1844 / 167 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

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a lan en und warmen Debatten bei der Abstimmung Z,?IUKJanmét bbggegen 44 Stimmen verneintswarvd. Sodann beschloß inan die Wahlfzweicr Deputirten, um die Bildung.,emes Central-Vereins in Berlin Z! „beratben; sie fiel auf denOberburger- messer Krah und Prediger_ o-gt. - NJch einer Beschlußnqhme der Insterburger Kreisßände _wird der vor langerer „Zeit proxekirrie Vein zweier Chausseeftrecken, nämlich von Jpsterburg iiber Aulowohrren bis zur Niederunger Kreisgränze, urid dre Vrrlangmrng der,?)idlacker Chaussee bis zur Darkehmer Kreisgrä-nzeß tm künftigen Friihjahr zur Ausführung kommen. - Aus dem Bericht uber dre Leistungen des D a n- ;iger Vercins zur Verbesserung der Strafgefangenen und verwahrlosten Kinder im Jahre 1843 erhellt, daß die Bemühungen desselben um die Ver- cdlunq moralisch gesunkener Mitmenschen nicht ohne Segen geblieben sind. Von “10 aus dem Jahre 1842 in Pflege verbliebenen Kindern ist nur cinKnabc auf einem Schiffe untergebracht, dagegen sind im verflossenen Jahre drciKinder wieder aufgenommen und zu rechtschaffenen Leuten in Pflege gegeben worden. Umfangreicher und mehr hervortretcnd find dic Leistungen des mit dem erwähnten Verein verbundenen, untcr dcm Schutze Ihrer Majestät der Königin stehenden Danziger Frauen- Vereins, in dcffcn vier Schulen 22-1Mädchen von mehr als 100 bochachtbarrn Theilnchmcrinncn desselben beaufsichtigt und unterrichtet tvrrden.

Provinz VZestphalen. Außer dem bereits zu Lengerich, im chierungK-Bczirk Münster, bcftchcnden Enthaltsamkeits-Verein, bat sich ein solcher auch zu Rheina gebildet. m Am 0. Juni wur- den im nördlichen Theile der (Neurcindc Greven während eines Gc- wittcrö dic FriickÜc gänzlich zerschlagcn, Häuser beschädigt, Bäume

entwurzelt. Bios an Roggen sind 7 -- 8000 Scheffel Saat ver- nichtel. Nheiu-Provinz. Das Museum zu Trier isi durch den

Ankauf einer Anzahl antiker Steinbildcr --- Hennen vvn-l JitßHöl)e= bereichert worden; sie sind bei einer Nachgrabung in dem Burg- bofc zu Wclscbbillig aufgefunden wvrden, und drei davon vollständig erhalten. _ Am 8. Juni empfing quiilich das daselbst znr Urbung einberufene “.'te Bataillon des “.?-“;sicn Landwehr-Negiments untcr er- greifenden Feierlichkeiten die von des Königs Majestät ihrn Verliehene Fahne. -- Ein Theil des Kreises Bergheim wurde am 9. Juni von einem entseizlichen Gewitter mitHagclschlag heimgcsucht; in wc- nigcn Minuten waren dic iippigsicn Saalfeldervernichtet, alle (Har: ten: und Feldfrüchte lagen zerknickt amVoden, und die Schlossen fie.- len in so dichtenMasscu, daß die Aeckcr mehr als fnßhoch damit be- deckt waren.

“;(- Stettin, 15. Juni. Se. Majestät der König sind mit Allerböchstdcro Gästen, Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland nnd der verwittwcten FrauGroßherzogin vonMecklenburg-Schwcrin nebst Prinzessin Tochter, Königl.Hol)eiten, und in Begleitung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen von Preußen, Statthalters bon Pommern, gleich nach 12 Uhr mit einem Exirazuge auf der Eisenbahn von Berlin hier eingetroffen. Unmittelbar vom Bahnhofe Verfügten die Aller- höchsten und Hohen Herrschaften sich sofort nach der Anlegestelle dcr Dampfschiffe, wo Se. Kaiserl. Majestät und die Frau Großherzogin von Mecklenburg, nebst Prinzessin Tochter, das Schierwsthiff „Borus- sia“ bestiegen und nach herzlichem Abschiede vvn Sr. Majestät und dem Prinzen von Preußen die Rückreise über Swinemünde, wo ein Kailerl. russisches Dampfschiff zur Weiterfahrt bereit liegt, mriraten. Se. Majestät der König haben mit des Prinzen von PreußenKönigl. Hoheit Allcrböchstibre Appartements im hiesigen Schlosse bezogen, werden dem Vernehmen nach die Nacht hier Verweilen und erst mor- gen Nachmittag um “.? Uhr, abermals mit einem Extrazuge, auf der Eisenbahn nach Berlin zurückkehren.

% Malmedy, 8. Juni. Gestern erfolgte die feierliche Ueber- gabe einer Fahne an das nach hiesiger Stadt benannte Zte Bataillon des L5stcn Landwehr-Regiments, zur freudigen Genugthuung nicht blos der Wchrmannschast, sondern der ganzen Bevölkerung unserer Gegend, Dieses sprach sich bei der Fahnenweihe, deren sinnvolle Ceremonie wir als bekannt Vorausseßen, auf das nnzWeideutigste aus, indem die hiesigen Griinzbewohner, von Welchen in Wahrheit gesagt werden kann, daß sie sich in der Angehörigkcit an den preußischen Staat glücklich fühlen und die eigenihümlichen praktischen Vorzüge desselben richtig zu würdigen wissen, in großer Anzahl dem Feste ihre Theilnahme widmeten und diese mit der den Wallo- nen eigenen Lebhaftigkeit bekundeten. "Die treffliche Rede des katholischen Divisions - Geistlichen trug wesentlich zur Hebung der Fcierlichkeitbei. Zneinfacher, aber herzlicher und kräftiger Sprache wurden die vielfachen Beziehungen, welche der Gegensiand darbietet, harborgehoben, der zufällige Umstand, daß dieses Fahnensesi gerade auf den Jahrestag des Hinscheidens unseres hochseligen Königs fiel, blieb natiirlich nicht unberührt. „Wie der unvergeßliche König“, so bemerkte der Rednrr, „dem wir die großartige, so tief in unser gan- zes Staatsleben eingreifende Institution der Landwehr verdanken, den Weltfrieden erobert und erhalten hat, so hat der würdige Erbe sei- ner Macht den in diesem Lande gestört gewesenen Gottesfrieden in einer Weise rvicderherzustelleu gewußt, die alle Gemüther mit Dank und Bewunderung erfüllte. Und sollten wir nicht den edlen Absichten und der Willenskraft eines solchenKönigs in jeder Hinsicht vertrauen, der die ihm von Gott verliehene Gewalt nur zum wahren dauern- den Wohle aller seiner Unterthanen und aller Theile seines Weiten Reichs benußt, und der deshalb auch ein unbedingtes Recht hat auf die treue Erßebenheik und freudigeHingebung aller seiner Krieger und Unterthanen - Dieser unter steter HinWeisung auf die Sym- bole drr Fahne, in kurzer Und biindiger Rede mit der Kraft der eigenen Ueberzcugung ausgesprochene Gedanke crgrin sichtbar alle Anwesende und findrt gewiß im ganzen Bereiche des ataillons sei- nen Wiederhall.

