1881 / 64 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 16 Mar 1881 18:00:01 GMT) scan diff

veränderte BewiUigung des auf Grund der Einnahmen im Oktober 1880 bis Januar 1881 für das neue Etatsjahr auf 201300000 (16 brutto und 188 250000 „45 netto veran- schlagten Ertrages. Bezüglich der dem Pun_kt 1 des Etats beigefügten erläuternden Bemerkun , wonach „dl? Aenderungen, welche in Folge des beabsichtigten Emschiuffes der Stadt Altona in die ZoÜlinie eintreten würden, bei dieser Berechnung un- berücksichtigt gelassen seien, da eine genauere Veranschlagung derselben zur Zeit unthunlicb sei, auch der'Tag des Zo1l- anichluffes noch nicht feststehe“, habe die Reichsregierung in der Kommission erklärt, daß eine stillschweigende Erledigung der Zoljanschlußfrage damit nicht habe erbeigeführt'werden soÜcn, sowie daß bei Ausführung des Pro1ekts die Vemilligung des Reichstags in Anspruch genommen werden würde. Der Staatßsekretär des Reichsschaßamts Scholz widersprach der 1231- gedachten Anschauung, _ in der Kommission sei 1. Z. nur erklärt worden, daß fallS die in Rede stehende Maßnahme im Laufe des Etatsxahres 'zu Stande komme, nach der Auffassung der Regierung keine Kosten dadurch erwachsen würden, die von der Be- willigung dieses Haufeéz abbingen. Auf Antrag des Abg. Dr. Hänel, dem fick) die Abgg. von Bennigsen, 1)r. Las- ker, 1)1". Delbrück und 1)r. Windthorst anschlossen, wurde'so- dann unter Widerspruch des Abg. Fréiherrn von Mmmge- rode Titel 1 zur nochmaligen Vorberathung auf Grund drr eben abgegebenen Erkl"rungen des Staats-Sekretärs 011 die Vudgetkommiffion zurückgewiesen, unbeschadet der werteren Durchberathung des Etats.

Bei Schluß des Berichts machten die Abgg. 131", Buhl und Haerle auf die Nachtheile aufmerksain, welche die massen- hafte zollfreie Einfuhr von Weintrauben zur Weinbereitung dem inländischen Weinbau zuiiige. Der Direktor im Reichs- schaßamte Burchard erklärte, daß die Aufmerksamkeit der ver- bündeten Regierungen dem Gegenstande dieser Brschwerde bereités zugewendet sei.

_ In der gestrigen Sißung desBranderiburgischen Provinzial- LandtagH verlas der Vorsißende, „Graf von Arnim-Boißenburg, „folgknde Adresse an Se. Majestät den Kaiser und König:

Der zu seinen Sißungcn bier versammelte Landtag ker Provinz Brandenbura bas den aüeruntert.,änigst unterzrickoncten Vorsißenken beauitragi, Ew. Majestät in tiefsrer (Ehrfurcht die Gefühle der hoben Tbcilnakme an dem scbkreten Verlust auSzusprecken, wäcben 2111er- höcbsldicsilben durch das furchtbare Ereignis; erlitten, das den Enkel unseres unvergxßlickéen, in Gott ruheiden Königs Friedrich Wilkelm 111 und den Ew. Majestät persönlich bcfreundetemBeberisckzer Dek? mächtigen Nachiarreickxes hinwrggerafft hat. Die Vertreter un- serer Provinz, “rie qerrobnt ist, in Freud iind Leid, in wutcn und in bösen Tagen ailczeit t:»u zu ihrem Kaiserlichkn Herrn zu slebsn, v?x-

einiaen fich in rem Herzenérrunsche: Gott sjüße, Gott segne Ew. szestät!

_ Die Bestimmung des §. 714 der deutschen Civilprozeß: ordnung, wonach Früchte, aucb bevor sie von dem Boden getrennt sind, gepfändet werden können, findet nach einem Urtheil des Reich§gerichts, 11. Strafsenats, vom 4. Januar d.J., auf Bäume, die noch auf dem Stamme stehen (stehen: des Hol ) keine Anwendung; der Gerichtßvoüzieher ist daher nicht beéugt, stehendes Holz auf Grund eines genereUen Arrest- befehls mit Beschlag zu belogen, und die Entziehung der un- befugt vom Gerichtßvollzieher beschlagnahmten Bäume am?- der vermeintäckxen erstrickung ist nicht als Arrestbruck) zu be- strafen. Vielmehr bedarf es zur Beschlagnahme von Bäumen auf dem Stamm einer besonderen richterlichen Verfügung, durch welche der Arrest vollzogen wird.

_ Dic Zciteintheilung fiir die dieéjährigen Frühjahrs- bciichtigungen des Garde-Corps ist, wie folgt, Aller: höeiist gsnehmigi worden: 3. Mai. Vesichtigun der Ba- taiüone des 1. Garchegiments 3. F. im Lngartcn zn Potsdam. _ 13. Mai. Besichtigung des Garde-Jäger=Va- ta111011§ und der Unteroifiziers nie im Lustgarten, sowie des ]. ('Harde-ngimcnts 3. F. au dcm Bornstedter Felde zu

Potsdam. _ 14. Mai. Besichtigung des GardePionier- VataiUons, des 2. Bataillons Eisenbahn-Negimcnts und des 8. Wurde - Regiments J. F. auf dem Exerzier-

