1844 / 179 p. 4 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

Ausland.

Deutsche Bundesjtaatcn.

““ ' ' Ba ern. Ihre Majestät dieKönigin von Sach- sen QoxngFhJuné .die Rückreise vbn München nach Dresden angetreten. _ Die „Bavaria“, dercn wir gestern gxdachten, Verdient jedenfalls die Bezeichnung „kolossal“; 54 F." hoch, wird sie iioch“ emen :;0 F. hohen Sockel bekomxtten, und der Lowe an ihrer Seite 26 F. messen. Die Bavaria soll m 5, der Löwe in 3 Theile qrgossen wer- den. Bis 18.50 muß dieses Monument, das einzige feiner Art in der ganzen Welt, so wie die bayerische Ruhmeshalle, vdr welche das- selbe zu stehen kommt, auf der Anhöhe bei dcr Thercuenwicse, voli- endet sein. _ Auch am 22|en sind auf der miinchcner Schraniic' die Getraidepreisc wieder zurückgegangen. _ An dcr Universität Würz- burg sind für das laufende Semester 458 Studenten immatrikulirt,

darunter 66 Ausländer und 22 Forft-Kandidaten,

Königreich Sachsen. Am 23.311111“ traten zu An gustns- burg 419 Personen zu einem Zweig-Vercin dcr Guftav-Adolph- Stiftung zusammen.

Großherzogthum Baden. Dcr Schluß dcs jeyigen Landtages diirfte sich bis tief in das Spätjahr hineinzichcn, indes; wird die Stände-Versammlung, dem Vernehmen nach, zuvor auf vier bis sechs Wochen vertagt Werden. „Im Innern dcr Abgeordneten- Kammcr“, heißt es in einem, Obigrs meldendcu Privatschreiben eius KarlSrnhe in der Augsb. Allg. Ztg., „haben sich die Verbilli- nisse wenig geändert; jedoch will man bemerken, daß die Schronhrit der Gegensäße umEinigrs milder gcwordcn sci, wohl mehr aus Ab- nüvung in der Länge der Zeit als aus anderen Ursachen“. _Jn drr !*éZsten Siyimg dcr .Kammcr dcrAbgeorditctcn, bei der Diskusiion dcs Strafgescyes und dcffcn §. 8!) wird bestritten, da[; der Richterbcm zum Amtsgefänguiß Verurtheilten solle aufgeben können, zu arbcircn; man wollte darm eincn iiifamirenden Strafzusay finden, der aiifleichte Vergehen nicht passe. Jndrsscn Verwarf die Kammer den Antrag, diesen Paragraphen zu streichen. Bei §. 52, welcher fiinf Artcn dcr VerschärFLung der Zuchthausstrafc: durch einsame Cinsperrung, Dunkel- Arrcst, ,ungerkost, Anlegung von Ketten und durch Verbindung diescr Schärfrtngen miteinander, enthält, wurden alle ?lnträ e aiifMiidcru'ng abgelehnt. Ebenso fand der zu §. 68 gemachte Vor chlag: die-Em- fiihrung drs Zwangstuhls (Strafstuhls), als Mittels einer weit-crcn Disziplinarsirafe, nicht zu gettchmigcn, indem darin eine Tortur licgc, keinen Eingan . Bei „6. 140 wurde gleichfalls erfolglos beantragt: daß die Unter?uchungöhast 'rdcsinal an der Strafe in Abzug zu brin- gcn sei, insofern dcr Verhafjtete die Verlängerung nicht selbst Vrrschul- det habe. (Der Entwurf brstimmt bios, das; eine Berücksichtigung des erstandenenArrcstes cintretcn könne.) _ Bei dem boborstelnndrn Münzkongrcß soll unter Anderem (dcm Schw. Merk. zufolge“) auch das Einziehen des Kronthalergeldeö und die Prägung von Zweigul: dcnstückcn zur Sprache kommen. _ Zu Karlsruh e ist seit der ersten Zuniwoche die Ausstrllung dcs rheinischen Kunsi-Vereins eröffnet, dieselbe enthält gegen 800 Stiicke, meist Oelgcmälde.

Großberzogthum Oldenburg. Die in der dritten Juni- woche zu Rastede gehaltene jährliche Generai-Versannnlung aUcr oidenburgiichen Mäßigkeiis-Vercme war sehr zahireick) besucht; auch der norddeutsche Agitawr auf diesem Gebiete friedlicher Humanität?)- Reform, Kaplan Scling, war zugegen. Aus dein Bericht über dad verflossene Vereinsjahr ergab sich, daß sich während desselben die Vereine des Landes um 20 neu gestiftete (Hciioffenschaften Legen den Genuß bes Branntweins vcrmrhrt haben, so daß ihre Ge aititiiizahl ;“th 62 beträgt, weiche unter 26,202 Z).)kitglie'dkrn 11,480 Manner, 8210 Frauen und 6702 Schiiicr umfassen, wclche [cHtcrcn sogenannte „Hoffnungssahaarcn“ bilden.

Herzogthunt Nassau. Dcr nassauisrhc Gustav-Adolbh- Verein hat im Laufe des Monats Juni über seine erste Jabrcs-Ein- nahme verfügt. Die böhmische Gemeinde zu Dcuisch-Gablonz rrhielt 983 Fl., die Gemeinde zu Seligenstadt (auf 8 Jahre) jährlich 400 Fl., die Gemeinde Alpenrodc im Nassauischen 104353 Fl., die sich bildende Gemeinde Oberursel im Nassauischen zur Besol- dung eiiies dort anzusiellenden Geistlichen, vorläufig auf,;3 Jahre, jährlich 800 Fl.; 1338 Fl, sind zur Kapitalisirung in Leipzig be- stimmt, Unter danciträgen in Wiesbaden hat sich auch einKa- tholik mit 20 Fl. bethciligt. -

Freie Stadt Hamburg. Die rrbgesesscnc Bürgerschaft hat den vom Senat in der Sißung des Rath- und Biirger-Koiwcnts Vom 26. Juni ihr gemachten Antrag, eine Wasscr-Vrrsorgrrngs- Anstalt von StaatSchen anzulegen und demgemäß cine Vereinba- rung mit den drei vereinigtenWaffcrkiinsten abzuschlirßenz genehmigt. Der Plan zu dcr nenen Wasscr-Vcrsorgungs-Anstalt ist Von dcn Ingenieurs Lindlcy und Mylne (Lcßterer ist Obcr-anenicur dcr Ncw-Rinr Wasserwerke in London) entworfen,

“1- Luxemburg, 20, Juni. In cinigrn Tagen beschließen die Stände ihre diesjährige Session und werden das Budget fiir das künftige Jahr wohl erst in den lcßten Sitzimgkn feststellcn. Ein Gesuch der Stadt Echtcriiach, die Anzahl ihrer Jahrmärkte zu ver- mehren, Wobei man sich auf den seit dem ZoU-Auschluß cin-

