1846 / 166 p. 3 (Allgemeine Preußische Zeitung) scan diff

deni verliest die Uebersicht der Vertheilung dieser Summe auf die einzelnen Posten. Herr Durand de Romorantin erhebt sich gegen die 93,000 Fr. fiir das Personal der Central-Verwatung. Der Kriegs-Minisier rechtfertigt diese Ausgabe durch Aufzählung der Leistungen der Beamten der Civil-Verwaltung. Herr Durand de Romorantin bemerkt, die Summe sei höher, als die des „Vor- jahres. Der Berichterstatter, Herr Dufaure, rechtfertigt dieErhöhung durch die Vermehrung der Civilgeschäfte. Herr Berryer regt vo„n neuem die Colonisations-Jrage an und verlangt, daß, da dre Coiom- sation nicht exiftire, auch die dafür angewiesene Summe gestrichen werde. Der Berichterstatter: Man bestreite nicht die Nothwen- digkeit der Colonisation. Die für die Civil-Verwaltung nöthrgrn Fonds verweigern, hieße aber die Colonisation unmöglich machen fiir Gegenwart und Zukunft. (Rufe zur Abstimmung.) Das Kapitel wird angenommen. VeiKapitel9, „Sold und Unterhalt der Trup- pen“, macht Herr Desjobert die Unvereinbarkeit der Militair- Colonisation mit dem Zustande der Militair-Geseßgebung bemerklich. Sie sei zu verschiedenen Epochen anerkannt worden. Wie es also komme, daß der Herr Kriegs-Minister in seiner Auseinandersesrmg dies nicht berücksichtigt, von der Militair-Coionisaiion wie von„emer ordentlichen Maßregcl gesprochen habe? Man könne die Arbeit des Soldaten für die Colonisation nur kraft einer Abänderung des Heer- Ergänzungs-Geseßes fordern. Der Kriegs-Minisier; Es gebe Arbeiten, wozu die Soldaten immer verpflichtet waren. Wären noch andere hinzuzufügen, so wiirde ein Gesey an die Kammern gebracht Werden, die alSdann darüber entscheiden würden. Das Kapitel wird angenommen. In Betreff des Kapitels, die Remonte betreffend, spricht General Oudinot über die Erschöpfung der Kavallerie in Afrika. Es herrsche dort kein Verhältniß zwischen der Ju- fanterie und der Kavallerie. Diese sei zu gering, nicht |““ genug. Der Kriegs-Minister: Alle Posten der Kavallerie seien wieder ergänzt worden in Afrika. Das Kapitel wird angenommen. Bei Kapitel 30, Seediensi, 305,000 Fr., schlägt die Kommission eine Reduction von 200,000 Fr. vor, welche vom General Delarue, als Commissair des Königs, bekämpft wird. Man müsse Küstenschiffe haben, die Marine könne sie nicht immer liefern. Zwei Schiffe seien nöthig zur regelmäßigen Ueberwachung der Küste. Der Bericht- erstatter: Voriges Jahr habe man nur ein Schiff verlangt, das- selbe für genügend erklärt; kaum ist dieses ferti , so verlangt man ein zweites, Herr Mauguin: Selbst zwei chiffe seien unzurei- chend; „aber der Marine-Minisier habe die nöthige Zahl zu stellen. Den Kriegs-Minisier gehe! der Ankauf oder der Bau von Schiffen nichts („m. Der Marine-Minister: es handle sich um Schmuggel UNd Zölle. Stets habe das Finanz-Ministerium mit diesem Dienst sich befqßi. Da aber in Algerien das Kriegs-Minisierium vorwie- gkxld ser, so finde er es auch angemessen, daß dieses sich mit diesem Dienst befasse. Der Finauz-Minisier: es werde an der Küste von Algerien geschmuggelt. Für die Ueberwachung der Küste sei ein besonderer Dienst nöthig, Zwei Schiffe seien nicht zu viel für Ueber- wachung eines Küstrnsirichs von 250 Lieues Länge. Herr Estan- celrn weist den beträchtlichen Schmuggel an der afrikanischen Küste nach, der mit Handels-Artikeln, Pulver und Waffen getrieben wird. Es mirffe also thärige Ueberwachung stattfinden. Der Bericht- erstatter besteht auf Verweigerung des verlangten Kredits. Die Styung dauert noch fort.

In der Pairs-Kammer verlas der Graf Roy gleichfalls zu- erst den Bericht der Kommission für Beaufsichtigung der Schulden- Tiigungs-, Deposiien- und Aufbewahrungs-Kasse. Auf Verlangen wird der Druck und die Vertheilung dieses Berichts ar„1„geordnet. Die Diskussion des Gcseßes über die Eisenbahn von Dixon nach Mülhausen ist an der TageSordnung. Der GeneralVaudrarrd stellt allgemeine Betrachtungen iiber den GescH-Entwurf der Regre- rung an, untersiüßt denselben vom strategischen Gesichtspunkte aus, tadelt aber die Richtung der Bahn durch das Thal des Doubd, welche dagegen von drm-Berichterstatier, General Henry, verthet- digt wird. General Gourgaud entwickelt die Gründe der Kom- mission fiir Annahme der Richtung durch das Doubs-Thal. General Dode de la Brunerie kündet an, daß er die technische und öko- nomische Frage bei Seite lassen und nur die militairische besprechen

wolle. Postschluß.

Der Herzog von Aumale ist am 4ten an Bord des Dampf- schiffes „Tiian“ von Algier nach der Westküste von Afrika abgereist, wird aber, wie es scheint, nicht lange dort aufhaiien und sodann die Reise nach Neapel antreten, _um dort einen Besuch bei seinen Königlichen Verwandten am siciliatrijchen Hofe ab- zustatten. Der Marschall Bugeaud war im Augenblick des Abgangs des Paketbootes „Elbe“ von Algier nach Marseille am„ 5ten nor!) nicht nach Oran abgegangen, doch sah man s-iner Abreise noch fur diesen Tag oder spätestens fiir den folgenden entgegen. Zu Oran wird er mit dem Herzog von Aumale wieder zu- sammentreffen. Seine Abwesenheit von Algier wird sich schwerlich iiber vierzehn Tage verlängern. Auch General Jussuf war zu Algier eingetroffen, um dort nach den Strapazen des langen Feldzuges, den er durchgemacht hat, einiger Ruhe zu genießen. Alle Chefs der Stämme des Südens der Provinz Algier waren gleich- faUs zu Algier angelangt. Unter ihnen befindet sich auch der Kaltfa von Laghuat, der während des lebten Aufsiandes durch seine Treue der französischen Sache große Dienste geleistet hat. Die meisten Anderen, welche zugleich mit ihm angekommen sind, hatten während des Aufstandes sich an Abd el Kader angcschlossen. Nun haben sie zwar dem Herzog von Aumale von neuem sich unterworfen, auf wie lange und ob ernstlich, ist freilich noch ungewiß, Sonst enthalten die mit dem oben genannten Dampfbooie eingetroffenen Nachrichten durch- aus nichts von Bedeutung.

