Müncheners Letbl sicb atzßerordentlz- cher Anerkennung zu erfreuen, und ist dem Kunstlex ur das eine seiner Gemälde, „eme Bauemgeseilscbaft ber er Zeitungslekture“, der respektable Preiß von 12000 Fr; gelnooten worden. Ein noch höheres Angebot erzielte L. Bokelmaxm tn Duffe_l- dorf mit seiner „Volksbank, kurz vor,?!ußbrucb des Fallunents“, em in der That in überzeugender Natürltchkett redendeß und von hoher Vollendung der Technik zeugendes Genxälde. Aehnljcbes, Jatereffefer- regt das im Best e der Stadt Komgsberg, hefindltche trefflube Btld Joseph Bran 18 aus Mützchen .Ukraxmsche, Kosaken an's dem 17. Jahrhundert, ins Feld ztehend, begrußen dte Steppe mrt ihrem KrieZSJesang", um welches fich auch schon Käufer, aber ver- gebens? bemuYen'i B ld K 1) fst ck W 8 G d'

nauö' nn ges _i in ere ", r _ erner rena tere. welche am Garten von Sanssouci mithTermadÖen Zeln“, Ernst Hildebrands (Karlsruhe) „Bange Stunde“, „Meyerbeims .Schaafschur“ , ferner die vortrefflichen _ rtrats Gustav Richters, OScar Begas', Haßo Crola's, hardts, Graefs, Guffows, F. Kaulbacbs, Len 0155, J. 98 und Julius Schraders find ebensq wie] dre ausnge ébaeten Landschaften AchenbachS.' Bechtolsbetms, Eu 11 Du - rs, Ghetto, Theodor Ha ens C. F. Lesfings, L. Munk e's, Reuberts, Prellers, "Edyard Scéleicés und Wengleins neben den vielen anderen vorzugluben Leistungen auf dem Gebiete des Genres„ des StiUlebens und der Parodie die Punkte, um welchen fich dte Gruppen unauögeseßt am dichtesten schauten.

Was die französische Abtheilung betrtfft, so kann zwar durchaus nicht gesagt werden, daß die franzöfiscbe Kunst nicht mehr auf der-

sdelben hoben Stufe stehe, Welche fie so lcznge eingenoxnmeu hat, in- effen trägt doch zum großen Theil die wemger geschmack-

volle Art und Wxise der Ausstattung und des Jrrangemenu, swf: der Umstand zu einem bescheideneren Erfolge bei, daß man bier die wahrhaft guten Werke axis einer Ykenge von MiÜelmä heraussuchen _muß, was fur den Laien _ und dies sind och die Besycher nx ubenmezendxr Zabl “_ nicht nur schwierig, sondern (mib ermxtdend tft; Ju zwetter Rethe ist auch das Publikum, welches geneigt rst, feme Schaulust an der Fülle ar1 dekoUetirter Gemälde und an Blut und Schrecxensszenen zu befriedi en, nicbt hlreicb genug, _um den Ausschlag fur drese GeschmackSri iuug zu ge en.

_Letder aber scheint man unter Frankreichs Künstlern anders daruber zu denken, denn, fich anlehnend an den materiellen ug, der das been der Völker in der Weiten Hälfte des 19. Jahr andert! kennzeichnet, verfolgen fie dieselbe Richtung auf dem idealen Gebiete der Kunst. Den Sinn für das Gemütbvolle, Seelische im Leben, den Hang zur poetischen Verklärung des Realen scheinen sie ganz ver- [oren gegaygen zu glauben und nur das die Sinne anregende, die Nerven an1pannende und di- krassen Extreme des menschlichen Eba- rczkters" dqrsteüende Element würdig zu halten, als ModeU und Vor- btld fur ihre Kunstwerke zu dienen.

_ Daß dazu eme gerjngere Vollendun der Technik gehöre oder em Mangel an Phantaste fich darin aus präÉc, wird Keinem ein- fallen zu behaupten, nur zeigt fich darin eine Krankhafligkeit der in- neren Empfindung,. ein: AuSartuna im künstlerischen Gefühlsleben.

