1879 / 142 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 20 Jun 1879 18:00:01 GMT) scan diff

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knüpfen. Wünscch SiS ck“ (“ver. is kin ick) *Jékcik, Rede zu stehen, ,

jcdcnfass aber bitte ich, dr.mit Sie bcurtheilen können, ob ichgxiit Recht dieser Meinung nach die Silberverkäufe fistirt babe, zunawst

um das Wort für den Herrn Bankvräfideujen, um die Thatsachen,

xorÉUNagen, Welche mkcb bestimmt haben, diese Anordnung ;,“a re en.

Der Kommiffurius des Vundesrathes, Präsident der Reich§= Hank Wirkl. Geh. Rath von Dechend konstatirte, LS seien bis 'eßt Silbermünzen eingeschmolzen rund 629 Millionen Und ver-

auft rund 539 Millionen, davon etwa 1/3 in den ersten vier Jahren, durch die Deutsche Bank, die anderen 2/3 1877_8 durch dee Reichsbank. Der Verlust an diesen Verkäufen be- trage 141/5 Proz., 89 484 073 „16, daWn gingen indessen 24 572 000 515 ab für Abnutzung und unterwerthige Aus: prägxmg der Münzen. Der eigentli-Lxe Verkauf?:verlust be- trage mir 64911980 „15 Das Silber ei hierbei durchschnikt- lic!) verkanst worden 311,541/8 Pence per Unze Standard ab- züglich der Kosten. Seitdem sei de"; Prei?- des Silbecm sehr “erheblich, gesunken, in den [eßteei 7 Monaten bis zum 19. Max “5. I., dem Tage der Sistirung der Silbervexkäufe :bis auf 50, zeitweise bis auf 487,4; Pence. Das ergebe für die Ve'x'kiiufe einen Verlust 501121 Proz. Auch diesen Preis Babe "man si-É) gefallen lassen müssen. Das in diesem Jahre “verkarxefte SIZber im Betrage von 28Mi11ionen habe hierdurch einen weiteven Verlust von 7 Miklionen ergeben und ee- steÜten “sich “dadurch die Geiammkverluxie an dem bisher verkauften “SWM (1127396112, resp. 72Mi11ionen. Wie viel das Reich noch an Silbex zu verkaUs-en habe, und was dar.?- Reick) daran noch *veeiieren'werde, Caffe “üch ziffermäßig nicht bestimmen, weil "Nani'D wisse M11) wissen könne, wieviel von den Thalern, “welcbe '“sDit dem Jahre 1750 ausgeprägt seien, im Laufe der Jahre eingefchmochn und verloren gegangen seien. Einen „ziemliik, sicheren Anhalt für die Schäßung der Werth- .bemesixmg gewä-th die Erfahrungen bei der Einziehung der gqnz Hleichartigeii, demselben Zweck dienenden Zmeithalerstücke. «ÖWrbLi' habe srch-ergeben, das; 17 Proz. nicht mehr rechtzeitig zum 7Vorschem gekommen "seien. Wende man daffelbe Verhältniß auf *die Thalerstiicke an, so würde sich noch ein weiterer Ver: lust “0011 90 168 100 MiÜionen ergeben, wenn Deutschland das Silber zu dem Preise der letzten fünf Monate verkaufen WWW und xniißte. “Er sei zwar an große Zahlen gewöhnt .und könne 7151) auch wohl vorstellen, daß eine Maßregel, wie die MünzreF-oxm, ohne Opfer nicht durchzuführen sei, aber vor ?dxesex Zahl sei er Hoch erschreckt, und er glaube beinahe, daß éhier im Ha-use wemg-e Herren nicht dieses Gefühl theilten. *Um VLCleS werde sich diese Summe nicht vermindern. Als das "Münzgeseß hier berathen sei, sei der Preis des Silbers in “London „VON 61 auf 59% gesunken. Wenn man dock) auf emen_1vecheren ,RWgang gefaßt gewesen sei, so kolossal habe “Lk)11's1ch doch keiner gedacht. ,Deshalb habe er es für seine Pflicht gehalten, dem Reichskanzler die Sistirung der Silbernerkäufe auf _das dringendste zu empfehlen. „Was diese Szénrung für eine Folge haben werde, könne er in der That nechi geixau beurtheilen, ob namentlich der Preis des Silbers sich m Folge .dieLer Maßregel annähernd auf die Hohe Theben werde, die _as Silber früher gehabt habe. Wenn behaUptet weroe,_ dai; hauptsächlich das deutsche Silber an dem Fallen der Silberpreise schuld sei, und daß, wenn Deutschlazid nicht'fort und fort ungeheuere Summen auf den Markt brachte, ÖL? Si1bexpreise schon längst in die HY? ge-

qngexx wären, so werde 's1ch jetzt Gelegenheit für die MW- 611: dieser Behaxuptyng „finden. Jedenfaüs verliere Deutsch: “Land Mchxs durch die Sistirung der Verkäufe, da der einzige grqße Silberverkäufer Oesterreich-Ungarn, den Markt in- zw11cheU verlassen, habe. , Die bloße Ankündigung der Maß- regel Habe den Silberpreis in wenigen Tagen um 6 Proz. ge- steigext, von 49% bis 53 Pxoz. und der Preis halte sich noch zwmckxn 52 Und 53 Proz. Das beweise, daß dae; deutsche Silber auf den Markt einen mächtigen Einfluß «auschbt habe, u,nd daß Deutschland wohl thue, erst abzn: wgrten, welche Wirkung die Maßregel weiter ausiiben werde. Eine "Nitsgabe von 100 oder auch nur 80 Milkionen sei hier- fiir liexvcuteniz genug.. Er'gxaube, das Haus thäte wohl daran, die Reich5regierung 111 dieser ihrer Absicht zu unterstüßen. Das HEWI witrpe dem _Lande wie der ganzen Welt einen sehr wesenTlechen DWUst leisten, wenn es den Markt von der Angst vox dem deutschen Silber bleibend befreite und über- haupt ,kem Silber niehr verkaufen ließe. Deutschland leide unter den' Jhalem, die noch im Cours seien, in keiner Weise, 11135 er “sei "uberzeugt, dqß_se-lbst die Süddeutschen sick) dieselben m1t Vexgmxg-en Nock) einige Jahre gefaÜen laHsle-n wüxden, WKW sie erfuhren, daß dadUrch eine erhebliche uSgabe dem Reiehe -er,€part wexde, und das Ausland werde Deutschland dafur segnen, MMU es- den Alp, der nun schon seit länger als 6 Jahren an's aüen Verhältnissen laste, bleibend von ihm nehme. (Er konne nur wiederholt dringend empfehlen, es bei der geCWffenen Anordnung zu belassen."