Großbritanien und Irland.

London, 12. Juni, Im Oberbause kam gestern die Kom- Bill wieder an die Reihe. Dem ministeriellen Anfrage, daß das Haus sich in den Ausschuß zur Berathung iiber die Bill verwandeln möge, trat im Namen der Protectionisien Lord Sianhope auch auf diesem Stadium wieder mit dem Amendament auf Vertagung über sechs Monat, d. h. auf Verwerfung der Maßregel, entgegen. Lord Wicklow, die Herzoge von Buckingham und Chandos, so wie Lord Colchesier, sprachen für das Amendement, Graf von Essex und die Lords Radnor, Lytteldon und Howden fiir die Bill. Auf das wiederholte Argument der Lesteren, daß das ganze Land für freienHandel sei, entgegnete der Herzog von Buckingham: „Warum giebt man dann dem Lande nicht Gelegenheit, dies durch eine allgemeine Wahl auszusprechen?“ Die Debatte wurde nach der Rede des Lord Howden vertagt.

Großsüksi Konstantin wollte zu Porwmouib nicht eher landen, als bis er mit Baron Branow sich besprochen, der, durch den Elek- no-Telegraphen von seiner Ankunft unterrichtet, einen Courier ab- sandte, nach dessen Eintreffen der Großfürst aus Land stieg und von dem Admiral und den Capitainen des Hafens auf das glänzendsie empfangen wurde. Der Großfürst nahm an dem Bankett Anibeil, das der Admiral dem Geburtstag der Königin zu Ehren veranstaltet hatte. Nach London scheint Se. Kaisers. Hoheit nicht kommen zu wollen. Das rnssrscheGeschwader wird jedoch, wie verlautet, bis zum

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20sien d. bei Spitbead verweilen, da der Großfürst die Arsenäle und Häfen aufs genauesie zu besichtigen wünscht.

Es heißt, daß Sir Robert Peel, sobald er den Lasien seines Amtes enthoben wäre, nebst seiner Familie eine Reise nach dem Kon- tinente antreten wolle. Einen Beweis des nahen Sturzes des Peel- schen Kabinets sieht übrigens die Morning Post in dem Umstand, daß zwei der neueren Mitglieder der Staatsverwaltung, nämlich Herr M. Cripps, einer der jüngeren Lords des Schayes, nnd Herr H. Fiyror), einer der jüngeren Lords der Admiraiität, bei der lehren Abstimmung über die Armen-Ausweisungs-Vill gegen das Ministe- rium gestimmt haben; die Morning Post vergleicht diese beiden Mitglieder mit den Ratten, von denen es heißt, ihr Instinkt bewege sie, dem Einsturz nahe Häuser zu verlassen.

Die Daily News bemerkt, sie könne aus guter Quelle die Mittheilung machen, daß der Herzog von Wellington binnen ganz kurzer Zeit seine Entlassung nehmen werde, selbst wenn die jeßige Regierung nicht, was man jedoch mit Bestimmtheit erwarte, in we- nigen Tagen sich auflösen sollte. Trete dieser Fall ein, so werde der Marquis von- Normanby an die Stelle Lord CowleXs als Botschaf- ter nach Paris gesandt werden. Die Morning hronicle sagt, es scheine, als wolle Sir Robert Peel bei der irländischcn Frage austreten; daß die liberale Partei sowohl wie die Schuvpartei dawider sei, wäre ja längst bekannt gewesen. Die Weekly Chronicle wundert sich, daß Sir Robert daran ver- zweifle, den kurzen Resi der Session, der noch übrig bliebe, nicht durch- führen zu können, Indessen scheine es, daß er wirklich ehestens ab- zutreien geneigt sei, indem seine Niederlage in der irländischen Zwangs- bill oder der Zuckerzoll-Jrage fast gewiß sei. Der Globe bemerkt, daß man nichts Bestimmtes iiber Sir Robert's Entschluß wisse; er selbst nur könne entscheiden, ob und wie lange er noch im Amte blei- ben wolle, um sich abwechselnd von Parteien untersiiisen zu lassen, „dieß sich feindlich gegeniibersiändrn und für ihn keine Anhänglichkeit be- a en.

Der Globe sagt in seinem Börsen-Artikel: „Lord Aberdeen hat auf die umsichtigen und rechtzeitigen Vorstellungen des südame- rikanischen und mexikanischen Vereins eine rasche und, wie wir wohl mit Recht behaupten diirfen, sebr befriedigende Antwort rrtheilt. Er äußerte darin (wie schon erwähnt), daß die Regierung sehr wohl cinsehe, welche Uebelsiände dem zwischen Nord-Amerika und Mexiko leider eingetretenen Brache folgen müßten, und welchen Nachtheil die britischen Interessen dadurch erleiden könnten. Der Verein dürfe sich daher zuversichtlich darauf verlassen, daß die Regierung den Fortgang der Ereignisse mit äußerster Aufmerksamkeit überwachen und sowohl bei den Vereinigten Staaten als bei Mexiko keine Gelegenheit unbe- nußt lassen werde, um durch ihre Vermittelung die entstandenen un- glücklichen Streitigkeiten zu versöhnen. Die levten aus Ncw-York eingetroffenen Nachrichten scheinen auch wirklich zu beweisen, daß un- sere Regierung auf der Hut ist, indem Herr Pakenbam, wie gemeldet wird, bei der Regierung zu Washington gegen die Störungen und Gefahren protestirt hat. welche dem britischen Handel und den bri- tischen Unterthemen aus den kriegerischen Demonstrationen zur See erwachsen müßten. Welchen * Erfolg dieser Schritt haben wird, läßt sich noch nicht sagen; die einflußrrichsien Männer der City sind jedoch fortwährend der Ansichr, daß der Krieg ver- bältnißmäßig nur kurze Zeit dauern werde. Die Berichte aus Vra- silien und vom Platasirome, welche endlich angelangt sind, haben wenig befriedigt, da allem Anscheine nach in Montevideo ein höchst be- iriibender Zustand der Dinge eintreten wird, wenn nicht die verbün- deten Mächte eine„kräftige Regierung dort einsehen. Dies wird auch nach Beendigun des Kampfes mit Buenos-Ayres noch in gleichem Grade nötbig ein, falls Montevideo nicht den schlimmsten Wirren verfallen soll. Die englischen Fonds sind in Folge der Nachrichten aus den Vereinigten Staaten und aus Mexiko und bei der fortwäh- renden Befürchtung eines Ministerweihsels, welche durch die Debatte im Unterhause iiber die Zwangöbill eher gesteigert als vermindert worden ist, abermals etwas gewichen.“

Nach Berichten aus Otaheiti in englischen Blättern waren 500 Franzosen bei einem Angriffe auf die benachbarte Insel Huahine von den stark verschanzten Eingeborenen, die, etwa 2000 Mann |ark, von Engländern und Amerikanern angefiihrt wurden, mit Verlust von 50 Todten und vielen Verwundeten zurückgeschlagen worden.

