«.... -„- x __
1) HikkbUUb fand das Sébaß-KoUIium sicb bewogen, ers! rm Anfang des Jahres 1845, als das edürfniß fühlbar“. wurde, „Schritte zu einer Eisenbavn-Anleibe zu thun. Es hatte bts drrhm "" hiesigen Königreiche längere Zeit hindurch an (Hegelegenhertcn, Kapitalien fieber anzulegen, vielfach gefehlt, und"es waren drrhcr bet öffentliiben Kassen und Anstalrrn, wie in den Handen von Etnzelnet], Kapitalien gesammelt, die zu einer nutzbaren Verwendung _berert lagen. Auf diesen Umstand gtiindkte das SchaH-Koux'gmm den Plan, den Bedarf der Eisenbahnen für die lesten acht btsjzehn MYM"? des Jahres 18.15, wozu die vorhandenen Mr_ttcl mcht genrrrxtxrr, dmch eine beim Publikum auszuschreibende Arrierhe, welche, wn re älteren Landes = Schulrcn zu 31; Prozent verzmft werden solltr, hcr- bei u a en.
3 “JF größerrn hjrsrgen Banquirrs, wrlche sich zur Uedcrnaane jener Anleihe auf rigenr Rechnung oder zur Uebernahme emcr n- [kibe in Lotrrrfrform zu etwas größerem Betrage erboten hatten,
damit aber von dem SchaB-Kolkrgéum abgeM'ksl'" waren, ““b""“th .
dcn Vcrkau“ ker auö§u1cl1crrkrn Obligationkn in Kdnrmxsswl' 9,99?" eine Vckqätsung yon L*“pét. und gegkn kqs ZuglskFlnknrß dll [Zin- sen Vom*1strn links Monatrs an für dre bis Zunr l-xtlZJ kkk'g?3*7)““k" Beiträge, und vom [(Um an für dre m der 31v2'ttkn-Öalskk des Mk“- nats c-ngebkndcrr Surnmrn, , .
x,“, Kiirrrqlitbk Regierung brachte vor drr Grnchmrqung dre Frage zur Erörte'rung, ob es sich mchthttya empfkdlc'n “Ws“?- statt drs Planrs drr He'rbet'schaffung dcs kirkjahkkgk'k? Bkd„*)kss- Ilkkch auf die B,.dü,s„„sc der Eisenbahn-_Vkrwaltu11g„tn großerrm Umfange und für km„" mehrjährr'gkn Zkrtrrmm Rnck|tcht zu nehmen. “Orrs SwaH-Koargéurn glaubte aber hiervor) weder stnanzrelle Vortdcrle noch größere Sjrherheér zu erwarten, vrklmehr von berden das (He- gknrhe'jl (orfr'irrhte'rr zu müssen. _ .
Hie'rmrswurds der Anleihe-Plan dcs Schaß-Kollegmms Von Sef- tcn drr Königlichen Regikrrmg genkbmégt und die' Bekanntmachung dariiber im April 101.5 crlaffen. Es sind darauf cingcgangcn: [) bés zrrm ]. Juli 18-15 70727433 Rthlr.; *.“) bis Zum 1. Januar 17440 750,91“; Rthlr.; KZ,) im Januar und Februar 1810 sind dar- aus noch flknkk zur Kasse gekommen 117,226 Zithlr. Dic Anleihe hat also im 03.111;er aufgrbracht 1,570,99.'5 911130.
2) In den lcßten Monaten drs Jahrks 1815 zeigte sich bercits eine Abnahme der Einzahlungen auf die Arrlrihe. Dagegrn war fiir das Jahr [R40 auf einen weit größeren Bedarf zu rechnen.
Das SchaWKoUegéum sal) s€ch dadurch veranlaßt, iiber die ganxc Lage der Sachs cine umfassende Untkrsuchung anzustellen. Tas Er- gebnis; derselben ging dahin, daß fiir die brwilligren Bahnen inncr- hall) drr nächsten ZWri Jahre etwa 7,700,000 Rthlr. hrrbcizuschaffcn sein wiirdkn. “Dao Schatz-Kollrgium wolle skch an die brkanntcsten qunékrs im Inland:; so wie zu Frankfurt, Berlin, Hamburg, Am- stcrdam und Lorrdon, wegen Uebernahme einer Anleihe zum Jahre;";- bkdarf fiir 18101110 ciner Vrrzinsung zu IZ Prozcnt oder einer Lol- trric-Ylnleihc wcndkn und dabei dicAussicht auf eine größercAnlcihc- Summe sickle".
Die anf diese Arrssckyciben eingegangenen Erwiederungen waren nach der Anzeige des SchaH-Rollegiums zum Theil ablrhnend und hatten zum Thril einc partielle Betheiligung in Anssirht gcfikllr, Von eincr Seite wollte man den zu -1“ch Millioncn veranscblagtcn Bcdarf auf 9“; pCt. Zinsen tragende Obligationen zu 90 pCt. dcs Nsnrrwrrthks nnd gcgen einige lästige Nebenbedingungen herbeizu- schaffcn iibrrnewncn, T*ico lchntc das Schaß-Kochium sofort ab. Und als die Ancrbirrung so writ crdöht wurde, daß 93 pCt. rein eingezahlt wcrden sollten, eine vom Schay-Kollegium vcrlangte wri- te're Erhöhung auf 91 pCt. abcr nicht zu crrcirhen war, brach das SchaH-Konrgmm dicse Verhandlungen ab.
Mit drr Anzeige von diesem Vorgange Verband dns Schny- .Ikollegium zugleich die Nachricht, daß rs dcn größtrn Theil des Bc- karsd MM) 8511 crncrtrrtrs Kommissions-Gcsrl)äst rnit Hrrrrntcr- skxzung drs Verknusö-Prrjscs hrrbcizusciwffrn hoffe, indrm dndrrrch dkn rinbejmischkn „Kapitalisten dcr Vrrkauf ihrrr ;“_, Prozcnt ;))insrn
tragendr'n rnkcklrnburgésrdkn und biickrburgischrn Lblxgarionen möglich wrrde.
Es ist dfcssrlmlb im März 18-16 mit ÖM Banqrric'rlm'iuserrr Von Rothschild ckFrankfurt und Cohen, Berend, MCL)“ und Simon hx'kr- srlbst ein Kontrakt geschlosskn, durch welchcr! drr Verkanföprrr'ö drr Obligationen zu mindestens 95 pCt. festgesetzt und den Verkäufern die Hälfte des Ueberschussrs zugrsicbkrt wurde. Es sind hiernach dcn Banquicrs nach und nach für 1,900,(„)(“)1_) Rihlr. an ZZ pCt. Zinsrn tragkndcnObligationen fiir cigrne Rkkbnung zu 953€; drs Nennwcrthcs verkauft und vrrschiedene andere Beträge zu 9-1 pCt. des Nennwer- thks untergebracht.