Axxf Antrag deS Abg. Dr. Bamberger wurde in die Be: sprechung des: Znterpqutwn eingetreten. Der Abg. Dr. Bam- berger iuhrte aus, es sei durchaus nicht seine Absicht gewesen, eine Vesprechxmg dex Interpellation herbeizuführen. Wenn nicht von, dem. Retchskanzler behauptet worden wäre, die _J'xitexpeüation Fer xmüberlegt gesteUt, man habe es nicht für x_iothtg gehqlterz, mie ec; Parlamentarischer Brauch sei, sich dar- Yber 311 oriezitiren, ob es der "ReichéZregicrung genehm sei, 24er die Wahru-ngsfrage int-erpellirt zu werden, so würden er Und fcine Freunde ausdrücklich auf jede Besprechun ver: zichtet haDe-n. Zlndeffen sei die Behauptung des eichs-

.;kxmzlers thatsächlich nicht richtig, Und dies nöthige ihn zu .«emer “Erimdexung. "Etatsverathueigen hätten seine politische Freunde bereits eine „Besprechxmg dieser Angelegenheit herbeiführen wollen, welche nur aw

Vor drei Monaten bei Gelegenheit der

sein Betreiben unterblieben sei, da er be- tont habe, daß 5.165 die öffentliche Meinung unnüß aufregen wiirde. Seit-Fseni seien ]SdOch fxortwährend in einer Anzahl mm dee: Negxermxg nahe stehenden Blättern eine Reihe von éArthn" «schienen, welche außeinanderzuseßen bemuht gemesen „maxim, daß man miÉ der nationalen Gesetzgebung„vollstandm ausräumen müsse, daß man auch das Mynzgeseß amdern und „zur Doppelwährueig zurückkehren mysse. Dieser Gedanke sec auch besonders in der „Vo1ks- wirthschaft11chen Cyrrespondenz“ ausgeführt, wel e bekannt- lich 'in nahen chiehungen'zu rn. von Kardor stehe und sich 1a michi!: Bezug auf die W1rthschaftSpolitik sZYr prophe- tisch erweesen Jabs. Doch auch dies habe ihn no ) nicht zur Stellung einer nterpellation bewegen können. Als jedoch in England die Naérichx von der beabsichtigten Aenderung der

. eßgebumg von einem bedeutenden Mitglied. des englischen Parlaments mit Sichéxheit behauptet sei,

"Da habe er es für seine Pflicht gehalten, Alles zu thirty]

Um die Atmosphäre zu reinigen. 'Als “vorige Woche die be- tkeffenden Depeschen aus Engiand emgekroffen seien, hätten sich 8 odee 10 Mitglieder des NeichZtgge-Z, welchc gewöhnt wären, sich Mit diesen Fragen Yu beschixfugen versammelt, und es sei beschlossen worden, . Hr. Delbrück den Minister Hofmann von der Absicht, Une solche Interpellation zu stellen, benachrichtigen foUe, um eventue11 über die Grundlosigkeit der verbreiteten Nachrichten eine beschwichtigende Exklärung zu er- halten, damit, wenn sie unerwünscht sei, die Interpellation ganz unterbliebe. Am Montag habe Hr. Hoftnann die Ant- wort gegeben, dqß die Interpellation zwar nicht an enehm sei, daß man sie aber beantworten wolle. Da er un seine Freunde sonach ohne die erbetene Auskunft geblieben seien, so sei ihnen nichts weiter iibrig geblieben, als die Interpellation zu steuen. Freilich sei er dabei der Meinung gewesen, das; eine einfache Verneinung jede Diskussion entbehklick) machen würde. Da indes; Fürst BiHnmrck den Jnterpellanten fiir die Zukunft die Verantwort- lichkeit fiir die Interpellation aufbiirden wollte, sei es seine Pflicht, den wahren Sachverhalt hier darzulegen. Von der Andeutux: , die der Reichskanzler gemacht habe, als könnten vieÜeicht eute, die Silber verkauften, interessirt sein, die Silberverkäufe nicht sistirt zu sehen, nehme er an, daß sie keine Jnsinuation sein sollte und so one er darauf nicht eingeheU. Es wäre unter der Würde des Reichtstags und seiner Person, dergleichen Konjekturen irgendwie auch nur zu widerkegen. Diejenigen, die ihn am meisten drängten, zu interpelliren, hätten gesagt, hier liege eine Nachricht von Lord Odo. Russell vor, der englische Generalkonsul in Berlin set Mitglied des Ausschusses der Reichsbank, und was liege nun näher, als zu denken, das; Lord RuffeU, wenn er seiner Regierung einen offiziellen Be: richt über die Ansichten in maßgebenden finanziellen Kreisen schicke, sich bei seinem Generalkonsul, der zugleich Mitglied des Ausschusses der Reichsbank sei, erkundigt haben werde, und diese Vermuthung sei dadurch noch bestätigt, daß der verfüg- bare Silbervorrath nach dem Ermessen der Herren, die dar-