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getretenen größeren Verkehr mit Preußen kiüßte, ist verneinend ausgefallen. Das Gesey über die Per onal-Steuer hat Mo- dificationen erlitten; die Bcvölkcrun_ soll dabei nicht mehr als Basis dienen, auch sollen die Grundßeuer-Quoten, wenn sie einen gewissen Saß erreichen, den außerhalb der.Gemeindc wohnenden Steuerpflichtige]! bei Veranschlagung des Kontmgcnteö der Gemeinde in Abzug gebracht werden. Man zweifelt indessen, daß diese Aende- rungen allen Uebelsiänden, die sich in der Ausführung des Geseßes ergeben, abhelsen können, Von jenen bleibt der wesentlichße immer der, daß ein Theil der Besteuerung auf dem Präsumtiv-Einkommen dcr Stéucrpflichtigen beruht, dessen ?lbschäßung mehr oder wrniger der Willkür überlassen ist. Ein Gesey iibrr„allgrmcine Affcknranz gegen Feuerschaden, das schon scit längerer Zeit zurUErörterung vor- liegt, hat viele Gegner und findet ami) wirklich nicht ohne Grund wenig Anklang. Nach den Grundzügen drffelben muß jeder Inhaber von Gebäuden jährlich ein gcwiffco Prozent vom Werthe dcrsclbcn dcr Stdatskasse entrichten, wogegen er auf 80 pCt. Vergütung des crlittcnen Schadens Anspruch hat. Man behauptet, daß die Be- wohner der Städte, namentlich die bon Lnrcmbiirg dcn Landbewoh- nern gegciiüber in offenbaren Nachtheil ständrn, indem qucrsbrünsic in Lurcmburg zu den Seltenheitcn gehörten, und sie in Folge gut ringelcitctrr Vorsichtémaßrcgeln, wobci die hicr garnisonirendcn Pioniere als die jcdcömalige kräftixzstc Hüls? riihmlich zu erwähnen sind, fast immer im Entstehen erstickt wiirden. _ Ein (Bescy iibcr Ermäßigung der Strafen wegen Brief:Contravrntioncn Ward nach kurzen Debatten angenommen. Die Strafe von 150 Fr., welche in Folge eines Beschliiffrs vom 27. Praiiial Jahr 1x. fiir jrdc Urbrr- tretung Verwirkt war, ist auf .*“) -l0(§5ulden pro iii Bcschlag ge- nommenen Brief, ohne daß die Gcsammtbußc “!00 Jr. iibcrstcigkn darf, rrduzirt worden.

Nachrichtcn aus drmHaag zufolge, wird Sr. Majrstät dchönig Großhchog grgcu die Mitte des künftigen Moriatö bir!“ riiitrrffcn und in Walfcrdingrn absteigen,

Fraulrrctcl].

Pairs =. "ammer. SiH1111g Vom 2]. Juni. T*ic zahn ersten Artikel drs Gcscycs grgrn dic Weinfiilsrhiiitgcn wurdcn obne Acndcrimg angenommen. Nicht so dcr “lltc, der die Branitrn drr chie und die' Sarbvrrsiändigen ermächtigt, sobald sic argwöhiicii, daß Wriiic eiiie größercOimutität Alkohol, als das fi'stgcscytc Maxi- mum, enthalten, iibrrall, in danohiniiigan, aufdcmTraiwport, oder beim Eingang in die Städte, Proben Von diesen Weinen zu nehmen und sic drr'Drstillation zu unterwerfen, und ihre Stärke zu ermitteln. DicKammer critsihicd arif dchorschlag dcs Baron bonDaunant, das; dirsc Erprobung nicht während des Transports stattfinden diii'fr. Auch die Abfaffuiig des Wien Artikrlö fand Einwendungen, weshalb der Gesi'y-EntWiirf mi dic Kommission ziiriiii'vcrwirscn rvrirdc, und da cr nach obigerAcnderung auch 1106.) einmal indir Deputirtcn«Kammer gelangen muß, so zweifelt man, das; er in diescr ScssionGrscyeskrast erhalten wird.

Dcputirtcu-Kammer. Sißung vom L|. Juni, Als das Ergebnis; der Abstimmung iiber das Amendcment, wonach der Staat die Siliiciienlc'gimg fiir die Eisenbahn nach Lyon zu überneh- men hat, vom Präsidenten vcrkiiiidigt wurdc, bemerkte man große Bewegung unter den Dcputirtcn, die in bcrschicdencn Gruppcn im Konferenzsaal zusammentraten und die Sitzung rineZcit lang suspen- ert ließen, So einig mcm dariiber war, diesem Votum keinen poli- tischen Charakter beizulegen, da bei den beiden zweifelhaften Abstim- mungen, durch Aufstehen und Sißcnblcibcn, Mitglieder ohne Unter- schied der Parteien, Frrnndc des Ministeriums und Männer der Lp- position, sich fiir und wider erhoben hatten, so wenig siimmtc martin den Ansichten iibcr die' Foigcit drs Brsihlusscs iiberein. Einige sprachen bort Einste'kliing aikcr Eisenbahn-Projckte in Masse; Andere waren zum wenigsirn bcsorgi, das; großcr Verzug in derAusfiihrung cintrc- ten Werde; noch ?lndcrc crcrscrtcit sich iibrr dic Ungleichheit, wc'lihc dicser Systcmwkchscl fiir die Verschicdciirn Linien erzeuge, Tie Anf- rcgung wirr natiirlich sebr groß, da die Entscheidung der Kammer allgemein überraschte. Es zcigtc sich deutlich, daß die Anhänger dcr Ausführung durch den Staat sich nicht so stark geglaubt und daß andrrerseitz die Vcrthridigcr dkr Privat-Untcrncbmung durch den Beschluß der Kammer bei der Bahn bon Orleans nach Bor- draux sich hatten einschläfern lassen. Nach Wiederaufnahme dcr Verhandlungen bestieg Herr v o n L a t o u r 11 e l l c, ald Berichterstatter der Kommission, die Redncrbiihne und marbtc dcr Kammer brmerklich, daß ihr so eben abgcgcbrnrs Vo- tum einen großen Theil drr Kommissions-Arbrit nnniiiz machc, und daß iiber die Folgen dieses Votums von neuem zu bcrathen sci, na- mentlich insofern dasselbe eine Aenderung der Lastenbiichcr crheischc. (Zahlreiche Stimmen: Das ist klar!) „Ich beantrage also“, fiigtc der Berichterstatter hinzu, „die ZurückberWeisung des ganzen Lasern- bnchs an die Kommission.“ (Eimniithige Zustimmung.) Herr Lher- bctte: „Will mir die Kammer erlauben, mit Riicksicht hieraiis eine Frage an das Ministerium und an die Kommission zurichtcn? (Hört!) Da dchtaat sich nun mit denErdarbi-itcn beauftragt 'jichr, sb frage ich- ob es nicht angemrssen wäre, das Militair für die e Arböiten zu Vcrwendrn.“ Mehrere Stimmen: „Das geht dir? Kammcr nichts an*, das isi Sache der Verwaltung.“ Ein Mitglied: „,So Viel ist klar, daß es unter uns Viele giebt, die gar [eine Eisenbahnen wollen,“ Die Jortscßung der Diskussion wurde dann auf Montag bestimmt.