piaßc westlich der Tcmpeihofer Chaussee beiVerlin. _ 16.Mai. Bcsichtigung dcs Garde-Schiißen=Vatail10ns, dcs Kaiser Alexan- der-Garde-Grcnadier-chimcnts Nr. 1 und des Kaiser Franz- Garde=(Irenadicheginwnts Nr, 2 auf dem Exerzisrplav öst- lich der Tempelhofer Chauffce b'i Berlin. _ 17. Mai. Ve- sichtigung des 1. BataiUonö Garde:F11ß:Artilleric-Regiments, des 4. Gardechimcnts J,. F. und des 3. (Hardc-Grenadier- Regiments Königin Elisaveti) auf dem Exerzierplatz an der Potsdamer Chauffee bci Spandau. _ 18. Mai. Besichtigung des 2. Garde-Regimcnts z. I“. und des Garde:Fiisilicr-Reaimentc», aus dem Exerzierplas westlich der Tempelhofer Chauffce bei Berlin. _ 19. Mai. Marsch drs 4. Garde-Nenimcnts 3. F., des 3. Garde:Grcnadier-Regimcnts Königin Elisabeth von Spandau nach Berlin, und des 1,Vatai110ns dcs Kaiser Rl."ran02r-Garde:GrenadierMegiments Nr. 1 von hier nacb Spandau zur Wahrnehmung“: de?- Wachtdienstes. _ 23. Mai. Besichtigung der 1. Garde:Jnfantcrie-Vriaade auf dem Bornstedtcr Felde bei Potsdam. _ 24. Mai, Besichtigung der kombmirten Garde-Jnfanterie-Vrigade (Kaiskr Franz-Grcnadicr=Negimcnt Nr. 2 und 3. Garde: chimcnt z. F.) auf dcmExerzierplav östlich der Tempelhofer Chaussee bei Berlin. _ 25. Mai. Marsch dcr 3. und 4. EE- (adrr-n des Regiments ker Gardes dn Corps 11ac1- “Lkotsdmn. 27. Mai. Besichtigung der 2. Garde-„Ziimmcric: Brigade auf dem Exerzierplav westlich der Tempelhofer Chauffce bei Berlin. 28 Mai. Besichtigung kcr 3. Garde:Jrifaiitcrie:Briaadc auf dem Exerzierplatz östlich der Tempelhofer Chqnffee bei Berlin. _ 30. Mai. Große Parade auf dem Tenwelhofer Fcldr bei Berlin. Eisenbahntmnöporte des ]. Bataillons Garde=7uß- ArtiUcrieRegimentQ nach Berlin nnd nach der Parade Uck-

_

die auf einem Mißverständniß beruhe;.

matsch nach Potsdam. _ 31. Mai. Große Parade im Lust: ?

garten zu Potsdam. Rückmarsch der betreffenden Truppen nach Spandau resp. Berlin. _ 10. Juni. Besichtigung der Garde:Feld:?!rtillerie-Vrigade auf dem Tempelhojcr Felde bei Berlin. _ 14.Juni. ]. Garde-Dragoncr-Regiments auf dem Exerzirplau südlich der

Besichtigung des Garde-Kürassier und des

der Baiaiüone schließen mit dem 3. Mai, die der EScahronH mit dem 25. Mai ab. Die Besichtigungen in Berlin beginnen um 10 Uhr, in Potsdam, wenn im Lustgarten um 91/4 Uhr, we/nnUHauf dem Vornstedter Felde und in Spandau um 93 4 r.

_ Der General-Lieutenant von Strybberg, General-

nspecteur des Militär-Erziehungs- und Vildyngswesens, hat

b1ch bnach Anklam znr Besichtigung der dortigen Kriegsschule ege en.

_ Das „Mar. V. Bl.“ veröffentlicht Notizen Über Jndiensiftellunaexi: S. M „Comet“ ist am 12. März cr. in Kiel in Dienst aesie11t. _ Stellun in SchiffSreserve: S. „M. 'S. „Gazelle“ ist am 24. Fe ruar cr. in Wilhelmshaven in die 2. Reserve ge- sie11t. _ Schiffsbewegungen: (Das Datum vor dem Orte bedeutet Ankunft daselbst, nach dem Orte Abgang von dort.) S. M. S. „Ariadne“ 6/9. 80. Callao 3/1. 81., _ 3/1. Bucht von Ancon 20/1. _ 20/1. Callao. (Poststation: Caüao.) S. M. Knbt. „Cyclop“ 9/2. Aden. (Poststation: Gibraltar.) S. M. S. „Freya“ 22/12. 80., Hongkong. _ Leßte Nachricht von dort 2/2. cr. (Poststation: Hoygkong.) SM. Av. „Habickit“ 27/2. Melbourne. _ Beabsichtigte am 7/3. die Reise fortzusetzen. (Poststation: Auckland auf Neu- seeland.) S. M. S. „Hertha“ 10/3. Melbourne. (Post- station: bis 25/3. Yokohama leßte Post 25/3. 21/2 Nachmittags 1713 Brindisi _, vom 26/3. ab Hongkong.) S. M. Knbt. „Hyäne“ 20/10. „80. Auck- 1and 17/11. 80. nach Apia. (Poststcztion: Aden.) S. M. Knbt. „Iltis“ 25/11. 80. Shanghai 25/1. 81. _ 31/1. Hongkong. (Poststation: Hongkong.) SM. Av. „Lo- reley“ 10/11. 80.Konstantinopel. _ Leßte Nachricht von dort 3/3. (Poststation: Konstantinopel.) SM. Av. „Möwe“2/3. Melbourne. (Poststation: Auckland auf Neuseeland.) S, M. Knbt. „Nautiius“ 22/11. 80. Wellington (Neuseeland). (Post- station: Aden.) SM. S. „Nymphe“ 18/1. Curaixaq „17./2. _nacb Jamaika. (Poststation: Norfolk.) S.M.S.„,Victoria“ 11/2. Madeira12/2._nachSierraLeona. (Poststation: Porto Grande _ Cap Verdische Inseln.) S. M. S. „Vmcta“ 25/11. 80. Yokohama. _ Leßte Nachricht von dort 6/1. cr. (Poststation: Hongkong.) S. M. Knbt. „Wolf“ 2/11._80. Tientsin. _ Leßte Nachricht von dort 10/12. 80. (Poststation: Hongkong.)

_ S. M. Kanonenboot „Nautilus“, 4 Gesch1iße,Kom- wandant Korv=Kapt. Chüden, ist am 11. Dezember 1880 m Ayia, S. M. Kanonenboot „Hyäne“, 4Geschüße, Komman- dant Kavtlt. v. Gloeden, am 11". Dezember 1880 ebendaselbst eingetroffen,

S. M. S. „Nymphe“, 9 Geschüße, Kommandant Korv.-Kapt. Schröder, ist am 20. Februar cr. in Port Royal eingetroffen und beabsichtigte am 28. deff. Mts. nach Havanna in See zu gehen.

S. M. Kanonenboot „Cyclop“, 4 Geschüve, Komman- dant Kaptlt. von Schuckmann .1., hat am 2. März cr. vor Port Sa'id geankert.

Wiesbaden, 15. März. (W. T. V.) Der nassaui- sche Kommunalkandtag beschloß, eineBeileidSadresse an Se. Majeféät dM Kaiser zu richten, in welcher der Entrüstung über die Ermordung des Kaisers Alexander AuSdruck gegeben werden soll.