gemiiß beziffert sei. Die Vermuthung, daß Lord RusselL aus nicht ganz gleichgiltigen Quellen geschöpft habe, sei also nicht so unbegründet, zumal man wisse, daß die betreffenden Finanz- xeute, die sich fiir Autoritäten in diesen Dingen hielten, auch von ]eher der Meinung gewesen wären, Deutschland hätte Unrecht ge: than, die Doppelwährung zu verlassen. Natürlich hätten dies e Kom- nientqre auch auf die Börsen in Deutschland und im Ausland, da diese ]a von solchenDingen sofort Akt nähmen, starken Einstuß a1z§iiben müssen. Was die rage der Silbernerkäufe anfange, so seien das Fragen der Exekutive, die durchaus nicht zur Kompetenz des Reichstages gehörten. Ob die Regierung gut thue, weiter Silber zu verkaufen, oder nicht, dafür thue man auch am Besten, die Verantwortlichkeit der Regierung zu überlassen. Er [affe auch für heute die Frage ganz dahin gesteUt, ob DeUtschlanH dnrch die Demonetiiirung des Silbers einen Ein- fluß auf die Depression desselben auSgeübt habe, aber für Deutschland sei doch ein außerordentlicher Unterschied zwischen einer hloßen Sistirung der Silbernerkänfe und einer Rückkehr 3111: Silberwäl)rung. Gegen diese Sistirung spreche er gar mcht, aber daß das Avertissement de-Z Herrn Reichskanzlers an Herrn von Dechend publizirt sei, halte er für einen großen Fehler. Von der heutigen Erklärung des Neichkanzlers Habe er mit großer Freude Kenntnis; genommen, ihmseija nur daran. gelegen, daß die Absichten des Reichskanzlers, den man 1a un Auleande noch viel mehr für omnipotent' über die deUtschen Gesch1cke halte ach in Dentschland selbst, möglichst bekannt würden; darum scheine er.?» sehr angezeigt, daß jeder Verdacht entfernt werde, und es wäre daher sehr erwünscht, heiß Fürst Biswarck öffentlich erkläre, nicht die leiseste Absicht 1e1 vorhanhen, die gegenwärtige Münzgeseßgebung zu ändern. Ja azn meisten hätte er sick) gefreut, wenn Fürst Bi§marck deutlich gesagt hätte, er Halte es für lächerlich, an eine solche Aenderung 311 denken. Denn es wäre in der That cinwahrer AYdeMenstreick) und die höchste Frivoliiät, wieder zur Silber: Wahxeing z11rückzuke?ren, welcbe faktisch und gesetzlich in keinem civilisirten L_an'de be tehe. In den Aktenstücken der [eßtenPariser Konferenzjei'dieS konstatirt, Die Silberwährung bestehe faktisch und geseß'lick) m keinem civilisirten Lande, in ganz Europa nicht, auch nicht 111 N0rdan1erika,weildie Auswünzung auf eine bestimmte Anzahl DanrH „beschränkt sei. Nur die kleinen Abenteuerstaaten 111 Ce11t_ralamer1ka hätten etwas der Art, und auch diese nicht emmal m Fyrm einer wirklichen Geseßgebung. Dabei sei Deutschland. in der glückiichsten Lage von allen Ländern, es hgbe'nur die 300, oder hoch gegriffen 400 MilTionen Mark YieÜeicht noch zu verkaufen, wenn nicht aUcl) eine kleine Ver- anderung gemacht werde, die ja im Laufe der Dinge und Zeiten ganz wohl angebraxht sein könne. Was wolle das egen die anderen Länder heißen, gegen England, das in den ?chwersten Verlegenheiten sei wegen seines Budgets für Indien, und das anf Deutschlan11 drücke und es beständig verlocken woÜe, noch etwas an der Währung zu machen, weil es seinen Intereksen diene. Hannd habe auch seme Münzgescßgebung sistiren mii sen. Der qnze_late1n1sche Bund, der bis 1878 auf 15 Jahre abgeschlossen et, sei Mit Hängen und Würgen auf 6 Jahre nur unter-der aus- drlxcklichen Bedingung verlängert, daß aÜe Staaten sich ver- pflichteten, keine neuen Sikbermünen während dieser sechs 0ahre zu pragen, Und es solle der iderspruch eines einzigen taates'genügen, dieses Verbot aufrecht zu erhalten. In Oesterreich werde dax; Papier dem Silber entschieden vorgezo- ge_n,_und der „österreichische Finaiiz=Minister habe in dem öfter: xeich1schen RerchNaZhe erklärt, er habe die SilberaUSPrägung inhibirt, damit nicht ein Agio des Papiers auf Kosten des Silbers _l)erheigeführt werde. Demnach thäten die Staaten, welche die einfache Goldwährung verlassen woklten, besser zur Papierzvähruxig anstatt zur Silberwährnng überzugehen. Der ehemalige, Minister Malou in Belgien, ein Anhänger der Doppe1_wahrut)g und für das Centrum “gewiß eine Autorität, sage uber die deutjche Münzrefqrm ,in einer ihm gestern zugegangenen Brochure: „Es scheme ?in vollständig bewie- sen, daß die deutsche Münzreform zug eich nothwendig und opportgn gewesen _wäre. Diese, weitgreifende Operation sei ausgeze1chnet_ konzbmirt und nicht weniger gut durchgeführt worhen. Sie-[et klu aufgefaßt, sowohl in der Beziehung auf ihre ftnanzielTen esultate als in den thatsächlichen Aen- derungen,“ und: ,Selbst wenn ein großes Defizit herauSge- kommen wäre, so fei die finanzieüe Reform so se r geboten (161161136111: jmpézrisuss), daß man keinen (Hrnnd geYabt lätte, sie mcht durchzuführen.“ Unter den wirklich SachverstänZigen

seien rim: weni e originelle Köpfe,die behaupteten, Deutschland mare 1th wohl erathen, wenn es jetzt irgendwie den Gedan- ken fassen könnte, an seiner Münzgeseßgebung zu rühren. Er

hoffe, der NeichSkanzler werde das auch bestätigen; und ihm,

über eine Meinung zu haben glaubten, ziemlich der Wahrheit.

da derselbe es noch nicht ethan habe nachträglich ausla en, daß er die Interpellation ?ür nöthig Zehalten. ck Hierauf erwiderte der Reichskanzler Fürst v o n B i s m a r ck:

Ich nehme allerdings das Wort, aber keineswegs zu dem Zweck, den errn Vorredner auSzulacben, dazu ist mir die Sache doch zu ernst aft, senden) uin meine Betrübniß darüber auSzusprechen, daß er durch_ feine [Wige Rede eben den Eindruck, als ob gewichtige Finanzmariner und Kenner unserer RegierungSverbältniffe in der That Zweifel an der Stetigkeit unserer Gesetzgebung hätten, wesent- lich,;ieftetgert'bat. Er bat_zwar.mebrma[s die JnterpeUation unte: gennffen Bedingungen als lacherlicb bezeichnet, eine Andeutung, die ich mir niemqls exlauben würde, aber er selbst hat fie gemacht. Aber ich frage: ist nicht die ganze leßte halbe Stunde seiner Rede ein Plaidoyer gewesen, ww es nux dann vla “greifen könnte, Wenn hier von dieser Stelle bereits der Antrag zur Rück ehr auf die Doppelwäbrun Vorläge? Er hat in der ganzen letzten Hälfte seiner Rede die Doppeéwähruxig oder die Veränderungen bekampft mit der ihm eigenthiimlichen Beredsam- keithd mit dem vielen Material, was er hierzu gesammelt zu haben scheint, so daß Jeder, der diese Rede liest, den Eindruck haben muß: mein (Sylt, der Herr muß doch sehr überzeugt sein von der Tendenz der Regierung, daß er so dringlich fie abmabnt und hier eine Rede zu Gunsten_ der Golanäbxung mit Citirung ailer Staaten hält, die der Goldwabruu-gxnbangen, mit Darlegung einer Anzahl von be- deutenden Autoretaten für die Goldwährung, als ob von hier aus eine Vorlage dagegen s_chon gemacht wäre, als ob ich den Inter- pe_l1ante11 geantwortet hatte, ja, es ist allerdings die Absicht. Dann ware die Rede des Hrn., Abg. Bamberger allerdings ganz am Platze aewesen, aber da_das nichx vorliegt, so bestärkt sie nur den falschen Eindruck, den meiner Befurchtung nach die Jutetpeliation Überhaupt machen wird.

