1879 / 142 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 20 Jun 1879 18:00:01 GMT) scan diff

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Rumänien. Bukarest, 19. Juni. (W. T. V.) Der juristische Beistand der Regierung in der Angelegenheit des Ueberganges der rnmänischen Eisenbahnen an den Staat, Calenderu, hat sich nach Berlin begeben.

Rußland und Polen. Odessa, 19. Juni. (W.T.B.) Heute früh ist das Kasansche Regiment mit dem Stabe des 4. Corps unter General Skobeleff auf dem Kreuzer „Rußland“ hier eingetroffen.

Amerika. Washington, 17. Juni. (Allg. Corr.) Dcr Senat hat die Justiz-Kreditvorlage in amendirter Fassung angenommen. Dieselbe ermächtigt das Kriegs- drpartemexit zu Ausgaben für den Trnppentransport, was bisher durch keine friihsre Kreditbewilligung geschehen ist. Diese Konzession war von den vereinigten Comités des demokratischen Caucus Empfohlen worden. Der Senat hat sich der vom Repräsentantenhause adoptirten Resolution für die Vrrtagung der Session angeschlossen. Der Senator Bayard beharrt bei seinem Beschliiß, dLn Vorsiß aufgsben zu wollen, sofern die Silber=Bill vom (“Heirat diskutirt werden soÜte.

Ykittelamerika. Mexiko. (W. T. B.) Den lrßten aus Mexiko iiber New:?)ork, vom 19. Juni, eingegangenen Nachrick“: ten znfolge war drr Aufstand gegen die Regierung im Wachsen. Dsr Poswrrkehr mit drm Innern isi Unterbrochcii. Zn Monterey wurden alle Zeitungen, mit Ansnahme des amtlichexi Blattrs, griiöthigt, ihre VUblikationen Sinzustellen. Gencrcil Marano organisirte Streitkräfte gegen drn Präsi: denten Porfirio Diaz.

Südamerika. Peru. DieDeputirtexikammer hat einen ZOU von fünfzig Cent Papiergeld auf jrden cms dem Lande ausgéiiibrten Centner Z u ckr r gelegt, statt fünfzig Crnt in Silber, wir dir Regierung vorgeschlagen hatte. Jm S en at liegeri zwei Resolutionen, betreffend dieselbe Frage, vor: eine, welche eine Abgabe von drei ProzeUt des Werths des Zuckers, die andere von sechs Prozrnt des Nettogewinns zu erheben beab- sichtigt. - Außerdem hat der Kongreß eine Resolution angr- nommen, wonach jsdem männlichen Peruaner von 21 bis 60 Jahren eine balbjährlickw Kopfsteuer, vier Soles (5 „W) für die Kiistrnbrwobner und 3 Soles fiir die Bewohner des Innern, (mfrrlegt wird, selbstredsnd nur wäbrrnd des Krieges. Mit dem Betrage disser Steuer, der - UckSrstsuer, dcm Betrage drr Schrnkungen imd freiwilligsn ;)eichrmngrn zu drm Kriegsfonds imd dem leng von zwaUzigProzent von allen Veamtengebéiltern, welcbe Eingänge zufummen die Summe von 6489 749 Solrs jährlich erreichen, glanbt die? Regierung iiber die nötbigen Mittrl zU einer nachdrücklicbcn Kriegführung verfügen zu können.

Brasi1icn. Rio de Janeiro, 27. Mai. (Allg. Corr.) Die Depiitirienkammrr hat einen provisorischen Kredit im Brtrags Von 10 000 000 Milreis votiit, da es unwahrscheinlich ist, daß drr Senat das Budget für das nächste Finanzjahr vor dem 1. Juli annrhmen wird.

Von Vuen0s=2lyres bier eingegangenen, bis zum 18. d. M. reichrnden Nachrichten zufolgr, wurde die». Verwer- fung des patagoniscben Grenzvertrages mit Chile fiir nabe brvorstrbéndx gehalten, und wnrdrn in Folge dessen kriegerische Vorbereitungen getroffen. Die argenti- nischen Kanonenboote hatten den Befehl znr Rückkehr nach der Meerenge erhalten, Und writers drei wurden auSgeriistet, um sich dorthin zu brgrben. - Ein Angriff der Indiansr auf das Fort Zta[co war zUrückgeschlagen worden.

Aus Paraguay wird gemeldet, daß Sefior Godoy, ein Oppositionsfiibrrr, den Präsidrnten Barrevio abgesetzt und sich der Regierung bemächtigt habe.

Argentinien. Buenos Ayres, 18. Mai. (AÜg. Corr.) Ein Aufstand hat in der Provinz Zujur) stattge- funden Die Rebellin warfrn Ssüor Torino ins Gefängnis; und befestigten die Stadt Salta.

Afrika. (Nbg. Corr.) Die neneste Post von der Westküste Afrikas bringt die Kunde von dsm am 6. b. M. erfolgtsii Ableben des Königs Archibong von Old Ca: labar. kan fürchtet, daß der Tod drs Königs zu Miß- beliizikriten 11111917 den rivalisirenden Häuptlingrn Old Calabars Anlaß gebrn könnte.

Statistische Nachrichten.

Nacb Minbcilung des statistischen Bureaus der Stadchrlixi sind bei den biefigrn Standesämteru in der Woche born 8. Jimi bis iiicl. 14. Juni cr. zur Anmeldung gekommen: 147 Ebeicbließungen, 797 Lebendgeborene, 38 Todtgeborcne imd 621

Sterbefälle. GeWerbe und Handeb

B erl in, 19. Juni, Abends. Während in früheren Jahren das auf dem Wollmarktr befindliche Quantum meist schon am ersten Tage des Markteb fair vollständig begeben war, war bis zum Schluß dieses Berichts ringe'sabr erst ein Drittel_ der Zufnbren Verkauft, und dürfte im giinstigsten Fal[e„bis,zum wälen Abend die Hälfte geräumt werden. Veze_1chnend fur die Goscbäfislage ist die Tbatsaäxe, daß in diesem Fabre emzelnezirbkzcre süddeutsche und Thüringer Spin- nereien, die sonst fast regelmaßig unseren Wolimarkt besuchten, nicht vertreten smd. Hauptrrflekiqnten sm_d Niederlausixzer, die Damen- konfektionsbrancbc baupt1ächltch Yultwirende Fabrikanten; von den Kammggrnspinnern zeigte cm schrUetzer Etabliffenieni größere Kaitfsnei- gung. Kammgarnspinner soUen im Allgemeinen mit Aufträgen reich- lich rcrsrben, aber nicht so stark wie im vvrigcn Jahre bescbäfjigt sein, wäbrknd Fabrikanten über mangelnde Ordres klagen. Beide haben viel in London gekauft, und ist dies wvbl mit rin Grund, daß die bissigen Abschlüffe so schwachen Umfang annehmen. Die Wäschcn köuncn durchschnittlich als gut gelten, dock) ist zu berücksich- tigen, das“, die Wollen dieses Mal vielfach schweißiger find, als in den lebten Jabrcn, eine Erscheinung, die auf die reichliche Füiierung der Schafe während des *langen Winters zurückzuführen sein dürfte. Jn Betreff des _Preißvrrbältniffes zum Vorjahre erwähnen wir zur Vermeidung irriger Schlußfolgerungen, daß im Vorigen Jahre die bicfigen Prctye zu Anfang des Marktes um mehrere Thaler bbber waren, als am Schlusse desselben. Auch heute waren es nur dlc leichtesten und trockensten WoUen, Welche einiae Beachtung batten. Soweit die geringen Abschlüsse zu maßgebenden PreiSfolgerungen be- rechtigen, sind zu notiren: feine Tuchwolien 59-64 Thlr., Kamm- wollen 56-62 Thlr., Mittslwollen 52-58 Thlr., Bauernwoilrn 46-48 Tblr, unaewascbene“ Wollen 19-21 Thr. Leytere, ebenso wie_Lammw-ckllen, find sehr wenig zugeführt. Für bekannte ganz exquisite Stamme wurdcn voile r*orjabrigc Preise, theilweise aucb dariiber be- wiUigt. In dcr Gesan;mtznfubr keine Veränderung.

