1879 / 155 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 05 Jul 1879 18:00:01 GMT) scan diff

Yichtamtlichez. Deutsches Reich.

„Preußen. Berlin, 5. Juli. Se. Majestät der Kais er und König machten, laut Meldung des „W. T. B.“ aus EmE, gestern eine Spazierfahrt nach Nassau und besuchten am Abend das Theater.

__ _ Der VundLSrath hielt am 3. d. M. ei,:e P(onar- nßung unter Vorsitz des Präsidenten des Reichskanzler-Amts, Staats-Ministers Hofmann.

Nack) Feststeüung des ProtokoÜI der vorigen Sißung wurde Mittheilung gemacht von Schreiben des Präsidenten des Reichstags über die Beschlüsse dLH Reichstags, betreffend: 3. den Entwurf eines Geseße?» Über den Bau von Eisen- bahnen von Teterchen nach Tiedenhofen U. s. w.; 1). den Entwurf eines „Gesetzes über die Konsulargerichtsbarkeit; c. den Entwurf eines (Hefe es wegen Abänderung des Reichs-

achkxaltsWtat-Z und des andeshausth-Ekaß von Elsaß- „othrmgexi für 1879/80; (1. die liquidirten, aus der franzö- sischen KriegßkoftewEntWädigung auf Grund des Artikels )7. des Geseßes vom 8. Juli 1872 zu erseßenden Beträge; 0. die allgemeine Rechnung über den ReichShaueZhalf für 1874; f. eine Petition des Comités zur Errichtung des National- denkmals auf dem Niederwald wegen Gewährung einer Bei: hülse aus Reichsfonds; Z- die Uebsrsicht der Einnahmen und AuSgaben dss Reichs für 1877/78.

Fernsr kamen zur Vorlage: eine Nachweisung der Verän- derungen in dem Bestands der vom Reich durch besondere Rechtstitel erworbenen Grundstücke, und eine Nachweisun der im Jahre 1878 bei den deutschen Münzstätten erfolgten old: und SilbsraUSPrägungen, sowie die mit der Schweiz getrof- fEne Vereinbarung wegen Regelung der Grenze bei Konstanz.

Sodann wurde Beschluß gßfaßt iiber das Pensionsver:

ältmß eines Beamten der LandeSverwaltung von Elsaß- othringcn.

Die Geseßentwürfe, betreffend die Verfassung Und die Verwaltung Elsaß-Lothringens, und betreffend Abändernng des Reichshaiishalts:Etats und dees LandeShauEhaltE=EtatS von Elsaß-Lothringen für 1879/80, wurden in der vom Reick)?- tage angenommenen Fassung genehmigt.

. Ausschxifzbsrichte wurden erstattet iiber: 3. die Steuer: freiéeit dss Branntwein?) zu gewsrblicben Zwecken. Ein be- zügicher G2seßchtwurf wnrde genehmigt“ 5. Eingaben, be- treffend die Bildung von BesißgenossenickMsten 2c. Den in denxelben gesteÜten Anträgen sol! eine Folge nicht gegeben wer en.

EI wuxden hierauf Komniiffarien fiir die Verathung von Vorlagen im Reichstage ernannt Und Line, die Normaltara flix FHststellung des Nettogewichts beim Export von Brannt- wem in Fässern betreffende Eingabe dem bezüglichen AUS- sch11ffe iiberwiesen.

_ Die vereinigten Ausschüsse des BundeSratbS für das chndheer und die Festungen, für Handel und Verkehr und fiir Nech11migswesem der Ausschuß für Rechnungswesen, der Ausschuß iür Justizwesen, die vereinigten Ausschüsse

für JZÜ: und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und

fiir echnungswesen, sowie der Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen hielten heute Sißungen.

_ Jm wxiteren Verlaufe der gestxiaen (72) Zsßung setzte. der_ Reichstag die zweits Verathung dc: Zoll- txxrifs m1t Po1._ 41 (Wplle) iort. Der Abg. Löwe (Berlin) fuhrte aus, es FL] Eigentlich ein undankbare-Z Gsschäst, in der verloxenen Position, in der bis Minorität sich befinde, noci) AUSemandLrseßizngen _zu geben einer kompaktsn Majorität gégeniiber, die 1chon m , den Veschlüffeti der Tarifkommission 11317611 unbeugsamen WiÜen kund gegeben habe. Jndeffen mizffe e_r doch „etwas zurückgreifen, um auf den großen Unter- schiep hlUJLiTHßlsLn, der zrmschen dcn Ermittslungen des von der Tarifkommisxioxi des _Bundesraths besieÜten Neich§ko1nmissars zmd deii hier m1tgetheilten Angaben in Bezug auf die Wollen- mdustrix bestehe. Sen? FeststeUungLn rechtfertigten keineregZ die V0rsch1age Her egierungen im Tarif; im Schoße jener Kymtmssion 11102ffen, wie auch innerhalb der Tarifkommission seien zum T_hexl Anschanungen zur Herrschaft gelangt, die davon aysgmgen, daß das Reich eine Art von B€v0r1nun- dung _semexr Bevölkerung auszuüben habe, daß das Reich daraUs zu achten hgbe, daß Niemand sich dem Laster ergebe, allzu schlechte „Kleidsr zu tragen. Daher die eren ZöUe, Welche die KlEidex verbessern und vertheuern so ten. Aber diese Argmnentattoxi werde in der Praxis nicht ihre Bestäti- gung finden. _ Die Woüenspixmerei habe sich seit 1818 bis Leute unter densslbxn ZHUen bLsUUdLU und sick) uriter der Herr-