Ausland.

Deutsche Bundesstaaien.

Königreich Bayern. Ihre Köni [. Hoheit die Prinzessin Paul vori Wiiriiemberg, Schwester Ihrer ajestät der Königin von ngern, ist am 10. Juni zum Vesu in München angekommen.- DieRegerrsburgerZeitung wei in einem größeren Artikel nach, wie sehr die Stadt Regensburg sich in neuerer Zeit ehobcn, und dg sie dies größtenibeils der durch die Dampfschifffath herbeige- slr rien Zunahme des Verkehrs verdankt; keine Stadt in Bayern sei

b' sklkgen, die Vermittlerin des andels wi en O e td Welle" zu machen. H 3 fck | n in

„Königreich Sashsen. Wie die An sb. 2111 . t aus YYY vom is- Juni meldet, hat die sächsischß Regierußg Liar? nach nämlicl; Km dm“ Cknlur gedruckte Schr sten liber Rußland konfis irt;

ne eufiche Uebersevuug der französisch erlaubten Bros iire

,"".Lßlk, Allem:- ne 9[ ]? . lches Buch „Dreißg Jahre k&nFu' MMX. koum'" und “i" deut-

972 Königreich Württemberg. Laut Berichten aus Heil- bronn vom 8. Juni erfreut sich die Neckar- Dampfschifffahrt eincr täglich steigenden Personen-Frequenz, und auch der (Hüter-Transpori ist in stätem Zunehmen. Der Dienst zwischen Heilbronn und Mann- heim isl täglich. Die Einnahmen stellen sich äußerft günstig.

Großherzogthum Baden. In der 85slen Siyung der Kammer der Abgeordneten zeigte der Präfident an, daß die erste Kammer dem pro- visorischenGeseße iiber den Vereim-Zoll Tarif, so wie derAdreffe der zwei- ten Kammer beigetreten sci. Hecker bcgründete sodann seine Motion auf ein GcscH iiber die Verantwortlichkcit der Minister und höheren Staats- Vcamten. Der Antrag geht dahin: Se. Königl. Hoheit den Großherzog in einer Adresse chrfurchtzvoll ;n bittcn, gemäß der in dcn §§. 7 und 07 der Verfassung und dem (Ticsrtze vom 5. Oktober 1820 gcge- benen Verheißungen, der Stände-Vcrsammlung cin (Heseß iiber Vcr- antwortlichkcit der Minister und Staats-Beamirn, so wie über daö gerichtliche Verfahren im Falle der Anklage vorlegen lassen zu wollen, welches die Bestimmungen enthalte: 1) daß jeder der beiden Kammcrn cinzcln das Recht der Anklage znstclic; *.!) das; außer den Ministern und den Mitgliedern der obersten Siaatö-Bchörde, auch einer höheren Dienst- Behbrdc unterworfcne Beamte, im Falle sic oline Anweisung der Minister, fiir sich oder kraft Kabinetsbcfcblö, sich der Verletzung der Vcrsaffung odcr versassun Emäsrigcr Rechte schuldig gemacht haben, der Anklage untcr- liegen; 3) da? jcdchmt, wodrmbdic Verfassung odcr ancrkanntvcrfaffrmgx- mäßige Rcchtc im Ganzen oder Einzelnen wirklich vcrleyt wurden, ebenso- WOhl als der Vcrinch, der Anklage und Strafe rrntcrlicgc; 4) daß ein Sibwurgcricht V9" 30 Gcschtvorncn in ähnlicher Wcisc wie die Abgeoidncten der zwrilcn Kammer erwählt, unter den Formen des öffentlichen mündlichenAnklagc-Prozcffcsiiber Thatnnd Ncchix- frage entscheide; 5) daß die Ministcr-Vcrbrccbcn neben der Dienstcntscgung mit Freiheits- oder chrnssimsc gcbüßt werden; 6) das; bei ihnen wcdcr Abolition der Anklage noch Begnadigung von dcrrichtcrlich erkannten Strafe stattfinden, und endlich die crlwbcnc Anklage im Falle dcr Auflösung cincr Ständc-Vcrsammlung auf die nächste Ständc-Vcrsammlmig iibcrgcbcn soll. Wclckcr, Gottschalk, Sander unterstützten die Motion unbedingt; Junghanns, Trefurt, Welzel, Play und chcrmncr mit mehr oder weniger Beschränkun- gen. Die Kammer beschloß, die Motion drucken zu lassen und in den “Ilb- thriltmgcn zn beratben.

Am 6. (“uni fand zu Durlach eine Versammlung bon ctwa 10 Aerzten statt, dercn Zweck die Bildung eines Allgemeinen ärztlichen Vereins für das Großherzogihum Baden“ war. Die erste Sanitäts- Behörde des Landes hatte durch einen Erlaß auögcsprochcn, das; sie die Bildung des Vereins gern sehe und die ZWrckc desselben billige.

%% Dresden, 18. Juni. Die Königl. Brandw'rsicherungs- Kommission hat in diesen Tagen eine Rechnungs-Ucbcrsicht dcr sächs. alterbländischcn Jmmobiliar-Branchrsichcrungs-Anstalt auf das Jahr 18-153vcrbffentlicht, nach welcher zwar im vorigen Jahre528,9:35Mhlr. - Jmmobiliar-Braudschädcn-Vergiitungcn, 17,012 Rihlr. Feuerge- räth und andere Entschädigungen und Bcihiilscn, ingl. L|,06-1Ril)lr. VerWaltrmgs-Kosten :c. --- 51172211. Rihlr. - zusammen, bcstrittcn, aber ferncrwrit noch 85:3,0-13 Rihlr. ---- theils zu Vollständiger Tcl“- kung der Brandschäden für 10-13, theils zu Wicderergänzung des Re- servc-Fonds erforderlich sind.

Die lexztere Summe und der nächste kurrcnie Bedarf soll durch die in den Jahren 1844 und “1815 zu leistenden Brandvrrsichrrungs- Beiträge gedeckt Werden, welche auf 1 Rihlr. 8 Ngr. 4 Pf. jährlich vom Hundert der Verfichcrung festgestellt worden sind.