Uepptge und mdkzente Schaustellung von menschlichen Körper- fdxmen haben _den Stoff zu nicht weniger als 43 Bildern der frau- zqstschen Abtheilung hexgegeben: und freilich muß inan gestehen. daß bxer das L_;ollepdetste tn der Malersi lebendigen Fleisches geleistet wtrd. Zn abnltcher Zahl find grauenerregende Sujets, wie Hinrich- tungen, Tortuxen xmd dergleichen vertreten.

_ Große Einbuße hat übrigens Frankreichs Kunstabtöeilung ebenso wre dle deut1che dadurch erlitten, daß man aus gegenseitigem Zartgefübl M Ausstellgmg von Bildern mit kr-egeriscben Motiven unterließ. Welch herrltcbe und kostbare Perlen der modernen Malkunft dadurch vxrhmdert wurden, an der Preiskonkurrenz Theil zu nehmen, zei dte PrwatausstellunÉ der Pariser Schlachten- und Militäxmaler der Cbaptal- und aitboutstraße, welche in jeder Beziehung eines Besuches wertb ist.

Berichte aus, Stettin find einstimmig in dem Lobe über die auSgezeubneten Letstunasp des daselbst gastirenden Wallner- Tbeater-Ensembles. Dl? Repertoirestücke „GrIßséädTiscb', „Ultimo'“, ,Adelaide“, „Hector? errangen bedeutende Erfolge, und der Besuch tst'trotz der ungünstigen Zeijverbältniffe ein stets “ehr zahlreicher. _ Dxe Konzerte in dem schattigen und eleganten arten des biesi ea Wallner Theaters erfrezten sich eineözahlreichen Zuspruch Dieselßm werden bis zum Begmrxe der Tbeajersaison abwechselnd von der Theater- und einer Militarkapelle fortgeseßt werden.

' ,Dex Zoologische Garten hat selten ein :“9 zahlreiches und dtstmgmrtes Publikum versammelt gesehen, als am Sonnabend. Daß zu Ehren der Mitglieder des Kongresses am Abend daselbst verau- staltete Monstre-Concert hatte bereits vor Anfang desselben den Garten der Art mit Besuchern gefüllt, daß es schwer war,. auch nur einen Stuhl 311 erlmlten. In den späte- r§n Stunden aber wurde dies geradezu zur Unmög- lrchkeit. Tausende drängten fich in *.en Promenadenwegea, und- namentlich in der Nähe der für die hohen Gäste reservirten Skye wurde der Verkehr durch den Andrang häufig gänzlich gehemmt, Deu zu Ehren der Kongreßmitglieder von der V.]éonstre-Militär-Kapeüe gespielten verschtedenen Nationalhymnen fol1te jedesmal lauter Beifall ;“ derselbe steigerte sicb aber zum größten Entbusiaömus, al; die Jubel- Ouvertüre von Websr mit der preußischen Nationalhmee zur Aus- führung kam. Das Publikum stimmte begeistert mit ein und ver- langte Unter immer wiederholten, vom Tuscb des Orchesters beglei- teten Hochrufen auf Se. Majestät den Kaiser und König die Hymne 118 capo. was auch dretmal gewährt wurdo. Bei einéretendet Dunkelheit Wurden die der Promenade gegenüber liegenden Voliérrn. mit„farbigen Lampen und bengalischen Flammen erleuchtet. Damit erreichte das großartige Fest sein Ende, aber erst in später Abend- stunde fing der schöne Park allmählich an fich zu leeren.

Literarische Neuigkeiten und periodische Schriften.

Das Märtyrerthum unseres Kaisers, oder: die Er- ziehung der Jugend. Eine Predigt beim Dank- und Bitt-Gottes- dienst wegen des Attentats auf Se. Majestät den Kaiser Wilhelm]. am 2. Juni 1878, gehalten am 7. Juni in der Synagoge zu Cassel Zokjstör.1§?_78Adler, Landrabbiner. Gaffel, Verlag von Geßr. Gott-

e . .

Die industrielle Enquete und die Wiedereinführung der Eisenzölle. Von ])1'. Nds. Arndt, KreiSriÖtewcCffen, Ver- lag von (G. D. Bädeker. 1878.

