1844 / 175 p. 2 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Ausland.

Dmischc Bundesstaaten. _

'“ ' rei Ba ern. Die Münchener Poiitische Keitzu? qu t??thälkhnachf1)1:1,e11de a_mtlichc Darstelluyg der Vorgang?* zu Ingolskadt: „Nach so eben4e1ngelaufe11en Bertchten haben zu „zn- olsiadt am Sonntage, den “lbien d.,M., Abends beklagenSwertbe Zjuftritte stattgefunden, deren erste zufällige Veranlassung bald darauf zur Veriibung anderer damit in kxmxm Zysammenhange siehxnder ahndungswürdiger Attentate gegen d1e O_ffentl1chx Ordnßung und S1che1- heit benutzt worden ist. Die Arretirung eines xzesiungö-Arbm- ters, Namens Bader, wegen rxccsfiver Trunkenhett, hatte die traurige Folge gehabt, das; derselbe, als „_cr auf dem Wege zum polizeilichen Arrest-Lokalc dic Jlucht_erg11ffci1,-von dem ihn verfolgenden und zur Haft bringenden 8J)ol1zc1-Rotti-11e1sier d11rch einen Stich mit dem Säbel gctödtet worden war. J11 e1111'm Angen- blick hatte sich um den zu Boden gestürzten Todten Une Menge an- derer Arbeiter geschaart, und den Rottmeistcr genöth1gt, 111 dem be- nachbarten Walser Vräu- und Gasthausc, das sofort verschloscn wurde, Zuflucht zu suchen. Ein großer Haufey Festungs-Ardmtcr, unter welchen sich bekmntterweisc seit Jahren v1ele Fremde 1111111111111, drang hierauf egen dasselbe an, umringte es„ und forderte nntlautcm Geschrei und unmer Wachsendem Lärmen die Herausgabx dcs Gc- flüchteten, der _ sollte der Gerechtigkeit des „Staates„ ihr ordent-

licher freier Lauf gclaffen Werdcn, gegen d1c lc1ch1 crklarbaren Tro- hungen und die Rache einer erhiytcn Menge 11111 „allen gescyl1chcn Mitteln geschiißt werden mußte. Da a11f111eh1111al1g1' Aysfordcrung sowohl des inzwischen hkrbsigcriltcn Biirgemncqtcrs, 1115 111111) dcs Stadt-Commiffairs von Ingolstadt dcr Volkshauß'n 111cht 1111151111- 1111dcrwich, noch sich entfernte, vielmchr sich a11s1h1ckte, das Haus des Bräucrs Walser gewaltsam anzugreifen, 'w11rde11 111113 der nächstgelegenen Kaserne des Königlichen Jusantemc':Reguncnts Karl Pappenheim verstärkte Patrouillen requirirt, anin der Ankunft von ungefähr 20 Mann der Rottmeisicr in ihm Mitte 3111“ Verwahr1t11g 111 die genannte Kaserne abgeführt, Der zghlwche Haufen hcglmtctc denGeiangenen 1111d wendete fich größtenthms 111 gie1chch1ch1sc gcggn die Kaserne, vor welcher aber inzwischen cinc bct1*1"1chtl1chc Abthmlnng M1: liiair aufgestellt wvrden war, um das Eindringcn dcr tobenden Menge 311 verhindern. Als diese endlich die Ueberzeugung gewann, dcn Verhaftctxn nicht erreichen zu können, zerstreute sic sich 111111-11lt1ta11sch, 111 verschic- denen Richtungen durch die Stadt, und machte 1hrer Erb1tie111111g ck1th Beschädigungen am Eigenthum einiger „(Zöcwcrbslx1tte Luft, m_dcm- 112 durch Steinwiirfe und mittelst (vögeriijener Pßahlc bei cht Bier- dränern und 6 Bäckern Fenster und Läden 3ertr11mn1erte. Durch dad rasche und kraftVolle Einschreiten der bewgffneten Macht, w11che d1c Rotten mit gefiilltem Bajonette auseinandertricb, qhnc daß jedoch eme Ver- wundung erfolgt wäre, wurden weitere und noch argere Strqßcn-Unfuge glücklich verhindert, und so konnte bereitsAbcnds11n1,§)Uhrd1es,1-xdurch c111 bedauerliches plöyliches Ercigniß zufällig herbe1gefuhrte Storung der öffentlichen Ruhe als beendigt betrachtet werden. Geeignete Vor- sichis- und Sicherheits-Maßregeln wurden dcs Tach darauf von den Polizei-Behörden zur Verhütung neuersszeffe gci1'dffcn, 1111d wir haben bis zu der Stunde, in welcher W11 dtcses'schreiben, keine Nachricht, daß die beiriibenden Vorfälle sich 1rge11d1v1e erneuert hat- ten. Der in Haft gebrachte Rottmeisicr wurde gkestern Morgens von der Kaserne aus dem Königlichen Landger1chte Jngolstadf zur Einleitung der strafrechrlichen Untersuchung udcrgebeq und der zuversichtlich zu erwartende rasche Verlauf derselben w11d du: dem Reate angemessene Strafbarkeit an den Tag legen. Von de11,Ex- cedenten wurden mehrere glcichfalls verhßstet.“ _. Dcr 9111111- berger Correspondent vom 21.-Jum brtngt d1e (1111111, obtgcr Erzählung wenig qlaubwürdigc) Nachrich1, cs sct von -E1ck[iadt und Neuburg eine Verstärkung von Truppen 111 anolsißdt emgcruckt, und auch der Divisions=Ko111111andant Graf Pappxnhcrm von Augsburg aus dahin abgereist.

Köni rei Sachsen. Die Deutsche Allgemeine 3131- tung melde?a1tschHerrnhut vom 16. Juni: „Heute Abend hat der Superintendent und Konsistorial-Rath ])1'. Stcher aus Posxn im Betsaale zu Herrnhut von den sogxnannten Bischofen ,dlxr Bru- derkirche, als erwählter Senior der wwdciher-gcsiclltcn Umiatskirchen in Posen, die apostolische Weihe der Ordtna11o11crhalte11, und zwgr nicht in der gewöhnlichen herrnhutischen,Ordmaiwnstiacht, sondern 111. dem geistlichen Amts-Ornate der l11ther1schen Knchc.“ ,

er o t um Sachsen - Meiningen = Hildburg- haufe?“ zDi? Zemahlin des Herzogs Bernhard ,vo11Sachse11-28e1- mar und die Prinzessin Karoline von Hessen, so “W113 ,der Prmz Erizsk von Barchfeld und die Jiirsiin von Hdhxnzollch stud 111 Lixbenst'etn angelangt, um die verwittwete Königin von England, die 6 bis 8

Wochen dort verweilen wird, zu begrüßen. Noch viele andere höchsik

und o e Herrschaften haben sich bei Ihrer Majestät zum Besuch an- 111eldxnhlassen: der König von Hannover, der Erbgroßherzog Von

1010

Sachsen-Weimar, der Herzog von Sachsen-QKoburg-Gdtha in Beglei- tung der Herzogin von Kent und des Fursten Lemmgen „11. A. 111. - Fiir die israelitischen Gemeinden des erzogthums Mennngen rst eine ausführliche Synagogen- und GotieSdrenst-Oxdnung durch das Konsistorium bekannt gemacht worden. Nach der Hochsten A11,ord111111g waren alle Gemeinden durch ihre Abgeordneten vorher dargber ge- hört Worden, und, wie die Dorfze1t1111g dom 22.„Iun1 meldet, hatten sie sich sehr verständig und dankbar dariiber erklart.