chgft derselhen zu ihrer jetzigen Blüthe entwickelt, wie auch der inckonnnmffgr. anerkenne. Die hohen Erträge, die be- trachtlichsn Dtyidenden, die die großen Kammgarnspinnereien verthetlien, wurden schwerlich herabgsmindert WerM, wenn man das Kammgaxw 1121 „den jeßigen Zollsäßen belasss. Die Kammgarnspinnerei in Leipzig und Pfa "endorf habe an Divi- dende im Jahre 1875 62, Proz., 1876 7 Proz., 1877 71,5 Pryz., 1878 10, Proz. verlheilt. Die Kammgarnspinnerei in Veipersback), die auch untex dencn sei, die bäten, daß ihnen Schnß gewahrt_werde, habe ihre Spindelz:hl im Jahre 1876 von 54 000 ans 60 000 erhöht, und ihre letzte Dividende habe 35 Proz. betragen. Unter 30 Proz. sei von dieser Fabrik wahrend der leßten 4 Jahre überhauLt keine Dividende ver- thexlt w0„_rden. Er gebe zu, daß nicht a e Etablissements sich in dieiem glanzenden Zustande befänden, aber dieselbén arbeiteten aUe unter denselhen Konjunkturen. Gegenüber dieser Industrie siehe nun die _große Industrie der Verarbeitung der Stoffe, hie der Weberei erst die Lebensfähigkeit möglich mache, wenn ]ie selhst e_zrhalten' werden könne. Bei dieser WoÜwaaren- industrie sei nim 'm exster Linie disStadt Berlin betheiligt. Es handele, sich ni diesem FaÜe um ndustriebranchen, die zusammen eme Arbeiterzahl von 26 000 enschen beschäftigten und emen Produktionswerth von 67 Millionen Mark jährlich schafften, you'demoüber pie Hälfte in das Ausland gehe. AUe _diese thdustrrezwetge seierx darauf hingewiesen, daß das Haus ihnen ,mcht dgs nothtyendige Arbeitsmaterial vert euere, und das sei fÜr dieselben m diesem Falle das Gespinn . In dem- selhexi Augenblicke, wo das Haus irgend welchen provmziellen Rücknchten 311 Liebe Konzessionen nach einer Seite hin machen und Mie künsiltxhe Verschiebung der jetzigen Verhältnisse der Ydustrte hßrbeifUhren wolle, mache daffelb es der Berliner

„ollwgaremndustrie unmöglich, so leistung fähig zu bleiben wxe bisher. Dieselbe bszwhe ihr Material nur zu einem

Viertel aus dem Auslande, aber gerade die Nummern, die sie vom Auslgnde, beziehen müsse, würden dazu beitragen müssen, das Geschaft m solchxm „Maße zu erschweren, daß die Existenz der Berliner Industrie 111 höchftem Grade bedroht sei. Er gxaube nun. nicht, daß die Majorität, welche die Absicht habe, dre Industrte zu sxhüßen, in diesem FaÜe so handeln diirfte, daß sie großen mduftrieÜen Branchen dadurch nur Schaden zxifüge. Er halte es nur für seine Pflicht, noch auf eme andere Branche einzugehen, weil er als Kor: refereni für diese Branche in der Tarifkommission es , seinen Kollegen schuldig zu sein glaube, die Ansichten der Minorität auszusprechen. Es existire xine große Industrie in Deutschland, die vertheilt sei m Barmen und Elberfeld, Sachsen und Schlesien; sie bedürfe pes sogenannten Hartkammgarnes, welches im Jnlande nicht in dem erforderlichen Maße fabrizirt werde, in sehr großen Quantitäten. Diese Barmer Industrie, welche diese Hart: kammg'arne, zum größtsn Theil für Exportartikel verwende, exportire ]ährLick) in diesen Lißen und Bändern, die in Be: track); käm'en, ca. 80 000 Ctr. Ein Interessent, der haupt: sächl1ch,bet der ganzen Streitfrage in Betracht komme, habe angeblich nachgewiesen, daß in Deutschland die Wolle, au?- dczr man dieses Hartkammgarn spinne, auch produzirt werden kimne. Diese Behauptung illustrire sich aber gleichzeitig durch 1316 entgegengeseßte Behauptung eines:“: anderen Interessenten m Schlesien, der auch den Wunsch habe, daß auf Wolle ein ZOU gelegt „werde. Jeder Einzelne beweise eben, das;, weil er zufäthg im Stande sei, in diesem oder jenem Punkte etwas zu leisten, ihm zu Liebe für die ganze in Betracht kommende Industrie, ein Grenzschlagbaum gemacht wer- den müsse, um nicht von Außen die Konkurrenz herein: kommen zu lassen. So liege es auch hier: diese?- (Harn, welches für die Orleanswebcrei Und die Lißenspinnerei in Barmen, Elberfeld und Schlesien von so hohem Werthe sei, solle besteuert werden, obwohl es au?» England genommen wer: den müßte, damit der eine oder andere Industrieüe in der Lage sei, unter dem schönen Schußdack), welches ihm der Staat gebaut, Line Fabrik zu etablirsn, mit der er vieUeicht in 6 bis 8 Jahren den Bedarf zu decken anfangen könne. Hier liege die Sache so, daß man die Industrie, wenn man den Zoll von 3 auf 8 «46. heramschraube, expcgrtunfähig mache. Unter diesen Hartgarnspinnereien befinde sich auch eine vortrefflich gelßitete in Wiisiegiersdorf ; sie hätte grade so gut wie alle anderen das Recht gehabt, zu fordern, daß maxi sie schützen soUe, aber si: ver: lange den freien Weltmarkt für sich zur Kontrolirung der Preise. Er könne ja die Dinge nicht ändern und den Wagen, welcher dßn Berg herunterstürze, nicht aufhalten, aber er wolle we- mgstsns dßn Versuch machen, zu moderiren' in Bezng auf solche Zweige der Industrie, die unter allen Umständen ver: nichtct werden würden, ohne daß davon irgend Jemand einen Nußen hätte. Die Majorität, die heute 36 1100 sich zusammen- gethan habe, um aus den divergirendsten Interessen und Mo: tiven a[le möglichen Schuizzöllé zu bewikligen, werde wieder in sick) zusammcnfallen, aber die Tausende von vsrnichteten Existenzen, die Summen von zerstörten cklick) und wohl er- worbenen Vermögen würden als ihre Ankläger bleiben, und wenn der Zusammensturz erfolge, werde die liberale frei- sinnige Partei wieder geeint auf den Kampfplaß treten und für jene Opfer Rechenschaft verlangen. '

