1880 / 63 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 13 Mar 1880 18:00:01 GMT) scan diff

ck to 1878.

misfion, Grafen Loris-Melikoff, übergegangen, nachdem die Demisfion desGenerals von Drentelen unter seiner Ernennung zum Mitglied des Reichsraths angenommen worden ist. Der Graf LoriS-Melikoff leitet in oberster Instanz die dritte Ab- theilung, deren Funktionen bestehen bleiben. . St. Petersburg, Sonnabend, 13. März. Der E1sen- bahnzug, mit welchem Se. Königliche Hoheit der Herzog von Edinburgh von hier abgereist ist, ist 400 Werft von St. Peters- burg mit einem Güterzuge zusammengeftoßen; zwei, Waggons ksmd zerbrochen, ein weiterer Unglücksfall “ist mcht vorge- ommen.

Statistische Nachrichten. Dem uns zugesandjen fünften Jahresbericht des deutschen Hülvaereins zu Nizza für das Jahr 1879 entnehmext wtr fol- gende Daten: Im Jahre 1879 gingen von 114 Mitgliedern und Ehrenmitgliedern Beiträge von 2471 Fr. ein; an freiwilligen Bei- trägen Wurden von 99 Nichtmitgliedern (je unter 10 Fr.) 444 Fr. 50 C1. gezahlt; die Einnahme von Zinsen uud Coupons betrug 152 Fr. 15 Ct.; das Kapitalverm-Zaen der GeseÜfchaft betrug am 31. Dezember 1879 baac 943 Fr. 80 Ct. und 3000 Fr. 50/9 Oblig. der Société générale. Unterstützt wurden 436 Personen bis zur Höhe von 20 Fr. mit 1529 Fr. 15 Ct.; 14 Personen wur- den mij Reisegeldern im Betrage von 614 Fr. unterhstützt; 10 Dar- leben Wurden mit Verpflichtung der Rückzahlung gewahrt mit 805 Fr. Die Ausgaben von Drucksachen, Porto und Ankauf von Bureau- materialien betrugen 254 Fr. 5 Ct. Es wurden unterstüßt von der Kaffe des deutschen Hütfsvereins zu Nizza: Jm Jabre1875 129 Per- sonen mit 3841 Fr. 30 Ct.; im Jahre 1876 171 Personen mit 2879 Fr. 55 Ct.; im Jah e 1877 209 Personen mit 2837 Fr. 25 Cf.; im Jahre 1878 288 Personen mit 2837 Fr. 30 Ct.; und endlick) im Jahre 1879 461 Personen mit 3156 Fr. 40 Ct. Jm Zweigvereine zu Cannes betrugen im Jahre 1879 die Beifräge 450 Fr.; das Kapitalvermögen betrug am 31. Dezember 1879 506 Fr, welche zu 50/0 belegt find. Unterstüßt wurden 208 Personen, gegm 102 Per- sonen im Jahre 1878. Es Wurden an Unterstüßungen verauögabt: für Schuhe 306 Fr., für Hemden 129 Fr., für Strümpfe 14 Fr., für eine B15use 2 Fr. 50 Ct.; ferner wurden für Verpflegung von Kranken an das Afile Evangelique 84 Fr. gezahlt.

Land- und Forstwirthsthast.

Die Kalisakze und ihre Anwendung in der Landwirt!)- schaft, von ])1'. Max Maercker, Vorsteher der Versuchsstation und außerordentlicbar Professor an der Univerfität zu Halle a.S. Berlin 1880. Verlag von Wiegandt, Hempel & Parat) (Verlags- bucbbandlung für Landwirthscbaft, Gartenbau und Forstwesen). - Die Staßfurter Kalisalze, dsren Auffindung und begonnene Ausbeutmxg uran im Interesse der Landwirthschaft mit großer Freud: und weit- gehenthen (Erwartungen begrüßte, haben die ursprünglich auf sie geseßjen Hoffnungen nicht in dem Maße, wic dieselben gehegt wurden, erfüllt. Der Verfasser setzt in diesem Buche eingehend die Gründc auFeinander, weßbalb die Hoffnungen der Land- wirtbscbaft auf die Kalisalze nicht erfüÜt werden konnten, und giebt den Landwirtben den Rath, die Kalisalze nicht ungemischt zu verwenden, sondern nu_r im Gemisch mit anderen stickstoffhaltiaen Düngmitteln. Ein Gemini) von Kalisalz, Superphosphat und Chili- salpeter, jedes zu gleichen Theilen, hat fich nach vielen, in Waldau, Tbarand u. s. w. angestellten Versuchen hesonders füp Zucker-

_ rüber: bewährt, während für Kartoffeln ein Gemisch von Kalisalzen und Knochenmehk zu empfehlen ist. Da man zur Zeit der Einfüh- rung diesr Salze im Beginn der sechßziger Jahre schon auSreicbende Untersuchungen über das Nährstoffbedürfniß unserer landwirjbschaft- lieben Kulturpflanzen außgefübrt, und das Kali, wie auch Prof Justus v. Liebig bestätigt hatte, als einen der nothrvendigften Nährstoffe neben der Pboé'pborsäure und dem Stickstoff kennen gelernt hatte, hoffte man, wie der Verfasser ausführt, Seitens der Landwirtbe durch die Anwendung dex neuen kalibaltigen Düngemittel ähnliche Ertrags- steigerungen, w:o durch den Gebrauch stickstoff- und phoéphorsäure- baltiger, künstlicher Düngemittelerreicben zu können; - aucb Seitens der Staßfurter Kali-Jndustric rechnete man darauf, daß fick) die Kalisalze ebenso, wie Phosphate und die stickstoffbaltigen Düngemittel, namentlich überaU da «"inbürgern würd 11, WO man dieLandwirkbsÖaft intensw betreibe, und daß sie in ebenso großen Mengen wie jene verwendet Werden müßten. - Aber kaum jemals find die gehe ten Hoffnungen schmxrzlicber enttäuscht worden, als damals - alle elt versuchte die Anrvc'ndung der neuen Kalisalze, jedoch nur, um dieselbe nach einigen beobachteXen Mißerfolsxeß wieder aufzugkben. Nur unter bestimmten engbegrenzteu Verhältnissen, z. B. im leichtcn Sand- und Ykoorboden, wurden sofort durchschlagcnde Erfolge erzielt, in Folge deren 68 den Kalisalzen gelang, sich auf diesen Bodenarten als regel- mäßia zu , xcrtvendendi-s Düngemittel einzubürgern. Die inlenfivcn Wrrthscbaften der besseren Bodenarten dagegen kamen fast oh:e Auxmabme wieder von der Anwkndung der Kalisalze zurück, obglaick) der ungünstige Ausfall der angestellten Ver- suche vielfach auf eine falsche Anjvendurm derselben zurüchzufübren ist, was der Verfasser in diesem Buche ausführlich darlegt, Derselbe steUt nach vielen anaesteÜten Versuchen fest, daß das Kalisalz nur mit arxderen sjickstoffhaltigen Düngemitteln zu vermenden ist, daß aber 51e Mischung mit diesen Düngestoffem das Kalisaß für die Landwwlbschast Werthvoll und zur Erreichung des intenfiven Betriebes nothwendig macht.