Nach dem Bericht der Evening-Mail über die leyie Versamm- lung bei Lord I. Russell schienen O'Connell und die Repeal-Partei sich mit den Whigs verbunden zu haben. O'Connell erhob dort Lord I. Russell's Verdienste und sprach davon, daß eine wirkliche Union, dieselben Gesehe, dieselben Freiheiten umfassend, zwischen Großbrita- nien und Irland nothwendig sei.

Belgien.

Brüssel, 12. Juni. Der Senat hat gestern das Budgetdes Innern einstimmig angenommen. ,

Der Kardinal-Erzbischof von Mecheln isi gestern nach Rom ab- gereist, um dem Konklave beizuwohnen.

“1-1- Brüffel, 11. Juni. Die Grundsähe, welche die Regierung bei der Diskussion des so wichtig gewordenen Gescßes iiber den mitt- leren Unterricht zu befolgen gedenkt, sind von dem Minisierdes In- nern der mit der Redaciion eines Entwurfes beauftragtenCentral- Section mitgetheilt. Bei den Debatten, welche vor länger als einem Monate die Bildung des neuen Kabinets betrafen, batte sich_der Mi- nister entschieden geweiqert, die vom Kabineite über diesen Unierrichts- zweig angenommenen Prinzipien den Sectioneu der Kammer mitzu- theilen. Als aber von dieser die Central-Srction im liberalen Sinne konsiituirt worden, hat es offenbar der Minister für kluggehaiien, um nicht durch die Opposition_ zur Annahme von liberalen Prinzipien gezwungen zu werden, einen Theil derselben zu den srini „eu zu machen„ und dieselben, so sehr sie auch den bisher von der kath „ascher: Partei aufgestellten Grundsähen entgegen sind, als TranEactron n„1 Vor- schlag zu bringen. Das minijierieile Projekt enthält daher viele Ve- siimmungen, welche in dem bekannten Entwurfe Vandeweyerxsden liberalen Geist bezeichneten. So sollen jeht anéiait drei Königlicher Athenäen (vollständige Kollegien), wie das riihere„*Projekt „war, zehn, eines in jeder Provinz und in Tournay, errichtet und von der Regierung unterhalten werden; *die geistliche Behörde soll darin den Religions - Unterricht [geben lasen; wenn jedoch dieselbe wegen unannehmbarer Bedingrmgen ihren Beitritt verweigert, so soll nichtsdesioweniger das Athenaum_erhalten werden. Die Opposition wird hier ohne Zweifel die Bedingungen zur Erörterun bringen, die gestellt und nicht an enommen werden könnten. Gleicherweise wird sie die Hebung einer Fweideuiigkeit ver- lan en, welche über den wichtigsten Punkt, der die Spaltung in dem vorßergehenden Kabinet veranlaßte, schweben geblieben ist. Van- deweyer hatte verlangt, daß den Städten untersagt werden sollte, ihre Kollegien der geistlichen Behörde zu übergeben oder mit dersel- ben Verträge abzuschließen, wodurch ihr, offen oder versteckt, die Er- neunung der Professoren eingeräumt würde. Das jeßigrminisierielle 5Fi,)roji'l't scheint einen Mittelweg einschlagen zu wollen, ergeht sich aber in der That nur in einer Zwerdeuti keit die verschwinden muß. :- benfalls i| aber dieses ministerielle lBro ekt eine bedeutende Konze! on

an die liberale Meinung, und der Münster hat dadurch Wort gehal-

' Breven und anderen Kurialien übergeben,

ten, daß er bis an die äußerste Gränze dieser Meinung entgeg, men würde. Der große auf den 14.Iuni zusammenberufeueliberaleKon

zu welchem gegen 50 größere oder kleinere Städte Deputation"1

den, unter denen sich die bedeutendsten Namen des Hande[s„ dustrie-, Gerichts- und Advokatenstandes befinden, beschäftigt“ während die aUzemeine Aufmerksamkeit. Mögen nun gleichvie, ner die Gefahr wie die Freunde den Nasen sich zu groß „U|, so ist doch eine solche Zusammenkunft von mehreren hundert litäten des Landes, um sich über die Mittel zur Bekämpfung Ansprüche der Geistlichkeit zu verständigen, ein Ereigniß, das- ohne weitere politische Folgen sein kann. Der positive Zwch betalen Kräfte des Landes zu organisircn, wird sicher|[ch, erreicht werden, da dieselben nach zu verschiedenen gen hin audeinandergehen und selbst schon unter“ , Streife sind. In Lüttich bekämpft der sogenannte jung„e Lib “„ oder Radikalismus den alten, in Brüssel sucht ein Therl aujy" ten Stamm drs Liberalismus ein sozialistisches Reis zu„ pfropje,1 die eigentlichen Liberalen selbst theilen-sich auch noch in viele cen, die Üch, Wenn auch nicht in den Prinzipien, doch durchp KlugheitSmaximen noch verschieden abgränzen. Dre Frage, , Kongreß hauptsächlich beschäftigen wird, isi, ob ein Programm ler Prinzipien aufgestellt werden soll. Die extreme und N"auce besteht mit Heftigkeit darauf, weil sie wohl weiß, d" gewöhnliche Liberalismus nur abstrakte, einseitige Grundfis- stellen vermag, aus denen sie dann die einseitigen radikalen quenzen zu ziehen gedenkt. Der gemäßigte Theil, welcher,“ glauben, die große Majorität bilden wird, weist mri Rechtdarch daß die Prinzipien durch die Verfassung festgestellt sind und- nur um die Verständigung der praktischen Maßregeln und ** handle, welche zu einer besseren, den Prätensionen der G" entgegengeséßicn Ausführung derselben erforderlich sind. Wahxsch' Werden diese praktischen Maßregeln in eine AriProgramm gebrachtw Der Kongreß wird nur einen Tag dauern. Die Leiter haben eingesehen, daß ein längeresZusammensein einer solchen Versam- die Gemüther innerhalb und außerhalb derselben zu sehr würde. Am wiinschenswcrtbesten wäre es freilich gerveirr,. durch eine umsichtigere Politik eine solche Versammlung Vermieden worden wäre. '

Die Handels-Convcniion mit Holland soll, wie versicheri „' abgeschlossen sein; die einzelnen Artikel sind noch unbrkannt.