Der Abg. Freiherr _von Varnbüler bemerkte, ein be- rühmter StaatSrnann habe gesagt, die mündlichen Diskus- sioxien entschieden sich theils durch die Kraft des Gehirns, thUlS durch die Kraft der Lungen. Da würde er jedenfaÜs den Kürzeren ziehen, Der Abg. Löwe habe nun beantragt, es bei dem alten Tarif zu lassen; weil der Abgeordnete aber das Schicksal seines Antrages vorauSsehe, habe er eventuel] einen anderen Antrag gesteklt und mit diesem den Versuch gemacht, ein Kriterium für die Unterscheidung zwischen hgrtem und wsichem Kammgarn zu finden. Die rage dieser Unterscheidugig habe eine förmliche Leideiisges ichte. Als» es sick) um die Festseßung des Tarifs gehandelt, seien die Betheiligten, die Orleansweber und die Industrie"€n von Barmen, gekommen, erschreckt durch die Vorschläge dcs so: genannten autonomen Tarifs, der drei Klassen machen woÜte, nämlich 12, 18, 14, und hätten gegen die hohen Sätze protestirt. Durch seine Erklärung, daß nur an Süße zwischen 6 bis 10, etwa um 8, gedacht werden kömie, seien sie vollständig zufrie- den gesteÜt gewesen. Als der Reichskommissar, von dem der Vorredner geiprochen habe, mit seinen Ansichten gekommen ssi, habe Zr diesslben nicht unbeachtet [affen 11100911 Und dann sei von ihm deyVorychlag ausgegangen, eine Unterscheidung zu machen zw1schen harten Kamnmarnen und anderen und in Betxeff der harten den glten Tarif beizUbehalten. Nun habe die ursprüngliche Faxsung gelautet: „Garne ans langer, glänzender WOÜS“, und hierfür sLi cin Saß von 23 bezw. 24 „46 angesetzt worden. Da er jedoch beunruhigt gewesen sei, ob eine Unterschsidung wirklich nöthig sein wiirdk, seien viele Industrielle». vernommen worden; allsin meistens ssi man durch diese Erkundigungen weniger klar ge: wordsn ach voxhér, und so sei, da man die Lliiterschcidung nichi fallen [amen wolLte, der dsm Hause bekanntc Satz in den Tarif gekommen. Besorgt, wis er sei, habe er nun einen sächsischen Zollbea111ten„ der an der österreichischen Grenze Lin Haupt-Zoüaniiunter sick) habe und der Tarifkommission mit berathixnder Stimme beiwohnte, ebeten, sich Aufklärung darüber zu 'ver„1chaffcn, qb'd'er Bxgriff artes Kammgarn“ mxt festeren Kriterien zu PkäZLslan 19,1. Nach mehreren Wochsn habe er die Antwort erhaltsn, daß der Erfahrung gemäß durchaus nicht zu, erkennen sei, was hartes und was weiches Kammgarn sei. Diese Mittheilungen eines sachkundigen Beamten seien für ihn maßgebender, als die der Industriellen, an die er anfange, sehr wenig zu glauben. In der Tarifkommission deS Reichs- tags habe, nun der Abg. Hammacher den Gedanken gehabt, dxti Begriff „hartes Kammgarn“ fallen zu lassen und nur dixjenigen Garne in die Ziffer 2 zu nehmen, die ganz ent- schieden zu erkennen wären, das sind Genappes, Mohair und Alpakka,.welche beiden leßteren keine Wolle, sondern Ziegen: haczre seien. 'Die Weft hat der Abg.Ha1nmacher faklen lassen, wxil Weft kein Ausdruck für eine bestimmte Art von Garn sU. Er empfehle da er dem Hause die Anträge der Kommission.

Der Abg. Dr. enßsch erklärte, die Frage spiße sich darauf Zu, _01) zinischen hartxn und weichen Kammgarnen eine Unter: cheidung „möglich sei. Der 9169. Frhr. von Varnbüler habe dies? bsstimmt geleugnet, mehrere Steuerbeamien glaubten a_ber genii ende Merkmale für die Unterscheidung angeben zu können. Zach semen Erkundigungen könne man von dem Bedarf, der ungefähr 160 000-170 000 Ctr. betrage, ca. 80 bis 90 Proz. m1t,S1cherheit unterscheiden, nur für den kleinen Rest, der aus Mischsoxten bestehe, sei eine Unterscheidung für den Zollbeamten Vielleicht nicht so schnell möglich, mindesten?-

w'iirdoe bedeutende Uebung dazu gehören. Um dieser Schwie: rtkgkeit an?; dem Wege zu gehen, habe er vorgeschlagen, die Einfuhr dieser harten Garne nur über bestimmte ZollsteÜen stattfinden zu lassen, damit sich an diesen Punkten eine größere Uebung der Beamten erzielen lasse. In Deutschland bestünden nur vier Firmen, welche die Garne spönnen, davon spönnen aber 3- nur für den eigenen Bedarf ihrer Webereien. Würden also die Zölle fiir hartes Kammgarn genehmigt, so würde man nur den konsumirenden Industrien eine Last auf: erlegen, ok)ne damit den einheimischen Spinnereien zu nÜHen, denn es seien eben keine vorhanden. Er möchte das Haus an das prüchwort erinnern, daß ein Sperling in der Hand bxffer sei, als eine, Taube auf dem Dachs. Das Haus würde die fette Taube, die es in der Hand habe, nämlich die Weberei, flie en [assch Um einen magsren Sperling, die zukünftige We tqarnspmnerei, zu fangen.

,Der Abg. von Bötticher (Flensburg) bemerkte, nach den Ausiithrxingen des Abg. Frhrn. von Varnbüler könne er sich um so kiirzsr fassen. AUch die östsrreichische Instruktion gebe keine genügenden Kriterien der Unterschéidung an. Vielfach an- gesteÜts Versuchs. hätten ergeben, das; die extremen Nummsrn harter. 1znd weicher Kammgarne geradezu zusammenträfen. Es sei eine Trexmng zwischen harten und weichcn Kamm: ggrnen unmöglich 'm der Praxis durchzuführen, wenn man nicht 1) vor der Emfiihrnng der Unterscheidung die Beamten dyrchfdxahrelgngeSchulun ausbilden one, 2) in jedem Monat die samnttliche_n Vexglei )Sproben auf aUen ZoÜstationen zu erxieuern bere1t_ sei, und auch dann noch würden fortgeseßte Differenzen, zrmsckxen den Zoüämtern und den Interessenten unvermeidlich bleiben. Wolle das Hach angesicht-Z dieser Perspektive noch den Muth haben, die Möglichkeit der Unter- scheidung festzuhalten, _ izr könne dahin nicht folgen. Dock) mcht dieses Interesse aÜem sei für ihn maßgebend, sondern mehr noch die Rücks1cht auf die Landwirtlschnft und vor allem die Schafz1icht. Es stehe heute so, daß olle von Dsutschland aU-Z exportirt wexde und dann entweder als Kammgarn oder als Zeug'verqrbeitet zurückkomme. Nun feisHjarichtig, daß im Augenblicke die deutsche Kammgarnspinnerei nicht für den Markt- bedarf zu_sorgen_vexmöge, gleichwohl aber entstehe für sie bei dem,von 1h1z1 bc1chr1€benen Procedere der Nachtheil, daß der Preis für die dexxtsche 280116 in die Höhe getrieben werde zu (Hunsste'n der englischen durch das Hinzukommen von Spesen, Promsioxi und Tran§port. Hebe nian, was leicht möglich sei, die heim1schenSpmnerei so weit, daß sie den deutschen Markt beherrschen konns. Man muthe derselben dabei auch gar nicht so bedeutende Opfer zu, wie man die Sache darzustellen ver- sucht habe. Die Erhöhung des Zoües zum Beispiel von 3 auf 10 «16 würde den ganzen CERMET der Barmer Waare umketwa 1/2 Proz. Wrtheirern. Jeder könne die Zahlen kon: troliren. _Da dürfe man dock) fiiglick) nicht sprechen von dem vol1en Rum, dem die Beschlüsse des Hauses die Industrie entgegenfiihrcu [okltem diesen Appell des Abg. Löwe könne man ruh1g_abweisen. Jm JtiteWffL der Landwirthschaft und Schafzucht m dexi Seeprovmzen, im nördlichén Hannover, in Oldexihurg und'm Schleswig=Holst€im wo er die Verhältnisse aus 1emer amtlichen Thätigkeit kennen gelernt habe, bitte er das Haus, dem Antrags der Kommission zuzustimmen.

