1880 / 93 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 20 Apr 1880 18:00:01 GMT) scan diff

letzterem ist jeweils sofortige Anzcige davon zu erstatten. Eine nur vorübergehende Steilvertretung odcr Aushülfeleiftung kann das Ministerium ch Innern auch sol:!wn G2isilichen ge- statten, wclche hinsicht1ichihrer allgemein wissenschastlichenVor; bildung nicht ailen Aniorderungcn, die das Grieß als Regel sieth, entsprechen. Weder einer Vorlage noch einer Anzeige bedarf es fiir die Ausiibrmg einzelner kirch1ichen Handlungetz durch auswärtige, blos voriibergsbcnd im Großherzogthmn 1ich auf- haltende Geistliche, wenn die betreffenden Handlungen weder in Ausiidunxi eines geistlichen Amtes, noch als SiSllvcrtretung oder Au-I-hülfe in der Seelsorge, sondern nur als eigene Andachtsüdungen des Geistlichen staitfindrn (z. B. dri so ge- naémtcn Vrivatmcffcn). Den zu einem Kirchenamte oder zur Kündigen öffentlichen Llusiibung kirchlixhrr Funktionen im Großherzogtiwm staatlich zugelassenen Getstiickyeir oder Kan- didaten des geistlichen StandeS stelit daß Mimjierium des Innern hisriiber Beurkimdrmg aus und wrrden die Namen drrselben im StactiZ:Iinzcigcr bekannt gemacht.

Oldenburg. Oldenburg, 16. April. (Wei. Ztg.) Nm 1. d. ist das GeiSH fiir das Großherzogthmn Oldenburg vom 12. Februar 1880, betreffcnd die Zwangéöerz-iehring verwahrlosier Kinder und jugendlicher Uebel- thäter, in Kraft grtreten. Abgrsehrii von dem Faiie, in wrlchem ein Angesrbrtldigtcr, der zu einrr Zeit, als er das zwölfte, aber nicht das achtzehnte Lrben-Zjahr voiirndrt [wire, eine sirafbarr Handlung begangen hat, aber frrigeiprochen ist, wril er bei Begehung derselben die zur Erki-Untniß ihrer Strafbarkeit erforderlichr Einsicht nicht besaß, nach Maßgabe des §. 56 des Strafgesetzbuchs durch den Strafrichter einer Er- zirhung-Z- oder Briserungsanstalt Überwiesen ist, wird die Zu: Lässigkeit der Zwangserzielwng durch das Gessi; in dreiFiillen be- stimmt. Die ZwangSerirhimg kann angrordnet wrrden: 1) gege_n jrxgrjidlicde Personen, gegen wrlchs gemäß §. 57 deß Stras- grseßbuchs eine Freiheitsstrafe von wrniger als sechs Monaten erkannt ist, wenn in Berücksichtigung ihres Alters und seit- prigen Betragens dir Zwangsixrziehimg zum Zwscke ihrer sittlichen Besserung erforderlich erscheint; 2) gegen Kinder unter 16 Jahren, wr1che so widerspenstig oder Ungehorsam gcgen ihre Eltern oder Vomesrßten sicb betragrn, daß die Fürsorge der Familie oder der Arrnenbehördr ale“; ririziir€ichend zu ihrer Besserung sick) zsigt, sofern nicht deron Vrrweisrmg in die ZwangIardeitSanstalt nach Art. 4 Ziffer 8 des Geseßes vom 14. März 1870, die Zwanchardeiisanftalt betreffend, für erforderlich oder für angemeisener erachtet wird. Jn_ diesen beiden Fäklen kann, falis der zur Ernährung des beirefsendenKindeE Verpflichtste. oder dieses selbst keine Unierstiitzimg ÜUS Armen- mirteln erhalten, diE Zwangserzielwng vrrfiigt werden, wenn der erstdre damit einverstanden ist, Und, falls das Kitid untrr Vor- wundichaft sieht, wenn der Vormund und die Vormundschafts- bshörde konsentiren. Tie Anordmiiig der Zwangserziehung erfolgt durch das Staats-Miniftrririw, Departement der JUstiz. 3) Gegen Denjenigrn, der nach Vollrndung des achten und vor Volirndung des zwölftenLedenHjahrs eine strafbare Hand- limg begangen hat, wenn die ZwangSerziehung mit Riicksicht auf die Beschaffenheit der strafbaren Handlung, auf die Ver- sdtilichkcit dcr Eltrrn oder sonstigen Erzieher des Kindes, oder quf_ dessen iibrige Lebenswerhältniffe zur Verhütung weiterer sittlicher Verwahrlosmig erforderlich ist. In diesem Falie kcznn die Zwangser iehung erst angodrdnet werden, nachdem die Vormundscliafts edörde (Amtsgericht) den Eintritt der vorstehenden Voraussetzungen unter Bezeichnung der für erwiesen erachtrten Thatsachen festgestellt Und die Unter- brmgung für erforderlich erklärt hat. Die Unterbringung zur Zwangserziehnng erfolgt in ailen drri Fiillen entweder in 211181? greigneten Familie odrr in der Erziehungs- und Besse: rrmgSanstalt. Diese Anstalt ist in Vechta errichtst und steht unt_er der Aufsicht des StaatS-Ministeriums, Departement der Irritiz. Die Leitrmg Und B9artfsichtigung drrselben ist der Direktidri der Strafanstaitcn zu Vechta iibertragen, welche in dies.;r Exgenschaft den Namen „Direktion drr Erzirhungs- und Briicrungsansialt zu Vrckzta“ fiihrt. Die Zöglinge werden in drr Anstalt vorznngeise mit landwirthschastlichen Arbeiten, außerdcm aber, iusozidcrheit im Winter, für die Fabrik der Strafanstalten beschäftigt. Mit der Unterbringung der nach Maßgabe des Geseßeß zur Zwangserziehung in einer Familie [)'LsUMX'Uth verwahrlosten Kinder und jugendlichen Uebelthäter sind die Aernter und die Stadtmagistraie der Städte erster Klasse beauftragt.

_, Elsaß=Lothringem Straßburg, 19.2lpril. (W.T.V,) W)? die „Elsaß-LothringiWe Zritung“ meldet, hat der B11ck0f Raeß nuxnnehr die staatliche Genehmigung zur An- stdiiririg der Lehrer_1iir das Knabenseminar, welches in Zr 111s1)ei_m eröffnet wsrden soll, bei dem Statthalter nach- geiricht. Die Genrhmigung ist ertheilt und dem Bischofs [ckWie zugestrllt worden.

Oesterreich-Unggrn. Wien, 19. April. (W. T. B.) D;: grstrrge Miii_isterratk) beschäftigte sick) ausschließlich MLT laufenden, Geschaftcn. Das „Telegrap[)en-Correspondenz- Bicreau“_ bezeichnet es ach unrichtig, daß im Ministerrath irgend eme Mit der parlameiitarisckwn Situation zusammen- lwugcnde Exitschiießng aetrofsen wurde; vor Erledigung dess Budgets sei keinerlei Entscheidung in diessr Beziehung zu erwarten.