Paris, 23. Juni, Die Kommission der Deputirten-Kammer, wclche mitPrüfung dcs Unterrichts-Geseyes beauftragt ist, hat gestern ihre allgemeinen Vcrathungen geschlossen und ist zur Untersuchung der ein- zelnen Artikel iibcrgegan en. DenHerren Thiers und St.Marc Girardin ist Von Seiten einer groSen Anzahl von Professoren der Universität für die cifrigen Vcrtheidigungs-Redcn gedankt worden, die sie zu Gunsten dicser Institution gehalten. Nachträglich hat man bei dieser Gelegen- heit auch noch an Herrn Ebusin, für deffcn in qleichem Sinne vor den Pairs gehaltene Vortrage, xine Dank-Adreffe gelangen lassen. Gestern bcgabkn sich mehrere Umvkrsitäts-Profkssoren zu den Herren von Remusat, Tupin, Ldilon Barrot und Quinette, welche sämmtlich Mitglieder dcr Kommiision sind., ,

Der Bischof von Cvrcnx richtete so eben an die Pfarrer skllkkk Diözese folgendes Schreiben:

„Ich glaubte warten zu miiffcn, bis die durch Diskussion des Geseßes iiber die Unterrichts-Jrrihcit verursachte Aufregung der Grmüther fich etwas gelegt hätte, ehe ich Ihnen meine ganre Zufriedenheit init der vortrefflirben Haltung allcr meiner wiirdigcnchiilfen in dieser wichtigcn-rmd schwierigeit Frage zu erkennen gab. 'Der brfricdigcnde Zustand der Diozese schir11,m1r keinen öffentlichen Schritt der Art, wie der größte Theil meiner ehrwürdigen Kollegen im Episkopat ibn than ;it müssen glaubte, von Seiten Ihrer; Bischofs zu crhcischeii, Nail) dcchispiel mehrerer anderer Prälaten rvqblxe ick! licbcr dcn Weg vrrtraulichcr Communication mit dem Kultus-Minisixr. Ick) hege das Bcriraucn, daß die (Hrisilichkeit der Diözese von Evrenx sZch anch fernerhin stets richig, ziiriickhaltcnd und wiirdcbou zei en wird. Dies ist drr Zwrrk dicser meiner Mittheilung. Empfangen Sie11,?.w, Nicolas, Biichos von Evrcur.“

Tic Majorität der mit Erwägung dr? Vorschlagrs_ in Betrrff des politischen Domizilö beaxrftragtcn DeputirtrnRomanisxion hat sich Uicht nur fiir Ziilaffimg dcnclbcn artégcsprochcit, sondern der gcstrrit bon Herrn chbrrt eingereichte Bericht vrrlaiigt mich eme_unberziig- liche Iirvisioii dcr Wäl)'lci“listcn. Dic ministcrielle Partei Will nuit bcaiitraqcn, daß der Hebertschc Berndt noch vor driiiB_iidgct auf die Tagcs-Ördnnnq gcscyt worde; dagegen rvird dic Oppontioii, der es schon leid tbut; das; sie fiichrqtlwng dcs Vorschlages gestimmt, nun wahrscheinlich auf Vertagung drmgrri. , , .

Das Institut und dir Unwrrjltat haben lllle-Z ihrer ausgezeich- iie'tstcn Mitglicdcr im Fach dcr, Natuv-Wissrnschaftcn vcrlorrn; Herr (L_ßcoffroy St. Hilaire ist in dirsen Tagrn „im A„ltcr ,Von /? Jahren gestorben. Die Zritungcii incldcn auch einen fiir die englische Lite- ratur empfindlichen Verlust in drm zu Boulogne erfolgten Tode des ansZkzeichnctcn Dichters Thomas Campbell, der ein Alter bon 6-1 Jahren erreicht hat. * _ , .

Aus dcm dcr Dcputirtcn-Kammcr vorgelegten Komrrnssionö-Vr- richt iiber die politisrhcnFlüchtlinge in Frankreich ci'gicbt iich, daß die Zahl derselben sick) jrtzt aiif 14,205- bcliiuftü Von denen 4800 Unter- stiißungcn boni Staat ri“i)altcii. Dic Fliirhtlmgc bestehen, Wii“ bisher, hauptsächlich aus Spaniern, Polen, Jtaltrncru iind Deutschep. Fur “1844 waren 2,150,000Fr. zur lliitcrstiiyung dcr1_clben bewüligt wor- den, Für 1045 wird eine Verminderung dicses Kredits iim Z00,0i_)0 Jr. vorgeschlagen. Die Rbmmisiwn "ist aber der 9Nernung,„dax; die Regierung in Zukunft die Untcr-striyunxiewnoch mehr vcrkurzcn könne, wcil die Lage der Flüchtlinge in Frankreich sich„gcgndert haibi». Dirsc Ersparnis; hält die Kornwission fiir um so )".)khtgck, da die '.)liwwanderungcn dem Staate jrit [„Réxlfubcr 40Millid11cn kosteten.

Unter dcn Erben Lafsitte's droht cm Prozeß uber dessen nach- gelasscnc Memoiren auszubrechen. Der Fürst von der Moskwa, Schwicgcrsohn des Verstorbenen, machte Anspruch auf diese papiere, die ihm aber von Mad. Lassittc und den Tcstamcntd-Voilzrehcrii ver- Wcigert wurden. Er hat nun stin G,)csuch bei dem Scmc-Tribmml angebracht, imd dchräsidcut dcssclbcn Verfügte darauf, daß die Me- nwircn cinsiwcilcn, nnter Siegel gelegt, in grriihtlichkm Deposito bleiben sollten, Eigenhändigc Schreiber: Ludwig Philipp's haben sich bis jrxzt uritcr dcin Lafsittrschcii Nachlaß iiichtvorgcfimden; der Na- tional bleibt aber bei der Briiauptung, daß dergleichen Briefe an Laffittc bothaiidrn scicn; sic brfiindkn sich, sagt dies Blatt, in sichcreit Händen und wiirden bci Eröffnung dcs iibcr die' iiachgclasscnen Pa- picrc anhängig grmachtrnProzcffrs unfehlbar zumVorschein kommen.

Die der chicrrmg Zirgi'k'ommriicn Nachrichtrn von der marokka- 1|ischcn (Vräiizr' rciibcn bis zum 7. Juni. Es hatten bis dahin keine iirucn Frindscligkrit-xnzwischen dcn französischenTruppen und den Ma- rokkaiicrn stattgefunden. Zu Toulon sollte der Prinz bon Joinvillc am 20sten d. eintri'ffen. "Dcr Aufschub der Truppen-Ciiischiffunq hatte keinen anderen Grund, als daß man die Ankunft des Prinzcir erst abwarten wollte.

Die Volks-Bclustigungen zm“ dicöjährigrn Feier der Zulitage Werden auf der Esplanade bor dkm vaalidenhause, nicht in den rlysäisrhcn Frldcrn, stattfiiidcn, denn hier iss das Ausstellungs-Ge- bäude hinderlich, wclchrs bis dahin nicht abgetragen werden kann. Auf dcn 2. Juli ist eine Licitation fiir die zu jenen Festen zu errich- tenden Thlatcr, Klettrrmastcn und Tanzbödcn angeseßt,

(ck Paris, 253. Juni. Unter dcm Einflussc einer Hiye von :30 Graden, dic scit einigen Tagen auf Paris lastet, hat die Eisen- bahn-Lpposition gestern in dcr Kammer einen Sieg daVongetragen, dcn vielleicht Niemand mehr fiir möglich hielt. Man weiß, daß die “Iliiwciidiing drs Grsrßrö von 18/12 auf die Eisenbahn nach Bordeaux vor kaum acht Tagen mit cincr schr ansehnlichen Stimmcn-Mchrheit beschloss" Wurde, und ist daher lebhaft überrascht, zu sehen, das; in Bczng i'lllf die Eisenbahn nach Lyon gestern die Nichtanwendung dcs- sclbcii (Hrscßrs ausgesprochen wordrn ist, Der Grund dieser Jirkonscqucnz

zeugenden Gott.“ Das „Weib kennt oder vielmehr will nur cin Element der Gegenwart kennen _ die Freiheit _; die endlichen Schranken crkcnnt sie nicht', _ daß die Nothweudigkcit die andere Hälfte der Gegenwart ist, “Mil sie nicht wissen, sie gkcisk zuerst nach dem Baum der Erkenmniß und möchte sein wie Gott und sich hier unten in der mangelbaficn Wirklichkeit schon ewig jung, in dcr Ewi keit und Freiheit fühlen, '

Insofern ist das Leib das radikale Element der Zcitcn; sic will die Zukunft in die Gegenwart lcreiuzirheu, rie Fessel der Zeit möchte sie sprcir- gen, in den wirklichen Ziisiänden sicht sic nur Vergangenes. Die Politik ist ihr deshalb nicht eine Kunst, wo der begeisterte Mann den Stoff da- durch überwältigt, daß er ibn mit dem Gciftc durchdringt. „Die Pokitik ist“ dem Weib: „nur ein ans chr beschränktem Interesse hervorgehendes, schr ßupideö Handeln und führt nicht zu Gott, nicht in die Zukunft, sondern fesselt die Sinne an eine schon im Werden vergebende Gewalt.“

Das Weib kennt nur Extreme: Frriheit oder Sklaverei, RadikaliSmus oder Absolutismus. Darum giebt es keine Staatsweiber, sondern nur Staawmänmr.