, - 20. Juni. Mit beiterer Witterung, welcbe ermög- licht, die Wollen gesund und unbeschädigt an ihren Bestimmungs- ort gelan en zu saßen, bildete sich auch etwas beffere Stimmung heraus. »as Geschaft auf den Stadtlägern war demzufolge ange- reJter, als man gestern Grund hatte, zu folgern und die Tendenz getaltete"fich etwas fester. Auf Wiedergabe des umgese teanuan- tums mussen wir verzichten, da maßgebende Erwitte ungen sicb

nicbt anstelLen lassen; zur ungefähren Orieniirung erwähnen wir aber, daß auf den Siadtlägern nicht so viel als im Vor- jabr gekauft worden ist. Auf dem Wollmarkt trat erst gegen 9 Uhr in Folge gegenseitigen _Entgegenkommens etrvas größere Reasamkeii zu Tage, und steht zu erwarten, dab der Markt bis zum Abend geräumt sein wird. Wollen aus erster Hand sind fast sämmtlich begeben, nur einzelne feine Stämme, deren Inhaber ihre Forderungen nicht durchsetzen können, barten noch des Verkaufs und geben eventuel! auf Stadtlager. Neben Fabri- kanten und Kämmern war heute auch die Spekulation tbätiger. Von ausländischen WoÜr-flektanten kaufte eine Kopenhagener Spinnerei mehrere hundert Centner gute Mittelwolien zum Preise von 57-1 Thlr. Für feine gut bebandelie Wollen bat gegen gestern Nachmittag ein Preisaufschlag bis zu 6 5-6. Herausgebildet. Indem wir nachstehend eine Specifikaiion der Preise geben, welche den heutigen Abschlüffen zu Grunde lagen, betonen wir norb- mals, daf; dieselben, beriicksichtigt man die dieSmal durch- schnittlich besseren Wäschen und abstrahirt man von einem Ver- gleich mit den hohen vorjäbrigen Eröffnungspreisen, nur schwache Veränderungen gegen das Vorjahr involviren. Es wurden bezahlt: feine Tucbonen 60-66Z Thlr., KammwyUen 56-62 Thlr., Mittelwoiien 52-59 Thlr., Bauernwolien 45-48 Thlr., ungewaschene WoUen 19-21 Thlr. Die polizeilichen (Frmitielwnqen ergeben folaendes Resuttat: Gesammtzufuhr nacb amtlicher Fest- steliung 111504 Str., mithin 35 287 Sfr. mehr als im Vorjahre

- Am 17- Juni wurde in Breslau die vierte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der OelS-Gnesener Eisenbahngesellschaft abgehalten, in der 14675900 „;ck Aktien mit 26 003 Stimmen vertretem waren. In Erledigung der Tages- ordnung fand die Neurvabl dreier Yiiiglieder des Aufsichtératbes, die Berichterstaitung über die Lage der Geschäfte dcrbYeseUscbaft und die Ertbeilnng der Decharxe fiir das Jahr 1878 an AufsiiitSratb und Direktion statt. Demnächst Wurde einstimmig in formeUer Modifi- kation des bezüglichen Beschluffes der Generakversammlung vom 8. Juni 1877 beschlossen: das Grundkapital der Geseilscbaft um den Betrag der Aktien der Baugesellschaft F. Pleßner u. Co. mit 4050 000 „76, also von 23 250 000 5-4 auf 19 200000 «74, dargestellt durch 17 500 Stück Stammaktien zu je 300 „M und 23 250 Stück Prioritäis-Stammaktien zu je 600 „76 zu reduziren und zu diesem Zweck drn §. 4 des Statuts entsprechend abzuändern. Dieser Be- ichluß ist, daxmit der statutgemäß erforderlicbrn Majorität gefaßt, für die Geselijckoaft verbindlich.

Lübeck, 20. Jimi. (W.T. B.) Wollmarki. Zufubren 3600 Centner, 600 Gentner mrhr als im vergangenen Jahr. Wäscben durbscbnitilich befriedigend. Geschäft anfaiigs schleppend, Nexen Mittag r-xger, bis jc-Hi ist etwa die Hälffe der Zufubren vrr- kauft. Das Verlangen nach vorjäbrigen Preisen wurde Seitens der Verkäufer abgrlcbnt, cs wnrden 3-6 «75. böiierc, fiir ganz feine Woilen auch 12 „FH höhere Prci'e und noch darüber erzielt. Der Besuch des Marktes ist ein lebbaftrr, insbesondere baben sicb viel Hamburgische, dänische urid siwrdische Händlrr imd Neumünsterscbe Fabrikanien eingefundsn

Wien, 19. Juni. (W. T. B.) Die österrkiebiscb- ungarische Baiik beschloß beute», abs dem Eritägniffc des ersten halben Jahres eine Abschlagézablung bxn 20 F1. per Aktie am