Große Festlichkeiten werden für die Eröffnung der P», Brüsseler Eisenbahn am 15. Juni vorbereitet.

Italien.

Rom, 4, Juni. (A. Z.) Hinte Vormittag wurden die' schen Urberrcste des verstorbenen Papsies aus der sixtimichen K*„ nach der St. Peterskirche gebracht, Die hier anwesenden Kurd viele Bischöfe und“*Prälaten folgten der Leiche, welche, (1023 gekleidet mit der Mitra auf dem Kopf, die Haupttreppe (Zcu[z„ heruntergetragen wurde, Das Kapitel Von St. Peter, „M Sängern voran, zog, Trauerhymnen anstimmerzd, durch„„das m lier aufgestellte Militair in die Kirche, wo auf einem erdohtenP beit in dem Mittrlschiff der Entschlafenene auögesirlit wurde. N der Trauergesang-beendet und die Absolution ertherlt war, wur Leiche nach der Sakrament-Kapelle gebracht, wo sie nun „bis Abend des dritten Tages stehen bleibt und sodann feierlich em wird. Die große Kirche und Vdrhalle waren so voll Mc-n/rük, man'hfke nicht leicht, selbst ber den hbchsieu Festen, «7,549- men at,

Kurz vorher, ehe die Leiche nach der St.Peters-Kirche Zrdr wurde, begab sich" das Kardinals-Kollegium in den Saal an ménii vor der Kapelle Sixtus' "i., um die erste, das Konilave leitende geheime Congregation abzuhalten. Der Congregattons- cretair las der Versammlung die Consiiiutionen Gregor's x., lius' ]l., Pius'17., Greg'or's AU., Urban's Al]. und Klemens' iiber die Neuwahl des Summus Pontifex, und wo? für „das Ko„ zu thun sei, bei verschlossenen Thiiren vor, und sämmtliche Kgr

wurden Von ihm für strenge Beobachtung aller einzelnen Beßi

gen beeidigt. Hierauf ward der Jischer-Ring zerbrochen,„ebe1„i Siegel für die aposiolischen Bullen und die Siegel fiir die pay auch der Gouvernn Rom neu bestätigt und zwei Kardinäle fiir die Einrichirmg dei klave in dem päpstlichen Palast auf dem Quirinal deputiri.„ Dt Todtenmisse wird der Kardinal Macchi fiir das Seelenheil *,

ewigkenOberbirteri der katholischen Kirche morgen m der St,

, Kirche Unter Assistenz des gesammten höchsten Klerus celebrix

Das Kardinals-K'ollegium zählt in diesern Augenblick, :! so eben erschienenen Staats-Kalender des päpstlichen Staaw,6 glieder, nämlich sechs Kardinal-Bischöfe: Micara, Macchi, La chini„Ostini, Castracane, Mattei; 48 Kardinal-Priesier: O" Gaysruck, de Cienfuegos, Jranzoni, Barberini, Serra-Cassqno, nola, Morrico, Brignole, Patrizi, Alberghini,Polido„ri,„Tadiui„,U della' Genqa, Amat, Mai, Soglia, Falconieri, Oriolr, Tostr, fanti, de Angelis, Siercky, Ferretti,'Acton, Pignatelli, Masta Tour d'Auvergne, Pianetti, Vannicelli, Altieri, de Bormld, Garza, 6. zenberg, Corsi, Villadicani, Zgnazio Cadolini, Antorno Cad„olm„*,A Cagiano de Azevrdo, Clarelli, Caraffa“ di Traetto, Srmonctti, Prro, Bernet, Sisto, Riario-Sforza; 8 Kardinal-Diakonen: Tomaso , Sforza, Vernetti, Galozzi, Fieschi, Giacchi, Ugolini, Ma„ssimo,SM/é“““ Kardinäle sind in Rom anwesend, 17 befinden sich m„ dexZPwW) in den anderen italienischen Staaten leben 8 Kard-inirle,„m W gen Staaten Europa's, und zwar in Spanien einer, “„U" 111

ien, drei in Frankreich, einer in Deutschland und einer 111 o LZion den durch Papst Pius 711. krcirten Kardinälen leben no sieben von Leo )(]1. und von dem zulrßt verstorbenen „“i Im Ganzen hatte Leßterer 75 Kardinäle kreirt; während [""“ gierung starben 65 Mitglieder des heiligen Kollegiums, GUS" war in der Reihesolge der Päpsie der 258ste. .

Der an die Stelle des hier verxorbenen „Baron Ladd“ Buch zum Köni lich Preußischen au erordentlrchen Ges“"„ bevollmächtigten Hiim'sier beim päpstlichen Stuhl ernanntez herr von Usedom befand sich am Todestage des Papstes ' * und wird heute Abend hier erwartet, "

Aus Ancona berichtet man, daß vierzig „Persot1en-„,ö"„.., vom Militair, durch die Polizei verhaftet und m,„dre Gesangk Festung abgeliefert worden sind. Von hier aus ist Befehl “m? einen Garnisonwechsel in allen Städten der Provmz "Mo *5_ Dem hiesigen Militair isi von dem Kardinal CaFyEklkns Sforza bei dem beschwerlichen Dienst eine ddppelte Lohnuns te der 56111“, meante zuertheilt. In der gestrigen Abend-Cok'eg der Kardinäle ward der Vorschlag gemacht, „den Monskixk'"r als General-Commissair fiir die dier Legatroneu nach Bärin“ den Monsignore Grasseliini in lercher Eigenschafr nachd, „„.-- Pesaro zu senden, mit Vollma t, m keiten Pryvmzen „W„ macht und die Polizei-Verwaltung zu eiten, wahrrnd Milk waltung der Kommunal-Behörde anvertraut werden so Ari, daß ein Mitglied jeder skädiischen Bebörde„nacy den nannten Hauptorien zu senden wäre, wo Fich- dre ““Zw- ,. konzentrirm hätte. Der Vorschlag soll an eme Opp"

-nrn. '