Eine Summe von etwa „**-00,000 Rkhlr. gkankk das SÄNG- Kollegium auf Obligationen zu 50 Rthlr. und 25 Rthlr., die zu Z Prozknt verzinst wcrden und auch von Seiten des Glänbfgkrs kündbar sind, zm“ Kasse ziehen zu können. Die hieran ringshendkn Gelder flioßrn Zunächst in die General-Steuer-Kaffc und werden von drescr der Eisenbahn-Kaffe geliehen. Es sind hieraus bid ZUM 1]- Dezember dieses Jahres 92,02,“ Rthlr. eingegangen.
Jenes Hommiffrons-Geschäst fing bereits im Monate Juli 1846 an, emen mmder giinßigcn Erfolg zu haben. Das Scha8-Kollk_qinm rrat daher nnr den Banquiers, Welchen das Kommissions-Geschäft ubergebc-n war, von neuem inVerhandlung, seyte den qerinqsten Vrr: kaufsprers der 815 Prozent Zinsen tragenden Obliqatidncrr auf 921; Prozent des Nennwerths und erwirkte, daß die B*anquiers es iiber? nahmen, , in jedem der vier leßfen Monate des laufenden Kalender- Jahres _eme Summe von .“; Million Thalern ausxuzahlen, die für die Obltgatronen eingehenden Kaufgelder darauf abzurechnen und den Rest als Vorschuß zu betrachten, melcher nebst Vergütung einer Pro- vjston von L_; Prorent und 5 Prozent Zinsen den hirsiqen Vanquirrs am Ende dikses Jahres, dem Banquierhause von Rothschild aber am 1. April 18-17 zurückzuzahlen ist.
, Die Königliche Regierung hat sowohl wegen der mit den Vor- schüssen verbundenen bcdeutenden Kosten, als wegen der Rückwirkung, we1che der verminderte Verkaufspreis drr Obligdtion auf die älteren Landesschuld-Vrrsckprerbungen haben mußte, diese Anträge dcs Schny- Kollegiums nur sehr ungern genehmigt sich aber dazu bei der unbe- dingten Notbwendigker't, das unmirrelbar vorliegende und unabweis- bare Brdürfm'ß gedeckt zu sehen, für verpflichtet halten müssen.
In Gemäßheit der im Vorstehenden entwickelten Maßregeln sind für die ZZZ Prozent Zinsen tragenden Obligationen und (111 Vor- schüssen der Banquiers vom 1. März bis “1. Dezember dieses Jahres, mit Einschluß der vorhin erwähnten 1,900,000 Rthlr., iiberhaupt 8088423 Rtblr. zur Kasse gekommen und auf den 1. Juli 1847 noch 530,000 Rthlr. zu erwarten.
An anderen Mitteln hat die Eisenbahn-Kasse, außer demjenigen, was bereits in der Mittheilung vom 24. Februar erwähnt ist, seit dem 1. Januar 1846 noch 30,000 Rtblr. aus den bis dahin gesam- melten Vorräthen der Landesschnlden-TilgungS-Kasse und 734,-910 Rthlr. aus dem Kapitalien-Fonds der General-Sttuer-Kasse erhalten, zu welchkk_ letzteren Summe der Domanéal-Ablösungs-Jonds 500,000 Rthlt., dtk Haupt-Kloßer-Kasse 47,940 Rthlr. und die vorhin er-
wähnte, 3 Prozent Zinsen tragende Anleihe 92,025 Rthlr. beige- steuert haben.
46
Durch alle diese Mittel is das Bedürfniß der Eisenbahnen für das Jahr 1846 gedeckt.
3) Nachdem die für das Jahr1846 erforderlichen Summen ge- sichert waren, mußte unverzüglich auch für das Bedürfmß des Jah- res 1047 und bis zur Vollendung der jetzt im Bau begrrffenen Et- scnbahnen gesorgt werden.
Das Schap-Kolleginm batte nunmehr die Ueberzkuglmg Lkw?"- nen, daß es unmöglich sei, auf drm bisher verfolgten Wege werter fortzugehen, und entwarf daher einen neuen Anleihe-Plan. Behufs desselben wurde das neue Anleihe-Vedürsniß bis zur VVUUWUUI der imlBau begriffenen Eisenbahncn zu etwa -1,609,()00 Rthlk' KUS- ge'mr'ttk 1.
Das Schay-KoUe-gium empfahl, eine Anleihe in London zu ver- suchen und dabei eine Verzinsung zu 3 oder zu 4 pCt., je nachdem das Eine oder das Andere durch die Nebenbedingungen vortheilbaf- trr krschiene oder giinstigrre Aussichtcn gcwähre, anzubieten. Dabei wurde zuglcich in Gemäßheit descr:, was die löblichen Stände bei (Mlegenheit der Crwr'edcrung wrgrn der Süd- und Westbahn in dem Schreiben vom 6. August d. J. geäußert haben, auf ein kommiffa- tisches Zusammenwirken von Seiten der Königlirhrn Regierung und dcs Skyny-Kochiums angctragkn.
"Dic Königliche Regirrrrng rrklärte sich mit décsrn Anträgen und mit dem Versuchc, die Anlerhe in England zu erhaltrn, insbesondere (ruck) deshalb rr'nvrrstandcn, wcil sich hoffrn ließ, daß sie alsdann den hiesigen Grundbksiycrn, so wie dem einheimischen Handel und Ge- werbe, am wcnigstcn Kapital entziehen werde. Sie war außerdem davon überzeugt, daß das bishrr beobachtctc Verfahren, Obligatio- nen auf dem Markt bringen zu lassen, ohne daß der Eingang einer bestimmten Summe in eincr voraus fe'stgkseyterr Zeit gesichert war, fiir die Folge durchaus unrulässig sei.
Es Wurde hieraus rine'Kommr'ssion nach England gesandt, welche nach eincr mit dem Schaß-Kdllc'gfum vkreinbarten Znstrurtion Versuchen sollte, die Uebernahme cincr Anlc'ihc von Skiken dortigrr Banquiers fiir dcrcn Rkchnurrg 311 crlangen; der angestellte Versuch ist jedoch durchaus mißglückt. Tie feste Uebernahme einer Anleihe war nicht zu rrlmrgrn; visimrhr wurde nur die Uebernahme einer Kommission rum Verkauf von Obligationen, so wie die Bewilligung eines Vor- schusses aus ein und zum Thril auf zwei Jahre angeboten, welcher gleichwohl, auch in seiner größten Ausdehnung, daö Bediirfniß nicht gedeckt habrn würde.
Ehe die Königliche Regikrung jedoch das Anrrbr'etcn ablehnte Und die: Kommission von England znriirkdcrief, lérß sic gleichfalls un- ter kommiffarischcn Znsmnmcnwirkrn mit dem SchaH-Kollegium Ver- handlrrrrgku mit den hicfigen Vanquirrö wirdcr anknüpfen.