1. Juli zu leisten. VerkebrS-Anüalteno

Pa ris. Folgende Details sind dem Korrespondenten der „Allg. Ztg.“ über das Panama-Kanal-Unternebmen zaaxgangen, wxlckies als natürliche Folge d-s internationalen Kon- grryies demnachst in das Stadium der Finanzoperation einiretrn wird. Was die zu kreirende thiengrseüscbast betrifft, an deren Spitze sick) der Schöpfer des Suezkanals, Hr. Ferdinand de Leffeps, stelit, _so sieht der1rlbe ge.“,enwärtig noch in Unterhandlung mit den Kozizeffionaren des Panamakanals. Das hiesige Bankhaus Kohn, Retnacb,& Co. erhielt nämlich im Jahr 1876 von der Republik Columbia ,eine ,Kanal-Konzession“ auf die Dauer von 99 Jahren mrt__ aÜeiniger Verbindlichkeit, daß dem genannten Staate, deiien (Gebiet der Kanal diirchscbnitte, von jeder Tonne Frachtgebalt eine Vergütung _von 2 Fr. bewilligt Werde. Diese Konzesfionäre ließen auf ihre Kosten, an deben fich eine Anqu[ von Subskribenten betbeiligtcn, Voruntersuchungen und Vor- arbeiten an, Ort undSteUe eine erhebliche (Entschädigung für die Abtretung ihres Privxlegs. Hr. de Lesseps möchte den Panama- Kanal keiner neuen_Verrraitung überlassen. Er selbst gedenkt den- 1elben zugleich mit 1.i11em Suexkanal zu leiten und gleich von vorn- herein die Verwaltnngen der beiden Geseilscbaftcn zu vereinigen. Die „internationale Panamakanal-Gesellschaft“ soll demnach eine Filiale der .,Zc-cjété jntsruaiiouals (111 03.531 marjijms (10 81182“ werden. Nur auf"dic_se Weise glawbt er die voUerraniwortlichkeit übernebmsn und dafur einsieben zu können, daß er auch dieKapitalien dazu beschaffen. Er bat aiich die Hoffnung nichtausgegeben, eine Anzabl engliscbrr Kapitalisten iti sern Unternehmen bineinzaziiben. Von amerikanischer Seite scheint bis jiyt weit geringere Aussicht auf eine Tbeilnabme vorzulisgen. Die ersten Subikribenten für das früher „()J-(181 jntsrcvcéxmiqns“ aenanute Unternebmxii baben sicb erst unter dem Datum vom 15. Mai 1879a16 Civilgcsküycbaft mit einem Aktienkapital von 500 000 Frcs. konitituirt. Unter diesen ursprünglichen Zeichner" und jeyigen Theil- babrrn finden wir aufm den erwähnten Bankiers-Konzesstonären und anderen Fmanzleuten die beiden Berichterstattsr über drn Panama- Kanal, die HHrn. Wyse und Reclus, den General Türk, den Schriftsteller Octave Feuiüet (von der Académie Franczaise) und den (Senator und Akadrmifer Hrn. Littré, Hr. de Leffeps nimmt das neue Untrrnei;men b:]onders eifrig auf: er Wylie es zii Endé fiihrrn und fprecbe fiir fick) selbst keinen Nutzen CM.

Triest, 20; Jurij. (W. T. B.) Der Llobddampfer ,Urano“ ist gestern Abcnd aus Konstantinopel bier eingetroffen.

Berlin, den 20. Juni 1879.

Trier. Dic_24. Generalversammlung deutscher Pbi- l_ologen und Padwgogen wird, wie schon erwähnt, Hier am 23. blsn27. Scptemberabcniebalten werden. Im Einverständnis? mit dem Prafidtum der diesjabrigen Pbilologenversammlung bat die Fr. Linßsche Bu rbbandlung es unternommen,. für die Zeit der Ver- sammlyng eme Ausstellung der für die Gymnasien und Real1cbulen bestimmten Lehrmittel zu Veranstalten. Die- selbe bat den Zweck, Lehr- und Lernmittel, welche bei der Lektüre der Klassiker, sowie beim Unterricht in der Geschichte, Geo- graphie, Naturgescbicbte, Physik, Chemie und der Mathematik, an_ den (Gymnasien und Reglscbulen benutzt Werden, zur ver- gleichenden Anschauung“ zu bringen. Die Ausstellung wird da- nach einhalten: 'für M Lektüre der Klassiker und den Geschichts- untrrrtcbt: Abbildungen und Modelle (insbesondere Darstellungen antiker Bautcn, Staiuen und sonstiger Kunstwerke, auch in Pboto- graphie), Wandtafclxi zur Geschichte, Atlanten, Tabellen; für den geographischen Unterricht: Globrn, Atlanten, Wandkarten zur physi- schen, mathematischen ,und pxlttiscben Geographic, Bilder und Mo- delle zur Ethnographie; fur den naturgeschicht1ichen Unterricht: Wandtafeln, Bilder, , Tabellen und Allanten, Präparate jealicber 5Jiri, ,Modelle, geologische und geognoftiscbe Karten; für den Unter- richt m der Physik: ' Apparate und Yiodelle fiir die Grundversuchez fur den Unterricht in der Chemie: Apparate, Modelle und Prä- parate.'2) Die Aussteliung bringt ferner je den neuesten Band der Zeitschriften Deutschlands und des Auslandes, welche der Entwickelurxg des höheren Unterrichtswesens dienen. 3) Ein Katalog, sammtlicbe außgestellte Gegenstände enthaltend, wird den Besuchern der Versammlung grati? überreicht. 4) Den Aussteliern erwachsen außer der Fracht fiir, Hm- und Rücksendung keine weite- ren Kosten; _diese hat die Fr. Lmßsche Buchhandlung übernommen, welche Such sur gute Aufstellung, Schonung der Gegenstände, sowie ute Ruckverpackung bestens Sorge tragen wird. Die Fracht für olcbe Gegenstände, welche nicht im Handel sind, ist die betreffende Buchhandlung nach vorhergegangener Verständigung bereit zu über-

nehmen. 5) Ueber die Zulassung der angemeldeten Ge enstände zu der Ausstellimg etztscheidet das Ausste1ungScomité. 6) ie pädago- gische Srktton wird gemäß. der festgesetzten TageSordnung in ihrer ersten Sitzung eme Komm1sswn zur Begutachtung der Ausstellung