)( Darmstadt, 12. Juni. Gestern Wurde die Vor einigen Wochen aus Miinchen eingetroffene Bronze-Statue des Großherzogs Ludwig ]., nachdem sie, ihrer Hülle entkleidet, am Fuße der Säule aufgestellk war, auf welche sie dieser Tage geschafft werden soll, von der gesammten hier anWescndcn Großherzoglichen Familie in Augen:- schein genommen. Der Erbgroßherzog, erst vor wenigen Stunden nach einer außerordentlich schneller: Reise von nur 28 Stnnden aus München eingetroffen, Prinz Karl, mit seiner liebenswürdigen Ge- mahlin und ihrenKindern, den munteren jungen Prinzanudwig undHein- rich, dann die Brüder des Großherzogs, PrinzenGeorg und Emil, beglei- teten Se.Königl. Hoheit, so daß man hier Söhne, Enkel und Urenkel um die treffend äbnliche Bildsäule des Fürsten vereinigt fand, desscn 40jährige Regierung (1790_1830) unstreitig eine der merkwürdig- sten Epochen drr hessischen Geschichte bildet, und der es wohl Vcr- diente, daß ihm ein dankbares Volk ein großartiges Monument setzt, wie kaum ein ähnliches in Deutschland bestehen dürfte. Die Statue, 22'5 hess. Fuß *“) hoch, von Schwanthaler in München geformt und von Stiglmaier daselbst in Erz gegossen, ist ein vollcndctcs Kunstwerk, wie allgemein, insbesondere auch von der hohcn Fa- milie dcs gefeierter: Fürsten aufs ehrenvollste anerkannt wird. Gros;- herzog Ludwix [. sieht aufrecht in der hessischen Generals-Uniform, mit dem Gro kreuze dcs Ludwig-Ordens geschmückt, einen Mantel in malerischen Formen umgeworfen, die seinem Volke verliehene Vcr- faffungs-Urkunde in der Rechten. Die Säule, auf welcher die 108 Centner schwere kolossaleStatue ruhen wird, ist 15121,- hess. Fuß hoch, einschließlich der Postanicnte, das Ganze also von der Erde bis zum Scheitel der Vildsiiule 155 hessische Fuß. -- Eine leb- hafte Theilnahme sprach sich aus, als man die Großherzogliche Fa- milie _- cin wirklich ergreifende'r Anblick - so um ihren glorreichen Ahnherrn vereinigt sah. Von allen Seiten strömte das Publikum herbei und der Großherzog gestattete ausdrücklich Jedermann danu- tritt, so daß die Statue des Fürsten bis zum Abende von dem Volke dicht umringt war, das ihn im Leben so hoch geehrt und innig ge- liebt hatte. Heute nun ist dieselbe wieder Verhiilli, und erst am Ludwigstage, 25. August, wird bei der feierlichen Einwi'ihung dicse Hülle fallen und das Bild sich in seinem vollen Effekte, writ hin schauend Von seinem hohen Standpunkte in das trcueHeffenland, dem biederen Volke zeigen, das dies schöne Land bewohnt. Man bereitet bereits große Festlichkeiten fiir diesen Tag vor, der ein wah; res Volksfest Werden wird. Unter Anderem wird auch einOratorium, würdig des gefeierten Fürsten, der ein besonderer Kenncr und Be- schiiyer der Kunst War, zur Ausfiihrung kommen.

“1“ Luxemburg, 10. Juni. Nach Privatnachrichtexn aus dem Haag sollen Se.Maj. der König Großherzog im Geleit Gr. Königl. Hoheit des Prinzen von Oranien schon zu Ende d.Mts. das («Broß- herzogthum besueheu, um 10 Tage in Walfcrdingen zu vechilcn. Wenigstens werden hier mit dem größten Eifer die Vorbereitungen betrieben und in Mainz imd Frankfurt Möbel angekauft.

Oesterreich1sche Monarchie.

Wien, 8. Juni. (A. Z.) Jm hiesigen Militair-Departemcnt ist man seit längerer Zeit beschäftigt, das im Jahr 1806 Von dem damaligen Generalisslmus Erzherzog Karl sanctiouirte Excrzier- und AbrixlÜUngs-Reglement für die Infanterie einer Revision und zeit- gemaßen Umarbeitung zu unterziehen. Den Auftrag hierzu erhielt der Oberst Graf Nobili, welcher diese schwierige Arbeit nunmehr beendet hai. Das Re lement iiber die Abrichtun des einzelnenMan- "FSM bkkk'ks "11 Dru ,begriffen. Das Exerzier- eglement, das haupt- sachlichzum Zweck hat, di'elangen Kommandowörter abzukür en, überflüssige Bewegungen auszuscheiden, die beibehaltcncn zu vereinxachen und nur

"*) 1 hkls- Fuß = 250 Millimeter oder 110,824 alte pariser Linien; also 10 Fuß = Ack, Meter.

auf solche zu beschränken, welche Angesichts des Feindes ausführ- bar sind, lrcgt noch im Kabinet des Kaisers, dessen Genehmigung

wohl nächstens er; Ohne Zweifel erscheinen später auch

olgen wird. nkue, mit denen ilk die Infanterie in Einklang gebrachte Vorschrif- ten für die anderen Waffengattungen; kürzere Kommandowörter haben sich namentlich als ein allgemeines Bedürfniß herausgestellt. Berichten aus Görz zufolge, wird die Herzogin von Angou- [.*-nic, gleich nach der Briseyung ihres verstorbenenGemahls, mit ih- rem Ncffrn, drm Herzoge von Bordeaux und dessen Schwester, Ma- dcmoiscllr, Görz verlassen und fürs Erste ihren Aufenthalt in Kirch- berg am Walde nehmen.

_ ._1 21116 Ungarn, im Mai. Es ist dermalen schon selbst ails dcm Nriibömqr unserer Rrgicrung vorgehalten worden, daß sie bci Eröffnung krffclben, stalt ganz ausgearbeitete GeseH-Entwürfe vorrnlcgcn, sirl) damit bkgnilgte, nur Zwecke anzugeben, wclche in Ungarn zu rrrcichrn wiirrn, Dies hatte zur Folge, daß jegliche Par- lr'l riese „erckr mit ihren Mitteln zu realisiren und auszrrbeulen surlit, somit das Detail dcs darüber zu gebenden (Hcscyes mit ihren Tinten xn iibrrzicbcn strebt und den Staatswagen auf jedes andere (Tsclcisc binzicbt, als auf das, wclchcs die Regierung anweisen Will und vcrrriinftigrrwrisc anweisrn kann. Dazu kommt noch, daß alle jene, wem"", die guten Tendenzen der Regierung einsehend, ihr kräf- ÜI Flik Skike sichert wolltrn, gar nicht wiffen, womit sie derselben es recht tbun könncn, somit untcr sich ohne Halt, ohne Harmonie und dem nächst bcslcnchckc, das; die Regierung es so und so wolle, znr BWW sind, dadurch sehr häufig lächerlich werden und de.n Muthwer- lieren, allen drucn das Feld räumend, die da sagen: (Z!" 05;- 71114747! Ungarn ist seit wenigen Jahren gewaltig aus dem Schlafe erwachl, es hat den kräftigen Muti), es zu gestehen, daß c? gZ'.9ß fehlte,_ "1: dem es so lange schlief, aber es zurft auch durch die Kopfe und .Her- zcn aller Gutdcirkcndcn jcncr Genius drs Forlichrttls', von_dem “'."st Roms berühmter Dichter schrieb: léz'l. 418115 111510015, ggiianw ri!- (*Klt'5(*l|j]!|§ illi)! (Hut gelenkt, muß dieses heilige Feuer zrzr Kraf- tigung und Erbrbnng Ungarns crnporlbdern, wogegen es, sich selbst iibcrlasscn, selbst das Gute, was wir bisher errangen, “Verzehren kan]: und muß. Die Aufgabc nun, den erwachten EnthusrgSnwö auf dre richtige Bahn zu lcitcn, alle gritcirJriichic, die in so rcrchlichemMaße lkeundlich winken, aus ihm zu ziehen und dessen Außartrmg zu ver- l)iitcn, steht der Regierung zu. Sie sollti' die Sonne sem, vbn der befruchtcndes Licht und reisende Wärme ausslrabli, welche )cgliche Hoffnung rcicklichcn Skgrns für das Land realisirbar macht," welche fiir den Vernunftgemäßcn Jorischritt die Oriflammc vorantragt, die große Zahl der Gutgrsluntcn um sich schaart nnd Allrs, wers der Gerechtigkeit und dem wahren Wohle Ungarns abhold ifi„ niit un- widers-ichlichcr Kraft Vor sich nicdcrdriickt. Diese Aufgabe ist ihr rim so leichter, da sie in ihren anderen Ländern eme große Anzahl fress- lirhchnstituic hat, die mit wenigenModificationen eben so wdhltha- tige Wirkungen in Ungarn hcrborbriugen wiirden, ivie-dori, die, als aus dmr niweränderlichcn Prinzipien der Gerechtigkeit annommen, auch im constitutioncllcn Ungarn mit Wärme aufgefaßt wurden, und von denen einige auch in die Propositionen iibergingen.