In Folge davwn rvurdkn fiinf werschicdruc Grschäftc angeboten, von dknen drei darauf hinauolicfcn, Obligationen, dir zu 3 Prozent verzinst jvcrdcn sollten, auozustrllrn, wiihrend die beiden anderen Offerten fiinf Prozrnt Zinsen tragende Obligationen zum Gegenstande hatten. -
Bcr“ dchcrathungrn über diese Ancrbietungcn Wurde anerkannt, das; in Riicksicht auf die Nase das fiinf Prozrnt Zinsen tragende Darlehen bci weite'm vorthrilhastcr sei, wril an Kapital nicht mchr zurückzuzahlrn wärs, als sie wirklich erhielte. Dagegcn warc'n dic Anstchten dariiber, welches von beiden Anleihen der Speculation einen größeren und dauernden Reiz gebrn und also auf die älteren Landes- Lbligationcn und aus den aUgcrnrinen Zinsfuß im Lande stärker cin: wirken würdc, grideilt.
Tic Königliche Regierung hat die großcn Bcdenkrn, die in die- ser Hinsicht gegen das fünf Prozent Zinsen tragende Anleihen ob- waltctcn, zur Kenntniß des Schatz-Kollegiums gebracht. Leytercs hat gleichwohl säner verfassungSmäßigcn Befugnis; gemäß von bei- drn angcbotcnrn Darlehen nur das eine von fünf Prvzcnt verzins- liche zur (5)?nkhmr'gung der Königlichrn Regierung beantragt. Diese hatte dahrr nur die Wahl, die's Anlehcn entwcdcr zu genehmigsn oder 311 Vrrwrrfrn, nnd wiirde bm“ der Vrrwerfrrng dr“? Vrrantwortrmg dafiir hach i'tbe'r11ehrm'n miiffcn, rvrnn bis 7,1111: Eintritt dcs Bkdiirf: nissrs im Anfange drs nächsten Kalrndlr- Jahrcs entweder gar kein Arrllhcrr oder sogar untcr noch ungünsrigcrcn Bcdingungcn zu Stande gekommen wäre.
Lic'ß sich danebrn nicht verkennen, daß drr Zinssuß im Lande in der Wirklérbkcit _qrstirgcn war; daß drr Zinsfuß des großcn Kapital -Marktt's auf das hirsigc Land, auf die' Anleihr- Geschäfte dcr Einwohner und anch anf das Landrs-Kredit-Znstitut immer unvermrirléch zuriickwirkcn wrrdc; daß diesem Jrrstttute und den Grundbksiyrrn, wic drn Handel- und Gcwcrdrtrcrbandcn im Köniq-
.r:*ichr, wrdrr durch die cirrr, noch die andere Art des ?lnlrihrns mehr
Karstal entzogen wird; die Grundbesißrr, Handel- und Gchrbetrcé- bende auch, bei drm übcrall gestiegenanénsfrrße, zu Bewilligung hö- herer Zinsen olynehin schon sich wiirden vrrséelxn müssen; die Landes- Krcrit-Ansmlt aber sirh dadurch werde helfrn könne'n, das; sie iim? Wirksamkeit cinstwrilrn nicht weiter auodednc; so mildcrte solchks e*irrigcrmaßcn die Bcdrmkrn gc'gkn das 5 Prozent Zinsen tragende Anlchen.
Nach allen dissen Betrachtungen mußte die Königliche Regierung Brdenkcn tragen, dem Antragc dcs SchaZ-Kollegiums ihre Gknchmi- gung zu Orrsagcn. Auch sehrint dcr Erfolz1- daß die ganze Anleihe schncll untrrgebracht und anschrincnd zu cirxe'm nicht gcringr'n Theile in feste Hände übergegangen ist, die noch zu verkaufenden Obligatio- ncn aber schon eri um mkdrere Prozente über den Ncnnwertk) be- zahlt wcrden, hinreichend zu beweiscn, daß nécht dirse Anleihe und ihre Form, sondern der iiberall gestiegene Zinssuß auf die Kredit- Gcschäftc im Königreiche von daucrndcm Einfluffc sind.
“Das Darlehen erstreckt sich zunächst auf 4 Millk'onen Thaler. Die Uebernahme der übrigen 600,000 Rthlr. hat einsiwcilen noch vorbehalten werden miissrn, ist abcr den Unternehmern, wenn sie es wollen, untcr glcichen Bedingungen zugesagt. Die Bedingungen er- geben sich aus der Bekanntmachung des SchaH-KoUe-giumo vom 28sten v. M.“
Königreich Württemberg. Stuttgart. (S. M.( Herrte_far:d die Eröffnung drs außerordentliche"Landtags statt. Nach- dxrn dre ncu eintretenden Mitgléeder vereidigt worden, hiklt der Mi- rrqtcr des Innern, Geheime Rath von Schlayer, nachstehende Cr- dffnungö-Rcde:
„Drrrrhlauchtégste, Durchlauchtige, Erlauchte, Horhgeborne, Hoch- wohlgebornr, Hochwiirdige, Höchzuverehrcnde Herren!
„Sc. Majksiät drr König haben mich Allergnädégß beauftragt, den von Höchstdenselben auf die Bitte des ständischen Ausschusses an- geordnetxn außerordentlichen Landtag zu eröffnen.
„Dre Erscheinungen, welche seit dem lehren Landtag ans dem Geldmarkt vorgegangen find, und insbesondere die gesteigerte Nach- frage nach CirculationSmittelu, welche hauptsächlich durch den Wk“,- ctfer aller Staaten in Aneignung des vollkommensten der Communt- ca_tronswege veranlaßt wurde, haben eine allgemeine Erhöhung des stfußes herbeigeführt und hierdurch die VoUmacht unzulän lich e- m9chk- Miche Sie Ihrem Ausschuss: zu Anschaffung der für un ere E:senbahnbauten nöthigen Geldsummen “ertheilt haben. Es ist daher „eme neue Verabschiedung hierüber n'öthi' geworden.
_ „Nach der, Absichx Sr.:jönjglr'chen ZM-jestät bixdet dieser eben so wrchtrge als drmgende Gegensiand“ die Aufgabe der gegenwärtig ver-
sammelten Stände; weitere der ständischen Mitwirkung bedürfende Angetegenheiten werden bei der Nähe des bevorstehenden ordentlichen Landtags diesem vorbehalten.
„Die ununterbrochene und m'o'gb'chst rasche Jortseßung des ein- mal begonnenen Werkes der Eisenbahnen ist eine Nothwenkigkeir, welche auch von Ihnen schon auf dem leyten Landtage anerkannt wvrden ist.
_ „Die Regierupg darf daher Ihrer ferneren verfaffunquäßigen Mtrwtrkung hrerbcr versichert sein und sieht drm Crgrbniß Ihrer ries- fallrgen Berathungen mir Vertrauen entgegcn.