Bayern. München, 14. März. (Allg. Zkg.) In der heutigen Sißung der Kammer der ReichSräthe wurde der neu eintretende erbliche Reich6ralh Graf von Prey- fing beeidigt. Durch hierauf mit Einstimmigkeit be: schlossene unveränderte Annahme der Geseßentwürfe, be- treffend die DiEziplin der richterlichen Beamten, den Vollzug des Reichsvielecuchengescscs, die Körordnung und das Landtagswahlgescs in der Fassung der Abgeordnetenkam- mer sind Gesammtbeschlüffe beider Kammern erzielt. Bei der Berathung der Wahlgescs-Noveüc hatten nur der RcferentReichs- ratk) van Ncumayr und der Minister des Innern, von Pfeufer, das Wort genommen, Um die unveränderte Annahme zu em- pfehlen. Die Beschwerde der Nürnberger Genossenschast6buckx druckerei wurde, entgegen dem Beschluffe der Abgeordneten- kammrr, gemäß dem Ausschußantrag ohne Debatte als formell unzulässig erklärt.

_ 15. März. (W. T. B.) Im Auftrage des Königs reist heute Abend Prinz Arnulf nach St. *kctcrsburg

ab, um an den dort stattfindenden Vciseßungsfeicrlichkeiten theilzunchmcn.

Sachsen. Dresden, 15.März. Das „Dresd.Journ.“ meldet: „Jm Aüerhö sten Auftrage wird sich der General: Adjutant, General: *ieutcnant von Carlowiv morgen Abend nach St. Peterobnrg begeben, um dem Kaiser Alexander 111. dio Theilnahme Sr. Majestät des Königs außzusprcchen und ihn gleichzeitig zu der erfolnten Thron- besteigung zu beglückwünschen, sowie auch den Beiscsungs- feierlichkciten beiznwobnen. _ Wie wir vernehmen, hat die Allerhöchsten Orts ursprünglich bestandene Absicht, k-ic Mission

folgende . Knbt.

Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Georg zu über:“

tragen, 11111R11cksicht auf den leidcr_fortdauer11dbesorgnisz: erregenden Genmdhcitszustand des Prinzen Albert Wieder anmcgcbcn werdcn mi'men.

QIürttembtrg. Stuttgart, 15. März. (W. T. V.) Der anläßlich des Ablebens des Kaisers Alexander in der griechischen Kap511c des Schlosses stattgchabten Trauerfcierlichkeit wohnten dex Thronfolger Prinz Wil: helm mit Gemahlin, die Prinzcsjin Katharine, die Groß- fürstin chra, Nichte dec- verstorbenen Kaisers, die Mitglieder der russischen Gesandtschaft, dieMinister, General von Schacht: mcycr und andcie höhere Militärs bei.

Baden. Karierube, 15.März. (W.T.B.) Dem hemmen Trauernottesdienst zum Gedächtnis; des Kaisers Alexander in der griechischen Kapelle des Wil: bclmvalais wohnten dcr Großherzog und die Großherzogin,

. der Kronprinz von Schweden, die Prinzeisin Victoria, die

Haicnhaide bei Berlin. _ 15. Mai. Vcsickitignngch 2. Garde: =

Ulanen- und des 2. Garderaaonsr-Neaiments auf dcm? bum, überbrachte die (Ylliclwünirbe kec- ziaisers Franz

Eririiervlav südlich der Hascnhaidc bei Berlin. _ 17. Mai. Benciytimmg ch Regiments d(k Garch du Corrs Und der: 3,

(8arde-111mien:chiments auf dem Bornstedtcr Felde bci"

Volodam. __ 18. Mai. Besichtigung des (Vardczßuiarcn: und “ccc; ]. (Harde:111anen:chimcnts auf dem Vormtcdtcr Felde bei Potsdam.

der Gardes du Corps in ihre Garnisonen. Die Besichtigungen

Rückmarsch der 3. und 4. EScadron Regiments '

übrigen hier gtiwesendcn Mitglieder det(öroschzoglickicn Fa- milie, die Hoicharnc_n, dicßmernhtät nnd cipdere Notabili- lärn bci. _ Der österreichische Gemndtc, Freiherr v. Potten-

* Joscf mr Verlobung dcr Pritmssin Victoria.

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essen. Darmstadt, 15. _Mäti. (W. T. B.) Der (*ito ,iierzog begi:bt sich am nächsten Freitag nach St. Peters- burg.

Elfaß-Lotbrin eu. Straßbyrg, 14. Märi. Ter seinem Inhalte nach ereits tclegraphiich gemeldete Auscmeme

* gewissen,

Erlaß,_ betreffend den Geschäftsbetrieb ausländischer Versicherungsaesellschaften, hat nach der „Els.-Lothr. Ztg.“ folgenden Wortlaut:

Durch Ober-Präfidialverfüguna vom 19. Juli 1872 ist dahin Anordnunz getroffen worden, daß dem Geschäftsbetrieb aubländischer (nicbt deutscher) VetfiMrungßgesellsäpaften in Clsaß-Lolbringen unter in der Verfügung näher bezeichnetcn Voraussetzungen kein Hindernis; zu bereiten sei. Von 'der Führung des Nachweises, daß die betreffende Gesellschaft in Cliaß-Lotbringen staatlich anerkannt sei. bat jene Verfügung die Duldung des Geschäftsbetriebes nicht abhängig gemacht. _

Fur den Erlaß der fraglichen Anordnung war bestimmmd, “rag im Gebiete des Reichßlandes in den ersten Jahren der deutschen Verumltung einheimische Verfickperungßanstalteu von mehr alslokaler Bedeutung nicht kestanden und daß mit Rücksicht hierauf 'die unbe- schränkte Zulassung des Geschäftsbetriebes ausländischer Versicherungs- gesellscbaften, insbesondere auch der in Elsaß-Lotbringen vorherrschend vertretenen französischen Gesellschaften im Interesse des versicherung- suchenden Publikums für erforderlich erachtet wurde.