Hätte die Regierung ganz vollständig in diesem Sinne gehan- delt, so wäre wahrscheinlich der Reichstag mit den fruchtbarsten Re- sultaten, niimlich „eincmneuenZntabulations-Gcseße, das den Gcsrxzeu iiber den Personal-Kredit born vorigen Landtage die ersehnte [)iilfreiche Hand leisten wiirde, einem bürgerlichen GeseHbUchk- cincr Gerichtsordnung, cincr Juriödictions -Norm, rinern Gesetze über den Straßenbau, über die Verhütung der Komi- rals-Exzeffe u. dgl.“, bereils enllaffcn und fiir die Regierung 119119 Zeit zum kräftigen Vorbereiten Weiterer Maßregeln gewonnen, wiih- rcnd cht ein Jahr verstrichen ist und » so Vieles auch angefangen wurde -- dic Rcsultatc sich doch fast auf Null rcduziren. Wahr ist es allerdings, daß bei uns in Ungarn die Abnormitäi vorkomme, das; die Regierung auf dem RcichStaJe keine ostensiblcn Verfechter iyrer Tendenzen und ihres Willens habe, wie es in allen anderen constitutioncllcn Ländern mit den Ministern der Fall ist. Allein, das Land ist ja mit Freuden bereit, diesen Punkt der Verfassung zu modifiziren, und die Modification selbst wäre wieder eine neue Quelle des Segens fiir dasselbe; ja auch ohne diese Modification hat unser König Mittel gering, seine Vorschläge Verfechtcn zu lassen, indem in jeder Tafel Beamte in Mrnge siyen, von denen die Geschicktcsien sich gern diesem ehrenvollaneschäftc unterziehen wiirden. Gelängc jedoch auch dieses nicht, so bliebe doch noch immer der Vortheil, daß der Wille und die Tendenz der Regierung klar Vor der; Landes Augen lägen, alle Verdächtigungen gegen sie niederfielen und der Reichstag es sich nur selbst zuzuschreiben hätte, Wenn es von den dargebotenen Wohlthatku keinen Gebrauch machte.

Dieser Mangel in unserer Verfassung diirfte also wohl nur ein vorgeschobcncr Grund sein, warum die chikrung von ihrem Rcchte dcs GrstH-Vorschlags diesirml keinen Gebrauch machte; ein bei weitemwichtigererGrund liegt anderöwo, nämlich in derStellung derer, wclche zunächst den Beruf hätten, dem Könige dieseVorschläge auszuarbeitr'n. Wir seHen keinen Zweifel in ihre Rechtlichlcit, in ihren Patriotismus, in ihre vollkommene Tanglichkeit, Ungarn nach den bisherigrnGeseyen zu administrircu; allein, wir finden sie mit diesen ihren Adrninistrations-Geschäften so überladen, das; ihnen keine Muße bleiben kann, nebenher sich noch den Studien ncucr Gescy-Entwiirfc hinzugeben, woraus leicht begreiflich wird, daß sie solches Von sich ablehnen“) und es so zu der Nega- tion kommt, welche wir sehr beklagen müssen, da alle unsere ErWar- tungen auf die Regierung gerichtet sind, Diesem aus den Zeitber- l)ältnissen hervorgegangenen Ucbelstande kann nicht anders abgeholfen Werden, als wenn unser König, wenigstens fiir die Zcit unserer be- vorstehendcnReform, die tiichtigstenMänner in eine bonallen anderen Geschäften cnlbundcne Kommission zusammensißkn hieße, welche die einzige Aufgabe der Ausarbeitung bon GeseH-Vorschlägeu hätte und deren Glieder dann auch in der einen wie der anderen Tafel die' Motivirung derselben übernehmen wiirden. Möge dicse Sonne uns bald leuchten!

Frankreich.

Pairs-Kamnter. Sißung vom 10. Juni, Nachdem der Minister des Innern das von der Depuiirten-Kammer angenom- mene Gesel; über die Gefängnisse Vorgelegt hatte, verihridigte Ge- neral Cubii-res sein Amendemcnt zu dem ZZsicn Artikel des Re- krutirungs-Geseyes, die Dauer des 9)kiliiairdieristrs betreffend. Von den élJabrcn, auf welche der General den von den Pairs urspriing- lich auf RJahrc erhöhten, dann bon denDeputirten auf die bisherige “Dauer von 7 Jahren reduzirten, und nun von der Pairs-Kornmission wieder auf 8 Jahre beantragten Dienst verlängert wünscht, sollen, seiner Absicht nach, ()Jahre unter denFahnen und 3 in der Reserve zugebracht werden,

„Vermittelsi dieses Systems“, sagte der Redner, „würde man slets fichcr sein, 2“; cingeiibtcr neben 7,- neuer Mannschaften in der Armee und 35 Mannschaften, die sechs Jahre unter den Fahnen zugebracht, mbc" "? noch

96) Das Nämliche soll auch der Grund sein, warum in den anderen Ländern Oesterreichs schon lan e kein wichtigeres Gesey auf dem Felde dcr Civil-Instiz erschien, obschon eit 30 Jahren immer etwas von Gesetzge- bungs-Arbcitcn verlautet.

nicht dazu berufener junger Leute in der Reserve zu haben. Ueberdies ist es das einzige Mittel, nöthigenfalls cinen Effektiv-Bxsiand. von 500,000 Kombattanten zusammenbringen zu können. Endlich „wiirde die vaolkerung dadurch keine größere Last treffen, weil man auf diese Weise jahklkch "Uk 51,000 Mann wiirde unter die Waffen zu rufen brauchen und 11,000 an ihrem Heerd [affen können.“ ,

Vicomte von Preval kann sich hiervon nicht überzeu en“; er 'MUUK im Gcgcntheil, General Cubik-res beschäftige sich zu ausschlrrßlich mn dem Interesse des Kriegßdienstes ohne Rücksicht auf das der Y_evolkcrung“ und eben um beide mit einander zu versöhnen, habe dieKommqfiou emeTienst- zeit von 8 Jahren vorgeschlagen.