„Im Namen Sr, Majestät desKönégs rrkläre ich den außeror- drntlrchen Landtag für eröffnet.“
Se Königl. Hoheit der Prinz Friedrich, Zur Zeit Jntcrinrs- Prajtdent der Kammer der Standrsherrcn, erwécdcrtc diese Rede mit folgenden Worten:
„:Die qetrcuen Stände drs Königreichs sind auf die Bitte des ständischen Arrsschnffcö dnrch Se. Majrstät den König zu einkm außer- ordentlichen Landtage einbcrufrn worden. *Der Geldmangel, welcher seit den letzten zwei Zahrcn an den größkrkn Börsln Europa's Lip.- gctrcte'n ist und durch dcn gesteigcrten Bau drr Eisenbahnen noch erhöht wurde, erkLärt Vollkommen die Unzulänglichkeit der dcm skiin- d11chcn Ausschuss:" auf dlm lthen Landtage errdeilrcn Vollmachten. Indem _ dic „Königliche Regierung diese Ansirht thrilt und sich zjur Einberufung links arrßerordkntlicbru Landtages bkwogrn findet, thut sie aufs neue ihre Absicht kund, die ver- fassrrngsrrräßigen Rrrhtc der Stände zu Wahren , und vor- pflnbtet dadurch die' Stände zum ticfsten Danke. Eben dieses Gefühl wird die Stände bci Berathrmg dcr Königlickrcn Propositio- 11611 1211111, um dem eirxmal [*t'gonnrncn Werke dcr Eisenbahnen die nach den vorliegenden Umständen thunliche Förderung Z" vrrsrbaffcn. Zudem nun die Stände drö Königreich.) die Geschäfts dcs Landtags [*kginnkn, kann ich nicht umhin, den Ausdruck der unwandclbarcn Treue und Crgcbenhcit gegen Se. Majeßät den König in ihrem Na- mcn hier an den Tag ZU lrgrn und die so oft grdörtkn Wünsche für das mrzertrcnnlichc Wohl drs Königs und Vaterlandes zu wie- derholcn."
Großherzogtbum Baden. Die Großherzogliche Armen- Kommission in Karlsruhe" macht bekannt, das; bei den gegknwätigen bohrn Brodprciscn den Bedürftigen der Stadt, welrhc Heimats- Rcchtc habrn, das Schwarzbrod bei drn dortigen Bäckrrn um linrn noch zu bestimmenden, von der Kommission denBäckcrn zu Vergiitrrr- dm Bktmg vcrabrcirdt werdrn soll. Ferner macht diesclbc „Kommission [*r-kannt, daß versuchdwrisc cine Anstalt crrichtct Werden soll, wo Tagrlohn-Arbcitcr und diejenigen, erchc derartige Arbeiten fuchs", dieselbe rrfragcn könnrn.
Groszherzogthum Sachsen-ILcimar. Nack) cincr Großherzoglichen Vcrordnrmg vom 2. Jammr wird dcr Cingangs-,oll Von Getrar'dc, Hiilscnsriichtcn, Mehl und Miihlc'n-Fabrikate", als gcschrotctrrr und gesrhältrn Körnern, Granpcm, (Iörics, Griiyr nnd gc:- stampfter odcr geschälter Hirsr, wclche Von jclzt an bis zum Ende? dcs Srptkmbrrs d. J. aus dcm Vrreinslandr 11.111) dcm cisermchischcn Krcisc eingeführt wurden, gänzlich erlassen,
Fiirstenthmn Schwarzburg:Nndolstadt. Dir Regis- rung Hat, wie friiher mit Sondershausen, so aua) chr mit drr fürst- lich rcrrß-plaurnsrhcn gcnrcinsrhaftlichen W::dcöngicrung zn (_Lkrra eine Uebrreinknnst zur Beförderung der Rcchtöpslrgc abgcschlossc:r.
%% Frankfurt a. Pk., 8. Jan. Unsere Bchördc hat mit den Bäckern ein Abkommen dahin gctroffrn, das; sic wöchmrtléch1200 Malter Fruchf, halb Wrizen, halb Roggen, and den städtischen Ma- gazinen zu einem so billigen Preise erhaltc'n, daß sie dcn sechöpfiin- digkn Laib Brod Zn % Kr. vrrkarrfe'n körrrrrn.
Nuri) eincm Srnats-Bcschlnsse wird der „Kaisersaal mm wöchcnk- [ich zwcr'mal drm Bcsuche des Publikums gröffnrt wcrdrn.
Zum Brstkn der Army" sollen nur: mchrcrc Konzerte veranstal- tet rvcrdcn, dt"? hoffrntlich c:“ncn stärkrrrn Ertrag dadrn, als die vor- qrsfcrn im Thraker zu gleich wohlthätigrm Zwecke stattgehmbrr Vor- stellung.
Orscrrcrchischc Monarchrc.
T*Zicn, I. Jan. Tic Kaiserlickvc Landcs- ngirrnng im Crx- hkrzogthnm unter der Enns bat den Verkn.uf drr kr"7)10kirk:1kln odcr Srht'rß-Barrmwolle bis zur Erlaffung genauerer Brstimmuxrgcn iiber die Crzcrrgung und dcn Verkauf derselbrn vrrbotcn.
Frankreich.
Paris, 6. Jan. Dcr Baron Hottinguer, einer der Direktors" der Bank von Frankreich, der sich mit einem Arrftrngc, dicser 8Yarrk bei der Bank von England nach London bcgcbrn hatte, rst vorgextern wir'dcr zu Paris eingetroffen. Man vcrskrbrrt, ['S sei ihm gclrrmgcn, einc Uedrrcinkunst abzuschließen, um der ersteren dicser Anstaltrn zn Hiilfe zu kommen. „
Dao Journal des Tébats widerlkgt das Gerüchr ubrx an- gebliche Vereitelung der Pläne des Admiraw Cecile der jrmcr 5.1th auf dem Meere von Japan und Korea. Er habe namlrrh nur den Zweck gehabt, Frankrejchs Seemacht in chen Gegcnden zu zergcn, und scinc Beziehungen zu den Eingeborenen scten nur freundschaft- licher Art gewesen, Uebrigens habe er an jemcnKüsten auch ndtl)tge l)ydrograpk)ische Arbeiten unternklwten lassen.
Der Presse zufolge, hätte der Verwaltungs-Rjatl) der Bank nach Erwägung allrr Maßregeln, die sie zu treffen hatte», um rhrcrt Bamvorraty zu erhöhen, den Ankauf von Silber-Varrcn v01320 Miklionrn Fr. beschlossen, zu welchem Behufe sie von der eng111cheu Bank dicse Barren gleich jedem anderen Käufer ohne brforrdcreUYor- beyalte erhalten. Zur Zahlung dieser Barren dadr- drc jrarrzojrsckcke Bank sich die (Helder darch eine Anleihe, bei engltschen Kaptwltsten verschafft, welche sie erst in spätkren Pcrroden, dre sogar vcrlangert wcrden diirften, zuriickzucrstattcn hätte. Dadurch Wk)? "M" (“W Ucbrlstände vermieden, daß man wieder eine bedeutend? B.,mrsumme außer Landco hätte müssen gehen laffrrr. Dreses Ueberrrnkommen sri jedenfalls besser, als wenn die franzdnsrhe Bank der englischen Ik- qenübrr Verpflichtungen härte eingehen "mrrffen. 'legrsrden Von dre. sen 20 Millionen Silber, dre rasch m Funfsranken-Stuckc zu verwan- drln, sci indes; zu erwarten, daß die Bank noch mehr banres Geld bedürfen werde, wobei sie Alles aufzubieten habe, um ihre Reserve in richtigem Verhältniß zu ihren Zetteln zu halten. Es sei aber zu hoffen, daß sie nichtsdestowem'ger nicht gezwungcn sein werde, den Diskonto zu erhöhen, noch dem Handel die bisherigp Unter'srüyung zu ent ie en.