- Der „Montagsr.“ zufolge werden die El ubo [) männer des" 21 bgeo rdnetenhauses an einem der nächsten Tage beim VraftdenienGrafen Coronini zusammsntreten, um zu bera- tdrn, ,wie die durch die Situation gcbotcne rasche Erledigung der wrchtrgsteonrlagen ins Werk zu seßen sei.

, _ Wie die „Presse“ meldet, werde MinisterStremayr Lilien längeren Urlcrub antreten zur Herstellung seiner Gesund- brti und er_ dürfte'sick), sobald es seine Kräfte erlauben, wie fciwwieit einer Reihe von Jahren, zum Kurgebrauche nach Krapma-Teylty begeben. Während der Dauer seiner Abwesen-

eit „soll „Minister Prazak die interimistische Leitung des

.;ustrz-Mmrsteriums iibernrhmen. ,

- Die _„Neue freie Presse“ meldet: Baron Hay- merle hat _ sick) an _den italienischen Botschafter Grafen Nobilant mrt dem Eryuchen gewendet, die italienische Ne- gierung zu verständigen, daß die Aktion der Triester Polizei wwer Cavalotti von den Regierungskreisen mißbilligt werde. Graf Taaffe, nachdem ihm die übereilte Verfügung bekannt wurde, [m_be dieselbe durch einen Erlaß sofort außer Kraft „grievt. Mittlerweilx war Cavalotti abgereist. Die österreich1sch:1mgnrisch2 Regierung werde stets bestrebt sein, Lilies zu ve_rmerden,_w9s die Freundschaft zu Italien stören k-(mnte. Hiermit crycdemt die Ölffaire erledigt,

Pest, 18. April. Der Finanz-Minisier Graf Szapary hat gsstem die Leitung des Kommunikations-Minifte- riums übernommen, in der Ansprache aber, die er bei diesem Anlaß an den Beamtenkdrper richtete, nach der „Bud. Corr.“ betont, daß er fick) blos als provisorischen Leiter dieses Mini- steriums betrachte und daß er „hoffe“, in kurzer Zeit einem definitiven Ressortchef Plaß zu machen. ' ,

»- Der Vanus Graf P ej a c H e nich , sowre die Mitglieder der kroatischen Negnikolardcpntation langen, wie man der „Bud. Corr.“ berichtet, morgen in Pest ein, um die Verhandlungen bezüglich des ungarisch-kroatischen AUSgleichI wieder aufzunehmen. Die ungarische Regnikolardeputation hält am nächsten Dienstag eine Sitzung. - Der Kultus: und Unter- richts-Minister hat Sr. Majestät bereits einen Vortrag, be- treffend die Ernennung eines FÜnfzehner-Funda- tionala-usschusfes unterbreitet, io daß die Ernennung dieses Briraihcs, der bei alien arif die Fonds und Fundatidnen bezüglicden Angelsgenheiien seine Meinung abzugeben haben wird, schon in kurzer Zeit zu erwarten ist,

Belgien. Brüss el, 17. Aprik. (Cöln. Ztg.) An dex, verstorbrnen Hubert Dolez SteÜe ist zum Senator der vom hiesigen liberalen Verein aufgrsiclite P i r 0 n : V a n d r t o n hrute dUrch 1190 Stimmsn gewählt worden. Die Klrrikalen hatten auf die Betheiligung an der Wahl verzichtet. - Am Schluß diesrs Jahre?- soli eine allgemeine Volkszählung sowie auch eine Aufriahme dcs landwirthschaftlichen und ge- werblichen Vestandeß vorgenommen werden. Der (Heseßent- wurf, der dazu einen Kredit von 900 000 Fr. anweist, ist der Kammer vom Minister des Innern vorgelegt worden.

Großbritannien und Irland. London, 18. April. (Allg. Corr.) Dem neuen Parlament gehören, dem „Law Jonrnal“ zufolgr, nicht weniger alZ 129 Rechtsgelehrt? als Mitglieder an,

Es herrscht allgcmrin die Ansicht, daß das Uebunch- schiff „Atalanta“, über dessen Verbleib noch immer keine Nachrichten eingrgangcn siiid, eine der BermudaJnseln ange- laufen habe, ehr eZ nach Europa segslte. Gcographen halten es fiir ein Fahrzeug von mehr als 101 (Hoyalt für gefährlich, die nach den Inseln führenden Wege zu befahren, Und für ein Schiff von der Größs drr „Atalaxita“ wiirde dies Unter- nehmen zweifellos mit Ungeheucren Schwirrigkeiten verbmiden gewesen sein. Die sich 10 Meilen weit von den Inselxi erstreckenden Klippen machen erstere so unzugänglich für große Fahrzerige und feindliche Geschwader, daß alle Befestigungswerke fiir iibeifiiissig erachtet wurden, und mshr als ein engliscth Krirgs-sckiiff hat brrsits dafiir büßen müssen, daß es sich den BrrmndaJnirln ZU sshr näherte, wenn einer jener periodischen Orkane diesen Theii des Ozeans heimsuckyts. An diesen Koralicnriffen war es, wo im Jahre 1775 da;?- Krisgssckziff „Repulse“ mit seincr Maunschaft und 35 Kanonen seinen Untergang fand. Anek) ging in der Nachbarschaft dieser Inseln während eines schrecklichen Sturmss im Oktober 1780 beinahe eine ganze britische Flotte zu Grunde.

Aus Allahabad wird dem „Daily Chronicle“ unterm 14. d. gcmeldst:

Der gestrige Durbar in Kabul tvar erfolglos. Kein Chef von wirklicher Bedeutung roa zugc-gen, und es wurde nichts eregelt.

äbrend der Durbar abge alten WÜWL, batte (General rights

lonne aus Gundamak mit den (GbilzaiF' im Hiffarak-Tbale ein s arfes Gefecht zu bestehen, dessen Ergebnis; noch unbekaxmt ist. Man errvariet weitere Kämpfe in dieser Gegend.

Der „Daily News“ wird aus Kabul vom 15. d. telegraphirt:

Die zur Züchtigung der Dorfbewobuer im Hissarak aus- gesandte Streitkraft wurde auf einer Rekognoszirung vom Feinde angegriffen. Ein Kommissariaisbeamter wurde getödtrt, und zwei Offi- ziere trugen leichte Verwundungen davon. Abdurrahman versen- dct an sämmtliche Chefs Briefe, worin er seine Ansprüche als Emir geltend macht und die Adma-Qung bezüglich Kandahars mißbiÜigt,

Unter dem 16. d. wird demselben Blatts gemeldet:

Die Streitkraft unter General Ros; maricbirte heute ab, um eine Vereinigung mit General Stewart zu dkwerksteiligen. Sie besteht aus 10 Kanonen, 668 Mann Kavallerie, dem 9. Fußregiment, den 24. Punjabs, den 23. Pionieren und den 4. Gbnrkas, im Gau- zen aus 4000 Mann, Mahomcd Jan ist nach Gbuzni geflüchiet Guerillakämpfc stehen in wenigen Tagen bevor.