Marschall Soult tritt ]“th dem KommisfionsVorschlage ber. „Wenn ick)“, sagt er, „in der anderen Kammer in die Reduction dcs Drensicö auf 7 Jahr? Willigte, so geschah es blos, um dem Lande die Vdrthrile des neuen (Hcscßeö eher zu iichcrn*, da es aber bereits von der Parrö-Kammer wicdrr modifizirt isl, also doch in diesein Jahre nicbt voiirt werden kann, so bccilc ich mich, auf meine srsle che zurückrulommen.“

TuS Amcndcment dcs General Cubii-res wurdedarauf verwor- fen und das der Kommission mit starker Majbritär angenommeir. Man zweifelt aber, daß die Deputirten-Kammer ,ich diesem Beschluß fügen werde.

Deputirten-Kammer. Sißmrg vom 10, Juni. _ „Dcr zwritc Artikel des GeseH-Entwurfs iiber die Verbesserung der Hafen wrist 10,922,000 Jr. fiir Havre an, welclie's noch rascher als Mar: stille emporgcsticgcn ist. Das Gedeihen dieses Hafens iibrrtraf alle Erwartungen, und kaum waren die im Jahre “1787 in ricscnlmftrn Vcrhältniffcn vorbereiteten Pläne für die Vergrößerung der Stadt und ihres Hafens vollendet, so reichten sic schon nicht mehr hin fiir die Bedürfnisse des Handels. Es war dahkr dringend nöthig, don Hafen vonHavrc Von neuem zu Vergrößern. Eine erst im Jahre 1833!) votirtc Bewilligung von (“»Millioncn konnte fiir die Erforderniffc einer so außerordentliche" .Handelözunahmc nicht genügen. Dcr chige Krcdit nun ist dazu bestimmt, die L;;Hektare'nBassins, Welche Havre grgrir wiirtig besiyt, auf 4:3, und stine 4/1220 Metrrs Ouais auf 0100 zu bringen, sowie ein großes Dock-Cntrrpot dasclbsl zn errichten, dcffen Magazine MW Höhi? Von 7 Mctrrs 20 Crntitnctrkö erhalten und in welchem 84,000 Tonnen Waaren Play findcn sollen. Es wird dann mit Einschluß der iibrigen Enirepots bon Habrc und des Vassinö Vauban , rvelche 41,000 Tonncn fassen , dort fiir 125,000 Tonnen Raum sein, was iiber das Doppklte dcr jeizigcn Bedürfnisse ausinachi, Die Wichtigkeit dieser Entr*rpot-Er-- richtung läßt sich bcgreifcn, wenn man hört, daß der bisherige Man.- gol an Gelaß, dcr das Ein- und Ausladcn Verzögerte und denWaa- ren siliadcte, der Stadt Hawke einen jährlichen Vi'klllst von Ungefähr 1,5;00,000 Fr. zuzog. Dcr betreffende Artikel, so wie der dritte, der" (&,-300,000 Fr. fiir die Anlegung von Qimis in Bordeaux anoscyt, drr vierte, dcr 2,500,000Jr, fiir Kiisirnbrlenchtung bestimmt, und die iibrigen iiur rcglcmcrrtarischcu Artikrl wurden von der Kammer gr- rirhmigi, die Abstimmung iibrr den ganzen (Llcsey-Entwurfmußte indcsx, da die Versammlung nicht mehr zahlreich genug war, noch ausge: schoben werden. 7

Paris, “11. Juni. Der König hat auf Vorschlag des See- ?)iinisters beschlossen, das; der Prinz von Joirwille seine Contre- Admiralöflaggc auf einem der Linienschiffc dcs Evoliriioriö;Gescl)rva- ders aufpflauzcn und sich, von einer Dampfsregatir, zwci minder starkrn “Dampfschiffen und mehreren leichtanahrzcugcn begleitet, nach drn Küsten Von Marokko begeben soll, um dort zu kreuzen. Der Prinz wird baldigst nach Toulon abgehen, um den Befehl iiber die unter sein Kommando gestellte Marine-Division zu übernehmen. So meldet der heutige Monileur. Am Schluß der Börse Wollte man wissen, Prinz Joinvillc werde schon morgcnParis Verlassen, und seine Cquipagrn seien bereits heute friih abgegangen. Dic marokkanische Küste wird derSammclplaß aller europäischen Kriegsfiaggen. Einholländisches Gcsrhrvadcr, unter den Befehlen des Prinzen Heinrichder Niederlande von

Vliessingen ausgelaufen, soll angeblich vor Tanger anhaltrn, wo es fran- ,'

z'o'sischc, englische, spanische und vermulhlirh auch amerikanische See- Streiikräfte finden diirfte. Gleichzeitig erfährt man aus Christiania, das; zwei 11orchgische Schiffe, cine Korvette und eine Fregatte, und eine schwedische Fregatte sich nach Tanger begeben sollen, wo Unicr- l)andlungen mit dem Kaiser von Marokko betrieben Wurden; NOWO- gcn hatte bisher keinen Traktat mit diesem Sorrverain. - Cin Va- raillon dcs 25strn französischen Linien-Negimrnts, Welchrs zn Pau in Garnison steht, hat Befehl zum Abnmrsch erhalten; man glaubt, daß der Rest des chimrnts ihm bald folge, und daß diese Truppen nach Port-Vrndrcs dirigirt sind, um dort nach Afrika eingeschifft zu werden.