z Jer Constitutionnel meint, daß wahrscheinlich die Verwen- dung eiserner Kriegs-Dampfschiffe für die Zukunft aufhören werde, indem schon die englische Admiralität zu solchem Beschluß gekommen wäre. In Folge der auch in Frankreich damit angestellten Versuche hätte sich auch herausgestellt, daß die Kugeln in den eisernen Schiffs- wänden weit größere Risse verursachten, als in den Schiffen von Holz. Man habe einen Versuch gemacht mit doppelten Eisenplarren, die mit Kohlen ausgefüllt worden, was aber eben so wenig genuvt,
1“-
indem dieKugeln dies auch durchbohrten. Ein franzöfischer Schiffs- bauer habe nun den Plan entworfen, große Kriegsschiffe so zu bauen, daß der Schiffstheil, der sich unter dem Wasser befinde, aus Eisen, alles Obere aber aus Holz gebaut Werden solle; die Dauerhaftigkeit solcher Bauten müsse aber erst erprobt werden.
Unter den Handelsleuten und Industriellen von Rheims, welche sich früher für kenfreienHandel erklärthatten, ist eine Spaltung aus- gebrochen. Unterstüxzt durch die Handelskammer, haben die Disfiden- ten eine Protestation, worin sie sich im Namen der National-Zn- dustrie gegen die Handels-Jreiheit aussprechen, abgefaßt und an den Ministers des Handels und des Ackerbaues gesandt. Sie fordern dar- in dringcnd die Handhabung des Schnysystrms, indem man demsel- ben jedoch seinen übertriebenen Einfluß auf gewisse Erzeugnisse und auf die durch die verschiedenen Industriezweige Verwirklichten Fort- schritte nehme. Die Protestatr'on ist mit “134 Unterschriften bedeckt. Die Handels-Kammer von Toulouse hat ein Schreiben in einem ähn- lichem Sinne an den Minister gerichtet.
Das Echo d'Oran meldet vom 18.Dezember den fortwährend ruhigen und befriedigenden Zustand diescr Provinz. Aus Maskara wird die erfolgte Unterwcrfung mehrerer Stämme, auf die man ge- rechnct hatte, mitgetheilt. Der von Abd el Kader zur Begleitung der_lodgckausten französischen Grfangencn nach Frankreich angeblich desttmmt gewesene Uda- Belharhemy und seine drei Begleiter sind nder Tlemsetr nach der marokkanischen (Hränze znrückbrfördcrt worden.
Der Minister des Innern hat eine Kommission von Bäckern er- trarJnt, gm die neuen Methoden drs Vrodbackens zu prüfen, die seit erntgcr Zeit vorgeschlagen worden sind, um den Preiö drs Vrodtes zu vermindern. Insbesondkre sollen Versuche über die Art und Weise anglkstéllt wcrden, Brod aus Weizenmehl, mit Runkelrüben gemengt, zu m en.
AmUU). Drzember gewahrtcn dic Mauth-Soldaten an der spani- schrn Granze eine Bande von 75 bis 80 bcwaffnsren spanischenJliicht- lrngcn, welche in Spanirn eindringen Wollten. Als diese die Mauth- Soldaten sahen, Wendeten fie sich um und empfingen dieselbe durch ern Pelotonfeuer. Dic Mauth-Soldatcn erwiederten dies, wurdcn (rber, da sie keinen kraftvollen Widkrstand leisten konnten, gezwungen, sich zurückzuziehen, und den Spaniern gelang es, die Gränze zu über- schreiten.
, Der Courricr fran'gais will wiffcn, daß nächstens eine neue Pdtrs-Kreirung stattfinden werde, wobei vorzüglich Präfekten und hdhlrr Verrvaltungs-Beamten bcriicksfchtigt werden sollten.
Vofm Justiz-Minéster ist eine Kommission ernannt worden, die VNschläge zu nöthfgenModificationen in der Straf-Prozeß-Trdnung machen soll, und worin der Minister den Vorsiy fiihren wird.
Brrefe aus Alexandrien vom 21. Dezember thrilen mit, daß Mehmed Ali entschloffen sei, eine Reise nach Frankreich zu machen, und das; er sich im nächsten Friihlinge nach Paris begeben werde; cr werde zu :))errscille landen.
Dre Stxrion in dcn chinesischen Gewässern soll verstärkt rverdcn', a.trch rst die Rede von der Anknüpfung dancrnder diplomatischer Br- zrrhungcn mit dem Hose von Peking.
Zu der närhstcn Woche wird eine Vkrsammlunq Von Deputirten drs linkrn Centrums stattfinden, um eine Vorläufde Vercinbarung iibcr gewiffc wichtige Punkte in Vctrcff dcr ersten Arbeitcn dcr Kam- mer zu Stande zu bringen.
Dem Marschall Bugeaud ist abermals ein längerer Urlaub br- willigt worden, damit derselbe an den Arbeiten der Session theilneh- me'n könne.
Der National spricht von zwei Unfäklen auf der Nordbahn, die zum Glück keine weiteren Folgen hatten. Ein Waarenzug sei auf ein?" haltrndenZug bci Amicns gestoßen, wobei einige Waggons zrrschmcttcrt wurden. Ein anderrs Mal stieß ein Passagierzug auf cine Lokomotive, die Wasser einnrhmen soUtc, Wobei beide Lokomoti- Vsn zerbrochen.
Großbritanien und Irland.