Qicsxrumürli e Radikalismuö dcs Weibes ist aber anderer Art, als d" ck""anschk- loc, citle, abftrakte Radikalidmus unserer Ta e. Er "'N ““i demGefiihl, aus der treibenden chenbkrast, die durch die natür- Uche Sttlixmg dcs Wcibes zum Manne in den richtigen Schranken gehalten wird. 52“ Gesubl, ti" Warmes Herz für Vaterland und Volk gehört in die Politik, Z).“ "5 Ws nicht das einzige Element sein. Keine Natur ist für politis : wms" soäunmn "ck- als eine «nia! schonun slose Natur, die blos füh t, n:!anm ckth b]]. aber die, acht der Zu ände nicht anerkennt, sondern

[:e]: "KFF" da"" ÜLKU „dle sch desba auch keiner Btscbäftigunq hin- J; süß:"? UUZIh'iréthtZirmstdw dorthin, imb bier rufts daher, hier ockts, dUchÜl-nsandö, ?i- mia) !“??ka mir und in den Lüften gehtn Stimmen

' 's " “"""- daß die wabtt, schöne Ge enwnri aus Ver an en- k“ und Zukm'ß- aus Rothwemigteu und Freiyßu sich webt, wiiv iim

große Weib in ein Miswcrhältnis; zu ihrer Zeit srßcn, „winn- ihr iiicht cm gleich großer Mann zur Seite steht. Ihr Land der Frcthrtthisi „cm Land dcr Phantafic, Darin wird sie sich eine große Rolle auscrwiihlrhabcti, init der fie zwar ohne Gefahr spielt, die aber nicht die Wirklichkeit bciuhri.“

Wie frciindliib greift nicht Clemens seiner Schwester unter die Arme, als sie durch Mirabeau zum crstrnmale in die Hallen der Freiheit gefuhrt wird und mit ganzer Seele dcin nahenden Gott cntgcgcnxauchzt. ,Wic klar schildert er ihr die Wahre Stellung des Menschcn, dic Wahre Politik, wcnn er sagt: „So wie die Elemente fich durchdringen und die Welt bilden, Wld dkk GSM und die Welt fich durchdringen und dcn Mensrhcii bilden, und der Mensch diese Liebe mit einem freien Blick ansieht,-und indem er ihre Nothwendigkcit und seine Freiheit in dieser Nothwendigkrtt betrachtet, den Gott erkennt und anbetet _ alles das ist ,nur eine herzliche Liebe, und wo diese Liebe nicht ist, da ist die Dummheit iind dll dad Voir; was uns em ört.“ _ Wie still weist er sie darauf hin, wie vrcl„Eitc1kcit mit unterlaufpe bei diesem Freiheitstmum, in dem fir die ganze Welt nw- fasskn "ckckck Sie selbst stellt darüber eine Vctrackxtnng an. Wie leise sucht BUMM ZU schiibcn, „daß sie sich nicht verliere in fremde Rrgioneu, wo ihkSchUbMüklslk Uicht zu finden ausging.“ Wie freundliclrtveist er sie „auf M Region des fich Dabrimfühlrns iin innersten Dasein, wo wir in schu")- losem Bcivußtsein am Quell drs Vertrauens und der Welsh"! schopscn, d- h- denken.“ Das ist biechion,wo mauAllcs so recht von selbst treiben darf; ohne irgend plelch darauf zu denken, wie dies und jenes, was das eigxntlichc Exide davon , dabei herauskomme. Wie ernst mahnt er nicht die Freiheits- schwindelnde: „DU Wirft nicht ein Jädchrn am Weltgeschicke zeriiaßep- 5" schon es dkiUAUge schärft, zu überblicken, zu durchschauen und „vieleicht gar Manches zu durchdringen.“ _ Freili wehrt fich die unabhangige Sxelc Vettincn's gegen solche Weisheit des ruders. Das sprudelt, und qurilt, und erquickt, eine Natur vor sich zu sehen, an der Alles abtropft, was ihr nicht konform isi, wie der Re en von der Blume; eine Naim, welche wider die „falsche Konvmienz“ wa er meint, und den Bruder ueckt nnd vcrlacht,

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Wenn er sie bittct „nicht aufzufallen“; die es ganz in dcr Ordnnn? findet, das; sie ziiHcrrn Gameait, ihrem Kavalier, sagt: „Ach gclicn Sic („srl iind machcii Sie mir nicht schwindlicht mit Ihren Uhikettcn“; die nicht verstehen will, wenn Clrnicns fcbrcibt: „Die Sitte kann keinem I)ieiiscbcn erlassen bleich". sie ist eine Art Allciweltosprnck)c, ohne die man nie verstanden wird. Nbrr sie ist niir schön, wriin fie der Mensch mit srciem Willen ergreift.“

Es ist reizend, denKampf mit anzusehen und Brentqno'ö Zartheit und Größe zu erkennen, wie er auf der anderen ,Seite aykh'ok-k, zu-hofmcistern nnd die Scliwrstcr fiir die Unbildcn „er Ph'llsiek iini setklkk„L1c!*e tröstet, und das Gcnie, das immer gewaltthatF „und relativ, wmnnlsch Wirkt, zu Milde zu stimmen sucht. Als einzigkb kx"?! „JVM M O"“! dcs genialen Wcibcs in ihrer Umgebung, von der, sie nicht immer verstanden wird, nennt n' die Licbe. „Wo die Menschen dich drucken, da hasse fie nicht; sehe sie als Pflanzen an, die vielleicht auch"!!! cinem Boch stehen, dcr ihnen nicht gerecht ist. Lcrrc schWeigcn und fiir. dich selbst bestehen, und sei in der Würdigung cines chen gcrcckit-“ ,

Dic cntsclxicdenc Herrschaft Brentano's über die Schwester dauert aber nicht tiefin das Buch hinein. Bald iibrrwäikigt die größere odcr vielmehr ener- gischere Griffigkeit Bcttiiia's dcn Brndrr; sie wird sein Schuvengcl, immer dünner wcrden scinc Versuche, zu hofmeistern, denn er hat sich einmal an dieDorncn gewöhnt, und ivrnn cr hofnrcisicrx, so iibergießt ihn Bettina mit Liebcnswüidigkeit, und fiihrt ihn, ohne auf die Sache cinzu chen, in tanzen- den Wendi-ngcn nach der lieblichstcn Melodie von diesem ege ab. 3111th aber ändert sich das ganze Verhältniß, Bettina, möchte ich sagen, wird der Mann, Clemens das Weib.