_- 20. April. (W. T. B.) Der bisherige Staatssekre- tär de?- Jnnern, Croß, ist zum Ritter des Großkreuzes des Bath-Ordens ernannt worden.

Ein Telegramm der „Daily News“ ans Kabul, vom 19. d. M., meldet: Die: HazaraS-Stämme nahmen Ghuzni cin; Moosa Khan wurde von dem Bruder Moha- med Jans nach Wardak gefiihrt; die Chefs der Kohistanis smd in Cabul eingetroffen.

. Frankreich. Paris, 17. April. (Cöln. Ztg.) Am Dienstag sind die Parlamentsferien zu Ende, und schon herrscht reges Leben in den Deputirtenkreisen. Die Minister smd auch bereits sämmtlick) wieder auf ihren Posten und halten täglich Sißung.

Am Montag wird im Ministsrium des Unterrichts die Stimwzählung der Wahlen fiir den höheren Unter- richtSrath vor enommen worden. Die in Paris von den griehrten Körper?chasten gemachten Wahlen sind bekannt, aber die Voten der Fakultäten und der Delegirtcn des Sekundär- und PrimärUnterrichts werden unter Siegel dem Ministerium zugesandt. Der höhere Unterri tHratl) enthält außer dem Minister, der von RechtSwegen räsident ist, 58 Mitglieder, von denen 45 durch Wahl und 13 durch Dekret des Präsiden- ten der Republik ernannt werden. Von diesen 13 Mit liedern wüffen vier unter den Vrrtretern der freien Privatschu en und die anderen rmter den Direktoren des Ministeriums, unter den Inspektoren und Professoren der Staatsanstalten, oder unter dendMännern, welche diese Aemter bekleideten, gewählt wer en.

Der Staatsrath hatte in seiner Donnerstagssitzung mehrßre päpstliche Bullen, welche Prälaten in partjdug und and utoren ernannten, cinzuregisiriren. Bei dieser Gelegen- hxit eschloß der Staatsratl), in den offiziellen Dokumenten die Erzbis öfe und Bischöfe fortan mit dem Titel „Mon- suxurs“, krat des Konkordats, und nicht mit dem Titel „Mon- seigneurs“ zu bezeichnen. Diese letztere Titulatur wurde Übri- gens erst unter dem Ministerium Oilivier eingeführt. Dieser Beschluß des Staatsraths wurde troß der Opposiiion des Di- rektors des Kultus-Departements, lourens, gefaßt.

Der_ „Temps“ schreibt: „( n jedem der Proteste, welche die Spißen der Geistlichkeit aus Anlaß der De- k rere vpm 29. März an den Präsidenten der Republik richten, findet man die Versicherung wieder, daß die Sache der Kdn regationen die Sache der Kirche sei. Dies wird von den Bis dfen insbesondere hinsichtlich der Gesellschaft Jesu betont.

Zwischen drn Söhnen Loyola's Und uns, sagen die Bischöfe, gwbt es keinen Unterschied; wir find mit ihnen und sie find mrt rms. Alis fiihren dieselbe Sprache,. 21112 sagen mit dem Erzbischof von Bordequx: Wir find mit den Jesuiten solida- risch verbunden. Diese Thatsache ist in der französischen Kirch? emr nerxe, eme bedauernswer1he Erscheinung, welche deut11chfzeigt,_w1e sehrseit einigen Jahren die Ueberlieferungen der Nationqlkirche, der Kirche Boffuets, in Ver effenbeii gerathen sind. In friiheren Zeiten hätten die französiJchenBischöfe nie- mals, nicht einmal unter der Restauration mit den Kongrega= tionen, am allerwenigsten aber mit den Jesuiten gemeinschaft- liche Sachr gemacht, Niemals hätte die Kirche vor der Umge- ftqltung, die sie leider in den leßtcn Jahren des Vontificats Pius' 11T, xrlitt, ihre Interessen mit denen der Mönche auf 61136 und dieselbe Stufe gestelit. etzt wird uns dieses Schau- sznel gebdtexi. ,Die Wertgeiftlicheit verschwindet [iintcr der Klostergerstlrchkeik Die Jesuiten und die Kirche sind Lins, undwan sagt uns: die Jesuiten brseitigen heißt die Kirche desritz-grn. Richis ist beklagencZwerthrr, als diese Haltung des sranzoiischrn Episkdpals, und die Bischöfe dürfen sich nicht tausckwn: Frazikreick) wiirde ebenso wenig die Oberherrschaft der „_Kongrsgatwnen in der Kirche ertragen, al?» es in die Be: ichranung der Freiheit der Kirche und der Gewissenßreckzte Willigen wiirde. Unsere Bevölkerungen ehren den Priester, aher drr Mönch flöszt ihnen Mißtrauen ein. Wenn die Bischöfe zwischen den Jesuiten und der Kirche nicht unterscheiden, so 1xnterscheidet Frankreich sehr wohl, und es wäre schlimm fiir die Kirche, wenn dem nicht so wäre; denn wsnn sich im Lande die Meinung festsetzte, daß die Gesellschaft Jesn und die Kirche Unauflöslich mit einandrr verknüpft sind, so würde der kgtholiföhe Glaube eine Erschütterung erfahren, voxn der er sich mrileicht nicht wieder erholen könnte. Die Bischdfe sollten die Verhältnisse genugsam kennen, um zu wissen, daß emeBerschliznmer1mg .der jrßigen religiösen Krise, ein Krieg zwischen Kirche und Staat, zwischrn Geistlichkeit und Nation nur Juni Schaden, wenn nicht der Religion, dock) we- nigstens dcr Prwilrgien und Rechte der römischen Kirche aus: failen wiirde., Das große Ziel der Kirche, ihr Heil möchten wir sagen, iiegt in dcr Veschwichtiguna. Mlein man wird diese Beschwrchtigung nicht durch den Widerstand gegen die Gesetze rwd gegen die Regierung in einem Lande erreichen, welches niemals die Sache der Religion mit drrjenigen der Söhne Loyola's oder irgend einer andern Kongregation ver: wechselt hat.“