London, 0. Jan, *Die Rrchnungs-Abschliissc der Einnahme dcs lcxzten Jinanx-Quartals, wklrhcs gestern abgelaufen ist, sind in der That so grinstig, als man Vorhkr bereits vermuthrtc. Dic fol- gende Nachwcrjnng zrigt, daß die Strigcrung der Einnahme, sowohl für das mrt drm gestrigen Tage verflossene Vierteljahr, als auch fiir das ganzr Jahr, vcrglichen mit den entsprechenden ZZrit-leschnittcn des vorigen Jahres, gerade die'jent'gen Einnahmc-Qucllcn betrifft, dcrmr Produktivität ald ein _ sicheres Zcichcn der allgemeinen Wohl- fahrt des Lauch anzujehen ist. Es War nämlich d:“e Einnahme ge-
stikgen:
fiir das ganze für das , _ Jübk- Quartal. aus den Zöllen um ............... 2(_).-'x,659 Pfd. 159,98? Pfd. ,. der Accise um ................ 344,1819 „ 269,5118 „ -- dcn Steurrn um ............ 40,506 „ 83,848 „ „ dcr Einkommknsteurr nm ...... 868,821 -- („3,234 „ „ dcr Post-Cémmhme um ...... I;3,(_)00 » 14,000 „ » dcn Kronländt'rcikn um ....... »« » 5,000 „ -- den vrrmischten Einnahmen um 196,778 » „. „ Summa ..... ],248,957 Pfd. 5455332 Psd,
Die übrigen Positionen, welcbe indrß mit dem Zustand des Han- dels und der Gewerbe in keiner Beziehung stehen, wie Stempel-Er'n- nahme, chincsische Contributionen 2c., zeigen eine Abnahme gegen das vorige Jahr, und zwar für das ganze Jahr um 1,235,125 Pfd. und fiir das Quartal um .“525,-1;59Pfd., so daß die Netto-Mchrcinnahme für diese Zeit-Abschnittk nur auf resp. 19,873 Pfd. und 13,082 Pfd. zu stehen kommt. „Die Aussichten für das Jahr' 1847“, schreibt der Globe, „mit der schwrrcn Anwcisung auf die Hiilfsquellcn Groß- britanienö, Irland zu erhaltrn, bei den plöleich erhöhten Baumwol- lenpreisen und den hohen Preisen al1er Lebknsmittel, bei den zur Be- srreitung der vielen öffentlikhkn Werke erforderlichen Kapitalien, er- öffnen sich uns nicht ganz ohne Besorgniß; das wird von allen be- merkt und zugegeben. Wir haben viel Arbeit vor uns. Aber es ist beruhigend, zu wissen, daß wir wenigstens mit unvermindcrfer Enrrqie', ja mit Vortheilen dabei anfangen können, welche, weise benuyt, dns Wohl in Stand seßen mögen, die Schwierigkeiten zu überwinden.“
Die Berichte aus Irland sind noch immer dieselben. Das Volk hungcrt und revoltirr, und die Regierung bemüht sich vergebens, die furchtbare Muffe dcs dortigen Elends zu beseitigen. Als eine wich- tige Maßregrl wird heute angekündigt, das: der General-Jnspcktor der Kifistrnwachen für Irland Vorgestern dem Gcncraihülss :- Comité angezeigt habe, wi_e er von der Regierung beauftragt sei, jedem Un- terstuyungd-Comité mit Lebensmitteln zu befrachtende Schiffe zuzuwei- sen, ddmtt dieselben nach jedem Hafen des Landes dirigirt wer- den können. In Folge dessen wurde sofort ein großes Schraubrn - Dampfboot dem Comité zur Disposition gestellt und mrt Medlfrachten nach verschiedenen Theilen Irlands gbgesandt. Erne, Abnahme der Noth in den Provinzen rst noch durchaus nrcht sichtbar. Aus Castlebar wird berichtet, daß m den lehten_ zwer Wochen wieder funfzehn Menschen vor Hunger umkamen. Dre Elnzelnheiten, welche die Untersuchung der Todten- schau an? Lacht brachte, find herzzerreißeud; in mehreren Fällen ge- borien dre Verhangerten zahlreichen Familien an, deren übrige Mit,- Skedkk sammtlrch nahe daran sind, ebenfalls dem Mangel zu erliegen,
47
Zu Weftport fand kürzlich unter dem Vorfiße des Marquis von Sligo eine Versammlung statt, in welcher zur Abwendung der dringendsten Noth die Errrchtung einer Suppen - Anstalt beschlossen ward und sofort ansehnliche Brißeuern gezeichnet wurden. Eine Zeitung von Fermanagh meldet, daß gegenwärtig das Arbeitshaus zu Enniskillen mehr als 1000 Insassen zählt; 6-700 derselben wurden in den lest?" zwei Monaten aufgenom- men, und sie entschlossen sich erst, _dort Zuflucht zu suchen, nachdem ihre äußersten Versuche, alldkkMtttg Brod zu erwerben, gescheitert waren. Nicht minder groß ist bei der stets wachsenden Masse von Fieberkranken der Zudrang zu den Spitälern, deren gänzliche Ueber- füllung schon die Einrichtuzng _nxuer „Lokale zur Kranken-Aufuahme nothwendig machte. Gletchzertrg Wrrd iiber Verrrackläsfigung des Feldbaues und über Nr'rhtverwendung der nöthigcn Arbeiterzahl von Seiten der Pächter in vielen Orten Klage geführt, Weil diese Versäumniß fast nothwendig eine abermalige spärliche Aerndte zur Folge haben muß. Mehrcre Hiilfö-Comités haben daher die Gutsbesitzer ihres Bkzirks schon drrngcrrd auf dicse Vernachlässigung der Frldwirthschaft aufmerksam gemacht und sie aufgefordert, bei Zeiten dafür zu sorgen, daß ihre Pächtrr nicht absichtlich ihrem Be- rufe nachzukommen unterlassen, sondern für rechtzeitigen Anbau ihrer Necker Sorge tragen, statt im Falle einer selbstverschnldcten Miß- ärndtc auf abermaligen Pachtnacblaß zu zählen. -- Aus Dublin er- fährt man, daß die Preise von Weizen, Gerste, Mais, Hafer und Hafermrhl wieder ansehnlich gestiegen waren. Es hirß auch, daß liverpooler Häuser ihre dubléner Agentrn angewiessn hättln, mit Verkäufen von grobem Weizen 31: dem Marktpreise von 40 Shil- lingen einzuhalten und nicht unter 50 Shillinch abzugeben. Der Mais ist ert in Dublin _qe'radk doppelt so tdcrrer, als bki seiner ersten Einfuhr vor einem Jahre; selbst Klkéen, sonst mir Virhfut- ter, sind stark im Preise gestirgcn, weil man sie unter die gröberen Brodsorten mischt. - Ter Times wird geschrieben, das; trotz. der wiederholten Versicherungen, die Sucht nach Feuerwaffen beschränke sich nur auf Gutsbesitzer und Pächter, die unlrugbarstrn Thatsachen den Beweis abgäben, daß grrade drr ärmste Thril dcs Landvolkes in gewiffen wegen der dort vorgrfallcnrn Er'zcssr bekannten Bezirken sich, da er dies jeht ohne Furcht vor Sims? thun formte, in den Besiy von Feuerwaffen gcscßt habe. Bei den zahllosen, während der lcxxtrn drei Monate in den südlichen Grafschaften ver- übten Gewaltthatcn seien in norm unter zehn Fällen die an- greifenden Partkirn mit Flinten odcr Pistolen brwaffnct gervescn, und in dcr Baronie Lower Ormond, so wie in der Umgegend von Borrisokanc nnd Ncnagh, trugen die Bauern und Arbeitcr ganz un- vcrholcn und M hellem Tage ihrc t'o'dtlichen Waffen. chiBlättcr von Cork und Tipprrary Versichern übrrcinstimmend, das; das Land- Volk ach Geld, dcffen LG nur habhaft wrrrcn könne, auf den Ankauf Von Feuerwaffen nnd zwrrr augenfällig zu Angriffs: und (Hewaltthats- Wecken Orrwendc.