Getverbe und Handel-

Inhaltlich einer im „Hclfingfors Dagblad“ vom 6. März 1880 Nr. 63 enthaltenen Notiz hat die Forsby Sügverksaktie- bolag anz 5. d. M. Konkurs angemeldet.

- D1e Internationale Bank in Luxemburg vertbeilt für das Jahr 1879 eine Dividende mm 10 0/0. Für das Jahr 1878 wurden nur 730/41 vertbeilt.

_ Der Gxscbäftßbericbt der Cölniscben Privatbank für 1879 bringt zunachst dje Miijheilung, daß durch AUerböcbste Kabinets- Ordre vom 15. Oktober v._J. die in der außerordentlichen General- Versa'mmlung vou; 8.'Marz1879 beschlossene Statutändcrung ge- nehMgt und somxt"dte Dauer der Konzession der 5Bani? bis zum 1. Januar_ 1891 ve"rlangert wvrden ist. Während in früheren Jahren der Bankztnsfuß fux Wechsel nicht unter 4% betrug - nur 1876 fteqte fick) derselbe fur eine "kurze Zeit auf ZZU/g - ging derselbe im vorigen Jahre guf 30/0" zuruck, und während al1e vorhergegangenen Jahre auch Distontosaße von 50/0 und darüber nachweisen, hat das Jabr'1879 nur 41Z%_alsböchsten Say zu verzeichnen. Bei solchen Zinssaßen konnte eme Verminderung der Zinßerträge nicbt ausbleiben; wenn troykem eine Dividende von 6% zur Vertheilung gxlangt, so ist dies nur dadurch möglich, daß die überhobenen Zinsen jur du nach dem 31. Dezember verfallenden Wechsel fick) erheblich niedriger als pro 1878 berechnen und das (Gewinnergebniß durck) eine Entnahme von 15000 ck aus dem Deletederefonds verstärkt wird. An Tbalernoten standen am 31. Dezember 1879 noch für 5490 Thlr. aus. Die (Geschäftßumsäße mit Einschluß des Verkehrs auf Girokonto bei der Reichsbank und auf dem Noteneinlösun Skonto in Frankfurt am Main bezi ern sub in Einnahme auf 1055 5370 „M, m Auggabe auf 105 454 54 „74, zusammen auf 210 960 324 „M; pro 1878 Hetrugen dieselben 222998150 „74 Die Notencirkulation stelLte Rb tm Jahre 1879 durchschnittlich auf 2245 300 .,“ gegen 2359 600 „M pro 1878. Die Gewinnberechnung steUt sicb wie folgt: Zmsen von Wechseln, der Lombarddarlehne, im Inkaffoverkebr, diverse Provifioxm, zusammen 296 456 „M, hierzu die über- bobenen Zinsen des Wechselbestandes vom 31. Dezember 1878 57 081 „M, in Summa 353 538 „M Hiervon geben ab: die „verauSgabten Zinsen bei Begehung der Wechsel auf auswartige Plätze 15 767 „;ck, die Zinsen der nach dem 31. Dezember 1879 verfallenden Wechsel 33 753 „sé, mijbin Ein- nahme an insen und Provisionen 304017 „M gegen 337 365 „14

319 017 „FC Davon kommen in Abzua: die Verwaltunaßunkosten inkl. Steuern 45 455 ckck, Zinsen der Depofitenkapitalien 79600 „15, Uebertrag auf Banknoten - Anfertiaurxgskonto 2000 «M, bleiben 191961 „kla Hiervon bezieht der Aufjitbtskatb eine Tantiéme von 6% mit 11517 “M; von den alsdann verbleibenden 180 444 „ja er- halten die Aktionäre 69/0 Dividende mit 180000 «64, während über- schießende 444 ckck dem Konto der unvertheilten Dividende zugeschrie- ben werden.

München, 11. März. (Allg. Ztg.) Für die aus Anlaß der Abhaltung des vierten Deutschen Brauertages im Juli 5. Is. hier zu veranstaltende „Ausstkllung von Brauerei- mascbinen und Geräthschafteu“ hat das Staats-Minifterium des Innern die Ueberlaffunq des Glaspalastes genehmigt. Die Aus- steUung wird von allen Seiten sebr zakolreick) beschickt werdkn und so in ihrer Ack ficherlicb nicbt geringes Jntereffe bieten; ebenso steht für die Versammlung des Vrauertags aus allen Theilen Deutsch- lands eine sehr zahlreiche “Betheiliaung zu erwarjen.

,Hamburg, 12. März, . T. B.) Die Direktion der Hamburg -Amerikanischen Packetfabrt - Aktiengesell- s ?ckth hat in ihrer heujigen Sixung die Dividende auf 6x 0/0 fest- ge e .

London, 11. März. (Allg. Corr. Die Liquidatoren der City of GlaSgow Bank zeigen an, das; ck am 23. d. M. eine Weitere Dividende von 1 55. per Pfd. Stekl. zahlen, wodurch die bis jetzt erkl'äÖtte Gesammjdividende die Höhe von 16 1511. pro Pfd. Stekl. erret .

Berlin, 13. März 1880.

Das am 10. d. M, in der berichteten feierliében Weise enthüllte Standbild der Königin Luise erhebt fick) gegenüber dem Denk- mal Königs Friedrich Willxelm 111. in jenem von Seen und Ge" wäffcrn durchschnittenen Theile des Tbiergartens, welchen Natur und Kunst, bildende. LandschafTI- und blumengärtnerische, zum schönsten des ganzen Parkes machen. Hier ist der unvergeßlichen Monarchin schon bei ihren Lebzeiten, nach ihrer Rückkehr im Jahre 1809, von den Anwohnern des Parks ein einfaches finniges Denkmal errichtet Worden: jener Altar, der fich auf der hinter dem Sjandbilde liegenden, durch einen Wafferarm davon getsennten „Luisen-Jnsel“, unter Trauerwäden fast verbirgt und aöjährlicb am 10. März und am 19. Juli, dem Geburts- und Todestage der Königin, liebevol]. mtt Blumen gesckzmücktzu Werden pflegt.