XX- Dresden, 22, Juni. Seit den leßten 30 Jahren hat die Einwohnerzahl Dresdens sich um ungefähr 50 pCt. vermehrt. Die natürliche Folge ist, daß die 111 friihcrchc11 errichtctc11 kommun- lichen Anstalten dcn jest bestehenden Verhältnissen nicht angemessen sind. Namentlich wird das hiesige Stadtkrankenhaus, welches wohl auch in anderer Hinsicht den heutigen Anfoiderungey 1111d Wünschen 11icht ganz entsprechen mag, fiir das der111a11ge Bedürfmß vvll1g 1111- z111eichc11d erachtet, weshalb seit längerer Zeit bet den Verhandlungen dcr Stadtverordneten die Erbauung eines größeren Stadtkrankan banscs eincn der wichtigsten Gegenstände _11111311111cht. Schon vor 311111 Jahren ist 1118 dazu a116ersche11c, 11111 östl1chcn Ende der Altstadt ge- legene Terrain acquirirt, 111111) [1111113 e111cfgroße- Maffc-Stcmwerk dazu angefahren worden. Dcsscnungeachicdßndet d1cBollf11h1ung des Baues Anstand und Widerspruch und, 11111 es scheint, 11111 vollem Grunde". Die Höhe der dazu mit “1:51)-- *151],1)1)1)Nihl1'.vcranschlqgtcn Summe, wclche leicht bsi dcr Ausfiihrung noch bcdcutcnd iibersiwgcn werden könnte, hat nämlich die 1111th Betrachtung hervqrgcrufcn, das; ('I doch dem eigentlichen Zwecke nicht entspricht, fiir 111 Armen und Kranken so große, dcn Paläsicn gleichende Prach1gcba11de neu 1111f111b1111c11, und da[," die' Adsikht mit 111111 geringeren 511111111 111111 111111) vollständiger durch "211111111- und städtische Kranxcn-Ko101111111, bestehend aus cincrMehrzahlbiirgcrlfxlxrHäuser 11011 1111ttlcrchroße, 311 11111- 111111 sei. Es wiirden dazu fiir die Stadt Tcmdcn ctwa „111 H1111s1'1, von Welchcn jedes mit 8-11111111) Rthlr. 111 erbaumi ware, noth1g sein. Diese Mkinung erhält 1111 11111 so größeres Gcw1cht, wcnn 1111111 erwägt, das; durch mehrere von 111111111111“ gctrcnnie 1111d_dc1111och lc1cht 111V1'1bi11d1111g 311 schnde Gebäude“ d1cKr1111k1'11 zjvcckymßtgcr abzuso-n- 11111 sind nnd die Verbreitung dchiasincn 11ndK011tag1c11 besser 191111118- dcn jvcrdcn kann, als in einem einzigen g1“os;c11(§)-1:bi111dc 1111t311'1111k1'11 allcr Art. Dazu kommt, da[; die Haupterfordexnine solchjcrA11sial'te11, nämlich reine Luft, Licht und Reinlichkeit, bc1n1 231111 e1111'ö c11131gcn 11mf1111grci111e11Hauses schwierig zu erlangen sind, das; 1111 cntgcgcngcz setzten Falle bci cnistkhendcm Jener nicht glc1ch d1e 11111151 Aßnstalt 11111 si1'111111tlicb111Kranken in große (5)ef1_11)1* gcraiixci, das; 111 zzolge dcr Ersparnis) mehr auf die Pflege, Aufjicht, Bckosttgnng, Bckle1d1111g der Kranken und Rekonvalcszcntcn :c. verwendet werden „1111111, und das; die 3111111ko selbst, die sich gcwis; in Pajästcn 11ich1 hcmnsckl1111d 1111111 wohler befinden, dcherhältnisscn, in dtr. sic zurucktrctcn, 111cht allzu- sehr c11tf1'1'111dct wcrden. _,

Es ist schr zu wiit1sch111, daß die h1c1111c Anlage zu c111ch11sicr- Anstalt solcher Art für große Städtcxrhobcn werde. , _ ,

Unter der hiesigen Bürgerschaft 1st dcr Wunsch 1111d d1cUAbs1cht laut geworden, bei der bworstchcndcn Rückkehr Ihrer €))1a1cstate11ch Königs und der Königin, durch einen solcnncn Empfang ?lllcrdochsi- dcncnselben ihre Huldigungen darzubringcn. *Jbrx Majestat d1c Ro- 11igin wird am %sten d. M. hier wieder e111tresfen, der Tag der Rückkehr des Königs aber ist noch ungewiss.

Oesterreicyische Monarthtc.

Görz, 1-1. Zuni. (A. Z.) Der Herzog von Aygouli'mc “l)11t in seinem Testamcnte dcr vcrwittwrtcn Herzogin dc11 9711131119111!) s1'1- nes Vermögens, das Eigcnthum dlffklbl11 zujzwc- Dritthmlcn dcm Herzogc von Bordeaur und zu cinem Drttthctlc der Schwester des Leytcrcn vrrmacht. , . |

Die Excquien des hohen Vcrblichcncn smd htcr 11111 wahrhaft Königlichmn Pompc gefeiert worden; die ganze Bevölkerung schloß sich dem Leichcnzugc 111111) Castagnavizza 1111 und erhöhte d111*ch1l)rc Theilnahme die Bedeutung der Feier, da sie den sprcchcndsicn Bc- weis Von den hohen Tngendmt des Hingcschiedcncn - ungehcuchcltcr Religiosität nnd uncrschöpslichcr Wohlthätigkeit -- gegeben hat. ,

Die verwittwctc Herzogin Von Angouli'me hat der Stadt Görz einc namhafte Summe 3111" Gründung eines Hospitals fiir Wahnsin- nige geschenkt.

11- Prag, 19. Juni. Seit gestern herrscht in unserer St11dt eine große, durch Auflehnung dcr Drycxcr in 1111 Katt1111-F11b11k1'11 herbeigeführte Besorgniß, die durch ct111ge Vo1'g1'111ge ,“,s heutigen Tages nur noch mehr gesteigert Werden mußte. , Vor emtgcn Tagen waren, wie friiher schon sehr häufig, so auch d1es111al, zuerst 111 der Kattnn-Fabrik der Brüder Poygcs Streitigkeitcn zwischen den Fabmk; csißeru und den Druckern iiber das Loh1-1a11snmß' c,11ts1a11de11s„d1c uf chnifiiion der Ersteren zur gefängltchen E111ztxhu11g c1111ger er Wortführer fiihrten. Dadurch noch zvehr, erbittert, 1191111 ie Drucker gestern Vormittags die Arbeit nieder, NrsannncZ- ten sich jcdoch bald darauf zur Ausübung von Exzcffcn 111