wäbdien, und wird ein ausführlicher Bericht derfelben veröffentlicht wer en,

Straßburg, 17. Juni. (Straßb. Ztg.) Die großen Repa- raturen und Verschönerungen an der Münsterkircbe worunter außer dem Aufbaue drs Vierungsthurmrs und der Apfis,“ die Malereien im Ostchore, die HersteÜung der neuen Thüren an dem Hauptxortale und die AufsieÜung der Reiter- und Standfiguren in dem Munsteribuxme zu rechnen sind, nahen ihrem Ende. Der Bau der Apsis i_st 1chon seit Monaten vollendet, die erwähntsn Fi. guren sind aufgeiielit, die Flügelthüren sind an ibrrr Stelle, und an den Schut5v_orr1chtungenzu denselben wird fleißig gearbeitet. Von dxn Malereien im Osichorc ist nur noch der untere Theil. außzu- fuhren. Bei dem Vierungstburme sind eben die Arbeiter der Kupfer- scbmiede Brucke und Schott tbäiig, das Dach des Tburmes, ähnlich wie die Dächer der Absis und des Lanasebiffes, nocb Mit Kripferplatten zu belegen. Während der Zeit, wo die Ar- beiten an dem Daébe des Münsters zur Ausführung kommen, werden Maurer und Steinbauer noch tbätig sein, den auf. gefuhrten nsueii Theil des Tbarmes, bezw. die Fugen der Steine aUSzuputZen. Hieran reiht sich eine umfangreiche Reparatur an der von dem Thurme sieben ebliebenen sogenannten alten Laufgallerie, auf welche das tiene auerwerk zur Erbbhnng drs Tburmes auf- gesetzt wurde. „Weiter wird in An riff genommen die Erbbbuna Mid Bedachung zweier „kleiner TreppentZürmchen, welch: zu den (Gallerieir des Latictschiffes fuhren und sich auf der Nord-"und Süd its dcs Laiigsch1ffes an den Vierungstburm anschließen, Bis (: e diese Arbeiten ,ausZefübrt und die Ablegung des Tburmgerüstes bewcrk- strings, sem wird, dürfte der Herbst und das_Ende der Bausaison fur, dieses Jahr angekommen sein. Die giinstige Finanzla e des Stiftes .,Un1er Frauen Werk“ hatte es gestattet, die Bereitteklung der zur_Ansfübrung der genannten Arbeiten erforderlichen Mittel im Geiammtbetrage von weit über eine halbe Million Mark, wovon 236 800-76. für den Anfbau und die Bedachung des Vic- rungstburmes, 92 800 «M für Erhöhung der Apsis und der Thürm- ch§n und 100000 546. mir die kunstvollen Portalibürrn enifaliin, rrabrend der lebten beiden Jahre zu ermöglicbcn. Wie wir böreii, fi'nd von dem Stifte für die näcbsten Jahre die Errichtung ron vielleicht 160 kleineren Figuren, wrlche in den SäulentempelcbeU imd Nischen. dessHauptiburmes und an den Seiten der Kirche_i_wch frhlezi, sowie die Freisteliung dsr Münsterkirche nach der Ott1eite bin in Aussicht genommen. Es würde bierdurch der Hauptbau des Lyceums an dem Schloßplarze und der an den Ostchor anscbließende Theil _dcs großen Se_minars _in Wegfall kommen, die neben dem Schlosie laufexide Ro1em_badga11c von der Magdalenenbrücke ber direkt nach der Brudrrhofqaiie biiiiül)ren und so eine Verbindung dcr l?)iuustergasse Mit dem südlichkk: Tbeilc der Stadt zu Stande ommen.

Wie die „Ostsee-Ztg.“ in Betreff drr Dampfkessel-Ex- Plosion des „OrpheuS“ hört, hat der erste Maschinist axégc- sagt: Als er vom zweiten (bci dem Unglücke getödteten)Maschi11iixen gegeri 3 Uhr geweckt wurde, mit dxr Mittheilung, daß der Keffek gebeizt sri, und daraus an den Keffel herantrat, babe cr brmrrkt, daß der Manometer merkwürdigerweise nur 1 Atmosphäre Druck zeigte; er bfftiete das Ventil, aus Welchem nur sehr wenig Dampf Yam, und ging nach dem Vordertbeile, worauf die Explosion binter ibm erfolgte, als er nur 3 oder 4 Schritte fich entfernt hatte. Seine Beschädigungen smd sebr unbedrutend. Ebenso haben der Stxuer- mann und LM Matrose, welche in der Nähe drs Kessels schliefen, nur Uiierbebliche Beschädigungen erlitten, obgleich das über ihnen befindliche Dach fortgeschleudert wurde und sie nach ihren Aussagen zuerst mit einem beißen Griffe, und darauf mit einrm kalten Griffe (der in der Luft kondenfirte Dampf) überschüttet wurden. Von Technikern wird angevornmen, daß die Katastrophe durcb sogenannten Siedeverzug verursacht ist, Darunter versteht man eine Erhitzrmg des Wassers über 80 Gr. Reaum. Wärme, ohne daß das Sieden er- folgt; eine solche Ueberbißung, welcbe erfabrungSmäßig bis zu 200 Gr. R. gesteigert werden kann, tritt nur dann ein, Wenn das Wasser sich im Zustande der vollständigsten Ruhe befindet; bei der unbedeutendsien Erschütterung, wie z. B. im vorliegenden Falle vieUeicbt durch das Drehen am Ventil, verwandelt sich dann die ganze_Waffermaffe p[öylicb in Danxyf, wodurch schon mehrfach die heftigsten Explosionen herbeigeführt Und.

(Allg. Corr.) In Costa Rica wurde am 29. Mai ein heftiger Erdstos; vrrspürt. In San José wurdrn die Cathedrale und viele größere Gebäude erschüttert, und auch in anderen Tbcilen dcr Republik richteie der Erdiioß Schaden an.

Die beiden Wiener Gäste des Wallner-Tbeaters, Hr. Schweighofer und Frl. Bendel, traten gestern in Liner „Eine elegante Perso_n“ betiteltxn Posse auf, w.lchc zwar für das WaÜmerZTbeater em neues Stüä“, hier aber bereits vor einiacn Jahren im Woltxré-dorff-Tbeaier_mit Hrn. Schweighofer und Fr. Gallmeber qafgrsiihrt worder: ist. Das Stiick an sich ist von so großer Dnrftigxeit in Bezug auf Handlung und Charakteristik, daß es darm den meisten neueren Berliner Possen nocb nachsiebi, was gewiß scbon etwas sagen wiÜ. Die zu Grunde liegende Jdeé, daß eine junge Frau eincn Aufwand weit über ihre Kräfte macbt, „Weil es die Welt verlangt“ und dadurch ihren Mann, der zu schwach ist, um ihrer Verscbwendungssucht zeitig und wirksam genug entgegenzutreten, ruzxntrt, spater aber durch das über sie bereinbrerbende Unglück ge- benrrt wird,)si m gar grober Holzschnittmanier illustrirt. Cs zeugt nur von richtiger Selbstkritik, wenn der Verfasser fich nicht genannt bat. Wenn 711111 um'geachtet dcr Unbedeuxendheit des Stückes sick) das zahl- reiche Auditormm, n'elcbes fick) gestern im WaUner-Tbeater versam- uielt batte, gut unterhalten zeigte, viel lachte und applaudirie, so ist dieser „günstige Erfolg lediglich dem virtuosen Spicle des Hrn. SÖwerghofer zuzurechnen, welcher die Hauptrolle? spielte, die ihm, wir man so. sagt, auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Seiner emrxicntenlms c0mic8. gelang es, die Zuhörer über die Armutb des Stuckes hmivegzutäuscben und we_1m sicb Ermüdung einstellen wollte, von neuem durch seinen nie veriagsnden Humor heitere Stimmung zii erregen. Darum Waren es denn auch die eingelegten Gesangs- ptecen, das komtsche Beiwerk, welches, obwohl es mit dem Gange der, Handlung kaum in irgend einem Zusammenhange steht, am meisten Anklangmfand Wegen der großrn Gemandtbeit und durch- schlagrxiden kauitijchen Verve, mit Welcher die;e Couplets von Hrn. Schweighofer zum Vortrage gebracht werden. Dem Darsteller der dommrrenden Roll: stand wirkiam zur Seite der andere Gast, Frl. andxl, 'welcbe sicb als gewandte Schaaspielerin und Sängerin zeigte. Die ubrigen RoUen, „wclche fast (janz ohne Bedeutung sind, boten dezi betmrschen Mitgliedern der WaÜner-Bübne, Von welchen sie ge- spielt wurden, keine Gelegenheit fich außzuzeichnen.