Auch das eben entHüUte Monument ist, wie jene beiden anderen, eine Widmung der pajriotiscben Bürgerschaft der Refidkuz, welcbe da- durch ihrer Treue und Anhänglicbkcit zu unserem Herrscherhause ein bleibendes schönes Zeugnis; géstiftet hat und der Gedanke dazu durch die Hundertjährigc Wiederkehr des Geburtstages der Königin, am 10. Mär“, 1876, angeregt worden. Aus der außgeschriebenen Konkurrenz ging der durch seine WeibliÖen Porträtbildniffe wobl- berufene Bildhauer Erdmann Encke als Sieger hervor, deffkn nach der Skizze lebenSgroß auscxefübrtes Modell Sr. Majcstät dem Kaiser an Aüerhöchstseinem 80. Geburtstage in der Schloßkavelle vorgestellt werden konnte und dann auch zur Ausführung in Marmor genehmigt Wurde. Gottcs Gnade aber hat die Hoffnung des aUverehrten Mouarchen. daß es Ibm vergönnt sein möchte, was Bildnis; Sciner in Gott ruhenden Mutter Selbst zu enthüllen, in (Erfüuung gehen lassen. Und so Wandern denn an diesen heÜen, sonnigen Fxühlmgs- tagen Tausende hinaus, um das schöne Work in Andacht zu be- Wundern.

Die ganze zlezlage kes Denkmals war durch das Drakescbe Mo- nument König Friedrich Wilhelms 111, zu dem es ein Gegenstück bilden soÜje, vorberbestimmt. Wie jenes ist es in weißem Marmor aUSgcfübrt und erhebt sich auf einem runden Sockel, der von einem finnreich erfundenen Hochrclief umsehen ist; auch das Größenver- bältniß des Ganzen ict entsprechend. Das Denkmal zeigt uns die Könjgin als die edle Dulderin, welche als Fürstliche Mutter nut 1bren Kindern und ihrem Hause, als Landeßmutter mit ilxrem ganzen Volke 'die Leiden des Krieges trägt und in Demxxtk) das Haupt, ntcht vor dem Eroberer, sondern vor dem Allmächtiaen be-xgt, der so harte Prüfung geschickt. Fröm- migkeit, Demuth und müjtcrliche Liebe, das sind die Tu- genden, welche uns in ihrer ungebrochenen, boheitvollen Gestalt entgegentreten: es _ist die ae1chichtliche Persönlichkeit, welche durch ihre Helkenmütblgkeit im Dulden den Befreiungskrieg entflammte. Diese historische Judividualifirung erstrxckt sich auch auf dte Kleidung. Ein glajtcs kurzärmligks Atlaßgcmand im Kostüm der Zeit fäÜt in großen schönen Falten über den Rand des Sockels herniedcr. Das in [xiser thmutb gvsenkte Haupt ist mit einem Diadem geschmückt, welches einen Spitzenscbleier hält. Die rechte Hand schließt denselben übex der Brust zusammen, während der linke in schöncr Linie herniederbängende Arm das Ende desselben aufhebt. Den Gürtel ziert eine erblmbte Rose.

Das Relief am Sockel schildert in bervegken, vortrefflickp kom-

ponirten Scenen den Auszug der Krieger in den Befreiungskampf und den Abschied von der Familie, die liebevolle Sorge der Frauen um Verwundete und Kranke, die Trauer der Braut um den Ge- fallenen und die Freude über die Rückksbr des Siegers. Der Gesammteindruck ist ein wirklich erbebender und wird noch mehr gewinnen, wenn das herrliche Werk fich erst von dem Grunde des grünen Lauerks wirkungsvoll abheben und von jenen gärtneri- scben Anlagen umgeben sein wird, die bereits in Angriff genommen worden find.

Gestern wurde in “dex Dreifaltigkeitskirche das Jahresfest des Berliner Missionswereins ßefriert Nach einem Choral- gesange hielt der Hofprediger und Garnisonpfarrer Frommel die Festpredigt, der er die Worte aus Eo. Lucä 19, Vers 29 555 31 zu Grunde legte. _ r. Prediger Jentsch erstattete alsdann den Jah- 1esbericht. Es ]e bekanr:t, daß es in keiner Stadt Verhäljnißmäßig so wenig Kirchen gebe als in Berlin. Im Jahre 1571 habe Berlin 12 000 Einwohner und 9 Kirchen gezählt. Erst nach 100 Jabrkn, im Jahre 1678, als die Stadt schon 20 000 Einwohner batte, sei die zehnte Kircbe gebaut Woxdcn. Im Jahre 1850 habe es in Ber- lin ca. 350 000 "Wachsen? evangelische Eintvokmer und 32 Kirchen nebst 67 Geistlichen gsgeben, und jetzt führe die amtliche Kirchenlisje 50 landeskircblicbx Gotteshäuser auf, während höchstens 120 Geist- liche das Wort Gottes verkündeten. Und gerade in den großen Vorstadt-Gemeinden, in denen zume | die 25 Stadtmisfionen arbei- teten, zeig-7 sich die größte Kirchennotb.„ Im Jahre 1820, als Berlin 200000 Einwvbner zählte, hatteen Nach glaubwürdigen Berichten 20000 fonntäglich die evangelischen Kirchen be- sucht, im Jahre 1850, als Berlin 400 000 Einwohner hatte, habe man an “* nur 20000 Kirchgänger gezählt und jcßt bei 1085000 Einwohner dürfte diese Zahl auch nicht größer sem." Die Geistlichen an den Kirchen aber seien durch die Amts- gesckafte so"in'Anspruch genommen, daß ein Einfluß auf die Volks- menge unmoglich sei. Hingegen sei die Fülle der anderen geistigen Strömungen, der Einfluß der Prc-ffe, der Literatur und Kunst, die Thätigkeit 17011 gewerblichen und politischen Vereinen so groß, daß die Kraft, welch.- die Prédigt ausüben können, kaum dem großen und bewegten Leben eine erkennbare Färbung gebe. Mit die er kirch- lichen gehe aber die geistige, !iktlicbe und leibliche Noth and in Hand. Im Jahre 1879 hatten die 25 Stad_1misfionare 3114 Kinder, die noch nicht getauft waren; 1348 von diesen Kindern konnte der Segen der heiligeyTaufe zugewendet werden. Im Jahre 1843 sei von der Dreifalngkertskirchen-Gemeinde der erste Kindergottesdienst eröffnet worden, jetzt beständen in Berlin schon über 50, darunter 11, die von der Berliner Stadtmission gehalten würden. Zu diesen elf Sonntagsschulen versammelten fick) sonntäglich etrva 1500»200"1Kin- der._ Mit der Sonntagsschule sei in vier Fällen noch eine Gesang- stunoe verbunden, an der etwa 630 Kinder theilnäbmen. Auch der