'Der Herr Abgeordnete hat, im Anfang seiner Rede, der viel Weniger wobllautend und sehr veel schärfer war als das Ende _ er hat ja überhaupt die Genwhnheit, durch weichen, wohlwollenden Ton am Schluß einer sehr [migen Rede den mitunter sehr verleßenden Anfang wieder in Vergessenheit zu bringen, und ick) würde es kaum behalten haben, wenn ich es mir nicht aufgeschrieben hätte _ sich mer einer Aeußerung von mit beschäftigt. Ich habe gesagt: die Herren hätten meines Erachtens Wohlgethan, Wenn sie mich vor Ein- bringung der JnterpeUation gefragt hätten über die Art, wie ick) sie beantworten würde, _ nicht darüber, ob sie mir genehm ist, dem das War wreder eine Andeutung eines diktatorischen Regiments und dergleichen _" ich habe mich vorfichtig ausgedriickt und habe esagt: ich hatte aeivunscht, das; fie sich Vorher bei mir erkundigt Hätten, wie ich sie beantworFen würde. Da sagt der Herr Vorredner: das ist den Thatsachen widersprechend, denn vor 3 Monaten habe ich dem Herrn Präsidenten des Reichskanzler-Amts etwas gesagt und habe von dem das und das gebört;„_ ganz andere Dinge, die gar nicht zur Sache gehören und die mtt der Interpellation, die vor 3 Monaten Niemand„vorausscben konnte, nichts zu thun haben, Schon scheinbar naher kynzmt er der Widerlegung meines Vor- WUrfs, Wenn_er sagt, vor einigen Tagen, in der vorigen Woche, sei der Herr Prasident des R1ichskanzker-Amts beauftragt worden, mir n1it-„u1heilen,daß man beabsichtige, diese Interpellation zn steUen. Das geschah, und darauf habe ich damals unter vier Augen zu dem hier gegenwärtigen Herrn Prasidenten zuerst gesagt: ick) kann mir das doch kaum denken, namentlich, daß die Herren dergleichen jbun sollten, _ ich kann es kaum glauöen. Darauf habe ich wiederholt die Bestätigung erhalten: ja, es ist die Absicht. Gut, _ sage ich, _ ich habe noch nie emen Handschuh liegen lassen, den mir Einer bingekvorfcn bat; ich habe dem Sinne nach, wie der Herr Vorredner ausführt, gesagt, dre InterpeUation wäre mir unangenehm, aber ich würde fie beantrvorten. Ich habe mich aber dem Herrn Präfi- denten des ReichHkanzler-Amts gegenüber unter vier Augen sehr viel stärker auSgedrückt; nafürlich trat: der zu böfiick), diese meine Worte den Herren 19 wiederzugeben, imd fie sind auch nicht von der Art, kaß sie fich von diesem Platze wiederholen ließen. Aber, babe ich gesagt, wenn die Herren die Interpellation stelken wollen, nun, dann _ wie wir in Reihe und Glied sagten _ dann „raus davor!“ _ Eine Interpellation ist an und für sich, da wo die Privaterkundi- gung außrcicht, eme Demqnstrgtion, die mir einen feindseligen Ein- druck macht. Ich habe bet Leiung der Unterschriften viele gefunden, anf dercn Verstand und Freundschaft ich einen sehr hohen Werth lege; aber in der Haupt1ache Und auch namentliä) in den anderen Fraktionen, auf dte der Hr._"Vorredner fich vorher bezog, außer der 1einigen, find es doch 'ha11pt1achlich diejenigen .Herren, die wir bei den Abstimmungen über die Tariffragen stets in der Opposition zu sehen pflegen, ich will sie Ihnen mcht namentlich citiren. Ich habe also den (_Éindruéi gehabt, daß vieileicht die Diskussion, die fick) hieriiber cntspmnt, eine kieine Diverswn zur Erholung vom Tarifkampf sein könnte, und m diesem Sinne habe ich den Herren anzudeuteu gesucht, glauben Sie nicht, das; Sie mich ermüdcn könuen, _ ich stehe im Dienst und da werde ich nicht müde, und ich bin bereit _ wir haben den Sommer ja vor uns _ hier Weiter auch Über diese Sachen zu diskutiren, Wenn das Ihnen recht ist; _ das habe ich damit andeuten wollen, daß auch diese Berechnung, die etrva der Sache zu Grmide liegen könnte _ ick) wiiL nicbt sagem'zu Grunde liegt" _ mich immer auf dem Posten finden Und mich mcht davon verdrgngen wird. Aker was ich erwartet hätte: _ ist denn dex Weg zu mxr weiter, als zu dem Herrn Präsidenten der Jnterpeüatton jahrelang in den intimsten amtlichen Verhältnissen des Reich§kanzler-Amts? Ich habe namentlich mit dem Herrn an derSpilZe gestanden, wo wir Alles mit einander besprochen haben; ich schmeichle mir noch heut zu Tage, _in Persönlich freundschaftlichem Verhältniß mit ihm zu sieben, es wäre also doch eine große Leichtigkeit geWesen, mick) "über die Sache zu befragen. Ich würde in vier Wänden mich woÜstandig unumtvunden ausgesprochen haben, und unumwundener, als ich glaube, es vor der Oeffentlichkeit 1bu_n zu sollen. Den Vor- wurf habe ich gemacht, daß Sie dies unterlaßen haben, und daß Sie das unterlassen haben, hat der Hr. Abg. Bamberger in keiner Weise wiDer- legt, obschon er fich vorher das Ansehen gegeben hat, al.- bätteer diesen Vor- wurf als einen unrechtmäßigen zurückaewicsen. Demi Wenn er dem Herrn Präsidenten des Reichskanzler-Amts angekündigt hat, Sie würden die Interpellation stellen, wenn ich nicbt vorher freiwiUig eine Erklärung gebe, was mir übrigens nicht gemeldet Worden ist, so ist es doch bimmelweit verschieden davon, daß Sie mich fragen, was ich Ihnen antworten würde. Der Herr Vorredner hat mein Beispiel von dem LembergerIuden sehr viel schneiler Verwirklicbt, als ich glaubte, daß es möglich wäre: ich bin schuld, daß die Inter- pellatiozi gestellt isi, :ck babe'fie durch freiwillige Beantwortung und Veschw1chtigung nicbt verhindert; ja, es feklt nur noch, das; er sagt: erst in Folge 'der Antwort, die ich auf die Jnterpeüation ge- gegeben habe, sei fie gestellt worden. So ungefähr dreht sich die Sache hexum. Ick kann nicht alle, und namentlich ganz unmotrvirtc _ 1ch wiU nicht den Ausdruck frivol gebrauchen, den der Herr Vorredner gebraucht hat _ aber ganz unmotioirte Be- füxchtungen beschwichtigen _ wie ich über die nachdenken sol] und Zeitungen lesen und mir den Kopf zcibrechen, wie ich die beschwich- tigen [o[l, das fällt mir nicht im Traum ein, und Hr, Bamberger mag furcbxen was er will, ich werde ihn nicht beruhigen. Ick tbize meinen Dienst nach allen Richtungen hin und Weiter niÖtS. Alto pcsbalb zu sagen: wir haben die InterpeÜation stellen müss en, _ ich glaube, er sagte, fi.“ hätten Alles gethan, um die Interpellation zu vermeiden, nun, doch nicht Alles, Sie konnten sie einfach nicht stellen, dann wäre sie vermieden,

Zeitungsberichte, Zeitungen, _ wer hat denn diese Artikel in den Zeitungen geschrieben“? Ich will das nicht untersuchen, “ede Zei- tung nimmt fie, wcnn fie geschickt und von sachkundiger eder ge-

sckorieben find. Der Herr Vorredner sagt, er hätte die Silberverkäufe gar nicht berühren wolien, aber seine 'gcxnze Argumentation knüpft er an die (Gerüchte, die in Folge der Sisttrung der Silberverkäufe ext- standen smd und die aÜerdings fur jedexi redlichen Deutschen ein viel rößeres Gewicht bekommen hahen, seit sie in englischer Sprache lerußerschauen, aks Wenn fie tn unjerer eigenen zum Ausdruck ge- augen.