- (Fr. Corr.) Die Möglichkeit, daß die Deputirten-

kammer sckwn in ihrer bevorstehenden Session sick) für auf- gelöst erklären und beschlirßen könnte, die Neuwahlen, statt auf 1881, auf Ende dieses Jahres anzrwrdnen, wird in re- publikanijche'n Kreisen ernstlich erörtert. Es handelt sich hier um eme freie Auslegung des Artikels der Verfassung, welcher den Vonyachten des Libgrordnetenhauses eine Dausr von vier Jahren giebt. Diese Vollmachten, behauptet man nun, liefen niich „dem Votum dcs vierten Jahresbudgstox» ab, und nachdrm die ]eßi 0 Kammer die Budgets von 1878, 1879, 1880 und- 1881 bexckzloffen hätte, stünde ihr das Recht zu, ihr Mandat niederzulegen. Auch gemäßigte Republikaner halten dies für das gee'ignctstc Mittel, in der republikanischen Majorität, welche ]eßt' durch ihre Spaltungen eines gemeinschaftlichen Vdrgehens in allen wichtigen Fiillen unfähig ist, eine größere Einheit lerzustellen. . - W.T.V.) Die „Times“ vom 20. April veröffent- licht ein Cirkularschreiden deS Conseils-Vrä- sidenten de Freycinet an die diplomatischen Vertreter Frankreichs im Auslande. Zn demselben wird hervorgehoben, daß die Regierung keineswcgs den Wunsch hege, eino Aende- rung in der von Thiers befolgten Politik eintreten zu lassen. Die Regierung sei stets bcmiiht gewesen, die Ausführung der Verträge zu beschleunigdn und eine friedliche Lösung der schwe= betiden Fragen herbeizuführen; sie hoffe, daßzwisthen England und der Pforte ein Einverständnis; bezüglich der Operationen der internationaien Kommission zur Regelung der griechischen Grenze hergestcüt werden und dieses zu Liner baldigen Lösung dieser Frage fiihren würds. Was die Hartmannsche Ange- legenheit angels, io diiréte Fürst Orloff daS bedauerliche Mißvrrständnié aufgeklärt habrn; die Regierung hade alles Mögl1che gethan, um der russischen Regierung den Beweis zu liefern, daß ausschließlich in der bestehenden Geseßgedung liegende Ursachen für die Weigerung, Hartmann auszuliefern, bestimmend gewesen seien; sie hoffe, ihre Bemühungen würden eine ruhige Beurtheilung der Thatsachen Seitens des großen Landes, dessen Freundschaft Frankreich wrrthvoll sei, herbeiführen.

Italien. Rom, 19. April. (W. T. B.) Im Senat wiederholte heute bei Berathung des Budgets für das Mi- nisterium des Auswärtigen in Erwiderung auf verschiedene bei der Diskussion vorgekomnicnc Aeußerungen der Minister- Vräsidcnt Cairoli die bereits in der Kammer abgegebene Erklärung, daß die Regiernng jede Handlung und jrde öffcnt- liche Kundgebung untersagen un) bestrafen werde, welche die internationalen Beziehungen Italiens kompromittiren könnte. Die Regierung sei sich des zwischen einer guten inneren und einer guten auswärtigen Politik bestehenden Zusammenhanges wohl bewußt. Dis Beziehungen Italiens zu allen Mächten seien vorzügliche, iiberall werde der entschiedene Wunsch ausgesprochen, daß der Frieden aufrecht erhalten werde. Die guten Dienste Italiens m Vezu auf die montenegrinische Grenzrcgulirung

ätten einen vol] tändigcn Erfolg gehabt. Alle Mächte hätten dem von der Türkei und von Montenegro unterzeichneten Protokolle ihre Zustimmung ertheilt; er hoffe, der Friede werde kein i(luiorischer sein. Immerhin dürften die Mittßl zur Vertheidigung nicht vernachlässigt werden. Die Politik Italiens müsse eine friedliche und kluge sein, die die Recht? und P ichten Italiens nicht außer Acht laffe. Mamia'nt sprach ich für eine Allianz mit England aus, die für Italien die beste sei. Pepoli meinte, die ganze Fürsorge Italiens und Europas müsse der sozialen Frage zugewendet werden. -- Die Berathung wird morgen fortgeseßt werden.

' Türkei. Scutari, 18. April. (Pe|.L.) Nachrichten aus Dxakova dom 15. d. M. melden, daß der Exekutionsaus- schuß der Liga den Beschluß faßte, die an Serbien abge- tretenen albanesischenGebietstheile zurückzuerobern, weil die serbische Re ierung die Arnauten aus ihren Wok)!“ sitzen vertreibe. Me emed Bedri Beg befehligt die dorthin abgesandten _Li atruppen. Bei Wutschitre und Kurschumhs fanden für die rnauten siegreiche Treffen statt. Die idr- kischen Abtheilungen, welche die Arnauten an der Ueberschret- tung der Grenze hindern wollten, ergaben sich nach kurzem Kampfe und traten in den Dienst der Liga ein. Der Lma- Kommandant in Novibazar, Achmed Curie Beg. erhielt Be-

e l, die Ruhe im Sqndschak azisrechtzuerhalten und jede Vro- vfoßation der österreichisch-ungarischen Truppen zu vermeiden.

Rußland und Polen. St.. Perersburg, 18. April. (St. Pet. _., tg.) ' Nachstehende Mittheilung der Regie- run vero ewtlicht der heutige „Regierungs-Anzeiger“:

n der Hochsten Ayordnenden Kommission war die Frage von der Lage der unter polizeilicher Afui'sichtwestebenden Personen an- geregt worden, sowohl der guf admmistratwem Wege aus ihrem be- ständigen Wohnort ausgewiesenen, als auch der an Ort und Strüc untcr Aujficbt stehenden. Aus der Zahl solcher Personen wurdrn Einzelne in Folge der, gegrn fie erhobenen Anschuldigungen der poli- tischen Utizuverlafsigkeit dieser Maßregel unterworfen, Andere da- gegen, Welche der lernenden Jugxnd 'a'ugehört hatten, geriethen unter polizeiliÖk Aufsicht nach ihrer zeithtligen oder dauernden Enffernung aus den Lebrgnstaiten Mgerbeilnabme cm Unordnunqen, Ueber- iretung der DiSziplmarvorschriften, Renitenz gegen ihre Vorgesetzten

U- dg ' M' ., o ' ' Bei den uder dicse wiwirge Frage gepflogenen Beratbungen ge-

* [angie die Höchste Anordnende Kommission zu der Ueberzeugung, daß

einige der erwähnien Persdnen Unter der Schwere der von ihnen erduldeten Strafe „ihre Vertrrimgen schon erkannt und durch ihre spätere Führung nicdt nur keine Erschwerung ihres Looses hervor- gerufen, sondern, wie (ius den eingehenden Gesuchen der örtlichen Gouverneure ersichtltch_ ist, sich, delobigender Atteste der fie über- wachenden Obrixzkeit wurdta gezeigt haben.