nngetrauten Paaren, die die Stadtmisfion im vergangenen Jahre ermittelt hätte, sei bei 151 gelungen, sie zur Trauung zu bewegen. Im vergangenen Jahre machten die Missionare 47 168 Besuche und 4429 Krankenbesuche. Das von dem Evan- gelischen Verein zur Förderung der Berliner Stadtmission berauögegebene „Berliner Sonntagsblatt“ zähle nabe an 15000Abon- nenten, die „Blätter aus der Stadtmisfion' über 3000 Abonnenten. Im Jahre 1879 seien von den Berliner Stadtmisfionaren 42900 Traktate, 466 Bibeln und 290 Gesangbücher vcrtheilt worden. Auch der christlichen Armen- und Gefangenenpflege h_abe die Berliner Stadtmissio,1 im vergangenen Jahre ihre ganz besondere Tbeilnahme zugewandt. Die Gesammreinnabmen im Jahre 1879 bktru-Yen 76000 «M, die AUSgaben 70 077 „is Der Hofprediger Stöcker sprach a]sdann das Schlußgebet und den Segen, wvrauf die Feier mit emem Cöoralgesange schloß. -

Dix Sißung der „Cypria vom 16. Februar 1880 eröffnete der Prafident um 8 Uhr. 313 Punkt 3 der TageSordnung übergehend, ertbxilte der Präfident zunachst dem Schriftführer Beckmann zur Bertchterstattung über die leiste AussteÜung das Wort. Redner bc- tonte in längerer Ansprache, daß die gehegte Hoffnung, daß der Kaffe des Vereins in Folge des sebr zahlreichen Besuches der AusFteljung em größerer Ueberscbuß zufließen würde-leider nicht in Erquungngegangen sei, da die Außgaben in Folge der größeren Aus- stxllun'gsraume dießmal bedeutend größer gewesen seien als bei den btkhextgen AußsteUungen. 'Der SÖaZmeister Schotte verlas hierauf den Kaffenberrcht. Die Etnnabmen betragen 16 442 „44 50 H, die Auéaabcn 16 229 ck14 65 Y, so daß, wenn die noch nachträglich an- geme1deten Foryerungey beglichen, Wohl sÖWerlicb ein Ueberschß zu verzeichnen, [em durfte. " Auf _WUnscb des Präfidenten gab der Schrtftfuhrer Wagenfubr Kcnntniß von dem Resulxate der lxxzten Verloosung, Welckye alljährlich unter den Vereins- mitgltedern stattfmdet. Nach demselben waren 11 Paar Tauben im Preise von 508 «M und 11 Stamm Hübner im Preise von 776 „;ck zur Verloosung angexauft. Be-treffs Verleihung der goldenen Staats- Medaikle Sr. Majestat des Kaisers und Königs gelangte cin Schreiben de? Staats-KMinisters 131". Lucius zur Verlesung, nach welchem diese Me- patue dem Kaufmgnn RudolvbnOrtlkpp in Magdeburg zuerkannt worden xst. Nachdem Settens des Prafidenten noch der Ehrengabe(Tafelaufsaß 111 Silber) des Hohen Prytekwrs, Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Carl, rvclche dem Kaufmann J. B?ckmann bierselbst zu- erkannt War, gedacht worken, [?kgann die Verlesung der Namen Der- jenigen, wechven sowohl Staats? wie VereinSmedaillen und Ehren- diplome zuerkannt morden smd und erfolgte alsdann die Verthei- lung derselben cm die anwesenden prämiirten Ausstelker :*:15 Mit- glieder, unter entxprechender Ansprache durch Hrn, 1)r, Bodinus.

Der Stenograpbenverband für Brandenburg, Pommern und Schießen erklärt sxch zur unentgeltlichen brieflichen Unterrichts- crtbeilung in der vereinfachten Stolzeschen Stenographie bereit. An- meldungen find an den Vorsitzenden dcs Verbandes, Max Böckler, Berlin ZW., Simeonstraße 13, zu richten.

Jm Königlichen Opernhaus? gelxmgte gestern die Oper ,Carmen“ von dem verstorbenen Franzosen Georges Bizet zur ersten AUfführung. Daß Textbuck) ist Von der bekannten Firma Meilbac nnd Halévy najck) emer Novelle von Prosper Merimée vérfcrtigt. Es führt uns 111 das romantisch.; wenn auch niedrig geartete Schmugg- ler- und Zigcnnerlebcn Spaniens mit seiner glühendkn Leidenschaft- lichkeit und Rauflust. Carmen ist ein Zigeuncrmädchen von dämo- nifcbxr unwiderstehlicber Schönheit, abek ebeU so großer Leich-lebigkeit, Welche einen jungen braven Soldaten in ihre Ne e zu locken weiß, ihn zur Deserjionn und zy dem unehrlicben “ebenswandel eines Schmugglers verfubxt, schlteßlich aber, seiner überdrüsfig, fich von ihm wendet und emem gefeierten Stierkämwfer ihr Herz schenkt. Rock) ebe fie fich jedoch mit diesem vereirxigen kann, fäUt fie von der Hand des Cifersüéhtigen, in dem Augenblick, als der Sieger trium- pbirend die Arena verläßt. Nur dieser tragische Schluß ist es, der zu der Bezeichnung Oper berechtigt; im Uebrigen hat das Werk beinahe ganz die leichtfertigen Allüren der Operette mit aesprockxenem Dialog. Gleichwohl ist dein Komponisten innexhalb des Rahmens der einfachen Handlung, deren Mojive fich eigsntlick) nur vom Standpunkte südlichen Tem- peraments ganz verstehen laffen, uns Nordländern dagegen, namentlich was die toUe Leidenschaft des Seraeanten José zu dem verwyrfenen Geschöpf, d_er Titelbeldin, betrifft, trotz des Zaubermittels dex bebexten Roje, ,die es ihm angetban haben soll, mehr oder wenigcr käLbsklet blexbcn » vollauf Ee1egenheitcn zur mufikalischen Verjvertbung von Soldaten- und Stierkämpferaufzügen, Chören von CigarkeUerxarbeiterinnen und Schm11ggleru,sowie andkrcn größeren En- sembles und BaUets gegeben. Der heitere Grundzug des ganzen Stoffes - déjnn die einzigen 1ragischen Charaktere find José und die nur obkrflächltch behandelte Figur der von ibm verschmähten Micaöla - kommt in vielen pikant rytbmifirten, mit franzöfischecVerve empfun- denen, wenn auch nicht immer origineUerfundeneuNummern zum Ausdruck. Jm Uebrigen hat der Komponist durch offcnbar nationalen spanischen Weisen nachgebildet? Aristtcn, Romanzen 2c. rern Ganzen Charakter zu geben verstanden; leider find einzelne dieser Nummern aber für uns_er Ohr elmas fremdarxig, ein Eindruck, der durch die bizarre JnUrumentaTion, die swb" häufig in geradezu ohreuquälerifchen chro- matischen Paffagen gefällt. noch verstäxkt wird. Anderes ist wirklich woblgelnngen und von frappantem Nationalkolorik, dürste aber doch in Paris, wo die Nachbarn von der iberischen Halbinsel ja je t be- sonderö gern gesehen find und ihre als Ma1er und Komponitcn in neuester Zeit sehr rcgsamen Vertreter einen ewiffen Einfluß ge- wonnen laben, mehr Eindruck machen, als ank] uns Fernerstebendc. In der eigentbümlichen Rytbmifirung und den originsUen MeliSmen mancher Nummern ist das Vorbild des 1alentvollsn Paladilhe unverkenn- bar, manchmal aber neigte der Komponist auch stark zum niedrigen Couplqt- und Buffo-Operettenstil. Eine außerordentliche Wirkung that dre Romanze dcs PiLQÖOL', Welche, von Hrn. Krolop prächtig ge- sungey, (13. capo Verlangt Wurde; auch der Marsch nebst Knabenchor, die bubschcn Ballets im 2. und 4. Akt machen vielxn Effekt. Jm anzen aber dürfte diescr eigenartige Versuch eines Kompromisses zwxschen der großen Oper und der leichtgescbürzten Operette als ver- fehlt zu betrachten sein.