der Fabrik, welche mit persönlichen Mißhandlungen und end- lich sogar gänzlicher Zerstörung der Perrotinen endeten; weiteres Unheil wurde durch das Eintreffen der angerufenen militairischen Hiilfe in dieser Fabrik verhindert. Von hier begaben sich die Drucker aber nach anderen Fabriken, wv ihre Genossen die Arbeit ebenfalis cinsiellten und in gemeinsamer Vereinigung heute Morgens auch in anderen Fabriken der Stadt und Umgegend Mißhandlungen an eimgen dcr Besißkr ausübten und Maschinen zerstörten, ehe es durch das em- sch1eitende Militair verhindert werden konnte. Gegen “wetten Aus,- dehnung dieses vcrbrechemschen Treibens ist durch gehörige Verthet- lung des Militairs in dcr Stadt sowohl als in deren Umgebupg gc- sorgt; und man hofft, daß es den von Sr. Kaiserl. Hohen dem Erzherzog Statthalter getroffenen, im hohen Grade fi1rsorgende11 und dabei doch möglichst schonendenVerfügungen gelingen wc-rde€ die Tumultuantcn zur Besinnung zu bringen 1111d z11mW1eder11ntrttt thrcr Arbeit zu vermögen, um so mehr, da bisher 1111121le 111113 ErschJncn dcs Militairs 3111 Hintanhaltung fernerer Gewaltthatigketten genugte, ohne daß es nothwendig war, von den Waffeanebrauch zu machen. Indessen ist man doch nicht ganz ohne Besorgmß 'Wegen des „fertiercn Verlaufes dicser bedauerlichen Angelegenhett. W1e strafbar ubrigens die Auflehnung dcrArbeiter auch ist, besonders bei. emcr' solchenAus- 1111111111 111 das ve-rabscheuungswiirdige Verbrechen offentlnher Gcwait- ihätigkeit und Zerstörung dcs Eigenthums, so kann doch andererseits auch das bisherige Verhalten der hicsigeansiHer „der Kattun-Fadmkcn 11i1l)t gebilligt Werden. Eben weil sie alsUJsrgelttlcn 111 den unteren Schichten der Bevölkerung Wenig Anhangbchkcit haben, sollten sie um so mehr bcslisscn sein, durch Fabrtk- Schulen, “Er? sparungs- 1111d Pensionsfonds die sittl1chc 1111d,n1atericllc Lagx thrcl ?lrbcitcr vri'bcssern zu hclfcn, Was ihnen bei d1cse11 und den ubrigen Klassen dcr Bevölkerung gewiß bleibendcfSympat'htccn chxbcn miißtc. Leider aber ist Von den hiesigenFabrikqntcn bishex gar nichts qcschcl)c11, um durch Unterricht 111111“ anderwcttlgc ii11tet'stuy11ng111_dxr in ihren Fabriken beschäftigten 31111de1' und Arbwter dem, 11an 111 anderen FabriksortcnDcr11ktigcs1,gcsch1eh1, s1ch gleichzustellxn. Mogen dic jiingstcn bedauerlichen Vorfalle dazu "bettragen, daß-dtesem Man- qcl abgeholfen werde; Anstaltey der erwahnten Ari sind 111 gcschlosse11e11 Fabriken die besten Abwchrnnttcl gcgen Rolckhe1i und ungeseylickoe (Hmvaltthat, die durch Vorkehrungen dcr Bchoxdeu wohl an ,dcr Verbrcitnng, 11111111181111cl)1* aber am ?l1113br1111) Verhindert werden ko11- 11111. Unsere Fabrikanten iiberdies, die so [11118111 nach der Erhcdunx 111 den Adelsstand sind, sollten bedenken, daß d1q Sorge um die er- bcffcrung der moralischen und matcxtellcn Existenz Hundert,“ Von Arbeitern ebenfalls eine ArtAdel varimht, dessen Werth dem eines er-

kanstcn Wappenbricfcs gewiß 11icht nachsicht. F r a n 11 r c i ch.

3Pairs-xskclmjncr. Sitzung vom “174. J1111i. Heute Wu1dc das Gesel) wegen der Erfindungs-Paicnic 11111 93 gegen 4 Sinn- 111111 a11qc110111n1cn. Dann kam das Gesch wcgcnmebcrufnng von R),(11)1)*9.)k111111 1111 die Reihe'. Nachdem 1111? Art1kel ohne Debatte votirt waren, Wurde das ganze Gesetz 11111 89 gegen 4 Stimmen

g111ch111igt.

De utirten-Kammcr. Sitzung vom “18.,IU_"*- A" der Tagxsordnung war die Wiederaufnahme der D1§k11sxio11 ddes Gesetzes iiber die Eisenbahn von Orleans nach Bordeaux. Nach erln 1csicr11 die Diskussion des Lastenhefte§ deended worden, kam mijmtznt "irt. 3 des Geseycs selbst. Der Manser, 1v1rd dadurch 121115?ng , die Bahn auf eine “Dauer von hiichstens -11 Jahren und 1 ck atgi'p- von dem fiir die Schicncnlcgung fcsigeseßten Tage an gerc )Uk , "l ' 11 t 11 oben. _ Y chHkék vgo 11 Preignc beantragt, nur 35 Jahre |W 41 zu Wk"- d'? Konzession solle durch Zuschlag erfolgen und keine Gc|cllsch11ft ohne an- tionslcistnng zugelassen werden. Der Zuschlag WUK, “b“ "| durch "eme 1111niglichc O1do11111111z definitiv wcrdxn. Nach Gcruchtcn an der Borse, sagt der Redner, wolle sich fiir gcw111c Bahnen lcmc' Gesellschaft andmeii, tvcil fie glaubten, daß die Konzcsfiyn dafyr schon 1111111111115 xrthc1lt-sc1. Dic AnSlaffung dicser Bestimmung 111 gcw1sen Lastcnbachcrn schicncn d1esc

11 te 11 "ti cn.

G" Zet zMxiTsichr der öffentlichen Arbeiten: _Er" solle dte Perso; 11111 nennen, welche gemachteVersprcchuugcn anfahren. (Larm! Aufregung. 0 s T* ]

„111. HöcTrYon Prcignc: Er_„habc nicht von Vcrsprechungrn geredet, sondern von Geriichtkn 1111 der Borse. , . ,

Der Minister: Dcr Redner scheme sie abxr nnter sem Patronat nehmen 311 111911111, indem er fie auf der Tribüne Wxxderhdle. '

Hcrr 111111 Prcignc: Er habe nicht die Abncht 9111113 Angrtffs axis dcn M111isi11 gehabt. (Aufregung 1111d Zcicken der-VertYrrYng. Der Mi- nister sagt, 11“ Werde dcm Redner antwor-ten. Eine Stimme: Das 1sk dcr Mühe nicht werth.) Herr von Preigne vollendet scmc Rede unter Mnrrcn 1111d 11111111s111crks11n1k1'it der Kammer.

Der Minister der öffentlichen ArbeitenantWoro-tctxwrun1111111 dcigleichcn Gerüchte hier vorbringc, von dcren Existcnz cr 11br1gc11s n1chts wiffc, so solle man klarcr, bcsiimmtcr sein. D9ch wolle xk d1e Sache fallen lassen, da Herr von Pieigne seine Jnsmuanoncn „znruckgeuommcn ha'bc. Das Amendcnwnt desselben brkämpft er, und „bittet d1cKan1mer, dcn Amke! dcr Regierung 311 votiren. (Ruf: Zur Abstimmung!)

„!

...- *h-

er das ganze (freilich nur aus 2000 Unterthanen und einigen Nachtwäch-

tem bestehende) Königreich Yvetot den Bessungen des Ordens c1nvcrle_1brn werde. Jeannette, die gewaltig kriegslusji gcwdrdcu, drmgt m1fAuS11'ch- 111119 der Fehde, und die Unterthancn en Wc!) 311111,Kamyf.„ Der smd- liebende Zoffelin kann aber kein Blut fließen ehen; em glucklicher anall bietet fich ihm dar, den Krieg auf gütlichem Wege zu be111den. ,

Dies verwirklicht 's1ch im dritten Ait. Josselm und.?)„iegnJald smd eden 1n1 Begriff, den Krieg zwi chen Yvetot und der Komthury 1n emem „Zwe1kamps a11özufechten, da eigt ersterer dcm Ordenöritterje111_Doki1mcn1„wora11s dieser mit Zcrknirsixpung erkennt, daß Magarethc e111 K111d scmex Ltcbc 1111d Sünde sei. Der bcfiegte Komthur willigt jest iu„d1eHc1rath„ semes Neffen, um das Ver migen zu haben, in seiner Nichtx (fur solche 1v11d Margarethe jest aus cge en) seine Tochter umarmen zu konnen. ,

Dic : vetnußte Fabel des dritten Akts schadet dem Emdmck dcs be- _lustigenden Ganzxn nicht wenig, das zunächst nach der weltbeka11nte11Chan- son von Beranger gedichtet 1s1. Ein paar Coupletß dejS Berau csrschen „Uni 1171-3101" find sogar wörtlich aufgenommen (111 1111er Art 1sion), machten aber in der deutschen Bearbeitung und „da nicht allen Zuhorxrn das satirische Lied bekannt sein kann, gar keinen Emdruck. Peranger schricd dieses Gedicht im Jahre 1813, wo die Anspielungen aufdie blqtige M111- sait-Herrs aft Napoleon's nahe Yung [11 en. Nachher bin!» es tm Munde des Volke , als ein eistrcicber pott au die Schlaraffen-Hmschzzft. Die Textdichm der Adam chen Oper haben natürlich nur die Grzmdznge du!:r