Diese Errvagung berührt nacb Anfichi der Kommission ins- Besondere die jungen Leute, welche aiiläßltch der AUSWeisung ihren BildmfithZZY utnterbrochen haben, von deffen Beendigung ihre ganze

ukun a ng. Z Die „Höchste Anordnende Kommission hielt es daher für noth- wendig, die Auskünfte über die Wegen politischer Anschuldigungen

unter polizeilicher Anfs1cht stehenden und der Urnenderz Jugend an-

gehörenden Personen einer Revision zu unixrwerfen, in der Meinung, daß, wenn bei einer „genaueren Brurihxilung dieser Personen so- wohl auf ihre Moralität, als (11169 auf ihre Beziehungen unter einander und zu ihrer Umgebung die nöthige Aufmerksamkeit qcrichtet

wird, viele von ihnen gegenwärtig von der polizeilichen Anfiicht schon

befreit Werden könnten, eniweder bedingungslos oder mit einigen Einschränkungen. ' .

Cineioläze Revision und eme solche Veuriheilung könnte nach Ansicht der Kommiision schon jeizt den Gouverneuren und Stadt- hauptmännern mit der Maßgabe übertragen werden, daß sie im Laufe von zwei oder drei Monaten Verzeichnisse der Personen ein- reichen, weiche eine Erleichterung ihrer Lage Verdienen, mit einem Gutachten ihrerseits über die für jsde einzelne Person zulässigen Er- leichterungcn und mit der Angabr, wer von den früher zur lernenden Jugend gehörenden Personen zur Fortsetzung der unicrbrochcnen Bil- dung zugelassen Werden und unter welcher Bedingung dicses geschehen “könne.

Nack) Anfertigung dieser Verzeiébniffe und Eingang der Gut- achtcn der General-Gouvernenre in den Gegenden, wo solche vor- handrn smd, werden die Verzeichnisie Von der höchsten anordnenden Kommission durchgesehen, und kann dabei, wenn die Noibrvcridigkeit darauf hinrveist, ihren Mitgliedern, die sich dazu vollkommen bereit erklärt haben, die faktische, an Ort und SteUe vorzunchmeride Kon- irolirung der ertbeilten Auskünfte und der unter Aufsicht stehenden Personen selbst übertragen Werden.

Nach der endgültigen Durchsicht der Verzeichnisse hit dann die Entsckzeidung in den einzelnen FäUen nicht anders stattzußnden als im Einvernehmen des obersten Chefs der HöchstenAnordnenden Kom- mission mit dem Minister des Innern.

Der oberste CHLf der Hörbiien Anordnendcn Kommission, Ge- neral-Adjutant Graf Loris-Melikoff hatte nacb Relation mit dem Minister des Innern, welcher seinerseits seine Zustimmung erkläiie, das Glück, die erwähnten Vorschläge der Höchsten Anordnenden Kommission dcm Allergnädigsten Ermessen Gr.Majestät des Kaisers zu unterbreiten, und gerubte Se. Kaiserliche Majestät, diese Vor- schläge roÜkommen zu billigen und am 3. April AUerhöcbst zu be- fehlen, dieselben zur *Ilusfübrung zu bringen.

Die erforderlichen Anordmmgcn zur Erfüilung des Allerhöchsten Willens find bereits veranlaßt worden. '

- 19. April, (W. T,. B.) Der blSerige Gouverneur von Njasan, [)r. Abaza,1st zum Chef der Ober-Prsß- verwaltung ernannt worden.

Schroeden und Norwegen. Stockholm, 19. April. (W. T. V.) Das neue Kabinet ist nunmehr Ernannt, Als Staats-Minister und zugleich als berathendes Mitglied fungirt Graf Posse, welcher zunächst auch das noch rmdcseßte Ministerium des Auswärtigen mit verwalten wird. Wieder eingetreten sind von den Mitgliedrrn des früheren Kabinets in ihre bißherigen SteUungen Or. Forffel als Chef des Dr- partements der Finanzen, 1)r. Malmström als Chef des Departemeiits der kirchlichen Angelegenheiten und Dr. Lovcn als berathendes Mitglied. Or. Bult von Stcyern, friiher be- rathench Mitglied, hat das Departement der Justiz iiber- nommen. Neuernannt sind der Lootsendirrkwr von Otter zum Chef des Marinedepartements, Oberst Taube zum Chef des Kriegsdcpartements, Gutsbesißer Hederstjerna zum Chef des Depariements des Innern und Professor Hammarskjdld zum berathrnden Mitgliede.

Kunst, Wiffenfchast und Literatur.

(N. A. Z.) Das Märkische Provinzialmuseum hat nach dem vom Stadtrats) Friedel erstatteten Jahresberichte auch im vergangenen Jahre zahlreiche neue Zuwendungen erhalten, so daß sich die Zahl der aufgestellten Kultur- und naturgesibicbtlicben Gegen- stände um 2144 Nummern vermehrt hat und auf 35 582 Nummern angeWachsen ist. Den bedeutendsten Zurracbs hat wieder die zweite Abtheilung *- Vorgescbicbte der Mark - erfahren. Das immer aligemeiner werdende Interesse, welches die Bevölkerung der Pro- vinz, insbesondere auch auf dem platten Lande, an drr Erforsäpung der lokalen Vorgeschichte nimmt, wirkt fördernd auf die Außdcbnung der Sammlungen ein, und Notizen und Fundstücke, sowie Mitthei- lungen iiber beobachtete Merkwürdigkeiten gehen fortgeseöt aus fast allen Kreisen ein und geben ununterbrochen Anregung zu Untersuchun- Jen und Nacbgrabungen. Von den Schürzen dieser Abtheilungen ent- allen 13 544 Stücke auf die vorgeschicbtlicbe Zeit, 1632 auf das Mijtelalter, 6497 auf die Neuzeit, 921 sind Varia, 3146 Münzen, 2770 Medaillen, Siegel u. dgl., 262 Architektonischks, 1219 Bilder, Karten, Pläne, 531 Urkunden, Autographen 2c., 1035 Bibliotheksacbcn und 6000 Objekte sind noch nicht katalogisirt. Die von dem Direk- torium in Angriff genommene vorgcicbicbtliche Topographie BSM“?- vinz wird nebst einer gleichfalls in Urbeit enommenen „Prabistort- scben Karte der Mark“ noch zu der im ugust c. bier taaenden Generalversammlung der deutschen anthropologische? Gesellschaft fertig gestellt werden. Die SrparataussteUung des Markiscben Mu- seums bei Gelegenheit der Berliner Gewerbeausstellung ist von mehr als 200000 Personen besichtigt worden. '