,', an in der heutigen Versammlung schwerlich, zu„ überwinden hdürfte.chDiexe Maßregel mag etwas einem consirtrrnonellen Zu- ...vm'ß gleich ehen, daher Manche glaubxn, es ware das rechte „|, um die Gemüther in den Provinzen bis zur Wahl des neuen zu beruhigen,

, Das Journal des Débais enthalt Nachstehendes iiber Ceremonien beim Ableben eines Papsies und bei der Wahl sei-

Rachfolgerö: Der Tod des„ apstes und die Wahl seines Nachfolgers sind „'ichnge Ereigm e, daß eine gedrängie Zusammenstellung der t-Ccremoniern,_welche ber solchem Anlasse in Rom stattfinden, x an der Stelle rst. Unmrttelbar nach dem Tode des Papstes “eb: sich der Kardinal. Camerlcngq in den Palast; das Gesicht des en ist mit emem weißen „Schierer bedeckt; sobald der Schleier „Hoden iii, klopft der Kardinal mit ernem kleinen silbernen Ham- dreimal an das Haupt des Papstes und ruft ihn dreimal mit , Taufnamen; dqnn wendet er sich zu den Umsiebenden mit den „„„- „Der Papst rst Wirklich tobt“ (ilkapa “e realmenw m0rt0). ijche wird, nachde„m si„e embalsamirt worden, mit den päpstlichen dem bekleidrt und m„fererlichem Aufzuge in die sixtinische Kapelle acht und hier aus einem Paradebett aufgestellt; hier halten die jtenziarien von St. Peter drer Tage lang das Todtcnamt, Am en Tage wird der Leichnam in die Basilika von St. Peter in Kapelle des heiligen Sakraments gebracht und aus einer Estrade usgesiellt, daß die Füße, außerhalb des den Zugang zur Kapelle eßenden Gitters reichend, von dem Volke geküßt werden können; wird von den Einwohnern Roms drei Tage lang den sterblichen emsie'n „des „Papstrs ein„ levter Tribut ihrer Verehrung darge- chx„ Die Lerche wird hierauf m einen Cypressen-Sarg gelegt, er in einen bieternrn und [eßterer wieder in einen hölzernen, und Leiche wird nun„„m das Gewölbe der Basilika gebracht, wo sie Stelle des _Vorgangers dcs verschiedenen Papsirs einnimmt, bis seines Nachfolgers erscher„nt. Das Mausoleum, Welches am drit- Tage inmrtien der Basiitkcr errichtet wird, darf nach einer Be- mung Alexander's 711. nicht mehr als 2000 römische Thaler

cn. Am [chien Tage, dem neunten, hält der von dem heiligen Kol- “rm damit beguftragre Redner die Gedächtniß-Rede fiir den ver- benen Pap|„m [„atemischer Sprache, Nach den Novendiali woh- djeKardin'ale _m der Basilika einer Messe des heiligen Geistes *, die Wachen haben ihre Trauer jest abgelegt, die Läufer .Smiiräger hqiten ihre Stäbe, welche sie seither umgekehrt ge- gen hatten, wieder" aufrecht. Nach der Messe wird eine Rede .aiten pro eiigemio *0ntisics; die Kardinäle rverden ermahnt, eheilige und schnelle 51122000 zu machen und den Würdigsien zu er- Es verfügen sich sodann die Kardinäle in Prozession nach - Orte, wo das Konklave gehalten werden soll. Vor dem Kon- -e und während der Novendiali halten die Kardinäle 10 Congre- 'onen', in der ersten werden die für die Papstwahl geltenden Ve-

mungen verlesen und der Fischerring und das Siegel der verstor-

Papsieö zerbrochen; in der zweiten Congregaiion bestätigt das

ige Kollegium die Beamten der Stadt und des Staats in ihren

Urn“, in der dritten wählt man den Beichtvater des Konklave, in viertrir dre Aerzte und Chirurgen, in dcr fünften die Apotheker Barbiere; m der sechsten bestimmt der [este Kardinal-Diakonus

-- das Loos die Zellen der Kardinäle; in der siebenten prüft man

Gks-zth- der Kardinäle, welche einen dritten Konklaviften zu „wu_nschen (die Konklavisien sind da“; Secretaire, welcbe éedrn rn dessen Zelle begleiten; die Consistutionen gestatten eren zwei; es sind das sehr gesuchte Stellen, denn es erhalten die avisten aus der apostolischen Kammer eine ansehnliche Summe,

nach dem Konklave läßt der neue Papst 10,000 römische Thaler - sie vertheilen); in der achten Congregation bezeichnet man die drei dinäle, welche den vorgeschlagenen Konklavisten ihre Genehmigung zu eilen habrn, in der neunten dre drei Kardinäle, welche über die strenge

chließung (Deckung) des Konklave zu wachen haben; in der zehnten diejenigen Kardinäle, welche noch nicht zum Diakonats-Range

“rdert sind, das Breve vor, um zur Theilnahme an der Wahl eiassen zu werden.

Die Kardinäle leisten am Abend des Tages, welchem sie sich in das Konklave begeben, den Eid, die in Bezug deßen Abhaltung bestehenden apostolischen Vorschriften zu halten. an ziehen sie sich in ihre Zellen zurück, wo sie den Besuch des gmchen Corps, der Prälatur und des römischen Adels empfan- kderauf, in vorgeriickter Stunde, erscheint ein Ceremonienmeister m? vor jeder Zeile: [**-xtra omnes, Worte, die allen nicht zum ave gehörigen Personen gelten, welche sich sodann aus dem asiernrsernen. Das heilige Kollegium besteht, wenn es voll- drg 10, aus 70 Kardinälen; es ist jedoch diese Zahl niemals ÖNBWW'ÉMJ beläuft sich die Zahl der“ Kardinäle auf 62 „D!- Papsiwahl kann auf dreierlei Weise erfolgen: 1) durch In- iron „oder Arciamation; 2) durch Kompromiß; 3) durcb Abstim- g: Die Wahl durch Inspiration erfolgt, wenn die Kardinäle ein- mig UNd dUkck Acclamation ihre Stimmen abgeben; von dieser

KlartleérgTr'ßlMléebmuch gemacht; es geschah dies bei der

und Sixtus' ?. Das Kompromiß tritt wenn die Kardinale sich unter einander vereinbaren, Delegirte ernerrnen, welche den neuen apsi zu bezeichnen hätten; zur liigknt eines solchen Kompromi es ist jedoch ebenfalls erforderlich,