Der Minister des öffentlichen Unterrichts hat der Deputirten- Kammer die Auöeinanderscyung der Motive nicht vorgelesen, womit er das ihr vorgelkgtc Uiiterrichtsgcscy, wir es von den Pairs modi:- fizirt und angenommen worden, brglcitelc. Sie ist aber nebst drm Text des Gcscizcs im heutigen Monitcur abgrdruckl, Neue Dar- stellungen sind darin nicht cnthaltcn. Der Ministrr rcchtfcrtigi das Gesetz in allen seinen Punkten, ohne die von der Pairs-Kammrr beliebten I)iodificationcn hervorzuheben. Nach den ausführlichen Berich- tcn, welche über die Diskussion des Gesrßcs in jener Kammer ge- geben wiirden, wäre es überflüssig, auf den Inhalt des nrinisteriellcn Exposé“ noch wcitcr einzugehrn. Die Frage iiberdcnSckundär-Unter- richt war in friiheren Jahren schon zweimal vor die Dcputirtcn-Kammkr gebracht worden, aber uncrlcdigt geblieben. Nachdem man sie nun zuerst der Pairs-Kammer vorgelcgt und dicse nach gelehrten und gründlichen Erörterungen, wie Herr Villemain sagt, ihre Entscheidung dariibcr abgegeben hat, wollte man nicht länger zögern, auch die' Dc- pntiricn-Kamnter, ungeachtet der vorgkrücltcn SessionE-Zeit, noch zur Erwägririg dcsGescyes aufzufordern. „Wir hätten gcwiinscht“, fiigt der Minister hinzu, „daß die Probe einer zweiten Bcratbnng bald cm entschcidcndcs Resultat herbeiführen könnte. Es ist viel Miihe darcruf verwandt-wordcn, die Frage zur Reise zu bringen. Ihnen gebührt cs, zu priifen, was noch zu thun übrig ist,“ Es gilt indcß fiir so gut gls airsgemaiht, das; dies wiehtige Gesetz in dieser Session nichtmehr an die Reihe kommen, sondern daß höchstens noch der Bericht darüber Von der mit Priifung desselben zu bcauftragcnden Kommission der Depu- tirten-Kammer vor dem Schluß der diesjährigen legislativen Arbeiten kl'slatie't werden wird. Der Consiitutionncl fiirdetdiesrnAufschub der Diskussion sebr erwünscht, damit die Meinung der Kammern, die d111'ch den Korimnssions-Vericht an den Tag kommen Werde, Zeit be- halte, lhl'L- Wirkung arthuiiben, und namentlich dcmchrus als Wei- !UUJ 3" (219119115, 1an ihn von der Vergeblichkeit seiner bis iiber das Jahr [8.8 znruckjtrebepden Reaction zn iiberzcuqen. Dic France spricht HWV?" sogar dZLHoffnun aus, die Dcpulirtcn-KammerWcrde der Rxgrerung „vor: 1830 ms ediichtniß rufen, das; vollkommene Urrlerrichts; Jrerhcidctnr ihrer ersten und feierlichsten Verpflichtungen sei, und sie werde m diesem Sinne noch Weitere Modificationen mit dem Geseß-Entwurf vornehmen.

“1! Paris, “11'.Juni. Die Pairs-Kammer zog sich heute Unmittelbar nach Eröffnung ihrer Sißuug in ihre Biireaus zuriick, niir drei von der Regierung vorgelegte GeseH-Entwürfe zu priifen, mamlich: 1) den emen Kredit von 200,000 Jr. zur Feier der Juli- fesle betreffend, „?) den wegen Vollendung der Zugänge zum Pan- theon und Verlangerung, respektive Erweiterung zweier Straßen,

* sie vom Kabiriet mitgetheilt crhirltcn.

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3) den wegen Ausbeuiung der Eisenbahn von Nimesnnach Monipellier; ferner um die Kommissionen für Benchterstattung aber diese Geseh- Entwür e u ernennen. _

Tife Hepatirten-Kammer schritt beute zuerst zur Abstim- mung über den Gesey-Entwurf, die Verbesserung der Häfen betref- fend. Die Zahl der Abstimmenden betrug 2.31, wo-vou 163 für und 71 gegen den GeseH-Entwurf stimmten. Terielbe is! also angenom- men, Die Tagesordnung fiihrte dann zur Diskusjiyn des (Hrseß- Entwurfs, welcher die Befefttguygen _von ;Havre betrrnt, Herr Dr- lonqrais eröffnete die allgemeine DiEkusuon. _Er hqtte zwar nichts einzüwenden gegen die großen„OPskk- Miche dte-Ncgrerung für Ver- besserung der Häfen bringt, wunschte aber, daß fur leß-Verbeiserun- qen auch mehr geschehe. Nameytlich fragte erudenYliirister der offent- lichen Arbeiten, ob nichts für die Vite imd fur dieWayenne geschehrn werde. Der Minister entgegnete, dre Jiußverbrnrrsungen serenzrn eincm Gescß-Entwurf inbegriffen, der dre Caimlrsirtion aller Jiirne des Königreichs umfassen werde. Hrrr Arago wunscht, Bertagyng dcr Bcfestigrmgs-Arbciten zu Havre, dre durchaus nicht dringend irren. Cine Landung sei im Falle eines Kriege,? mihi zu „besorgen. Wurde Havrc als Kriegsplaß angegriffen, so rvurde drrs nicht yon der Land- seite aus angegriffen, sondern Von der Hafenseitr ber, diescniussenmn also befestigen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten rr- klärl, ohne auf andere äußere Vcrtl)eidigungs-Arbciten zu Havre Verxrcht 311 lklstkll handle es sich fiir denAugrnblick nicht um einen das Ganze umfassenden Plan, sondern nurbon dcr Ausfiihrrchinigcr als unent- brbrlich anerkannten Befestigungswrrke. Havre sei durch seine Ve- fcstigungcn allzuschr eingeengt, man niiiffe dicsclben writer hinaus- riickcit. (Ruf zur Abstimmung.) Die Kammer schreitct zur Dis- kussion der Artikel. Der erste Artikrl bestimmt 5,M0,000 Fr. zu Besrsiigungs-Arbcircn, erche die bcabsichtigte Ausdehnung dcs Hafens notbwcndig macht. Herr Arago beharrt bei einem Abzugc von 120,000 Fr. Das Amrirdemknt wird aber nach cincr zweifelhaften Abstimnnirig VLkWOkaU nnd der ganze rrsie Artikrlangcnommcn. Nach Art. “.? soll Von jener Summe fiir dieses Jahr dem Rricgö-Ministkr ein Kredit von 500,000 Fr. , fiir das folgcndc rin Kredit von einer Million eröffnet Werden.

(') Paris, “11. Juni. Die Nachricht Vom Ablebr'n des Hkr- zogs voir Angouii-me Wurde gestern mit der Post aus Triest vom dirsseitigcnblonsnl in jener Stadt unserem Hofe grmeldki. Die ganze Königliilie Familie wird wrgen der nahen Verwandtschaft mit dem Verstorbenen morgcn auf srchö Wochen Trauer anlegen. In den lcgitimisiischen Krcisrn rrfuhr man diese traurige Nachricht erst heute friih durch das Journal drs Débats und die Presse, welcbe I" politischer Beziehung ist das Ableben des Herzogs von Angoulk-me insofern ein wichtiges Cr- cignisz, als unter den Legitimisten noch eine brdeutrndc Partei sich befinde't, welche die Abdankung Karl's )(. in Rambouillct zu (Hansen des Herzogs Von Vordkaux nicht anerkennen mochte und bis zur Stunde den Herzog von Angouli-mc als den lcgitimen Nachfolger Karl's )(. und als einzig bcrechtigtenTbrorrfolger inFrankreich ansah. In Folge seines Todes wird in deren Augen nun der Herzog von Bordeaux als legitimer Thronfolger erscheinen. Der Untrrschied zwi- schen alten und jungen Legitimisten, wie man die Anhänger des Herzogs von Angoulixme und die des Herzogs von Bordeaux zu be- zeichnet! pflegte, fällt jexzt hinweg, und die Legitimisten bilden nur noch eine einzige Partei.

Wie vcrlautct, ist der Ausbruch offener Jeindseligkeitcn zwischen Spanicn und Marokko urwermeidlich geworden, und da der Kaiser von Marokko sich von Abd el Kader verleiten ließ, die französischen Bcsiizungen in Algerien mit einem feindlichen Einfall zu bedrohen, so hat das Kabinet drr Tuileriecn bcschlossen, die Demonstration Spa-

niens gcgen Marokko zn rintcrstiiyen und gegen leßterks Land als “„ gegen einen gemeinsamen Feind zn agircn.