„_ Der „Abg. 0x. Hammacher bemerkte, für seinen Antrag sprachen die Petitionen von 41 Kammgarnspinnereien Deutsch- lqnd-Z, 1a qußerdem auch die Regierungsvorlage, von welcher die KonFMtssion, ganz besonders gestüßt auf die Autorität des Abg. Fxhrn. von Varnbiiler, abgewichen fei. Zolltechnische Schwierigkeiten, welche; der Vorredner gsgen seinen Vorschlag anführe, sUen nicht 111 dem Grade vorhanden, um sich gegen denselben ayszusprechew Allerdings gebe er zu, daß eine gewisse Uebung, 6111 sicheres Auge zur Unterscheidimg der einzelnen Garne gehöre, aber in Oesterreich würden diese Schwierig: keiten überwunden, 11110 auch in Deutschland gebe es bei andersn Artikeln für die Steuerbeamten weit schwerere Auf: gabßn 31; lösen. Er bitte das Haus drinasnd, den niedrigeren ZoU _deizubehalten und nicht ohne Noth einen wichtigen Jndmtriezwxig zu sehr zn belasten.

Hikraur wurde die DiSkussion geschlossen.

Der Refwexr Abg. 01“. von Schaaf; wies die Vorwürfe des Abg. Löwe Ygen den von der Kommission proponirten ZoUsaH zurück. ie Kammgarninduslrie werde nach wie vor lebensfähig bleiben. Wenn die Befürchtungen des Abg.Löwe irgend wie begründet wären, dann wäre er der leßte, welcher die Kommissionsanträge vertreten würde. Vielmehr würde er es dann für seine erste Pflicht halten, sein Mandat nieder- zulegen, um mcht an einem sc) unheilvoklen Werke mitzn- arbeiten.

_ Hierauf, wurden sämmtliche Gegenanträge abgelehnt un d die KommisstonSvorla e 36 5. und 0.1 und 2 angenommen.

' Zu'Titel 0. 3 be ürwortete der Abg. Findeisen den oben mxtgetheilten Antrag Melbeck, da der erdrückenden Konkurrenz Englands gegenüber em höherer, als der von der Kommission vorgeschlagene qu1 von 24 «F6 zum Schuße der einheimischen Garnindustrie dringßnd erforderlich sei. Man möge also den Foétféllag der Regierung _ 30 «76 pro Kilogramm _ wieder- er e M.

Nachdem der Abg. Schmiedel seinen Vorschlag, auch die ande'ren Garnzökle zu erhöhen, mit Riicksicht auf die über: m_äßige Konkurrenz der belgischen Streichgarnspinnerei moti: 13th hatte, wurde, nach Verwerfung sämmtlicher Anträge, Titel 0. 3 nach der Kommissionsworlage angenommen.

Z_u Pos. 41c1 beantragte der Abg. Richter (Meißsn), den Zoll für unbedruckte Waaren von 120 auf 135 976, Abg. O1". Frege, den Zol] auf gchbe Filze von 3 auf6ckj6 zu erhöhen.

r Abg. Löwe (Berlin') wollte die von der Re ierung vyrgeschlagene Klassifizirun Wieder einführen, aber die Zoll- säße von 100 resp. 150 an „80 resp. 120 herabseßen, und be- antragte, wollene Posamentrer: und Knopfnmcherwaaron statt mit 150 mit 130 „66 zu veronen.

Der Referent Abg. Dr. pon Schauß empfahl die Annahme der Komm1ssronsbesch10sse, die sich gegenüber der Re ierungs: vorlage „dadurch empfohlen, daß sie die zollamtlich échwierige Unterscheidung zwrschen Waaren unter und Üer 1/2 mm Stärke vermixden.

_ Der Regierimgskonrmissar Geheime RegierungßMath Böt- ticher bat um Wiederherstellung der Re ierungSUorlage. Der Appaxat zur Messung der Stärke der aaren habe sich bei den verschiedemxn Proben sehr gut bewährt, jedenfalls sei es aber möglich, tmttslst desselben die Waaren mehr nach ihrem Werthe zu treffßn, als dies nach den nivellirenden Beschlüssen der Kymmissioti möglich sei. Außerdem sei zu bedenken, daß die ZöUe für die harten Kamm arne ge cnüber der Regierungs- voxlage erhöht seien; in ? olge de en müßte man ÜUY die Züll“? für die daraus verfertigten Waaren erhöhen; die om: misnon habe aber durch ihren Beschluß die feineren, weniger-

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als 1/2 mm starken unbedruckten Stoffe von 150 auf 120 „F6 rab es? t-

he ?ZerßAbg. Richter (Meißen) empfahl im Interesse der sächsischen Wollenindustrie die Erhöhung des Zollßs a_uf unhe- druckte Waaren von 120 auf 135 916, Henn die in Greiz, Gera, Glauchau, Merane und Zittau gefertigtén Woüenwaaxen seien weniger als 1/2 mm stark, der Zo]! von 120 „46, reiche aber für dieielben bei Weitem mcht_au§. _ .