Es wird versichert, das; die von der Bank Von Frankreich abge- schlossene Anleihe sich auf *.J,000,000 Pfd. dclanfs; vcrrnuthlich wird sie indeß nicht der ganzen Summe bedürfen. Dcr abgeschloffcncn Uebereinkunst gemäß, hat die Bank Von England der französischen Bank das crforderlichc Quantum Silber.? in Barren zu liefern, und es fragt sich nun, in welcher Weise die Bank dieser von ihr über- nommenen Verpflichtung nachzukommen brabfichtigr. Die allgemeine Ansicht schcint dahin zu geben, daß man in derselben TZeise verfahren werde, wie im Jahre 1889, obgleich es wahrscheinlich isi, daß man sich. nicht derselben Agenten wie damals bedienen wird, da natiirlich die Wahl derselben jest der Bank Von Frankreich anheimfällf.
Die Times enthält wieder einen Artikel über den Nothftand in Irland, in welchem angedeutct wird, daß die Regierung, um die zur Abhijlfe dcr Noth erforderlichen außerordentlichen Audgaben zu decken, sich genöthigt sehen werds, eine Steuererhöhung (die Times spricht von der Einkommensstcuer) zu beantragrn.
Herr Byng, das ältrstc Mitglied des Untcrlwnscs, erklärt in ciurm Schreiben an die Wählcr dcr (Hrafsrhast Middle'srx, welche er seit 56 Jahren im Parlamente vrrtrctcn hat, daß er bei der nächsten allgrmeinen Parlamentswahl nicht wieder als Kandidat aukzutreten gesonnen sei. Er gehört drr liberalen Partei an und hat noch an der Seite von Charles Fox, deffln Freund cr War, für die Rechte des Volkes und dessen Freiheit gekämpft.
Die Liverpool-Timeo zeigt an, daß im dortigen Hafen täg- lich eine Ladung von 800 Tonnen brasilianischen Zuckers direkt aus Rio Janeiro erwartet werden Es sei dicö die erste Ladung, erche seit der Erlassung drs Gesetzes, durch wslchcs in voriger Parlaments- Skssion ein Differenzial-ZOU auf Kolonial- und ansländischcn Zucker gelegt ward, aus Brasilien nach Liverpool abgeschickt worden sei, und der davon zu entrichtende Zoll wrrde 21 St). pr. Ccntner betragen. Da die Zucker-Aerndtc in Brasilien dieses Jahr äuße'rst reichlich mrs- gefallen sei, so dürfe man sehr bedeutende Zufuhren dicsrs Artikkls erwarten.
Niederlande.
Amsterdam, 5. Jan. Dem Vcrnchrncn nach, liegt in diksrm Augenblirke dem Staatdratde ein GeseH-Entwurf zur Bestimmung dcr Ein-, Aus- und Durchsuhr-Rechtc auf Gctraidc zur Berathung Vor; es soll derselbe an die Stelle des Glschs von 189.5 treten und ihm ein mäßiger fester Zoll zum («Munde gclcgt worden sein.
H ck w e l 7.
Kanton Luzern. Dkr hiesige Erzähler Enthält einen Ar- tikel: „Das Volk des Kantons Luzern kann und soU das Veto gcgen dcn Sonderband vrrlangen.“ Dcr Sonderband habe für den Kan- ton Luzcrn keine bindende Kraft, so lange derselbe nicht auf geseh- mäßige Weise publizirt und dem Einspruchsrecht des Volkes unter- worfen worden sei. Der Erzähler fordert das Volk encrgisch auf, von dem Veto, seinem _qeseylichen Souverainetäts-chhk, gegen das Sonderbiindniß Gebrauch zu machen.
Der Präsident des Ruswylrr Vereins hat an die Mit- glieder desselben ein Schreiben erlassen, in welchem er diese zu Beispielen christlicher Grfinnung, briiderlicher Liebe durch wohlthä- tige Hiilfe bei Nothleidenden auffordert. „Habct Ihr Dienst- boten (heißt es darin), so verabschiedet sie nicht hartl)erz:'g zu einer Zeit, wo Arbeit und Verdienst mangclrr, tbril»t mit ihnen gutherzig den Bissen Brod. Schränkt Euch ein in Eurer Kleidung, legt un- nützen Aufwand weg, um dir Blößcn von Frost zitternder Kinder und Greise zu decken. Vor Allem bcmiihet Euch, die Wahrhaft Nothlei- denden, die Hauöarmen, ausfindig zu machen und ihren Hunger durch Verabreichung von gesunder Nahrung zu stillen.“
Kanton Bern. Gegen Luzern ist eine Ausfuhr-Veschrän- kung von Getraide und Kartoffeln Vom Regierungs-Rathe beschlossen, da Luzern seinerseits Beschränkungen in Anwendung bringt.
In der Stadt und im Amtsbezirke Bern scheint die radikale Partei keine großen Fortschritte zu machen. Am 29. v. M. fand die Wahl-Versammlung des Amtsbezirks statt, um eine Stelle im Amtsgericht zu erseycn. DicVersammlung war nicht zahlreich, indem auf 47,000 Seelen, die der Bezirk zählt, nur 331 Wähler erschienen, von denen der konservative Kandidat mit 224 gegen 99 Stimmen gewählt ward. Am folgenden Tage fand die Wahl der Gemeinde
der Stadt Bern statt, ,und das Resultat war, daß die Radikalen neuerdings unterlagen, mdem sie von 223 Stimmenden blos 84 bis 35 zählten,
Kanton Freiburg. (Eidg. Z.) Die Blätter bringen keine neuen Thatsachen, dagegen sttmwen alle Berichte darin überein, daß der Augenblick des Entscheides mtt schnellen Schritten herannahe„ Die auf den 1. Januar in Bulle angekündigte Volksversammlung hat nicht stattgefunden, dagegen ist nun eine quf den 6ten d. ange- sagt. Ob dieselbe aber abgehalten werde, set (sagt der Verfas- sungs-Freund) noch ungewrß, „nrcht wegen_ des verfgssungswidm gen Verbots drs Staats-Rathes, sondern _werl_selbsi dre Führer der liberalen Partei fürchten, das Volk mdch1e rn fernem großen Eifer zu weit gehen und nicht abgehalten werden konnen„drr gaselerche Schranke zu überschreiten.“ Cin Korrespondent der Natronal-Zettung will dagegen w:“ssen, es dürfte virlleicht eine neue Versammlung der Broyards auf waadtländischem Boden stattfinden; man vermuthe, der Staatsrrrth gehe damit um, die Truppen auszubirten und von Neuenburngulfe zu Verlangen. Endlich meldet auch dre Berner Volks-Zxrtung aus Freiburg vom Zten: „Hier ist Alles noch ruhtg; doch rst mczn auf kommende Ereignisse gefaßt. Uedermorgen (den_5tcn d.) rst Markt, man hegt aber keinerlei Besorgmsse, daß schon )th Unruhen in der Stadt selbst ausbrkchen. In der Regel enrschczdet slch der Stand der Parteien in der Stadt erst, wenn bcrerts irgendwo das Ungewitter loögebrochen ist und die Landleutx vor dem Rathhause stehen. Die Regierung scheint sehr fest auf dre entschlossene Haltung und Ergcbcnheit der Bauern aus dem deutschen Beztrk zu baurn. Man soU fich auch in Bern informért haben, was der Vorort 1111 Fall eines Putschversuches gegen die Regierung thun würde.“ Dem- selben Blatte zufolge, hielt der Regierungs-Rath von Brrn arn *1trn d. M. Abends eine geheime Sitzung, Vermuthlich über dre fret- burgischen Angelegenheiten,
Kanton Schwyz. Dcr nrue Prälat von Einsiedeln hat die- ser Gemeinde aus eigenem Antriebe eincn Vorschuß von 8000 Fl. zum Ankauf von chenömitteln gcmacht und sich iiberdies erboten, fierl)00Jl. selbst noch anzukaufen, um siexunter die Nothlet'denden zu vcrtheilcn.