Dieser Grund der Anordnung bat seiue Bedcujung verloren, nachdem inzwischen die Bildung eirrbeimiscber Verficberungßgesell- schaften begonnen hat, deren Geschäftsbetrieb auf aauz Elsaß Lothrin- gen brrecbnet ist. Daß diese einheimischen Gesellscha1ten unbefugter Konkurrenz des Auslandes auégeseßt sind, entspricht nicht den Inta- cffen des Landis. Ihr Geschäitsbetrieb bietet den Vortheil, daß die von den Landesbewobnern gezahlten Prämien im Lande bleiben; nicht minder kommt in Betracht, daß einheimische Gesellschaften für 'die Erfüllung der Versicherungßverträae ungleich größere Sichetxeit ae* währen,“ als Gesellschaftev, deren Vormögen im Auslande belegen ist.

M*t Rücksicht auf die bezeichnete Aenderung der Verhältnisse ist es daher geboten, daß die Verwaltung von dem bisher befolaten Grundsaße zurückkommt und den (Gescbäftsbetrieb ausländischer Ver- ficherungsgesellfcbaften künstizhin nur insoweit gestattet, ais diesem Geschäftsbetrieb ein? rechtliche Befugnis; zur Seite steht.

Nach Lage der Geseßgebnng sind ausländische Versicherung:?- gesellschaften auf Akticn und ausländische Versickoerungsaesellsäoaften auf Gegenseitigkeit an Ukld für sich zum Geschäftsbetrieb in Elsaß- Lotbringen nicht_ berechtigt. _

Was insbc1ondere ausländische Aktiengesell'cbaflen anlamit, so ist 'rcreri Steüuvg 'rurcb das Gesey vom 30. Mai 1857 WM. (195 1015 )(1 Zék18, Nr. 4578) dahin geregelt, daß sie nur dann als Rechts- subjekte anerkannt und zum Gesckäftsbeirieb in Clsaß-Lotbringen zugelassen werden können, wenn sie entweker durch landekberrlicbe Verordnung, oder durch internationale Vereinl'aruna mit dem Lande welchem sie angehören, ausdrückliéb für das Inland ermächtigt wor- den sind. Vergl. 1331103. 116011211 1860 1. S. 444 und 11. S. 126 11. ff.; 1861 11. S. 1877. ,

AuGländiiche Verficherungsgese11schasten aof Geßenseitigkcit 1:2- dürfcn, insof.rn sie nach den (Gesctzeneibres Domizils den Aktien- gÉscUsckoaften darin gleichgesteÜt sind, daß fie wie diese ein se1bstän- “017.29 von der Persönlichkeit der einzelnen Gesellsckafter verschiedenes Rechtswbjekt bilden, mit Rücksicht auf diese Gleickostkllunz gleichfalls der bezeichneten Crmächtiguna. Bei ausländischen Leben-“Versicberungs- geseÜschafken auf Gegenseitigkeit ist die staatliche Ermächtigung auch dann für erforderlich zu erachten, wenn die Eigenschaft juristischer Personen nicht in Frage steht. Es folgt diss aus dem Umstande, daß auch drr Gcscbäfföbetcieb inländischer Gesellschaften gleicher Art nach Art. 66 das Geießes über die Geseüscbasten vom 24. Juli 1867 durch j-ne Ermächtigung kediuqt ist.

(ngn au§1ändische Versicherungßgeseüicbaiten, welcbe ohne die hiernach erforderliche Ermächtigung in Elsaß-Lojbringcn tbätiz sind, ist mir den gcseßlicben Mitteln einzuschreiten. Ich ersuche Sie, die Vertreter der nicht ermächtigten aukländiscben Gesellfckaften ent- sprechend zu verständigen und denselben zu eröffnen, daß die Fort- seßung ihres Geschäftsbetriebes über den 1. Mai 1). Is. hinaus nicht werde geduldet Werden. .'

Auf Versicherungszesellscba ten, Welche in Oesterreich, Belgien, Italien, Ermland und in der ScbWeiz domizilirt sind, findet die vorstehende Anordnuna keine Anwendung, da diese Gefeüscbaften kraft internationaler Vereinbarungen anerkannt und zum Geschäfts- betriebe zugelassen sind. _

Straßburg, den 11. Marz 1881,

Der Unter-Staajssekretär: von Pommer-Ejche. An die Herren Bezirksviäfirentcn.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. März. (W. T. B.) Dem heute in der hiesigen russischen Kirche abgehaltenen Trauergottesdienste wohnten der Kaiser, die Mitglieder der Kaiserlichen Familie, das diplomatische Corps und viele Mitglieder der Aristokratie bei, der Kaiser und die Erzherzogs Karl Ludwig und Wilhelm trugen rus1ifche Uniform. Der Kaiser wurde vom russischen Botsxhafter _am Eingang empfan- gen und sprach demselben sein tiefstes Beileid aus.

_ Das Abgeordnetenhaus wählte heute mit 163 Stimmen den Abg. Fürsten Lobkowis zum ersten Vize- Präfidenten, der Abgeordnete Demel erhielt 149 Stimmen.

_ In der heurigen Versammlung der Verfassungs- partei wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: Indem die Verfassunaspartei ihren Abscheu und ihre Ent- rüstung über das fluchwürdige Attentat gegen den Kaiser von Rußland ausdrückt, vermag fie auf die An- regung, dicse Gesinnung durch einen Antrag im Hause nach- träglich auszusprcchen, als verspätet. und ihrer Stellung als Minorität nicht entsprechend, nicht emzugeijen.

Schweiz. Bern, 15. März. (W. T. V.) Der Burichrati) richtete an die hiesige russische Gesandt- schaft ein Schreiben, in welchem er seine Bestürzung und Entrüstung über das ichändlichc, schrexkliche Attentat aus- sprach und dieselbe crsuchto, _der Kaiserlichen Familie den Ausdruck seiner schmerzlichen S sicherung seiner Hochachtung nntzuthei cn.

Niederlande. Haan, 15. März. (W. T. B.) Die Zweite Kammer genehmigte heute einen Antrag, durcb welchen die Regierung aufgefordert wird, der russischen Regierung ihre Entrüstung und Theilnahme wegen der Ermordmm des Kaisers Alexander auszusprechen. _ In der russischen Kapelle fand ein Trauergottesdiensi statt, welchem die Vertreter der Regierung und das diploma- tische Corps beiwohnten.