- Bekanntlich batte Eduard Devrient durcb set_neScbrift: ,Das OberammergauerPassionsscbauspici“ (Leipzig, JJ. Weder) im Jahre 1851 die aUaemeine Aufmerksamkeit auf das alte Mysterium gelenkt, welches sicb in Oberammergau noch erbalterx bat. erar entstammt dasselbe nicht der glänzendsten Zeit jener heiligen Komödien, dem 12. Jahrhundert, es wurde erst im Jahre 1633 von den Benediktinern zu Ettal estiftet und zum ersten Male im abre 1634 aufgeführt, auch im Jahre 1810 von dem Pfarrer Dr, tro- mar Weiß zeitgemäß umgearbeit worden, aber e? ist noch immer eine kostbare, und zwar die einzige Reltqme des alten

deutsch Bauernsvieks, die zu einer Fulxe vort Betracb- tungen anregt. .Es ist ein wahrer „Seelentrot inmitten des ?er- seßungsprozeffes, den der moderne Geist mit a em Altewund Ue er- kommmen vornimmt, umgeben vdn den 'Haltungßlosen Trummer'n _des bisherigen Lebens, mit denen wir zungtch so vrel Angelebtes, Lieb- gewordenes und VolkSlbümliches .zerbrockeln und verarbkn seben -- daß da eine Erscheinung, wie dieser Ueberrest der geistlichen Schau- spiele des Mittelalters, so alideutscb kerngesund und xugendfriscb vor uns steht, als wäre fie gestern erst entstanden, Uns mit un- befangenem Kinderauge fröhlich ansieht UNd zumrufen scheint: sxid guten Muthes, der alte ._Hort des derrtscbcn VolkSgeisies iit unvertilqbar und unerschöpflich; went) ihr" nur Glauben daran behaltet, macht er euch iwmer Wieder uberreicb.“ In dieser Auffassung beschränkt fich Devrient nicht auf'die Vxschreibung des Oberammerzauer Passionsspiels und eine Kritik des1elben, die bekanntlich sehr günstig ist, sondern er eröriert eingehend den Werth und die Vcdeutung sowie die Weitere Enirmckeluvg dieses Spiels für unser religiöses, nationales und künstlerisches Leden. Das Buch ist seit Jahren vollständig vergriffen gewesen. Die Verlagsbandlung bat ietZL, wo die Wiederholung des Pasfionsspiels eine erneuerre Nachfraae nach der Sckxrift hervorasrnfen bai, dieselbe in einer JWLitiU Arslage erscheinen laffen. Dieselbe ist nur um rznveränderier Neu- druck der ersten,!veil einerseits die individuexleAUs-faßung des inzwischen verstorbenen Autors keine Umarbeitung geiiattete, und weil andrer- seits die traditionell stereotype Weise der Aufführungen Aendzrungen oder Zusätze kamm nöthig machte. Der Preis des mit 6 JÜustra- Lionen und einrm Titelbild: außgeftatieten Buchs steÜt sich auf 1 «M

GeWerbe und Handel..

Dem Gesäxästsberichi des erlin- Charlottenburger Bau Vereins pro 1879 entnehmen wrr Folgendes: Der Terrainbefiß am Grunewald verminderte sich im verflossenen Jahre im Ganzen um 2752 qm. Hiervon wurden 1224 qm an einen früheren Hypo- ihekcngläubiaer der (Gesellschaft übereignet, während 1528 9111 nach- iräglick) zu Eisenbabnzrvecken expropriirt wurden; hieraus ergiebt sich ein Verlust von 1238 „14 Ju 4 schrrebenden Enteignungsprozeffen ist die gerichtlickxe Entscheidung erster Instanz zu Gunsten der Gesell- schaft amSgefallen. In den Erkenntnissen werden derselben ca. 250000 «FQ über die bereiis gcleistcten Abschlagsiahlungen hinaus zugesprockpen. Die Hypothekenscbulden ermäßigten fich durrb Abzahlungen aus be- reiten Mitteln um 29 616 „ckck Hervorzuheben ist noch der in drr (Generalversammlung vom 24. April 1879 gefaßte Beschluß: .1) das Aktienkapital der Gesellschaft von 6300000 «;ck auf 3000000 «74 herabzuseßen; 2) diese Herabsetzung dadurch herbeizuführen, daß bei der Veräußerung von Grundstücken oder GrundstückSLbeilen der Ge- sellschaft Aktien derselben im Nominalbetragr Von 3 300 000 «Fi auf den Kaufpreis in Zahlung ßcnommen und die so erhaltenen Aktien vernichtet Werden.“

_ Der Bericht des Vorstandes der Deutschen Effekten- und Wechsel-Bank in Frankfurt a. M. iiber das Geschäfts- jahr 1879 konstatirt, daß die eingetretene aligemeinc Besserung und Belebung des Geschäfts dem in Reds stehenden Institute in dcbem Girade zu Gute gekommen ist. Das erzielte Resultat gcstattrt die Vertheilung einer Dividende von 14.§ 0/0. Die Gesammtumsäxze auf Cffrkten-Koriw betrugen 679 953 619 „ck auf einer Seite gegen 435 727 065 4/44 in 1878. Die Bank hat sich im abgelaufenen Jahre an einigen Konsortialgesckoästen, hauptsächlich in Staats- und (Eisenbahn -Obliaationen betbciligt, wobei ein Nettogewinn von 59 319 «M erzielt Wurde. Der Gesammtbetrag der am 31. De- zember v. J. in Besitz der Bank befindlichen Werthpapiere betrug in Summa 5098 747 „14, Von dem erzielten Reingewinn, Welcher sich auf 2 338 336 24 beziffert, sind zunächst 5% des einge- zahlten Akiienkapitals von 12 000000 „44 an die Akiionäre zu zahlen mit 600000 „14 Von dem verbleibenden Reste von 1738 336 „(ck sind dem Reservefonds 100/0 zuzuweiskn mit 173 833 „46, Welcher sicb dadurch auf 566 141 „14 erhöht. Von dem noch verbleibenden Reste von 1 564 502 „14 abzüglich des aus dem Vorjahre vorgetragenen Saldos (22 204 «M), also von 1 542 298 «14 haben die Mitglieder des Vorstandes und andere Beamte der Bank gemäß Auiteliungs- verträgen 15% zu erhalten mit 231344 „44 Dem Pensionsfonds für Angestellte der Bank ist zuzuweisen 10/0 mit 15 422 «44, dem Auf- sicdtSrati) statutengemäß 100/0 mit 154229 „44 Von dem biernarb verbleibendcn Reste von 1163 505 .“ beantragt der Aufsichtsrath cine Superdivideude von 93% zu verihcilen mit 1140090 «14 und den Saldo rnit 23 505 ck14 auf neue Reckoiiung vorzutragen.

-- Der Cours für die jetzt hier zabibaren Silbercoupons Oesterreickyiscber Eisenbabnpapiere ist heute auf 170944 für 100 F1. österr. Silber herabgesetzt wvrden.

Erfurt, 20. April. (Tel. Dep.) Die Dividende Pro 1879 dcirägi für die Stammaktien 4. der Thüringischen Eisenbahn- gesellscbaft 835%, während Stammaktien Z., garaniirte, 4 und Stammaktien (ck., garantirte, 4E 0/9 erhalten.