Chanson beibehalten können, und selbst der Charakter des Koni?s erscht nt kk ihnen wesenui modi 3111: er erscheint hier Weder als mast er Stlen, d'? auf einem Es? stin uodez-Ländchen durchreitet, noch auch a s renom- WÜÜÖ" 151111111111, vielmehr ist er ein gemütklicber und tugendhastex Dorf- WWÜ- d“ ““ Ptivaimcmn lebt und eben läßt und als König die “U" „Das VSU U" Mem- Alles für das Volk“ annimmt. ' Hm“- das 1111 ungefä r 10.1100 Einwohner 5111111, besaß deren im J, 1111er ur deu fünftey heil. Es war ein freies Etblehen, dessen ** * "“ U- "Tea" "d“ KIW- uannteu. Deu Neu-Fran oseu lag atso, -"'- ** "W “;p-Kön! tbum verßsmrm wollten von ie er der Spaß "“ e' ck “" "w' JU kkikkn- „Femke nint-gria'“, rief Hekjrich ]? vor „her Schlacht "11va mn, „.; je „4, ]. wuwo'M 11 1,“ . “W" ,a“. an maxm m; 111711101“ 111?» : waren 111: ITW'KYeßY ve- :"*:(L1"*“ (“F**"d" "Wö- ße F*etövier von.]?- un' [- “'"" “"“ b" Ws“ 1“ m für nen- Baiana» “511311111111ien

_Komgihumö Darf man alten Chroniken glauben, so 111111111 chtot dnrch

Klotar ]„ zur Siihnnng eines von ihm bcgangcncri Verbrechens, 311111 Königreich erhoben. Gauthier, Hch von F.)]vctot, 1111 alter 111R1111gi1adc gefallener Günstling, trat dcn Kömg an, nachdem cr 111113 deni Knßcge ge- gen die Ungläubigen zurückgekehrt; er glaubte dazu dcn richngen 211113an blick gewählt zu haben, indem er fich 1111 Klotar Wahrend der Mcffe Wandte. dieser aber zog in der Kirche seinen Degen, und Gauthier sank cntscelt 11111 ie Stu en des Altars. . . ,

d Dief Mufik 311 dieser Oper ist nicht ganz so 111111111 und. Mick), nne M 311111 „Postillon“, „Vmucr“ und „Zum tre:1c_11 Schafer“. 111 11111111 Nam- 1111111 aber doch dem Voieldieuschen Genre habsch angen-ahkrt, 1n 111131111111 auögezeichnct, 2113111113 gilt besonders von dyn ngectxtbch koi111schc11

Gesangstiicken, namcntkich von dem One,“ zwischen _zea11neton 1111d Josselin im zweiten Aft, Wenn jene die L1ste (11; [3 7111115011 1*0)-*n|1; dor- legt, Die Lieder Zossclin's athmen Laune und Lebeusmuty. Der Chor „Herrlich blüht hier im Saal“ atl11nct 111111111 Tafclfreudc. „Wahr- haft schön isi 1'111 crsfaninale die Stelle „„Jh-m gebuhrt vor Allen. , A11ch das Duett zwischen Jeanncton 11111) Dame! 1111 “Iten Akt („Em le1d„cm stolz Betr1'1ge11“,) hat melodischxn Fluß. Uebekhaupt dcruht-dxr Rc1z d1cscr Oper in ihren schönen Zwei esängen, zu dercn dra11111t1s1h 1V11Ya111|e11911.-8 des zweiten Akts zwischen eginald und Ada_[bert „gehort. Sonst jmd d1c ernsteren Stellen ziemlich vulgair gehaltcnz d1es gilt besonders von Adal- bert's erster Arie „Heliltcr M?xh ddcr Ykorgcn“ und von dessen Romanze Mar are! e ni 16 o uns ei en.

ei dkr,AuYühr1smg zeichnete sich Herr Mantius als Iossclin so aus, daß der ihm so reichlich gewordene Beifall nur cm wohlvetdwnter TLtzibäit des Dankes fiir eine glänSende Leistung war. A11f solcher Hohe, der [o cndun haben wir das «pie! dieses braven Sängers noch me seie)?"- Der ortmg der „Worte „Nein, nein, laßt mir mein hafrm'los Leben'; 8 wohnt das wahre Glück allein““, so wie der Stelle „Anf Lteb allem er 1111

ich meinen Thron“, erregien dcn EnthusiaSmus der Persammlung. Auch Dem. Marx, welche als Jeannette im Beßs der zmnen Hauptrolle “walk, excellirte in Spiel und Gesanß. Herr Boni er hielt den Regchd watstk, während Hm er a Adalbert nicbt eiten detonirte und da e1

anies) an mit senden hYäegeben haben, so entlockte uns sein Gesang

1 LW leblos [ 7 k. BFME wir uns den Späßeu des Herrn Schneider D doch

[ manchen S1 euszer.

. Conrad yab dic Margarethe Von aUem Anderen abgesehen, 111 die Stimme der

elben so wenig tona11§gebend,

*

daß ihr Vortrag nic cine gleichmäßige Wiiknng c1ze11gen kann, indem die

hohen Töne (dic vom zMigestrich111c11 [' ab crst einigermaßen Klang bxkom- 111111), abivcchsclnd mit den Püttcltoncn angeschlagen, zum Nachthul der 1115111111 1111311 schr kontrastircn. -11.

Naturwissenfchaftliches.

Berlin. 311 der Versammlung der Gesellschaft nat111fprschender Freunde am 18. Juni lrgtc Herr M iillcr einen 111113 drm Gestein ausgearbeiteten Tclcosanrns-Schädcl 111123 dcmCias von Bob vor und erlauterte dessen Balz. E13 bestätigte sich, das; die hintere Nasenöffn1111g an derselben Stelle, 1v1c 1111 den lebenden Krokodilen und (Havialcn [|, aber ste durchbohxt 111ch1 den Körper des Kcilbeins, welches scbpn nach osteologischcn Prinziinen 1111m'1'11licl) ist, sondern Wird von dem hmtcrcn Ende der 113-311 [1101315011123 odcr lügclbcinc bedeckt, deren angbrochenen hmteren The1l man sur das Kcilbcin gehalten hat. DicFliigelbcme, slk") schr [""I und “"hkksÉkftglkkk- als bei den lcbendenGavialcn. Es g1ebtszar unter dcn-foss1len 11v1alc11 mehrere Gattungen nach dem Bau der'Wnbelgelenfe, Sch11dcr|11nd «ZUM?- aber Thiere, Welche dcn Teleosaurus 111 aUen tves111tl1chcn Dmgcn gleich sind sind ohne Grund davon getrennt worden und haben zu _zahlmchcn synénvnun GattungSnamcn Pgra11l11ff11ng Legehen. - H-err Ltnx zeigte Stücke von dem Stamm? e111_1ger Y-gnomamcn aus Sud-Amenka vor, wo die Rinde regelmäßig ms Kreuz m das'jHolz gewachsen ist., Er machte aufmerksam darauf, daß auch in 1-mse-r'cn Baumen, namentlich 1111 Vuchey- holz, die Rinde in das Holz h111e1nw11ch|,„doch- nicht so regselniaß1g, als,111 xcnen tropischen Stämmen. ,D1e Anatomie ze1gte, daß w1rkl1ch das Cm- gewachsene Rinde war, das übrige Holz. 7- Herr.Ehrenberg zeigtx noch einige der charakteristischcn Formen de_s zmkroskomschen Lebens im Eis: des Südpols von der Expedition des Cayita1n,Roß vor. - Herr Ewald legie Zeichnungen von einer neuen zwe11cha11gen Molluskengattung aus der

rcidefornmtion vor, welche er mit dem Namen" 891"qu 11113 belegte, und welche im System der Gattun (2311111131 zzmachst ihre telle hat. -- Endlich zeigte Herr von Tchudi enen (;scarcmuz aus dem Innern von Peru vor, der jest schon seit zwei Jahren in der Gefangenschaft [cbt.