Belgien. Brüssel, 15.März. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Nepräscntantenhauses zLedachte der Präsident des furchtbaren Verbrechens gegen den ais er Alexander und des schmerzlichen Eindrucks, welchen das- selbe im ganzen Lande hervorgerufen habe. Er sei überzeugt, dcr Tolinetsaier der Kammer und des Landes zu sein, indem er dem Gefühle dcs Abscheues über dieses Verbrechen Aus- druck gebe. (Zustimmung auf allen Bänken des Hanses.) Der Minister dis Auswärtigen, Frére-Orban, erinnerte sodann an die roßen Reformen, die in Rußland mit dem Namen des Kai ers Alexander verknüpft seien, und hob rook- das; derselbe gerade in dem Zeitpunkte von dem 21er reRer aetroffen worden se; als er hatte die Segnungen dieser e- formen genießen sollen.

mpathie und dir Ver:

Großbritannien und Irland. Londsn, 15. März. (253, T. B.) Im Unterhause beantragte heute der Premier Gladstone eine Adresse an die Königin, in welcher dem Abscheu über das gegen den Kaiser von Rußland begangene Verbrechen und der aufrichtigen Theilnahme des Hauses an allen Empfindungen, wxlche die Frevelthat hervor- rufen müsse, AUSdruck gegeben mird. Gladstone wies auf die schwarze Undankbarkeit hin, welche allein solches Ver- brechen ersinnen und ausfx'xhren konnte. Das ganze Leben des Kaisers Alexander ,sél dem Wohle seiner Unterthanen gewidmet gewesen. _Die Hsrrschait Alexander;; 11. werde ewig in der Geschichte Rußlands und der europäischen Civilisation als eine erlauchte und denkwürdige Herr- schaft fortleben. Kaiser Alexander habe viel für Rußlcrnd gethan- Gladstone gedachte 1odann der Aufhebung der Leib- eigenschaft, der Einfiihrung der Lokalverwaltung und der'Ein- seßung der Geschwore'nengerichie. Die Liebe des russischen Volkes, die Sympathie und Bewunderung der gesammten Welt werde ewig dem Namen Alexandrrs 11. gesichert bleiben. Northcote unterstützte in beredten Worten den Antrag, welcher einstimmig angenommen wurde. Ebenso wurde der Antrag auf Erlaß einer Kondolenzadreffe an die Herzogin :) on Edin!) ur g h und der Antrag auf Ueberreichung derselben durch den Marquis Tavisiock und Graf Percy angenommen.

Jm Oberhause beantragte der Staatssekretär des Aus- wärtigen, Lord Granville, von Beaconsficld mit warmen Worten unterstüßt, eine Adresse an die Königin, um dem Kummer und der Entrüstung über die Ermordung des Kaisers von Rußland Ausrxruck zu geben. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Ebrnso wurde der Erlaß einer Adresse an die Herzogin von Edinburgh imd deren Ueber- reichung dnrch die Herzöge vyn Bedford und Richmorid geneh- migt. _ Hierauf wurde die irische Waffenbill m zwener Lesung angenommen.

_ 16. März. (W. T. B.) Sheridan, welcher zu'den Mitangcklagten in dem Prozesse gegen die irischen Agita- tor§n gehört, ift gestern verhaftet Und nach Dublin gebracht wor en.

Frankreich. Paris, 15. März. (W. T. V.) Die „République franr;aise“ begliickwi'mscht den Senat und die Kammsr zu ihrem gsstrigen Beschluss, die Sißung auf- zuheben, um auf diese Weise öffentliches Zeugniß abzulegen von dem Antheile, den Frankreich an dem Mißgeschicke Ruß- lands nehme, und von der tiefen Entrüstung gegen die unheilvollen Verschwörer. Die „République francaise“ schließt ihren Artikel mit Wünschen für die Entwickelung der Wohl- fahrt des großen russischen Volkes. _ Das Journal „La Paix“, die Journale „Temps“, „Débats“, der „Moni- teur“ und die meisten anderen Mütter der Rechten und der Linken brandmarken cbenfaUs das Attentat und rühmen den edrimüthigen Charakter des verstorbenen Kaisers und die patriotischen Gesinnungen und häns-lichcn Tugenden Kaiser Alexandcrs 111.

Im Senat interpeuirte Barbie die Regierung über die Maßregeln, welche gegen die jesuitischen Profes- soren ergriffen worden seien, welche ein eln in ihre früheren KoUegien zurückgekehrt seien. Der MiniZer-Präsident Ferri) rechtfertigte die ergriffenen Maßregeln und erklärte, vor Ostern müßten alle jesuitischen Professoren durch weltliche Geistliche erseßt werden. Hierauf wnrde die einfache Tages- ordnung angenommen.

In derDepiitirtenkammer beschwerte fick) Talandier (Intransigent), daß er gestern zu dem Antrags Dubodau, gegen den er habe protesliren wol1en, vorgeblich das Wort verlangt habe. Der Präsident Gambetta erklärte, er würde, falls Talandier gegen den fast einstimmigen Beschluß der Kammer protestirt hätte, die Bestimmungen der Geschäfts- ordnung in„vol]cr Strenge zur Anwendung gebracht haben. Gambetta erinnerte zugleich daran, daß auch die Leaislatur des Kaiserreichs bei Gclegenheit der Ermordung des Präsidenten Lincoln au] Antrag Rouhers die Sitzung aufgehoben habe.

Gegen die intransiaenten Journale und gegen den „Citoyen“ soll dem V2rnehmen nach wegen Verherr- lichung eines qualifizirten Verbrechens die (;crichtlich: Ver: folgung eingeleitet werden.

Wie „National“ und „Liberté“ melden, wäre da?: Kabinet mit der Prüfung der Mittel bcsä äftigt, die geeignet wären, den französischer: Interessen in Tunis Achtung zu peiicbaffen. Der „Temps“ mcldct: Die französische Kolonie in Tunis habe dem dortigen französischen Konsul cin Kunst- werk verehrt, als Zeichen ihrer Erkenntlichkcit für seine feste, gcschicktc und patriotische Haltung. Gleichzeitig habe dieselbe eine Adresse iiberreicbt, in welcher dic französiichc Regierung ersucht wird, energisch die Interessen Frankreich§ zu ver- theidigen.