Das Werk war von Hrn. Mufikdirektor Kahl sebr fleißig ein- studirt und ging troß der für eine Spieloper unverhältmßmäßig großen Schwierigkeiten, die es sorvobl den Solisten, wie dem (Choke und dem Orchester bietet, sehr glatt von Statten. In der TitelroUe brillirte durch ihr deaagirtes Spiel Fr1.Taaliana, welche aber leider stimmlich nicht recht disponirt schien. Frl. Bcitaque fand als Micaöla vielen und wohlverdienten Beifall; die junge, befcheidene K_ünstlerin hat sehr beachtenSwerthe Forjschrilte gemacht und scheint für die Zukunft noch Besseres zu versprechen. Die Damen Horina und Lammert als kartenlegende Zigeunermädcben hatten ein sebx gefälliges hübsches Duett zu singen. Hr. Ernstmacbte aus1ei11erziemlichundank- baren Partie des José das Mögliche. Noch mehr Beifakl aber, wie schon berichtet, erntete Hr. Krolop als : ticrkämpfer Escamillo. -DieAu§stat- tung, besonders des Zuges der Stierkämpfer und der Ballets im leßten Aktist außerordentlich glänzend und 'm dcn Nationalkomümen von über- zeugender Echtheit. Von dcn BaÜetö übte namentlich eine von Frl. Yorßbcm uud Hrn. Burwig graziös getaxxzte Manola cine elektri- rende Wirkung.

Der Vorstellung wohntcn Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiskrin bei.

Redacteur: I. V.: Riedel.

Verlaa der Erpediüon (Kessel). Druck: W. ElZUer. Vier Beilagen

Berlin:

ierzu Uebertrag vom Delkrederekonto 15000 .,“ ergiebt

verwahrlosten Kinder nehme fich die Stadtmission an. Von 919

(cZnsebläeßlüb Börsen-Beilage).

Preußen. Berlin, 13. März. Im weiteren Ver- laufe der gestrigen (17.) Sißung trat der Retchstag in die erste Berathung der Ergänzxmg des Entwurfs zum Reichshaushalts:Etat (Etat der RetchH-Post- und ,Tel'e- graphenverwaltung) für das Etatswhr 1880/81 em; m diesem Nachtragßetat werden_ 15 000, 974 Gehalt unh 1500 «M WohnungSgeldzuschuß für emen drrxten Dtrektor tm „RUM- postamt efordert. ie Debatte lettete der Beyollmachngre zum Bun eSrath, Staatssekretär Dr. Stephan m1t folgenden

Worten em:

Ick habe nicht um das Wort gebeten, meine Herren,“ um die übliche Einleijung zu geben, weil es einer solchen bei 17er Etnfachbeit dieser Vorlage wohl nicht bedarf; dagegen liegt,es mtr dargn, dem Bedauern Ausdruck zu geben, daß nicbt mögltch gewesen 1st, diese Forderung gleich mit dem Hauptetat zu verschmelzen_und das; wir in die Lage gekommen find, einen besonderen Erganzyngsetat für diesen Posten nachträglich einzubringen; es hat “51438 ' abe'r an Umständen gelegen, welche zu verhindern, außer der Möglrcbfett der Regierung lag. Die Etats für dre einzelnen Perwal'tungen und insbesondere auch für die Betrieböverrvaltungen, mussen ztemlicb früh im Jahre aufgestellt werden; der Ihnen vorlregxndx Etat ist innerhalb der Post- und Telegrapbenverwaltung beretts nn Augu_st y. I, vorbereitet Worden. Schon damals batte sicb das_Bedürfmß nach einer Verstärkung derArbeitskräfte und einex mxbr orgarxtschen Elie- dcrung der Geschäfte im Reichépostamt durch EmrtchtUUg emer drtttxn Abtheilung geltend gemacht, indessen hatte chu geglaubt, noch L_m Jahr fick) behelfen zu können, Weil es der Regrsrung daran lag, tm Etat für die jeßixe Periode keine Mebrforderung anzume1den. In- zwischen aber machte sich mit dem Hoerannaben des Wintexs n_icht allein die gewöhnliche, sondern eme ganz außergewohletcbe Anschweüung der Geschäfte bxmerkbar, Welche wesentliÖ _1bren Grund darin hatte, daß in einer Zeit, dre mtt' der Ruxkkebr des Herrn Reichskanzlers von Wien zuxattxmet1fiel, em lebendtgeres Vertrauen in der GeschästSrvelt fichgccentutrte, das auch sofort semen Aukdruc'k in dem steigenden Pojt- und yamentlwb, in dexn zunehmemden Telegraphcnverkebr fand. C9 tft sezt dieser Zett eine ungewöhnliche Steigerung der Gejchäfte emgetreten, der wir 11. A. auch zu danken hgben, daß , der „Abschluß der Postv-(rwaitung, sorveit er 516 jeyt vorliegt, [ns Enhe Januar 5. J. sehr günstige Eraebmiffe aufrveist. Der Etat seyt bts Ende Januar (1118 einen Reinübctschuß vox1 13019131 „14, es sm'd aber aufgekommen 15173862 «ck Es ergjebt fick) bteraus, daß dre VerWaltung bis Ende Januar einen Mehrüber1chuf3 "gegsn Hen Etat von 2 154 731 „M aufgebracht hatte, Es kann das natuxlicb mcbt ohne eine erhebliche Steigerung der Gefck-afte; geschehen. Außeryem chr erforderlich, das; diese Vorlage noc!) we1tere Stadien" als die sMstt“

en die Etatsberatbung vvrbereitenden Stufen zaruckzuleg'en bajtc; ie War nicht einzubringen ohne die bcsomdere Gen'cbtntgung des Herrn Reichskanzlers, und dann mußte noch an dtx AUerböchste Stelle bkrichtet chden. Hierin, meine .Herren, und nichk_ m emex chn- gelnden Rücksicht auf die durch die Zeit bedingten Ges-Yastßverbqltmffe des hohen Hauses liegt der (Grund, _daß es uns mcht mßgltch ge- wksen ist, diese Vorlage glkich ber dem Hauptetak mxt einzu-

brin en.