-eriSorymergartendesBelle-Alxliance-Tbeaters findet morgen em zWeites ,Sommernacbisfest' statt, bei welchem Orcbester- und Gefangövorträge ununterbrochcn wechseln werden. Am Sonntag ?ebt'daß Lustspiel ,Die relegirten Studenten“ von Benedir neu ein- tudtrt in Scene. Die Tiroler Natur-Sänger-Gcsellschaft Engelhardt geht von bier nach Ablauf ihres Kontrakies nach Paris.

Nedacteur: I. V.: Riedel.

Berlin:

Verlag der Expedition ( Kes s el). Druck: W. ElSUer. Drei Beilagen

(einschließlich Börsen-Beilage).

Erfke Beilage

zum Deuischen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußiich Stuats-Anzriger.

NL? I42.

Berlin, Freitag, den 20. Juni

1,3799“

Yiehtamtliahes.

Berlin, 20. Juni. „Im weiteren Verlaufe der gestrigen (62.8 Sißung dcs Reicbstages begründete der Abg. 131". Del rück seine mit den Abgg. 1)1-.V„amberger'und Dr.Harmer gestellte Jnterpebation, ob die Regierung eine, Abanderung Der bestehenden Münzgeseßgebizng beabsichtige. Nachdem der Reichskanzler sich zur sofortigen Begntwortung bereit erklärt hatte, bemerkte der Abg. 1)r. Delbrück, nach der“ Deni?- schrift über die Ausfiihrun der Miinzgesetzgebuxig seie); bis zum Schlusse des vorigen Jahres an, groben Silbermunzrn 973 878 779 „4 eingezogen; davon seien 667 707 203 „16 m Silberbarren verwandelt und ergäben 7 144 462 Psd. baaren SilberS, wovon 32429 zu Prägezwecken verrvendei„ 6 727 151 aber bis zum Schlusse des vorigen Wahres definitiv berkcruft seien. Der Reichsregierung sirhe 919 noch eme betrachtliche Menge baarsn Silbers zur DtSp'osonn) gbgesehen von dem Zuwachs durch die allmähliche weitrre Einziehung vorhandener “Silbermünzen. Als es vor wenigen Wochen bekannt Je- worden sei, daß die Reichs-Finanzverwaltung'beschlossen hg „e, die Silberverkäufe auf dem London_er Markte eirizußeaen, „sR in der Presse als mehr oder weniger wahrscheinlich bezeichnet, daß diese Maßregel ihren Grund in der Absicht habe, in der Münzverfaffung Deutschlands 6111? Aenderung rzorzunehwen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ habe diese _Geruchte dementirt. Scbon damals sei unter einem Theil der Mitglieder, welche die Jnterpeslation unters rieben hatten, die Frage zur Sprache gekommen, ob es_ it) nicht empfehle, durch "eine Jnierpellation die Reich§reg1erung zu MittZeilungen' dariiber zu veranlassen, ob in der That die Absicht estehc, die Munz- geseßgebung einer Aendearig zu usnterwersen. Die Frage sei damals verneint, nicht 1owoh1 Mit Nchsicht auf'das De- menti, sondern aus folgenden Gründen: Einmal seieii Dic- jenigen, welcbe sich mit der Frage beschafiigten, nicht der Meinnng, daß die Reichsregierung solxhe Absichten [We. So: dann srien dieselben der Ansicht,. daß eine Jnterpeliation untrr solchsn Umstiinden fiir die Reichsregierrmg unbequem sein wiirde rücksichtlich der weiteren Operationen am.Lond0ncr Markt. Endlich sei [)inzugskommen, daß die Frage bis dahin lediglich in der Presse, aufgeworfen wdrdexi sei. Diese Sachlage sei durch die Mittheilrmgen, „welcbe mzw1sxhen in England Über die Frage gemacht seiexi, geandert. Zunachst befinde sich unter einer Reihe de_m britischen Parlament bor- gelegter Schriftstücke eine Mittheilung des dortigen Auswarii- gen Amts vom 5. Juni d. J., welche besagte, der Marquis von Salisbury habe eine Deprs'chekvon der englrjcben Bo,: schaft in Berlin erhalten, daß _die in Berliner Blattern ge- gebene Mittheilung, womxck) die deutsche Regierung endlich entdeckt habe, daß sie sich 7elbft durch ihre Silbervrrkaufe'Ver- luste zugezogen, und deshalb beschlossen. habe, ihreSilber- verkäufe zu suspendiren, auf Wahrheit beruhe, daß der im Augenbkick verfügbare Vorrath 200 MLÜWULU Mgrk oder 10 Miilionen Pfund Sierlmg _, betrage, und wah- rend der Suspendirung der V'erkaufe, noch zunthe. Lord Odo Riissel] habe hinzugefügt,. die Fma113mann_9r Deutscklands meinten abgemem, die britische Regre- rung liereite sick) auf Einführung der Doppelwahrung, wre _sie in Frankreich bestrbe, vor. Wenige Tage darauf habe im Umterlwuse Mr. (Höschen die Rückwrrkungen der Schwankungen des Silberpreises auf dieindiscben Fmrmzen, forme die Ursachen dieser Schwankungrn erörtert. Brzuglick) Dentfthlands habe derselbr gesagt: „in Deutschland sei die,Lage besonders merk- wiirdig; die deutsch: Regierung 5be eine kurzsichtixze Politik verfolgt, indem sie so wenig Auiklarungeti wre moglrck) ge- geben habe, in der triigerischetr Hdffnimg, die Spekulatidn zu verhindern. Das Ergebnis; ist eme dauernde Beunruhigung gewesen, welche man vrrmeiden konxitr, wenn man die Wahr- heit gesagt hätte. Derselbe habe bei dieser Gelegenheit bemerki, daß man in Deutschland anfange, emzzxsrhen, daß man rnit der Umwandlung ein schlechtes Geschgfi gemacht hgbc, und zitirt eine ihm zugegqngene zuverlassige Nachricht _ aus Deutschland, wonach die dßutsche Regierung aus diesem Grunde beschlossen habe, in ihrem Vorgehen Halt zu machen. Dixie Aeußerung gebe der Sache eme andere Be: deutung. Damit sei die Frage, ob Deutschland beabnchtrge, seine Miinzgeseßgebung zu lindern, ,vor aller Welt als eine offene hingesteüt. Er fiirsem, Theil glaube nac!) w1e vor iiicht, daß die Regierung sick) 1711500lch€1s1s Absicbtqn trage. Er halte auch heute es,keineswegs fur erwunscbt, die Frage hier zu diskutiren, weil möglicherweise, die Operationen der Re- gierung dadurch gestört werden kbnnten. Aber xr und ferne Freunde hielten es fiir nothwendig, nachdem die Frage em; mal vor Europa als eine zweifeihafie hingestxllt worden sei, eine Auskunft von der Reichsre'gierungckYU erbitten, weil ganz unleugbar die Annahme, daß dux Aufre trrhalturig des gegen- wärtigen Systems zweifelhaft sei, nacbtheilige Wirkungen auf den internationalen Verkehr habe. Es lieg; 111. der Natur der Sache, daß, wenn Zweifel dariiber entstandeti, ob bevor- stehende Zahlungen, wie bisher, in Gold gsleistet werden müßten, oder ob sie in Folge einer bevdrstehenden Aenderung des Systems vielleicht in Silber geleistet_ werden durften, dies erheblichen Einfluß auf die internatiotzalen Verkehrs? verhältni e ausüben müsse. An" der „hiesigen Bbrse" sei schon au Grund der ersten erucbte; eine Hauffe in oster- reichischen silberverzinslickzen Papieren in Scene g'eseßt. Ob diese Manöver von großer Ausdehnung seien, sei ihm nicht bekannt. Die Hauptsache sei, daß dadurch bemiesen werde, "welche Unsicherheit durch bestehenden Zweifel und Vermutburi- gen hervorgerufen würde. Er habe schon gesagt, daß or die Gerüchte für unbegründet haite. Er le e' auch auf die diplo- matische Depeschen, die sich mcht aufpolit1sche_ Angelegenheiten bezögen, keinen erheblichen Werth; Auch die Auslqffuxigen eines noch so bedeutenden englischen ParlamentSmitg-liedes hätten für ibn keine Bedeutung, wenn er „sich vergegenwarttgr, daß die Ein ührung der Goldwahrutng in Deu_tschland fur England sehr unbequem gewesen" set. „Aber die _Mehrzg [ Derjenigen, welche bei der Frage mtereffrrt seien, wurde vie = lei t nicht so kühl solchen Aenßerungen egeniibersiehen, „Aus die em Grunde und weil er wünsche) da der Unsicherhheit, die durch die genannten Mittheilungen m dem Verkehr ervor-