_ 16. März. (W. T. B.) Das „Journal des De- bats“ tritt ker Annahme auswärtiger Blätter enlarge", daß die Milliardenanleihe cine kriegerische Bedeutung habe. Ueber dcn ganzen Betrag der Anleihe seien zum “Worms ac- pguc Bestimmungen getroffen worden; durch die 21116!ül)k1mg vneutlichcr Arbciten würden 612 Millionen in Anspruch qe- 11ommen, der Rest sei zur Regelung von bereits gemgchten oder von den Kammern beschlossenen Au-I-gaben bestimmt. In dem vom Finanzminister an den Präsidenten Gr-“vy unterm 1. Juni 1880 über das Liquidationskonto erstatteten Berichte sci eZne ausführliche Darlegung hierüber enthalten.

„_ (Cöln. Ztg.) Den neuesten Verfügungen des Krmad-Ministers zufolge soll in Zukunft die (Barnison von Paris folgendermaßen zusammengeseßt werden: 3 In: sanZerie-Divifionen, also 12 Regimenter oder 36 Bataillone; 6 (eruppcn von detachirtcn Vataiüonen mit 4BataiUc-nen für jede Gruppr, zusammen 24 Bataillone. Die drei Infanterie:

Divisionen sollen von dem 3., 4. und 5. Nrmcc:Corp6 rctachirt wrrden.

Spanien. Madrid, 15. März. (W. T. V.) Die axvtliche „Gaccta“ publixirt das Gases, betreffend die Na- tifikation des mit Oesterreich abgeschlossenen Handels: nnr? Schiffahrtsvcrtrages. _ Könia Alfons hat dem Kaiser Alexander 111. von Rußland tclcaraphiscb sein

Beileid aus,“.csprochen. Am Hofe ist eine 24tägine Trauer angeordnct worden.

Italien. Rom, 16. März. (213. T. V.) Anlaszlich dcs Ablebens des Kaisers Alexander 11. von Rußland ist eme „Wümme H o s t ra u c r angeordnet worden. _ Dcr Firmiz- Ministxt Magliani legte in dcheputirtcnkannner dak- dcnmtwe Budget pro 1881 vor.

_ Der Botschafter in St. Petersburg, Ritter von Nigra, ist beauftragt, der Bestattung des Kaisers

Aiexander als außerordentlicher Gesandter beizuwohnen. Die heute nach St. Petersburg abreisende Spezialmission besteht aus _ dem Flügeladjutanten des Köni s, Admiral Martin, Maxor Leiteniß und Ordonnanzoffizier eruzzi. Der Herzog von Aosta wird sich später zur Krönungsfeierlichkeit nach St. Petersburg begeben.

. Türkei. Konstantinopel, 13. März. (A(lg.Corr.) Die in Thes s alien gegenwärtig stationirte gesammte Trap : pen'macht besteht aus 33Batai110nen Nizams, 17Batai110nen Redifs ersten Aufgebots, 2 Regimentern Kavaüerie und 35742 Many ArtiÜerie und Sappeure. Während der [eßten paar Tage, nnd Torpedos im ZKufen von Volo versenkt wor- dxn. _ Die ostrumelische eqierung hat das Projekt, die Reserven zu organisiren, aufgegeben. Aleko Pascha hat seine Abs1cht kundgegeben, einen zweimonatiichen Urlaub nachzu- siichen.'_ Der bulgarische Agent bei der Pforte,Alabanoff, halt seinen Protest gegen die von der Pforte beabsichtigte Bil: durig 81119?) besonderen Amtes für die Correspondenz mit den pripilegirten Provinzen aufrecht und erklärt, er wiirde Mit- Heilungen,“ die an ihn nicht von Assim Pascha, dem Minister fur Yu-Zwärtige Angelegenheiten, gerichtet sind, unbeantwortet lgffen. Er hat den Botschaftern der Mächte vorgesteÜt, daß eiii solches Amt die politische Autonomie Bulgariens gefährden wtirde. _ Es vcrlautet, daß es dem Kurdenchef Scheick)

Obeidullah endlich gelungsn ist, den Beistand der Truppen '

des berühmten Kurdenchefs Hamsa Agha zu erlangen, _

Zwer Bischofs und 12 Priester der Anti-Haffumtensskte haben '. anstrengung vom Lcidenden gesprochen, waren die [881M-

sick) dem Monsicmor Vanutelli unterworfen, der ihnen im Namen des Papstes; Absolution gewährte und sie ermächtigte, m_ den römisch=kath01ischen Kirchen Konstantinopels zu iunkrio: mren._ Das armenisch-katholische SchiSma ist nun- mehr sait zu Ende. Es verbleiben noch immer einige sci)i§- maiifche Priester, aber sie haben keinen Bischof an ihrer €€?)th und die Anti-Haffuiten-Kirche ist von Gensd'armen

e e .

. _ 15. März. Die „Neue freie Presse“ läßi sich von hier melden: Gestern und heute fanden bei dem deutschen Botschafter,Grafen HaZfeld, Sißungen in der grirchisch= t'Ürkisckzen Frag_e tatt. Die türkischen Delogirten legten eme K_arte vor, aus welcher das Maximum der Konzessionen der Pforte verzeichnet ist, welche cinen sehr versöhnlichSn Gsist bekunden.

_ 16. März. (W. T. V.) Heute fand eine Be- 1 preck) 11119 der Botschafter und tiirlischen Delegirten in der griechischen Frage statt. _ Riza Bei), der Sohn Neuf PasFaI, ist zum tiirkischsn Gesandten in Ertrinje Ernannt wor en.

Rumänien. Bukarest, 9. März. Der „Vol. Corr.“ wird von hier g€schriebem „Gestern wurde in der Kammer die schon lange erwartete JuterpeÜation bezüglich dsr Donau- Frage eingebracht. Die Anfrage war vom Abg. N.J0ne§cu in eine ziemlich umfassende Erörterung eingekleidet worden, deren Hauptinhalt auf den Gedanken hinausläuft, daß zwar Rumänien seine staatliche Existenz zumeist der Intervention Ocsterreich-Ungarns verdanke, daß abor dieser Umstand nicht genüge, um das; Land über den Stand der Donau-Frage zu beruhigen. Der Minister des Aeußeren Hr. Boereécu bc: merkte, daß durch Vorlage der Akten in einer noch schweben- den Frage deren gedeihliche Lösung bedeutend erschwert werden müßte, gab aber auch gleichzeitig die Ver- sicherung, daß die Regierung nicht daran denke, in der Donau- Frage die materieüen Landesintoressen den Rücksichten dcr iiußcron Politik zum Opfer zu bringen. Was den bisherigen Verlauf der kommissioneüen Verhandlungen anbelange, so sei es Rumänien nicht gelungen, die fiir den untersten Lauf der Donau zur chslung der internationalen Schiffahrt geschaffene Institution auch auf die Donau-Strecke von Galas bis zum Eisernen Thore auszudehnen, nachdem der Vertreter Bulgariens es fiir angezeigt erachtet hatte, sich fiir die Strecke zu Gunsten einer aus 3 Gliedern bcstrhendcn Uferstaaten-Kommission auIzusprechen, und die Möchte der österreichisch:ungarischen Monarchie die Rechte eines Uferstaatcs zugestanden hatten. Die weitere Forderung N. Joncßcu's, welcher sich mit der Interpellationsveant- wortung nicht zufriedengab, die Regierung möge wenigstens in vertraulicher Sisung dcr Kam'ncr den Wortlant der In: struktion für den Vertreter Rumäniens in der Donaukommis- sion mittheilen, wurde von dem Minister:“Yräsidenten Vra- tiano kurxwea dahin beantwortet, das; die Regierung keine weiteren Ausklärungen geben könne und wolle. Damit war der Zwischenfall erledigt.“