Nach und nach ist bei Bettina die ihr inwohnendc Kraft, in einzelnen scharfen Bemerkungen den ganzen Menschen zu zeichnen, ?ervorgetreten: diesc scheinbar spielende Ironie, in der so viel Bewußtsein legt, und die doch so ncckisch und koboldartig fich inter eine naive Form verbirgt, bin- tcr dcn Schild der Elfe, der zwar ui t jeden erstarren, aber jeden lächerlich machs, der grimmig hineinsieht,

ist, nicht, in einer céwaigen Verschiedenheit der Natur der fraglichen beiden Eisenbahnen und eben so wenig in einer Veränderung der An- sichten der Majorität zu suchen, sondern lediglich oder doch wenigstens hauptsächlich in dem zufälligen Umstande, daß gestern eine ungewöbn- lich große Anzahl von Mitgliedern der Majorität den Tag zu schwül gefunden hatte, um den lrgislariven Geschäften obziiliegen. Von mrhr als „400 Tcputirten, welche bis cht noch in Paris sind, nahmcn nur zweihundert und einige siebzig an der gestrigen Abstimmung Theil, so daß,].“ZZ Stimmen dcn Ausschlag gcben konnten. Es ist nicht zu be- zwerseln, daß es der Regierung, wenn die Session nicht so weit vor- grriickr wäre, ziemlich leicht ivi'rdkn wiirde, dri! fraglichen Vrschliiß mitHiilfc dcr Pairs-Kammer wieder nnrstoßen zn laffcn, allein da es W Zeit fehlt, um diese Operation noch in diesem Jahre mit Sicher- brit zurn glücklichen Ende zu führen, so wird das Ministerium allem Vcrmuthen nach Vorziehen, die schwebenden Eisenbahn-Gcseyc iibcr- WW zurückzunehmen und damit die Entscheidung der Streitfrage zwqrhen dcm Staate und den ?lrtien-Gcsrlischaftrn nochmals um ein Jahr hinauszuschieben.

© Paris, 23. Juni, Die Ordonnanz vom biken d.M., wo- durch ein (Herreral-Jiisprktorat und eine (Hencral-Nontrolc in der Verwaltung des Scewescns e*ingefiibrt wird, ist nur der Vorbote cincr durchgreifi'ndcn Reorganisation sämmtlicher Minister:Dcpartrmcnts. Was ziinächst das Sccwescn airbrlaiigt, so war es bisher derBudgrts- Kommixiibii rcin unmöglich, die Rechnungen des Marin(*:-Di'parte'nieiits 311 berixtztrrn. Denn bei drr fortdauernden Bcwrgung der Krieg» schine, ivclchc heute in Eiiropa sich besindrn iind Wenige“ Wochrn spiiter srrmdc WkUtheile bkl'iihrs'it, wird ('s unendlich schwe'r, drrrn ?[usgabcn griii'iu zu verfolgen und zu erheben. Dic dicsjäbrigc Budget-Kom- misiion hat deshalb darauf grdrnngcu, daß ein (Hrncral-Znsprktorat fiir sämmtliche Airsgabcn dri“ Marine errichti't werde, und soqar demMiiiistcr derselben den Zeitpunkt brstinimt, zu Wclchrm die betres= friide Königl. Trdonnaiiz crschcinrn miissc, widrigcnfalio sie sklbsi eiiie solihc Maßrcgrl bmntragrn ivi'rdr'. "Orr letzte Trimin dazu wurde aus di'n 2017811 [. M. bestimmt, aber siiwn unter dem “[Mit hat drr Si*k-Miiiisikk drm Wunsche drr Birdgrid-Rommission rrrtsp1*bchrn und fiir das Srcwcscn rin Gcncral-Tcpot angeordnrt, wo säiiimtlichc Bau- Mafterialirn urid fabrixirte Grgcnständc zum Diciistb der Marine rin- rcgtstgrt Werden. Cin Tbcr-Jiisprkwr, welchcr direkt und unmittelbar vomScc-Minisicr abhängt, fiihrt dic ?liifsickit dariibcr niitrr der pri"- söiilichcn Vrrantwortlirhkcit drs Ministcrs, Endlich wird iiiParis rin Crntral-Biircau errichtet werden, wo alle Ausgaben, Operationen, Bestellungen u. s,w. sorgfältig gkpriift n'rrdcii, bevor sie boni Staats:- schalch bezahlt werdcn.

, *(ßiir dirs-“chqrtcmcnt drs Krieges besteht eine solche Kontrolc [Lit langer Zcit, urid, Dank der uncrriiiidlirhcn Thiitigkeitch Miirsibnll Gorilt, hat „das “L_cpartrinrnt drs Krieges ganz unlängst cine Griicral= Yrorgiinisatwnxcrsal)rrn, welche auch in den iibrigcii k).)iinisterien iiack) dcin Schillné drr*_&*:ession vorgenommen werden soll, und wozu, mit Aus- nahme drs Firmiiz-Miiiistcrs, die iibriganinistcr bkrcitö dic bctreffrn- deri Ordonnanzen der Königl. Sanktion unterlegt haben. Als allab- meme Rrgi'l fiir sämmtliche Ministerien ist dabei der (Hririidsatz aiif- grsicllt worden, das: die Beamten, welcbe in den Miriistrrial-Biireaus aiigcstrllt sind, acht Stunden täglich zu arbeiten haben, wiihrend fiir die iibrigen Bramtrndic Arbeitsstundrn iiur aufscchö bemessen sind. Dafiir sollen aber dic").)kinisterial-Bcamtcnvcrhältnißmäßig besser bcsdldrt Werden, und damit dadurch der Staatsschutz nicht belastet werde, so sollen fiir die Zukunft die Minister darauf halten, die Zahl der Br: muten in dcr Wrise zu beschränken, das; die Qualität die Quantität rrseycn mögl. So wird z. B. die Central:Zerwaltimg dcs Justiz- Di'partcmciiw statt 107 nur 05; Bcamtrn zählen, und bistr'l)cii: aus einem (Hrneräl-Srkrctariat, zwci Directionrn, cine fiir die Civil- nnd die aiidcrc fiir die Kriminal-Aitgclcgcnbritcii, und endlich aus zwei Tivisionrii: eiiie fiir die Kompiabilitäk imd die andere" fiir das Pkt"; sonal. Die Vorsteher davon arbeiten dirrkt mit dein Zustiz-Ministrr.

“Dao ?.)iinistrriiim dcr aiidwärtigcii Ajlgklkgl'11hkiién wird mir.- iml)msweise seine Bramtcn bcrmrl)rt m'baltcn, wr'il ZU den zwei bc- srchciidcnScctionrn, dcr politisckikn iind kommerzicllcn, eine dritte fiir die bcsondcrcn iiitcriiationalrn Vrrhältnissc zwischen Frankreich und Amerika, so wie mit Östindicn hinzukommen soll. Das Ministerium des Innern wird in fiebert Divisioncn und 27 Biircaus gethcilt, und dessen Bramfenzahl von 2:23 auf “„Il-i Jiidividucn rcduzirt werdcn. Das Ministerium drs Handels wird statt fiinf T*ivisioncn fernerhin nur drci zählen, nämlich des Ackcrbaues, des inläirdischrii Handels nnd der Jiidusiric, und endlich des aiidwärtigcn Handels. “Las Mi: nisterium drr öffentlicbknArbcitcii, wrlrhrderstiinZahrc1030 crrichtrt wurde, wird seine bisherige Organisation nur insofern iindrrn, als dazii rin Ccntral-Biircau fiir die' Statistik hinzugefügt wrrden soll. Dieses Biirran hat zum Zweck, alle siaiistischcn Daten, wclche unter dem Gesichtspunkte drr National-Tckonomic die Fragen der öffciit- 1ichen Arbeiten beleuchten können, zu sammeln und zu klassifizircii. Endlich wird diesem Biireau die Oberaufsicht sänimtlichcr Eisenbahnen des Reiches anbertraut Werden.

Großbritanirn und Irland.