chb Hoffe, daß S'p-“von der Nojhwendigkeit überzeugt sein wer- den. und es bleibt mir schließlich nur noch Übkiß, meinen Dank dafür außzudrücken, daß das Präsidium diesen Gcgknstand mit der heutigen TageSordnuno, auf den auch der Postetat steht, _vxrscbmolzen hat und daß das Haus dieser Tagesordnung gestern 1eme Geneh-

migung ertheilt hat. Der Abg. Richter (Hagen) bemerkte, daß es allerdings auffallend sei, daß jetzt eine Veränderung vorgeschlagen set, nachdem der Etat bereits aufgestel1t gewesen sLi. Ve1derschon in den letzten Monaten des vomgen Jahres erfolgten Etats- aufsteÜung müsse also das Bxdürfniß nicht sx) dringend empfunden worden sein. Ob die1er nene „Ministertals-Direktor mit der Reise des Kanzlers nach Wien „111 irgend emen Zu- sammenhang gebracht werden könne„ sei 1th dock) zwe1fe'lhaft. Wenn man den Aufschwung, der slch gezetgt habe, m1t der Reise nach Wien in Zusammenhang bringe, so könne man das ebenso gut mit dem seitdem in Deutschland in manchen Gegenden auMebrochenen Nothstany. Er halte Schlüsse nach der einen wie nach der anderen Rtchtung nicht für angezei t. Wenn aber wirklich eine bedentende Vermehrung der G2schä te im Postreffort eingetreten sei, dann müßte sie doch vor Allem in den untersten Instanzen fühlbar s-zin, und, er vermöge nicht einzuseßen, wie diese Instanzen“ durch dre Anstellung eines M1nisterial:Direktors von ihrer zu großen ArbeitLlast befreit werden sollten. Diese neue Stelle, sagten aber auch die Motive, sei darum nöthig, weil der Generalpostmeifter um Staatssekretär ernannt sei. Das sei nun schwer ver- Ztändlick), denn unter einem Staatssekretär könnten ebenso gut zwei wie drei Ministerial-Direktoren arbeiten. C'r be- dauere auch, daß der Titel „Generalpostmeister“, welcher alten dentschen Traditionen entspreche, aufhören sol1e. Ueberhaupt ändere der Träger dieses Amtes seinen Titel so oft, daß er um Entschuldigung bitten müsse, wenn er sich in der Bezeichnun irren sollte. Habe etwa die Erhebung des Postchefs in die eihe der „politi- schen Minister eine politische Bedeutung, so gefalle ste ihm noch weniger. Das Hineinziehen 5er Postverwaltung Yn eine politische SteÜung sei weder füx d1e Polttik noch für 516 Post von VortlZeil; denn eine technmche Behörde arbeite um so besser, je erner sie der Polittk stehe. Man habe es schon be- dauern können, daß das Stellvertretergeseß nach der Richtung eine Aenderung erfahren habe. Es gebe nzm Éeßen den obersten Chef dieser technischen Behörde gar keme _e chwerde- Instanz. Beschwerden gegen] die Post an den Retchskanzler würden von dem Vertreter desselben, Stephan, „eröffnet txnd seien natürlich wirkungslos. In dieser Lage befmde steh mcht nur das Privatpublikum, sondern auch dxe Ober-Rechnupgs- 'kammer: erhebe sie Monita gegen die Post betm Re1chs- kanzler, so bekomme fie vom Reichskanzler in Vertre- tung Stephan die Antwort, es _'1'ei kein Grund zu der Beschwerde. Am meisten gefalle ihm noch, daß mit der Titeländerung keine GehaltSerhöhung verbunden sex und in der instcht set er dankbar, knüpfe aber die Mahnung Zur Vorsicht ür das nächste Jahr daran; denn in dem Augxn- lick, wo die Regierung einen neuen Etat vorle e und eme Gehaltßerhöhung nicht verlange, erkläre sie selbß, aus der Aenderung eine GeYaUSerhöhun von 24000 auf 36000 «74

* - _ _ Erste „Beilage * zum Deutséhen *Reichs-Anzeiger )und «Königlich PWUßisthku *Staats-Anzeiger.

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Ste_Ue, deren Nothwen'digkeit er nicht einzusehen vermöge, zu bennlligen. - Der Abg. Dr. Lingens stimmte" dem Abg. Richter in allen Pynkten bei und bedauerte, daß das Haus eines seiner Mit: theder, welches fich der Bearbeitunß des Postetats mit großer iebe zugewendet habe, verloren ha" 8 (den Abg. Dr. Nieper); es wäre demselben vielléicht gelun en, auch in diesem Jahre die Vorberathung des Etats der oft- und Telegraphenver- waltung in einer besonderen Koknmission zu bewirken. Der Staatssekretär Dr. Stephan 'entg“egnete, er habe nicht gesagt daß die Reise des Reichskanzlers nach Wien der Grunö des steigenden Verkehrs gewesen sei, sondern nur daß die Steigerung-zsitlick) damit zusaMmenfalle. Ob es besser ge- wesxn wärs, diese Aeußeruxg zu unterlassen, darüber sei er al16_m„ sein eigener Richter. Die Aenderung des Titels sei ledtglrch eine nomineÜe, in der ftaatHrechtlichen und politischen Stellung des ChefS der Postverwaltung werde dadurch nichts geändert. _ Damit schloß die erste Lesung. , In der weiten wurde die tm NachtragSetat geforderte dritte Dtrektorste e mit 107 gegen 105 Stimmen bewilligt. Es folgte der Etat der Neichßpost- und Tele- graphenverwaltung und zwar zunächst Einnahme, Kap. 3, Tit. ], Vorto- und Telegrammgebühren 119 MiÜio: nen Mark. Die Kommission schlug durch ihren Referenten, Abg. Frhrn. zu Xranckenftein, vor, "diese Summe auf 120 Millionen Mar zu erhöhen. Der Abg. Richter (Hagen) bemerkte, es verlaute, daß die Postverwaltung damit umgehe, eine Einschränkung der Brief: bestellung am Sonntag in Berlin eintreten zulaffcn. Er wolle sich pieJrage erlauben, ob auch künftig die Sicherheit bestehe, daß m erlin die mit den Nachtzügen ankommenden Briefe noch am Sonntag Vormittag bestellt würden. Der Bunöeskommissar Gaheime Ober-Postratk) Kramm entgegnete, es bLstehe die Absicht, die 1th zweimalége Brief: bestellung am Sonntag auf eine einmali e zu beschränken. Das werde aÜerdings ur Folge haben, daS ein Theil der Briefe, die jeßt noch onntags in die Hände des Publikums gelangten, bis Montag liegen bleibe). Die mit den Nacht- zügen eingehenöen Briefe würden zum größten Theil noch bestellt werden, nur die aus dem Westen kommertden Züge langten zu spät inBerlin an, sodaßes11icht möglich sei, sie bei einmaliger Bestellung noch am Sonntag in die Hände des Publikums gelangen zu lassen. In dringenden Fäklen könne ja die Zustßllung im Wege der Eilbefteklung erfokgen. Der Abg. Richter (Hagen) erklärte, er gönne den Brief- trägern jede Erleichterung und 1056 Ruhe, besonders am