_ 15. Miiri. (W. T. B.) Fämmtliche Journale neben der Entrüstung iibcr dak- wt. Peters!) " rger Att-*utat A1160ruck. Fürst Karl nnd der Minister-

Präsidcnt richteten Kondolenztelearamme an dcn Kaiser Alcxander 111. Henke fand in der SerindavKircbe cin Trauer- gotlesdienst für den verstorbenen Kaiser von Rußland statt, welchem der Minister des Auswärtigen, die beiden Metro: polilcn, die Präsidenten der bcidenK.11nmcrn und das ge: sammle diplomatische Corps beiwolmtcn. Der Fürst und die Fürsiin waren durch den Hofmarscvall und einen Adjutantcn vertreten. _ Das amtliche Blatt vcrdffentlichtdic Ausliefe- rungskonveution mit Belgien.

Rußland und Polen. St. Petersburg, 15. März. (W.T.B.) Ueber die Katastrovbe vom 13.11.1111. brricvtet dcr Osfizicr bcim Cadrebataiüon dcs Lcibgarde-Rcscrvc: Nmimcnts Nowitosf als Armenieuge in der „Neuen Zeit“ Folgendes: Der Kaiser hatte sich über die abgehaltene Wachtparadc zufrieden außgcsprocben und war in heiterer Stinmmng. Nowikoff und zwei seiner Kai::cradxn schritten, aus der Michaclmmié-ar kommend, auf die Newßdecrspcktivc zu und befanden sicb in der Nahe der Kasanbrückc, als sie cine heftige Detonation vernahmcn. Nowikoff eilte längs dea Quais des Katharinenkanals zu dcr Sthc, von woher er die Explosion vernahm nnd erblickte, als er noch etwa 30 Schritte von dieser Stelle entfernt war, eine Mcnschcnaruppc. Eine dickite Schneewolke, mit Splittern vermengt, erhob fich, uno cine zweite Explosion erfolgic. Nowikoff lic? noch rascher ala biolicr auf die *EUR zu und Tal:, daf; Matrosen von der 8. Flotten: Eauipane Jemandcn sc!"tbicltcn und dabei etwas [ant riefen, was ihm 11!cht vetnändlick) war. Der Schnee war aufgcwüblt und bedeckt mit verschiedenen Fragmente!“- von Verwundeten; auf dem Boden lag cm nctödtctcr Kn bo, ein sckwcroet1cvtcr Kosak, noch eine Person und dabei im Schnee der Kaiser ornc Mühe, ohne Mantel, in der Uniform drc- SavpcurbataiUons. Die Fuße des Kaisers waren zexsaimcttcrt, die Kleidung zer: icht, das Blut strömte von den Beinen und färbte deanbnce. Nowikoff warf sich weinend zum Kaiser nieder mit den Wok: ten: „Mein Gott, was hat man mit Ew. Majestät gemacht!“

Ter Kaisxr Yag unbewsglicb. Die Matrosen traten hinzu. Mit ihrer Hüls? r:chtet_e Nowikoff den Kaiser auf, ihn mit dem rechten Arm um Yen Leib faffen'd, den linken auf die Brust legeiid; die MatrNen hielten die Füße, ohni.- die Gewehre aus der Hand zu l_egen. So wurden einigeSchritte gemacht. Der Kaiser sagte zwei Mal, bemüht, die Hand an die Stirn zu erheben, welche voU Blut war: „kalt, fait“. Nowikoff mit dem einen Arm den Kaiser haltepd, versuchte mit dem anderen ein Tuck) aus der Tasche zu ziehst), um dasselbe dem Kaiser um das Hcrupt zu Winden. In diesem Augenblick fuhr der Großfürst. Michael heran. „Saicha, mie fühlst Du Dich?“ fragts er, sich zum Antiiß des Kaisers niederbeugend. Was drr Kaiser antrvortete, warickxiver zu verstehen; kein Stöhnen entstiegseiner Brust. Der Großfürst befahl; den Matrosen, die Gewehre fortzuwerferi, und 1emandem_ die Miiße abnehmend, bedeckte er damit das Hgiipt ch Kaissrs, welcher weitorgetragen wurde. Das Volk stromte vori aÜen Sriten hinzu, viele fielen auf di? Knir, sich bekrßuzigend und schluchzend. Die Pferde des Obsrsten Dworschißki waren durch die Detonation schen geworden und zur Theaterbrücke fortgerannt. Der Stabskapitän Framk Lilie ihnen nach. In der Nähe standen einige Lohnschlitten, die aber zum Tran§port des Leidenden ungeeignet waren. Nowikoff fragteden Großmrstrn, ob er gsstatte, den Kaiser bthf-Z Anlegung eine?; Ver: bande? 111 dir?) nächste Haus zu transporliren. Der Kaiser, a11gk111ch211111ch n0ch bei Besinnung, flüsterte dies hörend: „tragex „_ ins; Palais, dort sterben!“ und noch etwa?, Unvernandliches. Diese Worte, mit der [eßten Kraft-

kein Laut mehr wurde vernommen. Die Pferde Dmorschißfi's warerruntrrdrffen [)erbeigeholt wordcn. Dsr Kaissr wurde, anf Heiden Seiten unterstüßt, in den Wagen gehobrn und saß vyrnubrr ILOLLTJQ, AiifangéZ wurde Schritt gefahren, da aber die Krafte 5611 Kaiser verließen, wurde befohlen, schnel! zu fahren. DiE Fahrt ging den Moikakanal entlang, über die St_ak11)0111_riicke„ durch dis Moschkoff-(Haffe und die große M1U1ona1a._ Emo große Mensckzsnmenge lief hinterhrr, in höchster Ariirrgung sich bekrenzigend. Der Kaiser wurda dann in das Palais getragen.