Kanton Tessin. Hier scheint sich in Folge äußerer undr'n- ncrer Einwirkungen ein Einlenken zu einem gemäßigteren Systeme rm- mer deutlicher zu zeigcn. In dem Volke sollen die katholtschen Sym- pathieen dc'utlichrr und stärker hervortreten, je mehr der Terrorismus der Schüßengcscllschaften, der sie bisher darniederhieli, sich abstumpft; dazu will auch ein vom Advvkaten Sommazzi herqusgegcbenes Blatt, der Tcssinische Eidgenosse, das Seinige bertragen. Tre bx- kmmtcn Hirtenbriefc dcr Bisckzöfe von Mailand und Como wirkten m gleichrm Sinne, und beachtknswertl) bleibt es, daß die Regierung ge- gen dieselben keine Einsprache erhob, und daß der Antrag Batta- glinis auf deren Unterdrückung im Großen Ratye in Minderheitblieb. Dabei sprechcn Blätter beider Farben von Drohungen Oesterreichs, betreffend die Fortweisung der in Oesterreich sich aufhaltenden odcr dahin auswanderndcn Tessiner (10,000-«16,000, nach verschiedenen Angaben), so wie Beschränkung der Salzausfuhr aus der Lombardci nach Tessin. Auch der TranSport von 190 Kisten Perkussions-Gc- wehren und 90 Kisten Munition durch den Kanton Tessin, mit drr Bestimmung nach Luzern, soll einen fiir die Regierung kcineöweges günstiger! Eindruck beim Volks gemacht haben.
* Die O. P. A. Z. enthälk nachstehendes Schreiben Aus der Schweiz: „Die Bewegungen zu Freiburg sind ganz geeignet, Auf- sehen zu erregen und wichtige Folgen nach sich zu ziehen, Das ganze Gewicht drs Streites ist durch das Benehmen des Präsidenten Fournier auf eine Prinzipien-Jrage geworfen wordrn. Dadurch, das; der Präsident, alle Verantwortlichkrit anf sick) nehmend (bei Stimmen- glcichheit cntschikd er durch Stichentschcid), den Staatsraths-Beschluß vom 27-5“. Tczkmbrr zuwrgc brachte, der die Volks- Versammlungen iiberhaupt vrrbértet, that er einen Eingriff in die vrrfassungsmäßigkn Rechte. Wohl ist Mißbrauch der repräsentativen Freiheit bei einer Volks-Vcrsammlung zu ahnden. Allein in republikanischen Staaten kann ein solcher einzelner Fall gewiß nicht die Aufhebung rines so bedeutenden Rechte:) der Betheilfgung am Gemeinwesen, wie das der öffentlichen Versammlungen und Berathungen, motiviren. Durch die- sen Schritt gab man der Bewegungs-Partei die Waffen in die Hand, welche sie auch faktisch zu ergreifen sucht. Man hätte freilich statt desen auf vcrfnffungdmäßigcm Wege dcm unverfassungsmäßigen Ein- griff begegnen sollen. Allein fast in keinem Kanton stehen sich die Parteien so schroff gegeniiber, an wenigen Ortkn wird so leicht ent- zündlicher Brennstoff gefunden werden, wie in Freiburg.“
Italien.
„Rom, "LR. Dez. (D.?l. Z.) Die hier wiederholt aus Neapel eingegangenen Nachrichten, daß auch dort und im noch tieferen Süden ein scdr unfreundlicher und strenger Winter das Regiment führe, ha- den Ihre Königl. Hoheit die Frau Prinzrsfin Albrecht von Preußen bestimmt, nun fiir den ganzen Winter sich Rom als Aufenthalt zu wählen. Am ersten Weihnachtsfeiertage genoß sie in der preußischen Gesandtschafts-Kapelle das heilige Abendmahl.
Nachrichten aus Genua zufolge, befindet sich Ihre Königl. Ho- heit die Prinzessin Luise von Preußen aufs neue unwohl. Der hier verWeilende Geheime Medizinal-Rath l)r". Alerß wurde nun schon zum zweitenmale im Laufe dieses Winters zur Mitasskstenz an der Kur der hohen Kranken dorthin brschieden und diirfte sich noch in dieser Woche auf längere Zeit in CivitaVccchia nach Genua ein:-
schiffen.
Nom, W,. Dez. (21. Z.) Der Kardinal Amat di S. Fi- lippo e Sorso ist auf seinen Posten als Legat nach Bologna abge- kerst, nachdem er vorher außer seinen Jnstructionen noch mündliche Verhaltungsbesehle Von dem heiligen Vater erhalten. Wie in Vo- logna, so haben in Ferrara bet' der nächtlichen Unsicherheit der Stadt die Bürger fich beWaffnet und nehmen gemeinschaftlich mit dem Mr- Litair die Patrouillen vor. In Bologna war ein Gerücht„ Paß drese Sicherheitswachc am 24|en d. von den _früheren Fretw-Ürgen und dem Pöbel angegriffen werden sollte. Seitdem bqbln 1717) "W meh- rere Bürger von Bologna diesem nächtlichen Drensk aygkschkossen, um den Frevlern eine herbe Lection zu gcben, falls sie emen Hand-
rei wa en ollren. „ „
s“ chVorggesterrsr, am Vorabend des Namenskagks _SkHe'l'gkk'k- wurde dem Papst ein Fackelzug von mehr als tauscnd personxrz mtt Musik gebracht, Der Papst crtheilte vom Balkon des Qurrmals semen Segen, worauf die unzählige versammelte Menschenmengx slch zer- streute, ohne daß die geringstx Unordnung vorgefallen ware. _ Am 1. Januar will man den Glüejwunsch zum neuen Jahr darbrmgxn, wozu mehrere Gesang-Cbörx mlt Instrumental-Begleitnn emgeubt werden. Man spricht von emem rteserrbaften Blumenstrau , de_r dern Papst dabei überreicht werden sql]. 'An demselben Abend ward txt dem großen Saal des Kapitols, eme ngße Jest-Kantate vyn Vossen, die Worte von Conte Marchettr, ausgefuhrt.