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Diese Exemplifikationen auf Hamburg und Altona seien daher, soweit er «die *Verhältnäffe ?kenne, “verfehlt. Die «ren in der Provinz sollten “doch nicht immer „ihren Maßstab an größere Verhältnisse anlegen. Diese .Herren aus 'der Provinz verkennten die Bedeutung des Handels und er habe hauptsächlich deswegen das Wortser- griffen, um einmal hier Frei vonder Leber we seinem Herzen Luft zu machen. Den Herren möge d e Stube lächerlich erscheinen, für die von “solchen Maßnahmen betroffene Geschäftswelt sei es nicht lächerlich, sondern im höchsten Grade ernst, weil .es sich um ihre vitalsten Interessen andele. Sodann möchte er jest an „die Postvermaxtuztg die rage richten, ob eventuell und inwieweit dieselbe gejonnen ei, den Besteüoerkehr und die Geschäfte der Post in Hamburg keanufchränken, damit man nöthigenfalls Schritte dagegen thun nne.

Der Bundeskommissar entgegnete, daS Vorgehen der Postverwaltung beruhe lediglich auf einem Be1chluß des Hauses, der aber nicht mit erheblicher Mehrheit, sondern „nxn: mit 125 gegen 118 Stimmen gefaßt sei. Man könne stch nicht verhehlen, daß dxe Sache große Bkdenken habe. Die aus dem Osten und Norden und über Breslau mit den Nachtzügen an- kommenden Briefe würden am Sonntag noch bestel1t werden, nicht aber die mit dem Zuge von Lehrte und Frankfurt a. M. ankommenden. Wenn das Publikum das wisse, glaube er, könne keine Unsicherheit entstehen. *Die Sache sei nur ein Versuch, es werde sich ja ergeben, ob man damik zurecht- kommen könne, oder ob eine große Zahl von Beschwerden hervortreten werde, die eine erweiterte Besteüung a15noth- wendig erscheinen lasse. . '

Der Abg. Stumm bemerkte, ganz so schlxmm wxe der Abg. Möring dis Sache in den Provinzen dargestellt habe, set - [te doch nicht. In sehr vielen Fällen sei der Geschäft-sverkebr- m Provinzstädten bedeutendßr und wichtiger als 171 mancher großen Stadt. Lille Achtung vor Berlin und Hamburg;_ aber die Handels- und Verkehrsintereffen Londons jjänden chUen doch gewiß gleich, und in London würden die Briefe auch nur einmal ausgegeben. Was für London genüge, soklte 556) auch für Berlin hinreichsn. ES sei nicht möglich, die Rückncht auf die Sonntagsfeier der Postbeamten und die Verkehrsintereffen absolut zu vereinigen, entwsder werde man mehr na xder einen oder nach der anderen Richtung hinneigen. Jede "ck- sicht auf die Sonntagsfeier der Postbeamten wsrde, den' Ver- kehr schädigen und umgekehrt. Es komme auf 5:2 mchtige Mitte an. Um der Postverwaltung nach dieser Rtxkxtung hin eine Direktive zu geben, dazu könne der Dialog zw11chen„xdem Abg. Richter und ihnrMchsdi-xneu. Der Abg. NickzterMöge

Sonntag, und evbedaure nur, daß-«vée Zahl der Freien Ta e jeßt eine geringere geworden sei, aber er wüns e doch, daß man die Rücksicht auf den Verkehr Nehme, daß am Sonntag mindestens die mit den Nachtzügsn bis 71/2 Uhr Morgens eintreffenden Briefe zur Bestellung gelangten. Eine solche Maßregel, wie die einmalige Briefbestellung, werde auch zur Sonntagsheiligung nichts beitragkn, denn man wsrde jeßt in der Provinz viel eher geneigt sein, die Briefe am Sonntag zu schreiben und aufzugeben, weil sis ja doch erst am Mon- tag in Berlin bestelLt würden. Es sei doch höchst bedenklich, wenn die Hauptstadt des Lande?» im Verkehr mit den Pro- vinzen um 24 Stunden zurückbleibe.

Der Abg. Stumm konstatirte, daß das Hans “Der Post: verwaltung nur dankbar sein könne, daß sie der im vorigen Jahre durch die Majorität des Reichstages gcgebsnsn An: rsgung gemäß die nötbige Rücksicht auf die Sonntagsfeier der UUterbeamten der Post genommen habe. Wenn der Abg. Richter meine, daß durch die nene Einrichtung, welche die Post getroffen habe, die Sonntagsfeier geschädigt werde, weil das Publikum alsdann des Sonntags Briefe schr2ibe, so sei daS nicht zuzugeben, denn das Briefschreiben könne die Sonytags- feier nicht schädigen. Wohk aber werde die Sonntagsfeter 5a- durch geschädigt, daß eine: große Anzahl von Beamten mcht blos während dcs Gottesdienstes, sondern dsn ganzen Sonntag Über sich im Dienst befinde. Die Sonntagsfeier werde un- zweifelhaft durch die Maßregel der Postverwaktung gxfördert und dieselbe komme damit einem Wunsche des Hause?: nach.

Der Abg. Dr. Lingens erklärte sich mit den Ausführungen des Vorredners einverstanden. Das HauH habe im porjgen Jahre mit großer Majorität dM Beschluß gefaßt, daß d1e Posi- verwaltung die Einrichtung treffen soüs, durch welche unter Wahrung der Verkehrsintersffen den Unterbeamten der Post die Möglichkeit geschaffen werde, in weiterem Umfange gls bisher zu einer Sonntagßfsier zu gelgn'gen. S_o w1e dw, Em- richtungen bisher beständen hätFen, set 1k)nen d1efe Nkög11chkc§1t an einzelnen Orten vollständig bénommen, namcntnch 111 Hamburg und Altona. .