gxrufen sei, ein Ende gemacht werde, habe er und seine Feundc die Interpeliation gestellt.

ierauf ergriff der Reichskanzler Fürst von Bis:narch das ort:

, Wenn ich mich an den Text der Interpellation balte, so kann 1ch zZnächst zweifelhaft darüber sein, wer der darin bezeichnete Adremat sci, an den fie gerichtet ist. Die Interpellation sagt: .Be- abfichtigt die Regierung, die Münzgeseße zu ändern?“ Der Ans- druck „die Regierung“ in Bezug auf Reichgescbäfte kommt in der Verfaffung nicht vor, und wenn er im außeramtlichen Gespräch ge- brauchr wird, 19 kann man darunter je nach den verschiedenen Funk- tionen des Reiches, um die es sich handelt, verschiedene Organe des Reiches verstehen. Wenn es sich um eine qutiative in der (Gesel;- gebung handelt, so kann aber darunier keinesfalls der Reichskanzler v_erstanden werden, da die Initiative in der Geseßaebung bekanntlick) einer jeden Regierung zusteht und innerhalb dieser Regierung die An- regung einer solcben Initiative wiederum jedem Mitgliede.

_ Wenn ich über die Absichten der ReichSreaierung, Worunter Ab hier also verstehen würde: den verbündeten Regierungen Auskunft geben soÜtc, so müßte ich sie aUe dariiber befragen, da sie mir Mit- theilungen nicht gemacht haben. Es könnte mir dann leicht erwidert werden, das; ikb docb abwarten möchte, bis solche etwa vorhandene Abfichten sich Verkörperten in Gestalt von Worten, wenigstens bon Bemerkungen oder von Anträgen, daß fie es aber ablehnten, iich über ihre Gedanken katecbifiren zu lassen.

Ick Ybnnte dieselbe Antwort ja meinerseits auch bier gsben, icb wiU indes1en nur sagen, daß ich es nicht nüylich für das Reich halte, einen so schwierigen und für unsern Kredit, Geschäfts- und wirth- scbaftliches Lebeg so wichtigen Gegenstcmd, obne geschäftlichen Anlaß beiläufig, gcwinermaßenmaßen akademisch öffentlich zu besprechen éndchdie Regierung 811 äemouro zu setzen, das; sie sich amtlich aus- pre e.

Der Herr Vorredner hat gesagt, es sei schon vor einigen Wochen die Absicht gewesen, eine solche Jaicrbellaiion zu steilen. Man habe davon Abstand genommen in der Meinung, daß man durch Herbei- führung einer öffentlichen Diskussion über diese Frage der Reichs- Finanzverwaltung Unbequcmlickykeiten und Schwierigkeiten bereiten könnte. Ich konntr diese Aeußcrungen des Herrn Vorredners nur mit dem Gedanken begleiten, daß diese Erwägung einc sebr weiie War. Warum fie nun seitdem verlassen worden ist, - was hat sich denn geändert? Das; in einem ausländiicben Parlament die Sache ,be- sprochen ist in einer Weise, bei der Nicmand behauptet bat, amtliche Nachrichten zu haben; macht das nun die Steüung dicser Inter- peilation, die Siellung dieser Frage für die Regierung weniger un- bequem, weniaer schwieri_a? Der Herr Vorredner selbst tbeilte, wie er sagt, die Besorgnis; nicbt, die drr Stellung der Jyterpeüaiion zu Grunde lag, die ihr den Ursprung gegeben hat. Muß aber nicht die ganze Welt glauben, wenn sein Name unterzeichnet steht, wenn em so bedeutender Staatömanu, der der Regierung so nahe steht und zu ihrer Veobacbtung so leichte Mittel hat, dem es so leicht gewesrn wäre, privatim bei mir Erkundigungen einzuziebrn, Wenn der die Zweifel an den Absichten der Regierung bis zu dem Maße theilt, daß er eine öffentliche amtliche Befragung der Ziegierbng fiir noth- rvendig hält, muß die Welt nicbt glauben, daß doch srbr Viel mehr daran sein müßte, als er selbst bier zugegeben hat, als es Wabr- scheinlich der Fall sein, könrite? Ich halte die JarerpZUatton im Sinn und Zweck der Herren Jnterbellanten für nicht wohl uberlegt. (Obo! und Lachen links.) '

Was in den Zeitungen steht, das vergeht bald. Zeitungen habrn ein Bkdürfniß einmal, mir grgenüber, an Material fur ibr Bedürfntß an fittiickyer Emirüstung, dazu brauchen sieStoff, und die Herren, die'ebcn ein so sonores Geläcbter crscbalien ließen, werden mrr das bestatigen; sie braucher“ auch sonst Stoff in dieser erergnißlosrn Zeit„ ivo kaum irgendwo in der Welt ein mäßiger Krieg im Gange ijt, „m Europa Gott sei Dank gar keiner - werfen sie sich begierig auf xeden Stoff, das liest man und vergißt es wieder. Wenn aber 56 Herren _von der Bedeutung wie Diejenigen, die dieser Jnterpeilation durch ihre Namensunierschrist Nachdruck gegeben haben, durch Stellung derselben bekennen, daß auch fie zweifelbajt sind anden Absichten der Regie- rung, dann muß doch im Publikum die Me'tnunnglatz greifen: diese Herren sind eingeweiht, das filld Sachk1mdige,_d1e iviffen mehr wie wir, da muß doch (Grund sein, an den Intentionen der Regierungen zu zweifeln, sonst wiirden so bedeutende Finanz- und StaatSma_nner, die ja jeden Tag zu vertraulichen Crbrleruygen. Zugang zu, jedem Minister gehabt haben würden, um ihrerseits ihre Be1qrgniffe zu zerstreuen, die würden nicht eine öff.nil:che _Jntxrpellatton gesiellt Haben, die würden die Zweifel, die sie bekampien rroilen, ntcht sanktioniren, ja zum Theil durch ihre Unterschriften, durch ihre Inter- peUation erst schaffen. ' ' , , ,