Militärische Zeit- und StreitfraJen für Offiziere 6111er: Waffen. kat 29. Ewiger Frieden und T.!)Üstung. Vortrag, gebasten in der militärischen Gesellschaft zu Berlin am 25. Februar 1878 von von Reichenau Hauptmann 2c. 2. Auflage. Ber in und Leipzi 18,78. Luckbardtsche Verla shandlung.

Monatsschrift für deut che Beamte. Organ des preuß. Veamtenvereins. Preis pro Semester 3 „M (Grü;:berg i./Schl. bei Fr. Weiß's Nachf.) 6. Heft. _, Inhalt: ]. Angelegenheiten des. Vereins. Bekanntmachung der Direktion des preußischen Beamten- vereins. Lebens:)erficherung der Post- und Telegraphenbeamfcn. All- gemeine Grundzüge über Errichtung von Lokalausschüffen. Lokal- ausschüffe. _ 11. RechtSverhältnisse der Beamten. 3. Geseßgebung und Verordnung. 8. Abhandlungen über Fragen des Beamten- rechtes. In welchem Sinne ist rechtmäßige Ausübung des Amts zm: Strafbarkeit des gegen den Beamterx verübten Widerstandes eé'orw derlich? (Fortseßung) Die Gememdebesteuerung der Beamten. (Schluß.) Ueber Regulirung der Beamtenaebälter. _ 111, Ver- mischtes. Aus dem Landtage. (Schlu .) Die Lage der Beamten im Königreich Preußen. Aus; dem neue ten Jahresberichte des öfter- reicb-ungarifcben Beamteuverems. _ 17. Sp:2chsaal. Abdruck der Bilanz des preußischen Beamtenvereins nn Justiz-Miaifterialblatt. _ 7. Bücherschau. _ Briefkasten. .

Zeitschrift für preußische Gescbtcbte und Landes- kunde, unter Mitwirkung vvn Droysen, Dugcke'x und L. von Ranke, herauSgegeben von Constant. Rößler. 15. Iayrg. Mai-Iuni 2. (Nr. 5 u. 6.) Berlin 1878. E. ngr. Mitfler u. S. __ Ju : 1. Ueber das Fortschreiten und den Stillstand der kriegeri chen Be- ernbeitcn. Von E. von Clausewiß. _ 11. Luise Henrkette voa

ranien und der Prinz von Tarent. Von B. Erdmannsdörffer. _ 111. Zur Geschichte des angeblichen Attentats auf „Friedrich den Großen. Von E. (Zrünbagen. _ 17. ur Proze geschichte der Her- zogin Jacobe von Julicb, geb. Markgrä a von aden. Von- abk. Goecke. _ 7. König Friedrich 1. und der Niederrben. Die Erme- bung von Moers und Geldern. Von E., von Schaumburg". _ 71. Neuere Forschungen zur preuÉischen Gescbx-Hte; _ 71l. Aus den Veröffentlichungen der deutschen eschichtövereine. - ,

Schlesiens Vorzeit in Bild uyd Sckorift. 38. Beck“" des unter dem Protektorate Jbrex Katserlxckpen uud Königlichen Hoheit der Mu KDonprin es a rredrtcb Wilhelm stehenden Vu- eins für das usemn !cblesXs er ' ltertbümer. Breslau, ,Mal 1878.. _ Inhalt: Die ital enischen Architekten des 16. Iabr'b'underts :: Brieg in Schl. Von Dr. E, Wernicke._ In der Gruft der Masken zum Brie e. Von 01". I. Kreye. _ Das Museum fchlefijcher Alter- tbümer. Yon B. von Pratmß.

Oberbayeriscbes Arcbtv fax vaterländiscbe Geschichte, her- aus e eben von dem bistoriMn Vereme von Oberbayern. 36. Bd. Mi? Abbildun sta ln. ruhen, 1877. '

_ 36-38. a resbericbt des btstonscben Vereins vonObero bayern. Für die Jahre 1873, 1874 und 1875. Er _ in der:" Yenarversammxun am 1. Mai 1876"durch dessen e en Vorstand 5 iinÉsterkal-Ratb rasen Hundt, Munckoen 1876. Zu Kommission

e .

Franz.