*

Das Amendement wird verworfen und die Dauer des Pachtes zu 41 Jahren angenommen. Herr vvn Preigne besieht, anstatt der bloßen den Konkurrenten auferlegtenBedingung einer Cautionoleistung, nun auf Zuexkennung der Konzession mitOeffentlichkeit und Konkurrenz; aber der Berichterstatter, Herr Dufaure, bckämpft auch dieses Amende- ment. Herr Lun eau kritisirt die Art und Weise, welche die Regierung sich vmbehglten, und behauptet, es seien daraus bereits Mißbräuche entstan- den, die er nachzuweisen sucht. Der Regierung werde durch die 1111- genommenc Weise alle Freiheit des Handels benommen. Er hatte mehrere-Pairs und Deputirte auf einer Liste, die er verlas, genannt, als Theilnehmer 1111 einer Gesellschaft, wvdurch man das Vertrauen der Act1on111re anlocken wolle, Herr de l'Espee, dessen Name auch gena1111t 1st, erklärt, dariiber Aufschluß geben zu wollen, um „jeden Argwohn zu beseitigen (Murren); das Vertrauen, daß ihm die Kammer erwiesen, indem sie ihn zu einem ihrer Secre- 111118 ernannt, mache rs ihm zur Pflicht. (Zustimmung.) Gerade d1c seit einigen Jabrcn eingeriffencn Mißbräuche bei den Eisenbahn- U11ternehmnngcn hätten einige Männer beider Kammern zur Beihef- 1igung daran bestimmt, um der Sache eine bessere Leitung zu geben. Graf Molé siehe an der Spiße der verlesenen Liste. Dcr Theil- nahme dieser Männer sei das Zustandekotmncn der Bahn nach Rouen und die Beseitigung der Schwierigkeiten der Vollendung der Bahn nach Orleans zu danken. Es folgten dann noch einige andere persön- 1ichc Erklärungen der Herren Etienne, Odilon Barrot und (Hanneron in ähnlichem Sinne. Der Minister der öffent- lichen Arbeiten _Vcrthcidigte zwar die unbedingte Brfngnis; des Staats, unter den Konkurrentcn diejenigen auszuwählen, die ihm die mcistanaranticcn darznbictcn schicnc'n, vcrsichcrtc aber zuglcich, das;, 11.111111 mchrerc gleich etnpfchlcnUverthc Konkurrenten aufträtkn, die Konzession zu der Unternchmung auf dem Wege dcr Adjudication erfolgcn solle. Dic 3111111111cr fand sich indkß hierdurch nicht beruhigt, sic Wollte das fakultatch Verhältniß in 1111 obligato- xischcs verwandelt seden, und es Wurdc „zucht das Amcndcmen't des 37111'1'11'Preig11c mit Z11sti111m1111g dcs €).)?i111's11'ri11ms und dcr Kommis- s11111 c111miithig 1111gc11on1111e11, indem man ihm nur die Bestimmung l)111311fiigtc, das; keine Compagnie ohne Vorherige Einwilligung des thstch und ohne Nicdcrlcgung ciner Caution von 2 Millionen Fr. zum Btetcn zngelaffcn werden solle. Nach Votirung des Iten Arti- keis 'bltcb nur noch wenig zu thun iibrig. Der 412 Artikel, der den Mimster dcr öffentlichenArbcitcn ermächtigt, provisorisch fiir den Be- tricb'dcr Bahn zu sorgen, 11111111 binnen zwei Monaten keine Com- pagmc TUT, Uebernahme derselben unter den festgcstcllten Brdingungsn sic!) brrcitn11dc11solltc, wurde nach kurzer Diskussion genehmigt. Hierauf schlug Herr Cremieux cinen ZnsaH-Artikcl vor, welchcr dahin 11111- 111, das; kein Mitglied beider Kannncrn cincr Compagnie anqchörcn darf?, der cin? Eisenbahn durch Konzession zuerkannt wird, 111111 das; cm sollchcs Mitglied eben so wenig 311111Verwaltungs-thh einer die- sqr Etsenbahncn gehören dürfe. Dieser Zusay- Artikel Wurde nach cmcr ersten ZWcifclhaftcu Abstimmung bei der zweiten angcnonnnen, 121118 lebhafte und lange anhaltende Bewegung in allen Theilen dcs Saales verursachte. Die SiHung blieb gera11111cch§eit snöpendiri, dann endlich schritt 1111111 3111“ Abstimmung über den ganzen, die Eisenbahn don Orleans nach Bordeaux betreffenden GesLH-Cntwurf, und wurde derselbe mit 218 gegen 56 Stimmen genehmigt.

Paris, 19. Juni. Die neun Kommissarien, welche in den Biircaus dcr Dcputiricn-Kammer zur Priifung desUnte111chtsgese13es gewählt wurden, sind die Herren von Tocqueville, Thiers, St. Marc Girardin, won Carne, Salvandy, Remusat, Quinctte, Odilon Barrot und Dupin. Nicht ein einziger dieser Depntirtcn ist fiir den ministe- riellen GeseH-Entwurf, sondern alle finden mehr oder weniger 111111111 auszuseyen. Die entschiedcnstcn Gegner desselben (obwohl Von ganz vcrschicdcncn Standpunkten 11116) sind die Herrcn Thiers und Von Carne, Ersterer als Verthcidiger der Universität, der L?Htcre als Kämpc fiir die unbedingte Freigebung des Unterrichts. Damit sieht indeß Herr von Carne ganz isolirt 111 der Kommission, denn alle andere Mit- glieder nähern sich den Ansichten des Herrn Thiers in Bezug auf die Unterrichts-Fragc. Es kann daher kein Zweifel dar- iiber obwalten, wie der Bericht der Kommission ausfallen wird, Wenn auch nicht Herr Thicrs selbst mit Abfassung desselben beauftragt werden sollte. Die Kommission ist bereits z11san1111cngcircte11 und scheint ihre Arbeiten möglichst beschleunigen zu Wollen, denn sie hat beschlossen, sich täglich zu Versannneln. Zu ihrem Präsidenten hat sie in ihrer ersten Siyimg Herrn Odilon Barrot gewählt, zu ihrem Sc- crctair Herrn St. Marx Girardin, der im Jahre “1836 Bcrichtxrséai- ter iiber den damals der Kammer vorgelegten Sekundär-Unierrichts-Ent- wurf war. Auf jedcn Fall will die Ko111n1issio11ihren Bkricht11och vor dem Schluß der dicsjährigenSession einreichen. DieDiskussion 111 den Biireaus bewegte sich vorzüglich um den 31s1c11 Artikel des Gescyes, der die kleinen Seminarien betrifft. Mit wenigen Ausnahmen wurden die Zugeständnisse, welche die Pairs-Kammcr diesen U11terrichts-Anstalten, so wie dem Klerus iiberhaupt, gemacht, von allen Redner" bekämpft. Da die Vorträge der Herren Thiers und von Carne den Gegensatz in der Betrachtung diescr Frage am meisten hervortreten lassen, so MMU hier aus ihren Reden noch einige der prägnanteftcn Stellen 0 gen.