Mir stellen Sie nun die Aufgabe, die Zwerfebzu beseitigen, 'die Sie selbst schaffen, und zugieicb rnit der Perscbarfung; daß'dtese Zweifel nachtbeilig auf umere wirtbschaftlichen Jniercnerr wirken, was ich ja gar nicht bestreite. Aber ,wenzi Sie davdn uberzeugt sind, dann biitten Sie diesen Zweifeln nicbt in Form einer sq zahl- reich unterzeichneten InterpeÜation Ausdruck geben soklen. Sie er- warten nun von mir, Sie schieben nur die Aufgabe zu, diese vdn Ihnen angeregtcn Zweifel aus dem Wege zu, schaffen. Wenn_1cb auch sage, ick) habe die Absicht nichr, "kann ein Anderer ste_mcht haben ? Wenn ich sage, ich bin nicht uberzeugtwon d'er Nußlicbkxit einer Aenderung inTunserer Münzbrrfaffrzng, konnte ich nicht beim näheren Studium der Frage, beim Anboren 'von Sachverstandtgen, bei Prüfung der Auffassung derjenigen" Regtxrungxn, die anderer Meinung darüber sind als die unsrige, konnte ich'mcbt zu dxr'andern Ueberzeuguug gelangen? Ist meine emfgche Vernemung, daß ich xrßt keiner Absicht mir bewvßt bin, auch kerne k'enne, 1st' sie e_me “bm- reichende Entkräftung eines so stark accenjinrten Zivetfels m xinem so wichtig?: und ansehnlichen Zeugniffe, wre das der 58 Unterzeichner

ier reprä entirt? _

b Sie schaffen da einen Zweifel, den tcb diirch meine einfache Ver- neinung mich außer Stande fiible, vollstandig wieder'aus der Welt zu schaffen; es wird immer aliquiä haertren von diesem ZWeiiel, und wenn Sie nachher die Schuld davon der mangelhaften Beani- wvrtung der Minister zuscbieben, da'nn, meme H„erren, setzen Sie die Ministcr docb einigermaßen in die Lage, wie ein sehr bubsches Cbamiffo'sches Gedicht von dem Lemberger deen sagt. der dem Steinwurfe eines Studenten auswich: der, zertrummerte eme Schxlbe und der Jude wurde angehalten die Sgbeibe' zu bezablen, denn hatte er sick) nicbt gebückt, so wäre die Scheibe'mcht zertrrrmmert worden. Ebenso gebt es auch dem Minister; es Wird Hurch die Stellung der Interpellation eine nachtbeilige Wirkung erzielt; wenn der Herr Minister nicbt geschickt, entfchlossenwder nicbt Willens ist, diese Wirkung wieder zu zerstören durch seine Aeußxrung, so trifft ihn die Schuld. “Ich bin ja an diese Argumentationen sonst vielfach gx- wöbnt, und von Welcher Seite her fie nachher kommen Werden, Weiß ich nicht, aber kommen werden sie gewiß.„ . _

Ich kann dießer Interpellation gegetxuber _1a nur uber die That- sachen Auskunft geben. Ueber die gejcbaftliche Lage, _wie ste_zu meiner Kenntniß kommt, kann ich versichern, daß von keiyer Seite, weder im Bundeskatb, noch im preußischen Ministerium, em Antrag an eine Veränderung unserer Münxgesevgebunq gestellt worden ist, dax die Frage, ob einer zu stellcn Ware, von keiner Seite an nur zur Sprache gekommen und von kemer_ Seite mit entnem orte berührt worden ist. Die einzige tbatsachlicbe Anknupfung, der

M. «._.-.___, .___-“_..“

„_ ;“

Krystallisationspunkt, an dem sich diese ganze Legende, einscbließlicb der_JnterpeUation, gebildet hat, besteht in meinem an das Bank- Prafidium gerichteien Ersucben, mit den Silbnverkäufen einstweilen auxzubören, indem ich für die Fbrtseßung, ja für die Vergrößerung der Verluste, weiche wir gegenwärtig bei dem fortwährenden Sinken des? Silberpreises bis auf 47, während 61 der normale Wrrib sein wurde, erlitten, - weil ich dafür die Verantwortlicbkeit für meine Perwn nicbt mebr tragen wollte.

, chb hatte dabei im Sinne, die Verantivokilicbkeit für die S'iitirung persönkicb zu tragen bis zur näcbsten Session, weil ich Sie in dieser mit einer so neuen UTED sebwierigen Frage nicht be- lasiigen Wollte, und dann in der nächsteri Sesfioxr die Tbatsacbxn offen Ihnen vor Augen zu legen, um zu grwärtigen, ob die Legislative beabsichtigt, dem Leiter der Exekuiive amdere A*Éträge zu geben als bisber, oder ob sie die Foridaucr der Sisiirung saiiktibniri. Daß ich in der jcßigen SiTZ-ung dergleichen nicht zu: Spraibe gebracht, glaubte ikb, würdkn Sie mir Dank wiffkxn, wril wir meiner Mei- nng nach genug andere Geschäfte und (*,-uch genug drixx-glickoe Ge- schasie haben. Nachdem mir aber die Sache JLJLU meinen Wunsch Nxbracht wird, so bin irh génöihigt, das was ich“ ein Jchr später bier vorlegen woliie, ein Jahr früher wrzulegen, und Wenn die Herren eine Diskussion jetzt daran knüpfen wvÜen, io babéri wir ja. den ganzen Sommer vor uns, und ich bin auch nichr abgensigt, auf“ jede weitere Erörterung der Frage einzugeben, - MÄM disnsiliche Stellung nötbigt mich dazu.

Was _sick) nun an diese Jribibirung des Silberberkaufs geknüpft bat, das; ist zunächst rin großes Mißvergriügen dcrjenigen-Bankbäuser' und anderer Geschäfi§treibendem die Gewinn von diessn Silbrrver- käufxn batien.