Dcr HUT Vorredner bak von meiner Andeutung, das; zunächst "durcb die Sistirung der Silberverkäufe Diejenigen, welche gewohnt waren, den Verkauf zu besorgen, empfindlich berubrt waren, gesagt, er woll“.- das nicht als Jnsinuation bezeichnen. Ich habe damit in der Tk)at eine IZZfiUUÜüOU nicht verbunden, sondern ich babe_nur er- kläre-n wollen, wie auf ganz natürlichem Wege solche Nederezen ent- erben. Wenn der Herr Vorredner dagegen seinerse118 xnsinurrt, das; der mutbmaßliche Urheber dieser Gerüchte der britische General- Konsul, das Bankhaus Bleicbröder sei, wenn durch skandalöse urid schnöde Prozeße weltbekannt ist, daß dieses selbe Ba'nkbaus' mein Bankier und Geschäftsführer in Privatangelegenheitext ist, so 1s„t mir dabei doch etwas die Empfindung geWorden, axs hören!) die Rercbts- glocke klingeln _ nicht die des Herrn Prasidenten, sondern eine andere _ und ich möchte dem Herrn Vorredner doch empfehlen, nnch auf dieses Gebiet nicbt heraußzufordern; ich habe nicht geglaubt, daß solche Anklänge hier in dieser Versammlung auch nur in der vor- subtigsten Andeutuvg möglich wären., '

Mir ist bekannt, daß der Banker Blerchröder ein Gegner der Goldwährung ist und immer gevoesen ist, das wird auch wahrsthein- lich dem Botschafter derselben Macht, für die Hr. Bleichröder Konsul ist, bekannt sein, und also wird er darauf Weiter kein (Gewicht legen. Wenn Hr. von Bleickoröder nach wie vor nach seinem finan- ziellen Uitheil die Doppelwährung für richtig hält, so wird das für den Botschafter nichts Neues gewesen sein. Es müssen doch also noch andere Leute mit dieser Jusmuation gekommen sein, auf die er Bezug Nimmt, und ich kann das wiederholen. daß aUe die Aktenstücke, 'die der Herr Vorredner nacbher noch angeführt, von Hessischen Zei- jungen, belgischen Ministern, von englischen Korrespondenten _ er hat einmal, Wenn ich recht verstanden habe, englisch vorge1efen, aber das kann uns nicht den mindesten Eindruck machen. Ich bestrexte absolut, daß die Aufregung und die Befürchtung vor unüberlegxen Schritten der Reichöregierung in dem Maße vorhanden gewesen ist, daß fi: irgend einer Beruhigung bedurst hätte, und wenn die Intex- pellation keinen anderen Zweck gehabt hat, als diese Beruhigung fur das Publikum herbeizuführen und die angeblich vorhandene Unruhe zu bekämpfen, dann sage ich nur: fie ist ein verfeblkec Schriki gewesen.

Der Wirkl. Geh. Rath von Dechend betiierkie, er habe die In: finuation, die Hinweisung auf Hrn. von Bleichroder auf sLck) bezogen Und beziehen müssen, da Hr. Dr. Bamberger chnz besonders darauf Bezug genommen habe, daß Hr. _von Bleich- röder Mitglied des Centralaußschuffes der Bank sei und "daß er die Silberbeftände der Reichsbank gerzau kenne. Eykoxine nur bestätigen, daß Hr. von Bleicbröder m der That Mitglied des CentralauSschuffeeZ sei Und daß derselbe als solcher auch Kenntnis; von den Silber: und Gyldbestanden der Bank be- siße. Aber er verstehe nicht, wie die?,“ m Zusammenhang ?eZ bracht werden könne mit der Re1chc3regierung. Die Bank ei doch nicht die NeichZregierung, und was derselbe von der Bank wisse, habe mit der Reichßregierimg „gar nichts zu thun. Die Reichsbank könne daher unmöglich die Quelle sem, „ans welcher Hr. von Bleichr'xider geschöpft habe, wenn derselbe iiber- haupt irgend etwas Mit der Sache zu thun gehabt habe. _

Der Präsident des Reichskanzler-Amts StaatDMiizifter' 9]- mann erklärte, der Fr. Abg. Bamberger habe, wenn er ihn rt txg verstanden, angefü rt, daß ihm bei den Utixerrediztigen iiber die Absicht, die Interpellation zu „stellen., 1n1tgetl)eilt_1porden sei, daß die Interpeüanten bereit sexexx, auf . die Inter: peUation zu verzichten, wenn, ihnen eme [Jeschimchtigenye .Er- klärung zu Theil werde. EMS Folche Mixtheilung sei ihm gegenüber nicht erfolgt. Ihm sei die Absicht als feststehend mitgetheilt, zu interpelliren, und zwar'mir dem Bemerken, daß man mit Rücksicht auf die Vorgänge m,L0ndon nicht anders, könne, daß es nöthig sei, die Jnterpellchon zu stellen. (_Hr set ersucht, dem Reichskanzler von ,dieser Abs1cht Mitthei- lung zu machen und gefragt, ob bei der Fassung der Inter- pellation etwa ein Anstand obwalte. Er habe . dem ReichZkanzler die Mittheilung gemaeht und. er habe, wee der Abg. Bamberger auch ganz richtig erwähnt hahe, dann die Antwort gegeben , daß der Reichskanzler die Inter- peÜation nicht als erwünscht ansehe, daß aber, wenn sie er- folgen sollte, die Antwort werde gegeben werdeii.