Verkehrs-Anftalten.

Triest, 19. April. (W. T. B.) Der Lloyddampfer ., M i n e r v a“ ist heute Vormittaq UYUHr mit der osiindisÖ-chinesischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.

Plymourl), 19. Avril. (W. T. V.) Der Hamburger Postdampfer .Westpbalia“ ist hier angekommen.

New-York, 19. April. (W. T. B.) Die'Dampfer .Holland“ und ,Egvvt“vonderNational-Dampfschiffs- Compagnie (C. Mesiinascbe Linie) und der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Rhein“ sind hier eingetroffen.

Berlin, 20. April 1880.

In Anwesenheit Sr. Kaiserlichen und Königlichen H'oheit des Kronprinzen und Sr. Königlichen Hoheit dcs P rinzen Friedrich Carl fand heute Vormittag 11 Uhr die feierliche Eröffnung der Ersten Internationalen Fi1chcrei-Auö- stellung statt. Die Höchsten Herrschaften wurde_n am Portal des Landwirtbscbaftlicben Museums von dem Ebre_n-Prafidenten der Aus- steUung, Staats-Minister 1)1*. Lucius, dem Prafideaien, Kammerherrn v. Behr, deffen Vertretern ])r. v. Bunsen und Professor Peters, sowie dem Wirklichen Geheimen Ober-Regierungs-Raib Viar- card empfangen und zu dem Hautpas in der Ebrenballe geleitet, um den sich die Staats-Minister Graf zu Stqlberg, von Kameke, Hof- mann, Graf zu Eulenburg, Maybach, Bitter, von Putrkamer'rrnd ])r. riedbera, der Minister des Königlichen Hauses GrafScblemnz der taatssekretär Stephan, die Staats-Minister Friedenthal,kFalk- Delbrück, der Wirkl. Geheime Rath Hybrecbt, die diplomatischen, Vertreter von England, Frankreich, Italien, Rußland, (Griechenland, Spanien,China, Japan, Schweden und Holland, sowie der deutschen Bundesstaaten, der General-Feldmarfchau Graf Moltke und die Gene- ralität, die Notablen der Wissenschaft, sowie die Delegirten der auf dxr Aussteaung vertretenen Nationen Aufstellung gmommewbatien. Dre EbrenbaÜe war auf das Prächtigstc mit Paluzen und blubenden Ge- wächsen geschmückt. Unter dem für Se. Kaiserliche und Königlfixbe Hoheit den Kronprinzen bestimmtcn Plaße lag em kostbares Ets-var- fel]. ausgebreitet. Nachdem die Höchsten errscbaften den Ha'utpas betreten, trat der Ebren-Präsikent der Aus teilung, Staats-Mmister 1)r. Lucius, hervor und hielt Folgende Ansprache:

.Der deutsche Fischereiverein, vor nunmxbr 10 Jahren Von Ew. Kaiserlichen und Königlickpen Hoheit Höchst1e1bst ms Leben gerufen, seitdem unter persönlicher Fürsorge " das Interesse iur

Ew. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit eine erfreuliche und erfolgreiche Thätigkeit eine verständige Pflege

und in weitxre Kreise zu tragen, hielt es schon im Iabre1873 an der Zeit, eine Ausstxlluug _von Erzeugnissen und Gerät!;- schgften der See- und anevßicberei Wer in Berlin zu ver- anstalten. So bescheiden auxb diese Ausstellung, entsprechend den derzeitigeri Verhältnissen des jungen Vereins fish gestaltete, so bot sie doch eine reiche Queiie der_B-elebruna und cha in ungewöhnliber Weise die Aufmerksamkeit derjenigen Kreise der Bwölkerung auf sicb, welche durch Beru] imd Neigung bei einer Hebung der Fischerei be- theiligt sind, Seit jener Zeit aber ist dsr Verein gnvacbsen und er- starkt; dmcb seine belehrende, anregende Thätigkeit, und durch feines:- folgreicbe Bemuhung fur dre Hebung der deutschen Fischerei“ hat er sich Dank mid An'erkennung aus weiten Kreisen verschafft. Di“? Zahl seiner Mitgbeder ist geirachfew und seine, Beziehungen erstreckexp ßch1 weit über das Deutsche Reich in ferne Länder, den förderlichen Aus- 1ausch fiebernd auf dem Gebiete seiner Wirksamkeit. Zn diesm: Gefühle der Erstarkung und der im Lane dcr [etzikn Jahre erreichten Erfolge ichtcte der deujsckoe Fischereir'krein am Ew. Kaiserliche und öniZLi-che Hoheit die Bitte, Huldreicbft“ aestatten zu wollen, daß die zweite und zwar dießmal international? Ausstrllung von Produkten und Gerä1hschaften der See- und Binnen- fiscbcrci in Berlin veranstaltet werden mögr. Ew, Kaiserlizbe und- Königliche Hoheit haben mitteks Ordre vom 7. Oktober 1878 Höchst- ibre Zustimmung ertheilt und die Erivartuna aus;]esprochen, daß'die.“ Aussteliung beitragen werde, die Theil'uabme für die- Bestrebungen des deutschen thckxereivereins mehr und mehr? anzurege'n, und immer weiteren Kreisen das NerfiändKiß für ratioyeüe Fischzucht zu erschließen. Seit dieser Zeit ist der deutsche Fischereiverein bemübi gewesen, das Intsrcffe für die Aus- steÜunq_zu wcckxn. Er hat sick) dabei das Ziel geskeckt, die Fischerei- akler Lander darzustellen, soWeit es der enge Raum eiiier AUS"- steUung gestattet. ' Es _ war dabei ebensowohl die' wirth- scbaftliche " als die Wiffenschaftlickye Seite ins Auge zv; fassen. Mit dem lebhqfieften Dank habe iO anzuerkennen.- daß der deutsche „Fixsäocretvrrein bei seinen Bemühungen soivobl- in Deutschland w1'e_m fast allen Nachdarstaatkn, selbst“ in den fernsten' Zonen der Erde, die entgegenfkommendste, wirksamstexlsxnierstüßung gew funden hat. Wir sch'en dier „unter uns die Delegirten zahlreickp-ec' Staaten, welcbe dre reichen Schutze ibrer Heimajk) hierher geleiteten.- Aus der Ost- und Nordsee, Von den nördlichen Meeren, Von den Küsten Hollands und Englands, aus drn Sch*rreizer Seen, aus den un- erschöpflichen Reicbtbiimern des Mittelmeeres, von drr Wolga und dem Schwarzen Meere, aus Nord- und“ Südamerika, von den Ge- staden des fernen Ostens, aus Japan, China, Indien und dem maa- layischen Archipel wanderte in reichen, Wu-ndrrbaren Formen und Ge- ialtungen die Fauna der Gewässer bierbrr. Zu viel gestalteter Schönbeit und Pracht schließen ski) bierar» die kostbaren Produkte der Gewässer Und die Perlen, KoraUen und Muscheln. Jn reiwer Yußwabl sendeten aUe Ländcr die wirtbschafilicbe Ausbeute ihrer Fischerei hierher. LebenSrnittel aller Art und gewerb- liche Produkte, Fiswereigrrathscbasten in großartiger Auswahl, wie sie den Sitten und Genwhnbeiten der Länder entsprechen, fteÜen sich dar, und ehrwürdtg treten hinzu Fahnen, Embleme und Urkunden des Fiicbereiaewerdes, aus alter Zeit. Wir began die Hoffnung, daß dieser friedlicheWettstreit der Nationen mit nüßlichem reichemErfola fürAÜe ge- krönt sein nidge. Möge Niemand „diese Aussteliung verlassen ohne. Anrxgunxx, sei es auf wirtbschafrlichem sei es auf wiffeniwaftlichem Gebiet, empfanden zu baden, möge sie beitrageti, das Verständniß für die hohe Bcdeuiung des F1schereigewerbes mehr und mehr zum Gemeingut aller Nationen zu machen, möge sie dazu führen, daß diese Fiichereiprodrrite als billigste NahrungSmiiiel für weite Vévölkerungs- schichten aUmadlicb wieder eine größere Bedeutung in Deutschland ge- winner, dann wird die H:“ffnuna erfüllt werden, Welche Ew. Kaiser- liche und Königliche Hoheit bei Ertbeilung der Genehmigung dieses Unternehmens außgespwwen haben. Ich bitte Ew. Kaiserlich? und Königliche Hoheit nunmehr, den Befehl zur Eröffnung der ersten Internationalen Fischereiausstellung zu ertbeilen.“