. Daf; dieses Mißvergnügen in Verbindung mit den cmdern vielen mrßverguügliééen Eindrücken, die ich das UNglüci: habe, in der Preffe zu erregen, nun auch sich dabin verkörpert, das; man mir allerhand abenteuerliche Pläne von Recsktion auf diesem oder jenem Gebiete andicbtet, daran bin ich ja gewöhnt; aber ich dachte, die Herren. wären auch daran gewöhnt und stießen sich an soxchr JnZinuationen und Verdächtigungen meiner Absichten nicht weiter und ließen sie" ruhig pasfiren. Wenn das nicht ist, so sWenken Sie den Verdächti- gungen der Presse, die mich betreffen, nicht dieselbe Aufmerksamkeit, zu der ich durck) rotbas und blaUes Anstreicbcn veranlaßtwerde. Ion diesen Hrrren Finanziers, wie fie in dem Schreiben des englischen Herrn Boisrbafters genannt werden, oder Finanzmännern, und zwar, meiner Erinnerung nacb, nicthinanzmänner in Deuticbland allgemein, sondern in dieser Hauptstadt der Meinung wären, - also es hat in dieser Hauptstadt Finanzmänner gegeben, die sib dem englisÖeanerrn'Vot- schafter gegeniibar das Amskhen gegeben haben, als ob fie uber die Ab- sichten der Reichsregierung mehr wüßten, wie andere Leute - mxin verehrter Freund und diplomatischer Mitarbeiter Lord Odo Rusieu bat diese zu seinen Ohren gekommenen Gerüchte pflicbtmgßig nqch England gemeld-*t, wie ja auch uns die Vertreter der Regierung im Auskande sebr Häufig Gerücbte, die in der City von London oder in Paris iiber die Absichten der englischen oder französischen Regierung zirkulircn, als solche melden; dabri ist ja ar nichts Außerordrnt- liebes. Etwas verwunderlicber ist mir die T aisacbr, daß eiri iiicht stärker verbürgtes (Gerücht Gegenstand einer gmtiich_ accredixirten öffentlichen Mittheilung wird; ich habe meinerseits _m wlcbenFaiien, wenn ich Andeutungen bon Stadtgerüchien iiber die Abficbteri einer fremden und namentlich einer uns so nabe bcfrepndexen Regierung, wie der engliscben, erhielt, doch dieser Mittbcilung nicht _eber emen, amt- lichen und öffentlichen Charakter verlieben, als_ bis sie wir auf anderem, sicherem Wege bestätigt Wurde. Jndesien _es ist 14 nicht meine Aufgabe, Griinde zu ermitteln, welche die englische Regierung dabei bat, von diksrm vermutblich in einem „Privatbriefe“ von Lord Ruffeil gemeldeten Gerücht einen so stark acceri- tuirien Gebraueb zu machen; daß aber die Thatsache, daß die englische Regierung darin ein abweichendes Verfahren von dem uii- serigen im einzelnen Falle beobaciytei, nuri die Natur und dlelek- kung der Interpellation für die Reich9regierung wesentlich gcrmdert haben soÜie, das kann ich denn doch nicht zUJeben; und Mit ware es sebr erwünscht aewesen, Wenn die Jiiterpellaiion uberhanyt nichr ge- stellt worden wäre oder Wenn man mich docb'borber, was iir doch bei vielen meiner verebrtesten Bekannten. die jeden Tria Zutritt zu mir babrn können, leicht gewesen wäre, wenn man mrcb vorher gr- fragt hätte: was Werden Sie denn ungefahr antworten, erden Ste ein kategorisches „Mein“ geben: nie und unter Yemen" Umstanden! - Ja, das hat auch seine Unbequemlicbkeitezi. Wir wunscben, daß die Silberpreise stiegen. - Wenn ich das .Netn" aber aussprach, so wrrd man sagen: gut, wir wollen nur Warteq, kommen mussen fie rms dock) mit dem woblfeilen Silber, ,da fie die Absicht „bach, esspqter jedenfalls zu verkaufen; passen wrr ,nur auf, daß wir den,Prc'rs'nicbt bocb geben lassen und machen wir ein großes Gescbrei bei jedem Unter-der-Hand-Verkauf, der von der Deutschen Bank oder der deutschen Regierung etwa kommen kami, danri werden Wir dcn Silbcrvreis rasch wieder beriinterwerfetz, so wie sie nur eine Kiste von dem eingeschmolzenen Silber, was sie'nockobatherkanfen wiil.

Das ist also die Unbequemlicbkeit, die nm 'die Herren verur- sachen, und ich wäre sebr dankbar, wenn sie diese Jntrrbeliatwn unterlassen hätten. In dem gesammten Bundesratb _und' m dcm preußischen Yiinisterium sind die Zweifel ander Stetigkeit unserer Geseygebung, die durch die JuterYeUation ibreii Ausdruck finden, Niemandem beigekommen. Jm Uebrigen erlaubx ich mtr aber doch, die Herren darauf aufmerksam zu machen! daß xe irgend e_me Ver- änderung des Geseyes gar nicht obne Zustimmung des Reichstagszxr- folgen kann, jede geseßgeberiscbx Vorlage bedarf ;a Jbrer Bestati- gung, unsere heutigen Münzzustande beruhen "auf Gesxiz, und wenn wir ein neues Gesetz einbringen onten, so wurde es anen auch (131 Zeit nicht fehlen, zur Abwehr und an ' den„5.)1iitteln, aUe Vorberei- tungen zu treffen, denn die Oeffentliibkett wurde doch rasch in Kenni- niß gesc t werden, wenn die erste Anregung vom Bundeskatb in dieser Richtung erfolgte, oder aucb nur, was der vertrcmteste Weg wäre, durch ein Cirkular an die verschiedex'sn Rrgirrunxzen ihre Meinung fondirt würde. Ich kann indes; versichern, dczß icbbisber die Meinung nicht einer einzigen deutschen'Regierung ubcr'drese Sacher sondirt babe, nicbt einmal die der preußijchen, _und daß "ish, weii ich- auf die Zweifel, die laut wurden, auf dte,Zeitungsgeruchie mxmer- seits gar kein Gewicht lege, daßich l11cht einmal znem'en preußischen KoÜegen und Finanz-Minitter um seine Ansicht in dieser Sache zu. fragen Gelegenheit gehabt habe. (Hört! lmk's.) .

Ich möchte also . . , Die erren Fcb-rxreti .bort„ dadurch wol- len sie wiederum insinuiren, - 1ch bm 1a in Przieburigduf In- sinuationen mir gegenüber heutzutage sebr beUborrg - mir gegen- über infinuiren, ich verführe alscy. vbae den vreUsZtschen Finanz- Minister zu fragen. Ich muß meine Gedanken dxiber richtig stellen. Ick habe damit sagen wollerz, daß ErFte, w::xn ich iolcbe Absichten hätte, wäre doch wohl, daß tch m1t_drm preußischen Finanz-M nister spräche, da ich obne die 17 preu iscipen Stimmen im BundeSratb Wenig machen kann und in dieser eziebuzxg 1a Wesentlich von dem preußischen Finanz-Minister abbcrngeri wurde. Also da bitte ich. dieses insinuante „Hört! bört!“ r1chtig_zu 'stellen dadurch, daß gerade der preußische Finanz-Minister die wichtigste Person ist, sehr viel wichtiger, als irgend eine andere. , ,

Ich bitte Sie also, meme Herren. das Nichtvorbandensem der Zweifel an der Stetigkeit unserer Geseßgebung dadurch anzuerkennen, daß Sie über diese„Jnt2rpellatioii„- ich sage. nicht zur Tagebordnung übergehen, aber eme weitere Diskussion der Frage daran nicht.

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