Der Abg. von Kardorff bedauerte, daß durch diese Inter- ellation der Berathung des ZoÜtarifes so viel Zeit entzogen ei“ er könne aber den Abg. Bamberger nicht unwiderspxochen lassen. Goldwährung und Freihandel seien fiir demelben gewissermaßen ein religiöses Glaubensbekenntzuß, derselbe besiße auf diesen Gebieten eine große Belesenheit. Er woile aber nicht aus eigener Autorität antworten, er verweise auf den Franzosen Wolowski und _den Englänher Ernest Seyd, die fiir den Fall der Demonetisirung des Silbers prophezeit hätten, daß dann der internationale Geldhandel zuriick ehen, daß ails Unternehmungslust, alle Eisenbahnbauten auf ören, daß der Preißriickgang a1le Nationen zum Uebergang vom

reihandel zum Schutzsystem zwingen wiirde; daß das deirte Eigenthnm (80]1(] 1310118117) und die arbei- tenden Klassen dadurch geschädigt und nur den Be- sitzern von StaatsPapieren em Nutzen erwachsen würde. Das englische UnterhauSmitglied Goeschen habe mehr- mals geäußert, daß die Goldwährung für Deutschland kein Segen sei. In Frankreich und Amerika bestehe die Doppel- währung, und wenn sie in Deutschland bestäyde, würde es ebenso gut daran sein, wie Frankrewl). Em Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauseß, Mr. KelTy, habe die Behauptung aufgestellx, daß Deutschland gar nicht freie Wahl haben werde, die Demonetiyirnng des Silbers rückgängig zu machen, sondern die Gewalt der Umstände würden es dazu zwingen. Wenn der Abg. Sonnemann, dre Entwexxhung der Assignaten auf andere Gründe ach dieDemonetisiryng des Silbers zurückgeführt habe, so sei daß eme oberfläch1icheBe= trachtung. Was Deutschland anbetrefse, so sei es 111 seiner Miinzpolitik nicht unabhängig, sondern hänge sehr starx von der lateinischen Münzkonvention ab; wenn ,dWsL, bei der Doppelwährung bleibe, könne Deutschland die remejGold- währung nicht aufrecht erhalten; man müsse „der. Regierung für den von ihr gethanen Schritt den aufrichttgsten Dank aussprechen.

Der Abg. Dr. Delbrück erklärte, er bedauere, daß zwischen dem Staats-Minister Hofmann undihm ein Mißverständniß ob- walte. Er habe außdrücklich gefragt, ob besondere Gründe es

erathen erscheinen ließen, von der JnterpeUation abzusehen; olche Gründe seien aber nicht vorgebracht. Wenn er sich an den Präsidenten Hofmann, nicht an den Reichskanzler selbst gewandt habe, so sei es nur geschehen, weil er gewxißt habe, daß die Zeit desselben durch anderweite NegierungSgejchäfte zu sehr in Anspruch genommen sei.

Der StaUS-Minister Hofmann bemerkte, er bedauere auf das Lebhaftcste, daß zwischen dem Vorredtzer, und ihm ein Mißverständniß obzuwalten (heine über das;eziige, was der- selbe ihm mitgetheilt habe, a er er müss dabei stehen bleibetx, daß er von einer Aeußerung der eventuel1en Genergtheit der Jnterpellanten, von der Jnteryellatton ahzuftehen, wenn Seitens des Reichskanzlers eme beschw1cht1gende

Erklärung gegeben würde, MY; nicht die mindefte Erinnerung

habsech und daß er sicher sei, si 'in dieser Beziehung nicht zu täu en.

Der Abg. Schröder (Lippstadt) bemerkte, er habe bei dem Vortrage des Vank-Präsidenten den Eindruck gehabt, daß die von ihm angefü rten Kahlen klar und verständlich seien. Aber nirgends sei an die larheit nöthiger, als erade auf diesem Gebiete. Auch er habe mit dem Reichs anzler daS Ge- fühl gehabt, die JnterpelXation sei )'th nicht opportun. Die Centrumeartei habe schon seit März vorigen JahreeZ die Situation in der MünzfraY erkannt und troßdem nicht für an der Zeit gehalten, den eichskanzler zu interpeÜiren. Hr. Bamberger und seine Freunde hätten dies Damals auch erkannt und geschwiegen, sie hätten aber nur so lange geschwiegen, ach die Dinge so gingen, wie fie wollten. Sobald aber Wolken an dem Bankier-Horizontaufgestiegen seien, welche gndeuteten, daß die Dinge nicht mehr so gingen, wie sie wollten, da hätten sie nicht mehr geschwiegen, sondern den Reichskanzler interpeÜirt, Dax: sei der Unterschied zwischen dem Centrum und den Nationalliberalen. Er habe schon vor Fünfviertel Jahren die Sistirung der Silberverkäufe verlangt, dieselbeÉbe jetzt in kurzer eit schon eine erheblichePreissteigernng zur; olge gehabt. Diese aßregek hänge mit der WirthschaftSpolitik anf das Jnnigste zusammen; denn jeder SchUßzoll verliere durch die reine Goldwährnng Oesterreick) und Rußland gegeniiber seine Wirkung. Deutschland ?abe an den Silberverkäurjen schon 90 MiÜionen Mark ver- oren und werde in ZUunst noch eben so viel verlieren müssen, ehe es alXeS Überflüssige Silber los werden könne. Das; die Sistirung eine sür Deutschland heilfqme Maßregel sei, könne man daraus entnehmen, daß die „Times“ dieselbe in geradezu unqualifizirbaren Ausdrücken kritisire, der Eng- länder urtheile doch immer nach seinem Profit. Die; Antwoxt, die der Abg. Bamberger heUte erhalten habe, sei dieselbe, die CaSpar im Freischüß von unbestimmter Seite erhalten: „Das werde sich finden!“ _ _

Die Diskiission wurde geschlossen und es folgte eine Reihe persönlicher Bemerkungen.

Der Abg. von Kardorff bemerkte, der Abg. Bgmberger habe ihn in Verbiuduna gebracht mit der volkwarthsxhqft: lichen Korrespondenz. Es sei richtig, er stehe insofern 1x11t ihr in Verbindung, als er dieselben Tendenzen verfolge wre sie. Aber wenn er ihr Artikel 2a. einsende, so stehe ]edes Mal sein Name darunter. _

Der Abg. 131“. Bamberger erklärte, einen andexen Smn alS den angegebenen habe er auch gar nicht Mit seinen Worten verbinden onen. Was den Reichskanzler an- gehe, so sei er erstaunt gewesen, daß derse1be glayben kynn'te, daß ein Abgeordneter es wagen könnte, die Niederträc1)t1g: keiten hier wieder aufzxmehmen, die vor Jahren in gemiffetx Zeitungäzartikcln niedergelegt seien, am wenigsten er, _atzs dessen Person jene Artikel mitgemiinzt gewesen sei. Es sei die Deutsche Bank erwähnt; er sei 1868_71 deren Verwaltiingez- mitglied gewesen, er habe aber 1871 jede derartige'Thätigkeit niedergelegt, weil er schon damals alle die nsmuatwnen voraqueseheu habe, die innerhalb Und außerha [) des Parla- mentes sich an eine solche Thätigkeit anschließen könnten.

Der Abg. Sonnemann erklärte, der Abg. „von Kardorff habe das, was er von der Entwerthung der Assignaten sagte, als oberflächlich bezeichnet. Er könne es der Beurtheilu11g_de§ Hauses Überlassen, in wie weitgerade Hr. von Kardorfs 'zu einem solchen Urthcil berechtigt 1ei, und ob derselbe im Stande sei, die Autoritäten, die er im Munde führe, zu ver- stehen. Was derselbe heute über die Münzfrage gesagt, werde kitsisen Sachverständigen diese Fragen schwerlich beantworten a en.