*:sammtliche anwesende Kardinäle ihre EinwiUigunZ: dazu geben;

wetsiufige Wahlart isi erst einmal, bei der Wah Clemens' U.,

Wendung gekommen, Die Wahl durch Absiimmung ist die ge-

WM; das Skrutinium hat zweimal des Tages siait, Morgens " ve[Nesse und Nachmittags. Am nächstfolgenden Tage, nach " Ykstun des Konklave, um 8 Uhr Morgens, läßt der Ceremo- "T'Ußkx den ersten Glockenschlag ertönen und dann noch zwei an- '„mrmem Zwischenraume von einer halben Stunde; nach dem „"' Schiri ruft er vor jeder Zelle die Worte: 541 cayeliam 00- Die ardinäle hören nun die Messe des heiligen Geistes und

Hungen das Abendmahl, und nachdem sie hierauf in ihren Zellen

kikx'uckk-skehren sie in die Kapelle wieder zurück zur Vornahme des , m I)as Skrutinium hat unter den größten Förmlichkeiten statt, deren ; hlyngikßoch fiiglich übergangen werden kann. Wenn bei dem ersten „„„ymm einer der Kardinäle die zur Gültigkeit einer Wahl er- che Strmmeyzahl (zwei Drittheile) erhalten hat, so wird er ais Papst aus erusen. Hat das Skruiinium ein solches Rc- mcht ergeben, 0 wird zur Vornahme einer neuen Abfiimmung, o(“nannten Accession, geschritten; die Voianien können nun ihre

:nsion dticht„dem eben, welchem sie zaersi ihre Stimmen gegeben Ün-och ""my “ckM- welcher bei dem ersten Skrutinium nicht |; "WM Cm: Stimme

gehabt; wenn ein Votant seine erste

mmuu aufrecht erhalten und keinem der anderen Kandidaten

LY“? ou geben will, so schreibt er auf den Stimmzettel scceäo

"b trete Niemanden bei), Wenn die Voten deo ersken

* tiniumo zusammen mit denen der Accession fiir ““ nen der Kan- “:Uk eme Majonrät von zwei Drittheilen ergeben, so is ski"?

“**-"ilk gültig. Wird aber auch durch dre Accession die er-

*!*F'Mmaßdrität nicht erlangt, so werden alle Stimmzettel aus mier dem Altar: verbrannt und der Rauch durch eine

_ Königl. Hoheit zu Soroa

Röhre, die man außerhalb gewahren kann, binauögeleiiei. Sieht das harrende Volk die fumata, so weiß es, daß das Skrutinium wieder vorzunehmen isi,

Ist die Yapsiwabl zu Stande gekommen, so richtet der äliesie Kardinal die rage an den Neugewählken, ob er die Wahl annehme, und sobald dieser seine Zustimmung gegeben, so werden alle Bal- dachinc, welche sich über den Siven der Kardinäle erheben, auf ein- mal heruntergciassen; nur der Baldachin über dem Sipe des Gewähl- ten bleibt aufrecht, und die beiden Kardinäle, die ihm zunächst Wk"- entfernen sich von ihm zum Zeichen ihrer Achtung, damit sie ihm nicht zu nahe sißen. Nachdem der L*Zrnennungsäkkt ausgefertigt isk- fiihren zwei Kardinäle dcn erählten hinter den Altar, und er wird hier mit dem päpstlichen Gewande bekleidet. Der Papsikehrt sodann vor den Altar zurück, läßt sich hier auf einem reichgeschmiickien Stable nieder und empfängt die erste Adoraiion des heiligen Kollegiums, dessen Mitglieder knieend ihm Fuß und Hand küssen und beim Wiederaufsiehen von ihm den Friedenskuß erhalten. Der Kardinal-Camerlengo steckt ihm nun den Jischerring an den Finger, und der Papst überreicht sodann diesen Ring dem Ceremonienmeisicr, auf daß sein Name auf denselben gra- virt werde. Es begiebt sich hieraus der erste Kardinal-Diakonus auf die Loge, den Hauptbalkon des Quirinals, läßt den Verschlag, mit welchem die äußere Oeffnunggeschlossenworden,wcgräumen und verkündet nun mit lauter Stimme dem versammelten Volk die Wahl des neuen Pap- sies mit den Worten : „Knnunclo 70bi5 Zauäsum maInum; l'ayam ba- bLnjuz eminentiszimum ac ressi'enäi'zsimum ominum N. R.,

ni sibi impozuit nomen U. R,“ (Ick verkünde euch eine große Freude; zum Papste haben wir den sehr erhabenen und ehrwürdigen Herrn N. N., welcher den Namen N. N. angenommen.)

Spanien.

H Wkadrid, 6. Juni. Die Königin nimmt seit einigen Ta» gen in ihrem Palaste künstliche Mineralbäder mit so günstigem (Er- folge, daß sie, im Einverständnisse mit ihren Ministern, beschlossen hat, für diesen Sommer keine Badereise zu unternehmen.

In diesen Tagen gab man sich der Vorausscyung hin, daß eine neue ministerielle Krisis eingetreten wäre. Die moderirte Oppositious- Partei, an deren Spive der Staats-Anwalt beim höchsten Gerichts- hofe, Herr Pacheco, sieht, konnte der Begierde, zum Mitbesiy der Gewalt zu gelangen, nicht länger widerstehen und suchte zu diesem Behuf einige seiner Mitglieder, vor Allem aber Herrn Pacheco selbst, auf einem Umwege in das Ministerium einzuschwärzen. erterer trat unter dem Vorgehen, vermittelst der Wiederherstellung der friiherhin unter den Moderirten herrschenden Einigkeit den Um- irieben der Progressisken einen kräftigen Damm entgegenzu- seHen, mit einigen der bedeutendsten Personen des Kabinets in Un- terhandlung. Daher entsiandrn die Gerüchte von einer bevorstehrn- den Krisis. Die Minister verkannten aber die eige'ntlichen Absichten des Herrn Pacheco durchaus nicht, brachen die Untrrhandlungen ab und befahlen ihm, entweder dem Tiempo, einem von ihm geleiteten, äußerst heftigen Oppositionsblaite, seine fernere Mitwirkung zu ent- ziehen oder sein hohes Amt niederzulegen. Herr Pacheco hat den Ausweg ergriffen, unter dem Vorwandc geschwächter Gesundheit nach seiner HeimatCordova abzureisen, wo er bei Gelegenheit der nächsten Wahlen tbätig zu sein denkt. Der Tiempo Veröffentlicht nun eine Art don Manifest, Welches die Bedingungen enthält, unter denen die moderirie Opposition, falls sie zur Gewalt gelangte, regiert haben würde. Die Absevung der meisten General-Capiiaine, die Wieder- einführung der National-Miliz, Erweiterung der Preßfreiheit dienen als Aushangeschild, um die eigentlichen Progressisten zur Fahne drs Herrn Pacheco anzulocken. -

Herr Vuschenthal (ein Israelit aus Straßburg), der in Folge der Umtriebe, die er im Interesse des Infanten Don Enrique leitete, bei dem Wirdereintritte des Generals Narvaez in das Ministerium aus Spanien verwiesen wurde und sich nach England begab, ist vor- gestern wieder hier eingetroffen, nachdem der englische Gesandte rie Erlaubniß zu seiner Rückkehr ausgewirkt hatte.