Es War anfangs die Rede davon, die ganze Flotte, Welche in Toulon stationiri ist, an der marokkanischen Kiistc erscheinen zu lasscn; da jedoch bis zur Stunde der Kaiser bort Marokko sich auf bloße Drohunqcn bcschrärrkt und England die Entwiikclung ciner starken sranzöischén Sccirmrht an der nordafrilanischen Kiistc ungern sehen würde, sjo will das Kabinct der Tuilerieen, um schwierigem diplomatischen Verwickclmtgcn zu entgehen, Vor drr Hand es auf die Absendung eines bloßen Vcobachtungö-Gc- schwaders nachMarokko bewenden lassen, während andererseits gegen- wärtig in Toulon und Marseille 10,000 Mann eingeschifft wrrden, um die französische Streitmacht in Algerien längs der Gränzen von Marokko zu vermehren, Nöthigcnfalls wird später der übrige Rest de'rs Flotte von Toulon zu der EIcadre des Prinzen von Joiriville iozcn.

s Der König Und sämmtliche Mitglieder der Königlichen Familie haben sich beeilt, gestern die Jndrrstric-Ausftellung zu besuchen, um dem Ausstellenden, welche diirch das vorgestrigc Unglück betroffen wur.- dcn, ihre Theilnahmc zn bezeugen. Obwohl der Moniteur dcn Schaden der Ausstellendcn sehr 311 brrringern strebt, um dadurch die Verantwortlichkcit dcs Ministcrs der öffentlichen Bauten möglichst zu decken, so stimmen doch alle Blätter, die ministeriellen Journale mit eingerechnet, darin überein, das; das AribsiellriiigE-Gcbäudc durch den Wolkenbrucl) in eine See verwandelt worden war, worin die ausge:- stclltkn Waarcn schwammen. Der Schaden wird auf *.'00,000 Jr. veranschlagt. Ter Globe, Welcher Weiß, wie viele Ausstellcnden im Begriff stehen, Schadcn-Ersay von der Rrgicrung zu verlangen, bekilt sick), das Rundschreiben drs HandelS-Ministcro anzuführen, wo.: durch diescr einige Tage bor dcr Eröffnung drrJudustric-Auzstcllung den Ausstellendrn erklärte, daß die chicrrmg fiir den Schaden, welcher dcn mrsgeslelltcn Warm'n widerfahrcn diirfte, in keinem Falle verantwort- lich bleiben könnte, das; mithin die Ausstellerrden von srlbstdic "othwcn: digen Vorsichtsmaßrrgcln zu l'l'lfft'll hätten, um ihre Waarcn fiihrt zu stellen. Um den beschädigten Ausstellendcn einige Erleichterung zu gewäh- ren, hat gestern der König und dessen Familie bedeutende Ankäufe und Bcslcllungen gemacht, die sich auf mehr als100,000Fr, belaufen. Auch spricht man vvri einem abermaligen Hof-Fcstc zu Ehren der Industrie, zu welchem nicht nur diejenigen, welche bei der Ausstellung von “18371, sondern auch die, welche bki der diesjährigen wenigstknö die silberne Medaille erhielten, geladen werden solli'ir. projektirte Fest will der König alle Klagen und Vorwürfe“, welche hier und dort gegen das Thraker-Jcst in Versailles erhoben wurden, unter:: drücken und möglichst alle Welt zufriedenslellc'n.

Der Bericht über das Eiscnbahn-Projekt von Paris nach der belgischen Gräiize Wurde heute gedruckt dcn Deputirtru verthcilt. Dir Kommission hat die Richtung der Eisenbahn, so wie sie von der Regierung vorgeschlagen Wurde, unverändert angenommen, nämlich iibcr: Crcil, Amiens, Arras, Douai und Lille; von Amiens läuft eine Nebenlinie nach Boulogne, und von Douai eine zweite, welche einer- sei-ts rnit- Calais,und andererseits mit Diinkirchen sich verzWeiqt. Dre einzige Modification im Bericht der Kommission besteht darin, daß lkßlkke den Marsch aussprichk, die Regierung möchte auf eigene Koster! die ganze Eisenbahn vollenden, indem dieselbe ohnehin bis auf d'e„Leglkng „d?! Schienen vollendet ist. Der Betrieb der Eisenbahn soll, wie der uninsierielle Entwurf es verlan t, der Privat-Jndustrie überlqssen werden. Ueberhaupt gewinnt dieser rundsaß immer mehr An- hang M der Kammer, wie man es deutlich aus einem gestrigen Votum der- selben ersehen kann. Ehe nämlich die Diskussion über die verschie-

Durch das '

denen Eisenbahn-Projekie beginnt, war es von der höchßen Wtchb'g- keit, die Ordnung zu bestimmen, nach welcher das enze oder das im- dere derselben zur Erörterung kommen soll. Das Eisenbahn-Projekt von Paris nach Bordeaux, welches nach dem Datum des vorlepten betref- fenden Berichtes als das dritte zur Sprache kommen sollte, wurde tt_un-mit einer großen Majorität ?estern obenan esept, weil es gerade ber'dieser Bahn erwiesen ist, daß s e ein mehr pa sives als aktives Resultat Leben wird, sie also besonders als Argument dafür benuvt werden qm:, daß der Staat ein größeres Interesse habe, die Eisenbahnen einer Handels-Compagnie zu überlassen, als selbst zu betreiben, und daß er, als Ersatz für Ausfälle, den Privat-Compagnieen eine längere Pach- tungszeit gewähren miiffe. Diese beiden Grundsäye einmal auf das Eisenbahn-Projekt von Paris nach Bordeaux angemndet, werden unvermeidlich das Votum über die iibrigen Eisenbahn-Projekte be- slimmen, denn die Deputirten-Kammer hat die größte Eil, auseinan- derzugebeu, sie wird, wenn erst die allgemeine Diskussion des erßkn Eisenbahn-Projektcs erschöpft ist, die übrigen vier Projektein Sturm- srbritten votiren und dadurch ein für alle Mal dem Sysiem den Sieg Verleihen, dem zufolge nicht der Staat, sondern die Handels- Compagnieen die Eisenbahnen auszuführen haben.

Grossbritanien und Irland.