London, 22. Juni. So tief das Ministerium Sir R.?)crl'ö duni) dir beidrn ersten Vola dcs Uiirrrymisrs iiber die Zucker-Zoll- Bill erschüttert wurdr, so komm' man doch and der rigenthiim- lichen Strllnng dcr Parteicn im Parlamrutc mit ziemlicher Gewiß- heit entnehmen, das; die cintrctcnde Krisiö ohne dic Abdankung der

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Miuisier vorübergehen werde. Der alte Zwiespalt in der Torv-Partri hatte allerdings durch das Votum am Jrertage mit 20Stin1men Majorität den Ministern cine bedeutungsvolle Niederlage bercitct, und selbst der miiiisterillle Sieg “,'" Montage mit 22 Stimmen Majorität wurde nur durch die merkwürdige Untersiiißung der radikalen Partei gewoiinen, aber die Nothwendigkeit war stärker als alle Parteilaune, und die Ministkr blic- ben im Amte, weil sie allein nur darin Verbleiben können. Dieser Umstand, daß Sir R. Peel-zur (Zcit der einzige mögliche Premier-Minister in England ist, vcrrmfacht darum auch die Schwic- rigkeitcn seiner Stellung. Dic Whigs triiimphiren iibrr das lrlzte Votum des Hauses. „Wie oft“, sprcchkn sie, „hat man Lord Mel- bourne und Lord Nussrll den Vorwurf gemacht, daß sik nur von der Gnade O'Conan'd und der irlc'indischcn Phalanx abhängig wärkn. Heute entgeht dies so stark;", seiner Majorität so sickcrc Tory-Kabinct nur mit Hiilfe seiner erklärtesien (Hegner cincr schmählichcn und ent- scheidcndkn Niederlage!“ Jener Umstand iiideß, das; Sir R. Peel keinen niöglickpen Nachfolger hat, während cin anderes Ministerium bereit war, Lord Melbourneabzulösen, läßt den Vcrglr'iih dchbig-Jourimle zwischen damals und jclzt nicht als maßgebend, und die Schwicrigkritln, wclche daraus gefolgert werden, als nicht vorhanden erscheinen. Man hat born Herzogs bon Richmond als den iiiöglichrn Nachfolgchei-l'o gk- 1prochcnz man hat aber auch sehr bald erkannt, daß dieser:)iepräsrn- tant des strengen Schny- urid Prohibitiv-Systrms bei der Opposition der ganzen Whig-Partci, dcr radikaleiiMitglicdrr drs Hanses und der Anhänger Sir R. Prcl's unmöglich cine :).)kajoritiit behalten kiinntr. Man hat rbrii so Lord Spencer genannt, der friiher als Lord ?litborp die' Wbig-Partci ini Untrrbausc ansiihrtc; abcr dicser vertritt soit riiiigrii Monarc" die' andere rrtrrme Partriund stimmt namentlich fiir gänzliche" Abschaffung der .Korngrsrßr. Beide: sind also die Rrpri'isriimiitrn ri'trririrr Partcirn, von welchen die I))?ajoriti'it drs Unterhauscö, die in dcr Mittc sicbt, sich abwrndct. *Der natürliche Nachfolger Sir R. Pr'rl's wäre drmnack) Lord John Riissi'll; aber Lord Johii .")iiissrll will die' erorm in jeder Beziehung; Ri'form in dcr Kirch?- i]! Jr- land, in den KangksOHTU, dcn Ziiifcr-45iiile'1i, iibrrhaiipk in Allem, was man unter Monopol bkgrrifk, und Vor solchcn Aenderungen schrlckt dic *).)kajoritiit des Hauses jetzt noch zuriick, Sir R. Perl bleibt darum mit seinem Systi'm dcs grmäßigtrn Fortschritts, deo Lliiöglcicheiiö dsr einander widersprrchciidmi Jiitereffcn, dcr liiixige tri'uc ?liwdriick dcr Mi'iniing dcs Hausrs, iind iiidrin rr dirse Sritc ss'lkllk Stärke wohl kennt, macht er skin Svsirni geltrrid, trotz allrr Laniirn und friiidscligrii Bksti'cbungen sciiierPartci, die in ciiii'rVi'r- traiirnofragc sick) stets grzwungrrr steht, ihr Votum zu Gunsten ihres Ministers abzugeben. Sir R. Perl bkfiiidrt sieh mit seiner Partei in civigcm Zwiespalt, weil die Wahlen, welche das Tory-Kabiiirt mw Ryder gebracht haben, gerade von den eiitgrgcngksryten (Hrniidsiiyi'ii britrmmt wurdcn, wclche dicser Miiiistrr in Ausfiihrung bringt“, aber iiichtödrstoivciiigcr bcrfiigt cr iibcr ihre Stimmen, wril er seit dcr Rcform-Aktc ihr Herr und Meister ist, der sie vom Un- tergangs grrcttet hat, als die radikalen Bestrkbuiigcn je'iier Zeit den gänzlichen Umsturz dcr alten Ordnung drohten. Sein Aiiöspkuck) „N'ik xrii] tig!» 0111" [131.005 in tin! [(i-Ziztrntimr ('em-rm", als Nicdergcsrhlagcnlxit und Vcrzweiflimg in den Reihen der Tor“»:Partci herrschten und das ersteRcform-Parlamcnr nur “1527 Toric's gcgen -171.Wl)igs zählte, bezeichnet die rubnirvi'irdigste Epoche seines Lebens und wird ihm alle Wohlmrinrnden seiner Partei, wenn nicht des Landes, zu cwigmn Tanke beipflichten. Wie aber alle Männer unpopiilm'r werden, welche widrrsprochendc Jntcrcffen auszu- gleichen oder ein Wcrk dcs Ucbergangco aus einem Ziistaiide in einen andkren auszuführen habrn, so auch Sir R. Perl. Die Parteien opfern siti) _qi'rii fiir die Führer, welche ihre Prinzipirn vrrtbridigrn und gliilljd machen, Versagen aber ihren Beistand solchen Personen, die auszugleichen, zu versöhnen siiihrii. Von allcn Tory-Zourimlru sind nur Standard und M oriiing Hkrald dkm Minißcrium trcn; dir „Times bekämpft cs Vor allen iibrigmi mit den schärfsten Waffen, weil sie das trcuc'ste Organ der Torv-Partci ist, welche? nicht das Vcrtrauen, sondern die Nothwrndigkyit ini dmr Prrmicr-Ministcr krttct. Darum charaktkrisirt sie uns mich die Stellung Sir R. Prcl's zu seiner Partci in ihrkn Artikeln voller Unmutl) urid Bitterkeit iiber die Tyrannei drffc'lbcn ain richtigstcn. So schrcibt sic in Bezug auf die chien Ereignisse im Parlamriit:

„Eine solche Forderung (wie sic niimlich Sir R. Prei am Mon- tage an seine Partei tbat) könnte man wohl eiiicniManiic verrcihen, wclihcr dic Hiilfte einer Nation zurVertl)cidiguiig cines großen Prin- zipö um sich brrsammclt hat. O'Connell mag mit einem gcwiffcn Rrchte, eincn unbedingten Gehorsam Von drnjcnigrn vrrlangrn, We'lrhc in ihm den Vrrtretcr einer Idee seht'ii, in drr alle ihre Wünsche und Lridciischaftrn sick) vereinen. Aber Sir R. Perl hat sm) nie- mals in eine solche Stellung zu srßrn gewagt. Die große Aufgabe, drrrn Liisung er sich Vorgciwmmcn hat, besteht darin, eine Masse sehr ungleichartigcr Materialien zusammen zu halten, obne die indi- viduellen Vkvorziignngcn nnd Antipathiccn dem Streben nach einem gro- ßen gemrinsamcu Ziele aufzuopfcrii. Es ist ihm gelungen, drnRuhm cines gewandten Geschäfwmannrs, cinrs arbeitsamen Z).)iinistcrd, cinrs uncrmiidlichcichdners sich zuvrrdicncn; aber er hat sich niemals mit den Gefühlen und Sympathiccn seiner Anhänger brfreundct. Wrim cr iiber eine Maßregel abstimmen [affen will, yiillt er sich in cin rin- durchdringlichcs Grhcimiiiß bis zu dcm ?lugciiblicke, da er sciiichor- schlag aiif dcn Tisch dcs Unterhauscs legt und seinen Anhängern bc- fichlt, ihn zu untkrstiiycn. Das soll kein Lob und kein Tadrl sein,

sondern wir wollen nur damit sagen, daß ein Minister, welcher einen solchen Einfluß ausüben wiu, kein Recht hat, von seinen Anhängern die Aufopferung ihrer Neigungen und Interessen zu verlangen, was sonst gern zu Gunsten eines Mannes geschieht, der unsere Gedanken theilt, oder uns die seinigrn einzuflößcn gewußt hat.“

I ch w e r z.

Beru. Drin Verfassungs-Jreunde zufolge, hat der päpstliche Nuntius in Betreff der Angrlegeiihrit des Abba“- Mariliey (s. Nr. 177 der Allg. Pr. 3.) eine Note an den Vorort gerichtet, die der lrßtrrc jcdock) ibrchaffiingwcgrn anzunehmenBi'di'nken trug. Eine zweite, in gemäßigterem Torre angfasztc Note sandte der Vor- ort an den Kanton Genf, allrin drr Staatsrath wirs dieselbe zurück, indem er sich auf seine Hoheitsrechte brrirf.

I p a n t c n.

%% Paris, 22. Juni. Die französische Vriqg „Cassard“ ist am 1-1th von Barcelona aus umi) Tangrr untcr Orgel gegangen. Einige Tage zuvor war das englische Mirgs-Dampfboot „Vesuvius“ nach dlmsklbkn marokkanisihrn Hafcii abgcgaiigeii, wo es bis auf Weiteres ziir_Verfiiguiig drs GouNrncurs bon Gibraltar bleiben sollte. Dcr Biychof bon Barcelona hat das große Band des Ordegs Karl'o ][]. rrbaitcn. Drr Erzbischof von Tarragona, von dem es hieß, da[; er aus drin Wege sri, um, wie so viele andere spanische Prälakrn in [ester Zeit grthan babrn, in seinrn Sprengel zuriickzu- ki'hrrn, brfiiidrt sich noch immer in Rom.

Dcr Grrilral-K'ommandant drs Maestrazgo, (Hrneral Villalonga, hat am ]0trn d. M. dcn Belagerungs-Zustand des genannten Di- striktes fiir aufgehoben erklärt, nachdem rs ihm gelungeisist, die karlistischcn Guerillas, welchc den Maesirazgo so viele Jahre lang in fortwäyrcndrm ?illarm erhalten liaben, tlieilö zu vertilgen, theils we- nigstens ;ir vrrtrriben, Man weiß, das; der Belagerungs-Zustand im iibrigcii Spanien dem Namen nach schon seitMonaten aufgehoben ist, das; seine Wirkungen abcr nirhtödrstoweniger an Verschiedenen

Örtt'n in voller „Kraft fortbestehen.

Dcr vorige Marine-Ministcr, Herr Portillo, der bekanntlich von den Zrituiigrn vielfach der gröbsten Uiitcrschlcifc berüchtigt ist, und drsscn Vrrsrßung in Anklagczustand mrdrcrc Kongreß-Mitglieder zu beantragen beabsichtigten, hat es gerathrn gefunden, Madrid in aller Stille zu verlassen. Herr Portillo ist am 17ten d. M. in Bayonne migekommrn, von wo er einige Tage späti'r seine Reise nach Paris

fortgcsrxzt hai. _ Griechenl and.

© Ykiinchen, “.'-5. Juni. Die griechische Post vom “10. Juni ist erst gestern friih hier eingetroffen; der Inhalt der wenigen Briefe aus Athen ist jedoch nncrfreulicher, als ihn die Angaben in triestinrr Briefen oder überhaupt die Gerüchte im Voraus angekündigt hatten. „König Otto war allerdings auch einige Tage unwohl, bci Abgang der Post erfreuten sick) aber beide Majestätcn drs erwünschtcsten Bc- findl'Uö. Die noch nicht beciidigtcn Wahlen scheinen bisher zu keinem entschcidcndcn Uebergrwicht wcdcr fiir die Rrgierung, noch für eine der anderen Parteicii gefiihrt zu haben; die Hauptstadt dürfte den Ausschlag geben, wo aber die Kandidaten oder vielmehr an der Spise dcr Kandidatcn-chion Kalcrgis und Rolcttis sich angeblich bis zurii letz- ten Tage noch an Kräften und Aussichtcn gleichstandcn. Ju Morea herrschte fast diircbschnittlicl) Ruhe, und die nciieu Gondernsure fan- den sich von den Truppen genug unterstützt, um sich den unter den gegenwärtigen Umstiinden so dringend notdweudigcn öffentlichen Gc- borsam FU verschaffen. Desto lockerer wurden mit jrdrr Stunde die Bande drr Ordnung im Norden. Fri Rumrlicn hat Theodor Griviis das Panicr iiffkntlichcr Empörung aufgcpflanzt, und um il)" siiid Valenzas, Pharumkidis, Patimrzas imd «"de-re Offiziere und Häupt- linge, dercn kccki'r Unternchmrriigsgt'ist bckniiiit ist und von“ deren Charakter mau allenfalls auch das Arnßerste befürchten darf. Gleich- wohl wriseu Brie'fe von si'hr guter Hand mit Vcstimmthrit darauf hin, daß rs, wohl durch den vermittelnden Einfluß der Gesandten Englands iind Frankrrirhs, noch cht griingkn Werde, Grivas wie Grisiottis in die Srhrnnkcn der Ordnung und Unikrwiirfiqkeit zuriick- zufiihren. Nur mus; mmi sich natiirlich dicse Schranken ziemlich weit gexogrit und an die vielleicht ohnehin nie sebr ernstlich qcmcinte qe- 1ichtiichk Bclaiignng beider Meutcrrr gar iiickt mehr dciikcii, '

C u r ]l e t.

Nickelino, 9. Juni. Am 4ten kam der Sultan hier an und setzte gestern seine Reise fort. Aus allen brimthbarte'n Ortschaften Waren die Bewohner herbeigrsiriimt, um ihren Padischah ZU skhkn. Das schlechte Wetrcr verbiiibrrtc cine Festlichkeit, die zu Ehren des Sultans in riiicm Gartrn stattfinden sollte.

Arif drr hiesigen thdc lirgc'n icßt )'Kriegsschiffc, die unter An- fiibrniig ch Kapudaii Pascha nach Syrikn scgelu, um etwaigen Un- riihrn bei Gelegenheit drr dortigen Conscriptiou vorzubcugen.

Am .“;th d. M. wiithctc hier und auf den benachbarten Inseln ki]! [irftiger Orkan, dcr in den Wcingärtcn voii Tscheöme, so wie an den Olivciibäiimcn, großcn Schaden verursacht hat.