Herr Thiers: Die sch1vcbcudc Frage ist von solcher Wichtigkeit, es handelt fich dabei so sichtbar um die Sache der französischen Revolution, die cinzige111eincn1Herzen Wahrhaft thcnre Sache, daß ich 111ichdiesi11almitdcm größten Eifer voranstellc, was es mir auch kosten möge. Ja, ich gehöre zur Partei der französischen Revolution, wohlver- sianden der Revolution ohne ihre Aussch111eif11ngcn und Jrrthiintcr, und deshalb will ich, das; der Unterricht in dcn Händen der Universität bleibe. Man sagt täglich: „Die Jugend 111111“; religiös erzogen werden“, und ich exkenne, daß dies den Familien und der ganzen Gesellschaft außcwrdcnt- 11ch am Herzen liegen muß. Abe! ich höre niemals sagen: „Die Jugrnd muß in dem wahren Griffe der Zeit und dcr Institutionen, in den e111cr großen Nation geziemcnden patriotischen Gesinnungcn erzogen Wer- 11111.“ Ja, ich will, daß man fromme Menschen crzichc, aber ich mochte auch, daß man dafür sorgte, gute Bürger und gute Fran- zoscn zu crztchen, Es scheint 11111 jedoch nicht, daß man schr dafiir sorgt, wenn man die Jugend den Händen dcr Univcrfität entreißen will, 11111 fie den Jesuiten 311 Freiburg oder ihres Gleichen in Frankreich zu übergeben. AlleYefir-bungen find auf das eine Ziel ge11'chtet, den Laien-Unterricht zu ve,r111chte11„und der Geistlichkeit den Jugeud-Untcrricht anzuvertrauen. Dem 1v1de1sche 1ch 1n1ch und wxrde mich ihm stets 111113 allen Kräften widersescn. Das Wort U'Ukkkichtsfkc-hcit ist nur fiir die Umstände erfunden und 11111 2111 walzren„_Zwech daxunter zu verbergen. Dieser Zlveck ist, 11116 funfzig ,;„ahre _xukaarts 3" bklk'gxn und in einer der wichtigsten Angelegenheiten e111ejvoll1ge Contrercvolnnon zu bewirken. Die französische Revo- 1ut„1on hat Alles verxveltlicbt, die Gesellschaft, rie Regierung, die Erzn'hung', fie Yat Frankfmch 1111d Europa säkularifirt. Es ist eine seltsame Umkehr", ein kuhncr Rgckschritt, wenn man wicdcrherstellen will, was sie gesturzi hat. .Ich we1ß sehr wohl, man wird sagen, wir seien gottlos, da wir feme Reltgwn 111 Frankreich wollten. Das find thörichte Verleum- dungen, über die man slch hi111vegz11seyc11 wissen muß, 11mm das öffentliche Interesse es _erfordert. Heutzutage, meine Herren, ist kein Vcrdiest dabei, sich für [eligi'ose Ideenj-emgenommen zu erklären; vor f11nf1'g Jahren hätte das yndiensivoll sem konnen“, jest heißt es einer Art von Hkode gehorchen; ich furchte fast, zu WM, was ich in diescrHinficht denke, so sehr finde ich, daß dtes tmem Ges ack des Tages gehorchen heißt. Nun, ohne den Ideen des Augenblicks schmcicheln zu wollen, erkläre ich, daß ich für mein Theil h11'ndcrtmal mehr eine gläubige Nation liebe, als eine ungläubige: eme glaubige Nation isi begeisterter, wmn es sich um Werke des

1011

Geistes handelt, auch heldemxiüthiger, „wenn es fich darum handelt, ihre Größe zu vertheidigen. Hatte 1111 diese, Wohlthatcn des Glaubens in meiner Hand, ich würde dieselde ubejk mcm Land öffnen, jedoch unter „„ Bedingung, daß mit de'." GlauvZn d1e Duldupg und die Geistesfreiheit s1ch vereinigten, ohne die 11111 aufgeklartxr Mensch jest leben möchte. Glau- ben Sie aber, daß Sie die Jugend glaub1g m11chcn werden, wenn Sie fie der Geistlichkeit übergeben? Ich glaube es keineswegcs, und ich will ein schlagendcs Beispicl anführen. Das aßhtzehnkx Jahrhundert, so berüchtigt durch seinen Unglaubcn, aus wessctz Handen 111 123 „hervorgegangen? Aus dtn Händen der geistlichen Corporattotzen; und die 111151131 Generation, das wird man wenigstens zugeben, ist wert xnehr den rel1giöxe11 Ideen crgcbcn, als die, welche ihm voranging; man w11d 311gcbe_11, daß sie, wenn nicht gläubig, doch Wenigstens von Achtimg und Eh1e1b1rt11ng gegrn die Religion erfiillt isi. Nun wohl, ste 1s1 aus _der Unwxrsilät hervorgegan- gen. Wie kömmt es dcnn abex, daß dix 11111ve1s1tät frommcrc Leute odcr wenigstens ehrfurchtsvollcre-bndet, als,d1c Vatcrjdes Oratoriums nnd die Jesuiten fie bildeten? Einzig und a.ll1'1n daher k'ommt dies, weil man dcn Glanbcn der Jugend nicht hat erzwmgen wollen. Die Regierung, die Univcrfität hat bei allem Religions-Uytcmcht, dcn fie ihr gab, doch ge- wiffermaßcn ihre Freiheit geachtet, kcm Z1cl vor fie hingestellt, nnd die jugendlichen Gcmiither, fich selbst überlassen, habcn sick) nicht znr Gottlofig- keit ge1va11dt, denn das menschliche Herz, wenn es nicht durch herrschende Annmßnngen gezwungen odcr verblendet wird, neigt sich viel cher zu reli- Jéöscn Ideen als zum Gegentheil. Man gebe mir in ganz Frankreich die „chrer von Freiburg, und ich verspreche Ihnen einen Voltaire. Wolle Gott, daß, wenn noch einmal cin solcher erscheint, er eben so viel gesunden Sinn und Geist habe. Und dann ist dies noch nicht Allcs. Wenn Sie die Jugend katholischen Priestern übergeben wollen, so werdenSic doch wohl 11ichtver- langen, das; auch die P1otesiantcu, auch die Inden ihre Kinder 311 diesen schicken sollen? chc Rcligion wird also ihres eigenen Unterrichts bedür- fen; man wird einen kathol1sche11, cinen protestantischen und einen jüdischen Unterricht haben mtissen. Da hätten wir denn wieder die Gcscllschaft von vor 1789, jcne (Bcscllsclwft, in tvclchcr es nicht Franzosen gab, sondern Bnrgunder, P1'ovcnzalc11, Vretagner, Jiamänder, Edcllcutc, Bürger, Juden, Protestantrn, Katholiken. Dic sranzöfische Revolution trat deshalb cin, 11111 diesen Unterschicd zn zertrümmern, um eine cinzigc Nation mit gleichem (§)cistx, glcichc11Rcchtcn 1111d glcichcn Pflichten zu bilden. Zhr Hauptwkck ist d1e Einheit 111 allen Dingen. Wir haben Einheit in der Verwaltung, in der Rechtspflege, in den Finanzen: a11ch i111llntcrrichtswcscn thut sic noth. Wissen 'Sie, was die Universität eigentlich isi? Die Einheit in Untc1'ricl11s- sachcn. Als Napoleon das neue UnterrichtE-Svstcm gründete, soll 11, glaubt 1111111, nur von dem Gedanken an Dcöpotiönmö und 111111mschr1111ktc (5511111111 erfullt g_c1vcsen sein. Ich will sichcrlich keinen Freiheits-Apostel aus ihm wachen. Er hatte zu seiner Zeit eine andcre Ausgabe zu erfüllen, 1111111111!) die, 111129 allen um ihn aufgehäuften Trümmern der französischen Gesellschaft eine glcichariigc und starke Gesellschaft zu gründen. ZmZahrc 1802 pflog er im Schooßc des StaatSraths hieriiber die schönsten Bera- 1h1111111'n. Er vcrlangtc eine außerordentliche Menge von Sxipcndikn oder Jreimllcn, 11111 sich der französischen Jugend durch fast unentgeltliche Erzie- hung 311 bemächtigen. „Sie glauben vielleicht“, sagte er 311 scincnRäthen, „das; es Macht ist, was ich bcgchrc? Macht habe ich 111101, als ich brauche. Wer in Frankreich, ja in Europa, leistet mit ert Widerstand? Nein, ich will cine Gesellschaft gründen. Blickrn Sie um sich. Was schen Sic? Einerseits scheinbar unterworfcnc Vendecr, Attsgcwan- derte, die ich zuriickbcrnfen, Priester, die ich ihrcn Altären zurück- gcgebcn, und die, obgleich sie alles Gute annehmen, was ich ihnen crzcige, doch im HerzenSgrundc mic!) verabscheuen. Anderekseits ins Unendliche gc- spaltcne Revolutionairs, die s1ch einander Herrathcn und anklagen. Und über diesem Allen einc befreite Nation, die nicht mehr Weiß, auf Wen sie hören soll, die nach Ruhe verlangt, die an gar nichts mehr denken mag. Sic glaubcn doch nicht, daß ein solchcr GcseUschaftS-Zustand ein guter ist? Mit jungen Leuten werde ich eine Wahre Gesellschaft bilden, die beseelt sein soll von den gesunden Jdecn des Jahrhunderts, von den Gcfinnungen des wahren Patriotismus, und die, ohne falsche VorsteUungen von der Vergan- genheit, so wie ohne den Haß der Gegenwart, würdig sein wird, uns nach- z11folgen, und fähig, den wahren Gedanken derjenigen zu ver- wirklichen, welche die Revolution gemacht.“ Napoleon's Ansicht, wahr und richtig zu scincr Zeit, ist es in mehreren Bc- ziehungen noch heute. Ich glaube, das; man eben so wenig chi, als vor vierzig Jahren, einer Partei die Erziehung der Jugend iibergrbcn darf. Ich denke von den Jesuiten nicht ganz so schlimm, als man von 1hncn zu denken pflegt; es herrscht in dieser Hinsicht viel Uebse rt1e1b1111g, Glauben Sie denn über nicht, das; Sie gegen jede vcrnu11st1ge Polttik fehlen wiirden, wenn Sie die ancnd den Männern übergeben wollten, die vor zwanzig Jahren zu St, Acheul kehrten, die jetzt zu Freiburg lchrcn, nnd die ihrenZöglingen sagen, die Revolution von 89 sci das blutdiirstigc Geliist einer blasirtcn Nation, die Unglücksfälle von 1815 seien eine gerechte Strafe für dicse Verbrechen, und die Revolution von 1830 sei eine Palast-Vcrschwörunq gctvrscn? Wis- sen Sie, was daraus entstehen wiirde? Die traurigen Zerwii1f- niffc, welche uns spalten, wiirden noch um zwanzig, dreißig Jahre vcr- längcrt werden. Die neue Generation wiirde mit unseren alten Leiden- schc1ftcn anfwachsen, imd dcr glückliche Tag, 1111 Welchem Frankreich, endlich einmal in gleichen Ideen und (551's1'11111111gcn fich nahe gcriickt und von der Macht des „Biindcls“ durchdrungen sein wird, wäre um ein Vierteljahr- h1111dert in die Ferne geschoben. (Schluß folgt.)