DerAbg.1)r.Delbrück erklärte sick) gegen Hanoxnmtsstons- antrag, weil derselbe die Waaren nur nach einem, ausexlichen Kenn: eichen, nicht nach ihrem Werthe treffe. Die fruhere Unterz ?cheidung zwischen gewalkten Und ungewalkten Waaren sei allerdings auch nicht ganz dem „Werth entsy-re_ck)en,d gewe_sen,„aber bei derselben seien doch nicht die Unregekmaßigkeiten, wu». 021 dem jeßigen Kommissionßvorschlage, zu Tage getreten. Bssonders» würden die bilLigen englischen Waaren, deren Ketts aus Baumwolle und deren Schuß (ius Mungo: oder Shoddywolxe bestehe, nach dem neuen Tarif dqppelt so Zorc!) hefteuert ZW.? früher“, während die feineren Stoffe ziim T 211 61116 Ermaßi: gung erhielten. Die Zölle betrügen fur die „biUigen Waaxen früher schon 25 Prozent des Werthch wurden ,also ]eßt 50 Prozent und mehr betragen„ Man musse aber immer be- denken, daß diese Stoffe hauptsächlich von armen Leuten ver- braucht wiirdsn, und daß 3/4 des gesammtexi meiorte-Z auf diese Waarcn fielen, die früher 60.66 gezahlx hatten, ]Lßt 120-46 zahleri s0l1ten. Er empfehle deshalh auf jeden Fakl die Ab- lehnung des Antrages Richter (Meissen). _ "

Der Abg. Dr. Frege empfah1semenAntrag'aus Erhohung deH ZoÜs fiir Filze, es handle sick) dabei um 016 Vsrwendung eines Nebenproduktes der Landw1rtl)schaft, namlich der Kuh- Und Kälber aare. '

Der A?)» Sonnemann befürwortete den An'irag, im Falle der Ablehnung des Antrags Loewe, di-n Zoll fur unbedruckte Filze, Strumpfwaaren und Yußdecken von 100 auf 80 „46. und für Unbedruckte Tuck): und . eugwaaren von 120 auf 100 «F6. herabzusetzen. '

Der Abg. von Kardorffsprack) gegen die AUtZsUhrungYn des Abg. Dr. Ds[briick, meinte aber, daß, nienn man auf die Re- gierungsvorlage znriickgreifen WOÜL, die Grenzs _an 1 mw statt 1/2 mm festgesetzt werden müsse. Er behalte sich vor, in dritter Lßsimg dieRegierung zm: Vorlßgiing einer umfassenden Enquete TWLr die Wollenindusirie, Wie sie Ubsr ÖLS_BÜUM= wollen: UUd Leiuenindustrie stattgefnnden habe, aufznsorderii, damit das richtige Verhältniß zwischen den Werthen der Waaren UUd den darauf gelegtenZöklen hergesteÜt Mrde. Er empfShle die Kmn1nissionsbeschlüsse unter Annghme dsr von dsm Abg. Richter (Meißsn) vorgeschlagenen Erhohung. ' ' '

Der Referent Abg. Dr. von Schatzß vertheidigte noch Zin- mal die KommissionsbesMüffe, da die Messting der Starke dex» Tuchs nicht zur richtigen Unterscheidung f1ihre„weil„1nan durch eine leichte Manipulation das Tuch so bearbettZU komze, daß es in dem Meßapparat dicker erscheine. _WEW die Regie- rung-Z-vorlage wiederhergesteüt werde, so verliere em Th§1l der Industrie den biHher genossenen Zollschuß von 120 «16.,wahrend er die erhöhten Garnzöüe zu tragen habe. ' '

Das Haus genehmigte darauf den Antrag Richtex (MEißen), den Zoll für unbedruckte Waaren von, 120 auf "130 „46 zu er- höhen, und mit dieser Aenderung die Vorschlage der Kom- mission, worauf sich dasselbe um 51/4 Uhr vertagte.

_ In der heutigen (73.) Sitzung dss Reichs- t ages, welcher der Präsident dss RUchskanzler-Amtép. Staats- Minifter Hofmann Und zahlreiche andere Bevollmächtigte zum BundeSrath und Kommiffarien desselben heiwobxiten, seßte daS HauH die zweite Berathung des Zolltqrifs Mit der Pos. 25 (Material- und Spezereiz auch Kondtiormaaren Und andere Konsumtibilien) fort:

Material- und Spezerei- auch Konditorwaaren und andere Konsumtibilien: &. Bier aÜerArt, auch Meth 100 kx? 4 „46, b. Branntwein aUer Art auch Yrrak, Rum, Franz- branntwein und verfaßte Branniroeine in Faffern und Flaschen 100 kg 48 „FH, 0. Hefe aÜer Art, mit ,AuSnahme der Weinhefe 100 1,9 42 (66 Anmerkung: Flüsfigé Bierbkfe, auf dersbawcxisckz- österreichischen Grenze von OberneubaUs bei Mellcck etiiicblüssig, auf der sächfisch-böbmischen Grenze links der Elbe, auf der badisch- scbweizerischen Grenze bei Oehninaen und der soaenannten Hört für den eigenen Bedarf der dortigen Benwhner in kleinen Mengen bis zu 30 Pfund einschlüsfia in einem Transporte 100 ];Z- 3 „F6, (1. ]) EMS aÜer Art in Fässern 100 ];Z 8 „66, 2) Ejsig in Flaschsn uud Kraken 100 kg 48 «16, 6. Wein und Most, aucb Eider, und künstlich bereitete Getränke nicht unter anderen Nummern des Tarifs begriffen: 1) in Fäffern eingehend“ 100 kg 24 „kü, 2) in Flaschen eingehend 100 kg 48 „66, f. Butter, aucb künstliche 100 kJ 20 «44 An- merkung zu f.: Einzelne Stücke in Menaen von nicht mehr als zwei Kilogramm, nicht mit der Post eingehend, für Bewohner des Grenzbezirkes, vorbehaltlich der im FaUe eines Mißbrauchs örtlich anzuordnenden Aufhebung und Beschränkung dieser Begünsti ung frei, 2. 1) Fleisch, ausgeschlachtetes, frisches und zu kreitetxs; Geflügel und Wild aller Art, nicht lebend; Flei1chextrakt, Tafelbouillon 100 kg 12 „76, 2) Fische, nicbt anderkveit genannt 100 kg 3 „46, 11. Früchte (Südfrüchte): 1) frische Apfelfinen, Citronen, Limonen,