Der Abg. Richter (Hagen) bemerkte, er habe mchts gegen eine Schonung der Beamten, es müsse _aber 5an Verkehrs- intereffe dabei berücksichtigt werden. Es 1rage s1ch, ob, nzcht in diesem FaÜe die Jutexeffen des Verkehrs und 512 Nitckstcht auf die Beamten vereinbar seien. Man habe eine Folehe Em- richtung schon früher gehabt und set schlecht dabet gefahren. Für Berlin liege eine besondere Erschwerung des Verkehrs darin, daß die mit den Nachtzügen ankommendezt Brtefe mcht mehr am Sonntag bestelXt werden' sollten. DW Hßrrczxt aus der Provinz möchten die Sache letcbter _nehmen, W611 516, Be- stellung der Briefe in den kleinen Provrnzmlstädten 1a [etchter sei als in Berlin. _ ,

Der Abg. Möring erklärte, guck) er strxnme mtt den Vor- rednern in dem Wunsche überem, daß mcht bloZ Hen Pyst- beamten, sondern t unlichst allen Stathbeamtey mogltchst mele Zeit zur nöthigen rholung unter emer 'Bedmgung zxx ge- währen sei, daß Handel und Verkehr mcht darunter ltx'ten. Jnkeiner Weise dürfe man dw Post ermuntern, mm uber das gegebene Maß hinaus ihren Beamten eme übergroße Ruhe

u gewähren. Dem Abg. Lingens, der hier auf quburg und letona exemplifizirt habe erwWere er, daß, sowe1t1hm dte Ver- hältnisse bekannt eien, m Hambyrg kxineswegs am Synntag die Geßchäfte auf em Postamt dte glet en gewesen seten und no se en, wie an den Wochentagen. er 111 Hamburg lebe,

nicht nothwendig zu folgern se. Indessen diese Dankbarkeit könne ihn nicht so rühren, daß er sich veranlaßt sähe, diese

wi e daß an Wochentagen auf dem Hauptpostamt 5, 6 und 7 (Halter mit Beamten beseyt selen, an den Sonntagen nur einer.

einen bestimmten Antrag stellen, und es werde sich. dann Fin- F?",l ob das Haus bei seinem vorjährigen Beschluß stehen ewe.

Dex“ Abg. Dr. Lingens berief sich zur Begründung „seiner Ausführungen bezüglich Altonas auf emen Bericht der schles- wig-holsteinischen Provinzialsynode. Der Bundeskommissar habe mit Unrecht an die Zahlenverhältniffe der vorjährigen Majorität einen kritischen Maßstab ngLgt, zumal hoch heute der dritte Direktor nur mit zwei Stimmen Ma1orität be- wiÜigt worden sei. , '

Der Abg. Sonnemann führte aus, eme AUEgletchung zwischen den Bedürfnissen des Publikums und der Fürsorge für die SonntagSruhe der Postbeamten halte er dadurch für möglich, daß etwa die bis 8 Uhr Morgens psr Nachtzug axx- kommenden Briefe vertheilt würden, er glaube, daß dmnjt die große Mehrheit des Hauses. einverstanden sei. SemeZ'Wtffens - und er habe viel Verkehr mit Postbeamten - 1e1 eS_' für dieselben viel wünschenswerther, für den „Sonntag Nachnultag eine Stunde frei zu bekommen, wenn sxe auch am Sonntag Morgen eine Stunde länger arbeiten müßten. Sodann möchte er den Staatssekretär fragen, ob derselbe geneigpwäre, eine in anderen Staaten bereits bestens bewährt? Einrtchtung, die der verschlossenen Vrieffächer oder 50va emzuführen. Diese imvcndig von der Post geschlossenen unh von außen o_om Publikum zu öffnendon Fächer bedingten exne außeroxdentlxcbe Zeitersparniß für daS Publikum, welches 1ederze1t seme Post- sendungen abholen könne, ohne warten, zu müssen. In Rory- amerika habe man diese box€§ zuerst emgefüh'rt; , dre Schwe1z und sogar Japan sei dem Staatssekretäx nnt Reset; Reform voraus; er habe dieser Tage einen Bextcht über, japanische Posteinrichtungen gelesen, worin. es hetße, daß m größeren Städten diese 001038 eingerichtet feten. ,

Der Bundeskommiffar Geheime Ober-Postrath Mteßner erwiderte, die hauptsächlich m Nordamercka emgeführtxn [Etter-WMZ seien der Vostbehörde wohl hekamxt _und auch m Bremen praktisch eingeführt worden. Dress metchtung hahe Lick) bis jeßt aber noch mehr in dem Maße bewahrt, Yaß'ste

ich znr aklgemeinen Einführung, empfehle. Dte Verhalxntsse im deutschen Reichspostgebiete sexen anderer chtur als _51e m Nordamerika, wo nur Briefpostgegenständ? befordert „wurden, wo es fich also nur um das Abholen emfacher Brxefe-“tznd Kreuzbänder handele, während in Deutschlgnh auch Geldbrtefx und Werthftücke zur Abholung kämen. Bet d1efen leßterxn set es doch zweifelhaft, ob man deren thyluyg, sonxle dre der einfachen Briefe gestatten könne. Dte'E1nr1chtung tn Bremen sei allerdings iemlich leicht vom Pybltkumaufgenommen“ wor- den. Jedenfa s könne er die Vexstcherung geben," daß, Wenz: die: Einrichtung fich so ausgczexchnet bewähren sollte:!s ww namentlich von den nordamcrikamschen LUter-box-Fabriéanten behauptet werde, dieselbe auch in Deutschland we1teren Boden finden werde. . . -

Der Abg. ])r. Windthorst erklärt?, er könne das vom Abg. Dr. Lin ens über die_SomJtstfé1'er Gesagte*nuv'voll- ständi unter reiben. Allem fruit set die Postvemal-tung schwerich im tande, die Sache in wünschenswerther Weise zu ordnen. Es sei hohe Zeit, daß von der höchstmA-utort- tät herab erinner: werde „(zu das Gebot:, „Gedenke des Sabbaths, daß Du ihn hetl1 F!“ *Das set der erste- und wichtige Gestchts unkt dem O1 die anyeren unterordnen müßten, das Ge ot stehe über jeder Ma orität, dann*-“-solle

'der Sonntag ein Ruhetag sein. Die Ru e werde aber den Postbeamten und einer großen Reihe anderex- ?WWZtew kategorien nicht gewährt; ähnlicherUnfug bestehe m Fabnken,