Eiscnbahncn, Tie Von Seiten drs Comité's 311 Eisenbahn-Anlagen im Groß. hcrzogthum Posen erwählte" Bebollniäihtigtrn habcii, wie die „Zei- timg dcs Großherzogthnnis Posen“ meldet, bei ihrer Anwesenheit in

“3th ist auch das Stillleben dchcidrngcbrochci1,frcmdcGcsialtcndrängcn sich immer mehr in ihr Leben, dic heldenmiithige de (0ack)ct, Savigny, „dcr gclrbrtc Jurist, dcm Alles klar, der crnßhaft jung ist““, Arnim, „dcr frische preußische Jüngling, dchöniglich aussicht“, dchcttina liebte, wril er ein Mann ist vom Kopfbis ziirSohic; eine von den Naturrn vollContrnaiice, die man liebt, Weil man geistig mit ihnen leben kann, und die imponircii, ivcil allcs gcisircichc Schwindeln von ibncn nicht bersianden wird. Jrßt tritt auch die Figur Brciitaiio*s mehr in Vordergrund“, jetzt soll er seine Kraft nicht blos im großrn Denken, sondern an dcn chciisvcrbältnisscn selbst erproben. An dicscn ist er hernach gescheitert. Brentano hakte cinen uiigcbciircn Versand, der so groß War, daß sein Gemüth nie auf dieselbe Höhi“ klimmen konnte. Zu seinem Kopfe war es hell wie im Olymp, in srénck Vrnsk ruhte niir dllnkltß Sehnsucht. Er verstand zu viel im Geiste, iind srincThatkraft war zu [ich iiii dies Verständnisi,

_ "Sri" Vcrsiand war aber so groß, daß er geimit weiß, wie das Gemüth sich ausicrnx, wie es handeln wiirdc, wrnn er cin ibatkrästigrö, glcichgroßcs Gemüth hätte. Er erzeugt chhalbjcdcn Augenblick die ['am n-nr-„xa-n- cinrs großen Gcmiithes mit drchrstand. Diese Sebrinkrnft hält so lange, als solche Menschen nicht mit dem Sibicfsal in Kollision kommen, weil sie jung und rein sind, Bricht abcr rin Sturm los, so wird es öde an dieser Stätte. Die ewige Arbeit des Verstandes, ein großes Gcmiith darzustellen, 311 dem doch grnijgcnder Stoff fehlt, muß die Natur ermattcn: es entsteht am Ende eine Lasibcit und falsche Gcfiihligkcit, welchc fich, wie Viele zu Vrentano's Zeit thatcn, in Materialismus und Gcnußsucht siiirzt oder einm Halt in einem haltloien mystischen Wesen sucht, da im Den- ken, im Gedanken selbst, keine Ruhe liegt, vielmehr dchcrsiand mit dersel- ben Leichtigkeit, wie «Empfindungen macht, fie gelegentlich auch zusammen- rcisit und sich dämoniscl), halb spielend, halb verzweifelnd, iiber die Trüm- mer fest. Dies erzeugtcnntcr Vrentano's Zugendfrrundcn ein gewisses Miß- traiien und unstäte Verhältnisse, in Clemens aber selbst jenes schnekle An- schließen und Ablassen, zugleich eine unbestimmte Pein, die Liebesbedürftig-

[kit, die immer ängstlich ist, das; die, an welclie sie fill) klammert, sie ver-

lassen könnten; die Unruhe, Wenn nur ein Brief aiidblribt, den Mangel an Vertraiicn znglrich ncbrii rascher Hingcbung, die ewige Angst des Herzens, fiir Welche keine geistige Größe entschädigt.

Indem solche Natiiren mit iiberwiegend männlicbem Vkrsiande ihre Umgcbung beherrschen, mit ihrem zaubcriscben Gcmiithslcbrncrgöyen, untcr- liegcn sie zugleich jedem wahren (chiiithsmcnicben, Wenn er mich geistig kleiner ist, sogar jeder äußeren Gchalteuheit, Sie treten ans ihrer männ- lichcn Bedeutung heraus und in ein weibliches Verhältniß zu den festen Charakterrn. So schmirgt sicb Brentano an die Schwester, als an einen Mann, Weil sie mehr ans Einem (Misc ist iind ein mehr sicheres (Hcsuhl hat, Das Gedicht [). 115 ffg. zeigt seine ganze wriblicbe Stellung zu Bettina, dic „schwrigciid das Wort spricht, was seine Lippe nicht redet." Er erscheint sich selbst „als Werk seiner Liebe zu Bettina.“

Dirse Unsicherheit dcs Grmiithes, die ihm hcrnach so vir! Wibc be- reitet, tritt imnirr nwitcr heraus, je mehr wir uns in die Biicsc hiiiriii- lesen, nnd berührt in seiner lestcn Liebschaft zn Weimar höchst verletzend und unnatürlich, Dancben aber rollt und wogt einc solche Falle yon „Geist,- das; man kaum begreift, warum Brentano nicht tiefere Furchen ins dffcnxliche Leben ziehcn komm'. Allein er mußte ja die (Heisteskrafr, stalt sie aiif die Welt wirken zu lassen, immer nach innen verschwenden, um sein sGihmu", vor Oedc und Verzagtheit zu retten und um vergeblich Ruhe zu u en.

" Zu dieser Geisicskraft kommt die Jugend, die ihn zur Zcit noch er- fuilk, wo er diese Brirfe schreibt; die Fiille dcr jugendlichen Kraft läßt den spateren Zwiespalt noch nicht so hervortreten.

Bctjina aber ahnet schon, daß die?) Alles nicht glücklich enden könnt'- fie laubt, er sei „nicht auf dem recbten Weg“, und spricht den Untersehied zwi chen seiner Jugend und der späteren Zeit, leise und mit Pietät andeu- tend, mit seinen eigenen Worten aus, die sie dem Buche vorseßt:

„Und, liebes Kind, brwalirc mcinchicsc, [affe fie nicht verloren gehen sic sind das Frömmstc, Licbcvollstc, was ich in mcincm Leben geschrieben; icl) will sie cinstrris wicdrr lesen und in ihnen in ein verschlossener; Pam- dicö ziiriickschrn, Hridrlbrrg 1805.“

Wir preisen jrdrn glücklich, dcr unbrfangcn in diesem Frühlingoduft und Bliitbcnrcgrn Wandeln, und auf das Schauern und Rauschen des ursprünglichen Geistes horchen kann,

Wenn wir, und mit uns vicllricbt viele, nicht unbefangen genuq des Schönen uns freuen, so kommt died wahrhaftig nicht daher, daß Bi'tiina in ihrem politischcn Denken andere Wege geht, oder zu geben scheint, nicht daher, das; wir eincm hohen Thurme zumiithrn, er soll einen kurzen Schat- tcn wcifcn, auch nicht daher, daßBcttinaBrcntano's Worte vergißt: „Man soll kcincm Menschen anhängen, dcr Partei macht.“

Ein großer Mann [iat zur Zeit des wiener Kongresses gesagt: es schrinc, als ob die Kraft des Willens von den Männern gewichen wäre und sich in das natürlichen Gefühl der weiblichen Brust gefiüch- tet biitte,

Dies für cin männliches Gemüth wenig erfreuliche Geständnis; und das Gefühl, das; jener Mann nicht Unrecht habe, raubt uns die Unbekangenheit der Frau gegeniiber, um so mehr, als wir deshalb nicht das volle Reijt haben, die Frauen zu radeln, wenn sie allzu friih der Freiheit entgegen- jaiichzen, vielmehr mit Clemens Bettiuen zurufen müßten: -

„Bleibe über Alles Ziifiillige erhaben; folge deinem inneren Rus, er ist zu stark in dir, wer wollte dich ihm entziehen? _ es wäre Frevel, eSzu wollen, da wir alle noch nicht da sind, wo wir mit uns selbß rechten kön- nen, ob wir etwas onen sollen oder nicht,“

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