Drr__vo[lständige Name des V e rk) r e (1) e r S ist Nicolai Iwa- noff Rumakoff, aus Tischwin gebürtig, 19 Jahre alt. Der- sslve genoß srme erste Ausbildung in der Krcisschuir zu Wr)- tegra,'besuchte dann die Realschule in Tscher2powiß imd trat 1879 111 das Verginstiiut zu St. PeterLburg ein, besuchte je- doch seit Dezembcr 1880 keine Vorlesungcn mrbr. Bei der Katastrophe am 13. d. wurden im Ganzen 18 Personen ver- wundet, 2 starben.

Dic», „Cölnische Zeitung“ berichtet aus St. Peters- burg über die Katastrophe noch Folgendes, vom 14. d.: Der Leichnam de?- Kaisers wurde heute, Morgens 4 Uhr, cinbal- 101111rt1111d dann in dsr Umform des Preobrascheiiski'schen Leibgarde:§)iegit_t1ents mit aUeU GenrralsabzeiMn Um 7 Uhr friih vom Howlwtographen Lewißky abgenommen. Das, Gesicht des Kaisers ist nur uncryeblick) vrrloßt und nicht entstellt. Das limke Augenlid ist gsschrammt, dcr rschte Backeiiknochen _zeigt einen rothen dunklen Fleck. Auf der linken Gesichtsfeite find Unzählige kleine Glassplitter in die Backe emgedrungen. An der Stirn zwischen den Augenbrauen Und am Kinn sind leichcheulcnsichtbar. Das [inks Beinhing nur 11051) an Fasern und wurde deshalb abgenommen und durch 9111 künstliches erscß“. Viele Anzeichen sprechen dafiir, das; die geschleuderten Sprengstoffe nur mit Glas umhüUt waren; durch diese Art der Verpackung soilte eine leichtere Explodirfähigkeit der Bombe und größere BÖSartigkeit drr Wim: den erzielt worden. Vor dem Attentate hatten, wie berrits ge: meidet, zwei Nächte [ana Haussiichungen stattgefimdrn; einen Tag vor dem Attentat soll man einen bedeutenden politischen Verbxzckxr, auf dem man schon lange vrrgeblich fahndcte, anf- gegrinen haben. In der Paulsfestung, wohin man ihn führte, erklärte er im Verhör, es sei ihm nnn alles gleich, mankönne ihn hängrit, seine Vorbereitnngen habe er so sicher getroffen, das; an ein Mißlingen dcs Streicbcs nicht 311 denken sei. _ Es hat hier einen sehr guten Eindruck gemacht, daß der neue Kaiser unbekümmert erklärte, er werde nach den Prinzipien seires Vaters regierkn.

Trauergeläute von a'1en Kirchen zeigt den Beginn der Trauorfeierlichkeiten an. Die Hof: und ZtaatSwiirden: träger und die Vertreter der Armee und Marine find einge- laden worücn, der heute Abend 8 Uhr stattfindenden Ueber: fiihrung der Leiche des Kaisers nach der Schloßkirche bciiuwoynen. In dieserblribt die Leiche des Kaisers 14 Tage hindurch aqusteUt. Die dazu Geladcnen sind aiifaefordcrt wordcn, a:! den jeden Abend 9 Uhr dort stattfindenden Gebeten theilzuncbmen.

Der „Regicrungsanzeiacr“ meldet übxr die gestrige Huldigung fiir Sc.Y1ajcs1ät den Kaiser Alexander [|]. im Winterpalais: Um 1 Uhr traten Ihre Majestiitcn der Kaiser nnd die Kaiserin, dcr GroßfürstThronfolger nnd die Mitziiicder dir Kaiserlickien Familie aus den inneren (512: 111€ichern 311 der vcrsammcltcn (chncralität und den 1:0th Würdenträgern , welche beim:“?- Eidcsleistunn und Huldigung in den Sälcn dcs Winterpalais verfiimmclt waren. Jm Nikolaisaale bei dcr chbc des Chcoalier: gardchgimcnts wandte fich der Kaiser mit hoc!) denk: würdigen Worten an die versammelten Generale und Offiziere. Nachdem der Kaiscr denselben Namens des liinge- schiedenen Kaisers seinen Dank für ihre treuen Dienste ans»- gcsprochen hatte, geruhtc er 311 bemerken, das; er, inrcm er in 1016) ickwercr Minute die Re,“.ierung antretc, dcm Heile nnd der Wohlfahrt Rußlands dienen werde. Er boffc seiner Liebe würdig zu sein und sei überzeugt, daß die Armee nicibfalls ibm und dem Thronfolgcr mit derselben Treue und demselben Pflichtcifcr dienen werde, wie sie dem vcrstorbcncn Herrscher gedient habe. Hierauf dankte der Kaifcr nochmals fur die trcucn Dienste Namens seines verstorbener: Vaters. Die Worte des Kaisers wurdcn mit begeisterten Hurralis aufg;- nommen.

Ein [mite ctlaffcner Kaiserlicher Ukas bcfieblt auf (iirund dcs Manifestes vom 19, Februar 1861, daß die Bauern, welcbe früher als Lcibeigcne keinen Treueid leisteten, nunmehr gemäß den (Vcscvcn, welche für alle Bürger gleich seicn, den Eid der Treue leisten sonen, und beauftra 1 den Senat init der Ausführung dieses Ukascs. _Der (51:02- fiirst Wladimir ist zum Kommandanten deo Gardecorvs und der Truppen des St.Vetcrobnrgcr Militärbezirks ernannt worden. Bei der gemrn stattaclmbten Huldigung verlas dcr Justiz-Miniiter das Manifest iiber die Thronbe- 12c1mmg des Kaisers Alexanders 111. und schritt dann zur Abnahme des Huldigungscidcs.

_ 15. März, Abends. (W. T. B.) Ein Extrablatt des „R e g 1 er u n goanze i g e r 6“ veröffentlicht folgende Mittheilung