omergnzen, Granaten und dergleichen 100](Z 12 „46; verlangt der

oÜpfltcbtige die Außzäblung, so zahlt er für 100 Stück 2.66 Im

aUe Der Außzablung bleiben verdorbene unverzollt, wenn sie in

egenwari von Beamten Weggeworfen werden; 2) Feigen, Korin- then, Rosinen 100 1:3 24 „ja, 3) getrocknete Datteln, Mandeln, Pomeranzen' und dergleichen 100 RJ 30 „46, j. Gewürze aller„Art, nicht besonders genannt 100 kg 50-46 Anmerkung zu i., Gewurzß zur Darßeüung ätherischer Oele auf Erlaubnißschein' unter Kontrole fret, 1x. Heringe, gesalzene, 1 Faß (Tonne) 3 «M Anmerkungen: ]) Gesalzene Heringe in nicht handelsüblicher Ver- pgckung werdnen rnit 2'c/Fß. für 100 kg verzoÜt. 2) Gesalzene He- ringe, 'zu Dunger bestimmt, nach vorgängiger Denaturirung frei, 1. Honig 100 W 3 «M„ 111. _1) Kaffee, roher und Kaffee-Surrogate (mtt AuSnabme von (Cickoorie) 100 kx; 40 „46, 2) Kaffee, gebrann- ter 100 kg 50 „46, 3) Kakao in Bohnen 100 kg 35 „16., 4) Ka- kaosckoalen 100 kk; 12 “FC, 13. Kaviar und Kaviar - Sur- rogate 100"1x§ 100 „xs, 0. Kase aller Art 100 ](J 20 „56, x). ]) Konfituren, Zuckerwerk, Kuchenwerk al]er Art, Kakaomaffe,

emablener Kakao, Chokolade und Chokolade-Surrogate; mit

ucker, Essig, Oe] oder sonst,'namxntlich alle in Flaschen, Büchsen und dergleichen„emgemacht„e, emgedampfte oder auch eingesalzene

rßcbte, Gewurze, (Zemuse und andere Verzebrungsgegensiände ( 'tlze, Truffeln, Geflugel, S'eetl) ere und dergleichen); zubereitete Fische, zubereiteter Senf; Oliven, Kapern, Pasteten, Saucen und andere ähnliche (Gegenstände des feineren Tafelgenusses 100 [(s 60 «Fl; 2) Obst, Sämereien, Beeren, Blatter, Blütben, Pilze, Gemüse, getrocknet, geback_en, epulvert, blos eingekocht oder gesalzen, alle diese Erzeugnifie, Soweit fie nicbt untxr anderen Nummern des Tarifs begriffen sind; Säfte von Obst, Beeren und Rüben, zum Genuß ohne Zucker eingekocht; frische und aetrocknete Schalen von Südfrüchten; unreife Pomeranzen, auch in Salzwasser ein- Yelegt; trockene Nüsse, Kastanien, Jobanniébrod, Pinienkerne; ge- :annte oder gemahlene (Cichorien 100 kg 4 „M, c]. 1) Kraftmehl,

Puder, Stärke, Stärkegummi, Arrowryot, Nudekn, Saxio und Sagosurrogate, Tapioka 100 kg 6 „F6 , 2) Mühlenfabrikate aus Getreide und Hülsenfrüchten, nämlich geschrotene oder geschälte Körner, Graupe, Gries, Grüße, Mehl, aewöbnliches Backwerk(Bäckerwaare) 1001g2ck6 Anmerkung zu 9. 2: Mengen von nicht mehr als 3 kg für Bewvhner dys Grenzbezirks, vorbehaltlich der im FaÜe eines Mis;- brauchs örtlich anzuordnenden Aufhebung oder Beschränkung dieser Begünstigung frei, r. Vinschel- oder Schaalthiere aus der See, als §Ilustern, Hummern, aussieschälte Muscheln, Schildkröten und der- gleichen 100 kg brutbo 24 „46, 8. Reis, geschälter und ungeschälter 100 kz; 4 „66 Anmerkung: Reis zur Stärkefaörikation unter Kon- trole 100 kg 1,20 „46, 'i. Salz (Koch-, Siede-, Stein-, Sessalß), sowie alle Stoffe, aus welchen Salz angeschieden zu werden pflegt 10014; 12,80 «16 Anmerkung: Salz, seewärts eingehend 10014; 12 «kö, ". Syruv, ?. Tabak: ]) Tabaksblätter, unbearbeitete und Stengel, 2) Tabaksfabrikate: «. Rauchtabak in Rollen, abgeroüten oxer ent- rippten Blättern oder geschnitten; Karotten oder Staiigen zu Schnuvstabak, auch TabakSmehl und Abfälje, )?. Cigarren- und Schupstabak, «. Thee 100 ]:“8 100 «66,

(Die Zollsäße fiir Zucksr und Syriip sind

die Zuckerbesteuerung betreffende (&er vom 26. Juni 1869 be- stimmt und betrageii von: 1) raffinirtém Zucker aUer Art, sowie Rohzucker, wenn leßterer den auf Anordnung des Bundesratbs bei den tmc!) Bedürfniß öffentlich zu beieichnenden ZoUsteUen nieder- zulegenden, nach Anleitung dés holländischen Standark Nr. 19 und darüber zu bestimmenden Mustern entspricht 100 kg 30 «66, 2) Robzuckcr. sorveit solcher nicht zu dem unter 1) «dachten ge- Hört 100 kg 24 M6, 3) Syrup 100 kJ 15 „76 Auflöwngen von Zucker, welchc als solche bei der Revision bestimmt erkannt werdsn, unterliegen dem vorstehend unter 2) aufgeführten Eingangßzolle, 4) Melasse, unter Kontrole der VSNVMÖUUZ zur Branntwein- bereitung frei).

Die Zökle fiir Bicr (11161? Art, auch Meth, 4 „46; Brannt- wein, Arrak, Rum, Franzbranxxtweiu 48 „46; Hefe aUer Art 42 (66; Essig in Fässern 8:66, m Flaschen und Kriiken 48 «76, wurden ohne Debatte genehmigt. .

Zu Pos. 0. beantragten die elsaß-[othringischen Abgg. Wintsrer und GM., den ZolT für Wein in Fässern an 12 646. herabzuseßen; sie motivirten diese Herabseßung damit, daß in den Reichslanden der Genuß der gemsinen Weine, von denen bedeutende Quantitäten aus: Frankreich importirt würden, ein nothwendiges Lebsnsbediirfniß geworden sei. Der Bunderommiffar Ministerial-Ratl) 01“. Mayr exxtpfahl da- gegen die Ablehnung dieses Antrages; es handle 11ch um den Schuß des einhsimischen Weinbaues sowohl gegenüber dem fremden Weinbau als auch gegenüber der 011§[ändisck)611 Kunstweinfabrikation.