Ich erwähnte neulich der verschiedenartigen Richtungen, die der Affociationsgeisi bei industriellen Unternehmungen gegenwärtig hier einschlägt. Nun soll sich eine neue Gesellschaft gebildet und vorzüg- lich iiber die südlichen Provinzen verbreitet haben, die sich damit be- schäftigt, den Zeitpunkt, an Welchem, und die Umstände, unter denen Personen donVermögen oder Rang sich auf Reisen begeben, zu erforschen und sie durch dazu abgesandte geeignete Leute unterweges auffangen und nur nach Entrichtung eines hohen Lösegeldes wieder in Freiheit seyen zu lassen. Die Aciien dieser Gesellschaft werden zwar nicht auf dem Courézeitel verzeichnet, sollen aber solidere Garantieen dar- bieten, als manche der iibrigen. Der General Serrano (Präsident der provisorischen Regierung im Jahre 1843) hat so eben einen Be- weis von der Thätigkeit der Gesellschaft erhalten. Bei Castro del Rio in der Provinz Cordova wurde er aufgefangen und ein sehr be- deutendes Lösegeld von ihm verlangt. Seine hiesige Familie erbot sich, das Geld zu zahlen, falls einer der Räuber auf so lange sich als Geißel stellen wolle, bis der General wieder in Freiheit gesetzt sein würde. Die Antwort lautete, Leßierer würde dem Tode vcr- fallen, sobald die Behörden Anstalten machen sollten, um seinen Auf- enthaltöort zu erforschen.

Auf nicht weniger summarische Weise verfuhr neulich der Kriegs- Minister. Ein Brigadier, Don Camilo Moreno, war des geheimen (Fmversiändnisses mit den spanischen Flüchtlingen in Portugal verdäch- tig. Der Kriegs -Mini|er stellte ihn darauf unter die Aufsicht des General- Capitains von Alt-Casiilien (Valladolid) und richtete an diesen folgenden Erlaß: „Sollten die spanischen Flüchtlinge von Por- tugal aus„die dieseiiige Gränze überschreiten, so haben Sie dem Kriegs-Mmisier sofort Nachrichi darüber zu ertheilen, zugleich aber JUZ) da„von, daß Sie den Brigadier'Don Camilo Moreno erschießen ie en.“

Die Postverbindung mit Lissabon scheint unterbrochen zu sein, denn unsere Nachrichten von dort gehen nur bis zum 29sten. Die Brüder Cabral sind (wir bereits gemeidet) gestern hier eingetroffen. Der König!. niederländische Minister-Resident am hiesigen Hofe, Baron von Grbvesiins, der zugleich in Liffabon beglaubigt ist, hat von seiner Regierung den Befehl erhalten, sich auf einige Monate nach lehterem Punkte zu begeben.

Vorgestern traf der englische Gesandte von Aranjuez ein und empfing sogleich den oben erwähnten Herrn Buschentyal. Auch der ehemalige Präsident der Republik Ecuador, Don Juan José Flores, ist hier angekommen.

Die Erklärung, welche Herr Guizot öffentlich in der Deputirien- Kammer abgab, „der General Narvaez hätte sich zu sehr den bru- tirlen Eigentbümlichkeiten, Sitten und Gebräuchen seines Landes hingegeben“, haben hier den Eindruck hervorgebracht, den Jedermann erwarten konnte.

F Paris , 11. Juni. Der spanische Infant Enki ue hatte, um seme m Brüssel lebende Schwefter, die Gräfin Gurows a, zu be- suchen, den 4. Juni als den Tag für seine Abreise festgesevt. Aber ein am Vorabend ein erreiener, nicht vorausgesehener Umstand bat ihn genötbrgi, eine eise für den Augenblick wenigstens einzußelien. Die Ursachen so en folgende sein. Man erinnert sié, daß, als St.

land te, der Capitain der panischen Brigg

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„Consiitrzcion“, Herr Piüeiro, den Befehlen gemäß, die ihm von sei- ner Regrerurrg ertherlt worden waren, in der Eigenschaft als Adju- tant den Prinzrn nach Bgyonne begleitete. Einige Tage nachher war Herr Prüerro durch erne„ Weisung des spanischen Marine-Mini- sierß zuruckberufen und an „seiner Stelle der Lieutenant Velarde dem Prrrrzen als Adjrztant geschickt„ worden. Der Infant hatte von seiner Regierung für emen alten Diener des Hauses seines Vaters die nö- thige Erlaubniß verlangt, daß sich derselbe zu ihm begeben dürfe. Dieses Gesuch war aber abgeschlagen worden, und der Infant mußte sich daher bequemen, diejenigen Offiziere fiir den' Dienst um seine Person anrrmehmen, welche die Regierung selbst dazu ausersehen hatte. Diese OffiZikk? sollen indeß ihren Dienst mit der größten Aufmerksamkeit urid Ergebenheii verrichtet haben, so daß der Infant bei dem Tausche nichts verlor, Als er nun die nachgesuchte Ermächtigung zur Reise nach Brüffxl erhalten hatte, um daselbsi einige Zeit bei seiner Schwe- ster zuzubrrngeu, hatte er darauf gerechnet, daß der Lieutenant Ve- larde ihn dahin begleiten werde. Allein am Vorabend der Abreise trqf eme„ Weisung des Marine-Ministers aus Madrid für diesen Of- fizier em, daß er unverzüglich auf dem kürzesten Wege auf seinen Posten nach Ferrol zurückzukehren habe, in Anbetracht, daß Se. Königliche Hoheit im Auslande in seiner Eigen- schaft als Infant von Spanien und keineswegcs als Capitain der Königlichen Marine reise, also auch nicht mehr einen Offizier die- ses Corps als Adjutanten bei sich behalten könne. Der Lieutenant Velarde mußte sofort, den ministeriellen Befehlen gemäß, auf der Stelle nach Ferrol abreisen, und der Infant ist so ohne alle andere Bedienung als zwei Kammerdiener zu Bayonne geblieben. So sah er sich in die Unmöglichkeit verseßt, die beabfichtigte Reise anzutreten. Der Infant soll, als er um die Genehmigung für seine Reise nach- suchte, den Wunsch ausgedrückt haben, über Paris gehen zu dürfen, um dem König, seinem erlauchten Oheim, der Königin, seiner Tante, und den Prinzen, seinen Vettern, einen Besuch zu machen. In der Unmöglichkeit aber, sich von einer Person begleiten zu lassen, welche fähig und geeignet wäre, die Stelle und Verrichtungen als Adjutant oder Ordonnanz-Ofsizier zu versehen und zugleich alle Aufträge und Sendungen zu übernehmen, welche die hohe Geburt des Jnsanten in seinen Berührungen mit den Behörden und den anderen Per- sonen, welche etwa ihm ihre Aufwartung zu machen wünschten, erheischien3 in der Unmöglichkeit, ferner zu reisen und am Hose der Tuilerieen zu erscheinen, wie es seine hohe Stellung und seine Wiirde als spanischer Infant erheischi, soil der Infant mm beschlossen haben, seine Reise aufzuschieben, bis die spanische Regierung, von dem Stande der Dinge genau unterrichtet, die geeigneten Anordnungen getroffen haben wird. Wie es scheint, hat der spanische Marine-Minisie'r, als er dem Lieutenant Velarde den Befehl gab, dcn Infantin Enrique zu v'erlassen, nicht gewußt, daß drr Abgang dieses Offiziers den Prinzen drr einzigen Person beraubte, die geeignet und fähig war, ihn auf seiner Reise zu begleiten, und hatte sie so unmöglich gemacht. Es läßt sich daher annehmen, daß man alsbald von Madrid einen anderen Offizier schicken wird, um dem ananten es möglich zu machen, nach seinem Wunsche sich nach Brüssel zu begeben. Die spanischen Generale Dominguez y Guevara und Tcllo sind zu Bayonne einge- troffen. Durck diese Stadt sind am 7ten auch ein spanischer und ein englischer Kabinets-Courier mit Depeschen von Madrid kommend und aus der Reise nach Paris und London pasfiri.