Nachdem Se. Kaiseriicbe uad Königliäye Hoheit dieser Bitte nachzukommen gerubt batte, fuhr der Staas-Minifter von Luciusfort:

„Auf Höchsten Befehl S_r. Kaiser1ichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen erkläre ich die erste internationale Fifcberei-Außstel- lung fiir eröffnet. Ick eröffne sie mit dem altbewährten Rufe: Se. Majestät der Kaiser [ede hoch!“ Begeistert stimmte die Festversammlung in diesen Ruf ein, während die auf der Galerie aufgestellte Kapelie die Nationalhymne intonirte.

Hierauf trat der Vorfithtidc des deursckoen Fischereivereins vor und spread: „Lassen Sie uns unsern Dank darbringen dem Fürsten, der vom ersten Beainn bis zur heutigen Stunde dem deutschen Fischerei- verein ein gnädiger Beschützer und weiser Beratber, ja, ick) darf es Wohl sagen, ein Mitarbeiter gerrcsen ist. Se. Kaiserliche uud Königliche Hoheit der_Kronprinz [ebe bord!“

Auch in dieses Hoch stimmte die Festverfammluna begeistert ein,. Hierauf begann drr Rundgang durch die Aussteliung, über welche sich- die Höchsten Herrschaften sehr befriedigt auIsprackyen.

Der Geheime Regierungs-Ratb R eulcaux wird am Donnerstag,. dcn 22. d. Mrs., Abends 8 Uhr, die Beobachtungen und Studien., Welche er auf der Weltausstellung in S_idney gemacbtbat- in einem Vortrage zusammenfassen. Derjelbe wird im großem Saale des Architektenbauses, Wilbel-mftraße 92/93 , stattfinden. öffentlich sei:: und pünktlich beginnen.

(Nat. Zig.) Am Sonnabend besichtigte die grmisckote Depu- tation der hiesigen Kommunalbebörde den nZucn Vrehbof am Weidenirea. Im Ganzen sind jetzt _20 Gebaude unter T_Oacb a"e- bracbt: 10 Rinderstäüe für 3150 Rinder, 4 Hammelstaüe fur 1000 Hammel, 1 Schweinebaüe, welcbe zugleich als Stau benuyt' wird, für 12030 Schwäne, 1 KälberstaÜ, _2 Verkaufsfteüen fur Rinder und Hammel und 2 Verwaktuonebaude. Besonderes _Jn- terrFix-rxregten die mächtigen Hallen und namentlich die Schiveme»

kbaUe, welche wvbl niraends in gleicher Größe vorhanden sind und

das ModeU zu einer Schlachtkammer mit Kelixr und Aushangvorm richtung, rrcläye den Engros-Verkawf auf dem Viehhof selbsQermögm [ici:en soll. Es folien mindestens 100 solcher Schlachtkammern' cr» richtct Werden, da nach Einführung dks Schla-cdizwanges (3113 _Prtvat» schlachtbäuser einaeben müssen, Die Vorberciinngen für dic.-nacbsten6« stattfindende Mastvieb-Aussiellun * smd im beftxn GanNe. Die Zahl. der Arbeiter aUer Art, welche an dem Viebboie beschaftißt sind, dem läuft sicb jrtZt auf 700.

Rom, 14. April. Gestern Nachmittcrq gegen 2 UHr bat dia erste Probefahrt auf drr Vesuveifenbabn ixattgefuuderg Der Weg von Resina bis zum Observatorium ist noi) nicht you.:ndtk und wiirde raber mit den bisherigen Transportmittc-Yu zuruckgelixgt. Vom Observatorium bis zur eigentlicdan Eisepbabmtation betrags: die Entfernung 3,20 km. Die Bahn (der Betrieb arfolgt naxb-demr Seilsystem mit stehender Masckoine) ziedt sich langsam an den Ab- hängen des Kegels empor. Von der Station bi? zum Krater ge- braucht der Zug acht Miwuten. Obgleich die Simaun eme erbelv liche ist, bietet dieselbe doch keinerlei Gefahr. Die 21316 rcvd. auf dz- aanzen Wege ist wobl die ichönste der Erde. J: einigen Tagen Und

scheinlich am 1. Mai.

Kopenhagen, 20. April. (W. T. B.) Die in Ehren der Vega-Expedition veranstalteten Festlrzbkerten haben mit einem Bankett, das gestern Abend in _den Rgumm der Börse statt- fand und an welchem auch der Kronprinz ibetlnabm, ibren Ybsckyluß aefunden. Die .Vega“ bar um Mitternacht. die Rückreise nach Schweden fortgesetzt.

Jm Residenz-Tbeater wird Hr. Carl Sonnkaz am Don- nerstag sein (Gastspiel fortsetzen, und zwar als „Dr. WeSPQ', also in

entsaltend. bemüht,

der Gewässer und für die Hebung der Hochsecstscberei zu wecken

» einer seiner besten Roüen-

die Bahn betriebsfäbig sein. Die Feierliche Eröffnung erfolgt wabrz .