Der Abg. Dr. Dslbrück bemerkte, daß die Erhöhung des Wsinzolles eine bedeutende Abnahme des Konsums fremder Weine in den Neicbslanden und dahér anch eins Abnahme der ZoÜerträgs zur Folge haben Würde. _

Der Abg. 131: Zinn bestritt, daß die Abnahme ÖGZ K0_n: sums eine so bsdeutßnde sein würde, daß die Zollerträge sick) nicht gegen die biSherigen vermehren würden. Er empfehls die Annahme der KommissionSvorsckUägL; dsnn schon der Weinzol! in der bisherigen Höhe „habe den JYport dex „kleinen“, billigen französischen WSWS 9116g6sch1916w Die vorgeschlagenen Zölls würden dem Wembay n1')t „nützen, wenn man nicht zugleich ein Verbot der Wemsabrikation er: gehen ließe. ' "

Der Abg. Richter (Hagen) erklärte, wenn man mcht 11er dis Wirkung des Zolles vollkommen klar sei, so soUe man lieber den Zoll nicht ändexn; die Erhöhung wiirdß wegcn der Abnahme des Konsums keine: Mehreinnahme zur Folge haben.

Der Bundßkommiffar gab zu, daß ein höhexer Zol1 ailex: dings die Weinfabrikation befördern würch, aÜem es [1699 m der Absicht der Regierung, dem durch die 111nereGesedebiing entgegeantreten. Auf eine Anfrage des Abg. R1§k€kt erklaris der BUndcskommiffar, daß der Vunde-Zrath noch mchi 11er 1316 Frage berathen habe, ob den Wein roßhändlern em Ra'hatt gewährt werden soUe. Nachdem no der Abg. ])r. Schrodsr (Friedberg) und der RefereUt Graf U50 zu Stolberg (Rasten: burg) für die Kommissionsvorsch1äge emgetretén warsn, wur: den dieselben vom Hause genehmtgt. _

Gegen den ZoÜ von 20 (66 auf 100 kg VU tier sprack) der Abg. Rickert, indem er ausführte, daß da: durch der Import künstlicher Butter, die von den armen Leuten genossßn werde, vertheyert, wiirde." Das Haus genehmigte jedoch diesen ZOLL,“ sonne, dLL Holle fur aus- geschlachtetes Fleisch 12 646; zubereitete Fische 3 646; Apfel- sinen, Citroncn 2c. 12 „F6; Feigen, Korinthen und Rosinen 24 «46; Datteln, Mandeln, Pomerqnzen u. dgl. 30 «46; Ge: Würze 50 «F6, zur Darstellung ätherischer Oele? unter KontrolXe frei; gesalzene Heringe pro Tonne 3 (46, M andererxVer: packung 2 «46 pro 100 ](Z' Heringe zum Dünger bestimmt, frei; Honig 3 „66 Bei chsuß des Blattes begann die De: batte über den Kaffeeon: 40 „46

_ Die in der heutigen Börs-xn-Beiiage abgik-ruckte tabellarische Uebersicht dcr Wock)611(111§1061s€ deutscher Zettelbanken vom 30. U. M. schll€§31 11:11 _fol-

enden summarischen Daten ab: Es betrug der gesammte Kas1en=

Jestand 712 664 000,66 oder 2 725 000 «46 weniger, der Wechsel- bestand dagegen 606 245 000 «F6 oder 32 586 000 (46 mehr als in der Vorwoche; es zeigten ferner die Lombardforderungen mit 100882 000 «F6 eine Zunahme von 25 593 000 „F6, und der Notenumlauf mit 932 462 000 «46 eine solche 'von 65 236 000 „46; endlich ergaben die täglich fälLigen Verbind: lichkeiten mit 2 16 395 000 «16 eine Abnahme um 9 781 0005/46, und ebenso die an eine Kündigungßfrist gebunpenen Verbmp: lichkeiten 41 922 000 „F6 oder 29 000 «46 weniger gegen die V0rwoche.

_ Der General=Postmeister Dr. Stephan hat eine Er- holunchreise nach der Schweiz und Jkalien angetreten.

_ Der General:Lieutenant von_Dannexiber_g, Com: mandeur der 2. Garde-Jnfanterie-Diviston, hat sick) tmt Urlaub nach Teplitz begeben.

Bayern. München, 5. Juli. (W. T. B.) Se. Majestät der König hat den Landtag auf den 16. Juli einberufen.

Oesterreich-Ungarn. Wien„ 3. Juli. Der" vom Finanz-Minister am Schlusse des yortgen Quartals vexoffenx: lichte Ausweis über den Steueremgan hat bekqnntltch mit einem bedeutenden Mebreingang angsch offen. Wie nun die „N. Fr. Pr.“ erfährt, lieferten die Steuereinnahmen auch im zweiten Quartal des Jghres 1879 em „sehr be: friedigendes Resultat und zeigen ein Plus sowohl im Ver: gleich mit dem Voranschla e des laufenden Jahres, als auch im Vergleich mit dem 5ketto:Ergebmsse der entsprechenden Periode des Jahres 1878.

_ 4. Juli. (W. T. B.) Die „Polit. Korresp.“ meldet aus Konstantinopel: Die Verhandlungen wegen der Aufhebung des: Fermans vom Jahre 1873 dauern fort. Die Westmächte machen Vermittelungsvorschläge, die weniger auf eine sachlich? Korrektur, als vielmshr auf _eine solche in der Form abzielen. _ Die wie_dex[)01ten Verstehe: rungen des Sultans, daß er nicht beabsichtige, Mahmud Nedim Pascha in die ngierung zu berufen, wirkten be- ruhigend. Die Abreise Mahmud Nedim Paschas wird füx nächste Woche erwartet. _ Die Ernennung Karathsodoxi Paschas nnd Munif Paschas zn Bevoümächtigten für Die Grenzverhandlungen mit Griechenland steht bWor; cin bezüglicher Antrag des Kabinetts ist dem Sillian znr Sanktion unterbreitet wordkn.

_ 5. Juli. Einschließlich des Ergébnisses des:; gestrigsn Wahltages sind auf 353 zu wählendc „Ab: geordnete 266 gewählt. Hiervon gehören 136 Gewählte den liberalen und 130 Gewählte den konservativen und den nationalen Partßien an. Die Libsralen haben 33 Siße ver: loren. _ In dem steyerischen Wahkbezirke Léibniß wird kom: menden Moxitag zwischßn dsm K111tu§-Minister 0x. Stremayr und Dr. Magg eine Stichwahl stattfinden. _ Di? verfassmigéo: treuen Großgrundbesißer Niederösterreich§ haben nach Ab- lehnung des Antrages, Lin Kompromiß mit denKonservativen einzugehen, die Kandidatenliste dé?- verfaffUngstreUsn Wahl: comiti-H angetiommen.