Herr Double, Ordonnanz-Offizier des Kriegs-Ministers, Mar- schall Soulf, ist gestern Abend mit einer Mission nach der marokka- nischcn Gränze Von hier abgereist.

][ Paris, “19, Juni. In der heutigen Sixzung der Dcpntir- tcn-Kammcr wurde die allgemeine Diskussion des Geschs iiber die Eisenbahn von Paris nach Lyon eröffnet. Herr Siourm hat zuerst das Wort gegen den Einwurf. Er spricht sich zunäch| gegen die gewählte Linie der Bahn aus und hätte die Richtung d111ch das Bassin der Seine vorgezogen. „Herr Larabit spricht zu Gunsten des E111w111fs, vcrtheidigt die von der Regierun? gewählte und von der Kommission a11ge11on1111c11c Linie. Seit unden licher Zeit finde der Verkehr zwischen dem Norden Frankreichs und Lyon durch das Thal der Yonnc sinti; die fachwerständigcn Männer, Welche den Entwurf gepriift, hätten so altbcgründctcn Interessen nicht Eintrag thun diir- fen. Außerdcm sei es die geradeste Linie. Herr Nisard spricbk in demselben Sinne wie Herr Stomm; 11“ 11811111 die Wahl der Linie durch das Yonnethal cine Verleßung aller (Hrnndsäße der Gerechtig- keit und gleicher Vertheilung; das Yonnsthal treibe Landwirthschast, das Seincthal Industrie und Handel, und 111311116 biete auch Weniger Steigungen und Abhänge. Eine Eisenbahn durch eine so industrielle Gcgcnd wäre von 1111ermcßlichen1 Vortheil für Frankreich gewesen, da ihr 11111“ die TmnSportmiitel fehlten; dort wiirden jährlich allein über 60,000 Tonnen Eisen produzirt, und jährlich wiirdt'n auf eincr Eisenbahn nicht unter 102,0110To1111c11 zu transportiren geWcscn skin, Herr Martin (von Lyon) las untcr allgemeinechräusch 11och cine Rede zu Gunsten des Grseycs, worauf die allgcmcine Diskussion gc- schloffen und die spcziellc eröffnet wurde.

© Paris, 19. Juni. Das gestern angenommene Amendement des Herrn Cremicux wird zur unvermeidlichen Folge haben, daß der GescY-Entw11rf iiber die Eisenbahn von Paris na*ch Bordeaux in dic- sem Jashrcj n1cht 3111 Ausfiihrung kommen kann. Die Pairs-Kammcr, Welche 1n 1hr§r Mitte mehrere hochgeßcllie Männer, wie Graf Molé, Marschall Gorard, Graf Datu, zählt, die an der Spiße der Eisen- bahn-Untxruehmungcn sieben, wird zweifelSohne aus Rücksicht siirdiese das Cremieuxsche Amendement verwerfen, worauf der betreffende Gessi?- Eniwurf abermals'der Deputirten-Kammer vorgelegt Werden muß, wo man dann wohl mcht auf jenem der Kammer unversehens abgewon-

nenen Amendement bestehen dürfte. Die Taqesordnung der DepU-'

tirten-Kamtper ist ohnehin so belastet da ie kaum vor Ende des Monats Jule wird erschöpft werden kön,nen.ßI§ie Deputirten beklagen sich laut über die so langeDauer der Session, welche in diesem Jahr?-

d11rch fieben volle Monate ausgedehnt, höchstwahrscheinlich nicht vor der ersten Hälfte des Monats August wird geschlossen werden.