Damit war die Interpellation erledigt und setzte daß Haus die zweite Verathung des Zolltarifs fort. ' , _

Der Abg. Dr. Delbrück beatitragte in die Position 151) „Maschinen“ folgende neue Nummer aufzunehmen: Druck: walzen fiir Gewebe, auch gravirte 3 «16. pro 100 RZ. _ ;)??)ch dem Tarifvorschlage wiirden sie 8 «15 Zoll zu zahlen )a en.

Der Antragsteller erinnerte an seine, schon in erster Le- sung gemachte Mittheilung, daß aUck) früher vor der Aufhebxmg des Zolles' auf Maschinen der ZoÜ fiir Walzen niemals ge- zahlt worden sei, weil für die Druckereien die zollfreie Em- fuhr von Druckwalzen gestattet worden sei.

Der Bundeskommissarius Geh. Regierunng-Rakl) Burchaxd, sowie die Abga. Melbeck und Schlieper empsalien ]edocl) 1m Interesse der sich unter dem Drucke der englis en Konkur'renz nur langsam entwickelnden einheimischen Fabrikation dieser Walzen Oil: Annahme der Vorlage, welchem Vorschlage das Haus auch beitrat. _ ' '

Fiir Kratzen und Kraßenbe1chläge schlug der Tarif nx Position 151) 3 einen Zoll von 36 «76. vor, der bisher aus derselben Höhe gestanden habe. '

Der Abg. von Waenker beantragte die Erhöhung des- selben auf 60 «je.; weil die zur Fabrikation dienenden Ma- terialien, Draht UNd Leder, bedeutend im ZoU erhöht seien, köéme man das fertige Fabrikat nicht nut dem alten Zollsaße be e en. *

gDer Vundeskomniiffar bemerkte dagegen, daß dex ]"th vorgeschlagene Zoll ebenso hock) sei, als der, zur Zeit des früheren Eisenzolles; wiihchd der [eßtere vermmdert Und zii- !th ganz abgeschafft sei, habe der Zol1 fiir Kxaßen stets,.m der gleichen Höhe bestanden. Der Zoll betxage 1th ungefahr 7Froz. vom Werth. Außerdem habe man ]a,dcn, zur Kraxen- fa rikation erforderlichen Draht bedeutend niedriger tariftrt, als er vor 1877 tarifirt gewesen sei. ' _

Das Haus genehmigte die Regierungsvorlage m hieser Position, sowie in Position 140. Wagen und Schlitten; 1) Eisenbahnfahrzeuge, «. weder mit Leder: noch mW Polster- arbeit 6 Proz. vom Werth, ,I“. andere 10 Proz. vom Werth; 2) andere Wagen Und Schlitten mit Leder- oder Polster- arbeit, Stück 150 «Fl: , '

Nach Position 1511.sol1tenSee- unh Flußschiffe, sonne Schiffsutensilien und Maschinen zollfrei sem.“ ,

Der Abg. Mosle wünschte den inländischen Schiffsbau zu schüßen, und zwar dadurch, daß im Auslande gebaute Schiffe einer besonderen Registrirunßs ebühr unterworfen würden; Redner hielt eine solche Ge i': r fiir „um so no't - wendiger, als der häufige Ankauf alter außländxscher Schi _e die Gefalr einer Verschlechterung der deutschen Kayffahjrtei- flotte na élege. Einen Antrag wolle er ]Ldock) erst 111 dritter Lesung stelien. _ ,

Der Abg. Dr. Delbrück glaubte den Schiffsbau besser dadurch schüßen zu können, daß die für denselben nöthtgen Materialien frei gelassen wiirden.

Der Abg. Stumm bedauerte, daß der Abg. Mosle einen

Antrag nicht eingebracht habe, es sei aber wo 1 besser, die Materialien zum Schiffsbau freizulaffen und. 1e§„1m Gefeß ?usbestiPrxien, da es bei einer einzelnen Pofitton nicht zu er- e igen ei.

Der Abg. von Kardorff sprach sich für einen Schußzoll für den Schiff§bau aus, behielt sich aber Anträge bis ZYX? dritten Lesung vor; der Abg. Rickert steUte für diesen Zeit: punkt eine Opposition gegen diese Anträge in Aussicht.

Der Abg. Graf Stolberg (Rasienburg) bemerkte, weiin irgend ein Erwerbszweig durch den Tarif geschädigt werden könnte, so sei es die Nhederei; des:!)alb müsse man jeden Zvi! auf Schiffe vermeiden.

Der Abg. Wolffson gab dem Abg. Mosle zu bedenken, daß eine besondere Registrirungsgebühr fiir im Ausland ge- baute Schiffe die Nbederei, wenigstens soweit sie nicht in den Zünden von Privatversonen fei, ins Ausland treiben wiirde.

ie Position wurde zollfrei belassen.

Pos. 16: Kalender frei, sowie Pos. 24: Literarische und Knustgegenstände:

&. Papier, beschriebenes (Akten und Manuskripte); BÜÖL! in allen Sprachen, Kupferstiche, Stiche anderer Art, sowie Holzschnitte; Lithographien und Photographien; geographische und Seekarxcn, Musikalien . . frei.

13. Gesiockoene Metaüplatten, geschnittene Holzstöcke, sowie litHo- graphische Steine mit Zzichnungen, Stichen oder Schrift, _al1e diese Geaenstände zum Gebrauch für den DrUck aufPapier . . . frei.

6. Gemälde und Zeichnungen; Statuen von Marmor Und an- deren Stcinarten; Statuen von Metall, mindestens in n::türli-Sycr Größe; MedaiÜen . . . frei.

wurden ohne Debatte angenommen.

Pos. 26. Oel und Fette:

8. Oel. 1) Dek ailer Art, in Flaschen oder Krügerx, 100 13 29 514, 2) Speiseöle, als: O1iven-, Mobn-, Sesam-, Erdnutß-, Buchen- kern-, Sonnenblumenöl in Fäffern 109 kg 8 „ja und 3) Olivenök in Fässern, amtlich denaturirt . . . frei.

wnrde nach der Regierungsvorlage angemommen, nachdem ein Antrag der Abgg. l)r. Stephani und Möring, auch Nicin11Bö[ frei eingehen zu lassen, mit 124 gegen 102 Stimmen abge1ehnt war. Hieran vertagte sich das Haiis um 45-74 Uhr anSNUL: abend 11 Uhr.

LiterarischeNeuigkeiten und periodische Schriften.