Belgien. Briisssl, 4. Juli. (W. T. B.) Die No: priiscntantenkammsr hat die vier erston Artikel OLS Ge- seßcntmurfs gsnchmigt, 111910)in zur Verhinderung von Un: gesßßlichkeiten 061 den Wahlen die Gesetze Über die porsön: lichen Abgaben, sowis dis Gesetze ÜbLi'ÖicÜZahléU VLPsÖiEdLUSU ARWLkLlUgSU unterzieht. Die Annahme des ganzen Geseß: entmiirfs gilt jsHt «[Z gsfichcrt.

Großbritannien und Irland. London, 3. Zilli. (A(lg. Corr.) ZHW Majestät die Königin empfing vorgexwrn Se. Königliche HOHLÜ den Kronprinzen von Schw 613817.

Kardinal Newman ist von Rom nach England zurück: gekehrt.

Zn Portsmouth ist der Beschi Eingegangßn, disgegen- wäi'tig im Hafen liegendén drei indischen Truppen: schiffe „SErapiS“, „Crocodile“ imd „Malabar“ s6600161t_511 halten. Dis Befehle laUtM dal)i11,daß die Schiffs für „061011- deren Disnst“ erforö-krlicl) sind. Man glaubt, das; sik entwedßr wsiterc Verstärkungen nac!) Natal befördern oder die am afghanischénKriege bothsiligten Truppen zurückbrinxisn1verden.

_ 4. JUli. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung dss Oberhanses erklärte der U11ter-Staatssekr9tär der Koloniexi, Cadogan, auf Eine Anfrags Lord Kimberley's: soweit die Nachrichtsn rsichten, hätte CLTLWÜUO noch Nichts 11901,fo Abschlusses eines definitiven Friedens gethan. EimeDeysxch des GONGWls Chslmsford vom 6. Jimi WSWS: „dl? pon Cetewayo abgesandtcn BOKU ssien am 63010 Mit eiiier Botschaft an ihn zuriickgßgangen, in welcher ein sofortiger BßweiS dafiir gcfordcrt werde, daß Estewayo ernstlich den Frieden wünsche. Als Bsweis wsrde die Heraxtsgabe der er- bsuteten Kanonen Und des erbeuteten Viehcs erwartet; außerdc'm solle Cetewnyo aber auch das Versprechen geben, die erbeuteten Waffen den Engländern wieder zuzusteüen. FErticr solle ein ngiment sofort in das englischs Lager kym- men und dort als Zeichen dsr Untsrwerfung die Waffen niederlegsn. In Erwartung dsr Antwort Cstewayo's sLWU alle militärischsn Operationen eingestellt worden. Sobald (Totewayo dieseBedingungen kaÜÜt habe, wiirden aÜe Féindseligkeiten während der Unterhandlnngßn iiber den definitiven Friedkn aufhören. _ ' _

Jm Unterhausc erwiderte aux €111€_A:11ragc,L0rd Elcho's dcr Llntsr-Staatssekretär Bourke: _(xs habs z1mschen England und der Pforte sin Schriftwechssliiber eine bessere Verwaltung Syrien5 stattgsfixnden. Midlx-at Vasiira habe der Pforte in dieser H111s1ck)t_ verschicdene RLfOkMM vorgeschlagen, darunter auch 81110 größer; AUHdeh: nung der Befttgnisse dss) Gouverneurs von Syricn. Die Pfortc hab? den meisten dieser Vorschliiac zugestnmxit. Weiter erklärte Bourke (Holdsthmid gégéniiber: Der Schristivschsel iiber die Absetzung des Khedive 001101"? noch fort, dcs- lmlb sei es Ujithmilick), denselben ]th vorziilegqxi.__ _ Chaplin beantragte die Einseßung einer Komumsmon zur U11tcrsnchung dcr Nothlage dsr Landwi'rtl): schaft behufs Abhiilfe dersslben. Der Antragsteücr fiihrte bei Begründung seines Antrages cms: er . wolle zwar nicht behaupten, daß dicse Nothxage dem Frsihandek ohtxs Gegenseitigkeit znznschreiben sei, dock) stei)e__cs fest, das; die Versicherungen und Weissagungen (Tohdens iick) m_c_l)i bewahr- heitot hätten. Die anderen Länder sLiLU dknz Verypxele Eng: lands nicht gefolgt. Es dürfe nicht iiberraichcn, dasz nian an der Weisheit einer Politik zwoifele, welche mcht den Freigandel, sondern einen zu _Gunsxcn Yiizerer Nationen beschränkten FreihandelNeschafxcn haben ;xrgher oder später 11111172 dic auswärtige Konkurrenz Zmpsmd: lich für die Landwirthschast wcrden. Macdufs bean- tragte ein Amendement, dahin gehend, die Untersuchung auf den Einfluß der Gesetze Über 11911 Großarqudbefiß zu beschränken. Im Laufe dsr Debattx», bekampfte Bright ener: gisch das Monopol des Grundbesißes. Lord San'dozi gab die große Nothlage der Landwirthschast zu, chch 'sLL dieselbe keincswegs eine universelle. Zn Englazid sei dte_selbe dem Zusammentreffen einer Anzahl 11119l11ch11ck)€k_ Umstande zuzu- schreiben; die Regierung habe stets fUr die Interessen ,der Landwirthschaft gesorgt. Die heantxagte Untersuchuxig würde eine umfassende und genaue sein um _en;' da abeyeme sol'che verlangt werds, könne die Regierung ie mihi verweigexn. Enie Ausdehnung derselben auf den Handel sei urxzulafstg. Die Regierung werde dafür Sorg? tragen,„ daß in der Unter- suchungskommission auch, die Pachter genügend vertrexen seien, Der Führer der Opposition, Marqitis von Haxtmgtkon, sprach gegen die Schutzzölle und befürwqrtexe eme radikale Modifizirung der Bodengeseße. DeIhalb set eme; Untersuchung erwünscht. Dcr Schaßkanzler Northcote erklärte: eme Uti- tersuchung sei deshalb erwünscht, WSll die Idee siaxk verbrei- tet sei, daß die Ursachen der Nothla e b'ald beseitigt werde_n könnten; es sei nicht zu fürchten, da?; die Untyxuchupg die Lehren des Freihandels adschwächen werde;" die e se1611 3111,“ Wahrheit eworden. Der Schaßkanzler bekamxste fchlteßlxch die Bemerungen Brights bezüglich der Bodenge eße, da ine- selben geeignet seien, Unheil zu stiften. Der Antrag Chaplins wurde hierauf ohne AbstimmunF2 ang_e1to_m men.

_ 4. Juli. (W. T. V.) ach h1e_r eingegangenen Nach: richten aus Capetown, vom 15. um, yerlautete dort, daß mit Cetewayo ein 14tägiger Wa fensttllstand geschlossen