Die Mitglieder der Kommission iiber das Untenichtsgeseß sind

schon darüber einig geworden, daß Herr Thiers zum Berichterstatter ernannt werden soll. Das Kabinet ist darüber sehr unruhiq, und Herr Guizot hat seinen Freunden unverholen erklärt, daß die Minister 1111) gezwungen sehen werden, aus dem Unterrichts-Projekt eine Ka- binets-Frage zu machen, weil die Form, in welcher Herr Thiers seinen Bericht einzuklcidcn wünscht, der Streitfrage hauptsächlich einen poli- t1scken Charakter verleihen soll, um das Ministerium dadurch zu stürzen. Eben deshalb soll Herr von Lanmrtine vorgestern in den Büreaus s1ch “enthalten haben, seine eigene Meinung über das vorliegende Un- xernchts-ijekt zu äußern, damit später nicht der Verdacht gegen 11211 auftauche, er hätte sich mit Herrn Thiei's zum Sturze des Ka- btnets vxrbunden. Er billigt zwar nicht durchgehends den Geseh-Entwurf dxrReg11Jru11g, aber darumwiinschtcrnoch nicht, daßHkrr Thiers sich daraus 61112 Brücke- 11113 Kabinet baue. Herr von Lamartine, heißt es, wird her der D1skuffion des fraglichen Gescyes sich den Tendenzen des Herrn Thici's entgegenstellen, und den Grundsay vertheidigen: daß nur dann d1c Freiheit des Unterrichtes eine Wahrheit werden könne, wenn ,entxvxder eine herrschende Staats-Relfgion anerkannt werde, oder 111311111118 Vom Staat abgesondert bestehe; sonst müßten ent- Weder" d1e K11'chk oder der Staat (dic.Univc1siiät im Sinne der Oppoxttion) emen Tlieil ihrer Frcihcit einbüßen, und es entständen )ene gefährlichem Rcibungen, die wir hruizutage bedauern. , Es 1st nicht mehr zu verkennen, daß seit den leßten Debatten nder Z))Tontcvideo das Kabinet dcr Tuilerieen eine Diversion in seiner etgenen Polink mit Bezug auf Montevideo beschloffen hat. Graf von L_urde, bisheriger Gesandter in Buenos-Avrcs, welchem vor- geworscn wird, daß er nicht genug Energie angewandt habe, um von Rosas den versprochenen Schadcn-Ersay zu Gunsten der dortigen Franzosen zu erwirken, ist so eben vom Herrn (Huizot abberufen wor- den. An deffen Stelle wurde Herr Mareuil, diesseitiger Geschäfw- trägcr in Turin, 1111ch Buenos-Ayrrs beordert.

* Der Marquis von Larochefoucauld, ehemaliger Gesandter in Heysen-Darmstadt, ist zu dcm Posten eines Gesandten in Florenz be- fördert wvrden.

Wir erhalten heute über Gibraltar Nachrichten aus Marokko bis zum 29. Mai. Die spanische Escadre, bestehend aus der Fregatte „Christine“ von 4-1, aus de'r Kordette „Venus“ von 24 Kanonen, 111113 der Kriegsbrigg “Manzanares“, aus einem Dampfboote und fiinf Handeloschiffcn, lag im Hafen von Tanger vor Anker. Am Bord dlrselbcn befindet sich der Infant Henrique, Herzog von Se- villa, Welcher die Kriegsbrigg „9121111311111111'6“ befehligt. Au- ßerdem befanden sich daselbst ein britisches Dampfboot „Locust“ und eine sra11zösischc Krichbrigg. Doch erwartete man daselbst, außer der Flotte des Prinzen Von Joinville, bald auch den Prinzen Friedrich von Dänemark mit ZWei Fregatten, und den Prinzen Hein- rich der Niederlande mit einer Eskadre, so daß vier europäische Prinzen dort die Marine ihrer respektiven Nation befehligen werden. Der britische Gouverneur von Gibraltar hatte sich nach Tanger be- geben, um die doppelten Streitigkeiten zwischen Marokko und Spanien einerseits und Frankreich andererseits, nach dem Wunsche des Hofes von St. James, durch eine friedliche Ausgleichung zu beenden,

)( Paris, 19. Juni. Unter einem Theile des großen und mächtigen Stammes der Flittas, deren Unterwerfung neulich in den offiziellenVerich- ten angeki'mdigtwurde, sind von neuemAufstände ausgebrochen, weshalb eine Kolonne, unter den Befehlen des Obersten Bourdjolly, von Mo- stagancm gegen sie abgeschickt werden mußte. Man sieht eben, daß die Stämme des Westens nan1entlich, wenn sie von der Uebermacht der französischen Kolonnen sich erdrückt sehen, stets das alte Spiel schein- barer Unterwerfung von neuem beginnen, um für den Augenblick we- nigstens derlästigen Gegenwart der verhaßten Feinde auf ihrem Grund und Boden los zu werden, sobald dieselben aber fort find, die Unter- werfung als nicht geschehen zu betrachten. Bei den Flittas hat offen- bar die Nachricht von der Parteinahme der marokkanischen Streitkräfte an der Gränze fiir Abd el Kader mit eingewirkt. Von der Ankunft neuer Truppen aus Frankreich in Afrika, mit Ausnahme eines Regt"- ments, das zu Toulon in Garnison lag, hat man übrigens bis jest nichts vernommen; was etwa noch von solchen dahingeschickt wird diirfte erst allmälig 111 dem Maße, wie die verschiedenen Regiments; aus den mehr nach dem Innern zu gelegenen Garnisonen in Toulon eintreffen, von dort 11115 iibergeschifft werden.

Der Vorfall zMschen dem ersten Präsidenten des Königlichen Gerichtshofes, Herrn von SeZuier, und dem durch den Batonnier (Stadträger) Herrn Chaix d'Ejtange und mehrere andere Mitglieder repräsentirteu Advokatenstandc (vergl. Paris im gestrigen und vor- gcsirigenBlatte unserer Zeitung) ist ein Wahres öffentliches Aergerniß über welches die Blätter nicht einmal die volle Wahrheit sagen. Als“ vorgestern der Präsident mit dem Gerichtshofs: sich erhoben, die Ver- schiebung der Streitsache', Wclche hatte verhandelt werden sollen, dem Anfrage des Herrn Chaix d'Estangc gemäß ausgesprochen hatte und darauf sich zum Abgehen anschickte, ließ sich nicht blos einiges Ge- räusch, wie die Blätter sagen, sondern sogar Zischen und Pfeifen ver- nehmen", da kehrte der erste Präsident sich um und verlangte Ehr.- crbietung fiir die Magistratur. Wennwirklich, wie es heißt, gegen die Unterzeichnerdes Schrcibcus an drn Präsidenten Seguier ein gerichtliches Einschreiten erfolgen sollte, so wiirde das Uebel nur noch schlimmer werden, da alle Advokaten sich einmiitl)ig gegen das Benehmen des Präsidenten erklären, das den Anlaß zu dem ganzen Streite gab, und das selbst seine Freunde nicht entschuldigen. 311 dem ist Herr Chair d'Estange als cin sehr gemäßigter, durchaus der Regierung ergebener Mann bekannt, der als Dcputirter stets mit denKonservativen gestimmt hat, und der sich nicht 1111 die Spiye gestellt hätte, wenn es blos Partei- zwecke odcr etwa die Befriedigung prrsönlicher Leidenschaften gegol- tcn hätte. Die Klagen gegen den Präsidenten Segvier sind nicht neu, und längst hatte man das Ausbrechen eines solchen Konfliktes brsorgt, der 111111 eingetreten ist.

Grossbritanien und Irland.

London, 19. Juni. Das Unterhaus hielt gestern keine Sißung, da die beschlußfähige-Anzahl von Mitgliedern sich nicht ein- gesnndcn hatte. » Jm Oberhguse brachte nach der gestern bereids gemeldeten zwciicn Lesung dchtll zur wirksameren Unterdrückung des SklaVenhandels Lord Stradbroke eine Petition von Bewohnern der GrafschaftSuffolk 1111, wpriy das Haus gebeten wird, eine Kom- mission zu besicllen, welche d1e m den sozialen Verhältnissen der ge- nannten Grafschaft liegenden Ursachen der häufigen Brand “stungen untersuchen soll, durch welche gegenwärttg die dortigen Di ri beun- ruhigt werdcn. Lord Wharncliffe versprach, den inistet des Innern auf den mangelhaften Zustand des Gesetzes hinsichtkich der Bestrafun von Brandsiiftern aufmerksam zu machen. Die Vorgänge in Suffol habe11 iibri ens die Times veranlaßt, einen ibm Kot- respondenten dahm zu Zenden, um die Ursachen des dortigen Unm- sens zu erforschen. Dte Berichte desselben werden ind druch dm Yarieigeist dieses Blattes getrübt, das aus dem Ciufia da man

rmengeseyes, welches die Menschen demoralisin, das Uebel haupt- sächlich herleiten will.

In Irland ist Alles äußerlich ruhig; die Leiter der WOZ-