Unterhaus. Sitzung vom “10. Juni. Die Haupt-Ver- handlung des heutigen Abends bildete eine abernralige Diskussion über die Zuckerzöllc, als das Haus sich zum General-Comité über die Zucker-Bill konstiluiren wollte. “Die Debatte bot durchaus nichts Ncurs', es geschah derselbe Antrag von Seiten der radikalen Whig- Partci auf völlige Gleichstellung des Zolles von fremdem Zucker mit dem Zolls filr britischen Ilolonial-Zucker, welcher schon so oft vergeblich gestellt worden ist, und es erfolgte auch heute die Verwerfung eines solchrn Anfrage:? mit großer Majorität. --

Zwei andere Jragcn erregten größeres Interesse. Capitain Bernal brachte die während der Anwesenheit Sr. Majestat

des Kaisers von Rußland erfolgte poli;riliche Vrrbaftung eines pol- nischen Edelmanns, (Hrafen Ostrowski, zur Sprache, welcher sich dro- hender, nach anderen Berichten, nur rrnvorsichtiger und scherzhaft?r Acußeritngen gegen dcn Kaiser hatte zu Schulden kommen lassen. Der Fragsteller wollte wiffen, ob die Verhaftung geseßlich gewesen sei und ob die Polizei nicht ihre Befugnisse überschritten habe. Sir James Graham sagtk, er sei durch die Zeitungen auf den Vorfall

aufmerksam gcnmcht worden und habe nach gehöriger Nachforschung

amgeeignrtenOrtedirUebcrzcuqnnggewonnen,daßdicPolizeivollkommeZt

gerechtfertigt sei, da die erwiesene Aeußerung heftiger Drohungen die

Vkrhaftung nothwendig gemachthabe. Im Falle eines Unrechts siehe 1a

übrigens der Negros; frei. Hrrr Borthwick verlangte hierauf zu

wiffcn, ob es wahr sei, daß Don Carlos zur Bernhigung Spanixns

Vorschläge gemacht habe, welche von der britischen Regierung zuruck-

gcwicsen worden wärcn. Sir Robert Peel erwiederte, daß aller-

dings, jedoch auf eine indirekte und formelle Weise (drrrch,Lord

Ranelagh) 'von TonCarlos Vorschläge gemacht worden seieir, die sich

auf die Vermählung seines ältesten Sohnes mit der Königin von

Spanien beziehen, daß aber die Opfer, welche er, Don „Carlos,

selbst bringen wolle, um diesen Zweck zu erreichen, 'nicht, be- stimmt ausgedriickt worden seien (angeblich war es die Verzrchtleistung auf den Thron). Die britische Regierung habe sich nun darauf be- schränkt, die Vorschläge sowohl der französischen als der spanischen Regierung miizutheilen, könne sich aber nicht veranlaßt finden, deren Annahme letzterer zu empfehlen, da die Angelegenheit dem Ermessen Spaniens selbst überlassen bleiben müsse. Die spanische Regierung habe übrigens noch nicht geantrvortet. Als Lord Palmerston nock einige nähere Auskunft zu erlangen suchte, setzte der Minister noch hinzu, rs sci aus der Mittheilung dcs Prätendenien nicht klar zu er- sehen gewesen, ob er aus srinc eigenen Ansprüche verzichten wolle oder nur fiir seinen Sohn,

London, ,11. Juni. Se. Majestät der König von Sachsen, „"Dem 311 Ehreir Sir R_. Perl am 15tsn d. ein großes Fest veranßal- „ict, mird, wre es heißt, am 1701: London vcrlaffcn, um in Beglei-

[Ztung des ihm von der Königin bkigcgebkiten Lord Charles Wkllrsley, ; zweiten Sohnes drsHerzogs von Wellington, (“inc Rkisc durch Schott- «land und Wales zu unternehmen, worauf er ohne Aufenthalt über

London nach Deutschland zurückkehren wird.

Der Kronprinz von Dänemark ist von seiner Reise durch die westlichen Hociilande Schottlands am 7ten in Glaszxow angekommen, woselbsl derselbe am Rien noch verweilte, um die Schcnswiirdigkeiten der Stadt in Augenschein zu nehmen.

Unsere Blätter sprechen viel von der brkannien Munificenz Sr. Majestät des Kaisers von Rußland, die sich auch während seines Aufenthalts in England gezeigt hat. Man hcbt namentlich hervor, daß derselbe eine bedeutende Summe zur Vollendung des Nelson- Dcnkmals auf dem Trofalgar Square beigesteuert und zur Verthei- lung unter die TirnrrsMft der Königin iin Buckingham-Palaste die Summe von 20,000 Dukaten angewirsen habe.

Die londoncrKorrespondenz derHamburZerBörsenhalle thrill das Schrcibcn dcs BaronBrunnow an die Herzogin von Som- nicrsct mit, dcsscn unsrr Korrespondcnt vorgestern Erwähnung that. Der Name dcrHrrzogin stand bekanntlich an dchpiye auf der Liste der Damen, welche den gestern flattgcfundcnen Ball zu Gunsten der noihlcidrudrn Polen in Englaud beförderten, und dieselbe hatte vor einigen Tagen dem Baron von Brunnow schriftlich ihr Bedauern zu erkennen gegeben, wegen der Anwesenheit dcs Kaisers das Fest ver- schieben zu müssen, Baron Brnnnow richtete an die Herzogin, auf Buschl Sr. Majestät des Kaisers, folgendes Antwortschreiben:

„Windsor- Castle, 5. Jimi. Werthe Frau Herzogin! Tausend Dank für Jbrc freundsclmftliche “))kitthcilung in Betreff des ()!mriex ball, der am Montage", dcn l0tcnd.M., zu Gunsten der hülfsbcdürsti rn Polen in England gegeben werden soll. Zeh habe nicht ermangclt, A es, was Sie in Brzng daranf gütigst geäußert haben, zur Kenntnis; Sr. Majestät zu bringen. Schon im Voraus war mir vollkommen klar, Was Sr. Ma- jestät beabsichtigen wirke, Es freut mich schr, Ihnen, werthe Frau Herzogin, jevt mitthcilcn zu können, daß der wohlkliätigc Zweck, den die Damen des Vall-Comi- t-Z's im Auge haben, keinrn Anfiand irgend einer Art finden könne. Se. Majestät isl mit den Namen, die an drr Spiyc des Comité's stehen, nicht bekannt, und was den wohlrhätigcn Zweck selbst betrifft, so habe ich Ihnen nur mitznthcilcn, daß, falls die Subscriptions-Lisie noch nicht geschlossen und ein Zuschuß zu den Fdnds, welche zu Jbrer Verfügung stehen, nölhig sein sollte, ich von Sr.Kai1crl.*))lajestät beauftragt worden bin, mich durch Unterzeichnung mit jeder bclicbigcn Summe zu betheiligen, welche Sie zu Grinsien dicses Wohlthätigcn Zweckes zu unierstrllen geeignet halten mögen.

Ihr ergcbrncr (unterz.) Brunnow. An Ihre Gnaden dir Herzogin von Sommersct.“

)( London, 11.Juni. Die Aussicht auf einen Krieg zwischen den Franzosen in Afrika und dem Kaiser von Marokko ist ein Um- stand, auf den die Regierung Englands nicht mit Gleich ülligkeit blicken kann. Schon die große Ausdehnung der jest unter tanzba- scher Herrschaft stehenden Küsie von La Cala bis Oran, und nament- lich die Lage des leßteren, gegenüber den spanischen Häfen am-mil- tensändlisIe" Mederet, haben die maririme Bedeutun diess Meeres we enti verän er ; wenn nun gar noch die fr ö en n o bis Melilla, Ceuta und Tanger vor erückt würadjénfkiiho muß?:npseslbe;

die ernsten Felsen von Gibraltar an* den gegmliberlitgenden Nachbar

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