Soziale Fragen und Antworten. Heft 6. Dgs „11 e- meine Stimmrecht. Bremen, Nordwestdeutsäyer Volksjcbrifien- Verlag, A. G. _. '

Zeitschrift für preußische Geickwkhte und Landes- kunde, unter Mitwirkung von Droysen, Duricker und L. ». RCMke, beraußgegebcn von Constantin Rößler. 16. Jahrg. MQi- Junibeft. (Nr. 5 u. 6.) Berlin 1879. Ernst Siegfr. Mittler U. Sohn. _ Inhalt: 1. Duplik. Dcibrück. _ 11. _Pizblikatioxicn der K*önigliében Akademie der Wiffenjchaften zur,Ge1chichte Fried- richs des Großen. Max Postier. _ 111. Zur Geschichte des Berliner Montagsklubs. Max von Oesfeld. _ 17.7 Markgrgf Johann Wu Brandenburg und de: h:sfi1ch-braun1chwe1g1sche Krieg vom Jahre 1545. Christian Meyer. _ 7. Bericht ch churbrandenburg. Ge- sandten von Straßen an Markgraf Johann aus Trient. __CHrisii'an Meyer. - 71. Kriegszeitung aus dem Zuge der protesiantcicben inc- sten gegen Karl 7. im Jahre 1552. Christ. Meyer. _ 1711. ; tied-

rick.) der Große und Montesquieu. Edin. Mewer. _ 17111. 5) e_Uere Jorscbnngen. _ 1)(. Aus den Veröffentkiißungen der de::tjkben eschichtSvereine.

Prevßische JahrbüÖer. Herauöaegebcn von H.13_0:: .Trsitsch_ke und W. Wehrenpfennig. 43. Bd. 6. Heft. Juni1879. Berlin 1879. Verlag von G. Reimer. _ bealt: Aus der Jagcnd- zeit der deutschen Dichtung. 1772-1175. Fragmente. 2. _ Der Haiti. (Julian Schmidt.)_ Raphaels Madonna di Terpanxova auf dem Berliner Museum. (Heruiann Grimexx.) _ DLS Buydes- gesey über den Unterstüxzungswohzxsiß, seine Vater und 121116 Feinde. (Tk).1). Flottwekl.) Dic Part1er Kommmne 1871. 11. (Franz Yéehring.) _ Politische Korrespondenz. _ Nojtzen.

Verhandlungen des Vereins zurBeförderung dcs Gewerbfleißes 1879. 5. Heft. Mai. Redacteur:1)r. Hermann Wedding, Berlin, Verlag von Leonk). Simion. 1879. Juhalt: 1. Abhandlungen. Ueber Anilinschwärze. Von Dr. R. Kaisjer. _ Ueber Anilinfchnmrz. VM Dr. R. Nietzki. _ Ueber dic_ Ex::wirkgng der Aschcnschlackcn anf feuerfeste Steine. Von Bexnb. Koßmgqn _ Elementare Bestimmung des gefährlichen Querschnitts sretauslrcgcn- der, zweifach unterstützter Balken. Von Adolph Ernst, Lehrer an der K'ÖNigliÖen Gen'erbeschule zu Halpersiadt. __11. Amtlxckxe 9,1111- theilimgen. _ 111. Kleinere Mittheilungen. Hierzu dec 151151241913- bericht vom 5. Mai 1879. ' . '

Forst1iche Zeitschrift. Uiitcr Mitwnkung der Lehrer der Forstakadcmie Münden, herausgegeben 111211 A. Bernhardt, _"O-Hcr- Forstmeister und Direktor der Forstakaichnte _zu MUMM. 1. Jahrgang 1879. 6. Heft: Juni. Mit "2 [i_tlwgraphirtcn Tafeln. Berlin. Verw.; von Jnl. Springer. 1879. _,Jn- halt: 1. Abhandlungen. Ueber Formen und Abarten [)erniiscbec Waldkäume von ])r. M. Kienitz (Fortxexzmig). _ BelcgÉQ-tung des Aufsatzes „Vergleichung des Werthes 1366131176381, saibiticizen'und Harzer Fichtenholzes zum Grubenbau ven Formats) [Jr.„xwrdlmger in Hohenheim“ VON W. Rettstadt. _ (Erwiderung bezygitck,» TTS Be- griff;; „Felddiebstabl“ yon A. Leonhardt. _ AUF foxjtltckoer »Heorte und Praxis von Aug. Knorr. _ 11, AUG dcr Wirtbjchafx Un?) Wer- waltimg. Ein Laie Über Dampfpflug-Kultur. Vom Grafen (Ward zu Inn- und -Knypbansen. _ Dcr Mixtelnyid. Von V91111ar.*_ 111. Forststaiistik. Die svistlicben Verbalimiie ven Belgiea. Von A. Bernhardt. _ 17. Bücherschau. _ Vermi1chtcs. ' “_

Zeitschrift des Königlia) baycrUchen siatxftrilhcn Bureaus. Redigirt von dessen Vorstand Dr. "(Heorg Mayr. 10. Jahrg. 1878. Nr. 4. Oktober-Dczember. Mimckyen. Kom- misßonSverlag v011 Abf. Ackermann. _ Inhalt: Das (H.“Öizrtö- Und Sterblichkeits-Verbältniß in Bayern fUr das Jahr1876. Vom statistisch-geograpk). Standpunkte au8d9rgestellt vo'n Dr. 11188. Cuxi Yieyer, K. R. _ Beiträge zur Statistik zur Gememdebesteucr'nng in Bayern, von Ministerial-Ratk) Or. Georg Mevr. _ Naehweisizngen über den Verkauf von Getreide auf den bayeyschcn Schrannen, 191vie über die erzielten DurcbsOnittspreise _für dre Yikoziate Oktober bis Dezember 1878; deSgleicbeu für die 6 bauytsachltchsten Schrammen nach einzelnen Wochen. _ Nachweisungen aber „den Verkauf von Getreide auf den bayerisißen Schrannen, sowic uber'die erzielten Dnrcbscbnittspreise für das Kalendexjabr 1878. _ Vtktuqltenprmsc an verschiedenen Orten Bayerns wahrend der Monate Oktober bis Dezember 1878; deSgl. ffir das Kalenderjahr 1878. „_ Literatur. _ Alphabetisches JnhaltLVerzeicbniß dcr Jahrg. 1869 bis 1878 der Zett- scbrift des Königl. bayer. statistischen Bureaus. ' _ "_

Mittheilungen der Katjceltch und Königlich .»!xcr- reichisch-un ari1chen Consulats-Behörden. Zusamxnen- gesteUt im stati tischen Departement im K. K. Hanchö-Vémistermm, 711. Jahr.]. 5. eit (3171251). der „Nachrichten uber Industrie,

andel und Vcr ehr"). Wien, 1879. Druck und Verlag der_K. 'K. Lof- und Staatsdruckerei. _ Inhalt: Wirthschaftltche Verhaltnisse von Dünkirckxen im Jahre 1878. _ Wirth1chaftlicbe Lage von Livorno im Jahre 1878. _ Schiffahrts- und Handelsvexkebryon Galaß im Jahre 1877. _ Waarenverkehx von Rustscbuk_1m Jahre 1877. _ Wirtbsäoaftliche Lage des Vilaxx Kossoyo (Priseexi) im Jahre 1877. _ Wirtbsckoaftlichc Zustände des westlichen quinczi im Jabre1878. _ Schiffahrt und Handel von Hongkong im Jahre

1878. _ Personaluackßrichten.