P o r t u g a [.

Viadrid, 5. Juni. Der Tiempo meldet, daß Coimbra, die Hauptstadt„der portugiesischen Provknz Beira, der Siß einer obersten revolutronarren Junta sei, die ein eigenes Ministerium ernannt habe und das (rn Nr, 16„4 der Allg. Pr. Ztg. mitgetheilie) Programm der Jnsurrectrorr, nämlich Einberufung konstituirender Cortes, Bewaff- nung der Natronal-Garde und unbeschränkte Preßfreiheit, scheine in Ausführung bringen zu wollen.

Acgyptew

Alexandrien, 29. Mai. (A. Z.) Se. Königl. Hoheit der Prixz Waldemar von Preußen is! am 26slen von Kahira hier einge- tronen und am nächsten Morgrn auf dem österreichischen Dampfbooie nach Triesé abgereist. Der Prinz beobachtete das strengste Inkognito und lehnte jede „Ehrenbezeugung ab.

Fürst Colloredo Mansfeld ist nebst dem Grafen Neipperg von der Reise nach dem Sennaar zurückgekehrt; Ersterer wird einige-Tage hier verweilen; Lehterer ist bereits vorgestern nach Triest abge- gangen.

Viele Engländer, die aus Indien kommen, schlagen den Weg über Triesi ein, um nach England zurückzukehren; es ist zu er- warten, daß dre Zahl immer größer werde, da die Reise durch Deutschland weit mehr Interessantes darbietet, als die Route durch Frankreich.

„Man spricht im„Palast zwar noch von der Reise des Vice- Kbmgs nacb Ko„nstantmopel, allein die Zahl derer, die nicht daran glauben, wird immer größer. Alle Beamten erhielten Befehl, die konstaniinoprler Uniform anzulegen.

Eisenbahnen.

Am 12.Juni fand die erste Probefahrt eines größeren Convoi's, bestehend aus 14 Waggons aller Klassen, mit mehr als 600 Perso- nen bricht, auf der Main-Neckar-Eisenbabn von Darmstadt naeh Hep- penheim statt. Wiewohl die erße Fahrt mit so starkem Zuge und verschiedene zum ersienmale befahrene neue Wagen aus Vorsicht eine gemäßigte Geschwindigkeit geboten, man auch an den Staiionöpunkten bei Eberstadt und zu Zwingenberg länger anhielt, io ward doch der b Sirmden weit_e Weg in 1 St. 10 M. zurückgelegt. “Die Fahrt ging rn der größten Ordnung von Statten, und mit Begierde ficht man der Eröffnung der Bahn für den öffentlichen Verkehr entgegen.

Zorlin-potsäame 1' Lisanbniin.

[n ck!“ ÄÄ'ocbe vom 9. bis inc]. (Leo 15. Juni" c. zinä aus" tier Zer- lin-k'otsäamer Lissabobn 10,336 [)erzonen gefahren.

Handels - und Börsen - Uachrichten,

Marktpreise vom Getraide. Berlin, den 15, Juni 1846, Zu Lande: Weizen 2„Rthlr. 15 Sgr.; Nogqen 2 Ntblr. 1 Sat. 2 Pf., auch 1 IYbir. 27, "Sgr. 7 Pf.; Hafer 1 Rtblr. 10 Sgr. v Pf., auch 1 Nrdlr. 6 «gr. Erngtgmrgm sind 48 Wiipel 12 Schrffcl. Zu Wasser: Weixen_(weiprr) “2 thlr. 21 Sgr. ," Pi„ aurh *). Ntblr. 18 Sgr. und 2 thlr. 1-1 «gr. 5 Pf.“. Roggen 2 thlr. ".' Sgr. 5 Pf., auch 1 Ntblr; “.'8 Egk. 10 Pr.: rvßt Guß! 1 Rtblk. 12 Sgr.: Hafer 1 Nthlt. 4 Sgr. 7 Y., amd 1 thlr. “.' Sgr. 4 Pf.: Erbécn (schlechte Sorte) 1 Rthlr. “21 «gr. Eingegangen iind 179 Wispel 23 Scheffel. Sonnabend, den 13. Juni 1846. Dai Schock Stroh 8 Ridlr. 15 Sgr., auch (1 Rthir. 15 Sgr. Der Cennet Het “27 Sgr. 6 Pf., auch “20 Sgt.

:|: Stettin, 15. Juni. Zu unserem kalendermäßig mit dem 16tm d. M. beginnenden WoUmatkn !angtm die ersten Zufuhren am 13ten, als dem ersten, gestylich zurAufiagerung auf dem Marktplase beßimmten Tage,

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